Girocard
Girocard (Eigenschreibweise girocard) ist ein gemeinsames, nationales
Zahlungssystem der deutschen Kreditwirtschaft für Debitzahlungs- und
Geldautomatensysteme, aufbauend auf dem Contact-EMV-Standard.
Eine reine Girocard kann im Ausland nur sehr eingeschränkt verwendet
werden, weshalb die Karten ein sogenanntes Co-Badging mit
Maestro/Debit Mastercard (Mastercard), Visa Debit/V Pay (Visa), JCB[1]
oder Discover[2] haben können. Erst dadurch wird eine breite Akzeptanz im
Ausland gewährleistet.
Logo auf Girocards und an
Umgangssprachlich wird die Girocard fälschlich noch wie ihr Vorgänger Akzeptanzstellen
EC-Karte genannt, was für Electronic-Cash-Karte bzw. für deren
Vorgänger, die Eurocheque-Karte, stand.
Das girocard-System ist mit bis zu 1,132 Millionen aktiven Terminals das am weitesten verbreitete
Kartenzahlungssystem in Deutschland. 2023 wurden darüber 7,5 Milliarden Transaktionen mit einem
Gesamtumfang von 304 Milliarden Euro abgewickelt.[3]
Im Rahmen des Projekts girocard 4.0 wird derzeit die girocard als Zahlungskarte überarbeitet und von den
Banken aufgewertet.[4]
Inhaltsverzeichnis
Allgemeines
Verbreitung
Bargeldbezug
Bargeldbezug am Geldautomaten
Bargeldbezug im Einzelhandel
Mobile Payment und E-Commerce
Einsatz im Ausland
Co-Badge
Akzeptanzzeichen
Zielsetzung
Netzbetreiber
Hardware und Software
Sicherheitslücke
Magnetstreifen
Zahlungsautorisierung
Ablauf einer Zahlung
Beispiel
Kosten
Autorisierungsmerkmal
Zahlverfahren mit Girocard
Weblinks
Einzelnachweise
Allgemeines
Siehe auch: Vorgänger der Girocard: Die Eurocheque-Karte als elektronische Debitkarte
Der Name und das Logo girocard wurde 2007 vom Zentralen
Kreditausschuss (ZKA; heute Die Deutsche Kreditwirtschaft) durch
Umbenennung der vormaligen ec-Karte eingeführt.
Karten mit dem „girocard“-Logo werden bisher nur von deutschen
Kreditinstituten ausgegeben, üblicherweise in Verbindung mit einem
Girokonto. Eine Kartenzahlung mit der girocard kann entweder
kontaktbasiert durch das Einstecken der Karte oder durch Auflegen der
Karte oder eines Mobiltelefons kontaktlos an einem POS-Terminal
erfolgen. Die Zahlung wird mit einer PIN verifiziert. Bei einer kontaktlosen
Zahlung bis 50 Euro kann die PIN entfallen.[5] Logo der alten „EC-Karten“
Eine Kartenzahlung ist dabei immer mit einer Zahlungsgarantie für den
Händler verbunden, wenn sie über das girocard-System abgewickelt wird.
Ein Bargeldbezug ist an allen deutschen Geldautomaten möglich.
Verbreitung
Die meisten Kartenzahlungen werden in Deutschland über die girocard
abwickelt. Laut einer Studie der EHI (EHI Retail Institute GmbH) war sie
im Jahr 2022 mit 42,4 % das beliebteste Zahlungsmittel im deutschen
girocard 2007
Einzelhandel[6]. Internationale Zahlungssysteme wie Mastercard, Visa oder
American Express spielen in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle.
Mit 72,6 % waren die meisten girocard-Zahlungen im Einzelhandel kontaktlos durchgeführt worden.[6]
Bargeldbezug
Bargeldbezug am Geldautomaten
Die girocard kann für den Bezug von Bargeld an allen Geldautomaten des Deutschen Geldautomaten
Systems verwendet werden. Stand August 2023 gab es in Deutschland laut der deutschen Kreditwirtschaft
ca. 52.000 aktive Geldautomaten.[7]
Für die Nutzung eines fremden Automaten außerhalb des eigenen Verbundes wird ein Geldautomaten-
Entgelt erhoben.
Im eigenen Bankenverbund kann die girocard auch für die Nutzung weiterer SB-Geräte wie
Kontoauszugsdrucker, Einzahlautomaten oder Überweisungsterminals verwendet werden.
