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Unit 1

Das Dokument behandelt die chemischen Grundlagen, die für das Verständnis der Wechselwirkungen von Substanzen im menschlichen Organismus entscheidend sind. Es erklärt grundlegende Begriffe und Größen der Chemie, wie Moleküle, chemische Gesetze und die Stöchiometrie, sowie den Aufbau von Atomen und deren Eigenschaften. Zudem wird das Periodensystem der Elemente vorgestellt, das die Beziehungen zwischen den Elementen und deren Eigenschaften darstellt.

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Unit 1

Das Dokument behandelt die chemischen Grundlagen, die für das Verständnis der Wechselwirkungen von Substanzen im menschlichen Organismus entscheidend sind. Es erklärt grundlegende Begriffe und Größen der Chemie, wie Moleküle, chemische Gesetze und die Stöchiometrie, sowie den Aufbau von Atomen und deren Eigenschaften. Zudem wird das Periodensystem der Elemente vorgestellt, das die Beziehungen zwischen den Elementen und deren Eigenschaften darstellt.

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Chemische Grundlagen

Der Ursprung jeder Wirkung einer Substanz, sei es ein Arzneistoff


oder ein Lebensmittelbestandteil, liegt in den Wechselwirkungen,
die diese Verbindung mit den Zielstrukturen des menschlichen
Organismus auslöst. Diese Wechselwirkung wiederum ist eine
Folge der physikalisch-chemischen Eigenschaften der daran
beteiligten Moleküle, die sich wiederum von deren chemischer
Struktur ableiten. Das Basiswissen der Chemie ist eine Grund-
lage der Biologie, die zum Verständnis der chemischen Reakti-
onen in der Zelle unumgänglich ist.

Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Helmut Spreitzer

Ass.-Prof. Dr. Barbara Hamilton


1 Chemische Grundlagen

1. Begriffe und Größen


Um die Geschehnisse der Natur oder eines Experiments Ein weiterer Teil dieser Begriffe stellen sogenannte
beschreiben zu können, benötigt man Begriffe, welche „Größen“ dar, deren Eigenschaften quantifizierbar sind.
auf Grund gemeinsamer, festgelegter Eigenschaften Deren Kenntnis bildet die Grundlage der „chemischen“
definiert wurden. Fachsprache. Möchte man etwas quantitativ (lat.:
quantitas – Größe, Anzahl) beschreiben, verwendet
So definiert der Begriff Molekül ein Teilchen, das aus man Größen, wobei jede Größe durch eine Bedeutung,
mindestens zwei Atomen besteht, welche über eine einen Wert (Einheit) und ein Formelzeichen gekenn-
Bindung verknüpft sind. Die Summenformel eines zeichnet ist. Dadurch können die Eigenschaften und
Moleküls gibt zwar die Anzahl und die Art der Atome, Dimensionen von Objekten bestimmt werden. Die
die das Molekül aufbauen an, nicht jedoch die genaue Basiseinheiten, aus denen sich beinahe alle anderen
Anordnung der Atome und deren Bindungen. Erst Einheiten ableiten, sind im Internationalen Einheiten-
eine Strukturformel erlaubt ein Verständnis über den system festgelegt.
tatsächlichen Aufbau des Moleküls.
1.1. Gesetze, Regeln, Modelle und
Summenformel Aussage Theorien
CH4 atomare Zusammensetzung 1.1.1. Gesetze und Regeln

Naturwissenschaftliche Gesetze führen unter gleich-


Lewis-Formel bleibenden Bedingungen immer zu den gleichen Ergeb-
nissen. So besagt das „Gesetz von der Erhaltung der
Masse“, dass bei chemischen Reaktionen die Summe
der Massen der Ausgangsstoffe gleich der Massen der
Produkte ist. Solche Gesetze gelten allerdings nur,
wenn die sogenannten Gültigkeitsbedingungen genau
eingehalten werden. Beispielsweise gilt das „Gesetz von
Boyle und Mariotte“, welches besagt, dass das Produkt
aus Druck und Volumen konstant ist, nur dann, wenn
es sich um ein ideales Gas handelt und die Temperatur
konstant bleibt. Diese Gesetze benötigen Fachbegriffe
und Größen und werden, wenn möglich, quantitativ
als mathematische Formel dargestellt.

Abbildung 1.1: Anzahl und Art der Bindungen p . V = n . R . T (R = die universelle Gaskonstante)
zwischen den Atomen

Größe Formelzeichen Wichtige Einheiten Beziehungen

Masse m Kilogramm [kg] 1 kg = 1000 g


Gramm [g]

Stoffmenge n Mol [mol] 1 mol ~ 6,022.1023 Teilchen

Molare Masse M Gramm pro Mol [[Link]-1] M = m/n

Volumen V Liter [l] 1 m3 = 1000 l


Kubikmeter [m3]

Dichte ρ Kilogramm je [kg.m-3] ρ = m/V


Kubikmeter

Druck p Pascal [Pa] 1 Pa = 1 N.m-2


Bar [bar] 1 bar = 101325 Pa

Temperatur T Kelvin [K] 0°C = 273,15 K


Grad Celsius [°C]

Stoffmengen- c Mol pro Liter [mol.l-1] c = n/V


konzentration

10
1 Chemische Grundlagen

Etwas weniger strikt sind Regeln, die ebenfalls zum vorhersagen. Sollte das nicht der Fall sein, gilt diese
Beschreiben von Zusammenhängen verwendet Theorie als falsifiziert.
werden. Ein Beispiel wäre die RGT-Regel (Reaktions-
Geschwindigkeits-Temperatur-Regel), welche besagt, 1.2. Stöchiometrie
dass sich die Reaktionsgeschwindigkeit verdoppelt bis
vervierfacht, wenn die Temperatur um etwa 10 K erhöht Die Stöchiometrie dient der Berechnung von Stoff-
wird. Dies ist letztlich ein experimenteller Befund (für mengen und Reaktionsgleichungen. Zur Vereinfachung
den es zwar theoretische Erklärungen geben mag; eine wurde die Stoffmenge n als Größe eingeführt, um nicht
präzise quantitative Begründung ist allerdings daraus umständlich mit den absoluten Massen von Atomen
nicht ableitbar). und Molekülen, welche in einem Bereich von 10 -4 – 10 -21
g liegen, rechnen zu müssen.
1.1.2. Modelle
Die Einheit der Stoffmenge ist mol. Die Anzahl der
Bei chemischen Reaktionen können beispielsweise das Teilchen, die ein Mol eines Stoffes enthält, leitet sich
Auflösen und Neubilden von Bindungen nicht beob- von der Avogadro-Konstante NA (manchmal auch als
achtet werden. Selbst durch den Einsatz modernster Loschmidtsche Zahl bezeichnet) ab:
bildgebender Verfahren bleiben diese Vorgänge für den
Menschen bislang unsichtbar. Mit Hilfe von Modellen NA = 6,022 . 1023 mol-1
können diese Geschehnisse aber in vereinfachter Form
dargestellt werden. Da allerdings kein Modell alle Eigen- Somit wird die Stoffmenge, die aus 6 . 1023 Teilchen
schaften des Originals enthält und nur in bestimmten besteht, als ein mol bezeichnet. Die Folge ist, dass in
Bereichen gültig ist, gibt es häufig mehrere Modelle für gleichen Stoffmengen verschiedener Elemente auch
dasselbe Objekt. Je näher das Modell an das Original immer die gleiche Anzahl an Teilchen enthalten ist:
herankommt, desto genauer und besser können die In 12 g Kohlenstoff sind ebenso wie in 32 g Schwefel
Vorhersagen geschehen, gleichzeitig wird es aber umso 6 . 1023 Teilchen des jeweiligen Elements enthalten
komplizierter und schwieriger. (die relativen Atommasse von Kohlenstoff ist 12, von
Schwefel 32; siehe Periodensystem).
Im Folgenden werden für die Darstellung eines Mole- Bei Angabe der Menge in mol muss immer definiert
küls vier Modelle dargestellt. Je nachdem, welchen werden, um welche Teilchen es sich handelt.
Zusammenhang man erklären möchte, wählt man
das geeignete Modell aus. Summenformel und Lewis- Beispiel: n(H2) = 1 mol bedeutet 1 mol
Formel wurden bereits angeführt. Weitere Modelle sind Wasserstoffmoleküle
das Stäbchenmodell und das Kalottenmodell. Ersteres
widergibt eine vereinfachte Struktur indem die räum- Allgemein gilt daher: n(Stoffmenge) = m (in Gramm)/M
lichen Anordnungen der Atome im Molekül dargestellt (molare Masse)
werden. Das Kalottenmodell bietet noch mehr Infor-
mationen, da auch der Raumbedarf des Moleküls die Bei einer Verbindung (Molekül) kann die molare Masse
Großenverhältnisse der Atome dargestellt werden. (M) aus der Summe der relativen Atommassen aller
Atome (siehe Periodensystem) einfach berechnet
werden

Beispiele:

n(NaCl) = 1 mol bedeutet: 1 mol Natriumchlorid; 58,5 g


dieses Salzes enthalten 6 . 1023 Teilchen NaCl (rel. Atom-
massen (gerundet): Na (Natrium) = 23,0; Cl (Chlorid) =
Abbildung 1.2: Kugel-Stab-Modell (rechts) und Kalotten 35,5)
modell (links) von H2O.
n (K 2SO4) = 1 mol bedeutet: 1 mol Kaliumsulfat = 174 g
(die molare Masse von Kaliumsulfat ergibt sich aus der
1.1.3. Hypothesen und Theorien Summe der rel. Atommassen (gerundet): K (Kalium) =
39; S (Schwefel) = 32; O (Sauerstoff) = 16; somit: 2 . 39 +
Hypothesen umfassen Aussagen über Zusam- 32 + 4 . 16 = 174
menhänge, deren experimentelle Bestätigung noch
ausständig ist.
Werden alle einen Teilbereich betreffende Aussagen,
Definitionen, Gesetze und Modelle zu einem System
vereint, spricht man von einer Theorie. Eine Theorie
muss das Ergebnis eines Experiments korrekt

11
1 Chemische Grundlagen

1.3. Kernchemie und Entstehung Bei der Darstellung eines Elements schreibt man die
der Elemente Massenzahl links oben vor das Elementsymbol, die
Kernladungszahl links unten.
1.3.1. Bausteine
12
6 C Kernladungszahl des Kohlenstoffs 6, Massen-
Das kleinste, chemisch nicht weiter zerlegbare Elemen- zahl des Isotops 12, das bedeutet: sechs
tarteilchen nennt man Atom. Atome bestehen aus Protonen, sechs Neutronen im Kern
einem positiv geladenen Atomkern, der sich wiederum
aus den positiv geladenen Protonen und den neut- Obwohl alle Atome eines Elements immer dieselbe
ralen Neutronen aufbaut sowie der negativ geladenen Anzahl an Protonen und somit die gleiche Kernla-
Elektronenhülle. dungszahl (Ordnungszahl) besitzen, kann die Neutro-
nenzahl im Kern variieren. Folglich existieren Elemente

 Atome bestehen aus dem positiv geladenen


Atomkern, der fast die gesamte Masse des Atoms
ausmacht und einer negativ geladenen Elektonen-
mit gleichen Ordnungszahlen aber unterschiedlichen
Massenzahlen (unterschiedliche Anzahl an Neutronen).
Diese nennt man Isotope. Isotope unterscheiden sich
hülle. in ihrer Atommasse, jedoch nur geringfügig in ihren
chemischen Eigenschaften, da diese überwiegend von
der Elektronenhülle bestimmt werden.
Die Kernbestandteile, Protonen und Neutronen, nennt
man Nukleonen. Der Kern bestimmt die atomare Stabi- Bespiele für Wasserstoff(isotope):
lität oder die Radioaktivität und hat nur einen sehr
1
geringen Einfluss auf das chemische Verhalten. Für 1 H Kernladungszahl des Wasserstoffs ist 1,
dieses ist im Wesentlichen die Atomhülle, sprich die Massenzahl des Isotops 1, das bedeutet
Verteilung der Elektronen darin, verantwortlich. Die 1 Proton, 0 Neutron im Kern
Atomhülle wird aus den negativ geladenen Elektronen
2
aufgebaut und bestimmt den Radius eines Atoms. Der 1 H Kernladungszahl des Wasserstoffs ist 1,
Radius eines Atoms beträgt in etwa 10 -10 m, im Vergleich Massenzahl des Isotops 2, das bedeutet
dazu liegt der Durchmesser des Atomkerns bei etwa 1 Proton, 1 Neutron im Kern (dieses Wasser-
10 -15 m. stoffisotop wird als Deuterium bezeichnet)
3
Protonen und Neutronen haben näherungsweise die 1 H Kernladungszahl des Wasserstoffs ist 1,
relative Masse 1. Da die Masse der Nukleonen etwa Massenzahl des Isotops 3, das bedeutet
1836mal größer ist, als die eines Elektrons, bedeutet 1 Proton, 2 Neutronen im Kern (dieses Wasser-
dies, dass sich die Masse eines Atoms de facto auf den stoffisotop wird als Tritium bezeichnet)
Atomkern konzentriert.
Ionen
Die Kernladungszahl Z eines Atoms gibt die Anzahl
der Protonen im Kern an. Sie entspricht weiter der Nimmt ein Atom Elektronen auf oder gibt Elektronen
Ordnungszahl im Periodensystem und charakterisiert ab und ist folglich elektrisch geladen, spricht man
damit ein chemisches Element. Das bedeutet, dass von Ionen. Die Ladung ergibt sich aus der Summe der
man einen Stoff, der sich aus Atomen mit gleicher Kern- vorhandenen positiven Kernladung (Protonen) und
ladungszahl zusammensetzt, als Element bezeichnet. den negativen Ladungen der Elektronen in der Hülle.
Bei der Darstellung schreibt man die Ladungszahl


rechts oben nach dem Elementsymbol, die Atomzahl
Subatomare Teilchen eines Atoms sind die rechts unten.
Kernbestandteile positiv geladenen Protonen und
die Neutronen, sowie die Hülle mit den negativ 1.4. Atombau
geladenen Elektronen.
Eines der ersten Experimente, die eine nähere Vorstel-
lung über den Atombau lieferten, war der Rutherford-
sche Streuversuch.
Ein ungeladenes Atom hat immer die gleiche Anzahl
Elektronen wie Protonen. Aus der Summe der Protonen Bei diesem Versuch wurde eine Goldfolie mit α–Teil-
und Neutronen ergibt sich die Massenzahl A. chen beschossen. Ein um diese Goldfolie angebrachter
Detektor registrierte die auftreffenden α–Teilchen.
Kernladungszahl Z = Anzahl der Protonen = Ordnungszahl Auffallend bei diesem Experiment war, dass nahezu
alle Teilchen die Goldfolie durchdrangen, ohne abge-
Massenzahl A = Kernladungszahl Z + Anzahl der Neutronen N lenkt zu werden. Lediglich ein sehr kleiner Anteil (ca.
1:100.000) wurde entweder reflektiert oder abgelenkt.

