Ausgabe: Juli 2017
Technische Regeln
für Gefährdungsbeurteilung ASR V3
Arbeitsstätten
Die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) geben den Stand der Technik, Ar-
beitsmedizin und Hygiene sowie sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche
Erkenntnisse für das Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten wieder.
Sie werden vom Ausschuss für Arbeitsstätten ermittelt bzw. angepasst und vom
Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Gemeinsamen Ministerialblatt bekannt
gemacht.
Diese ASR V3 konkretisiert im Rahmen des Anwendungsbereichs die Anforderungen
der Verordnung über Arbeitsstätten. Bei Einhaltung der Technischen Regeln kann
der Arbeitgeber insoweit davon ausgehen, dass die entsprechenden Anforderungen
der Verordnung erfüllt sind. Wählt der Arbeitgeber eine andere Lösung, muss er da-
mit mindestens die gleiche Sicherheit und den gleichen Gesundheitsschutz für die
Beschäftigten erreichen.
Inhalt
1 Zielstellung
2 Anwendungsbereich
3 Begriffsbestimmungen
4 Allgemeine Grundsätze
5 Prozessschritte der Gefährdungsbeurteilung
6 Abweichende/ergänzende Anforderungen für Baustellen
Anhang
1 Zielstellung
Diese ASR konkretisiert die Anforderungen an die Gefährdungsbeurteilung nach
§ 3 Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) im Rahmen der Beurteilung der
Arbeitsbedingungen nach Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Sie beschreibt eine
Vorgehensweise zur Durchführung dieser Gefährdungsbeurteilung nach
§ 3 ArbStättV.
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2 Anwendungsbereich
Diese ASR gilt für die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung beim Einrichten und
Betreiben von Arbeitsstätten sowie bei Telearbeitsplätzen gemäß § 2 Absatz 7
ArbStättV bei der erstmaligen Beurteilung der Arbeitsbedingungen und des
Arbeitsplatzes soweit der Arbeitsplatz von dem im Betrieb abweicht.
Hinweis:
In dieser ASR V3 sind die Anforderungen an die Gefährdungsbeurteilung für die Be-
lange von Menschen mit Behinderungen berücksichtigt.
3 Begriffsbestimmungen
3.1 Die Gefährdungsbeurteilung nach § 3 ArbStättV ist die auf das Einrichten
und Betreiben der Arbeitsstätte ausgerichtete systematische Ermittlung und Beurtei-
lung aller möglichen Gefährdungen der Beschäftigten einschließlich der Festlegung
der erforderlichen Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit.
3.2 Eine Gefährdung bezeichnet die Möglichkeit eines Gesundheitsschadens
oder einer gesundheitlichen Beeinträchtigung ohne bestimmte Anforderungen an
deren Ausmaß oder Eintrittswahrscheinlichkeit.
3.3 Eine Gefahr bezeichnet eine Sachlage, die bei ungehindertem Ablauf des zu
erwartenden Geschehens mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu einem
Gesundheitsschaden oder einer gesundheitlichen Beeinträchtigung führt.
3.4 Wechselwirkung im Sinne dieser ASR ist die gegenseitige Beeinflussung von
Gefährdungen oder Maßnahmen, wodurch sich Ausmaß und Art der Gefährdung
verändern können.
4 Allgemeine Grundsätze
(1) Die Gefährdungsbeurteilung dient insbesondere als:
- Instrument zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen,
- Grundlage zur Entscheidungsfindung, ob und welche Maßnahmen des
Arbeitsschutzes notwendig sind,
- Handlungskonzept für die Verbesserung von Sicherheit und
Gesundheitsschutz in der Arbeitsstätte (siehe Punkt 5, Abb. 1).
Hinweis:
In Verbindung mit Neubau oder baulichen Änderungen von Arbeitsstätten können im
Rahmen der Gefährdungsbeurteilung wichtige und maßgebende Parameter, Rah-
menbedingungen und Qualitäten beschrieben und festgelegt werden. Die Gefähr-
dungsbeurteilung kann den Planern für das Einrichten (Entwurfsplanung) wichtige
Gestaltungshinweise geben (siehe Punkt 4.2.1).
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(2) Die Gefährdungsbeurteilung ist systematisch und fachkundig durchzuführen,
insbesondere:
- beim Einrichten von Arbeitsstätten und
- beim Betreiben von Arbeitsstätten.
(3) Die Gefährdungsbeurteilung ist vor Aufnahme der Tätigkeiten durchzuführen
und zu dokumentieren.
(4) Sie ist zu überprüfen und bei Bedarf zu aktualisieren, insbesondere:
- bei wesentlichen Veränderungen in der Arbeitsstätte, z. B.:
• der Umgestaltung der bestehenden Arbeitsstätte,
• der Festlegung von Arbeitsplätzen,
• der Änderung von Arbeitsverfahren,
• der Änderung der Arbeitsabläufe und der Arbeitsorganisation,
• im Zusammenhang mit dem Einsatz anderer Arbeitsmittel oder Arbeits-
stoffe,
• im Zusammenhang mit der Änderung oder Beschaffung von Maschinen,
Geräten und Einrichtungen,
• im Zusammenhang mit Instandhaltung,
- bei der Änderung von relevanten Rechtsvorschriften oder von Technischen
Regeln,
- bei neuen arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen bzw. Veränderungen des
Standes der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene,
- nach dem Erkennen von kritischen Situationen (z. B. Beinahe-Unfällen,
Fehlzeiten infolge arbeitsbedingter Gesundheitsbeeinträchtigungen sowie
Erkenntnissen aus der arbeitsmedizinischen Vorsorge),
- nach Bekanntwerden einer Behinderung bei Beschäftigten oder
- nach Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten.
4.1 Fachkunde
(1) Der Arbeitgeber hat sicherzustellen, dass die Gefährdungsbeurteilung
fachkundig durchgeführt wird. Verfügt der Arbeitgeber nicht selbst über die
entsprechenden Kenntnisse, hat er sich fachkundig beraten zu lassen.