Bargeldbezug im Einzelhandel
In vielen Läden des Einzelhandels kann ab einem Einkaufswert von meist 10–20 Euro auch Bargeld an der
Kasse mitbezogen werden. Dabei wird der Abhebebetrag zusätzlich zum Einkauf mitbelastet.
Der Service ist für den Karteninhaber kostenfrei und ist auf 200 Euro pro Vorgang limitiert. Der
Einzelhandel profitiert so von einem geringeren Bargeldbestand in der Kasse.[8]
Mobile Payment und E-Commerce
Im girocard-System werden auch mobile Zahlungen mit dem Smartphone unterstützt.
Neben eigenen Zahlungsapps einzelner Banken werden auch Zahlungen über Apple Pay[9] unterstützt. Mit
der Einführung von Apple Pay mit der girocard wurde das System auch erstmalig im E-Commerce über die
Apple Wallet einsetzbar.[10]
Einsatz im Ausland
Die girocard wird im Ausland nur sehr eingeschränkt unterstützt. Eine Zahlung an ausländischen POS-
Terminals ist nur in sehr seltenen Fällen möglich; Geldautomaten in den deutschen Nachbarländern
unterstützen nur teilweise den Bargeldbezug über das girocard-System (so z. B. die PSA Payment Services
Austria an ihren Geldautomaten[11]).
Co-Badge
Die meisten Banken bieten ihren Kunden ein Co-Badge an, damit auch im Ausland eine Akzeptanz der
Debitkarte gewährleistet wird. Das POS-Terminal wählt im Ausland dabei selbstständig über den Chip oder
Magnetstreifen das internationale Zahlungssystem aus. Der Karteninhaber muss hier nicht tätig werden. Das
Logo des Co-Badge wird zusätzlich zum girocard-Logo auf die Karte gedruckt. Der Karteninhaber erkennt
so, wo er seine Debitkarte einsetzen kann. Wahlweise steht das Co-Badge auch auf mobilen
Zahlungslösungen wie Apple Pay zur Verfügung.
Aktuell werden girocard-Karten wahlweise mit Maestro/Debit Mastercard (Mastercard), Visa Debit/V Pay
(Visa), JCB[1] oder Discover[2] als Co-Badge ausgestattet.
Lange Jahre war es üblich, dass Debitkarten mit dem girocard-System zusätzlich das System Maestro von
Mastercard unterstützen. Im Oktober 2021 kündigte Mastercard die Einstellung der Neuausgabe von
Maestro-Karten in Europa an, um Debit Mastercard als Alternative zur girocard zu positionieren.
Bestehende Karten mit Maestro Co-Badge bleiben weiterhin im Ausland verwendbar.[12]
Die Sparkassen-Finanzgruppe stellte zum Juli 2023 ihre Karten bei Neuausgabe auf ein Debit Mastercard,
V Pay oder Visa Debit Co-Badge um.[13] Die Volks- und Raiffeisenbanken kündigten ebenfalls den
Wechsel von Maestro auf Debit Mastercard oder Visa Debit an.[14]
Akzeptanzzeichen
Das Akzeptanzzeichen ist das Piktogramm „girocard“.
Auf den Debitkarten der Banken und Sparkassen werden die
girocard-Akzeptanzzeichen ebenfalls aufgebracht. Die
Markenrechte an dem Akzeptanzzeichen werden von der EURO
Kartensysteme für Die Deutsche Kreditwirtschaft gehalten.
In einer Übergangsphase war das alte Piktogramm „ec electronic Co-Badgings mit VPay
cash“ noch auf Debitkarten der deutschen Kreditwirtschaft bzw. ist
noch an POS-Terminals als Akzeptanzzeichen zu finden. Dieses
Zeichen wurde für die Übergangsphase von Eurocheque (beleghaftes
Zahlen mit Scheck) auf Zahlen mit ec-Karte (kartenbasiertes Zahlen mit
PIN) verwendet. Nach Abschaffung des Eurocheque-Verfahrens wurde die
Ausgabe von ec-Karten durch die deutsche Kreditwirtschaft eingestellt und
die Markenrechte an Eurocheque an Mastercard verkauft. Das ec-Zeichen
„ec electronic cash“ wird von der deutschen Kreditwirtschaft nicht mehr als
Akzeptanzzeichen verwendet. Die noch vorhandenen Karten wurden im
Rahmen des normalen Kartenaustausches durch Karten mit den Zeichen
„girocard“ ersetzt.
