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Design Code Business Das Magazin Der Kreativbranche: WEB Trends

Das Dokument behandelt die aktuellen Trends und Entwicklungen im Bereich Design, insbesondere im Hinblick auf Jobprofile und Gehälter in der Kreativbranche. Es wird diskutiert, wie neue Technologien und interdisziplinäre Fähigkeiten die Anforderungen an Designer verändern und welche Skills in Zukunft gefragt sind. Zudem werden verschiedene Projekte und innovative Ansätze in der Gestaltung vorgestellt.

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Design Code Business Das Magazin Der Kreativbranche: WEB Trends

Das Dokument behandelt die aktuellen Trends und Entwicklungen im Bereich Design, insbesondere im Hinblick auf Jobprofile und Gehälter in der Kreativbranche. Es wird diskutiert, wie neue Technologien und interdisziplinäre Fähigkeiten die Anforderungen an Designer verändern und welche Skills in Zukunft gefragt sind. Zudem werden verschiedene Projekte und innovative Ansätze in der Gestaltung vorgestellt.

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07

/ Design › Code › Business » Das Magazin der Kreativbranche


14

WEB
TRENDS
visuell & technisch
Jobprofile & Gehälter • Disruptive Design • Geld durch Urlaub • iBeacon • JvM-Academy

$ $
07.2014 Responsive Webdesign Wie Hinderling Volkart [Link] zum Markenerlebnis
# 314 • 29. JAHRGANG

[Link] machte JvM-Academy Vor Ort bei den Kreativen von morgen Disruptive Design
DEUTSCHLAND CH 19,20 CHF
A 10,90 EUR
Was steckt hinter dem Schlagwort? Methodik & Cases Cannes Lions Die Favoriten
9,80 EUR L 11,50 EUR
der Jury Außerdem iBeacon • Stencil-Fonts • Start-up-Spots • Geld durch Urlaub
10842

4 191084 209802 07
editorial page 07.14 003

ANZEIGE
Auf die Plätze,
fertig, los:
Creative Titling 1200
Sportuhren
● VCD, IxD, HCI, UI, GUI, NUI Design? Wie kom­
plex unser Arbeitsfeld geworden ist, das zeigt sich in einer App !
nicht zuletzt am Buchstabengewirr unserer Jobbe­
zeichnungen. Früher, da unterschied man noch ein­
fach zwischen der Gestaltung von Print­ und Bild­
schirmmedien, zwischen klassischer und digitaler
Kommunikation. Heute wird UX, die User Expe­
Foto: Kirsten Nijhof

rience, großgeschrieben.
Klar, wir leben in einer hybriden Welt. Es geht um
die Gestaltung integrierter Nutzungserlebnisse, um
Emotionalisierung, um transmediales Storytelling,
um die digitale und die nicht digitale Interaktion.
Aber was genau macht so ein UX Designer überhaupt?
Handelt es sich bei UXD um eine klar abgegrenzte
Disziplin? Oder nicht vielmehr um einen übergrei­
fenden Bereich, der sich über Konzept, Design und
Development sowie Informationsarchitektur und
Interaction Design erstreckt? Und welche Skills be­
nötigt man dafür? Die Agentur SinnerSchrader etwa,
sie macht sich erst gar kein X für ein U vor. Sie sucht
schlichtweg folgendes Profil: »Digital. Hochintelli­
gent. Teamplayer. Nerd. (m/w) Und programmieren
kannst du auch. Den richtigen Job findest du bei uns.
Alles Weitere kannst du bei uns lernen.«
Skill Sets formen Tätigkeitsprofile, das T löst das
I ab: Individuen, die I­förmig in nur einer einzigen
Spezialdisziplin über tiefes Wissen verfügen, wer­
den es in Zukunft schwer haben. Gefragt sind T­för­
mig ausgeprägte Talente, die neben ihrer Kernkom­
petenz über ein breites interdisziplinäres Know­how
verfügen. Nicht von ungefähr ist zunehmend von
Creative Technologists und Coding Designern die
Rede. Ja, ob man sich in einer Agentur als UX oder
XYZ Designer bewirbt, ist dann beinahe schon irre­
levant. Entscheidend ist, dass Skill Set und Persön­
lichkeit aus den Arbeitsproben ersichtlich werden.
What you see is what you get! Die ultimative App für Taucher, Flieger,
Und auch wenn wir uns darum künftig vielleicht Läufer, Rugby-Spieler … Erleben Sie
einfach »Lord of WYSIWYG« nennen könnten, nicht gestochen scharfe Retina-Bilder auf
das Erfinden neuer Titel, sondern der Erwerb neuer Ihrem iPad oder iPhone. Filtern Sie das
Fertigkeiten und Kompetenzen bleibt das A und O Angebot nach Marke, Werk, Gehäuse
unserer Profession: Berufsbilder, Qualifizierungs­ oder Preis und legen Sie Ihre Favoriten in
strategien, Verdienstaussichten, siehe Seite 24 ff. der persönlichen Sammler-Box ab. Die
App Chronos SPORTUHREN gibt’s unter
Gabriele Günder, Chefredakteurin/Publisher [Link]/sportuhrenchronos
(info@[Link])
Ein Angebot der Verlagsgruppe Ebner Ulm
[Link]
004 PAGE 07.14

Inhalt
SIGNALE
006 Ideen, Projekte und Diskussionen

TITEL
024 Jobprofile & Gehälter
Neue Technologien erfordern neue Skills. Wir stellen
interessante Berufsbilder vor und sagen, was Sie
mit welchen Spezialisierungen verdienen können

THEMEN

046
040 Webtrends: visuell & technisch
Was kommt nach Parallax und Flat Design?
Developer und Designer wagen Prognosen

046 Reisen und dabei Geld verdienen


Manchen Kreativen gelingt es tatsächlich, das
Schöne mit dem Notwendigen zu verbinden

052 Cannes Lions 2014


Die Cannes-Juroren haben uns ihre Favoriten
genannt. Freuen Sie sich auf ganz großes Kino!

060 Stencil-Schriften
Prägnante Typo für prägnante Auftritte

NEUES
068 Spannendes aus Bild-, Typo-, Papier- und
Technikwelt
076 Publikationen für Gestalter und Developer

PROJEKTE
080 Rauminstallation für Olympus
Erst Hamburg, dann Berlin: Wir haben Clemens Behr
beim Aufbau und Umzug seines Kunstprojekts begleitet

086 Responsive Webdesign für [Link]


Wie Hinderling Volkart der Website der Traditions-
airline einen Erlebnis- und Performance-Schub verlieh

094 »TB Guide. Gesundheit & Medizin« für Berlin


Mit einem frischen Editorial-Design-Konzept verjüngte
Brandoffice die Traditionsmarke Das Telefonbuch

100 Nachwuchs
Projekte aus Hochschule, Agentur und Forschung 014
PAGE 07.14 005

WERKZEUG
104 Tutorial: iBeacon-Anwendung für iOS 7
Ivo Wessel zeigt Step by Step, wie Sie iOS-Devices für
Beacons und fürs Carsharing klarmachen

110 Ratgeber: Kameras für kreative Aufgaben


Worauf es bei der Wahl des Equipments ankommt

115 Disruptive Design: Methodik & Cases


Wir berichten, wie Innovatoren in der Praxis vorgehen

BRANCHE
122 Ortsbesuch: JvM-Academy in Hamburg
Jung von Matt und Good School haben gerade die
Ausbildung zum Kreativ-Konzepter gestartet
Foto: Todd Selby

128 Interview: Preethi Mariappan


Eine Begegnung mit der Ausnahmekreativen

024 132 Szene


Was die Branche und ihre Akteure bewegt

134 Einblicke
Mit wem würden Gestalter gern einmal Zeit verbringen

136 Report: Start-up-Spots


Was Gründer mit Fernsehwerbung erreichen können
und worauf sie dabei achten sollten

STANDARDS
003 Editorial
020 PAGE digital mit dem Portfolio von Sven Windszus
144 Impressum/Vorschau
146 Sieberts Betrachtungen

SERVICES
066 PAGE Abo 073 PAGE Einzelheftbestellung
127 PAGE eDossiers 143 Stellenmarkt 145 Shop

PAGE SEMINARE
022 »Infografik. Visual Storytelling« mit Jan Schwochow
038 »Die Design Studio Methode« mit precious
102 »Die Aura des Wertvollen« mit Mario Pricken
120 »Gutes Design entwickeln« mit Jochen Rädeker
121 »Gutes Design gut verkaufen« mit Jochen Rädeker
006 page 07.14 › Signale

Signale
ideen, projekte und Diskussionen
aus Design, Kommunikation
und Development finden Sie hier auf
[Link]

Kreative Notlagen. Für alle, die gelegentlich befürchten, den


Tag im Büro nicht zu überstehen, entwickelte Phoenix aus Mont-
real ein Survival Kit in drei Ausführungen ([Link]
[Link]): »Overtime« mit Anti-Stress-Ball, »Don’t Bother Me«-
Button und Erdnussbutter-Energieriegel für überarbeitete Kreati-
ve. Eine andere Box soll die Panik vor Präsentationen mildern, und
»Power Outage« hilft mit warmen Socken, Kerzen, LED-Taschen-
lampe und Mundharmonika, bei einem Stromausfall die Zeit zu
überstehen, bis die Rechner wieder arbeiten. In Kürze werden
die Survival Kits über die Phoenix-Website zu beziehen sein. ant
page 07.14 007

Foto: Phoenix The Creative Studio

Lasst mich in Ruhe!


Wenn der Kunde mal wieder
die Deadline vorgezogen
hat, dann doch bitte nicht
noch gestört werden. Der
Button aus dem Survival Kit
»Overtime« der kanadi-
schen agentur Phoenix
hält alle auf abstand
008 page 07.14 › Signale

„Wer online
gehässig ist, ist
es auch im
physischen
Leben“ Johnny Haeusler über Online-Pöbeleien im »Scout«-Interview

● Website-Relaunch. Unsere Kinder


sind alle komplett mediensüchtig, doch
irgendwie kümmert sich kein Mensch
darum. Löbliche Ausnahme: das Ma-
gazin »Scout« der Medienanstalt Ham-
burg / Schleswig-Holstein, realisiert von
G+J Corporate Editors. Seit drei Jahren
informiert und inspiriert es unermüdlich
Eltern, Lehrer und Erzieher auf intelli-
gente, unterhaltsame und auffällig gut
gestaltete Weise. Jetzt wurde die dazuge-
hörige Website [Link]
gründlich ausgebaut.
Das visuelle Konzept ist eng mit dem
Heft verzahnt. Bei jeder Ausgabe arbei-
tet »Scout« schwerpunktmäßig mit ei-
nem Illustrator zusammen, die letzten
beiden Male waren das Alfred Schüssler
mit reizenden altmeisterlichen Zeich-
nungen und die in Berlin lebende Paper-
Craft-Queen Chris Wiegandt. Diese Il-
lustrationen kommen online nun mit
den dazugehörigen Texten im Wechsel
zum Einsatz, was der Site einerseits vi-
suellen Zusammenhalt und andererseits
Abwechslungsreichtum verleiht.
Mit Nearly Normal Studios aus Lon-
don fertigte Chris Wiegandt aus ihren
Papierkreationen auch noch eine schö-
ne Stop-Motion-Animation für die Site
an. Glückwunsch für dieses einfache,
perfekte Zusammenspiel von Print und
Web an Artdirektorin Britta Hinz sowie
Webdesignerin Eva Hoefer! cg
page 07.14 009

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Alphabet der Nationen. Eine Anfang


2014 gegründete Unit von Grey Singapore
vereint Menschen aus unterschiedlichsten
Ländern mit internationalen Arbeitserfah-
rungen, um so die weltweite Betreuung des
Kunden GlaxoSmithKline zu gewährleis-
ten. Diesen Anspruch bringt die Abteilung
mit einer eigens geschaffenen Schrift zum Wegweisende Worte
● Leitsystem. Das belgische Mons ist Europäische
Ausdruck. Alle Buchstaben leiten sich aus Kulturhauptstadt 2015, und eine besondere Arbeit
wird die Gäste aus aller Welt durch das Städtchen
den Flaggen jener Länder ab, aus denen die leiten: »La Phrase«, ein 10 Kilometer langer gemal-
Mitarbeiter stammen oder in denen sie ge- ter »Satz«, der aus Zeilen berühmter Schriftsteller
wie Stefan Zweig oder Simone de Beauvoir besteht
arbeitet haben. Derzeit gibt es ı06 Zeichen. und sich die Bürgersteige entlang über Hauswände,
Schaufenster und Kreuzungen zieht.
Anwendung finden sie unter anderem im Die Autorin und Künstlerin Karelle Ménine hat
das Projekt initiiert, und umgesetzt wird es von Ruedi
Leitsystem des Büros, in Präsentationen Baur ([Link]), der bekannt für seine
künstlerischen Kollaborationen ist. Als work in pro-
und auf den personalisierten T-Shirts des gress soll von Dezember 2014 an 365 Tage lang jeden
Tag ein Segment der Phrase aufgetragen werden –
Teams. Eine schöne Idee, um einer Unit mithilfe einer Schablone, in Großbuchstaben und
als 20 Zentimeter breites, weißes Band. Dieses emp-
ein eigenes Gesicht zu geben und das Ge- fängt die Besucher am Bahnhof und führt sie Ende
meinschaftsgefühl zu fördern. nik 2015 in einem Rundparcours auch wieder dorthin
zurück ([Link]). sd

