Dissertation Final
Dissertation Final
INAUGURAL-DISSERTATION
Georg-August-Universität zu Göttingen
vorgelegt von
Eirini Mavropoulou
aus
Athen (Griechenland)
Göttingen 2017
Dekan : Prof. Dr. rer. nat. H. K. Kroemer
I
3.8 Testcharakteristika des RASS in den verschiedenen Gruppen der
Assistenzärzte ..................................................................................................... 23
3.9 BMI und Dauer der Echokardiographie ..................................................... 25
3.10 Komplikationen ......................................................................................... 25
4 Diskussion ...................................................................................................... 27
5. Zusammenfassung......................................................................................... 34
6. Anhang............................................................................................................ 35
6.1 Patienteninformation ................................................................................. 35
6.2 Einwilligungserklärung .............................................................................. 37
6.3 Nicht einwilligungsfähige Patienten ........................................................... 39
6.4 Wiedererlagung der Einwilligungsfähigkeit ................................................ 40
6.5 Untersuchungsprotokoll............................................................................. 41
6.6 Einwilligungserklärung für Abbildungen ..................................................... 42
7. Literaturverzeichnis ....................................................................................... 43
II
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Applikation der Lokalanästhesie 12
Abb. 10: Posterior – anterior – Röntgenaufnahme des Thorax nach ZVK-Anlage mit
gezeichneter Linie durch die Carina 16
Abb. 13: (A) Korrelation der Bewertung der Röntgenaufnahmen zwischen zwei un-
abhängigen Untersuchern mit linearer Regression. (B) Bland-Altman-Plot mit Darstel-
lung der Differenz zum Mittelwert der Katheterposition in Relation zur Carina durch
zwei Untersucher 20
Abb. 14: Die zeitliche Dauer für die Echokardiographie und das Röntgen in der Test-
und Validierungskohorte. 23
Abb. 15: Boxplot zur Darstellung des Einflusses des Weiterbildungsjahres auf die
Dauer der Echokardiographie 24
Abb. 16: Streudiagramm zur Darstellung des Einflusses des BMI auf die Dauer der
Echokardiographie 25
Abb. 17: Persistierende linke Vena cava superior im Röntgen-Thorax (A) und im CT
(B) 26
Abb. 18: Fehllage des zentralvenösen Katheters im rechten Ventrikel mit retrogra-
dem flush. 26
III
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Vergleichende Darstellung der gebräuchlichsten zentralvenösen Kathetersys-
teme 3
Tab. 3: Frühkomplikationen 7
Tab. 4: Spätkomplikationen 7
Tab. 7: Testcharakteristika des rapid atrial swirl signs in der Test- und Validierungs-
kohorte 21
Tab. 8: Die interrater-Reliabilität bei der Bewertung des rapid atrial swirl signs mit
drei Variablen 22
Tab. 9: Die interrater-Reliabilität bei der Bewertung des rapid atrial swirl signs mit
zwei Variablen 22
Tab. 10: Zusammensetzung der Gruppen und mittlere Anzahl von Untersuchungen
pro Assistenzarzt 23
IV
Abkürzungsverzeichnis
A. = Arteria
Abb. = Abbildung
Abs. = Absatz
a.p. = anterior-posterior
CT = Computertomographie
EKG = Elektrokardiogramm
KI = Konfidenzintervall
LR = Likelihood Ratio
max = maximum
MHz = Megahertz
Min. = Minute
min = minimum
MRT = Magnetresonanztomographie
ms = Millisekunde
V
NPV = Negative Predictive Value, negativer prädiktiver Wert
Sek. = Sekunde
StrlSchV = Strahlenschutzverordnung
US = Ultraschall
V. = Vena
Vv. = Venae
VI
1 Einleitung
1.1 Definition
Ein zentraler Venenkatheter (ZVK) ist ein Katheter mit Spitze, welcher im proximalen
Drittel der Vena cava superior, im rechten Vorhof oder in der Vena cava inferior plat-
ziert wird. Der entsprechende Katheter kann entweder durch eine periphere Vene
oder eine proximal gelegene zentrale Vene, meistens die jugularis interna, subclavia
oder femoralis eingelegt werden (Smith und Nolan 2013). Der ZVK ermöglicht einen
zuverlässigen intravenösen Zugang für Blutentnahmen, die Gabe von Medikamenten
sowie ggf. eine parenterale Ernährung (Baskin et al. 2009). In den USA werden mehr
als 5 Millionen zentralvenöse Katheter jährlich angelegt (Raad 1998), in Deutschland
ca. 1,9 Millionen (Schummer et al. 2005).
Die erste Veröffentlichung einer Katheterisierung von zentralen Gefäßen datiert auf
das Jahr 1733 vom englischen Geistlichen Stephen Hales, der den arteriellen und
venösen Blutdruck eines Pferdes bestimmen wollte (Hales 1733). Claude Bernard
führte 1844 in Frankreich die erste Herzkatheterisierung über die Arteria carotis und
die Vena jugularis interna eines Pferdes durch. Das Ziel bestand hierbei in der Tem-
peraturmessung im rechten und linken Ventrikel. Im Jahr 1876 wurde im Rahmen
einer Autopsie eines Hundes als erste Komplikation der zentralvenösen Katheterisie-
rung die Perforation des linken Ventrikels mit begleitender perikardialer Hämorrhagie
(Bernard 1876) berichtet. Bleichröder unternahm im Jahr 1905 die ersten Experimen-
te zur Katheteranlage in Arterien und Venen am Menschen, die Untersuchungen
wurden jedoch erst 1912 publiziert (Bleichroeder et al. 1912).
Ein erster Pionier in der zentralvenösen sowie kardialen Katheterisierung war Werner
Forssmann, ein 25-jähriger Assistenzarzt aus Eberswalde. Nach der Ablehnung der
Durchführung von Experimenten an Patienten durch seinen Chefarzt unternahm er
im Sommer 1929 einen Selbstversuch. Dabei betäubte er seine linke Ellenbeuge und
schob anschließend einen 65 cm langen Urinkatheter bis zum rechten Herzen vor.
Anschließend stieg er die Treppe mit liegendem Katheter bis zum Röntgen-Raum
hinauf, wo er die Position des Katheters radiologisch darstellte (Forssmann 1929). In
den folgenden zwei Jahren experimentierte er weiter und zeigte, dass diese Katheter
die Applikation von verschiedenen Medikamenten und Kontrastmitteln ermöglichen
(Forssmann 1931). Er erhielt für seine Arbeiten im Jahr 1956 den Nobelpreis für Me-
dizin.
1
In den folgenden Jahren kam es zu einer Verbreitung der zentralvenösen Katheteri-
sierung mit gleichzeitiger Zunahme von Komplikationen, vor allem aufgrund der ana-
tomisch orientierten Punktionstechniken (engl. landmark method). Daraufhin wurden
im Jahr 1982 und 1984 die ersten Studien zur ultraschall-gesteuerten Punktion publi-
ziert, welche eine signifikante Risikoreduktion belegen konnten (Peters et al. 1982;
Legler und Nugent 1984).
Die optimale Methode zur Lagekontrolle des zentralvenösen Katheters ist bis heute
ein wichtiges und kontroverses Thema. Die aktuelle Standardmethode ist die kon-
ventionelle Röntgenaufnahme des Thorax, wobei die korrekte Lage als Position der
Katheterspitze in der Vena cava superior, d. h. auf Höhe der Carina definiert wird
(Schuster et al. 2000). Es wurden mehreren Alternativen gesucht, wie zum Beispiel
die Verwendung von Ultraschall bei Neugeborenen (Ohki et al. 2000), die transöso-
phageale Echokardiographie (Reynolds et al. 2001) oder die Positionierung mit Hilfe
der intrakardialen EKG-Ableitung (Hellerstein et al. 1949). Keines der benannten
Alternativverfahren ist bislang als gleichwertig etabliert.
1.3 Kathetertypen
Eine große Vielzahl von Kathetersystemen bzw. -typen deckt die verschiedenen Indi-
kationen zur zentralvenösen Katheterisierung ab. Die vier Hauptkategorien zentral-
venöser Katheter sind: nicht-getunnelte (temporäre) und getunnelte (langfristige)
Katheter, Port-Systeme und so genannte peripherally inserted central venous cathe-
ters (PICC).
