Unit 1
Unit 1
Abbildung 1.1: Anzahl und Art der Bindungen p . V = n . R . T (R = die universelle Gaskonstante)
zwischen den Atomen
10
1 Chemische Grundlagen
Etwas weniger strikt sind Regeln, die ebenfalls zum vorhersagen. Sollte das nicht der Fall sein, gilt diese
Beschreiben von Zusammenhängen verwendet Theorie als falsifiziert.
werden. Ein Beispiel wäre die RGT-Regel (Reaktions-
Geschwindigkeits-Temperatur-Regel), welche besagt, 1.2. Stöchiometrie
dass sich die Reaktionsgeschwindigkeit verdoppelt bis
vervierfacht, wenn die Temperatur um etwa 10 K erhöht Die Stöchiometrie dient der Berechnung von Stoff-
wird. Dies ist letztlich ein experimenteller Befund (für mengen und Reaktionsgleichungen. Zur Vereinfachung
den es zwar theoretische Erklärungen geben mag; eine wurde die Stoffmenge n als Größe eingeführt, um nicht
präzise quantitative Begründung ist allerdings daraus umständlich mit den absoluten Massen von Atomen
nicht ableitbar). und Molekülen, welche in einem Bereich von 10 -4 – 10 -21
g liegen, rechnen zu müssen.
1.1.2. Modelle
Die Einheit der Stoffmenge ist mol. Die Anzahl der
Bei chemischen Reaktionen können beispielsweise das Teilchen, die ein Mol eines Stoffes enthält, leitet sich
Auflösen und Neubilden von Bindungen nicht beob- von der Avogadro-Konstante NA (manchmal auch als
achtet werden. Selbst durch den Einsatz modernster Loschmidtsche Zahl bezeichnet) ab:
bildgebender Verfahren bleiben diese Vorgänge für den
Menschen bislang unsichtbar. Mit Hilfe von Modellen NA = 6,022 . 1023 mol-1
können diese Geschehnisse aber in vereinfachter Form
dargestellt werden. Da allerdings kein Modell alle Eigen- Somit wird die Stoffmenge, die aus 6 . 1023 Teilchen
schaften des Originals enthält und nur in bestimmten besteht, als ein mol bezeichnet. Die Folge ist, dass in
Bereichen gültig ist, gibt es häufig mehrere Modelle für gleichen Stoffmengen verschiedener Elemente auch
dasselbe Objekt. Je näher das Modell an das Original immer die gleiche Anzahl an Teilchen enthalten ist:
herankommt, desto genauer und besser können die In 12 g Kohlenstoff sind ebenso wie in 32 g Schwefel
Vorhersagen geschehen, gleichzeitig wird es aber umso 6 . 1023 Teilchen des jeweiligen Elements enthalten
komplizierter und schwieriger. (die relativen Atommasse von Kohlenstoff ist 12, von
Schwefel 32; siehe Periodensystem).
Im Folgenden werden für die Darstellung eines Mole- Bei Angabe der Menge in mol muss immer definiert
küls vier Modelle dargestellt. Je nachdem, welchen werden, um welche Teilchen es sich handelt.
Zusammenhang man erklären möchte, wählt man
das geeignete Modell aus. Summenformel und Lewis- Beispiel: n(H2) = 1 mol bedeutet 1 mol
Formel wurden bereits angeführt. Weitere Modelle sind Wasserstoffmoleküle
das Stäbchenmodell und das Kalottenmodell. Ersteres
widergibt eine vereinfachte Struktur indem die räum- Allgemein gilt daher: n(Stoffmenge) = m (in Gramm)/M
lichen Anordnungen der Atome im Molekül dargestellt (molare Masse)
werden. Das Kalottenmodell bietet noch mehr Infor-
mationen, da auch der Raumbedarf des Moleküls die Bei einer Verbindung (Molekül) kann die molare Masse
Großenverhältnisse der Atome dargestellt werden. (M) aus der Summe der relativen Atommassen aller
Atome (siehe Periodensystem) einfach berechnet
werden
Beispiele:
11
1 Chemische Grundlagen
1.3. Kernchemie und Entstehung Bei der Darstellung eines Elements schreibt man die
der Elemente Massenzahl links oben vor das Elementsymbol, die
Kernladungszahl links unten.
1.3.1. Bausteine
12
6 C Kernladungszahl des Kohlenstoffs 6, Massen-
Das kleinste, chemisch nicht weiter zerlegbare Elemen- zahl des Isotops 12, das bedeutet: sechs
tarteilchen nennt man Atom. Atome bestehen aus Protonen, sechs Neutronen im Kern
einem positiv geladenen Atomkern, der sich wiederum
aus den positiv geladenen Protonen und den neut- Obwohl alle Atome eines Elements immer dieselbe
ralen Neutronen aufbaut sowie der negativ geladenen Anzahl an Protonen und somit die gleiche Kernla-
Elektronenhülle. dungszahl (Ordnungszahl) besitzen, kann die Neutro-
nenzahl im Kern variieren. Folglich existieren Elemente
rechts oben nach dem Elementsymbol, die Atomzahl
Subatomare Teilchen eines Atoms sind die rechts unten.
Kernbestandteile positiv geladenen Protonen und
die Neutronen, sowie die Hülle mit den negativ 1.4. Atombau
geladenen Elektronen.
Eines der ersten Experimente, die eine nähere Vorstel-
lung über den Atombau lieferten, war der Rutherford-
sche Streuversuch.
Ein ungeladenes Atom hat immer die gleiche Anzahl
Elektronen wie Protonen. Aus der Summe der Protonen Bei diesem Versuch wurde eine Goldfolie mit α–Teil-
und Neutronen ergibt sich die Massenzahl A. chen beschossen. Ein um diese Goldfolie angebrachter
Detektor registrierte die auftreffenden α–Teilchen.
Kernladungszahl Z = Anzahl der Protonen = Ordnungszahl Auffallend bei diesem Experiment war, dass nahezu
alle Teilchen die Goldfolie durchdrangen, ohne abge-
Massenzahl A = Kernladungszahl Z + Anzahl der Neutronen N lenkt zu werden. Lediglich ein sehr kleiner Anteil (ca.
1:100.000) wurde entweder reflektiert oder abgelenkt.
12
1 Chemische Grundlagen
Aus dieser Beobachtung zog Rutherford den Schluss, (Elektronenschalen) werden außerdem mit den Buch-
dass dies nur möglich sein könne, wenn sich nahezu staben K, L, M, N usw. bezeichnet und können immer
die gesamte Masse des positiven Atomkerns auf sehr nur von einer gewissen Anzahl Elektronen besetzt
kleinem Raum befindet. Dies war ein fundamentaler werden, wobei s,p und d Bezeichnungen der Orbitale
Erkenntnisgewinn über den Atomaufbau. sind. Die hochgestellte Zahl gibt die maximale Anzahl
an Elektronen in den betreffenden Orbitalen an.
