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Ubiquitous Computing

Ubiquitous Computing, geprägt von Mark Weiser, beschreibt die Allgegenwart und Unsichtbarkeit von Computern im Alltag, um Menschen bei ihren Aufgaben zu unterstützen. Das Konzept umfasst Technologien wie das Internet der Dinge, Cloud Computing und Pervasive Computing, die eine nahtlose Interaktion zwischen Mensch und Computer ermöglichen. Die Entwicklung erfordert eine verteilte Infrastruktur, Miniaturisierung von Hardware und adaptive Entscheidungsalgorithmen, um den Computern eine kontextbewusste Funktionalität zu verleihen.

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Ubiquitous Computing

Ubiquitous Computing, geprägt von Mark Weiser, beschreibt die Allgegenwart und Unsichtbarkeit von Computern im Alltag, um Menschen bei ihren Aufgaben zu unterstützen. Das Konzept umfasst Technologien wie das Internet der Dinge, Cloud Computing und Pervasive Computing, die eine nahtlose Interaktion zwischen Mensch und Computer ermöglichen. Die Entwicklung erfordert eine verteilte Infrastruktur, Miniaturisierung von Hardware und adaptive Entscheidungsalgorithmen, um den Computern eine kontextbewusste Funktionalität zu verleihen.

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net/publication/233922480

Ubiquitous Computing

Chapter · October 2012


DOI: 10.1515/9783110224948.735

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4 authors, including:

Codrina Lauth Bastian Pfleging


Copenhagen Business School & TU Munich TU Bergakademie Freiberg
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Albrecht Schmidt
Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU Munich)
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UBIQUITOUS COMPUTING 1

Ubiquitous Computing
Tim Oliver Schmidt
Seminar Studienprojekt A - LaVida
24. Januar 2011