1.1.3 Port-Systeme
Das implantierte Portsystem besteht aus einer Kammer, die mit einem Katheter ver-
bunden ist. Die Kammer wird operativ direkt in die Subcutis eingesetzt und hat eine
2
kräftige Silikonmembran, welche mit Titan oder Plastik befestigt ist. Sie kann ca.
zweitausendmal mit einer speziellen Portkanüle durchstochen werden. Der intrave-
nöse Katheter ist ähnlich beschaffen wie ein ZVK und wird in das zentralvenöse Ge-
fäß eingebracht. Portsysteme minimieren das Risiko einer systemischen Infektion
und ermöglichen eine aktive Teilnahme an Sport und Freizeit. Der große Nachteil
besteht in Katheterokklusionen, meistens durch Thrombosierungen (Walser 2012). In
diesen Fällen ist oftmals ein operativer Austausch unumgänglich.
Tabelle 1 fasst die benannte Kathetertypen sowie die mit deren Einsatz verbunde-
nen Vor- und Nachteile zusammen.
3
1.4 Zugangswege der zentralen Katheterisierung
Der bevorzugte Zugangsweg ist die V. jugularis interna, die lateral von der Trachea
in der Vagina carotica zusammen mit der A. carotis communis und dem Nervus
vagus verläuft (Waldeyer 2003). Sie kann mit Hilfe von anatomischen Landmarken,
des Pulses der A. carotis oder sonographisch detektiert werden. Der gerade Verlauf
zur V. cava superior erleichtert das Vorschieben des Führungsdrahtes und des Ka-
theters. Entscheidender Nachteil ist die Gefahr einer akzidentellen Punktion der A.
carotis mit anschließender Blutung, Dissektion oder Apoplex durch die Verschlep-
pung von Thromben in die zerebralen Gefäße (Guilbert et al. 2008). Zusätzlich be-
steht ein höheres Risiko von katheterassoziierten Infektionen im Vergleich zur V.
subclavia, wahrscheinlich aufgrund der unmittelbaren Nähe zu oropharyngealen Sek-
reten, der lokal höheren Temperatur und der erschwerten Fixierung des Verbandma-
terials um die Einstichsstelle (Moro et al. 1994; Parienti et al. 2012).
Ein ebenfalls verbreiteter Zugangsweg ist die V. subclavia, welche in Höhe der 1.
Rippe aus der V. axillaris hervorgeht und sich hinter dem Sternoklavikulargelenk mit
der V. jugularis interna zur V. brachiocephalica vereinigt (Frick et al. 1992). Ein
Vorteil des Subclaviazuganges ist die einfache Punktion angesichts klarer
anatomischer Orientierungsstrukturen und des guten Füllungszustandes des
Gefäßes, auch in Schockzuständen. Die Katheterisierung der V. subclavia zeigt ein
signifikant geringeres Risiko für katheterassoziierte Infektionen dank niedrigerer
lokaler Keimzahl und größerer Distanz zwischen der Einstichsstelle und der
Eintrittsstelle ins Gefäß (Parienti et al. 2015). Ein erheblicher Nachteil ist eine
potentiell unkontrollierbare Blutung mit möglichem Hämatothorax im Falle einer
arteriellen Fehlpunktion. Hier bestehen lokal schlechte Kompressionsmöglichkeiten
mit einer Blutungsinzidenz von 0,1 % bis 1 % (Kusminsky 2007). Die Verwendung
langfristiger, getunnelter Katheter über die V. subclavia kann zudem eine Stenose
des Gefäßes hervorrufen, wahrscheinlich bedingt durch die konstante Verletzung des
Endothels, diese wurde in 20 % bis 50 % bei dialysepflichtigen Patienten
beschrieben (Vats 2012). Das Risiko eines Pneumothorax ist bei der
Katheterisierung der V. subclavia höher (McGee und Gould 2003). In einer
systematischen Übersicht von zehn Studien mit insgesamt 3.420 Kathetern schien es
keinen Unterschied für die Entstehung eines Pneumothorax zwischen V. jugularis
und V. subclavia zu geben, in den ausgewählten Studien erfolgte jedoch keine
Randomisierung, was potentiell zu einem Selektionbias geführt hat (Ruesch et al.
2002).
Die V. femoralis zieht medial von der A. femoralis durch die Lacuna vasorum und
geht proximal vom Leistenband in die V. iliaca externa über (Waldeyer 2003). Die
Katheterisierung der V. femoralis wird meistens in Nofallsituationen benutzt. Die
einfachen anatomischen Landmarken, die tastbare Pulsation der A. femoralis und die
4
sofortige Verwendbarkeit des Katheters auch ohne radiologische Lagekontrolle
ermöglichen eine schnelle Anlage mit geringem Blutungsrisiko. Es gibt Kontroversen
bzgl. der Inzidenz von katheterassoziierten Infektionen zwischen den drei
Zugangswegen. In einer Metaanalyse verschiedener randomisierter, kontrollierter
und Kohortenstudien wurde kein signifikanter Unterschied hinsichtlich des
Infektionsrisikos beschrieben (Marik et al. 2012). In einer großen multizentrischen
Studie an 3.027 Patienten war das Risiko einer katheterassoziierten Sepsis in der
Femoralis-Gruppe signifikant höher als in der Subclavia-Gruppe, wobei zwischen
Femoralis- und Jugularis-Gruppe kein Unterschied bestand. Zusätzlich wurden
statistisch signifikant häufigere Thrombosen im Vergleich zu den Vv. jugularis und
subclavia beschrieben (Parienti et al. 2015).
Die Indikationen für zentralvenöse Katheterisierung sind (Lang 2012; Ingrande und
Lemmens 2014):
Es gibt relative Kontraindikationen, die jedoch abhängig sind von der Dringlichkeit
und den Alternativen für einen venösen Zugang (McGee und Gould 2003):
5
anatomische Fehlbildung, beispielsweise lokale Infektionen der Haut oder Nar-
bengewebe
Koagulopathien und Thrombozytopenie
- Studien zeigten, dass schwere Blutungen nach ZVK-Anlage selten sind (Kan-
der et al. 2013) und dass die prophylaktische Gabe von FFPs keinen signifi-
kanten Unterschied hinsichtlich des Risikos einer Blutungskomplikation be-
wirkt (Müller et al. 2015)
- ZVK-Anlage kann ab einer Thrombozytenzahl von > 20 x 109/l gefahrlos
durchgeführt werden (Zeidler et al. 2011)
- die Thrombozytopenie ist ein größerer Risikofaktor für Blutungen als eine ver-
längerte Koagulationszeit (Polderman und Girbes 2002)
- es ist allgemein empfohlen, dass eine Katheterisierung der Vena subclavia
aufgrund fehlender Komprimierbarkeit des Gefässes bei Gerinnungsstörun-
gen vermieden werden sollte
Allergie des Patienten auf die Materialien des ZVK
ipsilateraler Pneumothorax oder Hämatothorax
Thrombose, Stenose oder andere anatomische Veränderung des Gefäßes
ipsilateral liegende intravaskuläre Aggregate, zum Beispiel Schrittmacher-
Aggregate
1.6 Durchführung
1.7 Komplikationen
Die Komplikationen der ZVK-Anlage sind vielfältig und hängen wesentlich von den
anatomische Gegebenheiten und der Erfahrung des ausführenden Arztes ab. In ei-
ner Übersichtsarbeit wurde eine gesamte Komplikationsrate von 15% beschrieben
(McGee und Gould 2003).
Periprozedurale Komplikationen
Arterielle Fehlpunktion
Hämatom
Luftembolie
Pneumothorax
Katheterfehllage
Plexusirritation
Perforation
- Vena cava superior
- Herzwand
- Pulmonalarterie
6
Paraplegie durch Punktion des Spinalkanals
Punktion des Ductus thoracicus
1.1.6 Frühkomplikationen
Die Frühkomplikationen treten direkt im Anschluss an und bis zu eine Woche nach
Katheterinsertion auf (Morano et al. 2014).
Tab. 3: Frühkomplikationen.
Frühkomplikationen
Hämatom
Luftembolie
Pneumothorax
Infektion
Venenthrombose
Katheterfehllage
Katheterdysfunktion, Okklusion
Arteriovenöse Fistel
Perforation
- Vena cava superior
- Herzwand
- Pulmonalarterie
1.1.7 Spätkomplikationen
Die Spätkomplikationen treten häufiger bei im Verlauf nicht fachgerechter Versor-
gung des ZVK auf.
Tab. 4: Spätkomplikationen.