Mit Hilfe von Orbitalen kann der Raum, in dem sich der
wahrscheinliche Aufenthaltsort von Elektronen mit
einer Wahrscheinlichkeit von 90% befindet, dargestellt
werden. Die Kenntnis über die Atomorbitale ermög-
lichte erst ein Verständnis über die Atombindungen,
den Bau und die Geometrie von Molekülen und selbst
viele makroskopische Eigenschaften sind nur durch die
Abbildung 1.3: Rutherford-Atommodell
genaue Kenntnis der Orbitale möglich.
Er meinte allerdings auch, dass die Elektronen auf kreis-
förmigen bzw. elliptischen Bahnen um den Atomkern 1.5. Das Periodensystem der Elemente
kreisen. Die dafür nötigen Kräfte, die elektrostatische (PSE)
Anziehungskraft und die Zentrifugalkraft, sollten dabei
ein Gleichgewicht bilden. Damit hätte er das Modell Das Periodensystem soll den Aufbau der Elemente und
eines Sonnensystems mit Planeten, die die Sonne deren Eigenschaften in einen sinnvollen Zusammen-
umkreisen, auf Atome übertragen. hang darstellen.
Dabei werden die Elemente gemäß steigender Proto-
Diese Ansicht war allerdings nicht haltbar, da man sehr nenzahl (Ordnungszahl = Kernladungszahl) in hori-
bald zeigen konnte, dass nach diesem Modell die krei- zontal gelegene Perioden und vertikal angeordnete
senden Elektronen ständig Energie in Form von Licht Gruppen eingeteilt.
abstrahlen müssten und letztlich in kurzer Zeit in den Alle Atome gleicher Kernladung (gleiche Anzahl an
Atomkern „fallen“ würden. Protonen) bilden ein Element und stehen somit an
selber Stelle im PSE.
Nils Bohr, Schüler Rutherfords, stellte ein Atommodell
auf, das dem Rutherfordschen im Grunde zwar ähnlich Die Perioden entsprechen der Zahl der
war, er aber von den Gesetzen der klassischen Physik Elektronenschalen.
Abstand nahm.
Innerhalb der 16 Gruppen, welche senkrecht ange-
Folgende Postulate wurden formuliert: ordnet sind, werden die Elemente nach ihren Gruppen-
nummern geordnet. Die Gruppennummer entspricht
• Elektronen können den Atomkern auf stabi- der Anzahl der Valenzelektronen (Außenelektronen)
len konzentrischen Bahnen umkreisen, ohne eines Elements, welche hauptsächlich für die chemi-
Strahlung abzugeben und dadurch Energie zu schen Eigenschaften verantwortlich sind. Daher haben
verlieren. Elemente einer Gruppe ähnliche Eigenschaften.
Man spricht von Haupt- und Nebengruppen und sie
• Die Anzahl der Bahnen (Elektronenschalen) ist werden mit römischen Ziffern gekennzeichnet.
begrenzt. Jede dieser Bahnen entspricht einem Für die Hauptgruppen findet man auch Trivialnamen:
Energieniveau E der Elektronen. Je größer Alkalimetalle (für die 1. HG), Erdalkalimetalle (für die
der Radius der Elektronenschale, desto höher 2. HG), Borgruppe (3. HG), Kohlenstoffgruppe(4. HG),
das Energieniveau der darauf befindlichen Stickstoffgruppe (5. HG), Chalkogene (Erzbildner, 6.
Elektronen. HG), Halogene für die 7. HG und Edelgase für die 8. HG
13
1 Chemische Grundlagen
14
1 Chemische Grundlagen
Abstand zum Atomkern. Je höher der Energiegehalt Bindungspolarität und damit die Höhe des Ionenan-
(d.h. je größer der Abstand zw. Atomkern und Elektron teils einer Bindung.
ist), desto geringer ist die Ionisierungsenergie. Im Allge-
meinen nimmt die Ionisierungsenergie mit steigender 1.5.4. Metall- und Nichtmetallcharakter
Kernladung zu und mit zunehmendem Atomradius ab.
Gemäß ihrer elektrischen Leitfähigkeiten wurden die
Das bedeutet, dass die Ionisierungsenergie inner- Elemente in Metalle, Halbmetalle und Nichtmetalle
halb einer Periode von links nach rechts tendenziell eingeteilt.
zunimmt (Kernladung steigt, Atomradius nimmt ab). Metalle sind gute elektrische Leiter. Ihre Leitfähigkeit
Innerhalb einer Gruppe nimmt die IE mit steigender nimmt mit ansteigender Temperatur ab. Sie weisen
Ordnungszahl von oben nach unten tendenziell ab. eine niedrige Ionisierungsenergie und deshalb eine
Die Kernladung wird durch die Zahl der Schalen zuneh- hohe Tendenz zur Bildung von Kationen auf. Ihre Oxide
mend abgeschirmt, wodurch die äußeren Elektronen reagieren in Wasser basisch. Auch alle Elemente der
tendenziell leichter abgegeben werden. Nebengruppen sind Metalle.
Metalle besitzen deshalb eine relativ niedrige, Nicht- Nichtmetalle werden auch Isolatoren genannt und
metalle eine relativ hohe Ionisierungsenergie. leiten folglich keinen elektrischen Strom. Sie besitzen
eine tendenziell hohe Elektronegativität und bilden
Edelgase (8. HG) besitzen die höchste Ionisierungs- häufig Anionen und Moleküle aus. Ihre Oxide reagieren
energie. Sie beschreiben einen energetisch sehr stabilen sauer.
Zustand. Elemente der 1. HG (Alkalimetalle) besitzen
die niedrigste Ionisierungsenergie. Durch Abgabe eines Halbmetalle, wie Bor, Silicium, Germanium, Arsen und
Elektrons erreichen sie die angestrebte stabile Edelgas- Tellur, sind nur schwache elektrische Leiter. Ihre Leit-
konfiguration (volle äußere Elektronenschale). fähigkeit nimmt allerdings mit steigender Temperatur
zu. Entsprechend ihrer Namensgebung bilden sie den
1.5.3. Elektronegativität Übergang zwischen metallisch und nichtmetallisch.
Innerhalb einer Periode nimmt der Metallcharakter
Bei einer Bindung zwischen zwei gleichen Atomen von links nach rechts ab, in der Gruppe von oben nach
erfolgt eine symmetrische Aufteilung des bindenden unten hin zu (umgekehrt gilt es für die Nichtmetalle).
Elektronenpaares. Kommt es allerdings zu einer Diese Eigenschaften können jedoch nicht immer streng
Bindung zwischen zwei unterschiedlichen Atomen, getrennt werden. So kommen Phosphor und auch Zinn
so wird das Bindungselektronenpaar unterschied- in mehreren Formen vor.
lich stark, entsprechend der effektiven Kernladung, Die Reaktivität gegenüber Wasser steigt mit dem
von den jeweiligen Partnern angezogen. Das Elektro- Metallcharakter.
nenpaar verschiebt sich dann zu dem Atom mit der
größeren Kernladung. In Folge trägt dieses dadurch 1.6. Chemische Bindungen
eine negative Partialladung.