Neuaufgestellte Terminals tragen nur noch das „girocard“ Zeichen.
electronic cash PIN Pad
Das Logo bzw. die Kennzeichnung „ec“ ist mitunter auf Debitkarten von
Mastercard zu finden, jedoch sind dies keine girocard-Karten. Hintergrund
ist, dass die Rechte von Name und Logo bei Mastercard liegen und das Kreditkartenunternehmen die in
Deutschland noch sehr bekannte Marke aus Marketinggründen für seine „Debit Mastercard“ verwendet.[15]
Zielsetzung
Girocard soll den sicheren und einfachen Einsatz von Debitkarten unter Verwendung der Persönlichen
Identifikationsnummer garantieren.
Die europäische Kreditwirtschaft hat mittlerweile den Europäischen Zahlungsraum (SEPA) eingeführt. Ziel
des SEPA ist es, allen Bürgern die Möglichkeit zu eröffnen, Zahlungsverkehrsdienstleistungen im Euro-
Raum zu denselben Bedingungen ausführen zu können wie im Heimatland. Girocard soll vor allem die
internationale Akzeptanz der deutschen Debitkarten im Zuge der Schaffung eines einheitlichen Logos für
den SEPA erleichtern.
Netzbetreiber
Ein wichtiger Teil des Zahlungssystems sind die Netzbetreiber, die den händlerseitigen Betrieb der girocard
gewährleisten. Die Deutsche Kreditwirtschaft ist hierbei für die Zulassung von Netzbetreibern und POS-
Terminals verantwortlich. Seit einiger Zeit sind auch internationale Zahlungsabwickler als Netzbetreiber
aktiv.
Als Netzbetreiber waren Stand August 2023 aktiv[16]:
Adyen N.V. (Amsterdam)
BP Europe SE (Bochum)
Computop Paygate GmbH (Bamberg)
DB Vertrieb GmbH (Frankfurt)
Elavon Financial Services DAC (Frankfurt)
First Data GmbH (Bad Homburg v.d. Höhe)
LAVEGO AG (München)
OC Payment GmbH (Köln)
Payone GmbH (Frankfurt)
Shell Deutschland GmbH (Hamburg)
transact Elektronische Zahlungssysteme GmbH (Martinsried)
Verifone Payments GmbH (Aschheim)
VÖB-ZVD Processing GmbH (Bonn)
WEAT Electronic Datenservice GmbH (Düsseldorf)
VR Payment GmbH (Frankfurt)
Hardware und Software
Ein Electronic-Cash-Terminal (Karten- oder Händlerterminal bzw.
EFT-POS-Terminal) setzt sich aus Hardware- und Software-
Komponenten zusammen und dient der Durchführung der
elektronischen Zahlung. Die Hauptkomponenten im Bereich der
Hardware sind das Sicherheitsmodul, das Tastenfeld, der
Bildschirm, der Chipkartenleser sowie das Kommunikationsmodul
und die Energieversorgung.
Die Software setzt sich hauptsächlich aus dem Betriebssystem, der
Kommunikationssoftware, der Software des Sicherheitsmoduls Ein älteres Kartenterminal
sowie diverser Softwaremodule für Online-Personalisierung von
Terminals (OPT), Contact EMV sowie Zusatzapplikationen (Prepaid, Kundenbindungssysteme,
Fernwartung) zusammen.
Alle Kartenlesegeräte nach dem Girocard-Verfahren müssen von der Deutschen Kreditwirtschaft für die
Teilnahme am bargeldlosen Zahlungsverkehr zertifiziert sein. Terminals, die ausschließlich das ELV
unterstützen, benötigen keine Zertifizierung durch die DK. Der Betrieb eines Kartenterminals setzt einen
Providervertrag mit einem Netzbetreiber voraus. Der Telekommunikationsdiensteanbieter (technischer
Netzbetreiber) führt die weitere Verarbeitung der durch das Terminal gesammelten Daten durch. Durch
einen Serviceprovider (kaufmännischer Netzbetreiber) wird der gewerbliche Nutzer (Geschäftsinhaber,
Händler) während der Nutzungsdauer des Terminals betreut, kann eine Hotline nutzen, erhält technische
Unterstützung und Gewährleistungsdienstleistungen durch Techniker vor Ort und hat einen
Ansprechpartner bei Fragen zu Abrechnung, Transaktionscontrolling, Vertragsbetreuung etc.
