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Ltes

Das Dokument behandelt das Thema des Leseverstehens und enthält verschiedene Texte, die sich mit der Möglichkeit der Terraformierung des Mars sowie den Herausforderungen und Erfahrungen einer Hobbybäuerin befassen. Es werden Aufgaben gestellt, bei denen die Leser Sätze in Lücken einfüllen oder Absätze bestimmten Fragen zuordnen müssen. Zudem wird die Darstellung von Wissenschaftlern in Filmen thematisiert, wobei auf stereotype Charaktere und deren Entwicklung eingegangen wird.

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Das Dokument behandelt das Thema des Leseverstehens und enthält verschiedene Texte, die sich mit der Möglichkeit der Terraformierung des Mars sowie den Herausforderungen und Erfahrungen einer Hobbybäuerin befassen. Es werden Aufgaben gestellt, bei denen die Leser Sätze in Lücken einfüllen oder Absätze bestimmten Fragen zuordnen müssen. Zudem wird die Darstellung von Wissenschaftlern in Filmen thematisiert, wobei auf stereotype Charaktere und deren Entwicklung eingegangen wird.

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6

9 0 Minu ten L esever s tehen und Sprachbaus teine

Leseverstehen, Teil 1
Lesen Sie den folgenden Text. Welche der Sätze a–h gehören in die Lücken 1–6? Es gibt jeweils nur eine
richtige Lösung. Zwei Sätze können nicht zugeordnet werden. Markieren Sie Ihre Lösungen für die Aufgaben
1–6 auf dem Antwortbogen.
Lücke (0) ist ein Beispiel.
Leseverstehen

Sie lesen den folgenden Artikel in einer Zeitschrift:

Der Mars – bald eine Reise wert?

Könnten wir den eisigen Mars „terraformen“? Die Antwort lautet: 0 . Wir wissen heute,
dass es auf dem Mars einst wärmer war als heute. Es muss sogar Flüsse und Seen gegeben
haben. 1 Indem man genug Treibhausgase in seine Atmosphäre bläst. Ein großer Teil des
Kohlendioxids (CO2), das den Roten Planeten früher wärmte, ist wohl noch vorhanden – gebunden
in den Eiskappen der Pole und im Boden. Gefrorenes Wasser wurde ebenfalls nachgewiesen.
Technisch ist es also machbar, dort wieder Pflanzen wachsen zu lassen.
„Wir müssen nur die Temperatur ein wenig erhöhen und ein paar Samen ausstreuen“, sagt der
Nasa-Planetenforscher Chris McKay, „ 2 .“ Um den Prozess in Gang zu setzen,
kann man aus der Marsoberfläche Perfluorkohlenstoffe (PFC) gewinnen. PFC sind wirksame
Treibhausgase. Sobald sich die Atmosphäre aufheizt, wird gefrorenes CO2 aus den Böden frei. Ein
sich verstärkender Treibhauseffekt entsteht. Der Luftdruck steigt, und irgendwann fließt wieder
Wasser. Menschliche Pioniere können die Felsen mit Bakterien und Flechten „impfen“, die auf der
Erde gedeihen. Später bringt man Moose aus, dann Bäume. Die Pflanzen reichern die Atmosphäre
mit Sauerstoff an, doch bis wir sie atmen können, werden viele tausend Jahre vergehen.
Robert Zubrin, der Präsident einer Organisation zur Besiedlung des Mars, träumt schon von
Städten auf dem Mars. 3 „Wir werden auf dem Mars leben wie die Forscher heute in
der Antarktis“ – in kleinen Stationen also, ohne viel Komfort. Doch aus den Erfahrungen bei der
Umgestaltung des Mars könnten wir viel lernen, um künftig die Erde besser zu bewahren, meint er.
Das sind freilich noch Gedankenspiele. Zunächst will die Nasa wieder auf dem Mond landen oder
auf einem Asteroiden. 4 . Was es kosten würde, den Roten Planeten zu begrünen,
ist noch nicht einmal geschätzt.
Der Zeitplan für eine potentielle Besiedelung: 5 . Nach seinem sechs Monate
dauernden Flug zum Mars installiert zunächst jedes Team eine kleine Wohneinheit und legt damit
den Grundstein für die Besiedlung. Die ersten 100 Jahre: Die Atmosphäre wird dichter, wenn
man das an den Polkappen gebundene CO2 freisetzt. Um das zu erreichen, erzeugen Fabriken
Treibhausgase. Auch das Sonnenlicht konzentrierende Spiegel könnten das Eis auftauen. 200-
600 Jahre: Regen fällt und Wasser fließt, sobald ausreichend CO2 in der Atmosphäre die mittlere
Temperatur über den Gefrierpunkt angehoben hat. Bakterien, Algen und Flechten beginnen,
die steinige Wüste zu besiedeln. Später wachsen auch Blütenpflanzen und irdische Bäume aus
nördlichen Breiten. 900 Jahre: Die Energie für die Städte wird anfangs von Atomkraftwerken
und Windkraftanlagen produziert. 6 1000 Jahre: Marsbewohner können nur mit
Atemgeräten ins Freie, weil der Sauerstoffgehalt der Luft sehr langsam steigt. Langfristig wird der
Mars seine Atmosphäre auch wieder verlieren und erneut abkühlen.

