HGV 2013/14 Physik 10.
Klasse
Kreisbewegung: Die Zentripetalbeschleunigung und –kraft
Du sollst die Herleitung der Formel für die Zentripetalbeschleunigung nachvollziehen, indem du den
aufgehängten Zetteln folgst. Gehe erst dann zur nächsten Station weiter, wenn du dir eine Antwort
auf die jeweils gestellten Fragen überlegt hast, mit der du selbst zufrieden bist. Lass dir ggf. von
deinen Mitschülern helfen, die schon eine Station weiter sind.
Wenn du bis ans Ende gekommen bist, gehe zurück und hilf denjenigen, die noch am weitesten
hinten sind. Das Ziel ist, dass bis zum Ende der Stunde alle am Ende angekommen sind.
Station 1 ist in 3 Teile a/b/c geteilt, die in beliebiger Reihenfolge bearbeitet werden können.
Liste der Stationen:
1a: Wiederholung Mathematik [Link]: Ähnliche Dreiecke
1b: Wiederholung Mathematik [Link]: paarweise aufeinander senkrecht stehende Schenkel
1c: Wiederholung Physik 7.- [Link] Mechanik: Geschwindigkeits- und Kraftpfeile („Vektoren“)
2: Geschwindigkeit und Geschwindigkeitsänderung auf der Kreisbahn
3: Beziehung zwischen Δ und Δ
4: Division durch Zeitspanne Δ
5: Verkleinerung der Zeitspanne
6: Formel für die Zentripetalbeschleunigung
7: Formel für die Zentripetalkraft
8: Was ist die Zentrifugalkraft?
Notizen:
Zentripetalbeschleunigung (2 Formeln):
Zentripetalkraft (2 Formeln):
Skizze(n):
Station 1a: Wiederholung Mathematik [Link]:
Ähnliche Dreiecke
Zwei Dreiecke A1B1C1 und A2B2C2 heißen ähnlich, wenn für ihre Innenwinkel gilt
= , = , = .
C3
C2
Sie können unterschiedlich groß sein!
C1 A3
B1
B2
A1 A2
B3
Aber das Verhältnis ihrer Seitenlängen ist gleich.
Es gilt einerseits für das Größenverhältnis zwischen Dreieck 1 und Dreieck 2:
= =
und andererseits für die Verhältnisse der Seiten innerhalb der Dreiecke:
= , = , =
Aufgaben:
1. Die Seiten eines großen Dreiecks sind jeweils dreimal so lang wie die Seiten
eines kleinen Dreiecks. Wie verhalten sich die Flächeninhalte der beiden
Dreiecke zueinander? Mach dir ruhig eine Skizze.
2. Was ist der Unterschied zwischen den Begriffen „ähnlich“ und „kongruent“?
Sind zwei kongruente Dreiecke automatisch auch ähnlich?
Sind zwei ähnliche Dreiecke automatisch auch kongruent?
3. Für die Seitenlängen zweier Dreiecke 1 und 2 gelten jeweils die folgenden
Beziehungen. Entscheide, ob die Dreiecke kongruent oder ähnlich sein
müssen, oder ob es aus den gegebenen Beziehungen nicht zwangsläufig folgt.
a) = und =
b) = und = und =
c) = und =
d) = und = und =
Station 1b: Wiederholung Mathematik [Link]:
paarweise aufeinander senkrecht stehende Schenkel
Wenn die Schenkel zweier Winkel und paarweise aufeinander senkrecht
stehen, dann sind sie entweder gleich groß:
oder sie ergänzen sich zu 180°:
Der erste Fall lässt sich beweisen, indem man den Scheitelwinkel in der Mitte
betrachtet. Die zwei sichtbaren Dreiecke haben jeweils einen 90°-Winkel und
den Scheitelwinkel gemeinsam. Dann muss auch der dritte Winkel gleich groß
sein, es handelt sich um ähnliche Dreiecke (die Seitenlängen müssen nicht
gleich lang sein!)