(2) Fachkundig ist, wer über die zur Erfüllung der in dieser Technischen Regel
bestimmten Aufgaben erforderlichen Fachkenntnisse verfügt. Zu den Anforderungen
zählen eine entsprechende Berufsausbildung, Berufserfahrung oder eine zeitnah
ausgeübte entsprechende berufliche Tätigkeit. Die Fachkenntnisse sind durch
Teilnahme an Schulungen oder Unterweisungen auf aktuellem Stand zu halten.
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(3) Umfang und Tiefe der notwendigen Kenntnisse, z. B. über das einschlägige
Vorschriften- und Regelwerk, insbesondere die Technischen Regeln für Ar-
beitsstätten, können in Abhängigkeit von der zu beurteilenden Gefährdung
unterschiedlich sein.
(4) Fachkundig im Sinne von Absatz 2 können insbesondere betriebliche
Führungskräfte oder die Fachkraft für Arbeitssicherheit oder die Betriebsärztin oder
der Betriebsarzt sein.
(5) Die Anforderungen an die Fachkunde sind abhängig von den zu beurteilenden
Gefährdungen und müssen im Sinne dieser ASR nicht in einer Person vereinigt sein.
Zur fachkundigen Durchführung der Gefährdungsbeurteilung gehören konkrete
Kenntnisse der zu beurteilenden Arbeitsstätten und Tätigkeiten.
4.2 Gegenstand der Gefährdungsbeurteilung
Bei der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung für Arbeitsstätten sind in Bezug
auf das Einrichten sowie auf das Betreiben unterschiedliche Sachverhalte von
Bedeutung. Der Arbeitgeber hat die mit der Arbeitsstätte verbundenen Gefährdungen
unabhängig voneinander zu ermitteln und zu beurteilen. Mögliche Wechselwirkungen
sind zu berücksichtigen. Sie können sich insbesondere auch im Zusammenwirken
mit Arbeitsmitteln, Arbeitsstoffen, Arbeitsabläufen bzw. der Arbeitsorganisation sowie
den Gefährdungsfaktoren gemäß Punkt 5.2.2 ergeben.
4.2.1 Einrichten von Arbeitsstätten
(1) Einrichten ist das Bereitstellen und Ausgestalten der Arbeitsstätte. Es umfasst
u. a.:
- bauliche Maßnahmen oder Veränderungen, insbesondere Neu- und Umbau
sowie Erweiterungsmaßnahmen von Arbeitsstätten,
- das Ausstatten mit Maschinen, Anlagen, Bildschirmgeräten, Mobiliar, anderen
Arbeitsmitteln sowie Beleuchtungs-, Lüftungs-, Heizungs-, Feuerlösch- und
Versorgungseinrichtungen,
- das Anlegen und Kennzeichnen von Verkehrs- und Fluchtwegen, Kennzeich-
nen von Gefahrenstellen und brandschutztechnischen Ausrüstungen sowie
- das Festlegen von Arbeitsplätzen unter Berücksichtigung der geplanten Tätig-
keiten.
(2) Die Integration des Arbeitsschutzes in die Planung von Arbeitsstätten ist von
grundlegender Bedeutung. Nach dem Einrichten einer Arbeitsstätte lassen sich
Veränderungen nur mit einem zusätzlichen Aufwand realisieren. Um dies zu
vermeiden, sind zweckmäßigerweise bereits im Planungsprozess von Neu- oder
Umbauten die Nutzung der Arbeitsstätte und der Stand der Technik, Arbeitsmedizin
und Hygiene sowie die ergonomischen Anforderungen zu ermitteln und als
Anforderung an die Arbeitsstätte festzuhalten. Werden Grundsätze der barrierefreien
Gestaltung bereits bei der Planung von Arbeitsstätten berücksichtigt, können
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vorausschauende Lösungen die Kosten für eine nachträgliche Anpassung und einen
aufwendigen Umbau von Arbeitsstätten bei einer künftigen Beschäftigung von
Menschen mit Behinderungen verringern oder vermeiden.
(3) Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung müssen Abnutzungserscheinungen
und ggf. vorhandene Wirkungsgradverluste von getroffenen Maßnahmen des
Arbeitsschutzes berücksichtigt werden (z. B. Beleuchtung, Lüftung, Sonnenschutz,
Kennzeichnung), damit die Schutzziele der ArbStättV dauerhaft und zuverlässig
erreicht werden.
(4) Die Festlegung von Arbeitsplätzen ist notwendig, damit arbeitsplatzbezogene
Gestaltungsmaßnahmen getroffen werden können (z. B. Zugänge zu den Ar-
beitsplätzen, Bewegungsflächen, Anordnung der Leuchten).
(5) Bei der prospektiven Betrachtung ist auch die Nutzung durch unterschiedliche
Personengruppen (siehe Punkt 5.1 Absätze 5 und 6) zu berücksichtigen.
(6) Die Veränderung der Leistungsvoraussetzungen der Beschäftigten im Verlauf
der Nutzungsdauer der Arbeitsstätte kann einen Einfluss auf die Planung haben
(z. B. kann eine Verringerung des individuellen Sehvermögens bei zunehmendem
Alter der Beschäftigten eine höhere Anforderung an die Beleuchtungsqualität
erfordern).
(7) Beabsichtigt ein Arbeitgeber eine bauliche Anlage zur Nutzung als Arbeits-
stätte zu mieten oder zu erwerben, so ist es angezeigt, vor der Einrichtung des
Objekts anhand einer Gefährdungsbeurteilung zu prüfen, ob die Vorgaben der
ArbStättV eingehalten werden können. Sonst ist ggf. keine oder nur eine ein-
geschränkte Nutzung möglich.
(8) Sofern vorhanden, sind die Informationen zu Sicherheit und Gesundheits-
schutz aus der nach Baustellenverordnung geforderten Unterlage für mögliche
spätere Arbeiten, z. B. Reinigung oder Instandhaltung, zu berücksichtigen.
4.2.2 Betreiben von Arbeitsstätten
(1) Das Betreiben von Arbeitsstätten umfasst das Benutzen, Instandhalten und
Optimieren der Arbeitsstätten, die Organisation und die Gestaltung von Arbeits- und
Fertigungsverfahren sowie der Arbeitsabläufe in der Arbeitsstätte.