Lesegeräte haben eine eindeutige Terminalidentifikationsnummer (TID). Provider haben für ihre Geräte
zentral zugeteilte Nummernkreise, mit denen die TID beginnt:[17]
Adyen (507)
BP Europe (710)
Computop Paygate (508)
Concardis (655)
DB Vertrieb (590)
Elavon (565)
FirstData (540)
Lavego (525)
OC Payments (560)
Payone (600,650,670,680)
Shell (700)
transact (695)
Verifone (612)
VÖB-ZVD (582)
VR Payment (580)
WEAT (740)
Sicherheitslücke
Im Juli 2012 wurde bekannt, dass durch eine Sicherheitslücke in einem im Handel weit verbreiteten
Lesegerät die Kartendaten inklusive der persönlichen Identifikationsnummer (PIN) über das Rechnernetz
ausspioniert und für kriminelle Zwecke verwendet werden konnten.[18] Die Sicherheitslücke nutzte einen
Speicherüberlauf, der typischerweise bei technologisch veralteter Software mit geringer Typsicherheit
ausgenutzt werden kann. Der Anbieter der Bezahldienstleistungen Verifone hat die Sicherheitslücke durch
eine Aktualisierung der Software zwischenzeitlich geschlossen.[19]
Magnetstreifen
Wie bei Bezahlkarten üblich, war die Girocard lange Zeit mit einem Magnetstreifen versehen. Der
Magnetstreifen wurde nur gelesen und enthielt damit ausschließlich statische Informationen. Seit 2000
statteten immer mehr Banken in Deutschland die neu ausgegebenen Karten zusätzlich mit einem Chip aus,
dem EMV-Chip. 2008 war er bereits in 70 % der ausgegebenen Karten enthalten. Der Chip kann Anfragen
beantworten, ohne dass sein Inhalt (komplett) ausgelesen werden kann. Im Gegensatz zum Magnetstreifen
können die Chips daher nicht kopiert werden. Um Abwärtskompatibilität, insbesondere zur meist
integrierten Maestro-Karte zu behalten, bleiben viele Karten trotzdem mit Magnetstreifen ausgerüstet. Mit
der Zulassungsverordnung TA (Technischer Anhang) 7.0 der DK wurde festgelegt, dass der Chip zu nutzen
ist, wenn dieser vorhanden ist. Seit 2011 ist zwingend der Chip für das Electronic Cash Verfahren zu
nutzen. Das Bundeskriminalamt fordert die Banken auf, standardmäßig Karten ohne Magnetstreifen
auszugeben und nur Kunden, die ihre Karte im außereuropäischen Ausland benutzen, eine Karte mit
Magnetstreifen auszugeben.[20]
Der Magnetstreifen einer Karte hat drei Spuren. Bis 30. September 2009 wurde in Deutschland die Spur 3
des Magnetstreifens für Zahlungen ausgelesen; sie wurde für das elektronische Lastschriftverfahren genutzt.
Danach wurde die international übliche Spur 2 ausgelesen.[21]
Das elektronische Lastschriftverfahren wird mittlerweile über den EMV Chip abgewickelt.
Seit Anfang 2013 sind girocard Zahlungen über den Magnetstreifen nicht mehr zugelassen. Die
magnetstreifenbasierte Autorisierung ist seit dem nur noch für das CoBadge zulässig.[22]
Zahlungsautorisierung
Ablauf einer Zahlung
Zahlungen mit der girocard sind generell chip-basiert:
1. Karte wird verlangt und mit Hilfe des Kartenlesers (Chipleser) ausgelesen.
Das Sicherheitsmodul wird aktiviert und verlangt die Eingabe der Geheimzahl.
Die Korrektheit der Geheimzahl wird im Chip der Karte überprüft. Ist die eingegebene
Geheimzahl korrekt, wird der Fehleingabenzähler auf null gesetzt. Ist sie falsch, wird der
Fehleingabenzähler um einen erhöht, hat er drei erreicht, meldet die Karte ihre eigene
Sperrung. (Die Bank kann den Chip mit Hilfe eines Bankensonderfunktionsterminals
(BSFT) entsperren.)
Der gewünschte Zahlbetrag wird an den Chip der Karte gesendet.
