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DSFA Risikoanalyse

Die Orientierungshilfe des Bayerischen Landesbeauftragten für den Datenschutz bietet eine systematische Anleitung zur Durchführung von Risikoanalysen und Datenschutz-Folgenabschätzungen (DSFA) im Einklang mit der DSGVO. Sie beschreibt Methoden zur Identifikation und Bewertung von Risiken bei der Verarbeitung personenbezogener Daten und betont die Notwendigkeit technischer und organisatorischer Maßnahmen zur Risikominderung. Zudem wird auf die Skalierbarkeit der Risikoanalysen hingewiesen, um den unterschiedlichen Anforderungen und Ressourcen der bayerischen öffentlichen Stellen gerecht zu werden.

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DSFA Risikoanalyse

Die Orientierungshilfe des Bayerischen Landesbeauftragten für den Datenschutz bietet eine systematische Anleitung zur Durchführung von Risikoanalysen und Datenschutz-Folgenabschätzungen (DSFA) im Einklang mit der DSGVO. Sie beschreibt Methoden zur Identifikation und Bewertung von Risiken bei der Verarbeitung personenbezogener Daten und betont die Notwendigkeit technischer und organisatorischer Maßnahmen zur Risikominderung. Zudem wird auf die Skalierbarkeit der Risikoanalysen hingewiesen, um den unterschiedlichen Anforderungen und Ressourcen der bayerischen öffentlichen Stellen gerecht zu werden.

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Der Bayerische Landesbeauftragte

für den Datenschutz

Risikoanalyse
und Datenschutz-
Folgenabschätzung
Systematik, Anforderungen,
Beispiele
Herausgeber:

Der Bayerische Landesbeauftragte für den Datenschutz


80538 München | Wagmüllerstraße 18
Telefon: +49 89 21 26 72-0
E-Mail: poststelle@[Link]
[Link]

Bearbeiter:

Dr. Christoph Wambsganz


unter Mitwirkung von Oliver Brunner,
Corina Scheiter und Dr. Matthias Stief

Version 1.0 | Stand: 1. Mai 2022

Dieses Arbeitspapier wird ausschließlich in elektronischer Form bereitgestellt.


Es kann im Internet auf [Link] in der Rubrik
„DSFA“ abgerufen werden.

Die PDF-Datei ist für den doppelseitigen Ausdruck optimiert.

2
Vorwort
Vorwort

Der rationale Umgang mit Risiken für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen bei der
Verarbeitung ihrer personenbezogenen Daten ist ein Kernanliegen des Datenschutzrechts. In
einer Risikoanalyse werden Risiken identifiziert und bewertet. In vielen Fällen genügt dies
nicht: Dann müssen Verantwortliche technisch-organisatorische Maßnahmen treffen, um
eine Verarbeitung datenschutzkonform durchführen zu können – oder diese Verarbeitung gar
einmal unterlassen, wenn das Risiko auch mit solchen Maßnahmen nicht auf ein grundrechts-
verträgliches Niveau abgesenkt werden kann. Eine Risikoanalyse ist nicht nur Kern jeder Da-
tenschutz-Folgenabschätzung. Der Verantwortliche wird eine Risikoanalyse oftmals auch
vorzunehmen haben, um seine Verpflichtungen aus Art. 24, Art. 25 und Art. 32 Datenschutz-
Grundverordnung (DSGVO) adäquat erfüllen zu können.

Die Orientierungshilfe „Risikoanalyse und Datenschutz-Folgenabschätzung“ stellt Methode


und Bausteine einer datenschutzrechtlichen Risikoanalyse vor, erläutert die Erarbeitung tech-
nisch-organisatorischer Maßnahmen und gibt Praxishinweise für die Durchführung von Risi-
koanalysen. Besonderen Wert legt das Papier auf den Gedanken der Skalierung: Risikoana-
lysen müssen nicht in jedem Fall aufwändig sein; je nach Anlass sind verschiedene „Ausbau-
stufen“ möglich. Das wird an mehreren konkreten Anwendungsfällen dargestellt.

Bayerische öffentliche Stellen erhalten so das nötige Wissen, um Risikoanalysen selbst erfolg-
reich planen und durchführen zu können sowie erforderliche technisch-organisatorische
Maßnahmen entwickeln und implementieren zu können. Wer sich mit dem Thema „Risiko-
analyse“ auseinandersetzen möchte, dem sei für die erste Orientierung – auch zum Aufbau
dieser Orientierungshilfe sowie zum Überblick über die weiterhin bereitgestellten Materia-
lien – zunächst die Lektüre der Einführung (ab Seite 7) empfohlen.

Bitte beachten Sie außerdem folgende Benutzungshinweise:

– In der Orientierungshilfe zitierte Veröffentlichungen des Bayerischen Landesbeauftragten


für den Datenschutz sind – soweit nicht anders angegeben – auf der Homepage
[Link] in der Rubrik „Datenschutzreform 2018“ abrufbar.

– Wenn Sie Rückfragen oder Verbesserungsvorschläge haben, nutzen Sie bitte das dafür
eingerichtete Postfach orientierungshilfen@[Link].

3
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis

Vorwort ........................................................................................................................................................................... 3

Inhaltsverzeichnis....................................................................................................................................................... 4

I. Einführung ........................................................................................................................................................... 7

II. Kontext der Risikoanalyse ...........................................................................................................................10

1. Zweck, Rechtsgrundlage und Mittel .................................................................................................10


2. Betriebsmittel..............................................................................................................................................12
3. Aufwand ........................................................................................................................................................13

III. Methode der Risikoanalyse ........................................................................................................................15

1. Gegenstand der Risikoanalyse............................................................................................................17


2. Gewährleistungsziele ..............................................................................................................................18
3. Risikoanalyse der SDM-Datensicherheitsziele ............................................................................21
4. Risikoanalyse der SDM-Schutzbedarfsziele .................................................................................24
5. Durchführung der Gesamtbewertung .............................................................................................26

IV. Bausteine einer Risikoanalyse...................................................................................................................28

1. Schwachstelle .............................................................................................................................................29
a) Verfügbarkeit ........................................................................................................................................29
b) Vertraulichkeit .......................................................................................................................................30
c) Integrität ..................................................................................................................................................31
aa) Datenintegrität .............................................................................................................................31
bb) Konzepteinhaltung ....................................................................................................................31
cc) Richtigkeit ......................................................................................................................................32
d) Datenminimierung ..............................................................................................................................32
e) Intervenierbarkeit ................................................................................................................................32
f) Transparenz ...........................................................................................................................................33
g) Nichtverkettung ...................................................................................................................................33
2. Risiko- und Gefährdungsquellen .......................................................................................................33
3. Szenario.........................................................................................................................................................34
4. Bewertung der Risiken ...........................................................................................................................36
5. Technische und organisatorische Maßnahmen (TOMs).........................................................37

V. Systematik der TOMs ....................................................................................................................................38

1. Anforderungen an TOMs .......................................................................................................................39


a) Umfassende Betrachtung ...............................................................................................................39
b) Risikoorientierung...............................................................................................................................41
c) Datenschutz durch Technikgestaltung ......................................................................................42

4
Inhaltsverzeichnis

d) Datenschutzfreundliche Voreinstellungen .............................................................................. 42


e) Stand der Technik und Organisation.......................................................................................... 42
f) Zeitpunkt der Umsetzung ............................................................................................................... 44
g) Wirksamkeitsüberwachung............................................................................................................ 45
h) TOMs als Verarbeitungsvorgang ................................................................................................. 46
i) Adressaten der Umsetzungspflicht ............................................................................................ 46
2. Quellen und Fundstellen von TOMs ................................................................................................. 46
a) Vorgaben ................................................................................................................................................ 46
b) Risikoanalyse ........................................................................................................................................ 47
c) Herausgeber von TOM-Katalogen ............................................................................................. 48
3. Weitere Besonderheiten von TOMs ................................................................................................. 48
a) Schadensverhinderung oder Schadensminimierung ........................................................ 48
b) Implementierungskosten ................................................................................................................ 49
c) Beschäftigtendatenschutz .............................................................................................................. 49

VI. Praxishinweise für Risikoanalysen .......................................................................................................... 50

1. Adressatengerechte Gestaltung ........................................................................................................ 50


2. Organisation der Durchführung ......................................................................................................... 51
a) Team ........................................................................................................................................................ 51
b) Dokumentation, Verweisung und Maßnahmenmanagement ........................................ 52
3. Typische Optimierungspotenziale .................................................................................................... 53
a) Unnötige Komplexität vermeiden ............................................................................................... 53
aa) Bausteinbildung für mehrfach genutzte Betriebsmittel ............................................ 53
bb) Gruppierung von TOMs .......................................................................................................... 54
cc) Elementare Szenarien ............................................................................................................. 54
b) Abgrenzung zur IT-Sicherheit ....................................................................................................... 55
c) Weitere Optimierungspotenziale ................................................................................................. 57
4. Skalierbarkeit .............................................................................................................................................. 58
5. Verteilte Risikoanalyse ........................................................................................................................... 60
6. Aktualisierung ............................................................................................................................................ 63

VII. Anwendungsfall 1: Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) .................................................. 64

1. Einführung ................................................................................................................................................... 64
2. Erforderlichkeitsprüfung ....................................................................................................................... 65
3. Durchführung ............................................................................................................................................. 66
a) Mindestanforderungen und Vorgehensschritte.................................................................... 67
b) IT-Unterstützung für den DSFA-Bericht .................................................................................. 68
c) IT-Unterstützung für das Maßnahmenmanagement .......................................................... 70
4. Zusammenspiel DSFA und Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten ............................ 70
5. Weitere Aspekte zur DSFA................................................................................................................... 71
a) Zusammengesetzte DSFA ............................................................................................................. 71
b) Gesetzliche DSFA .............................................................................................................................. 71

5
VIII. Anwendungsfall 2: „Risikoanalyse-Allgemein“ ..................................................................................74

1. Vergleich Risikoanalyse-Allgemein und DSFA ............................................................................74


2. Durchführung .............................................................................................................................................75

IX. Arbeitshilfen und Beispiele .........................................................................................................................77

X. Glossar .................................................................................................................................................................78

6
I. Einführung
I. Einführung

Der Begriff →Risikoanalyse kommt in zahlreichen, ganz unterschiedlichen Anwendungsbe-


reichen vor, in denen es ein hohes Gut zu schützen gilt. 1 Auf den datenschutzrechtlichen Kon-
text bezogen bedeutet dies, dass der →Verantwortliche analysieren und beurteilen muss,
welche Risiken durch seine Verarbeitung von →personenbezogenen Daten für die betroffe-
nen Personen entstehen und mit welchen Folgen für diese natürlichen Personen bei Risiko-
eintritt zu rechnen ist. Damit ist es jedoch nicht getan. Denn nach der Erkenntnis, dass eine
Verarbeitung mit Risiken für betroffene Personen verbunden ist, müssen angemessene
Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Hintergrund hierfür ist, dass jede Verarbeitung perso-
nenbezogener Daten einen Eingriff in das unionale Datenschutzgrundrecht und gegebenen-
falls das nationale Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung mit sich bringt. Da es
vollständig risikolose Verarbeitungen nicht geben kann, 2 muss der Verantwortliche durch die
wirksame Umsetzung technischer und organisatorischer Maßnahmen (→TOMs) ein dem Ri-
siko angemessenes Schutzniveau gewährleisten und nachweisen.

Im Datenschutz kann die Risikoanalyse in unterschiedlichen Zusammenhängen zur Anwen-


dung kommen. Bei der Prüfung, ob für einen Verarbeitungsvorgang eine Datenschutz-Fol-
genabschätzung (→DSFA, siehe Art. 35 DSGVO) erforderlich ist, wird die Risikoanalyse
grundsätzlich in der speziellen Form einer sogenannten Schwellwertanalyse durchgeführt
(vgl. Punkte VII. 2. und VIII. 1.). In der DSFA selbst ist ebenfalls eine Risikoanalyse als wichtige
Komponente enthalten, die im Folgenden als „Risikoanalyse-DSFA“ bezeichnet wird (vgl.
Punkt VII.). Aber auch wenn eine DSFA für einen bestimmten Verarbeitungsvorgang nicht er-
forderlich sein sollte, kann mit einer allgemeinen Risikoanalyse (im Folgenden bezeichnet als
„Risikoanalyse-Allgemein“) der Nachweis erbracht werden, dass der Verantwortliche die
erforderlichen Schutzmaßnahmen getroffen hat (vgl. Punkt VIII.).

Bereits vor der Datenschutzreform 2018 waren die bayerischen öffentlichen Stellen ver-
pflichtet, technische und organisatorische Maßnahmen zu treffen, um Risiken bei der Verar-
beitung personenbezogener Daten entgegenzuwirken. 3 Nun ist nach der DSGVO jeder Ver-
antwortliche (und grundsätzlich auch jeder →Auftragsverarbeiter) verpflichtet, mittels der
wirksamen Umsetzung von TOMs ein dem Verarbeitungsrisiko angemessenes Schutzniveau
zu gewährleisten und hierbei grundsätzlich eine risikobasierte Methodik (das heißt insbeson-
dere eine Bewertung von Eintrittswahrscheinlichkeit und Schwere des Schadens) zu wählen.
Welche TOMs dem Risiko entsprechend wirksam umgesetzt werden müssen, richtet sich
nach der jeweiligen Risikoanalyse.

1
Z. B. eine IT-Risikoanalyse auf der Basis von IT-Grundschutz oder eine Gefährdungsbeurteilung nach dem Ar-
beitsschutzgesetz.
2
Vgl. Datenschutzkonferenz, Risiko für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen, Kurzpapier Nr. 18, S. 3,
Internet: [Link]
3
Vgl. Art. 7 Bayerisches Datenschutzgesetz in der bis zum 24. Mai 2018 geltenden Fassung.

7
I. Einführung

In dieser Orientierungshilfe wird zusammen mit weiteren Arbeitshilfen (siehe Punkt IX.) eine
Vorgehensweise zur Durchführung solcher Risikoanalysen unter Anwendung der folgenden
Leitgedanken aufgezeigt:

– Verwendung bestehender Standards. – Ziel bei der Erstellung dieser Orientierungshilfe


ist es, schon Bestehendes zu nutzen, eventuell existierende Lücken zu schließen und not-
wendige Konkretisierungsschritte zu ergänzen. Wesentliche Basis der folgenden Ausfüh-
rungen sind somit schon bestehende relevante Standards, Empfehlungen und Veröffent-
lichungen.

– Praxisorientierung. – Ein Schwerpunkt wurde darauf gelegt, eine praxiserprobte Lösung


für eine effektive und effiziente Durchführung der datenschutzrechtlichen Risikoanalyse
und DSFA darzustellen. Dabei wurde konsequent der organisatorische Grundsatz „Unnö-
tige Komplexität vermeiden!“ beachtet.

– Risikoorientierung. – Wie ein roter Faden zieht sich das Prinzip der Risikoorientierung
durch die gesamte DSGVO. Dadurch geprägt werden im Einzelfall die Mindestanforde-
rungen und die mögliche Skalierbarkeit einer Risikoanalyse.

– Umfassende Darstellung. – Die Erfahrung hat gezeigt, dass bestimmte Einzelaspekte in


der einen oder anderen Konstellation eine hohe Bedeutung gewinnen können. Daher
wurde auf die Behandlung aller für bayerische öffentliche Stellen relevanten Aspekte ge-
achtet.

– Mindestanforderungen. – Diese Orientierungshilfe fokussiert die Mindestanforderun-


gen. Ein „Mehr“ ist in vielen Bereichen möglich.

– Empfehlungscharakter. – Nicht wenige der im Folgenden dargestellten Bereiche sind


im Datenschutzrecht relativ unbestimmt und abstrakt geregelt. Daher sind die Ausführun-
gen grundsätzlich als Empfehlung zu verstehen, die allerdings auf Praxiserfahrungen ba-
sieren.

Obwohl bei der folgenden Darstellung der Fokus unter anderem auf das Wesentliche, die
Mindestanforderungen und auf eine möglichst hohe Verständlichkeit gelegt wird, kann eine
gewisse Komplexität, die der Thematik innewohnt, nicht vermieden werden.

Um einen raschen Überblick und ein klares Verständnis von der Thematik zu erhalten, wird
die folgende Herangehensweise mit fünf aufeinander aufbauenden Schritten zur Nutzung
dieser Orientierungshilfe empfohlen:

 1 Beispiele sichten
Unter dem Punkt IX. wird auf anschauliche Beispiele verwiesen. Nach dem Erfahrungs-
grundsatz „Lernen am Beispiel“ lohnt es sich daher, in einem ersten Schritt die veröffent-
lichen Beispiele näher zu betrachten.

 2 Unklarheiten nachschlagen
Sollten bei den Beispielen Unklarheiten oder Fragen auftauchen, können diese durch
Nachschlagen in den relevanten Bereichen dieser Orientierungshilfe beantwortet werden.
Dies ist sehr einfach möglich, da insbesondere unter Punkt IV. alle einzelnen Bausteine
der Risikoanalyse übersichtlich beschrieben werden.

8
I. Einführung

 3 Anwendungsfälle unterscheiden
Je nach der zu bewertenden Verarbeitung kann eine Risikoanalyse-Allgemein (vgl. Punkt
VIII.) ausreichen oder eine Risikoanalyse-DSFA (vgl. Punkt VII.) erforderlich sein.

 4 Unterschiedliche Ausbaustufen berücksichtigen


Vor der ersten Durchführung einer Risikoanalyse scheint der „abschreckend hohe“ Auf-
wand ein nicht zu unterschätzendes Hindernis in der Praxis zu sein (siehe Punkt II. 3.). Ri-
sikoanalysen-Allgemein und Risikoanalysen-DSFA können unterschiedlich umfangreich
und aufwändig sein. Mit Hilfe dieser Orientierungshilfe können diese Risikoanalysen in
den drei Ausbaustufen „S–Small“, „M–Medium“ und „L–Large“ durchgeführt werden.
Dies wird unter dem Punkt VI. 4. konzeptionell und durch unterschiedliche Beispiele (vgl.
Punkt IX.) anschaulich dargestellt.

 5 (Typische) Fehler vermeiden


In der Beratungspraxis konnten schon typische Optimierungspotenziale bei der Durchfüh-
rung von Risikoanalysen identifiziert werden, die schwerpunktmäßig unter Punkt VI. 3. be-
schrieben werden.

Diese Orientierungshilfe ersetzt vollständig die folgenden schon zuvor veröffentlichten Ar-
beitshilfen:

– „Datenschutz-Folgenabschätzung – Methodik und Fallstudie“ und

– „Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) – Anforderungen an Technik und Sicher-


heit der Verarbeitung“.

Wer sich bisher schon intensiver mit diesen Arbeitshilfen beschäftigt hat, für den werden ins-
besondere die folgenden neuen Aspekte von besonderem Interesse sein:

– Systematisierung der Schwachstellen bei digitalisierten Verarbeitungen (vgl. Punkt IV. 1.),

– umfassende Beleuchtung der TOMs (vgl. Punkt V.),

– Beschreibung der Risikoanalyse-Allgemein (vgl. Punkt VIII.),

– Darstellung der gesetzlichen DSFA (vgl. Punkt VII. 5. b)) sowie

– diverse operative Hinweise, die sich bislang aus einer umfangreichen Beratungspraxis er-
geben haben (z. B. Skalierbarkeit der Risikoanalyse, zweigeteilte Risikoanalyse, typische
Fehler usw., vgl. Punkt VI.).

Fachbegriffe und Abkürzungen werden im Glossar näher erläutert. Im Glossar befindliche


Fachbegriffe sind in der Regel im Text bei ihrer ersten Nennung mit einem Pfeil markiert (z. B.
→Fachbegriff).

Aus Gründen der Lesbarkeit wird im Folgenden auf das Gendern von Personengruppen ver-
zichtet. Die Verwendung des generischen Maskulinums schließt ausdrücklich alle Geschlech-
terformen mit ein.

9
II. Kontext der Risikoanalyse
II. Kontext der Risikoanalyse

1. Zweck, Rechtsgrundlage und Mittel


1. Zweck, Rechtsgrundlage und Mittel

Bevor eine Risikoanalyse durchgeführt wird, sind zwei Zulässigkeitsvoraussetzungen zu prü-


fen, die der Risikoanalyse vorgelagert sind. Denn bei der Beantwortung der Frage, ob eine
bestimmte Verarbeitung personenbezogener Daten datenschutzkonform ist, müssen die drei
folgenden Bereiche als unverzichtbare Säulen des Datenschutzes genauer geprüft und von-
einander unterschieden werden.

Zuerst ist ein Blick auf den Zweck einer Verarbeitung zu werfen, also warum Daten von na-
türlichen Personen überhaupt verarbeitet werden sollen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Buchst. b DSGVO).
Dieser Zweck kann vom Verantwortlichen selbst festgelegt oder beispielsweise auch durch
Gesetz vorgegeben werden. Der hinreichend bestimmte Zweck muss legitim sein und hat
Auswirkungen auf diverse wichtige Verarbeitungsaspekte, etwa auf die Identifizierung des da-
tenschutzrechtlichen Verantwortlichen (vgl. Art. 4 Nr. 7 DSGVO), auf die Datenbandbreite,
also welche personenbezogenen Daten für die Verarbeitung erforderlich sind (vgl. Art. 5
Abs. 1 Buchst. c DSGVO), und auf den Zeitraum, während dem die personenbezogenen Da-
ten verarbeitet werden dürfen (vgl. Art. 5 Abs. 1 Buchst. e DSGVO).

Als nächste Säule der Verarbeitung ist neben dem Zweck eine tragfähige →Rechtsgrund-
lage für die Verarbeitung zu identifizieren, welche die Verarbeitung umfassend abdeckt und
trägt. Fehlt einem Verarbeitungsvorgang die Rechtsgrundlage, so ist die Verarbeitung nicht
rechtmäßig. 4

Als dritte Säule sind die →Mittel, also die Art und Weise der Verarbeitung zu betrachten.
Hierzu gibt es im Datenschutzrecht zahlreiche Anforderungen, die größtenteils als Grund-
sätze für die Verarbeitung in Art. 5 DSGVO zu finden sind. Das Standard-Datenschutzmodell
(→SDM) 5 strukturiert diese datenschutzrechtliche Anforderungen in einen Katalog von sie-
ben →SDM-Gewährleistungsziele (siehe Punkt III. 2.). Aus den Ausführungen im SDM geht
hervor, dass der Kanon der SDM-Gewährleistungsziele vollständig alle DSGVO-Anforderun-
gen im Hinblick auf das „Wie“ der Verarbeitung abdeckt.

Insgesamt können die drei Säulen „Zweck“, „Rechtsgrundlage“ sowie „Art und Weise“ an-
schaulich als „Dreiklang des Datenschutzes“ aufgefasst werden. Die Prüfung der Rechts-
grundlage (Rechtmäßigkeit) und des Zwecks sind einer datenschutzrechtlichen Risikoana-
lyse vorgelagert und damit nicht originärer Inhalt einer Risikoanalyse.

4
Vgl. Art. 6 Abs. 1 UAbs. 1 Satz 1 DSGVO; zudem wird die „Rechtmäßigkeit“ parallel zu anderen Grundsätzen der
Verarbeitung in Art. 5 Abs. 1 Buchst. a DSGVO genannt.
5
Das Standard-Datenschutzmodell beschreibt eine Methode zur Datenschutzberatung und -prüfung auf der
Basis einheitlicher Gewährleistungsziele; weiterführende Informationen zu diesem Modell sind zu finden unter
[Link]

10
1. Zweck, Rechtsgrundlage und Mittel

Die drei Hauptaspekte der datenschutzrechtlichen Rechtskonformitätsprüfung werden in der


Abbildung 2 dargestellt, wobei dort nur der Bereich für die „Art und Weise“ weiter aufgeglie-
dert und damit in seiner inneren Struktur sichtbar wird.

Abb. 1: Zweck, Rechtsgrundlage und Mittel als Dreiklang der datenschutzrechtlichen Rechtskonformitätsprüfung

Methodisch kann die Umsetzung einer DSGVO-Anforderung zum Mittel, also dem „Wie“, in
Form von Datenschutz-Prozessen dargestellt werden. Der Begriff „Mittel der Verarbeitung“
umfasst insbesondere den Umfang der Datenverarbeitung, die Speicherdauer, die genutzten
Betriebsmittel usw., ist also relativ weit zu verstehen. Alle diese Einzelaspekte müssen festge-
legt und wirksam umgesetzt werden. Beides, die Festlegung sowie die Umsetzung, erfolgt in
organisatorischen Abläufen, die mittels Prozessen beschrieben und dokumentiert werden
können. Jeder Prozess hat zu Beginn einen Auslöser („Input“), daran anschließend beliebig
viele Aktivitäten und führt am Ende zu einem Ergebnis.

Beispiel: Macht eine →betroffene Person ihren nach Art. 15 DSGVO zustehenden Aus-
kunftsanspruch gegenüber einem Verantwortlichen geltend, so ist das Auskunftsersuchen
der Auslöser. Die einzelnen Schritte, die der Verantwortliche anschließend durchführt (z. B.
Identitätsfeststellung der antragstellenden Person, Angebot eines Dialogs zur Konkretisie-
rung, Zusammenstellung der relevanten Informationen) stellen die Aktivitäten dar, die zur Be-
antwortung des Auskunftsersuchen führen. Die finale Beantwortung des Auskunftsersuchens
stellt das abschließende Ergebnis des Auskunftsprozesses dar.

