Skript LAI
Skript LAI
”
Alexander Schmitt
1
i
Inhalt
Inhalt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . i
Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . iii
I Lineare Gleichungssysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
I.1 (2 × 2)-Gleichungssysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
I.2 (m × n)-Gleichungssysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
I.3 Zeilenumformungen von Matrizen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
I.4 Das Gaußsche Lösungsverfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
II Grundbegriffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
II.1 Mengen und Abbildungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
II.2 Gruppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
II.3 Ringe und Körper . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
II.4 Äquivalenzrelationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
IV Matrizenrechnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
IV.1 Das Matrixprodukt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100
IV.2 Dualräume . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119
IV.3 Die symmetrische Gruppe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123
IV.4 Determinanten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132
i
Vorwort
Literaturhinweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207
Stichwortverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 209
ii
Einleitung
Der vorliegende Text ist ein Skript zur Vorlesung Lineare Algebra I“, die ich an
”
der Universität Essen im Sommersemester 2004 und an der Freien Universität
Berlin im Wintersemester 2013/2014 gehalten habe. Das Skript enthält die
Theorie linearer Gleichungssysteme, endlichdimensionaler Vektorräume und
linearer Abbildung bis hin zum Satz über die Jordansche Normalform.
Wir beginnen mit dem Lösungsverfahren linearer Gleichungssysteme nach
Gauß. Dies vermittelt zum einen ein Gefühl für die Objekte, mit denen wir uns
später beschäftigen werden, zum anderen wirft es einige grundlegende Fra-
gen auf, die bei der weiteren Entwicklung der Theorie beantwortet werden. Der
Gauß-Algorithmus wird uns als unerlässliches Hilfsmittel für explizite Berech-
nungen während der gesamten Vorlesung begleiten.
Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit den Grundbegriffen der Mathematik.
Wir gehen kurz auf die Mengenlehre ein. Insbesondere weisen wir darauf hin,
dass alle Konzepte, mit denen wir uns in der Mathematik beschäftigen werden,
mit Hilfe von Mengen definiert werden (müssen). Wir reden weiter über Grup-
pen, Ringe und Körper. Ohne Gruppen und Körper können wir nicht einmal
den Begriff des Vektorraums erklären. Auch Ringe treten im späteren Verlauf
als Polyomringe, Matrizenringe usw. auf. Ein weiterer zentraler Begriff ist der
der Äquivalenzrelation. Er wird zum Beispiel bei der Konstruktion von Quoti-
entenvektorräumen benötigt.
Kapitel drei ist der Entwicklung der Grundlagen der Linearen Algebra ge-
widmet. Die Lineare Algebra trifft Aussagen über Vektorräume und lineare Ab-
bildungen zwischen ihnen. Daher werden diese Begriff eingeführt, an verschie-
denen Beispielen illustriert und ihre fundamentalen Eigenschaften studiert.
Oftmals werden wir uns auf endlichdimensionale Vektorräume beschränken. In
der Tat werden an vielen Stellen Basen benutzt werden. Basen für unendlichdi-
mensionale Vektorräume sind in den meisten Fällen nutzlos. (Es gibt natürlich
Ausnahmen.) Im Unendlichdimensionalen sollte man auch unendliche Linear-
kombinationen zulassen. Dazu muss man Lineare Algebra und Analysis mit-
iii
Vorwort
Alexander Schmitt
Berlin, im April 2014
iv
I
Lineare Gleichungssysteme
I.1 (2 × 2)-Gleichungssysteme
In diesem Abschnitt untersuchen wir den einfachsten Fall linearer Gleichungs-
systeme, an dem schon einige Phänomene studiert werden können. Zunächst
müssen wir den Zahlbereich fixieren, in dem wir rechnen wollen. Dies muss
ein sogenannter Körper K sein. Die formale Definition eines Körpers werden
wir erst in Kapitel II, Definition II.3.1, kennenlernen. An dieser Stelle gehen wir
davon aus, dass der Leser zumindest mit dem Körper Q der rationalen Zahlen
und dem Körper R der reellen Zahlen vertraut ist. Vielleicht ist dem einen oder
1
Johann Carl Friedrich Gauß (1777 - 1855), deutscher Mathematiker, Astronom und Phy-
siker
1
Kapitel I. Lineare Gleichungssysteme
anderen auch schon der Körper C der komplexen Zahlen begegnet, in dem man
die Wurzel aus −1 ziehen kann.
Wir fixieren nun den Körper K, also z.B. K = Q oder K = R. Wir benötigen
auch das folgende Objekt:
2 s
K := s, t ∈ K .
t
Den Raum R2 mag man sich als die vor einem ausgebreitete, sich ins Unendli-
che erstreckende Papierebene vorstellen und die Zahlen s, t als die Koordinaten
eines Punkts in der Ebene (s. Abbildung I.1).
s
t × t
s
Abbildung I.1: Koordinaten im R2 .
a·x+b·y = e
(I.1)
c · x + d · y = f.
Dabei sind die Elemente a, b, c, d, e und f aus dem Körper K, also beispiels-
weise reelle Zahlen, und x und y sind Unbestimmte. Die Lösungsmenge des
Gleichungssystems (I.1) ist
s a·s+b·t = e
L := ∈ K2 .
t c·s+d·t = f
Wir wollen nun allgemeine Aussagen über die Struktur von L gewinnen. Dazu
unterscheiden wir verschiedene Fälle.
2
I.1. (2 × 2)-Gleichungssysteme
Jetzt setzen wir voraus, dass mindestens eine der Zahlen a, b, c, d von
Null verschieden ist. Nach etwaiger Vertauschung der beiden Zeilen des Glei-
chungssystems und/oder nach Umbenennung der Unbestimmten x in y und
der Unbestimmten y in x können wir annehmen, dass a 6= 0 gilt.
Bemerkung I.1.1. Das Vertauschen der beiden Zeilen des Gleichungssystems
ändert die Lösungsmenge offenbar nicht. Für die Lösungsmenge L′ des Glei-
chungssystems, das durch Umbenennung der Variablen aus (I.1) entsteht, gilt
′ s 2 t
L = ∈K ∈L .
t s
Nun können wir in (I.1) das (c/a)-Fache der ersten Gleichung von der zwei-
ten Gleichung abziehen und erhalten das Gleichungssystem
a · x +b·y = e
bc ec (I.2)
d− ·y = f− .
a a
Man überlegt sich leicht, dass die Lösungsmenge des Gleichungssystems (I.2)
mit der Lösungsmenge des Gleichungssystems (I.1) übereinstimmt. Wegen a 6=
0 ist die zweite Gleichung in (I.2) äquivalent zu der Gleichung
bezeichnen wir als (2 × 2)-Matrix. Die Determinante von M ist die Zahl
Bemerkung I.1.3. Auch wenn a = 0 gilt, können wir c-mal die erste Gleichung
in (I.1) von a-mal der zweiten Gleichung abziehen und die gültige Gleichung
δ(a, b, c, d) · y = δ(a, e, c, f)
3
Kapitel I. Lineare Gleichungssysteme
δ(a, e, c, f) δ(b, e, d, f)
y= und x = − .
δ(a, b, c, d) δ(a, b, c, d)
e b
x= − · t,
a a
also e
a − ab
L= +t· t∈K .
0 1
Für K = R ist die Lösungsmenge also eine Gerade in R2 (s. Abbildung 1.2).
L
b
−a
× 1
b
e
a
0
3
Die Bedingungen δ(a, e, c, f) = 0 und δ(b, e, d, f) = 0 sind nicht unabhängig. Gilt δ(a, e, c, f) =
af − ce = 0, so folgt wegen δ(a, b, c, d) = ad − bc = 0 auch
0 = b · (af − ce) − e · (ad − bc) = abf − ade = a · (bf − de) = a · δ(b, e, d, f).
Mit a 6= 0 ergibt sich δ(b, e, d, f) = 0. Ebenso schließt man von δ(a, b, c, d) = 0 = δ(b, e, d, f) auf
δ(a, e, c, f) = 0.
4
I.1. (2 × 2)-Gleichungssysteme
Man beachte
Dabei gilt
δ(a, b, c, d) = ad − bc = −(bc − ad) = −δ(b, a, d, c).
Die Bedingung δ(a, b, c, d) = 0“ ist also invariant unter Vertauschung der Glei-
”
chungen und Umbenennung der Unbestimmten. Dasselbe gilt für die Bedin-
gung δ(a, e, c, f) = 0 = δ(b, e, d, f)“.
”
Bemerkung I.1.5. Das Gleichungssystem (I.1) und seine Lösungen haben auch
eine geometrische Bedeutung. Es seien a, b und e Elemente der Körpers K. Wir
schauen uns die Gleichung
a·x+b·y =e
an. Die zugehörige Lösungsmenge ist
s
G1 := ∈ K2 a · s + b · t = e .
t
5
Kapitel I. Lineare Gleichungssysteme
L = G1 ∩ G2 ,
d.h. sie bildet den Durchschnitt der beiden Geraden. Zwei Geraden können
gleich sein, verschieden und parallel, oder sie haben genau einen Schnittpunkt
(s. Abbildung I.3). Wir überlassen es der Leserin bzw. dem Leser die verschie-
denen Fälle den verschiedenen Fällen in der vorangegangen Diskussion zuzu-
ordnen.
5 · x + 7 · y = 10
8·x=5
5
x0 = 8 , L = {x0 }
b 55
56
Die obige Tabelle stellt einen Zusammenhang zwischen den Ausgangsdaten des
Gleichungssytems und der Gestalt der Lösungsmenge her. Gilt e = f = 0, dann
sprechen wir von einem homogenen Gleichungssystem. Man beachte, dass ein
homogenes Gleichungssystem immer die triviale Lösung“ 00 besitzt. Für ho-
”
mogene Gleichungssysteme ist der Zusammenhang zwischen den Koeffizienten
a, b, c und d und der Gestalt der Lösungsmenge noch einprägsamer.
6
I.1. (2 × 2)-Gleichungssysteme
eine (2×2)-Matrix. Zeigen Sie, dass die folgenden Bedingungen äquivalent sind.
1. δ(a, b, c, d) = 0.
7
Kapitel I. Lineare Gleichungssysteme
Aufgabe I.1.7.
Gegeben seien Elemente λ, e, f ∈ R. Wir betrachten das (2×2)-Gleichungssystem
−x + (λ − 2) · y = e
(2 − λ) · x + y = f.
Bestimmen Sie alle λ ∈ K, für die das Gleichungssystem eindeutig lösbar ist.
Unter welchen Bedingungen an λ, e und f besitzt das Gleichungssystem keine
Lösung bzw. eine Schar von Lösungen?
Aufgabe I.1.8.
Überprüfen Sie mit dem Determinantenkriterium die Lösbarkeit der folgenden
(2 × 2)-Gleichungssysteme und geben Sie die Lösungsmenge an.
3·x + y = 7 3·x − y = 7
a) , b) ,
−6 · x + 2 · y = −14 −6 · x + 2 · y = −14
3·x − y = 7
c) .
−6 · x + 2 · y = 14
I.2 (m × n)-Gleichungssysteme
Wir arbeiten wiederum über dem Körper K.
Definitionen I.2.1. i)
s1
n .. s , ..., s ∈ K .
K := . 1 n
sn
s1
Ein Element ... aus Kn heißt n-Tupel oder auch Spaltenvektor. Das Nulltu-
sn
pel oder der Nullvektor ist das Element
0
..
0 := 0m := . .
0
ii) (Addition von n-Tupeln) Für zwei n-Tupel aus Kn ist die Summe erklärt
durch
s1 t1 s1 + t1
.. .. ..
. + . := . .
sn tn sn + tn
8
I.2. (m × n)-Gleichungssysteme
iii) (Skalarmultiplikation) Für ein Element a ∈ K und ein n-Tupel ist das
Produkt gegeben als
s1 s1 a · s1
a ... := a · ... := ... .
sn sn a · sn
Beispiel I.2.2. Die Skalarmultiplikation und die Addition von Vektoren kann
man sich im R2 und R3 leicht veranschaulichen. Die Summe erhält man wie
in Abbildung I.4. Die Skalarmultiplikation mit einem Element a ∈ K ist geome-
trisch die zentrische Streckung (mit Zentrum 0 um den Faktor a (s. Abbildung
I.5).
9
Kapitel I. Lineare Gleichungssysteme
4 21
3 1 21
b
4 12
= 1
+ 3 12
b
1 12
3 12
3
b
1
3 1 21
−2
4
= 2· 2 4
b
−4
−2
=2·
5
2 1 −1 1 −2
· 2 12
b b
2
= 2 4 1 5
1 12 = 2
· 1 1
−2 2
1
b
1
s1 s′1
.. ∈ Kn sind genau dann
Bemerkungen I.2.3. i) Zwei n-Tupel ... , .
sn s′n
′
gleich, wenn si = si , i = 1, ..., n, gilt.
ii) Offenbar gilt immer
0n ∈ L(A, 0m ).
iii) Zur Eingewöhnung werden wir Elemente aus Kn durch fett gedruckte
Buchstaben kenntlich machen, z.B. s ∈ Kn . Diese Gewohnheit werden wir aber
mit der Zeit wieder ablegen.
iv) Der Raum Kn ist der Prototyp eines endlichdimensionalen K-Vektorrau-
ms. Die in K gültigen Rechenregeln implizieren dabei gewisse Rechenregeln, die
in Aufgabe I.2.10 besprochen werden.
10
I.2. (m × n)-Gleichungssysteme
Lemma I.2.4. Für die Lösungsmenge L(A, 0) eines homogenen linearen Glei-
chungssystems gilt:
• 0 ∈ L(A, 0),
Beweis. Der einfache Beweis wird dem Leser als Übungsaufgabe überlassen.
Die notwendigen Beweistechniken werden im Beweis von Lemma I.2.7 bespro-
chen.
• 0n ∈ U,
• s, t ∈ U =⇒ s + t ∈ U und
• s ∈ U, a ∈ K =⇒ a · s ∈ U.
Beispiele I.2.6. i) Offensichtlich sind {0} und Kn lineare Teilräume von Kn.
ii) Nach Lemma I.2.4 ist die Lösungsmenge eines homogenen linearen (m ×
n)-Gleichungssystems ein linearer Unterraum von Kn .
iii) Für K2 sind die linearen Unterräume {0}, K2 sowie die Geraden durch 00
(s. Aufgabe I.2.11). Im K3 sind {0}, K3 , die Geraden durch 03 sowie die Ebenen,
die 03 enthalten, die linearen Teilräume.
Das folgende Resultat erlaubt ein besseres Verständnis der Lösungsmengen
inhomogener Gleichungssysteme.
11
Kapitel I. Lineare Gleichungssysteme
Beweis. Es sei
a1j
a2j
vj := ..
.
amj
die j-te Spalte der Matrix A = (aij ) i=1,...,m , j = 1, ..., n. Unter Benutzung der Addi-
j=1,...,n
tion und der Skalarmultiplikation erhalten wir folgende Charakterisierung für
die Elemente der Lösungsmenge:
s1
..
s = . ∈ L(A, b) ⇐⇒ s1 · v1 + · · · + sn · vn = b . (I.5)
sn
s01
Die gegebene spezielle Lösung sei s0 = ... . Wir zeigen zunächst L(A, b) ⊆
s0n
s1
0 ..
s + L(A, 0). Es sei s = . ∈ L(A, b). Es gelten die Gleichungen
sn
s1 · v1 + · · · + sn · vn = b
s01 · v1 + · · · + s0n · vn = b.
In der Tat ist ja die i-te Komponente des Vektors auf der linken Seite
(s1 − s01 )ai1 + · · · + (sn − s0n )ain = (ai1s1 + · · · + ain sn ) − (ai1 s01 + · · · + ain s0n ) = bi − bi = 0,
und
s = s0 + t ∈ s0 + L(A, 0).
12
I.2. (m × n)-Gleichungssysteme
t1
Es bleibt s0 + L(A, 0) ⊆ L(A, b) zu zeigen. Dazu sei t = ... ∈ L(A, 0). Es sind
tn
also die beiden Gleichungen
s01 · v1 + · · · + s0n · vn = b
t 1 · v1 + · · · + t n · vn = 0
Wie bereits in (I.5) beobachtet wurde, ist dies gleichbedeutend mit der Tatsache,
dass s0 + t ∈ L(A, b).
Beispiel I.2.8. Man beachte, dass für b 6= 0 niemals 0 ∈ L(A, b) gelten kann. Für
eine (m × 3)-Matrix A und einen Vektor b 6= 0mist die Lösungsmenge L(A, b)
0
also entweder a) leer oder b) ein Punkt ungleich 0 oder c) eine Gerade bzw.
0
0
d) Ebene, die 0 nicht enthält. Im Fall b) - d) wird L(A, b) durch Parallelver-
0
schiebung entlang einer speziellen Lösung s0 ∈ L(A, b) aus L(A, 0m ) erhalten.
Aufgabe I.2.9.
Es seien die beiden 2-Tupel
k m
, ∈ K2
l n
gegeben,
und es gelte δ(k, m, l, n) 6= 0. Zeigen Sie, dass es für jedes 2-Tupel
v
∈ K2 eindeutig bestimmte Zahlen s1 , s2 ∈ K mit
w
k m v
s1 · + s2 · = gibt.
l n w
Aufgabe I.2.10.
Zeigen Sie, dass für die Addition und die Skalarmultiplikation auf Kn die fol-
genden Gesetze gelten. (Sie dürfen gerne K = Q oder K = R voraussetzen.)
1. s + s′ = s′ + s für alle s, s′ ∈ Kn (Kommutativgesetz);
2. 0 + s = s für alle s ∈ Kn (Null ist Neutralelement);
13
Kapitel I. Lineare Gleichungssysteme
3. s + (−s) = 0 für alle s ∈ Kn , −s := (−1) · s (−s ist das inverse Element zu s);
4. s + (s′ + s′′ ) = (s + s′ ) + s′′ für alle s, s′, s′′ ∈ Kn (Assoziativgesetz der Addition);
5. 1 · s = s für alle s ∈ Kn ;
6. (a + a′ ) · s = a · s + a′ · s für alle a, a′ ∈ K, s ∈ Kn (Erstes Distributivgesetz);
7. a · (s + s′ ) = a · s + a · s′ für alle a ∈ K, s, s′ ∈ Kn (Zweites Distributivgesetz);
8. (a · a′ ) · s = a · (a′ · s) für alle a, a′ ∈ K, s ∈ Kn (Assoziativgesetz der Skalar-
multiplikation).
Aufgabe I.2.11.
a) Gegeben seien v1 , ..., vl ∈ Kn. Die lineare Hülle von v1 , ..., vl ist gegeben als
h v1 , ..., vl i := a1 · v1 + · · · + al · vl a1 , ..., al ∈ K ⊆ Kn .
x + 2·y − z = 0
6·x − 3·y − z = 0
2·x + y − z = 6
bestehen, an.
14
I.3. Zeilenumformungen von Matrizen
addieren wir fünfmal die vierte Zeile zur zweiten. Wir erhalten die Matrix
0 −1 2 −3
0 −3 9 −11
C′ :=
8
.
0 −5 2
−1 −2 4 −5
Mit den oben angegebenen Zeilenumformungen lässt sich eine gegebene Ma-
trix C vereinfachen.
15
Kapitel I. Lineare Gleichungssysteme
Satz I.3.3. i) Durch wiederholte Anwendung von Zeilenoperationen vom Typ (ZI)
und (ZII) kann man eine gegebene Matrix C in eine Matrix D der Gestalt
∗
0 0 d1j1 ∗ ∗
0 0 0 d2j2 ∗ ∗
∗
0
0 0 drjr
0
überführen. Genauer gesagt besitzt die Matrix D die folgenden Eigenschaften: Es
gibt eine ganze Zahl r mit 0 ≤ r ≤ p, q sowie Indizes 1 ≤ j1 < j2 < · · · < jr ≤ q, so
dass gilt
a) diji 6= 0, i = 1, ..., r;
ii) Erlaubt man auch Zeilenoperationen vom Typ (ZIII), dann kann man zusätz-
lich diji = 1, i = 1, ..., r, annehmen.
Definition I.3.4. Wir sagen, dass sich eine Matrix D in Zeilenstufenform befin-
det, wenn sie die in Satz I.3.3, i), angegebenen Eigenschaften aufweist.
Bemerkung I.3.5. Addiert man in der Matrix D das (−d1j2 /d2j2 )-Fache der zwei-
ten Zeile zur ersten Zeile, das (−d2j3 /d3j3 )-Fache der dritten zur zweiten, das
(−d1j3 /d3j3 )-Fache der dritten zur ersten usw., dann kann man zusätzlich noch
di′ ji = 0 für i = 1, ..., r und 1 ≤ i′ < i erreichen, d.h. über den Einträgen diji ,
i = 1, ..., r, an den Stufen stehen nur Nullen.
Beweis von Satz I.3.3. Zunächst bemerken wir, dass Teil ii) sofort aus Teil i)
folgt. Man muss nur die ersten r-Zeilen der Matrix D noch mit dem entspre-
chenden Faktor multiplizieren.
Zu i). Falls alle Koeffizienten von C gleich null sind, dann ist r = 0 und C hat
bereits die entsprechende Form. Ansonsten sei j1 der kleinste unter den Indizes
j, so dass die j-te Spalte ein von Null verschiedenes Element enthält. Es sei etwa
cij1 6= 0. Wir vertauschen die erste und i-te Zeile von C.4 Die resultierende Matrix
4
Falls i = 1, bedeutet dies, nichts an der Matrix zu ändern.
16
I.3. Zeilenumformungen von Matrizen
6= 0
0 0 d1j1 d1(j1 +1) d1q
c′2j1 c′2(j1 +1) c′2q
C =
′
0 c′pj1 c′p(j1 +1) ′
cpq
.
Nun addiere man das (−c′ij1 /d1j1 )-Fache der ersten Zeile zur i-ten Zeile, und
zwar für i = 2, ..., p. Man erhält
0 0 d1j1 d1(j1 +1) d1q
′′
c′′2q
0 c2(j1+1)
C′′ =
0 ′′
0 cp(j1+1) c′′pq
.
Es sei j2 der kleinste der Indizes j, für die es einen Index i ≥ 2 mit c′′ij 6= 0 gibt.
Wie man der Form von C′′ entnimmt, muss j2 > j1 gelten. Es gelte etwa c′′i′ j2 6= 0
mit 2 ≤ i′ ≤ p. Man vertausche nun in der Matrix C′′ die zweite mit der i′ -ten
Zeile. Das Ergebnis ist die Matrix
0 0 d1j1 d1q
0 0 0 d2j2 d2q
′′′ c′′′ ′′′
C =
′′′ c3j2 3(j2 +1) c3q .
0 ′′′ c′′′
cpj2 p(j2 +1) ′′′
cpq
17
Kapitel I. Lineare Gleichungssysteme
Beispiel I.3.6.
0 −1 5 3 1 4 5 −15 −11 −3
0 2 −10 −7 −4 0 2 −10 −7 −4
−I←→III
−−−→
4 5 −15 −11 −3 0 −1 5 3 1
2 1 0 −1 0 2 1 0 −1 0
4 5 −15 −11 −3
IV− 21 ·I 0 2 −10 −7 −4
−−−− → 0
−1 5 3 1
0 −1, 5 7, 5 4, 5 1, 5
4 5 −15 −11 −3
III+ 21 ·II 0 2 −10 −7 −4
−−−− → 0 0
IV+ 34 ·II 0 −0, 5 −1
0 0 0 −0, 75 −1, 5
4 5 −15 −11 −3
IV−1,5·III 0 2 −10 −7 −4
−−−−−→ 0 0
.
0 −0, 5 −1
0 0 0 0 0
Diese Matrix kann noch auf die Form
1 1, 25 −3, 75 −2, 75 −0, 75
0 1 −5 −3, 5 −2
0 0 0 1 2
0 0 0 0 0
gebracht werden. Eine andere Möglichkeit ist
0 −1 5 3 1 2 1 0 −1 0
0 2 −10 −7 −4 0 2 −10 −7 −4
−I←→IV
− − − →
4 5 −15 −11 −3 4 5 −15 −11 −3
2 1 0 −1 0 0 −1 5 3 1
2 1 0 −1 0
III−2·I 0 2 −10 −7 −4
−−−→ 0
3 −15 −9 −3
0 −1 5 3 1
2 1 0 −1 0
III− 32 ·II 0 2 −10 −7 −4
−−−− → 0 0
IV+ 12 ·II 0 1, 5 3
0 0 0 −0, 5 −1
2 1 0 −1 0
IV+ 1 ·III 0 2 −10 −7 −4
−−−3−→ 0 0
.
0 1, 5 3
0 0 0 0 0
18
I.4. Das Gaußsche Lösungsverfahren
umgeformt werden. Die Zeilenstufenform einer Matrix ist also keineswegs ein-
deutig bestimmt. Man beachte auch, dass der zweite Weg eine augenscheinlich
einfachere Matrix liefert, denn sie enthält mehr Nullen.
Bemerkung I.3.7. Man könnte die Mehrdeutigkeit im Algorithmus in Satz I.3.3,
i), die sich durch die Wahl einer Zeile, in der ein Eintrag in der entsprechenden
Spalte nicht null ist, ergibt, vermeiden, indem man immer die erste solche Zeile
nimmt. Dann zeigt das obige Beispiel, dass sich die Zeilenstufenform ändert,
wenn man in der ursprünglichen Matrix Zeilen vertauscht (oder gar andere
Zeilenoperationen durchführt). Diese Modifikation des Algorithmus löst damit
nicht die prinzipiellen Fragen, die in Problem I.4.6 aufgeworfen werden.
sowie
b1
b = ... ∈ Km .
bm
Gesucht ist die Lösungsmenge L(A, b). Zu ihrer Bestimmung gehe man wie folgt
vor. Zunächst bilde man die erweiterte Koeffizientenmatrix
a11 a12 · · · a1n b1
a21 a22 · · · a2n b2
M := A b := .. .. .. .. .
. . ··· . .
am1 am2 · · · amn bm
Die Matrix M ist also die (m × (n + 1))-Matrix, die aus A entsteht, indem man b
als (n + 1)-te Spalte hinzufügt.
19
Kapitel I. Lineare Gleichungssysteme
Lemma I.4.1. Es sei M = (A|b) wie oben, und die Matrix M′ = (A′ |b′ ) gehe aus
M durch eine Zeilenoperation vom Typ (ZI), (ZII) oder (ZIII) hervor. Dann gilt
Beweis. Für Zeilenoperationen vom Typ (ZII) und (ZIII) ist die Aussage klar. Im
Fall einer Zeilenoperation vom Typ (ZI) sei s ∈ L(A, b). Wir wollen zeigen, dass
auch s ∈ L(A′ , b′ ) gilt. Es gehe M′ aus M durch Addition des a-Fachen der
i-ten Zeile zur j-ten hervor, a ∈ K∗ . Die durch M bzw. M′ definierten (m × n)-
Gleichungssysteme unterscheiden sich nur in der j-ten Gleichung. Wir müssen
also lediglich die Gültigkeit der Gleichung
beinhaltet. Damit ist L(A, b) ⊆ L(A′ , b′) nachgewiesen. Da man M aus M′ eben-
falls durch eine Zeilenoperation vom Typ (ZI), nämlich die Addition des (−a)-
Fachen der i-ten Zeile zur j-ten, erhalten kann, folgt auch L(A′ , b′ ) ⊆ L(A, b).
Man führe nun an der Matrix M sukzessiv Zeilenoperationen vom Typ (ZI),
(ZII) und (ZIII) aus, bis man eine Matrix M′ = (A′ |b′ ) erhält, in der sich A′ in
Zeilenstufenform befindet (s. Satz I.3.3), i.e.
∗
′
0 0 a1j1 ∗ ∗ b′1
′
0 0 0 a2j2 ∗ ∗
M =
′
0
0 ′
0 arjr
∗ b′r
.
b′r+1
0 bm′
Es folgt.
20
I.4. Das Gaußsche Lösungsverfahren
Satz I.4.2. i) Das durch A und b definierte Gleichungssystem ist genau dann
lösbar, d.h. L(A, b) 6= ∅, wenn
gilt.
ii) Wenn (I.6) erfüllt ist, dann erhält man jede Lösung
s1
s = ... ∈ L(A, b) = L(A′ , b′ )
sn
auf folgende Weise: Für die Einträge sj mit j ∈ { 1, ..., n } \ { j1, ..., jr } (d.h. j ∈ { 1, ..., n }
aber j ∈/ { j1 , ..., jr }) wähle man beliebige Elemente aus K, und sj1 ,...,sjr bestimme
man rekursiv:
a)
1 ′
Xn
sjr := ′ · br − a′rj · sj .
arjr j=j +1 r
1 n
X
sji0 := · b′i0 − a′i0 j · sj .
a′i0 ji j=ji0 +1
0
Beweis. Wir bemerken zunächst, dass die Gleichheit L(A, b) = L(A′ , b′ ) eine
Konsequenz von Lemma I.4.1 ist. Damit ist die Notwendigkeit der Bedingung
(I.6) evident. Ist umgekehrt (I.6) erfüllt, dann liefert das in ii) beschriebene Ver-
fahren tatsächlich Lösungen. Somit ist i) bewiesen. Da schließlich jede Lösung
s ∈ L(A′ , b′) offenbar der angegebenen Rekursionsvorschrift genügen muss, ist
auch ii) nachgewiesen.
Auch hier sagt ein Beispiel wieder mehr als tausend Worte.
Beispiel I.4.3. Es seien
0 −1 5 3 1 2 2
0 2 −10 −7 −4 −14 −14
A :=
4
, b :=
−6 , c :=
−5 .
5 −15 −11 −3
2 1 0 −1 0 0 0
21
Kapitel I. Lineare Gleichungssysteme
0 −1 5 3 1 2 2
0 2 −10 −7 −4 −14 −14
4 5 −15 −11 −3 −6 −5
2 1 0 −1 0 0 0
2 1 0 −1 0 0 0
I←→IV 0 2 −10 −7 −4 −14 −14
−→
4 5 −15 −11 −3 −6 −5
0 −1 5 3 1 2 2
2 1 0 −1 0 0 0
III−2·I 0 2 −10 −7 −4 −14 −14
−→
0 3 −15 −9 −3 −6 −5
0 −1 5 3 1 2 2
2 1 0 −1 0 0 0
III− 32 ·II & IV+ 12 ·II 0 2 −10 −7 −4 −14 −14
−→
0 0 0 1, 5 3 15 16
0 0 0 −0, 5 −1 −5 −5
2 1 0 −1 0 0 0
IV+ 13 ·III 0 2 −10 −7 −4 −14 −14
−→ .
