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Leipzig Johann Chris An Woyzeck Seeburgviertel Johann Chris An August Clarus Marktplatz

Das Dokument behandelt die historischen Vorbilder für Georg Büchners Drama 'Woyzeck', insbesondere den Fall des Mörders Johann Christian Woyzeck und weitere Mordfälle, die Büchner inspirierten. Es wird auf die Entstehungsgeschichte des Werkes eingegangen, einschließlich der verschiedenen Manuskriptversionen und der Schwierigkeiten bei der Veröffentlichung aufgrund des fragmentarischen Charakters. Zudem wird auf die 'Erbsbrei-Experimente' von Justus von Liebig verwiesen, die thematisch in das Drama integriert sind.

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Das Dokument behandelt die historischen Vorbilder für Georg Büchners Drama 'Woyzeck', insbesondere den Fall des Mörders Johann Christian Woyzeck und weitere Mordfälle, die Büchner inspirierten. Es wird auf die Entstehungsgeschichte des Werkes eingegangen, einschließlich der verschiedenen Manuskriptversionen und der Schwierigkeiten bei der Veröffentlichung aufgrund des fragmentarischen Charakters. Zudem wird auf die 'Erbsbrei-Experimente' von Justus von Liebig verwiesen, die thematisch in das Drama integriert sind.

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Deutsch-Referat Stainach Irdning Teil 1

Quellen, historische Vorbilder

Historisches Vorbild für den Büchnerschen Woyzeck ist der am 3. Januar 1780 in Leipzig als Sohn
eines Perückenmachers geborene Johann Chris an Woyzeck.[1] Aus Eifersucht erstach er am 2.
Juni 1821 die 46-jährige Witwe Johanna Chris ane Woost in einem Hausflur in der Leipziger
Sandgasse im Seeburgviertel. Im Prozess erstellte der Medizinprofessor Johann Chris an August
Clarus zwei Gutachten über die Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten.[2] Woyzeck wurde nach
einem langen Verfahren, in dem sich sogar der sächsische Thronfolger mit einem Gutachten für
ihn einsetzte, verurteilt und am 27. August 1824 auf dem Marktplatz in Leipzig öffentlich
hingerichtet. Diese historische Vorlage ist in jüngerer Zeit editorisch umfangreich bearbeitet
worden.[3] So sind heute alle den historischen Woyzeck betreffenden Urteile und Gutachten im
Volltext zugänglich und sowohl rechts- als auch psychiatriehistorisch ausgewertet.

Clarus’ Gutachten mit dem Titel Die Zurechnungsfähigkeit des Mörders J. C. Woyzeck, nach
Grundsätzen der Staatsarzneikunde aktenmäßig erwiesen erschien in dem Fachbla Henkes
Zeitschri für die Staatsarzneikunde. Büchners Vater ha e die Zeitschri abonniert und
veröffentlichte darin selbst Fälle aus seiner Praxis als Arzt.

Aus dieser Zeitschri hat Georg Büchner wahrscheinlich auch Informa onen über den
Tabakspinnergesellen Daniel Schmolling, der am 25. September 1817 seine Geliebte Henrie e
Lehne in der Hasenheide bei Berlin umbrachte, und über den Leinenwebergesellen Johann
Dieß, der am 15. August 1830 seine Geliebte Elisabeth Reuter in der Nähe
von Darmstadt erstach.