Diese Sichtweise orientiert sich am sogenannten →Geschäftsprozessmanagement, das eine


praxiserprobte Methode insbesondere für die Dokumentation, zielgerichtete Steuerung und
Überwachung von Prozessen und der gesamten Ablauforganisation einer Institution darstellt.
Die einzelne Aktivität in einem Prozess besitzt eine klare Zielsetzung, wird durch Akteure (z. B.
Personen, IT-Systeme, Dienste) durchgeführt und benötigt für ihre Durchführung bestimmte
Ressourcen.

11
II. Kontext der Risikoanalyse

Die Implementierung der Datenschutz-Prozesse, die für eine Institution notwendig sind, ge-
währleisten insbesondere der datenschutzrechtliche Verantwortliche und gegebenenfalls der
Auftragsverarbeiter.

Die einzelnen Anforderungen der DSGVO und die davon ableitbaren Datenschutz-Prozesse
sind teilweise mit unterschiedlichen Abstraktionsniveaus in der DSGVO verankert. Besonders
detailliert ist etwa die Benennung eines Datenschutzbeauftragten festgelegt (siehe
Art. 37 DSGVO). Deutlich abstrakter und unbestimmter sind hingegen die Durchführung ei-
ner DSFA und die Auswahl geeigneter technischer und organisatorischer Maßnahmen (siehe
Punkt V.) geregelt.

2. Betriebsmittel
2. Betriebsmittel

Wie gerade dargestellt (siehe Punkt II. 1.), sind die Mittel, die für eine Verarbeitung genutzt
werden, eine wesentliche Komponente der Verarbeitung. Zu den Mitteln der Verarbeitung ge-
hören insbesondere die Organisation für die Verarbeitung, die Unterstützung durch Technik
(Betriebsmittel) sowie die konkrete Festlegung des verarbeiteten Datenbestands (Datenba-
sis).

Technische Betriebsmittel können unverzichtbar für eine Verarbeitungstätigkeit sein und


diese unmittelbar unterstützen (z. B. IT-gestützter Arbeitsplatz, E-Mail-System) oder in der
Umsetzung von technischen und organisatorischen Maßnahmen der Verarbeitungstätigkeit
mittelbar dienen, indem sie diese hinsichtlich bestehender Risiken absichern (z. B. Backup-
System, Firewall, Anti-Schadsoftware-System).

Einige Betriebsmittel verarbeiten ihrerseits eigene personenbezogene Daten (spezifische


Betriebsmitteldaten).

Beispiel: Das Videokonferenzsystem einer bayerischen Stadt verarbeitet die IP-Adressen


der Endgeräte von den an einer Videokonferenz teilnehmenden Personen sowie im Rahmen
der Benutzerverwaltung die Daten der Administratoren (z. B. Daten im Benutzerkonto, auto-
matisierte Protokollierung der Systemzugriffe).

Bei der Auswahl angemessener Mittel sind unter anderem auch der Verarbeitung zugrunde
liegende Zweck und die Rechtsgrundlage zu berücksichtigen. Insgesamt ergibt sich somit fol-
gendes Gesamtbild.

12
3. Aufwand

Abb. 2: Betriebsmittel als Gegenstand einer datenschutzrechtlichen Risikoanalyse

Betriebsmittel, die von unterschiedlichen Verarbeitungstätigkeiten genutzt werden, bieten


sich für eine „Bausteinbildung“ besonders gut an (vgl. Punkt VI. 3. a) aa)).

3. Aufwand
3. Aufwand

Der erforderliche Aufwand für die erstmalige Durchführung sowie die gegebenenfalls an-
schließenden Aktualisierungen einer Risikoanalyse ist eine viel diskutierte Frage und kann mit
der nötigen Klarheit regelmäßig nur im Einzelfall beantwortet werden. Denn auch wenn die
unterschiedlichen Ausbaustufen und Skalierungen für die Risikoanalyse beachtet und optimal
angewendet werden (vgl. Punkt VI.4), gibt es weitere Faktoren, die im Einzelfall aufwandssen-
kend oder aufwandserhöhend wirken können.

Generell aufwandssenkende Faktoren sind insbesondere:

– Synergien nutzen. – Es existiert bereits eine „vorgefertigte“ DSFA oder Risikoanalyse-


Allgemein, die der Verantwortliche als eigene übernehmen oder einfach an seine Bedürf-
nisse anpassen kann. Dieser Optimierungsfaktor entsteht bei der gesetzlichen DSFA (vgl.
Punkt VII. 5. b)), dem Aufteilen der Risikoanalyse (vgl. Punkte VI. 5. und VII.5.a)) sowie dem
Nutzen sonstiger möglicher Synergien (vgl. Punkt VI. 3. c)).

– Organisation optimieren. – Bei der Durchführung einer Risikoanalyse sind die allgemein
gültigen organisatorischen Grundsätze anwendbar. So sind etwa ein nachvollziehbares
und systematisches Vorgehen, eine fortgeschrittene Standardisierung, die Bereitstellung
des benötigten Know-how, ein gut funktionierendes →Maßnahmenmanagement, eine
geeignete Förderung durch die Behördenleitung sowie eine bedarfsgerechte Digitalisie-
rung mögliche Optimierungspotenziale.

13
II. Kontext der Risikoanalyse

– Dokumentation geeignet durchführen. – Da eine sachgerechte Dokumentation für die


Nachweiserbringung unverzichtbar ist, sollte von Beginn an ein möglichst hoher Reifegrad
für die Dokumentation verwendet werden (vgl. auch Punkt VI. 2. b)). Hinweise hierzu sind
auch in den Beispielen enthalten (siehe Punkt IX.).

Generell aufwandserhöhende Faktoren sind insbesondere:

– Erhöhtes Risiko. – Für die Risikohöhe existieren im Datenschutz die drei Stufen „gerin-
ges Risiko“, „(normales) Risiko“ und „hohes Risiko“ (vgl. Punkt III. 3.). Nach dem DSGVO-
Grundsatz des risikoorientierten Vorgehens gehen Verarbeitungen mit einem höheren
Verarbeitungsrisiko grundsätzlich mit einem höheren Durchführungsaufwand einher.
Ausdruck dieses Grundsatzes ist die DSFA, die bei Hochrisikoverarbeitungen verpflich-
tend ist und mittels erhöhten Mindestanforderungen (vgl. Punkte VIII. 1. und VII. 3. a))
durchgeführt sowie nachgewiesen werden muss.

– Erhöhte Komplexität. – Eine erhöhte Komplexität der jeweils betrachteten Verarbeitung


führt grundsätzlich zu einer erweiterten Risikobetrachtung und damit zu einem erhöhten
Durchführungsaufwand (vgl. Punkt VI. 4.).

– Lücken schließen. – In der Beratungspraxis gibt es nicht wenige Fälle, in denen durch die
systematische und umfassende Analyse etwa bei einer DSFA-Durchführung bestehende
Lücken identifiziert und geschlossen werden mussten (z. B. unzureichendes Löschkon-
zept, unzureichendes Berechtigungsmanagement, fehlende oder lückenhafte Dokumen-
tationen). Diese Aufwandspositionen können erheblich sein, sollten aber nicht dem origi-
nären Aufwand der Risikoanalyse zugeschlagen werden. Denn durch die Durchführung
einer Risikoanalyse sind solche Handlungsbedarfe, die unabhängig von einer Risikoana-
lyse nicht bestehend dürften, nur aufgedeckt worden.

Dem zu erbringenden Aufwand gegenüber stehen die Erfüllung der Nachweispflicht sowie
weitere wichtige Vorteile. Neben der Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen ist besonders
die deutliche Erhöhung der Wahrscheinlichkeit zu nennen, potenzielle Datenschutzverstöße
erst gar nicht zu ermöglichen bzw. diese bereits vor ihrem Entstehen zu erkennen und zu ver-
hindern. Zudem werden mittels der Risikoanalyse wichtige eigene Prozesse qualitätsgesi-
chert und insbesondere Schutzmaßnahmen systematisch auf Vollständigkeit und Wirksam-
keit überprüft.

14
III. Methode der Risikoanalyse
III. Methode der Risikoanalyse

Ein wichtiger Aspekt, der mit der DSGVO im Datenschutz verankert wurde, ist die im Vergleich
zur Zeit vor der Datenschutzreform 2018 deutlich umfangreichere Rechenschafts- und
Nachweispflicht (vgl. Art. 5 Abs. 2 DSGVO). Diese Pflicht liegt primär beim Verantwortlichen
(vgl. Art. 5 Abs. 2 und 24 DSGVO). Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie der Ver-
antwortliche die ordnungsgemäße Art und Weise seiner Verarbeitungsvorgänge daten-
schutzkonform nachweisen kann.

Der Nachweis für eine datenschutzkonforme und damit angemessene Mittelauswahl besteht
darin, dass der jeweils betrachtete Verarbeitungsvorgang die gesetzlichen Anforderungen,
die durch die sieben SDM-Gewährleistungsziele strukturiert werden, durchgängig erfüllt. Die-
ser Brückenschlag zwischen den DSGVO-Vorgaben („Soll“ der Verarbeitung) und der tat-
sächlichen Durchführung („Ist“ der Verarbeitung) kann – wie in der folgenden Abbildung dar-
gestellt – auf unterschiedliche Art und Weise erfolgen.

Abb. 3: Nachweismöglichkeiten für die rechtskonforme Art und Weise eines Verarbeitungsvorgangs

Zum einen kann die Erfüllung der SDM-Gewährleistungsziele durch eine Überprüfung etwa
im Rahmen eines Audits 6 nachgewiesen werden, das beispielsweise durch eine interne Stelle
(z. B. Datenschutzbeauftragter, interne Revision) oder durch einen externen Spezialisten

6
Ein Audit in diesem Sinn ist eine Prüfung mit einem Abschlussbericht, mittels der untersucht wird, ob eine be-
stimmte Verarbeitung in den untersuchten Bereichen datenschutzkonform ist.

15
III. Methode der Risikoanalyse

durchgeführt werden kann. In aller Regel ist diese Nachweisform jedoch nur punktuell und
anlassbezogen.

Zum anderen können Zertifizierungsverfahren (vgl. Art. 24 Abs. 3 DSGVO) als Gesichts-
punkte herangezogen werden, dass ein Verantwortlicher seine datenschutzrechtlichen
Pflichten erfüllt. Da auch diese Nachweismöglichkeiten derzeit nur punktuell genutzt werden,
ist der Blick wie folgt auf das Standard-Instrument der DSGVO zu richten, das dem Verant-
wortlichen für seine Nachweiserbringung immer zur Verfügung steht.

Die DSGVO stellt die Rechte und Freiheiten der betroffenen Personen – also derjenigen, de-
ren personenbezogene Daten verarbeitet werden – in den Vordergrund der Sicherheitsbe-
trachtungen.

Art. 24 Abs. 1 Satz 1 und Art. 32 Abs. 1 DSGVO legen jeweils fest, dass die Erforderlichkeit von
TOMs unter Berücksichtigung „der unterschiedlichen Eintrittswahrscheinlichkeit und
Schwere der Risiken (bzw. des Risikos) für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen“
geprüft werden muss. Ein Risiko ist dabei ein datenschutzwidriges →Szenario mit seinen
Konsequenzen für die betroffenen Personen, das grundsätzlich bezüglich seiner Eintritts-
wahrscheinlichkeit und seiner Schwere beurteilt wird. 7

Ähnlich wie im Bereich der IT-Sicherheit 8 muss daher regelmäßig bei der Einführung einer
neuen Verarbeitung eine Risikoanalyse durchgeführt werden. Kriterien für die Risikoanalyse
lassen sich vor allem den Erwägungsgründen 75 und 76, 89 bis 91 sowie 94 der DSGVO ent-
nehmen.

Der Begriff „Risikoanalyse“ bezeichnet in einschlägigen Empfehlungen 9 jedoch oft nur einen
Schritt im Rahmen einer „Risikobeurteilung“, die regelmäßig aus den folgenden Schritten be-
steht:

– Identifikation von Risiken (Risk Identification),

– Analyse von Risiken (Risk Analysis),

– Evaluation oder Bewertung von Risiken (Risk Evaluation).

Im deutschen Sprachgebrauch hat sich allerdings der Begriff „Risikoanalyse“ für den kom-
pletten Prozess der Risikobeurteilung und Risikobehandlung etabliert. 10 Daher wird in dieser

7
Vgl. Artikel 29-Datenschutzgruppe, Leitlinien zur Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) und Beantwortung
der Frage, ob eine Verarbeitung im Sinne der Verordnung 2016/679 ‚wahrscheinlich ein hohes Risiko mit sich
bringt, WP 248 Rev. 01, S. 6; die vom Europäischen Datenschutzausschuss gebilligten Leitlinien sind im Inter-
net auf [Link] unter der Rubrik „DSFA“ abrufbar.
8
Z. B. eine IT-Risikoanalyse auf der Basis von IT-Grundschutz oder eine Gefährdungsbeurteilung nach dem Ar-
beitsschutzgesetz.
9
Z. B. ISO-Normen.
10
Vgl. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, Risikoanalyse auf Basis von IT-Grundschutz, Stan-
dard 200-3, Kapitel 1.3, Internet: [Link]
nen/Standards-und-Zertifizierung/IT-Grundschutz/BSI-Standards/BSI-Standard-200-3-Risikomanage-
ment/bsi-standard-200-3-risikomanagement_node.html.

16
1. Gegenstand der Risikoanalyse

Orientierungshilfe – wie auch im IT-Grundschutz des Bundesamts für Sicherheit in der Infor-
mationstechnik (→BSI) –weiterhin der Begriff „Risikoanalyse“ für den umfassenden Prozess
benutzt.

Die Festlegung der Methode, die für die Durchführung der Risikoanalyse Anwendung findet,
ist ein besonders wichtiger Schritt. Die DSGVO nennt an mehreren Stellen (vgl. Art. 24
Abs. 1, 25 Abs.1, 32 Abs.1 und 35 Abs. 7 DSGVO) hinsichtlich dieser Methode nur die beiden
Bausteine „unterschiedliche Eintrittswahrscheinlichkeit und Schwere“ der Risiken (Risikobe-
wertung) und „geeignete technische und organisatorische Maßnahmen“ (TOMs). Daher ist
die Methode anhand der Zielsetzung der datenschutzrechtlichen Risikoanalyse vor einer
Durchführung weiter zu konkretisieren.

1. Gegenstand der Risikoanalyse


1. Gegenstand der Risikoanalyse

Gegenstand einer Risikoanalyse ist ein hinreichend beschriebener und von anderen Verar-
beitungsvorgängen klar abgegrenzter Verarbeitungsvorgang (im Folgenden als „→Zielver-
arbeitung“ bezeichnet). Die Zielverarbeitung kann jede Form einer Verarbeitung von perso-
nenbezogenen Daten haben, also insbesondere sein

– eine →Verarbeitungstätigkeit im Sinne des Art. 30 Abs. 1 DSGVO,

– mehrere ähnliche, zusammengefasste Verarbeitungstätigkeiten,

– die Verarbeitung von personenbezogenen Daten durch ein Betriebsmittel (vgl. Punkt II.2),

– eine Vorgangsreihe nach Art. 4 Nr. 2 DSGVO oder

– Teilverarbeitungen aus den zuvor genannten Verarbeitungsformen.

Beim Zuschnitt der Zielverarbeitung ist stets zu gewährleisten, dass keine Lücken und damit
„blinde Flecken“ hinsichtlich der notwendigen Risikobetrachtung entstehen. Eine Prüfung auf
Vollständigkeit der Risikoanalyse setzt zum einen voraus, dass alle Verarbeitungen
– inklusive die spezifische Verarbeitungen von Betriebsmitteln (siehe Punkt II.2 und Punkt VI.
3. a) aa)) – im Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten dokumentiert sind. Zum anderen
muss jede Verarbeitungstätigkeit von einer Risikobetrachtung vollständig umfasst sein und
damit eine Zuordnung der einzelnen Verarbeitungstätigkeit zu der bzw. den einschlägigen Ri-
sikoanalyse(n) klar und eindeutig möglich sein.

Trotz des grundsätzlich bestehenden hohen Freiheitsgrads bei der Auswahl und dem Zu-
schnitt der Zielverarbeitung sind folgende Rahmenbedingungen zu beachten:

– Transparenz. – Immer zu gewährleisten ist, dass die Risikoanalyse transparent bleibt, also
auch für Dritte verständlich und nachvollziehbar ist. Einen wichtigen Einfluss auf die Trans-
parenz hat die Komplexität der Zielverarbeitung.

– Ähnlichkeit. – Eine Zielverarbeitung kann auch mehrere, voneinander unabhängige Ver-


arbeitungsvorgänge bündeln, die hinreichend ähnlich sind. Diese Ähnlichkeit bezieht sich
beispielsweise auf die durch die Zielverarbeitung verarbeiteten Daten, auf die dort gelten-

17
III. Methode der Risikoanalyse

den speziellen rechtlichen Schutzanforderungen sowie auf die dort vorhandenen Verar-
beitungsrisiken. In aller Regel sind dabei Grenzziehungen zu beachten, die sich schon aus
dem Zuschnitt von Geschäftsprozessen, der Festlegung von „Produkten“ für die Leis-
tungserbringung oder aus anderen einheitlichen Lebenssachverhalten ergeben.

2. Gewährleistungsziele
2. Gewährleistungsziele

Die Grundsätze des Art. 5 DSGVO sowie weitere, diese Grundsätze konkretisierende
DSGVO-Anforderungen können in einzelne Datenschutz-Ziele überführt werden. Dies macht
etwa das Standard-Datenschutzmodell (SDM) 11, indem es datenschutzrechtliche Anforde-
rungen in einen Katalog von insgesamt sieben SDM-Gewährleistungszielen abbildet. Das
SDM ist als Standard-Methode im Datenschutz anerkannt und wird insbesondere von folgen-
den Stellen zitiert:

– Europäischer Datenschutzausschuss (EDSA). – Die vom Europäischen Datenschutz-


ausschuss gebilligten „Leitlinien zur Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) und Be-
antwortung der Frage, ob eine Verarbeitung im Sinne der Verordnung 2016/679 ‚wahr-
scheinlich ein hohes Risiko mit sich bringt‘“ 12(im Folgenden: Leitlinien) wird das SDM im
Anhang 1 als Beispiel von Rahmenbestimmungen für DSFAs genannt.

– Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). – Im Baustein „CON.2:


Datenschutz“ des IT-Grundschutz-Kompendiums ist die SDM-Methodik als Basisanfor-
derung formuliert. 13

– IT-Planungsrat. – Der →IT-Planungsrat empfiehlt seinen Mitgliedern, das SDM bei Pla-
nung, Einführung und Betrieb von personenbezogenen Verarbeitungen anzuwenden. 14

Aus den Ausführungen im SDM geht hervor, dass der Kanon der SDM-Gewährleistungsziele
vollständig alle technischen und organisatorischen Anforderungen der DSGVO abdecken.
Damit ist der Erfüllungsgrad der sieben Gewährleistungsziele hinsichtlich der Zielverarbei-
tung eine anerkannte „Messmethode“ für den Nachweis, dass der Mitteleinsatz bei einer Ver-
arbeitung die DSGVO-Anforderungen einhält.

11
Siehe hierzu Fn. 5.
12
Siehe hierzu Fn. 7.
13
Internet: [Link]
PDFs_2021/03_CON_Konzepte_und_Vorgehensweisen/CON_2_Datenschutz_Edition_2021.html.
14
Internet: [Link]

18
2. Gewährleistungsziele

Abb. 4: Die sieben SDM-Gewährleistungsziele

Die sieben SDM-Gewährleistungsziele besitzen in aller Kürze und auf das Wesentliche redu-
ziert folgenden inhaltlichen Umfang:

– Datenminimierung: „Nur benötigte personenbezogene Daten verarbeiten!“

– Verfügbarkeit: „Personenbezogene Daten müssen relevante Geschäftsprozesse er-


möglichen!“

– Vertraulichkeit: „Personenbezogene Daten nur für befugte Personen (Kenntnis und


Veränderung)!“

– Integrität: „Personenbezogene Daten unversehrt, aktuell, richtig und nach Konzeption


verarbeiten!“

– Nichtverkettung: „Keine rechtswidrige Zweckentfremdung bei der Datenverarbeitung!“

– Transparenz: „Verarbeitung ist erkennbar, nachvollziehbar und prüfbar!“

– Intervenierbarkeit: „Betroffenen können die ihnen zustehenden Datenschutzrechte


wirksam ausüben!“

Das SDM-Gewährleistungsziel „Integrität“ spielt eine Sonderrolle, da es nach dem SDM fol-
gende Teilaspekte besitzt: 15

– Datenintegrität: Anforderung, dass Korrektheit/Unversehrtheit von Informationen/per-


sonenbezogenen Daten und die korrekte Funktionsweise von Systemen sichergestellt ist.

15
Vgl. SDM (Fn. 5), S. 32.

19
III. Methode der Risikoanalyse

– Konzeptionseinhaltung: Anforderung, dass Prozesse und Systeme die für sie gültigen
Vorgaben kontinuierlich einhalten (Gleichklang von Betrieb als Ist und der Konzeption als
Soll).

– Richtigkeit: Anforderung, dass zwischen der rechtlich normativen Anforderung und dem
Betrieb eine hinreichende Deckung besteht.

Die Risikoanalyse weist die Erfüllung der SDM-Gewährleistungsziele nach und ist somit Basis
für die Beantwortung der Frage, ob die eingesetzten Mittel der Zielverarbeitung die Anforde-
rungen der DSGVO einhalten.

Die SDM-Gewährleistungsziele der klassischen Informationssicherheit „Verfügbarkeit“, „Ver-


traulichkeit“ und den Teilaspekt „Datenintegrität“ des SDM-Gewährleistungsziels „Integrität“
verweist Art. 32 Abs. 1 DSGVO mit „Eintrittswahrscheinlichkeit und Schwere des Risikos“ auf
die klassische Risikomanagementmethode. Folglich wird für diese drei Ziele, die im Folgen-
den als „→SDM-Datensicherheitsziele“ bezeichnet werden, grundsätzlich das klassische
Risikomanagement als Methode für die Risikoanalyse empfohlen (siehe Punkt III. 3.).

Für die vier anderen SDM-Gewährleistungsziele „Datenminimierung“, „Intervenierbarkeit“,


„Transparenz“ und „Nichtverkettung“ sowie der Teilaspekte „Konzepteinhaltung“ und „Rich-
tigkeit“ des SDM-Gewährleistungsziels „Integrität“ werden im Folgenden als „→SDM-
Schutzbedarfsziele“ bezeichnet. Diese Ziele können als „fundamentale Rechte und Prinzi-
pien“ 16 verstanden werden, die insbesondere unabhängig von der Eintrittswahrscheinlichkeit
und der Schwere nicht Bestandteil von Abstufungen sein können.

Vor diesem Hintergrund kommt für die Risikoanalyse der SDM-Schutzbedarfsziele ein spezi-
elles Zielerfüllungsmanagement zur Anwendung (siehe Punkt III. 4.), woraus sich folgendes
Gesamtbild ergibt: 17

16
Siehe Commission Nationale de l’Informatique et des Libertés, Privacy Impact Assessment (PIA) – Methodo-
logy, Stand Februar 2018, S. 3, im Internet abrufbar unter [Link]
ment-en.
17
Vgl. Bitkom e. V., Risk Assessment & Datenschutz-Folgenabschätzung, Leitfaden, 2017, S. 8.

20
3. Risikoanalyse der SDM-Datensicherheitsziele

Abb. 5: Die SDM-Schutzbedarfs- und die SDM-Datensicherheitsziele mit jeweiligen Risikoanalysemethoden

Die Aufspaltung in unterschiedliche Risikoanalysen birgt auf der Maßnahmen-Ebene nicht die
Gefahr, dass gleiche TOMs in beiden Risikobereichen parallel und gegebenenfalls unter-
schiedlich behandelt werden müssten. Denn beide Bereiche erfordern grundsätzlich unter-
schiedliche Maßnahmen zur Risikoeindämmung.

3. Risikoanalyse der SDM-Datensicherheitsziele


3. Risikoanalyse der SDM-Datensicherheitsziele

Beim klassischen Risikomanagement für den Datenschutz werden die Risiken aus Sicht der
betroffenen Personen betrachtet. Dieselbe Methode wird oft auch im Bereich der IT-Sicher-
heit mit dem wichtigen Unterschied eingesetzt, dass dort primär der Schwerpunkt auf die Ri-
siken für die jeweilige Institution gelegt wird (siehe Punkt VI. 3. b)).

Zu jedem relevanten Einzelrisiko werden erfasst:

– die →Schwachstelle,

– die →Risikoquelle,

– das Risiko-Szenario,

– die Risikoindexierung (Eintrittswahrscheinlichkeit, Schwere/Schaden, ampelfarbener Ri-


sikoindex) ohne TOMs,

– die TOMs sowie

– der ampelfarbene, mit Freitext begründete Risikoindex bei Wirksamkeit der TOMs.

Folglich kann die Risikoanalyse mittels klassischen Risikomanagements wie folgt schema-
tisch dargestellt werden:

21
III. Methode der Risikoanalyse

Abb. 6: Risikoanalyse der SDM-Datensicherheitsziele

Aus der Abbildung geht hervor, dass das Risiko-Szenario der eigentliche Gegenstand für die
Risikobewertung ist. In jedem Szenario wird möglichst differenziert ein Ereignis beschrieben,
durch das der betrachtete Verarbeitungsvorgang den normativen DSGVO-Rahmen verlassen
würde und das es daher zu vermeiden gilt.