Spätkomplikationen
Luftembolie
Infektion
Venenthrombose
Katheterfehllage
Katheterdysfunktion, Okklusion
Arteriovenöse Fistel
Perforation
- Vena cava superior
- Herzwand
- Pulmonalarterie
pinch-off-Katheterbruch
Kathetermigration
7
wenn der Winkel zwischen Katheter und Gefäßwand größer als 40° ist (Gravenstein
und Blackshear 1991; Walshe et al. 2007).
Bisher existiert jedoch kein etabliertes Verfahren, das alle Charakteristika erfüllt. Eine
Möglichkeit ist die Überprüfung der freien Aspirierbarkeit von Blut über alle Schenkel
des Katheters oder der Ausschluss einer intraarteriellen Lage mittels Blutgasanalyse
während der Anlage. Eine dritte Möglichkeit ist es, mit Hilfe einer invasiven Blut-
druckmessung über einen Schenkel des ZVK durch respiratorische Fluktuationen der
Druckkurve die intravenöse Lage zu bestätigen (Losert et al. 2000; Schummer et al.
2001).
Zwei weitere Methoden sind die Fluoroskopie und die transösophageale Echokardio-
graphie, die eine sofortige Erkennung der korrekten Position ermöglichen. Beide Un-
tersuchungen sind jedoch technisch aufwendiger und verhältnismäßig teuer, so dass
sie vorwiegend für die Anlage langfristiger Katheter verwendet werden (Reynolds et
al. 2001; Chaney et al. 2007; Ahn et al. 2012).
8
überhaupt detektiert werden kann. Die Carina kann wiederum in 96 % identifiziert
werden (Wirsing et al. 2008).
Der Frage nach der Notwendigkeit der Röntgenaufnahmen wurde in mehreren Stu-
dien nachgegangen. Mit Hilfe der transösophagealen Echokardiographie wurde zum
Beispiel gezeigt, dass das Röntgen-Thorax eine intraatriale Position der Spitze nicht
zuverlässig detektieren kann (Chu et al. 2004; Hsu et al. 2006; Wirsing et al. 2008).
Bailey et al. berichteten, dass für Patienten unter EKG-Monitoring in einer IMC- oder
ICU-Station das postprozedurale Röntgen unnötig ist, wenn der ZVK ohne Schwie-
rigkeiten platziert wurde und weniger als drei Punktionsversuche erfolgten (Bailey et
al. 2000). Andere Autoren empfehlen daher die Durchführungen des Röntgens nur,
wenn klare Komplikationen vermutet werden (Gladwin et al. 1999; Molgaard et al.
2004).
In den letzten Jahren wurden wenige Studien publiziert, die sich mit der Frage be-
schäftigten, ob die Ultraschalluntersuchung am Patientenbett geeignet ist für die La-
gekontrolle zentralvenöser Katheter und möglicherweise die Röntgenkontrolle gänz-
lich ersetzen kann. Initial wurde die sonographische Kontrolle der V. jugularis, V.
subclavia und des Herzens zur Detektion der ZVK-Spitze beschrieben (Maury et al.
2001; Matsushima und Frankel 2010; Zanobetti et al. 2013). Der transthorakale Ult-
raschall der V. cava superior und des rechten Atriums hat jedoch eine eingeschränk-
te Qualität. Daraufhin entwickelten Vezzani et al. ein neues Verfahren, nämlich die
Durchführung einer Echokardiographie mit gleichzeitiger Verabreichung von 9 ml
Kochsalzlösung zuzüglich 1 ml Luft über den Katheter. Bei korrekter Lage kam es
innerhalb von zwei Sekunden nach Injektion zu einer Verwirbelung (sog. flush oder
rapid atrial swirl sign RASS) im rechten Vorhof und Ventrikel. Für diese Methode
wurden eine Sensitivität von 96% und eine Spezifität von 93% beschrieben. Bezüg-
lich des Zeitfaktors gab es eine signifikante Differenz von 73 Minuten zu Gunsten der
Ultraschallmethode, was bei Intensivpatienten eine schnellere Nutzung zentralvenös
zu applizierender Pharmaka (vor allem Katecholamine, größere Mengen Flüssigkeit)
bedeuten kann (Vezzani et al. 2010). In den nächsten Jahren folgten weitere Studien
(Campo Dell Orto et al. 2013; Wen et al. 2014; Meggiolaro et al. 2015) auch mit Ap-
plikation von reiner Kochsalzlösung (Liu und Bahl 2011; Weekes et al. 2014; Duran-
Gehring et al. 2015; Gekle et al. 2015; Weekes et al. 2015), die die Effizienz der Me-
thode verstärkten. Die fehlende Strahlenbelastung und die geringere Kosten sind
zusätzliche Vorteile des Ultraschalls im Vergleich zum Röntgen.
Zur Lagekontrolle von ZVK sind Röntgenaufnahmen des Thorax aktuell das Stan-
dardverfahren, weisen jedoch oben genannte Nachteile auf. Die transthorakale
Echokardiographie mit Kochsalz-Injektion über den ZVK stellt eine neuartige Metho-
de dar, welche eine korrekte Position oder eine Fehllage der Katheter-Spitze nach-
weisen kann. Um beide Verfahren zu vergleichen, führten wir eine prospektive, mo-
nozentrische klinische Studie in der Universitätsmedizin Göttingen durch. Der primä-
re Endpunkt war die Überprüfung der Sensitivität und Spezifität der fokussierten
Echokardiographie im Vergleich zum konventionellen Röntgen-Thorax als Referenz-
methode. Als sekundäre Endpunkte wurden die Dauer der jeweiligen Untersuchung,
die Leistungsniveau der diensthabenden Ärzte für die Durchführung der Ultraschall-
9
untersuchung geprüft und der Einfluss des Body-Mass-Indexes des Patienten auf die
Dauer der Echokardiographie untersucht.
10
2 Patienten, Materialien und Methoden
2.1 Patientenkollektiv
Im Rahmen unserer Studie wurden insgesamt 100 Patienten auf der internistischen
Intermediate Care Station (IMC-Station 1021) sowie der nephrologischen Intensivsta-
tion (ICU-Station 1022) der Klinik für Nephrologie und Rheumatologie vom November
2014 bis April 2016 prospektiv eingeschlossen. Ein screening bzw. Einschluss erfolg-
te, wenn aus medizinischer Sicht die Indikation zur Versorgung mit einem zentralve-
nösen Katheter bestand.
1. Volljährigkeit
2. gute Kenntnisse der deutschen Sprache
3. medizinische Notwendigkeit für die Anlage eines zentralvenösen Katheters
4. schriftliche Einwilligung des Patienten oder des gesetzlichen Betreuers für die
Teilnahme in die Studie
5. V. jugularis interna und V. subclavia als Insertionsstelle
2.2 Studienablauf
Initial wurden die ersten zehn Patienten (Testkohorte) nur von einem erfahrenen
Studienarzt untersucht um die Prozedur allmählich zu erproben. Im Anschluss wurde
bei noch 90 Patienten (Validierungskohorte) die Ultraschalluntersuchung durch ver-
schiedene diensthabende Ärzte im ersten bis sechsten Weiterbildungsjahr durchge-
führt. Zuvor erfolgte ein 30- bis 60-minütiges Training durch die Studienärzte für eine
fokussierte Sonographie des Herzens durch einen subkostalen und apikalen Vier-
kammerblick mit einem Sektorschallkopf. Die Punkteure mussten mehr als 20 Kathe-
ter gelegt haben und wurden von einem erfahrenen Assistenzarzt oder Facharzt su-
pervidiert.
Die Probanden erhielten ein Informationsblatt über das Wesen der Studie und die
Aufbewahrung der personenbezogenen Daten. Nicht-einwilligungsfähige Patienten
wurden nach Feststellung des mutmaßlichen Willens ebenfalls in die Studie einge-
schlossen, da sich im intensivmedizinischen Bereich regelhaft die medizinisch gebo-
tene Notwendigkeit der Anlage eines zentralvenösen Katheters ohne die Möglichkeit
der schriftlichen Einwilligung durch den Patienten selbst oder dessen gesetzlichen
11
Vertreter ergibt. Der mutmaßliche Willen des nicht-einwilligungsfähigen Patienten
wurde vom Arzt aus einer eventuell vorliegenden Patientenverfügung oder durch das
Gespräch mit den Angehörigen oder dem gesetzlichen Betreuer ermittelt und in ei-
nem speziellen Formular dokumentiert. Es wurde ausdrücklich formuliert, dass die
Teilnahme an der Studie freiwillig ist und jederzeit widerrufen werden konnte (siehe
Anhang). Nach Einholung der schriftlichen Einwilligung wurden die Patienten in die
Studie eingeschlossen.