USa albanien Brasilien Chile Ukraine

Deutschland Hongkong indien Malaysia Vietnam


010 page 07.14 › Signale

Technik-Blocker
● Modekollektion. Wearable Technology ist in –
ob Google Glass oder T-Shirts mit Display. Aber
wollen wir Technik wirklich direkt am Leib tra-
gen, wenn wir doch sowieso permanent auf un-
ser Smartphone starren? Die nordamerikanische
Kaugummimarke Trident aus dem Hause Mon-
delez macht einen Gegenentwurf: Sie hat vom
japanischen Modedesigner Kunihiko Morinaga
eine Kollektion kreieren lassen, die ihre Träger
vor Technik beschützt.
Die Kleidungsstücke bestehen aus einem Ma-
terial, das nicht nur Wind und Regen abweist,
sondern auch Funkfrequenzen – so setzen sie das
Smartphone außer Gefecht. Was das mit Kau-
gummi zu tun hat? Tridents Erklärung: Kauen
hilft vielen Menschen, sich zu konzentrieren –
und genau das soll auch die technikabweisen-
de Kleidung leisten. Die Kollektion heißt ent-
sprechend Focus ([Link]
Zu kaufen gibt es die futuristisch anmutenden
Teile allerdings nicht. Sie waren lediglich in einer
Ausstellung in Toronto zu sehen. nik
page 07.14 011

Barbecue-Mailing. Der brasiliani-


sche Küchengerätehersteller Tramontina
brennt für gutes Barbecue und hat alles im
Programm, was man für ein perfektes Grill-
Dinner braucht. Das beweist er mit einer
ausgefallenen Mailingaktion, konzipiert
von der Kreativagentur JWT Brazil. Die
»Barbecue Bible« bietet Hilfe für jeden
Schritt: Angefangen bei der Grillkohle über
Küchenschürze, Schneidebrett und Mes-
serschärfer bis hin zu Platzdeckchen und
Küchentuch bestehen die »Seiten« kom-
plett aus nutzbaren Bestandteilen. Nur das
Fleisch muss man dazu kaufen. Das Ob-
jekt wurde an ausgewählte Köche ver-
schickt, eine abgespeckte Version soll dem-
nächst in den Handel kommen – allerdings
nur in Brasilien. Das stimmungsvolle Case-
Video macht Lust auf deftiges Barbecue
([Link] nik
Foto: Christian nielinger 012 page 07.14 › Signale

RZ_landscape_123rf_PAGE_28Mio.pdf 4 05.05.14 11:41


page 07.14 013

Licht ins Dunkle


● Ausstellungsgestaltung. Mit ihrem Bochumer
Büro Oktober Design haben sich Silke Löhmann und
René Wynands als eine der beliebtesten Anlaufstel-
len der Ruhrpott-Kulturszene etabliert. In der wun-
derschönen Dortmunder Zeche Zollern durften sie
nun – ungewöhnlich für eine Grafikdesignagentur –
die komplette Ausstellungsgestaltung für die Schau
»Über Unterwelten« übernehmen, die sich mit Un-
terirdischem vom alten Griechenland bis zum Luft-
schutzbunker befasst. Die Designer schufen in ein-
jähriger Arbeit eine Architektur aus polygonalen Flä-
chen ohne rechte Winkel, die eher auf emotionale
Erlebnisse und Unvorhersehbarkeit als auf Orien-
tierung setzt. Die Exponate leuchten auratisch aus direkt in einem Druckvorgang mit Text und Bildern links: erdspaltartige
einer dunklen Atmosphäre heraus. versehen. Selbst weiße 6-Punkt-Schrift ist da auf Vitrine in der ausstellung
Während »Über Unterwelten« bis 2. November dunklem Grund noch gut lesbar.« Statt also wie bis- »Über Unterwelten«.
Oben: neuartiger Direkt-
läuft, entstand parallel eine Dauerausstellung zur Ge- her auf Folie oder Papier gedruckte Bilder auf die
plattendruck
schichte der Zeche Zollern selbst. Dabei nutzte Ok- Wände aufzukaschieren und Texte wiederum per
tober Design erstmals den besonders langlebigen Siebdruck anzubringen, geht nun für die Gestaltung
Plattendirektdruck. »Bisher war das eher eine Tech- einer ganzen Wand ein einziges in InDesign ange-
nik fürs Grobe und für den Außenbereich«, so René legtes Dokument als PDF an den Drucker. Näheres
Wynands. »Neue Maschinen bieten jetzt aber fast über diese Erfahrungen von Oktober Design unter
Offsetqualität. Wir konnten schwarze MDF-Platten [Link]/direktplattendruck. cg
014 PAGE 07.14 › SIGNALE

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Mr Beam soll leben


Ein DIY-Laser-Cutter und -Graviergerät
für Holz, Leder oder auch Schokolade –
damit hat ein Münchner Entwickler- und
Designertrio offenbar den richtigen Riecher
gehabt: Nach 48 Stunden und 34 Minuten
war das Finanzierungsziel der Kickstarter-
Kampagne, 45 000 Dollar, erreicht (http://
[Link]/mrbeamkit). Zum Selbstbau-Kit des
Start-ups Mr Beam Lasers gehören
ein Raspberry-Pi-Rechner, Arduino-Uno-
Board und Open-Source-Software zur
Steuerung. Mr Beam ist in verschiedenen
Versionen ab 550 Dollar erhältlich. as

Genialer
Unsinn
Vom DIY-Laser-Cutter bis zu als Schokostückchen getarnten
Beacons: fünf Projekte von Künstlern und Start-ups

Paintball mit Laser


● Urban Game. »Dustcloud« heißt das Spiel
des gleichamigen Start-ups aus Durham, North
Carolina, bei dem man mit einer Laserpistole –
Duster genannt – auf Jagd gehen kann ( http://
[Link] ). Dafür kauft man das Gadget
für rund 40 Euro, lädt die App herunter, regis-
triert sich – und los geht’s: GPS-Marker zeigen,
wo die Gegner sind. Hat man einen erwischt,
gibt’s Punkte. Sechs Schuss (Speks) sind um-
sonst, jeder weitere kostet 5 Cent. ae
PAGE 07.14 015

Motorisierter Zeichenstift
● Maker-Druckwerkstatt. Mit der Installation »Long-
hand Publishers« ( [Link] )
zog das Antwerpener Designkollektiv Indianen ( www.
[Link] ) die Besucher des diesjährigen Graphic De-
sign Festivals Breda in den Bann. In den alten Redak-
tionsräumen der Regionalzeitung »BNDeStem« konn-
ten sie an drei Arbeitsplätzen jeweils eine Buchseite ge-
stalten. An nostalgisch angehauchten Eingabegeräten,
die an Leuchtpulte erinnerten, erstellten die Besucher
grafische Objekte, die sie mittels Drehreglern und Knöp-
fen nach Belieben verfremden konnten. Unter der Retro-
Oberfläche steckte jedoch moderne Technik wie das be-
liebte Maker-Board Arduino Due und ein Open-Source-
Soft warepaket aus openCV und openFrameworks.
Jeweils acht Seiten des kollaborativen Inputs fasste
Indianen am Ende zu einem Buch zusammen. Auch
hier setzte das Kollektiv, dessen Exponate bereits im
New Museum in New York und beim Ars Electronica
Festival in Linz zu sehen waren, auf Originalität: Um
die Seiten zu drucken, fuhr ein Zeichenstift, einge-
spannt in einen Schlitten, Zeile für Zeile über den
Druckbogen Diesen schnitt und falzte das Team, um
die Seiten schließlich zum Buch zusammenzulegen. as

Nur nicht blinzeln!


Wie eine große Leap Motion sieht das schmale
Gerät des Kopenhagener Start-ups The Eye Tribe
aus, mit dem User künftig Computer, Smart-
phones und Tablets mit den Augen steuern
können. Das elegante Tool kommuniziert mit
Android- und Microsoft-Betriebssystemen,
verfügt über eine USB-Verbindung und entfal-
tet für rund 100 Euro ein ganz neues Nutzer-
erlebnis. Der Release des Android-SDKs ist für
Herbst 2014 geplant ([Link]). ae

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Clevere Schoki. Was wie verführerische Scho-


koladenstückchen aussieht, das sind Bluetooth-Low-
Energy-Beacons, mit denen relayr in Berlin ( [Link]
wunderbar ) Entwicklern den Zugang zum Internet of Things
eröffnen will. Das knapp 150 Euro teure WunderBar-Set um-
fasst eine Wi-Fi-Unit und das SDK (Soft ware Development Kit)
für iOS und Android. Die dazugehörige App mit Tutorials soll hel-
fen, die »kinderleichte« Programmierung zu bewältigen. ae
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Moralfrage
Dürfen sich Kreative eigentlich über
Gentrifizierung aufregen?
Dr. Claudia Gerdes antwortet

● Schrecklich lustig fand die Zielgruppe des Berliner


Pop- und Netzkultursenders FluxFM dessen Kino-
spot »Der Gentrifizierer«. In ihm schwadroniert ein
wahrhaft holzgeschnitzter Wiener Immobilienhai
fies draufos und wird am Ende in die Spree gewor- Frag Helmut!
lust auf Ruhe oder Sturm, leicht-
fen. War zwar kein Schwabe, nur so ähnlich. Dem
sinn oder Weltschmerz, Drama
Klassenfeind wird’s aber mal richtig gegeben, oder? oder Humor? Die app ask Helmut
Wenn es doch nur so einfach wäre. FluxFM selbst ([Link] gibt
ist in den Wissinger Höfen beheimatet. Welche Teil Berlinern Veranstaltungstipps
jenes Mediaspree-Projekts sind, mit dem die linke für jede Façon. Ob Film, Theater,
Initiative »Mediaspree versenken!« schon seit Jahren Musik oder Kunst ist dabei
erst mal egal, nur die momen-
selbiges tun möchte. Es ist nun mal so: Die Immobi-
tane Stimmungslage zählt.
lienhaie stehen in der Nahrungskette relativ weit hin-
Damit öffnet sich das Blickfeld
ten. Vorher erobern die Kreativen mit Büros, Desi- für events, die man sonst
gnerlädchen und -cafés sowie als Wohnungsmieter nicht auf dem Schirm gehabt
oder -käufer bestimmte Stadtteile. Von wirklich allen hätte. Konzept und Design
gefressen werden jene, die sich nicht mal rühmen der kostenlosen app sind radikal
können, dem kreativen Proletariat anzugehören. Die einfach nach dem Frage-
noch keine Design-Uni von innen gesehen haben, antwort-Prinzip aufgebaut
und gleichzeitig persönlich
in keinem Start-up arbeiten, das ja vielleicht doch
und spielerisch. »Die Suche soll
was werden könnte, und nicht mit Mitte dreißig zur nicht mehr nerven, sondern
Not Geld von den Eltern kriegen. Spaß machen«, erklärt Beat
Noch sind wir nicht so weit wie in dem von der Halberschmidt, einer der
Tech-Elite beherrschten San Francisco, wo mickri- vier gründer, die alle aus dem
ge Zwei-Zimmer-Wohnungen durchschnittlich über Musik- und Kulturbereich
3000 Dollar kosten. Normale Familien – auch die kommen. Demnächst soll es
auch eine Browser-Version
Angestellten von Designercafékette oder Bio-Super-
geben. Die launigen, in Koope-
markt – haben da keine Chance mehr. Die Proteste
ration mit Künstlern gestal-
dagegen werden schärfer. So blockierten jüngst Ak- teten Werbeplakate wurden
tivisten die Google-Busse, die die Mitarbeiter aus der fast alle geklaut. nik
Stadt ins Silicon Valley bringen. Der »Klassenfeind«
wird mittlerweile in der Internet-Branche verortet,
denn die Immobilienhaie springen nur noch freu-
dig auf den Zug der Kostenexplosion auf.
Doch auch in europäischen Großstädten geht der
Prozess voran, übrigens auch durch das gerade bei
Kreativen ach so beliebte Airbnb, das als lukrative
Einnahmequelle die Wohnungspreise verdirbt. Sind
das alles womöglich Gründe dafür, dass ich mich vor
Kurzem in Amsterdam so gelangweilt habe, wo nur
Designschickimicki und Hipstertourismus, aber
kaum was vom einst legendären Multikulti-Under-
ground zu sehen ist? Wir sind alle Teil des Systems der
Gentrifizierung – und nicht nur auf Seite der Guten.
VIRTUAL SERVER
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018 page 07.14 › Signale

Die
2 Seiten
„Werkzeug/Spielzeug“
für page interpretiert von
Stephan Herrmann mit dem
arduino-Creator-Kit
↗[Link]
page 07.14 019
020 page 07.14 › Signale

PAGE digital
Was auf unseren digitalen Kanälen passiert [Link]-on [Link] pagemag

Zahlungsplan
Szene. Im neunten Teil unserer Berufspraxiskolum­
ne der Allianz Deutscher Designer erklärt Friederike
Sobiech, wie Sie am besten dafür sorgen, dass Kun­
den Ihre Rechnungen schnell zahlen. Ein gutes Fun­
dament dafür kann man schon im Angebot legen.
Zudem sollte man unbedingt Zwischenrechnungen
einführen. Das vermeidet Konflikte mit den Kunden.
↗[Link]/agd-9

TYPO Berlin 2014


Typo. »Roots« hieß das Thema der diesjährigen
TYPO­Konferenz. Wo kommt man her? Wo liegen
die inneren Werte der Gestaltung? Das waren einige
der Fragen, mit denen man Antworten darauf such­
te, wie man sich in globalen Zeiten kreativ positio­
nieren kann. Wir waren vor Ort, zeigen Highlights,
Projekte und verschiedene Lösungsansätze.
↗[Link]/typo-berlin-2014

Trend: Linienillus
Bild. Seit einiger Zeit fallen Arbeiten auf, in denen
Linien das beherrschende Gestaltungselement sind.
Vorreiter dieses Illustrationsstils sind Craig & Karl.
Aber auch Mirko Borsche setzte bei Plakaten für die
Bayerische Staatsoper auf satte Umrandungen, ge­
nauso wie Magnus Voll Mathiassen, der sie zu sei­
nem Markenzeichen machte.
↗[Link]/linienillus0714

