2.
Freie gedämpfte Schwingungen
● Bei realen Systemen werden die Schwingungsausschläge
mit der Zeit kleiner, und die Schwingung kommt zum Still-
stand.
● Ursache sind Energieverluste durch Reibungs- und
Dämpfungskräfte:
– Lagerreibung
– Luftwiderstand
– innere Reibung des Werkstoffs
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2.2-1
2. Freie gedämpfte Schwingungen
● Dämpfungskräfte sind stets der Bewegungsrichtung ent-
gegengesetzt.
● Die genaue Beschreibung aller dämpfenden Einflüsse ist
aufwändig.
● Das einfachste Dämpfungsmodell ist das Modell einer ge-
schwindigkeitsproportionalen Dämpfung:
F D =d v=d ẋ
● Dämpfungskonstante d:
– Einheit Kraft/Geschwindigkeit: 1Ns/m = 1kg/s
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2.2-2
2. Freie gedämpfte Schwingungen
2.1 Schwingungsgleichung
2.2 Dämpfungsfälle
2.3 Dissipierte Energie
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2.2-3
2.1 Schwingungsgleichung
● Lösung der Bewegungsgleichung:
– Aus m ẍ d ẋc x=0
folgt nach Division durch m die Schwingungsgleichung
ẍ 2 ẋ2 x =0
d
– Dabei wurde die Abklingkonstante =
2m
eingeführt.
kg 1
– Die Dimension der Abklingkonstante ist = .
s⋅kg s
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2.2-4
2.1 Schwingungsgleichung
– Einsetzen des Lösungsansatzes
x t = A e t , ẋ t = A e t , ẍ t = 2 A e t
führt auf 22 2 A e t =0 .
– Nichttriviale Lösungen mit A≠0 existieren nur, wenn die
charakteristische Gleichung
22 2=0
erfüllt ist.
– Sie hat die beiden Lösungen
1/ 2=−± − =−±
2 2
2
2
−1
2
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2.2-5
2.1 Schwingungsgleichung
– Mit dem Lehrschen ● Dämpfungsfälle:
Dämpfungsmaß
– Starke Dämpfung:
D > 1: 2 reelle Lösungen
D= ●
– Kritische Dämpfung:
folgt:
● D = 1: 1 reelle Lösung
– Schwache Dämpfung:
1/ 2=−± D −1
2
● D < 1: 2 komplexe Lö-
sungen
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2.2-6
2.2 Dämpfungsfälle
● Starke Dämpfung:
– Es gibt 2 reelle Lösungen 1/ 2=−±
mit = D −1= −
2 2 2
.
– Die allgemeine Lösung der Schwingungsgleichung ist
x t = A1 e A 2 e =e− t A1 e t A2 e− t
1 t 2 t
– Das ist eine exponentiell abklingende Funktion.
– Für die Geschwindigkeit folgt:
ẋ t =− e− t A1 e t A 2 e− t e− t A1 e t − A 2 e− t
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2.2-7
2.2 Dämpfungsfälle
– Die Konstanten A1 und A2 können aus den Anfangsbedin-
gungen bestimmt werden:
● Verschiebung: x 0= x 0= A1 A2
● Geschwindigkeit: v 0 = ẋ 0=− A1 A 2 A 1− A2
=−− A 1− A 2
A1 A2 = x0
− − A 1 − A2 = v 0 ∣
⋅ ⋅ −
⋅1 ⋅1 ∣ ∣
x 0v 0
− A1= x 0 v 0 A1=
2
− x 0v 0
−−− A2=− x 0 v 0 A2 =−
2
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2.2-8
2.2. Dämpfungsfälle
v0 > 0
v0 = 0
-δx0 < v0 < 0
v0 < -δx0
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2.2-9
2.2 Dämpfungsfälle
● Kritische Dämpfung:
– Es gibt nur eine reelle Lösung 1=2 =−
– Die allgemeine Lösung lautet: x t = A 1 A 2 t e− t
– Die Konstanten A1 und A2 können wieder aus den Anfangs-
bedingungen bestimmt werden:
x 0= x 0 A1= x 0 , ẋ 0=v 0 A2=v 0 x 0
– Dieser Fall wird auch als aperiodischer Grenzfall bezeich-
net.
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2.2-10
2.2 Dämpfungsfälle
– Der Ausschlag geht schneller gegen null als bei starker
Dämpfung.
– Technische Anwendung findet der Grenzfall z.B. bei der
Auslegung von Messgeräten.
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2.2-11
2.2 Dämpfungsfälle
● Schwache Dämpfung:
– Es gibt 2 komplexe Lösungen 1/ 2=−±i d
mit d = 1−D
2
.
