Ökologie
Wald
Lärchen-Mischwald im Herbst
Dort wo Bäume ausreichend Licht, Wärme und Wasser vorfinden, bilden sie Wälder.
Im Jahr 2000 waren laut FAO 30 Prozent der Festlandmasse der Erde bewaldet. Pro
Hektar binden Waldbäume zwischen 60 und 2000 Tonnen organisches Material und
sind damit die größten Biomassespeicher der Kontinente. Die Gesamtmenge der
2005 weltweit in den Wäldern akkumulierten Holzmasse betrug 422 Gigatonnen. Da
etwa die Hälfte der Holzsubstanz aus Kohlenstoff besteht, sind Wälder nach
den Ozeanen die größten Kohlenstoffsenken der Biosphäre und damit für die CO2-
Bilanz der Erdatmosphäre bedeutsam.
Die mit der Bestandsbildung von Bäumen einhergehende Konkurrenz um
Ressourcen führt zu einer Anpassung des Habitus gegenüber den freistehenden
Exemplaren (Solitäre). Natürlicher Astabwurf innerhalb der Schattenkrone sowie
Verlagerung der Assimilation in die Lichtkrone sind Optimierungsreaktionen der
Bäume, die zu einem hohen, schlanken Wuchs mit kleinen Kronen und oft zu
hallenartigen Beständen führen (zum Beispiel Buchen-Altbestände). Eine Ausnahme
und Besonderheit bezüglich der Biomasseproduktion stellen die über
das Kronendach ragenden Emergenten (Urwaldriesen) vieler Regenwälder dar.
Die heutige Ausbreitung und Artenzusammensetzung der Wälder steht stark unter
dem Einfluss der wirtschaftlichen Tätigkeit des Menschen. Der Übergang von der
Jäger- und Sammlerkultur zum Ackerbau ging in den dicht besiedelten Regionen mit
der Zurückdrängung der Wälder einher. Nützlich waren Bäume den Menschen
zunächst vorwiegend als Brennholz (Niederwaldwirtschaft). Im Laufe der Entwicklung
wurde die Gewinnung von Nutzholz aus Hochwäldern immer wichtiger. Diese
Entwicklung hält an. Laut FAO wurden noch Ende der 1990er-Jahre weltweit
46 Prozent des weltweiten Holzeinschlags (3,2 Milliarden m³) als Brennholz genutzt,
in den Tropen waren es sogar 86 Prozent. Die extensive Waldvernichtung in
Zentraleuropa während des Mittelalters hat in der Neuzeit zur Einführung des
Prinzips der nachhaltigen Waldbewirtschaftung geführt, nach dem nur so viel Holz
entnommen werden darf, wie nachwächst.
Verbreitungszentren, Diversität
Eichenkrone
In den Primärwäldern der feuchten Tropen findet sich die größte Artenvielfalt aller
Waldtypen.[12] Wichtige tropische Familien sind
die Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae), Seifenbaumgewächse (Sapindaceae), Bo
mbacaceae, Byttnerioideae (zu
den Malvaceae), Mahagonigewächse (Meliaceae), Hülsenfrüchtler (Fabaceae), Caes
alpiniaceae, Verbenaceae, Sterculiaceae, Dipterocarpaceae und Sapotaceae.
In der subtropischen Zone findet man Bäume unter den
immergrünen Myrtengewächsen (Myrtaceae) und Lorbeergewächsen (Lauraceae)
sowie Silberbaumgewächsen (Proteaceae), denen sich in der wärmeren gemäßigten
Zone andere immergrüne Bäume anschließen, so die
immergrünen Eichen, Granatbäume, Orangen- und Zitronenbäume sowie Ölbäume.
Dagegen sind in der gemäßigten Zone die laubwechselnden Bäume vorherrschend.
Hier sind Wälder von Eichen, Buchen und Hainbuchen charakteristisch. Zu den
in Mitteleuropa heimischen Laubbäumen zählen die Ahorne, Birken, Buchen,
Eichen, Erlen, Eschen, Linden, Mehlbeeren, Pappeln, Ulmen und Weiden.
Typische Nadelbäume sind die Fichten, Kiefern, Lärchen, Tannen und Eiben. In
Mitteleuropa häufig vorkommende Baumarten, die in diesem Gebiet ursprünglich
nicht beheimatet sind, sind die Gewöhnliche Robinie, der Walnussbaum und
viele Obstbäume. Eine detaillierte Aufstellung bietet die Liste von Bäumen und
Sträuchern in Mitteleuropa.