Für eine einfachere Herleitung aller relevanten Risiko-Szenarien dient die Betrachtung der
Schwachstellen und der Risikoquellen (siehe Punkt IV. 3.). Schwachstellen sind dabei als Ei-
genschaften des betrachteten Verarbeitungsvorgangs definiert, die geeignet sind, bei hinzu-
treten einer bestimmten Risikoquelle ein Szenario mit Schadwirkung für die Rechte und Frei-
heiten natürlicher Personen auszulösen. Das Zusammenspiel der vier Aspekte Schwach-
stelle, Risikoquelle, Risiko-Szenario und Risikoindexierung soll kurz an einem Beispiel des All-
tags veranschaulicht werden:

Beispiel: Falls das Alter der Reifen eines Autos mehr als zehn Jahre beträgt, sind die Reifen
eine Schwachstelle des Autos. Solange das Auto etwa nur auf einem Schrottplatz steht, stellen
die alten Reifen mit verschlechterten Grip-Eigenschaften kein Risiko dar. Wird das Auto aber
gefahren und tritt „Regen“ als Risikoquelle zur Schwachstelle hinzu, so stellt der Sachverhalt
„Auto fährt mit alten Reifen im Regen“ ein Risiko-Szenario dar, das hinsichtlich Eintrittswahr-
scheinlichkeit und prognostizierten Schadensausmaß, also insgesamt mit dem Risikoindex
„hoch“ bewertet werden kann.

Ein Risiko im Sinne der DSGVO ist folglich das Bestehen der Möglichkeit des Eintritts eines
Szenarios, das selbst einen Schaden (einschließlich ungerechtfertigter Beeinträchtigung von
Rechten und Freiheiten natürlicher Personen) darstellt oder zu einem weiteren Schaden für
eine oder mehrere natürliche Personen führen kann.

22
3. Risikoanalyse der SDM-Datensicherheitsziele

Beim Risikomanagement hat ein Risiko grundsätzlich zwei Dimensionen: Erstens die
Schwere des Schadens und zweitens die Wahrscheinlichkeit, dass das Ereignis und die Fol-
geschäden eintreten. 18

Bei der hier empfohlenen Risikobewertung werden die Eintrittswahrscheinlichkeit und die
Schwere/der Schaden wie folgt abgestuft:

Abb. 7: Möglicher Grad der Eintrittswahrscheinlichkeit

Abb. 8: Möglicher Grad der Schwere/des Schadens

18
Vgl. Fn. 2, S. 1.

23
III. Methode der Risikoanalyse

Die Eintrittswahrscheinlichkeit kann folglich durch die vorliegenden Gegebenheiten, eigene


Erfahrungen sowie Erfahrungen anderer und auch durch Statistiken unterstützt werden. Bei
Statistiken muss allerdings beachtet werden, unter welchen Randbedingungen sie entstan-
den sind, da auch Statistiken für einen speziellen Anwendungszweck erstellt worden sind und
daher nicht ohne Weiteres auf die speziellen Belange der Institution übertragen werden kön-
nen. Außerdem ist die Interpretation von statistischen Ergebnissen prinzipiell mit Unsicher-
heiten behaftet. 19

Aus den festgelegten Einstufungen für die Eintrittswahrscheinlichkeit und für die Schwere der
Auswirkung ergibt sich im Ergebnis folgende Risikomatrix, die im Wesentlichen der Empfeh-
lung der Datenschutzkonferenz folgt: 20

Abb. 9: Risikomatrix und Risikoindex

Für den Risikoindex existieren im Datenschutz genau drei Stufen. Denn die DSGVO kennt die
Begriffe „Risiko“ und „hohes Risiko“, wobei „Risiko“ auch als „normales Risiko“ bezeichnet
werden kann. Daneben verwendet die DSGVO die Formulierung „voraussichtlich nicht zu ei-
nem Risiko“ führend (Art. 27 Abs. 2 Buchst. a und Art. 33 Abs. 1 DSGVO). Da es vollständig
risikolose Verarbeitungen nicht geben kann, wird die Formulierung „nicht zu einem Risiko“
von ihrem Sinn und Zweck ausgehend als „nur zu einem geringen Risiko“ führend verstan-
den. 21

4. Risikoanalyse der SDM-Schutzbedarfsziele


4. Risikoanalyse der SDM-Schutzbedarfsziele

Bei der Risikoanalyse der SDM-Schutzbedarfsziele steht das Risiko im Vordergrund, dass ein
fundamentales DSGVO-Prinzip nicht vollständig eingehalten werden kann. Um Vermischun-

19
Vgl. des BSI-Standard 200-3 (Fn. 11), Kapitel 5.1
20
Vgl. Datenschutzkonferenz, Risiko für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen (Fn. 2).
21
Vgl. Fn. 2.

24
4. Risikoanalyse der SDM-Schutzbedarfsziele

gen mit dem Risikomanagement zu vermeiden, wird im Folgenden von der Gefährdung ge-
sprochen, dass ein Zielerfüllungsgrad von 100% nicht dauerhaft erreicht werden kann. Somit
ergibt sich folgendes Bild:

Abb. 10: Risikoanalyse der SDM-Schutzbedarfsziele

Wie in der Risikoanalyse der SDM-Datensicherheitsziele ist das einzelne Gefährdungs-Sze-


nario der eigentliche Gegenstand für die Gefährdungsbewertung. In jedem Szenario wird
möglichst differenziert ein Ereignis beschrieben, durch das der betrachtete Verarbeitungsvor-
gang den normativen DSGVO-Rahmen verlassen würde und das es daher zu vermeiden gilt.

Für eine einfachere Herleitung aller relevanten Gefährdungs-Szenarien dient die Betrach-
tung der Schwachstellen und der Gefährdungsquellen. Schwachstellen sind dabei als Eigen-
schaften des betrachteten Verarbeitungsvorgangs definiert, die geeignet sind, bei hinzutreten
einer bestimmten Gefährdungsquelle die vollständige Zielerreichung zu verhindern.

Folgende Unterschiede zur Risikoanalyse der SDM-Datensicherheitsziele (vgl. Abb. 6: Risi-


koanalyse der SDM-Datensicherheitsziele) sind erkennbar:

 1 Gefährdung
Anstelle einzelner Risiken werden im Abstrahierungsgrad grundsätzlich frei wählbare Ge-
fährdungen der SDM-Schutzbedarfsziele betrachtet. Naheliegend für das SDM-Gewähr-
leistungsziel „Intervenierbarkeit“ wäre etwa ein Gefährdungsprofil, das sich aus den Ge-
fährdungen im Hinblick auf die einzelnen DSGVO-Betroffenenrechte (Auskunft, Lö-
schung, Berichtigung usw.) zusammensetzt.

 2 Gefährdungsbewertung
Die Gefährdungsbewertung, ebenfalls in Ampelfarbe kodiert, kann abgestuft folgende Er-
gebnisse haben:

25
III. Methode der Risikoanalyse

Abb. 11: Mögliche Ergebnisse der Gefährdungsbewertung

 3 Sicherstellungsmaßnahme
Anstelle des Begriffs „Abhilfemaßnahme“ wird hier der Begriff „Sicherstellungsmaß-
nahme“ verwendet. Aus der unterschiedlichen Maßnahmenbezeichnung soll nur hervor-
gehen, dass im Kontext des Zielerfüllungsmanagements die Maßnahmen dazu dienen, die
vollständige Erfüllung des betroffenen Ziels lückenlos sicherzustellen. Da beim klassi-
schen Risikomanagement die Maßnahmen das Einzelrisiko auf ein vertretbares Maß re-
duzieren bzw. ganz beseitigen, wurden die Maßnahmen dort – wie in der DSGVO – als Ab-
hilfemaßnahmen bezeichnet. Letztendlich dienen beide Maßnahmentypen dem gleichen
Ziel, als TOMs das Risiko für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen im Rahmen
der DSGVO zu halten.

Die Aspekte Schwachstelle, Gefährdungsquelle und Gefährdungs-Szenario besitzen die glei-


che Grundbedeutung wie unter Punkt III. 3. dargestellt.

5. Durchführung der Gesamtbewertung


5. Durchführung der Gesamtbewertung

Jedes SDM-Gewährleistungsziel (siehe Abb. 5: Die SDM-Schutzbedarfs- und die SDM-Da-


tensicherheitsziele mit jeweiligen Risikoanalysemethoden) besitzt nach Durchführung der Ri-
sikoanalysen mehrere bewertete Einzelrisiken (SDM-Datensicherheitsziele) bzw. mehrere
bewertete Gefährdungen (SDM-Schutzbedarfsziele). Wie in der folgenden Abbildung darge-
stellt, werden die einzelnen Bewertungen in der Form auf das jeweilige SDM-Gewährleis-
tungsziel aufsummiert, indem der höchste Risikoindex bzw. die höchste Gefährdungsbewer-
tung für das Gesamtergebnis des SDM-Ziels übernommen wird (sog. Maximum-Ansatz):

26
5. Durchführung der Gesamtbewertung

Abb. 12: Ermittlung der Bewertung eines SDM-Gewährleistungsziels mittels des Maximum-Ansatzes

Um einen Zweifel an der gleichen Aussagekraft der Ergebnisse der beiden verwendeten Me-
thoden (Risikomanagement für die SDM-Datensicherheitsziele und Zielerfüllungsmanage-
ment für die SDM-Schutzziele) erst gar nicht aufkommen zu lassen, sollten die Bewertungs-
ergebnisse der beiden unterschiedlichen Methoden nicht mittels des Maximal-Ansatzes „zu-
sammengerechnet“ werden.

27
IV. Bausteine einer Risikoanalyse
IV. Bausteine einer Risikoanalyse

Werden die Bausteine der beiden Methoden Risikomanagement und Zielerfüllungsmanage-


ment übereinander gelegt und miteinander verglichen, so ergeben sich schematisch die Ge-
meinsamkeiten, wie sie in der folgenden Abbildung dargestellt sind.

Abb. 13: Elementare Bausteine einer datenschutzrechtlichen Risikoanalyse

Zu jedem relevanten Einzelrisiko bzw. Einzelgefährdung werden somit erfasst:

– die Schwachstelle, die dem Szenario zugrunde liegt,

– die Quelle(n), die zusammen mit der Schwachstelle das konkret betrachteten Szenario
verursacht/en,

– das Szenario, also das Ereignis oder der Zustand, der bei der Verarbeitung zu vermeiden
ist,

– die Bewertung des einzelnen Szenarios ohne die Berücksichtigung von TOMs (→Aus-
gangsrisiko 22 bzw. →Ausgangsgefährdung),

– die geplanten und vor Durchführung der Zielverarbeitung wirksam umgesetzten TOMs,
die das Ausgangsrisiko bzw. die Ausgangsgefährdung auf ein vertretbares und angemes-
senes Niveau reduzieren, sowie

22
Siehe Datenschutzkonferenz, Risiko für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen (Fn. 2).

28
1. Schwachstelle

– die Bewertung des einzelnen Szenarios, bei der die wirksame Umsetzung der zugeordne-
ten TOMs unterstellt wird (Restrisiko bzw. Restgefährdung).

Vor diesem Hintergrund werden die elementaren Bausteine einer Risikoanalyse genauer be-
schrieben.

1. Schwachstelle
1. Schwachstelle

Bei Verarbeitungsvorgängen, die durch IT-Systeme unterstützt werden, existieren typische


Schwachstellen, die sich für eine generelle Betrachtung anbieten. Schwachstellen sind dabei
als Eigenschaften des betrachteten Verarbeitungsvorgangs definiert, die geeignet sind, bei
hinzutreten einer bestimmten Quelle eine Schadwirkung für die Rechte und Freiheiten natür-
licher Personen zu entfalten. Diese Schwachstellen können den SDM-Gewährleistungszielen
wie folgt zugeordnet werden.

a) Verfügbarkeit
Hinsichtlich der Verfügbarkeit („personenbezogene Daten müssen relevante Geschäftspro-
zesse ermöglichen!“) sind insbesondere die beiden folgenden Schwachstellen relevant.

– Datenverlust. – In IT-Systemen können – wie auch in der papiergebundenen Bearbei-


tung – personenbezogene Daten unerwünscht verloren gehen.

– Störung von Ressourcen. – Jeder Verarbeitungsvorgang benötigt für seine Durchfüh-


rung Ressourcen, das heißt menschliches Tätigwerden und/oder technische Unterstüt-
zung, insbesondere in der Form von Betriebsmitteln. Diese Abhängigkeit von Ressourcen
ist oft Ursache dafür, dass schon bei einem Fehler oder einer sonstigen Störung von nur
einer Ressource der Verarbeitungsvorgang eingeschränkt oder überhaupt nicht mehr
durchgeführt werden kann. In der Vergangenheit konnte nicht selten beobachtet werden,
dass ein kleinerer Fehler oder Störung die gesamte Zielverarbeitung für einen längeren
Zeitraum lahmlegte. Diese Anfälligkeit gegenüber Fehlern und sonstigen Störungen ist
teilweise auf die immer noch wachsende Komplexität von IT-Systemen zurückzuführen.
Daher lohnt sich der Blick auf Einzelressourcen, die typischerweise zu berücksichtigen
sind (siehe Abbildung 14).

29
IV. Bausteine einer Risikoanalyse

Abb. 14: Typische Ressourcen bei einer IT-unterstützten Verarbeitung

Die IT-Fachanwendung (z. B. Personalwirtschafts-, Finanzwirtschafts- oder Beihilfesys-


tem) steht regelmäßig im Mittelpunkt der Betrachtung und ist mit anderen IT-Anwendun-
gen sowie weiteren IT-Systemen verbunden. Dabei bestehen insbesondere Verbindun-
gen und Schnittstellen zu allgemeinen IT-Anwendungen (siehe Punkt V. 1. a), z. B. Office-
Anwendungen, Dokumentenmanagementsystem [DMS], elektronische Akte) und zur IT-
Infrastruktur (z. B. internes Netzwerk, Datensicherung, unterbrechungsfreie Stromversor-
gung [USV], Firewall). Daneben kann eine IT-Fachanwendung auch bei Bedarf auf für sie
eingerichtete Spezialsysteme (z. B. Spezial-Scanner und -Drucker) zugreifen.

IT-Systeme haben zudem Personen, die sie nutzen und betreuen. Der Zugriff auf die IT-
Systeme erfolgt grundsätzlich über die eingerichteten IT-Arbeitsplätze. Da IT-Systeme
zum Beispiel nicht ohne elektrischen Strom auskommen und in aller Regel auch mit der
Außenwelt – etwa über das Internet – vernetzt sind, sind die verwendeten Anschlüsse
ebenfalls zu berücksichtigen.

b) Vertraulichkeit
Schwachstellen für die Vertraulichkeit (Kenntnis und Weitergabe von personenbezogenen
Daten nur für befugte Personen) stellen in der Praxis zumeist einen Schwerpunkt der Be-
trachtung dar. Auch in diesem Bereich können typische Schwachstellen unter die folgenden
vier Gesichtspunkte subsumiert werden.

– Arbeitsplatz. – Personenbezogene Daten können über den Arbeitsplatz unbefugt verar-


beitet werden, indem beispielsweise der Rechner am Arbeitsplatz erfolgreich durch eine
Schadsoftware angegriffen wird oder am Arbeitsplatz abgelegte Unterlagen unbefugt ein-
gesehen werden.

30
1. Schwachstelle

– Datenübermittlung. – Personenbezogene Daten können über digitale Schnittstellen,


physikalischen Transport oder mündlich übermittelt und dabei von unbefugten Personen
verarbeitet werden.

– Datenauslagerung. – Digitale personenbezogene Daten können aus dem IT-System, in


dem die fachliche Verarbeitung laufend durchgeführt wird, auch ohne Übermittlungsab-
sicht exportiert und ausgelagert werden (z. B. Datenausdruck auf Papier oder Export auf
digitale Medien, wie etwa Datensicherungsbänder, USB-Stick, Laptop und Log-Datei)
und danach durch Zugriff auf den Auslagerungsort unbefugt verarbeitet werden.

– Direktzugriff auf technischen Speicherort. – Unbefugte Personen können einen be-


stehenden Zugriffsschutz umgehen und mittels des damit erlangten direkten Zugriffs auf
den technischen Speicherort (z. B. Datenbank) personenbezogene Daten verarbeiten.

c) Integrität
aa) Datenintegrität
Die Datenintegrität („personenbezogene Daten nur rechtskonform ändern!“) kann insbeson-
dere aufgrund folgender Schwachstellen verletzt werden.

– Änderung Dokument. – Digitale Dokumente mit personenbezogenen Daten können –


wie papiergebundene Dokumente – unerwünscht geändert werden.

– Änderung Datensatz. – Bei der Bearbeitung eines einzelnen Datensatzes können digi-
tale personenbezogene Daten unerwünscht geändert werden.

– Änderungsabfrage. – Durch eine einzelne Änderungsabfrage können massenhaft digi-


tale personenbezogene Daten unerwünscht geändert werden.

– Änderung Datenformat. – Durch die Änderung eines Datenfeld-Formats können digi-


tale personenbezogene Daten unerwünscht und massenhaft geändert werden.

– Darstellung berechneter Daten. – Datenabfragen mit integrierten Berechnungen kön-


nen fehlerhaft sein, ohne dass die ausgewertete Datenbasis selbst unerwünscht verändert
wurde (z. B. Formel, die auf Basis des gespeicherten Geburtsdatums das Lebensalter zu
einem bestimmten Zeitpunkt im Rahmen einer Datenabfrage berechnet, ist fehlerhaft).

bb) Konzepteinhaltung
Die Anforderung, dass Prozesse und IT-Systeme die für sie gültigen Vorgaben kontinuierlich
einhalten (Gleichklang von Betrieb als „Ist“ und der Konzeption als „Soll“), führt zu folgenden
Schwachstellen.

– Einhaltung der Vorgaben. – Die Prozesse und sie unterstützende IT-Systeme, welche
die Verarbeitung der personenbezogenen Daten unterstützen, können von den einschlä-
gigen Vorgaben unerwünscht abweichen.

31
IV. Bausteine einer Risikoanalyse

– Aktualität der Konzepte. – Die einschlägigen Vorgaben für die Prozesse und sie unter-
stützende IT-Systeme, die für die Verarbeitung der personenbezogenen Daten genutzt
werden, können veralten und damit nicht mehr gültig sein.

cc) Richtigkeit
Für die Anforderung, dass die von einer Verarbeitung betroffenen personenbezogenen Daten
sachlich richtig und erforderlichenfalls auf dem neuesten Stand sein müssen, sind folgende
Schwachstellen von Relevanz.

– Sachliche Richtigkeit. – Daten können nicht den sachlichen Anforderungen an die Rich-
tigkeit entsprechend erhoben und weiter verarbeitet werden.

– Aktualität. – Notwendige Änderungen von personenbezogenen Daten können unbe-


rücksichtigt bleiben und dadurch zu einer unerwünschten Alterung von personenbezoge-
nen Daten führen.

– Unvollständigkeit. – Unvollständige personenbezogene Daten können dann unrichtig


sein, wenn durch das Fehlen die Verarbeitung nicht ordnungsgemäß durchgeführt wer-
den kann.

– Falsche Metadaten. – Metadaten können die richtige Interpretation von personenbezo-


genen Daten verhindern, beispielsweise können Feld- und Spaltenbezeichnungen für die
personenbezogenen Daten bei deren Darstellung falsch sein.

d) Datenminimierung
Der wichtige Grundsatz, dass nur die für die Zielverarbeitung erforderlichen personenbezo-
genen Daten verarbeitet werden dürfen (Datensparsamkeit), kann durch zwei Schwachstel-
len konterkariert werden.

– Datenüberhang. – Es können personenbezogene Daten verarbeitet werden, deren Ver-


arbeitung von vornherein nicht erforderlich ist.

– Fehlende Datenlöschung. – Es können personenbezogene Daten verarbeitet werden,


die insbesondere seit dem schon erfolgten Wegfall oder der Erreichung des Verarbei-
tungszwecks bereits gelöscht sein müssten.

e) Intervenierbarkeit
Betroffenen Personen müssen die ihnen zustehenden Datenschutzrechte bei Bestehen der
gesetzlichen Voraussetzungen unverzüglich und wirksam gewährt werden. Schwachstellen
sind demnach in der Verhinderungsmöglichkeit der Rechtsausübung zu suchen.

– Auskunft. – Betroffene Personen können ihr Recht auf Auskunft nicht wahrnehmen
(Art. 15 DSGVO).

– Berichtigung. – Betroffene Personen können ihr Recht auf Berichtigung nicht wahrneh-
men (Art. 16 DSGVO).

32
2. Risiko- und Gefährdungsquellen

– Löschung. – Betroffene Personen können ihr Recht auf Löschung nicht wahrnehmen
(Art. 17 Abs. 1 DSGVO).

– Einschränkung. – Betroffene Personen können ihr Recht auf Einschränkung der Verar-
beitung nicht wahrnehmen (Art. 18 DSGVO).

– Datenübertragbarkeit. – Betroffene Personen können ihr Recht auf Datenübertragbar-


keit nicht wahrnehmen (Art. 20 DSGVO beachte Art. 20 III S. 2 DSGVO für öffentliche
Stellen).

– Widerspruch. – Betroffene Personen können ihr Recht auf Widerspruch nicht wahrneh-
men (Art. 21 Abs. 1 Satz 1 DSGVO).

– Automatisierte Entscheidung. – Betroffene Personen können ihr Recht auf Abwehr au-
tomatisierter Entscheidungen im Einzelfall nicht wahrnehmen (Art. 22 DSGVO).

– Benachrichtigung. – Betroffene Personen werden vom Verantwortlichen trotz beste-


hender Pflicht nicht benachrichtigt (Art. 34 DSGVO).

f) Transparenz
Ein Verarbeitungsvorgang muss für die betroffenen Personen als solcher erkennbar, nach-
vollziehbar und prüfbar sein. Aus dieser Anforderung können folgende Schwachstellen abge-
leitet werden.

– Information. – Die Informationspflichten nach Art. 13, 14 DSGVO werden nicht (vollstän-
dig) erfüllt.

– Dokumentationslücke. – Die Dokumentationspflichten werden nicht (vollständig) erfüllt,


das heißt insbesondere kann nicht (vollständig) dargelegt werden, welche Daten zu wel-
chem Zweck durch welche Betriebsmittel mit welcher Verantwortlichkeit und mit welchen
Empfängern verarbeitet werden.

– Geschäftsprozess. – Datenschutzrechtlich relevante Aspekte des Geschäftsprozesses,


in dem der Verarbeitungsvorgang integriert ist, sind nicht hinreichend bekannt bzw. nicht
ausreichend dokumentiert.

g) Nichtverkettung
Im Hinblick auf die Nichtverkettung existiert die Schwachstelle, dass personenbezogene Da-
ten rechtswidrig für andere als für den Verarbeitungsvorgang festgelegte Zwecke verarbeitet
werden können.

2. Risiko- und Gefährdungsquellen


2. Risiko- und Gefährdungsquellen

Risiko- und Gefährdungsquellen sind insbesondere Akteure oder Umweltereignisse, die auf-
grund einer der Zielverarbeitung innewohnenden Schwachstelle zu einem unerwünschten

33
IV. Bausteine einer Risikoanalyse

Szenario führen können. Somit sind Quellen zum einen als „Angriffe auf den Verarbeitungs-
vorgang“ durch Personen (z. B. Straftäter, Besucher, Beschäftigte des Verantwortlichen) oder
durch die Umwelt (z. B. Unwetter, Überschwemmung, Streiks) zu verstehen. Zum anderen
können Quellen aber auch nur Fehler sein, bei denen Menschen oder Technik von den ein-
schlägigen Vorgaben abweichen; auf den Vorsatz von Individuen kommt es dabei nicht an.
Auch die Möglichkeit einer bloßen Unbedachtheit kann zu berücksichtigen sein.

Zusammenfassend können Risiko- bzw. Gefährdungsquellen, wie in der folgenden Abbildung


gezeigt, systematisch strukturiert werden. Dabei bezieht sich das Strukturierungsmerkmal der
„Einflussnahme“ darauf, wie einfach der Verantwortliche das menschliche Verhalten der ge-
nannten Personengruppen grundsätzlich beeinflussen kann.

Abb. 15: Systematische Strukturierung der Quellen

Im Bereich „menschliches Verhalten“ können die Quellen noch detaillierter unterteilt und be-
schrieben werden. In diesem Bereich können durch eine weitergehende Analyse der ver-
schiedenen Angreiferkategorien (z. B. Straftäter, interner Mitarbeiter, Besucher, Geheim-
dienst) verschiedene Aspekte dieser Kategorien, wie etwa „Attraktivität eines unbefugten Da-
tenzugriffs“ und „zur Verfügung stehende Ressourcen“, in einem sogenannten Angreifermo-
dell vertieft dargestellt und Rückschlüsse auf das bei diesen Quellen bestehende Risiko her-
geleitet werden. Ein Angreifer ist dabei eine Institution oder Person, welche absichtlich eine
unbefugte Verarbeitung anstrebt, die beim beabsichtigten Erfolg zur Verletzung der Sicher-
heit der Verarbeitung führt. Ein Angreifermodell beschreibt daher neben den Attributen an-
genommener Angreifer insbesondere auch die zu erwartenden Angriffswerkzeuge und -mo-
dalitäten.