12
1 Chemische Grundlagen

Aus dieser Beobachtung zog Rutherford den Schluss, (Elektronenschalen) werden außerdem mit den Buch-
dass dies nur möglich sein könne, wenn sich nahezu staben K, L, M, N usw. bezeichnet und können immer
die gesamte Masse des positiven Atomkerns auf sehr nur von einer gewissen Anzahl Elektronen besetzt
kleinem Raum befindet. Dies war ein fundamentaler werden, wobei s,p und d Bezeichnungen der Orbitale
Erkenntnisgewinn über den Atomaufbau. sind. Die hochgestellte Zahl gibt die maximale Anzahl
an Elektronen in den betreffenden Orbitalen an.
Mit Hilfe von Orbitalen kann der Raum, in dem sich der
wahrscheinliche Aufenthaltsort von Elektronen mit
einer Wahrscheinlichkeit von 90% befindet, dargestellt
werden. Die Kenntnis über die Atomorbitale ermög-
lichte erst ein Verständnis über die Atombindungen,
den Bau und die Geometrie von Molekülen und selbst
viele makroskopische Eigenschaften sind nur durch die
Abbildung 1.3: Rutherford-Atommodell
genaue Kenntnis der Orbitale möglich.
Er meinte allerdings auch, dass die Elektronen auf kreis-
förmigen bzw. elliptischen Bahnen um den Atomkern 1.5. Das Periodensystem der Elemente
kreisen. Die dafür nötigen Kräfte, die elektrostatische (PSE)
Anziehungskraft und die Zentrifugalkraft, sollten dabei
ein Gleichgewicht bilden. Damit hätte er das Modell Das Periodensystem soll den Aufbau der Elemente und
eines Sonnensystems mit Planeten, die die Sonne deren Eigenschaften in einen sinnvollen Zusammen-
umkreisen, auf Atome übertragen. hang darstellen.
Dabei werden die Elemente gemäß steigender Proto-
Diese Ansicht war allerdings nicht haltbar, da man sehr nenzahl (Ordnungszahl = Kernladungszahl) in hori-
bald zeigen konnte, dass nach diesem Modell die krei- zontal gelegene Perioden und vertikal angeordnete
senden Elektronen ständig Energie in Form von Licht Gruppen eingeteilt.
abstrahlen müssten und letztlich in kurzer Zeit in den Alle Atome gleicher Kernladung (gleiche Anzahl an
Atomkern „fallen“ würden. Protonen) bilden ein Element und stehen somit an
selber Stelle im PSE.
Nils Bohr, Schüler Rutherfords, stellte ein Atommodell
auf, das dem Rutherfordschen im Grunde zwar ähnlich Die Perioden entsprechen der Zahl der
war, er aber von den Gesetzen der klassischen Physik Elektronenschalen.
Abstand nahm.
Innerhalb der 16 Gruppen, welche senkrecht ange-
Folgende Postulate wurden formuliert: ordnet sind, werden die Elemente nach ihren Gruppen-
nummern geordnet. Die Gruppennummer entspricht
• Elektronen können den Atomkern auf stabi- der Anzahl der Valenzelektronen (Außenelektronen)
len konzentrischen Bahnen umkreisen, ohne eines Elements, welche hauptsächlich für die chemi-
Strahlung abzugeben und dadurch Energie zu schen Eigenschaften verantwortlich sind. Daher haben
verlieren. Elemente einer Gruppe ähnliche Eigenschaften.
Man spricht von Haupt- und Nebengruppen und sie
• Die Anzahl der Bahnen (Elektronenschalen) ist werden mit römischen Ziffern gekennzeichnet.
begrenzt. Jede dieser Bahnen entspricht einem Für die Hauptgruppen findet man auch Trivialnamen:
Energieniveau E der Elektronen. Je größer Alkalimetalle (für die 1. HG), Erdalkalimetalle (für die
der Radius der Elektronenschale, desto höher 2. HG), Borgruppe (3. HG), Kohlenstoffgruppe(4. HG),
das Energieniveau der darauf befindlichen Stickstoffgruppe (5. HG), Chalkogene (Erzbildner, 6.
Elektronen. HG), Halogene für die 7. HG und Edelgase für die 8. HG

• Nur beim Übergang eines Elektrons von einer


stationären Bahn auf eine andere, wird Energie
in Form von elektromagnetischer Strahlung
emittiert oder absorbiert.

Dies bedeutet, dass jede Elektronenschale einen


bestimmten Energiezustand des Elektrons beschreibt.
Die einzelnen stationären Zustände sind durch die
Hauptquantenzahl n beschrieben, wofür nur ganze
Zahlen (n = 1, 2, 3, ...) eingesetzt werden dürfen. Jede
Bahn besitzt somit einen Wert von n und deshalb ein
bestimmtes Energieniveau. Die Hauptenergieniveaus

13
1 Chemische Grundlagen

Abbildung 1.4: Das Periodensystem der Elemente

Wie bereits erwähnt, unterscheidet man zwischen


Haupt- und Nebengruppen. höhere Kernladung stärker angezogen und die Atome
Die 44 Hauptgruppenelemente sind auf 8 Haupt- schrumpfen bzw. die Radien werden kleiner.
gruppen aufgeteilt. Es kommen Metalle, Halbmetalle Innerhalb einer Gruppe nimmt der Radius von oben
und Nichtmetalle vor. Entsprechend ihrer Elektro- nach unten zu, da es jeweils zum Aufbau einer neuen
nenkonfiguration (Verteilung der Elektronen auf die Elektronenschale kommt.
Orbitale) enthalten die Hautgruppenelemente des s- Durch Aufnahme oder Abgabe von Elektronen
bzw. p-Blocks ausschließlich s- bzw. p-Elektronen als entstehen aus Atomen Ionen. Dadurch verändert sich
Valenzelektronen. der Radius. So ist der Ionenradius von Kationen (positiv
geladene Ionen) kleiner als der entsprechende Atom-
Zwischen den beiden Hauptgruppen, findet man die 10 radius, da sich die Zahl der Elektronen verringert und
Nebengruppen, auch d-Block genannt. Die Elemente, der Kern diese stärker anziehen kann. Bei Anionen
auch Übergangselemente genannt, enthalten als (negativ geladene Ionen) steigt die Zahl der Elektronen,
Valenzelektronen ausschließlich Elektronen in d-Orbi- die Anziehungskraft des Kerns sinkt, somit steigt der
talen. Alle Nebengruppenelemente sind Metalle. Ionenradius im Vergleich zum Atomradius. Allgemein
Zusätzlich gibt es auch noch die inneren Übergangs- nehmen die Ionenradien innerhalb einer Gruppe von
elemente welche in den Gruppen Lanthanoide und oben nach unten zu.
Actinoide zusammengefasst sind. Die Eigenschaften
innerhalb der Nebengruppen ändern sich wesentlich 1.5.2. Ionisierungsenergie
schwächer als bei den Hauptgruppenelementen.
Ionisierung bedeutet die Entfernung eines Elektrons
aus der Hülle eines Atoms im Gaszustand. Die Energie,
1.5.1. Periodische Eigenschaften die dafür nötig ist, bezeichnet man als 1. Ionisierungs-
der s- und p-Blockelemente energie (IE).
(Hauptgruppenelemente)
Atom(g) + IE → Kation+(g) + e-
Ein Beispiel dafür wäre der Atomradius der Hauptgrup-
penelemente: Dieser nimmt innerhalb einer Periode ab, Die Ionisierungsenergie ist eine charakteristische
weil die Kernladung zunimmt, die Zahl der Elektronen- periodische Eigenschaft und ist abhängig von dem
schalen aber gleich bleibt. Die Elektronen durch eine Energiegehalt des jeweiligen Elektrons bzw. seinem

14
1 Chemische Grundlagen

Abstand zum Atomkern. Je höher der Energiegehalt Bindungspolarität und damit die Höhe des Ionenan-
(d.h. je größer der Abstand zw. Atomkern und Elektron teils einer Bindung.
ist), desto geringer ist die Ionisierungsenergie. Im Allge-
meinen nimmt die Ionisierungsenergie mit steigender 1.5.4. Metall- und Nichtmetallcharakter
Kernladung zu und mit zunehmendem Atomradius ab.
Gemäß ihrer elektrischen Leitfähigkeiten wurden die
Das bedeutet, dass die Ionisierungsenergie inner- Elemente in Metalle, Halbmetalle und Nichtmetalle
halb einer Periode von links nach rechts tendenziell eingeteilt.
zunimmt (Kernladung steigt, Atomradius nimmt ab). Metalle sind gute elektrische Leiter. Ihre Leitfähigkeit
Innerhalb einer Gruppe nimmt die IE mit steigender nimmt mit ansteigender Temperatur ab. Sie weisen
Ordnungszahl von oben nach unten tendenziell ab. eine niedrige Ionisierungsenergie und deshalb eine
Die Kernladung wird durch die Zahl der Schalen zuneh- hohe Tendenz zur Bildung von Kationen auf. Ihre Oxide
mend abgeschirmt, wodurch die äußeren Elektronen reagieren in Wasser basisch. Auch alle Elemente der
tendenziell leichter abgegeben werden. Nebengruppen sind Metalle.
Metalle besitzen deshalb eine relativ niedrige, Nicht- Nichtmetalle werden auch Isolatoren genannt und
metalle eine relativ hohe Ionisierungsenergie. leiten folglich keinen elektrischen Strom. Sie besitzen
eine tendenziell hohe Elektronegativität und bilden
Edelgase (8. HG) besitzen die höchste Ionisierungs- häufig Anionen und Moleküle aus. Ihre Oxide reagieren
energie. Sie beschreiben einen energetisch sehr stabilen sauer.
Zustand. Elemente der 1. HG (Alkalimetalle) besitzen
die niedrigste Ionisierungsenergie. Durch Abgabe eines Halbmetalle, wie Bor, Silicium, Germanium, Arsen und
Elektrons erreichen sie die angestrebte stabile Edelgas- Tellur, sind nur schwache elektrische Leiter. Ihre Leit-
konfiguration (volle äußere Elektronenschale). fähigkeit nimmt allerdings mit steigender Temperatur
zu. Entsprechend ihrer Namensgebung bilden sie den
1.5.3. Elektronegativität Übergang zwischen metallisch und nichtmetallisch.
Innerhalb einer Periode nimmt der Metallcharakter
Bei einer Bindung zwischen zwei gleichen Atomen von links nach rechts ab, in der Gruppe von oben nach
erfolgt eine symmetrische Aufteilung des bindenden unten hin zu (umgekehrt gilt es für die Nichtmetalle).
Elektronenpaares. Kommt es allerdings zu einer Diese Eigenschaften können jedoch nicht immer streng
Bindung zwischen zwei unterschiedlichen Atomen, getrennt werden. So kommen Phosphor und auch Zinn
so wird das Bindungselektronenpaar unterschied- in mehreren Formen vor.
lich stark, entsprechend der effektiven Kernladung, Die Reaktivität gegenüber Wasser steigt mit dem
von den jeweiligen Partnern angezogen. Das Elektro- Metallcharakter.
nenpaar verschiebt sich dann zu dem Atom mit der
größeren Kernladung. In Folge trägt dieses dadurch 1.6. Chemische Bindungen
eine negative Partialladung.
Fast alle Elemente kommen in der Natur in Form chemi-
Die Elektronegativität ist somit ein Maß für jene Fähig- scher Verbindungen vor. Nur wenige, wie die Edelgase
keit eines Atoms, innerhalb einer kovalenten Bindung und Gold, liegen ungebunden vor.
das bindende Elektronenpaar anzuziehen. Sie ist vom Um die chemisch-physikalischen Eigenschaften von
Anteil der positiven Kernladung abhängig und nimmt Verbindungen verstehen zu können, bedarf es der
innerhalb einer Periode des PSE von links nach rechts Untersuchung der jeweiligen Bindung, da deren Art
mit steigender Protonenzahl (steigende Kernladung) erst Auskunft über die Struktur und damit auch über
zu und innerhalb einer Gruppe von oben nach unten die Eigenschaften eines Stoffes ermöglicht.
mit steigendem Atomradius und damit zunehmender
Abschirmung des Kerns ab. Die verschiedenen Bindungsarten sind:

• Ionenbindung

 Die Elektronegativität ist ein Maß für die Fähig-


keit eines Atoms ein bindendes Elektonenpaar an
sich zu ziehen.



Atombindung (polar/unpolar)
Metallbindung
schwache Wechselwirkungen

Die höchste EN besitzt Fluor (EN=4,0), die niedrigste


besitzt Francium (EN=0,7).