Zusammenfassung — Ubiquitous Computing wird von dem umgeleitet werden. So werden einerseits die Verspätungen
Urheber des Wortes, Mark Weiser, als die dritte große Phase der vermindert und andererseits kann sich der Fahrgast auf die
EDV angesehen. Er hat sich bereits im Jahre 1988 sehr intensiv veränderten Fahrzeiten einstellen und so unter Umständen
Gedanken zu diesem Thema gemacht und wegweisende Überle-
gungen gehabt. Kerngedanke des Ubiquitous Computing ist die Verbindungen nutzen, die er laut Fahrplan nicht hätte nutzen
Allgegenwart des Rechners und die gleichzeitige Unsichtbarkeit. können.
Neben der technischen Betrachtung werden in diesem Paper auch Hinter dem Ubiquitous Computing steckt die Idee, den
Chancen und Risiken des Ubiquitous Computing beleuchtet. Menschen bei seinen alltäglichen Aufgaben so gut wie mög-
lich zu unterstützen. Dabei soll der Computer nicht in den
I. E INLEITUNG Vordergrund treten, sondern dem Menschen den Eindruck
vermitteln, er habe das Problem gänzlich selbst gelöst.
BIQUITOUS COMPUTING ist ein Begriff, der 1987
U von Mark Weiser geprägt wurde. Er setzt sich aus den
englischen Wörtern „ubiquity“ und „computing“ zusammen.
Es gibt noch ein paar Begriffe, die auch noch geklärt werden
sollten, da sie im Zusammenhang mit Ubiquitous Computing
oft fallen.
Möchte man den Begriff übersetzen, so käme man auf den
Begriff Rechnerallgegenwart. Was genau man unter dem Be- A. Internet der Dinge
griff versteht, was für den Aufbau von Ubiquitous Computing
Umgebungen nötig ist und was für Risiken sich dahinter Das Internet der Dinge wird als die elektronische Vernet-
verbergen, werde ich nachfolgend klären. zung der Gegenstände des Alltags beschrieben. Man kann
also sagen, dass das Internet der Dinge Voraussetzung bzw.
Bestandteil des Ubiquitous Computings ist.
II. B EDEUTUNG
Immer mehr Geräte des Alltags sind mit Computern oder B. Cloud Computing
so genannten Embedded Systems ausgerüstet. Als Beispiel für
Unter Cloud Computing versteht man den Ansatz, Re-
Ubiquitous Computing zeige ich zunächst den Unterschied
chenleistung, ganze Softwaresysteme, Datenspeicher, usw. als
zwischen einem herkömmlichen öffentlichen Nahverkehrsbe-
Service dynamisch an den Bedarf angepasst im Netzwerk zur
trieb aus dem 20. Jahrhundert und einem Betrieb aus dem 21.
Verfügung zu stellen. Die Verarbeitung dieser Daten erfolgt
Jahrhundert, der die Vorzüge des Ubiquitous Computing nutzt.
Im 20. Jahrhundert sind die Fahrpläne der Verkehrsmittel, daher für den Nutzer transparent und verblasst so zu einer
wie z.B. Bus oder Bahn nur an vorgegebenen festen Standorten Wolke.
In Fig. 1 sind ein paar Dienstleister aufgeführt, die Cloud-
verfügbar. Wann die Verkehrsmittel ihre geplanten Haltestel-
computing Dienste anbieten. Bei Google gehören z.B. An-
len tatsächlich erreichen, ist sowohl der Leitstelle als auch
wendungen wie Google Docs oder der Google Kalender zum
den Passagieren nur eingeschränkt ersichtlich. Die Passagiere
Cloudcomputing.
können an Haltestellen ankommen und müssen dort mit langen
Wartezeiten rechnen. In einem solchen manuellen System
haben die Fahrer die Möglichkeit, die Leitstelle per Funk C. Pervasive Computing
über Fahrplanabweichungen zu informieren. Die Leitstelle Pervasive Computing kann mit Rechnerdurchdringung über-
kann oft nur über Lautsprecherdurchsagen die Passagiere über setzt werden. Pervasive Computing ist synonym zu Ubiquitous
Verspätungen an den Haltestellen informieren. Computing. Es ist ein von der Industrie geprägter Begriff. Das
Im Gegensatz dazu wird in einem Verkehrsunternehmen des Ziel von Pervasive Computing ist die durch die Rechnerdurch-
21. Jahrhunderts die Position des Fahrzeugs mit Hilfe von dringung erlangten Daten kommerziell zu nutzen.
GPS ermittelt und über Funk übertragen. Die Zeit, die benötigt
wird, um die nächsten Haltestellen anzufahren wird für jedes III. G ESCHICHTE
Fahrzeug abhängig von der aktuellen Position und gespei- 1987 fängt Mark Weiser als Forscher beim Xerox Palo Alto
cherten Daten von anderen Fahrzeugen dieser Linie, ermittelt. Research Center (PARC) an (Californien). Ein Jahr später
Auf diese aktuellen Ankunfts- bzw. Abfahrtszeiten kann auf ist es soweit – die Sternstunde des Begriffes „Ubiquitous
ubiquitäre Weise über Handys zugegriffen werden. Fahrzeuge Computing“. Im Jahre 1991 veröffentlicht der Scientific Ame-
auf der Strecke können Orte markieren, die voraussichtlich zu rican, eine bekannte Wissenschaftszeitschrift, den Artikel „The
Fahrplanabweichungen bei anderen Fahrzeugen in der Nähe Computer for the 21st Century“ von Mark Weiser. Er hat bis
führen. Diese markierten Orte können von allen folgenden zuletzt am Ubiquitous Computing geforscht und ist acht Jahre
Fahrzeugen eingesehen und entsprechend der markierten Orte später, im Jahre 1999 einem Krebsleiden erlegen. [2]
UBIQUITOUS COMPUTING 2

Fig. 1. Cloudcomputing [1]