Fast alle Elemente kommen in der Natur in Form chemi-
Die Elektronegativität ist somit ein Maß für jene Fähig- scher Verbindungen vor. Nur wenige, wie die Edelgase
keit eines Atoms, innerhalb einer kovalenten Bindung und Gold, liegen ungebunden vor.
das bindende Elektronenpaar anzuziehen. Sie ist vom Um die chemisch-physikalischen Eigenschaften von
Anteil der positiven Kernladung abhängig und nimmt Verbindungen verstehen zu können, bedarf es der
innerhalb einer Periode des PSE von links nach rechts Untersuchung der jeweiligen Bindung, da deren Art
mit steigender Protonenzahl (steigende Kernladung) erst Auskunft über die Struktur und damit auch über
zu und innerhalb einer Gruppe von oben nach unten die Eigenschaften eines Stoffes ermöglicht.
mit steigendem Atomradius und damit zunehmender
Abschirmung des Kerns ab. Die verschiedenen Bindungsarten sind:
• Ionenbindung
15
1 Chemische Grundlagen
1.6.1. Die Atombindung / Kovalente Bindung Atome können auch über mehr als ein Elektronenpaar
miteinander verbunden sein, man spricht dann von
Die Atombindung wird hauptsächlich zwischen Doppel- bzw. Dreifachbindungen.
Elementen mit ähnlicher Elektronegativität ausge-
bildet. Im Gegensatz zur Ionenbindung werden die
Atome unter einem ganz bestimmten Bindungswinkel
und Abstand mit einander verbunden. Sie ist somit
eine gerichtete Bindung.
Doppelbindungen
Abbildung 1.11: sp3 Hybridisiertes C-Atom
Neben der sp3-Hybridisierung gibt es auch Hybridi-
sierungen, bei denen nur Teile der Orbitale beteiligt
Durch die sp3 - Hybridisierung kommt es beim sind. Bei der sp2-Hybridisierung sind ein s- und nur
Kohlenstoffatom zu einem Winkelbildung zum zwei p-Orbitalen beteiligt, die dann drei gleichwertige
Bindungspartner. sp2-Hybridorbitale ausbilden, welche in einer Ebene mit
einem Winkel von je 120° dazwischen liegen. Das dritte
nicht an der Hybridisierung beteiligte p-Orbital steht
Bei Überlappung eines 1s-Orbitals (Wasserstoff) mit senkrecht dazu (in der folgenden Abb. das pz-Orbital).
einem sp3-Hybridorbital kommt es zur s-sp3- σ (sigma)-
Bindung. Die daraus resultierende Form des Methan-
moleküls stimmt nun auch mit den experimentellen
Daten überein.
Es steht somit neben den drei sp2-hybridisierten Orbi- p-Orbitale stehen flächensymmetrisch mit 90° zu
talen auch ein pz-Orbital zur Bindung zur Verfügung. einander.
Kommt es zur sp2-sp2-σ-Bindung und einer p-p-π- Bei der ebenfalls nicht frei drehbaren Dreifachbindung
Bindung zwischen zwei Kohlenstoffatomen, spricht kommt es folglich zu einer sp-sp-σ-Bindung und zwei
man von einer Doppelbindung. p-p-π-Bindungen. Die Geometrie ist linear.
Im Gegensatz zur σ-Bindung, welche auf Grund der
rotationssymmetrischen Überlappung frei drehbar
ist, besitzt die π-Bindung eine Knotenebene und die
π-Elektronenwolke verteilt sich ober- und unterhalb
der Bindungsachse, wodurch dieser Bindungstyp nicht
mehr frei drehbar ist. Die Geometrie einer Doppelbin-
dung ist planar trigonal.
Polare Atombindungen
Die ideale kovalente Bindung kann nur zwischen
Atomen gleicher Elemente bzw. identen Atomgruppen
entstehen, da dadurch die Aufteilung der Elektronen
gleichmäßig erfolgt und sich keine Polarität ergibt. Ist
ein Molekül von verschiedenen Atomen aufgebaut,
haben somit die Bindungspartner unterschiedliche
Abbildung 1.16: Doppelbindungen Elektronegativität, kommt es zur Verschiebung der
gemeinsamen Elektronenpaare hin zum elektrone-
gativeren Partner. Man spricht nun von einer polaren
Durch die eingeschränkte Drehbarkeit ergeben sich je Atombindung und es entstehen Partialladungen. Der
nach räumlicher Anordnung unterschiedliche Struk- elektropositivere Bindungspartner trägt eine mit δ+
turen: cis- oder trans-konfigurierte Doppelbindungen: gekennzeichnete positive Partialladung, der elektrone-
gativere eine mit δ- gekennzeichnete negative Partial-
ladung. Je größer die Elektronegativitätsdifferenz der
Bindungspartner, desto polarer ist eine Atombindung.
Das Wassermolekül
Beim Wassermolekül überlappen die beiden sp3-hybri-
Abbildung 1.18: Hexatrien (konjugierte Doppelbindung) disierten Sauerstofforbitale mit je einem 1s-Orbital
des Wasserstoffs. Die übrigen zwei sp3-Hybridorbitale
Dreifachbindungen werden von je einem freien Elektronenpaar des Sauer-
Sind die Kohlenstoffatome nur sp-hybridisiert stehen stoffatoms eingenommen. Die freien Elektronenpaare
sogar zwei freie pz-Orbitale zur Überlappung zur Verfü- beanspruchen einen größeren Raum als die bindenden
gung. Zwischen den beiden sp-Hybridorbitalen liegt Elektronenpaare, da sie sich stärker abstoßen. Dadurch
ein Winkel von 180° vor, die beiden nicht hybridisierten kommt es zur Verschiebung von der idealen Tetraeder-
form und der Bindungswinkel zwischen den bindenden
18
1 Chemische Grundlagen
Das Ammoniakmolekül
Im Ammoniakmolekül können die drei sp3-hybridi-
sierten Orbitale des Stickstoffs mit je einem 1s-Orbital
des Wasserstoffs überlappen. Das freie Elektronen-
paar des Stickstoffatoms besetzt das letzte freie
sp3-Hybridorbital. Wieder kommt es zur Verschiebung
der Bindungswinkel, da das freie Elektronenpaar mehr
Platz einnimmt. Der Bindungswinkel beträgt nun 107°. Abbildung 1.20: Kristallgitter von NaCl
Alle Substanzen, die aus Ionen bestehen, bezeichnet
Elemente die ein Elektron aufnehmen oder man als salzartige Stoffe. Da bei Normaltemperatur
abgeben werden als Ionen bezeichnet. Anionen ihre Ionen fest an die Gitterplätze gebunden und nicht
haben Elektronen aufgenommen und sind negativ frei beweglich sind, leiten sie den elektrischen Strom
geladen. Kationen sind Ionen die ein Elektron abge- nicht. Ionen zeigen allerdings eine Eigenschwingung
geben haben und damit positv geladen sind. um ihre Gitterplätze. Wird sehr viel Energie zugeführt,
kann die Eigenschwingung so groß werden, dass sie
die Bindungskräfte überwindet. Die Ionen sind dann in
nur eine geringe Ionisierungsenergie benötigen, um einer Schmelze beweglich und können, ebenso wenn
Edelgaskonfiguration zu erreichen. sie in Wasser gelöst sind, elektrischen Strom leiten.