Eine neuere Quelle[4] weist auf eine weitere Vorlage hin: Am 15. April 1816 ermordete der
Schustergeselle Johann Philipp Schneider, weil er seine Schulden nicht bezahlen konnte, den
Druckereigesellen Bernhard Lebrecht vor dem Rheintor in Darmstadt. Anschließend reinigte er
Hände und Gesicht am Bessunger Tor in Darmstadt und wusch seine Kleider im Großen Woog,
einem am Rand der Innenstadt von Darmstadt gelegenen See. Nach der Tat erholte sich
Schneider in einem Wirtshaus. Ein Barbier fand Lebrechts Leiche und verständigte die Polizei.
Schneider wurde anhand der Mordwaffe überführt, verurteilt und hingerichtet. Parallelen zu
Büchners Drama sind offensichtlich. Als Separatdruck wurde dieser Fall 1816 vom Stabs-
Auditeur Friedrich Schenk veröffentlicht und vom Darmstädter Hofgerichts-Advokat Philipp
Bopp 1834 in einen Sammelband ausgewählter Fälle aufgenommen. Es lässt sich nicht
nachweisen, dass Büchner die Veröffentlichung kannte, doch könnte er Bopp über gemeinsame
Bekannte aus dem Kreis radikaler Demokraten in Darmstadt begegnet sein.

Eine weitere historische Begebenheit wurde mit den „Erbsbrei-Experimenten“ des Gießener
Wissenscha lers Justus von Liebig in das Drama eingearbeitet. Um herauszufinden, ob man
Militär und Proletariat nicht mit eiweißreichen Hülsenfrüchten güns ger verkös gen könne,
mussten Soldaten bei diesen Menschenversuchen drei Monate lang
ausschließlich Erbsbrei essen. Die Probanden li en bald unter Halluzina onen, verloren die
Kontrolle über ihre Muskeln einschließlich des Schließmuskels und des Harndrangs.
Die neurologischen Krankheitssymptome, die Woyzeck beim einsei gen Erbsenessen
entwickelte, sind dabei tatsächlich die Folgen einer Vergi ung mit einem Übermaß
an nichtproteinogenen Aminosäuren. In Anbauländern wie Bangladesch oder Äthiopien kommt
es noch heute zu solchen Vergi ungserscheinungen bei armen Leuten, die sich nur einsei ge
Kost leisten können.[5]

Die Handschri en

Georg Büchner begann im Verlauf des Jahres 1836 in Straßburg mit der Arbeit an Woyzeck.
Fer gstellen konnte Büchner das Drama wegen seines frühen Todes nicht.

Insgesamt liegen dem Drama – Streichungen und verworfene Passagen nicht eingerechnet – 31
Szenen aus der Hand Büchners zugrunde, die wahrscheinlich vier Entwicklungsstadien
zugeordnet werden können. Es ist nicht erkennbar, wie Büchner diese Szenen anordnen wollte.
Die Manuskriptseiten haben keine Seitenzahlen, die Szenen des nicht in Akte gegliederten
Stücks sind nicht nummeriert. Viele Szenen sind sehr kurz und trotzdem eigenständig. Die Tinte
des Manuskripts ist so stark verblasst, dass Büchners Bruder Schwierigkeiten ha e, das Werk zu
entziffern; auch deshalb nahm er es nicht in die erste Gesamtausgabe von 1850 auf.

Das Woyzeck-Fragment liegt handschri lich in mehreren Entwurfsfassungen vor, die heute
im Weimarer Goethe- und Schiller-Archiv au ewahrt werden. Eine Faksimileausgabe der
Handschri en veröffentlichte 1981 Gerhard Schmid (s. Literatur).

Das Manuskript ist folgendermaßen überliefert:

 fünf Blä er im Kanzleiformat, gefaltet zu Doppelblä ern im Folioformat mit zwei


Szenengruppen zu 21 (heute als Entwurfsstufe H1 bezeichnet) und 9 Szenen (Gruppe
H2).

 ein Einzelbla im Quar ormat mit zwei einzelnen Szenen.

 sechs Blä er im Folioformat, gefaltet zu sechs Doppelblä ern im Quar ormat (letzte
Entwurfsstufe H4). Diese „vorläufige Reinschri “ des Dramas ist als am weitesten
fortgeschri ener Entwurf die Grundlage heu ger Lese- und Bühnenfassungen.

Edi onsgeschichte

Der fragmentarische Charakter des Stücks ha e für seine Veröffentlichung – wie auch für die
Inszenierungen – weitreichende Folgen. Die Handschri en mussten wieder lesbar

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