Quelle: [Link] (zu Prüfungszwecken bearbeitet)

Übungstest 1
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Beispiel:

z Wahrscheinlich wäre es zu schaffen.

Leseverstehen
a Allerdings war die Atmosphäre niemals so dicht wie bei der Erde.

b Auf lange Sicht wären die besten Stromlieferanten aber wohl Fusionsreaktoren.

c Aus eigener Erfahrung wissen wir auch, wie man einen kühlen Planeten aufheizt:

d Das 1000-Jahres-Projekt beginnt mit einer Reihe von Expeditionen.

e Den Rest der Arbeit wird das Leben selber erledigen.

f Der Nasa-Experte Chris McKay sieht die Aussichten jedoch nüchterner:

g Doch selbst dafür fehlt es an Geld.

h Es gibt daher keine Gewässer mit flüssigem Wasser auf der Marsoberfläche.

Übungstest 1
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Leseverstehen, Teil 2
Lesen Sie den folgenden Text. In welchem Textabsatz a–e finden Sie die Antworten auf die Fragen 7–12?
Es gibt jeweils nur eine richtige Lösung. Jeder Absatz kann Antworten auf mehrere Fragen enthalten. Markieren
Sie Ihre Lösungen für die Aufgaben 7–12 auf dem Antwortbogen.

Beispiel:
Leseverstehen

In welchem Abschnitt …
0 möchte die Autorin die Leser unterhalten? a b c d e

In welchem Abschnitt …

7 ist die Autorin belehrend?

8 ist die Autorin polemisch?

9 übt die Autorin Selbstironie?

10 übt die Autorin Kritik?

11 zieht die Autorin Lehren für die Zukunft?

12 will sich die Autorin profilieren?

Ein Selbstversuch als Hobbybäuerin

a
Ich bin stolz auf mich und fühle mich richtig gut, weil ich meine ambitionierten Ziele bis jetzt immer
realisieren konnte. Damit meine ich nicht nur die beruflichen Ziele, sondern auch meine privaten, denn
diese können ja bekanntlich gleichermaßen anspruchsvoll sein. Wenn ich jetzt nach vielen Jahren Bilanz
ziehe, macht mich das Ergebnis sehr zufrieden. Bin ich vielleicht sogar eine Heldin? Diese Frage habe
ich mir nun eine Woche lang gestellt. Nicht, weil ich unbedingt mit einer Großtat in die Geschichtsbücher
eingehen wollte, sondern vor einer weiteren Herausforderung stehe. Eine selbstauferlegte Aufgabe, die
es zu meistern gilt. Ich muss mich bis Ende Oktober entscheiden, ob ich mein Stück Gartenland auch im
nächsten Jahr wieder bestellen will. Wenn ja, wird es für mich reserviert, sobald der Frühling kommt. Es
liegt vor den Toren Münchens, und ich habe darauf nun einen Sommer lang Gemüse angebaut. Wenn ich
Hobbybäuerin bleiben will, muss ich mich bereits jetzt als Ackerheldin für das kommende Jahr anmelden.