0 0 0 1, 5 3 15 16
1
0 0 0 0 0 0 3
Wir erkennen sofort, dass L(A, c) = Jetzt bestimmen wir L(A, 0). Nach
∅ gilt.
s1
s2
Satz I.4.2 erhalten wir eine Lösung s3
, indem wir zunächst s3 und s5 frei
s4
s5
wählen, z.B. s3 := t ∈ R und s5 := u ∈ R. Aus der vierten Gleichnung ergibt sich
1, 5s4 +3u = 0, d.h. s4 = −2u. Die zweite Gleichung wird zu 2s2 −10t +14u−4u = 0,
und wir erhalten s2 = 5t − 5u. Schließlich ergibt die erste Gleichung 2s1 + 5t −
5u + 2u = 0 und somit s1 = −2, 5t + 1, 5u. Also
5 3
s1 −2, 5t + 1, 5u −2 2
s2 5t − 5u 5 −5
s3 = t = t · 1 +u · 0 ,
s4 − 2u 0 −2
s5 u 0 1
22
I.4. Das Gaußsche Lösungsverfahren
i.e.
− 25 3
2
−5
5
L(A, 0) = t ·
1 + u · 0 t, u ∈ R .
−2
0
0 1
Um L(A, b) zu ermitteln, müssen wir nach Lemma I.2.7 noch eine spezielle
Lösung s0 ∈ L(A, b) suchen. Dazu setzen wir s03 = s05 = 0. Der Rekursionsvor-
schrift entnehmen wir s04 = 10, 2s02 − 70 = −14, i.e. s02 = 28, 2s01 + 28 − 10 = 0, d.h.
s01 = −9. Folglich gilt
5 3
−9
−9 − 2 2
28
5 −5
28
L(A, b) = 0 + L(A, 0) = 0 + t · 1 + u · 0 t, u ∈ R .
10
10
0 −2
0 0 0 1
Wir geben jetzt eine weitere Version von Satz I.4.2 an, die für die Entwick-
lung der Theorie vorteilhaft ist.
Satz I.4.4. Es seien A := (aij) i=1,...,m eine (m × n)-Matrix und
j=1,...,n
b1
b := ... ∈ Km .
bm
Gemäß Satz I.3.3 und Bemerkung I.3.5 überführe man die erweiterte Koeffizien-
tenmatrix M = (A|b) durch Zeilenoperationen vom Typ (ZI), (ZII) und (ZIII) in eine
Matrix M′ = (A′ |b′ ) der Form
j1 -te Spalte j2 -te Spalte jr -te Spalte
∗
0 0 1∗ ∗ 0 ∗ ∗ 0 ∗ ∗ 0 b′1
0 0 0 1 ∗ ∗ 0 ∗ ∗ 0
0
0
0 1
0 ∗ b′r
.
b′r+1
0 bm′
23
Kapitel I. Lineare Gleichungssysteme
0
..
.
0
−a′1j j1 -ter Eintrag
0
..
.
0
−a′2j j2 -ter Eintrag
.
j
v = ..
−a′ ji(j) -ter Eintrag
i(j)j
0
..
.
0
1 j-ter Eintrag
0
.
..
0
Abbildung I.6: Der Vektor vj .
und definiere
vj1
vj = ... ∈ Kn
vjn
durch
−a′ij , k = ji , i = 1, ..., i(j)
j
vk := 1, k = j (s. Abbildung 1.5) .
0, sonst
Sind umgekehrt Zahlen tj , j ∈ { 1, ..., n } \ { j1 , ..., jr }, gegeben und ist s durch (I.7)
definiert, dann gilt s ∈ L(A, 0).
ii) Es gelte b′r+1 = · · · = b′m = 0. Man definiere
s01
s0 = ... ∈ Kn
s0n
24
I.4. Das Gaußsche Lösungsverfahren
durch
b′i , j = ji , i = 1, ..., r
s0j := .
0, sonst
Dann gibt es zu jeder Lösung s ∈ L(A, b) eindeutig bestimmte Zahlen tj , j ∈
{ 1, ..., n } \ { j1 , ..., jr }, mit
X
s = s0 + t j · vj . (I.8)
j∈{ 1,...,n }\{ j1 ,...,jr }
Falls umgekehrt Zahlen tj , j ∈ { 1, ..., n } \ { j1 , ..., jr }, gegeben sind und s durch (I.8)
definiert wird, so folgt s ∈ L(A, b).
Beweis. Wir erinnern daran, dass nach Lemma I.4.1 L(A, 0) = L(A′ , 0) und
L(A, b) = L(A′ , b′) gilt.
Zu i). Es gilt vj ∈ L(A′ , 0) = L(A, 0), j ∈ { 1, ..., n } \ { j1 , ..., jr }. Da L(A, 0) ein
linearer Teilraum von Kn ist (Lemma I.2.4), ist jedes Element, das durch (I.7)
definiert wird, eine Lösung des durchA definierten
homogenen Gleichungssys-
s1
..
tems. Für eine gegebene Lösung s = . ∈ L(A, 0) definieren wir
sn
X
s′ = sj · vj .
j∈{ 1,...,n }\{ j1 ,...,jr }
Dann gilt s, s′ ∈ L(A, 0) und sj = s′j für j ∈ { 1, ..., n } \ { j1, ..., jr }. Die Rekursionsfor-
mel aus Satz I.4.2 impliziert daher, dass sj = s′j für alle j gelten muss. Damit ist
jede Lösung von der behaupteten Gestalt. Besteht schließlich eine Darstellung
(I.7), dann muss tj = sj , j ∈ { 1, ..., n } \ { j1, ..., jr }, gelten, so dass die Eindeutigkeit
einer solchen Darstellung folgt.
Zu ii). Nach Konstruktion gilt s0 ∈ L(A′ , b′ ) = L(A, b). Die Behauptung folgt
sofort aus der Tatsache L(A, b) = s0 + L(A, 0) (s. Lemma I.2.7).
Folgerung I.4.5. i) Es sei n > m, d.h. es gebe mehr Unbekannte als Gleichun-
gen,5 dann besitzt das durch die Matrix A definierte homogene lineare Glei-
chungssystem eine nichttriviale Lösung s (i.e. s 6= 0).
ii) Es sei m = n. Falls das durch die Matrix A definierte homogene lineare
Gleichungssystem nur die triviale Lösung s = 0 besitzt, dann ist für jedes b ∈ Km
das durch A und b definierte lineare Gleichungssystem eindeutig lösbar, d.h.
L(A, b) = {s0 }.
5
Man sagt, das Gleichungssytem ist unterbestimmt
25
Kapitel I. Lineare Gleichungssysteme
Beweis. Zu i). Es gilt r ≤ m < n. Daher exisitiert ein Index j ∈ { 1, ..., n }\{ j1, ..., jr },
und vj ist eine nichttriviale Lösung.
Zu ii). Aus der Annahme L(A, 0) = {0} und i) folgt r = m = n, also
1 b′1
′
M =
1 0
b′2
.. .
0 1 b′m
.
26
I.4. Das Gaußsche Lösungsverfahren
für die
s1 · v1 + s2 · v2 + s3 · v3 + s4 · v4 = b
gilt.
Aufgabe I.4.8.
a) Bestimmen Sie die Lösungsmengen der folgenden Gleichungssysteme über
Q.
x2 − x3 = 2
x1 − 2x2 − x3 = 1
(i) , (ii) x1 + x2 = 5 ,
−2x2 + 4x2 + 2x3 = 2
x1 + x3 = 0
x1 + 2x2 − 3x3 = 2
x1 + 4x2 + x3 = 4
(iii) .
x1 + 52 x2 − 2x3 = 52
x1 + 3x2 − x3 = 3
b) Es seien
1 −2 −1 1 1
(i) A := , b := ;
−2 4 2 1 2
2 4 0 2 4 10
1 1 −1 3 2 4
(ii) A :=
0 3 3 −6 0 ,
b :=
3 .
1 2 0 1 2 5
2 6 2 −2 4 12
Berechnen Sie L(A, 0) und L(A, b) in den angegebenen Fällen und schreiben
Sie L(A, b) = s0 + L(A, 0) für geeignetes s0 ∈ L(A, b).
c) Gegeben seien folgende 3-Tupel im R3 :
1 1 1 1
v1 =
2 , v2 =
0 , v3 = 2 und b = 0 .
−1 −2 −3 1
Bestimmen Sie reelle Zahlen s1 , s2 und s3 mit
s1 · v1 + s2 · v2 + s3 · v3 = b.
Aufgabe I.4.9.
Es seien K = Q und
1 2 0 3 0
2 3 1 6 0
A :=
−1
, bu,v :=
u .
2 1 2
4 −2 1 3 v
Welche Bedingungen müssen u und v erfüllen, damit L(A, bu,v ) 6= ∅ gilt? Be-
rechnen Sie L(A, b5,−9 ).
27
Kapitel I. Lineare Gleichungssysteme
Aufgabe I.4.10.
In der Vorlesung wurden die Zeilenoperationen von Typ (ZI), (ZII) und (ZIII) an-
gegeben. In Analogie definiert man die Spaltenoperationen vom Typ
(SI): Addition eines Vielfachen einer Spalte zu einer anderen Spalte.
(SII): Vertauschung zweier Spalten.
(SIII): Multiplikation einer Spalte mit einem Element a ∈ K∗ .
a) Illustrieren Sie die Spaltenoperationen vom Typ (SI), (SII) und (SIII) an jeweils
einem Beispiel.
b) Zeigen Sie, dass man eine (m × n)-Matrix A = (aij) i=1,...,m durch Zeilenopera-
j=1,...,n
tionen vom Typ (ZI), (ZII), (ZIII) und Spaltenoperationen vom Typ (SII) in eine
Matrix der Gestalt
1 0 ··· ··· 0
0 1 0 ··· 0
.. .. .. . .
. 0 . . . ∗
. . . ..
.. .. . . . 0
A =
′
0 0 ··· 0 1
0 ··· ··· ··· 0
. . . . .
.
. . . .
. .
. . . 0
0 ··· ··· ··· 0
28
I.4. Das Gaußsche Lösungsverfahren
erreichen.
d) Zeigen Sie, dass man eine Zeilenoperation vom Typ (ZII) durch eine gewisse
Folge von Zeilenoperationen vom Typ (ZI) und (ZIII) erhalten kann.
Aufgabe I.4.11.
Die Kirchhoffschen6 Regeln für ein elektrisches Gleichstromnetzwerk lauten:
Berechnem Sie die Stromstärken in diesem Netzwerk im Fall, dass die Span-
nungsquelle 36V hat und die Widerstände die Werte R1 = 200Ω, R2 = 400Ω,
R3 = 300Ω und R4 = 200Ω.
6
Gustav Robert Kirchhoff (1824 - 1887), deutscher Physiker.
7
Man beachte, dass Spannung, Widerstand und Stromstärke über die Ohmsche Gleichung
U = R · I verbunden sind. (Georg Simon Ohm (1789 - 1854), deutscher Physiker.)
29
II
Grundbegriffe
In diesem Kapitel entwickeln wir die abstrakte Sprache, in der die Lineare Al-
gebra und weite Teile der Mathematik formuliert werden. Der Leser sollte sich
möglichst früh an diese Sprache gewöhnen.
31
Kapitel II. Grundbegriffe
Die Formel auf der rechten Seite wird dabei wie folgt gelesen: Für alle x (∀x)
”
gilt: x ist Element von A genau dann, wenn (⇐⇒) x Element von B ist.“ Ohne
dieses Axiom könnten wir mit Mengen überhaupt nicht arbeiten. Da wir aber
Mengen nicht definieren können, haben wir auch keine Möglichkeit, die ge-
nannte Eigenschaft zu beweisen. Wir müssen sie daher als eine unserer Spiel-
regeln akzeptieren. Gängige Beispiele für Mengen sind:
Beispiele II.1.1. i) Die leere Menge ∅ ist die Menge, die kein einziges Element
enthält (∀x : x ∈
/ ∅). Nach dem Extensionalitätsaxiom ist sie die einzige Menge
mit dieser Eigenschaft.
ii) Die Menge der natürlichen Zahlen ist die Menge
N= 0, 1, 2, 3, ... .
iii) Weitere bekannte Mengen sind die Mengen Z, Q und R der ganzen, ratio-
nalen bzw. reellen Zahlen.
Definition II.1.2. Es seien A und B Mengen. Wir sagen, A ist Teilmenge (oder
auch Untermenge) von B, wenn jedes Element von A auch Element von B ist.
32
II.1. Mengen und Abbildungen
Formal:
∀x : x ∈ A =⇒ x ∈ B.
Schreibweise. A ⊆ B. Falls klar ist, dass A 6= B, schreiben wir auch A ⊂ B oder
A ( B.
Bemerkung II.1.3. Zum Beweis der Gleichheit zweier Mengen benutzt man oft
die folgende Eigenschaft:
A = B ⇐⇒ A ⊆ B ∧ B ⊆ A).
bilden.
Bemerkungen und Beispiele II.1.6. i) Bei der aufzählenden Form kommt es nicht
auf die Reihenfolge an. Außerdem sind Wiederholungen erlaubt:
1, 3, 5 = 5, 1, 3 = 5, 3, 1 ,
2
Um ganz präzise zu sein, müssten wir auch erklären, was Eigenschaft“ bedeutet. Prinzipi-
”
ell müssten solche Eigenschaften in der Sprache der Logik formuliert werden. Dort verwendet
man Formeln, die aus den logischen Symbolen ∧, ∨, ¬, ..., den Quantoren ∀, ∃, Buchstaben
und, im Fall der Mengenlehre, dem Symbol ∈ nach gewissen Regeln aufgebaut sind (s. [12],
Kapitel 1). Die Eigenschaften sind dann von der Form, dass eine gewisse Formel wahr ist. Wir
werden im Folgenden Eigenschaften weniger formal beschreiben. Im Laufe des Kurses sollte
aber deutlich werden, dass sich die Eigenschaften, die wir benutzen, präzise formalisieren“
”
lassen.
33
Kapitel II. Grundbegriffe
7, 7, 8, 8, 8 = 7, 8 = 7, 8, 7, 7, 8, 8 .
Diese Beobachtung ist eine Folge des Extensionalitätsaxioms.
ii) Mit Hilfe der Komprehension lassen sich z.B. folgende Mengen bilden:
A ∪ B := x x∈A∨x∈B .
(Dabei wird ∨“ als oder“ gelesen.)
” ”
ii) Der Durchschnitt der Mengen A und B ist die Menge
A ∩ B := x x∈A∧x∈B .
iii) Die Differenz von A und B ist die Menge
A \ B := x x ∈A∧x∈
/B .
34
II.1. Mengen und Abbildungen
A × B := (x, y) x ∈ A ∧ y ∈ B .
Definition II.1.12. Es sei A eine Menge. Die Potenzmenge von A ist die Menge
P(A) := B B⊆A .
Aufgabe II.1.14.
a) Es seien A, B und C Mengen. Beweisen Sie die Distributivgesetze für den
Durchschnitt und die Vereinigung:
A ∩ (B ∪ C) = (A ∩ B) ∪ (A ∩ C),
A ∪ (B ∩ C) = (A ∪ B) ∩ (A ∪ C).
b) A und B seien Mengen. Zeigen Sie, dass folgende Aussagen äquivalent sind:
i) A ⊆ B.
ii) A ∪ B = B.
iii) A ∩ B = A.
A △ B := (A \ B) ∪ (B \ A)
A △ B = (A ∪ B) \ (A ∩ B).
3
Nach René Descartes (1596 - 1650), französischer Philosoph, Mathematiker und Natur-
wissenschaftler.
35
Kapitel II. Grundbegriffe
d) Es sei Ω eine feste Menge. Für eine Teilmenge A ⊆ Ω ist das Komplement von
A (in Ω) die Differenz A := Ω \ A. Beweisen Sie für Teilmengen A, B ⊂ Ω die De
Morganschen4 Gesetze
A ∪ B = A ∩ B, A∩B = A∪B
sowie
A = A.
Aufgabe II.1.15.
Es sei A = { x1 , ..., xn } eine endliche Menge mit genau n Elementen. Man schreibt
auch #A = n. Beweisen Sie für die Potenzmenge P(A) von A
#P(A) = 2n .
0 ∈ A und n ∈ A =⇒ n + 1 ∈ A)
gilt, bereits die Menge der natürlichen Zahlen selbst ist, i.e. A = N. Darauf be-
ruht das Prinzip der vollständigen Induktion: Es sei A(n), n ∈ N, eine Familie
von Aussagen, hier A(n)= Die Potenzmenge einer Menge mit genau n Elemen-
”
ten hat genau 2n Elemente“. Nach dem genannten Peano-Axiom ist A(n) genau
dann für alle natürlichen Zahlen n wahr, wenn gilt 1. A(0) ist wahr (Induktions-
anfang) und 2. Ist A(n) wahr, dann ist auch A(n + 1) wahr (Induktionsschritt).
(Dazu betrachte man die Menge A := { n ∈ N | A(n) ist wahr }.)
36
II.1. Mengen und Abbildungen
das Urbild von C (unter f). Ein Element x ∈ f−1 ({y}), y ∈ B, nennt man auch ein
Urbild von y.
Schreibweise. f−1 (y) := f−1 {y} , y ∈ B.
iii) Für eine Teilmenge D ⊆ A heißt die Menge
das Bild von D (unter f). (Das Symbol ∃“ wird es existiert“ oder es gibt“ gele-
” ” ”
sen.)
Speziell. Die Menge Im(f) := Bild(f) := f(A) bezeichnet man als das Bild von f.
Γf := (x, y) ∈ A × B y = f(x)
Wenn wir nun umgekehrt eine Teilmenge Γ ⊆ A × B vorgeben, für die Bedingung
(II.1) erfüllt ist, dann definieren wir
f : A −→ B
x 7−→ y, so dass (x, y) ∈ Γ .
Damit kann man eine Abbildung formal als eine Teilmenge Γ von A × B, für die
(II.1) gilt, einführen. Die in i) vermerkte Eigenschaft wird somit zum Spezialfall
des Extensionalitätsaxioms.
37
Kapitel II. Grundbegriffe
In der Sichtweise von Bemerkung II.1.17, ii), können wir die Menge Abb(A,
B) mit Hilfe der Komprehension (Definition II.1.5, ii) als Teilmenge der Potenz-
menge P(A × B) (Definition II.1.12) von A × B definieren.
Beispiele II.1.19. i) Es sei A eine Menge. Die identische Abbildung (oder Iden-
tität) auf A ist die Abbildung
IdA : A −→ A
x 7−→ x.
Dabei ist
ΓIdA = (x, x) ∈ A × A x ∈ A
die Diagonale in A × A.
ii) Es seien A und B Mengen und y0 ∈ B. Damit definiert man die konstante
Abbildung
ky0 : A −→ B
x 7−→ y0 .
Offenbar gilt Bild(f) = {y0 }, und für eine Teilmenge C ⊆ B hat man
A, y0 ∈ C
f−1 (C) = .
∅, y0 ∈
/C
iii) Für eine Zahl m ∈ N ist die Multiplikation mit m gegeben durch:
µm : N −→ N
x 7−→ m · x.
Für m 6= 0 ist Bild(µm ) die Menge der durch m teilbaren Zahlen.
Definition II.1.20. Es seien A eine Menge und I eine Menge, die wir als Index-
menge auffassen wollen. Eine (durch I indizierte) Familie von Elementen aus A
ist eine Abbildung f : I −→ A, i 7−→ ai , die man gewöhnlicherweise in der Form
(ai )i∈I , notiert.6 Anstatt A kann man auch die Potenzmenge P(A) wählen. Eine
Familie Ai , i ∈ I, mit Ai ∈ P(A), i.e. Ai ⊆ A, ist dann eine (durch I indizierte)
Familie von Teilmengen von A.
Schreibweise. Eine Familie von Teilmengen schreibt man auch in der Form
(Ai )i∈I .
6
Diese Notation ist insbesondere für Folgen in der Analysis gebräuchlich (s. [8], Definition
2.1.1).
38
II.1. Mengen und Abbildungen
g ◦ f : A −→ C
x 7−→ g f(x) .
39
Kapitel II. Grundbegriffe
b y1 x1 b
x1 b b y1
b y2 x2 b
x2 b b y2
b y3 x3 b
x3 b b y3
b y4 x4 b
A B
B A
Injektiv aber nicht surjektiv. Surjektiv aber nicht injektiv.
x1 b b y1
x1 b b y1
x2 b b y2
x2 b b y2
x3 b b y3
x3 b b y3
x4 b b y4
A B
A B
Bijektiv. Weder surjektiv noch injektiv.
40
II.1. Mengen und Abbildungen
y1
0 1 x 2 3
–1
–2
Definition II.1.26. In Teil i) des Satzes setzen wir f−1 := g. Man nennt f−1 die
Umkehrabbildung oder inverse Abbildung von f. Auf Grund von Teil ii) schreiben
wir h ◦ g ◦ f := h ◦ (g ◦ f) (s. Abbildung II.3).
g◦f
f g h
A B C D
h◦g
Abbildung II.3: Das Assoziativgesetz für Abbildungen.
Beweis von Satz II.1.25. Zu i). Es sei Γf ⊆ A × B der Graph von f (s. Bemerkung
II.1.17, ii). Man setze
Γ := (y, x) ∈ B × A (x, y) ∈ Γf .
41
Kapitel II. Grundbegriffe
Aufgabe II.1.27.
a) Es seien A und B zwei endliche Mengen und f : A −→ B eine Abbildung.
Überprüfen Sie:
iii) Gilt #A = #B und ist f surjektiv (injektiv), dann ist f auch injektiv (surjek-
tiv).
Schließen Sie, dass eine Abbildung f : A −→ B genau dann bijektiv ist, wenn es
eine Abbildung f−1 : B −→ A mit f−1 ◦ f = IdA und f ◦ f−1 = IdB gibt.
Aufgabe II.1.28.
a) Geben Sie eine injektive Abbildung f : N −→ N an, für die N \ f(N) unendlich
viele Elemente hat.
b) Geben Sie eine surjektive Abbildung f : N −→ N an, so dass #f−1 ({n}) = 1 für
alle n ≥ 1 und f−1 ({0}) unendlich viele Elemente enthält.
c) Geben Sie ein Beispiel für Mengen A, B, C und Abbildungen f : A −→ B,
g : B −→ C an, in dem g ◦ f bijektiv ist, aber f nicht surjektiv und g nicht injektiv.
42
II.2. Gruppen
II.2 Gruppen
Bemerkung II.2.1. Es sei A eine Menge. Wir betrachten7
Die Abbildung
ii) Für das Element IdA ∈ S(A) und alle f ∈ S(A) gilt IdA ◦f = f.
iii) Für alle f ∈ S(A) existiert nach Satz II.1.25, i), die Abbildung f−1 ∈ S(A) mit
f−1 ◦ f = IdA .
iv) Hat die Menge A mindestens drei Elemente, so gibt es Elemente f, g ∈ S(A)
mit f ◦ g 6= g ◦ f (vgl. Beispiel II.1.24, ii).
Man vergleiche diese Eigenschaften mit den gängigen Rechenregeln für Z und
die Abbildung + : Z × Z −→ Z, (x, y) 7−→ x + y:
Definition II.2.2. Eine Gruppe ist ein Paar (G, ⋆), das aus einer Menge G und
einer Abbildung ⋆ : G × G −→ G besteht, so dass folgende Bedingungen erfüllt
sind:
43
Kapitel II. Grundbegriffe
Satz II.2.4. Es sei (G, ⋆) eine Gruppe. Dann sind auch folgende Eigenschaften
erfüllt:
i) Für jedes x ∈ G gilt x ⋆ e = x.
ii) Es sei e′ ∈ G, so dass e′ ⋆ x = x für alle x ∈ G gilt. Dann folgt e′ = e.
iii) Für jedes x ∈ G und jedes x′ ∈ G mit x′ ⋆ x = e gilt auch x ⋆ x′ = e.
iv) Es seien x, x′ und x′′ ∈ G, so dass x′ ⋆ x = e = x′′ ⋆ x. Dann folgt x′ = x′′ .
44
II.2. Gruppen
Beweis von Satz II.2.4. Wir beginnen mit iii). Wir wissen, dass es ein Element
x′′ ∈ G mit x′′ ⋆ x′ = e gibt. Damit ergibt sich:
x ⋆ x′ = e ⋆ (x ⋆ x′ ) = (x′′ ⋆ x′ ) ⋆ (x ⋆ x′ ) = x′′ ⋆ x′ ⋆ (x ⋆ x′ ) =
= x′′ ⋆ (x′ ⋆ x) ⋆ x′ = x′′ ⋆ e ⋆ x′ = x′′ ⋆ x′ = e.
x ⋆ e = x ⋆ (x′ ⋆ x) = (x ⋆ x′ ) ⋆ x = e ⋆ x = x.
Aus i) folgt
e′ = e′ ⋆ e = e.
Schließlich erhält man iv) auf folgende Weise:
Dabei wurde für die zweite Gleichung die bereits gewonnene Erkenntnis iii)
sinngemäß auf x′′ angewandt.
Bemerkungen und Beispiele II.2.6. i) Man kann noch auf weitere Eigenschaften
schließen. Z.B. folgt aus der Tatsache iii) x⋆x−1 = e zusammen mit iv) (x−1 )−1 = x.
ii) Ohne irgendwelche Extraüberlegungen anstellen zu müssen, ergibt sich
aus rein formalen Gründen, dass es zu einer bijektiven Abbildung f : A −→ A
genau eine inverse Abbildung f−1 : A −→ A gibt. Auch sieht man, dass die
Identität durch die Eigenschaft IdA ◦f = f = f◦IdA für alle f ∈ S(A) ausgezeichnet
ist.
iii) Für eine endliche Gruppe G = { x1 , ..., xm } kann man das Gruppengesetz
durch eine sogenannte Verknüpfungstabelle angeben, in der man alle mögli-
chen Produkte xi ⋆ xj , i = 1, ..., m, j = 1, ..., m, einträgt:
⋆ x1 x2 ··· xm
x1 x1 ⋆ x1 x1 ⋆ x2 · · · x1 ⋆ xm
x2 x2 ⋆ x1 x2 ⋆ x2 · · · x2 ⋆ xm .
.. .. .. .. ..
. . . . .
xm xm ⋆ x1 xm ⋆ x2 · · · xm ⋆ xm
Benutzen wir die Bezeichnungen aus Aufgabe II.2.10, so stehen in der i-ten
Zeile die Elemente Lxi (x), x ∈ G, und in der j-ten Spalte die Elemente Rxj (x),
x ∈ G. Die Bijektivität der Abbildungen Lxi und Rxj sagt daher aus, dass in
der i-ten Zeile bzw. j-ten Spalte jedes Element von G genau einmal vorkommt.
Damit kann man bereits alle Gruppen mit wenigen Elementen bestimmen.
45
Kapitel II. Grundbegriffe
Für G = { e, a, b } folgt aus der Eigenschaft des Neutralements, dass die Ver-
knüpfungstabelle wie folgt ausssieht:
⋆ e a b
e e a b
.
a a ?1 ?2
b b ? ?
⋆ e a b c
e e a b c
a a ?1 ? ? .
b b ? ? ?
c c ? ? ?
Für ?1 können wir e, b oder c wählen. Nehmen wir einmal ?1 = e. Es ergibt sich
⋆ e a b c
e e a b c
a a e c b .
b b c ?2 ?
c c b ? ?
⋆ e a b c ⋆ e a b c
e e a b c e e a b c
a a e c b bzw. a a e c b .
b b c e a b b c a e
c c b a e c c b e a
46
II.2. Gruppen
In der ersten Gruppe gilt x ⋆ x = e für jedes Element x ∈ G. Diese Gruppe nennt
man die Kleinsche8 Vierergruppe. In der zweiten Gruppe gilt b1 = b, b2 = a,
b3 = c und b4 = e. Jedes Element ist also eine Potenz von b. Diese Gruppe heißt
die zyklische Gruppe der Ordnung 4. Die beiden Gruppen sind offenbar grund-
legend verschieden. Für die restlichen Wahlmöglichkeiten für ?1 und ?2 erhält
man nach geeigneter Umbenennung von a, b und c wieder die zweite Tabelle.
Es gibt also in einem gewissen Sinne genau zwei Gruppen mit vier Elementen.
Die Behandlung von Gruppen mit mindestens fünf Elementen ist bereits kom-
plexer, da man hier durch das Assoziativgesetz zusätzliche Einschränkungen
erhält, die sehr unübersichtlich werden.
a) e ∈ H;
Bemerkungen und Beispiele II.2.8. i) Auf Grund von Eigenschaft c) hat man die
Abbildung
· : H × H −→ H
(x, y) 7−→ xy.
Aus a) und b) folgt sofort, dass H mit dieser Multiplikation selber zur Gruppe
wird.
ii) Man kann a) - c) umformulieren, und zwar ist H ⊆ G genau dann eine
Untergruppe, wenn A) H 6= ∅ und B) xy−1 ∈ H aus x ∈ H und y ∈ H folgt. Dies
sei dem Leser als Übung überlassen.
iii) Für jede Gruppe G sind {e} und G Untergruppen.
iv) Sind H und H′ Untergruppen von G, dann ist auch H∩H′ eine Untergruppe
von G (Übung).
v) Es seien K ein Körper, m, n ≥ 1 natürliche Zahlen und A eine (m × n)-
Matrix mit Einträgen in K. Dann ist L(A, 0) eine Untergruppe von (Kn , +) (s.
Lemma I.2.4).
8
Felix Christian Klein (1849 - 1925), deutscher Mathematiker.