Anionen werden vorwiegend von Elementen der VI.
und VII. Hauptgruppe gebildet. Anhand des sogenannten Coulombschen Gesetzes
Durch Aufnahme bzw. Abgabe von Elektronen ändern kann gezeigt werden, dass die Stabilität des Gitters
sich die Elektronenhülle und damit der Teilchenradius mit Zunahme der Ladungsgröße und Verringerung
und das Volumen. Anionen sind immer größer als ihre des Abstandes zwischen den Ladungsschwerpunkten
neutralen Atome, Kationen immer kleiner. steigt. Auch ziehen kleine Ionen mit hoher Ladungs-
Die Ionenbindung findet zwischen Metallen mit nied- dichte einander stärker an als vergleichsweise solche
riger Ionisierungsenergie und Nichtmetallen mit hoher mit großem Radius und niedriger Ladungszahl.
Elektronenaffinität statt. Es kommt zur ungerichteten Mit der Zunahme der Gitterenergie steigt auch die
Anziehung zwischen positiven und negativen Ionen Schmelztemperatur eines Salzes.
und dabei zur vollständigen Übertragung der Elekt- Ionengitter sind überaus stabil, was zu dem spröden
ronen. Die elektrostatischen Anziehungskräfte wirken und harten Charakter von Salzen führt. Bei zu großer
in alle Richtungen und führen zur Ausbildung von drei- Beanspruchung brechen Salze entlang bestimmter
dimensionalen stabilen Ionenkristallen. Gitterebenen.
Die Koordinationszahl eines Ionengitters gibt die Beim Lösen von Salzen in Wasser treten die randstän-
Anzahl der Ionen-umgebenden gegensätzlich gela- digen Ionen mit den Dipol-Wassermolekülen in Wech-
denen Ionen an. Bei NaCl (Kochsalz) beträgt diese Zahl selwirkung und es bildet sich in der Folge eine Hydrat-
6, das bedeutet, dass jedes Natrium-Ion von sechs hülle aus (= Hydratation). Es kommt zur Abschwächung
Chlor-Ionen umgeben ist und jedes Chlor-Ion von sechs der Gitterkräfte. Die hydratisierten Ionen verlassen den
Natrium-Ionen, s. Abb. Na+ (rot) und Cl- (grün). Gitterverband und sind in der wässrigen Phase nun frei
Die Gitterstruktur wird durch die Anordnung der Ionen beweglich. Je nach Radius und Ladung besitzen die
nach Ladung und Größe bestimmt. Ionen unterschiedlich große Hydrathüllen.
Bezieht man die Größenverhältnisse von Anionen und
Kationen, sowie deren Abstände zu einander mit ein,
kommt man von dem vereinfacht dargestellten Gitter-
modell zum Packungsmodell.
19
1 Chemische Grundlagen
Dipol-Dipol-Wechselwirkungen
ΔEN > 1,7 Na+Cl- Ionenbindung
Verbindungen wie Wasser bestehen aus polaren Mole-
külen. Sie besitzen einen permanenten Dipol und
1.6.3. Metallbindung richten ihre Partialladungen entsprechend der elektro-
statischen Anziehungskraft nach einander aus. Damit
Die Eigenschaften von Metallen sind gute Leitfähigkeit verbunden ist eine Energieminimierung. Somit muss
von elektrische Strom und Wärme, gute Verformbar- bei Änderung des Aggregatzustandes diese Van-der-
keit und typischer metallischer Glanz. Die chemischen Waal-Energie aufgebraucht oder abgegeben werden.
Bindungen in Metallen können mit dem Elektronengas-
modell gut dargestellt werden. Bei diesem Modell wird
angenommen, dass die Valenzelektronen die Atome
verlassen haben und sich um die Atomrümpfe gasartig
anordnen. Die Atomrümpfe sind positiv geladen und
bilden die Gitterstruktur der Metalle. Sie werden von
dem negativ geladenen, delokalisierten Elektronengas
umgeben und dadurch zusammengehalten.
Abbildung 1.22: Dipol-Dipol-Wechselwirkung
Man spricht also von einer Metallbindung, wenn es zu
Wechselwirkungen zwischen den positiv geladenen
Metall-Ionen (Atomrümpfe) und den delokalisierten
Elektronen kommt. Dabei bildet sich ein Metallgitter.
Wechselwirkungen zwischen Dipolmolekül und
Die gute Leitfähigkeit liegt an den frei beweglichen unpolarem Molekül
Elektronen. Der permanente Dipol induziert im unpolaren Molekül
einen Dipol in dem es zu kurzeitigen Verschiebung der
Bei zunehmender Temperatur nimmt die Leitfähigkeit Elektronen kommt (=induzierter Dipol).
von Metallen ab, da die Gitterschwingungen größer
werden und damit der Elektronenfluss durch die Wechselwirkungen zwischen unpolaren Mole-
zunehmende gegenseitige Abstoßung behindert wird.
külen oder Atomen
Auf Grund einer kurzzeitigen unsymmetrischen
Ladungsverteilung, kann ein temporärer Dipol indu-
ziert werden und somit ziehen einander sogar unpolare
Moleküle an. Dieser Dipol kann in einem dynamischen
Prozess auch benachbarte Dipole induzieren.
Wasserstoffbrückenbindungen
Abbildung 1.21: Metallbindung
Wasserstoffbrückenbindungen können nur von
Elementen mit einer sehr starken Elektronegati-
1.6.4. Schwache Wechselwirkungen vität gebildet werden (N, O, F). Dabei besteht die
Möglichkeit einer inter- oder intramolekularen
Auch wenn Moleküle nach außen hin neutral sind, kann Wasserstoffbrückenbildung.
es zu Wechselwirkungen zwischen ihnen kommen.
Diese Wechselwirkungen sind allerdings deutlich Beim Wassermolekül kommt es zwischen den Wasser-
schwächer als andere chemische Bindungen. stoff- und Sauerstoffatomen benachbarter Moleküle
zur Ausbildung von Wasserstoffbrücken.