Übungstest 1
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b
Bin ich nun eine Heldin oder nicht? Nun kann man über meine Leibesstärke diskutieren; ich würde
jedenfalls behaupten, meine geistige Stärke ist ausgeprägter. Und besondere Tapferkeit kann ich mir auch
nicht wirklich zusprechen. Ich war höchstens eine Heldin der Arbeit, als ich auf dem Acker herumkroch.
Menschen, die mich kennen, hätten mich in meinem Outfit nicht wiedererkannt. Ich habe gebuddelt, was
das Zeug hielt, und an besonders warmen Tagen konnte ich meinen Körpergeruch selbst kaum ertragen.
Mit schwarzen Fingernägeln und zersaustem Haar fuhr ich dann nach getaner Arbeit nach Hause und war

Leseverstehen
froh, dass ich zumindest dazu noch in der Lage war. Ich hatte also die Schlacht gewonnen. Mein Leben
habe ich dabei nicht riskiert, höchstens ab und zu meine körperliche Unversehrtheit, wenn die Mücken
mal wieder zubissen oder der Muskelkater schmerzte. Immerhin stellte ich mich allwöchentlich dem Kampf
gegen einen unerbittlichen Kontrahenten: das Unkraut. So gesehen bin ich zumindest eine Ackerheldin,
die den Kampf für sich entscheiden konnte. Häufig siegte aber auch der Acker – über meine Kraft (mehr
als zehn Gießkannen Wasser konnte ich bei 30 Grad einfach nicht schleppen) und vor allem über meinen
inneren Schweinehund. Wenn ich mich mal nicht aufraffte, zum Feld zu fahren, plagte mich das schlechte
Gewissen.

c
Einige Freundschaften hat es mich auch gekostet: Ein Freund redet nicht mehr mit mir, seit er zum
Unkrautrupfen mitkam. Wir gerieten über die Frage, wie weit man Salat von Radieschen fernhalten
sollte, in einen lächerlichen Streit. Eine Freundin, die sich an einem Nachmittag als Erntehelferin beteiligt
hatte, wurde von einer Wespe ins Ohr gestochen und musste sich in ärztliche Behandlung begeben.
„Du und dein Acker!“, schnaubte sie später ins Telefon, „wir sehen uns wieder, wenn die Saison vorbei
ist.“ Andere Freunde riefen mich immer seltener an, weil sie befürchteten, ich könnte sie um Hilfe bitten.
In dieser Zeit begann ich immer häufiger über meine Freunde nachzudenken und erkannte den Wert
meiner Freundschaften. Sie konnten nicht einmal banalen Dingen standhalten. Nun wusste ich, wie meine
sogenannten Freunde tickten. „So ein unzuverlässiges und treuloses Pack“, dachte ich mir ganz oft. Mit
diesen Subjekten habe ich mal meine Zeit verbracht; welch eine Verschwendung.

d
Man muss auch beim Bewältigen der Erntemengen Ideen sprießen lassen, schließlich wird vieles gleichzeitig
reif. Und man muss bestimmte Abstriche machen, wenn man nur einmal pro Woche vor Ort sein kann. Das
ist wie im wirklichen Leben: Bedenken Sie, dass wir auch im Job gleichzeitig an vielen Projekten arbeiten
und uns selten den Luxus gönnen, eine Sache nach der anderen abzuarbeiten. Das gilt natürlich auch für
unser Privatleben, wo wir meist mehrere Baustellen haben und oft gar nicht wissen, wo wir anfangen sollen.
Was die Abstriche angeht, so verhält es sich nicht anders. Man hat in der Regel immer Zeitdruck und ein
begrenztes Budget. Das ist einfach die Realität, ob es uns nun gefällt oder nicht. Ich kann jedem, der sich
in solchen Situationen überfordert fühlt, nur raten, nicht zu perfektionistisch an eine Sache heranzugehen.
Lernen Sie Kompromisse zu machen und damit zu leben. Mieten Sie sich notfalls einen Garten, so wie ich
es gemacht habe. Ich garantiere Ihnen: Sie lernen dabei nicht nur etwas über Gemüseanbau!

e
Im Grunde haben wir uns beide heldenhaft geschlagen, der Acker und ich. Er hat mich einen Sommer lang
genauso überlebt wie ich ihn. Wenn ich mich nächstes Jahr wieder auf das Abenteuer „Garten“ einlasse,
will ich es tapfer und aufopfernd tun, aber ich will nachsichtig mit mir sein. Superman hatte ebenfalls einen
Bürojob, und er rettete die Welt schließlich auch nicht in eineinhalb Stunden.
Quelle: [Link] (zu Prüfungszwecken bearbeitet)