Und obgleich auch hier bereits Nadelhölzer in zusammenhängenden Waldungen
auftreten, werden die Nadelwälder erst in der subarktischen (borealen)
Zone vorherrschend, wo die Laubbäume nach und nach verdrängt werden.
Artenvielfalt wie auch Wuchshöhe der Bäume nehmen mit zunehmender
Annäherung an den Polarkreis ab. Eichen, Linden, Eschen, Ahorne und Buchen
finden sich in Schweden nur noch diesseits des 64. Grades nördlicher Breite.
Jenseits dieser Breite besteht die Baumvegetation hauptsächlich aus Fichten und
Tannen, die in zusammenhängenden Wäldern nordöstlich noch über den 60. Grad
hinausreichen, sowie aus Birken, die in zusammenhängenden Beständen sich fast
bis zum 71. Grad nördlicher Breite erstrecken, und zum Teil aus Erlen und Weiden.
Auch die Höhe über dem Meeresspiegel hat auf die Ausbreitung und Höhe der
Bäume (in Abhängigkeit von der geographischen Breite) einen bedeutenden Einfluss.
In den Anden finden sich noch bis in 5000 m Höhe Polylepis-Bäume. Unter 30 Grad
nördlicher Breite, wo die Schneegrenze bei 4048–4080 m liegt, kommen auf
dem Himalaja, nördlich von Indien, noch in 3766 m Höhe Baumgruppen vor, die aus
Eichen und Fichten bestehen. Ebenso sind in Mexiko, unter 25–28 Grad nördlicher
Breite, die Gebirge bis 3766 m mit Fichten und bis 2825 m hoch mit mexikanischen
Eichen bedeckt. In den Alpen des mittleren Europas endet der Holzwuchs bei einer
Höhe von 1570 m, im Riesengebirge bei 1193 m und auf dem Brocken bei 1005 m.
Eichen und Tannen stehen auf den Pyrenäen noch bis zu einer Höhe von 1883 m;
dagegen wächst die Fichte auf dem Sulitelma in Lappland, bei 68 Grad nördlicher
Breite, kaum in einer Höhe von 188 m, die Birke kaum in einer von 376 m.
Insgesamt gibt es auf der Erde etwa 73.200 Baumarten, 19 % dieser Arten kommen
in Eurasien vor, 8 % in Nordamerika, 13 % in Afrika, 8 % in Ozeanien und der
artenreichste Kontinent mit 49 % aller Arten ist Südamerika. Von den etwa 73.000
Arten sind (Stand Januar 2022) etwa 9200 Arten laut einer Einschätzung von
Wissenschaftlern nicht entdeckt und beschrieben.[13] Der weltweite Datensatz der
erfassten Baumarten umfasst Stand Januar 2022 insgesamt 64.100 Baumarten.[14]
Bäume und Menschen
Carl Julius von Leypold: Bäume im Mondschein, Öl
auf Leinwand, um 1824 (Wallraf-Richartz-Museum, Köln)
Die wissenschaftliche Lehre von den Bäumen (Gehölzen) ist die Dendrologie.
Anpflanzungen von Bäumen in systematischer oder pflanzengeographischer
Anordnung, die Arboreten (von lateinisch arbor für ‚Baum‘), dienen ihr zu
Beobachtungs- und Versuchszwecken. Gehölze können vegetativ, das heißt durch
Pflanzenteile, oder generativ durch Aussaat vermehrt werden. In Baumschulen findet
eine gezielte Auslese, Anzucht und Vermehrung von Bäumen und Sträuchern statt.
Neben der forstlichen Nutzung finden Bäume reichliche Verwendung im Garten- und
Landschaftsbau. Mit der Baumpflege hat sich ein eigener Berufsstand zum Erhalt
und zur fachgerechten Behandlung von Bäumen in urbanen Regionen entwickelt.
„Kein anderes Geschöpf ist mit dem Geschick der Menschheit so vielfältig, so eng
verknüpft wie der Baum.“
Das schrieb der Historiker Alexander Demandt und hat dem Baum mit Über allen
Wipfeln – Der Baum in der Kulturgeschichte ein umfangreiches Werk gewidmet. Für
ihn beginnt die Kulturgeschichte mit dem Feuer, das der Blitz in die Bäume schlug,
und mit dem Werkzeug, für das Holz zu allen Zeiten unentbehrlich war.