– Die allgemeine Lösung lautet
x t = A1 e A 2 e =e− t A1 e
1 t 2 t i d t −i d t
A2 e
mit zwei komplexen Konstanten
A1=a 1i b 1 , A 2=a 2 i b 2
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2.2-12
2.2 Dämpfungsfälle
– Mit den Eulerschen Formeln
eix =cos x i sin x , e−ix =cos x −i sin x
folgt: x t =e− t [ a 1i b 1 cos d t i sin d t
a 2i b 2 cosd t −i sin d t ]
− t
=e [ a1a2 cos d t −b1 −b2 sin d t
i b 1b 2 cosd t a 1−a 2 sin d t ]
– Die Lösung ist reell für
Cc Cs
a 1=a 2= , b 1=−b 2 =−
2 2
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2.2-13
2.2 Dämpfungsfälle
– Damit lautet die allgemeine Lösung:
x t =e− t C c cos d t C s sin d t
– Für die Geschwindigkeit folgt:
ẋ t =− e− t C c cos d t C s sin d t
e− t d −C c sin d t C s cos d t
=e− t [ d C s − C c cos d t − d C c C s sin d t ]
– Die Konstanten können aus den Anfangsbedingungen be-
stimmt werden:
x 0= x 0=C c C c = x 0
v 0 x 0
v 0 = ẋ 0=d C s − C c C s =
d
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2.2-14
2.2 Dämpfungsfälle
– Ergebnis:
x t =e
− t
[
x 0 cos d t
v 0 x 0
d sin d t
]
– Wie im ungedämpften Fall lässt sich die Lösung auch in der
Form
x t =C e− t cos d t
schreiben.
2
– Dabei gilt: C= x
v 0 x 0
2
0d
, tan =−
v 0 x 0
x d 0
v 0 x 0
x 0 =C cos , d =−C sin
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2.2-15
2.2 Dämpfungsfälle
Td
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2.2-16
2.2 Dämpfungsfälle
– Die Schwingung klingt – Bei vielen praktischen
exponentiell ab. Anwendungen ist
Die Frequenz fd der ge- D < 5%.
–
dämpften Schwingung ist – Für D = 5% gilt:
kleiner als die Frequenz f fd
der ungedämpften = 1−0,05²=0,9987
f
Schwingung:
f d d – Für D < 5% ist die Abwei-
= = 1− D 2 chung von der unge-
f
dämpften Frequenz klei-
ner als 0,15%.
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2.2-17
2.2 Dämpfungsfälle
– Logarithmisches Dekrement:
● Für das Verhältnis von 2 Ausschlägen im Abstand einer Peri-
ode Td gilt:
− t
x t C e cos d t T
= − t T =e d
x tT d C e d
cos d tT d
● Das logarithmische Dekrement ist definiert durch
=ln
x t
x t T d = T d =
2
d
=2
D
1− D2
● Für sehr schwache Dämpfung (D < 10%) gilt die Näherung
1− D2≈1 ≈2 D
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2.2-18
2.2 Dämpfungsfälle
● Beispiel: Dämpferprüfstand
– Daten:
● Masse m = 1,5kg m
● Federkonstante c = 150N/m
● Dämpferkonstante d = 1,8Ns/m
– Anfangsbedingungen: d
x
c/2 c/2
● Auslenkung x0 = 1,5mm
● Geschwindigkeit v0 = 10mm/s
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2.2-19
2.2 Dämpfungsfälle
– Gesucht:
● Dämpfungsfall
● maximale Auslenkung
– Dämpfungsfall:
● Lehrsches Dämpfungsmaß: D=
=
d m
=
d
2 m c 2 mc
1,8 kg / s 1,8 1,8
D= = = =0,061
2 1,5 kg⋅150 kg / s
2
2 225 2⋅15
● Das System ist schwach gedämpft.
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2.2-20
2.2 Dämpfungsfälle
– Maximale Auslenkung:
− t
● Auslenkung: x t =C e cos d t
● Geschwindigkeit:
− t
ẋ t =−C e cos d td sin d t
● Bei maximalem Ausschlag ist die Geschwindigkeit null:
ẋ t max =0 : cos d t max d sin d t max =0
● Abkürzung: =d t max
D
cos=− d sin tan =− =−
d
1− D2
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2.2-21
2.2 Dämpfungsfälle
● Zahlenwerte:
1 1
=
c
m
=
150 kg m
1,5 s²m⋅kg
=10
1
s
= D=10 ⋅0,06=0,6
s s
1
d = 1−D = 1−0,06 =9,982
2 2
s
v 0 x 0 100,6⋅1,5 mm⋅s
tan =− =− =−0,7280 =−0,6293
d x 0 9,982⋅1,5 s⋅mm
2
2
v x
2
C = x 0 0
d
0 2 2
= 1,5 mm
9,982
100,6⋅1,5
mm =1,855 mm
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2.2-22
2.2 Dämpfungsfälle
D 0,06
tan =− =− =−0,06011 =−0,06004
1− D 2
1−0,06 2
− −0,060040,6293
=d t max t max = = −1
=0,05703 s
d 9,981 s
− t max −0,6 s−1⋅0,05703 s
x max =C e cos =1,855 mm⋅e cos−0,06004
=0,1855 mm⋅0,9664⋅0,9982=1,789 mm
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2.2-23
2.3 Dissipierte Energie
● Aufgabenstellung:
– Betrachtet wird ein schwach gedämpftes schwingendes
System.
