Jazz in den zwanziger Jahren
Das Zentrum der Jazzentwicklung verlagerte sich Ende der zwanziger Jahre immer mehr nach
New York, wo die dortige Unterhaltungsindustrie den Jazz als neues Verkaufsmedium
entdeckte. Den Musikern war die kommerzielle Seite ihres Berufs durchaus bewußt. Sie
verstanden sich als Künstler wie als Entertainer, orientierten Besetzung, Repertoire und den
Inhalt ihrer Schallplattensitzungen oft an dem, was ihnen der Musikmarkt an ästhetischen
Erwartungen vorgab.
Als in den zwanziger Jahren mit der Harlem Renaissance eine intellektuelle, in erster Linie
literarische Bewegung das allgemeine Bewußtsein auf die Errungenschaften afro-
amerikanischer Literatur, Kunst und Musik lenkte, wurde der Jazz zum ersten Mal als einer der
wichtigsten Beiträge der schwarzen Bevölkerung zur amerikanischen Kulturgeschichte
gewertet.
New York galt schon seit vielen Jahren als amerikanische Unterhaltungsmetropole der Weißen.
Besonders der Broadway kristallisierte sich als Theater- und Revuezentrum heraus.
Daneben entwickelte sich aber nun auch eine eigene schwarze Theatertradition. Diese entstand
aus den ehemals fahrenden „Minstrel-Shows“ und verlagerte sich nun in Theater in den
schwarzen Stadtvierteln.
Die Theaterbesitzer entdeckten, daß die Schwarzen durchaus ein zahlungskräftiges Publikum
waren. So kam es vor, daß erstmals sogar am Broadway in den Sommermonaten – in denen die
nicht-klimatisierten weißen Theater normal geschlossen waren – schwarze Shows gespielt
wurden.
(…)
Die Musik der Schwarzen verbreitete sich dadurch immer weiter – unabhängig von der
Hautfarbe. So wurde der Jazz zu der Tanzmusik der zwanziger Jahre. Er erreichte seinen Markt
zum einen nun als Live-Erlebnis durch die zu einem wichtigem Wirtschaftsfaktor werdende
Schallplattenindustrie und zum anderen durch das neue Medium Rundfunk. Überhaupt faßte
der Jazz nun auch in der weißen Gesellschaft Fuß und wurde sogar „oberklassentauglich“.
Live-Auftrittsorte waren die großen Tanz- und Ballsäle aber auch halböffentliche
Veranstaltungsorte, sogenannte „After-Hour-Kneipen“ oder Privatfeiern. Der Jazz wurde zum
gesellschaftlichen Ereignis und mit Beginn der dreißiger Jahre übernahm er ein Jahrzehnt lang
eine besondere Rolle: er wurde die populäre Musik, die „Popmusik“ des Tages.
1. Warum verlagerte sich der Jazz gerade nach New York?
2. Welche Veränderung ergab sich in Hinsicht auf die Kultur der Afroamerikaner?
3. Welche neuen Möglichkeiten sorgten für die Verbreitung des Jazz?
4. Welche Änderungen vollzog sich bzgl. Besetzung und Repertoire in den
zwanziger Jahren? Warum?
1. Warum verlagerte sich der Jazz gerade nach New York?
Weil die Unterhaltungsindustrie dort den Jazz als Verkaufsmedium entdeckte.
2. Welche Veränderung ergab sich in Hinsicht auf die Kultur der Afroamerikaner?
Der Jazz wurde als wichtiger Teil afroamerikanischer Kultur anerkannt (Harlem Renaissance).
3. Welche neuen Möglichkeiten sorgten für die Verbreitung des Jazz?
Schallplatten, Radio, Live-Auftritte in Tanzsälen und Clubs.
4. Welche Änderungen vollzogen sich bzgl. Besetzung und Repertoire in den zwanziger Jahren? Warum?
Swingbands Musiker passten sich dem Publikum an – mehr Unterhaltung, kommerzielle Ausrichtung.