Ist im Chip ein ausreichend hoher, zeitlich noch nicht abgelaufener Kreditrahmen
hinterlegt, so wird der Betrag subtrahiert und der verringerte Kreditrahmen auf dem Chip
abgespeichert, weiter mit Schritt 7.
2. Das Kommunikationsmodul baut die Verbindung zum Provider auf und meldet sich dort für
den Datenaustausch an.
3. Per Datenaustausch werden über die Kommunikationsverbindung die
Plausibilitätsprüfungen durchgeführt.
4. Per Online-Verbindung mit der Bank wird
überprüft, ob kein Eintrag der verwendeten Karte in der Sperrdatei der Bank vorliegt
überprüft, ob der Zahlbetrag innerhalb des verfügbaren Finanzrahmens liegt.
die Zahlung abgelehnt, falls eins der Merkmale nicht erfüllt ist.
optional eine Zahlungsfreigabe (Autorisierung) an den Chip gesendet und dort
abgespeichert. Zusätzlich können folgende Information gespeichert werden: „Weitere
Zahlungen bis zur Gesamtsumme von XXX EUR gestattet.“
5. Das Kommunikationsmodul meldet sich beim Provider ab und beendet die Verbindung.
6. Der Drucker erstellt ein Protokoll über Zahlung bzw. Abweisung. Das Display zeigt
Entsprechendes an.
7. Das Ergebnis „Zahlung erfolgt“ garantiert dem Händler (bei rechtzeitiger Einreichung) seine
Zahlung.
Die Schritte drei bis sechs können entfallen, sofern die Karte entsprechend konfiguriert und sobald der auf
dem Chip gespeicherte Kreditrahmen noch nicht ausgeschöpft ist. Dadurch fallen nicht bei jedem
Bezahlvorgang Leitungskosten an; und vor allem wird der Zahlvorgang oftmals stark beschleunigt, da
keine Onlineverbindung aufgebaut werden muss. Die Bank räumt ihrem Kunden hierbei zusätzlich zum
Dispo einen Kredit ein.
Die Offline-Zahlungsfähigkeit wird nur von wenigen Banken angeboten.
Bei einer kontaktlosen Zahlung wird die PIN ab einen Betrag von 50 Euro online gegen den Bankrechner
geprüft. Gleiches gilt bei Auszahlungen von „Cash-Back“ an der Kasse. Bei einer Zahlung mit einem
Mobiltelefon entfällt die PIN Überprüfung.
Beispiel
Bei der ersten Girocard-Transaktion wird vereinfacht über 30 Euro verfügt. Das Terminal fragt
bei der Bank an und speichert anschließend die Zahlungsfreigabe. Weitere Zahlungen sind
beispielsweise bis zur Gesamtsumme von 500 Euro gestattet.
Im Geschäft nebenan werden 70 Euro wieder mit Girocard bezahlt, eine Anfrage bei der
Bank ist nicht notwendig, weil die Zahlungsfreigabe bereits auf dem Chip gespeichert ist.
Auf dem Chip wird jetzt ein verbleibender Kreditrahmen von 430 Euro gespeichert.
Am nächsten Tag innerhalb desselben Monats sollen 419 Euro mittels Girocard bezahlt
werden. Eine Anfrage bei der Bank ist abermals nicht notwendig, weil die Zahlungsfreigabe
bereits auf dem Chip gespeichert ist. Auf dem Chip wird jetzt ein verbleibender Kreditrahmen
von 11 Euro gespeichert.
Am letzten Tag des Monats wird in einem weiteren Laden ein Betrag von 12 Euro bezahlt.
Der Kreditrahmen auf der Karte reicht nicht aus. Die Verbindung zur Bank wird aufgebaut.
Die Bank meldet, dass 12 Euro sofort in Ordnung gingen und erneut über weitere 500 Euro
bis zum nächsten Monatsende verfügt werden dürfe.
Kosten
Die Kosten einer Girocard-Zahlung richten sich nach der Höhe des zu zahlenden Betrags. Sie betragen für
den Händler höchstens 0,2 % des Umsatzes.[23] Hinzu kommen Kosten für die technische Bereitstellung,
die vom jeweiligen Netzbetreiber erhoben werden.