Saft in satten Farben


Foto: Katie Newburn Photography

Kreation. Kaltgepresste Säfte gehören in Kaliforni­


en zum gesunden Lifestyle. Für Living Greens hat die
Agentur Noise 13 das Corporate Design überarbei­
tet und setzt dabei auf knallige Schlichtheit. Das Er­
scheinungsbild hebt sich so vom esoterischen Schick
anderer Labels wie Moon Juice oder dem cool­zeitge­
nössischen Style der Pressed Juicery ab.
↗[Link]/living-greens0714

PAGE Shop. Ob page Book, Schneidematte, PAGE Newsletter. abonnieren Sie jetzt den
Typometer oder einzelheft – einfach und bequem kostenlosen newsletter und bleiben Sie stets
bestellen auf [Link] up to date ↗[Link]/newsletter
page 07.14 021

Portfolio
des Monats
In jeder Ausgabe stellen wir ein
Mitglied der PAGE Community und
Highlights aus seinem Portfolio vor

Sven Windszus
[Link]/
portfolios/sven-windszus

● Schon im Grafikdesignstudium merkte


Sven Windszus, dass ihn Bewegtbild viel mehr
interessierte als statische Printmedien und
auch die Arbeit mit Sound und Musik reizte
Sven Windszus’ Kurzfilm
ihn. Seither verwandelt er die Natur in einen »Replace« entstand als freie
Ort, an dem Birken bersten und seltsame We­ Arbeit und ist ein Mix aus
sen sich verbreiten, schafft surreale Urlaubs­ Realbildern und 3D-Animationen
welten und lässt Animationen auf Realbilder
trefen. 2006 gründete er dafür gemeinsam
mit Lars Jandel das Motion­Design­Studio
Laikabase in Berlin ([Link]).
Mit der Animation
Ich bin Motion Designer, Freelancer »Splash« nahm der
Motion Designer
Ich biete Motion Design, 3D, Konzeption,
am eYeka Coca-
Film/Video
Cola Contest teil
E-Mail Sven@[Link]
Web [Link]
Standort Berlin

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und WeaVe – einfach und jederzeit runterladen Beste: printabonnenten bekommen die iOS-ausgaben gratis dazu. Jetzt
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page 02.14 061
aNZeIge

pRaXIS
Weitere PAGE Seminare finden
Sie unter [Link]/seminare

Infografik
Visual Storytelling –
Workflows &
Cases

Der Referent Das Seminar »Infografik«


● Jan Schwochow, gründer und geschäfts- ● Die Infografik erlebt einen wahren Boom: in Magazinen und Zeitungen
führer der golden Section graphics gmbH, ebenso wie in Geschäftsberichten und Firmenpräsentationen, in Internet und
gilt als einer der renommiertesten Infografiker TV. Damit entwickelt sich ein überaus vielseitiges, grenzüberschreitendes
weltweit. er und sein Team haben zahlreiche Tätigkeitsfeld für Grafik- und Kommunikationsdesigner, für Illustratoren und
nationale und internationale auszeichnungen Fotografen, für Interaction Designer und Animation Artists. Infografiken
erhalten, etwa bei den Malofiej awards, den können vielschichtige Inhalte rasch veranschaulichen. Doch je schneller und
european Design awards und beim aDC. er komplexer die Kommunikation insgesamt wird, umso achtsamer muss der
war unter anderem Leiter der Infografik-abtei- Kreative mit der Datenaufbereitung umgehen. Mit einer ästhetisch faszinie-
lung beim »stern«. Zuletzt baute er bei Kircher- renden Visualisierung ist es nicht getan, es geht um Inhalte, Einsichten und
Burkhardt eine Infografik-Unit auf, bevor er die Macht des Bildes. Und genau hier liegt denn auch für Jan Schwochow die
2007 sein eigenes Unternehmen gründete. er eigentliche Herausforderung. Es wird immer schwieriger, gute und verläss-
ist Herausgeber des Magazins »In graphics«. liche Quellen zu finden, um einen Sachverhalt korrekt und unverfälscht
wiederzuge-ben. Der Grafik- und Kommunikationsdesigner ist schon lange
nicht mehr nur reiner Gestalter, er ist zugleich Journalist und visueller Ge-
Die Agenda schichtenerzähler.

1 Das Wesen der Infografik – Jan Schwochow erläutert im PAGE Seminar anhand konkreter Praxisbeispiele,
Stärken und Schwächen wie eine Infografik entsteht – von der Recherche über die Skizze bis zur Rein-
Was kann und muss eine Infografik leisten, zeichnung und Animation. Er bietet tiefe Einblicke in die Arbeit eines Info-
und wie setzt man diese sinnvoll ein? Was unter- grafikers und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen reiner Information und
scheidet eine journalistisch geprägte grafik von guter Gestaltung – wertvolles Know-how vom Designprofi für Designprofis!
einer Visualisierung in der Unternehmenskom-
munikation? Inwieweit können sich Corporate
Infographics an eine bestehende CI anpassen? Das Seminar »Infografik« findet am 18. Juli 2014
im Hotel
gastwerk, Hamburg, von 9 bis 17:30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 648 euro
2 Vom Briefing über die Recherche zur (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die gebühr umfasst die Tagungskosten,
Umsetzung – Cases, Prozesse, Strategien Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 personen begrenzt!
Wie müssen die Basisinformationen für ein gutes also schnell anmelden unter [Link]/seminar
Briefing aufbereitet sein? Wie kommt man an die
relevanten Daten und damit auf die richtige Der PAGE Workshop mit Jan Schwochow lässt genug Zeit für Fragen und Diskus-
Idee? Ist weniger mehr oder mehr Information sionen und den Austausch der Teilnehmer untereinander.
hilfreicher? Wie gewinne ich den Kunden für die
Idee? Wie läuft die abstimmung mit ihm?
page // ebner Verlag gmbH & Co. Kg // info@[Link] //
3 Animation, Interaktion, Multichannel – Telefon: +49 40 85183400 // [Link]/seminar
die Wahl der Mittel und ihre Kalkulation
Wie setze ich Infografiken crossmedial ein? aufgrund der auf 18 personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die anmeldungen in der
Reihenfolge der eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung an. Sie
Ist eine statische oder eine interaktive, animierte ist sofort nach erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen. Bei
absage der Veranstaltung seitens der ebner Verlag gmbH & Co. Kg wird die Seminargebühr voll zurücker-
grafik besser? Wie gestalte ich den Workflow stattet. Darüber hinausgehende ansprüche bestehen nicht. Bei Stornierung der anmeldung bis spätestens
und habe die unterschiedlichsten Nutzungsarten 35 Tage vor Seminartermin berechnen wir 50 prozent, ab 34 Tage vor Seminartermin berechnen wir 100 pro-
zent der Teilnahmegebühr. Die Vertretung eines angemeldeten Teilnehmers ist jederzeit möglich. es werden
im Blick? Wie kalkuliere ich eine Infografik? nur schriftliche Stornierungen oder Namenswechsel akzeptiert. es gilt der poststempel.
024 page 07.14 › titel › Jobprofile & gehälter

TiTel

Was bin ich?


Sechs Abkürzungen –
sechs Berufsprofile.
Wissen Sie, was
sich hinter diesen
Jobtiteln verbirgt?
page 07.14 025

Das
kann ich
Neue Technologien erfordern neue Skill Sets –
was manchmal zu ungewohnten bis skurrilen
Berufsbezeichnungen führt. Wir haben uns in der
Branche umgesehen, Spezialisten nach ihrer
täglichen Arbeit und natürlich nach Karriere- und
Verdienstmöglichkeiten befragt

Das will
ich
026 page 07.14 › titel › Jobprofile & gehälter

kaum eigene Bildungsgänge zum


Konzepter, wie UX Designer auch
genannt werden (siehe Seite 32 f.).
Die Möglichkeit, im anerkannten
Ausbildungsberuf Mediengestalter
Digital und Print inhouse neue
Fachkräfte heranzuziehen, nutzen
Digitalagenturen kaum – eher sind
Praktika oder Trainee­Programme
die Regel. Einen neuen Vorstoß zur
önnten Sie aus der Hüfte sagen, was Nachwuchspflege unternimmt ge­
die Aufgabe eines Scrum Product rade die frisch gestartete JvM­Aca­
Owners ist? Was prädestiniert je­ demy mit der zweijährigen Ausbil­
manden dazu, sich Data Scientist dung zum Kreativ­Konzepter (sie­
oder Technology Evangelist zu nen­ he Seite 122 ff.)
nen? Eine Ausbildung dafür gibt Die beste Quelle in puncto neuer
es jedenfalls nicht. Und was macht Berufsbilder und der entsprechen­
ein UX Designer? Was unterschei­ den Anforderungsprofile sind nach
det ihn vom Visual Designer – oder wie vor Jobportale wie StepStone,
Halt, ist das nicht einfach nur ein Monster und Co. Aus ihnen geht
neuer Name für den altbekannten meist ziemlich klar hervor, was die
Grafikdesigner? Arbeitgeber an Vorbildung erwarten
Ob der vielen neuen Berufsbe­ (auch wenn die Vorstellung vom
zeichnungen schütteln Personal­ Wunschkandidaten nicht selten un­
verantwortliche in eher traditionell realistisch sein mag). So sollte ein
geprägten Unternehmen bisweilen Data Scientist beispielsweise ein In­
ungläubig den Kopf. Selbst in Digi­ „Wir brauchen Leute, formatik­ oder Mathematikstudium
talagenturen und Start­ups ist man
sich nicht immer einig, welches
die interdisziplinär absolviert haben und Statistik be­
herrschen. Wie der Alltag eines UX
Tätigkeitsprofil und vor allem wel­ zusammenarbeiten und Designers, Scrum Masters, eines Vi­
che Ausbildung sich hinter manch sual Designers, eines Verpackungs­
eigenwilliger Berufsbezeichnung damit integrierte designers und Infografikers aus­
verbirgt. »Auch wenn die Titel sich Lösungen finden, auf die sieht, lesen Sie ab Seite 29.
manchmal konstruiert anhören,
die Jobprofile dahinter gibt es meist sie allein nie kommen Der Nachwuchs will
wieder in die Agentur
schon länger. Irgendwann haben
sich Berufsbezeichnungen wie Ser­
würden“ In den vergangenen Jahren gehörte
vice Designer etabliert. Da hätte es Wolf Ingomar Faecks, Geschäftsführer die Kreativbranche nicht gerade zu
keinen Sinn, eine Jobanzeige für und Vice President Kontinentaleuropa den Wunschzielen von Berufsan­
einen Design Thinker zu kreieren, der Sapient GmbH ([Link]) fängern, doch die Lage scheint sich
auch wenn ich meine, dass der Be­ sowie GWA-Präsident wieder entspannt zu haben. »AKQA
ruf eher so heißen sollte«, stellt in Berlin kann sich über den Man­
Elfrun Otterbach, Director People gel an Bewerbern nicht beklagen.
and Talent bei Edenspiekermann, fest. Aus diesem Daraus schließe ich, dass der Nachwuchs sehr wohl
Grund geht Designerdock bei Anfragen von Unter­ interessiert ist, in einer Digitalagentur zu arbeiten«,
nehmen auch mehr nach den gewünschten Skills erklärt Julia von Winterfeldt, General Manager von
und den Problemen, die es zu lösen gilt, als nach der AKQA in Berlin. Das kann Elfrun Otterbach bestä­
Jobbezeichnung (siehe Interview auf Seite 28). tigen: »Zurzeit bekommen wir auch viele Anfra­
gen aus südeuropäischen Ländern. Diese Bewerber
Keine klaren Ausbildungswege sind meist sehr gut ausgebildet, manchmal hapert
Wie auch immer, geregelte Ausbildungswege führen es aber an den Sprachkenntnissen.«
jedenfalls in den seltensten Fällen in einen dieser exo­ Egal ob als Texter, Artdirektor, Konzepter, Coder
tischen Berufe. Das ist speziell für den Nachwuchs oder Berater – Werbe­ und Digitalagenturen suchen
verwirrend. Welche Ausbildung soll man nach dem junge Talente, die alle Kommunikationskanäle be­
Abitur wählen, wenn man UX Designer werden will? herrschen und sich unbefangen in ihnen bewegen.
Erst mal ein Designstudium beginnen und sich nach­ »Der Markt ist nicht gerade überschwemmt mit gu­
her spezialisieren, in der Hoffnung, während des ten Kandidaten, die meisten Studierenden denken
Studiums eine konkretere Vorstellung von den un­ immer noch, dass man in Digitalagenturen rund
terschiedlichen Ausprägungen des Designberufs zu um die Uhr arbeitet. Aus diesem Grund versuchen
erhalten? Das ist sicher sinnvoll, denn bisher gibt es wir mit unserer Hochschularbeit, dem Nachwuchs
page 07.14 027