A. Mark Weisers Vision


Mark Weiser vergleicht den Computer mit anderen all-
täglichen Techniken. So zieht er parallelen zwischen der
Möglichkeit, gesprochene Sprache mit Hilfe von Symbolen
langfristig festzuhalten und den Möglichkeiten, die ein Com-
puter bietet. Straßenschilder werden vom Menschen z.B. nicht
als Straßenschilder wahrgenommen, sondern lediglich deren
Bedeutung. Und dies geschieht ohne längere Überlegung. Er
vergleicht die Fähigkeiten von Autoren mit den Fähigkeiten
derer, die einen Computer bedienen sollen. Er erkennt, dass
die Bedienung eines Computers nur mit einem komplexen
Jargon möglich ist, der nichts mit der eigentlichen Aufgabe, Fig. 2. Das Active Badge [11]
für die die Menschen den Computer nutzen, zu tun hat. Er
vergleicht das mit der Zeit, als Autoren noch wissen mussten,
wie man Tinte herstellt. Er möchte die Computer in den der Experimentalumgebung Türen nur dann, wenn der richtige
Hintergrund „verdrängen“ und den Spieß umdrehen, indem er Badge vor der Tür stand. [11]
fordert, dass sich der Computer dem Menschen anpasst und
nicht umgekehrt. Jeder Mensch muss von dem Umfeld des B. Die drei großen Computerzeitalter
Ubiquitous Computing unterstützt werden und der Computer
soll dem Menschen keinerlei Mehraufwand aufbürden. Mark Mark Weiser und John Seely Brown teilen die letzten 50
Weiser hat ziemlich konkrete Vorstellungen davon, wie das Jahre der EDV in drei Zeitalter ein:
ubiquitäre Umfeld aussehen könnte. Er hat während seiner Zeit • Mainframe

im Palo Alto Research Center mit seinen Kollegen Computer • Personal Computer

in verschiedener Größe, jeden für einen bestimmten Zweck • Ubiquitous Computing

gebaut. Sie haben „tabs“ (einige Inch groß), „pads“ (etwa 1) Mainframe: Die erste Ära ist die des Mainframe (Groß-
in der Größe eines Magazins) und „boards“ (in der Größe rechner). So wird die Beziehung zwischen Mensch und Com-
einer Tafel) gebaut. Nach Weisers Vorstellung sollten in einem puter bezeichnet, in der meist Experten hinter verschlosse-
Raum je nachdem mehr als 100 Tabs, 10 bis 20 Pads und ein nen Türen mit ihnen arbeiteten. Immer dann, wenn wenige
is zwei Boards sein. Er vermutete, dass hunderte Computer Computer da sind und man sich diese anderen Teilen muss,
in einem Raum zunächst ähnlich einschüchtern könnten wie sprechen wir von der Ära des Mainframe. Auch heute gibt
einst einige 100 Volt, die durch die Kabel in den Wänden es noch Mainframe Computing, wie z.B. bei der Berechnung
fließen. Doch wie die Kabel auch, werden die Computer großer physikalischer Modelle, wie dem Wetter. Wenn viele
in der normalen Wahrnehmung verschwinden. Mark Weiser Menschen sich einen Computer teilen, handelt es sich um
hatte schon damals die Idee etwas ähnliches wie die heutigen Mainframe Computing.
RFID Chips zu entwickeln. Er nannte es „active badge“ (siehe 2) Personal Computer: Der zweite große Trend ist der des
Fig. 2), was eine Art tragbarer Computer war, der in etwa Personal Computers. 1984 überstieg die Zahl der Menschen,
so groß war wie eine normale Mitarbeiter ID Karte. Diese die einen PC nutzen, die Zahl derer, die sich einen Computer
Badges waren mit Infrarot Dioden ausgestattet und konnten teilen. Die Beziehung zu einem Personal Computer ist persön-
so ihren Träger identifizieren. Mit diesen Badges öffneten in lich bzw. intim.
UBIQUITOUS COMPUTING 3

genden. Sie befinden sich in einer Mensch-zentrierten per-


sonalisierten Umgebung und interagieren mit den Menschen
weniger aufdringlich. Sie sind ein Teil der physikalischen Um-
gebung und nehmen diese mehr wahr, was zur Konsequenz hat,
dass sie sich besser anpassen können und in der Umgebung
agieren bzw. sie kontrollieren können.
Was für Anforderungen werden an diese Systeme gestellt,
dass sie sich entsprechend verhalten können?
Die Computer müssen untereinander vernetzt sein, sie müs-
sen verteilt und transparent zugänglich sein. Transparent zu-
gänglich heißt, dass zum Beispiel Sender einer Nachricht be-
stimmen, wem sie was schicken wollen und nicht mehr wohin
sie es schicken wollen. Zudem muss die Human Computer
Interaktion mehr im Verborgenen bleiben. Explizite HCI soll
weniger werden, sodass der Mensch sich bei der Eingabe nicht
mehr so sehr auf den Computer konzentrieren muss.
Fig. 3. Trends der drei Computerzeitalter [4] Es wird Kontextsensitivität von dem Computer erwartet.
Das heißt, er muss wissen, in welcher Umgebung er sich
befindet, und was sich dort noch befindet. Um den Menschen
bestmöglich unterstützen zu können, wird von dem Computer
sowohl autonomes Handeln als auch der Umgang mit einer
Vielzahl dynamischer Abläufe und Interaktionen erwartet. [10]