Die Händlerbedingungen für die Teilnahme am ec-System sahen einst vor, dass die Händler die Karten „zu
Barzahlungspreisen und -bedingungen zu akzeptieren“ hatten, das heißt, dass die Händler die Gebühren
trugen und bei Zahlung mit Girocard dem Kunden nur den Bargeldbezugspreis der Ware oder
Dienstleistung in Rechnung stellten. Im Einzelhandel war es deshalb üblich, dass Beträge teilweise erst ab
einer bestimmten Höhe (z. B. 10 oder 15 Euro) mit der Karte beglichen werden können. Seit November
2014 werden Zahlungsgarantieentgelte in einem marktorientierten Prozess zwischen den
Kartenherausgebern und den Händlern ausgehandelt. Es gelten auch neue Händlerbedingungen. Des
Weiteren erlaubten es die neuen Bedingungen den Unternehmen, Rabatte zu gewähren oder einen
Aufschlag auf den Barzahlungspreis bzw. einen eventuellen Barauszahlungsbetrag vorzunehmen. Ein
solcher Aufschlag musste jedoch angemessen und an den tatsächlichen Kosten des Unternehmens
ausgerichtet sein. Seit dem 13. Januar 2018 sind jegliche Gebühren und Aufschläge bei Zahlung mit Debit-
und Kreditkarten, so auch der Girocard, zulasten des Käufers durch das Gesetz zur Umsetzung der Zweiten
Zahlungsdiensterichtlinie, die die europäische PSD2-Richtlinie in nationales Recht umsetzt, verboten.
Inzwischen sind Kartenzahlungen bei den meisten Händlern ohne Mindestbetrag möglich, da sich das
kontaktlose Zahlen mit der girocard immer mehr durchsetzt.
Autorisierungsmerkmal
Auf Kontoauszügen werden Buchungen meist wie folgt dargestellt:
ELV68197325 26.04 18.07 ME0
EC 68197325 260410180710OC0
Zuerst kommt die Zahlungsart „EC“ oder „ELV“, dann die Terminal-ID (hier: 68197325), dann Datum und
Uhrzeit (hier: 26. April 2010 18:07:10 Uhr), dann ein zweistelliges Autorisierungsmerkmal, dann die
Kartenfolgenummer (hier: 0).
Es gibt folgende Autorisierungsmerkmale, die jeweils angeben, mit welcher Technik die Zahlung autorisiert
wurde:[24][25]
ME/MK – magnetstreifenbasierte Autorisierung Girocard mit (ME:) Debitkarte ohne
Einschränkung (früher: ec-Karte) oder (MK:) sonstiger Karte, Bankenkarte, Kundenkarte
CE/CK – chipbasierte Autorisierung Girocard mit (CE:) Debitkarte ohne Einschränkung
(früher: ec-Karte) oder (CK:) sonstiger Karte, Bankenkarte, Kundenkarte
FE/2E – Spur 2 (FE:) Fallback (2E:) kein Fallback
IC/OC – EMV Autorisierung (IC:) Offline (OC:) Online
Zahlverfahren mit Girocard
Geldkarte und Girocard bieten dem kartenakzeptierenden Händler eine Zahlungsgarantie, ELV-Zahlungen
sind dagegen nicht garantiert und damit mit einem potenziellen Ausfallrisiko verbunden.
Der Marktanteil von Girocard (mit/ohne PIN-Eingabe) lag 2018 bei 48,6 %,[26] 2012 bei
21,1 %,[27] im Jahre 2009 mit 71 Milliarden EUR bei 19,4 %.[28]
Die elektronische Geldbörse GeldKarte kann ebenfalls zur Zahlung als Elektronisches Geld
verwendet werden. Sie hat mit einem Jahresumsatz von 0,1 Milliarden EUR einen
Marktanteil von unter 0,04 %. Die elektronische Geldbörse wurde von den meisten Banken
bereits eingestellt.