Appetit zu machen«, erläutert Wolf nehmen wie Google, XING, Im­


Ingomar Faecks, Geschäftsführer monet oder eBay oder den vielen
und Vice President Kontinentaleu­ Start­ups. »Wir suchen bei Eden­
ropa der Sapient GmbH. spiekermann zurzeit dringend ei­
Je mehr die Grenzen zwischen nen weiteren Scrum Master«, sagt
klassischer und digitaler Werbung Michael Börner, Account Director
verschwimmen, desto besser dürf­ bei Edenspiekermann in Berlin. Ein
ten die Chancen für alle Agentu­ kompliziertes Unterfangen, denn
ren stehen, Berufseinsteiger für sich Scrum Master sind traditionell im
zu gewinnen, denn derzeit ist der Umfeld der Softwareent wicklung
Zulauf bei Digitalagenturen auf je­ verhaftet und haben Agenturen als
den Fall größer als der bei klassi­ Arbeitgeber bis jetzt kaum auf dem
schen Werbeagenturen. Allerdings Radar. Doch können Agenturen in
kann auch diese Beobachtung re­ dem viel beschworenen »War for
gional variieren. »In Frankfurt ha­ Talents« ein kreativeres Arbeitsum­
ben wir vor allem in den klassi­ feld, flache Hierarchien, interna­
schen Werbedisziplinen kein Prob­ tionale Netzwerke sowie abwechs­
lem mit Nachwuchs, dafür ist das lungsreiche und spannende Pro­
Angebot an Mitarbeitern im digi­ jekte ins Feld führen.
talen Umfeld geringer«, sagt Marie »Bei Sapient gibt es verschiedene
Isabel Zeh, HR Manager Recruiting Karrieremöglichkeiten. Man kann
bei Leo Burnett. sich fachlich weiterbilden, in die
Personal­ und Management­Ver­
Feste Mitarbeiter gesucht! antwortung gehen oder sich über
Im Frühjahrsmonitor 2014 des Ge­ die Kunden zum Client Services
samtverbands Kommunikationsa­ Director entwickeln – und damit
genturen GWA e.V. gaben 69 Pro­ „Wir wollen größere Marken, größere Kunden
zent der befragten Agenturen an, sie
hätten in diesem Jahr mehr fest an­
kreative Mitarbeiter, und größere Budgets betreuen«,
sagt Wolf Ingomar Faecks. Bei Fork
gestellte Mitarbeiter als im Jahr zu­ die integriert denken, Unstable Media in Hamburg hat
vor. Immerhin ein Wachstum um man die hohe Bedeutung von Auf­
18 Prozentpunkte. Diesen deutli­ also sowohl das Digitale stiegschancen ebenfalls erkannt:
chen Trend bestätigt auch Indra wie auch das Klassische »Auch bei vierzig Mitarbeitern muss
Sarkar von Designerdock. Ein nicht ein Unternehmen Möglichkeiten
unwesentlicher Grund für das Mehr nachvollziehen bieten, sich durch zunehmende
an Festanstellungen dürfte der sein,
dass immer mehr Agenturen agil
können“ Personalverantwortung weiterzu­
entwickeln«, so Roman Hilmer.
arbeiten, was die ständige Präsenz Julia von Winterfeldt, In puncto Gehälter äußern sich
der Mitarbeiter voraussetzt (siehe General Manager von fast alle Unternehmen eher zurück­
PAGE 06.14, Seite 24 ff.). AKQA Berlin haltend, kaum jemand will sich bei
»Wichtige Funktionen möchten ([Link]) den beschäftigten Berufsgruppen
Unternehmen mit fest angestellten auf eine bestimmte Einkommens­
Mitarbeitern besetzen, schon allein spanne zwischen Junior und Senior
um eine stabile Firmenkultur zu leben, die wiede­ festlegen. Daher haben wir Gehaltsübersichten aus
rum Anreiz für neue Bewerber sein kann und das verschiedenen Quellen zusammengetragen (siehe
Unternehmen nach außen darstellt«, so Wolf Ingo­ Seite 36 f.). Auch AKQA­Geschäftsführerin Julia von
mar Faecks. Freelancer setzen die Agenturen vor Winterfeldt wollte sich nicht konkret äußern, bringt
allem im Bereich Development ein, um Spitzen ab­ es aber charmant auf den Punkt: »Man kann in je­
zudecken. Auch für die Konzeption holen sich dem Segment gut verdienen, wenn man gut ist.« ae
Agenturen Freelancer ins Haus. »Selbst Junior­Kon­
zepter haben schon volle Auftragsbücher, wenn
PAGE eDossier »Job & Karriere«.
sie sich clever anstellen«, sagt der Hamburger UX ein eDossier mit aus- und Weiterbildungs-
Architect Stefan Bodeit. angeboten für Kreative finden Sie gratis
unter [Link]
War for Talents
Was Technik­, Strategie­ und Management­Talen­
PAGE eDossier »Frei oder angestellt in
te mit digitalem Hintergrund angeht, müssen die der Kreativbranche«. einen Überblick über
Agenturen allerdings inzwischen mit traditionellen gehälter und Honorarrichtlinien sowie
Arbeitgebern wie Otto, Tchibo oder der Deutschen wertvolle Verhandlungstipps gibt’s unter
Bank ebenso konkurrieren wie mit Digitalunter­ [Link]
028 page 07.14 › titel › Jobprofile & gehälter

„Der Arbeitsmarkt brummt“


● Indra Sarkar arbeitet bei Designerdock Berlin, Entwickler nicht mit Programmierern konkurrieren,
wo sie als Personalberaterin täglich Kreative an Un­ die breiter aufgestellt sind.
ternehmen vermittelt. Mit uns sprach sie über die Welche Voraussetzungen müssen Bewerber
Tendenz zur Festanstellung, gefragte Jobs und die heute generell mitbringen?
Sprachverwirrung bei vielen Berufsbezeichnungen. Sie sollten einen Fokus haben, also schon eine ge­
wisse Spezialisierung, und diese auch vermarkten
Wie sieht es auf dem Arbeitsmarkt aus? können. Das heißt nicht, dass sie nie wieder etwas
Indra Sarkar: Insgesamt sehr gut, tendenziell gibt anderes tun dürfen, sondern dass sie für den Mo­
es deutschlandweit mehr offene Stellen als geeig­ ment erkannt haben, was sie gerne machen und auch
nete Leute. Bei Designerdock Berlin haben wir seit gut können. Das ist wichtig, weil für die andere Sei­
einiger Zeit verstärkt Anfragen nach Festangestell­ te deutlich werden muss, ob man zueinander passt.
ten. Freelancer werden hier oft nur noch für den Schließlich ist es etwas anderes, ob ich Grafikdesig­
Notfall oder in Ausnahmesituationen gebucht. Es ner oder Kundenberater für eine Werbeagentur oder
gibt sehr viel zu tun; der Arbeitsmarkt brummt. für eine Agentur werden will, die vor allem Informa­
Welche Jobs sind besonders gefragt? tionsbroschüren entwirft. Beides ist Grafikdesign,
Programmierer, Software­ und Datenbankentwick­ aber mit sehr unterschiedlichen Anforderungen, und
ler – alles rund um Internettechnologie. Ich spreche meist kann man nicht beides gut. Wichtig ist heute
allerdings von einem bestimmten Niveau. Bei uns ge­ auch, international ausgerichtet zu sein. Aber das
fragt sind Developer mit PHP­ und MySQL­Kennt­ xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx sind die meisten Bewerber ohnehin.
nissen, CMS­Entwickler oder App­Spezialisten. Gibt es Jobs, die erst kürzlich entstanden sind?
Und was wird im Kreativbereich gesucht? »Momentan Zunehmend wichtig wird Big­Data­Analyse, hier wer­
Alles, was mit UX Design zu tun hat. Das können
gibt es eine den neue Jobs entstehen. Zwar gab es die quantita­
Designer, aber auch Konzepter sein. Bedarf besteht tive Marktforschung schon immer und viel anderes
auch an Textern und Grafikern auf hohem Niveau, unglaubliche ist auch Big­Data­Analyse nicht. Aber die Datenmen­
vorausgesetzt, sie haben Verständnis und Affinität babylonische gen sind heute eben gewaltig, sodass man andere
zu digitalen Medien. Begehrt sind zudem sehr gute Tools beherrschen – und vielleicht auch andere Fra­
Leute in der Digitalstrategie: Produkt­ und Service­
Sprachver- gen stellen muss. Recht neu ist auch das Arbeitsfeld
entwickler et cetera. Händeringend werden auch gu­ wirrung bei UX Design; anders als die Programmierung, die es
te Leute fürs Online­Marketing gesucht. den Jobbe- ja schon lange gibt.
In welchen Jobs verdient man besonders gut? Manche Jobanzeigen vermitteln den Eindruck,
Eigentlich in allen Jobs jenseits des »normalen«
zeichnungen« dass Arbeitgeber selbst nicht genau wissen,
Grafik­ oder Screendesigners. Gut bezahlt wird lo­ Indra Sarkar, wie sie das, was sie suchen, nennen sollen.
gischer weise in der Programmierung, weil dort der Personalberaterin bei Tatsächlich gibt es eine unglaubliche babylonische
Bedarf hoch ist. Es gibt aber keine Blase wie vor rund Designerdock in Berlin Sprachverwirrung, und das macht es für Bewerber
zehn Jahren, als die Nachfrage riesig war und die oft schwer herauszufinden, welche Stelle überhaupt
Leute wer weiß was verlangen konnten. Doch gute für sie infrage kommt. Das fängt schon bei Jobs wie
Programmierer können immer noch recht hohe Projektmanager an. Da steht »Projektmanager« drü­
Einstiegsgehälter fordern. ber, und drin ist jedes Mal was anderes. Es kann sein,
Wie hoch ist denn hoch? dass Titel und Anforderungen gar nicht zusammen­
Sagen wir es mal so: Wenn jemand einen Junior für passen. Oder es wird ein Grafiker gesucht, weil die
2000 Euro brutto sucht, finde ich für ihn garantiert Position in der Agentur schon immer so hieß, ver­
keinen Programmierer, aber Texter oder auch Gestal­ langt wird aber, dass er zu mindestens 80 Prozent
ter. Bei Design kommt es wirklich auf die Qualität der digitale Projekte betreut. Das ist dann eigentlich kein
Mappe und die absolvierten Praktika während des Grafiker mehr, sondern ein Screendesigner, um ein
Studiums an. Ganz ordentlich verdienen kann man einfaches Beispiel zu wählen.
hier ebenfalls mit Spezialistentum. Bei Konzeptern Also sollte man nicht auf die Jobbezeichnung,
ist es ähnlich wie bei Designern: Gut verkaufen kön­ sondern auf das Anforderungsprofil schauen.
nen sich die ganz genialen Denker. Höher bezahlt Genau. Gerade in den neueren Bereichen schwim­
wird außerdem alles, was mit Analyse und Strategie men die Unternehmen oft bei den Jobbezeichnun­
zu tun hat. Tendenziell gilt nach wie vor, dass in Un­ gen. Da kann es sein, dass sie sich Fantasienamen
ternehmen besser bezahlt wird als in Agenturen. ausdenken oder einfach falsch betiteln. Daher orien­
Wie sieht es mit Karrierechancen aus? tieren wir uns immer nur an der Problemlösung. Wie
Aufsteigen kann man in allen Bereichen. Es gibt aber man das Kind dann hinterher nennt, ist dann noch
auch ein paar Sackgassen, wenn man sich inhalt­ mal was anderes. Für die Suche nach Bewerbern
lich nicht weiterentwickelt und dann von anderen muss man vor allem schauen, welches Problem das
überholt wird. So können beispielsweise reine App­ Unternehmen gelöst haben möchte. ant
page 07.14 029

Scrum Master
... steuern Projekte auf Basis der agilen
Entwicklungsmethode Scrum.
Dazu müssen sie Moderator, Coach und
Mentor in Personalunion sein

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Jobbezeichnung Scrum Master, Certified ScrumMaster


(CSM)

Foto: edenspiekermann
Ausbildung Schulungen zum Certified ScrumMaster
nach Vorgaben der Scrum Alliance
([Link])
Verdienst laut [Link] ab 4000 euro aufwärts

crum­Projekte folgen einer ho­ »Der Scrum Agenturen allerdings gegen große softwaregetriebe­
hen Dynamik, und damit dar­ ne Unternehmen wie Google, ImmobilienScout24
aus kein Chaos wird, gibt es den Master ist ein oder Zalando behaupten. Zu Beginn der Scrum­
Scrum Master. »Am Anfang des König ohne Implementierung ist Scrum Master ein Vollzeitjob,
Projekts führe ich in die Scrum­ Königreich. da die neuen Abläufe, das Zusammenwachsen des
Regeln ein und sichere ihre Ein­ Teams und das Erlernen der Rollen tief in beste­
haltung«, erzählt Michael Bör­ Nur durch die hende Strukturen eingreifen. Edenspiekermann hat
ner, Scrum Master bei Edenspiekermann in Berlin. Kraft der bereits vor drei Jahren auf Scrum umgestellt, den­
»Vor allem aber sorge ich dafür, dass das Team unge­ Überzeugung noch muss Michael Börner immer wieder Grund­
stört arbeiten kann. Ich interveniere bei mangelnder lagenarbeit leisten.
Kommunikation, bin Schiedsrichter bei persönli­ hält er das Neben dem fachlichen Scrum­Know­how muss
chen Konflikten und räume Hindernisse aus dem Team auf der der Scrum Master ein aktiver Zuhörer sein und ein
Weg«, etwa wenn der Vorgesetzte einem Teammit­
Spur« großes Maß an Empathie, Diplomatie, Lebenserfah­
glied während eines Sprints zusätzliche Aufgaben rung und Organisationsgeschick mitbringen. »Des­
zuzuschieben versucht. Michael Börner halb sollten nur Seniors ohne überbordendes Ego
Der Scrum Master moderiert Meetings wie Daily (zweiter von rechts) die Rolle übernehmen«, so Börner. Er warnt: »Auf
Scrums oder die meist 14­täglichen Review­ und Account Director keinen Fall darf man als Scrum Master versuchen,
Planning­Meetings. Er gestaltet die Retrospektiven und Scrum Master bei die Rolle des Teamchefs zu spielen, oder dem Team
am Schluss eines Sprints, in denen das Team erneut Edenspiekermann vorschreiben, auf welche Weise es die Arbeit zu er­
die Abläufe betrachtet und weiter optimiert. »Das in Berlin ledigen hat.« Der Scrum Master ist zwar eine Füh­
Backlog ist unser wichtigstes Arbeitsmittel und zen­ rungskraft, aber kein Vorgesetzter. Es gehört nicht
trales Steuerungsinstrument. Es gibt jederzeit Auf­ zu seinen Aufgaben, Arbeitsanweisungen zu geben
schluss über den Entwicklungsprozess. Daher gehört oder disziplinarisch vorzugehen. Seine Rolle ist die
es zu meinen Aufgaben, den Product Owner, der bei eines Servant Leaders – er muss überzeugen, indem
uns immer ein Kundenvertreter ist, daran zu erin­ er sich der Bedürfnisse des Teams annimmt.
nern, alle Anforderungen festzuhalten und das Back­ Bevor er 2010 einen zweitägigen Zertifizierungs­
log kontinuierlich zu aktualisieren«, sagt Börner, der lehrgang zum Scrum Master absolvierte, war Börner
auch die zwei Scrum Master bei Edenspiekermann fast 13 Jahre klassischer Projektmanager. Aus heuti­
in Berlin anleitet. In seiner Funktion als Account ger Sicht würde er ein Studium der Kommunikati­
Director leitet er den Bereich Digital Products and onswissenschaften, Psychologie oder Pädagogik als
Services mit dem Augenmerk auf Wirtschaftlichkeit Grundlage empfehlen. Michael Börner ist überzeugt:
der Projekte, Organisation, Ressourcenmanagement »Ein Scrum Master muss die Fähigkeit haben, ande­
und agilem Arbeiten. re zu befähigen.« ae