3. Szenario
3. Szenario

Ein Szenario kann während der Durchführung der Zielverarbeitung eintreten und ist die Be-
schreibung für ein denkbares Ereignis oder einen denkbaren Zustand. Jedes Szenario führt
zu einer (zeitweisen) Nichterfüllung von DSGVO-Anforderungen hinsichtlich der Art und

34
3. Szenario

Weise der Verarbeitung und ist daher im Zusammenhang mit der Zielverarbeitung uner-
wünscht und zu vermeiden. Beim Eintritt eines Szenarios liegt regelmäßig ein Datenschutz-
verstoß mit potenziellen Schaden für betroffene Personen vor, der je nach seiner konkreten
Ausprägung auch eine meldepflichtige Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten
sein kann (vgl. Art. 33 DSGVO).

Das Szenario ohne Berücksichtigung von TOMs ist Gegenstand für die Bewertung des Aus-
gangsrisikos. Das Szenario mit den hierzu wirksam umgesetzten TOMs ist Gegenstand für die
Bewertung des Restrisikos (siehe Punkt IV. 4.).

Nach dem Erfahrungssatz „Gefahr erkannt – Gefahr gebannt“ ist unverzichtbar, dass alle für
den Zielvorgang relevanten Szenarien identifiziert und einer anschließenden Bewertung zu-
geführt werden. In der Vergangenheit haben diverse Datenpannen gezeigt, dass nicht selten
einzelne Szenarien, die vom Verantwortlichen übersehen wurden und damit nicht mit geeig-
neten TOMs abgesichert waren, später Ursache für einen schwerwiegenden Datenschutzver-
stoß waren.

Für eine systematische Herleitung von relevanten Szenarien dient die Betrachtung der
Schwachstellen und der Quellen als Arbeitshilfe. Das Zusammenspiel der drei Aspekte
Schwachstelle, Quelle und Szenario soll kurz an einem Beispiel des Alltags veranschaulicht
werden.

Beispiel: Das Dach eines Hauses hat eine begrenzte Dachtraglast, die als generelle
Schwachstelle von Häusern verstanden werden kann. Nur wenn starker Schneefall oder
Sturm als mögliche Quellen hinzukommen und auf diese Schwachstelle einwirken, ergibt sich
das Szenario „Dach stürzt wegen zu großer Schnee- bzw. Windlast ein.“ Die Bewertung des
Ausgangsrisikos für dieses Szenario wird insbesondere nach der geografischen Lage des
Hauses unterschiedlich ausfallen und kann etwa mit der Maßnahme reduziert werden, dass
ab einer bestimmten Schneelast der Schnee vom Dach entfernt wird.

Durch die Kombination der unter Punkt IV. 1. aufgeführten Schwachstellen mit den unter
Punkt IV. 2. genannten Quellen können systematisch Szenarien gebildet und deren Relevanz
bezüglich des Zielvorgangs anschließend beurteilt werden.

Beispiel: So können sich beispielsweise zur Schwachstelle „Datenverlust“ durch Kombi-


nation unterschiedlicher Quellen folgende Szenarien ergeben:
– Benutzer überschreibt unerwünscht bei der Datensatzbearbeitung ein Datum, das
dadurch verloren geht.
– Schadsoftware verschlüsselt personenbezogene Daten, so dass diese nicht mehr zug-
reifbar sind.
– Administrator (interner Beschäftigter/Dienstleister) wechselt im zentralen elektroni-
schen Datenspeichersystem (Network Attached Storage-/NAS-System) einen falschen
Datenträger aus, wodurch Daten verloren gehen.

Die Detaillierung und Granularität der Szenarien sollten sich insbesondere an dem verbunde-
nen Ausgangsrisiko und der vorliegenden Verarbeitungskomplexität orientieren. Somit kön-
nen Zielverarbeitungen unterschiedliche Analyseschwerpunkte erfordern.

35
IV. Bausteine einer Risikoanalyse

Beispiel: Ist für eine Zielverarbeitung etwa eine einfach operationalisierbare und kurze Auf-
bewahrungsfrist zu beachten, wodurch eine automatisierte Löschung als TOM einfach um-
setzbar ist, muss das Gewährleistungsziel „Datenminimierung“ in dieser Hinsicht nicht so ver-
tieft behandeln werden wie bei einer Zielverarbeitung mit einem komplexen, teilweise mit ma-
nuellen Tätigkeiten ausgestalteten Löschkonzept und langer Speicherdauer.

Die Strukturierung und Sortierung der Szenarien ist mit besonderer Rücksicht auf die gege-
bene Komplexität, die Verständlichkeit sowie die Transparenz zu wählen. So kann sich die
Struktur der Szenarien orientieren

– an den Gewährleistungszielen,

– bei Verarbeitungsvorgängen, die sich aus wichtigen, gut abgrenzbaren Teilverarbeitungs-


vorgängen zusammensetzen, an diesen Teilverarbeitungsvorgängen oder

– absteigend an der Höhe der bestehenden Ausgangsrisiken.

Bei einer Strukturierung der Szenarien nach den Gewährleistungszielen ist zu beachten, dass
nicht alle Szenarien sich auf genau einen Bereich eines Gewährleistungsziels abbilden lassen.
Vielmehr gibt es Szenarien, die mehreren Gewährleistungszielen gleichzeitig zugeordnet
werden können.

Beispiel: Ein erfolgreicher Schadsoftware-Angriff kann sowohl Auswirkungen auf die Ver-
traulichkeit, Verfügbarkeit und Datenintegrität haben. In einem solchen Fall sollte das be-
troffene Einzelszenario nur einmal in der Risikoanalyse gegebenenfalls mit entsprechenden
Verweisungen behandelt werden, um insbesondere die Gefahr von Inkonsistenzen und von
unnötiger Komplexität in der Risikoanalyse zu vermeiden (siehe Punkt VI. 3. a) bb)).

Bei den unterschiedlich denkbaren Strukturierungen der Szenarien wird jedoch die Trennung
der Szenarien nach ihrer jeweiligen Bewertungsmethode (z. B. Risiko- und Zielerfüllungsma-
nagement) in aller Regel durchgehend erhalten bleiben.

4. Bewertung der Risiken


4. Bewertung der Risiken

Gegenstand einer einzelnen Risikobewertung ist ein Szenario, für welches das Risiko abge-
schätzt wird. Dabei wird das Szenario zum einen ohne Berücksichtigung der TOMs als soge-
nanntes Ausgangsrisiko und zum anderen mit Berücksichtigung der TOMs als sogenanntes
Restrisiko bewertet. 23 Mögliche Methoden für die Ermittlung dieser beiden Risiken wurden
schon unter den Punkten III. 3. und III. 4. vorgestellt.

Arten einer datenschutzrechtlichen Risikobewertung können folgendermaßen unterschie-


den werden (die Risikobewertung im Rahmen einer DSFA-Erforderlichkeitsprüfung, siehe
Punkt VII. 2., ist einbezogen):

23
Siehe Datenschutzkonferenz, Risiko für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen (Fn. 2).

36
5. Technische und organisatorische Maßnahmen (TOMs)

Abb. 16: Unterscheidung wichtiger Risiko-Arten mit ihren Eigenschaften

Das Schwellwertrisiko wird grundsätzlich im Rahmen der DSFA-Erforderlichkeitsprüfung


(siehe Punkt VII. 2.) ermittelt und hat als Analysegegenstand einen Verarbeitungsvorgang, der
relativ abstrakt und losgelöst von Schutzmaßnahmen betrachtet wird. Die Methode der
„DSFA-Kriterien“ zur Ermittlung, ob bei diesem Verarbeitungsvorgang ein hohes Risiko vor-
liegt, wird nicht in dieser Arbeitshilfe, sondern in den Leitlinien 24 beschrieben und ausführlich
in meiner Orientierungshilfe „Datenschutz-Folgenabschätzung“ für die bayerischen öffentli-
chen Stellen erläutert und konkretisiert. 25

5. Technische und organisatorische Maßnahmen (TOMs)


5. Technische und organisatorische Maßnahmen (TOMs)

Erst durch die wirksame Umsetzung der TOMs, die durch die Risikoanalyse ermittelt wurden,
wird für die Zielverarbeitung ein dem Risiko angemessenes Schutzniveau gewährleistet.
TOMs reduzieren Risiken auf ein angemessenes Niveau bzw. gewährleisten, dass Gewähr-
leistungsziele dauerhaft erfüllt werden. Im Datenschutz ist nur eine Risikoreduktion bis hin zu
angemessenen Restrisiken oder Risikovermeidung, also insbesondere kein Transfer von Ri-
siken – etwa auf Versicherungen – möglich.

Obwohl die Auswahl potenzieller TOMs für viele, insbesondere auch die IT-Sicherheit betref-
fende Bereiche groß ist, bleibt die besondere Herausforderung, für eine konkrete Zielverar-
beitung risikoorientiert effektive Einzelmaßnahmen zu identifizieren und einen geeigneten
Abstrahierungsgrad für das Maßnahmenprofil zu finden.

Da das wesentliche Ziel der datenschutzrechtlichen Risikoanalyse darin besteht, auf Basis der
gewonnenen Erkenntnisse geeignete TOMs nachhaltig umzusetzen, werden weitere Aspekte
zu den TOMs ihrer Bedeutung entsprechend im nächsten Kapitel behandelt.

24
Siehe Fn. 8.
25
Die Orientierungshilfe ist auf [Link] in der Rubrik „DSFA“ abrufbar.

37
V. Systematik der TOMs
V. Systematik der TOMs

TOMs sind an verschiedenen Stellen der DSGVO verankert. So finden sich an folgenden Stel-
len Aussagen dazu:

– Art. 5 Abs. 1 Buchst. f DSGVO „Grundsätze für die Verarbeitung personenbezogener Da-
ten“,

– Art. 24 DSGVO „Verantwortung des für die Verarbeitung Verantwortlichen“,

– Art. 25 DSGVO „Datenschutz durch Technikgestaltung und durch datenschutz-freundli-


che Voreinstellungen“,

– Art. 32 DSGVO „Sicherheit der Verarbeitung“,

– Art. 35 DSGVO „Datenschutz-Folgenabschätzung“ und

– Art. 36 DSGVO „Vorherige Konsultation“.

Nach diesen Vorgaben müssen TOMs durch den Verantwortlichen und/oder den Auf-
tragsverarbeiter wirksam umgesetzt werden und sind dazu bestimmt, dauerhaft ein dem Ri-
siko angemessenes Schutzniveau bei jeder Verarbeitung personenbezogener Daten zu ge-
währleisten. Damit die TOMs dieser Bestimmung nachkommen können, müssen sie ver-
schiedene Anforderungen erfüllen.

Die TOMs können entsprechend ihrer Bezeichnung grundsätzlich in folgende zwei Gruppen
unterteilt werden.

Technische Maßnahmen entfalten die beabsichtigte Schutzwirkung für die Verarbeitung im


Wesentlichen durch Technik, also durch physische und softwaretechnische Komponenten.
Dabei ist jedoch zu beachten, dass viele Maßnahmen in diesem Bereich auch einen organisa-
torischen Anteil haben.

Beispiel: Bei einer Alarmanlage, einem Backup-System und einem Anti-Schadsoftware-Sys-


tem oder auch nur bei einer Datenverschlüsselung genügt nicht die bloße technische Einrich-
tung. Diese Techniksysteme müssen für ihre dauerhafte Wirksamkeit dauerhaft regelkonform
betreut und gemanagt werden (z. B. Benutzerverwaltung, Überwachung, Aktualisierung).

Organisatorische Maßnahmen sind hingegen im Wesentlichen in der Ablauforganisation


verankert und gestalten durch Regelungen sowie Vorgaben die Rahmenbedingungen einer
oder mehrerer Verarbeitungen. Bei organisatorischen Maßnahmen spielen technische As-
pekte – falls überhaupt – eine untergeordnete Rolle.

Beispiel: Die Regelung in einer Dienstanweisung, bestimmte Daten nicht mündlich an Dritte
zu kommunizieren, sowie die Schulung oder andere Sensibilisierung von Beschäftigten sind
organisatorische Maßnahmen.

38
1. Anforderungen an TOMs

Folglich existieren Bereiche, in denen TOMs nicht durch Technik abgesichert werden können
und damit ausschließlich organisatorische TOMs implementierbar sind. Da der Begriff „tech-
nische und organisatorische Maßnahmen“ jedoch beider Ausgestaltungsformen der TOMs
umfasst, gehört die Abgrenzung regelmäßig nicht zu den wesentlichen Herausforderungen
bei einer Risikoanalyse.

1. Anforderungen an TOMs
1. Anforderungen an TOMs

a) Umfassende Betrachtung
Bei digitalisierten Verarbeitungsvorgängen werden personenbezogene Daten durch un-
terschiedliche Komponenten verarbeitet. Das Standard-Datenschutzmodell (SDM) unter-
scheidet dabei die drei Komponenten „Daten“, technische „Systeme und Dienste“ sowie tech-
nische, organisatorische und personelle „Prozesse“ der Verarbeitung. 26 Diese Unterschei-
dung berücksichtigend können die unterschiedlich möglichen Anknüpfungspunkte von
TOMs im Folgenden schematischen Schichtenmodell identifiziert werden, bei dem die ein-
zelnen Schichten von unten nach oben aufeinander aufbauen.

Abb. 17: Mögliche TOM-Anknüpfungspunkte bei digitalisierten Verarbeitungen

Mit der systematischen Betrachtung und Dokumentation von Geschäftsprozessen kann die
Ablauforganisation einer Institution lückenlos und mit einem beliebigen Detailierungsgrad
dargestellt werden. Die Verarbeitungsvorgänge sind in der Ablauforganisation integriert und
können auch innerhalb der Geschäftsprozessmodellierung umfassend dargestellt werden.
Die vollständige Darstellung der Geschäftsprozesse in einer Prozesslandkarte ist dabei ein

26
Vgl. SDM (Fn. 5), S. 14.

39
V. Systematik der TOMs

Instrument, um den Überblick über alle Geschäftsprozesse einer Institution bzw. Stelle und
damit auch über alle in den Geschäftsprozessen integrierten Verarbeitungstätigkeiten zu
schaffen.

Eine vollständige Prozessorganisation muss gewährleisten, dass Geschäftsprozesse auf ih-


ren Hauptzweck hin ausgerichtet sind. Aufgrund der ebenfalls gebotenen Orientierung von
Verarbeitungstätigkeiten nach ihrem Verarbeitungszweck sind Verarbeitungstätigkeiten in
der Regel deckungsgleich mit Geschäftsprozessen. 27

Beispiel: TOMs, die auf der Ebene des Geschäftsprozesses „Personal verwalten“ verankert
sind, sind beispielsweise
– die Anweisungen, beim Verlassen des Büros die Zimmertür abzusperren, und
– Personen, die keinen Dienstausweis in der Dienststelle tragen, nach ihrem Zielort zu fra-
gen.

Bei IT-unterstützten Verarbeitungen können die genutzten IT-Anwendungen weiter in die


IT-Fachanwendungen (z. B. Personalwirtschafts-, Finanzwirtschafts- und Einwohnermelde-
system) und allgemeine, übergreifende IT-Anwendungen (z. B. Textverarbeitungs-, Tabellen-
kalkulations-, E-Mail-, Videokonferenz- und E-Aktensystem) unterteilt werden. IT-Anwen-
dungen können insbesondere mittels eigener IT-Systeme und eigener IT-Infrastruktur oder
aber auch mittels IT-Diensten (z. B. Cloud-Computing in der Form als Software-as-a-Service
oder Platform-as-a-Service) betrieben werden.

Beispiel: TOMs, die an IT-Anwendungen anknüpfen, sind zum Beispiel


– ein Rollen- und Berechtigungsmanagement für eine IT-Anwendung und
– die Deaktivierung von Export- und Makro-Funktionen in einer IT-Anwendung.

Die IT-Infrastruktur mit ihren Rechnern, Servern, Netzwerken, Diensten aus der Cloud (z. B.
Infrastructure-as-a-Service) usw. ist die Basis des IT-Gesamtsystems.

Beispiel: In der IT-Infrastruktur knüpfen TOMs an


– die Verwendung von Firewalls und
– den Schutz von Schadsoftware.

Personenbezogene Daten werden in allen diesen Schichten verarbeitet.

Beispiel: TOMs, die unmittelbar an den personenbezogenen Daten anknüpfen, sind bei-
spielsweise
– die Verschlüsselung von personenbezogenen Daten und
– die Pseudonymisierung von personenbezogenen Daten (vgl. Art. 32 Abs. 1 DSGVO).

Es gibt TOMs, die genau einer Schicht zugeordnet werden können (z. B. Festplattenver-
schlüsselung als TOM auf der Ebene IT-Infrastruktur), und andere TOMs, die auf mehreren
Schichten Wirkung entfalten und daher relevant sind.

Beispiel: Auf mehreren Schichten einsetzbar sind etwa

27
Vgl. Baustein 51 „Zugriff auf Daten, Systeme und Prozesse erteilen“ des Standard Datenschutzmodells (SDM,
Fn. 5) .

40
1. Anforderungen an TOMs

– eine Sensibilisierung/Schulung,
– eine Protokollierung der Zugriffe auf personenbezogene Daten und
– ein Änderungs- und Zugriffsmanagement.

Bei der Betrachtung des schematischen Schichtenmodells geht es im Wesentlichen um die


Vermeidung von Analyselücken. Indem für die jeweilige Zielverarbeitung alle relevanten Ver-
arbeitungsmittel in jeder Verarbeitungsschicht ermittelt und betrachtet werden, wird erst ein
durchgängiger Schutz der personenbezogenen Daten über alle Schichten hinweg gewähr-
leistet.

b) Risikoorientierung
Das Risiko einer Verarbeitung muss mittels TOMs auf ein angemessenes Niveau reduziert
werden. Die Auswahl geeigneter TOMs richtet sich dabei nach dem Risiko, das einer Zielver-
arbeitung noch ohne Berücksichtigung von Schutzmaßnahmen innewohnt. Das Ausgangsri-
siko wird insbesondere durch die verarbeiteten Daten, die weiteren Umständen der Verarbei-
tung und die sich daraus ergebenden risikobehafteten Szenarien geprägt. Die Geeignetheit
von TOMs bemisst sich danach, ob nach einer wirksamen Umsetzung der TOMs das verblei-
bende Restrisiko bezüglich des betrachteten Szenarios angemessen ist.

Die Identifikation geeigneter TOMs erfolgt in der Regel schrittweise und iterativ. Bei diesem
Vorgehen sind insbesondere folgende Fragestellungen und Prüfungen zu berücksichtigen:

– Werden alle Einzelaspekte des betrachteten Szenarios durch die zugeordneten TOMs ab-
gedeckt?

– Ist die einzelne TOM geeignet für die beabsichtigte Risikoreduzierung?

– Ergibt sich durch das Zusammenwirken der TOMs ein wirksames Ganzes?

– Stehen einzelne TOMs im Widerspruch zueinander oder sind sie inkonsistent?

Ungeeignete TOMs sollten verworfen und noch fehlende angemessene TOMs ergänzt wer-
den.

Zu jeder TOM muss grundsätzlich auch ihr Wirkmechanismus, mittels dessen jeweils die Risi-
kominderung erreicht werden soll, verständlich in der Risikoanalyse dargestellt werden. Bei
einer Überprüfung des Wirkmechanismus vergleichbarer TOMs kann risikoorientiert dieje-
nige TOM angemessen und auszuwählen sein, die bei Berücksichtigung des Stands der Tech-
nik (vgl. Punkt V. 1. e)) den auf dem Markt wirkungsvollsten Schutz bietet.

Die bloße Nennung von Begriffskategorien, wie z. B. „Einsatz von Verschlüsselung“, genügt
nicht. Denn hierbei fehlen etwa die Angaben zu der Verschlüsselungsart (z. B. Transportver-
schlüsselung, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung), zum Verschlüsselungsalgorithmus sowie die
Beschreibung der Verschlüsselungsparameter, wie beispielsweise die Schlüssellänge und
Methoden zur sicheren Verwahrung privater Entschlüsselungsschlüssel.

Zudem muss aus der Maßnahmenbeschreibung ebenfalls hervorgehen, auf welche Kompo-
nente(n) die TOM wirkt (z. B. Virusschutz für Client, Virusschutz für Server). Insgesamt muss

41
V. Systematik der TOMs

plausibilisiert werden, inwiefern die identifizierten TOMs geeignet sind, die Risiken so zu min-
dern, dass nur noch ein angemessenes Restrisiko übrigbleibt.

c) Datenschutz durch Technikgestaltung


Fragen des Datenschutzes müssen bereits bei der Konzipierung von Verarbeitungsmitteln
berücksichtigt werden (Art. 25 Abs. 1 DSGVO). Dies betrifft etwa die Punkte Gestaltung von
Eingabefeldern (z. B. Datenminimierung beachten bei Feldkonfiguration als Pflichtfeld, Aus-
wahlliste oder Freitextfeld), unmittelbarer Schutz von personenbezogenen Daten (z. B. Pseu-
donymisierung, Verschlüsselung), Möglichkeiten zur Datenlöschung und Funktionsumfang
von Berechtigungskonzepten. Der Datenschutz durch Technikgestaltung ist insbesondere
schon bei der Beschaffung 28 von IT-Systemen, welche die Verarbeitung von personenbezo-
genen Daten unterstützen, zu berücksichtigen.

d) Datenschutzfreundliche Voreinstellungen
Die Voreinstellungen von datenschutzrechtlich relevanten Funktionen der Betriebsmittel und
anderen Einstellungen der Verarbeitungsmittel sollten so gestaltet sein, dass sie die Grund-
prinzipien des Datenschutzes und der IT-Sicherheit von vornherein berücksichtigen (Bei-
spiele: Eingabe von schwachen Standard-Passwörtern nicht möglich, Verschlüsselung akti-
viert, Beschränkung der Berechtigungen von Benutzern, Ortungsdienste ausgeschaltet).

e) Stand der Technik und Organisation


Bei der Auswahl der TOMs ist gemäß Art. 25 und 32 DSGVO der „Stand der Technik“ zu be-
achten, der jedoch gesetzlich nicht näher definiert wird. Wie bisher auch ist es daher sinnvoll,
sich an öffentlich zugänglichen Standards zu orientieren, wie etwa an den Technischen Richt-
linien (BSI-TR) und sonstigen Empfehlungen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informa-
tionstechnik (BSI) sowie den Richtlinien und Leitfäden des Landesamts für Sicherheit in der
Informationstechnik (LSI).

Diese gesetzliche Anforderung ist auch auf den organisatorischen Aspekt von TOMs auszu-
weiten, so dass die TOMs insbesondere auch den Stand der Organisation zu berücksichtigen
haben. Im Hinblick auf die Organisation, bei der insbesondere durch „good practice“ in be-
stimmten Bereichen ebenfalls von einem „Stand der Organisation“ ausgegangen werden
kann, existieren zwar nicht annähernd so viele Hinweise wie zum Stand der Technik. 29 Im Hin-
blick auf bestehende Beschreibungen und Bedeutung rein organisatorischer Maßnahmen
(z. B. Sensibilisierung von Beschäftigten) ist aber auch hier ein entsprechender Maßstab an-
zulegen.

28
Beispielsweise im Rahmen des Vergabeverfahrens.
29
Siehe jedoch beispielsweise das Arbeitspapier „Datenschutz bei der Nutzung von Telefax-Diensten“, das den
Stand der Organisation beim Faxen darstellt und das auf [Link] in der Rubrik
„Datenschutzreform 2018“ abrufbar ist.

42
1. Anforderungen an TOMs

Da das Sicherheitsniveau „Stand der Technik und Organisation“ in der DSGVO nicht weiter-
gehend konkretisiert wird, lohnt sich ein Blick auf die Rechtsprechung. Nach der Rechtspre-
chung wird beim Stand der Technik nach nationalem Verständnis der rechtliche Maßstab für
das Gebotene an das neuere Angebot der technischen Entwicklung verlagert, da die allge-
meine Anerkennung und die praktische Bewährung allein für den Stand der Technik nicht
ausschlaggebend sind. Nicht hingegen umfasst sind Maßnahmen, die neusten Entwicklungen
aus Laboren und Forschung entspringen. 30

Abb. 18: Drei-Stufen-Theorie für die Anforderungen an die Technik nach Kalkar-Entscheidung

Für die Prüfung, ob eine konkrete technische und organisatorische Maßnahme angemessen
ist, müssen grundsätzlich die Implementierungskosten mit den Ergebnissen der Risikoana-
lyse abgewogen werden (siehe Abbildung 18). Je sensibler die personenbezogenen Daten 31
und je höher die Risiken für die betroffenen Personen sind, desto umfassendere TOMs sind
regelmäßig angemessen. In Einzelfällen ist auch denkbar, dass nur TOMs nach dem Stand der
Wissenschaft und Forschung ein bestehendes hohes Verarbeitungsrisiko auf ein angemes-
senes Niveau reduzieren können.

Bestehende Orientierungshilfen zum Stand der Technik verdeutlichen, dass das Festlegen
eines Mindeststandards für eine bestimmte Branche von vielen einzelnen Faktoren abhängt.
Eine genaue Bestimmung des Mindeststandards muss daher vor dem Hintergrund eventuell

30
Vgl. die drei gerichtlichen Abstufungen „allgemein anerkannten Regeln der Technik“, „Stand der Technik“ und
„Stand von Wissenschaft und Technik“ in BVerfGE 49, 89, 1978, „Kalkar I“.
31
Siehe etwa besondere Kategorien personenbezogener Daten nach Art. 9 DSGVO.