Die Elektronegativitätsdifferenz zwischen zwei


Bindungspartnern bestimmt daher auch die

15
1 Chemische Grundlagen

1.6.1. Die Atombindung / Kovalente Bindung Atome können auch über mehr als ein Elektronenpaar
miteinander verbunden sein, man spricht dann von
Die Atombindung wird hauptsächlich zwischen Doppel- bzw. Dreifachbindungen.
Elementen mit ähnlicher Elektronegativität ausge-
bildet. Im Gegensatz zur Ionenbindung werden die
Atome unter einem ganz bestimmten Bindungswinkel
und Abstand mit einander verbunden. Sie ist somit
eine gerichtete Bindung.

 In kovalenten Bindungen teilen sich die Bin-


dungspartner Valenzelektronen um eine stabile
Edelgaskonfiguration zu erreichen.
Abbildung 1.7: Pentadien (Summenformel: C5H8) mit
zwei Doppelbindungen

Es war bereits bekannt, dass die Elektronenkonfi-


guration der Edelgase, deren äußerste Elektronen-
schale mit allen 8 Elektronen besetzt ist, sehr stabil Abbildung 1.8: Acetylen (Summenformel: C2H2) mit einer
und energiearm ist und somit immer angestrebt wird. Dreifachbindung
Nach der Theorie von Lewis können alle Elemente
diesen Zustand erreichen, indem sie die Elektronen
der äußeren, nicht vollständig besetzten Schale Mesomerie
gemeinsam nützen. Aus dem Elektronenpaar, welches Kann ein Molekül nur durch mehrere Lewis-Formeln
somit zwei Atomen gemeinsam gehört, ergibt sich die korrekt dargestellt werden, da die wahre Elektronen-
kovalente Bindung, auch Elektronenpaarbindung oder verteilung zwischen den einzelnen Darstellungen liegt,
Atombindung genannt. spricht man von Mesomerie. Sie wird durch einen Reso-
Ausgenommen von Wasserstoff, welches maximal zwei nanzpfeil (Doppelpfeil) gekennzeichnet. Die einzelnen
Elektronen aufnehmen kann und somit die Konfigu- Formeln nennt man mesomere Grenzstrukturen.
ration von Helium (1s2) anstrebt, wollen alle anderen Entscheidend ist, dass es sich dabei nicht um eine Hin-
Atome 8 Außenelektronen, ein Oktett (ns2np6) (Oktett- und Rückreaktion handelt sondern die tatsächliche
regel), erreichen. Form des Moleküls nur durch eine Überlagerung aller
Wie viele Bindungen ein Atom eingehen kann, ist immer mesomeren Grenzstrukturen vermittelt wird.
von der Anzahl seiner Valenzelektronen und der Oktett-
regel abhängig.

Durch Einsetzen eines Bindestriches (Valenzstrich) für


das gemeinsame, bindende Elektronenpaar zwischen
den Atomen, kann das Molekül formelmäßig darge-
stellt werden.

Abbildung 1.9: Mesomere Grenzstrukturen des Carbonat-


anions (CO32-), des Nitritanions (NO2-) und
Abbildung 1.5: Buttersäure (Summenformel: C4H8O2) von Schwefeldioxid (SO2)

Bei Elektronenpaaren, welche nicht der Bindung Hybridisierung


zwischen den Atomen dienen, bezeichnet man als freie Der Vorgang der Hybridisierung ist ein rein mathema-
Elektronenpaare. tisches Verfahren zur erleichterten Darstellung und
besitzt keine physikalische Realität.

Die Elektronenkonfiguration von Kohlenstoff im Grund-


zustand 1s2 2s2 2p2 bedeutet, dass die einfach besetzten
p-Orbitale zur Überlappung mit einem Wasserstoff
Abbildung 1.6: Schwefelsäure (Summenformel: H2SO4) zur Verfügung stehen. Allerdings würde das bei einem
einschließlich der Außenelektronen
16
1 Chemische Grundlagen

CH2-Molekül zu einem Bindungswinkel von 90° führen,


da die beiden 2p-Orbitale senkrecht angeordnet sind. Einfachbindungen
Der wahre Bindungswinkel liegt aber bei 109°. Erst in Werden mehrere sp3-hybridisierte Kohlenstoffatome
diesem Winkel ist die Wechselwirkung zwischen den über Einfachbindungen miteinander verknüpft, spricht
H-Atomen am geringsten, somit energieärmer und man von Alkanen. Es kommt zu einer sp3-sp3-σ (sigma)-
erstrebenswert. Bindung. Diese Bindung ist freidrehbar, die C-C-
Bindungen bilden immer einen Tetraederwinkel von
Damit das Kohlenstoffatom vier Bindungen ausbilden 109,5°.
kann, muss es energetisch angeregt (Valenzzustand)
werden, indem ein Elektron aus dem 2s-Orbital in das
höher liegende, leere 2p-Orbital angehoben wird. Die
dafür nötige Energie (Promotionsenergie) kommt aus
der Molekülbildung.
Es entstehen aus dem 2s- und den drei 2p-Orbitalen
vier neue, äquivalente sp3-hybridisierte Orbitale, Abbildung 1.13: Butan (C4H10); ersichtlich sind die Tetrae-
welche nach den Ecken eines Tetraeders ausgerichtet derwinkel der C-Atome
sind, die Winkel betragen jeweils 109°.

 Elektronenpaare, die nicht an der Bindung teil-


nehmen werden freie Elektronenpaare genannt.

Ebenfalls sp3-hybridisiert sind das Sauerstoffatom in


Molekülen wie Wasser (H2O) oder Stickstoff in Ammo-
niak (NH3). Dabei sind die sogenannte freien Elektro-
Abbildung 1.10: Der Hybridisierungsvorgang nenpaare in die Ecken des Tetraeders gerichtet. Am
Beispiel von NH3 ist erkenntlich, dass die Bindungs-
winkel dann eine leichte Abweichung von der idealen
Tetraederform aufweisen.
Die Winkel im sp3-hybridisierten C-Atom betragen
jeweils 109,5°:

Abbildung 1.14: Strukturen von H2O und NH3

Doppelbindungen
Abbildung 1.11: sp3 Hybridisiertes C-Atom
Neben der sp3-Hybridisierung gibt es auch Hybridi-


sierungen, bei denen nur Teile der Orbitale beteiligt
Durch die sp3 - Hybridisierung kommt es beim sind. Bei der sp2-Hybridisierung sind ein s- und nur
Kohlenstoffatom zu einem Winkelbildung zum zwei p-Orbitalen beteiligt, die dann drei gleichwertige
Bindungspartner. sp2-Hybridorbitale ausbilden, welche in einer Ebene mit
einem Winkel von je 120° dazwischen liegen. Das dritte
nicht an der Hybridisierung beteiligte p-Orbital steht
Bei Überlappung eines 1s-Orbitals (Wasserstoff) mit senkrecht dazu (in der folgenden Abb. das pz-Orbital).
einem sp3-Hybridorbital kommt es zur s-sp3- σ (sigma)-
Bindung. Die daraus resultierende Form des Methan-
moleküls stimmt nun auch mit den experimentellen
Daten überein.

Abbildung 1.15: Doppelbindungen

Abbildung 1.12: Pyramidale Struktur von Methan


17
1 Chemische Grundlagen

Es steht somit neben den drei sp2-hybridisierten Orbi- p-Orbitale stehen flächensymmetrisch mit 90° zu
talen auch ein pz-Orbital zur Bindung zur Verfügung. einander.
Kommt es zur sp2-sp2-σ-Bindung und einer p-p-π- Bei der ebenfalls nicht frei drehbaren Dreifachbindung
Bindung zwischen zwei Kohlenstoffatomen, spricht kommt es folglich zu einer sp-sp-σ-Bindung und zwei
man von einer Doppelbindung. p-p-π-Bindungen. Die Geometrie ist linear.
Im Gegensatz zur σ-Bindung, welche auf Grund der
rotationssymmetrischen Überlappung frei drehbar
ist, besitzt die π-Bindung eine Knotenebene und die
π-Elektronenwolke verteilt sich ober- und unterhalb
der Bindungsachse, wodurch dieser Bindungstyp nicht
mehr frei drehbar ist. Die Geometrie einer Doppelbin-
dung ist planar trigonal.

Polare Atombindungen
Die ideale kovalente Bindung kann nur zwischen
Atomen gleicher Elemente bzw. identen Atomgruppen
entstehen, da dadurch die Aufteilung der Elektronen
gleichmäßig erfolgt und sich keine Polarität ergibt. Ist
ein Molekül von verschiedenen Atomen aufgebaut,
haben somit die Bindungspartner unterschiedliche
Abbildung 1.16: Doppelbindungen Elektronegativität, kommt es zur Verschiebung der
gemeinsamen Elektronenpaare hin zum elektrone-
gativeren Partner. Man spricht nun von einer polaren
Durch die eingeschränkte Drehbarkeit ergeben sich je Atombindung und es entstehen Partialladungen. Der
nach räumlicher Anordnung unterschiedliche Struk- elektropositivere Bindungspartner trägt eine mit δ+
turen: cis- oder trans-konfigurierte Doppelbindungen: gekennzeichnete positive Partialladung, der elektrone-
gativere eine mit δ- gekennzeichnete negative Partial-
ladung. Je größer die Elektronegativitätsdifferenz der
Bindungspartner, desto polarer ist eine Atombindung.

Abbildung 1.19: Polarisie-


Abbildung 1.17: trans: R1 und R2 befinden sich gegenüber rung der HCl-Bindung
liegend; cis: R1 und R2 sind auf der
gleichen Seite
Innerhalb einer Gruppe des Periodensystems nimmt
Sind in einem Molekül mehrere Doppelbindungen die Elektronegativität von oben nach unten hin ab und
durch jeweils eine Einfachbindung getrennt, dann somit auch die Polarität homologer Verbindungen.
spricht man von konjugierten Doppelbindungen. Das Chlorwasserstoffmolekül ist über eine σ-Bindung
Es ist aber auch möglich, dass Doppelbindungen direkt zwischen zwei Atomen mit einer hohen Elektrone-
benachbart auftreten, dann bezeichnet man sie als gativitätsdifferenz verbunden. Die Elektronendichte
Kumulene. verschiebt sich daher sehr stark zum elektronegativeren
Chloratom, welches daraufhin eine negative Partialla-
dung erhält. Es entsteht ein permanenter Dipol.
Beim Tetrachlormethan sind die vier Chloratome
symmetrisch um das Kohlenstoffatom angeordnet und
es kommt daher zu keiner Ladungsverschiebung.

Das Wassermolekül
Beim Wassermolekül überlappen die beiden sp3-hybri-
Abbildung 1.18: Hexatrien (konjugierte Doppelbindung) disierten Sauerstofforbitale mit je einem 1s-Orbital
des Wasserstoffs. Die übrigen zwei sp3-Hybridorbitale
Dreifachbindungen werden von je einem freien Elektronenpaar des Sauer-
Sind die Kohlenstoffatome nur sp-hybridisiert stehen stoffatoms eingenommen. Die freien Elektronenpaare
sogar zwei freie pz-Orbitale zur Überlappung zur Verfü- beanspruchen einen größeren Raum als die bindenden
gung. Zwischen den beiden sp-Hybridorbitalen liegt Elektronenpaare, da sie sich stärker abstoßen. Dadurch
ein Winkel von 180° vor, die beiden nicht hybridisierten kommt es zur Verschiebung von der idealen Tetraeder-
form und der Bindungswinkel zwischen den bindenden

18
1 Chemische Grundlagen

Paaren wird kleiner (105°). Diese gewinkelte Form ist


auch der Grund für die Ausbildung eines Dipols.

Das Ammoniakmolekül
Im Ammoniakmolekül können die drei sp3-hybridi-
sierten Orbitale des Stickstoffs mit je einem 1s-Orbital
des Wasserstoffs überlappen. Das freie Elektronen-
paar des Stickstoffatoms besetzt das letzte freie
sp3-Hybridorbital. Wieder kommt es zur Verschiebung
der Bindungswinkel, da das freie Elektronenpaar mehr
Platz einnimmt. Der Bindungswinkel beträgt nun 107°. Abbildung 1.20: Kristallgitter von NaCl

1.6.2. Die Ionenbindung Ionenverbindungen sind nach außen immer neutral.


Jedes zweifach geladenen Kation muss mit einem zwei-
Ionen entstehen durch die Aufnahme (negative Ionen fach oder zwei einfach geladenen Anionen verbunden
– Anionen) bzw. durch die Abgabe (positive Ionen – werden, damit die Summe neutral ist. Salze wie NaCl
Kationen) von Elektronen. oder AgBr nennt man AB-Verbindungen, MgCl2 oder
Kationen bilden sich vorzugsweise aus den Elementen CuCl2 nennt man AB2-Verbindungen.
der I. und II. Hauptgruppe des Periodensystems, da sie
Eigenschaften von Ionenbindungen


Alle Substanzen, die aus Ionen bestehen, bezeichnet
Elemente die ein Elektron aufnehmen oder man als salzartige Stoffe. Da bei Normaltemperatur
abgeben werden als Ionen bezeichnet. Anionen ihre Ionen fest an die Gitterplätze gebunden und nicht
haben Elektronen aufgenommen und sind negativ frei beweglich sind, leiten sie den elektrischen Strom
geladen. Kationen sind Ionen die ein Elektron abge- nicht. Ionen zeigen allerdings eine Eigenschwingung
geben haben und damit positv geladen sind. um ihre Gitterplätze. Wird sehr viel Energie zugeführt,
kann die Eigenschwingung so groß werden, dass sie
die Bindungskräfte überwindet. Die Ionen sind dann in
nur eine geringe Ionisierungsenergie benötigen, um einer Schmelze beweglich und können, ebenso wenn
Edelgaskonfiguration zu erreichen. sie in Wasser gelöst sind, elektrischen Strom leiten.
Anionen werden vorwiegend von Elementen der VI.
und VII. Hauptgruppe gebildet. Anhand des sogenannten Coulombschen Gesetzes
Durch Aufnahme bzw. Abgabe von Elektronen ändern kann gezeigt werden, dass die Stabilität des Gitters
sich die Elektronenhülle und damit der Teilchenradius mit Zunahme der Ladungsgröße und Verringerung
und das Volumen. Anionen sind immer größer als ihre des Abstandes zwischen den Ladungsschwerpunkten
neutralen Atome, Kationen immer kleiner. steigt. Auch ziehen kleine Ionen mit hoher Ladungs-
Die Ionenbindung findet zwischen Metallen mit nied- dichte einander stärker an als vergleichsweise solche
riger Ionisierungsenergie und Nichtmetallen mit hoher mit großem Radius und niedriger Ladungszahl.
Elektronenaffinität statt. Es kommt zur ungerichteten Mit der Zunahme der Gitterenergie steigt auch die
Anziehung zwischen positiven und negativen Ionen Schmelztemperatur eines Salzes.
und dabei zur vollständigen Übertragung der Elekt- Ionengitter sind überaus stabil, was zu dem spröden
ronen. Die elektrostatischen Anziehungskräfte wirken und harten Charakter von Salzen führt. Bei zu großer
in alle Richtungen und führen zur Ausbildung von drei- Beanspruchung brechen Salze entlang bestimmter
dimensionalen stabilen Ionenkristallen. Gitterebenen.