Überzeugen statt anweisen


PAGE eDossier »Projektmanagement in der
Seit agile Arbeitsweisen auch in der Kreativbranche Kreativbranche«. Das eDossier mit vielen tipps
Einzug halten, sind Scrum Master sehr gefragt. Bei rund ums agile projektmanagement gibt’s
der Suche nach geeigneten Kandidaten müssen sich unter [Link]
030 page 07.14 › titel › Jobprofile & gehälter

Managing Designer
Management- und Beratungskompetenz wird im Designbereich immer wichtiger.
Wir sprachen mit Claudia Tietge, Teamleiterin User Experience Design bei Phoenix Design in Stuttgart,
über die Aufgaben an der Schnittstelle zum Kunden

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Jobbezeichnung Managing Designer


Ausbildung Designstudium sowie einige Jahre
Berufserfahrung in Agenturen oder designorientierten
Unternehmen
Verdienst (brutto) ab 6000 euro

ls Teamleiterin sind
Sie zugleich Managing
Designer?
Claudia Tietge: Nein, aber teil­
weise überschneiden sich die
Aufgabengebiete. Die Position
des Managing Designers etab­
lieren wir gerade. Zum einen weil wir unseren Se­
nior Designern eine Entwicklungsmöglichkeit ge­
ben wollen, und zum anderen weil Phoenix Design
Kunden hat, bei denen wir mehrere Projekte gleich­
zeitig betreuen. Da braucht es jemanden, der sämt­
liche Aspekte im Blick behält. Einen Gestalter mit
hohem Designanspruch, der Management­ und Mar­
kenkompetenz mitbringt und in größeren Zusam­
menhängen denkt. Das heißt, er muss vieles im Blick behalten und
Was gehört zum Aufgabenbereich eines sehr beweglich sein.
Managing Designers? Unbedingt, ein Managing Designer muss ein Orga­
Bei Phoenix Design ist er der Ansprechpartner für nisationstalent sein. Er hat sehr viel Projektmanage­
den Kunden, bringt aber – anders als ein Berater – menterfahrung, eine hohe soziale Kompetenz und ist
auf jeden Fall einen Designhintergrund mit und ver­ sehr kommunikativ. Er spricht die Sprache der De­
fügt über Wissen in den angrenzenden Designdis­ »Managing signer und kennt die Möglichkeiten in der Entwick­
ziplinen. Er ist also sehr nah am Kunden dran, klärt Designer lung; zugleich spricht er die Sprache des Kunden.
dessen Bedürfnisse, entwickelt mit ihm zusammen Außerdem muss er projektübergreifend denken, die
die Portfoliostrategie und berät ihn vor allem in der
sprechen die Themen Portfoliostrategie und Corporate Design be­
Designsprache. Der Managing Designer ist einge­ Sprache herrschen und über ein gutes Maß an Diplomatie ver­
bunden in die Produkt­ und Markenführung des je­ der Designer fügen. An vielen Stellen übernimmt er auch die Kon­
weiligen Unternehmens, er kennt den Wettbewerb zeptions­ und Entwurfsaufgaben eines Designers.
und die Bedürfnisse der Zielgruppe. und kennen Mit wem arbeitet der Managing Designer
Intern koordiniert der Managing Designer gleich­ die Möglich- hauptsächlich zusammen?
zeitig mehrere Projekte. Dabei kann es sich auch um keiten in der In der Agentur mit den jeweiligen Projektleitern. So
interdisziplinäre Jobs handeln, bei denen beispiels­ ist er selbstverständlich bei Briefings, Feedbackrun­
weise Interaktions­ und Produktdesign, User Tes­ Entwicklung; den und Präsentationen dabei. Zudem arbeitet er
ting, Programmierung und Modellbau zusammen­ zugleich mit den Teammanagern, mit denen er sich fachlich
kommen. Angenommen, Phoenix Design arbeitet sprechen sie austauscht und die Projektteams zusammenstellt.
für ein Unternehmen mit vielen Produktlinien oder Natürlich arbeitet er auch eng mit der Geschäftsfüh­
­systemen. Es entstehen Produkte und Bedienober­ die Sprache rung zusammen. Auf Kundenseite stimmt er sich
flächen innerhalb unterschiedlicher Projekte, die im des Kunden« mit den dortigen Projektmanagern ab. Er begleitet
Sinne eines stimmigen Corporate Designs entwi­ Projekte von der ersten Idee bis zur Serienreife.
ckelt werden sollen. In diesem Fal muss ein Mana­ Claudia Tietge, Wo ist ein Managing Designer
ging Designer die durchgängige Designsprache im Teamleiterin User hierarchisch anzusiedeln?
Auge behalten. Er muss darauf achten, dass das Zu­ Experience Design Der Managing Director steht nach dem Senior De­
sammenspiel von Markentypik und nutzerzentrier­ bei Phoenix Design signer auf der nächsten Karrierestufe neben dem
tem Design stimmt. in Stuttgart Teammanager und Leading Designer. ant
page 07.14 031

Visual Designer
... sind in digitalen Medien ebenso zu Hause wie in
der Printgestaltung, denn heute sind
medienübergreifende Kommunikationskonzepte gefragt

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Jobbezeichnung Visual Designer, Grafikdesigner,


User interface Designer, Digital Designer, Creative Designer,
Screendesigner, Kommunikationsdesigner
Ausbildung Grafik- oder Kommunikationsdesignstudium
Verdienst (brutto) Junior ab 1500 , Senior ab 3500 euro

rafikdesigner, Kommunikati­
onsdesigner, Screendesigner,
Digital und Creative Designer –
die vielen Bezeichnungen für
den Visual Designer zeigen den
tiefgreifenden Wandel an, den
dieses Berufsbild erfahren hat.
Ordnet man den Begriff Grafikdesigner auch heute
noch eher dem Printbereich zu, so haftet dem Visual
Designer etwas Modernes, Internationales an, das
die Arbeit mit digitalen Interfaces und crossmedia­
len Konzepten impliziert. Hier gilt einmal mehr: Be­
urteilen Sie lieber die Skills als die Jobtitel!
Immerhin, seit HTML5 und Webfonts Einzug ins
Webdesign gehalten haben, ist die digitale Gestal­
tung auch für viele zunächst noch klassisch orien­ »Als Designer Dazu gehört auch der Mut auszubrechen und Fehler
tierte Grafikdesigner interessant geworden. So be­ zu machen«, so die Erfahrung von Johannes Ritzel.
richtet Johannes Ritzel, Senior Designer bei AKQA sollte man In Kommunikations­ und Digitalagenturen ist der
in Berlin: »Bis vor einigen Jahren boten die digita­ nicht nur am Visual Designer meist für die grafische Umsetzung
len Medien noch nicht so viele gestalterische Mög­ Computer, von Konzepten verantwortlich, die der Kreativ­ oder
lichkeiten wie heute. Damals hatte ich im Editorial der Artdirektor entwickelt hat. Doch sein Tätigkeits­
und Branding viel mehr kreativen Freiraum.« Des­ sondern viel bereich beschränkt sich sicher nur im Junior­Status
halb spezialisierte Ritzel sich zunächst auf Corpo­ mit der Hand darauf, alles hübsch anzumalen. Mit zunehmender
rate­Design­ und Corporate­Identity­Entwicklung arbeiten, Seniorität entwickelt er selbst visuelle Konzepte,
im Printbereich. Heute ist sein Job bei der Inter­ die crossmedial zum Einsatz kommen. Daher be­
active­Agentur AKQA sehr vielfältig. »Neben dem denn Ideen zeichnen sich manche Visual Designer in Abgren­
Visual Design mache ich Konzeption für Pitches, lassen sich oft zung zum Interaction Designer lieber als Creative
Artdirektion und bin auch bei der Umsetzung, zum viel schneller Designer. Die Karriereleiter führt vom Visual Desig­
Beispiel bei Fotoshootings, dabei.« ner über die Artdirektion hin zur Kreativdirektion.
Doch egal, ob der eigene Schwerpunkt mehr im von Hand Basis für den Beruf als Visual Designer ist eine
Print­ oder im Digitalbereich liegt – das Handwerks­ scribbeln« Ausbildung zum Grafik­ oder Kommunikationsde­
zeug des Visual Designers ist das gleiche. Für eine signer an einer Hoch­, Fachhoch­ oder Berufsfach­
Markenwebsite muss er Farbe, Form, Layout und Johannes Ritzel, schule. Johannes Ritzel etwa machte seinen Master
Typografie genauso beherrschen wie für Geschäfts­ Senior Designer bei am London College of Communication und absol­
berichte oder Unternehmensbroschüren. Auch um­ AKQA in Berlin vierte zuvor an der Arts University Bournemouth
fassende Kenntnisse im Umgang mit Grafikpro­ seinen Bachelor in Graphic Design, um internatio­
grammen sind selbstverständlich. nal arbeiten zu können. »Bei AKQA sprechen wir zu
80 Prozent englisch, arbeiten mit internationalen
Visuelle Konzeption Kunden und internationalen Kollegen zusammen.
Darüber hinaus wird das Verständnis für interaktive So hatte ich es mir vorgestellt.« ae
Konzeption, Nutzerführung und Usability immer
wichtiger. Hier ist es nützlich, Wireframing­Tools zu PAGE eDossier »Kreative Konzepte
beherrschen. »Letztlich ist das Medium egal, es ist visualisiseren«. Das eDossier gibt’s unter
immer eine Designaufgabe, keine Frage der Technik. [Link]
032 page 07.14 › titel › Jobprofile & gehälter