A. Implicit Human-Computer Interaction (iHCI)


Ein großer Teil der Mensch-Geräte Interaktion ist darauf
ausgelegt explizite Mensch-Computer Interaktion zu unterstüt-
zen. Beispielsweise das Aktivieren von bestimmten Buttons in
einer bestimmten Reihenfolge. Zusätzlich werden mehr und
mehr Aufgaben automatisiert, was immer mehr verschiedene
Geräte hervorbringt, die zusammenarbeiten müssen um die
Aufgaben zu erledigen. Diese unglaubliche Flut an expliziter
Interaktion überwältigt die Benutzer. Aus diesem Grund müs-
Fig. 4. System Modell. Die gestrichelte Linie zeigt die Grenze des UbiCom sen interaktive Systeme so ausgelegt werden, dass sie einen
Systems an. [10] höheren Grad an impliziter Mensch-Computer Interaktion zu-
lassen. [10]

Der PC lässt sich größtenteils mit dem Auto vergleichen. Er ist


B. Calm Computing
ein besonderer, relativ teurer Gegenstand, der einen mit einem
beachtlichen Maß an Aufmerksamkeit überall hinbringt, wo Das Konzept des Calm Computings greift Mark Weisers
man hin möchte. Und wie beim Auto, kann man auch mehrere Vision auf, dass der Computer einmal die Rolle eines Ver-
PCs haben. Jeder Computer, zu dem man ein besonderes kehrsschildes einnehmen kann. Der Mensch soll auf den ersten
Verhältnis hat, oder der die ganze Aufmerksamkeit benötigt, Blick ohne darüber nachdenken zu müssen Informationen
ist ein Personal Computer. erhalten können, die ihm nützlich sind. Die Bedienung muss
3) Ubiquitous Computing: Die dritte große Epoche ist die so intuitiv und implizit sein, dass der Computer dadurch für
des Ubiquitous Computing. Mark Weiser und John Seely den Menschen in den Hintergrund gerät. [10]
Brown erwarteten den Kreuzungspunkt von Personal Com-
puting und Ubiquitous Computing zwischen 2005 und 2025. V. T ECHNISCHE VORAUSSETZUNGEN
Merkmal dieser Epoche ist, dass viele Computer jeden von Ubiquitous Computing benötigt eine verteilte Infrastruktur
uns umgeben. Zum einen werden das die sein, die wir beim für Sensoren und Schnittstellen, um an jedem Ort Zugriff
surfen im Internet benötigen und zum anderen werden sie in auf verschiedene Sensoren zu haben. Um überall an Daten,
alltäglichen Gegenständen, wie Stühlen, Wänden, Kleidern, seien es eigene, oder welche aus dem Internet heranzukom-
Autos usw. in verschiedenen Größenordnungen zu finden sein. men, ist auch für den Transport von Daten eine verteilte
[3] Infrastruktur nötig. Es wird, wie bei jedem anderen Com-
putersystem auch, Rechenleistung benötigt. Diese kann von
IV. K ERNEIGENSCHAFEN einem oder mehreren verteilten Computern stammen und dient
Kerneigenschafen, die Ubiquitous Computing Systeme von der Datenverarbeitung und dem Treffen von Entscheidungen.
gewöhnlichen verteilten Systemen unterscheidet, sind die fol- Der Entscheidungsalgorithmus sollte adaptiv sein, d.h. sich an
UBIQUITOUS COMPUTING 4

Fig. 5. RFID Tags [5]

Fig. 6. Wearable Computing [6]


unterschiedliche Bedingungen und Kontexte anpassen können.
[10] Die Entwicklung geht hier in Richtung künstliche Intelli-
genz. Es muss Zugriff auf einen oder mehrere Datenspeicher
geben und über eine Anbindung an externe Datenquellen und
Dienste verfügt werden. Zu guter Letzt werden Komponenten
zur Umsetzung von den getroffenen Entscheidungen benötigt
wie z.B. Aktoren zum Öffnen und Schließen von Fenstern oder
der Motor einer Jalousie.