Die V. jugularis oder die V. subclavia wurden entweder anhand von anatomischen
Landmarken oder ultraschallgestützt aufgesucht. Zunächst erfolgte die Applikation
des Lokalanästhetikums mit einer 21 G oder 23 G Nadel. Nach Ablauf der Einwirkzeit
wurde das Gefäß mit einer 18 G Kanüle in einem Winkel von 20-30° punktiert (Abb.
1).
Unter stetiger Aspiration bestätigte sich die intravenöse Lage der Kanüle durch das
Einströmen von dunkelrotem Blut (Abb. 2).
12
Anschließend wurde die Spritze von der Kanüle entfernt und der Seldinger-
Führungsdraht wurde ca. 10 cm vorgeschoben (Abb. 3).
Die Nadel wurde anschließend entfernt und mit Hilfe eines Skalpells und des ent-
sprechenden Dilatators wurde die Einstichsstelle aufgeweitet (Abb. 4).
Der Katheter wurde über den Draht eingeführt. Nach Entfernung des Führungsdrah-
tes erfolgte die Aspirationskontrolle, und alle Schenkel wurden mittels Kochsalzlö-
sung (0,9 %) gespült (Abb. 5). Der Katheter wurde anschließend mit Nahtmaterial
fixiert und mit einem sterilen Pflaster abgedeckt.
Abb. 5: Entfernung des Führungsdrahtes und Einführung des Katheters. Aspirationskontrolle und Spü-
lung mit 0,9 %iger Kochsalzlösung.
13
Unmittelbar nach der Anlage des zentralvenösen Katheters wurde die MTRA der
Radiologie verständigt und die Uhrzeit dokumentiert. Anschließend wurde die B-
Mode (brightness modulation) Ultraschalluntersuchung mit einem Sektorschallkopf
von subxiphoidal oder apikal je nach anatomischen Gegebenheiten durchgeführt. Wir
verwendeten entweder das Esaote MyLab5™ oder das Esaote MyLabGold™ Ultra-
schallgerät (Fa. Esaote S.p.A., Genua, Italien) (Abb. 6).
Nun wurden 10 ml NaCl 0,9 % als Bolus über den distalen Schenkel durch einen
zweiten Arzt appliziert. Die Darstellung des Flüssigkeitsbolus (flush) im rechten Vor-
hof wurde nach Vezzani et al. (2010) als sofort vorhanden (auch: rapid atrial swirl
sign, RASS weniger als zwei Sekunden nach Injektion], verspätet (mehr als zwei
Sekunden nach Injektion) oder abwesend beurteilt (Abb. 7). Nur das sofort sichtbare
RASS wurde als korrekte Positionierung gewertet. Die Lage wurde als inkorrekt defi-
niert wenn die Spitze zu tief im rechten Atrium oder nach kranial disloziert war und
eine Korrektur durch den Punkteur notwendig war.
Die Untersuchung konnte bis zu dreimal durchgeführt werden und, wenn im flush-
Test eine Fehllage vermutet wurde, erfolgte die Korrektur der Katheterlage.
14
Abb. 7: Demonstration des RASS in subkostalem Vierkammerblick.
Verwendete Abkürzungen: RA: rechtes Atrium, LA: linkes Atrium, RV: rechter Ventrikel, LV:
linken Ventrikel, L: Leber, RASS: Rapid Atrial Swirl Sign.
Das Röntgen des Thorax wurde in a.p.-Projektion im Liegen durchgeführt und die
Bilder wurden in digitaler Form im PACS (Centricity Enterprise Web V 3.0, 2006 GE
Medical Systems) gespeichert. Durch Stoppen der Zeit wurde der Zeitbedarf ermit-
telt, bis das Bild im PACS abgerufen werden konnte.
Telef. Anforderung
des Röntgen Röntgen-Thorax
ZVK – Anlage auf Station
Echokardiographie
Bei der Befundung des Röntgen-Bildes konzentrierten wir uns in den Strukturen des
Mediastinums (Abb. 9). In unserer Studie wurde die Carina tracheae als Orientie-
rungsmarke verwendet, daraufhin wurde die Trachea mit der Bifurkation in die
Hauptbronchien aufgesucht und eine Parallele durch die Carina gezeichnet, um dies
zu verdeutlichen (Abb. 10). Dann erfolgte gemäß der Einteilung der Röntgen-Zonen
von Weekes et al. (2014) sowie Fletcher und Bodenham (2000) die modifizierte Un-
terteilung der möglichen radiologischen ZVK-Positionen in vier Zonen (Abb. 11)
(Fletcher und Bodenham 2000; Weekes et al. 2014).
Zone A entsprach der Region kranial der Carina und repräsentierte den pro-
ximalen Bereich der Vena cava superior
Zone B entsprach der Region kaudal der Carina und repräsentierte den dista-
len Bereich der Vena cava superior
Zone C entsprach der Vena brachiocephalica auf der linksseitigen Hälfte des
Mediastinums
Zone D entsprach dem rechten Vorhof
15
Katheterspitzen in den Zonen A und B wurden als korrekt liegend und in den Zonen
C und D als falsch liegend bewertet. Die Auswertung der Bilder erfolgte durch einen
unabhängigen Untersucher und einen verblindeten Radiologen.
Abb. 9: Posterior – anterior – Röntgenaufnahme des Thorax nach ZVK-Anlage. Die wichtigsten Struktu-
ren wurden farblich gekennzeichnet. Man erkennt den über die linke V. subclavia eingebrachten ZVK,
dessen Spitze kurz unterhalb der Carina liegt.
Verwendete Abkürzungen: ZVK: zentraler Venenkatheter.
Abb. 10: Posterior – anterior – Röntgenaufnahme des Thorax nach ZVK-Anlage mit gezeichneter Linie
durch die Carina.
16
Abb. 11: Unterteilung der möglichen ZVK – Positionen in vier Zonen. Zone A entspricht den proximalen
Bereich der V. cava superior, Zone B den distalen Bereich der V. cava superior, Zone C die V. brachio-
cephalica und Zone D den rechten Vorhof. Katheterspitzen in den Zonen A und B wurden als korrekt
gelegt bezeichnet.
Für die statistische Auswertung erfolgte eine Beratung durch Mitarbeiter des Instituts
für Medizinische Statistik der Georg-August-Universität Göttingen. Die erhobenen
Daten wurden mit Hilfe der Programme Microsoft Excel und Word (Microsoft Corpo-
ration, Redmond, Washington, USA) sortiert und die deskriptive Statistik sowie die
Testverfahren wurden mit der Statistik-Software GraphPad Prism version 5.00
(GraphPad Software, San Diego, Kalifornien, USA) sowie MedCalc Statistical Soft-
ware Version 16.4.3 (MedCalc Software bvba, Ostende, Belgien) analysiert.
Die Prüfung auf Normalverteilung erfolgte mit dem Shapiro-Wilk-Test. Für die nor-
malverteilten Stichproben wurde der t-Test angewendet und für verteilungsfreie
Stichproben der Wilcoxon- oder Mann-Whitney U-Test. Die Messungen beim glei-
chen Patienten wurden mit dem Wilcoxon signed rank-Test analysiert. Um die Echo-
kardiographie mit dem Röntgen-Thorax zu vergleichen, wurden die Sensitivität, Spe-
zifität sowie der positive und negative Vorhersagewert und die Likelihood Ratios be-
rechnet. Als Gold-Standard für die korrekte Lage des Katheters wurde das Röntgen-
Thorax verwendet. Für die Zuverlässigkeit der Röntgen-Befundung zwischen den
zwei unabhängigen Bewertern wurden der Korrelationskoeffizient nach Pearson und
die Methode nach Bland-Altman (Referenz) eingesetzt. Die Übereinstimmung der
Evaluation der fokussierten Echokardiographie zwischen zwei Ratern wurde mit dem
Kappa-Koeffizient nach Cohen berechnet. Der Weiteren wurden die Pearson-
Korrelation zwischen dem BMI und der Länge der Echokardiographie analysiert. Ein
signifikanter Unterschied zwischen den Testergebnissen wurde mit einem Signifi-
kanzniveau des p-Wertes von 0,05 (beziehungsweise 5 %) angenommen.