ter bis zu der Entscheidung, welche Knöpfe ich wo


UX Designer positioniere.« Erst danach kommt der Visual Desig­
Für kaum einen Beruf im interaktiven Umfeld gibt es mehr Bezeich- ner an die Reihe und entscheidet, welche Farbe und
nungen. Trotzdem: Ob UX Designer, Information Architect oder Form der Button haben soll.
Online-Konzepter – sie alle konzipieren interaktive Anwendungen »Als UX Designer muss man sich in den Nutzer
hineinversetzen können und das Produkt oder den
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Service aus seiner Sicht gestalten«, so Bodeit. Dafür
muss man nicht nur dreidimensional, sondern vor
Jobbezeichnung User experience Designer (UX Designer), UX Architect, UX Consultant, allem auch quer denken können, denn oft stellt sich
interaction Designer (ixD), information Architect (iA), Online-Konzepter im Zusammenhang mit der Usability eines Produkts
Ausbildung Designstudium mit Schwerpunkt interaction Design, wie es zum Beispiel auch die Frage nach neuen Interaktionsformen jen­
an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim/
seits gängiger Eingabegeräte wie Maus, Tastatur und
Holzminden/Göttingen oder an der Fachhochschule Potsdam möglich ist
Touchscreen. Das Handwerkszeug des UX Designers
Verdienst (brutto) Als festangestellter Junior-Konzepter rund 2000 euro, als
UX lead bis 6000 euro, Freelancer (Senior) 600 bis 800 euro Tagessatz sind Papier und Stift, mit denen er die ersten Scrib­
bles zeichnet. »Auch Wireframing­Tools wie Axure,
Balsamiq oder Wirefy gehören dazu. Mit ihnen er­
stelle ich erste Klickdummys, anhand derer ich das
Konzept auf seine Machbarkeit hin überprüfe und
efragt, wie er zum UX Design ge­ »Gefühlt dem Team und Kunden schon einmal einen erlebba­
kommen ist, antwortet der frei­ ren Einblick vermittle.« Manchmal lädt Bodeit auch
berufliche UX Architect Stefan
führt man als befreundete Experten ein, wenn der Projektplan (mal
Bodeit aus Hamburg: »Ich bin UX Designer wieder) nicht ausreichend Zeit fürs Testing vorsieht.
der klassische Quereinsteiger.« immer einen »Das ist aber enorm wichtig, um herauszufinden,
Ursprünglich absolvierte er ei­ ob man wirklich im Sinne des Users gearbeitet hat.«
ne Ausbildung zum Werbekauf­
Mehrfronten- »Als Konzepter braucht man eine harte Schale.
mann beim Radiosender FFN und entwickelte dort krieg. Man Man muss die Wünsche des Nutzers vertreten, dem
bereits Konzepte für Kooperationen. 1999, mitten im muss sein Kunden eine Lösung anbieten, Design und Develop­
Internetboom, wechselte er zu Kabel New Media, wo ment steuern und die eigene Meinung dabei nicht
er erst als Content Developer arbeitete und sich dann
Konzept wirk- vergessen«, erklärt Bodeit. »Gefühlt führt man als
immer mehr in die Online­Konzeption »hineinwurs­ lich gut ver- Konzepter immer einen Mehrfrontenkrieg.« Dafür
telte«. Seit 2000 – nach der Insolvenz der Agentur – treten und braucht man eine stabile Persönlichkeit, darf sich
ist Bodeit freiberuflich als Konzepter, dann als Infor­ nicht scheuen, eine eigene Meinung zu vertreten,
mation Architect und nun auch als UX Architect tätig. durchsetzen muss sich gut verkaufen können und als Person
Dieser Wandel der Bezeichnungen signalisiert, können« glaubwürdig rüberkommen. »Man muss stringent
dass dieses Berufsbild ein breites Spektrum an Aus­ am Projekt bleiben und sich trauen zu sagen: Mir ist
prägungen umfasst und dass das Nutzererlebnis bei Stefan Bodeit, egal, was eure Tante, Schwester, Freundin dazu sagt,
der Konzeption zunehmen im Vordergrund steht. Freelance UX Architect, wir haben zusammen Personas entwickelt und rich­
Im Kern geht es nämlich darum, Interaktionskon­ Hamburg ten uns bitte nach denen. Da muss man sich manch­
zepte für digitale Produkte zu entwickeln – seien es ([Link]) mal echt durchsetzen können«, erzählt Bodeit, der
Websites, Portale, Anwendungen, die am Point of auch mal hartnäckig sein kann, wenn die Qualität
Sale laufen, oder Apps für mobile Geräte. In Werbe­ auf dem Spiel steht.
agenturen werden sie meist als Konzepter bezeich­
net. Der UX Designer konzipiert die Struktur eines Analytischer Verstand und
interaktiven Produkts oder Services und sorgt da­ Durchsetzungsfähigkeit
mit für ungetrübte User Experience (UX). Stefan UX Designer sollten eine breite Allgemeinbildung
Bodeit definiert das so: »Als UX Architect bin ich haben und vor allem analytisch­abstrakt denken kön­
dafür verantwortlich, dass das Endprodukt stabil nen. »Sie müssen recherchieren, für welche Zielgrup­
läuft, dass es nützlich ist, dass die Usability stimmt, pe sie das Produkt konzipieren. Auch zur Entwick­
dass es schön aussieht und dem User ein tolles Er­ lung der Personas gehört strukturelles Denken. Man
lebnis bereitet.« Er legt auch fest, wann der Einsatz muss in demografischen Daten herumwühlen und
von Medien wie Video, Audio oder Fotos Sinn macht. diese dann zu fiktiven Charakteren zusammenset­
zen«, so Bodeit. Bei der Erstellung der Informations­
Was braucht der User wirklich? struktur müssen UX Designer systematisch vorge­
Die Herausforderung des Konzipierens erklärt Ste­ hen und wissen, wie viele Navigationsebenen die
fan Bodeit am Beispiel eines Check­out­Prozesses Anwendung am besten haben sollte. Und nicht zu­
bei einer E­Commerce­Anwendung: »Während ich letzt müssen sie erkennen, welches Problem der
den Bezahlprozess entwerfe, frage ich mich immer Kunde hat und welche Lösung er braucht. Zumal
wieder: Was erwartet der User davor, was danach, man als UX Designer auch immer eine beratende
welche Wahlmöglichkeiten braucht er wirklich, was Funktion hat. Wenn man eine mobile Strategie ent­
kann ich weglassen? Die Überlegungen gehen run­ wickeln soll, gilt es vorher zu überlegen, ob man ei­
page 07.14 033

ne große App baut oder lieber sukzessive fünf klei­ »UX Designer Es ist wichtig, sich gut in andere hineinversetzen zu
ne, die jede für sich etwas wirklich gut können. können. Die nötige Erfahrung sammeln UX Desig­
Bisher gibt es kaum festgelegte Ausbildungswege
müssen sich ner als Praktikanten, Trainees oder während ihrer
zum Konzepter. Da man in diesem Beruf interdiszi­ in den Nutzer Zeit als Junior­Konzepter. »UX Design bietet noch
plinär denkt, kommen verschiedene Bildungswege hineinverset- immer gute Chancen für Quereinsteiger, während
in Betracht. Eine Ausbildung zum Mediengestalter man als Visual Designer ohne Ausbildung gleich
für Digital und Print, Fachrichtung Konzeption und zen können« einpacken kann. Leute, die interdisziplinär den­
Visualisierung, schafft eine solide Basis, aber auch Stefan Bodeit ken und nicht so genau wissen, wo sie hingehö­
ein Designstudium mit Schwerpunkt Interaction ren, sollten sich freuen, wenn sie in unserem Job
Design oder ein Studium der Kommunikationswis­ landen, der Überblick sozusagen als Hauptaufgabe
senschaften, Pädagogik oder Psychologie eignet sich. sieht«, resümiert Stefan Bodeit. ae
034 page 07.14 › titel › Jobprofile & gehälter

Infografiker Chrobok. Hartnäckigkeit ist also von Nutzen, wobei


man zumeist nicht allein vor einer Aufgabe steht.
Infografik boomt – kaum ein Medium, das nicht auf die Visualisierung »Teamarbeit wird bei uns großgeschrieben, mit den
von Zahlen setzt. Gute Aussichten für Informationsdesigner, Redakteuren, aber auch mit der Technik. Schließ­
vorausgesetzt, sie fühlen sich in Print- und digitalen Medien zu Hause lich sollte man vor der Umsetzung wissen, ob das in
den verschiedenen Medien überhaupt möglich ist.«
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Und da Infografiken zunehmend digital und in­
teraktiv sind, braucht es häufig Know­how, das man
Jobbezeichnung infografiker, informationsdesigner aus dem Kommunikationsdesignstudium nicht un­
Ausbildung Kommunikationsdesign- oder illustrationsstudium. immer mehr Hochschulen bedingt mitbringt. Neben den gängigen Gestal­
bieten den Schwerpunkt informationsdesign an, etwa die Hochschule Augsburg, die
tungsprogrammen kommen komplexere Tools wie
Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg oder die Akademie für
eben Cinema 4D zum Einsatz oder die Program­
illustration und Design (AiD) Berlin
Verdienst (brutto) ab 2300 euro, mit Personalverantwortung um die 6000 euro
miersprache Processing, die sich für die Visuali­
sierung großer Datenmengen eignet. »Technik ist
wichtig, spielt aber nicht die erste Geige«, betont
Chrobok. »Zuerst kommt das Konzept, also die in­
haltliche Auseinandersetzung mit dem Thema, und
urer Zufall führte Jakub Chrobok »Man kann die Frage, wie sich der Inhalt verständlich und rich­
zum Informationsdesign. 2005 tig darstellen lässt. Dann erst folgt die Umsetzung.
hatte er sein Kommunikations­
Infografiken Man kann eine Infografik auch kneten oder stricken.
designdiplom mit Schwerpunkt auch kneten Und die Tendenz zu immer mehr visueller Opulenz
Illustration in der Tasche und oder stricken« ist hier nicht immer hilfreich.«
wollte weg aus Hamburg. Er be­ Infografik und Informationsdesign ist eine Sparte
kam einen Job bei der Content­ Jakub Chrobok, mit Zukunft. Kaum ein Medium, das heute nicht auf
Marketing­Agentur KircherBurkhardt, die in Berlin Leiter der Abteilung die Visualisierung von Zahlen setzt. Die Verdienst­
gerade eine neue Abteilung für Infografiken eröff­ Infografik bei möglichkeiten sind ähnlich wie im Grafikdesign,
nete. »In meiner Vorstellung waren das langweilige KircherBurkhardt, und auch hier gilt: Wer Nischen besetzt, besondere
Charts und Tortendiagramme. Aber ich dachte, für Berlin Fähigkeiten mitbringt oder konzipieren kann, ver­
sechs Monate kann ich das aushalten, um erst mal dient mehr. »Es gibt auch viele selbstständige Info­
in Berlin Fuß zu fassen«, erzählt Jakub Chrobok. grafiker«, so Jakub Chrobok. »Wenn die verschiedene
Schon nach ein paar Tagen stellte der Designer Techniken draufhaben, konzeptionell denken kön­
fest, dass die Themen sehr vielfältig waren und dass nen und dann auch noch ordentlich recherchieren,
er alles, was er im Studium gelernt hatte, anwenden verdienen sie überdurchschnittlich. Allerdings muss
konnte, inklusive Cinema 4D und Flash. Nach sechs man als Einzelkämpfer verdammt gut sein – und das
Monaten war ihm dann klar, dass man als Infografi­ ist vielleicht einer von hundert.« ant
ker die gesamte Bandbreite gestalten kann und dass
es dabei eine ganze Menge zu lernen gibt. So blieb
er bei KircherBurkhardt, zunächst als Infografiker,
seit 2009 neben Christina Ackermann als Leiter der
Abteilung, die momentan 18 Leute und drei Motion­
designspezialisten umfasst.

Keine Angst vor viel Information


Strukturiertes, analytisches Denken ist für Infografi­
ker unerlässlich. Zudem sollten sie keine Angst vor
großen Informationsmengen haben. »Man muss be­
reit sein, sich inhaltlich tief mit den zu visualisieren­
den Themen auseinanderzusetzen – und die können
ganz schön sperrig, trocken oder langweilig sein, et­
wa wenn wir den Riester erklären sollen«, so Jakub

PAGE eDossier »Infografik«. Mehr zum


thema infografik finden Sie unter
[Link]

PAGE Seminar »Infografik«. profitieren


Sie vom Know-how des vielfach ausgezeich-
neten infografikers Jan Schwochow (siehe
Seite 22 f.), buchbar unter [Link]-online.
de/seminar/infografik–18-07-2014
page 07.14 035

Verpackungsdesigner
... geben Produkten ein Gesicht. Dabei gilt es es auch viele praktisch-technische
Aspekte zu beachten. Wir sprachen mit Ann Kalkschmidt, Verpackungsdesignerin
bei Peter Schmidt Group in Hamburg, über ihren vielseitigen Beruf

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Jobbezeichnung Verpackungsdesigner,
Packaging Designer
Ausbildung Kommunikationsdesignstudium, viele
Hochschulen bieten Packaging als Studienschwerpunkt an
Verdienst (brutto) ab 3000 euro

agen Sie, welche Talente


muss ein Verpackungs­
designer haben?
Ann Kalkschmidt: Lust am Knif­
feln – Verpackungsdesign be­
deutet oft, auf minimalem Platz
maximale Information unterzu­
bringen. Dabei das Produkt zu erklären, aber auch
Atmosphäre zu schaffen, die Marke zu präsentieren
und im Supermarktregal herauszustechen. Außer­
dem sind sehr gute Kenntnisse in Photoshop und
Illustrator erforderlich sowie Perfektionismus und
Durchhaltevermögen. Eine Verpackung braucht auch
mal anderthalb Jahre, bis sie auf den Markt kommt. Man diskutiert über Kosten, Material und Transport »Man muss
Darüber hinaus muss man Ja zum Fachhandel, zur sowie darüber, wie sich das Produkt optimal schüt­
Drogerie und zum Supermarkt sagen – denn dort zen lässt, welche Formen und Materialien der Hand
Ja zum Fach-
stehen die Verpackungsdesigner, schauen sich die schmeicheln und so weiter. handel, zur
neuen Smoothies an und vergessen, was sie eigent­ Was fasziniert Sie am Packaging Design? Drogerie und
lich einkaufen wollten … Ich kann alle Fähigkeiten einsetzen, die ich aus ande­
Wie sieht es mit technischem Verständnis und ren Bereichen oder im Studium erworben habe. An
zum Super-
räumlichem Vorstellungsvermögen aus? einem Tag hat man ein komplexes Food­Composing markt sagen,
Beides ist unabdingbar. Im späteren Projektverlauf auf dem Tisch, am nächsten vielleicht die Gestal­ denn dort
arbeiten wir zum Beispiel auf Stanzen und basteln tung von Icons oder dem Subbrand für eine Kosme­
diese dann als Dummy zusammen. Auf diese Weise tikmarke. Dann eine Illustration für einen Gebäck­ stehen die
können wir die Verpackungen besser mit denen der hersteller und ein minimalistisches Verpackungs­ Verpackungs-
Wettbewerber vergleichen und die optimale Wir­ konzept mit einer reinen Typolösung. Dafür braucht designer,
kung des Designs auf der Packung prüfen. Oft entwer­ es Vielseitigkeit sowohl im Stil als auch im Denken,
fen wir zusätzlich eine 3D­Visualisierung in Photo­ das macht Spaß und ist abwechslungsreich. Das Be­ schauen sich
shop. Gute Kenntnisse hinsichtlich Material und sondere am Packaging ist die Nähe zum Produkt. die neuen
Veredelung sind auch wichtig. Die Verpackung gibt ihm ein Gesicht, erklärt es, Smoothies
Was gehört zu Ihrem Aufgabenbereich? macht es transportabel, demonstriert seine Funk­
Alles vom Konzept über das Design bis zur Kunden­ tion und führt in seine Welt ein. Durch die Verpa­ an und ver-
betreuung und Präsentation. ckung wird aus einer weißen, dickflüssigen Masse gessen, was
Mit welchen anderen Teammitgliedern arbeiten eine feuchtigkeitsspendende 24­Stunden­Pflege mit sie eigentlich
Sie am engsten zusammen? Meeresalgenextrakt.
Je nach Projekt mit unserer Formentwicklung, dem Wie sieht ein typischer Arbeitstag einkaufen
Brandspaces­, Corporate­ oder Strategieteam. bei Ihnen aus? wollten«
Was kann man sich unter Formentwicklung Zum Glück immer anders, für Montag zum Beispiel
vorstellen? freue ich mich auf ganz reduzierte Designs für einen Ann Kalkschmidt
Im Packaging gibt es 3D­Designer, die neue Verpa­ japanischen Baumkuchenhersteller. Da starte ich (ganz links),
ckungsformen entwickeln, das Material vorschlagen dann mit Research, hoffentlich einer Produktver­ Verpackungs-
und natürlich auch die Herstellung im Blick haben. kostung und ganz viel Kaffee. Abends werden wir designerin bei
Wenn ein neues Produkt entsteht, arbeiten Kreation uns dann sicher noch mal als Team treffen und un­ Peter Schmidt
und Produktion für die Umsetzung eng zusammen. sere ersten Designideen besprechen. ant Group, Hamburg
036 page 07.14 › titel › Jobprofile & gehälter