A. Hardware
Ein wichtiger Punkt bei der Hardwareentwicklung ist die
fortschreitende Miniaturisierung. Sie ermöglicht die Einbet-
tung von Chips in die Gegenstände unserer Umwelt: Computer
werden allgegenwärtig. Ein erster Vorläufer dieser Entwick- Fig. 7. Übersicht Sensoren [7]
lung ist die RFID-Technologie (Radio Frequency Identification
– Identifizierung per Funk). RFID-Tags können jedes Objekt
mit einer eindeutigen Kennung versehen. Wird nun die Ken- Intelligente Materialien sind z.B. Verbundwerkstoffe mit
nung des RFID-Tags und die Eigenschaften des Objekts in integrierten piezoelektrischen Fasern oder elektrisch oder ma-
einer Datenbank hinterlegt, so kann man schnell und einfach gnetisch aktive Polymere. Diese Verbundwerkstoffe können
Informationen über das getaggte Objekt erhalten. Es wird sowohl sensorische Funktionen als auch aktuatorische Funk-
zwischen aktiven und passiven RFID Tags unterschieden. Ak- tionen übernehmen. Z.B. durch elektrische Ansteuerung eine
tive RFID Tags haben typischerweise eine Auslesereichweite Bewegung oder Verformung erzeugen.
von 20 bis 100m. Sie benötigen eine Batterie und werden Kleinere Bauteile, die weniger Energie verbrauchen und ge-
z.B. an großen Cargo-Containern verwendet. Passive RFID gebenenfalls aus neuen Materialien bestehen, lassen neue Bau-
Tags benötigen keine Batterie. Sie beziehen die Energie, die formen zu. Das erleichtert das entwickeln mobiler Systeme,
sie benötigen, um die Informationen zu übermitteln, vom die sich dynamisch miteinander in Kommunikationsbeziehung
Lesegerät. Die Leistung liegt zwischen 10 µW und 1 mW. Die setzen. Das bekannteste Beispiel für solche neuen Bauformen
Auslesereichweite liegt hier bei wenigen Zentimetern bis zu ist das sogenannte Wearable Computing die Integration von
10 Metern. [10] Passive RFID Tags werden z.B. im ecus, dem Systemen in Kleidung.
Studentenausweis der Uni Stuttart, oder Karten zum Öffnen Um sich der Umwelt perfekt anzupassen, werden gute Sen-
von Türen oder Schranken verwendet. soren benötigt. Dank der Entwicklung im Bereich der Sensorik
Ein weiterer wichtiger Bereich für die Verbreitung von sind neben optischen und akustischen Sensoren, die z.T. Die
allgegenwärtigen Computern ist die Energieversorgung. Durch Wahrnehmung des Menschen bei weitem übertreffen, auch
mobile Computer, die immer leistungsfähiger werden und olfaktorische Sensoren, mit denen Geruch gemessen werden
dabei aber längere Betriebszeiten haben sollen, ist eine starke kann, und viele andere z.B. zum Messen von Geschwindigkei-
Entwicklung im Bereich der mobilen Energieversorgung zu ten, Schall usw. verfügbar. Die Sensoren werden dabei immer
beobachten. Es werden nicht nur die Energiespeicher verbes- feiner auflösend, kostengünstiger und kleiner.
sert, sondern auch der Stromverbrauch gesenkt. Meist werden Geräte wie das iPhone, PDAs oder andere Smartphones sind
wiederaufladbare Lithium Ionen oder Lithium Polymer Akkus heute dank ihrer Betriebssysteme nicht mehr auf vorgegebene
in mobilen Geräten eingesetzt. Abläufe beschränkt. Auf ihnen laufen (soweit die Hardware
UBIQUITOUS COMPUTING 5