(2) Der Arbeitgeber hat sicherzustellen, dass die Arbeitsstätte nach dem Stand
der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene sowie den ergonomischen Anforderungen
betrieben wird. Dieses gilt auch für angemietete Objekte (z. B. Büroflächen,
Verkaufsräume, Produktions- oder Lagerräume).
(3) In der Gefährdungsbeurteilung müssen auch Situationen berücksichtigt wer-
den, die vom Normalbetrieb abweichen (z. B. Störungen, Stromausfälle, extreme
Witterungseinflüsse).
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(4) Weiterhin sind Gefährdungen zu ermitteln und zu beurteilen, mit denen z. B.
bei Bränden, Unfällen, Überfällen oder sonstigen Betriebsstörungen zu rechnen ist
(z. B. Gestaltung von Fluchtwegen und Notausgängen, Flucht- und Rettungspläne).
5 Prozessschritte der Gefährdungsbeurteilung
Die Prozessschritte werden in der folgenden Abbildung 1 dargestellt.
Abb. 1: Schematische Darstellung der Prozessschritte der Gefährdungsbeurteilung
5.1 Vorbereiten
(1) Die Gefährdungsbeurteilung ist je nach Art der Tätigkeiten in der Arbeitsstätte
durchzuführen. Daher kann es erforderlich sein, eine Gliederung (z. B. in Ar-
beitsbereiche oder Tätigkeitsgruppen) vorzunehmen.
(2) Wenn von Beschäftigten arbeitsbereichsübergreifende Tätigkeiten (z. B. Haus-
meistertätigkeiten, Instandhaltung, Reinigung) ausgeführt werden, ist zu prüfen, ob
diese Tätigkeiten gesondert zu betrachten sind.
(3) Bei gleichartigen Arbeitsbedingungen können Arbeitsplätze oder Tätigkeiten
innerhalb einer Arbeitsstätte zusammengefasst betrachtet werden.
(4) Erforderlichenfalls sind Tätigkeiten so zu erfassen, dass auch ihre Dauer bzw.
Häufigkeit (z. B. temporär, täglich, quartalsweise, jährlich) erkennbar sind.
(5) Es ist zu berücksichtigen, ob in der Arbeitsstätte besondere Personengruppen
beschäftigt werden (z. B. Praktikanten, Jugendliche, werdende oder stillende Mütter,
Leiharbeitnehmer, Beschäftigte ohne ausreichende Deutschkenntnisse, Menschen
mit Behinderungen).
(6) Gefährdungen durch sonstige in der Arbeitsstätte anwesende Personen (z. B.
Beschäftigte von Fremdfirmen, Beschäftigte im Rahmen von Dienst- und
Werkverträgen, Besucher, Kunden) sind zu berücksichtigen.
(7) In Arbeitsstätten, in denen Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber tätig werden,
haben sich diese Arbeitgeber bei der Festlegung von Maßnahmen zur Vermeidung
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gegenseitiger Gefährdungen der Beschäftigten abzustimmen (z. B. auf Baustellen,
Bürogemeinschaften).
(8) Für Telearbeitsplätze gilt nur der Anhang Nummer 6 „Maßnahmen zur Gestal-
tung von Bildschirmarbeitsplätzen“ der ArbStättV soweit der Arbeitsplatz von dem im
Betrieb abweicht.
5.2 Ermitteln von Gefährdungen
(1) Ziel der Ermittlung ist die systematische Identifizierung von möglichen Gefähr-
dungen, deren Quellen und gefahrbringenden Bedingungen.
(2) Das Ermitteln beinhaltet die Erfassung des Planungs- oder Ist-Zustandes
(z. B. durch Beobachten, Befragen, Messen, Berechnen oder Abschätzen) sowie die
anschließende Benennung und Beschreibung der Gefährdungen.
5.2.1 Vorgehensweise beim Ermitteln von möglichen Gefährdungen
(1) Zur fachkundigen Ermittlung von möglichen Gefährdungen sind systematisch
alle unter Punkt 5.1 „Vorbereiten“ festgelegten Arbeitsbereiche, Tätigkeitsgruppen,
Personengruppen sowie bereichsübergreifende Arbeitsaufgaben bezüglich der
Gefährdungsfaktoren gemäß Punkt 5.2.2 und deren Wechselwirkungen (siehe Punkt
4.2) zu betrachten.
Bei der Ermittlung von möglichen Gefährdungen (siehe Definition, Punkt 3.2) werden
keine bestimmten Anforderungen an das Ausmaß oder die Eintrittswahrscheinlichkeit
eines Gesundheitsschadens oder einer gesundheitlichen Beeinträchtigung gestellt.
(2) Sofern es zur fachkundigen Informationsgewinnung erforderlich ist, sind die
relevanten Quellen heranzuziehen, z. B.:
- das einschlägige Vorschriften- und Regelwerk, insbesondere die Technischen
Regeln für Arbeitsstätten sowie weitere Technische Regeln,
- branchenspezifische Regeln und Informationen sowie Gefährdungs- und
Belastungskataloge insbesondere der Unfallversicherungsträger,
- Herstellerinformationen (z. B. Bedienungsanleitungen, Gebrauchsanleitungen,
Betriebsanleitungen),
- vorhandene Verfahrens-, Arbeits- und Betriebsanweisungen,
- Aufzeichnungen und Erkenntnisse über Unfälle, Erkrankungen,
Behinderungen, Schadensfälle, kritische Situationen, Beinahe-Unfälle,
- Betriebsbegehungsprotokolle, Arbeitsschutzausschussprotokolle, dokumen-
tierte Befragungsergebnisse, Prüfbücher, Unterlagen für Instandhaltung (z. B.
gemäß BaustellV bzw. RAB 32 „Unterlage für spätere Arbeiten“),
- Baugenehmigungen und mitgeltende Unterlagen (z. B. Brandschutzkonzepte),
- behördliche Anordnungen,
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- Berechnungsprognosen oder Protokolle durchgeführter Messungen (z. B. zu
Lärm, Klima, Gefahrstoffen),
- Erfahrungswerte von vergleichbaren Arbeitsplätzen oder
- Angaben aus Datenbanken.