Im zweiten Fall argumentiert man mit der Winkelsumme im Viereck, die 360°
beträgt. Da zwei der Viereckswinkel 90° haben, müssen die anderen beiden
zusammen 180° betragen.
Station 1c: Wiederholung Physik 7.- [Link] Mechanik:
Geschwindigkeits- und Kraftpfeile („Vektoren“)
Physikalische Größen lassen sich in zwei Gruppen teilen. Bei den einen kommt
es nur auf den Zahlenwert (Betrag) an, z.B. bei der Zeit oder der Masse.
Zwei Massen werden addiert, indem man die Zahlenwerte einfach zusammen-
zählt (vorausgesetzt, man rechnet zuvor in die gleiche Einheit um).
Bei anderen Größen ist zusätzlich eine Information über die Richtung wichtig,
z.B. bei der Geschwindigkeit oder der Kraft.
Die simple Addition der Zahlenwerte zweier Kräfte ist nur dann erlaubt, wenn
sie in die gleiche Richtung zeigen.
⃗ ⃗ ⃗ + ⃗ = ⃗
Zeigen sie in genau entgegengesetzte Richtung, dann bedeutet die Addition
der Kräftevektoren eine Subtraktion der Zahlenwerte (Beträge) voneinander.
⃗ ⃗ ⃗ + ⃗ = ⃗
Schließen sie einen anderen Winkel ein, dann muss man mit Hilfe eines
Kräfteparallelogramms die resultierende Gesamtkraft bestimmen.
⃗ ⃗ ⃗+ ⃗ = ⃗
In den Klassen 7-8 ermittelt man diese Gesamtkraft zeichnerisch, sobald die
Winkelfunktionen sin, cos und tan bekannt sind, können solche Gesamtkräfte
aber auch algebraisch berechnet werden.
Aufgaben:
1. Teile die folgenden physikalischen Größen in „skalare“ (Zahlenwerte ohne
Richtung) und „vektorielle“ (mit Richtung) ein:
Ort, Flächeninhalt, Volumen, Beschleunigung, Energie, Impuls, Temperatur
2. Die Kraft ⃗ mit Betrag 33 N und die Kraft ⃗ mit Betrag 44 N stehen
senkrecht aufeinander. Wie groß ist die resultierende Gesamtkraft ⃗ + ⃗ ?
(Ist durch Rechnung exakt lösbar; eine Skizze hilft aber dem Verständnis).
Station 2: Bahngeschwindigkeit und
Geschwindigkeitsänderung auf der Kreisbahn
Wir betrachten die Bewegung eines Körpers auf einer Kreisbahn mit Radius
um einen Mittelpunkt .
Zum Zeitpunkt befindet sich der Körper am Punkt ,
zum Zeitpunkt = + ∆ am Punkt .
Zum Zeitpunkt hat der Körper die Bahngeschwindigkeit ⃗ ,
zum Zeitpunkt die Bahngeschwindigkeit ⃗ = ⃗ + Δ ⃗.
Achtung: Der Betrag der Bahngeschwindigkeit (also die Länge des Pfeils) ändert
sich nicht, nur ihre Richtung!
Die Änderung des Orts wird durch den Ortsdifferenzvektor ∆ ⃗ beschrieben,
die Änderung der Bahngeschwindigkeit durch den Differenzvektor ∆ ⃗.
Je größer die Zeitdifferenz ∆ ist, desto größer sind der Winkel ∆ und desto
länger ist der Ortsdifferenzvektor ∆ ⃗.
Der wirklich zurückgelegte Weg ist aber etwas größer als die Länge von ∆ ⃗:
Statt auf direktem Weg von nach zu gelangen, legt der Körper eine Strecke
auf dem Kreisbogen zurück.
Station 3: Beziehung zwischen Δ und Δ
Die beiden Dreiecke ∆ und ∆ sind beide gleichschenklig:
Die Länge der Vektoren ⃗ und ⃗ beträgt jeweils (Kreisradius),
die Länge der Vektoren ⃗ und ⃗ beträgt jeweils (Bahngeschwindigkeit).