Van-der-Waals-Kräfte Zunächst ziehen die stark elektronegativen Sauer-
stoffatome die Elektronen der O-H-Bindung an. Am
Van-der-Waals-Kräfte beschreiben die Anziehungs- Sauerstoff kommt es folglich zu einer negativen (δ-), am
kräfte zwischen Molekülen oder Edelgasatomen, wobei Wasserstoff zu einer positiven Partialladung (δ+).
es drei Stärken bzw. Abstufungen gibt: Die positivierten Wasserstoffatome bilden nun Brücken
mit den freien Elektronenpaaren am Sauerstoff der
benachbarten Wassermoleküle. Es kommt zur Bildung
20
1 Chemische Grundlagen
großer Molekülverbände und auch wenn Wasserstoff- Säuren besitzen die Fähigkeit zur
brücken zwar eine geringe Bindungsenergie haben, Protonen-Abgabe (Protonen-Donator)
beeinflussen sie aber beispielsweise die Siedetempe-
ratur stark. Basen die Fähigkeit zur Protonen-
Aufnahme (Protonen-Akzeptor).
Das Oxonium-Ion
1.7. Protonen und Bei einer Säure-Base-Reaktion in Wasser entsteht bei
Elektronenübertragungsreaktionen der Abgabe eines Protons durch eine Säure spontan
ein Hydroxonium-Ion (H3O+); synonyme Bezeichnungen
1.7.1. Säuren und Basen sind Hydronium-Ion bzw. Oxonium-Ion. Das passiert,
weil freie Protonen in wässrigen Lösungen nicht exis-
S. Arrhenius definierte die Begriffe Säuren und Basen tent sein können. Durch den sehr kleinen Atomradius
erstmals. Säuren sind nach seiner Definition Wasser- und das hohes Ionenpotential lagern sich Protonen
stoffverbindungen und geben in wässriger Lösung stets an Teilchen mit einem freien Elektronenpaar, wie
H+-Ionen ab. Basen besitzen Hydroxylgruppen und dem Wassermolekül, an.
geben beim Lösen in Wasser hydratisierte OH- - Ionen Auch das Oxonium-Ion liegt nicht völlig frei vor, sondern
ab. bildet mit drei weiteren Wassermolekülen Wasserstoff-
Mit seiner Beschreibung konnten jedoch die basischen brücken aus. Es entsteht ein H9O4+ - Ion.
Eigenschaften von Substanzen wie Ammoniak (NH3) in
nicht wässrigen Systemen nicht ausreichend erklärt Das Ionenprodukt des Wassers und der pH-Wert
werden.
Reines Wasser leitet in geringer Menge Strom. Die
Mit Einführung der Brönsted-Lowry-Theorie, kamen dafür nötigen frei-vorliegenden Ionen werden bei
neue Erkenntnisse. Nach Entwicklung des Donator- der Eigendissoziation von Wasser gebildet. Bei dieser
Akzeptor-Prinzips wurden die Begriffe neu definiert. Die
Definition beruht nicht mehr auf der bestimmten Art
einer Verbindung, sondern ihrer Funktion, nämlich ihrer
Fähigkeit zur Abgabe oder Aufnahme von Protonen.
21
1 Chemische Grundlagen
Autoprotolyse entstehen aus zwei Wassermolekülen kann. Man spricht somit von einem korrespondie-
ein Oxonium-Ion und ein Hydroxy-Ion. renden Säure-Basen-Paar.
In wässrigen Lösungen kann auch Wasser als Reakti-
onspartner sowohl für Säuren als auch Basen dienen.
Wasser nimmt je nachdem Protonen auf oder gibt sie
Die Lage des Gleichgewichts wird mit Hilfe des Massen- ab.
wirkungsgesetzes ermittelt. Im chemischen Gleichge-
wicht sind Hin- und Rückreaktion gleich schnell. Die Amphoterie
Konzentration des Wassers wird als konstant ange-
sehen. Man gibt die beiden Geschwindigkeitskons- Verbindungen, die sowohl Protonen aufnehmen als
tanten an und fasst diese zur temperaturabhängigen auch abgeben können, bezeichnet man als Ampholyte
Gleichgewichtskonstante Kw zusammen. Sie gibt oder amphotere Verbindungen. Sie können deshalb
das Ionenprodukt des Wassers an. Abhängig von der einen sauren und basischen Charakter besitzen.
Temperatur liegt dieses bei 22° bei Kw= 10 -14 mol2/l2. Bestimmt wird der Charakter vom jeweiligen Reak-
tionspartner. Das heißt, gegenüber starken Säuren
zeigen sie basisches Verhalten, gegenüber starken
Der pH-Wert ist der negative dekadische Loga- Basen hingegen fungieren sie als Protonendonatoren.
rithmus der H3O+-Ionen Konzentration.
korrespond. Ampholyt korrespond.
Base Säure
Die Konzentration der H3O+ - Ionen [H3O+] = 10 -7 mol/l
die Konzentration der OH- - Ionen [OH-] ist ebenfalls 10 -7 OH- H2O H3O+
mol/l. Durch Zusatz einer Säure wird die Konzentration NH2- NH3 NH4
an H3O+ - Ionen erhöht, der pH – Wert sinkt. Durch CO32- HCO3- H2CO3
Zugabe einer Base, steigt die Konzentration an OH- - PO43- HPO42- H2PO4-
Ionen, wodurch der pH – Wert steigt.
pH-Werte von Säuren und Basen im Alltag
pH-Wert
pH-Wert Flüssigkeit
pH-Wert und Konzentrationen von Säuren und
Basen (eine wässrige Lösung von HCl bezeichnet man 0 3,5%ige Salzsäure
als Salzsäure, eine wässrige Lösung von NaOH als 2 Magensaft
Natronlauge): 2 Zitronensaft
3 Essig
pH = -lg c(H3O+) Konzentrationen 3 Cola
(H3O+) in mol . l-1 4 Wein
4,5 saure Milch
0 1 molare HCl c(H3O+) = 100 5 Bier
1 0,1 molare HCl c(H3O+) = 10 -1 5,5 Hautoberfläche
2 0,01 molare HCl c(H3O+) = 10 -2 6 Mineralwasser
3 0,001 molare HCl c(H3O+) = 10 -3 6,4 Speichel
7 reines Wasser
7 Neutralpunkt, reines Wasser c(H3O+) = 10 -7 7,4 Blut
8,2 Meerwasser
12 0,01 molare NaOH c(H3O+) = 10 -12 10 Waschmittellauge
13 0,1 molare NaOH c(H3O+) = 10 -13 12,6 Baukalklösung
14 1 molare NaOH c(H3O+) = 10 -14 14 3%ige Natronlauge
22
1 Chemische Grundlagen
von Sauerstoff gibt, mussten die Begriffe Reduktion Zur Bestimmung der Oxidationszahlen stellt man
und Oxidation erweitert werden. die Lewis-Formel einer Verbindung auf und ordnet
gedanklich jedem Element nach gewissen Regeln
Bei dem Vergleich von Reaktionen von Metallen die entsprechenden Elektronen zu. Zwischen zwei
mit Sauerstoff oder mit Halogenen fiel auf, dass die Atomen unterschiedlicher Elektronegativität, wird die
Metalle Elektronen abgeben, die Reaktionspartner Elektronenpaare-Bindung heterolytisch gespalten und
diese aufnehmen. Die Abgabe der Elektronen führte man ordnet die Bindungselektronen dem elektrone-
zur Oxidation des Metalls. Sauerstoff bzw. das Halogen gativeren Atom zu. Handelt es sich um zwei gleiche
nehmen die Elektronen auf und werden in einem Bindungspartner, werden die Elektronen gemäß einer
zweiten Schritt reduziert. Die Reaktionen laufen immer homolytischen Bindungsspaltung auf beide Partner
gleichzeitig ab, da freie Elektronen sehr reaktiv sind. aufgeteilt. Freie Elektronenpaare bleiben bei dem
entsprechenden Atom.