47
Kapitel II. Grundbegriffe
Man überprüft, dass mZ eine Untergruppe von (Z, +) ist. In der Tat sind alle
Untergruppen von Z von dieser Form, wie der folgende Satz zeigen wird.
Satz II.2.9. Es sei H ⊆ Z eine Untergruppe. Dann gibt es eine natürliche Zahl m,
so dass H = mZ.
Beweis. Wenn H = {0}, dann ist die Aussage mit m = 0 richtig. Ansonsten sei
H \ {0} 6= ∅. Da mit jedem Element x ∈ H auch −x in H liegt, folgt H>0 := { h ∈
H | h > 0 } 6= ∅. Es sei m das kleinste Element von H>0 (s. [8], Satz 1.3.22).
Wir behaupten H = mZ. Da H eine Untergruppe von Z ist, gilt auf jeden Fall
schon einmal mZ ⊆ H. Zu einem beliebigen Element h ∈ H können wir ein
Element k ∈ Z und ein Element 0 ≤ r < m finden, so dass h = k · m + r (Division
mit Rest; [9], Satz I.1.1). Da h ∈ H und k · m ∈ H, gehört auch das Element
r = h − k · m der Untergruppe H an. Nun ist r ≥ 0. Auf der anderen Seite ist
m das kleinste Element von H>0 , so dass wegen r < m nur r = 0 gelten kann.
Damit ist h = k · m ∈ mZ nachgewiesen.
Aufgabe II.2.10.
Es seien (G, ⋆) eine Gruppe und y ∈ G. Wir betrachten die Linkstranslation um
y
Ly : G −→ G
x 7−→ y ⋆ x
sowie die Rechtstranslation um y
Ry : G −→ G
x 7−→ x ⋆ y.
Zeigen Sie, dass Ly und Ry bijektiv sind, und geben Sie die inversen Abbildun-
gen an.
48
II.3. Ringe und Körper
x ⊙ (y ⊕ z) = x ⊙ y ⊕ x ⊙ z,
(x ⊕ y) ⊙ z = x ⊙ z ⊕ y ⊙ z
für alle x, y, z ∈ R.
Ist außerdem
e) x ⊙ y = y ⊙ x für alle x, y ∈ R
⊙ : K∗ × K∗ −→ K∗
(x, y) 7−→ x ⊙ y
49
Kapitel II. Grundbegriffe
Beispiele II.3.3. i) (Z, +, ·) ist ein kommutativer Ring aber kein Körper. Zwar
erfüllt Z die zusätzliche Eigenschaft a) aber nicht b), denn z.B. 2 besitzt kein
multiplikatives Inverses.
ii) (Q, +, ·) und (R, +, ·) sind Körper.
iii) Der kleinst mögliche Ring hat zwei Elemente; F2 := { 0, 1 }. Die einzig mögli-
chen Verknüpfungstabellen für Addition und Multiplikation sind:
+ 0 1 · 0 1
0 0 1 und 0 0 0 .
1 1 0 1 0 1
Man kann überprüfen, dass (F2 , +, ·) ein Körper ist. In ihm gilt die (auf den
ersten Blick befremdliche) Regel 1 + 1 = 0.
Bemerkung II.3.4. Man erkennt an Punkt iii) des obigen Beispiels, wie nütz-
lich eine abstrakte Begriffsbildung ist. Obwohl sich die Objekte (Q, +, ·) und
(F2 , +, ·) stark unterscheiden (Q hat z.B. unendlich viele Elemente, F2 nur zwei),
gehorchen sie denselben fundamentalen Gesetzmäßigkeiten. Indem wir also
die Theorie nur unter Verwendung der Körperaxiome entwickeln, erhalten wir
Aussagen, die für alle Körper, also insbesondere Q, R und F2 , Gültigkeit haben.
Dies trifft z.B. auf den Gauß-Algorithmus zu. Wollen wir ein Gleichungssystem
über F2 lösen, so liefert er auch hier das Verfahren. In Abschnitt II.4 werden wir
noch weitere endliche Körper kennenlernen. Endliche Körper mögen zunächst
als Spielerei erscheinen, doch spielen sie in vielen mathematischen Gebieten,
z.B. der Zahlentheorie und der algebraischen Geometrie, und auch in Anwen-
dungen, z.B. der Kodierungstheorie (s. [7], Kapitel 12), eine wichtige Rolle.
Aufgabe II.3.5.
a) Zeigen Sie, dass (R2 , +, ·) mit
+ : R2 ×
R2 −→ R
2
s u s+u
, 7−→
t v t+v
und
2
R2 −→ R
· : R ×
2
s u su − tv
, 7−→
t v sv + tu
ein Körper ist. Es sei 1 das Neutralelement der Multiplikation. Zeigen Sie, dass
es ein Element i gibt mit i2 = −1. Man nennt den eben erhaltenen Körper den
Körper der komplexen Zahlen und bezeichnet ihn mit C. Man schreibt
s
= s + i · t.
t
50
II.3. Ringe und Körper
b) Es sei F = { 0, 1, x, y } eine Menge mit genau vier Elementen. Wir nehmen an,
es gäbe Verknüpfungen +, · : F × F −→ F, so dass (F, +, ·) ein Körper ist. Stellen
Sie unter Verwendung der Körperaxiome zunächst die Verknüpfungstafel für
die Multiplikation und dann diejenige für die Addition auf.
Aufgabe II.3.6.
a) Die Abbildung
: C −→ C
z = x + i · y 7−→ z := x − i · y
z
z−1 = .
z·z
c) Zeigen Sie durch explizite Rechnungen, dass für jede komplexe Zahl z eine
komplexe Zahl w mit w2 = z existiert.
Aufgabe II.3.7.
a) Es sei K ein Körper. Gegeben seien f, g ∈ Abb(N, K) (s. Definition II.1.18). Wir
schreiben f(i) = ai , g(i) = bi , i ∈ N, und definieren
f ⊕ g : N −→ K
k 7−→ f(k) + g(k) = ak + bk .
sowie
f ⊙ g : N −→ K
X
k 7−→ ai · bj .
i,j∈N:i+j=k
51
Kapitel II. Grundbegriffe
Abb′ (N, K) := f ∈ Abb(N, K) f(i) = 0 für alle bis auf endlich viele i ∈ N .
Zeigen Sie, dass Abb′ (N, K) ein Unterring10 von K[[t]] ist. Kommt Ihnen der Ring
(Abb′ (N, K), +, ⊙) bekannt vor?
II.4 Äquivalenzrelationen
Definitionen II.4.1. i) Es sei A eine Menge. Eine Teilmenge R ⊆ A × A wird eine
Relation genannt.
Schreibweise. x ∼R y :⇐⇒ (x, y) ∈ R, x, y ∈ A.
ii) Eine Relation R ⊆ A × A ist eine Äquivalenzrelation, wenn sie die folgenden
drei Bedingungen erfüllt.
a) (Reflexivität). Für jedes x ∈ A gilt (x, x) ∈ R (x ∼R x).
[x] := [x]R := y ∈ A y ∼R x .
X
∞
f= ai · ti
i=0
geschrieben.
10
Überlegen Sie sich, was damit gemeint ist.
52
II.4. Äquivalenzrelationen
M := { 0, 1, 2, 3 } × { 0, 1, 2, 3 }
Es ist leicht nachzuprüfen, dass ∼“ eine Äquivalenzrelation auf M ist (vgl. Auf-
”
gabe II.4.11). In Abbildung II.4 haben wir die zugehörigen Äquivalenzklassen
farbig markiert. Ein vollständiges Repräsentatensystem wäre z.B. die Menge
11
Nach Axiom a) ist dies die feinste Äquivalenzrelation.
12
Dies ist die gröbste Äquivalenzrelation.
13
Wir verwenden die Addition auf den natürlichen Zahlen.
53
Kapitel II. Grundbegriffe
(0, 0), (0, 1), (0, 2), (0, 3),
(1, 0), (1, 1), (1, 2), (1, 3),
M=
(2, 0), (2, 1), (2, 2), (2, 3),
(3, 0), (3, 1), (3, 2), (3, 3)
(3, 0), (2, 0), (1, 0), (0, 0), (0, 1), (0, 2), (0, 3)
oder auch
(3, 0), (3, 1), (3, 2), (3, 3), (2, 3), (1, 3), (0, 3) .
54
II.4. Äquivalenzrelationen
nicht von der Auswahl dieser Repräsentanten abhängt. In unserem Fall ist also
zu überprüfen, dass für x, x′ , y, y′ ∈ G mit [x] = [x′ ] und [y] = [y′ ] auch [xy] = [x′ y′ ]
gilt. Unter der angegebenen Annahme finden wir Elemente h, j ∈ H mit x′ = xh
und y′ = yj. Wir schließen
G abelsch
x′ y′ = (xh)(yj) = x(hy)j = x(yh)j = (xy)(hj).
Wegen hj ∈ H folgt [x′ y′ ] = [xy]. Das Neutralelement in G/H ist [e], das inverse
Element von [x] ∈ G/H ist [x−1 ]. Das Assoziativgesetz ist offenkundig erfüllt.
Bemerkungen und Beispiele II.4.7. i) Die Bedingung, dass G abelsch ist, ging
ganz wesentlich in unseren Beweis ein. Falls G nicht abelsch ist, dann muss H
ein sogenannter Normalteiler sein. Dies bedeutet, dass für jedes y ∈ G und je-
des h ∈ H ein Element h′ ∈ H mit hy = yh′ existiert. Unter dieser Voraussetzung
funktioniert obiger Beweis fast genauso (s. [9], Satz II.9.4).
ii) Für m > 1, G = Z und H = mZ, erhalten wir die Gruppe Z/mZ mit der
Addition [x] + [y] = [x + y]. Wir können die Multiplikation durch
· : Z/mZ × Z/mZ −→ Z/mZ
([x], [y]) 7−→ [xy]
erklären. Wie im obigen Beweis verifiziert man, dass ·“ wohldefiniert ist und
”
dass (Z/mZ, +, ·) sogar ein Ring ist (vgl [9], Beispiel III.1.3, vii).
Wir behaupten, dass die Menge { 0, ..., m − 1 } ein vollständiges Repräsenta-
tensystem ist. Für x, y ∈ { 0, ..., m−1 } gilt −m < x−y < m, so dass m die Differenz
x − y nicht teilen kann und x und y verschiedene Äquivalenzklassen repräsen-
tieren. Nun sei k ∈ Z. Auf Grund der Division mit Rest ([9], Satz I.1.1) gibt es
eine ganze Zahl l ∈ Z und eine Zahl r ∈ { 0, ..., m−1 } mit k = l· m+r. Offenbar gilt
[k] = [r], d.h. die Äquivalenzklasse von k wird durch das Element r ∈ { 0, ..., m−1 }
repräsentiert.
Falls m keine Primzahl ist, finden wir natürliche Zahlen 1 < s < m und
1 < t < m mit m = st. Dabei gilt [s] 6= [0] und [t] 6= 0 in Z/mZ, aber [s][t] = [st] =
[m] = [0]. In diesem Fall ist also Axiom a) für einen Körper aus Definition II.3.1,
ii), verletzt.
Satz II.4.8. Ist p ∈ N eine Primzahl, dann ist Fp := Z/pZ mit den oben eingeführ-
ten Verknüpfungen ein Körper.
Beweis. Schritt 1. Es seien x, y ∈ Fp \ {0}. Wir können Zahlen 0 < a < p und
0 < b < p mit x = [a] und y = [b] finden. Falls xy = [a][b] = [ab] = 0 gälte, folgte,
dass p die Zahl ab teilt. Weil p aber eine Primzahl ist, kann dies nur passieren,
wenn p schon a oder b teilt ([9], Satz I.4.5). Wegen 0 < a < p bzw. 0 < b < p ist
dies nicht möglich, so dass tatsächlich xy = [ab] 6= 0 gilt.
Schritt 2. Wir müssen die Existenz multiplikativer Inverser beweisen. Wir
beginnen mit der
55
Kapitel II. Grundbegriffe
Behauptung. Es sei 0 < a < p. Dann gibt es ganze Zahlen k und l mit ak + pl = 1.
H := aZ + pZ = x ∈ Z ∃k, l ∈ Z : x = ak + pl
ist eine Untergruppe von Z, die a und p enthält. Durch Satz II.2.9 wissen wir,
dass es ein m > 0 gibt, so dass H = mZ. Insbesondere gibt es ganze Zahlen s, t
mit A) p = ms und B) a = mt. Aus A) folgt m = 1 oder m = p und wegen B) und
0 < a < p muss m = 1 zutreffen, also H = Z. Daher gibt es Zahlen k, l ∈ Z mit
1 = ak + pl. X
Ein Element x ∈ Fp \{0} schreiben wir wieder in der Form x = [a] mit 0 < a < p.
Gemäß der Behauptung wählen wir k, l ∈ Z mit ak + pl = 1. Wir sehen
[pl]=[0]
[a][k] = [ak] = [ak] + [pl] = [ak + pl] = [1],
Aufgabe II.4.9.
Wir kehren nun die Beobachtungen aus Eigenschaft II.4.3 um. Es seien M eine
Menge, I eine Indezmenge und (Mi )i∈I eine Familie von nichtleeren Teilmengen
von M, so dass G
M= Mi .
i∈I
56
II.4. Äquivalenzrelationen
⊕ : Z × Z −→ Z,
([m1 , n1 ], [m2, n2 ]) 7−→ [m1 + m2 , n1 + n2 ]
und
⊙ : Z × Z −→ Z
([m1 , n1 ], [m2, n2 ]) 7−→ [m1 m2 + n1 n2 , m1 n2 + m2 n1 ]
wohldefiniert sind.
c) Zeigen Sie, dass (Z, ⊕, ⊙) ein Ring ist. Zu welchem Ihnen bekannten Ring ist
er isomorph? Geben Sie einen Isomorphismus an. (Für zwei Ringe R und R′ ist
ein Isomorphismus eine bijektive Abbildung ϕ : R −→ R′ , so dass i) ϕ(1) = 1 und
für alle x, y ∈ R ii) ϕ(x + y) = ϕ(x) + ϕ(y) und iii) ϕ(xy) = ϕ(x)ϕ(y) gilt.)
Aufgabe II.4.12.
a) Stellen Sie die Verknüpfungstafel für die multiplikative Gruppe von F11 auf.
b) Bestimmen Sie für p ∈ { 23, 53, 89 } die ganze Zahl x ∈ { 0, ..., p − 1 }, für die
13 · x ≡ 1 mod p
gilt.
c) Bestimmen Sie jeweils die ganze Zahl x ∈ Z mit den geforderten Eigenschaf-
ten:
• 53 ≡ x mod 3, 0 ≤ x ≤ 2,
• 45 ≡ x mod 5, 0 ≤ x ≤ 4,
• 117 ≡ x mod 7, 0 ≤ x ≤ 6,
d) Stellen Sie anhand von Teil c) eine Vermutung für eine allgemeine Gesetz-
mäßigkeit auf und benutzen Sie diese, um die ganze Zahl x ∈ { 0, ..., 10 } zu
bestimmen, die 6123 ≡ x mod 11 erfüllt.
57
III
Vektorräume und lineare
Abbildungen
Dieses Kapitel führt die Gegenstände der Linearen Algebra ein, nämlich Vek-
torräume und lineare Abbildungen. Der zugehörige Formalismus und die fun-
damentalen Eigenschaften werden ausführlich besprochen.
III.1 Vektorräume
Definition III.1.1. Es sei K ein Körper. Ein Vektorraum über K oder auch ein
K-Vektorraum ist eine Menge V zusammen mit Abbildungen
+: V × V −→ V (Addition)
(v, w) 7−→ v + w,
·: K × V −→ V (Skalarmultiplikation)
(λ, v) 7−→ λ · v,
59
Kapitel III. Vektorräume und lineare Abbildungen
(S2) ∀v ∈ V : 1 · v = v.
(S3) ∀κ, λ ∈ K, ∀v ∈ V: (κ + λ) · v = κ · v + λ · v.
(S4) ∀λ ∈ K, ∀v, w ∈ V: λ · (v + w) = λ · v + λ · w.
((S3) und (S4) sind die Distributivgesetze der Skalarmultiplikation.)
Schreibweise. Wir werden wieder einfach von einem Vektorraum V“ anstatt
”
von einem Vektorraum (V, +, ·)“ sprechen.
”
Vereinbarung. Für das Folgende wird ein Körper K fixiert.
Bemerkungen und Beispiele III.1.2. i) Nach Übung I.2.10 ist Kn ein K-Vektor-
raum. Im Hinblick auf Anwendungen bei linearen Gleichungssystemen ist er
die Hauptmotivation für die obige Definition. Es wird sich aber zeigen, dass die
Struktur eines Vektorraums auch in vielen anderen Zusammenhängen natür-
lich in Erscheinung tritt und daher wieder in voller Allgemeinheit untersucht
werden sollte.
ii) Es seien A eine Menge und Abb(A, K) die Menge aller Abbildungen von A
in den Körper K. Für zwei Abbildungen f, g ∈ Abb(A, K) definieren wir
f + g : A −→ K
x 7−→ f(x) + g(x).
λ · f : A −→ K
x 7−→ λ · f(x).
λ · (f + g) = λ · f + λ · g
nachweisen. Dies ist aber offensichtlich eine direkte Konsequenz aus dem Dis-
tributivgesetz im Körper K.
Dieses Beispiel können wir spezialisieren. Für die Menge A := { 1, ..., m } ×
{ 1, ..., n } schreiben wir
f : A −→ K
(i, j) 7−→ aij
60
III.1. Vektorräume
in der Form (aij) i=1,...,m , also als (m × n)-Matrix. Damit definieren wir
j=1,...,n
61
Kapitel III. Vektorräume und lineare Abbildungen
α) W 6= ∅.
β) ∀κ, λ ∈ K, ∀v, w ∈ W : κ · v + λ · w ∈ W.
Der einfache Beweis wird dem Leser als Übungsaufgabe überlassen.
Beispiele III.1.6. i) Für jeden Vektorraum V sind {0} und V lineare Teilräume.
ii) Für A ∈ Mat(m, n; K) ist L(A, 0) nach Lemma I.2.4 ein linearer Teilraum
von Kn .
iii) Wenn Wi , i ∈ I, eine Familie von Untervektorräumen von V ist, so ist ihr
Durchschnitt3 \
U := Wi
i∈I
W := f ∈ Abb(A, K) ∀x ∈ B : f(x) = 0 .
Dies ist ein linearer Teilraum von Abb(A, K). Wir wenden dazu das Kriterium
ii) aus Bemerkung III.1.5 an. Zu α). Offenbar liegt 0 : A −→ K, x 7−→ 0, in W.
Deshalb gilt W 6= ∅. Für κ, λ ∈ K, zwei Abbildungen f, g ∈ W und x ∈ B gilt:
κ · f + λ · g (x) = κ · f(x) + λ · g(x) = κ · 0 + λ · 0 = 0.
gegeben.
62
III.2. Erzeugendensysteme
Aufgabe III.1.8.
Es seien M eine Menge, V ein Vektorraum über dem Körper K und Abb(M, V) die
Menge der Abbildungen von M nach V. Zeigen Sie, dass Abb(M, V) zusammen
mit den Abbildungen
und
· : K × Abb(M, V) −→ Abb(M, V)
(λ, f) 7−→ λ · f
· : K × (V × W) −→ V × W
λ, (v, w) 7−→ (λv, λw)
und
+ : (V × W) × (V × W) −→ V × W
(v, w), (v′, w′) 7−→ (v + v′ , w + w′ ).
Überprüfen Sie, dass durch diese Abbildungen auf V × W die Stuktur eines K-
Vektorraumes eingeführt wird. Der so erhaltene Vektorraum heißt die direkte
Summe von V und W und wird mit V ⊕ W bezeichnet.
III.2 Erzeugendensysteme
In diesem und dem folgenden Abschnitt führen wir die zentralen Begriffe ein,
die es uns gestatten, die Struktur eines Vektorraums zu untersuchen und
adäquat zu beschreiben.
Sprech- und Schreibweise. i) Es seien I und A Mengen und xi , i ∈ I, eine durch
I indizierte Familie von Elementen von A. Wir sagen, fast alle Elemente xi haben
Eigenschaft E, wenn für alle bis auf endlich viele Indizes i ∈ I das Element xi
die Eigenschaft E hat:
# i ∈ I | xi hat Eigenschaft E nicht < ∞.
63
Kapitel III. Vektorräume und lineare Abbildungen
Die rechte Seite ist als Summe von nur endlich vielen Elementen wohldefiniert.
Definitionen III.2.1. i) Es seien v1 , ..., vm Elemente des K-Vektorraums V. Ei-
ne Linearkombination von v1 , ..., vm ist ein Element v ∈ V, zu dem es Zahlen
λ1 , ..., λm ∈ K mit
v = λ1 · v1 + · · · + λm · vm
gibt.
ii) Es sei M ⊆ V eine beliebige Teilmenge von V. Die lineare Hülle oder das
lineare Erzeugnis von M ist die Menge
gilt, dann sprechen wir von der direkten Summe der Wi , i ∈ I, und schreiben
M X
Wi := Wi .
i∈I i∈I
4
Als Menge kann diese Vereinigung durch
[
Wi := v ∈ V ∃i ∈ I : v ∈ Wi
i∈I
beschrieben werden und ist daher durch Anwendung der Komprehension definiert.
64
III.2. Erzeugendensysteme
65
Kapitel III. Vektorräume und lineare Abbildungen
als die (m × n)-Matrix mit den Spalten v1 , ..., vn. Mit (I.5) sieht man, dass gilt:
b ∈ h v1 , ..., vn i ⇐⇒ L(A, b) 6= ∅. (III.1)
Umgekehrt seien A ∈ Mat(m, n; K) und v1 , ..., vn ∈ Km die Spalten der Matrix A.
Dann hat man
h v1 , ..., vn i = b ∈ Km | L(A, b) 6= ∅ .
Folgerung III.2.3. Wenn { v1 , ..., vn } ein Erzeugendensystem für Km ist, dann gilt
n ≥ m.
Beweis. Wir nehmen an, es sei n < m. Mit dem Gauß-Algorithmus überführen
wir die Matrix A in eine Matrix A′ in Zeilenstufenform. Die Matrix A′ hat r ≤ n <
m Stufen, so dass die letzte Zeile von A′ eine Nullzeile ist. Für b′ := em gilt da-
her L(A′ , b′) = ∅. Nun können wir die an A durchgeführten Zeilenoperationen
wieder rückgängig machen, d.h. wir können die erweiterte Koeffizientenma-
trix (A′ |b′ ) durch Zeilenoperationen in eine Matrix der Form (A|b) mit b ∈ Km
überführen. Es gilt
Lemma I.4.1
L(A, b) = L(A′ , b′) = ∅,
so dass nach (III.1) b 6∈ h v1 , ..., vn i. Dies befindet sich im Widerspruch zu unserer
Annahme.
Aufgabe III.2.4.
Es seien V ein K-Vektorraum und M, M′ Teilmengen von V. Überprüfen Sie die
folgenden Eigenschaften der linearen Hülle.
a) hMi ist ein linearer Teilraum von V, der M enthält.
b) Ein linearer Unterraum U ⊆ V, der M enthält, enthält auch die lineare
Hülle hMi. (Somit ist hMi der kleinste“ lineare Teilraum von V, der M
”
enthält.)
c) Es gilt \
hMi = U.
U⊆V UR:
M⊆U
66
III.3. Linear unabhängige Teilmengen
bereits
∀x ∈ M : λx = 0
folgt.
Eine Teilmenge M ⊆ V heißt linear abhängig, wenn sie nicht linear un-
abhängig ist.
Bemerkung III.3.2. Für jede Teilmenge M ⊆ V gilt
X
0= 0 · x ∈ hMi.
x∈M
Wenn M linear unabhängig ist, ist dies bereits die einzige Möglichkeit, 0 als
Linearkombination von Elementen aus M zu schreiben. Es ist leicht einzusehen
(vgl. Lemma III.4.2), dass für jedes Element v ∈ hMi die Koeffizienten λx ∈ K,
x ∈ M, mit X
v= λx · x
x∈M
eindeutig bestimmt sind.
Beispiele III.3.3. i) Die leere Menge ∅ ( V ist linear unabhängig.
ii) Es sei v ∈ V. Die Menge {v} ⊆ V ist genau dann linear unabhängig, wenn
v 6= 0. Für v = 0 und 1 ∈ K gilt 1 · v = 0, so dass {v} linear abhängig ist. Es sei
umgekehrt α ∈ K∗ gegeben, so dass α · v = 0. Dann gilt
v = 1 · v = (α−1 · α) · v = α−1 · (α · v) = α−1 · 0 = 0.
iii) Es seien ei ∈ Kn die in Beispiel III.2.2, iv), definierten Vektoren, i = 1, ..., n.
Die Menge { e1 , ..., en } ist linear unabhängig (vgl. Teil v).
iv) Auch der Begriff der linearen Unabhängigkeit lässt sich im Zusammen-
hang mit linearen Gleichungssystemen verstehen. Dazu betrachten wir Vekto-
ren
a1j
vj := ... ∈ Km , j = 1, ..., n,
amj
und definieren die zugehörige Matrix
a11 · · · a1n
.. .
A := (v1 | · · · |vn ) = ... .
am1 · · · amn
67
Kapitel III. Vektorräume und lineare Abbildungen
Es folgt
v1 , ..., vn ist linear unabhängig ⇐⇒ L(A, 0) = {0}.
Als interessante Beobachtung ergibt sich aus Folgerung I.4.5, i), dass { v1 , ..., vn }
für n > m linear abhängig ist.
v) Es sei M eine Menge. Für x ∈ M definieren wir die Abbildung
ex : M −→ K
1, y = x
y 7−→ .
0, sonst
Die Menge { ex | x ∈ M } ⊆ Abb(M, K) (vgl. Beispiel III.1.2, ii) ist linear unabhän-
gig. Dazu sei λx , x ∈ M, eine Familie von Elementen aus K, die fast alle null
sind. Für alle y ∈ M gilt X
λx · ex (y) = λy . (III.2)
x∈M
Damit ist die Aussage evident.
Falls M unendlich viele Elemente enthält, ist { ex | x ∈ M } kein Erzeugenden-
system. Die konstante Abbildung
k1 : M −→ K
x 7−→ 1
liegt dann nicht in der linearen Hülle h ex | x ∈ M i. Dies folgt aus (III.2).
vi) Es seien M ⊆ V eine linear unabhängige Teilmenge und M′ ⊆ M. Dann
ist auch M′ linear unabhängig.
vii) Es seien M ⊆ V eine linear abhängige Teilmenge und M ⊆ M′ . Dann ist
M′ ebenfalls linear abhängig.
Aufgabe III.3.4.
Stellen Sie fest, ob die folgenden Mengen von Vektoren im jeweiligen Rn linear
unabhängig
sind.
1 −2 1
−1 0 3
a) v1 :=
5 , v2 := −1 und v3 := 4 .
2 1 2
1 −3 −4
b) v1 := 2 , v2 := 5 und v3 := 0 .
−4 0 −3
III.4 Basen
Definition III.4.1. Es sei V ein K-Vektorraum. Eine Teilmenge B ⊆ V wird
Basis genannt, wenn sie sowohl eine linear unabhängige Teilmenge als auch
ein Erzeugendensystem ist.
68
III.4. Basen
Den wahren Nutzen des Begriffs einer Basis zeigt das folgende Resultat auf.
Lemma III.4.2. Eine Teilmenge B ⊆ V ist genau dann eine Basis, wenn es zu
jedem Vektor v ∈ V eindeutig bestimmte Zahlen λb ∈ K, b ∈ B, gibt, die fast alle
null sind, so dass X
v= λb · b. (III.3)
b∈B
Beweis. Nehmen wir zunächst an, die Teilmenge B habe die genannten Eigen-
schaften. Dann ist B offenbar ein Erzeugendensystem für V. Es seien λb ∈ K,
b ∈ B, fast alle null, mit X X
λb · b = 0 = 0·b
b∈B b∈B
gegeben. Aus der Eindeutigkeit der λb in (III.3) folgt λb = 0 für alle b ∈ B, so dass
B auch linear unabhängig ist.
Es sei umgekehrt B eine Basis für V. Dann ist B ein Erzeugendensystem.
Jeder Vektor v ∈ V besitzt daher eine Darstellung wie in (III.3). Es bleibt, die
Eindeutigkeit der Koeffizienten λb ∈ K, b ∈ B, zu überprüfen. Dazu seien v ∈ V
und λb ∈ K und λ′b ∈ K, b ∈ B, zwei Sätze von Zahlen, so dass
X X
λb · b = v = λ′b · b.
b∈B b∈B
Wir erhalten
X X X
0 =v−v= λb · b − λ′b · b = (λb − λ′b ) · b.
b∈B b∈B b∈B
iii) Für jede Matrix A ∈ Mat(m, n; K) liefert der Gauß-Algorithmus eine Basis
für den Lösungsraum L(A, 0) (s. Satz I.4.2, ii), und I.4.4).
iv) Es sei M eine endliche Menge. Aus Beispiel III.3.3, v), folgt leicht, dass
{ ex | x ∈ M } eine Basis für Abb(M, K) ist. Dies können wir insbesondere auf
69
Kapitel III. Vektorräume und lineare Abbildungen
M = { 1, ..., m }×{ 1, ..., n } anwenden (vgl. Beispiel III.1.2, ii). Für (i, j) ∈ M erhalten
wir in Matrix-Schreibweise
j-te Spalte
0
0 0
..
.
0
0 · · · 0 1 0 · · · · · · · · · 0 i-te Zeile
0
Eij := e(i,j) = .
..
0 0
.
.
..
.
..
0
Somit ist { Eij | i = 1, ..., m, j = 1, ..., n } eine Basis für Mat(m, n; K).
Der folgende Satz enthält weitere Charakterisierungen für Basen.
Satz III.4.4. Es seien V ein K-Vektorraum und B ⊆ V eine Teilmenge. Dann sind
die folgenden Eigenschaften äquivalent.
i) B ist eine Basis für V.
ii) B ist ein minimales Erzeugendensystem für V, d.h. für jede echte Teilmenge
B′ ( B gilt hB′ i ( V.
iii) B ist eine maximale linear unabhängige Teilmenge, d.h. jede Menge B′ , die
B echt enthält (i.e. B ( B′ ), ist linear abhängig.