Die Koordinationszahl eines Ionengitters gibt die Beim Lösen von Salzen in Wasser treten die randstän-
Anzahl der Ionen-umgebenden gegensätzlich gela- digen Ionen mit den Dipol-Wassermolekülen in Wech-
denen Ionen an. Bei NaCl (Kochsalz) beträgt diese Zahl selwirkung und es bildet sich in der Folge eine Hydrat-
6, das bedeutet, dass jedes Natrium-Ion von sechs hülle aus (= Hydratation). Es kommt zur Abschwächung
Chlor-Ionen umgeben ist und jedes Chlor-Ion von sechs der Gitterkräfte. Die hydratisierten Ionen verlassen den
Natrium-Ionen, s. Abb. Na+ (rot) und Cl- (grün). Gitterverband und sind in der wässrigen Phase nun frei
Die Gitterstruktur wird durch die Anordnung der Ionen beweglich. Je nach Radius und Ladung besitzen die
nach Ladung und Größe bestimmt. Ionen unterschiedlich große Hydrathüllen.
Bezieht man die Größenverhältnisse von Anionen und
Kationen, sowie deren Abstände zu einander mit ein,
kommt man von dem vereinfacht dargestellten Gitter-
modell zum Packungsmodell.

19
1 Chemische Grundlagen

Elektronegativitätsdifferenz Art der Bindung

Die stärkste Van-der-Waal-Kraft ist die Dipol-Dipol-


ΔEN = 0 unpolare Atombindung Wechselwirkung, gefolgt von den Wechselwirkungen
zwischen einem Dipol und einem unpolaren Molekül.
Die schwächste ist die Wechselwirkung zwischen unpo-
ΔEN < 1,7 polare Atombindung laren Molekülen bzw. Atomen.

Dipol-Dipol-Wechselwirkungen
ΔEN > 1,7 Na+Cl- Ionenbindung
Verbindungen wie Wasser bestehen aus polaren Mole-
külen. Sie besitzen einen permanenten Dipol und
1.6.3. Metallbindung richten ihre Partialladungen entsprechend der elektro-
statischen Anziehungskraft nach einander aus. Damit
Die Eigenschaften von Metallen sind gute Leitfähigkeit verbunden ist eine Energieminimierung. Somit muss
von elektrische Strom und Wärme, gute Verformbar- bei Änderung des Aggregatzustandes diese Van-der-
keit und typischer metallischer Glanz. Die chemischen Waal-Energie aufgebraucht oder abgegeben werden.
Bindungen in Metallen können mit dem Elektronengas-
modell gut dargestellt werden. Bei diesem Modell wird
angenommen, dass die Valenzelektronen die Atome
verlassen haben und sich um die Atomrümpfe gasartig
anordnen. Die Atomrümpfe sind positiv geladen und
bilden die Gitterstruktur der Metalle. Sie werden von
dem negativ geladenen, delokalisierten Elektronengas
umgeben und dadurch zusammengehalten.
Abbildung 1.22: Dipol-Dipol-Wechselwirkung
Man spricht also von einer Metallbindung, wenn es zu
Wechselwirkungen zwischen den positiv geladenen
Metall-Ionen (Atomrümpfe) und den delokalisierten
Elektronen kommt. Dabei bildet sich ein Metallgitter.
Wechselwirkungen zwischen Dipolmolekül und
Die gute Leitfähigkeit liegt an den frei beweglichen unpolarem Molekül
Elektronen. Der permanente Dipol induziert im unpolaren Molekül
einen Dipol in dem es zu kurzeitigen Verschiebung der
Bei zunehmender Temperatur nimmt die Leitfähigkeit Elektronen kommt (=induzierter Dipol).
von Metallen ab, da die Gitterschwingungen größer
werden und damit der Elektronenfluss durch die Wechselwirkungen zwischen unpolaren Mole-
zunehmende gegenseitige Abstoßung behindert wird.
külen oder Atomen
Auf Grund einer kurzzeitigen unsymmetrischen
Ladungsverteilung, kann ein temporärer Dipol indu-
ziert werden und somit ziehen einander sogar unpolare
Moleküle an. Dieser Dipol kann in einem dynamischen
Prozess auch benachbarte Dipole induzieren.

Wasserstoffbrückenbindungen
Abbildung 1.21: Metallbindung
Wasserstoffbrückenbindungen können nur von
Elementen mit einer sehr starken Elektronegati-
1.6.4. Schwache Wechselwirkungen vität gebildet werden (N, O, F). Dabei besteht die
Möglichkeit einer inter- oder intramolekularen
Auch wenn Moleküle nach außen hin neutral sind, kann Wasserstoffbrückenbildung.
es zu Wechselwirkungen zwischen ihnen kommen.
Diese Wechselwirkungen sind allerdings deutlich Beim Wassermolekül kommt es zwischen den Wasser-
schwächer als andere chemische Bindungen. stoff- und Sauerstoffatomen benachbarter Moleküle
zur Ausbildung von Wasserstoffbrücken.
Van-der-Waals-Kräfte Zunächst ziehen die stark elektronegativen Sauer-
stoffatome die Elektronen der O-H-Bindung an. Am
Van-der-Waals-Kräfte beschreiben die Anziehungs- Sauerstoff kommt es folglich zu einer negativen (δ-), am
kräfte zwischen Molekülen oder Edelgasatomen, wobei Wasserstoff zu einer positiven Partialladung (δ+).
es drei Stärken bzw. Abstufungen gibt: Die positivierten Wasserstoffatome bilden nun Brücken
mit den freien Elektronenpaaren am Sauerstoff der
benachbarten Wassermoleküle. Es kommt zur Bildung

20
1 Chemische Grundlagen

großer Molekülverbände und auch wenn Wasserstoff- Säuren besitzen die Fähigkeit zur
brücken zwar eine geringe Bindungsenergie haben, Protonen-Abgabe (Protonen-Donator)
beeinflussen sie aber beispielsweise die Siedetempe-
ratur stark. Basen die Fähigkeit zur Protonen-
Aufnahme (Protonen-Akzeptor).

Eine Säure-Basen-Reaktion ist somit die Übertragung


von Protonen (H+) zwischen den Reaktionspartnern,
man spricht auch von Protolyse.
Säuren und Basen können sowohl aus neutralen Mole-
külen (Neutralsäuren und –basen), als auch aus Ionen
(Anionensäuren und –basen, Kationensäuren und –
basen) bestehen.

Abbildung 1.23: Wasserstoffbrückenbindung Säure-Base-Gleichgewichte

Das Oxonium-Ion
1.7. Protonen und Bei einer Säure-Base-Reaktion in Wasser entsteht bei
Elektronenübertragungsreaktionen der Abgabe eines Protons durch eine Säure spontan
ein Hydroxonium-Ion (H3O+); synonyme Bezeichnungen
1.7.1. Säuren und Basen sind Hydronium-Ion bzw. Oxonium-Ion. Das passiert,
weil freie Protonen in wässrigen Lösungen nicht exis-
S. Arrhenius definierte die Begriffe Säuren und Basen tent sein können. Durch den sehr kleinen Atomradius
erstmals. Säuren sind nach seiner Definition Wasser- und das hohes Ionenpotential lagern sich Protonen
stoffverbindungen und geben in wässriger Lösung stets an Teilchen mit einem freien Elektronenpaar, wie
H+-Ionen ab. Basen besitzen Hydroxylgruppen und dem Wassermolekül, an.
geben beim Lösen in Wasser hydratisierte OH- - Ionen Auch das Oxonium-Ion liegt nicht völlig frei vor, sondern
ab. bildet mit drei weiteren Wassermolekülen Wasserstoff-
Mit seiner Beschreibung konnten jedoch die basischen brücken aus. Es entsteht ein H9O4+ - Ion.
Eigenschaften von Substanzen wie Ammoniak (NH3) in
nicht wässrigen Systemen nicht ausreichend erklärt Das Ionenprodukt des Wassers und der pH-Wert
werden.
Reines Wasser leitet in geringer Menge Strom. Die
Mit Einführung der Brönsted-Lowry-Theorie, kamen dafür nötigen frei-vorliegenden Ionen werden bei
neue Erkenntnisse. Nach Entwicklung des Donator- der Eigendissoziation von Wasser gebildet. Bei dieser
Akzeptor-Prinzips wurden die Begriffe neu definiert. Die
Definition beruht nicht mehr auf der bestimmten Art
einer Verbindung, sondern ihrer Funktion, nämlich ihrer
Fähigkeit zur Abgabe oder Aufnahme von Protonen.

Abbildung 1.24: Typische pH-Werte und Universalindikator

21
1 Chemische Grundlagen

Autoprotolyse entstehen aus zwei Wassermolekülen kann. Man spricht somit von einem korrespondie-
ein Oxonium-Ion und ein Hydroxy-Ion. renden Säure-Basen-Paar.
In wässrigen Lösungen kann auch Wasser als Reakti-
onspartner sowohl für Säuren als auch Basen dienen.
Wasser nimmt je nachdem Protonen auf oder gibt sie
Die Lage des Gleichgewichts wird mit Hilfe des Massen- ab.
wirkungsgesetzes ermittelt. Im chemischen Gleichge-
wicht sind Hin- und Rückreaktion gleich schnell. Die Amphoterie
Konzentration des Wassers wird als konstant ange-
sehen. Man gibt die beiden Geschwindigkeitskons- Verbindungen, die sowohl Protonen aufnehmen als
tanten an und fasst diese zur temperaturabhängigen auch abgeben können, bezeichnet man als Ampholyte
Gleichgewichtskonstante Kw zusammen. Sie gibt oder amphotere Verbindungen. Sie können deshalb
das Ionenprodukt des Wassers an. Abhängig von der einen sauren und basischen Charakter besitzen.
Temperatur liegt dieses bei 22° bei Kw= 10 -14 mol2/l2. Bestimmt wird der Charakter vom jeweiligen Reak-
tionspartner. Das heißt, gegenüber starken Säuren


zeigen sie basisches Verhalten, gegenüber starken
Der pH-Wert ist der negative dekadische Loga- Basen hingegen fungieren sie als Protonendonatoren.
rithmus der H3O+-Ionen Konzentration.
korrespond. Ampholyt korrespond.
Base Säure
Die Konzentration der H3O+ - Ionen [H3O+] = 10 -7 mol/l
die Konzentration der OH- - Ionen [OH-] ist ebenfalls 10 -7 OH- H2O H3O+
mol/l. Durch Zusatz einer Säure wird die Konzentration NH2- NH3 NH4
an H3O+ - Ionen erhöht, der pH – Wert sinkt. Durch CO32- HCO3- H2CO3
Zugabe einer Base, steigt die Konzentration an OH- - PO43- HPO42- H2PO4-
Ionen, wodurch der pH – Wert steigt.
pH-Werte von Säuren und Basen im Alltag
pH-Wert
pH-Wert Flüssigkeit
pH-Wert und Konzentrationen von Säuren und
Basen (eine wässrige Lösung von HCl bezeichnet man 0 3,5%ige Salzsäure
als Salzsäure, eine wässrige Lösung von NaOH als 2 Magensaft
Natronlauge): 2 Zitronensaft
3 Essig
pH = -lg c(H3O+) Konzentrationen 3 Cola
(H3O+) in mol . l-1 4 Wein
4,5 saure Milch
0 1 molare HCl c(H3O+) = 100 5 Bier
1 0,1 molare HCl c(H3O+) = 10 -1 5,5 Hautoberfläche
2 0,01 molare HCl c(H3O+) = 10 -2 6 Mineralwasser
3 0,001 molare HCl c(H3O+) = 10 -3 6,4 Speichel
7 reines Wasser
7 Neutralpunkt, reines Wasser c(H3O+) = 10 -7 7,4 Blut
8,2 Meerwasser
12 0,01 molare NaOH c(H3O+) = 10 -12 10 Waschmittellauge
13 0,1 molare NaOH c(H3O+) = 10 -13 12,6 Baukalklösung
14 1 molare NaOH c(H3O+) = 10 -14 14 3%ige Natronlauge