(3) Zur Ermittlung der Gefährdung beim Einrichten und Betreiben von Arbeitsstät-
ten können z. B. folgende Methoden einzeln oder kombiniert angewandt werden:
- Prüfung von Planungsunterlagen, Bauzeichnungen und -plänen,
- Abschätzen von Messgrößen anhand von Technischen Unterlagen (z. B. Ma-
schinenkennzahlen, Emissionskennzahlen),
- Durchführung von Modellrechnungen, Simulationen, Profilvergleichsverfahren
u. ä.,
- Besichtigung der betrieblichen Gegebenheiten (z. B. mit Erfassung der
Arbeitsorganisation, der Arbeitsabläufe, der Arbeitszeiten, der einzelnen Tä-
tigkeiten, der Arbeitsmittel, Arbeitsverfahren, Arbeitsstoffe sowie des Arbeits-
umfelds),
- Messungen zur Feststellung von räumlichen Gegebenheiten, Ermittlung von
Konzentrationen, Temperaturen, Emissionen usw. oder
- Befragungen von Beschäftigten, Führungskräften und weiteren
Arbeitsschutzakteuren.
5.2.2 Gefährdungsfaktoren
Beim Ermitteln von möglichen Gefährdungen sind insbesondere die im Anhang mit
arbeitsstättenbezogenen Beispielen und Erläuterungen aufgeführten Gefährdungs-
faktoren relevant.
5.3 Beurteilen von Gefährdungen
Um die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten bei der Arbeit zu
gewährleisten und kontinuierlich zu verbessern, hat der Arbeitgeber die ermittelten
Gefährdungen systematisch dahingehend zu beurteilen, ob Maßnahmen des Ar-
beitsschutzes erforderlich sind. Für das Beurteilen der Gefährdung im Hinblick auf
das zu erreichende Schutzziel nach ArbStättV sind zunächst Beurteilungsmaßstäbe
erforderlich, die in der Regel aus dem einschlägigen Vorschriften- und Regelwerk
sowie aus der Fachliteratur abzuleiten sind (siehe Punkt 5.3.1 Absätze 1 bis 3).
Fehlen solche Beurteilungsmaßstäbe müssen diese betrieblich vereinbart werden
(siehe Punkt 5.3.1 Absatz 4).
Anhand dieser Beurteilungsmaßstäbe erfolgt danach das Beurteilen der Gefährdun-
gen (siehe Punkt 5.3.2).
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5.3.1 Ermittlung von Beurteilungsmaßstäben
Bei der Ermittlung bzw. Festlegung dieser Maßstäbe ist in folgender Reihenfolge
vorzugehen:
1. Zunächst ist zu prüfen, ob die in der ArbStättV aufgeführten Schutzziele durch
Technische Regeln für Arbeitsstätten konkretisiert werden.
Sofern in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten Anforderungen, Maße
oder Werte vorhanden sind, bilden diese einen konkreten Maßstab für das
Beurteilen der Gefährdung. Bei Einhaltung dieses konkreten Maßstabs und
einer diesem Maßstab entsprechenden Maßnahmenumsetzung erlangt der
Arbeitgeber nach § 3a Absatz 1 Satz 3 ArbStättV die Vermutungswirkung,
dass die Anforderungen erfüllt sind.
2. Sofern in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten keine Anforderungen,
Maße oder Werte zu finden sind, ist zu prüfen, ob für die betrachtete Gefähr-
dung andere gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse existieren, die
insbesondere Angaben zu Grenz-, Schwellen- oder Richtwerten enthalten. Es
kann sich dabei z. B. um Veröffentlichungen der Unfallversicherungsträger,
der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) oder des
Länderausschusses für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) handeln.
3. Fehlen gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse, insbesondere mit
Angaben zu Grenz-, Schwellen- oder Richtwerten, so ist zu prüfen, ob zumin-
dest arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse mit qualitativen Maßstäben ver-
fügbar sind, z. B. Forschungsberichte, wissenschaftliche Veröffentlichungen
sowie einschlägige Normen.
4. Betriebliche Beurteilungsmaßstäbe sind vom Arbeitgeber eigenständig zu
entwickeln und zu verwenden, wenn anhand der in den Nummern 1 bis 3 be-
schriebenen Vorgehensweise keine verwendbaren Beurteilungsmaßstäbe er-
mittelt werden können. Dabei sind insbesondere folgende Aspekte zu berück-
sichtigen:
- Art, Ausmaß, Dauer und Häufigkeit einer Exposition,
- gefahrbringende Bedingungen, durch die eine Gefährdung bei der Arbeit
wirksam werden kann (z. B. Umgebungsbedingungen, Zeitdruck,
Unordnung, Verschleiß),
- durch Qualifikation und Unterrichtung oder Unterweisung erworbene
Befähigung der Beschäftigten, eine Gefährdung rechtzeitig wahrzuneh-
men und einschätzen zu können.
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5.3.2 Durchführung der Beurteilung
Der vorliegende Planungs- oder Ist-Zustand mit den ermittelten Gefährdungen wird
anhand des gemäß Punkt 5.3.1 herangezogenen Beurteilungsmaßstabs beurteilt.
Beim Beurteilen der Gefährdungen sind insbesondere einzubeziehen:
- alle den Gefährdungen ausgesetzten Beschäftigten, einschließlich besonderer
Personengruppen (siehe Punkt 5.1 Absatz 5),
- die Gefährdungen durch die Anwesenheit sonstiger Personen in der Arbeits-
stätte (siehe Punkt 5.1 Absatz 6),
- alle Betriebszustände, neben dem Normalbetrieb z. B. auch Auf-, Um- und
Abbau, Reinigung, Instandhaltung,
- die Erkennbarkeit und Vermeidbarkeit einer Gesundheitsgefährdung
Wichtige Merkmale sind insbesondere:
• unmittelbare oder nur mittelbare (z. B. durch Messinstrumente oder
Warneinrichtungen) Wahrnehmbarkeit der Gefährdung,
• beaufsichtigter oder unbeaufsichtigter Betrieb,
• schnelles oder langsames Auftreten der Gefährdung (z. B.