Swingbands sind in erster Linie Bigbands. Wenn es auch schon in den zwanziger Jahren
großbesetzte Jazzorchester gab, so kristallisierte sich die klassische Bigband-Besetzung erst in
den dreißiger Jahren heraus. Die Standardbesetzung des Swingorchesters hat eine Bläsergruppe
(brass-section) mit drei bis vier Trompeten und zwei bis vier Posaunen, sowie fünf Saxophonen
(sax-section) mit zwei Alt-, zwei Tenor- und einem Baritonsaxophon, dazu eine
Rhythmusgruppe (rhythm-section) mit Klavier, Gitarre, Kontrabaß und Schlagzeug. Besonders
in den Anfangsjahren spielte die Klarinette noch eine wichtige Rolle, die allerdings zunehmend
zurückgedrängt wurde.
Bedingt durch die Größe der Orchester wurde es nun erforderlich feste Arrangements zu
verfassen. Die Arrangeure wurden damit zu wichtigen Mitglieder der Orchester. Die einzelnen
sections werden „blockweise“, d.h. als gesamter Satz akkordisch geführt. Anstatt einer
Kollektivimprovisation spielt nun jeweils nur ein einzelnes Instrument in genau festgelegtem
Umfang eine freie Improvisationen über ein vorgegebenes Harmonieschema. Die rhythm-
section begleitet dieses Solo rhythmisch-harmonisch. Die übrigen Instrumente der brass- und
sax-section beteiligen sich dabei meist nur mit Einwürfen (riffs).
Gleichzeitig verlagerte sich das Klangideal des Jazz hin zu einer „weißen“, d.h. „reinen“
Intonation. Lediglich in den Soloimprovisationen wurde teilweise eine hot intonation
beibehalten.
Neu entwickelte sich auch die Technik des „walking bass“. Dabei spielt der Kontrabaß eine in
Vierteln und meist in Sekundschritten fortschreitende gezupfte Linie als harmonisch-
rhythmisches Fundament.
Diesen für die dreißiger bis Mitte der vierziger Jahre typischen Jazzstil bezeichnet man als
„Swing“ und die Zeit als „Swing-Ära“. Die Zentren waren New York und Kansas-City. Das
Publikum des Swing waren in erster Linie junge Tanzbegeisterte unterschiedlicher sozialer
Schichten.
Der 16.01.38 gilt als das Geburtdatum des Jazz als Kunstform: An diesem Tag trat Benny
Goodman mit seiner Bigband in der New Yorker Carnegie Hall auf. Unabhängig davon diente
der Swing aber auch weiterhin hauptsächlich als Tanzmusik.
Doch mit diesem „Ritterschlag“ hatte die ehemals schwarze Musik endgültig seine
Anerkennung und einen hohen Stellenwert in der amerikanischen (weißen) Gesellschaft
erlangt.
Berühmte Bigband-Leader waren u.a. Benny Goodman, Count Basie, Duke Ellington, Glenn
Miller, Gene Krupa.
1. Welche Besetzung hat eine typische Bigband? Welche Unterschiede
bestehen dabei zur ursprünglichen New-Orleans-Besetzung?
2. Wie laufen Improvisationen beim Swing ab und welche Aufgaben haben dabei
die einzelnen sections?
3. Was ist ein „walking-bass“?
4. Weshalb wurden feste Arrangements notwendig?
Die Swing-Ära (ab ca. 1930)
Historische Entwicklung ab den zwanziger Jahren:
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Das typische Orchester des Swing ist die Bigband.
Besetzung einer Bigband:
Aufteilung in _____________ (nach der Instrumentengruppe).
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Berühmte Bandleader:
Benny Goodman, Count Basie, Duke Ellington, Glenn Miller, Gene Krupa
Repertoire-Beispiele:
„Let’s dance“ (Goodman), „In the mood“ (Miller),
Herausbildung von „Standards“, z.B. „Fly me to the moon“, „It’s wonderful“
(Gershwin)
Merkmale des Swing:
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