Korrespondierende Säuren und Basen (ab- 1.7.2. Redoxreaktionen


gekürzt korr. Säure/Base)
Redoxreaktionen sind chemische Reaktionen, bei
Die Abgabe von Protonen einer Säure (HA) funktioniert denen immer ein Oxidationsvorgang und ein Reduk-
nur wenn eine Base (B) zur Verfügung steht, wobei tionsvorgang gleichzeitig ablaufen. Ursprünglich
diese Protonen-Übertragung immer eine reversible beschrieb A. De Lavoisier die, bei Verbrennungspro-
Reaktion darstellt. Das bedeutet, dass aus der H+-abge- zessen stattfindende Oxidation als Aufnahme von
benden Säure eine Base wird, die wieder ein Proton Sauerstoff, den umgekehrten Vorgang, die Sauerstoff-
aufnehmen kann bzw. aus der H+-aufnehmenden Base abgabe, als Reduktion. Da es jedoch auch Verbren-
wird eine Säure, die wieder dieses Proton abgeben nungsprozess-ähnliche Reaktionen ohne Mitwirkung

22
1 Chemische Grundlagen

von Sauerstoff gibt, mussten die Begriffe Reduktion Zur Bestimmung der Oxidationszahlen stellt man
und Oxidation erweitert werden. die Lewis-Formel einer Verbindung auf und ordnet
gedanklich jedem Element nach gewissen Regeln
Bei dem Vergleich von Reaktionen von Metallen die entsprechenden Elektronen zu. Zwischen zwei
mit Sauerstoff oder mit Halogenen fiel auf, dass die Atomen unterschiedlicher Elektronegativität, wird die
Metalle Elektronen abgeben, die Reaktionspartner Elektronenpaare-Bindung heterolytisch gespalten und
diese aufnehmen. Die Abgabe der Elektronen führte man ordnet die Bindungselektronen dem elektrone-
zur Oxidation des Metalls. Sauerstoff bzw. das Halogen gativeren Atom zu. Handelt es sich um zwei gleiche
nehmen die Elektronen auf und werden in einem Bindungspartner, werden die Elektronen gemäß einer
zweiten Schritt reduziert. Die Reaktionen laufen immer homolytischen Bindungsspaltung auf beide Partner
gleichzeitig ab, da freie Elektronen sehr reaktiv sind. aufgeteilt. Freie Elektronenpaare bleiben bei dem
entsprechenden Atom.
Oxidation: Ca → Ca2+ + 2e- Oxidation: 2 Ca → 2 Ca2+ + 4e- Die Oxidationszahl (OZ) ergibt sich aus der Anzahl der
Reduktion: Cl2 + 2e- → 2 Cl- Reduktion: O2 + 4e- → 2 O2- Außenelektronen eines Elements minus der Anzahl
Gesamt: Ca + Cl2 → CaCl2 Gesamt: 2 Ca + O2 → 2 CaO der zugeordneten Elektronen. Die höchst mögliche OZ
ergibt sich aus der Gruppennummer eines Elements im
Der Begriff Redoxreaktion wird somit als Elektro- PSE. Ausnahmen sind Fluor und Sauerstoff.
nenübertragungsreaktion neu definiert. Man spricht
auch von Donator-Akzeptor-Reaktionen, ähnlich wie Beispiel O=C=O
bei Säure-Base-Reaktionen, wobei im Gegensatz zu
Protonen hier Elektronen übertragen werden. C: 4 – 0 = IV
Das bedeutet, dass man unter Oxidation die Abgabe O: 6 – 8 = -II
von Elektronen, unter Reduktion die Aufnahme von
Elektronen versteht. Negative OZ erhalten ein negatives Vorzeichen.

Einige Regeln zum leichteren Ermitteln der OZ:

 Bei einer Reduktionsreaktion nimmt ein Atom


oder Molekül Elektronen auf. Bei einer Oxidations-
reaktion werden Elektronen abgegeben. Beide
• Atome in Elementarsubstanzen haben
immer eine OZ 0 (O2 , H2 , P4 , C , Na, Mg, Zn)
• Bei einfach geladenen Ionen entspricht
Reaktionen können nur gekoppelt als Donator- die OZ der Ladung des Ions (Mg2+ → II, Al3+
Akzeptor-Reaktion ablaufen. → III, S2- → - II, Cl- → -I, Fe2+ → II, Fe3+ → III)
• Fluor hat in Verbindungen immer die OZ –I
Betrachtet man die Redoxreaktion von Chlor und • Wasserstoff hat in Verbindun-
Calcium, wird das Calcium durch Chlor oxidiert. Man gen immer die OZ +I
bezeichnet Chlor daher als Oxidationsmittel oder • Sauerstoff hat in Verbindungen immer
auch Elektronenakzeptor. Calcium reduziert Chlor und die OZ –II (Ausnahme Peroxide: -I)
wird als Reduktionsmittel oder Elektronendonator • Die Summe aller OZ eines Teilchens (Molekül
bezeichnet. oder Ion) entspricht dessen Ladung. Bei neutra-
len Molekülen ist diese Summe naturgemäß 0.

 Oxidationsmittel oxidieren ihre Reaktionspart-


ner und werden selbst reduziert. Reduktionsmit-
tel reduzieren andere und werden dabei selbst
Bei der Oxidation kommt es zur Erhöhung der OZ des
Elements, bei der Reduktion zur Erniedrigung der OZ.

oxidiert. 1.8. Funktionelle Gruppen und


Trivialnamen
Während einer Redoxreaktion bilden sich immer zwei
korrespondierende Redoxpaare. Die Redoxpaare der IUPAC regelt die genaue Namensgebung von Verbin-
Donatoren und die der Akzeptoren stehen meist im dungen. Häufig aber werden Trivialnamen verwendet,
Gleichgewicht miteinander. entweder aus historischen Gründen oder aber der
Einfachheit halber.
Oxidationszahlen
1.8.1. Nomenklatur aliphatischer und
Zur Beschreibung von Redoxreaktionen verwendet aromatischer Kohlenwasserstoffe
man formal die Oxidationszahlen. Sie werden als römi-
sche Ziffern über die Elementsymbole geschrieben Kohlenwasserstoffe sind unpolare organische Verbin-
und ändern sich entsprechend einer Oxidation oder dungen. Sie bestehen nur aus Kohlenstoff- und Wasser-
Reduktion. stoffatomen, welche über Atombindungen miteinander
verknüpft sind.

23
1 Chemische Grundlagen

Bei den ungesättigten Kohlenwasserstoffen sind


Aliphatische Kohlenwasserstoffe können ketten- mindestens zwei Kohlenstoffe durch Mehrfachbin-
förmige, verzweigte oder unverzweigte Strukturen dungen miteinander verknüpft. Bei den Alkenen sind
einnehmen. Diese können sowohl gesättigt als auch sie durch eine Doppelbindung verbunden, welche
ungesättigt sein. durch die Endung „-en“ gekennzeichnet wird.

Bei den gesättigten Kohlenwasserstoffen sind die H2C=CH2 Ethen


Kohlenstoffatome ausschließlich über Einfachbin-
dungen miteinander verknüpft. Der Name der jewei- Im Falle der Alkine sind sie durch eine Dreifachbindung
ligen Verbindung ergibt sich aus dem Stamm eines verbunden. Sie tragen die Endung „-in“.
Zahlenwortes, gemäß der Anzahl der Kohlenstoffa-
tome, und der Endung „-an“. Diese Bezeichnung gibt HCΞCH Ethin
an, dass keine Mehrfachbindung im Molekül enthalten
ist. Man nennt die gesättigten aliphatischen Kohlen- Aromatische Kohlenwasserstoffe sind ringförmige,
wasserstoffe im Allgemeinen Alkane. ungesättigte organische Verbindungen. Alle Atome des
Rings sind sp2-hybridisiert und liegen in einer Ebene.
n Name n Name n Name Die p-Orbitale stehen senkrecht zu dieser Ebene und
sind von je einem Elektron besetzt. Sie überlappen
1 Methan 5 Pentan 9 Nonan ober- und unterhalb der Ebene und führen dadurch zu
2 Ethan 6 Hexan 10 Decan einem gemeinsamen π-System, in dem die Elektronen
3 Propan 7 Heptan 11 Undecan über den Ring verteilt delokalisiert sind. Die Darstellung
erfolgt als mesomere Grenzstruktur.
4 Butan 8 Octan 12 Dodecan
Den Grundkörper der Aromaten bildet der Benzen-Ring
(Benzol).

Die übliche Darstellung von Benzen erfolgt durch


die beiden mesomeren Grenzstrukturen (in den
Darstellungen rechts wird auf das Einschreiben der
H-Bindungen bzw. H-Atome verzichtet). Daraus folgt,
dass das „reale“ Benzen genaugenommen weder
der linken noch der rechten Darstellung entspricht
sondern einer Überlagerung beider. Dies bedeutet,
dass alle C-C-Bindungen gleich lang sind und alle
Bindungswinkel des Ringes 120° betragen und die
„reale“ Struktur eigentlich am besten folgendermaßen
wiedergegeben wird:

n = Anzahl der Kohlenstoffe in der Kette

Skelettformeln
Bei der vereinfachten Darstellung von Molekülen in
Form sogenannter Skelettformeln handelt es sich Unter kondensierten Benzenen versteht man
um eine abstrahierende Schreibweise, bei der C- und Systeme, die aus mehreren, an einer Seite miteinander
H-Atome nicht ausgeschrieben, sondern impliziert verbunden Benzenringen aufgebaut sind. Sie werden
(vorausgesetzt) werden. auch polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe
(PAK) genannt und besitzen größtenteils Trivialnamen.
Butan und Pentan in der Skelettformelschreibweise:

Naphthalen Anthracen Phenanthren Benzopyren

24
1 Chemische Grundlagen

Heteroaromaten sind aromatischen Verbindungen, Halogenalkane entstehen aus Alkanen durch den
welche an Stelle eines oder mehrerer Kohlenstoff- Austausch eines oder mehrerer Wasserstoffatome
atome Stickstoff-, Sauerstoff- oder Schwefelatome gegen Halogenatome; X = F, Cl, Br, I
(Heteroatome) besitzen.
Amine sind organische Verbindungen, bei denen die
Wasserstoffatome teilweise bis völlig gegen organische
Reste ausgetauscht werden. Man unterteilt die Amine
in drei Gruppen: In primäre, sekundäre und tertiäre
Amine, wobei die primäre Amine einen, sekundäre
Pyridin/Pyrazin/Pyridazin/Pyrimidin/Pyrrol/Thiophen/ zwei und tertiäre Amine drei organische Reste tragen.
Furan/Isoxazol Sie können auch Teil eines Ringes sein. Im Folgenden
sieht man drei offenkettige und zwei cyclische Amine:
1.8.2. Funktionelle Gruppen sek./prim./tert./tert./sek. sowie das primäre Amin mit
einem aromatischen Ring (=Anilin).
Organische Verbindungen besitzen Atome oder Atom-
gruppen in Form von funktionellen Gruppen. Diese
sind größtenteils für die chemischen und physikali-
schen Eigenschaften der Verbindungen verantwortlich.

Beispiele für Funktionelle Gruppen:


Alkohole tragen als namensgebende Einheit ein
Hydroxy-Gruppe. Je nach Anzahl der Hydroxy-Gruppen
Name der Struktur der Stoffklasse (an unterschiedlichen C-Atomen) im Molekül spricht
funkt. Gruppe funkt. Gruppe man von ein-, zwei-, dreiwertige etc. Alkoholen. Ethanol
(C2H5OH) ist ein Vertreter eines einwertigen Alkohols,
Halogenal- Glycerin z.B. ist der einfachste dreiwertigen Alkohol mit
Halogen kane 3 C-Atomen.

Phenole besitzen einen Benzenring an den mindestens


eine OH-Gruppe gebunden ist. Zu dieser Stoffklasse
Amino-Gruppe Amine gehören auch mehrfach substituierte Hydroxyben-
zene, wie die zweiwertigen und dreiwertigen Phenole:

Hydroxy-Gruppe Alkohole

Ether-Gruppe Ether

Bei Ether-Verbindungen sind zwei organische Reste


Aldehyd-Gruppe Aldehyde über ein Sauerstoffatom miteinander verbunden. Sind
die organischen Reste gleich, spricht man von symmet-
rischen Ethern, sind sie ungleich von unsymmetrischen
Ethern. Das Sauerstoffatom kann auch Bestandteil
Keto-Gruppe Ketone eines Rings sein, man bezeichnet diese dann als cycli-
sche Ether, aromatische Ether bezeichnet man auch als
Phenolether:

Carboxy-Gruppe Carbonsäure Exemplarische Beispiele:

25
1 Chemische Grundlagen

Zu den Carbonylverbindungen (auch CO- od. Keto- 1.9. Biomoleküle - Kohlenhydrate


Gruppe genannt: ein Kohlenstoffatom, dass einen
doppelt gebundenen Sauerstoff trägt) gehören zwei Kohlenhydrate
Gruppen: Die Aldehyde und die Ketone. Kohlenhydrate (Saccharide) sind energiereiche, organi-
Aldehyde sind organische Verbindungen bei dem sche Polyhydroxycarbonylverbindungen, die aus den
der Kohlenstoff der CO-Gruppe einen Wasserstoff chemischen Elementen Kohlenstoff (C), Wasserstoff
und einen organischen Rest trägt, welche entweder (H) und Sauerstoff (O) aufgebaut sind. Dazu zählen
aliphatisch oder aromatisch sein kann. Ketone tragen unter anderem die Verbindungen Traubenzucker und
zwei organischen Reste an dem Kohlenstoffatom der Rohrzucker, aber auch Cellulose und Stärke. Sie unter-
CO-Gruppe. scheiden sich in ihren Molekülgrößen und daraus resul-
tierenden Eigenschaften.
Beispiele für Aldehyde und Ketone.
Bildung von Kohlenhydraten
Beim Vorgang der Photosynthese produziert die
Pflanze aus energiearmen anorganischen Verbin-
dungen mit Hilfe des Sonnenlichtes Kohlenhydrate
für die Energiegewinnung. Die hergestellten Einfach-
zucker (Monosaccharide) dienen als Bausteine für alle
weiteren Kohlenhydrate.
Carbonsäuren sind organische Verbindungen und
besitzen mindestens eine Carboxy-Gruppe im Molekül. Photosynthese: 6 CO2 + 6 H2O + Lichtenergie <-> Trauben-
Man unterscheidet zwischen Monocarbonsäuren und zucker C6H12O6 + 6 O2
mehrwertigen Di- und Tricarbonsäuren. Die gesät-
tigten aliphatischen unverzweigten Monocarbon- Bei der Aufnahme von Kohlendioxid (CO2) aus der Luft
säuren ergeben die homologe Reihe der Alkansäuren. und Wasser (H2O) aus der Erde, kann die Pflanze in
Trägt ein Molekül eine Carboxy-Gruppe wird diese ihren Blattgrünkörperchen (Chloroplasten) mit Hilfe
Substanz als Carbonsäure bezeichnet. von Chlorophyll und Sonnenlicht Glukose (Traubenzu-
Bei gesättigten Verbindungen ergibt sich der Name cker) bilden. Dieser Vorgang geschieht unter Abgabe
aus dem Alkan, einschließlich des Kohlenstoffatoms von Sauerstoff (O2), welcher vom Menschen ebenfalls
der Carboxygruppe, und der Endung „-säure“. Viele zum Überleben benötigt wird.
Carbonsäuren tragen auf Grund ihrer häufigen Verwen- Nimmt der Mensch Kohlenhydrate auf, werden diese
dung auch Trivialnamen (s. Tab.) unter Sauerstoffaufnahme wieder zu Kohlenstoff-
dioxid und Wasser gespalten. Man nennt diesen
Anzahl Chemische Trivialname Vorgang Atmung, es wird dabei Energie frei.
C-Atome Bezeichnung
1 Methansäure Ameisensäure
2 Ethansäure Essigsäure
3 Propansäure Propionsäure
4 Butansäure Buttersäure
5 Pentansäure Valeriansäure
6 Hexansäure Capronsäure
7 Heptansäure Önanthsäure
8 Octansäure Caprylsäure
9 Nonansäure Pelargonsäure
10 Decansäure Caprinsäure

Bekanntestes Beispiel für eine aromatische Carbon-


säure ist die Benzoesäure:
Abb.: D-Glukose, der wohl bekannteste Zucker, darge-
Typische Carbonsäurenderi- stellt in der Fischer-Projektion (s. später)
vate erhält man durch Ersatz
der HO-Gruppe; im Folgenden Einteilung der Kohlenhydrate
exemplarische Beispiele:
Je nach Anzahl der Zuckerbausteine und der damit stei-
genden Molekülgröße unterteilt man die Kohlenhydrate
in drei Gruppen: Mono-, Oligo- und Polysaccharide.

26
1 Chemische Grundlagen

 Kohlenhydrate sind Verbindungen mit mehreren


Hydoxyl-Gruppen und einer Carbonylgruppe.
Demgemäß bezeichnet man sie als Aldosen (z.B.
Glucose) oder Ketosen (z.B. Fructose).

Die meisten Zuckerbausteine sind aus sechs Kohlen-


stoffatomen aufbaut und werden deshalb als Hexosen
bezeichnet. Davon abweichend sind Arabinose, Xylose
oder Ribose, die nur ein C-5 Skelett besitzen. Man
bezeichnet diese Zucker daher als Pentosen.

D-Fructose

Exkurs: Stereoisomere – Enantiomere


– Diastereomere

D-Arabinose D-Xylose D-Ribose Zwei Moleküle mit einer bestimmten Summenformel


(Beispiele für Pentosen) und gleichem strukturellen Aufbau können sich aller-
dings im räumlichen Bau unterscheiden (Beispiel
1.9.1. Monosaccharide Milchsäure). Man spricht in diesem Fall von Stereoiso-
meren. Die beiden, im folgenden Beispiel angeführten
Monosaccharide, auch Einfachzucker genannt, stereoisomeren Michsäuremoleküle unterscheiden
bestehen aus nur einem einzigen Zuckerbaustein, die sich wie Bild und Spiegelbild und können nicht zur
allgemeine Summenformel lautet: Cn(H2O)n. Deckung gebracht werden. Man spricht in diesem Fall
Man bezeichnet sie mit einem Trivialnamen und der von Chiralität (chiros (gr.) = Hand) bzw. Händigkeit.
Endung „-ose“. Sie besitzen ein Kohlenstoffgerüst Damit trägt man der Tatsache Rechnung, dass ebenso
aus 4 bis 7 Kohlenstoffatomen. Daran sind mehrere wie die rechte und linke Hand grundsätzlich von glei-
Hydroxy-Gruppen und eine Aldehyd- oder Keto- cher Struktur sind, sie dennoch nicht zur Deckung
Gruppe geknüpft. Je nach Anzahl der C-Atome spricht gebracht werden können. Eine andere Bezeichnung für
man von Tetrosen (4 C-Atome), Pentosen (5 C-Atome), das gleiche Phänomen ist Enantiomerie; demgemäß
Hexosen (6 C-Atome) und Heptosen (7-C-Atome). Sie kann man bei den beiden Milchsäurestrukturen auch
unterscheiden sich alle in Schmelzpunkt und Löslich- von Enantiomeren sprechen. Grundlage für die Enantio-
keit in Wasser. merie bei Milchsäure ist die Tatsache, dass das zentrale
C-Atom vier unterschiedliche Reste trägt, man spricht
in diesem Fall von einem asymmetrischen C-Atom.

D-Threose und D-Erythrose (Besipiele für Terosen) Abbildung 1.25: Bild und Spiegelbild von Milchsäure
Da die Zucker bei gleicher Summenformel Cn(H2O)n in
unterschiedlichen Strukturen auftreten können, spricht Zuckerketten sind aus einer Reihe von asymmetrischen
man von Isomeren. C-Atomen aufgebaut und demgemäß können auch
Monosaccharide tragen entweder am C1-Atom eine eine Vielzahl von Stereoisomeren gebildet werden.
Aldehyd-Gruppe oder am C2-Atom eine Keto-Gruppe. Nicht alle dieser Stereoisomeren verhalten sich jedoch
wie Bild und Spiegelbild, man spricht in diesen Fällen
von Diastereomeren.
Zusammenfassend bedeutet dies, dass stereoisomere
Strukturen sich entweder enantiomer oder diaste-
reomer zueinander verhalten müssen.

27
1 Chemische Grundlagen

• Steht die OH-Gruppe am weitest entfernten chi-


ralen C-Atom rechts, handelt es sich um einen
Enantiomere sind Verbindungen mit einem Zucker der D-Reihe, steht sie hingegen links, liegt
asymmetrischen C-Atom die die gleiche Summen- ein L-Zucker vor.
formel aufweisen und wie Bild und Spiegelbild
zueinander stehen. Ihre Strukturen sind nicht zur • Wird die Fischer-Projektion auf Moleküle mit
Deckung zu bringen. mehreren chiralen C-Atomen, wie Glucose,
angewendet, bestimmt jenes chirale Zentrum
Eine häufig gewählte Form der Darstellung von Zuckern die Nomenklatur, welches am weitesten vom
ist die sogenannte Fischer Projektion. Sie bezieht sich C1-Atom entfernt steht
auf Glycerinaldehyd. Im folgenden Beispiel liegt das
zentrale C-Atom in der Schreibebene, die waagrechten D-Glucose (Traubenzucker)
Bindungen liegen über der Schreibebene, die senk-
rechten Bindungen weisen nach hinten. Trägt das Tatsächlich liegt die D-Glukose aber nicht in der oben
C-Atom bei dieser Darstellung die OH-Gruppe auf der angeführten offenkettigen Form vor, sondern reagiert
rechten Seite, liegt die D-Form vor, liegt sie auf der zu einer stabilen Ringform. Der dadurch gebildete
linken Seite, spricht man von der L-Form. 6-Ring wird in Anlehnung an den heterocyclischen
Baustein Pyran auch als Pyranose bezeichnet. Diese
Ringform wird mit Hilfe der Haworth-Schreibweise
am besten dargestellt. Ähnlich wie bei der Fischer-
Projektion wird die räumliche Struktur auf eine Ebene
gebracht, wobei die Hydroxy-Gruppe zwei unterschied-
liche Positionen einnehmen kann: Oberhalb (beta-
Form) oder unterhalb (alpha-Form) der Ringebene. Das
D-Glycerinaldehyd & L-Glycerinaldehyd bedeutet, dass erneut zwei Stereoisomere entstehen.
Darstellungen in der Fischer-Projektion Die offenkettige Form und die beiden Pyranose-Form
stehen miteinander im Gleichgewicht, wobei in wäss-
riger Lösung Glukose zu 99,75% in Ring-Formen und
nur zu 0,25% in der offenkettigen Form vorliegt. Betref-
fend die Ringformen liegt die Glukose zu 63,6% in der
energetisch günstigeren beta-Form und nur zu 36,4%
in der alpha-Form vor.

Stereochemische Darstellungen von


D- und L-Glycerinaldehyd

Die Zuordnung von Zuckern zur D- bzw. L-Reihe erfolgt


nach Betrachtung der Konfiguration gemäß der
Fischer-Projektion bei dem asymmetrischen C-Atom,
welches am weitesten vom C1-Atom entfernt ist. Bei Abbildung 1.26: α-D-Pyranose, β-D-Pyranose in der
Fructose und Glucose ist dies das C5-Atom (Formelabb. Haworth-Darstellung
s.o.)

Die D,L-Nomenklatur bzw. Fischer-Projektion von Glucose ist ein süßer, gut wasserlöslicher Einfachzu-
Zuckern wird nach wie vor häufig angewandt, da eine cker und bildet den Grundbaustein für viele Oligo- (z.B.
sehr rasche Zuordnung möglich ist. Saccharose) und Polysaccharide (z.B. Cellulose). Man
findet ihn vor allem in Obst, Gemüse, Honig und Süßig-
Nach folgenden Regeln wird die Verbindung in der keiten. Für den Menschen ist Glucose sowohl für die
Fischer-Projektion dargestellt: Energieversorgung als auch als Baustein von Glykogen
besonders wichtig. So wird bei einem Überangebot von
• Die längste Kohlenstoffkette wird vertikal aufge- Glucose diese in Form des Polysaccharids Glykogen in
stellt, wobei das am höchsten oxidierte C-Atom Leber- und Muskelzellen gespeichert und bei Bedarf
oben steht wieder daraus freigesetzt.

• Die horizontalen Bindungen zeigen aus der


Schreibebene zum Betrachter heraus, die verti-
kalen hinter die Schreibebene

28
1 Chemische Grundlagen

D-Fructose (Fruchtzucker)

Fructose, auch Fruchtzucker genannt, ist ebenfalls ein


natürlich vorkommender, sehr süßer Einfachzucker.
Es handelt sich hier allerdings um eine Ketohexose
(Formelabb. s.o.).
D-Fructose ist die physiologische wichtigste Ketose
und findet sich wie D-Glucose, in Obst, Gemüse, Honig
und Süßigkeiten. Fructose ist in Form des Disaccharids Lactose (bestehend aus D-Glucose und D-Galactose)
Saccharose (Rohr- oder Rübenzucker) weit verbreitet. Abbildung 1.27: Disaccharadie in der Haworth-Darstellung

1.9.2. Dissaccharide 1.9.3. Polysaccharide

Die allgemeine Summenformel für Polysaccharide können aus 100 bis 1000 Einfachzucker
Disaccharide lautet: C12H22O11 aufgebaut sein und stellen somit makromolekulare
Naturstoffe dar, deren allgemeine Summenformel
Disaccharide bzw. Zweifachzucker bestehen aus zwei (C6H10O5)n lautet.
Monosacchariden, die über eine glykosidische Bindung Aufbau und Größe unterliegen naturgemäß einer
miteinander verknüpft wurden. Bei der Bildung der großen Variabilität. Die wichtigsten in der Natur
Disaccharide erfolgt eine H2O-Abspaltung und in vorkommenden Polysaccharide sind Stärke, Glycogen
Analogie zur α- und β-Glukose spricht man bei Disac- und Cellulose. Auch hier gilt, dass die Verknüp-
chariden je nach Art der glykosidischen Verknüpfung fungen der jeweiligen Zuckerbausteine über α- oder
von α- oder β-Disacchariden. β-glykosidische Bindungen erfolgen. Je nachdem kann
ein Mehrfachzucker von der menschlichen Darmflora
Bekannte Beispiele für Zweifachzucker sind Saccha- verdaut, d.h. in seine Einfachzucker gespalten werden
rose (Rübenzucker), Maltose (Malzzucker) oder Lactose oder nicht: So kann der menschliche Organismus
(Milchzucker). Saccharose besteht aus Glucose und α-glykosidisch verknüpfte Polysaccharide durch geeig-
Fructose, Maltose aus zwei Glucose-Bausteinen nete Enzyme (α – Glucosidasen) abbauen und daher für
und Lactose aus einem Glucose- und einem die Energiegewinnung nützen. Sind die Polysaccharide
Galaktose-Baustein. hingegen aus β-glykosidisch verknüpften Einfach-
zuckern aufgebaut, können sie vom Menschen nicht
verdaut und damit auch nicht verwertet werden.

