Deutsch-Referat Stainach Irdning Teil 5
Medizin geheilt werden kann: Franz, du kommst ins Lazare . Armer, du musst Schnaps trinken
und Pulver drin, das töt’ das Fieber.
18. Szene: Der Hof des Doktors
Studenten nehmen an einer Vorlesung teil. Woyzeck wird vom Doktor als Versuchsobjekt
vorgeführt und gedemü gt.
19. Szene: Marie mit dem Mädchen vor der Haustür/Straße
Marie sitzt mit mehreren kleinen Mädchen und der Großmu er vor dem Haus. Die Großmu er
erzählt das Märchen vom Sterntaler in abgewandelter Form als An -Märchen mit bösem Ende.
Woyzeck kommt hinzu und fordert Marie auf, ihm zu folgen. Marie wir wolln geh’n. ’s ist Zeit.
20. Szene: Abend. Die Stadt in der Ferne
Woyzeck und Marie sind vor der Stadt. Marie folgt ihm unwillig und versucht der Situa on zu
entkommen. Ich muss fort, das Nachtessen richten. Ansta sie gehen zu lassen, s cht Woyzeck
plötzlich in einem Blutrausch auf Marie ein: Nimm das und das! Kannst du nicht sterben? So! so!
Ha sie zuckt noch, noch nicht, noch nicht? Immer noch? (Stößt zu.) Bist du tot? Tot! Tot!
21. Szene: Es kommen Leute
Zwei Personen hören aus der Ferne, was passiert und suchen den Tatort auf.
22. Szene: Das Wirtshaus
m Gegensatz zur Sprache des klassischen Dramas herrscht im Woyzeck die Umgangssprache
vor: „WOYZECK: Aber mit der Natur ist’s was anders, sehn Sie; mit der Natur, das ist so was, wie
soll ich doch sagen, zum Beispiel …“ – Durch bewusst eingebaute
Satzbrüche, Ellipsen und Interjek onen vermi elt Büchner Authen zität. Gleichzei g dient
diese Form der Umgangssprache als Spannung steigerndes Mi el. Das Aneinandervorbeireden
der Menschen versinnbildlicht die Einsamkeit Woyzecks und seine zerbrechende Beziehung zu
Marie. Darüber hinaus gelingt es Büchner, durch verschiedene Sprachebenen den
gesellscha lichen Rang der Sprecher anzudeuten. Der Doktor spricht hochsprachlich, während
die Sprache Woyzecks und Maries, die den untersten Gesellscha sschichten angehören,
dialektgefärbt und fehlerha ist.
Die sozial Höherstehenden sprechen zwar meistens gramma kalisch korrekter, ergehen sich
aber häufig in hohlen Phrasen (z. B. der Doktor: … der Mensch ist frei, in dem Menschen verklärt
sich die Individualität zur Freiheit, 8. Szene) oder formulieren vage und unpräzise in Form
von Tautologien (z. B. der Hauptmann: Er hat keine Moral! Moral, das ist, wenn man moralisch
ist, versteht Er! 5. Szene). Woyzeck dagegen äußert sich, wenn er einmal den Mut fasst und aus
sich herausgeht, sehr konkret und anschaulich. Durch zahlreiche Metaphern entsteht der
Eindruck, dass er nicht in logischen Begriffen, sondern ausschließlich in Bildern denkt (z. B. Über
der Stadt is alles Glut! Ein Feuer fährt um den Himmel und ein Getös herunter wie Posaunen,
1. Szene; … der liebe Go wird den armen Wurm nicht drum ansehen, ob das Amen drüber
gesagt ist, eh er gemacht wurde, 5. Szene; … so ein schöner, fester, grauer Himmel; man könnte
Lust bekommen, ein’ Kloben hineinzuschlagen und sich daran zu hängen, 9. Szene; Wenn man
kalt is, so friert man nicht mehr. Du wirst vom Morgentau nicht frieren, 20. Szene; Nein, keine
Schuh, man kann auch ohne Schuh in die Höll gehn, 22. Szene). Und das überaus anschauliche,
poe sch anmutende „Märchen“ (19. Szene) wird von der Großmu er erzählt, die ebenfalls der
Unterschicht angehört.
Auch die Bezeichnungen der Rollen sind aussagekrä ig: Viele Personen, die der unteren
Gesellscha sschicht entstammen (Woyzeck, sein Stubenkamerad Andres, Marie, das
Mädchen Käthe, Maries Nachbarin Margreth und der Narr Karl) wurden vom Autor mit Namen
versehen und erscheinen, obwohl nur skizzenha gezeichnet, als Charaktere, zum Teil sogar als
Iden fika onsfiguren. Die meisten übrigen Rollen dagegen sind lediglich nach ihren beruflichen
bzw. sozialen Funk onen benannt: „Tambourmajor“, „Hauptmann“, „Doktor“, aber
auch „Großmu er“, „Budenbesitzer“, „Jude“ u. a. Ihre Rollen sind o flacher und
eindimensionaler, sie scheinen daher eher Typen als Charaktere zu sein.
Auffallend und o rätselha sind die literarischen Bezüge des Dramenfragments: die
zahlreichen Anspielungen auf die Bibel, auf Goethes Faust (19. Szene, Entwurfsstufe 1,
Louis: Was hast du eine rote Schnur um den Hals), auf Shakespeares Hamlet (1. Szene: der
rollende Kopf, der Igel und der hohle Boden unter den Füßen verweisen auf die Friedhofs- und
die Geistszene) und nicht zuletzt auf Büchners eigene Werke (Dantons Tod und Lenz).[8]
Büchner beschreibt hier die Deforma on eines Menschen zum animalischen Wesen, weil ihm
Besitz, soziale Anerkennung und lebensnotwendiges Geld fehlen. Der Tambourmajor hat ihn aus
dem einzigen noch vorhandenen Umfeld, in dem er noch Mensch sein konnte, verdrängt.
„Viehische Vernun , wildes Tier, der Affe als Soldat, das pissende Pferd, ein thierischer Mensch“
spiegeln all diese Deforma onen wider.[9]