17
3 Ergebnisse
3.1 Studienkohorten
Von November 2014 bis April 2016 wurden insgesamt 100 Patienten in unsere pros-
pektive, randomisierte Studie eingeschlossen. Um den primären und sekundären
Endpunkt besser zu analysieren wurden die Patienten in zwei Kohorten eingeteilt:
eine Testkohorte und eine Validierungskohorte. Als Testkohorte wurden die ersten
zehn Patienten herangezogen, die vom erfahrenen Studienarzt untersucht wurden.
Die restlichen 90 Patienten (Validierungskohorte) wurden von den diensthabenden
Ärzten der Intermediate Care (IMC-Station 1021) und Intensivstation (ICU-Station
1022) der Klinik für Nephrologie und Rheumatologie untersucht.
In der Testkohorte waren fünf weibliche und fünf männliche Patienten, das Durch-
schnittsalter betrug 70 Jahre. Der jüngste Patient 19 und der älteste 91 Jahre alt. In
der Validierungskohorte waren 47 weibliche und 43 männliche Patienten mit einem
mittleren Alter von 68 Jahren. Die Mehrheit der Patienten der Testkohorte (80 %) und
der Validierungskohorte (89 %) waren spontanatmend, die zentralvenösen Katheter
hatten meistens drei Lumen (Testkohorte 90 %, Validierungskohorte 96 %) und die
rechte V. jugularis interna war das am häufigsten punktierte Gefäß (Testkohorte 50
%, Validierungskohorte 53,3 %) im Vergleich zur linken V. jugularis interna (Testko-
horte 40 %, Validierungskohorte 41,1 %). Die Punktion wurde in 70 % der Fälle der
Testkohorte und 82,2 % der Validierungskohorte mit Hilfe einer sonographischen
Darstellung des Gefäßes durchgeführt. Die V. subclavia wurde nur in seltenen Fällen
mit Hilfe der landmark-Technik oder sonographisch gesteuert verwendet. Die oben
genannten Charakteristika zeigten keinen signifikanten Unterschied zwischen beiden
Kohorten (Tab. 5). Ein Patient mit einem BMI von 40 kg/m2 wurde wegen nicht
durchführbarer Echokardiographie aus der Studie ausgeschlossen.
18
L V. jugularis interna 4 (40 %) 37 (41,1 %)
R V. subclavia 0 (0 %) 2 (2,2 %)
L V. subclavia 1 (10 %) 3 (3,3 %)
US-gesteurte Punk-
tion (nein / ja) 3 / 7 (30 % / 70 %) 16 / 74 (17,8 % / 82,2 %)
19
Abb. 13: (A) Korrelation der Bewertung der Röntgenaufnahmen zwischen zwei unabhängigen
Untersuchern mit linearer Regression. (B) Bland-Altman-Plot mit Darstellung der Differenz zum
Mittelwert der Katheterposition in Relation zur Carina durch zwei Untersucher.
20
3.4 Testcharakteristika des rapid atrial swirl signs - RASS
Tab. 7: Testcharakteristika des rapid atrial swirl sigs in der Test- und Validierungskohorte.
Verwendete Abkürzungen: CXR: chest X-ray, RASS: rapid atrial swirl sign, KI: Konfidenzintervall, LR:
Likelihood Ratio, PPV: Positive Predictive Value, NPV: Negative Predictive Value.
Um die interrater-Reliabilität des rapid atrial swirl signs zu prüfen, wurden 30% aller
Videoaufzeichnungen von zwei unabhängigen Untersuchern beurteilt. Die drei
möglichen Variablen waren der positive, ein verspäteter und ein nicht vorhandener
flush. Für die Bewertung der Übereinstimmung zwischen beiden Untersuchern wurde
der Cohens-Kappa-Koeffizient berechnet. Dieser betrug 0,726 (Standardfehler 0,121,
95% Konfidenzintervall 0,488 – 0,964) und zeigte somit eine gute Übereinstimmung
zwischen den Bewertern an (Tab. 8).
21
Tab. 8: Die interrater-Reliabilität bei der Bewertung des rapid atrial swirl signs mit drei Variablen.
Untersucher 1
Untersu-
cher 2
sofortig verspätet abwesend gesamt
sofortig 19 0 0 19 (63,3 % aller Kappa=
Bewertungen) 0,726
verspätet 3 3 0 6 (20,0 % aller
Bewertungen) Standard-
abwesend 0 1 4 5 (16,7 % aller fehler=
Bewertungen) 0,121
gesamt 22 (73,3% 4 (13,3% 4 (13,3% 30
aller Bewertun- aller Bewertun- aller Bewertun- 95% KI=
gen) gen) gen) 0,488-
0,964
Verwendete Abkürzungen: KI: Konfidenzintervall.
Tab. 9: Die Interrater-Reliabilität bei der Bewertung des rapid atrial swirl signs mit zwei Variablen.
Untersucher 1
Untersucher
2 positiv negativgesamt Kappa=0,772
positiv 19 0 19 (63,3% aller
Bewertungen) Standardfehler=
negativ 3 8 11 (36,7% aller 0,122
Bewertungen)
95% KI=0,533-1,0
gesamt 22 (73,3% aller 8 (26,7% aller 30
Bewertungen) Bewertungen)
Nach der Anlage des zentralvenösen Katheters wurde die MTRA der Radiologie tele-
fonisch verständigt. Die durchschnittliche Zeit, bis das Röntgenbild im PACS abrufbar
war, belief sich auf 59,5 Minuten (21 – 130) für die Testkohorte und auf 48,5 Minuten
(13 – 254) für die Validierungskohorte. Es ließ sich kein signifikanter Unterschied
zwischen beiden Gruppen feststellen (p=0,5162). Die mittlere Dauer für die Durch-
führung und Auswertung der fokussierten Echokardiographie betrug fünf Minuten (2 -
11 Minuten in der Testkohorte und 1 – 28 Minuten in der Validierungskohorte) in bei-
den Gruppen (p=0,4666), was einen erheblichen Vorteil gegenüber dem Röntgen
bedeutet (Abb. 14). Die durchschnittliche Dauer für die Echokardiographie war mit
fünf Minuten jeweils signifikant geringer als für das Röntgen mit 50 Minuten in beiden
Gruppen (Testkohorte p=0,011 und Validierungskohorte p<0,001 mit dem Mann-
Whitney U-Test).
22
Abb. 14: Die zeitliche Dauer für die Echokardiographie und das Röntgen in der Test- und
Validierungskohorte. Die durchschnittliche Dauer für die Echokardiographie zeigt sich mit Hilfe des
Wilcoxon-Vorzeichen-Rang-Tests mit 5 Minuten signifikant kurzer als für das Röntgen (49,5 Minuten).
Verwendete Symbole und Abkürzungen: TTE: transthorakale Echokardiographie, CXR: chest X-ray,
#p=0,4666, ##p=0,5162, ***p=0,002 , ****p<0,0001.
Tab. 10: Zusammensetzung der Gruppen und mittlere Anzahl von Untersuchungen pro Assistenzarzt.
Die Assistenzärzte der zweiten und dritten Gruppe führten mehr Untersuchungen als
die Ärzte im ersten und zweiten Weiterbildungsjahr durch (40 und 33 gegenüber 27).
Die Testcharakteristika zeigten sich jedoch ähnlich in allen Gruppen. Die erfahrenen
23
Weiterbilungsassistenten im fünften und sechsten Weiterbildungsjahr zeigten den
höchsten positiven prädiktiven Wert von 75% und die höchste Likelihood Ratio mit
34. Trotzdem wird in den Ergebnissen abgebildet, dass die fokussierte Echokardio-
graphie auch nach einem kurzen Training einfach und sicher durchgeführt werden
kann. Die ermittelte Sensitivität beträgt überall 100%, also ein positiver RASS (nega-
tiver screening-Test für eine Fehllage) kann eine korrekte Lage des Katheters bestä-
tigen. Die Spezifität variiert in allen Gruppen zwischen 91,43 % und 97,06 %, sodass
bei verspätetem oder abwesendem flush (negativer RASS oder positiver screening-
Test) eine potentielle Fehllage des Katheters vorhergesagt werden kann (Tab. 11).
Im zweiten Schritt wurde der Einfluss des Ausbildungsgrades auf die Dauer der Un-
tersuchung analysiert und grafisch im folgenden Boxplot dargestellt (Abb. 15). Es
wurden keine Diskrepanzen zwischen den drei Gruppen beobachtet. Mit Hilfe des
Wilcoxon-Vorzeichen-Rang-Tests zeigte sich bei einem errechneten p-Wert von 0,95
kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen.