Beweis. Wir zeigen zunächst die Implikation i)=⇒iii)“. Nach Definition einer
”
Basis ist B linear unabhängig. Es sei nun B ( B′ . Wir wählen ein Element
v0 ∈ B′ \ B. Da B eine Basis ist, finden wir Elemente λb ∈ K, b ∈ B, die fast alle
null sind, so dass X
v0 = λb · b.
b∈B
′
Wir definieren nun für x ∈ B
1, x = v0
κx := −λx , x ∈ B .
0, sonst
70
III.4. Basen
71
Kapitel III. Vektorräume und lineare Abbildungen
Im letzten Schritt gilt die strikte Ungleichung, weil B ein minimales Erzeugen-
densystem ist. Relation (III.5) kann offensichtlich nicht wahr sein.
Folgerung III.4.5. Es sei V ein K-Vektorraum. Wenn es ein Erzeugendensystem
M für V gibt, das nur endlich viele Elemente enthält, dann besitzt V eine Basis.
Beweis. Wir entfernen solange Elemente aus M, bis wir ein minimales Erzeu-
gendensystem und damit nach Satz III.4.4 eine Basis erhalten.
Formal ist dies eine vollständige Induktion über n := #M. Für n = 0 gilt
V = {0}, und ∅ ist eine Basis. Für den Schluß n n+1“ gehen wir folgenderma-
”
ßen vor. Wenn M ein minimales Erzeugendensystem ist, dann ist M nach Satz
III.4.4 bereits eine Basis. Ansonsten gibt es ein v0 ∈ M, so dass M′ := M \ {v0 }
ein Erzeugendensystem mit n Elementen ist. Nach Induktionsvoraussetzung
besitzt V dann eine Basis.
Satz III.4.6. Es sei V ein K-Vektorraum. Wenn V eine endliche Basis B besitzt,
dann ist jede andere Basis B′ von V ebenfalls endlich, und es gilt
#B′ = #B.
Dieser Satz bildet die Grundlage für den Dimensionsbegriff für endlichdi-
mensionale Vektorräume:
Definition III.4.7. Ein Vektorraum V heißt endlichdimensional, wenn es eine
Basis B für V mit endlich vielen Elementen gibt.
Schreibweise. DimK (V) < ∞.
In diesem Fall wird
DimK (V) := #B
die Dimension von V genannt, B eine Basis von V.
Ist V nicht endlichdimensional, so sagt man, V ist unendlichdimensional,
und schreibt DimK (V) = ∞.
Man beachte, dass Satz III.4.6 garantiert, dass die Begriffe endlichdimen-
”
sional“ und Dimension“ sinnvoll sind.
”
Beispiel III.4.8. DimK (Kn ) = n; DimK Mat(m, n; K) = m · n.
Bevor wir uns dem Beweis von Satz III.4.6 widmen können, benötigen wir
noch einige Vorbereitungen.
Lemma III.4.9 (Austauschlemma).
P Es seien V ein K-Vektorraum, B = { b1, ..., bn }
eine Basis für V und w = λb · b ∈ V \ {0}. Falls λb′ 6= 0 für das Element b′ ∈ B
b∈B
gilt, dann ist
B′ := B \ {b′ } ∪ {w}
ebenfalls eine Basis für V.
72
III.4. Basen
b1 = λ−1 −1 −1
1 · w + (−λ1 · λ2 ) · b2 + · · · + (−λ1 · λn ) · bn
gilt.
Als nächstes betrachten wir eine Linearkombination
0 = κ1 · w + κ2 · b2 + · · · + κn · bn
= κ1 · (λ1 · b1 + λ2 · b2 + · · · + λn · bn ) + κ2 · b2 + · · · + κn · bn
= (κ1 · λ1 ) · b1 + (κ1 · λ2 + κ2 ) · b2 + · · · + (κ1 · λn + κn ) · bn .
κ1 · λ1 = κ1 · λ2 + κ2 = · · · = κ1 · λn + κn = 0.
e∪F
B′ := B
73
Kapitel III. Vektorräume und lineare Abbildungen
Wir beweisen die Gültigkeit von A(n) für alle n ∈ N durch vollständige In-
duktion. Für n = 0 muss F = ∅ gelten, und wir können B e = B wählen. Offenbar
′
ist dann B = B ∪ ∅ = B eine Basis mit m Elementen. Jetzt schließen wir von
A(n) auf A(n + 1). Für V, F und B wie in der Annahme suchen wir uns ein Ele-
ment v0 ∈ F aus und setzen F′ := F \ {v0 }. Nach Induktionsvoraussetzung gibt es
eine Teilmenge B ⊆ B mit m − n Elementen, so dass B′′ = B ∪ F′ eine Basis von V
mit m Elementen ist. Da F linear unabhängig ist, gilt v0 6∈ hF′ i. Schreiben wir
X
v0 = λb · b,
b∈B
dann existiert folglich ein Element b0 ∈ B mit λb0 6= 0. Nach dem Austauschlem-
ma III.4.9 ist
e∪F
B′ := (B \ {b0 }) ∪ F′ ∪ {v0 } = B
| {z }
e
=:B
Beweis von Satz III.4.6. Es seien B und B′ zwei Basen von V. Da B′ eine linear
unabhängige Teilmenge von V ist, impliziert Satz III.4.10, i), #B′ ≤ #B. Ebenso
können wir die Basis B′ zu Grunde legen und #B ≤ #B′ für die linear unabhängi-
ge Teilmenge B schließen.
Beweis. Nach Satz III.4.10, i), hat jede linear unabhängige Teilmenge von W
höchstens DimK (V) Elemente. Es sei F ⊆ W eine linear unabhängige Teilmenge
mit der maximalen Anzahl von Elementen. Dann ist F offenkundig eine maxi-
male linear unabhängige Teilmenge von W und somit eine Basis. Also ist W
endlichdimensional und DimK (W) = #F ≤ DimK (V).
74
III.4. Basen
ii) Es seien
a11 · · · a1n
.. ∈ Mat(m, n; K)
A = ... .
am1 · · · amn
eine (m × n)-Matrix,
a1j
vj := ... ∈ Km
amj
die j-te Spalte von A, j = 1, ..., n, und
der Zeilenrang.
Beispiel III.4.13. Es sei A eine Matrix in Zeilenstufenform wie in Satz I.3.3, i),
beschrieben. Dann gilt
S-Rg(A) = r = Z-Rg(A).
Satz III.4.14. Es seien A, A ′ ∈ Mat(m, n; K) zwei (m × n)-Matrizen.
i) Die Matrix A ′ gehe aus der Matrix A durch eine Zeilenoperation vom Typ
(ZI), (ZII) oder (ZIII) (s. Definition I.3.1) hervor. Dann gilt
Z-Rg(A ′ ) = Z-Rg(A).
ii) Falls die Matrix A ′ aus der Matrix A durch eine Spaltenoperation vom Typ
(SI), (SII) oder (SIII) (s. Aufgabe I.4.10) hervorgeht, so gilt
S-Rg(A ′ ) = S-Rg(A).
Beweis. Der Beweis wird der Leserin bzw. dem Leser als Übungsaufgabe über-
lassen (Aufgabe III.4.21).
75
Kapitel III. Vektorräume und lineare Abbildungen
Bemerkung III.4.16. Mit dem Zeilenrang haben wir die in Problem I.4.6, i), ge-
suchte Invariante gefunden.
Beispiel III.4.13 suggeriert das folgende
Problem III.4.17. Gilt S-Rg(A) = Z-Rg(A) für jede Matrix A?
Die Frage lautet also, ob Zeilenumformungen den Spaltenrang einer Matrix
ändern können. Sie lässt sich elegant mit Hilfe der Theorie linearer Abbildun-
gen beantworten, der wir uns im nächsten Abschnitt widmen möchten.
Aufgabe III.4.18.
Bestimmen Sie die Dimension der linearen Hülle der folgenden Zeilenvektoren
im ZK4 :
v1 := (1, −3, 7, −1), v2 := (2, 0, −4, 3), v3 := (2, 6, −22, 8) und v4 := (3, 3, −15, 7).
Aufgabe III.4.19.
Geben Sie eine Basis für Abb′ (N, K) (s. Aufgabe II.3.7, b) an.
Aufgabe III.4.20.
Gegeben seien zwei endlichdimensionale K-Vektorräume V und W der Dimensi-
on m bzw. n. Welche Dimension hat der Vektorraum V ⊕ W aus Aufgabe III.1.9?
Aufgabe III.4.21.
Zeigen Sie: Es seien A, A′ ∈ Mat(m, n; K). Dabei gehe A′ aus A durch eine Folge
von Zeilenoperationen vom Typ (ZI)-(ZIII) (bzw. Spaltenoperationen vom Typ
(SI)-(SIII)) hervor. Dann folgt
Z-Rg(A′ ) = Z-Rg(A) bzw. S-Rg(A′ ) = S-Rg(A) .
76
III.5. Lineare Abbildungen
hα : V −→ V
v 7−→ α · v.
hα (λ · v) = α · (λ · v) = (α · λ) · v = (λ · α) · v = λ · (α · v) = λ · hα (v).
• Für v, v ′ ∈ V gilt
hα (v + v ′ ) = α · (v + v ′ ) = α · v + α · v ′ = hα (v) + hα (v ′ ).
Beweis. Teil i) folgt aus Teil iii). (Man wähle etwa M := U.)
ii) Wir überprüfen die Axiome aus Definition III.1.4:
77
Kapitel III. Vektorräume und lineare Abbildungen
78
III.5. Lineare Abbildungen
f : Kn −→ Km
A
s1 t1 n
X
.. .
. 7−→ .. , ti := aij · sj , j = 1, ..., m.
sn tm j=1
79
Kapitel III. Vektorräume und lineare Abbildungen
Definition III.5.13. Es sei I eine Menge. Das Kronecker7-Delta auf der Menge I
ist die Abbildung
δ : I × I −→ { 0, 1 }
1, i = j
(i, j) 7−→ δij := .
6 j
0, i =
Bemerkung III.5.14. Wir können { 0, 1 } als Teilmenge des Körpers K auffassen
und somit δ als Abbildung von I nach K.
Beispiele III.5.15. i) Es sei n ≥ 1 eine natürliche Zahl. Das Kronecker-Delta auf
der Menge I = { 1, ..., n } ist die sogenannte Einheitsmatrix En ∈ Mat(n; K);
1
0
En = .
10
Wir haben fEn = IdKn .
ii) Für
1 −1 0 2
2 1 3 −1
A=
1
∈ Mat(4; R)
1 0 1
−1 3 −1 −1
gilt
1 1
2 −3
fA
−2 = 4 .
1 6
Satz III.5.16. Es gilt
DimK Bild(fA ) = S-Rg(A).
Beweis. Es sei
a1j
vj = ... ∈ Km
amj
die j-te Spalte von A, j = 1, ..., n. Die Abbildungsvorschrift zeigt
fA (ej ) = vj , j = 1, ..., n. (III.6)
Mit Eigenschaft III.5.4, iii), finden wir
fA (Kn) = fA h e1 , ..., en i = f(e1 ), ..., f(en) = h v1 , ..., vn i.
Die Dimension des rechten Vektorraums ist nach Definition III.4.12, ii), der
Spaltenrang von A.
7
Leopold Kronecker (1823 - 1891), deutscher Mathematiker.
80
III.5. Lineare Abbildungen
| {z } e2
Dα (e1 )
cos(α)
| {z }
sin(α)
α
| {z } e | {z }
1
cos(α) − sin(α)
Lineare Abbildungen und Basen. — Mit Hilfe von Basen kann man lineare
Abbildungen zwischen endlichdimensionalen K-Vektorräumen explizit und ef-
fizient beschreiben. Mit dieser Beschreibung werden wir hier beginnen und sie
ausführlich in Kapitel IV entwickeln.
81
Kapitel III. Vektorräume und lineare Abbildungen
und
Die Injektivität besagt, dass eine lineare Abbildung durch ihre Werte auf
den Basisvektoren eindeutig bestimmt ist. Die Surjektivität besagt, dass man
für beliebige vorgeschriebene Werte der Basisvektoren eine lineare Abbildung
von V nach W finden kann, die auf den Basisvektoren die vorgeschriebenen
Werte annimmt.
Beweis von Satz III.5.21. Die Linearität der angegebenen Abbildung folgt direkt
aus der Definition der Vektorraum-Strukturen auf HomK (V, W) und Abb(B, W)
(s. Aufgabe III.1.8 und III.5.47).
P Vektor v ∈ V existieren eindeutig bestimmte Zahlen λb , b ∈ B, so
Zu jedem
dass v = λb · b. Für eine lineare Abbildung f : V −→ W gilt
b∈B
X
f(v) = λb · f(b).
b∈B
Diese Formel zeigt, wie man f(v) aus den Werten f(b), b ∈ B, von f auf den
Basisvektoren berechnet. Es folgt die Injektivität.
82
III.5. Lineare Abbildungen
X
f(v) = e
λb · f(b).
b∈B
Man vergewissert sich leicht, dass f linear ist und f|B = fe erfüllt (s. Aufgabe
III.5.48).
und definieren
a11 · · · a1n
.. ∈ Mat(m, n; K).
A := ... .
am1 · · · amn
Die Abbildungen f und fA sind linear, und nach Konstruktion gilt f(ej ) = fA (ej ),
j = 1, ..., n. Die Injektivitätsaussage in Satz III.5.21 impliziert f = fA . Die Eindeu-
tigkeit ergibt sich, da fA (ej ) gerade die j-te Spalte der Matrix A ist, j = 1, ..., n.
83
Kapitel III. Vektorräume und lineare Abbildungen
′ ′
• Nach Definition gilt (g ◦ f)(u + u ) = g f(u + u ) . Da f linear ist, haben wir
′ ′
g f(u + u ) = g f(u) + f(u ) . Die Linearität von g ergibt g f(u) + f(u ′) =
g f(u) + g f(u ′ ) = (g ◦ f)(u) + (g ◦ f)(u ′).
• Analog erhalten wir (g ◦ f)(λ · u) = g f(λ · u) = g λ · f(u) = λ · g f(u) =
λ · (g ◦ f)(u).
In den Zwischenschritten haben wir die Definition der Summe von Abbildun-
gen und die Linearität der beteiligten Abbildungen verwendet. Die Behauptung
ergibt sich, weil zwei Abbildungen von U nach W genau dann gleich sind, wenn
sie auf allen Vektoren u ∈ U dieselben Werte annehmen (Bemerkung II.1.17, i).
ii) Es sei u ∈ U. Wir haben
λ · (g ◦ f) (u) = λ · (g ◦ f)(u) = λ · g f(u) = (λ · g) f(u) = (λ · g) ◦ f (u).
Damit ergibt sich die erste Gleichung. Aus der Linearität von g folgt weiter
g ◦ (λ · f) (u) = g (λ · f)(u) = g λ · f(u) = λ · g f(u) = λ · (g ◦ f)(u) ,
und man erhält die zweite Gleichung. Der dritte Teil wurde bereits in Satz
II.1.25, ii), bewiesen.
84
III.5. Lineare Abbildungen
85
Kapitel III. Vektorräume und lineare Abbildungen
Definition III.5.30. Die Gruppe GL(V) aus dem Satz ist die allgemeine lineare
Gruppe des Vektorraums V.
Beweis von Satz III.5.29. Wir überprüfen die Axiome aus Definition II.2.7. Das
neutrale Element der Gruppe S(V) ist die Identität. Es ist eine lineare Abbil-
dung, gehört also GL(V) an. Für eine bijektive lineare Abbildung f ∈ GL(V),
ist die Umkehrabbildung f−1 nach Satz III.5.8 ebenfalls linear, i.e. f−1 ∈ GL(V).
Schließlich seien f, g ∈ GL(V). Die Verknüpfung f ◦ g ist nach Satz III.5.23 eben-
falls linear. Da sie auch bijektiv ist, gilt f ◦ g ∈ GL(V).
86
III.5. Lineare Abbildungen
n
! n n
X X X
0 = ΦB λi · b i = λi · ΦB (bi ) = λi · e i .
i=1 i=1 i=1
Jetzt widmen wir uns der linearen Unabhängigkeit von BΦ . Es seien λ1 , ..., λn ∈
K, so dass
Xn
0= λi · Φ−1 (ei ).
i=1
87
Kapitel III. Vektorräume und lineare Abbildungen
Lineare Komplemente. — Eine Variante von Satz III.4.10, ii), führt zu einem
weiteren Verfahren, mit dem man einen Vektorraum in kleinere Bestandteile
zerlegen kann.
und
U ∩ U ′ = {0},
also dass sich jeder Vektor aus V in eindeutiger Weise als Summe eines Vektors
aus U und eines Vektors aus U ′ darstellen lässt.
88
III.5. Lineare Abbildungen
X X
v= λb · b + µb ′ · b ′ ∈ hB ∪ B ′ i.
b∈B b ′ ∈B ′
Es folgt, dass X X
λb · b = − µb ′ · b ′ .
b ′ ∈B ′
|b∈B {z } | {z }
=:u∈U =:u ′ ∈U ′
Dann gilt
V = U ⊕ U ′.
Man beachte, dass sowohl U als auch U ′ unendlichdimensional ist.
iii) Lineare Komplemente sind
nicht eindeutig bestimmt.
Es sei z.B. U :=
1 2 ′ a a
0
⊆ K . Dann ist U := b für jeden Vektor b mit b 6= 0 ein lineares
Komplement.
Beweis. Es sei F eine Basis für U. Dann können wir nach Satz III.4.10, ii), eine
Teilmenge F ′ ⊆ V finden, so dass F ∪ F ′ eine Basis von V ist. Man überprüft
mühelos, dass U ′ := hF ′i ein lineares Komplement zu U ist.
89
Kapitel III. Vektorräume und lineare Abbildungen
f|U ′ : U ′ −→ Bild(f)
u ′ 7−→ f(u ′ )
Beweis. Die Abbildung f|U ′ ist offenbar linear. Sei w ∈ Bild(f). Es gibt also einen
Vektor v ∈ V mit f(v) = w. Ferner existieren Elemente u ∈ Ker(f) und u ′ ∈ U ′ mit
v = u + u ′ . Wir finden
Dies zeigt, dass f|U ′ surjektiv ist. Jetzt sei u ′ ∈ Ker(f|U ′ ). Also f(u ′) = f|U ′ (u ′ ) = 0,
so dass u ′ ∈ Ker(f) ∩ U ′ = {0}. Nach Lemma III.5.7 ist f|U ′ injektiv.
Beweis. Wir wählen gemäß Satz III.5.38 ein lineares Komplement U ′ zum Un-
terraum Ker(f) von V. Dann gilt:
• DimK Ker(f) + DimK (U ′ ) = DimK (V) (Lemma III.5.36);
90
III.5. Lineare Abbildungen
S-Rg(A) = Z-Rg(A).
∼ Bild(f) (Lemma III.5.39). Da Bild(f) ⊆
Beweis. i) Hier gilt Ker(f) = {0} und V =
W ein linearer Teilraum ist (Eigenschaft III.5.4, i), haben wir DimK (Bild(f)) ≤
DimK (W) nach Folgerung III.4.11.
ii) Es gilt W = Bild(f), so dass aus der Dimensionsformel
DimK (W) = DimK (V) − DimK Ker(f) ≤ DimK (V)
folgt.
iii) Ein Isomorphismus ist nach Definition bijektiv, d.h. sowohl injektiv als
auch surjektiv. Somit sind die Implikationen a)=⇒b)“ und a)=⇒c)“ offensicht-
” ”
lich. Für b)=⇒a)“ beobachten wir, dass die Voraussetzung und die Dimensi-
”
onsformel wegen Ker(f) = {0}
DimK Bild(f) = DimK (V) = DimK (W)
ergeben. Da Bild(f) ein linearer Teilraum von W ist, impliziert die Gleichung
DimK (Bild(f)) = DimK (W), dass Bild(f) = W. Es bleibt c)=⇒a)“ nachzuweisen.
”
Hier besagen die Voraussetzungen
DimK Bild(f) = DimK (W) = DimK (V).
Die Dimensionsformel zeigt DimK (Ker(f)) = 0, d.h. Ker(f) = {0}. Nach Lemma
III.5.7 ist f injektiv.
iv) Es gilt S-Rg(A) = DimK (Bild(fA )). Nach der Dimensionsformel für fA hat
man
DimK Bild(fA ) = DimK (Kn) − DimK Ker(fA) .
Wegen Ker(fA ) = L(A, 0) (Bemerkung III.5.18) lautet die Behauptung also
Z-Rg(A) = n − DimK L(A, 0)
91
Kapitel III. Vektorräume und lineare Abbildungen
Aufgabe III.5.43.
a) Es seien M eine Menge, V ein K-Vektorraum und x ∈ M. Zeigen Sie, dass die
so genannte Auswertungsabbildung
evx : Abb(M, V) −→ V
f 7−→ f(x)
linear ist.
b) Es seien M und N Mengen, und V und W seien K-Vektorräume. Ferner seien
eine Abbildung ϕ : M −→ N und eine lineare Abbildung ψ : V −→ W gegeben.
Zeigen Sie, dass es sich bei den Abbildungen
ϕ∗ : Abb(N, V) −→ Abb(M, V)
f 7−→ f ◦ ϕ
und
ψ∗ : Abb(M, V) −→ Abb(M, W)
f 7−→ ψ ◦ f
Aufgabe III.5.46.
Gegeben seien folgende Vektoren im R4 :
1 −2 3 −5
5 −7 11
v1 := , v4 := −14 .
−1 , v2 := 3 , v3 := −6 12
−1 3 −3 6
92
III.5. Lineare Abbildungen
Aufgabe III.5.47.
Zeigen Sie, dass HomK (V, W) ein linearer Teilraum von Abb(V, W) ist (s. Aufgabe
III.1.8).
Aufgabe III.5.48.
e
P⊆ V eine Basis und f : B −→ W
Es seien V, W Vektorräume über dem Körper K, B
10
eine mengentheoretische Abbildung. Für v = λb · b definieren wir
b∈B
X
f(v) := e
λb · f(b).
b∈B
Erläutern Sie, warum dieser Ausdruck wohldefiniert ist, und weisen Sie nach.
dass
f : V −→ W
v 7−→ f(v)
93
Kapitel III. Vektorräume und lineare Abbildungen
von R3 . Berechnen Sie eine Basis für U ∩ U ′ , und bestimmen Sie die Summe
U + U ′ ⊆ R3 als Unterraum. Ermitteln Sie schließlich ein lineares Komplement
zu U ∩ U ′ in U + U ′ .
III.6 Quotientenvektorräume
Definition III.6.1. Es seien V ein K-Vektorraum und U ⊆ V ein linearer Teil-
raum. Für Vektoren v, v ′ ∈ V schreiben wir
v ∼U v ′ :⇐⇒ v ′ − v ∈ U.
Bemerkungen III.6.2. i) Nach Lemma II.4.5 ist ∼U“ eine Äquivalenzrelation. Die
”
Äquivalenzklassen sind von der Form
[v]U = v + U = v + u | u ∈ U , v ∈ V.
+: W × W −→ W
[v]U , [v ′ ]U 7−→ [v + v ′ ]U ,
·: K × W −→ W
λ, [v]U 7−→ [λ · v]U
π : V −→ W
v 7−→ [v]U
Ker(π) = U.
94
III.6. Quotientenvektorräume
Beweis. i) Wir wissen bereits, dass +“ wohldefiniert ist und (W, +) eine abel-
”
sche Gruppe (Satz II.4.6). Es ist nun die Wohldefiniertheit von ·“ zu verifizieren.
”
Dazu seien λ ∈ K, v ∈ V, u ∈ U und v ′ = v + u. Wir wollen
[λ · v ′ ]U = [λ · v]U
λ · v ′ − λ · v = λ · (v ′ − v) = λ · u.
Das Element λ · u gehört zu U, denn U ist ein linearer Teilraum. Die Gültigkeit
der verbleidenden Axiome (S1) - (S4) ist angesichts der Definition von +“ und
”
·“ eine unmittelbare Konsequenz der Gültigkeit der entsprechenden Axiome im
”
Vektorraum V.
ii) Die Linearität und die Surjektivität von π sind offensichtlich. Es sei u ∈ U.
Dann gilt 0 − u = −u ∈ U, so dass u ∼U 0 und [u]U = [0]U . Dies zeigt u ∈ Ker(π).
Sei umgekehrt v ∈ Ker(π). Dies bedeutet
so dass 0 ∼U v, also v = v − 0 ∈ U.
π Φ
g : Kn −→ W −→
B
Km , m := #B.
Die Gleichheit der Kerne ergibt sich aus der Tatsache, dass ΦB ein Isomorphis-
mus ist.
95
Kapitel III. Vektorräume und lineare Abbildungen
Damit gilt w ∈ Bild(f). Diese Überlegung liefert die Surjektivität von f. Für
die Injektivität zeigen wir, dass der Kern trivial ist. Sei v ∈ V ein Element mit
f([v]) = 0. Wegen f(v) = f([v]) gilt v ∈ Ker(f) und deshalb [v] = 0.
Dieser Satz gibt einen ersten Eindruck davon, wie Quotientenvektorräume
auf natürliche Weise auftreten. In der Linearen Algebra kann man anstatt mit
Quotientenvektorräumen oft auch mit linearen Komplementen arbeiten (vgl.
Aufgabe III.6.7). Wir haben in Beispiel III.5.37, iii), gesehen, dass lineare Kom-
plemente im Allgemeinen nicht eindeutig bestimmt sind. Dagegen ist die Kon-
struktion des Quotientenvektorraums kanonisch, d.h. sie hängt nicht von zu-
sätzlichen Wahlen ab. Die Konstruktion des Quotientenvektorraums funktio-
niert auch im unendlichdimensionalen Kontext problemlos. Dagegen erfordert
der Beweis der Existenz eines linearen Komplements in dieser Situation das
Auswahlaxiom. Man beachte weiter, dass für einen K-Vektorraum V, einen li-
nearen Teilraum U ⊂ V und ein lineares Komplement U ′ von U die induzierte
Abbildung π|U ′ : U ′ −→ V/U ein Isomorphismus ist. Man kann den Quotienten-
vektorraum also als intrinsische Version des linearen Komplements ansehen.
Allerdings ist der Quotientenvektorraum kein linearer Teilraum des ursprüng-
lichen Vektorraums. Schließlich sei darauf hingewiesen, dass in anderen Si-
tuationen, wie etwa der Gruppentheorie, Komplemente im Allgemeinen nicht
96
III.6. Quotientenvektorräume
existieren und man somit auf die Konstruktion etwa von Faktorgruppen (vgl.
Satz II.4.6) angewiesen ist. Für eine Diskussion von Quotientenvektorräumen
mit Blick auf kategorielle“ Konzepte verweisen wir auf [2], Kapitel II.
”
Aufgabe III.6.6.
a) Es seien v1 , ..., vs ∈ Kn und U := h v1 , ..., vs i ⊆ Kn . Entwickeln Sie mit Hilfe der
obigen Ergebnisse einen Algorithmus zum Auffinden einer (m × n)-Matrix A,
für die
L(A, 0) = U
gilt. Hierbei ist m = n − DimK (U).
Hinweis. Geben Sie zunächst ein Verfahren an, dass aus den Vektoren v1 , ..., vs
eine Basis für U auswählt.
b) Bestimmen Sie mit dem Verfahren aus a) eine Matrix A, für die
1 −1 3 4, 5
* 2 2 −2 1 +
L(A, 0) =
3 , −3 , 9 , 13, 5 ⊆ R
5
4 4 −4 2
5 −5 15 23, 5
gilt.
Aufgabe III.6.7.
Beweisen Sie Folgerung III.6.4 mit Hilfe von linearen Komplementen anstatt
mit Quotientenvektorräumen.
Aufgabe III.6.8.
Es seien V, W zwei K-Vektorräume, f : V −→ W eine lineare Abbildung, U ⊆ V
ein linearer Teilraum und π : V −→ V/U die Projektion aus Satz III.6.3, ii).
a) Beweisen Sie, dass es genau dann eine lineare Abbildung f : V/U −→ W mit
f=f◦π
gibt,12 wenn
U ⊆ Ker(f)
12
Man kann sich diese Bedingung mit dem Diagramm
f
V W
π
∃f
V/U
97
Kapitel III. Vektorräume und lineare Abbildungen
gilt. Überprüfen Sie auch, dass f in diesem Fall eindeutig bestimmt ist.
b) Weisen Sie nach, dass im Fall U ⊆ Ker(f) die Gleichung
Ker(f) = Ker(f)/U
erfüllt ist. Erläutern Sie dazu auch kurz, inwiefern Ker(f)/U ein Unterraum von
V/U ist.
Zeigen Sie weiter
Bild(f) = Bild(f).
Aufgabe III.6.9.
Es seien V, W endlichdimensionale K-Vektorräume und f : V −→ W eine lineare
Abbildung. Der Vektorraum
Koker(f) := W/Bild(f)
Aufgabe III.6.10.
Wir betrachten die Abbildung fA : R3 −→ R4 zu der Matrix
1 0 1
2 −1 3
A :=
0
∈ Mat(4, 3; R).
−1 1
4 −2 6
Bestimmen Sie Ker(f), Bild(f), und geben Sie eine Basis für Koker(f) an.
98
IV
Matrizenrechnung
99
Kapitel IV. Matrizenrechnung
100
IV.1. Das Matrixprodukt
Bemerkungen IV.1.3. i) Das Matrixprodukt ist durch die Eigenschaft fA·B = fA ◦fB
charakterisiert.
ii) Man beachte, dass das Matrixprodukt nur definiert ist, wenn die Anzahl
der Spalten von A mit der Anzahl der Zeilen von B übereinstimmt.