Übungstest 1
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Leseverstehen, Teil 3
Lesen Sie den folgenden Text und die Aussagen 13–23. Welche der Aussagen sind richtig (+), falsch (–)
oder gar nicht im Text enthalten (x)? Es gibt jeweils nur eine richtige Lösung. Markieren Sie Ihre Lösungen
für die Aufgaben 13–23 auf dem Antwortbogen.
Leseverstehen

(ÜBERSCHRIFT)

1 Die Wissenschaft und ihre Protagonisten sind inzwischen zu Lieblingen der Filmschaffenden
avanciert – diesen Eindruck jedenfalls bekommt schnell, wer einmal die großen Kinofilme Revue
passieren lässt: Mit Alan Turing und Stephen Hawking wurden innerhalb eines Jahres in „The
Imitation Game“ beziehungsweise „The Theory of Everything“ gleich zwei genialen Forschern
monumentale filmische Denkmäler gesetzt, während ein sarkastisch-sympathischer Botaniker und
dessen Erfindergeist ins Zentrum des Geschehens auf dem Roten Planeten rückte. Nur wenig
früher hatten in „Interstellar“ und „Contagion“ Wissenschaftler heldenhaft die Menschheit vor der
sicheren Auslöschung durch Umweltkatastrophen und Killerviren bewahrt. Und in „Gravity“ kämpft
die Filmheldin Dr. Ryan Stone nicht nur gegen die Unwirtlichkeit des Weltraums an, sondern auch
gegen ihre eigenen Schwächen.
2 All das ist insofern bemerkenswert, als alle westlichen Filmkulturen lange Zeit auf wenige,
sich ähnelnde Typen von Wissenschaftlern setzten, die sich von den Anfängen des filmischen
Erzählens bis in die Gegenwart hinein kaum verändert haben. Das schmale Spektrum ihrer
Charaktereigenschaften reichte vom machtbesessenen Bösewicht bis zur Lachnummer mit wirren
Haaren und weißem Kittel. Die Ambivalenzen einer komplexen Persönlichkeit suchte man meist
vergeblich.
3 In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ist der Wissenschaftler im Film ein Verrückter, ein
„mad scientist“. In seiner bösen, düsteren Ausprägung geht er in geheimen Labors monströsen
Forschungsprojekten nach, losgelöst von der Welt und der Kontrolle einer Akademie. Oft
experimentiert er an Tieren oder Menschen, züchtet künstliches Leben oder arbeitet auf die
Vernichtung der ganzen Menschheit hin. Bösewichte dieser Art begegnen uns als „Dr. No“, James
Bonds allererstem Gegenspieler, in Stanley Kubricks „Dr. Seltsam“, in der Figur des Rotwang in Fritz
Langs „Metropolis“, der mit einem Maschinenmenschen die Massen aufzuwiegeln versucht, sowie
in den zahlreichen Frankenstein-Verfilmungen.
4 Führt der verrückte Wissenschaftler einmal nichts Böses im Schilde, zeitigt sein Forschergeist im
Unterhaltungsfilm eben unbeabsichtigt schlimme Folgen – etwa weil ein Experiment schiefgeht oder
die Ergebnisse seiner harten Arbeit für einen anderen als den vorgesehenen Zweck verwendet werden.
So wird John Hammond in „Jurassic Park“ in jenem Moment zum „mad scientist“ wider Willen, in dem
die von ihm erschaffenen Dinosaurier den Freizeitpark samt Personal und Besuchern verschlingen.
Wenig besser ergeht es Dr. Bruce Banner in „The Incredible Hulk“, der sich infolge radioaktiver
Bestrahlung unversehens in ein gemeingefährliches grünes Monster verwandelt. Ein anderes
berühmtes Beispiel ist der Wissenschaftler aus „Die Fliege“. Er ist mit einem Experiment zur Auflösung
und Wiederzusammensetzung von Materie beschäftigt. Bei einem Selbstversuch gelangt eine Fliege
in die zu diesem Zweck erbaute Maschine und sorgt für eine Vermischung der Körper. Der Mann hat
plötzlich Kopf und Arme einer Fliege und muss sich von seiner Frau, die ihn aber nur verhüllt sehen darf,
versorgen lassen.
5 Kaum schmeichelhafter ist die Rolle, die dem Wissenschaftler in der Komödie zufällt: Dort tritt er, wie
beispielsweise Doc Brown in „Back to the Future“, typischerweise als schrulliger Professor mit wirrem Haar
und weißem Kittel in Erscheinung, der bei aller Tollpatschigkeit aber immerhin eine harmlose, zuweilen
liebenswerte Gestalt ist. Nur als Abenteurer dürfen Wissenschaftler im Actionfilm auch einmal in die Rolle
des Helden schlüpfen. Die Indiana-Jones-Filme sind ein eindrückliches Beispiel dafür – wenngleich Jones’
Ehrgeiz offensichtlich weniger der Archäologie als dem Erbeuten von wertvollen Artefakten gilt.