Oxidation: Ca → Ca2+ + 2e- Oxidation: 2 Ca → 2 Ca2+ + 4e- Die Oxidationszahl (OZ) ergibt sich aus der Anzahl der
Reduktion: Cl2 + 2e- → 2 Cl- Reduktion: O2 + 4e- → 2 O2- Außenelektronen eines Elements minus der Anzahl
Gesamt: Ca + Cl2 → CaCl2 Gesamt: 2 Ca + O2 → 2 CaO der zugeordneten Elektronen. Die höchst mögliche OZ
ergibt sich aus der Gruppennummer eines Elements im
Der Begriff Redoxreaktion wird somit als Elektro- PSE. Ausnahmen sind Fluor und Sauerstoff.
nenübertragungsreaktion neu definiert. Man spricht
auch von Donator-Akzeptor-Reaktionen, ähnlich wie Beispiel O=C=O
bei Säure-Base-Reaktionen, wobei im Gegensatz zu
Protonen hier Elektronen übertragen werden. C: 4 – 0 = IV
Das bedeutet, dass man unter Oxidation die Abgabe O: 6 – 8 = -II
von Elektronen, unter Reduktion die Aufnahme von
Elektronen versteht. Negative OZ erhalten ein negatives Vorzeichen.
23
1 Chemische Grundlagen
Skelettformeln
Bei der vereinfachten Darstellung von Molekülen in
Form sogenannter Skelettformeln handelt es sich Unter kondensierten Benzenen versteht man
um eine abstrahierende Schreibweise, bei der C- und Systeme, die aus mehreren, an einer Seite miteinander
H-Atome nicht ausgeschrieben, sondern impliziert verbunden Benzenringen aufgebaut sind. Sie werden
(vorausgesetzt) werden. auch polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe
(PAK) genannt und besitzen größtenteils Trivialnamen.
Butan und Pentan in der Skelettformelschreibweise:
24
1 Chemische Grundlagen
Heteroaromaten sind aromatischen Verbindungen, Halogenalkane entstehen aus Alkanen durch den
welche an Stelle eines oder mehrerer Kohlenstoff- Austausch eines oder mehrerer Wasserstoffatome
atome Stickstoff-, Sauerstoff- oder Schwefelatome gegen Halogenatome; X = F, Cl, Br, I
(Heteroatome) besitzen.
Amine sind organische Verbindungen, bei denen die
Wasserstoffatome teilweise bis völlig gegen organische
Reste ausgetauscht werden. Man unterteilt die Amine
in drei Gruppen: In primäre, sekundäre und tertiäre
Amine, wobei die primäre Amine einen, sekundäre
Pyridin/Pyrazin/Pyridazin/Pyrimidin/Pyrrol/Thiophen/ zwei und tertiäre Amine drei organische Reste tragen.
Furan/Isoxazol Sie können auch Teil eines Ringes sein. Im Folgenden
sieht man drei offenkettige und zwei cyclische Amine:
1.8.2. Funktionelle Gruppen sek./prim./tert./tert./sek. sowie das primäre Amin mit
einem aromatischen Ring (=Anilin).
Organische Verbindungen besitzen Atome oder Atom-
gruppen in Form von funktionellen Gruppen. Diese
sind größtenteils für die chemischen und physikali-
schen Eigenschaften der Verbindungen verantwortlich.
Hydroxy-Gruppe Alkohole
Ether-Gruppe Ether
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1 Chemische Grundlagen
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1 Chemische Grundlagen
D-Fructose
D-Threose und D-Erythrose (Besipiele für Terosen) Abbildung 1.25: Bild und Spiegelbild von Milchsäure
Da die Zucker bei gleicher Summenformel Cn(H2O)n in
unterschiedlichen Strukturen auftreten können, spricht Zuckerketten sind aus einer Reihe von asymmetrischen
man von Isomeren. C-Atomen aufgebaut und demgemäß können auch
Monosaccharide tragen entweder am C1-Atom eine eine Vielzahl von Stereoisomeren gebildet werden.
Aldehyd-Gruppe oder am C2-Atom eine Keto-Gruppe. Nicht alle dieser Stereoisomeren verhalten sich jedoch
wie Bild und Spiegelbild, man spricht in diesen Fällen
von Diastereomeren.
Zusammenfassend bedeutet dies, dass stereoisomere
Strukturen sich entweder enantiomer oder diaste-
reomer zueinander verhalten müssen.
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1 Chemische Grundlagen
ralen C-Atom rechts, handelt es sich um einen
Enantiomere sind Verbindungen mit einem Zucker der D-Reihe, steht sie hingegen links, liegt
asymmetrischen C-Atom die die gleiche Summen- ein L-Zucker vor.
formel aufweisen und wie Bild und Spiegelbild
zueinander stehen. Ihre Strukturen sind nicht zur • Wird die Fischer-Projektion auf Moleküle mit
Deckung zu bringen. mehreren chiralen C-Atomen, wie Glucose,
angewendet, bestimmt jenes chirale Zentrum
Eine häufig gewählte Form der Darstellung von Zuckern die Nomenklatur, welches am weitesten vom
ist die sogenannte Fischer Projektion. Sie bezieht sich C1-Atom entfernt steht
auf Glycerinaldehyd. Im folgenden Beispiel liegt das
zentrale C-Atom in der Schreibebene, die waagrechten D-Glucose (Traubenzucker)
Bindungen liegen über der Schreibebene, die senk-
rechten Bindungen weisen nach hinten. Trägt das Tatsächlich liegt die D-Glukose aber nicht in der oben
C-Atom bei dieser Darstellung die OH-Gruppe auf der angeführten offenkettigen Form vor, sondern reagiert
rechten Seite, liegt die D-Form vor, liegt sie auf der zu einer stabilen Ringform. Der dadurch gebildete
linken Seite, spricht man von der L-Form. 6-Ring wird in Anlehnung an den heterocyclischen
Baustein Pyran auch als Pyranose bezeichnet. Diese
Ringform wird mit Hilfe der Haworth-Schreibweise
am besten dargestellt. Ähnlich wie bei der Fischer-
Projektion wird die räumliche Struktur auf eine Ebene
gebracht, wobei die Hydroxy-Gruppe zwei unterschied-
liche Positionen einnehmen kann: Oberhalb (beta-
Form) oder unterhalb (alpha-Form) der Ringebene. Das
D-Glycerinaldehyd & L-Glycerinaldehyd bedeutet, dass erneut zwei Stereoisomere entstehen.