es zulässt) prinzipiell beliebige Anwendungen. ist eine Funkverbindung, die für kurze Strecken ausgelegt
ist und auf dem selben Frequenzbereich läuft, wie WLAN.
VI. S OFTWARE Bluetooth Verbindungen haben allerdings eine höhere Leis-
tungsaufnahme was zu einer stabileren Verbindung, als bei
Ein wichtiges Konzept sind die sogenannten Verteilten Sys-
WLAN führt. Einsatzbereiche für Bluetooth sind hauptsächlich
teme. Darunter versteht man Softwarearchitekturen, die die ge-
Freisprecheinrichtungen für Handys, Computermäuse oder der
meinsame Nutzung von Rechenkapazitäten auf verschiedenen
Transfer kleinerer Mengen an Daten z.B. zwischen zwei
Rechnern eines Netzwerks erlauben.
Handys.
Klassische verteilte Systeme verwenden, wie auch LaVida,
Auch Infrarot Kommunikation wird im Bereich des Ubi-
meist eine Client-Server-Architektur. Der Server hat viele
quitous Computing eingesetzt, um Geräte, die noch über
Ressourcen, wie z.B. hohe Speicherkapazität, leistungsfähigere
eine Infrarotschnittstelle verfügen (Fernseher, Videorekorder,
CPUs, eine hohe Bandbreite sowie eine ständige Netzwerkan-
DVD-Player), in das Ubiquitäre Umfeld zu integrieren. [10]
bindung um mehrere Anfragen zu beantworten. Im Gegensatz
dazu hat der Client wenige Ressourcen zur Verfügung.
In dienstbasierten Architekturen (Service-Oriented Archi- VIII. B EISPIELE
tecture, SOA) handelt es sich um eine verteilte Softwarear- A. Future Store Tönisvorst
chitektur, bei der Dienste an verschiedenen Stellen im inter- Der Future Store der METRO GROUP ist seit Mai 2008 in
nen Netzwerk oder im Internet auf heterogenen Plattformen Tönisvorst am Niederrhein zu finden. Hier werden neue Kon-
verfügbar sind. zepte entwickelt und getestet um das Einkaufen angenehmer
Das Grid Computing beschreibt eine Form der Verteilten und erlebnisreicher zu machen.
Systeme, bei der die angebotenen Dienste Rechenleistung Im Future Store gibt es einen Mobilen Einkaufsassistenten,
und Speicherkapazität sind. Das ist im Bezug auf Ubiquitous mit dem man Artikel scannen kann um sich Informationen zu
Computing interessant, da kleine, rechenschwache Geräte sich dem Artikel anzeigen zu lassen, oder einfach nur, um ihn zu
bei Bedarf Rechenleistung großer, stationärer Computer leihen bezahlen. Für einige Mobiltelefone gibt es eine Software, die
können. das Mobiltelefon zum Mobilen Einkaufsassistenten macht.
Eine weitere Innovation ist die RFID gestützte Fleischtheke.
VII. KOMMUNIKATIONS - UND Jedes Produkt in der intelligenten Tiefkühltruhe ist mit einem
L OKALISIERUNSMÖGLICHKEITEN RFID Tag eindeutig gekennzeichnet. In einer Datenbank wird
Für die Lokalisierung bzw. Identifikation von Benutzern z.B. das Mindesthaltbarkeitsdatum zu jedem Produkt hinter-
können sogenannte Beacons bzw. Transponder eingesetzt wer- legt. So können Mitarbeiter schnell und gezielt rausfinden,