Wir wollen jetzt eine explizite Formel für das Produkt zweier Matrizen erar-
beiten. In der Situation von Definition IV.1.2 seien
A = (aij) i=1,...,l und B = (bjk ) j=1,...,m .
j=1,...,m k=1,...,n
Behauptung. Es sei
A · B = (cik ) i=1,...,l .
k=1,...n
Dann gilt
m
X
cik = aij · bjk , i = 1, ..., l, k = 1, ..., n. (IV.1)
j=1
101
Kapitel IV. Matrizenrechnung
k-te Spalte
· B
b11 b1k b1n
i-te Zeile
A A·B
ai1
al1
aim
alm
cik =
P
m
j=1
aij · bjk
und berechnen
0 1 1 0 0 0
A·B= · = ,
0 0 0 0 0 0
102
IV.1. Das Matrixprodukt
1 0 0 1 0 1
B·A = · = .
0 0 0 0 0 0
Insbesondere hat der Ring Mat(n; K) Nullteiler.
l-te Spalte
↓
1 |
..
. |
..
.
|
− − − 1 − − λ − − − − − − ← k-te Zeile
..
. |
..
. |
1
Qkl (λ) :=
..
.
|
..
| .
..
.
|
..
| .
..
| .
| 1
ii) Für Indizes 1 ≤ k < l ≤ n sei die (n×n)-Matrix Pkl = (pij) i=1,...,n (s. Abbildung
j=1,...,n
IV.3) gegeben durch
1, i = j ∧ i 6∈ { k, l }
1, i = k ∧ j = l
pij := , i, j = 1, ..., n.
1, i = l ∧ j = k
0, sonst
103
Kapitel IV. Matrizenrechnung
1 | |
..
. | |
1 | |
− − − 0 − − − 1 − − − ← k-te Zeile
| 1 |
.
Pkl :=
| . . |
| 1 |
− − − 1 − − − 0 − − − ← l-te Zeile
| | 1
.
| | ..
| | 1
↑ ↑
k-te Spalte l-te Spalte
iii) Für einen Index k ∈ { 1, ..., n } und eine Zahl λ ∈ K \ {0} sei Sk (λ) = (sij ) i=1,...,n
j=1,...,n
die (n × n)-Matrix (s. Abbildung IV.4) mit
λ, i = j = k
sij := 1, i = j 6= k , i, j = 1, ..., n.
0, sonst
k-te Spalte
↓
1 |
..
. |
1 |
Sk (λ) := − − − λ − − − ← k-te Zeile
| 1
.
| ..
| 1
iv) Eine Matrix A ∈ Mat(n; K) nennt sich Elementarmatrix, wenn sie eine der
Gestalten aus Teil i) - iii) annimmt.
104
IV.1. Das Matrixprodukt
ii) Es seien 1 ≤ k 6= l ≤ n, A(1) die Matrix, die aus A entsteht, wenn man das
λ-Fache der k-ten Spalte zur l-ten addiert, A(2) diejenige, die man erhält, indem
man in A die k-te und die l-te Spalte vertauscht, und A(3) die Matrix, die sich
aus A durch Multiplikation der k-ten Spalte mit λ ergibt. Dann hat man folgende
Formeln
A(1) = A · Qkl (λ), A(2) = A · Pkl und A(3) = A · Sk (λ).
Beweis. Das ergibt sich aus dem vorangehenden Satz und Aufgabe I.4.10.
105
Kapitel IV. Matrizenrechnung
ii) Die Vertauschung zweier Zeilen bzw. Spalten erhält man durch Links-
bzw. Rechtsmultiplikation mit einer Matrix vom Typ Pij :
0 1 1 −2 7 0 −1 5 0 2
· = ,
1 0 −1 5 0 2 1 −2 7 0
1 0 0 0
1 −2 7 0 0 0 0 1 1 0 7 −2
·
0 0 1 0 =
.
−1 5 0 2 −1 2 0 5
0 1 0 0
iii) Mit Hilfe von Elementarmatrizen vom Typ Sk (λ) kann man Zeilen- bzw.
Spaltenoperationen vom Typ (ZIII) bzw. (SIII) beschreiben:
1 0 0 −1 0 3 −1 0 3
0 λ 0 · 2 −4 1 = λ · 2 −λ · 4 λ · 1 ,
0 0 1 1 5 0 1 5 0
−1 0 3 1 0 0 −1 0 3·λ
2 −4 1 · 0 1 0 = 2 −4 1 · λ .
1 5 0 0 0 λ 1 5 0
Beweis. i)=⇒ii)“. Wenn fA ein Isomorphismus ist, dann gibt es eine lineare
”
Abbildung g : Kn −→ Kn mit g ◦ f = IdKn = f ◦ g sowie eine (n × n)-Matrix B ∈
Mat(n; K) mit g = fB . Mit der Injektivität der Abbildung Ψn,n (s. Beobachtung
IV.1.1) folgert man aus
fB·A = fB ◦ fA = IdKn = fEn ,
dass B · A = En . Die Gleichung A · B = En erhält man genauso.
ii)=⇒i)“. Es gilt
”
fA ◦ fB = fA·B = fEn = IdKn und fB ◦ fA = fB·A = fEn = IdKn .
106
IV.1. Das Matrixprodukt
Damit ist fA nach Bemerkung III.5.9 bijektiv und somit ein Isomorphismus
(Definition III.5.10).
i)⇐⇒iii)“. Nach Folgerung III.5.41, iii), ist fA genau dann ein Isomorphis-
”
mus, wenn fA surjektiv ist. Letzteres ist äquivalent zu Bild(fA) = Kn und somit
zu DimK (Bild(fA )) = n. Die Dimension des Bilds von fA ist gerade der Rang von
A (Definition III.4.12, ii), und III.5.42).
A · B = En = B · A
ii) Die Elementarmatrizen aus Definition IV.1.9 sind invertierbar, und für
die inversen Matrizen gelten die Formeln
Satz IV.1.17. Es seien n ≥ 1 eine natürliche Zahl und A ∈ Mat(n; K) eine inver-
tierbare (n × n)-Matrix.
i) Es gibt eine natürliche Zahl u ≥ 1 und Elementarmatrizen D1, ..., Du, so dass
A = D1 · · · · · Du .
ii) Die Matrix A kann durch eine Folge von Zeilenoperationen vom Typ (ZI),
(ZII) und (ZIII) in die Einheitsmatrix überführt werden.
107
Kapitel IV. Matrizenrechnung
Beweis. i) Eine invertierbare Matrix hat Rang n (Lemma IV.1.13). Nach Folge-
rung IV.1.11 gibt es natürliche Zahlen s, t ≥ 0 und Elementarmatrizen B1 , ..., Bs,
C1 , ..., Ct mit
B1 · · · · · Bs · A · C1 · · · · · Ct = En .
Es ergibt sich
A = B−1 −1 −1 −1
s · · · · · B1 · Ct · · · · · C1 .
ii) Aus der gerade bewiesenen Darstellung von A leiten wir
C1 · · · · · Ct · B1 · · · · · Bs · A = En
ab. Da die Linksmultiplikation mit einer Elementarmatrix einer Zeilenoperation
entspricht, ergibt sich die Behauptung.
Berechnung der inversen Matrix. — Teil i) des Satzes zeigt uns auch, wie wir
die inverse Matrix ermitteln können. Dazu seien n ≥ 1 eine natürliche Zahl und
A ∈ Mat(n; K) eine invertierbare (n × n)-Matrix. Wir bilden die (n × 2n)-Matrix
M := (A|En )
und führen sukzessiv Zeilenoperationen vom Typ (ZI) - (ZIII) aus, so dass A in
die Einheitsmatrix überführt wird. Das Ergebnis sei
M ′ = (En |B).
Dann gilt
B = A−1 .
Beispiel IV.1.18. Wir führen dieses Verfahren für eine (3 × 3)-Matrix mit ratio-
nalen Koeffizienten vor:
Zeilenoperation
0 1 −4 1 0 0
1 2 −1 0 1 0
1 1 2 0 0 1
1 2 −1 0 1 0
I ↔ II 0 1 −4 1 0 0
1 1 2 0 0 1
1 2 −1 0 1 0
III − I 0 1 −4 1 0 0
0 −1 3 0 −1 1
1 2 −1 0 1 0
III + II 0 1 −4 1 0 0
0 0 −1 1 −1 1
1 2 −1 0 1 0
(−1) · III 0 1 −4 1 0 0
0 0 1 −1 1 −1
108
IV.1. Das Matrixprodukt
1 0 7 −2 1 0
I − 2 · II 0 1 −4 1 0 0
0 0 1 −1 1 −1
1 0 0 5 −6 7
I − 7 · III 0 1 −4 1 0 0
0 0 1 −1 1 −1
1 0 0 5 −6 7
II + 4 · III 0 1 0 −3 4 −4
0 0 1 −1 1 −1 .
Zur Probe berechnen wir:
0 1 −4 5 −6 7 1 0 0
1 2 −1 · −3 4 −4 = 0 1 0 .
1 1 2 −1 1 −1 0 0 1
Die allgemeine lineare Gruppe. — In Definition III.5.30 haben wir die all-
gemeine lineare Gruppe eines Vektorraums eingeführt. Wir können jetzt die
entsprechende Gruppe für Matrizen definieren. Es sei n ≥ 1 eine natürliche
Zahl. Man definiere
GLn (K) := A ∈ Mat(n; K) | A ist invertierbar .
erklärt. Mit Hilfe von Satz IV.1.6, iii), sieht man ein:
Satz IV.1.19. Die Menge GLn (K) zusammen mit dem Matrixprodukt ist eine Grup-
pe.
Definition IV.1.20. Die Gruppe GLn (K) wird als allgemeine lineare Gruppe be-
zeichnet.
109
Kapitel IV. Matrizenrechnung
gilt, ist die Darstellungsmatrix für f bzgl. der durchnummerierten Basen B und
C.
Schreibweise. MBC (f) := A.
ii) Es seien V, W, B, C wie in Teil i). Zusätzlich sei eine (m × n)-Matrix A
gegeben. Die lineare Abbildung
g◦f = l◦h
erfüllt ist.
Bemerkungen IV.1.22. i) Die Matrix MBC (f) ist durch die Bedingung, dass das
Diagramm
f
V W
ΦB ΦC
fMB (f)
C
Kn Km
kommutieren soll, festgelegt.
ii) Entsprechend ist die lineare Abbildung LBC (A) durch das kommutative
Diagramm
LB
C (A)
V W
ΦB ΦC
fA
Kn Km
bestimmt.
110
IV.1. Das Matrixprodukt
LB
C (A)
V W
ΦB ΦC .
fA
Kn Km
Beweis. Mit Satz III.5.32, i), und Definition IV.1.21, i), ergibt sich für einen
Index j ∈ { 1, ..., n }:
(ΦC ◦ f ◦ Φ−1 −1
B )(ej ) = (ΦC ◦ f) ΦB (ej ) = (ΦC ◦ f)(bj ) = ΦC f(bj )
Xm Xm
= ΦC aij · ci = aij · ΦC (ci )
i=1 i=1
m
X a1j
= aij · ei = ... .
i=1 amj
111
Kapitel IV. Matrizenrechnung
= ΦC ◦ f ◦ Φ−1 −1
B + ΦC ◦ g ◦ ΦB = fMB
C (f)
+ fMBC (g) = fMBC (f)+MBC (g) .
112
IV.1. Das Matrixprodukt
Hier haben wir zunächst die Distributivgesetze aus Satz III.5.24 verwendet.
Im letzten Schritt haben wir die Linearität von Ψm,n benutzt (s. Beobachtung
IV.1.1). Die Injektivitätsaussage in dieser Beobachtung zeigt MBC (f+g) = MBC (f)+
MBC (g). Entsprechend weist man nach, dass MBC (λ · f) = λ · MBC (f) für λ ∈ K und
f ∈ HomK (V, W) gilt.
Für die Überprüfung der Linearität von LBC kann man analog vorgehen. Man
kann aber auch benutzen, dass LBC als Umkehrabbildung einer linearen Abbil-
dung linear ist (Satz III.5.8).
Schließlich gilt nach Definition IV.1.21, i):
= (ΦB ◦ f ◦ Φ−1 −1
B ) ◦ (ΦB ◦ g ◦ ΦB ) = fMB
B (f)
◦ fMBB (g) = fMBB (f)·MBB (g) .
Die letzte Gleichung folgt dabei aus Bemerkung IV.1.3, i). Für LBB geht man
analog vor.
TBB′ := ΦB ′ ◦ Φ−1 n n
B : K −→ K ,
fSB ′ = TBB′ .
B
Bemerkung IV.1.27. In der Notation von Definition IV.1.21, i), ist SBB ′ die Dar-
stellungsmatrix der Identität bzgl. der Basen B und B ′ .
113
Kapitel IV. Matrizenrechnung
verbunden.
Beweis. Vermöge Satz IV.1.25 lässt sich diese Aussage über Matrizen in eine
Aussage über lineare Abbildungen übersetzen. Dazu berechnen wir
′
ΦC ′ ◦ f ◦ Φ−1 −1 −1 −1 C −1 B
B ′ = (ΦC ′ ◦ ΦC ) ◦ (ΦC ◦ f ◦ ΦB ) ◦ (ΦB ◦ ΦB ′ ) = TC ′ ◦ (ΦC ◦ f ◦ ΦB ) ◦ TB .
114
IV.1. Das Matrixprodukt
g = fMBC (f) .
g = ΦC ◦ f ◦ Φ−1 −1 −1
B = fS ◦ (ΦC ′ ◦ f ◦ ΦB ′ ) ◦ (fT −1 ) .
115
Kapitel IV. Matrizenrechnung
Es folgt
−1
0 1 0 −1
SCC ′ = = .
−1 0 1 0
Es seien
1 3 2
A :=
0 1 2
und fA : Q3 −→ Q2 die zugehörige lineare Abbildung. Dann haben wir MBC (fA ) = A
und
′ ′
MBC ′ (fA ) = SCC ′ · MBC (fA ) · SBB
1 1 1
0 −1 1 3 2
= · · 0 1 1
1 0 0 1 2
0 0 1
1 1 1
0 −1 −2
= · 0 1 1
1 3 2
0 0 1
0 −1 −3
= .
1 4 6
1
B′ 1
Die Matrix MC ′ (fA ) gibt an, dass der Vektor 0 unter fA auf abgebildet
0
0
1
wird, 1 auf
0
0 1 4
− +4· =
−1 0 1
1
und 1 auf
1
0 1 6
−3 · +6· = .
−1 0 3
In der Tat gilt
1 1
1 3 2 1 1 3 2 4
· 0 = , · 1 =
0 1 2 0 0 1 2 1
0 0
und
1
1 3 2 6
· 1 = .
0 1 2 3
1
116
IV.1. Das Matrixprodukt
Aufgabe IV.1.32.
Es seien A = (aij ) i=1,...,l ∈ Mat(l, m; K), B = (bjk ) j=1,...,m ∈ Mat(m, n; K) und A · B =
j=1,...,m k=1,...,n
(cik ) i=1,...,l ∈ Mat(l, n; K) mit
k=1,...,n
m
X
cik := aij · bjk , i = 1, ..., l, k = 1, ..., n. (IV.3)
j=1
Benutzen Sie die Formel (IV.3), um die folgenden Regeln für das Matrix-Produkt
zu überprüfen. Für alle A, A′ ∈ Mat(l, m; K), alle B, B′ ∈ Mat(m, n; K), alle C ∈
Mat(n, p; K) und alle λ ∈ K gilt:
1. A · (B + B′ ) = A · B + A · B′ ,
2. (A + A′ ) · B = A · B + A′ · B,
3. A · (λ · B) = (λ · A) · B = λ · (A · B) und
4. (A · B) · C = A · (B · C).
Aufgabe IV.1.33.
Es sei (R, +, ·) ein nicht notwendigerweise kommutativer Ring (s. Definition
II.3.1, i). Ein Element r ∈ R ist eine Einheit, wenn es ein Element s ∈ R mit
r·s =1=s·r
· : R⋆ × R⋆ −→ R⋆
(r, s) 7−→ r · s
117
Kapitel IV. Matrizenrechnung
Aufgabe IV.1.35.
a) Bestimmen Sie Elementarmatrizen B1 , ..., Bs ∈ Mat(4; Q) und C1 , ..., Ct ∈ Mat(5;
Q), für die
ERg(A) 0
B1 · · · · · Bs · A · C1 · · · · · Ct =
0 0
gilt. Dabei sei
0 2 8 −5 3
−2 3 7 − 132 3
A :=
2 −3 −6 11
2
1 .
2
− 2
1 −1 − 32 2 0
b) Zeigen Sie, dass die reelle Matrix
1
0 2
−2 0
−2 0 1 − 27
A :=
2 −1
4 − 12
−4 1 −3 −2
invertierbar ist, bestimmen Sie A−1 , und schreiben Sie A als Produkt von Ele-
mentarmatrizen.
Aufgabe IV.1.36.
Es sei K := F5 . Wir definieren
0 1 −1 3
1 −1 −1 8
b1 :=
2 , b2 := −3 ,
b3 :=
0
und b4 :=
12
−1 0 2 −10
sowie
1 0 −2
c1 := −1 , c2 := 1 und c3 := 1 .
0 2 0
a) Schreiben Sie die Vektoren b1 , b2, b3, b4 , c1, c2 und c3 mit Einträgen der Form
a, 0 ≤ a < 5, und zeigen Sie, dass B = { b1, b2 , b3, b4 } und C = { c1, c2 , c3 } durch-
nummerierte Basen für K4 bzw. K3 sind.
b) Es sei
1 3 0 2
A := 0 4 2 1 .
2 0 4 3
Berechnen Sie MBC (fA ). Schreiben Sie die Koeffizienten dabei wieder in der Form
a, 0 ≤ a < 5.
118
IV.2. Dualräume
IV.2 Dualräume
Definitionen IV.2.1. i) Es sei V ein K-Vektorraum. Dann nennt man den K-
Vektorraum
V ∨ := HomK (V, K)
den Dualraum von V.
ii) Es seien V, W Vektorräume über dem Körper K und f : V −→ W eine lineare
Abbildung. Die Abbildung
ft : W ∨ −→ V ∨
l 7−→ l ◦ f
(λ · l) ◦ f = λ · (l ◦ f) und (l + l ′ ) ◦ f = l ◦ f + l ′ ◦ f.
iii) Offenbar hat man die Formel IdtV = IdV ∨ . Somit findet man mit ii)
ψ : V ∨ −→ Abb(B, K)
l|B : B −→ K
l 7−→
b 7−→ l(b)
119
Kapitel IV. Matrizenrechnung
fi : B −→ K
1, b = bi
b 7−→ , i = 1, ..., n,
0, sonst
nach Beispiel III.4.3, iv), eine Basis für Abb(B, K). Somit ist Bt = { b1 , ..., bn } mit
bi := ψ−1 (fi ), i = 1, ..., n, eine durchnummerierte Basis für V ∨ .
Bemerkung IV.2.3. Die Basis Bt = { b1 , ..., bn } ist durch die Bedingung
charakterisiert.
Definitionen IV.2.4. i) Die Basis Bt von V ∨ ist die zu B duale Basis von V ∨ .
ii) Es sei A = (aij ) i=1,...,m ∈ Mat(m, n; K) eine (m × n)-Matrix. Die Matrix
j=1,...,n
ist
−1 2
2 7
At =
5 −10 .
0 8
120
IV.2. Dualräume
Beweis. Es sei MBC (f) = (aij) i=1,...,m . Für j = 1, ..., m und i = 1, ..., n berechnen wir
j=1,...,n
m
! m
X X
t j j j
f (c )(bi ) = c f(bi ) = c aki · ck = aki · cj (ck ) = aji .
k=1 k=1
Ct
Damit ist die j-te Spalte von M (ft ) durch
Bt
aj1
..
.
ajn
(A · B)t = Bt · At .
ii) Für eine natürliche Zahl n ≥ 1 und eine invertierbare Matrix A ∈ Mat(n; K)
gilt die Formel
(At )−1 = (A−1 )t .
121
Kapitel IV. Matrizenrechnung
Rg(f) = r.
gilt. Damit haben wir einen weiteren Beweis für Folgerung III.5.41, iv), gefun-
den. Umgekehrt können wir den obigen Satz auch aus dieser Folgerung ablei-
ten.
Aufgabe IV.2.10.
a) Zeigen Sie, dass die Vektoren
−4 0, 5 1
b1 := 2, 5 , b2 := 0 und b3 := 2
−1 4 0
122
IV.3. Die symmetrische Gruppe
Ψ : Abb(N, R) −→ V ∨
gibt, so dass
∀i ∈ N∀(an )n∈N ∈ Abb(N, R) : Ψ (an )n∈N (ei ) = ai .
heißt die symmetrische Gruppe von A. Ein Element σ ∈ Sn wird als Permutation
bezeichnet.
Schreibweise. Eine Permutation σ ∈ Sn wird in der Form
1 2 ··· n
σ(1) σ(2) · · · σ(n)
aufgeschrieben.
123
Kapitel IV. Matrizenrechnung
124
IV.3. Die symmetrische Gruppe
125
Kapitel IV. Matrizenrechnung
Beweis. i) Wir haben f(e) = f(e · e) = f(e) · f(e). Durch Multiplikation dieser
Gleichung mit f(e)−1 gelangen wir zu e = f(e).
ii) Hier beobachten wir e = f(e) = f(x · x−1 ) = f(x) · f(x−1 ), x ∈ G.
Beweis von Satz IV.3.6. Wir beweisen die Aussage durch Induktion über n. In
S2 gibt es lediglich die Transposition τ12 und die Identität, welche Produkt von
0 Transpositionen ist.
Im Induktionsschritt n −→ n + 1 verwenden wir den Homomorphismus ιn
aus Beispiel IV.3.8, ii). Er bildet Transpositionen auf Transpositionen ab:
τσ(n+1)n+1 · σ = σ ′ = τ1 · · · · · τk .
Bemerkungen und Beispiele IV.3.10. i) Wir wenden das Verfahren aus dem Be-
weis auf die Permutation
1 2 3 4
σ= ∈ S4
2 4 3 1
Es folgt
σ = τ14 ◦ τ12 .
126
IV.3. Die symmetrische Gruppe
ii) Die Darstellung als Produkt von Transpositionen ist nicht eindeutig. Wir
können ein gegebenes Produkt von Transpositionen z.B. mit τ12 · τ12 multiplizie-
ren, ohne das Ergebnis zu ändern. Es gibt aber auch kompliziertere Phänome-
ne. In S4 gilt z.B.
1 2 3 4 1 2 3 4 1 2 3 4
τ12 ◦ τ23 ◦ τ12 = · ·
2 1 3 4 1 3 2 4 2 1 3 4
1 2 3 4 1 2 3 4
= ·
2 1 3 4 3 1 2 4
1 2 3 4
= = τ13 .
3 2 1 4
ϕ : Sn −→ S(B)
σ 7−→ (bi 7−→ bσ(i) , i = 1, ..., n)
e B : Sn −→ EndK (V)
ϕ
σ 7−→ FBσ .
Nach Konstruktion ist die lineare Abbildung FBσ : V −→ V durch die Bedingung
ϕB : Sn −→ GL(V)
σ 7−→ FBσ
127
Kapitel IV. Matrizenrechnung
ψB : Sn −→ GLn (K)
σ 7−→ MBB (FBσ )
Satz IV.3.6 zeigt, dass ψB durch diese Bedingung eindeutig bestimmt ist. Es
folgt, dass ψB nicht von V oder B abhängt. Die symmetrische Gruppe lässt sich
somit als Untergruppe der allgemeinen linearen Gruppe auffassen.
Schreibt man eine Permutation als Produkt von Transpositionen, dann ist
zwar die Anzahl der auftretenden Transpositionen nicht wohldefiniert, wohl
aber deren Parität.8 Das wird sich in Beobachtung IV.3.17 aus den allgemeinen
Eigenschaften der Vorzeichenabbildung ergeben.
ii) Ein Fehlstand von σ ist ein Paar (i, j) mit 1 ≤ i < j ≤ n und σ(i) > σ(j).
Dann ist
σ(2) : M −→ M
(i, j) 7−→ σ(i), σ(j)
(i, j) ∼ (i ′ , j ′) :⇐⇒ (i = i ′ ∧ j = j ′ ) ∨ (i = j ′ ∧ j = i ′ )
8
Die Parität einer natürlichen Zahl ist deren Eigenschaft, gerade oder ungerade zu sein.
128
IV.3. Die symmetrische Gruppe
und somit
Sign(σ) ∈ {±1}.
ii) Zusammen mit der Verknüpfung
· 1 −1
1 1 −1
−1 −1 1
bildet die Menge {±1} eine Gruppe.
Lemma IV.3.13. Es seien n ≥ 2 eine natürliche Zahl, σ ∈ Sn eine Permutation
und
m := # (i, j) ∈ { 1, ..., n } × { 1, ..., n } (i, j) ist Fehlstand von σ
die Anzahl der Fehlstände von σ. Dann gilt
Sign(σ) = (−1)m .
Beweis. Wir berechnen
Y σ(j) − σ(i) Y σ(j) − σ(i)
= (−1)m ·
1≤i<j≤n
j−i 1≤i<j≤n
j−i
Y
σ(j) − σ(i)
1≤i<j≤n
= (−1)m · Y = (−1)m .
(j − i)
i≤i<j≤n
Bei der letzten Umformung haben wir Bemerkung IV.3.12, i), verwandt.
Satz IV.3.14. Es sei n ≥ 2 eine natürliche Zahl. Dann ist die Abbildung
Sign : Sn −→ {±1}
σ 7−→ Sign(σ)
ein Gruppenhomomorphismus.
129
Kapitel IV. Matrizenrechnung
Das zweite Produkt ergibt nach Definition IV.3.11, i), Sign(σ ′ ). Die Gleichung
Y σ σ ′ (j) − σ σ ′ (i) Y σ(j) − σ(i)
= = Sign(σ)
1≤i<j≤n
σ ′ (j) − σ ′ (i) 1≤i<j≤n
j−i
130
IV.3. Die symmetrische Gruppe
Lemma IV.3.18. Es sei n ≥ 2 eine natürliche Zahl. Dann ist An eine Untergruppe
von Sn mit n!/2 Elementen.
Beweis. Die Identität e ∈ Sn ist offenbar eine gerade Permutation. Es sei σ ∈
An . Mit Beobachtung IV.3.9, ii), und Satz IV.3.14 berechnen wir Sign(σ−1 ) =
Sign(σ)−1 = 1−1 = 1. Es folgt σ−1 ∈ An . Schließlich seien σ, σ ′ ∈ An zwei gerade
Permutationen. Wir haben Sign(σ · σ ′ ) = Sign(σ) · Sign(σ ′ ) = 1 · 1 = 1, so dass
σ · σ ′ ∈ An .
Nach Definition gilt
Sn = An ⊔ Un ,
so dass insbesondere
n! = #Sn = #An + #Un .
Es sei τ := τ12 . Nach Aufgabe II.2.10 ist die Abbildung
Lτ : Sn −→ Sn
σ 7−→ τ ◦ σ
bijektiv. Sie bildet An auf Un ab. Folglich gilt
#Sn
#An = #Un = ,
2
und der zweite Teil der Behauptung ist ebenfalls bewiesen.
Nach Bemerkung II.2.8, i), ist An selber eine Gruppe.
Definition IV.3.19. Es sei n ≥ 2 eine natürliche Zahl. Die Gruppe An wird
alternierende Gruppe genannt.
Beobachtung IV.3.20. Die alternierende Gruppe An ist genau dann abelsch,
wenn n ∈ { 2, 3 }.
Beweis. Die Gruppe A2 umfasst lediglich ein Element und ist damit trivialer-
weise abelsch. Nach Lemma IV.3.18 gilt #A3 = 3. Die Betrachtungen in Be-
merkung II.2.6, iii), zeigen, dass jede Gruppe mit drei Elementen abelsch ist.
Schließlich sei n ≥ 4. Der in Beispiel IV.3.8, ii), betrachtete injektive Gruppen-
homomorphismus
ιn : Sn −→ Sn+1
bildet An nach An+1 ab. Es genügt daher nachzuweisen, dass A4 nicht abelsch
ist. Die Elemente
1 2 3 4 1 2 3
1 2 3 4 4
= · ,
2 3 1 4 1 3 2
2 1 3 4 4
1 2 3 4 1 2 3 4 1 2 3 4
= ·
1 3 4 2 1 3 2 4 1 2 4 3
131
Kapitel IV. Matrizenrechnung
sind als Produkte von jeweils zwei Transpositionen gerade, d.h. in A4 enthalten.
Wir haben
1 2 3 4 1 2 3 4 1 2 3 4
· = ,
2 3 1 4 1 3 4 2 2 1 4 3
1 2 3 4 1 2 3 4 1 2 3 4
· = .
1 3 4 2 2 3 1 4 3 4 1 2
IV.4 Determinanten
Bereits in Abschnitt I.1 haben wir mit der Determinante einer (2 × 2)-Matrix
gearbeitet. Jetzt möchten wir das analoge Konzept für (n × n)-Matrizen für be-
liebige natürliche Zahlen n ≥ 1 entwickeln.
Schreibweise. Es seien
132
IV.4. Determinanten
1. Für j ∈ { 1, ..., n } ist Det linear in der j-ten Zeile, d.h. für λ ∈ K und
Zeilenvektoren z1 , ..., zn, zj′, zj′′ ∈ ZKn hat man:
z1 z1
.. ..
. .
zj−1 zj−1
a) Det
λ · zj = λ · Det zj ;
zj+1 zj+1
.. ..
. .
zn zn
z1 z1 z1
.. .. ..
. . .
zj−1 zj−1 zj−1
′
b) Det zj + zj = Det zj + Det
′′ ′
zj′′
.
zj+1 zj+1 zj+1
.. .. ..
. . .
zn zn zn
2. Die Abbildung Det ist alternierend, d.h. hat A ∈ Mat(n; K) zwei identische
Zeilen, dann folgt Det(A) = 0.
Die folgenden Betrachtungen werden zeigen, dass man ausgehend von den
obigen Axiomen die Determinante jeder Matrix berechnen kann. Daraus folgt
erst einmal, dass es höchstens eine Determinantenabbildung gibt. Später (Satz
IV.4.6) werden wir nachweisen, dass eine Determinantenabbildung existiert.