Abb. 15: Boxplot zur Darstellung des Einflusses des Weiterbildungsjahres auf die Dauer der
Echokardiographie.
24
3.9 BMI und Dauer der Echokardiographie
Weiterhin wurde der Body-Mass-Index als potentielle Einflussgröße auf die Dauer
der Echokardiographie untersucht. Der BMI wurde aus der folgenden Formel be-
rechnet:
Körpergewicht [kg]
BMI =
(Körpergröße [m])2
Der mittlere BMI des gesamten Patientenkollektivs betrug 25,51 kg/(m)2 (SD =
5,484404). Die mittlere Dauer für die Durchführung und Auswertung der fokussierten
Echokardiographie lag, wie in Abschnitt 4.6 erwähnt, bei fünf Minuten. Nach Analyse
der Korrelation zwischen den beiden Messgrößen resultierte ein nicht signifikanter
Zusammenhang mit einem Korrelationskoeffizient nach Pearson von 0,1094 (95 % KI
= [-0,0889, 0,2994]), die Dauer der Ultraschalluntersuchung wird nicht durch den BMI
des Patienten beeinflusst (Abb. 16).
Abb. 16: Streudiagramm zur Darstellung des Einflusses des BMI auf die Dauer der Echokardiographie.
Verwendete Abkürzungen: BMI: Body-Mass-Index.
3.10 Komplikationen
Im gesamten Patientengut trat ein Pneumothorax (1%) auf, der sich im weiteren Ver-
lauf spontan größenregredient zeigte. Der Patient blieb beschwerdefrei. Bei zwölf
Katheteranlagen (12%) kam es zu Fehllagen, die während der Durchführung der
Echokardiographie detektiert wurden. In meisten Fällen handelte es sich um eine zu
tiefe Positionierung im rechten Vorhof. Die jeweiligen Katheter wurden dann zurück-
gezogen bis ein sofortiger flush dargestellt werden konnte. Bei einem Patienten mit
verspätetem flush-Test zeigte sich die Katheterspitze in Projektion auf die Aorta tho-
racalis descendens. Im CT des Thorax stellte sich eine persistierende linke V. cava
superior dar, so dass der Katheter sofort entfernt wurde (Abb. 17). In einem Fall
zeigte sich der flush verspätet mit einem retrograden Fluss vom rechten Ventrikel
25
zum rechten Vorhof. Nach dem Rückzug des Katheters um 2,5 cm konnte ein sofor-
tiger und orthograder flush detektiert werden (Abb. 18). Komplikationen durch die
fokussierte Echokardiographie traten nicht auf.
Abb. 17: Persistierende linke Vena cava superior im Röntgen-Thorax (A) und im CT (B, Pfeil).
Abb. 18: Fehllage des zentralvenösen Katheters im rechten Ventrikel mit retrogradem flush. (A: Beginn
des Tests mit Kontrastierung des rechten Ventrikels, B: Retrograder Fluss vom Ventrikel in den rechten
Vorhof).
26
4 Diskussion
Die Anlage eines zentralvenösen Katheters gehört zur Standardprozedur in der Not-
fall- und Intensivmedizin. Sie dient der Gabe von Flüssigkeit, Medikamenten und
Ernährung sowie der hämodynamischen Überwachung. Weitere Anwendungsberei-
che sind die Hämofiltration / Hämodialyse und interventionelle Maßnahmen, wie zum
Beispiel ein temporärer Schrittmacher und das intravaskuläre Temperaturmanage-
ment.
Die favorisierten Zugangswege sind die Vv. jugulares internae, subclaviae und femo-
rales, die entweder ultraschallgesteuert oder nach anatomischen Landmarken punk-
tiert werden können. Durch die Anwendung des Ultraschalls wurde eine signifikante
Reduktion von Komplikationen, wie arterielle Fehlpunktionen, Nachblutungen oder
die Entstehung eines Pneumothorax erreicht (Jenssen et al. 2016).
Die ideale Lage der Katheterspitze ist oberhalb der Mündung der Vena cava superior
in den rechten Vorhof und außerhalb des Perikardiums (Hsu et al. 2006; Smith und
Nolan 2013). Durch eine Fehllage können schwerwiegende Komplikationen auftre-
ten, wie z. B. Herzperforation oder Perikardtamponade (Collier und Goodman 1995;
Booth et al. 2001), so dass vor der Verwendung des Katheters eine Lagekontrolle
unbedingt erfolgen soll.
Auf der ICU- und IMC-Station unserer Klinik wurden im Jahr 2015 jeweils 954 und
1.222 Patienten behandelt. Bei ca. 90% der Patienten auf der Intensivstation und bei
ca. 50% auf der IMC-Station wurden zentralvenöse Katheter gelegt und somit unge-
fähr 1.469 Katheter pro Jahr. Für die Detektion der Spitze des Katheters gibt es bis-
her keine Richtlinie und kein etabliertes Verfahren, welches eine korrekte Position
verifizieren kann. Auf den meisten Intermediate Care- und Intensivstationen gilt eine
Röntgen-Thoraxaufnahme als der Gold-Standard für die Lagekontrolle und den Aus-
schluss von postprozeduralen Komplikationen. Es gibt jedoch Zweifel daran, dass die
Carina tracheae tatsächlich der Höhe der V. cava superior entspricht. Wirsing und
Mitarbeiter zeigten mit Hilfe der transösophagealen Echokardiographie, dass eine
Distanz bis 55 mm unterhalb der Carina toleriert werden kann und eine extraatriale
Lage sichern kann (Wirsing et al. 2008). Daraufhin wurden weitere Techniken, wie
die intravasale EKG-Ableitung (Lee et al. 2009), die Fluoroskopie (Ahn et al. 2012)
oder die transthorakale Echokardiographie mit Darstellung des Führungsdrahtes in
der V. cava inferior oder im rechten Atrium (Bedel et al. 2013) untersucht. Solche
Verfahren sind jedoch eher unzuverlässig, zeitaufwendig oder auch potentiell gefähr-
lich für die Patienten.
Im Jahr 2010 wurde eine neue sonographische Methode mit Hilfe von Kontrastmittel
veröffentlicht. In der prospektiven Studie von Vezzani et al. wurden nach Anlage von
insgesamt 111 Kathetern die Vv. subclaviae und Vv. jugulares sowie die Herzhöhlen
mittels B-Mode untersucht. Anschließend wurden 9 ml physiologischer Kochsalzlö-
sung gemischt mit 1 ml Luft über den Katheter appliziert. Das Vorhandensein einer
Verwirbelung am Übergang der V. cava superior in den rechten Vorhof innerhalb von
1 bis 2 Sekunden wurde als Indikator einer korrekten Position gewertet. Anschlie-
ßend erfolgte eine Thoraxsonographie zwecks Ausschluss eines Pneumothorax. Als
Referenzmethode wurde das Röntgen-Thorax herangezogen. Die Methode zeigte
27
jeweils eine hohe Sensitivität (96%) und Spezifität (93%) sowie einen signifikanten
zeitlichen Vorteil des Ultraschalls mit 10 Minuten gegenüber dem Röntgen mit 83
Minuten. Ein Analyse der Kosten zeigte, dass die Sonographie um 2,81 € preisgüns-
tiger als das Röntgen ist (Vezzani et al. 2010). Im Fallbericht von Prekker et al. wur-
de nur 0,9%-ige Kochsalzlösung verabreicht mit einer vergleichbar präzisen Darstel-
lung der Verwirbelung in der Echokardiographie (Prekker et al. 2010). Die neue Me-
thode wurde auch bei Kindern mit zentralvenösen Kathetern in den Femoralgefäßen
in einem Herzkatheterlabor untersucht. Ein positiver flush-Test sicherte, dass der
Katheter im venösen System lag (Horowitz et al. 2014).
Im Jahr 2014 wurde eine prospektive Studie mit 152 ZVK bei 147 Patienten von
Weekes et al. publiziert. Bei drei von vier fehlpositionierten Kathetern war der flush-
Test abwesend. Der vierte Katheter wurde über die rechte V. subclavia eingebracht,
die Spitze lag in der V. brachiocephalica. Der flush-Test zeigte sich positiv, was die
Sensitivität auf 75% senkte. Die Spezifität betrug 100%, der PPV 100% und NPV
99,24% (Weekes et al. 2014).