den. Solche Beacons senden in regelmäßigen Abständen Daten welches Produkt sich dem Mindesthaltbarkeitsdatum nähert
und können daher mit Hilfe von Triangulation geortet wer- und es, bevor es das Datum überschritten hat, entsorgen.
den. Heute sind dies meist RFID Chips, die je nach Modell Die Entwicklungen im Future Store gehen alle in Richtung
über Entfernungen von wenigen Zentimetern bis zu ca. 30m Ubiquitous Computing.
ausgelesen werden können. Diese RFID Chips können an
Menschen oder Gegenständen befestigt werden und lassen B. T-Com Haus Berlin
eine Identifikation selbiger zu. Durch diese Zuordnung gelingt Das T-Com Haus in Berlin ist ein sehr gutes Beispiel für die
es im Ubiquitous Computing die vorhandene Umgebung zu Umsetzung von Ubiquitous Computing. In dem Gebäude sind
erkennen. viele Hausfunktionen zentral über ein in der Wand eingelasse-
Ausschließlich zur Lokalisierung dient das satellitengestütz- nes Display oder über PDAs steuerbar. Herd, Heizung, Jalou-
te Navigationssystem GPS. Die Empfänger sind heute sehr sien und Licht sind alle über den PDA bedienbar. Durch die
klein und preiswert, was dazu führt, dass viele Smartphones Vernetzung all dieser Geräte können leicht vorprogrammierte
bereits mit GPS ausgerüstet sind. Die Ortung erfolgt in der Stimmungen eingestellt werden und es muss nicht jedes Gerät
Regel sehr genau. Zu Schwierigkeiten kommt es allerdings in einzeln angesteuert werden.
Gebäuden. Hier funktioniert GPS leider nicht.
Auch zur Lokalisierung verwendet wird WLAN. In Fällen,
in denen GPS nicht oder nur schlecht funktioniert (falls die C. Smartphones
Amerikaner es aus militärischen Gründen abschalten oder das Smartphones tragen heute einen ganz entscheidenden Teil
Signal künstlich soweit verschlechtern, dass es nicht mehr zur Verbreitung des Ubiquitous Computing bei. Sie bieten alle
genau genug funktioniert). Durch katalogisierte WLAN Netze Funktionalitäten an, die für Ubiquitous Computing notwendig
ist es möglich mit Hilfe von Triangulation diese auch für eine sind. Sie sind vernetzt über UMTS bzw. WLAN, wissen dank
relativ genaue Ortung heranzuziehen. GPS wo sie sich befinden und können daher den Menschen
Ihre Hauptaufgabe liegt allerdings bei der Kommunikation. sehr gut unterstützen. Es gibt Anwendungen zur Berechnung
Da für die mobilen Geräte ein Kabel zu unpraktisch wäre, von Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, bei denen man
wird hier neben dem Mobilfunk hauptsächlich auf das WLAN einfach angeben kann, dass man von der aktuellen Position
zurückgegriffen. zu einem gewünschten Ort fahren möchte. Aktuelle Abfahrts-
Bluetooth stellt neben dem WLAN einen weiteren im zeiten werden direkt von den Servern der Verkehrsbetriebe
ubiquitären Umfeld genutzten Funkstandard dar. Bluetooth heruntergeladen und angezeigt.
UBIQUITOUS COMPUTING 6