Schnelllauftore),
• technisch oder organisatorisch bedingte Einschränkungen, sich der
Gefährdung entziehen zu können (z. B. Behinderung durch persönliche
Schutzausrüstung (PSA), Zwangsverriegelung von Schutztüren).
- Wechselwirkungen
Die Gefährdungsfaktoren sind sowohl einzeln als auch im Zusammenhang zu
beurteilen.
5.3.3 Ergebnis der Beurteilung der Gefährdungen
(1) Folgende Beurteilungsergebnisse sind möglich:
1. Maßnahmen sind erforderlich:
- Das Ergebnis der Beurteilung erfordert unverzüglich Maßnahmen.
Es besteht eine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit, z. B. Absturz
an ungesicherten Absturzkanten. Es müssen unverzüglich geeignete
Maßnahmen zur Beseitigung bzw. Reduzierung der Gefährdung
ergriffen werden.
- Das Ergebnis der Beurteilung erfordert Maßnahmen.
Es besteht eine Gesundheitsgefährdung, z. B. durch unzureichende Lüftung,
Raumtemperatur, Beleuchtung. Geeignete Maßnahmen zur Beseitigung bzw.
Reduzierung der Gefährdung müssen ergriffen werden.
2. Der unter Punkt 5.3.1 ermittelte Beurteilungsmaßstab ist eingehalten.
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(2) Eine Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz ist anzustreben
(vgl. ArbSchG), z. B. Installation einer Strahlungsheizung statt Konvektionsheizung in
Werkstätten, Verbesserung der Bürogestaltung.
5.4 Festlegen von Maßnahmen
5.4.1 Allgemeine Grundsätze für die Festlegung von Maßnahmen
(1) Die beim Beurteilen der Gefährdungen gewonnenen Erkenntnisse bilden die
Basis für das Festlegen der erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes.
(2) Die Maßnahmen müssen dem Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene
sowie den Anforderungen der Ergonomie entsprechen und insbesondere sind die
vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales nach § 7 Absatz 4 ArbStättV bekannt
gemachten Regeln und Erkenntnisse zu berücksichtigen. Gesicherte
arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse sind zu berücksichtigen. Die Maßnahmen
müssen geeignet sein, die ermittelten Gefährdungen zu beseitigen bzw. soweit zu
reduzieren, dass das Schutzziel erreicht wird.
(3) Werden die in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten genannten Maßnah-
men eingehalten, so ist davon auszugehen, dass die Schutzziele der ArbStättV
erreicht werden. Es gilt die Vermutungswirkung.
(4) Weicht der Arbeitgeber von den in den Technischen Regeln genannten Maß-
nahmen ab oder fehlen diese, muss er durch andere Maßnahmen die gleiche
Sicherheit und den gleichen Schutz der Gesundheit der Beschäftigten erreichen.
Dies ist nach Punkt 5.7 zu dokumentieren.
(5) Die Unterweisung der Mitarbeiter hinsichtlich der möglicherweise verbleiben-
den Gefährdungen sowie ggf. der Auswirkung der festgelegten Maßnahme bzw.
deren Umsetzung ist integraler Bestandteil der jeweiligen Maßnahme.
(6) Beim Festlegen von Maßnahmen sind die Zusammenhänge bzw. die
Wechselwirkungen aus den resultierenden Gefährdungsfaktoren von Arbeitsstätte,
Arbeitsplatz, Arbeitsmitteln, Arbeitsstoffen, Arbeitsorganisation und Arbeitsaufgabe
zu berücksichtigen.
(7) Sollten sich bedingt durch Maßnahmen zur Beseitigung bzw. Reduzierung von
Gefährdungen neue Gefährdungen für die Beschäftigten ergeben, sind auch diese in
die Gefährdungsbeurteilung einzubeziehen (z. B. bei vorgesehener Installation einer
Absauganlage die Beurteilung der neuen Geräuschquelle).
5.4.2 Maßnahmenhierarchie
(1) Bei der Auswahl der Maßnahmen hat der Arbeitgeber den im ArbSchG festge-
legten Grundsatz der Vermeidung von Gefährdungen zu prüfen und wenn möglich
umzusetzen (z. B. belastende Wärmequelle aus Arbeitsbereich entfernen).
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(2) Soweit die Vermeidung von Gefährdungen gemäß Absatz 1 nicht möglich ist,
muss beim Festlegen von Maßnahmen die folgende Maßnahmenhierarchie
berücksichtigt werden (siehe Abb. 2).
Abb. 2: Maßnahmenhierarchie
1. Zunächst ist zu prüfen, ob Gefährdungen an den Quellen zu beseitigen
oder zu reduzieren sind (z. B. belastende Wärme unmittelbar abführen oder
ein Gerät mit geringerer Wärmeentwicklung wählen).
2. Ist dies nicht möglich, ist zu prüfen, ob die Gefährdungen durch
technische Maßnahmen zu beseitigen oder zu reduzieren sind (z. B.
Klimatisierung der Arbeitsräume, Wärmeschutzschilde, Luftschleier).
3. Sind technische Maßnahmen nicht möglich, ist zu prüfen, ob die
Gefährdungen durch organisatorische Maßnahmen zu beseitigen oder zu
reduzieren sind (z. B. Änderung von Arbeitsabläufen, um die Aufenthaltsdauer
im wärmebelasteten Arbeitsbereich zu vermeiden bzw. zu verringern, wie etwa
durch Rotation von Mitarbeitern oder durch das Festlegen von
Entwärmungsphasen in geeigneten Räumen).
4. Sind organisatorische Maßnahmen nicht möglich, ist zu prüfen, ob die
Gefährdungen durch den Einsatz von persönlicher Schutzausrüstung zu
vermeiden oder zu reduzieren sind (z. B. PSA gegen Absturz).