In weiteren Studien wurde gezeigt, dass die neue Methode eine hohe Präzision für
die ZVK-Lagekontrolle aufweist (Weekes et al. 2014; Wen et al. 2014; Duran-Gehring
et al. 2015; Gekle et al. 2015; Meggiolaro et al. 2015; Weekes et al. 2015).
In der Tabelle 12 werden alle publizierten Arbeiten mit ihren Merkmalen zusammen-
gefasst.
28
Tab. 12: Übersicht der publizierten Studien und ihrer Merkmale.
Baviskar 2015 Indian Journal of Critical Care Medi- Prospektive Observationsstudie US-erfahrener Intensivmediziner 25
cine
Duran-Gehring 2015 The American Journal of Emergency Prospektive Observationsstudie Zwei Intensivmediziner mit 1 Monat Rota- 46
Medicine tion im US
29
In der hier vorliegenden Arbeit wurde die Lagekontrolle des ZVK mit Hilfe der fokus-
sierten Echokardiographie nach Kochsalzinjektion über den Katheter analysiert. Wir
führten eine prospektive, monozentrische klinische Studie mit insgesamt 100 Patien-
ten durch. Der primäre Endpunkt war die Evaluation der Effektivität der fokussierten
Echokardiographie im Vergleich zum Röntgen. Um die neue Methode zu testen,
wurden die Patienten in zwei Gruppen eingeteilt: eine Testgruppe mit den ersten 10
Patienten, die vom erfahrenen Studienarzt untersucht wurden und eine Validierungs-
gruppe mit den restlichen 90 Patienten, die von den diensthabenden Ärzten der Sta-
tionen eingeschlossen wurden. Die postprozeduralen Röntgen-Thoraxaufnahmen
wurden in a.p.-Projektion im Liegen durchgeführt und vom unabhängigen Untersu-
cher und einem verblindeten Radiologen befundet. Nach dem Aufsuchen der Carina
tracheae erfolgte die Unterteilung in vier radiologische Zonen (Abb. 12). In beiden
Gruppen wurde in 74 % der Fälle eine korrekte Position dokumentiert, 3 % lagen zu
hoch in der Zone C und 23 % zu tief im rechten Vorhof. Die Notwendigkeit zur Lage-
korrektur wurde vom Punkteur ermessen und durchgeführt.
In der Studie von Vezzani et al. (2010) zeigte die neue Methode ebenfalls eine hohe
Sensitivität (96%) und Spezifität (93%) und die Sonographie war mit 2,81 € preis-
günstiger als das Röntgen (Vezzani et al. 2010). In einer ähnlichen Arbeit von Wee-
kes et al. (2014) mit 152 ZVKs bei 142 Patienten wurde eine geringere Sensitivität
von 75% berechnet. Grund dafür war die kleine Anzahl der vier malpositionierten
Katheter mit abwesendem flush-Test in dreien davon. Trotzdem blieb die Spezifität
mit 100% eindrucksvoll hoch; der PPV betrug 100%, der NPV 99,24 % (Weekes et
al. 2014). Laut Baviskar et al. (2015) kann die neue Methode eine Sensitivität und
Spezifität von 100% erreichen, die durchgeführte Studie weist jedoch eine schlechte
Qualität aus, da die Untersuchungen in nur 25 Patienten mit einem Linear-Schallkopf
10-5 MHz gemacht wurden (Baviskar et al. 2015). In der prospektiven Arbeit von
Duran-Gehring et al. (2015) in 46 Patienten wurden drei Fehllagen mit verspätetem
oder abwesendem flush detektiert (Duran-Gehring et al. 2015). Meggiolaro et al.
(2015) präsentierten ebenfalls akkurate Ergebnisse mit jedoch verschärftem zeitli-
30
chem Abstand zwischen der Injektion der Kochsalzlösung und der sichtbaren Verwir-
belung auf 500 ms, was zu einer Sensitivität von 10 % und Spezifität von 99% ge-
führt hat (Meggiolaro et al. 2015).
Unsere Ergebnisse zeigen, dass die fokussierte Echokardiographie mit fünf Minuten
einen signifikant geringeren Zeitaufwand als die Röntgenaufnahmen aufweist, die
durchschnittlich 49,5 Minuten dauerten. Das korreliert gut mit Resultaten aus ande-
ren Studien, die einen wesentlichen zeitlichen Vorteil des Ultraschalls nachweisen.
Wen et al. haben 202 Patienten mit insgesamt 219 Dialysekathetern retrospektiv
analysiert und beschrieben einen durchschnittlichen Zeitabstand für das Röntgen von
28,3 Minuten (10-360 Minuten) und für den Ultraschall von 3,2 Minuten (2-5 Minuten)
(Wen et al. 2014). Vezzani et al. (2010), Duran-Gehring et al. (2014), Gekle et al.
(2015) und Weekes et al. (2016) führten zusätzlich eine Thoraxsonographie zum
Ausschluss eines Pneumothorax durch. Beide Untersuchungen dauerten 10 ± 5 Mi-
nuten (3-20 Minuten) im Vergleich zum Röntgen mit 83 ± 79 Minuten (15-368 Minu-
ten) (Vezzani et al. 2010). Duran-Gehring et al. (2014) veröffentlichten kürzeren Zei-
ten von 5 Minuten (4,2-5,9 Minuten) für den Ultraschall und 28.2 Minuten (16,8-39,4
Minuten) für das Röntgen (Duran-Gehring et al. 2015). In der Arbeit von Gekle et al.
(2015) wurden ähnliche Ergebnisse publiziert mit einer Dauer für die Sonographie
von 8,8 Minuten (7,46-10,14 Minuten) und für die Thoraxaufnahme von 45,78 Minu-
ten (37,03-54,54 Minuten) (Gekle et al. 2015). Der zeitliche Unterschied zwischen
beiden Untersuchungen in der Studie von Weekes et al. (2016) war 23,8 Minuten
(19,6-29.3 Minuten) (Weekes et al. 2015). Mit Hilfe des Ultraschalls kann daher eine
schnelle Verwendung des zentralvenösen Katheters erfolgen, die für die kritisch
kranken Patienten von großer Bedeutung ist.
Ein zusätzlicher Vorteil der Sonographie ist die fehlende Strahlenbelastung des Pati-
enten. Für die aus unnatürlichen Quellen stammende Strahlenexposition ist haupt-
31
sächlich die diagnostische Medizin verantwortlich. Das Ausmaß des Krebsrisikos
durch medizinische Strahlenbelastung wurde im Jahr 2004 in 14 Ländern untersucht.
Den zweiten Platz belegte Deutschland mit einem geschätzten das Risiko von 1,5 %
und somit 2.049 zusätzlichen Krebserkrankungen pro Jahr (de Gonzalez und Darby
2004). Die Minimierung der Strahlenexposition muss daher immer gefordert werden
und wird von der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) unterstützt: § 81 Abs. 1 ‚‚Die
durch ärztliche Untersuchungen bedingte Strahlenexposition ist so weit einzuschrän-
ken, wie dies mit den Erfordernissen der medizinischen Wissenschaft zu vereinbaren
ist.‘‘ (Strahlenschutzverordnung vom 20. Juli 2001)
Idealerweise sollte die Prozedur einfach zu erlernen sein, daher wurde als sekundä-
rer Endpunkt das Leistungsniveau der diensthabenden Ärzte aus verschiedenen
Weiterbildungsjahren geprüft, was in den bisher publizierten Studien nicht untersucht
wurde. Um den sekundären Endpunkt zu analysieren, wurde die fokussierte Echo-
kardiographie durch insgesamt 22 Assistenzärzte aus verschiedenen Weiterbildungs-
jahren durchgeführt. Die Testcharakteristika sowie die Dauer der Untersuchung zeig-
ten keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen. In Anbetracht diesen
Ergebnissen erscheint dieses Verfahren nach kurzem Training einfach erlernbar zu
sein. Schließlich wurde die Korrelation zwischen dem Body-Mass-Index und der
Dauer der Echokardiographie untersucht, mit Ausschluss eines relevanten Einflus-
ses.
Unsere Studie weist einige Limitationen auf. Zunächst wäre die geringe Erfahrung
der Assistenzärzte in der Notfallsonographie zu erwähnen, die Kolleginnen / -en wur-
den nur einem 30- bis 60-minütigen Training durch die Studienärzte unterzogen. In
unserer Klinik und in vielen Institutionen in Deutschland gibt es jedoch keine Re-
gelausbildung für die fokussierte Notfallsonographie, sodass unsere Ergebnisse ei-
nen pragmatischen Ansatz widerspiegeln. In der Beobachtungsstudie von Breitkreutz
et al. konnte die fokussierte Echokardiographie im Rahmen der kardiopulmonalen
Reanimation nach einem 8-stündigen Training qualitativ hochwertig von Anfängern
durchgeführt werden (Breitkreutz et al. 2009).