ELV (Elektronisches Lastschriftverfahren) online oder offline. Im Jahr 2005 wurden 12 % des
Umsatzes im Handel mit diesem Verfahren abgewickelt.[27] Der Marktanteil betrug mit 45
Milliarden EUR im Jahre 2009 12,2 %.[28] Das Verfahren wurde 1984 eingeführt.[27] Bei ELV
online (auch zuweilen OLV genannt) wird jede Zahlung online bei einem Netzbetreiber
gegen eine bundesweite Sperrliste und Scoring-Parameter geprüft. Bei ELV offline wird auf
eine Telefonverbindung und Prüfung verzichtet. Es ist für Händler die preiswerteste
Methode. Aus dem Magnetstreifen bzw. dem Chip werden bei allen Verfahren einzig die
Kontonummer und die Bankleitzahl sowie die Kartennummer ausgelesen. Der Kunde erteilt
abweichend zum Electronic Cash mit seiner Unterschrift eine Lastschrift mit
Einzugsermächtigung. Gegen Ausfälle (Rücklastschriften) kann ein Vertrag über
Forderungsankauf abgeschlossen werden. Im Gegensatz zum abgeschafften POZ-
Verfahren ist das Kreditinstitut des Karteninhabers bei Zahlungsausfällen jedoch nicht
verpflichtet, Name und Adresse des Karteninhabers an den Händler weiterzugeben,[29] was
ein erhöhtes Risiko für den Händler darstellt. Durch die weiter fallenden Preise für girocard
Zahlungen gehen die Zahlungen über ELV/OLV immer weiter zurück.
POZ (Point of Sale ohne Zahlungsgarantie), im Gegensatz zum OLV und ELV, die Verfahren
des Handels sind, war POZ von seiner Einführung im Jahr 1994 bis zu seiner Abschaffung
am 31. Dezember 2006 ein Verfahren des Zentralen Kreditausschusses (ZKA, wie die DK
damals hieß). Während des Bezahlvorganges erfolgte eine Sperrabfrage bei der Kopfstelle
des Karten ausgebenden Kreditinstituts. War die Karte nicht als gesperrt gemeldet, wurde
vom Händler eine Lastschrift erstellt. Der Kunde erteilte mit seiner Unterschrift eine
Lastschrift mit Einzugsermächtigung und gab sich damit einverstanden, dass sein
Kreditinstitut auf Anfrage Name und Adresse an den Händler (bei Ausfällen bzw.
Rücklastschriften) weitergibt. Die Kosten lagen bei 5 Cent pro Sperrabfrage. Am
Einzelhandelsumsatz hatte POZ im Jahre 2005 einen Anteil von 2,3 %.[27]
Weblinks
Girocard-Website ([Link]
Einzelnachweise
1. Einfach bezahlen für Karteninhaber - girocard. ([Link]
Abgerufen am 2. September 2023.
2. Cards. ([Link] Abgerufen am 2. September 2023.
3. Immer häufiger an immer mehr Kassen: girocard mit großem Zuwachs im Handel. ([Link]
[Link]/presse-mediathek/pressemitteilungen/2024/girocard-jahreszahlen-2023/) In:
[Link]. EURO Kartensysteme, 13. Februar 2024, abgerufen am 13. Februar 2024.
4. Die Deutsche Kreditwirtschaft: Die Zukunft des Bezahlens: girocard 4.0. ([Link]
hlungsverkehr/girocard/die-zukunft-des-bezahlens-girocard-40/) Abgerufen am 2. September
2023.
5. Einfach bezahlen für Karteninhaber - girocard. ([Link]
Abgerufen am 2. September 2023.
6. Deutsche zahlen immer öfter mit Karte - EHI Retail Institute. ([Link]
sche-zahlen-immer-oefter-mit-karte/) 3. Mai 2022, abgerufen am 2. September 2023
(deutsch).
7. Die Deutsche Kreditwirtschaft: Geldautomaten - Deutsche Kreditwirtschaft. ([Link]
zahlungsverkehr/zulassungsverfahren/geldautomaten/) Abgerufen am 2. September 2023.
8. Bargeldauszahlung – die Vorteile auf einen Blick. ([Link]
e/ratgeber/ratgeber-einzelhandel/kunden-begeistern/bargeldauszahlung-an-der-kasse-so-ge
[Link]) Abgerufen am 2. September 2023.
9. Apple - Apple Pay (DE). ([Link]
Abgerufen am 2. September 2023.
10. I. T. Finanzmagazin, I. T. Finanzmagazin /AJ: girocard für Online-Einkäufe - für Sparkassen-
Kunden mit Apple Pay. ([Link]
ay-122474/) 13. Juli 2021, abgerufen am 2. September 2023 (deutsch).
11. Akzeptierte Brands – PSA - Payment Services Austria. ([Link]
ptierte-brands) Abgerufen am 2. September 2023.
12. NDR: Maestro-Aus: Was ändert sich für Girocard-Kunden? ([Link]
raucher/Maestro-Aus-Was-aendert-sich-fuer-Girocard-Kunden,[Link]) Abgerufen
am 2. September 2023.