43
V. Systematik der TOMs

bestehender spezialgesetzlicher Regelungen und anhand der individuellen Voraussetzungen


vorgenommen werden. 32

Der Stand der Technik ist dynamisch und muss laufend auf neue Entwicklungen und Reife-
grade hin überprüft werden. Relativiert wird diese Anforderung allerdings insbesondere durch
die grundsätzlich zu berücksichtigenden Implementierungskosten für die Maßnahmen 33 und
die Ausprägung sowie das Ausgangsrisiko der Zielverarbeitung. So erfordert die Auswahl der
TOMs im Einzelfall eine nachvollziehbare Abwägung der im Art. 32 DSGVO genannten As-
pekte, die gesondert zu dokumentieren ist.

f) Zeitpunkt der Umsetzung


Der Verantwortliche muss bereits zum Zeitpunkt der Festlegung der Mittel als auch zum Zeit-
punkt der eigentlichen Verarbeitung geeignete TOMs treffen (Art. 25 Abs. 1 DSGVO – Daten-
schutz durch Technikgestaltung). Bei einer Verarbeitung mit einem voraussichtlichen hohem
Risiko muss die dann erforderliche DSFA (siehe Punkt VII.), die auch die zur Bewältigung der
Risiken geplanten TOMs mit umfasst (Art. 35 Abs. 7 DSGVO), vorab durchgeführt bzw. nach-
gewiesen werden (Art. 35 Abs. 1 DSGVO).

Diese Pflicht, dass der Verantwortliche vor der eigentlichen Verarbeitung sich mit deren ge-
nauen Ausgestaltung beschäftigen muss, hat zum einen das Ziel, möglichst zeitnah erkennen
zu können, ob eine Verarbeitung trotz geplanter TOMs ein hohes Risiko zur Folge hat. In ei-
nem solchen Fall muss der Verantwortliche vor der Verarbeitung die zuständige Datenschutz-
Aufsichtsbehörde konsultieren (Art. 36 Abs. 1 DSGVO).

Zum anderen benötigen manche TOMs für ihre wirksame Umsetzung längere Zeiträume
(z. B. Netztrennung, indem interne IT-Netzsegmente restriktiv mit Netzwerkkomponenten
voneinander getrennt werden). Zudem führt die rechtzeitige Analyse und Vorplanung einer
Verarbeitung auch dazu, dass auf dem Weg bis hin zur eigentlichen Durchführung der Verar-
beitung wichtige Aspekte und TOMs nicht vergessen werden.

Beispiel: Bei der Beschaffung eines neuen IT-Systems, das die Verarbeitung unterstützen
soll, können sogenannte Ausschlusskriterien bei der Durchführung der Vergabe aus dem Da-
tenschutz stammen. In diesem Zusammenhang zu denken wäre beispielsweise an unver-
zichtbare Löschfunktionen und die Umsetzbarkeit des erforderlichen Zugriffsschutzes. Bei
der Beschaffung vergessene und später auch nicht anderweitig umsetzbare Funktionen kön-
nen im schlechtesten Fall dazu führen, dass ein beschafftes IT-System nicht datenschutzkon-
form betrieben werden kann.

32
Vgl. Bundesverband IT-Sicherheit e.V. (TeleTrusT), IT-Sicherheitsgesetz und Datenschutz-Grundverordnung:
Handreichung zum „Stand der Technik“, Technische und organisatorische Maßnahmen, Internet:
[Link]
33
Im Zusammenhang mit der DSFA ist der Aspekt der Implementierungskosten bzgl. der TOMs nicht ausdrück-
lich genannt, vgl. Punkt VIII.1.

44
1. Anforderungen an TOMs

g) Wirksamkeitsüberwachung
Nachdem die erforderlichen TOMs zumeist iterativ in mehreren Schritten festgelegt wurden
(siehe Punkt V. 2.), müssen diese wirksam umgesetzt werden, das heißt sie müssen beauf-
tragt, umgesetzt und dauerhaft aktiviert werden. Diese Umsetzung kann, je nach Komplexität
der Maßnahme, auch in Form eines Vorhabens oder Projekts durchgeführt werden. Nach der
Umsetzung sind die TOMs erforderlichenfalls hinsichtlich ihrer Wirksamkeit zu überprüfen
und gegebenenfalls zu aktualisieren (vgl. Art. 24 Abs. 1 Satz 2, Art. 25 Abs. 1, 32 Abs. 1
Buchst. d, 35 Abs. 11 DSGVO).

Die Wirksamkeit einer TOM muss von ihrer Wirkungsweise und Schutzwirkung schon begriff-
lich unterschieden werden. Die Wirksamkeit einer TOM liegt vor, wenn die TOM genauso, wie
sie spezifiziert wurde, dauerhaft umgesetzt ist.

Die Wirkungsweise und Schutzwirkung hingegen gehören zu der Spezifikation einer TOM,
also zu der Fragestellung, ob die TOM überhaupt geeignet ist, dass für sie einschlägige Ver-
arbeitungsrisiko angemessen zu reduzieren (siehe Punkt V. 1. b)).

Die Prüfung der Wirksamkeit von TOMs kann unterschiedlich aufwändig sein.

Beispiel: So kann die IT-gestützte Überwachung einer festgelegten Mindestkomplexität von


Passwörtern deutlich einfacher auf Wirksamkeit überprüft werden als die Wirksamkeit eines
komplexen Datensicherungssystems, bei dem etwa regelmäßige Wiederherstellungstests für
die Wirksamkeitsprüfung durchgeführt werden müssen.

Folgende Teilaspekte sollten bei der Wirksamkeitsüberwachung mit berücksichtigt werden:

– Sind die TOMs für die Mitarbeiter und andere Adressaten leicht verständlich und transpa-
rent?

– Sind die implementierten TOMs tolerant gegenüber Bedienungs-und Betriebsfehlern


(die hohe Benutzerfreundlichkeit einer TOM unterstützt deren Wirksamkeit)?

– TOMs, die von den Adressaten nicht akzeptiert werden, werden oft „umgangen“. Es sollten
praktikable Lösungen erarbeitet werden, die die Adressaten möglichst wenig einschrän-
ken oder behindern.

– Wie leicht können Adressaten von TOMs diese umgehen?

– Ist zeitnah ersichtlich, wenn eine TOM ausfällt und damit nicht mehr wirksam ist?

Ein systematisches Maßnahmenmanagement, das auch für andere Maßnahmenbereiche ei-


ner Organisation (z. B. IT-Sicherheit, Arbeitssicherheit) genutzt werden kann, kann dabei hel-
fen, die DSGVO-Anforderungen an TOMs effizient zu erfüllen (vgl. Punkt VI. 2. b)).

45
V. Systematik der TOMs

h) TOMs als Verarbeitungsvorgang


Es gibt TOMs, die als eigenständige Verarbeitungsvorgänge – insbesondere in der Form von
Betriebsmitteln – selbst spezifische personenbezogene Daten verarbeiten. Da für alle Verar-
beitungen der Einklang mit der DSGVO nachzuweisen ist, müssen auch die spezifischen
TOM-Daten im Rahmen einer Risikoanalyse mit betrachtet werden (siehe Punkt VI. 3. a) aa)).

Beispiel: Die Datensicherung als wichtige TOM verarbeitet regelmäßig sowohl die personen-
bezogenen Daten des Verarbeitungsvorgangs, dessen Daten gesichert werden, als auch spe-
zifische Betriebsmitteldaten, wie z. B. Protokollierungsdaten und Daten zu den Benutzern des
Backup-Systems (Benutzerverwaltung).

i) Adressaten der Umsetzungspflicht


Die DSGVO verpflichtet Verantwortliche und Auftragsverarbeiter dazu, die Verarbeitung und
die hierfür eingesetzte Technik und Organisation im Hinblick auf die Gewährleistung des
grundrechtlichen Schutzes der Rechte der betroffenen Personen auszugestalten (Art. 25, 28,
32 DSGVO). Zur Minderung der entstehenden Risiken sind der Verantwortliche und der Auf-
tragsverarbeiter dazu verpflichtet, auch die dafür angemessenen TOMs zu implementieren.

Werden ausnahmsweise Dritte als ausführende Akteure für risikomindernde TOMs benannt,
so ist dies nur möglich, wenn ein vertragliches oder sonstiges Weisungs- und Kontrollrecht
besteht, mittels dessen der Verantwortliche bzw. der Auftragsverarbeiter die Durchsetzung
der TOMs gewährleisten kann.

2. Quellen und Fundstellen von TOMs


2. Quellen und Fundstellen von TOMs

TOMs können aus unterschiedlichen Quellen hergeleitet werden, die wie folgt unterschieden
werden können.

a) Vorgaben
In den für die Institution einschlägigen Normen und Vorgaben können bestimmte TOMs aus-
drücklich festgelegt und eine Implementierung gefordert werden.

 1 Rechtsvorschriften
Die DSGVO und andere Normen, wie Fachgesetze mit Rechtsgrundlagen für die Verar-
beitung von Daten, geben bestimmte TOMs teilweise verbindlich oder nur empfehlend
vor. Die DSGVO sieht zwar keine Auflistung von Datensicherheitsmaßnahmen mehr vor,
wie sie Art. 7 BayDSG in der bis zum 24. Mai 2028 geltenden Fassung enthielt („Zehn Ge-
bote“). Insbesondere in Art. 25 und Art. 32 DSGVO werden jedoch einige Maßnahmen und
Schutzziele in Bezug auf die Technik und Sicherheit der Datenverarbeitung aufgeführt.
Diese beziehen sich teils unmittelbar auf die Daten, teils aber auch auf die IT-Systeme, die
im Zusammenhang mit der Datenverarbeitung eingesetzt werden (vgl. insbesondere Art.
32 Abs. 1 DSGVO).

46
2. Quellen und Fundstellen von TOMs

Beispiel: Als Beispiele hierfür sind die Richtlinie der Kassenärztliche Bundesvereinigung
nach § 75b Fünftes Buch Sozialgesetzbuch – Gesetzliche Krankenversicherung – (SGB
V) über die Anforderungen zur Gewährleistung der IT-Sicherheit zu nennen.

 2 Selbstregulierung
Zudem sind TOMs in Verhaltensregeln (Art. 40 DSGVO), sonstigen Vorgaben und Min-
deststandards, die von gesellschaftlichen Gruppen, Verbänden und Organisationen für ih-
ren Wirkungskreis geschaffen werden, verankert. 34 Zu beobachten ist, dass berufsspezifi-
sche Verhaltensregeln immer häufiger genutzt werden bzw. deren Erstellung gesetzlich
vorgesehen werden.

Beispiel: Als Beispiele genannt werden können die geplanten und noch in Abstimmung
befindlichen Verhaltensregeln der Bundesnotarkammer zu technischen und organisato-
rischen Maßnahmen der Notarinnen und Notare im Hinblick auf deren elektronische Auf-
zeichnungen und Hilfsmittel nach § 6 Notar-Akten- und Verzeichnisse-Verordnung.

 3 Interne Vorgaben
Viele Institutionen bzw. Stellen geben sich im Rahmen ihres Datenschutzmanagement
selbst weitere interne Vorgaben etwa in der Form einer „Datenschutz-Geschäftsord-
nung“, die auch TOMs enthalten. 35

 4 Anweisungen einer Aufsichtsbehörde


Anweisungen von zuständigen Aufsichtsbehörden können ebenfalls Vorgaben zu TOMs
enthalten (vgl. beispielsweise Art. 58 Abs. 2 Buchst. d DSGVO).

b) Risikoanalyse
TOMs sind zudem vom Verantwortlichen im Rahmen der jeweils notwendigen Risikoanalyse
selbst herzuleiten (vgl. zum Beispiel Art. 35 Abs. 7 Buchst. d DSGVO). Die Risikoanalyse ist
entweder im Kontext einer Risikoanalyse-Allgemein (siehe Punkt VIII.) oder im Kontext einer
Risikoanalyse, die im Zusammenhang mit einer DSFA stets durchgeführt wird (Risikoanalyse-
DSFA, siehe Punkt VII.), ein wichtiger Generator für TOMs.

Die Risikoanalyse-DSFA und die Risikoanalyse-Allgemein haben als wesentliches Ziel, geeig-
nete TOMs für die Zielverarbeitung zu identifizieren und wirksam umzusetzen, um ein dem
Verarbeitungsrisiko angemessenes Schutzniveau zu gewährleisten.

34
Z. B. Deutsche Krankenhausgesellschaft, Branchenspezifischer Sicherheitsstandard für die Gesundheitsver-
sorgung im Krankenhaus, Internet: [Link]
heit-und-technischer-datenschutz/informationssicherheit-im-krankenhaus/.
35
Beispielsweise hat das Bayerische Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration ein Muster für eine
Datenschutz-Geschäftsordnung unter [Link]
form_arbeitshilfen veröffentlicht.

47
V. Systematik der TOMs

c) Herausgeber von TOM-Katalogen


Zahlreiche Institutionen geben für unterschiedliche Fach- und Lebensbereiche teilweise sehr
umfangreiche „Kataloge“, „Orientierungshilfen“, „Positionspapiere“, „Bausteine“, „Tätigkeits-
berichte“, „Empfehlungen“ usw. heraus, die wichtige übergreifende und spezielle, auf eine be-
stimmte Zielverarbeitung abzielende TOMs enthalten. Folgende Herausgeber können als
kleine Auswahl exemplarisch hier genannt werden:

– Konferenz der unabhängigen Datenschutzbehörden des Bundes und der Länder


(DSK). – Neben dem SDM mit seinem Maßnahmenkatalog (z. B. “Baustein 60: Löschen
und Vernichten“) veröffentlicht die DSK zahlreiche weitere Unterlagen, in denen TOMs-
Kataloge enthalten sind.

– Datenschutz-Aufsichtsbehörden. – Auf den Webauftritten der deutschen und europäi-


schen unabhängigen Datenschutz-Aufsichtsbehörden finden sich zahlreiche Aussagen
zu TOMs. 36

– Behörden für die IT-Sicherheit. – Im Bereich der TOMs für die IT-Sicherheit sind die
Veröffentlichungen des BSI und des LSI zu nennen.

Neben den oft zu findenden TOM-Katalogen, die teilweise unterschiedliche Zeitstände und
sehr unterschiedliche Konkretisierungsgrade bezüglich der Beschreibung der einzelnen
TOMs aufweisen, wurden auch Arbeitshilfen für die Herleitung von TOMs veröffentlicht. 37

3. Weitere Besonderheiten von TOMs


3. Weitere Besonderheiten von TOMs

a) Schadensverhinderung oder Schadensminimierung


Bei der Methode des Risikomanagements wird das Risiko grundsätzlich durch die beiden Di-
mensionen Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe ermittelt (siehe Punkt III. 3.). Zur
Reduzierung eines Risikos müssen folglich die TOMs entweder die Eintrittswahrscheinlichkeit
oder/und die Schadenshöhe reduzieren. Es ist wichtig, dass dem Verantwortlichen beide Wir-
kungsweisen von TOMs bewusst sind und der Schwerpunkt nicht nur auf eine Wirkungsrich-
tung gesetzt wird.

Beispiel: Die Verschlüsselung von personenbezogenen Daten ist eine Schutzmaßnahme mit
dem typischen Hauptziel, die Wahrscheinlichkeit eines unbefugten Datenzugriffs zu reduzie-
ren. Die Umsetzung eines Notfallkonzepts hingegen ist eine Maßnahme, die nach einer auf-
getretenen Datenpanne auf die Minderung des Schadens und der Folgen für die betroffenen

36
Siehe etwa Zentralarchiv für Tätigkeitsberichte der Bundes- und der Landesdatenschutzbeauftragten sowie
der Aufsichtsbehörden für den Datenschutz (ZafTDa), Internet: [Link]
37
Z. B. Prozess zur Auswahl angemessener Sicherungsmaßnahmen (ZAWAS), Internet: [Link]
[Link]/startseite/themen/technik_und_organisation/orientierungshilfen_und_handlungsempfehlungen/za-
was/[Link].

48
3. Weitere Besonderheiten von TOMs

Personen abzielt. Je nach Gestaltung der Schulung von Beschäftigten, die an Verarbeitungen
beteiligt sind, kann diese Sensibilisierung kombiniert sowohl die Eintrittswahrscheinlichkeit
als auch die Schadenshöhe reduzieren.

b) Implementierungskosten
Die einzelnen TOMs sind unter der Berücksichtigung von mehreren Aspekten einzurichten.
Davon umfasst sind auch grundsätzlich 38 die Implementierungskosten (vgl. Art. 32 Abs. 1
DSGVO). Zu diesen Kosten gehören die Kosten für die Einrichtung und Umsetzung einer
TOM sowie die Kosten für deren Betrieb und späteren Deaktivierung. Obwohl die Implemen-
tierungskosten ein Auswahlkriterium für angemessene TOMs sind, werden mit bloßen Kos-
tenargumenten keine unzureichenden TOMs zu rechtfertigen sein.

Wie beim Abwägungsaspekt „Stand der Technik“ (siehe Punkt V.1.e)) handelt es sich auch
bei den Kosten um einen Faktor, der in die Einzelfallabwägung zum Feststellen der Verhält-
nismäßigkeit und Angemessenheit einer bestimmten TOM eingeht. Art. 24 Abs. 1 DSGVO,
der einen wichtigen Maßstab für den Handlungsbedarf des Verantwortlichen regelt, nennt die
Implementierungskosten jedoch nicht. Der Verantwortliche könnte sich also bei einem Ver-
zicht auf angemessene TOMs nicht darauf berufen, dass ihm die finanziellen oder personellen
Mittel fehlen: Er muss stets in der Lage sein, seiner Verantwortung nach Art. 24 Abs. 1 DSGVO
sowie seiner Rechenschaftspflicht nach Art. 5 Abs. 2 DSGVO nachzukommen. 39

c) Beschäftigtendatenschutz
Da durch TOMs regelmäßig auch etwa Benutzerdaten als spezifische Betriebsmitteldaten
verarbeitet werden (siehe Punkt V. 1. h)), ist im Fall der Verarbeitung von Beschäftigtendaten
der Beschäftigtendatenschutz sowie gegebenenfalls die Wahrung der Mitbestimmungs-
rechte der Personalvertretung zu beachten.

38
Im Zusammenhang mit der DSFA ist der Aspekt der Implementierungskosten bzgl. der TOMs nicht ausdrück-
lich genannt, vgl. Punkt VIII.1.
39
Vgl. Hansen, in: Simitis/Hornung/Spiecker gen. Döhmann, Datenschutzrecht, 2019, Art. 32 DSGVO Rn. 26.

49
VI. Praxishinweise für Risikoanalysen
VI. Praxishinweise für Risikoanalysen

1. Adressatengerechte Gestaltung
1. Adressatengerechte Gestaltung

Eine Risikoanalyse sollte adressatengerecht gestaltet werden.

Die „Rechenschaftspflicht“ trifft den Verantwortlichen (vgl. auch Punkt V. 1. i)). Dieser muss
nachweisen können, dass eine Verarbeitung gemäß den Vorgaben der DSGVO erfolgt (vgl.
insbesondere Art. 5 Abs. 2, Art. 24 Abs. 1 Satz 1 DSGVO). Im Rahmen dieses Nachweises
kann auf eine Risikoanalyse-Allgemein zurückgegriffen werden (siehe Punkt VIII.). Im Rah-
men einer DSFA ist eine Risikoanalyse gemäß Art. 35 Abs. 7 Buchst. c und d DSGVO ver-
pflichtend (siehe Punkt VII.).

Adressat einer durchgeführten DSFA bzw. einer Risikoanalyse-Allgemein ist zunächst die
verantwortliche Stelle selbst. So müssen beispielsweise alle für die Wirkung von TOMs unver-
zichtbaren Informationen an die relevanten Beschäftigten und sonstigen Personen weiterge-
geben werden. Dabei ist zu gewährleisten, dass diese Informationen dauerhaft, also auch bei
einem Wechsel von Zuständigkeiten und nach längerem Zeitablauf ohne Anwendung dieser
Informationen, in der Organisation fest verankert bleiben und gelebt werden. Die Informati-
onsweitergabe muss daher adressatengerecht (z. B. Checklisten, Schulung, Einzelanwei-
sung) und in Teilbereichen auch wiederholend erfolgen.

Ferner ist die jeweils zuständige Datenschutz-Aufsichtsbehörde potenzieller Adressat einer


durchgeführten DSFA bzw. einer Risikoanalyse-Allgemein. Denn auf Grundlage ihrer allge-
meinen Untersuchungsbefugnisse hat sie einen Anspruch auf Einsichtnahme in die daten-
schutzrechtlich relevanten Nachweisunterlagen des Verantwortlichen und des Auftragsverar-
beiters (vgl. insbesondere Art. 58 Abs. 1 DSGVO). Daher sind die Risikoanalysen so zu gestal-
ten, dass eine Aufsichtsbehörde sie schnell und ohne unnötigen Einarbeitungsaufwand (z. B.
klare und nachvollziehbare Aufbausystematik, Verwendung anerkannter Methoden) nach-
vollziehen und beurteilen kann.

Die Rechte und Freiheiten betroffener Personen stehen zwar im Mittelpunkt der datenschutz-
rechtlichen Risikoanalyse. Dieser Personenkreis hat jedoch allenfalls bei Erfüllung bestimm-
ter Bedingungen ein Einsichtsrecht in die Risikoanalyse, da insbesondere ein solches nicht
allgemein in Art. 15 DSGVO verankert ist. In tatsächlicher Hinsicht können jedoch DSFAs und
allgemeine Risikoanalyse vollständig oder zumindest auszugsweise

– als vertrauensbildende Maßnahme, 40

40
Siehe z. B. den Bericht zur Datenschutz-Folgenabschätzung für die Corona-Warn-App der Bundesrepublik
Deutschland unter [Link]

50
2. Organisation der Durchführung

– in Form einer gesetzlichen DSFA als Teil der Gesetzesbegründung 41 (vgl. auch Punkt VII.
5. b)) und

– zur Umsetzung der TOMs an die betroffenen Beschäftigten

kommuniziert werden.

Bei der Offenlegung einer Risikoanalyse können Bedenken des Verantwortlichen bezüglich
der Sicherheit der Verarbeitung aufkommen. Neben einer auszugsweisen Offenlegung ist
auch an die Möglichkeiten zu denken, die unter dem Schlagwort „Spannungsverhältnis zwi-
schen Nachweispflicht und Sicherheit“ unter dem Punkt VI. 5. dargestellt werden.

2. Organisation der Durchführung


2. Organisation der Durchführung

a) Team
Bayerische öffentliche Stellen sollten frühzeitig entscheiden, welche Methodik für die Risiko-
analyse verwendet wird. Nach der Festlegung des methodischen Ansatzes kann es auch sinn-
voll sein, organisatorische Rahmenbedingungen für die Durchführung von Risikoanalysen zu
bestimmen. Diese Rahmenbedingungen werden insbesondere durch die Größe der verant-
wortlichen Stelle, die Komplexität der jeweils betrachteten Zielverarbeitung sowie die beste-
henden Nutzungsmöglichkeiten von Standardisierungen und Synergien (vgl. Punkt VI. 3. c))
beeinflusst. Daher kann die organisatorische Spannweite im Einzelfall von „eine Person führt
die DSFA bzw. die Risikoanalyse-Allgemein durch“ bis hin zur „Durchführung im Rahmen ei-
nes (Teil-)Projekts durch ein interdisziplinäres Team“ reichen.

Bei digitalisierten Verarbeitungen sind grundsätzliche folgende Personen potenzielle Kandi-


daten für das interdisziplinäre Team, das die DSFA bzw. die Risikoanalyse-Allgemein durch-
führt:

Festes Teammitglied ist zunächst ein Vertreter des Verantwortlichen, der die Risikoanalyse
durchführt (vgl. z. B. Art. 24 Abs. 1 DSGVO). Weitere Teammitglieder sollten Fachkunde für
die Themen „Prozesse der Verarbeitung“, „technische Systeme“ sowie „verarbeitete perso-
nenbezogene Daten“ einbringen. Daher sollten vertreten sein: das Sachgebiet, das den be-
troffenen Geschäftsprozess inklusive der darin verarbeiteten personenbezogenen Fachdaten
verantwortet, das Sachgebiet, das für die IT-Unterstützung des betroffenen Geschäftsprozes-
ses zuständig ist, sowie gegebenenfalls ein Sachgebiet mit besonderer Fachkunde im Daten-
schutzrecht. Soweit im Einzelfall – besonders zu prüfen bei der Durchführung einer DSFA
(vgl. Art. 35 Abs. 9 DSGVO) – angebracht, sollten auch Beschäftigte mit nutzbringender Fach-
kunde, betroffene Personen, ihre Vertreter (dies umfasst auch die Personalvertretung und
weitere Interessenvertretungen) und externe Experten befragt bzw. beteiligt werden.

41
Siehe z. B. Gesetz zur digitalen Modernisierung von Versorgung und Pflege (DVPMG), Anlage zu § 307
Absatz 1 Satz 3 SGB V.