– Gesucht ist die Energie, die während einer Periode dissi-
piert wird.
● Lösung:
– Potenzielle Energie zum Zeitpunkt t = tn:
P 1 2 1 2 −2 t
E t n = c x t n = c C e cos 2 d t n
n
2 2
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2.2-24
2.3 Dissipierte Energie
– Kinetische Energie zum Zeitpunkt t = tn:
− t n
v t n = ẋ t n =−C e [ cos d t n d sin d t n ]
K 1 2 −2 t 2
E t n = m C e
2
[ cos d t n d sin d t n ]
n
– Gesamte Energie zum Zeitpunkt t = tn:
E n = E t n = E P t n E K t n
– Zum Zeitpunkt tn+1 = tn + Td gilt:
sin d t n1 =sin d t n , cos d t n1 =cos d t n
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2.2-25
2.3 Dissipierte Energie
– Damit gilt für die Energien:
1 −2 t −2 T
E P t n1 = c C 2 e cos 2 d t n =e
n1
E P t n
d
2
−2 T d
E K t n1 =e E K t n
−2 T d
E n1 =e En
– Für das Verhältnis der Energien folgt:
E n1 −2 T
=e =e−2 d
En
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2.2-26
2.3 Dissipierte Energie
– Für die während einer Periode dissipierte Energie gilt:
E n −E n1
E n = E n − E n1= E n= 1−e−2 E n
En
– Verhältnis der Energien nach den ersten N Perioden:
E N 1 E N 1 E N E 2 −2 N
= ⋅ ⋅⋅ =e
E1 E N E N −1 E1
– Während der ersten N Perioden dissipierte Energie:
E N =E 1− E N 1= 1−e−2 N E 1
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2.2-27
2.3 Dissipierte Energie
● Beispiel:
– Eine masselose, starre Stange mit Feder und Dämpfer trägt
eine Masse.
c
m
a a a
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2.2-28
2.3. Dissipierte Energie
– Aufgabenstellung:
● Wie lautet die Schwingungsgleichung?
● Welche Bedingung muss die Dämpfungskonstante d erfüllen,
damit schwache Dämpfung vorliegt?
● Wie lautet die Lösung der Schwingungsgleichung für die An-
fangsbedingungen θ(0) = θ0 und dθ/dt(0) = 0?
● Wie groß ist die für D = 0,01 während der ersten Periode dis-
sipierte Energie?
– Schwingungsgleichung:
● Die Bewegung der Stange wird durch den von der Gleichge-
wichtslage aus gemessenen Winkel θ beschrieben.
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2.2-29
2.3 Dissipierte Energie
● Mit F C =c a sin ≈c a
FC F D =d⋅3 a ̇
A
θ folgt:
2 a2 m ̈3 a2 d ̇
2
FD c a =0
● Damit lautet die Schwin-
● Für kleine Auslenkungen gungsgleichung:
lautet der Drallsatz be-
züglich Punkt A: 9d c
̈2 ̇ =0
8m 4m
2 a2 m ̈
=−a F C −3 a F D
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2.2-30
2.3 Dissipierte Energie
– Bedingung für schwache Dämpfung:
● Aus der Schwingungsgleichung kann abgelesen werden:
9d 2 c
= , =
8m 4m
● Lehrsches Dämpfungsmaß:
9d
D= = ⋅2
8m
m
=
9d
c 4 mc
4
● Bedingung für schwache Dämpfung: D1 d mc
9
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2.2-31
2.3 Dissipierte Energie
– Lösung der Schwingungsgleichung:
● Allgemeine Lösung: t =e− t [ C c cos d t C s sin d t ]
0 0 D
● Konstanten: C c= 0 , C s = = = 0
d 1− D2 1− D2
● Ergebnis: t = 0 e
− t
cos d t
D
1−D 2
sin d t
– Dissipierte Energie:
D 0,01
● Mit D = 0,01 gilt: =2 ⋅ =2 ⋅ =0,06283
1− D 2
1−0,01 2
E 1= E 1 −E 2= 1−e−2⋅0,06283 E 1=0,1181 E 1
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2.2-32