5. Sind die vorgenannten Maßnahmen nicht möglich, ist zu prüfen, ob die
Schutzziele durch Qualifikation der Beschäftigten zu erreichen sind.
(3) Zur Erreichung des Schutzziels kann es erforderlich sein, Maßnahmen zu
kombinieren. Dabei sind die Hierarchiestufen zu beachten.
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(4) Im Einzelfall können Maßnahmen aus einer niedrigeren Hierarchiestufe eine
gleichwertige Schutzwirkung erreichen (z. B. regelmäßige Unterbrechung der
Tätigkeiten in durch Sommerhitze belasteten Räumen anstatt Klimatisierung).
5.5 Umsetzen von Maßnahmen
(1) Die festgelegten Maßnahmen sind entsprechend Punkt 5.3.3 zu priorisieren
und umzusetzen.
(2) Wurde eine Entscheidung für eine Maßnahme getroffen, sind die hieraus
resultierenden Umsetzungsschritte zu konkretisieren.
Hinweis:
Falls erforderlich, ist für umfangreichere Maßnahmen eine Ablaufplanung zu erstel-
len, in der z. B. Zeitziele, Übergangsmaßnahmen, festgelegte Termine, Verantwortli-
che und andere Beteiligte genannt werden.
5.6 Überprüfen der Wirksamkeit der Maßnahmen
(1) Die Umsetzung und Wirksamkeit der festgelegten Maßnahmen sind zu
überprüfen. Dabei ist festzustellen, ob die Maßnahmen vollständig umgesetzt wurden
und dazu geführt haben, die Gefährdungen zu beseitigen bzw. hinreichend zu
reduzieren, und ob gegebenenfalls neue Gefährdungen entstanden sind. Die Prüfung
kann z. B. durch Beobachten, Messen oder Befragen (siehe Punkt 5.2) erfolgen.
(2) Sollten weitere oder andere Maßnahmen erforderlich sein, weil z. B. trotz der
Umsetzung der festgelegten Maßnahmen Schutzziele nicht erreicht werden, dann
sind die vorherigen Teilschritte entsprechend Abbildung 1 (siehe Punkt 5) zu
wiederholen.
5.7 Dokumentation
5.7.1 Grundsätze der Dokumentation
(1) Die Dokumentation gemäß § 3 Absatz 3 ArbStättV ist Bestandteil der Unterla-
gen nach § 6 ArbSchG. Sie muss vor Aufnahme der Tätigkeiten vorliegen.
(2) Die Dokumentation dient mit als Grundlage für die Planung und Gestaltung der
betrieblichen Prozesse, z. B. für Neu- und Umbauten, Unterweisungen,
Betriebsanweisungen. Sie erleichtert es, Verantwortliche und Termine in Hinblick auf
Maßnahmen des Arbeitsschutzes nachvollziehbar festzuhalten.
(3) Sie ist die Basis für die Arbeit der betrieblichen Akteure im Arbeitsschutz
(insbesondere Arbeitgeber, verantwortliche Personen nach § 13 ArbSchG (z. B.
Führungskräfte), Betriebs- und Personalräte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit,
Betriebsärzte und Sicherheitsbeauftragte) sowie des Arbeitsschutzausschusses.
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(4) Die Dokumentation erfolgt schriftlich und kann als Papierdokument oder in
elektronischer Form vorliegen. Sie muss in einer verbindlichen Version verfügbar
sein.
(5) Werden Hilfen zur Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung, z. B. der
Unfallversicherungsträger, verwendet, sind sie an die betrieblichen Bedingungen
anzupassen. Insbesondere ist sicherzustellen, dass alle Betriebsteile und Tätigkeiten
(ggf. auch unterschiedliche Betriebszustände, z. B. Instandhaltung) erfasst werden.
(6) Der Umfang der Dokumentation richtet sich z. B. nach der Betriebsgröße, Be-
triebsstruktur oder Art und Ausmaß der Gefährdungen. Insbesondere
- in kleinen Betrieben, bei überschaubaren Strukturen oder bei geringen Gefähr-
dungen kann die Dokumentation gemäß Punkt 5.7.2 ausreichen.
- bei komplexeren Situationen und hohem Gefährdungspotential müssen der
Dokumentation erforderlichenfalls weitere Unterlagen zugeordnet werden
(siehe Punkt 5.7.3).
Hinweis:
Die Dokumentation kann die Grundlage für die erforderliche Abstimmung sein, z. B.:
- bei Zusammenarbeit von Beschäftigten mehrerer Arbeitgeber in einer Arbeits-
stätte,
- bei gemeinsamer Nutzung einer Arbeitsstätte durch mehrere Arbeitgeber,
- zur Information weiterer in der Arbeitsstätte anwesender Personen.
5.7.2 Mindestanforderungen
(1) Die Dokumentation muss mindestens Folgendes enthalten:
- die jeweilige Bezeichnung der erfassten Arbeitsplätze, Arbeitsbereiche und
Tätigkeiten sowie ggf. der zusammengefassten gleichartigen Arbeitsplätze
oder Tätigkeiten,
- die jeweils festgestellten Gefährdungen,
- die Ergebnisse der Beurteilung der festgestellten Gefährdungen,
- die bezogen auf die festgestellten Gefährdungen jeweils festgelegten
Maßnahmen (inklusive Umsetzung siehe Punkt 5.5 Absatz 2) sowie
- das Ergebnis der Wirksamkeitsüberprüfung.
(2) Aus den im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung erstellten bzw. aus den
mitgeltenden Unterlagen (z. B. Organigramme, Dienstverteilungspläne,
Pflichtenübertragung) müssen die für die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung
und die Wirksamkeitskontrolle Verantwortlichen sowie das Datum der Erstellung bzw.
der Aktualisierung hervorgehen.