Satz IV.4.2. Es seien n ≥ 1 eine natürliche Zahl und Det : Mat(n; K) −→ K eine
Determinantenabbildung. Gegeben seien Zeilenvektoren zi = ( ai1 · · · ain ) ∈
ZKn , i = 1, ..., n, und damit die (n × n)-Matrix
z1
A = ... .
zn
133
Kapitel IV. Matrizenrechnung
i) Zeilenoperationen vom Typ (ZI) ändern die Determinante nicht, d.h. für ge-
gebene Indizes 1 ≤ i 6= j ≤ n und eine Zahl λ ∈ K gilt
z1
..
.
zj−1
Det(A) = Det zj + λ · zi .
zj+1
..
.
zn
Beweis. i) Hier berechnet man mit Eigenschaft 1) und 2) aus Definition IV.4.1:
z1 z1 z1
.. .. ..
. . .
zj−1 .. zj−1
.
Det zj + λ · zi = Det
+ Det =
.. λ · zi
zj+1 . zj+1
..
.. ..
. . .
zn zn zn
134
IV.4. Determinanten
z1
..
.
zj−1
= Det(A) + λ · Det
z i
= Det(A).
zj+1
..
.
zn
| {z }
=0, Det alternierend
z1 z1
.. ..
. .
zi−1 zi−1
Det
0 = Det
zj .
zi+1 zi+1
.. ..
. .
zn zn
Die Determinante auf der rechten Seite verschwindet, weil die Matrix zwei iden-
tische Zeilen hat (Definition IV.4.1, 2).
ii) Mit Teil iii) und den Eigenschaften 1) und 2) aus Definition IV.4.1 finden
wir
z1 z1 z1
.. .. ..
. . .
zi−1 zi−1 zi−1
zi + zj zi zj
zi+1 zi+1 zi+1
.. .. ..
0 = Det . = Det . + Det . =
zj−1 zj−1 zj−1
zi + zj zi + zj zi + zj
zj+1 zj+1 zj+1
.. .. ..
. . .
zn zn zn
135
Kapitel IV. Matrizenrechnung
z1 z1 z1 z1
.. .. .. ..
. . . .
zi−1 zi−1 zi−1 zi−1
zi zi zj zj
zi+1 zi+1 zi+1 zi+1
.. .. .. .. .
= Det . + Det . +Det . + Det .
zj−1 zj−1 zj−1 zj−1
zi zj zi zj
zj+1 zj+1 zj+1 zj+1
.. .. .. ..
. . . .
zn zn zn zn
| {z } | {z } | {z }
=0 =Det(A) =0
a) Det(A) = 0,
b) Rg(A) < n.
erfüllt.
136
IV.4. Determinanten
Jetzt beweisen wir Teil i). Wir betrachten zunächst eine (n × n)-Matrix A mit
Rg(A) < n. Nach Satz I.3.3 und IV.1.10 gibt es Elementarmatrizen C1 , ..., Ck ∈
Mat(n; K), so dass sich die Matrix
A ′ = C1 · · · · · Ck · A
Nun widmen wir uns dem Fall einer (n×n)-Matrix A mit Rg(A) = n. Hier gibt
es Elementarmatrizen D1, ..., Du ∈ Mat(n; K) mit A = D1 · · · · · Du (Satz IV.1.17, i),
und die Behauptung liefert
Gilt Rg(A) < n, dann haben wir auch Rg(A · B) < n (Warum?). Mit i) folgt 0 =
Det(A · B) = 0 · Det(B) = Det(A) · Det(B).
137
Kapitel IV. Matrizenrechnung
und
Det : GLn (K) −→ K \ {0}
ist ein Gruppenhomomorphismus.
Mat(n; K) −→ K
X
A = (aij ) i=1,...,n 7−→ Sign(σ) · a1σ(1) · · · · · anσ(n)
j=1,...,n
σ∈Sn
Beweis. Wir verifizieren die Axiome aus Definition IV.4.1, i). Wir beginnnen mit
1, a). Es seien i ∈ { 1, ..., n } ein Index und λ ∈ K eine Zahl. Wir finden
z1
..
.
zi−1
X
Det λ · z
i = Sign(σ) · a1σ(1) · · · · · ai−1σ(i−1) · (λ · aiσ(i) ) · ai+1σ(i+1) · · · · · anσ(n)
zi+1 σ∈Sn
..
.
zn
X
= λ · Sign(σ) · a1σ(1) · · · · · ai−1σ(i−1) · aiσ(i) · ai+1σ(i+1) · · · · · anσ(n)
σ∈Sn
X
= λ· Sign(σ) · a1σ(1) · · · · · ai−1σ(i−1) · aiσ(i) · ai+1σ(i+1) · · · · · anσ(n)
σ∈Sn
= λ · Det(A).
9
Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 - 1716), deutscher Philosoph, Mathematiker uvm.
138
IV.4. Determinanten
2) Es seien 1 ≤ i < j ≤ n Indizes, so dass die i-te und j-te Zeile überein-
stimmen, d.h. aik = ajk , k = 1, ..., n. Man beachte, dass in den Bezeichnungen
von Definition IV.3.16, ii), Un = An · τij gilt. Wie im Beweis von Lemma IV.3.18
schreiben wir
Sn = An ⊔ Un = An ⊔ An · τij .
Dabei haben wir An · τij = { σ · τij | σ ∈ An } gesetzt. Man beachte, dass Sign(σ) = 1
und Sign(σ · τij ) = −1 = −Sign(σ) für jede Permutation σ ∈ An gilt. Wir erhalten
X
Sign(σ) · a1σ(1) · · · · · anσ(n)
σ∈Sn
139
Kapitel IV. Matrizenrechnung
X X
= Sign(σ) · a1σ(1) · · · · · anσ(n) + Sign(σ · τij ) · a1σ(τij (1)) · · · · · anσ(τij (n))
σ∈An σ∈An
X
= a1σ(1) · · · · · anσ(n) − a1σ(τij (1)) · · · · · anσ(τij (n)) .
σ∈An
| {z }
=:Dσ
Beispiele IV.4.7. i) Es sei n = 2. Wir haben S2 = { e, τ12 }. Damit ergibt die Leib-
nizformel
a11 a12
Det = a11 · a22 − a12 · a21 .
a21 a22
Dies ist die Formel, die wir bereits in Definition I.1.2 erklärt hatten.
ii) Für n = 3 schreiben wir gemäß Definition IV.3.16 S3 = A3 ⊔ U3 . Dabei gilt
U3 = τ12 · A3 . Wir haben
1 2 3 1 2 3 1 2 3
A3 = , , ,
1 2 3 2 3 1 3 1 2
1 2 3 1 2 3 1 2 3
U3 = τ12 · A3 = , , .
2 1 3 1 3 2 3 2 1
Diese Formel kann man sich mit der Regel von Sarrus10 merken: Gegeben eine
(3 × 3)-Matrix
a11 a12 a13
A = a21 a22 a23 ,
a31 a32 a33
10
Pierre Frédéric Sarrus (1798 - 1861), französischer Mathematiker.
140
IV.4. Determinanten
summiere die Produkte über die Diagonalen von links oben nach rechts unten
und subtrahiere die Produkte über die Diagonalen von links unten nach rechts
oben. Das Ergebnis ist die Determinante von A.
Für
1 −1 0
A= 2 1 3
0 −2 1
bildet man also
1 −1 0 1 −1
2 1 3 2 1
0 −2 1 0 −2
und erhält
Det(A) = 1 − (−6) − (−2) = 9.
Beweis. Es seien A = (aij ) i=1,...,n und At = (atij) i=1,...,n . Nach Definition IV.2.4, ii),
j=1,...,n j=1,...,n
gilt atij = aji , i, j = 1, ..., n. Die Leibnizformel liefert
X
Det(At ) = Sign(σ) · aσ(1)1 · · · · · aσ(n)n
σ∈Sn
X
= Sign(σ) · a1σ−1 (1) · · · · · anσ−1 (n)
σ∈Sn
X
= Sign(σ−1 ) · a1σ−1 (1) · · · · · anσ−1 (n)
σ∈Sn
X
= Sign(σ−1 ) · a1σ−1 (1) · · · · · anσ−1 (n)
σ−1 ∈Sn
= Det(A).
In der dritten Zeile haben wir die Formel Sign(σ−1 ) = Sign(σ) angewandt.
141
Kapitel IV. Matrizenrechnung
A = D1 · · · · · Du ,
und wir finden mit Folgerung IV.2.7, i), und Satz IV.4.4, ii),
ii) Aus der Beobachtung folgt, dass eine Determinantenabbildung auch li-
near in jeder Spalte ist. Ferner impliziert das Verschwinden der Determinante
für Matrizen, deren Rang nicht maximal ist, dass eine Matrix mit zwei identi-
schen Spalten Determinante Null hat. Man hätte die Determinantenabbildung
auch über diese beiden Eigenschaften und Det(En ) = 1, n ≥ 1, charakterisieren
können.
Die Eigenschaften der Determinanten gestatten es uns, auch Determinan-
ten für Endomorphismen zu definieren.
Beweis. Nach Satz IV.1.29 und Eigenschaft IV.1.28, ii), existiert eine invertier-
bare Matrix S ∈ GLn (K), so dass
′
MBB ′ (f) = S · MBB (f) · S−1 .
Deshalb gilt
′
Det MBB ′ (f) = Det S · MBB (f) · S−1 = Det(S) · Det MBB (f) · Det(S−1 ) =
= Det(S) · Det(S−1 ) · Det MBB (f) = Det(S · S−1 ) · Det MBB (f) =
= Det(En ) · Det MBB (f) = Det MBB (f) ,
142
IV.4. Determinanten
Det : GL(V) −→ K
f 7−→ Det(f)
143
Kapitel IV. Matrizenrechnung
e = (e
ii) Die Matrix A aij ) i=1,...,n ∈ Mat(n; K) mit11
j=1,...,n
eij = Det(Aji )
a
Die Matrix Aij in Definition IV.4.13, i), geht aus Aij′ durch Zeilenoperationen von
Typ (ZI) hervor. Nach Satz IV.4.2, i), gilt
Det(Aij ) = Det(Aij′ ).
e = (aij ) i=1,...,n . Mit (IV.1) und Definition IV.4.13, i), haben wir
Es sei A · A
j=1,...,n
n
X n
X n
X
′
aij = ekj =
aik · a aik · Det(Ajk ) = aik · Det(Ajk )=
k=1 k=1 k=1
z1
.. z1
. ..
.
z
n i−1 zi−1
P
= Det
k=1 aik · ek
= Det
zi = δij · Det(A), i, j = 1, ..., n.
zi+1
zi+1
..
.. .
.
zn
zn
11
Man beachte die Reihenfolge der Indizes auf der rechten Seite.
144
IV.4. Determinanten
ft = A
A e t. (IV.4)
e
A·A e · A)t t = (At · A
= (A ft )t = (Det(At )·En )t = (Det(A)·En )t = Det(A)·En .
e t )t = (At · A
Bei diesen Umformungen haben wir Folgerung IV.2.7, i), (IV.4) und das bereits
Bewiesene für die Matrix At benutzt.
d.h. entsteht aus A durch Streichung der i-ten Zeile und j-ten Spalte.
Lemma IV.4.16. Es sei A = (aij ) i=1,...,n ∈ Mat(n; K) eine (n×n)-Matrix. Für Indizes
j=1,...,n
i, j ∈ { 1, ..., n } gilt in den Bezeichnungen von Definition IV.4.13, i), und IV.4.15:
Det(Aij ) = (−1)i+j · Det Sij (A) .
Beweis. Wir erinnern daran, dass die Vertauschung der k-ten und l-ten Zeile
bzw. Spalte in einer (n × n)-Matrix A durch Links- bzw. Rechtsmultiplikation
mit der Matrix Pkl gegeben ist (s. Satz IV.1.10), 1 ≤ k < l ≤ n. Folglich ändert
die Determinante bei jeder Zeilen- oder Spaltenvertauschung das Vorzeichen
(Beispiel IV.4.3 und Satz IV.4.4, ii). Nun formen wir die Matrix
0
..
Aij′
= Sij(A) .
= (aij′ ) i=1,...,n .
0 j=1,...,n
0 ··· 0 1
145
Kapitel IV. Matrizenrechnung
Beweis. i) Es seien A e = (e e =
aij) i=1,...,n die zu A komplementäre Matrix und A · A
j=1,...,n
(aij′ ) i=1,...,n . Dann gilt nach Satz IV.4.14, (IV.1) und Lemma IV.4.16:
j=1,...,n
n
X n
X n
X
Det(A) = aii′ = eji =
aij · a aij · Det(Aij) = (−1)i+j · aij · Det Sij (A) .
j=1 j=1 j=1
146
IV.4. Determinanten
Bemerkung IV.4.18. Die Vorzeichen für die Entwicklung kann man sich als
Schachbrett“ merken, z.B. für eine (5 × 5)-Matrix:
”
+ − + − +
− + − + −
+ − + − + .
− + − + −
+ − + − +
Beispiele IV.4.19. i) Wir bestimmen die Determinante der Matrix
2 −2 3
A := 4 1 2 ∈ Mat(3; Q)
1 5 1
durch Entwicklung nach der zweiten Zeile:
−2 3 2 3 2 −2
Det(A) = −4 · Det + Det − 2 · Det
5 1 1 1 1 5
= −4 · (−2 − 15) + (2 − 3) − 2 · (10 + 2) = 68 − 1 − 24 = 43.
Wir überprüfen das Ergebnis mit der Regel von Sarrus (Beispiel IV.4.7, ii). Dazu
bilden wir
2 −2 3 2 −2
4 1 2 4 1
1 5 1 1 5
und erhalten
Det(A) = 2 − 4 + 60 − 3 − 20 + 8 = 43.
ii) Wir möchten die Determinante der Matrix
4 7 −1 2
2 0 3 −1
B :=
−1 0
∈ Mat(4; Q)
5 2
0 1 −4 1
berechnen. Dazu entwickeln wir nach der zweiten Spalte:
2 3 −1 4 −1 2
Det(B) = −7 · Det −1 5 2 + Det 2 3 −1 .
0 −4 1 −1 5 2
Die auftretenden Determinanten von (3 × 3)-Matrizen ermitteln wir wiederum
mit der Regel von Sarrus: Mit
2 3 −1 2 3
−1 5 2 −1 5
0 −4 1 0 −4
147
Kapitel IV. Matrizenrechnung
finden wir
2 3 −1
Det −1 5 2 = 10 − 4 + 16 + 3 = 25
0 −4 1
und mit
4 −1 2 4 −1
2 3 −1 2 3
−1 5 2 −1 5
4 −1 2
Det 2 3 −1 = 24 − 1 + 20 + 6 + 20 + 4 = 73.
−1 5 2
Zusammengenommen ergibt sich
Det(B) = −7 · 25 + 73 = −102.
Bemerkungen IV.4.20. i) Mit Hilfe der Laplace-Entwicklung kann man die De-
terminante auch rekursiv einführen. Man beginnt mit
Det : Mat(1; K) −→ K
(a) 7−→ a
148
IV.4. Determinanten
Lemma IV.4.21 (Cramersche13 Regel für die Matrixinversion). Gegeben sei eine
invertierbare (n × n)-Matrix A ∈ GLn (K). Dann gilt in den Bezeichnungen von
Definition IV.4.13 und IV.4.15:
!
Det(Aji ) (−1)i+j · Det Sji (A)
A−1 = = .
Det(A) i=1,...,n Det(A) i=1,...,n
j=1,...,n
j=1,...,n
mit der Cramerschen Regel. Dazu ermitteln wir zunächst die Koeffizienten der
e = (e
komplementären Matrix A aij) i=1,...,3 :
j=1,...,3
1 0 0
0 −3
e11 =
a Det 0 0 −3 = Det = 6,
2 5
0 2 5
0 −2 0
−2 0
e12 =
a Det 1 0 0 = −Det = 10,
2 5
0 2 5
0 −2 0
−2 0
e13 =
a Det 0 0 −3 = Det = 6,
0 −3
1 0 0
0 1 0
= −Det 1 −3
e21 =
a Det 1 0 −3 = −2,
−1 5
−1 0 5
1 0 0
1 0
e22 =
a Det 0 1 0 = Det = 5,
−1 5
−1 0 5
1 0 0
= 1 0
e23 =
a Det 1 0 −3 −Det = 3,
1 −3
0 1 0
0 0 1
1 0
e31 =
a Det 1 0 0 = Det = 2,
−1 2
−1 2 0
13
Gabriel Cramer (1704 - 1752), Genfer Mathematiker.
149
Kapitel IV. Matrizenrechnung
1 −2 0
1 −2
e32
a = Det 0 0 1 = −Det = 0,
−1 2
−1 2 0
1 −2 0
1 −2
e33
a = Det 1 0 0 = Det = 2.
1 0
0 0 1
Ferner gilt Det(A) = 10, so dass
6 10 6
1
A−1 = · −2 5 3 .
10
2 0 2
Wenden wir uns nun der Cramerschen Regel für Gleichungssysteme zu. Es
seien A ∈ GLn (K) eine invertierbare (n×n)-Matrix und b ∈ Kn . Das Gleichungs-
system
s1
A · ... = b
sn
hat genau eine Lösung, und zwar
s1
.. −1
. = A · b. (IV.5)
sn
Definition
IV.4.23.
Es seien A = (aij ) ∈ GLn (K) eine invertierbare (n×n)-Matrix
b1
..
und b = . ∈ Kn ein Vektor. Für i = 1, ..., n setzen wir
bn
a11 · · · a1i−1 b1 a1i+1 · · · a1n
.. ,
Bi = ... ..
.
..
.
..
. .
an1 · · · ani−1 bn ani+1 · · · ann
d.h. wir ersetzen die i-te Spalte von A durch den Vektor b.
150
IV.4. Determinanten
Beweis. Mit der Cramerschen Regel für die Berechnung der inversen Matrix
(Lemma IV.4.21) und der Formel für das Matrixprodukt (IV.1) folgt aus (IV.5)
n
X Det(Aji )
si = · bj , i = 1, ..., n.
j=1
Det(A)
Auf der anderen Seite ergibt die Laplace-Entwicklung der Determinante von Bi
nach der i-ten Spalte (Satz IV.4.17, ii)
n
X
Det(Bi ) = (−1)i+j · bj · Det Sji (A) , i = 1, ..., n.
j=1
und gesucht ist die Lösungsmenge L(A, b). Zunächst wird die Determinante
von A mit der Regel von Sarrus (Beispiel IV.4.7, ii) bestimmt:
−1 2 − i 0 −1 2 − i
i 0 −i i 0 ,
1 + 3i i 0 1 + 3i i
also
Jetzt stellen wir die in der Cramerschen Regel benötigten Hilfsmatrizen“ auf
”
und berechnen deren Determinanten ebenfalls mit der Sarrus-Regel:
3 − 2i 2 − i 0 3 − 2i 2 − i 0 3 − 2i 2 − i
B1 = 0 0 −i , 0 0 −i 0 0 ,
1 + 5i i 0 1 + 5i i 0 1 + 5i i
151
Kapitel IV. Matrizenrechnung
−1 3 − 2i 0 −1 3 − 2i 0 −1 3 − 2i
B2 := i 0 −i , i 0 −i i 0 ,
1 + 3i 1 + 5i 0 1 + 3i 1 + 5i 0 1 + 3i 1 + 5i
Aufgabe IV.4.28.
a) Eine (n × n)-Matrix A = (aij) i=1,...,n mit aij = 0 für i > j nennt man obere
j=1,...,n
Dreiecksmatrix. Eine obere Dreiecksmatrix hat also die Form
a11 a12 · · · a1n
0 a22 · · · a2n
A = .. . . . . .. .
. . . .
0 · · · 0 ann
152
IV.4. Determinanten
Beweisen Sie
Det(A) = a11 · · · · · ann .
b) Es seien λ1 , ..., λn ∈ K. Beweisen Sie die Gleichung
1 1 ··· 1
λ1 λ2 · · · λn
Y
2
λ22 · · · λ2n
Det λ1 = (λj − λi ).
.. .. ..
. . . i<j
n−1 n−1 n−1
λ1 λ2 · · · λn
14
Alexandre-Théophile Vandermonde (1735 - 1796), französischer Musiker, Mathematiker
und Chemiker.
153
V
Eigenwerte und -vektoren
In diesem Kapitel werden wir zunächst die Begriffe des Eigenwertes und des
Eigenvektors einführen. Diese Begriffe spielen auch in den Anwendungen eine
große Rolle. An dieser Stelle sei etwa die Quantenmechanik erwähnt, in der
man grob gesprochen mit Eigenwerten und -vektoren eines linearen Operators
auf einem Hilbertraum quantenmechanische Systeme beschreibt. Hierbei wird
mit unendlichdimensionalen Vektorräumen gearbeitet. In der Vorlesung wollen
wir Eigenwerte und -vektoren dazu benutzen, die Struktur eines Endomor-
phismus f eines endlichdimensionalen K-Vektorraums V zu analysieren. Die
Ergebnisse der Analyse werden durch die Jordansche Normalform zusammen-
gefasst.
Generalvoraussetzung. Alle Vektorräume, die wir betrachten, haben mindes-
tens die Dimension 1.
Bemerkung V.1.2. Bei der Relation ∼“ handelt es sich in der Tat um eine Äqui-
”
valenzrelation. Für A ∈ Mat(m, n; K) gilt offenkundig A = Em · A · En = Em · A · En−1 .
Da Em ∈ GLm (K) und En ∈ GLn (K), folgt A ∼ A. Es seien A, B ∈ Mat(m, n; K) und
155
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
A ∼ B. Man wähle Matrizen S ∈ GLm (K) und T ∈ GLn (K) mit B = S · A · T −1 . Wir
erhalten A = (S−1 ) · B · (T −1 )−1 . Es gilt S−1 ∈ GLm (K) und T −1 ∈ GLn (K), so dass wir
B ∼ A schließen. Zu guter Letzt seien A, B, C ∈ Mat(m, n; K) mit A ∼ B und B ∼ C
gegeben. Es gibt also Matrizen S, U ∈ GLm (K) und T, V ∈ GLn (K) mit B = S · A · T −1
und C = U · B · V −1 . Zusammengenommen ergibt sich
C = U · (S · A · T −1 ) · V −1 = (U · S) · A · (T −1 · V −1 ) = (U · S) · A · (V · T )−1 .
Dabei hat man MCC′ (IdW ) ∈ GLm (K) und MBB′ (IdV ) ∈ GLn (K). Damit ist die natürli-
che Motivation für den Äquivalenzbegriff von Matrizen gegeben, und Folgerung
IV.1.30 kann umformuliert werden in:
Satz V.1.3. Eine (m × n)-Matrix A vom Rang r ist äquivalent zu der Matrix
Er 0
.
0 0
Insbesondere sind zwei Matrizen A und B genau dann äquivalent, wenn sie den-
selben Rang haben.
Definition V.1.4. Zwei Matrizen A, B ∈ Mat(n; K) nennt man ähnlich, wenn es
eine Matrix S ∈ GLn (K) mit
B = S · A · S−1
gibt.
Schreibweise. A ≈ B.
Bemerkung V.1.5. Wie in Bemerkung V.1.2 sieht man, dass es sich bei der
Relation ≈“ wirklich um eine Äquivalenzrelation handelt.
”
Der Hintergrund für dieses Problem lässt sich wie folgt verstehen: Wir be-
trachten einen endlichdimensionalen K-Vektorraum V und einen Endomor-
phismus f : V −→ V.
156
V.1. Äquivalenzrelationen auf Matrizen
Problem V.1.6. Diesmal suchen wir eine durchnummerierte Basis B von V, für
die die Matrix
MB (f) := MBB (f)
möglichst einfach wird.
Für zwei durchnummerierte Basen B und B′ von V besteht der Zusammen-
hang
−1
MB′ (f) = MBB′ (idV ) · MB (f) · MBB′ (idV ) .
Es gilt dabei MBB′ (idV ) ∈ GLn (K). Damit ist die Herkunft des Begriffs Ähnlich-
”
keit“ geklärt. Es wird sich herausstellen, dass die Lösung des gerade gestell-
ten Problems wesentlich komplizierter ist als die des Äquivalenzproblems von
Matrizen. Um es zu lösen, muss man eine detaillierte Analyse der Struktur
des Endomorphismus f durchführen. Dies führt uns endlich einmal ein biß-
chen weg von linearen Gleichungssystemen und dem Gauß-Algorithmus (auch
wenn wir ihn wieder einsetzen) und zeigt, dass die Lineare Algebra keine reine
Hilfswissenschaft ist, sondern auch interessante Fragestellungen in sich birgt.
Definitionen V.1.7. i) Es seien V ein K-Vektorraum und f : V −→ V ein Endo-
morphismus. Eine Zahl λ ∈ K wird Eigenwert von f genannt, wenn es einen
Vektor v ∈ V \ {0} gibt, so dass
f(v) = λ · v.
Der Vektor v heißt dann Eigenvektor von f (zum Eigenwert λ).
ii) Es seien n ≥ 1 eine natürliche Zahl und A eine (n × n)-Matrix. Man nennt
eine Zahl λ ∈ K einen Eigenwert der Matrix A, wenn es einen Vektor v ∈ Kn \ {0}
mit
A·v=λ·v
gibt. Der Vektor v heißt Eigenvektor von A (zum Eigenwert λ).
iii) In der Situation von i) bzw. ii) setzen wir
Eig(f, λ) := v ∈ V | f(v) = λ · v = Ker(f − λ · IdV )
bzw. Eig(A, λ) := v ∈ Kn | A · v = λ · v = L(A − λ · En , 0).
Man spricht dabei von dem Eigenraum von f bzw. A (zum Eigenwert λ).
Bemerkungen V.1.8. i) Die Eigenräume Eig(f, λ) bzw. Eig(A, λ) sind lineare Teil-
räume von V bzw. Kn.
ii) Man muss sich den Eigenraum E := Eig(f, λ) des Endomorphismus f als
Teilraum von V vorstellen, der dadurch ausgezeichnet ist, dass E invariant ist,
d.h. f(E) ⊆ E, und dass f auf E besonders einfach operiert, nämlich durch Mul-
tiplikation mit dem Skalar λ. Das anschließende Lemma gibt bereits präzisere
Hinweise darauf, wie Eigenvektoren bei der Lösung von Problem V.1.6 hilfreich
sein können.
157
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
iii) Die Zahl 0 kommt offenbar genau dann als Eigenwert von f vor, wenn f
nicht injektiv ist. Der Eigenraum zum Eigenwert 0 ist nichts anderes als der
Kern der Abbildung f.
158
V.2. Polynome
2
1
=A·
−3
−3
0
1
0
5
3
1
=A · 1 1 1
=A· 1
1
0
1 −3
Die Vektoren und definieren die ausgezeichneten Richtungen in
0 1
R2 , auf denen Multiplikation mit A als Multiplikation mit 2 bzw. 1 wirkt. Die
anderen Richtungen sind nicht invariant, d.h. für
* + * +
1 −3
v∈/ ∪
0 1
gilt A · v ∈
/ hvi (vgl. Abbildung 5.1).
Aufgabe V.1.12.
Beweisen Sie durch vollständige Induktion über n: Gegeben seien ein Vektor-
raum V und ein Endomorphismus f : V −→ V sowie n verschiedene Eigenwerte
λ1 ,...,λn ∈ K von f mit Eigenvektoren vi ∈ V \ {0}, i.e. f(vi ) = λi · vi , i = 1, ..., n. Dann
ist { v1 , ..., vn } eine linear unabhängige Teilmenge von V.
V.2 Polynome
Wir erinnern zunächst an den Ring aus Aufgabe II.3.7, ii). Es sei
159
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
Die Elemente
ej : N −→ K
1, n = j ,
n 7−→
0, sonst
j ∈ N, bilden eine Basis für den K-Vektorraum R. Offenbar haben wir die Regel
ei · ej = ei+j , i, j ∈ N.
mit aj ∈ K, j = 0, ..., n, schreiben. Wir nennen p(t) ein Polynom in der Unbestimm-
ten t. Die Schreibweise p(t) hebt die Unbestimmte t hervor und ist nicht mit
dem Wert von p an einer natürlichen Zahl zu verwechseln. Ferner setzen wir
K[t] := R und sprechen von dem Polynomring in der Unbestimmten t.
Beispiel V.2.1. Wir berechnen eine Summe und ein Produkt von Polynomen:
−∞, a0 = · · · = an = 0
Grad(p) := .
max{ j | aj 6= 0 }, sonst
• ∀n ∈ N: −∞ + n = −∞,
• −∞ + (−∞) = −∞.
160
V.2. Polynome
Beweis. Es seien
p = an t n + · · · + a1 t + a0
q = bm t m + · · · + b1 t + b0
mit an 6= 0 und bm 6= 0, so dass Grad(p) = n und Grad(q) = m. Wir können
sicherlich m ≤ n voraussetzen.
Zu a). Wir erhalten p + q = an tn + · · · + am+1 tm+1 + (am + bm )tm + · · · + (a1 + b1 )t +
(a0 + b0 ). Damit gilt Grad(p + q) ≤ n. Wir weisen darauf hin, dass <“ genau
”
dann auftritt, wenn m = n und am + bm = 0 gilt.
Zu b). Es gilt p · q = an bm tn+m + · · · + (a0 b1 + a1 b0 )t + a0 b0 . Da an bm 6= 0, gilt
Grad(p · q) = m + n.
Satz V.2.4 (Division mit Rest). Es seien p, q ∈ K[t] Polynome. Dann gibt es
eindeutig bestimmte Polynome s und r mit Grad(r) < Grad(p), so dass
q = p · s + r.
Definition V.2.5. Gilt in der Situation des Satzes r = 0, dann sagen wir, dass p
das Polynom q teilt und schreiben p|q.
Beweis von Satz V.2.4. Für Grad(p) > Grad(q) gilt s = 0 und r = q. Anstatt den
Beweis auszuführen, geben wir ein Beispiel an:
(2t5 − 5t4 + 7t3 + 2t2 + 8t − 5) : (t2 − 3t + 5) = 2t3 + t2 + (−3)
−(2t5 − 6t4 + 10t3 ) Rest (−t + 10)
t4 − 3t3 + 2t2 Übertrag
−(t4 − 3t3 + 5t2 )
−3t2 + 8t − 5
−(−3t2 + 9t − 15)
−t + 10.