13. Die EC-Karte wird nicht abgeschafft. ([Link]
-[Link]) Abgerufen am 2. September 2023.
14. I. T. Finanzmagazin, I. T. Finanzmagazin /AJ: girocard mit Debit Mastercard (als Co-Badge)
steht bei den genossenschaftlichen Banken in den Startlöchern. ([Link]
[Link]/girocard-debit-mastercard-145752/) 20. September 2022, abgerufen am 2. September
2023 (deutsch).
15. Andreas Neuhaus: Das Comeback der „EC-Karte“. ([Link]
anken-versicherungen/debitkarte-von-mastercard-das-comeback-der-ec-karte/[Link]
l) Handelsblatt, Online am 24. Juli 2017
16. Die Deutsche Kreditwirtschaft: Das girocard-System - Deutsche Kreditwirtschaft. ([Link]
[Link]/zahlungsverkehr/zulassungsverfahren/electronic-cash-system/) Abgerufen am
2. September 2023.
17. Liste der durch die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) zugelassenen Netzbetreiber im electronic
cash-System. ([Link]
(PDF) Die Deutsche Kreditwirtschaft, September 2019, abgerufen am 5. September 2019.
18. Spiegel online: Sicherheitslücke Terminals für EC-Kartenzahlung unsicher. ([Link]
[Link]/netzwelt/web/sicherheitsluecke-verifone-terminals-fuer-ec-kartenzahlung-unsicher-a-
[Link]) Abgerufen am 13. Juli 2012
19. Jakob Schlandt: Sicherheitslücke bei EC-Karten. ([Link]
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arten,1472780,[Link]) (Memento vom 17. Juli 2012 im Internet Archive) Frankfurter
Rundschau online. Abgerufen am 13. Juli 2012
20. heise online: Schutz vor Skimming: BKA fordert magnetstreifenlose EC-Karten. ([Link]
[Link]/newsticker/meldung/Schutz-vor-Skimming-BKA-fordert-magnetstreifenlose-EC-Kart
[Link]) 2. Januar 2010 (abgerufen am 2. Januar 2010)
21. REA Card GmbH: Änderungen im Verfahren »Electronic Cash« mit Einführung des TA 7.0.
([Link]
[Link]) (PDF; 75 kB) Fachdokumentation. Artikel Nr. 041400072, Version 1.0. 2007
22. Die Deutsche Kreditwirtschaft: Home. ([Link]
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am 2. September 2023.
23. Verordnung (EU) 2015/751 des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 29. April
2015 über Interbankenentgelte für kartengebundene Zahlungsvorgänge In: Amtsblatt der
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24. Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e. V. Berlin:
Sonderbedingungen für Datenfernübertragung ([Link]
ukt-_und_abteilungsinformationen/electronic_banking.[Link]/467400%20Sonder
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Webarchiven ([Link]
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25. Spezifikation der Datenformate. ([Link]
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MCwiZ3JvdXBzIjpbMCwtMV0sImZpbGUiOiJmaWxlYWRtaW5cL3Vuc2VjdXJlZFwvYW5sY
WdlM1wvYW5sYWdlM19zcGVjXC9BbmxhZ2VfM19EYXRlbmZvcm1hdGVfVjMuNS5wZGY
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[Link]. Abgerufen am 2. Mai 2022.
26. mik/dpa-AFX: Deutsche bezahlen erstmals mehr mit Karte als mit Bargeld. ([Link]
[Link]/wirtschaft/soziales/deutsche-bezahlen-erstmals-mehr-mit-karte-als-mit-bargeld-a-126
[Link]) In: Spiegel Online. 7. Mai 2019, abgerufen am 14. Mai 2020.
27. InterCard: EC-Karte plus Unterschrift. ([Link]
[Link]/cms/intercard/_common/pdf/POS_Manager_06_2006.pdf) (Memento vom 8.
September 2013 im Internet Archive) (PDF; 235 kB) POS-Manager Technology, Heft 6/2006
28. EHI Retail Institute: Grafik ([Link]
12)
29. L. G. Wuppertal, Urteil vom 23. Dezember 1996, Az.: 14 O 113/96, NJW-RR 1998, 775
Normdaten (Sachbegriff): GND: 4328949-6
Abgerufen von „[Link]
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