Übungstest 1
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6 „Im Film gibt es viele schlechte und nur wenige gute Wissenschaftler, aber vor allem nur eine überschau-
bare Anzahl an Stereotypen“, konstatieren deshalb Peter Weingart und Petra Pansegrau von der Uni-
versität Bielefeld, die die Darstellung von Wissenschaftlern im Film einer systematischen Untersuchung
unterzogen. Tatsächlich sind die Rollenklischees, die Wissenschaftler im Film ausfüllen, aber sehr viel
älter als die Filmgeschichte. Sie lassen sich bis in die Literatur des Mittelalters zurückverfolgen, wo der
„böse Alchemist“ als Prototyp des skrupellosen „mad scientist“ in Erscheinung tritt. In beiden spiegelt
sich laut Weingart jene Ambivalenz, mit der Wissenschaft und Technik seit je wahrgenommen werden:

Leseverstehen
Forschung weckt Hoffnungen, aber auch tiefgreifende Ängste; sie verspricht Fortschritt und Wohlstand,
birgt aber in der öffentlichen Wahrnehmung zugleich große Zerstörungspotenziale.
7 Diese extremen Gegensätze verdichten Literatur und Film in der Figur des Wissenschaftlers. In
diesem Sinne manifestiert sich im Stereotyp des „mad scientist“ ein gesellschaftlich weitverbreitetes,
fundamentales Misstrauen wissenschaftlichen Tätigkeiten gegenüber, das auch damit begründet
wird, dass, was einmal gedacht ist, nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Das erklärt auch,
warum im Film auch vor allem Mediziner, Physiker und Chemiker als Bösewichte herhalten müssen:
Ihre Disziplinen vermögen die Welt zum Guten wie zum Bösen zu verändern und bieten entsprechend
viel Raum für Schreckensszenarien. Astronomen und Archäologen hingegen, deren wissenschaftliche
Arbeit sich auf das Beobachten beschränkt, fällt im Film die Rolle des Abenteurers zu.
8 Nun kann die Wissenschaft von heute kaum als weniger komplex oder weniger konfliktgeladen
gelten als jene vergangener Zeiten. Nach wie vor taugt sie als Lieferant für Szenarien globaler
Bedrohung, bieten sich doch Kernkraft, Killerviren, Gen- und Nanotechnologie oder künstliche
Intelligenz als Kulisse für filmische Dystopien nach den alten Schemata an. Woran also liegt es, dass
Filmschaffende neuerdings einen anderen Umgang mit ihren Wissenschaftlerfiguren pflegen?
9 Nur vordergründig seien die alten Klischees verschwunden, sagt dazu Sven Stollfuss,
Medienwissenschaftler an der Universität Bayreuth. Doch sei das Bild bunter geworden, weil
stereotype Grundmuster von Filmcharakteren heute stärker vermischt, untereinander „hybridisiert“
würden, um die Figuren plastischer erscheinen zu lassen. Dieser Wandel ist laut Stollfuss nicht nur
auf Wissenschaftler beschränkt; sondern lässt sich genauso bei anderen Filmfiguren beobachten:
Auch Verbrecher sind im Film nicht mehr nur böse, Ärzte geben sich gelegentlich zynisch statt
empathisch, und Polizisten müssen nicht mehr laufend den Helden spielen.
10 Diese Entwicklung hänge mit einem allgemeinen Bestreben hin zu einer vielschichtiger angelegten
Erzählweise und Storyentwicklung zusammen, sagt Stollfuss. Filmschaffende bemühten sich heute
generell um authentischere Charaktere, recherchierten genauer. Aus holzschnittartigen Stereotypen
würden dadurch vielschichtige Protagonisten mit jeweils individuellen Zügen.
11 Das heute vorherrschende Stereotyp vom professionellen Wissenschaftler ist demnach das eines
Nerds, bei dem fachliche Brillanz mit mehr oder minder schwerwiegenden sozialen Handicaps und
einem gewissen Außenseitertum einhergeht – dabei aber Raum für Coolness, Liebenswürdigkeit,
ausgeprägten Sarkasmus oder eine Frohnatur lässt. Am deutlichsten zeigt sich das derzeit in
aktuellen US-Serien, etwa in den Protagonisten von „CSI – Crime Scene Investigation“, die dank
wissenschaftlicher Kompetenz in der Verbrechensbekämpfung brillieren. Und „The Big Bang Theory“
verleiht gleich einer ganzen Wohngemeinschaft voller Wissenschafts-Nerds Kultstatus.
12 Ganz passé sind die alten Stereotype also nicht. Doch transportieren Wissenschaftler im Film heute
keine gezielte, grundsätzliche Kritik am Wissenschaftsbetrieb mehr, wie das bei den „mad scientists“
der Fall war. Das mag auch daran liegen, dass die erzählten Handlungen komplexer geworden sind.
Drohszenarien gehen kaum noch monokausal von einem Bösewicht aus, sondern werden eher als
strukturell bedingt dargestellt: Beispielsweise gelangen die üblen Viren in „Contagion“ ganz banal
durch Mutation in die Welt, obwohl zum Zeitpunkt der Entstehung des Films das Horrorszenario
eines irren Biologen, der ein Killervirus in die Welt setzt, in Wissenschaft und Medien breit diskutiert
wurde.
13 Derart befreit von der Rolle des Übeltäters können sich die neuen Wissenschaftler im Film nun ganz
auf ihre Laborarbeit konzentrieren – und nebenbei mal eben die Welt retten.
Quelle: [Link] (zu Prüfungszwecken bearbeitet)

