Nile Rodgers wurde 1952 in der New Yorker Lower East Side als Kind einer 13-jährigen
Mutter geboren. Er wuchs in einem Umfeld von Heroinabhängigen auf und war viel auf sich
alleine gestellt, andererseits prägte ihn die unkonventionelle Umgebung mit ihrer Mischung
aus Künstlertum und sozialpolitischem Aktivismus. Als er heranwuchs, heiratete seine
Mutter einen Weißen, und Rodgers und seine Familie waren nun ständig und bewusst mit
alltäglichem Rassismus konfrontiert, was er bis dahin nicht so deutlich erlebt hatte. Mit 15
Jahren lernte er selbsterklärte „Freaks“ kennen, die ihm den ersten LSD-Trip bescherten und
ihn mit der Musik der Doors und der Beatles bekannt machten.[1] Im Alter von 16 Jahren
bekam Nile seine erste Gitarre, die sofort seine ganze Aufmerksamkeit und seinen Alltag
einnahm. Bereits mit 19 beherrschte er das Instrument und Noten fließend, so dass er
seinen ersten Job in der Studio-Band der Sesamstraße bekam.[2] Später wurde er Gitarrist
im Hausorchester des Apollo Theaters in New York. Rodgers und der Bassgitarrist Bernard
Edwards lernten sich 1970 im Alter von 17 Jahren kennen und tauschten sich über ihre
musikalischen Gemeinsamkeiten aus.[2] Rodgers spielte später zwar noch mit der wenig
erfolgreichen „Big Apple Band“ in kleineren Clubs, plante aber schon damals, mit Edwards
eine Rockgruppe zu gründen.
Ab 1976 wurde Rodgers zumeist im Team mit Edwards ein stilbildender und trendweisender
Musiker und Produzent. Sie begannen, Funkjazz mit Disco- und Rockelementen zu
verweben, und gründeten schließlich die Band Chic. Die ersten gemeinsamen
Demoaufnahmen zu den Songs Dance, Dance, Dance (Yowsah, Yowsah, Yowsah) und
Everybody Dance machten sie nachts umsonst in einem dann unbenutzten Studio, als sie
parallel in der Radio City Music Hall in der Backing Band von Luther Vandross spielten, der
auf den Aufnahmen auch Vocals beisteuerte.[2] Die beiden Songs wurden zu Hits von Chic
wie später auch Le Freak, My Forbidden Lover oder Good Times (US #1), dessen Aufnahme
sich unter anderem Sugarhill Gang ausliehen und damit den ersten Rap-Hit Rapper’s Delight
schufen. Die Rockband Queen baute auf der charakteristischen Basslinie ihren Hit Another
One Bites the Dust (1980) auf. Zur gleichen Zeit schrieben und produzierten Rodgers und
Edwards für die Gruppe Sister Sledge die Disco-Hits Lost in Music, We Are Family und He’s
the Greatest Dancer. Die beiden letztgenannten Titel erreichten im Lauf des Jahres 1979 die
#1 in den US-Charts. Rodgers arbeitete auch mit der französischen Sängerin Sheila B.
Devotion für den Titel Spacer zusammen, und am 13. August 1986 gastierte er bei einer
Aftershow von Prince im Astoria in London als musikalischer Gast live auf der Bühne.
Seinen Ruf als exzellenter Produzent baute Rodgers mit Produktionen für u. a. Diana Ross,
Debbie Harry, Madonna, Duran Duran, INXS, Dan Reed Network, Grace Jones, Laurie
Anderson (Home of the Brave), The B-52’s, Mick Jagger oder David Bowie aus. Auch war er
als Songwriter an weiteren Produktionen wie Hotel Room Service (für Pitbull) oder Get
Lucky (für Daft Punk featuring Pharrell Williams) beteiligt.