Zwischen den gleich langen Schenkeln haben beide Dreiecke jeweils den
gleichen Winkel ∆ , da ⃗ auf ⃗ bzw. ⃗ auf ⃗ senkrecht steht.
Die Dreiecke sind also ähnlich zueinander.
Somit stehen ihre Seiten im gleichen Verhältnis zueinander, und es gilt unter
anderem die Beziehung:
Δ Δs
=
Station 4: Division durch Zeitspanne Δ
Im Folgenden geht es lediglich um Umformungen der im letzten Schritt
hergeleiteten Gleichung:
Δ Δ
=
Zunächst multiplizieren wir mit , um es auf die rechte Seite zu bekommen:
⋅Δ
Δ =
Dann dividieren wir beide Seiten durch Δ :
Δ Δ
= ⋅
Δ Δ
Wozu der letzte Schritt dient, werden wir gleich sehen. Aber vielleicht könnt ihr
es schon vermuten.
Station 5: Verkleinerung der Zeitspanne
Wird die Zeitspanne Δ sehr klein gewählt, so besteht kaum mehr ein
Unterschied zwischen der direkten Verbindung Δ zwischen den beiden
Punkten und und der wirklich vom kreisenden Körper zurückgelegten
Strecke auf dem Kreisbogen.
Große Zeitspanne: Δ ist kürzer als die Strecke auf dem Kreisbogen:
Kleine Zeitspanne (hineingezoomt): Δ entspricht quasi der Kreisbogenstrecke:
In der kurzen Zeitspanne Δ legt also der Körper auf der Kreisbahn näherungs-
weise die Strecke Δ zurück, seine Bahngeschwindigkeit beträgt somit = .
Station 6: Formel für die Zentripetalbeschleunigung
Wenn wir kurze Zeitspannen betrachten, gilt also
Δ
=
Δ
Analog gilt, dass die Änderung Δ der Bahngeschwindigkeit pro Zeitspanne Δ
der Beschleunigung entspricht, die auf den kreisenden Körper wirkt:
Δ
=
Δ
Dies können wir verwenden, um die in Station 4 umgeformte Gleichung
Δ Δ
= ⋅
Δ Δ
zu vereinfachen:
= ⋅
Noch weiter zusammengefasst erhalten wir die Formel für die sogenannte
Zentripetalbeschleunigung:
Aufgaben:
1. Sucht eine alternative Formel für , indem ihr die Bahngeschwindigkeit
durch die Winkelgeschwindigkeit ausdrückt.
2. Welche Zentripetalbeschleunigung wirkt auf die Erde bei ihrer Bewegung
um die Sonne? Der mittlere Abstand von der Erde zur Sonne wird als AE
(Astronomische Einheit) bezeichnet und kann hinten im Schulbuch nach-
geschlagen werden.
Station 7: Formel für die Zentripetalkraft
Wenn auf einen Körper eine Kraft wirkt, so erfährt er die zugehörige
Beschleunigung = .
Oder umgekehrt:
Damit ein Körper eine Beschleunigung erfährt, muss auf ihn eine
Kraft = ⋅ wirken.
In unserem Fall gehört zur Zentripetalbeschleunigung = die
Zentripetalkraft
=
Aufgaben:
1. Sucht eine alternative Formel für , indem ihr die Bahngeschwindigkeit
durch die Winkelgeschwindigkeit ausdrückt.
2. Berechnet die Anziehungskraft der Sonne auf die Erde sowie die
Anziehungskraft der Erde auf den Mond. Die hierfür nötigen Entfernungen
und Massen finden sich hinten im Buch.
Station 8: Was ist die Zentrifugalkraft (Fliehkraft)?
Trägheitsgesetz:
Solange keine resultierende Kraft auf ihn einwirkt, bewegt sich ein Körper
geradlinig mit konstanter Geschwindigkeit.
Damit sich ein Körper auf einer Kreisbahn fortbewegt, muss auf ihn ständig
eine Kraft in Richtung Kreismittelpunkt wirken, die Zentripetalkraft ⃗ .
Diese steht immer senkrecht auf der aktuellen Geschwindigkeitsrichtung.