Das bekomme ich


Über die Höhe von Honoraren und Gehältern spricht die Branche nicht so gern. Das erschwert
gerade Berufseinsteigern die Gehaltsverhandlungen. Wir geben Orientierungshilfen ae

Entwicklung der Jahresbruttogehälter in der Werbe- und Designbranche


Seit unserem letzten Artikel über Gehälter und Honorare (siehe PAGE 11.12, Seite 22 ff.) hat sich nicht allzu viel getan.
Noch immer gehören Grafik- und Webdesigner mit durchschnittlich knapp unter beziehungsweise knapp über
3000 Euro Monatsgehalt nicht zu den Großverdienern. Deutlich mehr bekommt, wer Konzept und Strategie kann.
Einen weiteren Sprung nach oben macht das Gehalt von Kreativen mit Personalverantwortung

2013/2014 2011/2012
Oberes Quartil, Durchschnittliches Unteres Quartil, Durchschnittliches Veränderung
25 Prozent Jahresbruttogehalt 25 Prozent Jahresbruttogehalt
verdienen mehr verdienen weniger

Quelle: [Link], Stand Mai 2014, ausgewertet wurden 4160 Datensätze


Q3 Mittelwert Q1 Mittelwert
Führungskräfte
geschäftsführer
(mit personalverantwortung) 185.344 € 139.929 € 75.141 € 138.700 € 1.229 €
Vertriebssteuerung /
Verkaufsleitung
(mit personalverantwortung) 128.752 € 103.243 € 70.176 € 99.018 € 4.225 €
art/Creative Director
(mit personalverantwortung) 98.203 € 75.312 € 55.905 € 74.328 € 984 €

Fachkräfte
Kontakt/Kundenberatung 50.392 € 41.523 € 30.651 € 38.439 € 3.084 €
gestaltung/grafik 45.798 € 35.866 € 27.056 € 34.668 € 1.198 €
Redaktion 47.116 € 44.070 € 32.769 € 41.769 € 2.301 €
Konzept/Strategie 61.511 € 49.503 € 38.061 € 47.912 € 1.591 €
Media/art Buying 48.693 € 40.430 € 30.680 € 39.869 € 561 €
Webdesigner 45.680 € 38.923 € 30.050 € 37.176 € 1.747 €
account Manager Online 61.521 € 50.304 € 35.839 € 46.420 € 3.884 €

Gehälter für Designer und Developer in Internet und E-Commerce


Die Tabelle aus dem »Handelsblatt« zeigt die jährlichen Bruttogehälter 2014 für den Bereich Internet und
E-Commerce (ohne Zusatzleistungen)
[Link]
Quelle: Handelsblatt, Stand 10/2014,

Berufserfahrung 0–2 Jahre 3–5 Jahre 6–9 Jahre –> 10 Jahre

Webdesigner 39.000– 47.000 € 46.000–54.000 € 53.000–62.000 € –> 61.000 €


Webentwickler 38.000–45.000 € 44.000–52.000 € 51.000–61.000 € –> 57.000 €
Mobile application 38.000–46.000 € 45.000–55.000 € 53.000–65.000 € –> 63.000 €
Developer
produktmanager 41.000–49.000 € 42.000–57.000 € 58.000–83.000 € –> 73.000 €
037

Honorarvergleich zwischen Freelancern und Agenturen


Auftraggeber kaufen Designleistungen in Agenturen um rund 14 Prozent teurer ein als bei Freelancern – das
offenbart ein Vergleich im »iBusiness Honorarleitfaden 2013« des gleichnamigen Branchendiensts, der
einen hervorragenden Überblick über Produktionskosten und Stundensätze von Freelancern und Agenturen
bei der Entwicklung interaktiver Anwendungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz bietet.
Für 39,80 Euro lässt sich der Leitfaden über die iBusiness-Site bestellen ([Link]

Agenturen Freelancer
Senior art Director/ 96 €
Creative Director 104 €

Junior art Director/ 86 €


Creative Director 90 €

77 €
Umsetzung 3D-grafik 96 €
Quelle: iBusiness Honorarleitfaden 2013, Stand 08/2013, [Link]

66 €
Umsetzung 2D-grafik 86 €

Umsetzung 2D-animation 79 €
88 €

Umsetzung 3D-animation 87 €
96 €

interface Design 70 €
92 €

Screen-/Webdesign 69 €
87 €

69 €
gamedesign 100 €

99 €
Surround-Video-Visualisierung 101 €

Umsetzung VR-Umgebung 99 €
100 €

Gehälter im Bereich Marketing SeRie


Im »StepStone Gehaltsreport 2013« findet sich unter anderem eine
Jobprofile
Quelle: StepStone Gehaltsreport 2013, Berufsfeld Marketing & Vertrieb,

Übersicht über die für die Kreativbranche relevanten Marketingberufe

Berufserfahrung Bruttojahresgehalt
& Gehälter
Online-Marketing-Manager/in unter 5 Jahre 36.262 € Ab sofort stellen wir ihnen in jeder
mehr als 5 Jahre 46.495 € PAGe ein Tätigkeitsfeld vor –
in PAGe 08.2014 den
produktmanager/in unter 5 Jahre 45.920 €
Sounddesigner
Stand 12/2013, [Link]

mehr als 5 Jahre 57.331 €


event-Manager/in unter 5 Jahre 35.343 €
mehr als 5 Jahre 45.061 €
Marketing-Manager/in unter 5 Jahre 40.842 €
mehr als 5 Jahre 50.918 €
pR-Manager/in unter 5 Jahre 36.710 €
mehr als 5 Jahre 50.396 €
page 02.14 061
aNZeIge

pRaXIS
Weitere PAGE Seminare finden
Sie unter [Link]/seminare

Die
Design Studio
Methode
Interaktionskonzepte
kollaborativ ent-
werfen

Die Referenten Das Seminar »Die Design Studio Methode«


● Johannes Schardt, Christophe Stoll und ● Heute müssen Unternehmen aller Branchen digitale Produkte und Services
Michael Schieben sind die Inhaber des renom- anbieten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Design ist dabei einer der wich­
mierten Hamburger Designstudios precious. tigsten Faktoren in der Wertschöpfungskette, die Ausführung entscheidet
Zusammen mit ihrem Team konzipieren und über Erfolg und Misserfolg eines Unternehmens. Doch je größer die Bedeu­
gestalten sie User experiences unterschied- tung von Internetauftritten, Apps und Interfaces wird, desto mehr Stakeholder
lichster art und beraten Firmen und Organisa- melden ihre Ansprüche an. Nicht nur die Teams werden heterogener, auch
tionen, wie sie Design strategisch einsetzen die Entwicklung digitaler Produkte wird aufgrund des rasenden technolo­
können. Zu ihren Kunden zählen sowohl Start- gischen Fortschritts immer komplexer.
ups als auch große, internationale Unterneh- Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, ist Methodik im Entwick­
men. Neben zahlreichen Lehraufträgen an Hoch- lungsprozess unabdingbar. Die Design Studio Methode hat sich als eine
schulen führen sie regelmäßig Workshops der effektivsten Praktiken erwiesen, einen Designprozess zu starten. Der
zu Themen rund um Interaktionsdesign durch. intensive, iterative Ansatz wechselt zwischen dem Skizzieren von Konzept­
ideen und konstruktiver Kritik. Je nach Teamgröße lassen sich in wenigen
Stunden nicht selten Hunderte Interaktionsalternativen durchspielen. Dank
Die Agenda der Einfachheit der Methode und deren strikten Regelwerks erhalten alle
Stakeholder in einer Produktentwicklung – vom Designer über den Program­
1 Einführung in die Design Studio Methode mierer bis hin zum Vorstandsmitglied – die gleichen Grundvoraussetzungen.
Worin genau liegt die Stärke der Design Studio Solche heterogenen Gruppen führen nicht nur zu diverseren und besseren
Methode? Wie ist der ablauf, was sind die Regeln? Konzeptideen; sie sorgen auch dafür, dass alle Akteure früh in den Design­
In welchen phasen des Designprozesses ist ihr prozess eingebunden werden und somit das Projekt mittragen.
einsatz sinnvoll? Wie muss eine Design Studio
Session vorbereitet sein? In diesem praxisorientierten Seminar zeigt precious, wie man die Methode
effektiv einsetzt, wie man Design­Studio­Workshops vorbereitet und worauf
2 Skizzieren, präsentieren, kritisieren man bei der Durchführung achten muss. Das PAGE Seminar richtet sich
Die Design Studio Methode lebt vom Machen. nicht nur an Designer, sondern an alle an der Produktentwicklung Beteiligten:
anhand einer Designaufgabe erproben die Programmierer, Produktmanager, Vermarkter in Unternehmen oder Agenturen.
Teilnehmer in kleinen gruppen einen iterativen
entwicklungsprozess. Dabei generieren sie Das Seminar »Die Design Studio Methode« findet am 26. September
Dutzende Skizzen und Ideen, die sie Schritt für in den Räumen von precious in Hamburg von 9:00 bis 17:30 Uhr statt. Die Teil-
Schritt verbessern und verfeinern. Während- nahme kostet 648 euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die gebühr umfasst
dessen geben die Referenten Tipps, wie man das Seminar, Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 personen
als Facilitator/Moderator eine gruppe begrenzt! also schnell anmelden unter [Link]/seminar
zu guten ergebnissen führt.
page // ebner Verlag gmbH & Co. Kg // info@[Link] //
3 Reflexion und Q & A Telefon: +49 40 85183400 // [Link]/seminar
Nach dem intensiven praxisteil werden die
gerade gemachten erfahrungen mit der aufgrund der auf 18 personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die anmeldungen in der
Reihenfolge der eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung an. Sie
Design Studio Methodik reflektiert. Wie kann ist sofort nach erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen. Bei
absage der Veranstaltung seitens der ebner Verlag gmbH & Co. Kg wird die Seminargebühr voll zurücker-
ich sie in meinem Kreativalltag einsetzen? stattet. Darüber hinausgehende ansprüche bestehen nicht. Bei Stornierung der anmeldung bis spätestens
Wie kann ich die Methode abwandeln oder 35 Tage vor Seminartermin berechnen wir 50 prozent, ab 34 Tage vor Seminartermin berechnen wir 100 pro-
zent der Teilnahmegebühr. Die Vertretung eines angemeldeten Teilnehmers ist jederzeit möglich. es werden
erweitern? Was sind Chancen und Fallstricke? nur schriftliche Stornierungen oder Namenswechsel akzeptiert. es gilt der poststempel.
040 page 07.14 › themen › Webtrends

Themen

Web-
Watch
Parallax und Flat Design waren gestern. Nicht zuletzt durch
Technologien wie WebGL, die einen Hauch von Flash verbreiten,
zeichnen sich ganz neue Entwicklungen am Horizont ab.
Wir fragten Kreative, auf welche Webtrends sie setzen ae
page 07.14 041

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
»Sortie en Mer« ist eine Website, die für die Nut­
zung von Schwimmwesten wirbt. Ich mag ihre Ein­
Simple Experience fachheit und den intelligenten Einsatz der Desktop­
Beispiel [Link] Oberfläche, um emotionale Wirkung zu erzielen.
Fan Yasushi Zonno, Associate Creative Director Idee, Konzept und der Produktionsaufwand machen
bei Razorfish, Berlin ([Link])
sie zu etwas Besonderem. Die Story kommt als Full­
screen­Video daher. Charles und Julien sind auf einem
Segeltörn. Charles ist Segellaie und als Julien ins
Mein Eindruck ist, dass die Leute zunehmend das Wasser fällt, ist er nicht imstande, das Boot zu wen­
Interesse daran verlieren, mit einer Website zu inter­ den, um ihn aufzulesen. Nun setzt die Interaktion des
agieren. Es ist einfach zu viel Arbeit für eine relativ Users ein, er muss wie ein Wilder scrollen, um Julien
geringe Belohnung (= Inhalt). Stattdessen lehnen vorm Ertrinken zu retten. Die Kameraführung – halb
wir uns lieber im Sofa zurück und lassen uns von unter Wasser, halb darüber – ist erschreckend real aus
spannenden Erlebnissen unterhalten. Außerdem der Perspektive eines Schwimmers aufgenommen.
bieten neuartige Sensoren, besonders in Smart­ Hört man auf zu scrollen, ertrinkt Julien. Der Film
phones, einen ungewöhnlichen Zugang, Inhalte zu schließt mit dem Rat, auf dem Meer eine Schwimm­
entdecken. Da Interaktion immer einfacher wird weste zu tragen, da das Schwimmen auf offener See
und Interfaces transparenter, erhält das Design ei­ schneller ermüde als in ruhigem Wasser. Für den
ne größere Bedeutung. User ist das Erlebnis ebenso simpel wie emotional.
042 page 07.14 › themen › Webtrends

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Innovative Interfaces
Beispiel [Link]
Fan mike John Otto, Unit Director Digital Creation bei
Philipp und Keuntje, hamburg ([Link]