Der zweite mögliche Kritikpunkt an unserer Studie ist die nicht erfolgte Thoraxsono-
graphie zwecks Ausschluss eines Pneumothorax. Vezzani et al. hingegen haben
diesen Aspekt untersucht. Die Detektion des Pneumothorax erfordert ein umfangrei-
cheres Training und war nicht das Ziel unserer Arbeit.
Der dritte Kritikpunkt betrifft die sonographische Kontrolle der Vena jugularis und
Vena subclavia zum Ausschluss einer Kathetermigration, wie in der Arbeit von Maury
et al. beschrieben. Dieses Vorgehen könnte theoretisch nach einem negativen flush-
Test sinnvoll sein. Unser primäres Ziel war jedoch der Vergleich der fokussierten
Echokardiographie mit dem Röntgen und die Beurteilung des Leistungsniveaus der
Weiterbildungsassistenten nach dem kurzen Training, so dass diese Untersuchung
explizit nicht durchgeführt wurde.
32
Spitzen zu tief im rechten Vorhof und wurden dann vom Punkteur zurückgezogen.
Bei einem Katheter konnte echokardiographisch sehr eindrücklich eine intraventriku-
läre Lage dargestellt werden, als der flush retrograd vom Ventrikel in den Vorhof
ausgerichtet war (Abb. 18). In einem anderen Fall stellte sich die Katheterspitze in
Projektion auf die Aorta thoracalis descendens dar und der flush-Test war verspätet.
Im nachfolgenden CT des Thorax wurde eine persistierende linke Vena cava superi-
or diagnostiziert. Wegen der erhöhten Gefahr für Herzrhythmusstörungen (Morgan et
al. 2015) wurde der Katheter sofort entfernt.
33
5. Zusammenfassung
Methodik: Wir führten eine prospektive klinische Studie mit insgesamt 100 Patienten
der Intermediate Care- (IMC-Station 1021) und Intensivstation (ICU-Station 1022) der
Klinik für Nephrologie und Rheumatologie durch. Die ersten zehn Patienten (Testko-
horte) wurden vom erfahrenen Studienarzt untersucht und die restlichen 90 Patienten
(Validierungskohorte) von Assistenzärzten aus verschiedenen Weiterbildungsjahren.
Die Anleitung und Ausbildung in der fokussierten Echokardiographie erfolgte nach
einem 30- bis 60-minütigen Training durch die Studienärzte. Alle Patienten erhielten
eine postprozedurale Röntgen-Thorax-Aufnahme als derzeitiger Goldstandard für die
Lagekontrolle der Katheterspitze. Die Auswertung der Bilder erfolgte durch einen
unabhängigen Untersucher und einen verblindeten Radiologen. Direkt nach der ZVK-
Anlage wurden 10 ml NaCl 0,9 % über den distalen Schenkel appliziert und mit Hilfe
der fokussierten Echokardiographie die Darstellung des Flüssigkeitsbolus im Herzen
beurteilt. Eine sofort sichtbare Verwirbelung (flush oder RASS) im rechten Vorhof
zeigte sich innerhalb von zwei Sekunden nach Injektion und wurde als negativer
screening-Test gewertet. Ein verspäteter (mehr als zwei Sekunden nach Injektion)
oder abwesender flush wurden als positiver screening-Test für Fehllage definiert.
Eine Stichprobe von 30% der Videoaufnahmen wurde von zwei unabhängigen Un-
tersuchern evaluiert.
Ergebnisse: Die Sensitivität betrug 100% (95% KI 73,54-100%). Die Spezifität be-
trug 94,32% (95% KI 87,24-98,13%) und variierte zwischen 91-97% in allen Gruppen
der Weiterbildungsassistenten. Die positiven bzw. negativen prädiktiven Werte be-
trugen 70,59% (95% KI 44,04-89,69%) und 100% (95% KI 95,65-100%) im gesam-
ten Patientenkollektiv. Die mittlere Dauer für die Durchführung der fokussierten
Echokardiographie betrug in beiden Kohorten 5 (1-28) Minuten und für das Röntgen-
Thorax 49,5 (13-254) Minuten. Die Interrater-Reliabilität des RASS zeigte eine gute
Übereinstimmung zwischen den Bewertern mit einem Cohen’s-Kappa-Koeffizienten
von 0,772. Die Interpretation der Röntgenaufnahmen durch zwei unabhängige Unter-
sucher ergab ebenfalls eine gute Korrelation (r2=0.8665). Die Testcharakteristika
waren unabhängig vom Weiterbildungsjahr des Untersuchers.
Fazit: Die fokussierte Echokardiographie zur Darstellung des RASS für die Lagekon-
trolle der Katheterspitze hat eine ausgezeichnete Sensitivität und Spezifität und
konnte gleichermaßen von erfahrenen und unerfahrenen Assistenzärzten durchge-
führt werden. Die Ergebnisse legen nahe, dass die routinemäßige postprozedurale
Röntgenaufnahme bei einem vorhandenen rapid atrial swirl sign nicht erforderlich ist.
Dies würde eine Reduktion der Strahlenbelastung und der Kosten bewirken und zur
Zeitersparnis führen. Ein negativer RASS sollte zu einer erweiterten sonographi-
schen oder radiologischen Diagnostik führen.
34
6. Anhang
6.1 Patienteninformation
35
36
6.2 Einwilligungserklärung
37
38
6.3 Nicht einwilligungsfähige Patienten
39
6.4 Wiedererlagung der Einwilligungsfähigkeit
40
6.5 Untersuchungsprotokoll
41
6.6 Einwilligungserklärung für Abbildungen
42
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Internetquellen:
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Danksagung
Ein besonderer und herzlicher Dank gilt meinem Betreuer Herrn Dr. med. Pe-
ter Korsten für die Konzeption und Vergabe des Promotionsthemas. Mit sei-
ner Hilfsbereitschaft und wissenschaftlicher Kompetenz ermöglichte er die
Verwirklichung dieser Dissertation.
Des Weiteren möchte ich mich bei Herrn Prof. Dr. med. Daniel Patschan be-
danken für die Durchsicht und Korrektur, der damit maßgeblich zum Gelingen
dieser Arbeit beigetragen hat, sowie bei Herrn Prof. Dr. med. Gerhard Anton
Müller für die Möglichkeit der Durchführung dieser Dissertation in seiner Kli-
nik.
Ein ganz großes Dankeschön geht an Prof. Dr. med. Volker Ellenrieder,
Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie und gastointestinale Inkologie, für
die stetige Ermutigung und sein Vertrauen in meine Fähigkeiten.
Darüber hinaus möchte ich Herrn David Ellenberger aus dem Institut für Me-
dizinische Statistik der Georg-August-Universität Göttingen für die professio-
nelle Hilfe bei der statistischen Auswertung meinen Dank aussprechen.
Ein ganz großer Dank geht an die ärztlichen Kollegen und das Pflegepersonal
der Intermediate Care Station (IMC-Station 1021) sowie der Intensivstation
(ICU-Station 1022) der Klinik für Nephrologie und Rheumatologie, die mich
liebevoll unterstützt und motiviert haben und ohne deren Mithilfe diese Disser-
tation nicht realisiert worden wäre.
50
Lebenslauf
Ich, Eirini Mavropoulou, bin am 24.03.1987 als drittes Kind der Eheleute
Athanasios Mavropoulos und Angeliki Mavropoulou in Athen (Griechenland)
geboren.
Im Jahr 2004 habe ich das Studium der Humanmedizin an der Aristoteles-
Universität in Thessaloniki aufgenommen. Das englische Sprachdiplom Certi-
ficate of Proficiency in English, University of Michigan, erwarb ich im Jahr
2007. Das Praktische Jahr habe ich 2009 mit dem ERASMUS-
Austauschprogramm in der Universitätsmedizin in Göttingen verbracht und
die deutsche Kultur kennengelernt. Im Jahr 2010 absolvierte ich das Zertifikat
B2 des Goethe-Instituts in Thessaloniki. Nach dem Staatsexamen und dem
erfolgreichen Studienabschluss habe ich mein medizinisches Diplom mit der
Note ‚‚sehr gut‘‘ erhalten.
51