Dadurch ändert sie nicht den Betrag der Bahngeschwindigkeit ⃗, sondern nur
deren Richtung.
Bewegen wir uns im Kreis um ein Zentrum, z.B. im Kettenkarussell oder im
Rotor auf dem Oktoberfest, so werden wir nach außen gedrückt. Wir fühlen
eine Zentrifugalkraft ⃗ .
Dabei handelt es sich aber nur um eine
sogenannte Scheinkraft oder Trägheitskraft
innerhalb des sich mit uns mitrotierenden
Bezugssystems. Sie entsteht aufgrund der
Massenträgheit: Unser Körper „möchte“
sich geradlinig weiter fortbewegen, der
Raum/Sitz, in dem wir uns befinden,
bewegt sich aber seitlich weg, so dass wir
scheinbar in die Ecke gedrückt werden.
Die Zentrifugal-Scheinkraft wirkt genau entgegengesetzt zur Zentripetalkraft
und ist betragsmäßig gleich groß. Im mit uns mitrotierenden Bezugssystem
heben sich Zentripetalkraft und Zentrifugalkraft also gegenseitig auf, d.h. wir
bleiben an der gleichen Stelle im Raum/Sitz und bewegen uns relativ zu diesem
Bezugssystem nicht.
Aufgabe:
Aufgrund der Rotation der Erde um sich selbst erfahren wir eine Fliehkraft, die
uns entgegen der Anziehungskraft der Erde nach oben hebt. Diese ist am
größten am Äquator, da dort die Bahngeschwindigkeit am größten ist.
Berechne die aufgrund der Fliehkraft resultierende Beschleunigung nach außen
(hierfür nötige Werte finden sich hinten im Buch) und zeige, dass diese deutlich
kleiner ist als die nach innen wirkende Fallbeschleunigung aufgrund der
Schwerkraft der Erde.
Lösungen
Station 1a:
1. Der Flächeninhalt des großen Dreiecks ist 9x so groß wie der des kleinen.
2. „Kongruent“ heißt deckungsgleich, es müssen also nicht nur alle Winkel von
paarweise übereinstimmen, sondern auch alle Seitenlängen. Bei ähnlichen
Dreiecken kann sich die Größe der Figur ändern, die Form bleibt aber gleich.
Zwei kongruente Dreiecke sind automatisch auch ähnlich zueinander.
Zwei ähnliche Dreiecke sind im Allgemeinen nicht kongruent.
C
3. a) = und = ähnlich
b γ
b) = und = und =
A α gleichschenklig, gleiche Basis ähnlich
a
c) = und = ähnlich
c
β d) = und = und =
B kongruent (SWW)
Station 1c:
1. Skalare: Flächeninhalt, Volumen, Energie, Temperatur
Vektoren: Ort, Beschleunigung, Impuls
2. Die Länge der Diagonale des resultierenden Parallelogramms (das aufgrund
des rechten Winkels ein Rechteck ist) kann man mit dem Satz des Pythagoras
berechnen: ⃗ + ⃗ = (33 N) + (44 N) = 55 N.
Station 6:
1. Mit = folgt = = .
2. = 1 AE = 1,496 ⋅ 10 m; = = = 1,99 ⋅ 10 s
, ⋅ ⋅ s
m
⇒ = = 0,0059
s2
Station 7:
1. Mit = folgt = = = .
2. Sonne-Erde: = 5,977 ⋅ 10 kg ; = 1 AE = 1,496 ⋅ 10 m ;
= = 1,99 ⋅ 10 s ⇒ = = 3,54 ⋅ 10 N
, ⋅ ⋅ s
Erde-Mond: = 7,35 ⋅ 10 kg ; = 384400 km = 3,844 ⋅ 10 m ;
= = 2,66 ⋅ 10 s ⇒ = = 2,00 ⋅ 10 N
, ⋅ ⋅ s
Station 8:
= 6368 km = 6,368 ⋅ 10 m ; = = 7,27 ⋅ 10 s
⋅ s
m m
⇒ = = 0,0337 ändert nur die letzte Stelle von = 9,81
s2 s2