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5.7.3 Weitere Unterlagen
Um die erforderliche Plausibilität und Aussagefähigkeit der Dokumentation zu errei-
chen, kann es erforderlich sein, weitere, im Verlaufe der Gefährdungsbeurteilung
verwendete oder erstellte Unterlagen der Dokumentation beizufügen oder auf diese
Unterlagen zu verweisen. Solche Unterlagen können z. B. sein:
- die für umfangreichere Maßnahmen erstellte Ablaufplanung (siehe Punkt 5.5),
- Ausführungen, auf welche betriebliche Situation (z. B. Einrichten, Normalbe-
trieb, Instandhaltung, Reinigung) sich die Gefährdungen beziehen,
- die für die Ergebnisse der einzelnen Prozessschritte relevanten Unterlagen
(z. B. Messprotokolle, Erkenntnisse aus Gesundheitsberichten, Unfallbe-
richte),
- die verwendeten Beurteilungsmaßstäbe (siehe Punkt 5.3.1),
- Dokumente, aus denen die Entscheidungsfindung hervorgeht, wenn z. B.
konkurrierende Schutzziele oder Maßnahmen abgewogen wurden,
- Angabe der Personen, die an der Gefährdungsbeurteilung beteiligt waren.
Hinweise:
1. Hinsichtlich der Beteiligungsrechte der betrieblichen Interessenvertretung
gelten die Bestimmungen des Betriebsverfassungsgesetzes bzw. der jeweiligen
Personalvertretungsgesetze.
2. Der Arbeitgeber hat sicherzustellen, dass Betriebsärzte und Fachkräfte für
Arbeitssicherheit zur Erfüllung ihrer Aufgaben nach den Bestimmungen des
Arbeitssicherheitsgesetzes auf die Dokumentation zugreifen können.
5.8 Fortschreiben
Die Gefährdungsbeurteilung ist kontinuierlich zu überprüfen und zu aktualisieren.
Dazu sind insbesondere die in Punkt 4 Absatz 4 aufgeführten Grundsätze und An-
lässe zu berücksichtigen.
6 Abweichende/ergänzende Anforderungen für Baustellen
(1) Auf Baustellen ist ergänzend zu Punkt 5.1 Absatz 7 der Sicherheits- und
Gesundheitsschutzplan nach § 3 Absatz 2 Nummer 2 Baustellenverordnung in der
Planungsphase zu berücksichtigen.
(2) Auf Baustellen kann ergänzend zu Punkt 5.7.3 der Sicherheits- und
Gesundheitsschutzplan nach § 3 Absatz 3 Nummer 3 Baustellenverordnung für die
Ausführungsphase eine weitere Unterlage der Dokumentation der Gefährdungs-
beurteilung sein.
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Ausgewählte Literaturhinweise
- GDA – Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie: Leitlinie
Gefährdungsbeurteilung und Dokumentation ([Link]
- Informationsportal der BAuA zur Gefährdungsbeurteilung:
([Link]
- Ausschuss für Arbeitsstätten – ASTA-Geschäftsführung – BAuA – [Link] -
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Anhang
Erläuterungen mit Beispielen zu den Gefährdungsfaktoren
Bei der Gefährdungsbeurteilung im Sinne der ArbStättV und dieser ASR ist insbe-
sondere das Auftreten folgender Gefährdungen zu prüfen.
1 Mechanische Gefährdungen
Mechanische Gefährdungen können z. B. sein:
- Sturz- und Stolperstellen (z. B. durch die Beschaffenheit des Fußbodens, des Bo-
denbelags, der Auftrittsfläche; durch Steigungen oder Gefälle in Verkehrswegen;
Feuchtigkeitsanfall, Verschmutzungen, witterungsbedingte Glätte),
- Absturzstellen (z. B. an höher gelegenen Arbeitsplätzen und Verkehrswegen
– auch bei Reinigung oder Instandhaltung – einschließlich Rampen, Treppen und
Steigleitern; Hindurchbrechen beim Betreten von Dächern, Decken, Oberlichtern;
in Bereichen, die an Wasserflächen, Becken o. ä. angrenzen),
- bewegte Transportmittel/Arbeitsmittel (z. B. durch die Beschaffenheit der
Verkehrswege und der Kreuzungsbereiche (Abmessungen, Oberflächen, Be-
leuchtung, Einsehbarkeit); bei gemeinsamer Nutzung von Verkehrswegen durch
Fußgänger und Fahrzeuge),
- Quetsch- und Scherstellen (z. B. an kraftbetriebenen Fenstern, Türen und Toren;
an kraftbetriebenen Regalen, Fahrtreppen und -steigen),
- herabfallende Gegenstände (z. B. aufgrund der Anordnung von Lagerflächen
oberhalb von Arbeitsplätzen und Verkehrswegen),
- gefährliche Oberflächen (z. B. Ecken, Kanten, raue Oberflächen von Gebäu-
den/Bauteilen; Schneiden an feststehenden oder beweglichen Bauteilen).
2 Elektrische Gefährdungen
Elektrische Gefährdungen können z. B. sein:
- elektrischer Schlag oder Störlichtbögen bei Annäherung an oder bei direkter
Berührung von Spannung führenden Teilen elektrischer Anlagen (z. B.
Freileitungen, Fahrdrähte, Sammelschienen). In Bezug auf Arbeitsstätten kann
dies vorkommen z. B. bei Arbeiten an elektrischen Anlagen, der Beladung von
Eisenbahnwaggons, Arbeiten auf Baustellen im Hoch- bzw. Tiefbau oder bei
Arbeiten in Umspannwerken.
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3 Gefahrstoffe
Gefährdungen durch Gefahrstoffe im Sinne der ArbStättV können z. B. sein:
- Innenraumluftverunreinigungen durch einen schadstoffbelasteten Baukörper bzw.
schadstoffbelastete Baumaterialien, raumlufttechnische Anlagen oder
Einrichtungsgegenstände, z. B. Formaldehyd oder andere Aldehyde,
Holzschutzmittel, Flammschutzmittel, Fasern, Biozide, Weichmacher, organische
Lösemittel (VOC), Passivrauchen am Arbeitsplatz,
- Verdrängung der Atemluft, z. B. in Bereichen mit sauerstoffreduzierter Atmo-
sphäre, beim Einsatz von Sauerstoff verdrängenden Gasen als Löschmittel.