Darstellungen in der Fischer-Projektion Die offenkettige Form und die beiden Pyranose-Form
stehen miteinander im Gleichgewicht, wobei in wäss-
riger Lösung Glukose zu 99,75% in Ring-Formen und
nur zu 0,25% in der offenkettigen Form vorliegt. Betref-
fend die Ringformen liegt die Glukose zu 63,6% in der
energetisch günstigeren beta-Form und nur zu 36,4%
in der alpha-Form vor.
Die D,L-Nomenklatur bzw. Fischer-Projektion von Glucose ist ein süßer, gut wasserlöslicher Einfachzu-
Zuckern wird nach wie vor häufig angewandt, da eine cker und bildet den Grundbaustein für viele Oligo- (z.B.
sehr rasche Zuordnung möglich ist. Saccharose) und Polysaccharide (z.B. Cellulose). Man
findet ihn vor allem in Obst, Gemüse, Honig und Süßig-
Nach folgenden Regeln wird die Verbindung in der keiten. Für den Menschen ist Glucose sowohl für die
Fischer-Projektion dargestellt: Energieversorgung als auch als Baustein von Glykogen
besonders wichtig. So wird bei einem Überangebot von
• Die längste Kohlenstoffkette wird vertikal aufge- Glucose diese in Form des Polysaccharids Glykogen in
stellt, wobei das am höchsten oxidierte C-Atom Leber- und Muskelzellen gespeichert und bei Bedarf
oben steht wieder daraus freigesetzt.
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1 Chemische Grundlagen
D-Fructose (Fruchtzucker)
Die allgemeine Summenformel für Polysaccharide können aus 100 bis 1000 Einfachzucker
Disaccharide lautet: C12H22O11 aufgebaut sein und stellen somit makromolekulare
Naturstoffe dar, deren allgemeine Summenformel
Disaccharide bzw. Zweifachzucker bestehen aus zwei (C6H10O5)n lautet.
Monosacchariden, die über eine glykosidische Bindung Aufbau und Größe unterliegen naturgemäß einer
miteinander verknüpft wurden. Bei der Bildung der großen Variabilität. Die wichtigsten in der Natur
Disaccharide erfolgt eine H2O-Abspaltung und in vorkommenden Polysaccharide sind Stärke, Glycogen
Analogie zur α- und β-Glukose spricht man bei Disac- und Cellulose. Auch hier gilt, dass die Verknüp-
chariden je nach Art der glykosidischen Verknüpfung fungen der jeweiligen Zuckerbausteine über α- oder
von α- oder β-Disacchariden. β-glykosidische Bindungen erfolgen. Je nachdem kann
ein Mehrfachzucker von der menschlichen Darmflora
Bekannte Beispiele für Zweifachzucker sind Saccha- verdaut, d.h. in seine Einfachzucker gespalten werden
rose (Rübenzucker), Maltose (Malzzucker) oder Lactose oder nicht: So kann der menschliche Organismus
(Milchzucker). Saccharose besteht aus Glucose und α-glykosidisch verknüpfte Polysaccharide durch geeig-
Fructose, Maltose aus zwei Glucose-Bausteinen nete Enzyme (α – Glucosidasen) abbauen und daher für
und Lactose aus einem Glucose- und einem die Energiegewinnung nützen. Sind die Polysaccharide
Galaktose-Baustein. hingegen aus β-glykosidisch verknüpften Einfach-
zuckern aufgebaut, können sie vom Menschen nicht
verdaut und damit auch nicht verwertet werden.
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1 Chemische Grundlagen
Zu den Lipiden zählt man die Fette, Phospholipide und Bei Glycerin handelt es sich um den dreiwertigen
Steroide. Sie sind chemisch betrachtet eine heterogene Alkohol. Dies bedeutet, dass diese Verbindung drei
Gruppe von Molekülen, die keine kovalente verbun- Hydroxylgruppen (-OH) besitzt. Jede dieser Hydroxyl-
denen Polymere, sondern aufgrund ihrer physikalisch- gruppen kann mit einer Fettsäure über eine Esterbin-
chemischen Eigenschaften, Aggregarte bilden. dung verknüpft werden. Sind drei Fettsäuren an ein
Glycerin gebunden, spricht man von einem Triglycerid.
1.10.1. Fette
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1 Chemische Grundlagen
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1 Chemische Grundlagen
Durch die Einführung einer polaren, oder im Falle des 1.11. Biomoleküle - Proteine
Cholins geladenen, Kopfgruppe haben Phospholipide
eine spezielle Eigenschaft, man sagt sie sind amphi- Eiweißstoffe, auch Proteine genannt, bestehen aus
patisch: auf der Seite der beiden Fettsäurereste ist Aminosäuren. Diese bilden die Grundbausteine und
das Molekül hydrophob (wasserabweisend, vermeidet sind aus den Elementen Kohlenstoff (C), Wasserstoff (H),
Interaktionen mit Wasser), die Phosphorsäure-Kopf- Sauerstoff (O), Stickstoff (N) und manchmal Schwefel (S)
gruppe ist hydrophil (wasserliebend, interagiert mit und Phosphor (P) aufgebaut. Sie besitzen zwei funktio-
Wasser). Daraus ergibt sich, dass sich im wässrigem nelle Gruppen, eine Amino- und eine Carboxygruppe.
Mileau die Phospholipidmoleküle mit ihren Fettsäu- Proteine können nur von Pflanzen und Mikroorga-
reresten spontan geordnet aneinanderlagern um den nismen aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Stickstoff
Kontakt mit Wasser möglichst zu vermeiden und dass gebildet werden. Die Pflanzen produzieren die Proteine
zwei dieser spontan gebildeten Phospholipidmono- aus den im Zuge der Photosynthese gebildeten Kohlen-
layer, mit den Fettsäureketten zueinandergerichtet, hydraten sowie wasserlöslichen Stickstoffverbin-
einem Bilayer bilden. dungen, die aus dem Boden aufgenommene werden.