Der obige Satz wird z.B. in [9], Satz A.1.5, bewiesen.
Definitionen V.2.6. i) Es sei p = an tn + an−1 tn−1 + · · · + a1 t + a0 ∈ K[t]. Wir
definieren
fp : K −→ K
λ 7−→ an λn + an−1 λn−1 + · · · + a1 λ + a0 .
Die Abbildung fp heißt die zu p gehörige Polynomabbildung.
Schreibweise. p(λ) := fp (λ).2
2
Die Definition der Polynome über Abbildungen von N nach K erfolgte nur aus formalen
Gründen und kann für das Weitere vergessen werden. In diesem Sinne führt die mißbräuchli-
che Schreibweise p(λ) hoffentlich nicht zur Verwirrung.
161
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
Satz V.2.7. i) Die Zuordnung F : K[t] −→ Abb(K, K), p 7−→ fp , ist K-linear.
ii) Für λ ∈ K und Polynome p, q ∈ K[t] gilt fp·q (λ) = fp (λ) · fq (λ).
iii) Wenn K unendlich viele Elemente enthält, dann ist F injektiv.
Beweis. Teil i) und ii) sind durch einfache Rechnungen leicht nachzuprüfen.
Auf Punkt iii) kommen wir im Anschluss an den Beweis von Satz V.2.12 zu
sprechen.
Bemerkung V.2.8. Es sei K = { λ1 , ..., λs } ein Körper mit nur endlich vielen Ele-
menten. Das Polynom p := (t − λ1 ) · · · · · (t − λs ) ist nicht das Nullpolynom, aber
es gilt offensichtlich fp (λ) = 0 für alle λ ∈ K. Damit ist F, wie im letzten Satz
definiert, nicht injektiv.
Für K = F2 erhält man z.B. p = t · (t − 1) = t · (t + 1) = t2 + t. Dabei ist
p(0) = 0 + 0 = 0 und p(1) = 1 + 1 = 0.
Definition V.2.9. Es sei p ∈ K[t] ein Polynom. Eine Zahl λ ∈ K wird Nullstelle
von p genannt, wenn p(λ) = 0.
Lemma V.2.10. Wenn λ eine Nullstelle des Polynoms p ∈ K[t] ist, dann gilt (t −
λ)|p. Es gibt also ein Polynom s vom Grad Grad(p) − 1, so dass p = (t − λ) · s.
Beweis von Lemma V.2.10. Wir führen die Division mit Rest durch: p = (t − λ) ·
s + r. Da Grad(r) < Grad(t − λ) = 1, muss r ∈ K gelten, und aus 0 = p(λ) =
(λ − λ) · s(λ) + r = r folgt r = 0.
Satz V.2.12. Es sei p ∈ K[t] ein Polynom mit Grad(p) =: n ≥ 0 und den (ver-
schiedenen) Nullstellen λ1 , ..., λm, m ≥ 0. Dann gibt es ein Polynom q ∈ K[t] ohne
Nullstellen, so dass
p = (t − λ1 )l1 · · · · · (t − λm )lm · q. (V.1)
Dabei haben wir li := µ(p, λi), i = 1, ..., m, gesetzt. Insbesondere hat p höchtens n
mit Vielfachheiten gezählte Nullstellen.
162
V.2. Polynome
163
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
Beispiel V.2.17 (Polynome vom Grad zwei). Es sei p = at2 + bt + c ∈ C[t] ein
Polynom vom Grad zwei, i.e. a 6= 0. Die Nullstellen λ1 und λ2 ∈ C werden nach
der Formel
√
−b ± b2 − 4ac
λ1/2 = (V.2)
2a
berechnet. Dabei überlegt man sich leicht, dass jede komplexe Zahl eine Wurzel
besitzt (s. Aufgabe II.3.6).
Für a, b, c ∈ R beachte man, dass gilt:
λ1 ∈ R ⇐⇒ λ2 ∈ R ⇐⇒ b2 − 4ac ≥ 0.
Dabei ist b2 − 4ac = 0 gleichbedeutend mit der Tatsache, dass p eine Nullstelle
der Vielfachheit zwei besitzt (die automatisch reell ist). In jedem Fall hat p zwei
Nullstellen (mit Vielfachheiten gezählt) im Körper C.
• Wenn p keine Nullstelle hat, dann gibt es keine solche Zerlegung, und
wir sind fertig. Ansonsten bestimme man eine Nullstelle λ von p. (Dies ist
natürlich ein schwieriges Problem. Für die Vorlesung, die Übungsaufga-
ben und die Klausur beschränken wir uns hierzu auf das Eins-Zwei-Drei-
”
Verfahren“, d.h. wir überprüfen, ob ±1, ±2 oder ±3 vielleicht Nullstellen
von p sind.) Wir bilden p = (t − λ) · s.
• Nun stelle man fest, ob s eine Nullstelle besitzt. Falls nicht, brechen wir
ab. Ansonsten bestimmen wir eine Nullstelle λ′ und bilden s = (t − λ′ ) · s′ ,
d.h. p = (t − λ) · (t − λ′ ) · s′ .
• Dieses Verfahren wird so lange iteriert, bis man sieht, dass keine weiteren
Nullstellen vorkommen oder man ein Polynom vom Grad eins hat.
Man beachte, dass man über dem Körper der komplexen Zahlen C für ein
Polynom vom Grad 2 die Nullstellen mit (V.2) bestimmen kann.
164
V.2. Polynome
165
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
• (Skalarmultiplikation).
·s : R × Mat(m, n; R) −→ Mat(m, n; R)
r, (aij) i=1,...,m 7−→ (r · aij ) i=1,...,m .
j=1,...,n j=1,...,n
• (Matrixmultiplikation).
·m : Mat(l, m; R) × Mat(m, n; R) −→ Mat(l, n; R)
!
m
X
(aij ) i=1,...,l , (bij) i=1,...,m 7−→ aik · bkj .
j=1,...,m j=1,...,n
k=1 i=1,...,l
j=1,...,n
• (Determinantenabbildung).
Det : Mat(n; R) := Mat(n, n; R) −→ R
X
A = (aij) i=1,...,n 7−→ Sign(σ) · a1σ(1) · · · · · anσ(n) .
j=1,...,n
σ∈Sn
iii) Wie für einen Körper erklärt man so genannte Elementarmatrizen Si (a),
Qij (a), Pij , a ∈ R, 1 ≤ i 6= j ≤ n (vgl. Definition IV.1.9).
Eigenschaften V.3.2. i) Für (Mat(m, n; R), +, ·s) sind die Vektorraumaxiome (De-
finition III.1.1) sinngemäß erfüllt.3
ii) (Mat(n; R), +, ·m) ist ein Ring.
iii) Alle Eigenschaften der Determinante, die mit Hilfe der Leibniz-Formel be-
wiesen werden, bleiben gültig. Insbesondere gilt:
3
Man spricht in diesem Zusammenhang von einem R-Modul.
166
V.3. Charakteristische Polynome
Bemerkung V.3.3. Bei allem, was mit multiplikativen Inversen und Invertieren
zu tun hat, muss man vorsichtig sein. Z.B. gilt für die Elementarmatrix S1(2) ∈
Mat(n; Z) zwar Det(S1(2)) = 2 6= 0, dennoch ist S1 (2) nicht invertierbar, d.h. es
gibt keine Matrix T ∈ Mat(n; Z) mit T · S1 (2) = En . Dies hängt natürlich mit der
Tatsache zusammen, dass 2 in Z nicht invertierbar ist (vgl. Aufgabe V.3.20).
Bemerkung V.3.5. Mit der Leibniz-Formel überlegt man sich, dass das charak-
teristische Polynom von A die Gestalt
χA (t) = χB (t).
167
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
Beweis. Nach Definition V.1.4 gibt es eine Matrix S ∈ GLn (K) mit B = S · A · S−1 .
Damit erhält man
Da S nach Satz IV.1.17 ein Produkt von Elementarmatrizen ist, gilt nach Glei-
chung (V.3)
−1
χB (t) = Det(t · En − B) = Det S · (t · En − A) · S
= Det(S) · Det(t · En − A) · Det(S−1)
= Det(S) · Det(S−1 ) · χA (t) = χA (t).
fχA (t) : K −→ K
λ 7−→ Det(λ · En − A).
Auf Grund der Eigenschaften der Determinante sind folgende Aussagen äqui-
valent:
b) Det(λ · En − A) = 0.
d) Rg(λ · En − A) < n.
e) L(λ · En − A, 0) 6= {0}.
f) Ker(fλ·En −A ) 6= {0}.
g) ∃v ∈ Kn \ {0} : 0 = (λ · En − A) · v = λ · (En · v) − A · v = λ · v − A · v.
Satz V.3.8. Die Eigenwerte einer Matrix A ∈ Mat(n; K) sind die Nullstellen des
charakteristischen Polynoms χA (t).
168
V.3. Charakteristische Polynome
Bemerkung V.3.9. Satz V.3.8 gibt uns einen wichtigen Ansatz zur Berechnung
der Eigenwerte einer gegebenen Matrix. Aus Lemma V.3.6 und Satz V.3.8 er-
gibt sich z.B., dass ähnliche Matrizen dieselben Eigenwerte haben. (Dies kann
man sich allerdings auch mit elementaren Methoden überlegen (vgl. Bemer-
kung V.3.17).)
Das folgende Ergebnis beantwortet die Frage, welche Polynome als charak-
teristische Polynome auftreten können.
Satz V.3.10. Es sei p(t) = tn +an−1 tn−1 +· · ·+a1 t+a0 ∈ K[t] ein normiertes Polynom
vom Grad n ≥ 1. Dann existiert eine Matrix A ∈ Mat(n; K) mit
χA (t) = p(t).
Beweis. Wir beweisen folgende Aussage durch vollständige Induktion über n:
Es seien n ≥ 1 eine natürliche Zahl, a0 , ..., an−1 ∈ K Elemente des Körpers und
0 0 · · · 0 −a0
1 0 · · · 0 −a1
. . .. ..
A := (bij) i=1,...,n := 0 1 . . . ∈ Mat(n; K),
j=1,...,n . . .
.. . . . . 0 −a
n−2
0 · · · 0 1 −an−1
d.h. bi+1,i = 1, i = 1, ..., n − 1, bin = −ai−1 , i = 1, ..., n, und bij = 0 in allen anderen
Fällen. Dann gilt
χA (t) = tn + an−1 tn−1 + · · · + a1 t + a0 .
Für n = 1 gilt offenbar χA (t) = t + a0 . Für den Induktionsschritt n n + 1“
”
entwickeln wir die Determinante der Matrix
t 0 ··· 0 a0
−1 t ··· 0 a1
. ..
.
0 −1 . . .. . ∈ Mat n + 1; K[t]
. .
.. . . . . . t an−1
0 ··· 0 −1 t + an
nach der ersten Zeile, so dass
−1 t 0 ··· 0
t 0 ··· 0 a1
.. ..
−1 t ··· 0 a2
0 −1 . .
.. . .
χA (t) = t · Det 0 −1 . .. ..
+ (−1) a0 Det
n+2
..
.
..
.
..
.
..
.
..
.
.. .. .. .. ..
. . . t an−1
. . −1 t
0 ··· 0 −1 t + an
0 ··· ··· 0 −1
| {z }
=(−1)n
IV
= t · (tn + an tn−1 + · · · + a2 t + a1 ) + a0
= tn+1 + an tn + · · · + a2 t2 + a1 t + a0 .
169
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
Bemerkung V.3.11. Wir weisen nochmals drauf hin, dass die Matrix A bei wei-
tem nicht die einzige Matrix mit dem angegebenen charakteristischen Polynom
ist.
Für jedes Polynom p = antn + an−1 tn−1 + · · · + a1 t + a0 mit an 6= 0 ist (1/an ) · p
ein normiertes Polynom mit denselben Nullstellen wie p. Angesichts der Defini-
tion eines algebraisch abgeschlossenen Körpers V.2.13 schließen wir mit dem
letzten Satz:
170
V.3. Charakteristische Polynome
Dabei sei B eine durchnummerierte Basis von V. Man nennt χf (t) das charak-
teristische Polynom von f.
Eigenschaften V.3.15. Wie für das charakteristische Polynom einer Matrix hat
man:
∀λ ∈ K : χf (λ) = 0 ⇐⇒ λ ist Eigenwert von f.
171
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
B · (S · v) = S · A · S−1 · S · v = S · A · v = S · (λ · v) = λ · (S · v),
i.e. S · v ∈ Eig(B, λ) und S · Eig(A, λ) ⊆ Eig(B, λ). Ebenso gilt S−1 · Eig(B, λ) ⊆
Eig(A, λ). Damit induziert die Multiplikation mit S von links einen Isomorphis-
mus zwischen Eig(A, λ) und Eig(B, λ), so dass die Aussage über die Gleichheit
der geometrischen Vielfachheiten folgt. Auch erhält man einen elementaren Be-
weis dafür, dass A und B dieselben Eigenwerte haben.
Die geometrische Vielfachheit gibt die maximale Anzahl linear unabhängiger
Eigenvektoren zum Eigenwert λ an und wird durch die algebraische Vielfach-
heit abgeschätzt:
Satz V.3.18. In der obigen Situation gilt immer
Beweis. Wir führen den Beweis für einen Endomorphismus f. Dazu seien r :=
γ(f, λ) und b1 , ..., br eine Basis für Eig(f, λ). Man ergänze zu einer durchnumme-
rierten Basis B = { b1, ..., br, br+1, ..., bn } von V. Für diese Basis gilt
λ · Er ∗
MB (f) = .
0 A′
Man berechnet χf (t) = (t − λ)r · χA′ (t). Also teilt (t − λ)r das charakteristische
Polynom, so dass
172
V.4. Diagonalisierbare Endomorphismen
gilt.
b) Schließen Sie, dass eine Matrix A ∈ Mat(n; Z) genau dann invertierbar ist,5
wenn
Det(A) ∈ {±1}.
c) Zeigen Sie, dass eine invertierbare Matrix A ∈ Mat(n; Z) als Produkt von
Elementarmatrizen aus Mat(n; Z) geschrieben werden kann.
Aufgabe V.3.21.
Zeigen Sie unter Verwendung der Formel für das Matrixprodukt, dass für alle
A, B ∈ Mat(n; K) gilt
Spur(A · B) = Spur(B · A).
Aufgabe V.3.22.
Berechnen Sie das charakteristische Polynom der komplexen Matrix
1 0 0 −25
0 0 0 26
A :=
−3
.
1 0 70
0 0 1 5
173
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
c) Es gilt
V = Eig(f, λ1) ⊕ · · · ⊕ Eig(f, λm )
bzw. Kn = Eig(A, λ1) ⊕ · · · ⊕ Eig(A, λm).
Dabei seien λ1 , ..., λm ∈ K die verschiedenen Eigenwerte von f bzw. A.
Beweis. Wir beweisen den Satz für einen Endomorphismus f und fangen mit
der Implikation a)=⇒b)“ an. Nach Lemma V.1.9 können wir eine durchnum-
”
merierte Basis B = { b1 , ..., bn } von V wählen mit
λ1 · El1
MB (f) =
λ2 · El2
.
0(V.4)
..
0 .
λm · Elm
Dabei seien λ1 , ..., λm ∈ K die verschiedenen Eigenwerte von f. Offenbar gilt
γ(f, λi ) ≥ li , i = 1, ..., m. Aus (V.4) ergibt sich das charakteristische Polynom
χf (t) = (t − λ1 )l1 · · · · · (t − λm )lm
und somit A). Es folgt
li = α(f, λi ) ≥ γ(f, λi ) ≥ li , i = 1, ..., m,
so dass tatsächlich α(f, λ) = γ(f, λ) für jeden Eigenwert λ von f wie in B) be-
hauptet gilt.
Zu b)=⇒c)“. Wir setzen zunächst
”
W := Eig(f, λ1) + · · · + Eig(f, λm ).
Nun seien vi ∈ Eig(f, λi ), i = 1, ..., m, Eigenvektoren mit v1 + · · · + vm = 0. Nach
Aufgabe V.1.12 muss also v1 = · · · = vm = 0 sein, so dass
W = Eig(f, λ1) ⊕ · · · ⊕ Eig(f, λm) (Definition III.2.1, ii).
Aus der Dimensionsformel (Satz III.5.40) folgt leicht
DimK (W) = DimK (Eig(f, λ1)) + · · · + DimK (Eig(f, λm))
= γ(f, λ1) + · · · + γ(f, λm)
B) A)
= α(f, λ1) + · · · + α(f, λm) = n.
Aus DimK (W) = DimK (V) folgt sofort W = V.
Zu c)=⇒a)“. Man wähle Basen vj1 , ..., vjlj für Eig(f, λj), j = 1, ..., m. Dann ist
”
B := { b1, ..., bn } := { v11 , ..., v1l1 , v21 , ..., v2l2 , ..., vm m
1 , ..., vlm }
174
V.4. Diagonalisierbare Endomorphismen
Folgerung V.4.2. Ein Endomorphismus f bzw. eine Matrix A wie in Satz V.4.1
mit einem charakteristischen Polynom χf (t) bzw. χA (t), das vollständig in Linear-
faktoren zerfällt und nur Nullstellen der Vielfachheit eins (so genannte einfache
Nullstellen) besitzt, ist diagonalisierbar.
3 3
−→ R
f: R
s1 −s2 + s3
s2 7−→ −3s1 − 2s2 + 3s3 .
s3 −2s1 − 2s2 + 3s3
175
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
t 1 −1 t 1
3 t+2 −3 3 t + 2
2 2 t−3 2 2
folgt
(t3 − t2 − t + 1) : (t − 1) = t2 − 1 = (t + 1) · (t − 1)
−(t3 − t2 )
−t + 1
−(−t + 1)
0,
also
χf (t) = (t − 1)2 · (t + 1).
Schritt 2. — Man stelle durch Berechnung der Eigenräume fest, ob die alge-
braischen Multiplizitäten mit den geometrischen übereinstimmen. Falls nicht,
dann ist f bzw. A nicht diagonalisierbar.
1 1 −1
Eig(f, 1) = L(E3 − ME (f), 0) = L 3 3 −3 , 0 .
2 2 −2
Also
α(f, 1) = 2 = γ(f, 1).
176
V.4. Diagonalisierbare Endomorphismen
Schritt 3. — Aus Schritt 2 erhält man eine Basis B = { b1, ..., bn } aus Eigen-
vektoren zu den Eigenwerten λ1 , ..., λm. Dann ist MB (f) eine Diagonalmatrix.
Für V = Kn und f = fA sei S−1 := T := (b1 |b2 | · · · |bn ) die Matrix mit den Spalten
b1 , ..., bn. Dann ist
λ1 · El1
λ2 · El2 0
−1 −1
S·A·S =T ·A·T = . .
0 ..
λm · Elm
In unserem Beispiel
1 0 1
T = 0 1 3 .
1 1 2
Wir bestimmen T −1 mit dem Gauß-Verfahren:
1 0 1 1 0 0 1 0 1 1 0 0 1 0 1 1 0 0
0 1 3 0 1 0 III−I 0 1 3 0 1 0 III−II
0 1 3 0 1 0
1 1 2 0 0 1 0 1 1 −1 0 1 0 0 −2 −1 −1 1
1
I+ 12 ·III;II+ 23 ·III;− 21 ·III
1 0 0 2
− 12 1
2
0 1 0 − −
3 1 3 ,
2 2 2
1 1
0 0 1 2 2
− 12
177
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
also
1 −1 1
1
T −1 = · −3 −1 3 .
2
1 1 −1
Kontrolle.
1 −1 1 0 −1 1 1 0 1
1
· −3 −1 3 · −3 −2 3 · 0 1 3
2
1 1 −1 −2 −2 3 1 1 2
1 −1 1 1 0 −1
1
= · −3 −1 3 · 0 1 −3
2
1 1 −1 1 1 −2
2 0 0 1 0 0
1 √
= · 0 2 0 = 0 1 0 .
2
0 0 −2 0 0 −1
Aufgabe V.4.4.
Gegeben sei die Matrix
cos(α) sin(α)
A := ∈ Mat(2; R), 0 ≤ α < 2π.
sin(α) − cos(α)
a) Berechnen Sie das charakteristische Polynom von A und zeigen Sie, dass A
für jeden Wert α ∈ [0, 2π) diagonalisierbar ist.
b) Berechnen Sie die Eigenräume von A.
c) Interpretieren Sie Ihre Ergebnisse geometrisch in der Ebene R2 .
Aufgabe V.4.5.
Es sei
8 0 0 0
1 0 −3 −6 −7
A := · ∈ Mat(4, R).
4 0 0 8 0
0 11 6 15
a) Berechnen Sie das charakteristische Polynom von A und zerlegen Sie es in
Linearfaktoren.
b) Zeigen Sie, dass A über R diagonalisierbar ist.
c) Geben Sie eine Matrix S an, so dass S · A · S−1 eine Diagonalmatrix ist.
178
V.5. Der Satz von Cayley-Hamilton
so dass gilt:
c) evf (t) = f.
b) evA (1) = En .
c) evA (t) = A.
• f0 := IdV ,
• fn+1 := f ◦ fn , n ∈ N,
erklärt.
ii) Es seien n ≥ 1 und A eine (n × n)-Matrix. Die Potenzen von A werden
rekursiv vermöge
• A0 := En ,
• An+1 := A · An , n ∈ N,
definiert.
Beweis von Lemma V.5.1. Wir beweisen ii). Wir zeigen zunächst die Eindeutig-
keit der Abbildung evA . Es sei also evA : K[t] −→ Mat(n; K) eine Abbildung mit
179
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
den Eigenschaften a) - d). Damit gilt für ein Polynom p = am tm + am−1 tm−1 + · · · +
a1 t + a0 :
a)
evA (p) = am · evA (tm ) + am−1 · evA (tm−1 ) + · · · + a1 · evA (t) + a0 · evA (1)
d)
= am · evA (t)m + am−1 · evA (t)m−1 + · · · + a1 · evA (t) + a0 · evA (1)
b)&c)
= am · Am + am−1 · Am−1 + · · · + a1 · A + a0 · En .
Damit ist der Wert evA in jedem Polynom p ∈ K[t] festgelegt, und die Eindeutig-
keit folgt.
Umgekehrt können wir die Abbildung evA : K[t] −→ Mat(n; K) durch die For-
mel
Bemerkung V.5.3. Die Mengen K[A] := Bild(evA ) bzw. K[f] := Bild(evf ) sind kom-
mutative Unterringe von (Mat(n; K), +, ·) bzw. (EndK (f), +, ◦). Das bedeutet a)
En ∈ K[A] bzw. IdV ∈ K[f], b) K[A] ist eine Untergruppe von (Mat(n; K), +) bzw.
K[f] ist eine Untergruppe von (EndK (V), +), c) B, C ∈ K[A] impliziert B · C ∈ K[A]
bzw. f, g ∈ K[f] beinhaltet f ◦ g ∈ K[f] und d) B · C = C · B für alle B, C ∈ K[A] bzw.
f ◦ g = g ◦ f für alle f, g ∈ K[f]. Damit sind (K[A], +, ·) bzw. (K[f], +, ◦) insbesondere
selber kommutative Ringe.
180
V.5. Der Satz von Cayley-Hamilton
d.h. für C = (cij) i=1,...,n gilt cii = A −aii · En , i = 1, ..., n, und cij = −aij · En , 1 ≤ i 6= j ≤
j=1,...,n
n. Anschaulich gesprochen haben wir in der Matrix t · En − A ∈ Mat(n; K[t]) die
Unbestimmte t durch A ersetzt. Mit der Leibnizformel und den Eigenschaften
der Abbildung evA (Lemma V.5.1) erhält man sofort
Det(C) = χA (A) in K[A].
Für j = 1, ..., n gilt
n
X n
X a1j
cij · ei = A · ej − aij · ei = j-te Spalte von A − ... = 0. (V.5)
i=1 i=1 anj
Det(C), i = j
c′ij = .
6 j
0, i =
6
Arthur Cayley (1821 - 1895), englischer Mathematiker.
7
William Rowan Hamilton (1805 - 1865), irischer Mathematiker und Physiker.
181
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
Definition V.5.6. Das Polynom aus Satz V.5.5 heißt das Minimalpolynom von f
bzw. A.
Schreibweise. µf (t) bzw. µA (t).
Beweis von Satz V.5.5. Wir zeigen die Aussage für einen Endomorphismus f.
Wir wählen ein Polynom p e ∈ K[t] \ {0} mit p
e(f) = 0, das unter allen Polynomen
q positiven Grades mit q(f) = 0 den minimalen Grad hat. Ein solches Polynom
existiert nach dem Satz von Cayley-Hamilton. Es sei etwa p e = bm t m + · · · +
b1 t + b0 mit bm 6= 0. Wir erhalten das normierte Polynom p := (1/bm ) · p e. Nach
Konstruktion gilt a) p(f) = 0. Gegeben sei ein Polynom q ∈ K[t] mit q(f) = 0.
182
V.5. Der Satz von Cayley-Hamilton
Division mit Rest liefert q = s · p + r mit s, r ∈ K[t] und Grad(r) < Grad(p). Dann
gilt nach Lemma V.5.1
Nach Wahl von p folgt aus Grad(r) < Grad(p) und r(f) = 0 bereits r = 0, d.h.
p|q. Damit ist auch Eigenschaft b) nachgewiesen. Für ein anderes normiertes
Polynom p′ von positivem Grad mit Eigenschaft a) und b) folgt zunächst p|p′
und p′ |p. Damit müssen beide Polynome denselben Grad m haben, und es gibt
eine Zahl a ∈ K∗ mit p′ = a · p. Da aber sowohl p′ als auch p normiert sind,
muss a = 1 und somit p′ = p gelten. Dies liefert die Eindeutigkeitsaussage im
Satz.
Folgerung V.5.7. Für f bzw. A wie oben gilt
λ ist Nullstelle von µf (t) bzw. µA (t) ⇐⇒ λ ist Nullstelle von χf (t) bzw. χA (t).
Beweis. Wir zeigen die Aussage für A ∈ Mat(n; K). Aus µA (t)|χA (t) folgt sofort
µA (λ) = 0 =⇒ χA (λ) = 0 für alle λ ∈ K. Dies ist die Richtung =⇒“. Für die
”
Umkehrung ⇐=“ sei λ eine Nullstelle von χA (t), d.h. ein Eigenwert von A. Wir
”
wählen einen Eigenvektor v ∈ Kn \ {0} zum Eigenwert λ. Es gilt
0 = µA (A)(v) = Am + am−1 · Am−1 + · · · + a1 · A + a0 · En (v)
= λm · v + am−1 λm−1 · v + · · · + a1 λ · v + a0 · v = µA (λ) · v.
183
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
Wir wissen bereits, dass das Minimalpolynom von der Form µA (t) = (t−2)i ·(t−1)j
mit 1 ≤ i, j ≤ 2 ist. Man überprüft (2·E4 −A)·(E4 −A)2 6= 0 und (2·E4 −A)2 ·(E4 −A) =
0. Damit folgt
µA (t) = (t − 2)2 · (t − 1).
Aufgabe V.5.11.
Es seien V ein n-dimensionaler K-Vektorraum und f : V −→ V ein Endomor-
phismus bzw. A ∈ Mat(n; K), n ≥ 1. Zeigen Sie, dass ein Polynom p ∈ K[t] mit
n2 ≥ Grad(f) > 0 existiert, so dass p(f) = 0 bzw. p(A) = 0. Dabei sollen Sie nur
die Konzepte der linearen (Un-)Abhängigkeit und der Dimension eines Vektor-
raums verwenden (und natürlich nicht den Satz von Cayley-Hamilton).
Satz V.6.2. Für f bzw. A wie oben sind die folgenden Aussagen äquivalent:
Beweis. Wir zeigen den Satz für Matrizen und beginnen mit a)=⇒b)“. Es sei
”
S ∈ GLn (K) so, dass
S · A · S−1 =
a11
..
0
.
ann
. *
184
V.6. Trigonalisierbare Endomorphismen
Dann gilt
Die Richtung b)=⇒a)“ beweisen wir durch Induktion über n. Für n = 1 ist
”
offenbar nichts zu beweisen. Für den Schritt n n + 1“ wählen wir zunächst
”
eine Nullstelle λ von χA (t), die existiert, weil χA (t) nach Voraussetzung in Line-
arfaktoren zerfällt. Es sei v1 ∈ Kn+1 \ {0} ein Eigenvektor von A zum Eigenwert λ,
den man durch Vektoren v2 , ..., vn+1 zu einer durchnummerierten Basis von Kn+1
ergänze. Man bilde die Matrix T := (v1 |v2 | · · · |vn+1 ) ∈ GLn+1 (K) mit den Spalten
v1 ,...,vn+1 . Dann gilt
λ ∗ ··· ∗
0
−1
B := T ·A·T = .. ′
. A
0
und
χA (t) = (t − λ) · χA′ (t).
Das Polynom χA′ (t) zerfällt offensichtlich ebenfalls in Linearfaktoren, so dass
es nach Induktionsvoraussetzung eine Matrix S′ ∈ GLn (K) mit
a′11
−1
S ′ · A′ · S ′ = ..
.
′
ann
0
*
gibt. Es ergibt sich
1 ∗ ··· ∗ 1 ∗ ··· ∗ λ ∗ ··· ∗
0 0
0
.. ·B · .. ′ −1
= ..
. S ′ . S . S′ · A′ · S′ −1
0 0 0
| {z } | {z }
=:S′′ =S′′ −1
λ ∗ ··· ∗
0 a′
= .
.
.
0
11
. . .
′
ann 0
.
*
Für S := S′′ · T −1 ∈ GLn+1 (K) ist S · A · S−1 daher eine obere Dreiecksmatrix.
185
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
Bemerkung V.7.2. Es sei z.B. A eine nilpotente Matrix. Wie der folgende Satz
zeigt, ist A einer oberen Dreiecksmatrix mit Nullen auf der Diagonalen ähnlich.
Insbesondere gilt χA (t) = tn. Ist umgekehrt A ∈ Mat(n; K) mit χA (t) = tn gegeben,
dann folgt nach dem Satz von Cayley-Hamilton An = 0, so dass A nilpotent ist.