Stärke bildet das Speicherkohlenhydrat der Pflanzen


und entsteht aus α-glykosidisch verknüpften
α-D-Glucose-Einheiten. Es handelt sich um ein Stoffge-
misch aus 25% Amylose und 75% Amylopektin.
Amylose besteht aus 250 bis 350 α-D-Glucose-
Einheiten, welche α-(1,4)-glykosidisch verknüpft
wurden. Sie bildet eine unverzweigte, spiralige Struktur
Saccharose (links der D-Glucose- und löst sich in Wasser.
Baustein, rechts die D-Fructose) Den Hauptteil der Stärke macht Amylopektin
mit 70-80% aus und besteht aus ca. 600 bis 6000
α-D-Glucose-Einheiten. Sie bildet verzweigte Ketten
und legt sich um den Amylose-Kern. Amylopektin
ist nur in heißem Wasser löslich, quillt aber in kaltem
Wasser auf und bildet einen Kleister.

Besonders Kartoffeln, Getreide und Hülsenfrüchte


enthalten viel Stärke. Da die Stärke erst zu α-D-Glucose-
Bausteinen abgebaut werden muss, kommt es zu einer
langsamen Versorgung mit Glucose und damit zu einer
Maltose (bestehend aus zwei D-Glucose- Energieversorgung über längere Zeit.
Bausteinen) Die beim Abbau von Stärke zunächst entstehenden
größeren Bruchstücke nennt man Dextrine, die noch
aus 20 bis 30 Glucose-Bausteine aufgebaut sind. Sie
lösen sich in Wasser und schmecken süßlich.

29
1 Chemische Grundlagen

Glykogen bildet das Speicherkohlenhydrat bei Mensch


und Tier und befindet sich in der Leber und der Musku-
latur. Glykogen besteht aus α-glykosidisch verknüpften Zu den einfachen Lipiden gehören die Neutralfette.
D-Glucose-Einheiten, ist sehr stark verzweigt und kann Häufig spricht man allerdings einfach nur von „Fetten“.
deshalb, wenn nötig, viele Glucosemoleküle speichern. Sie bestehen aus den Elementen Kohlenstoff, Wasser-
Bei kurzfristig erhöhtem Glucosebedarf wird Glykogen stoff und Sauerstoff. Gebildet werden sie immer aus
gespalten und dient damit der Energieversorgung. zwei Bausteinen, dem Glycerin (Glycerol) und einer
oder mehrerer Fettsäure.
Cellulose ist der Gerüststoff pflanzlicher Zellwände.
Dieses Polysaccharid muss eine andere Struktur Bausteine der Fette
aufweisen, um diese Funktion besitzen zu können. Im
Gegensatz zu Stärke oder Glykogen besteht Cellulose
aus β-glykosidisch verknüpften D-Glukosebausteinen.
Daher entsteht eine lang gestreckte Polysaccharidkette,
aufgebaut aus 8000 bis 12000 Glucose-Bausteinen.
Es bilden sich zwischen den benachbarten Ketten
Wasserstoffbrückenbindungen aus. Die Substanz ist
faserig, nicht wasserlöslich und quillt kaum. Um Cellu-
lose spalten zu können wird das Enzym Cellulase (eine
β-Glukosidase) benötigt, welches Säugetiere nicht
besitzen.

1.10. Biomoleküle - Lipide Glycerin

Zu den Lipiden zählt man die Fette, Phospholipide und Bei Glycerin handelt es sich um den dreiwertigen
Steroide. Sie sind chemisch betrachtet eine heterogene Alkohol. Dies bedeutet, dass diese Verbindung drei
Gruppe von Molekülen, die keine kovalente verbun- Hydroxylgruppen (-OH) besitzt. Jede dieser Hydroxyl-
denen Polymere, sondern aufgrund ihrer physikalisch- gruppen kann mit einer Fettsäure über eine Esterbin-
chemischen Eigenschaften, Aggregarte bilden. dung verknüpft werden. Sind drei Fettsäuren an ein
Glycerin gebunden, spricht man von einem Triglycerid.
1.10.1. Fette

Fette sind Verbindungen, die aus den Estern des


Glycerins mit drei Fettsäuren entstehen. Fettmoleküle
kommen in vielen Zellen von Pflanzen, Tieren und
Menschen vor und werden als Energiespeicher genutzt.

Fette und Öle sind auf Grund ihrer apolaren Struktur


nicht in Wasser löslich. Sie lösen sich allerdings in
vielen organischen Lösungsmitteln. Durch Natron-
oder Kalilauge können die Fette gespalten werden. Neutralfett bestehen aus einer
Bei dieser alkalischen Esterhydrolyse, auch Verseifung Palmitin-, Stearin- und Ölsäure
genannt, werden die Grundbausteine Glycerin und die
Fettsäuren (in Form ihrer Salze) freigesetzt. Die Salze Fettsäuren
der Fettsäuren besitzen einen hydrophilen „Kopf“ und
einen lipophilen „Schwanz“ und können daher Micellen Fettsäuren bilden unverzweigte Ketten mit gerader
bilden, welche Schmutz und Fettpartikel einschließen. Anzahl an Kohlenstoffatomen. Am ersten Kohlenstoff-
Natriumsalze der Fettsäuren werden als Kernseife atom befindet sich eine Carboxylgruppe (-COOH).
und die Kaliumsalze der Fettsäuren als Schmierseife Enthält die Verbindung keine Doppelbindung spricht
verwendet. man von gesättigten Fettsäuren. Ungesättigte besitzen
mindestens eine Doppelbindung.

 Neutralfette sind Verbindungen zwischen dem


Molekül Glycerin mit drei Fettsäuren. Die Hydroxyl-
Gruppen des Glycerins bilden eine Estherbindung
mit den Carboxyl-Gruppe der Fettsäuren.

30
1 Chemische Grundlagen

Gesättigte Fettsäuren Der Schmelzpunkt sinkt außerdem mit Zunahme der


Doppelbindungen. Das liegt daran, dass es infolge der
Gesättigte langkettige Fettsäuren (14 bis 18 C-Atome) Doppelbindung zu einen „Knick“ in der Kette kommt,
was wiederum dazu führt, dass die Fettsäuren weniger
dicht aneinander liegen. Es wird eine geringere Energie
benötigt, um ihren Aggregatzustand zu verändern –
der Schmelzpunkt liegt niedriger. Besitzen Fettsäuren
hingegen keine Doppelbindung, liegen die Fettsäuren
dicht aneinander und es ist mehr Energie nötig, sie zu
„trennen“ und der Schmelzpunkt steigt.

Öle besitzen hauptsächlich ungesättigte Fettsäuren


und sind daher bei Zimmertemperatur flüssig. Feste
Myristinsäure C14), Palmitinsäure Fette bestehen aus gesättigten und langkettigen Fett-
(C16) und Stearinsäure (C18) säuren, weiche Fette aus kurzkettigen Fettsäuren.
Besitzen Fette einen niedrigen Schmelzpunkt, sind sie
Einfach ungesättigte Fettsäure (besitzt eine im Verdauungstrakt flüssig und können daher leichter
Doppelbindung) verdaut werden.

1.10.2. Membranbildende Lipide:


Phospholipide und Steroide
Ölsäure
Ohne dieser beiden Molekültypen wäre die am Anfang
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren der Evolution stehende Bildung einer Zellstruktur nicht
vorstellbar, sie sind die Grundbausteine von biologi-
schen Membranen.
Ein Phospholipidmolekül ähnelt einem Fettmolekül
mit dem Unterschied, dass die dritte Hydroxyl-Gruppe
keine Fettsäure sondern einen Phosphosäurerest trägt
(mit Phosphorsäure anstelle von Fettsäure verestert
ist). Diese Phosphorsäure kann mit unterschiedli-
chen anderen kleinen Molekülen, die auch Ladungen
aufweisen können, verknüpft sein.
Linol- und Linolensäure sowie die 5-fach ungesät-
tigte Fettsäure (eine ω-3-Fettsäure aus Fischölen)

Schmelzpunkte der Fette

Nicht alle Fette haben denselben Schmelzpunkt.


Mit Änderung der Kettenlänge, sowie der Anzahl an
Doppelbindungen einer Fettsäure, ändert sich auch
der Schmelzpunkt. Nimmt die Kettenlänge zu – steigt
er, nimmt die Zahl an Doppelbindungen zu – sinkt er.
Folglich besitzen kurzkettige Fettsäuren einen
Schmelzpunkt zwischen +16 und -8°C, sie sind bei
Raumtemperatur flüssig. Bei langkettigen Fettsäuren
liegt der Schmelzpunkt zwischen +55 und +70°C, bei
Raumtemperatur sind sie fest. Der Schmelzpunkt einer
mittelkettigen Fettsäure liegt dazwischen.

 Flüssige Fette (Öle) haben eine größere Anzahl


an Doppelbindungen in den Fettsäuren und meist
kürzere Fettsäureketten als feste Fette.
Abbildung 1.28: Die Struktur eines Phospholipidmoleküls,
in der Darstellung als gemischte Skelett-/Valenzstrichformel
(in der Skelettform werden in der Kohlenwasserstoffkette
die Kohlenstoff und Wasserstoffatome nicht als Buchstaben
dargestellt)

31
1 Chemische Grundlagen

Durch die Einführung einer polaren, oder im Falle des 1.11. Biomoleküle - Proteine
Cholins geladenen, Kopfgruppe haben Phospholipide
eine spezielle Eigenschaft, man sagt sie sind amphi- Eiweißstoffe, auch Proteine genannt, bestehen aus
patisch: auf der Seite der beiden Fettsäurereste ist Aminosäuren. Diese bilden die Grundbausteine und
das Molekül hydrophob (wasserabweisend, vermeidet sind aus den Elementen Kohlenstoff (C), Wasserstoff (H),
Interaktionen mit Wasser), die Phosphorsäure-Kopf- Sauerstoff (O), Stickstoff (N) und manchmal Schwefel (S)
gruppe ist hydrophil (wasserliebend, interagiert mit und Phosphor (P) aufgebaut. Sie besitzen zwei funktio-
Wasser). Daraus ergibt sich, dass sich im wässrigem nelle Gruppen, eine Amino- und eine Carboxygruppe.
Mileau die Phospholipidmoleküle mit ihren Fettsäu- Proteine können nur von Pflanzen und Mikroorga-
reresten spontan geordnet aneinanderlagern um den nismen aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Stickstoff
Kontakt mit Wasser möglichst zu vermeiden und dass gebildet werden. Die Pflanzen produzieren die Proteine
zwei dieser spontan gebildeten Phospholipidmono- aus den im Zuge der Photosynthese gebildeten Kohlen-
layer, mit den Fettsäureketten zueinandergerichtet, hydraten sowie wasserlöslichen Stickstoffverbin-
einem Bilayer bilden. dungen, die aus dem Boden aufgenommene werden.

 Phospholipide sind amphipatisch, haben eine


hydrophile Kopfgruppe und einen hydrophoben
Fettsäureteil. Sie bilden in wässriger Umgebung
Die bedeutendsten Stickstoffverbindungen sind die
Nitrate (NO3-Verbindungen, Salze der Salpetersäure),
sowie die Ammoniaksalze (NH4+-Verbindungen). Sie
spontan Lipiddoppelschichten. gelangen im Idealfall über die natürlichen Düngemittel,
wie verrottete Pflanzenteile (Kompost) oder Ausschei-
dungen von Tieren (Jauche, Stallmist) in den Boden
hydrophile Kopf- und können dann von den Pflanzen aufgenommen
gruppe
Wasser werden. Häufig sind allerdings künstliche Dünger aus
Ammonium- und Nitratverbindungen nötig, um ausrei-
chend bepflanzen zu können. Ausgewählte Bodenbak-
terien, wie die Knöllchenbakterien der Schmetterlings-
blütler, können sogar elementaren Stickstoff direkt aus
der Luft zur Eiweißproduktion verwenden. Im Boden
befinden sich außerdem auch Mikroorganismen,
welche die Stickstoffverbindungen abbauen und folg-
lich elementaren Stickstoff an die Luft abgeben.
Die Pflanzen werden schließlich von den Tieren aufge-
Wasser nommen und dienen dem Menschen, in Form von tieri-
hydrophobe schen Produkten, als Eiweißlieferanten.
Kohlenwasserstoff-
kette
Struktur von Proteinen
Abbildung 1.29: Lipiddoppelschichten in wässriger
Umgebung Die beim Menschen vorkommenden Eiweiße (Proteine)
sind aus alpha-Aminosäuren (2-Aminocarbonsäure)
Steroide sind eine ganz andere Gruppe von chemi- aufgebaut. Neben den alpha-Aminosäuren werden
schen Substanzen mit vier kondensierten in einer aber auch beta- und gamma- Aminosäuren für die
Ebene angeordneten Kohlenwasserstoffringen, weisen Signalübertragung bei der Reizleitung benötigt.
aber ebenfalls einen amphipatischen Charakter auf. Die DNA kodiert für insgesamt 20 verschieden biogene
Sie haben eine polare Hydroxyl-(Kopf)-Gruppe und ein alpha-Aminosäuren, aus denen alle Proteine aufgebaut
apolares Kohlenwasserstoffgerüst. Cholesterin ist ein sind. Davon sind 8 Aminosäuren essentiell und müssen
in tierischen Membranen weitverbreitetes Steroid, dass deshalb mit der Nahrung aufgenommen werden.
sich entsprechend ihrer Polarität in den Lipidbilayer
einbaut und durch ihre starre Struktur einen Einfluss Nomenklatur
auf die „Fluidität“ einer Membran ausübt.
Jede der 20 biogenen α-Aminosäuren besitzt einen
Trivialnamen. Gemäß den Regeln der Fischer-Projek-
tion werden die Aminosäuren als L- oder D-Aminosäure
bezeichnet. Im Gegensatz zu den Zuckern, betrachtet
man bei den Aminosäuren die Amino-Gruppe am
asymmetrischen α-C-Atom.

