Deutsch SChulreferat Tomas Bernard, teil 2
Entwicklung zum Schri steller und seine beiden „Lebensmenschen“
Prägend für Bernhards Entwicklung als Schri steller war die Zeit, die er in frühester Kindheit bei
seinem Großvater Johannes Freumbichler verbracht ha e, dazu das Gefühl, von seiner Mu er
alleingelassen, ungeliebt, unerwünscht zu sein, vom Vater verleugnet. Dazu kam ein schweres
Lungenleiden und später das „Boeck-Besnier-Schaumann-Syndrom“ (Morbus Boeck), in dessen
Verlauf es zu einer dilata ven Kardiomyopathie, einer „Herzerweiterung“, kam. In einem
Filmgespräch an drei Tagen mit Ferry Radax, einem seiner selten gewährten Interviews,
erläuterte Bernhard 1970 den Einfluss seines persönlichen Lebenshintergrundes auf sein
Werk.[10]
Es gab in seinem Leben, wie er sagte, zwei für ihn „existenzentscheidende“ Menschen: seinen
Großvater, der ihm den Sinn für die Philosophie, für das „Höchste, Allerhöchste“ mitgegeben
und der ihm Montaigne, Schopenhauer und Pascal nähergebracht ha e, und seinen
„Lebensmenschen“ Hedwig Stavianicek, geb. Ho auer (1894–1984). Mit ihr verband ihn bis zu
ihrem Tod eine innige Beziehung und Freundscha . Hedwig Stavianicek aus großbürgerlicher
Herkun war in zweiter Ehe von 1933 bis zu dessen Tod 1944 mit dem klassisch gebildeten
Ministerialrat Franz Stavianicek verheiratet. 1950 ha e die um 37 Jahre ältere Frau Bernhard
während seines Aufenthalts in der Lungenheilstä e Grafenhof in St. Veit im Pongau in der
dor gen Kirche singen hören und drei Jahre später auch persönlich kennengelernt, ab 1954 ist
der briefliche Kontakt gesichert. Ab 1955 folgten auch gemeinsame Reisen. Die „Tante“ wurde
für Bernhard zunächst zur Förderin und führte ihn in die Wiener Gesellscha ein. Ab 1965
besuchte sie ihn häufig für einige Wochen auf seinem Bauernhof in Obernathal bei Ohlsdorf
(Oberösterreich). Bereits selbst erkrankt und äußerst geschwächt, pflegt er die mi lerweile
be lägerige Freundin in ihrer Wohnung über Wochen bis zu ihrem Tod, den er in dem Roman
Alte Meister. Eine Komödie als den Tod der Frau des Protagonisten verarbeitete.[11]
1950er Jahre
1950 veröffentlichte Bernhard unter dem Pseudonym Thomas Fabian[12] die Kurzgeschichte
Das rote Licht – damit begann seine lebenslange schri stellerische Tä gkeit. Der Tod und die
Rela vierung aller anderen Werte angesichts der steten Bedrohung durch ihn wurden in seinen
Werken zu einem der wich gsten Mo ve. Seine Romane, die autobiografischen Erzählungen
und ein Gedichtband tragen Titel wie In hora mor s, Frost, Die Kälte, Verstörung und
Auslöschung.
Während der 1950er Jahre arbeitete Bernhard als Journalist, u. a. von 1952 bis 1955 als freier
Mitarbeiter bei der sozialis schen Tageszeitung Demokra sches Volksbla , und war gleichzei g
als freier Schri steller tä g. Im Salzburger Mozarteum nahm er Unterricht in Schauspielkunst
und Dramaturgie und in Musiktheorie bei Theodor W. Werner. Ende 1954 trat Bernhard auf
Anregung des Chefredakteurs des Demokra schen Volksbla s Josef Kaut der SPÖ bei, bereute
dies jedoch schon am nächsten Tag und sandte das Parteibuch zurück. Anschließend beendete
er auch die Arbeit für das Volksbla .[13]
Am 9. November 1954 hielt Bernhard in Salzburg einen Vortrag, dessen bis dahin unbekanntes
Manuskript im Jahr 2009 vom Cheflektor des Suhrkamp Verlags entdeckt wurde. Im Vortrag
drückte Bernhard seine Bewunderung für Arthur Rimbaud aus; er schrieb, Rimbaud sei „keusch
und erha zugleich“ gewesen. Dies ist die früheste bekannte Äußerung Bernhards zu seinem
Selbstverständnis als Autor sowie zum staatlichen Kulturbetrieb; er verhöhnt darin einen „Herrn
vom Kulturamt“, der sich bei Dichterlesungen wich gtuerisch vor den Autor schiebt.[14]
1957 trat Thomas Bernhard mit dem Gedichtband Auf der Erde und in der Hölle als Lyriker auf.
Auf dem Tonhof des Komponisten Gerhard Lampersberg in Maria Saal kam Bernhard zwischen
1957 und 1959 (nach Oliver Bentz bis Sommer 1960) in Kontakt mit Schri stellerkollegen wie H.
C. Artmann, Chris ne Lavant, dem jungen Peter Turrini und Wolfgang Bauer zusammen.
Lampersberg und seine Frau hegten ihm gegenüber später ambivalente Gefühle, die sich
anlässlich der Veröffentlichung von Holzfällen zu einer offenen Feindscha entwickelten. 1984
erwirkte Lampersberg, den Roman seines ehemaligen „Schützlings“ gerichtlich zu
beschlagnahmen, da er sich in der Figur des Auersberger wiedererkannte. Seit 1953 bestand
eine enge Freundscha mit dem Kunsthistoriker und Schri steller Wieland Schmied sowie mit
dem Maler Hundertwasser.