D. Fahrzeugmanagement-/Telematiksysteme für LKW/PKW X. C HANCEN UND R ISIKEN


Heute befinden sich auch in LKW/PKW immer mehr Em- A. Chancen
bedded Systems, die z.B. in Form von Fahrzeugmanagement- Durch die Vernetzung vieler alltäglicher Geräte und das
systemen agieren. So kann ein Spediteur mit Hilfe der heutigen Verbauen von RFID Chips in diverse Gegenstände bestehen
Technik die Ausfallzeiten seiner LKW minimieren. Der LKW unzählige Chancen das Leben zu erleichtern. So kann man
liest über den CAN-Bus Diagnose Daten von allen Geräten, z.B. mit Hilfe von Sensoren und RFID Chips eine spieleri-
die an diesem Bus hängen und sendet diese an den Spediteur sche Kontrolle der Kinder beim Zähneputzen erreichen. Auch
bzw. die Vertragswerkstatt. So kann die Werkstatt bereits Räume und Fahrzeuge können sich mit diesen Hilfsmitteln
rechtzeitig erkennen, wann die Bremsbeläge bei dem aktuellen automatisch unseren Bedürfnissen anpassen.
Fahrstil verschlissen sein werden und einen Werkstatttermin Die meisten durch derartige Ubiquitous Computing Tech-
ausmachen, der möglichst wenig Ausfall für den Spediteur mit nologie verbesserten Produkte oder Dienstleistungen werden
sich bringt. Zusätzlich kann der Spediteur die in dem LKW von den Verbrauchern positiv aufgenommen. Ein besonders
erfassten Daten dazu verwenden, gezielte Fahrerschulungen gutes Beispiel hierfür ist der RFID-Chip in der Liftkarte des
durchzuführen und somit seinen Treibstoffverbrauch erheblich Skifahrers. Früher musste man mühselig die Liftkarte mit
zu senken. Handschuhen in den dünnen Schlitz am Drehkreuz schieben
Eine weitere Möglichkeit ist die der Telematiksysteme. Der oder gar die Handschuhe bei klirrender Kälte ausziehen. Heute
LKW sendet seine Position an den Spediteur. Der Spediteur nähert man sich mit der Liftkarte in der Tasche dem Drehkreuz
kann noch während der LKW unterwegs ist, ihm einen zu und das Drehkreuz wird automatisch freigegeben.
seiner Route passenden weiteren Auftrag erteilen. Das Navi- Doch wie die meisten Technologien hat auch das Ubiquitous
gationssystem des LKW leitet den Fahrer dann entsprechend Computing seine Schattenseiten. Wüssten Bürger, dass mit
um. Hilfe der RFID-Karten z.B. auch Bewegungsprofile erstellt
werden können, ist fraglich, ob die Akzeptanz dann immer
IX. A KTUELLE F ORSCHUNGSSTANDORTE noch so hoch wäre.
Auf dem Gebiet des Ubiquitous Computing wird derzeit
in 27 Ländern geforscht. In Deutschland findet an folgenden B. Risiken
Standorten Forschung zum Thema Ubiquitous Computing Technisch nicht einwandfreie Systeme bergen Risiken, die
statt: gut abgesichert werden müssen. Im Unterschied zu einem
• Intelligent User Interfaces Group, DFKI Saarbrücken, normalen PC handelt es sich bei einem Angriff bzw. einem
Germany fehlerhaft funktionierenden Ubiquitous Computing System um
• Distributed and Ubiquitous Computing Lehrstuhl, Uni- Objekte, die angegriffen werden. Um in solchen Fällen einen
versität Braunschweig, Germany potentiellen Schaden von Menschen abwehren zu können
• Pervasive Computing Lehrstuhl, Universität Duisburg- müssen besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.
Essen, Germany Wenn zum Beispiel eine Türe nur dann öffnet, wenn ein
• Interdisciplinary Center on Ubiquitous Information, Mensch sich mit Hilfe einer RFID Karte identifiziert und
Humboldt-Universitaet zu Berlin, Germany das System aus irgendeinem Grund nicht richtig funktioniert,
• AMBIENTE Lab in Human-Computer Interaction, Fraun- so muss eine alternative Möglichkeit der Öffnung dieser Tür
hofer IPSI Institute, AMBIENTE division, Germany gegeben sein. Bei anderen Gegenständen kann es erforderlich
• Embedded Interaction Research Group, University of sein, dass der Strom von dem Gerät mechanisch getrennt
Munich, Germany werden kann, so dass dem Menschen im Fehlerfall nichts
• Telecooperation Group, Department of Computer passiert. [11]
Science, TU Darmstadt, Germany Sogar technisch einwandfreie Systeme bergen Risiken, die
• Telecooperation Office (TecO), Karlsruhe Institute of betrachtet werden müssen. So kann es durch Ubiquitous Com-
Technology, Germany puting Systeme zu Abhängigkeiten kommen, da Menschen
• Media Computing Group, RWTH Aachen University, die Kontrolle einem Computersystem überlassen. Nutzt ein
Germany Mensch dieses Computersystem über einen längeren Zeitraum,
• Mobility and Context Awareness Group, Technische Uni- so kann es passieren, dass er ohne das System nicht mehr
versität München, Department of Informatics, Germany zurecht kommt. [9]
• Nexus Project, Spatial World Models for Mobile Context-
Aware Applications, University of Stuttgart, Germany L ITERATUR
• Research Center for Intelligent Media (RCIM), Hoch-
[1] [Link]
schule Furtwangen, Germany [2] [Link]
• Cooperative Media Lab, Bauhaus-Universität Weimar, [3] [Link]
Germany [4] [Link]
[5] [Link]
• Business Area Mobile Knowledge, Fraunhofer Institute [6] [Link]
for Applied Information Technology (FIT), Sankt Augus- [7] [Link]
tin, Germany [8] [Link]
[9] [Link]
[8] [10] P OSLAD, Stefan: Ubiquitous Computing. WILEY, 2009
UBIQUITOUS COMPUTING 7

[11] W EISER, Mark: The Computer for the 21st Century. In: Mobile
Computing and Communications Review 3 (1999), Juli, Nr. 3, S. 3–11

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