Nilpotente Matrizen bzw. Endomorphismen sind also genau diejenigen trigona-
lisierbaren Endomorphismen bzw. Matrizen, deren einziger Eigenwert λ = 0 ist.
Sie sollten daher relativ einfach zu verstehen sein, so dass es sinnvoll erscheint,
die Untersuchungen mit ihnen zu beginnen.
8
Die auftretenden Potenzen wurden in Definition V.5.2 eingeführt.
186
V.7. Nilpotente Endomorphismen
W0 ⊆ W1 ⊆ W2 ⊆ · · · ⊆ Wp−1 ⊆ Wp = V.
Offenbar gilt
f(Wi ) ⊆ Wi−1 , i = 1, ..., p. (V.6)
Diese einfache Beobachtung gibt den entscheidenden Hinweis darauf, dass eine
Basis wie im Satz behauptet existieren könnte. Wir müssen diese Basis jetzt
sorgfältig konstruieren. Dazu verwenden wir das folgende Resultat.
Behauptung. Es gibt lineare Teilräume Ui ⊆ Wi ⊆ V, i = 1, ..., p, so dass
a) Wi = Wi−1 ⊕ Ui , i = 1, ..., p.
c) V = U1 ⊕ · · · ⊕ Up .
Wir widmen uns jetzt dem Beweis dieser Behauptung. Die Unterräume U1 ,...,
Up werden rekursiv eingeführt, beginnend mit Up . Für den Raum Up wählen wir
ein beliebiges lineares Komplement zu Wp−1 in Wp = V. Wenn die Unterräume
Uj mit j > i bereits konstruiert worden sind, dann erhalten wir Ui auf folgende
Weise. Es gilt
f(Ui+1 ) ∩ Wi−1 = {0}. (V.7)
In der Tat folgt für ein Element v ∈ Ui+1 mit w := f(v) ∈ Wi−1
fi (v) = fi−1 f(v) = 0,
d.h. v ∈ Wi . Da aber v auch in Ui+1 liegt und Ui+1 ∩Wi = {0} gilt, erhalten wir v = 0
und damit w = 0 wie gewünscht. Da weiter Ui+1 ⊆ Wi+1 , beinhaltet (V.6), dass
f(Ui+1 ) ⊆ Wi . Wegen (V.7) können wir daher ein lineares Komplement Ui ⊆ Wi
zu Wi−1 finden, welches f(Ui+1 ) enthält. Insgesamt erhalten wir Unterräume
U1 ,...,Up , für die a) und b) gilt. Aus a) folgt sofort W1 = U1 . Damit gilt W2 =
187
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
f|Ui : Ui −→ Ui−1
v 7−→ f(v)
Diese letzte Beobachtung und die Behauptung implizieren, dass die Vektoren
in der nachstehenden Tabelle zusammen eine Basis von V bilden.
(V.8)
Dabei steht in der ersten Zeile eine Basis von Up , in der zweiten eine Basis von
Up−1 und in der letzten eine Basis von U1 . Wir erhalten eine durchnummerierte
Basis B = { b1 , ..., bn }, indem wir zunächst die Vektoren der ersten Spalte von
unten nach oben für b1 ,...,bp erklären, dann die der zweiten von unten nach
oben für bp+1 ,...,b2p usw.:
Für die so konstruierte Basis ist die Behauptung des Satzes klar.
Bemerkungen V.7.4. i) Man beachte, dass der Beweis des Satzes einen explizi-
ten Algorithmus zum Auffinden der Basis B zur Verfügung stellt.
ii) Die Basis B ist natürlich nicht eindeutig bestimmt, denn für die Komple-
mente U1 ,..., Up und ihre Basen sind viele Wahlen möglich und erlaubt.
iii) Die Konstruktion der Basis B beschreiben wir noch einmal in Worten:
Da fp = 0 aber fp−1 6= 0, wählen wir zunächst eine maximale Anzahl linear
unabhängiger Vektoren v mit fp−1 (v) 6= 0, nämlich up1 ,...,upπp . Diese Vektoren zu-
sammen mit ihren Bildern unter den Potenzen f,...,fp−1 sind auf Grund der
188
V.7. Nilpotente Endomorphismen
Behauptung linear unabhängig. Danach suchen wir eine maximale Menge li-
near unabhängiger Vektoren v mit fp−1 (v) = 0 aber fp−2 (v) 6= 0, die sich nicht
als Linearkombinationen von f(up1 ), ...,f(upπp ) schreiben lassen. Dies sind die
Vektoren u1p−1 , ..., uπp−1
p−1
. So fahren wir fort, bis die Basis B konstruiert ist.
0
J(p, λ)
J(p, λ)
J(π, λ) := ∈ Mat(n; K).
0
J(1, λ)
J(1, λ)
| {z }
π1 Blöcke
Dabei sei p := max{ j = 1, ..., n | πj 6= 0 }.
9
Marie Ennemond Camille Jordan, genannt Camille Jordan (1838 - 1922 in Paris), französi-
scher Mathematiker.
189
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
Partition Jordan-Blockmatrix
λ 1 0
(1,0,0) 0 λ 1
0 0 λ
λ 1 0
0 λ 0 .
(0,1,1)
0 0 λ
λ 0 0
(0,0,3) 0 λ 0
0 0 λ
Satz V.7.7. Es seien f : V −→ V ein Endomorphismus des n-dimensionalen K-
Vektorraums V bzw. A ∈ Mat(n; K) und λ ∈ K. Es gelte χf (t) = (t − λ)n bzw.
χA (t) = (t − λ)n .10
i) Dann existieren eine Partition π von n und eine durchnummerierte Basis
B = { b1 , ..., bn } von V bzw. Kn , so dass
MB (f) = J(π, f)
bzw.
T −1 · A · T = J(π, f), T := (b1| · · · |bn ) ∈ GLn (K).
ii) Für die Partition π = (πn , ..., π1) sei
Dann gilt
a) ν = DimK Eig(f, λ) bzw. ν = DimK Eig(A, λ) .
b) µf (t) = (t − λ)p bzw. µA (t) = (t − λ)p .
iii) Für zwei Zahlen λ, λ′ ∈ K und zwei Partitionen π, π′ von n gilt:
Beweis. Zu i). Wir zeigen die Aussage für den Endomorphismus f. Für λ = 0 ist
das die Aussage von Satz V.7.3. Einen Endomorphismus wie im Satz schreiben
wir in der Form
f = (f − λ · IdV ) + λ · IdV .
| {z }
=:g
10
Damit ist f bzw. A trigonalisierbar.
190
V.7. Nilpotente Endomorphismen
für jede durchnummerierte Basis B von V. Auf der anderen Seite gilt nach dem
Satz von Cayley-Hamilton
gn = χf (f) = 0,
i.e. g ist nilpotent. Die Behauptung folgt somit durch Anwendung von Satz
V.7.3 auf g und Gleichung (V.9).
Zu ii). Für einen nilpotenten Endomorphismus zeigt der Beweis von Satz
V.7.3, dass die Anzahl der Jordan-Blöcke durch DimK (U1 ) = DimK (Ker(g)) ge-
geben ist.11 In unserem Fall ist DimK (Ker(g)) = DimK (Eig(f, λ)) wie behaup-
tet. Dies zeigt a). Da das Minimalpolynom µf (t) das charakteristische Polynom
χf (t) = (t − λ)n teilt, ist es von der Form (t − λ)j mit
j = min i ∈ N | gi = (f − λ · IdV )i = 0
= min i ∈ N | MB (g)i = 0 .
Wir wählen die durchnummerierte Basis B so, dass MB (f) = J(π, λ) und daher
MB (g) = J(π, 0). Es gilt
0
i
J(p, 0)
J(p, 0)i
i
MB (g) =
0
J(1, 0)i
J(1, 0)i
11
Die Anzahl der Jordan-Blöcke ist durch die Anzahl der Vektoren in der untersten Zeile von
Tabelle (V.8) gegeben. Diese ist zum einen offenbar DimK (U1 ), zum anderen aber πn + · · · + π1 ,
wie man (V.8) entnimmt.
191
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
0
1
0 ,
..
.
0
so dass genau dann J(j, 0)i = 0 gilt, wenn i ≥ j. Damit erhält man die Aussage
zum Minimalpolynom.
Zu iii). Die Äquivalenz J(π, λ) = J(π′ , λ′ ) ⇐⇒ π = π′ und λ = λ′“ ist offensicht-
”
lich, ebenso wie die Implikation J(π, λ) = J(π′ , λ′) =⇒ J(π, λ) ≈ J(π′ , λ′)“. Zeigen
”
wir nun J(π, λ) ≈ J(π′ , λ′) =⇒ J(π, λ) = J(π′ , λ′)“. Da λ der einzige Eigenwert von
”
A := J(π, λ) und λ′ der einzige Eigenwert von B := J(π′ , λ′ ) ist und ähnliche Ma-
trizen dieselben Eigenwerte haben, folgt bereits λ = λ′ . Um die Gleichheit der
Partitionen einzusehen, erinnern wir an die Beweisstrategie von Satz V.7.3.
Dort hatten wir die Unterräume
Wi := v ∈ Kn | (A − λ · En )i · v = 0 , i ∈ N,
W0 = {0} ⊆ W1 ⊆ W2 ⊆ · · · ⊆ Wp−1 ( Wp = W.
(A − λ · En ) · Ui ⊆ Ui−1 , i = 2, ..., p.
Nach Konstruktion gilt DimK (Ui ) = DimK (Wi ) − DimK (Wi−1 ), so dass
192
V.7. Nilpotente Endomorphismen
folgt. Es sei S ∈ GLn (K) so, dass B = SAS−1 . Man berechnet auch S · (A − λ · En ) ·
S−1 = B − λ · En , Bi = S · Ai · S−1 und S · (A − λ · En )i · S−1 = (B − λ · En )i , i ∈ N. Setzt
man
Wi′ := v ∈ Kn | (B − λ · En )i · v = 0 , i ∈ N,
dann überprüft man wie in Bemerkung V.3.17, dass Wi′ = S · Wi für alle i ∈ N
erfüllt ist. Insbesondere hat man DimK (Wi′ ) = DimK (Wi ) für alle i ∈ N, so dass
auch
π′i = −DimK (Wi+1
′
) + 2 · DimK (Wi′ ) − DimK (Wi−1
′
)
= −DimK (Wi+1 ) + 2 · DimK (Wi ) − DimK (Wi−1 ) = πi
für i = 1, ..., n gilt.
Beispiel V.7.8. Wir betrachten die Matrix
3 4 3
A := −1 0 −1 ∈ Mat(3; Q).
1 2 3
Mit der Regel von Sarrus bestimmen wir das charakteristische Polynom:
t − 3 −4 −3 t − 3 −4
1 t 1 1 t ,
−1 −2 t − 3 −1 −2
also
χA (t) = t(t − 3)2 + 4 + 6 − 3t + 2t − 6 + 4t − 12
= t(t2 − 6t + 9) + 3t − 8 = t3 − 6t2 + 12t − 8
= t3 + 3(−2t2) + 3((−2)2t) + (−2)3 = (t − 2)3 .
Wir müssen
1 4 3
C := A − 2 · E3 = −1 −2 −1
1 2 1
untersuchen. Es gilt
1 4 3 1 4 3 0 2 2
C2 = −1 −2 −1 · −1 −2 −1 = 0 −2 −2 =
6 0.
1 2 1 1 2 1 0 2 2
(Damit ist bereits klar, dass die Jordansche Normalform von A durch
2 1 0
0 2 1
0 0 2
193
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
gegeben ist.) Wir wissen, dass U3 , U2 und U1 jeweils eindimensional sind. Wir
müssen nur einen erzeugenden Vektor v für einen geeigneten Unterraum U3
ermitteln. Dann ist B = { C2 · v, C · v, v } die gesuchte Basis. Offensichtlich gilt
* +
1 0
L(C2 , 0) = 0 , 1 .
0 −1
Damit gilt
− 14 − 43 0
T −1 = 21 1
2
0 .
0 1 1
Probe.
− 14 − 34 0 3 4 3 2 3 0 2 1 0
√
1 1
0 · −1 0 −1 · −2 −1 0 = 0 2 1 .
2 2
0 1 1 1 2 3 2 1 1 0 0 2
194
V.8. Die Jordansche Normalform
MB (f) = J bzw. T −1 · A · T = J
0
J(πm , λm )
Dann gilt
a) νj = DimK (Eig(f, λj)) bzw. νj = DimK (Eig(A, λj)). (Die Anzahl der Jordan-
Blöcke zum Eigenwert λ ist gleich der Dimension des Eigenraums zum Ei-
genwert λ.)
b) µf (t) = (t − λ1 )p1 · · · · · (t − λs )ps bzw. µA (t) = (t − λ1 )p1 · · · · · (t − λs )ps . (Die Größe
des größten Jordan-Blocks zum Eigenwert λ ist gleich der Vielfachheit der
Nullstelle λ des Minimalpolynoms.)
iii) Zwei Matrizen sind genau dann ähnlich, wenn sie dieselben Eigenwerte
λ1 ,...,λm haben und ihre Jordanschen Normalformen übereinstimmen.
195
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
Definition V.8.2. Die Matrix J in Teil i) des Satzes heißt die Jordansche Nor-
malform von f bzw. A.
Bemerkung V.8.3. Die einzige willkürliche Wahl, die in die Jordansche Nor-
malform eingeht, ist die Nummerierung der Nullstellen (vgl. Bemerkung V.4.3,
iii). Anders als R und Q besitzt ein algebraisch abgeschlossener Körper keine
natürliche“ Anordnung. Daher muss man entweder eine künstliche Anord-
”
nung vorgeben oder sich mit der kleinen Mehrdeutigkeit abfinden.
Hat man eine solche Zerlegung gegeben, dann kann man Satz V.7.7 auf die
Summanden anwenden und erhält so die gewünschte Normalform. Darauf ge-
hen wir im Anschluss an den Beweis von Satz V.8.5 ausführlich ein.
Definition V.8.4. Es sei f bzw. A wie in Satz V.8.1. Für einen Eigenwert λ von
f bzw. A heißt
S
V(f, λ) := v ∈ V | ∃i ∈ N : (f − λ · IdV )i (v) = 0 = Ker (f − λ · IdV )i
S
i∈N
bzw. V(A, λ) := v ∈ Kn | ∃i ∈ N : (A − λ · En )i · v = 0 = L (A − λ · En )i , 0
i∈N
Satz V.8.5. Unter den Voraussetzungen von Satz V.8.1 setze man
Dann gilt:
i) V = V1 ⊕ · · · ⊕ Vm bzw. Kn = V1 ⊕ · · · ⊕ Vm .
ii) f(Vi ) ⊆ Vi bzw. A · Vi ⊆ Vi , i = 1, ..., m.
iii) DimK (Vi ) = li , i = 1, ..., m.
196
V.8. Die Jordansche Normalform
Beweis. Wir beweisen die Version für Endomorphismen. Zu ii). Es seien λ ein
Eigenwert von f und v ∈ V(f, λ) ein Element des zugehörigen verallgemeinerten
Eigenraums. Wir wählen eine natürliche Zahl i ≥ 1, für die (f − λ · IdV )i (v) = 0
gilt, und berechnen
Es sei
r := min i ∈ N | Wi (λ1 ) = V(f, λ1 ) .
(Diese Zahl existiert, weil V(f, λ1 ) endlichdimensional ist.) Weiter sei
U := Bild(gr ).
Behauptung. Es gilt:
α) V = V(f, λ1 ) ⊕ U,
β) f V(f, λ1) ⊂ V(f, λ1), f(U) ⊂ U.
Den Beweis von Teil α) beginnen wir mit der Beobachtung, dass die Dimen-
sionsformel (Satz III.5.40) für lineare Abbildungen
DimK (V) = DimK Ker(gr ) + DimK Bild(gr ) = DimK V(f, λ1 ) + DimK (U)
Es reicht folglich,
V(f, λ1) ∩ U = {0} (V.10)
nachzuweisen. Seien also w ∈ V(f, λ1 ) ∩ U und v ∈ V mit gr (v) = w. Wegen
hat man v ∈ V(f, λ1 ). Dann gilt aber w = gr (v) = 0 nach Wahl von r.
197
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
Zu Teil β). Die Inklusion f V(f, λ1 ) ⊂ V(f, λ1 ) haben wir bereits überprüft,
Offenbar gilt auch g(U) ⊂ U, so dass
∀v ∈ U : f(v) = g(v) + λ1 · v ∈ U
folgt. X
Es seien jetzt
B ′ = { b1, ..., bl } eine durchnummerierte Basis von V(f, λ1 ), B ′′ = { bl+1 , ..., bn } ei-
ne durchnummerierte Basis von U und B = { b1, ..., bl, bl+1, ..., bn }. Dies ist eine
durchnummerierte Basis von V. Die entsprechende Darstellungsmatrix nimmt
die Gestalt
MB (f) =
MB ′ (f|V(f,λ1 ) ) 0 (V.11)
0 MB ′′ (f|U )
an. Aus
(f|V(f,λ1 ) − λ1 · IdV(f,λ1 ) )r = 0
folgt
χf|V(f,λ1) (t) = (t − λ1 )DimK (V(f,λ1 )) . (V.12)
Schließlich haben wir wegen (V.11)
Die bereits gezeigte Aussage (V.10) beinhaltet, dass λ1 kein Eigenwert von f|U
sein kann. Aus (V.12) und (V.13) folgern wir
DimK V(f, λ1) = l1 .
Dieselbe Argumentation funktioniert auch für λ2 , ..., λm, so dass wir Teil iii),
nämlich
DimK V(f, λi ) = li , i = 1, ..., m,
einsehen. Außerdem folgt
U = V(f|U , λ2 ) ⊕ · · · ⊕ V(f|U , λm )
und
DimK V(f|U , λi ) = li , i = 2, ..., m.
198
V.8. Die Jordansche Normalform
nachgewiesen.
Beweis von Satz V.8.1. Man beachte, dass man auf Grund von Satz V.8.5, ii),
die Endomorphismen
fi := f|Vi : Vi −→ Vi
v 7−→ f(vi )
definieren kann, i = 1, ..., m. Ferner kann man nach Satz V.7.7 eine Basis
Bi = { bi1, ..., bili } für Vi wählen, so dass MBi (fi ) = J(πi , λi ) für die entsprechen-
de Partition πi von li , i = 1, ..., m. Für die Basis B = { b11, ..., b1l1 , ..., bm m
1 , ..., blm } gilt
dann
MB (f) =
M 1 (f )
B 1
MB2 (f2 )
0
= J,
0
MBm (fm )
und Teil i) von Satz V.8.1 ist bewiesen. Punkt ii) beweist man analog zu der
entsprechenden Eigenschaft in Satz V.7.7. Für Teil iii) definieren wir wie zuvor
Wi (λj ) := Ker (f − λj · IdV )i , i ∈ N, j = 1, ..., m,
199
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
Z.B.:
0 1 2 0 −2
−1 −2 1 0 −1
A :=
1 1 −2 0 1
∈ Mat(5; R).
−1 −4 0 2 0
1 1 −4 0 3
Man berechnet
χA (t) = (t + 1)3 · (t − 2)2 .
Die Eigenwerte sind also −1 und 2.
Schritt 2. — Man berechne DimK (Wi (λj)) für
Wi (λj ) := v ∈ Kn | (A − λj · Elj )i · v = 0 , i = 1, ..., lj, j = 1, ..., m.
Die Partitionen πj = (πjlj , ..., πj1), j = 1, ..., m, und damit die Jordansche Normal-
form sind durch die Formel
πji = −DimK Wi+1 (λj ) + 2 · DimK Wi (λj ) − DimK Wi−1 (λj ) , i = 1, ..., lj,
gegeben. (In Beispielen kann man diese Zahlen u.U. leicht berechnen (s.u.).)
Berechnung der Dimension von Eig(A, − 1) mit dem Gauß-Algorithmus:
−1 −1 −2 0 2 1 1 −1 0 1
1 1 −1 0 1 −1 −1 −2 0 2
I⇋II
−1 −1 1 0 −1 −1 −1 1 0 −1
1 4 0 −3 0 1 4 0 −3 0
−1 −1 4 0 −4 −1 −1 4 0 −4
1 1 −1 0 1 1 1 −1 0 1
0 0 −3 0 3 0 3 1 −3 −1
II+I, III+I, IV−I, V+I
0 0
II⇋IV, III⇋V
0 0 0 0 0 3 0 −3
0 3 1 −3 −1 0 0 −3 0 3
0 0 3 0 −3 0 0 0 0 0
1 1 −1 0 1
0 3 1 −3 −1
IV+III
0 0 3 0 −3
.
0 0 0 0 0
0 0 0 0 0
200
V.8. Die Jordansche Normalform
Aus dieser Zeilenstufenform folgt DimR (Eig(A, −1)) = 2. Die Partition zum Ei-
genwert λ1 = −1 muss daher (0, 1, 1) sein.
Berechnung der Dimension von Eig(A,2) mit dem Gauß-Algorithmus:
2 −1 −2 0 2 1 4 0 0 0
1 4 −1 0 1 1 4 −1 0 1
I⇋IV
−1 −1 4 0 −1 −1 −1 4 0 −1
1 4 0 0 0 2 −1 −2 0 2
−1 −1 4 0 −1 −1 −1 4 0 −1
1 4 0 0 0 1 4 0 0 0
0 0 −1 0 1 0 0 −1 0 1
II−I, III+I, IV−2·I, V+I
0
IV+3·III, V−III
3 4 0 −1
0 3 4 0 −1
0 −9 −2 0 2 0 0 10 0 −1
0 3 4 0 −1 0 0 0 0 0
1 4 0 0 0 1 4 0 0 0
0 0 −1 0 1 0 3 4 0 −1
IV+10·II II⇋III
0 3 4 0 −1 0 0 −1 0 1
.
0 0 0 0 9 0 0 0 0 9
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Man liest DimR (Eig(A, 2)) = 1 ab, so dass π2 = (1, 0) die Partition zum Eigenwert
λ2 = 2 ist.
Die Jordansche Normalform der Matrix A ist also die Matrix
−1 1 0 0 0
0 −1 0 0 0
J :=
0 0 −1 0 0 .
0 0 0 2 1
0 0 0 0 2
Schritt 3. — Das Minimalpolynom kann nun abgelesen werden:
χA (t) = χJ (t) = (t + 1)2 · (t − 2)2.
Man kann weiterhin eine Matrix T mit T −1 · A · T = J suchen.
Schritt 4. — Man wende den Algorithmus aus dem Satz über nilpotente Endo-
morphismen sinngemäß auf die verallgemeinerten Eigenräume an.
Für A gilt V(A, −1) = v ∈ R3 | (A + E5 )2 · v = 0 . Man hat
2
1 1 2 0 −2 0 0 9 0 −9
−1 −1 1 0 −1 0 0 0 0 0
2
(A + E5 ) = 1 1 −1 0
1 = 0 0 0 0 0
.
−1 −4 0 3 0 0 −9 −6 9 6
1 1 −4 0 4 0 0 −9 0 9
201
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
Wir müssen in dem dreidimensionalen Raum V(A, −1) ein lineares Komple-
ment U2 (−1) zu dem zweidimensionalen Unterraum Eig(A, −1) finden. Es ge-
nügt daher, einen Vektor v ∈ V(A, −1) zu finden, der nicht in Eig(A, −1) liegt,
z.B. v = e1 , und U2 (−1) = hvi zu setzen. Unsere ersten beiden Basisvektoren
sind also
1 1
−1 0
b1 := (A + E5 ) · e1 =
1 und b2 := e1 = 0 .
−1 0
1 0
Nun müssen wir einen erzeugenden Vektor b3 ∈ Eig(A, −1) finden, so dass
Eig(A, −1) = hb1 i ⊕ hb3 i. Offenbar können wir
0
0
b3 :=
1
0
1
wählen. Wir haben V(A, 2) = v ∈ R3 | (A − 2 · E5 )2 · v = 0 . Dabei gilt
2
−2 1 2 0 −2 3 −6 −3 0 3
−1 −4
1 0 −1
6 15 −6 0 6
(A − 2 · E5 ) =
2
1 1 −4 0 1
= −6 −6 15 0 −6
.
−1 −4 0 0 0 6 15 −6 0 6
1 1 −4 0 1 −6 −6 15 0 −6
202
V.8. Die Jordansche Normalform
Damit gilt
1 1 0 0 1
−1 0 0 0 0
T := (b1 |b2 |b3 |b4 |b5 ) =
1 0 1 0 0
−1 0 0 −1 0
1 0 1 0 −1
und
0 −1 0 0 0
1 1 −1 0 1
T −1
=
0 1 1 0 0 .
0 1 0 −1 0
0 0 1 0 −1
Man überprüft:
T −1 · A · T
0 −1 0 0 0 0 1 2 0 −2 1 1 0 0 1
1 1 −1 0 1 −1 −2 1 0 −1 −1 0 0 0 0
=
0 1 1 0 0 ·
1 1 −2 0 1
· 1 0 1 0 0
0 1 0 −1 0 −1 −4 0 2 0 −1 0 0 −1 0
0 0 1 0 −1 1 1 −4 0 3 1 0 1 0 −1
−1 1 0 0 0
0 −1 0 0 0
√
=
0 0 −1 0 0
.
0 0 0 2 1
0 0 0 0 2
Beispiel V.8.6. Wir haben mehrmals erwähnt, dass es nicht ähnliche Matri-
zen mit demselben charakteristischen Polynom gibt. Mit Hilfe der Jordanschen
Normalform können wir uns einen genaueren Überblick verschaffen. Es sei
χ(t) = (t−λ1 )l1 ·· · ··(t−λm )lm . Die Jordanschen Normalformen von Matrizen A mit
χA (t) = χ(t) stehen in Bijektion zu Tupeln (π1 , ..., πm ), in denen πj = (πjlj , ..., πj1)
eine Partition von lj ist, j = 1, ..., m. Damit kann man sofort eine Liste erstellen.
Wir betrachten das Beispiel
Die möglichen Partitionen von 3 sind (1, 0, 0), (0, 1, 1), (0, 0, 3), so dass sich ins-
gesamt neun Möglichkeiten ergeben:
203
Kapitel V. Eigenwerte und -vektoren
π1 π2 JNF µ
−2 1 0 0 0 0
0 −2 1 0 0 0
0 0 −2 0 0 0
(1,0,0) (1,0,0)
0 0 0 5 1 0
(t + 2)3 · (t − 5)3
0 0 0 0 5 1
0 0 0 0 0 5
−2 1 0 0 0 0
0 −2 1 0 0 0
0 0 −2 0 0 0
(1,0,0) (0,1,1)
0 0 0 5 1 0
(t + 2)3 · (t − 5)2
0 0 0 0 5 0
0 0 0 0 0 5
−2 1 0 0 0 0
0 −2 1 0 0 0
0 0 −2 0 0 0
(1,0,0) (0,0,3)
0 0 0 5 0 0
(t + 2)3 · (t − 5)
0 0 0 0 5 0
0 0 0 0 0 5
−2 1 0 0 0 0
0 −2 0 0 0 0
0 0 −2 0 0 0
(0,1,1) (1,0,0)
0 0 0 5 1 0
(t + 2)2 · (t − 5)3
0 0 0 0 5 1
0 0 0 0 0 5
−2 1 0 0 0 0
0 −2 0 0 0 0
0 0 −2 0 0 0
.
(0,1,1) (0,1,1)
0 0 0 5 1 0
(t + 2)2 · (t − 5)2
0 0 0 0 5 0
0 0 0 0 0 5
−2 1 0 0 0 0
0 −2 0 0 0 0
0 0 −2 0 0 0
(0,1,1) (0,0,3)
0 0 0 5 0 0
(t + 2)2 · (t − 5)
0 0 0 0 5 0
0 0 0 0 0 5
−2 0 0 0 0 0
0 −2 0 0 0 0
0 0 −2 0 0 0
(0,0,3) (1,0,0)
0 0 0 5 1 0
(t + 2) · (t − 5)3
0 0 0 0 5 1
0 0 0 0 0 5
−2 0 0 0 0 0
0 −2 0 0 0 0
0 0 −2 0 0 0
(0,0,3) (0,1,1)
0 0 0 5 1 0
(t + 2) · (t − 5)2
0 0 0 0 5 0
0 0 0 0 0 5
−2 0 0 0 0 0
0 −2 0 0 0 0
0 0 −2 0 0 0
(0,0,3) (0,0,3)
0 0 0 5 0 0
(t + 2) · (t − 5)
0 0 0 0 5 0
0 0 0 0 0 5
204
V.8. Die Jordansche Normalform
Aufgabe V.8.7.
Gegeben sei
3 5 −16 6
7 2 −17 7
A :=
1
∈ Mat(4; R)
0 −4 1
−5 −5 15 −8
a) Berechnen Sie das charakteristische Polynom von A und zerlegen Sie es in
Linearfaktoren.
b) Geben Sie die Jordansche Normalform und das Minimalpolynom µA von A
an.
c) Bestimmen Sie eine Matrix S ∈ GL4 (R), so dass S · A · S−1 die Jordansche
Normalform von A ist.
205
Literaturhinweise
[2] E. Brieskorn, Lineare Algebra und analytische Geometrie. I., mit histori-
schen Anmerkungen von Erhard Scholz, Friedr. Vieweg & Sohn, 1983.
viii+636 S. ISBN: 3-528-08561-4.
207
Literaturhinweise
208
Stichwortverzeichnis
209
Stichwortverzeichnis
210
Stichwortverzeichnis
211
Stichwortverzeichnis
212
Stichwortverzeichnis
213
Stichwortverzeichnis
214
Stichwortverzeichnis
Wohldefiniertheit, 54
Zeilenrang, 75
gleich Spaltenrang, 91, 122
Zeilenstufenform, 16, 26
ist nicht eindeutig, 19
Zeilenumformung, 14
zentrische Streckung, 9
zerfällt in Linearfaktoren, 163
Zerlegung in verallgemeinerte Eigen-
räume, 196
Zorn, 123
Zornsches Lemma, 123
Zwischenwertsatz, 39
zyklische Gruppe, 47
215