51
VI. Praxishinweise für Risikoanalysen

Der behördliche Datenschutzbeauftragte kann im Einzelfall ein Mitglied des Teams sein oder
nur bei Bedarf zugezogen werden. Dabei kann seine Beratungsleistung unterschiedlich aus-
geprägt sein. Zu beachten ist, dass der behördliche Datenschutzbeauftragte entsprechend
seines gesetzlichen Auftrags nur eine Beratungsleistung erbringt. Die Arbeit eines Risikoana-
lyse-Teams darf nicht darauf hinauslaufen, dass der behördliche Datenschutzbeauftragte die
für eine Risikoanalyse erforderlichen Dokumente entwirft und die übrigen Teammitglieder
nur Meinungsäußerungen dazu abgeben. Die Risikoanalyse ist Sache des Verantwortlichen;
die Mitwirkung des behördlichen Datenschutzbeauftragten dient der Qualitätssicherung. Da-
von abgesehen ist der behördliche Datenschutzbeauftragte bei entsprechenden offenen Fra-
gestellungen Verbindungsperson zur jeweils zuständigen Datenschutz-Aufsichtsbehörde
(vgl. Art. 39 Abs. 1 Buchst. d und e DSGVO).

b) Dokumentation, Verweisung und Maßnahmenmanagement


Wie dargelegt, genügt es nicht, TOMs im Rahmen einer Risikoanalyse zu identifizieren und zu
dokumentieren. Die TOMs müssen zudem umgesetzt und dauerhaft wirksam sein (siehe
Punkt V. 1. g)). Diese Umsetzung stellt in aller Regel den deutlich größten Aufwand einer Ri-
sikoanalyse dar und wird naheliegender Weise im Rahmen eines allgemeinen Maßnahmen-
management erfolgen, das in einer Institution in aller Regel bereits implementiert ist (vgl.
Punkt VII. 3. c)).

Daher ist es wichtig, die in einem Bericht zur Risikoanalyse dokumentierten TOMs mit den
entsprechenden Maßnahmen im Maßnahmenmanagement zu verbinden. Dies kann bei-
spielsweise mittels eindeutigen Maßnahmen-Identifikatoren erfolgen, die jeweils sowohl im
Risikoanalyse-Bericht als auch im Maßnahmenmanagement für die TOMs verwendet wer-
den.

Für eine eindeutige Bezugnahme sollten auch weitere zentrale Komponenten eindeutig ge-
kennzeichnet werden. Hierzu können ebenfalls eindeutige Identifikatoren genutzt werden
(z. B. Dok-ID für Dokumente, Szenario-ID für Szenarien). In den Arbeitshilfen zu dieser Orien-
tierungshilfe wird die Verwendung solcher Identifikatoren anschaulich gezeigt (siehe Punkt
IX.).

Die Dokumentation einer TOM kann einzeln, aber auch im Rahmen von anderen TOMs zu-
sammengefasst in umfangreicheren Unterlagen oder Spezifikationen erfolgen („TOM-Kom-
pendium“, wie z. B. Sicherheitskonzept, Konzept der IT-Infrastruktur, Schulungskonzept). Im
Bericht zur Risikoanalyse (siehe Punkte VII. 3. b)) kann es daher notwendig sein, bei einer
TOM auf eine oder mehrere Unterlagen zu verweisen. Bei solchen Verweisen sollten die im
jeweiligen TOM-Kontext relevanten Abschnitte der verwiesenen Unterlage konkret referen-
ziert werden, damit etwa bei verteilten Risikoanalysen bei Bedarf der Verantwortliche berech-
tigte weitergehende Informationen zu TOMs gezielt von der Stelle, welche die Zentral-Risiko-
analyse verwaltet, zielgerichtet einholen kann (siehe Punkt VI. 5)).

Im Hinblick auf die Dokumentation ist allgemein zu beachten, dass derselbe Aspekt nur an
einer Stelle der Gesamtdokumentation („Ankerstelle“) genauer beschrieben und erläutert

52
3. Typische Optimierungspotenziale

werden sollte. Sollte der Aspekt auch in anderen Bereichen der Gesamtdokumentation rele-
vant sein, so sollte grundsätzlich aus Konsistenzgründen dort nur auf die Ankerstelle verwie-
sen werden.

Die Transparenz und das Verständnis fördern zudem die konsequente Verwendung einheit-
licher Begriffe, wobei die Verwendung von Glossaren hilfreich sein kann.

Zudem muss die Dokumentation adressatengerecht sein (siehe Punkt VI. 1).

3. Typische Optimierungspotenziale
3. Typische Optimierungspotenziale

Aus der langjährigen Beratungstätigkeit zu Risikoanalysen und den damit gemachten Erfah-
rungen werden im Folgenden einige Gesichtspunkte dargestellt, in denen typischerweise oft
noch Optimierungspotenziale realisierbar sind.

a) Unnötige Komplexität vermeiden


aa) Bausteinbildung für mehrfach genutzte Betriebsmittel
Eine Verarbeitungstätigkeit, die etwa einen fachlichen Geschäftsprozess repräsentiert, kann
von unmittelbaren und mittelbaren Betriebsmitteln unterstützt werden (siehe Punkt II. 2.). Aus
Effizienzgründen kann es naheliegend sein, für Betriebsmittel, die parallel für unterschiedliche
Verarbeitungstätigkeiten genutzt werden, separate Risikoanalysen zu erstellen. Die Verarbei-
tungstätigkeiten, die diese Betriebsmittel einsetzen, können dann bausteinartig auf diese Be-
triebsmittel zusammen mit den schon durchgeführten Risikoanalysen verweisen.

Beispiel: Bei der Verarbeitungstätigkeit „Bewerbungsmanagement durchführen“ kann ein


Videokonferenzsystem als unmittelbares Betriebsmittel für Online-Bewerbungsgespräche
und ein Backupsystem als TOM sowie mittelbares Betriebsmittel zur Gewährleistung der Ver-
fügbarkeit verwendet werden. Da sowohl das Videokonferenz- als auch das Backupsystem
regelmäßig auch für andere Verarbeitungstätigkeiten zum Einsatz kommen, liegt es aus Effi-
zienzgründen nahe, sowohl für das Videokonferenzsystem als auch für das Backupsystem ei-
gene Risikoanalysen durchzuführen bzw. spezifische Teilbereiche in einer beide Betriebsmit-
tel umfassenden Risikoanalyse zu erstellen.

Hilfreich bei der Durchführung von Risikoanalysen separat für Betriebsmittel ist, bei diesen
Risikoanalysen zusätzlich die berücksichtigten Verarbeitungskonstellationen als schon „ge-
prüfte und berücksichtigte Anwendungsfälle“ für das jeweilige Betriebsmittel mit anzugeben.
Durch die Angabe derartiger Anwendungsfälle kann, wenn eine Verarbeitungstätigkeit ein
neues Betriebsmittel nutzen soll, rasch entschieden werden, ob ein bereits existierendes re-
levantes Betriebsmittel ohne Anpassung seiner Risikoanalyse verwendet werden kann.

53
VI. Praxishinweise für Risikoanalysen

bb) Gruppierung von TOMs


Für eine bessere Übersichtlichkeit und Fokussierung auf die jeweiligen Besonderheiten einer
Zielverarbeitung kann in einer Risikoanalyse eine TOM-Gruppierung hilfreich sein. Eine sol-
che Gruppierung kann sich beispielsweise auf den Spezialisierungsgrad der einzelnen TOM
beziehen und wie folgt durchgeführt werden:

– Gruppe der „speziellen TOMs“. – Darunter sind TOMs zu verstehen, deren Implemen-
tierung (fast) nur bei der betrachteten Zielverarbeitung sinnvoll ist. Bei neuartigen Zielver-
arbeitungen können zeitnahe Veröffentlichungen dieser speziellen TOMs für verantwort-
liche Stellen eine große Hilfe beispielsweise bei der Beschaffung neuer IT-Systeme sein.

Beispiel: Bei der Zielverarbeitung „Videokonferenz durchführen“ sind insbesondere die


TOMs „Virtuellen Hintergrund nutzen“ und „Moderationsfunktionen nutzen“ spezielle
TOMs.

– Gruppe der „adaptiven TOMs“. – Darunter sind TOMs zu verstehen, die für mehrere
Zielverarbeitungen nach einer verarbeitungsspezifischen Ausgestaltung geeignet sind,
das Risiko angemessen zu reduzieren. Der Nutzen dieser Gruppe ist darin zu sehen, dass
bei den adaptiven, also immer wieder erneut anzupassenden und umzusetzenden TOMs
eine Standardisierung, beispielsweise durch Erstellung von Mustern mit Vorgabe der Min-
destinhalte und einer Basisstruktur, angeraten sein kann.

Beispiel: Bei vielen digitalen Zielverarbeitungen sind insbesondere die TOMs „Techni-
sches Rollen und Berechtigungskonzept implementieren“, „Protokollierungskonzept im-
plementieren“, „Testkonzept implementieren“ und „Löschkonzept implementieren“
adaptive TOMs.

– Gruppe der „übergreifenden TOMs“. – Darunter sind TOMs zu verstehen, die für zahl-
reiche Zielverarbeitungen ohne nennenswerte Anpassung an die jeweilige Zielverarbei-
tung geeignet sind, das Risiko angemessen zu reduzieren. In diesem Kontext ist es regel-
mäßig sinnvoll, diese TOMs jeweils in separaten Unterlagen zu spezifizieren und nachzu-
weisen. Die einzelne Risikoanalyse braucht damit nur noch auf diese entsprechenden Un-
terlagen zu verweisen.

Beispiel: Solche übergreifende TOMs sind etwa „Ein Datenschutz-Management betrei-


ben“ und „Im Rahmen eines Informationssicherheitsmanagementsystems ein Informati-
onssicherheitskonzept nach IT-Grundschutz des BSI umsetzen“.

cc) Elementare Szenarien


In der Risikoanalyse sollten nur Szenarien behandelt werden, die unmittelbar mit der Zielver-
arbeitung verknüpft sind, und die insgesamt zu einem klaren, widerspruchsfreien Szenarien-
Profil führen. Hierfür sind insbesondere folgende Aspekte zu berücksichtigen:

– Wirksamkeit von TOMs. – Szenarien, die überwiegend Aspekte der Unwirksamkeit von
TOMs beinhalten (z. B. fehlende, unzureichende Implementierung oder Störung von
TOMs), sollten nicht in die Risikoanalyse mit aufgenommen werden. Die Risiken der un-

54
3. Typische Optimierungspotenziale

zureichenden Wirksamkeit von TOMs müssen im Maßnahmenmanagement zu jeder ein-


zelnen TOM behandelt und gegebenenfalls mit spezifischen Wirksamkeitsmaßnahmen
reduziert werden (z. B. Aktivierung und laufende Kontrolle der Monitorfunktionen eines
Schadsoftware-Abwehr-Systems).

– Schadensposition als Szenario. – Mögliche Schadenspositionen, z. B. der Erpressungs-


versuch nach einem unbefugten Zugriff auf sehr vertrauliche Daten, sollten in die Bewer-
tung des Schadens bzw. der Folgen eines Szenarios und nicht als eigene Szenarien in die
Risikoanalyse einfließen.

– Überschneidende Szenarien. – Szenarien, die sich inhaltlich überscheiden oder sogar


ganz entsprechen, sollten vermieden werden. Ist im Einzelfall eine Mehrfachnennung von
Szenarien oder anderen Komponenten unverzichtbar, so sollte auf den Bereich verweisen
werden, in dem sich schon die ausführliche Beschreibung befindet (Ankerstelle, siehe
Punkt VI. 2. b)).

b) Abgrenzung zur IT-Sicherheit


Nicht selten wird Datenschutz mit IT-Sicherheit gleichgesetzt. IT-Sicherheit ist ein Bereich der
Informatik, der sich mit dem Schutz von IT-Systemen und den damit verarbeiteten Informati-
onen in allen ihren Erscheinungsformen beschäftigt. Das (EU-)Datenschutzrecht bezieht sich
allerdings (alleine) auf den „Schutz von natürlichen Personen bei der Verarbeitung personen-
bezogener Daten“, vgl. Art. 1 DSGVO. Datenschutzrecht soll die Rechte und Freiheiten natür-
licher Personen gewährleisten, die von Datenverarbeitungen konkret betroffen sind. 42 Zwi-
schen IT-Sicherheit und der Sicherheit der Verarbeitung im Datenschutz bestehen sowohl
Berührungspunkte als auch Bereiche, in denen deutliche Unterschiede bestehen und sogar
Spannungsverhältnisse auftreten. 43 In aller Regel sind solche Spannungsverhältnisse jedoch
nach entsprechenden Analysen und Prüfungen im Sinn der beiden berührten Bereiche auf-
lösbar.

Die IT-Sicherheit unterstützt zwar in wesentlichen Bereichen die Datenschutzanforderungen.


Es gibt aber auch Fälle, in denen Schutzmaßnahmen aus der IT-Sicherheit datenschutzrecht-
liche Probleme aufwerfen. Während die IT-Sicherheit die IT-Systeme und Daten unabhängig
von einem Personenbezug zu schützen versucht, stehen im Datenschutz natürliche Personen
und deren personenbezogene Daten im Fokus.

Beispiel: Beim klassischen Beispiel der TOM „Protokollierung von IT-Benutzeraktivitäten“ ist
es oft Ziel der IT-Sicherheit, möglichst langfristig und umfangreiche Protokolldaten zu verar-
beiten, um die IT-Systeme stabil betreiben und Fehler finden zu können. Der Datenschutz
fragt hingegen konsequent mit Blick auf die von der Protokollierung betroffenen Personen
insbesondere nach der Erforderlichkeit und der Nichtverkettung.

Weitere wesentliche Unterschiede finden sich in der folgenden Abbildung.

42
Vgl. Thomas Petri, Kai Engelbrecht: „Meine Daten, die Verwaltung und ich“, S. 1, 2019, veröffentlicht unter
[Link]
43
Vgl. Kapitel „E1 Zusammenwirken von SDM und BSI-Grundschutz“ im SDM (Fn. 5).

55
VI. Praxishinweise für Risikoanalysen

Abb. 19: Wichtige Unterschiede zwischen Datenschutz und IT-Sicherheit

Mit Blick auf die Risikoanalyse, wie diese das BSI in seinem Standard „200-3: Risikoanalyse
auf Basis von IT-Grundschutz“ beschreibt, existieren folgende Berührungspunkte:

– Grundwerte. – Die drei Gewährleistungsziele „Vertraulichkeit“, „Verfügbarkeit“ und „Da-


tenintegrität“ entsprechen grundsätzlich den drei Grundwerten der IT-Sicherheit.

– Methode. – Im Datenschutz wie auch in der IT-Sicherheit kann grundsätzlich die Methode
des Risikomanagements im Rahmen der Risikoanalysen eingesetzt werden.

– Szenarien. – In der Sicherheit der Verarbeitung und der IT-Sicherheit sind die betrachte-
ten Szenarien, die das BSI begrifflich als „Gefährdungen“ 44 bezeichnet, größtenteils de-
ckungsgleich.

– Eintrittswahrscheinlichkeit. – Die Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines Szenarios bzw.


einer Gefährdung wird in beiden Gebieten auf gleiche Art und Weise ermittelt.

– Ausgangs- und Restrisiko. – Auf beiden Gebieten wird in einem ersten Schritt das Aus-
gangsrisiko und nach Zuordnung der einschlägigen TOMs das Restrisiko bestimmt. 45

– TOMs. – TOMs, die identifizierten Szenarien zugeordnet sind, sind der eigentliche Antrieb
für die beiden Gebiete Sicherheit der Verarbeitung und IT-Sicherheit. Bei den TOMs be-
steht grundsätzlich ein sehr hoher Überdeckungsgrad, auch wenn bestimmte TOMs aus
Datenschutzgründen anders ausgestaltet werden müssen (z. B. restriktivere Aufbewah-
rungsdauer von Protokollierungen).

Diese Berührungspunkte haben bereits die eine oder andere Institution dazu gebracht, eine
Risikoanalyse der IT-Sicherheit auch als datenschutzrechtliche Risikoanalyse ohne Beach-
tung der folgenden wesentlichen Unterschiede zu verwenden:

44
Der im BSI verwendete Begriff „Gefährdung“ ist nicht deckungsgleich mit dem im Zusammenhang des Ziel-
erfüllungsmanagements genutzten, gleichlautenden Begriff (vgl. Punkt III.4).
45
Vgl. BSI-Standard 200-3 (Fn. 11), S. 34 und Kapitel 6.2.

56
3. Typische Optimierungspotenziale

– Fokussierung des Schutzes. – Die datenschutzrechtliche Risikoanalyse hat die Rechte


und Freiheiten natürlicher Personen, die von der Zielverarbeitung betroffen sind, im Fo-
kus. Die Risikoanalyse in der IT-Sicherheit hat hingegen die Interessen der Institution oder
der Person, die IT-Systeme rechtmäßig betreiben und nutzen, im Fokus. Hierin liegt ein
wesentlicher Unterschied zwischen den Risikoanalysen beider Gebiete.

– Schutzgegenstand. – In der IT-Sicherheit sind alle Objekte von Interesse, die im Zusam-
menhang mit der IT-Nutzung stehen. Im Datenschutz ist die Verarbeitung von personen-
bezogenen Daten der Schutzgegenstand der Risikoanalyse.

– Gewährleistungsziele. – Der Datenschutz spannt mit seinen sieben Gewährleistungszie-


len einen Schutzschirm auf, der weit über die drei Grundwerte „Vertraulichkeit“, „Verfüg-
barkeit“ und „Integrität“ der IT-Sicherheit hinausreicht.

– Höhe des Schadens. – Die Folgen beim Eintritt eines Szenarios bzw. einer Gefährdung
und damit auch die Schadenshöhe sind aufgrund einer anderen Schutzausrichtung unter-
schiedlich zu betrachten und nicht selten unterschiedlich zu bewerten. Allerdings sind re-
levante Schadenspositionen im Sinn des Datenschutzes, die durch IT-Systeme verursacht
wurden, stets auch mit relevanten Folgen für die IT-Sicherheit verbunden. Denn techni-
sche Datenschutzpannen beeinflussen zumindest auch das Image einer Institution.

Beispiel: Ein „Imageverlust der Institution“ kann zwar als Schadensposition bei einer Risi-
koanalyse für die IT-Sicherheit aufgeführt werden. Bei der datenschutzrechtlichen Risiko-
analyse mit dem Blick auf betroffene Personen stellt der Imageverlust der Institution je-
doch keine Schadensposition dar.

– Risikoindex. – Im Datenschutz gibt es die drei folgenden Risikoabstufungen: „geringes


Risiko“, „normales Risiko“ und „hohes Risiko“ (siehe Punkt III. 3.). In der IT-Sicherheit
schlägt beispielsweise das BSI einen vierstufigen Risikoindex mit dem Hinweis vor, diesen
bei Bedarf auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen. 46

Auch wenn deutliche Unterschiede zwischen der datenschutzrechtlichen Risikoanalyse und


der Risikoanalyse der IT-Sicherheit bestehen, sind grundsätzlich nicht wenige Komponenten
und Bereiche, wie etwa Szenarien, deren Eintrittswahrscheinlichkeit und die wirksam umge-
setzten TOMs, wiederverwendbar bzw. für Verweisungen nutzbar.

c) Weitere Optimierungspotenziale
Bei datenschutzrechtlichen Risikoanalysen können insbesondere folgende Optimierungspo-
tenziale und Fehler beobachtet werden:

– Gemeinsames Vorgehensmodell. – Grundsätzlich ist es naheliegend, dass in einer In-


stitution die Methode für das Risikomanagement unterschiedlicher Anwendungsbereiche
(z. B. Datenschutz, IT-Sicherheit, Arbeitsschutz) soweit wie möglich vereinheitlicht wird.

46
Vgl. BSI-Standard 200-3 (Fn. 11), S. 27.

57
VI. Praxishinweise für Risikoanalysen

Dazu sollten sich die betroffenen Bereiche – eventuell unter Einsatz einer intern koordi-
nierenden Stelle – hinsichtlich der verwendeten Grundmethode und dem konkreten Vor-
gehen abstimmen.

– Auswahl eines Pilotbereichs. – Sollte erstmalig eine DSFA oder Risikoanalyse-Allge-


mein durchgeführt werden, kann es ratsam sein, mit einer Zielverarbeitung zu beginnen,
deren Komplexität möglichst niedrig und überschaubar ist. Denn dann kann der Schwer-
punkt bei der Durchführung auf die Methode der Risikoanalyse gelegt werden und diese
durch Praxiserfahrungen besonders rasch selbst erfahren und gefestigt werden. Zudem
kann der Start mit einer fachlichen Organisationseinheit, die im Umfeld von Risikoma-
nagement bereits Know-how besitzt oder bei der ein besonderer Handlungsbedarf be-
steht, für eine erste Pilotdurchführung hilfreich sein.

– Synergien nutzen. – Falls Institutionen sehr ähnliche und vergleichbare Verarbeitungs-


vorgänge haben, liegt es nahe, sich miteinander abzustimmen und effiziente Wege für die
Durchführung der entsprechenden Risikoanalysen zu suchen.

Beim Angebot von „good practice“-Unterlagen, Vorlagen und sonstigen Mustern würde
ein besonders hoher Mehrwert geschaffen werden, wenn TOMs eingebettet in einer da-
tenschutzrechtlichen Risikoanalyse dargestellt werden. Denn dann bräuchten Verant-
wortliche diese Muster nur noch auf ihre konkrete Zielverarbeitung anpassen und verifi-
zieren sowie die Risikoanalyse um die Risiken ergänzen, die für die jeweilige verantwortli-
che Stelle technik- und organisationsspezifisch sind.

– Hersteller und Lieferanten mit einbinden. – Bei Beschaffungen können Zuarbeiten zu


den Risikoanalysen durch die Lieferanten als Leistungspositionen ausdrücklich vereinbart
werden. In besonderen Konstellationen ist sogar eine formale Aufteilung der Risikoana-
lyse denkbar (siehe Punkt VI. 5.).

– Ausgangsrisiken mit Berücksichtigung von TOMs. – Nicht selten werden fälschlicher-


weise bei der Bewertung des Ausgangsrisikos zugehörige TOMs schon risikomindernd
mit berücksichtigt (siehe Punkt IV. 4.).

– Konsistenz durch Ankerstellen gewährleisten. – Häufig werden dieselben Aspekte an


mehreren Textstellen unterschiedlich und damit inkonsistent dargestellt. Daher sind die
unter dem Punkt VI. 2. b) schon gegebenen Empfehlungen besonders wichtig.

4. Skalierbarkeit
4. Skalierbarkeit

Nach Art. 24, 25 und 32 DSGVO bzw. Art. 35 DSGVO trifft den Verantwortlichen die Pflicht,
für grundsätzlich alle Verarbeitungsvorgänge nachzuweisen, dass ein dem Risiko angemes-
senes Schutzniveau bei der Verarbeitung besteht. Da sich Zielverarbeitungen insbesondere
mit Blick auf ihr Risikoprofil und auf ihr jeweils angemessenes Schutzniveau deutlich unter-
scheiden können, stellt sich die Frage, ob und, wenn ja, wie eine Risikoanalyse entsprechend
ihrem Kontext unterschiedlich tiefgehend gestaltet und skaliert werden kann.

58
4. Skalierbarkeit

Wie ein roter Faden zieht sich das Prinzip der Risikoorientierung durch die gesamte DSGVO
(vgl. Punkt V. 1. b)). Die Risikoorientierung hat grundsätzlich auch Einfluss auf die Mindestan-
forderungen der zu erbringenden datenschutzrechtlichen Nachweise. Folglich steigen die
Mindestanforderungen an die Risikoanalyse zusammen mit der jeweiligen Höhe des Aus-
gangsrisikos. Da eine Risikoanalyse zudem hinreichend klar, verständlich, systematisch und
für ihre Adressaten (siehe Punkt VI. 1.) auch gut nachvollziehbar sein muss, hat die jeweilige
Komplexität sowohl der Zielverarbeitung als auch der Risikoanalyse-Bausteine ebenfalls Ein-
fluss auf die Mindestanforderungen.

Bei jeder Risikoanalyse müssen das Ausgangsrisiko, eventuell auch in zusammenfassender,


genereller Form, die betrachteten Szenarien, die Risikobewertungen und TOMs klar erkenn-
bar sein sowie deren Vollständigkeit und Plausibilität von den Adressaten der Risikoanalyse
nachvollzogen werden können.

Nach einer solchen Rahmensetzung können Risikoanalysen und deren Mindestanforderun-


gen wie folgt in die drei Ausbaustufen „S–Small“, „M–Medium“ und „L–Large“ unterteilt wer-
den.

Abb. 20: Ausbaustufen und Skalierbarkeit einer Risikoanalyse

Die Ausbaustufe „L–Large“ ist jedenfalls dann zu wählen, wenn hohe Ausgangsrisiken be-
stehen und/oder die Zielverarbeitung und/oder die zu betrachtenden Szenarien eine hohe
Komplexität aufweisen. Bei der Ausbaustufe „L–Large“ enthält die Risikoanalyse alle fünf
schon beschriebenen Bausteine (siehe Punkt IV.). Daher kann die Risikoanalyse dieser Aus-
baustufe durch den inhaltlichen Detaillierungsgrad der einzelnen Bausteine punktuell vergrö-
bert und verfeinert werden sowie durch weitere optionale Bausteine (z. B. „Angreifermodell“,
vgl. Punkt IV. 2.) ergänzt werden.