Zur Abkürzung der Trivialnamen verwendet man


entweder eine dreibuchstabigen- oder einbuchsta-
Abbildung 1.30: Cholesterin bigen Code, wie zum Beispiel: Alanin – Ala – A

32
1 Chemische Grundlagen

1.11.1. Aufbau einer Aminosäure Die kleinste Aminosäure, Glycin, besitzt als Rest nur ein
Wasserstoffatom. Alle anderen Aminosäuren besitzen
Alle Aminosäuren besitzen dieselbe Grundstruktur mindestens ein chirales C-Atom.
und unterscheiden sich lediglich in ihrem Rest R,
welcher als Seitenkette bezeichnet wird. Die Proteine 1.11.2. Peptidbindung
des menschlichen Organismus sind ausschließlich aus
L-Aminosäuren aufgebaut. Aminosäuren verbinden sich über die Carboxylgruppe
(-COOH) und der Aminosäure einer zweiten Amino-
Am zentralen Kohlenstoffatom (C-Atom) hängen somit säure (-NH2) miteinanderen. Dabei wird formal immer
immer: ein Molekül Wasser abgespalten. Man spricht auch von
einer Peptidbindung (Säureamidbindung). Es können
eine Amiongruppe (-NH2) sich dadurch lange Aminosäureketten (Peptidketten)
eine Carboxylgruppe (-COOH) ausbilden.
ein Wasserstoffatom (H) Je nach Anzahl der Aminosäuren, welche miteinander
ein Rest R verknüpft wurden, spricht man von Dipeptid (zwei AS),
Tripeptid (3 AS), Oligopeptid (oligo = wenig, bis zehn AS)
oder Polypeptid (poly = viel, mehr als zehn AS). Beson-
Abbildung 1.31: Fischerprojektion einer L-Aminosäure ders große Peptide werden als Proteine bezeichnet (ca.
100 – 1000 AS).
Im menschlichen Körper werden ausschließlich

 Alle Aminosäure tragen am α-C-Atom eine Ami-


nogruppe, eine Carboxylgruppe und ein Wasser-
stoffatom. Sie unterscheiden sich nur in ihrem 4
L-Aminosäuren in die Proteine eingebaut.

1.11.3. Eigenschaften Aminosäuren


Bindungspartner (auch Restgruppe genannt).
Aminosäuren können sowohl als Basen, als auch als
Man kann die α-Aminosäuren nach ihren Seitenketten Säuren reagieren. Die Amino-Gruppe fungiert als Base
in vier Gruppen unterteilen: und kann ein Proton aufnehmen, die Carboxy-Gruppe
als Säure und kann ein Proton abgeben. Auf Grund
• unpolare Aminosäuren; die Seitenkette besteht dieser Eigenschaften liegen Aminosäuren in wässriger
nur aus den Elementen Wasserstoff und Lösung und als Feststoffe als Zwitterionen vor. Dabei
Kohlenstoff trägt das Stickstoffatom eine positive und die Carbo-
xylat-Gruppe eine negative Ladung.
• polare Aminosäuren; in der Seitenkette finden
sich ein Heteroatom, wie O, S, Se oder N.

• saure Aminosäuren; die Seitenkette enthält eine


zusätzliche Carboxy-Gruppe.
Abbildung 1.33: Bildung des Zwitterions am Beispiel der
Aminosäure Glycin
• basische Aminosäuren; die Seitenkette enthält
eine zusätzliche Amino-Gruppe. Aminosäuren spielen im Organismus eine große
Rolle. Im Falle des Hämoglobins wird diese
amphotere Eigenschaft genützt, um den pH-Wert
des Blutes konstant zu halten. Man spricht von
einem Eiweißpuffer. Dieser kann überschüs-
sige H+- oder OH--Ionen abfangen und dadurch
pH-Wert-Änderungen ausgleichen:
Neben der Pufferwirkung, können Proteine
auch Wasser binden und somit darin gelöste
Stoffe transportieren. Das Transportprotein
Albumin kann beispielsweise wasserunlösliche
Fettsäuren, Mineralstoffe oder Vitamine im Blut
transportieren. Auch viele Arzneistoffe werden
an Albumin gebunden und so zum Wirkort
befördert.
Durch Decarboxylierung entstehen aus
den Aminosäuren biogene Amine, welche

Abbildung 1.32: Überblick über die 20 ess. Aminosäuren


33
1 Chemische Grundlagen

Bestandteile von Biomolekülen sind oder als Signal- Aminosäuren gibt, ergeben sich unzählige mögliche
stoffe wirken. Aus der Aminosäure Tyrosin wird so das Verbindungen.
Hormon Adrenalin gebildet.
Die dreidimensionale Struktur eines Proteins wird durch
die restlichen Strukturformen (Sekundär-, Tertiär- und
Quartär-Struktur) angegeben:

Abbildung 1.34: Amphotere Eigenschaften von Die Sekundärstruktur beschreibt einzelne Abschnitte
Aminosäuren des Peptids. Sie ergibt sich aus der natürlichen Faltung
1.11.4. Räumliche Struktur der Proteine einer Aminosäurenkette bzw. aus deren schraubenför-
miger Anordnung. Sie kann entweder die Form einer
Proteine besitzen eine sehr komplexe Struktur. Zu β-Faltblatt oder α-Helixstruktur annehmen. Beide
Vereinfachung teilt man diese in vier Gruppen: Formen werden durch die Wasserstoffbrücken, welche
sich zwischen den CO- und den NH-Gruppen des
1. Primärstruktur Peptidrückgrats ausbilden, stabilisiert.
2. Sekundärstruktur
3. Tertiärstruktur Die Tertiärstruktur beschreibt die gesamte räumliche
4. Quartärstruktur Struktur einer Peptidkette. Sie wird durch die weiteren
Inter- und Intramolekularen Wechselwirkungen, wie
Die Primärstruktur gibt die Art, Anzahl und Abfolge Disulfidbrücken, Ionenbindungen, Wasserstoffbrü-
der Aminosäuren (Aminosäurensequenz) einer Peptid- cken und hydrophobe Wechselwirkungen, bestimmt.
kette an. Diese Reihenfolge ist genetisch festgelegt Die Anordnung der Kette kann dadurch faserförmig
und gibt in weiterer Folge Auskunft über die räumliche (fibrillär) oder knäuelförmig (globulär) sein.
Struktur und die Eigenschaften. Da es 20 verschiedene
Die Quartärstruktur ergibt sich durch das Zusam-
menfügen von Peptidketten, verschiedener Tertiär-
strukturen. Sie werden durch Van-der-Waals-Kräfte

 Die Abfolge der Aminosäuren in einer Peptid-


kette ist genetisch determiniert. Sie bedingt direkt
unter Ausbildung von verschiedenen Struktur-
und andere Wechselwirkungen zusammengehalten.

ebenen die räumliche Struktur von Proteinen.

Abbildung 1.35: Räumliche Struktur von Proteinen

34
1 Chemische Grundlagen


1.12. Biomoleküle - Nukleinsäuren
Nukleotid-Monomere (oder Nukleosidmono-
Nucleinsäuren sind langkettige Makromoleküle mit phosphate) enthalten die Komponenten Base, 5er-
tausenden Einzelbausteinen, dazu gehören DNA Zucker und Phosphorsäurerest.
(Desoxyribonucleinsäuren) und RNA (Ribonuclein-
säuren). Sie sind immer aus den gleichen Bausteinen
(Nucleotiden) aufgebaut und bilden lange Ketten Schon sehr früh war bekannt dass Purin- und Pyri-
(Polynucleotide) mit einer immer wiederkehrenden midinbasen in der DNA immer im Verhältnis 50:50
Abfolge. Ein Nucleotid selber ist seinerseits immer aus vorkommen.
den gleichen drei Bestandteilen aufgebaut: einer stick-


stoffhaltigen Base, einer 5-kohlenstoffhaltigen-Zucker-
ring und einem Phosphorsäurerest. Als Basenpaarung bezeichnet man die Ausbil-
dung von spezifischen Wasserstoffbrücken zwi-
schen den Basen Guanin und Cytosin bzw. Adenin
und Thymin (Adenin und Urazil in der RNA).

Durch die chemische Struktur der Basen können


jeweils eine Purin- und eine Pyrimidinbase miteinander
durch Ausbildung von Wasserstoffbrücken paaren. Die
charakteristische Basenpaarung führt zu der Bildung
eines komplementären Stranges. Adenin paart mit
Thymin (oder mit Uracil in der RNA) und bildet immer
2 Wasserstoffbrücken aus. Guanin paart unter Ausbil-
Abbildung 1.36: Nomenklatur eines Nucleotide-
dung von drei Wasserstoffbrücken mit Cytosin (A=T od.
Monomers A=U und GΞC)

1.12.1. Die Bestandteile der Nucleotid-


Monomere
Nucleinsäure-Basen

Zwei Typen von Basen kommen in den Nukleinsäuren


vor: Purine (2-Ringsystem-Basen) und Pyrimidine
(1-Ringsystem-Basen) sind die zwei Typen der Basen Abbildung 1.38: Die Basenpaarung
abgeleitet. Zu den Purinen gehören die Basen Adenin
(A) und Guanin (G), die Pyrimidinbasen sind Cytosin
(C), Thymin (T) und die nur in RNA vorkommende Base
Urazil. Die DNA Basen sind also die vier Basen Adenin Ribosen (5er-Zucker in Ringform)
(A), Guanin (G), Cytosin (C) und Thymin (T), in der RNA
findet Uracil (U) anstelle von Thymin Verwendung (die RNA und DNA unterscheiden sich in den Zuckerbe-
RNA Basen sind A, G, C und U) standteilen. In RNA ist es die Ribose, in DNA ist es die
Purine Desoxyribose, die am Kohlenstoff 2 ein Wasserstoff
(-H) anstelle der in der Ribose vorhandenen Hydro-
xylgruppe (-OH) aufweist. Damit fehlt der DNA die frei
reaktive Hydroxylgruppe, die demnach die DNA reak-
tionsträger als RNA macht und damit eine stabilere
Adenin Guanin „bessere“ Speichersubstanz für genetische Informa-
tion darstellt.
Pyrimidine

Cytosin Thymin Uracil

Abbildung 1.37: Die Basen sind Purin und Pyrimidin- Abbildung 1.39: Desoxyribose und Ribose
Derivate mit unterschiedlichen Ring-
substituenten 35
1 Chemische Grundlagen

allerdings mit komplementären Basensequenzen (A=U,


GΞC) charakteristische Rückfaltungen und Schleifen
und damit Doppelstrangbereiche ausbilden.

Die komplementäre Basenpaarung führt noch nicht


zur Bildung einer Helix. Zwischen der Ober- und Unter-
seite der benachbarten Basenpaaren verursachen
schwache Wechselwirkungen eine Annäherung der
Basenpaare und erzeugt einen hydrophoben Innen-
raum. Dies führt zu einer stapelförmige Anordnung der
Basenpaare und erzwingt damit eine Verdrillung des
DNA-Doppelstranges zu der bekannten Helixstruktur
(Verdrehung der Leiter). Die beiden hydrophilen Zucker-
Phosphat-Rückgrate bilden die äußere Oberfläche der
Doppelhelix und stehen mit der wässrigen Umgebung
in Kontakt. Die relativ hydrophoben gestapelten Basen
befinden sich dagegen im Inneren der Helix.
Die Struktur der DNA verdeutlicht eindrücklich, ein
grundlegendes Prinzip zwischen Struktur und Funk-
tion. Die besonderen Eigenschaften dieser chemischen
Substanz ermöglichen, dass das Molekül als sehr effek-
Abbildung 1.40: Die Verknüpfung der Nucleotid-Bestand-
teile (hier ein RNA-Strang) tives und stabiles Medium für die Speicherung von
Information dient.

1.12.2. Die Struktur der Polynucleotide DNA


und RNA
Die Grundstrukturen der Nukleinsäuren sind in
Phosphorsäure und Zucker bilden das Rückgrat der DNA und RNA gleich. Sie unterscheiden sich ledig-
langen Polynucleotidkette, wogegen die Basen im ca. lich im Zuckerbestandteil (Desoxyribose/Ribose),
rechten Winkel davon abstehen und mit ihrer korres- in der Pyrimidinbase Thymin/Uracil und in ihrer
pondierenden komplementären Base Wasserstoff- Sekundärstruktur.
brückenbindungen ausbilden kann. Das Molekül hat
die Form einer Leiter in der die Sprossen die Basen-
paare bilden, die Holme das Phosphat-Zucker-Rück-
grat darstellen. Die beiden komplementären Stränge
verlaufen in entgegengesetzter Richtung. Der Abstand
zwischen den Strängen ist jeweils gleich
groß.
Was diese Grundstruktur betrifft, gibt es
keinen Unterschied zwischen DNA und
RNA: die Bindungen sind gleich, beides
sind Phosphordiester-Derivate. Die Unter-
schiede belaufen sich lediglich auf die
Zuckerbestandteile: in RNA als Zucker
Ribose bzw. Desoxyribose in der DNA, bzw.
unterscheidet sich eine Pyrimidinbase zw.
DNA (Thymin) und RNA (Uracil). Sonst
sind alle Verbindungen und Strukturen
äquivalen: Sowohl die Bindung zwischen
dem Zucherbestandteil und den Basen
(eine N-glycosidische Bindung) sowie die
Phosphordiesterbindung zw. Zucker und
Phosphorsäurereste der benachbarten
Nucleotide.

Ein zusätzlicher Unterschied ergibt sich in


der Sekundärstruktur des RNA-Moleküles.
Im Gegensatz zur doppelsträngigen DNA Abbildung 1.41: Die Struktur von RNA (links als Einzelstrang)
ist RNA in der Regel einzelsträngig, kann bzw. rechts der DNA

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