4 Biologische Arbeitsstoffe (Biostoffe)
Biologische Gefährdungen im Sinne der ArbStättV durch Verunreinigungen und
Ablagerungen können z. B. sein:
- Schimmelpilz-Wachstum in Räumen,
- Verkeimung in raumlufttechnischen Anlagen oder Klimaanlagen,
- Hygieneaspekte in Arbeits- oder Sanitärräumen,
- Legionellen-Vermehrung in Trinkwasseranlagen (Aerosolbildung).
5 Brand- und Explosionsgefährdungen
Brand- und Explosionsgefährdungen können z. B. sein:
- leicht entflammbare Materialien (z. B. Verpackungen, Dekorationsmaterialien,
Vorhänge) in Verbindung mit einer wirksamen Zündquelle (z. B. offene Flammen,
heiße Oberflächen, Funkenschlag),
- Ansammlung brennbarer Rückstände (z. B. Fette, Stäube) in lüftungstechnischen
Anlagen,
- sichtbare Ablagerungen von brennbarem Staub auf Böden und Arbeitsgeräten.
6 Thermische Gefährdungen
Thermische Gefährdungen können z. B. sein:
- berührbare heiße oder kalte Oberflächen (z. B. von heißen/kalten Rohrleitungen,
Heizeinrichtungen an Arbeitsplätzen oder direkt an Verkehrswegen und Durch-
gängen),
- heiße oder kalte Medien (z. B. Heißdampf, heiße oder kalte Flüssigkeiten), die
aus zur Arbeitsstätte gehörenden Anlagen austreten und in Arbeitsbereiche und
Verkehrswege gelangen können.
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7 Gefährdungen durch spezielle physikalische Einwirkungen
Gefährdungen durch spezielle physikalische Einwirkungen können z. B. sein:
- Lärm und Vibrationen an Arbeitsplätzen bei entsprechenden baulichen Gegeben-
heiten (z. B. Raumabmessungen, Beschaffenheit von Wänden, Böden, Decken
und weiteren Oberflächen, Raumakustik, Übertragung von Körperschall und Vib-
rationen durch den Baukörper),
- natürliche optische Strahlung (Sonnenstrahlung) bei Arbeiten im Freien.
8 Gefährdungen durch Arbeitsumgebungsbedingungen
Gefährdungen durch Arbeitsumgebungsbedingungen können z. B. sein:
- Hitze (hohe Temperaturen am Arbeitsplatz), z. B. aufgrund direkter Sonnenein-
strahlung, hoher Außentemperaturen, technologisch bedingter Wärmequellen,
- Kälte, z. B. bei Arbeiten in Kühlräumen oder in tiefkalten Arbeitsbereichen, bei
Arbeiten im Freien,
- Klima, z. B. bei häufigem Tätigkeitswechsel oder starken Schwankungen der
Raumtemperatur zwischen „warm“ und „kalt“, durch Zugluft,
- Luftqualität, z. B. bei hoher Belegung von Arbeitsräumen oder bei
Geruchsbelastung,
- Beleuchtung, z. B. aufgrund geringer Beleuchtungsstärke, starker Reflektion,
Blendung, Lichtfarbe, Übergänge zwischen hellen und dunklen Bereichen,
Schlagschatten, geringem Tageslichtanteil,
- Anordnung und Gestaltung der Arbeitsplätze sowie der Pausen-, Bereitschafts-
und Sanitärräume, z. B. deren Zugänglichkeit und Größe, Beeinflussung durch
benachbarte Arbeitsplätze und Bereiche.
In Gefahr- oder Notfällen können zusätzliche Gefährdungen entstehen z. B. durch:
- Anordnung und Beschaffenheit der Feuerlöscheinrichtungen, der Melde- und
Alarmierungseinrichtungen, der Erste-Hilfe-Einrichtungen sowie der Sicherheits-
und Gesundheitsschutzkennzeichnung,
- Art und Anzahl der Fluchtmöglichkeiten, Länge, Breite und Verlauf der Flucht-
wege; Beleuchtung und Kennzeichnung der Wege.
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9 Gefährdungen durch physische Belastung/Arbeitsschwere
Physische Gefährdungen im Sinne der ArbStättV können z. B. sein:
- Zwangshaltungen (insbesondere durch Arbeiten im Hocken, im Knien, mit Rumpf-
beugen, mit Verdrehen oder über Kopf),
- Sitzen oder Stehen ohne die Möglichkeit des Haltungswechsels (z. B. bei
Bildschirmarbeit),
- manuelle Transporte über Schwellen, Treppen oder Rampen.
10 Gefährdungen durch psychische Faktoren
Durch die Gestaltung der Arbeitsstätte bedingte psychische Gefährdungen können
z. B. sein:
- Lärm, z. B. Maschinenlärm aus benachbarten Arbeitsbereichen, Signale aus be-
nachbarten Bereichen, tonhaltige Geräusche der Lüftung,
- Klima, z. B. Zugluft, häufige Temperaturschwankungen,
- Vibrationen, z. B. aus benachbarten Maschinenhallen,
- schlechte Wahrnehmbarkeit von Signalen oder Anzeigen, z. B. in Leitwarten,
Leitstellen,
- Beleuchtung, z. B. Lichtfarbe, Flimmern,
- räumliche Gestaltung von Büroarbeitsplätzen, z. B. in Großraumbüros,
Callcentern,
- die Arbeitsorganisation und Arbeitsablaufgestaltung,
- nicht den ergonomischen Grundsätzen entsprechende Softwaregestaltung,
- Raum- oder Gebäudenutzungskonzepte, die den Arbeitsabläufen nicht angemes-
sen sind.
11 Gefährdungen durch sonstige Einwirkungen
Sonstige Gefährdungen können z. B. sein:
- Gewaltandrohung oder Gewaltanwendung in Behörden, Kliniken, Kreditinstituten,
Spielhallen, Verkaufsstellen, Tankstellen usw.,
- Tiere, z. B. beißen, treten, quetschen, schlagen, stechen,
- Pflanzen, z. B. stechen, schneiden, sensibilisieren.
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