59
VI. Praxishinweise für Risikoanalysen

Die Auswahl der Granularität der Bausteininhalte ist ein Skalierungsmittel, das stets risiko-
und komplexitätsorientiert genutzt werden sollte und bei allen Risikoanalysen in jeder Aus-
baustufe zur Verfügung steht. Ein Beispiel hierfür ist die Aggregation im Einzelfall zusammen-
hängend zu betrachtender Einzelszenarien zu einem Hauptszenario, etwa im Bereich der In-
tervenierbarkeit das Szenario „Betroffenenrechte können insbesondere aufgrund interner
Organisationsabläufe nicht rechtzeitig und wirksam ausgeübt werden“. Bei effektiver Nutzung
dieser Skalierungsmöglichkeit kann eine Risikoanalyse ohne unnötigen Dokumentationsauf-
wand erstellt werden. Denn die in den Bausteinen dokumentierbaren Inhalte sind grundsätz-
lich unverzichtbarer Analyseschritte bei jeder Risikoanalyse. Insbesondere bei größeren Insti-
tutionen kann aus Einheitlichkeitsgründen angeraten sein, alle Risikoanalysen in dieser Aus-
baustufe zu erstellen.

Bei den beiden kleineren Ausbaustufen „M–Medium“ und „S–Small“ muss das Ausgangsri-
siko der Zielverarbeitung so dargestellt werden, dass daraus auch die getroffene Wahl der
Ausbaustufe begründet und plausibel wird.

Bei der Ausbaustufe „M–Medium“ werden nur das generelle Ausgangs- und Restrisiko so-
wie die relevanten Szenarien zusammen mit den ihnen zugeordneten TOMs dargestellt. Da-
bei dürfen die einschlägigen Szenarien sowie die Zielverarbeitung maximal eine mittlere
Komplexität aufweisen und die risikoreduzierende Wirkungsweise der jeweils zugeordneten
TOMs klar erkennbar und einschätzbar sein.

Bei der Ausbaustufe „S–Small“ werden nur das generelle Ausgangs- und Restrisiko sowie
die TOMs dargestellt (diese können etwa bei der Beschreibung der Verarbeitungstätigkeit im
Bereich „Allgemeine Beschreibung der TOMs“ gemäß Art. 32 Abs. 1 DSGVO aufgelistet und
konkretisiert werden). Diese deutliche Verkürzung der Dokumentation darf nur erfolgen,
wenn die einschlägigen Szenarien sowie die Zielverarbeitung eine geringe Komplexität auf-
weisen und die risikoreduzierende Wirkungsweise der jeweils zugeordneten TOMs klar er-
kennbar und einschätzbar sein. Zudem müssen auf Grundlage der beschriebenen TOMs klar
und eindeutig die Szenarien hervorgehen, die bei der Risikoanalyse berücksichtigt wurden.

5. Verteilte Risikoanalyse
5. Verteilte Risikoanalyse

Wirken bei einer Verarbeitungstätigkeit oder bei einer sonstigen, in einem engen fachlichen
Sachzusammenhang stehenden Verarbeitung mehrere Stellen unmittelbar oder nur mittel-
bar zusammen, kann die formale Aufteilung der Risikoanalyse nach Wissens- und Zuständig-
keitssphären sowie aus Effizienz-, Konsistenz- und Aktualitätsgründen im Einzelfall sinnvoll
sein. Ein solches Zusammenwirken kann insbesondere bei einem Verantwortlichen-Auf-
tragsverarbeiter-, bei einem Verantwortlichen-Hersteller-Verhältnis und bei einer gemeinsa-
men Verantwortlichkeit beobachtet werden. Derartigen Konstellationen zeichnen sich oft
dadurch aus, dass verwendete Verarbeitungsmittel von einer der beteiligten Stelle besonders
aus faktischen oder wissensbasierten Gründen betreut, weiterentwickelt und „beherrscht“
werden.

IT-Systeme werden immer komplexer und ändern nicht selten dynamisch ihre Unterstützung
von Verarbeitungen (z. B. agile Softwareentwicklung). Zudem entfernen sich IT-Systeme,
etwa in der Form von Cloud-Diensten, immer weiter weg aus dem direkten Einflussbereich

60
5. Verteilte Risikoanalyse

des Verantwortlichen. Daher liegt nahe, das relevante, oft sehr spezielle Know-how externer
IT-Systemhersteller, IT-Systembetreiber und IT-Diensteanbieter direkt in die Risikoanalyse
mit einfließen zu lassen.

Bei zentralen IT-Systemen, die mehrere Verantwortliche gleichzeitig einsetzen, kann zudem
aus Effizienz-, Konsistenz- und Aktualitätsgründen eine sachgerechte Aufteilung der Risiko-
analyse geboten sein.

Typischerweise kann die Risikoanalyse in solchen Konstellationen in zwei Teile aufgeteilt und
diese Teile mit entsprechenden Verweisungen fest miteinander verbunden werden.

Abb. 21: Schematische Übersicht einer verteilten Risikoanalyse

Die „Zentral-Risikoanalyse“ (Teil 2 der Risikoanalyse) betrachtet und umfasst die Risiken des
zentralen IT-Systems bzw. der Verarbeitungsmittel, für deren Risikoanalyse nach entspre-
chender Vereinbarung der Hersteller von genutzten Verarbeitungsmitteln oder der System-
betreiber zuständig ist.

Die Zentral-Risikoanalyse wird durch den Teil der Risikoanalyse, den der Verantwortliche
selbst erstellt und pflegt (Teil 1 der Risikoanalyse), ergänzt. Darin behandelt der Verantwortli-
che insbesondere die bei ihm spezifisch vorliegenden Risiken, die sich aus den vom Verant-
wortlichen dezentral genutzten Betriebsmitteln (z. B. IT-unterstützte Arbeitsplätze, Drucker)
und aus seiner Organisation (z. B. Ausprägung der Geschäftsprozesse) ergeben.

Der Teil 1 muss eindeutig auf den Teil 2 der Risikoanalyse verweisen, um beide Teile zur voll-
ständigen Risikoanalyse zusammensetzen zu können.

61
VI. Praxishinweise für Risikoanalysen

Auch bei einer verteilten Risikoanalyse muss der Verantwortliche den Nachweis in Form einer
DSFA oder einer Risikoanalyse-Allgemein gesamtheitlich erbringen (vgl. Art. 24 Abs. 1 und
Art. 35 Abs. 1 DSGVO). Daher ist immer zu gewährleisten, dass der Verantwortliche bedarfs-
gerechten Zugriff auch auf die Zentral-Risikoanalyse, und zwar sowohl auf deren Dokumen-
tation (Risikoanalyse-Bericht) als auch auf die Information hat, aus der sich die wirksame Um-
setzung aller darin enthaltenen TOMs ergibt.

Bei einer solchen Offenlegung der Zentral-Risikoanalyse gegenüber im Einzelfall denkbar


zahlreichen einsetzenden Stellen können Bedenken der Ersteller der Zentral-Risikoanalyse
bezüglich Sicherheit und Geschäftsgeheimnissen aufkommen. Zwar sollte jeder Produktlie-
ferant und jeder Auftragsverarbeiter dem Verantwortlichen und anderen relevanten Beteilig-
ten hilfreiche Informationen bereitstellen. Dabei sollte aber darauf geachtet werden, keine
Geheimnisse preiszugeben und insbesondere durch die Offenlegung von Schwachstellen
keine Sicherheitsrisiken, insbesondere keine größere Angriffsfläche zu verursachen. 47

Der Verantwortliche bleibt jedoch verantwortlich. Das gilt auch dann, wenn er sich Leistungen
in der Form einer Risikoanalyse von Anbietern zunutze macht. Die Gesamtdokumentation
muss daher so beschaffen sein, dass der Verantwortliche seiner Rechenschaftspflicht nach-
kommen kann. Zumindest gegenüber der Datenschutz-Aufsichtsbehörde können Ge-
schäftsgeheimnisse die Kontrolldichte nicht verringern. 48

Dieses Spannungsverhältnis zwischen der gesetzlichen Nachweispflicht des Verantwortli-


chen und der Sicherheit sowie dem Interesse des Zentral-Risikoanalyse-Erstellers am
Schutz seiner Geschäftsgeheimnisse kann beispielsweise im Einzelfall wie folgt aufgelöst
werden:

– Granularität und Verweisung. – Der Bericht zur Zentral-Risikoanalyse stellt die Bau-
steine zwar vollständig und nachvollziehbar, aber in einem Detaillierungsgrad dar, der
keine Bedenken bezüglich der Wahrung von Geschäftsgeheimnissen auslöst. Dabei muss
allerdings auf die weiterführenden Unterlagen des Zentral-Risikoanalyse-Erstellers so
verwiesen werden, dass im Fall eines überwiegenden berechtigen Interesses des Verant-
wortlichen die relevanten und eindeutig zitierten Unterlagen diesem zur Verfügung ge-
stellt werden können (siehe Punkt VI. 2. b)).

– Besondere Maßnahmen zur Vertraulichkeit. – Kann der Verantwortliche ein Interesse,


das im Einzelfall höher als das Interesse am Schutz von Geschäftsgeheimnissen zu werten
ist, gegenüber dem Zentral-Risikoanalyse-Erstellers nachweisen, so können risikoorien-
tiert begleitende Schutzmaßnahmen bei der zur Verfügungsstellung der einschlägigen
TOM-Unterlagen ergriffen werden (z. B. Verschwiegenheitsvereinbarung, Zugriff nur für
zur Verschwiegenheit verpflichtete Beschäftigter des Verantwortlichen, Einsatz eines
Treuhänders).

Vor dem dargestellten Hintergrund sollte vor IT-Beschaffung grundsätzlich die sachgerechte
Zuarbeit zur Risikoanalyse der künftigen Auftragnehmer betrachtet und gegebenenfalls diese

47
Siehe WP 248 (Fn. 8) S. 8.
48
Eine Grenze gibt es hier allenfalls bei Art. 16 Abs. 2 Satz 2 BayDSG, der aber keine Geschäfts-, sondern Staats-
geheimnisse betrifft.

62
6. Aktualisierung

Zuarbeit als Leistungsposition inklusive des Regelungsrahmens ausdrücklich in die Leis-


tungsbeschreibung mit aufgenommen werden.

6. Aktualisierung
6. Aktualisierung

Eine Risikoanalyse ist nicht statisch, sondern muss dynamisch bei wesentlichen Änderungen
der Zielverarbeitung oder ihres Kontextes angepasst werden (vgl. insbesondere Art. 24 Abs. 1
Satz 2 DSGVO).

Darüber hinaus erfordert die Überprüfungs- und Aktualisierungspflicht, auch bestehende IT-
Systeme regelmäßig in Augenschein zu nehmen, insbesondere im Hinblick auf geänderte
Rechtsvorschriften, auf wesentliche Verfahrensänderungen (etwa durch Hinzunahme neuer
Datenarten), auf veränderte Zuständigkeiten sowie auch auf Weiterentwicklungen hinsicht-
lich des Standes der Technik (beispielsweise geänderte Anforderungen an Verschlüsse-
lungsverfahren). Der notwendige regelmäßige Überprüfungsturnus – also nicht anlassbezo-
gen – ist risikoorientiert zu bestimmen, jedoch spätestens als Zwei- bis Fünf-Jahres-Rhyth-
mus auszugestalten. Die insoweit durchgeführten Prüfungen müssen schriftlich dokumen-
tiert werden.

63
VII. Anwendungsfall 1:
Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA)
VII. Anwendungsfall 1: Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA)

1. Einführung
1. Einführung

Als ersten Anwendungsfall für die vorgestellte Methode einer datenschutzrechtlichen Risiko-
analyse wird die Risikoanalyse für Verarbeitungsvorgänge betrachtet, die (voraussichtlich)
eine Hochrisikoverarbeitung darstellen. Denn bei Verarbeitungsvorgängen mit einem voraus-
sichtlich hohen Risiko für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen ist die DSFA
(Art. 35 DSGVO) das vorgegebene Nachweis-Instrument. Mit Hilfe der DSFA sind Verarbei-
tungsvorgänge, die voraussichtlich ein hohes Risiko für die persönlichen Rechte und Freihei-
ten natürlicher Personen mit sich bringen, grundsätzlich vor ihrem Beginn auf ihr mögliches
Schadenspotenzial zu prüfen und zu bewerten. Wesentliches Ziel der DSFA ist es, auf Basis
der gewonnenen Erkenntnisse geeignete technische und organisatorische Maßnahmen
(TOMs) nachhaltig umzusetzen, um die ermittelten Risiken auf ein angemessenes Maß zu re-
duzieren.

Im Unterschied zu der Risikoanalyse-Allgemein (siehe Punkt VIII.) ist die DSFA nach der Kon-
zeption der DSGVO ein spezielles und formalisiertes Verfahren für Hochrisikoverarbeitungen.
Dies bedeutet, dass der Verantwortliche grundsätzlich 49 eine DSFA für jeden Verarbeitungs-
vorgang nachweisen muss, der voraussichtlich ein hohes Risiko für die Rechte und Freiheiten
natürlicher Personen zur Folge hat.

Generelle Ausführungen zur DSFA, wie etwa die Erforderlichkeit einschließlich eines Prüf-
schemas, sind ausführlich in meiner Orientierungshilfe „Datenschutz-Folgenabschätzung“
dargelegt. 50

Nach der Sichtung bereits bestehender DSFA-Methoden folgte die Erkenntnis, dass die
Kombination verschiedener, schon bestehender DSFA-Ansätze zielführend erscheint.

Die DSFA-Methodik „Privacy Impact Assessment“ (→PIA) der französischen Datenschutz-


Aufsichtsbehörde CNIL wird als methodische Grundlage verwendet und punktuell in nicht wi-
dersprüchlichen Bereichen mit Komponenten des SDM sowie mit dem DSFA-Papier 51 und
dem Risikomanagement 52 der Datenschutzkonferenz kombiniert. Der aufgezeigte Lösungs-
weg sollte auch für Befürworter einer „reinen Methodenanwendung“ – ggf. mit kleinen An-
passungen – gangbar sein.

49
Zur DSFA-Erforderlichkeitsprüfung und insbesondere zu den Ausnahmen, eine eigene DSFA durchzuführen,
siehe den folgenden Punkt VII.2.
50
Die Orientierungshilfe ist auf [Link] in der Rubrik „DSFA“ abrufbar.
51
Vgl. Datenschutzkonferenz, Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DS-GVO, Kurzpapier Nr. 5, Internet:
[Link]
52
Vgl. Fn. 2.

64
2. Erforderlichkeitsprüfung

Abb. 22: Übersicht der verwendeten DSFA-Methoden

Auch wenn SDM und PIA insbesondere die Schutzziele des Datenschutzes teilweise etwas
anders gruppieren und PIA die Methode des klassischen Risikomanagements für die soge-
nannten „Fundamentalen Prinzipien“ als eine Teilmenge der Schutzziele ausdrücklich aus-
schließt, 53 ist die eigentliche Zielrichtung und das angestrebte Ergebnis beider Methoden
identisch: Die betrachtete Datenverarbeitung soll mit Hilfe von identifizierten und wirk-
sam umgesetzten TOMs nachweislich die DSGVO einhalten.

Die von mir empfohlene Methode, die auf bereits Bestehendes und Anerkanntes Bezug
nimmt und dieses kombiniert, erscheint auch in der Praxis als ausreichend verständlich, flexi-
bel und skalierbar. So dienten meine Empfehlungen bereits als Basis für die DSFA von einfa-
cheren und komplexeren folgenabschätzungspflichtigen Verarbeitungsvorgängen sowie als
Grundlage für eine gesetzliche DSFA nach Art. 14 Abs. 1 Nr. 2 BayDSG.

Die im Folgenden aufgezeigte DSFA konzentriert sich auf die Mindestanforderungen (siehe
Punkt VII.3.a)) und kann in fast beliebigem Maße weiter ausgebaut sowie detailliert werden.

2. Erforderlichkeitsprüfung
2. Erforderlichkeitsprüfung

Die Prüfung, ob für eine bestimmte Verarbeitungstätigkeit oder ein sonstiger Verarbeitungs-
vorgang eine DSFA erforderlich ist, ist ein eigenständiger wichtiger Prüfschritt. Falls eine
Pflicht zur Durchführung einer eigenen DSFA bestehen und die betroffene Stelle keine ent-
sprechende DSFA vorab durchgeführt haben sollte, kann die zuständige Aufsichtsbehörde
wegen Verstoßes gegen Art. 35 Abs. 1 DSGVO von ihren Abhilfebefugnissen gemäß Art. 58

53
Siehe Fn. 16.

65
VII. Anwendungsfall 1: Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA)

Abs. 2 DSGVO Gebrauch machen, indem sie beispielsweise die wirksame Umsetzung be-
stimmter unverzichtbarer TOMs gegenüber dem Verantwortlichen anweist.

Die DSFA-Erforderlichkeitsprüfung ist der bisher dargestellten Risikoanalyse vorgelagert und


davon zu unterscheiden.

Abb. 23: Kontext der DSFA-Erforderlichkeitsprüfung

Generelle rechtliche Ausführungen zur DSFA, wie etwa die Erforderlichkeit einschließlich ei-
nem Prüfschema oder der Umgang mit Bestandsverfahren, sind ausführlich in der Orientie-
rungshilfe „Datenschutz-Folgenabschätzung“ dargelegt. 54

3. Durchführung
3. Durchführung

Die DSGVO selbst gibt mit den relativ abstrakt formulierten Anforderungen an die DSFA keine
Antworten auf wichtige Methodenfragen und konkrete Vorgehensschritte. Die Entscheidung
für eine bestimmte DSFA-Methode, die dann auch praxisgerecht durchführbar ist, ist für den
einen oder anderen Verantwortlichen noch mit Schwierigkeiten verbunden.

Da eine veröffentlichte DSFA oder auch nur veröffentlichte Ausschnitte einer DSFA immer
noch recht schwer zu finden sind, werden die von mir publizierten Arbeitshilfen, die einzelne
DSFA-Arbeitsschritte anhand von konkreten Beispielen veranschaulichen und erleichtern, als
Arbeitsgrundlage für bayerische öffentliche Stellen und weitere Einrichtungen gerne bereit-
gestellt. Dabei hilft die darin enthaltene Fokussierung auf das Wesentliche und die Konkreti-
sierung der Mindestanforderungen an eine DSFA.

54
Siehe Fn. 25.

66
3. DSFA-Bericht

3. DSFA-Bericht

a) Mindestanforderungen und Vorgehensschritte


Die Mindestanforderungen an eine DSFA haben Einfluss auf die Strukturierung des DSFA-
Berichts. In jedem Fall ist der nach Art. 35 Abs. 7 DSGVO gesetzlich vorgegebene Mindestin-
halt einer DSFA abzubilden. Bei der DSFA besteht zusätzlich die Besonderheit, dass im Fall
einer sich an die DSFA anschließenden Konsultation nach Art. 36 DSGVO die eigentlichen
DSFA-Mindestaspekte durch weitere Informationen ergänzt werden müssen. Zwar sollte
eine Konsultation ein eher selten vorkommender Fall sein und sind diese Ergänzungen nicht
Teil der eigentlichen DSFA, eine weitest mögliche Berücksichtigung dieser zusätzlichen An-
gaben im Rahmen der DSFA-Erstellung erscheint jedoch empfehlenswert. Dabei wird der
Punkt „Sonstige angeforderte Informationen“ nicht weiter berücksichtigt, da die davon ggf.
betroffenen Inhalte einzelfallbezogen und vorab unbestimmt sind.

Damit ergeben sich folgende Mindestpositionen für einen DSFA-Bericht.

Abb. 24: Mindestpositionen eines DSFA-Berichts

Die Anforderung „Systematische Beschreibung der Verarbeitungsvorgänge“ kann basierend


auf der vom PIA-Tool vorgegebenen inhaltlichen Gliederungsstruktur weiter aufgelöst und
konkretisiert werden. Dies wird beispielhaft in den veröffentlichten Arbeitshilfen anschaulich
gezeigt (siehe Punkt IX.).

Die beiden Positionen „Bewertung der Risiken“ und „Maßnahmen & Garantien“ im DSFA-Be-
richt weisen auf die Durchführung einer datenschutzrechtlichen Risikoanalyse im Rahmen ei-
ner DSFA hin. Folglich sind auch hier die bezüglich der sieben SDM-Gewährleistungsziele
bestehenden Risiken und die zur Reduzierung festgelegten TOMs in Form einer datenschutz-
rechtlichen Risikoanalyse grundsätzlich mittels der schon dargestellten Bausteine (siehe
Punkt IV.) zu dokumentieren. Auch die anderen Aspekte, die bereits für eine datenschutz-
rechtliche Risikoanalyse generell angesprochen wurden (siehe Punkt II. bis Punkt VI.), sind
ebenfalls im Rahmen einer DSFA anwendbar. Wichtige Zusatzaspekte, die eine DSFA gegen-
über einer allgemeinen Risikoanalyse aufweist, werden in der Abbildung 28 vergleichend ge-
zeigt (siehe Punkt VIII.1).

67
VII. Anwendungsfall 1: Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA)

Im Hinblick auf die Skalierbarkeit der Risikoanalyse einer DSFA wird regelmäßig die Ausbau-
stufe „Large“ angeraten sein (siehe Punkt VI.4). Nur ausnahmsweise, etwa bei einer geringen
Verarbeitungskomplexität, ist auch die Ausbaustufe „Medium“ vorstellbar.

Insgesamt ergibt sich danach folgendes Bild zum DSFA-Bericht und dem dazugehörigen
Maßnahmenmanagement. Die darin aufgezeigten Schritte der Risikobewertung und die da-
rauf basierende Maßnahmenauswahl erfolgen so oft iterativ, bis das gewünschte Schutzni-
veau erreicht wird.

Abb. 25: DSFA, die sich aus dem DSFA-Bericht und dem Maßnahmenmanagement zusammensetzt

b) IT-Unterstützung für den DSFA-Bericht


Die Verwendung von Arbeitshilfen und speziellen IT-Anwendungen sind Möglichkeiten, die
Durchführung einer DSFA zu erleichtern. Besonders effizient kann die Unterstützung sein,
falls eine IT-Anwendung sowohl die Erstellung und Pflege des DSFA-Berichts als auch das
sich daraus ergebende Maßnahmenmanagement unterstützt. Eine IT-Unterstützung kann al-
lerdings mit noch weiteren Nutzenaspekten bedarfsgerecht für die einzelne Institution ver-
bunden sein, indem die IT-Unterstützung beispielsweise auch das Geschäftsprozessmanage-
ment, die IT-Sicherheit sowie weitere Themen mit einem hohen Überschneidungsbereich
zum Datenschutz abdeckt.

Nicht selten wird es jedoch sinnvoll sein, vor einer größeren Beschaffung von IT-Systemen
die Anforderungen an eine IT-Unterstützung für die betroffene Institution genau zu kennen.
Diese Kenntnis kann sich aus einer pilothaft durchgeführten DSFA ergeben. Hierzu kann es
hilfreich sein, die „Pilot-DSFA“ mit Hilfe einfacher, sofort zur Verfügung stehender und leicht
anpassbarer IT-Werkzeuge durchzuführen.

68
3. DSFA-Bericht

Auf entsprechende Nachfragen hin habe ich einen „Werkzeugkasten“ für die Durchführung
der DSFA und der Risikoanalyse-Allgemein auf meiner Homepage veröffentlicht, den ich be-
darfsgerecht auch weiterhin ergänzen werde (vgl. Punkt IX.). Beim Einsatz meiner veröffent-
lichten Arbeitshilfen ergibt sich folgendes Gesamtbild für die verwendeten allgemein vorhan-
denen IT-Werkzeuge (Formulare aus Textverarbeitungsprogrammen und Tabellen aus Ta-
bellenkalkulationsprogrammen).

Abb. 26: Bausteine bei der Verwendung der veröffentlichten Arbeitshilfen für den DSFA-Bericht

Neben meinen veröffentlichten Arbeitshilfen zum DSFA-Bericht, deren Nutzung ich grund-
sätzlich für bayerische öffentliche Stellen empfehle, weise ich auch auf folgende öffentlich und
frei zugänglichen IT-Werkzeuge hin:

– PIA-Tool. – Die französischen Datenschutz-Aufsichtsbehörde CNIL bietet neben einer


umfangreichen Dokumentation zu ihrer DSFA-Methodik „Privacy Impact Assessment“
auch das sog. →PIA-Tool als Software-Unterstützung an, mit dessen Hilfe unter anderem
ein DSFA-Bericht für die SDM-Datensicherheitsziele dokumentiert und ausgedruckt wer-
den kann. 55

55
Vgl. [Link]

69
VII. Anwendungsfall 1: Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA)

– ENISA-Tool. – Die Agentur der Europäischen Union für Cybersicherheit ENISA stellt auf
ihrer Homepage ein Online-Tool mit zusätzlichen Unterlagen für die Sicherheit der Verar-
beitung personenbezogener Daten zur Verfügung. 56 Schwerpunkt dieser IT-Anwendung
ist die Bewertung des Risikoniveaus einer Verarbeitung personenbezogener Daten.

Da diese Tools sowie deren Unterlagen ständig weiterentwickelt werden und teilweise schon
Bewertungen hierzu existieren, 57 wird an dieser Stelle auf eine Bewertung verzichtet.

c) IT-Unterstützung für das Maßnahmenmanagement


Im DSFA-Bericht werden angemessene TOMs über Risikobewertungen hergeleitet und so
identifiziert, dass diese im anschließenden Maßnahmenmanagement wirksam umgesetzt
werden können. Eine DSFA wird daher immer anhand der Dokumentation des DSFA-Be-
richts und der Dokumentation der wirksam umgesetzten TOMs nachgewiesen (vgl. Abbil-
dung 26). Wie beim allgemeinen Maßnahmenmanagement üblich, müssen die identifizierten
TOMs insbesondere in der Form von Vorhaben oder Projekten nach Wichtigkeit und Dring-
lichkeit implementiert werden. Nach der Umsetzung muss die dauerhafte Wirksamkeit der
Maßnahmen kontrolliert und nachgewiesen werden. Für die Unterstützung solcher Abläufe
werden nicht wenige IT-Anwendungen angeboten, die das Verwalten und die strukturierte
systematische Implementierung von Maßnahmen (TOMs, Aufgaben, Prozesse usw.) verein-
facht ermöglichen.