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1 Chemische Grundlagen
1.11.1. Aufbau einer Aminosäure Die kleinste Aminosäure, Glycin, besitzt als Rest nur ein
Wasserstoffatom. Alle anderen Aminosäuren besitzen
Alle Aminosäuren besitzen dieselbe Grundstruktur mindestens ein chirales C-Atom.
und unterscheiden sich lediglich in ihrem Rest R,
welcher als Seitenkette bezeichnet wird. Die Proteine 1.11.2. Peptidbindung
des menschlichen Organismus sind ausschließlich aus
L-Aminosäuren aufgebaut. Aminosäuren verbinden sich über die Carboxylgruppe
(-COOH) und der Aminosäure einer zweiten Amino-
Am zentralen Kohlenstoffatom (C-Atom) hängen somit säure (-NH2) miteinanderen. Dabei wird formal immer
immer: ein Molekül Wasser abgespalten. Man spricht auch von
einer Peptidbindung (Säureamidbindung). Es können
eine Amiongruppe (-NH2) sich dadurch lange Aminosäureketten (Peptidketten)
eine Carboxylgruppe (-COOH) ausbilden.
ein Wasserstoffatom (H) Je nach Anzahl der Aminosäuren, welche miteinander
ein Rest R verknüpft wurden, spricht man von Dipeptid (zwei AS),
Tripeptid (3 AS), Oligopeptid (oligo = wenig, bis zehn AS)
oder Polypeptid (poly = viel, mehr als zehn AS). Beson-
Abbildung 1.31: Fischerprojektion einer L-Aminosäure ders große Peptide werden als Proteine bezeichnet (ca.
100 – 1000 AS).
Im menschlichen Körper werden ausschließlich
Bestandteile von Biomolekülen sind oder als Signal- Aminosäuren gibt, ergeben sich unzählige mögliche
stoffe wirken. Aus der Aminosäure Tyrosin wird so das Verbindungen.
Hormon Adrenalin gebildet.
Die dreidimensionale Struktur eines Proteins wird durch
die restlichen Strukturformen (Sekundär-, Tertiär- und
Quartär-Struktur) angegeben:
Abbildung 1.34: Amphotere Eigenschaften von Die Sekundärstruktur beschreibt einzelne Abschnitte
Aminosäuren des Peptids. Sie ergibt sich aus der natürlichen Faltung
1.11.4. Räumliche Struktur der Proteine einer Aminosäurenkette bzw. aus deren schraubenför-
miger Anordnung. Sie kann entweder die Form einer
Proteine besitzen eine sehr komplexe Struktur. Zu β-Faltblatt oder α-Helixstruktur annehmen. Beide
Vereinfachung teilt man diese in vier Gruppen: Formen werden durch die Wasserstoffbrücken, welche
sich zwischen den CO- und den NH-Gruppen des
1. Primärstruktur Peptidrückgrats ausbilden, stabilisiert.
2. Sekundärstruktur
3. Tertiärstruktur Die Tertiärstruktur beschreibt die gesamte räumliche
4. Quartärstruktur Struktur einer Peptidkette. Sie wird durch die weiteren
Inter- und Intramolekularen Wechselwirkungen, wie
Die Primärstruktur gibt die Art, Anzahl und Abfolge Disulfidbrücken, Ionenbindungen, Wasserstoffbrü-
der Aminosäuren (Aminosäurensequenz) einer Peptid- cken und hydrophobe Wechselwirkungen, bestimmt.
kette an. Diese Reihenfolge ist genetisch festgelegt Die Anordnung der Kette kann dadurch faserförmig
und gibt in weiterer Folge Auskunft über die räumliche (fibrillär) oder knäuelförmig (globulär) sein.
Struktur und die Eigenschaften. Da es 20 verschiedene
Die Quartärstruktur ergibt sich durch das Zusam-
menfügen von Peptidketten, verschiedener Tertiär-
strukturen. Sie werden durch Van-der-Waals-Kräfte
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1 Chemische Grundlagen
1.12. Biomoleküle - Nukleinsäuren
Nukleotid-Monomere (oder Nukleosidmono-
Nucleinsäuren sind langkettige Makromoleküle mit phosphate) enthalten die Komponenten Base, 5er-
tausenden Einzelbausteinen, dazu gehören DNA Zucker und Phosphorsäurerest.
(Desoxyribonucleinsäuren) und RNA (Ribonuclein-
säuren). Sie sind immer aus den gleichen Bausteinen
(Nucleotiden) aufgebaut und bilden lange Ketten Schon sehr früh war bekannt dass Purin- und Pyri-
(Polynucleotide) mit einer immer wiederkehrenden midinbasen in der DNA immer im Verhältnis 50:50
Abfolge. Ein Nucleotid selber ist seinerseits immer aus vorkommen.
den gleichen drei Bestandteilen aufgebaut: einer stick-
stoffhaltigen Base, einer 5-kohlenstoffhaltigen-Zucker-
ring und einem Phosphorsäurerest. Als Basenpaarung bezeichnet man die Ausbil-
dung von spezifischen Wasserstoffbrücken zwi-
schen den Basen Guanin und Cytosin bzw. Adenin
und Thymin (Adenin und Urazil in der RNA).
Abbildung 1.37: Die Basen sind Purin und Pyrimidin- Abbildung 1.39: Desoxyribose und Ribose
Derivate mit unterschiedlichen Ring-
substituenten 35
1 Chemische Grundlagen
und RNA
Die Grundstrukturen der Nukleinsäuren sind in
Phosphorsäure und Zucker bilden das Rückgrat der DNA und RNA gleich. Sie unterscheiden sich ledig-
langen Polynucleotidkette, wogegen die Basen im ca. lich im Zuckerbestandteil (Desoxyribose/Ribose),
rechten Winkel davon abstehen und mit ihrer korres- in der Pyrimidinbase Thymin/Uracil und in ihrer
pondierenden komplementären Base Wasserstoff- Sekundärstruktur.
brückenbindungen ausbilden kann. Das Molekül hat
die Form einer Leiter in der die Sprossen die Basen-
paare bilden, die Holme das Phosphat-Zucker-Rück-
grat darstellen. Die beiden komplementären Stränge
verlaufen in entgegengesetzter Richtung. Der Abstand
zwischen den Strängen ist jeweils gleich
groß.
Was diese Grundstruktur betrifft, gibt es
keinen Unterschied zwischen DNA und
RNA: die Bindungen sind gleich, beides
sind Phosphordiester-Derivate. Die Unter-
schiede belaufen sich lediglich auf die
Zuckerbestandteile: in RNA als Zucker
Ribose bzw. Desoxyribose in der DNA, bzw.
unterscheidet sich eine Pyrimidinbase zw.
DNA (Thymin) und RNA (Uracil). Sonst
sind alle Verbindungen und Strukturen
äquivalen: Sowohl die Bindung zwischen
dem Zucherbestandteil und den Basen
(eine N-glycosidische Bindung) sowie die
Phosphordiesterbindung zw. Zucker und
Phosphorsäurereste der benachbarten
Nucleotide.
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