Übungstest 1
12
9 0 Minu ten L esever s tehen und Sprachbaus teine

Welche der Aussagen sind richtig (+), falsch (–) oder nicht im Text enthalten (x)?

13 In den Unterhaltungsfilmen der letzten Jahre werden Wissenschaftler vorwiegend als skrupellose
Bösewichte dargestellt.

14 In Science-Fiction-Filmen verbinden sich archaische Erzähltraditionen mit aktuellen Tendenzen der


Wissenschaft.
Leseverstehen

15 In der Filmgeschichte ist die Bandbreite der Wissenschaftler-Typen ausgesprochen vielschichtig.

16 Der „böse“ verrückte Wissenschaftler hat nur ein Ziel: die Weltherrschaft zu erobern.

17 Fiktive Figuren wie Bruce Banner oder Indiana Jones sind in der Öffentlichkeit bekannter als reale
Forscherpersönlichkeiten.

18 Die Figur des verrückten Wissenschaftlers hatte bereits im Mittelalter literarische Vorläufer.

19 Reale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kritisieren das Rollenbild des „mad scientist“ in
Unterhaltungsfilmen.

20 Die Gesellschaft hat auch heute noch ein zwiespältiges Verhältnis zur Wissenschaft und Technik.

21 Der Wandel der Wissenschaftlerfigur ist auf eine generelle Veränderung der Erzählweise im Film
zurückzuführen.

22 Heutzutage werden Wissenschaftler im Film zunehmend als sympathische Sonderlinge mit


außerordentlicher Fachkompetenz dargestellt.

23 Im Gegensatz zu den „mad scientists“ üben moderne Wissenschaftlerfiguren systematisch Kritik an


wissenschaftlicher Forschung.

Welche der Überschriften a, b oder c trifft die Aussage des Textes am besten? Markieren Sie Ihre Lösung
für die Auf­gabe 24 auf dem Antwortbogen.

24 a Fakt versus Fiktion – Wissenschaftler wollen ihr Image im Film verbessern


b Verrückt und gefährlich – warum Wissenschaftler im Film immer die Bösen sind
c Zwischen Genie und Wahnsinn – Stereotypen von Wissenschaftlern im Film

Übungstest 1

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