4. Zusammenspiel DSFA und


Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten
4. Zusammenspiel DSFA und Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten

Eine besonders enge Verknüpfung hat die DSFA mit dem „Verzeichnis von Verarbeitungstä-
tigkeiten“. Denn die Beschreibung einer Verarbeitungstätigkeit umfasst Informationen, die
auch für die DSFA benötigt werden. Um mögliche Inkonsistenzen zu vermeiden, ist bei der
nachträglichen Durchführung einer DSFA, etwa im Fall von „Bestandsverfahren“, eine gegen-
seitige Verweisung, wie im folgenden Schema gezeigt, gut denkbar.

56
Vgl. [Link]
57
Z. B. Bock/Gonscherowski/Schlehahn, Das PIA-Tool der CNIL im aufsichtsbehördlichen Praxistest, PinG
2019, 138 ff.; Hessischer Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, 47. Tätigkeitsbericht, Nr.
4.10.3.

70
5. Weitere Aspekte zur DSFA

Abb. 27: Verweisungen zwischen der Beschreibung einer Verarbeitungstätigkeit und der DSFA

Grundsätzlich ist die DSFA jedoch vor dem Beginn des betrachteten Verarbeitungsvorgangs
zu erstellen, also zu einem Zeitpunkt, zu dem der entsprechende Eintrag im Verzeichnis von
Verarbeitungstätigkeiten noch fehlen könnte. In diesem Fall empfiehlt es sich aus Konsistenz-
gründen ebenfalls, an mehreren Stellen verwendete gleiche Informationen an einer „führen-
den“ Stelle zu pflegen, etwa, indem der (zukünftige) Eintrag in das Verzeichnis von Verarbei-
tungstätigkeiten bereits im Vorfeld mit erstellt wird.

5. Weitere Aspekte zur DSFA


5. Weitere Aspekte zur DSFA

a) Zusammengesetzte DSFA
Wie schon beschrieben, kann auch eine DSFA grundsätzlich in zwei oder mehrere Teile auf-
geteilt werden (siehe Punkt VI. 5.).

b) Gesetzliche DSFA 58
Der bayerische Gesetzgeber kann unter den Voraussetzungen des Art. 35 Abs. 10 DSGVO
eine DSFA durchführen und dadurch die Verantwortlichen entlasten (vgl. hierzu auch Art. 14
Abs. 1 Nr. 2 BayDSG).

58
Die Ausführungen zur gesetzlichen DSFA entstammen dem im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums
des Innern, für Sport und Integration erstellten Papier von Roßnagel u. a., Datenschutz-Folgenabschätzung
Notfallregister, Version 1.2, Stand: 3/2021, im Internet abrufbar auf [Link]
ell/archiv/2021/210506rettungsdienstgesetz/ unter „Downloads“.

71
VII. Anwendungsfall 1: Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA)

Die Ausnahmeregelung des Art. 35 Abs. 10 DSGVO greift für den Verantwortlichen nur dann,
wenn die Verarbeitung nach Art. 6 Abs. 1 UAbs. 1 Buchst. c und e DSGVO auf einer Rechts-
grundlage im nationalen oder europäischen Recht beruht, der er unterliegt, und wenn diese
Rechtsgrundlage den konkreten Verarbeitungsvorgang regelt.

Die gesetzliche DSFA muss nach Art. 35 Abs. 10 DSGVO ferner „im Rahmen der allgemeinen
Folgenabschätzung im Zusammenhang mit dem Erlass dieser Rechtsgrundlage“ erfolgen.

Weder der Verordnungswortlaut noch die Erwägungsgründe und die Gesetzgebungshistorie


geben Hinweise darauf, ob und wie die vom Gesetzgeber vorzunehmende gesetzliche DSFA
von der vom Verantwortlichen durchzuführende eigenen DSFA inhaltlich und formell ab-
weicht. Die konkreten Anforderungen an die Gesetzes-DSFA lässt die DSGVO offen. Auch
das BayDSG enthält dazu keine Hinweise.

Für die Ausgestaltung der gesetzlichen DSFA sind grundsätzlich die gleichen Maßstäbe an-
zulegen wie für eine vom Verantwortlichen selbst durchgeführten DSFA. Nur indem er sich an
diesen Vorgaben zur Durchführung einer DSFA orientiert, kann der Durchführende die mit
Art. 35 DSGVO verfolgten Schutzziele erreichen.

Allerdings ist der Unterschied zwischen der gesetzlichen Regelung eines Datenverarbei-
tungsvorgangs und der konkreten Durchführung eines Datenverarbeitungsvorgangs in der
Realität zu berücksichtigen. Auch wenn die gesetzlichen Regelungen Anforderungen an die
Gestaltung des Datenverarbeitungsvorgangs enthalten und bestimmte Schutzvorkehrungen
vorsehen, bleibt eine entscheidende Differenz in der DSFA dieses Gesetzes zur DSFA einer
realen Datenverarbeitung. Eine gesetzliche DSFA kann daher nur auf einer abstrakten Ebene
die prinzipiellen Risiken erfassen und nur grundsätzlich geeignete Schutzvorkehrungen vor-
sehen. Sie kann nicht alle Risiken umfassend berücksichtigen, die in den konkreten Verarbei-
tungsvorgängen im Einzelfall auftreten können.

Da die Regelung des Art. 35 Abs. 10 DSGVO keine Absenkung des Niveaus der DSFA an-
strebt, muss sich nachweislich aus dem Gesetzgebungsverfahren ergeben, dass der Gesetz-
geber die potentiellen Risiken für die Grundrechte und Freiheiten der betroffenen Personen
erkannt und bewertet hat sowie Abhilfemaßnahmen bezogen auf die erkannten Risiken ver-
anlasst hat. Dies ist nur möglich, wenn eine methodisch abgesicherte DSFA auf Basis des Ge-
setzentwurfs erfolgt ist.

Bei der gesetzlichen DSFA ist zu berücksichtigen, dass gesetzliche Regelungen die Daten-
verarbeitungsvorgänge regelmäßig nicht umfassend konkret gestalten können, um allein auf
der Grundlage dieser Regelungen die Risiken der Datenverarbeitung und ihre Bewältigung
exakt beschreiben und bewerten zu können. Daher liegt es nahe, auch im Bereich der SDM-
Datensicherheitsziele ausnahmsweise das Zielerfüllungsmanagement als Methode zu ver-
wenden (siehe Punkt III. 4.). Dabei kann der Brückenschlag zum konkret ausgestalteten Risi-
komanagement der einzelnen verantwortlichen Stelle über eine spezielle TOM erfolgen, die
in der gesetzlichen DSFA verankert ist. Eine solche TOM könnte beispielsweise die „Einrich-
tung eines Risikomanagements, das die technik- und organisationsspezifischen Risiken der
jeweiligen verantwortlichen Stelle behandelt“ sein.

72
5. Weitere Aspekte zur DSFA

Die gesetzliche DSFA ist abzugrenzen von dem Fall des Art. 14 Abs. 1 Nr. 1 BayDSG. Bei
Art. 14 Abs. 1 Nr. 1 BayDSG führt das Ressort „nur“ die DSFA für den nachgeordneten Be-
reich durch, um diesen zu entlasten. Die Vorschrift knüpft an das alte Freigabeverfahren an, 59
ist losgelöst von einem etwaigen Gesetzgebungsvorgang und liegt thematisch näher bei den
von Art. 14 Abs. 2 BayDSG erfassten Konstellationen.

Durch die Regelungen des Art. 14 BayDSG und Art. 35 Abs. 1 Satz 2 DSGVO entfällt also nicht
das Erfordernis einer DSFA als solches. Vielmehr wurde diese bereits im Gesetzgebungsver-
fahren (Art. 14 Abs. 1 Nr. 2 BayDSG) beziehungsweise durch eine andere Stelle (Art. 14 Abs.
1 Nr. 1, Abs. 2 BayDSG) durchgeführt, oder es kann eine DSFA für einen ähnlichen Verarbei-
tungsvorgang mit ähnlich hohen Risiken verwendet werden (Art. 35 Abs. 1 Satz 2 DSGVO).
Eine weitere DSFA durch den Verantwortlichen kann somit grundsätzlich unterbleiben, wenn
dieser eine bereits entsprechend durchgeführte DSFA „als eigene“ übernimmt. Allerdings
werden nicht selten zusätzliche organisationsspezifische Risiken vom Verantwortlichen zu be-
rücksichtigen sein, so dass häufig eine zusammengesetzte DSFA (siehe Punkt VII.5.a)) in der
Praxis erforderlich sein wird.

59
Vgl. Bayerischer Landtag, LT-Drs. 17/19628, S. 38.

73
VIII. Anwendungsfall 2:
„Risikoanalyse-Allgemein“
VIII. Anwendungsfall 2: „Risikoanalyse-Allgemein“

Die Risikoanalyse außerhalb einer DSFA wird zwar an unterschiedlichen Stellen erwähnt, 60
jedoch noch sehr überschaubar in der Literatur und Datenschutzpraxis behandelt. Diese da-
tenschutzrechtliche Risikoanalyse wird im Folgenden als „Risikoanalyse-Allgemein“ bezeich-
net.

1. Vergleich Risikoanalyse-Allgemein und DSFA


1. Vergleich Risikoanalyse-Allgemein und DSFA

Die Risikoanalyse-Allgemein unterscheidet sich von der DSFA in wesentlichen Aspekten wie
in der folgenden Abbildung dargestellt.

Abb. 28: Vergleich Risikoanalyse-Allgemein und DSFA

Die in der Abbildung 28 dargestellte Übersicht zeigt, dass die Risikoanalyse-Allgemein im


Vergleich zur DSFA ein vereinfachtes Verfahren darstellt. Aber auch wenn keine Hochrisi-
koverarbeitungen vorliegt, trifft den Verantwortlichen nach Art. 24, 25 und 32 DSGVO die
Pflicht, geeignete technische und organisatorische Maßnahmen wirksam umzusetzen, um si-
cherzustellen, dass die Art und Weise einer Verarbeitung mit den Vorgaben der DSGVO in

60
Vgl. z. B. Datenschutzkonferenz, Risiko für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen (Fn. 2), S. 6.

74
2. Durchführung

Einklang steht. Die Einhaltung dieser Pflicht muss bei Fehlen eines alternativen Nachweisin-
struments (siehe Punkt III) durch den Verantwortlichen angemessen mittels einer Risikoana-
lyse-Allgemein dokumentiert werden.

2. Durchführung
2. Durchführung

Es wird empfohlen, eine Risikoanalyse-Allgemein grundsätzlich schrittweise wie folgt durch-


zuführen.

Abb. 29: Durchführung einer Risikoanalyse-Allgemein

Bei der Risikoanalyse-Allgemein sind die beiden aufeinander aufbauenden Bereiche „Kon-
zeption“ und „Umsetzung“ wie folgt zu unterscheiden:

– Dokumentation zur Risikoanalyse („Risikoanalyse-Bericht“). – Der Bericht zur Risi-


koanalyse enthält zum einen eine Beschreibung der Zielverarbeitung sowie weitere Me-
tadaten (z. B. Ersteller, Status, Aktivierungsdatum). Daneben sind die bezüglich der sieben
SDM-Gewährleistungsziele bestehenden Risiken und die zur Reduzierung festgelegten
TOMs in Form einer datenschutzrechtlichen Risikoanalyse grundsätzlich mittels der dar-
gestellten Bausteine (siehe Punkt IV.) zu dokumentieren.

– Wirksame Umsetzung der TOMs („Maßnahmenmanagement“). – Wie beim allge-


meinen Maßnahmenmanagement üblich, müssen auch die im Risikoanalyse-Bericht
identifizierten TOMs insbesondere in der Form von Vorhaben oder Projekten nach Wich-
tigkeit und Dringlichkeit implementiert werden. Nach der Umsetzung muss die dauerhafte
Wirksamkeit der Maßnahmen kontrolliert und nachgewiesen werden (siehe Punkt V. 1.
g)).

75
VIII. Anwendungsfall 2: „Risikoanalyse-Allgemein“

Bei wesentlichen Änderungen der Zielverarbeitung oder ihres Kontextes muss die Risikoana-
lyse-Allgemein entsprechend angepasst werden (siehe Punkt VI. 6.). Eine Aufteilung der Ri-
sikoanalyse in mehrere Teile ist grundsätzlich möglich (siehe Punkt VI. 5.).

76
IX. Arbeitshilfen und Beispiele
IX. Arbeitshilfen und Beispiele

Zu der Frage, wie ein Bericht zu einer DSFA (DSFA-Bericht) und zu einer Risikoanalyse-All-
gemein (Risikoanalyse-Allgemein-Bericht), die eine öffentliche Stelle durchgeführt hat,
grundsätzlich aussehen kann, sind aktuell kaum Beispiele veröffentlicht. Daher wurde ein
Werkzeugkasten mit Arbeitshilfen bereitgestellt, die einzelne Arbeitsschritte der DSFA und
der Risikoanalyse-Allgemein erleichtern sollen. 61 Dieser Werkzeugkasten harmoniert mit
dem IT-Grundschutz-Baustein „CON.2 Datenschutz“ des Bundesamts für Sicherheit in der
Informationstechnik (BSI) sowie mit dem SDM.

Es stehen jeweils Leerformulare sowie Ausfüllbeispiele zur Verfügung. Insgesamt können


bayerische öffentliche Stellen nun auf detaillierte Anleitungen und Hilfsmittel zurückgreifen,
wenn sie DSFAs und Risikoanalysen-Allgemein durchführen.

Dieser Werkzeugkasten wird bedarfsgerecht weiter ausgebaut. Eine Übersicht und erläu-
ternde Hinweise zu den aktuellen Modulen enthält das Dokument „Modulhinweis“, das eben-
falls Teil des Werkzeugkastens ist.

61
Siehe auf [Link] die Rubrik „DSFA“.

77
X. Glossar
X. Glossar

Begriff /Abkürzung Erläuterung

Auftragsverarbeiter Auftragsverarbeiter ist eine natürliche oder juristische Per-


son, Behörde, Einrichtung oder andere Stelle, die personen-
bezogene Daten im Auftrag des Verantwortlichen verarbeitet
(Art. 4 Nr. 8 DSGVO).

betroffene Person Die betroffene Person ist das Gegenüber des Verantwortli-
chen. Ihre personenbezogenen Daten sind Gegenstand der
Verarbeitung. Die DSGVO führt diese „Rolle“ zusammen mit
der Begriffsbestimmung der personenbezogenen Daten ein
(Art. 4 Nr. 1 DSGVO).

BSI Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik


(Internet: [Link]

CNIL Commission Nationale de l’Informatique et des Libertés


(französische Datenschutz-Aufsichtsbehörde, Internet:
[Link]

personenbezogene Da- Personenbezogene Daten nach Art. 4 Nr. 1 DSGVO.


ten

Datenschutz-Schutz- Alle Maßnahmen und Garantien, die für die Reduzierung


maßnahmen bzw. Beseitigung von Risiken für die Rechte und Freiheiten
natürlicher Personen vorgesehen sind, vgl. auch Eintrag
„TOM(s) im Glossar.

Dok-ID Jedes Dokument kann durch seine eindeutige Dokumenten-


Identifikationsnummer (Dok-ID) aufgefunden und aufgeru-
fen werden.

DSB Datenschutzbeauftragter.

DSFA Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO.

DSFA-Bericht Ein Bericht/Report für eine DSFA.

DSK Konferenz der unabhängigen Datenschutzbehörden des


Bundes und der Länder; die DSK besteht aus den unabhän-
gigen Datenschutzbehörden des Bundes und der Länder.
Sie hat die Aufgabe, die Datenschutzgrundrechte zu wahren
und zu schützen, eine einheitliche Anwendung des europäi-
schen und nationalen Datenschutzrechts zu erreichen und

78
gemeinsam für seine Fortentwicklung einzutreten. Dies ge-
schieht namentlich durch Entschließungen, Beschlüsse, Ori-
entierungshilfen, Standardisierungen, Stellungnahmen,
Pressemitteilungen und Festlegungen. Internet:
[Link]

Fachapplikation IT-System, das die fachliche Sachbearbeitung und damit die


fachlichen Geschäftsprozesse unmittelbar unterstützt.

Geschäftsprozessma- Das Geschäftsprozessmanagement ist eine praxiserprobte


nagement Methode insbesondere für die Dokumentation, zielgerichtete
Steuerung und Überwachung von Prozessen und der ge-
samten Ablauforganisation einer Institution. Ein einzelner
Geschäftsprozess wird dabei über folgende drei Bausteine
beschrieben: Dem Auslöser, beliebig nachfolgende Aktivitä-
ten und einem abschließenden Ergebnis. Die einzelne Aktivi-
tät in einem Prozess besitzt eine klare Zielsetzung, wird
durch Akteure (z. B. Personen, IT-Systeme, Dienste) durch-
geführt und benötigt für ihre Durchführung bestimmte Res-
sourcen.

Hochrisikoverarbeitung Verarbeitungsvorgang mit einem voraussichtlich hohen Ri-


siko für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen.

IT-Planungsrat Über einen Staatsvertrag wurde der gemeinsame IT-Pla-


nungsrat von Bund, Ländern und Kommunen geschaffen mit
dem Ziel, die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung vo-
ranzutreiben und Organisationsgrenzen zu überwinden, vgl.
[Link]

Maßnahmenmanage- Das Maßnahmenmanagement stellt sicher, dass beschlos-


ment sene Maßnahmen insbesondere aus den Bereichen Daten-
schutz, IT-Sicherheit, Arbeitsschutz und Korruptionsschutz
konsequent und organisatorisch etwa in der Form von Vor-
haben und Projekten implementiert werden.

Mittel Der Begriff „Mittel“ der Verarbeitung umfasst nach europäi-


scher Auslegung insbesondere auch den Umfang der Daten-
verarbeitung, Speicherdauer, die genutzten Betriebsmittel
usw.

mittelbares Betriebsmit- Betriebsmittel können in der Form von technischen und or-
tel ganisatorischen Maßnahmen der Verarbeitungstätigkeit mit-
telbar dienen, indem sie diese hinsichtlich bestehender Risi-
ken absichern (z. B. Backup-System, Firewall, Anti-Schad-
software-System).

79
X. Glossar

PIA Privacy Impact Assessment Methodik, also DSFA-Methode,


die von der französischen Datenschutzaufsicht CNIL “her-
ausgegeben” wird.

PIA-Tool Software für die Erstellung eines DSFA-Berichts, herausge-


geben von der CNIL. Weitere Informationen hierzu siehe
Praxishilfe „Software zur Datenschutz-Folgenabschätzung
(PIA-Tool)“, im Internet auf [Link]
[Link] in der Rubrik „DSFA“.

Rechtsgrundlage Nach Art. 8 Abs. 2 Satz 1 EU-Grundrechte-Charta (GRCh)


dürfen personenbezogene Daten „nur mit Einwilligung der
betroffenen Person oder auf einer sonstigen gesetzlich gere-
gelten legitimen Grundlage verarbeitet werden.“ Kann eine
Verarbeitung nicht auf eine Rechtsgrundlage gestützt wer-
den, ist sie rechtswidrig. Die möglichen Rechtsgrundlagen
nennt Art. 6 Abs. 1 UAbs. 1 DSGVO.

Risikoanalyse Die Risikoanalyse in der Form der Risikoanalyse-Allgemein


und Risikoanalyse-DSFA weist die Erfüllung der SDM-Ge-
währleistungsziele nach und beantwortet somit die Frage, ob
die Art und Weise des jeweils betrachteten Verarbeitungs-
vorgangs die DSGVO-Anforderungen einhält. Im Hinblick auf
einen bestimmten Verarbeitungsvorgang werden alle rele-
vanten Szenarien erhoben, hinsichtlich der Risiken bewertet
und ggf. mit Schutzmaßnahmen verknüpft, die ein Risiko
bzw. eine Gefährdung bezüglich der DSGVO-Einhaltung dar-
stellen. Mit jedem Szenario wird folglich möglichst differen-
ziert ein Ereignis oder Zustand beschrieben, durch das der
betrachtete Verarbeitungsvorgang den normativen DSGVO-
Rahmen verlassen würde und das es daher durch die wirk-
same Umsetzung von Schutzmaßnahmen zu vermeiden gilt.
Diese Risikoanalysen sind grundsätzlich. skalierbar (z. B.
Ausbaustufen small, medium und large).

Schwachstelle Schwachstellen sind als Eigenschaften der betrachteten Ziel-


verarbeitung definiert, die geeignet sind, bei hinzutreten ei-
ner bestimmten (Risiko-)/(Gefährdungs-)Quelle ein Szena-
rio mit Schadwirkung für die Rechte und Freiheiten natürli-
cher Personen auszulösen. Ist eine solche Eigenschaft nicht
gegeben, so besteht in logischer Konsequenz auch kein Ri-
siko für die Zielverarbeitung, da es keinen Ansatzpunkt für
(Risiko-)/(Gefährdungs-)Quellen und somit keine Szenarien
mit Schadenswirkung gibt.

SDM Das Standard-Datenschutzmodell der Konferenz der unab-


hängigen Datenschutzbehörden des Bundes und der Länder

80
beschreibt eine Methode zur Datenschutzberatung und -prü-
fung auf der Basis einheitlicher Gewährleistungsziele und
befindet sich in der hier verwendeten Fassung in der Version
2.0b vom April 2020, Näheres im Internet unter
[Link]
modell/.

SDM-Datensicherheits- Davon umfasst sind die beiden SDM-Gewährleistungsziele


ziele Verfügbarkeit und Vertraulichkeit sowie der Teilzielaspekt
Datenintegrität des SDM-Gewährleistungsziels Integrität,
siehe II. 1.

SDM-Gewährleistungs- Die sieben Gewährleistungsziele werden im SDM festgelegt


ziel und beschrieben. In dieser Orientierungshilfe werden die
SDM-Gewährleistungsziele in SDM-Datensicherheits- und
SDM-Schutzbedarfsziele weiter unterteilt.

SDM-Schutzbedarfsziele Davon umfasst sind die vier SDM-Gewährleistungsziele Da-


tenminimierung, Intervenierbarkeit, Transparenz und Nicht-
verkettung sowie der Teilzielaspekt Konzeptionseinhaltung
und Richtigkeit des SDM-Gewährleistungsziels Integrität,
siehe auch II. 1.

Szenario Ein Szenario beschreibt möglichst differenziert ein Ereignis,


durch das die Zielverarbeitung den normativen DSGVO-Rah-
men verlassen würde und das es daher zu vermeiden gilt.

TOM(s) „TOM“ steht als Abkürzung für eine bestimmte technische


und organisatorische Maßnahme, während „TOMs“ für eine
Mehrzahl von technischen und organisatorischen Maßnah-
men steht.

TOMs gehören zu den Schutzmaßnahmen im Datenschutz.


Unter den Oberbegriff „Schutzmaßnahmen im Datenschutz“
fallen neben den TOMs auch insbesondere Vorgaben, die
durch Rechtsetzung und Rechtsprechung als Garantien für
den Datenschutz gesetzt werden.

Im Kontext der einzelnen Risikoanalysemethode werden


TOMs auch als „Abhilfemaßnahmen“ (Risikomanagement)
bzw. als „Sicherstellungsmaßnahmen“ (Zielerfüllungsma-
nagement) bezeichnet.

unmittelbares Betriebs- Betriebsmittel können für die Durchführung einer Verarbei-


mittel tungstätigkeit unverzichtbar sein und damit unmittelbar die
Verarbeitung unterstützen (z. B. IT-gestützter Arbeitsplatz,
E-Mail-System).

81
X. Glossar

Verantwortlicher Der für die Verarbeitung personenbezogener Daten Verant-


wortliche ist der zentrale Adressat von datenschutzrechtli-
chen Pflichten. Art. 4 Nr. 7 DSGVO beschreibt ihn als Stelle,
die über die Zwecke und Mittel einer Verarbeitung personen-
bezogener Daten entscheidet. Die Entscheidung kann allein
getroffen werden oder gemeinsam mit anderen Stellen. Für
bayerische öffentliche Stellen sieht Art. 3 Abs. 2 BayDSG vor,
dass Verantwortlicher regelmäßig die für die Verarbeitung
zuständige öffentliche Stelle ist.

Verarbeitungstätigkeit Der Begriff „Verarbeitungstätigkeit“ umfasst alle Verarbei-


tungsvorgänge und Vorgangsreihen, die einem gemeinsa-
men, festgelegten Zweck dienen. Ausgehend von Sinn und
Zweck des Verarbeitungsverzeichnisses nach Art. 30
DSGVO sollte dieses alle Verarbeitungstätigkeiten hinrei-
chend konkret, andererseits aber auch nicht zu kleinteilig ab-
bilden, um der Aufsichtsbehörde – aber auch dem Verant-
wortlichen – eine erste Rechtmäßigkeitskontrolle anhand
des Verzeichnisses zu ermöglichen.

Zielverarbeitung Klar beschriebener und abgegrenzter Verarbeitungsvorgang,


der Gegenstand einer bestimmten Risikoanalyse ist.

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