Nach einer zweieinhalb Jahre währenden kreativen


Durststrecke passiert zurzeit gerade einiges Erwäh­
nenswertes im Bereich Webdesign. Die Zeit des
Scrollings ist hoffentlich bald beendet – Parallax­
Effekte und One­Pager kann ich nicht mehr sehen.
Da draußen herrscht ein funktionierender Einheits­
brei. Im Trend liegt sicherlich die Renaissance in­
novativer Interfaces. Interaktion, die den User über­
rascht und Teil der Marken­ oder Produktbindung
wird. Der zunehmende Einsatz von WebGL, durch
das sich hardwarebeschleunigte 3D­Grafiken direkt
im Browser darstellen lassen, bietet besonders auf
Tablets einen Boost von Möglichkeiten an.
Aktuell ist mir der sehr schöne Auftritt des kana­
dischen Software­Developers John Iacoviello auf­
gefallen. Interessant daran ist, dass endlich mal
wieder ein Online­Portfolio eine kreative Idee und
Inszenierung zeigt. Die vergangenen Jahre haben
wir zu viel darüber nachgedacht, wie Dinge funktio­
nieren sollen und dabei die beiden elementarsten
Eigenschaften einer guten Website vernachlässigt –
ein innovatives Interface und detailverliebtes De­
sign. Neben den Cases ist Iacoviellos Seite selbst ein
Case. Regelmäßig besuche ich auch die Website der
französischen Agentur Blacknegative ([Link]
[Link]), die mich auch nach zwei Jahren im­
mer (noch) beeindruckt.

sehr intuitiv bedienen und bringen die


Anmutung der alten Flash­Welt zu­
rück aufs Display. Durch Multi­Device­
Fähigkeit hat in den vergangenen Jah­
ren zwar viel Funktionalität Einzug
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx gehalten – aber damit auch eine ziem­
liche Eintönigkeit. Jeder arbeitet mit
Big Image ähnlichen Grids, die Seiten verhalten
Beispiel [Link] sich alle ähnlich. Da sind individuel­
Fan matthias erb, Unitleiter Kreation bei lere Erlebnisse, die trotzdem auf den
Kolle Rebbe, hamburg ([Link]) meisten Screens und Devices, funktio­
nieren, eine willkommene Abwechs­
lung – HTML5 macht’s möglich. Be­
Fullscreen­HTML5­Webspecials wie et­ sonders gut zur Geltung kommt die­
wa das 24­Stunden­Video zu Pharrell ser Designtrend bei aufwendigen Web­
Williams Song »Happy« sind zurzeit specials und Produktinszenierungen
mein Lieblingstrend. Sie lassen sich mit Bewegtbildinhalten.
page 07.14 043

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Typografische Gestaltung
Beispiel [Link]
Fan Annika Brinkmann, Diplom-Designerin,
Berlin ([Link])

Ich bin ein Fan von korrekter und anspruchsvoller


Typografie im Webdesign, vor allem weil jetzt mög­
lich ist, was lange Zeit nicht umsetzbar war. Früher
beschränkte sich die Schriftpalette auf wenige Fonts
und auf 128 ASCII­Zeichen. Damit fielen schon Ge­
dankenstriche und typografisch korrekte Anfüh­
rungszeichen weg. Heute gibt es nicht nur die Mög­
lichkeit, in ersten Browsern die Silbentrennung zu
aktivieren ([Link]
Dank CSS können wir Designer auch mit allen mög­ spielereien. Sie zeigt einen schönen Schriftenmix,
lichen Sonderzeichen spielen: Gedankenstrich, Drei­ der trotz der unterschiedlichen Fonts ausgewogen
punkt, bedingte Trennstriche, geschützte Leerzei­ daherkommt. Leider ist auf den Unterseiten noch
chen, aber auch automatische Ligaturen. Wir können nicht komplett alles mit Webfonts umgesetzt, aber
die Schrift drehen, mit Schatten vom Hintergrund die Richtung stimmt!
abheben, semitransparent darstellen, sogar verzer­ Was jetzt noch kommen muss, ist vor allem eine
ren und animieren. Wir können Buchstaben inein­ Rückbesinnung auf die Regeln der Typografie, die
anderfließen lassen und sie auf der z­Achse drehen. in diesem Medium so lange ignoriert wurde. Schön
Die Website des amerikanischen Weinhändlers wäre es, wenn ein Teil davon schon in Texteditoren
»La Wine« ist ein tolles Beispiel für die neuen Typo­ und CMS­Eingabefeldern integriert werden würde.

»Die letzten Jahre haben wir zu viel darüber nach-


gedacht, wie Dinge funktionieren sollen«
Mike John Otto, Unit Director Digital Creation bei Philipp und Keuntje, Hamburg
044 page 07.14 › themen › Webtrends

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Content und UX
Beispiel [Link]/de/
Fan Kai Thomas, CeO von Re’Flekt,
münchen ([Link]/de)

Ich bin ein absoluter Fan der adidas­


Group­Website. Sie ist trendy designt,
weicht die Grenzen zwischen den Ka­
nälen auf und trägt im Zusammen­
spiel von klassischer und digitaler
Kommunikation fast perfekt die adi­
das­Leitidee »Zusammenspiel« nach
außen. Alles sportlich, immer und
überall neue Möglichkeiten schaffen,
jeder, der sich darauf einlassen will,
kann zum adidas­Team gehören – die­
se Leidenschaft strahlt die Corporate
Site aus. Damit zeigt sie, dass auch
große Konzerne weit mehr zu bieten tion gelangen oder sich von verschie­ Aktualität ziehen den User auf der
haben als den üblichen Einheitsbrei densten Themen inspirieren lassen. Homepage in die Inhalte hinein.
rund um die Themen Investoren, Nach­ Je nach Themenwahl generiert die Site Das Resultat ist eine contentgetrie­
haltigkeit, Medien et cetera. dynamisch passenden Content und bene responsive Website, die adidas
Vor allem die, ich nenne es mal, präsentiert diesen auf weiterführen­ transparent darstellt, trotzdem auf je­
Zwei­Wege­Navigation ist sehr speziell. den Kacheln im Metro­Design. Damit den User individuell eingehen kann
User können ganz klassisch auf schnel­ entstehen stets neue Themenwelten. und somit die Verweildauer und den
lem Wege zur gewünschten Informa­ Solche mit besonderer Relevanz oder Traffic deutlich erhöhen wird.

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx te Weg, eine gemeinsame Kommunikationslösung


unter einer URL zur Verfügung zu stellen.
Responsive Design Obwohl native Apps auf den Geräten häufig flüs­
Beispiel [Link] siger laufen und einen freieren Umgang mit dem
Fan Jens Schmidt, Kreativdirektor und Partner Interface Design erlauben, ist Responsive Design
von moccu, Berlin ([Link])
meist die bessere Lösung, wenn man Kosten und
Nutzen abwägt. Durch skalierbare Bilder, variieren­
Responsive Design, wie es die Moskauer Interactive­ de Textgrößen, das Fluid Grid und die veränderli­
Agentur ONY bei ihrem eigenen Auftritt zeigt, ist für chen Inhaltspositionen kann sich das Layout allen
mich einer der wichtigsten Webtrends. Dieses De­ Bildschirmgrößen chamäleonartig anpassen – ein
signsystem ist entstanden, da wir immer mehr In­ faszinierendes und zeitgemäßes Designsystem.
halte auf einer unübersehbaren Vielzahl von End­ Ein Schwachpunkt ist für mich momentan noch,
geräten ansehen. Es ermöglicht uns, eine optimale dass die mit Responsive Design entstehenden Lay­
User Experience und die Konsistenz eines Marken­ outlösungen oft gleichförmig aussehen. Hier gilt es,
auftritts auf alle Bildschirmgrößen zu übersetzen. die Möglichkeiten dieses Designsystems noch krea­
Wenn Auftraggeber also über eine App und eine Web­ tiver zu nutzen. Da ist mehr drin, als wir zurzeit im
site nachdenken, ist Responsive Design oft der bes­ Netz sehen können.
page 07.14 045

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx die Aufforderung zur Synchronisa­ Der naheliegende Einsatzbereich


tion des Smartphones mit der Web­ dieser Art von Steuerung ist das Ga­
Verbindung von site über den dort angegebenen Code. ming, denn so kann man interessan­
Desktop und Mobile Hat man das getan, steigt man in den tere Interaktionen erzeugen als mit
Luxus­SUV und erlebt ihn in einer Maus und Tastatur. Auch in Architek­
Beispiel [Link]
360­Grad­Ansicht. Per Wischgesten turanwendungen lässt sich dies zur
[Link]
auf dem Smartphone lässt sich diese Erkundung von Objekten nutzen. Ins­
Fan Dan nommensen, mitgründer von
Danhills, hamburg ([Link])
auf dem Desktop steuern. Klickt man gesamt wird die Bedienung des Rech­
dann den Startknopf, kann der Spaß ners mit anderen Devices immer span­
beginnen. Nun starten der interaktive nender – gerade im Hinblick auf Ocu­
Besonders spannend finde ich im Au­ Film sowie ein Racing Game, das man lus Rift oder auf Massively Multiplayer
genblick die Verlängerung der Web­ via Smartphone kontrolliert. Online Games auf Facebook.
site aufs Smartphone. Einsetzen lässt
sich diese Art der Steuerung nicht nur
im Gaming­Bereich – hochinteressant
ist sie insbesondere auch für das Nut­
zererlebnis bei Produktinszenierun­
gen, denn die Interaktion ist ein ent­
scheidender Faktor für eine längere
Auseinandersetzung mit der Website
und somit auch mit dem beworbenen
Produkt – bestens nachvollziehbar an
der Kampagne »Race the Sun« für den
Land Rover Sport.
Die Seite beeindruckt mich vor
allem deshalb, weil sie mich ohne lan­
ge Texte und Fakten auf eine spiele­
rische Weise ans Produkt heranführt.
Nach einem kurzen Intro erscheint

»Für einzigartige Layouts müssen wir Kreative noch


ein wenig weitertüfteln und neue Ideen finden«
Jens Schmidt, Kreativdirektor und Partner von Moccu, Berlin

Angelika Eckert
fährt auf mini-
malismus ab
und findet die
Website der
amerikanischen
Branding-
Beratung Red
antler (http://
[Link]/
about) sehr
gelungen.
046 page 07.14 › themen › Reisen und damit geld verdienen

Kulturelle Vielfalt
In seinem Kickstarter-
finanzierten Kochbuch
»Spices & Spandex«
dokumentiert Tom Perkins
die verschiedenen Ess-
kulturen – hier Äthopien –,
die ihm auf seiner Fahrrad-
tour von London nach
Kapstadt begegnet sind.
page 07.14 047

Authentische
Einblicke
Der New Yorker Fotograf Todd
Selby porträtiert auf seinem
Blog The Selby Kreative und ihre
Arbeits- und Lebensräume –
und bereist dafür die ganze Welt.
Seine 2008 gestartete Site
wuchs so rasant, dass daraus
Kooperationen mit Airbnb,
Louis Vuitton oder Hennessy
sowie eigene Buchprojekte
entstanden. Das neue Buch
»The Fashionable Selby« nimmt
die Modebranche in den Blick
und stellt Designer, Stylisten,
Schuhmacher et cetera vor.

Mehr als eine


Postkarte
Reisen und damit Geld verdienen? Sicherlich ein Traum vieler Gestalter!
Wir haben Kreative befragt, wie sie das Unterwegssein zu ihrem Beruf –
oder zumindest zu einer Einnahmequelle – gemacht haben
048 page 07.14 › themen › Reisen und damit geld verdienen

F
erne Länder, exotische Kul­ kamen erste Sponsoren an Bord. So stellte macher tritt immer als Protagonist auf und
turen, atemberaubende Na­ Toyota für den Trip einen Wagen. gibt mittels Voice­over starke Meinungen
turlandschaften – auf Reisen Danach wollten die beiden eigentlich zum Besten. Sein erster erfolgreicher Clip
wird man mit neuen Blick­ verschnaufen, aber dann ergab sich eine Ko­ beginnt mit verwackelten iPhone­Aufnah­
winkeln und inspirierenden operation, die ihr Projekt aufs nächste Le­ men eines Polizisten, der ihm einen Straf­
Eindrücken überhäuft. Jeder bringt Fotos vel heben sollte: Intrepid Travel, australi­ zettel schreibt, weil er mit seinem Bike nicht
und Videos mit nach Hause, um das Erleb­ scher Anbieter für Abenteuerreisen, woll­ auf der dafür vorgesehenen Spur gefahren
te festzuhalten und es Freunden zu zeigen. te seine Sichtbarkeit in den USA erhöhen ist. Es folgen Aufnahmen von Neistat, der
Kreative juckt es dann oft in den Fingern . . . und bot den beiden an, eine Weltreise fi­ die Untauglichkeit der New Yorker Rad­
Könnte man nicht ein professionelles Pro­ nanziell zu unterstützen. Die dritte Season wege beweist, indem er ungebremst in
dukt daraus machen? Eine Videodokumen­ führte über 14 Monate in 12 Länder. Inzwi­ Baustellen, Autos und Mülltonnen hinein­
tation? Oder eine Printveröffentlichung? schen gibt es mehr als 140 Folgen von »The fährt, die den Weg versperren.
Meist drängt sich der Alltag dann wieder in Perennial Plate«, und die erfolgreichste, Diese Radikalität stellt Neistat auch in
den Vordergrund und die Reiseeindrücke »10 Things we love about Italy«, wurde auf anderen Clips zur Schau, jeder eine Tour de
vergammeln unsortiert auf der Festplatte. Vimeo 2,2 Millionen Mal angeschaut. Force, ein wildes Abenteuer. Das macht ihn
Um diesen Mechanismus zu durchbre­ für Werbepartner interessant, die Lifestyle
chen, hilft es, sich schon vor der Reise zu Schöne Oberfläche, verkaufen wollen. Nike trat an ihn heran,
überlegen, wie man sie auswerten könnte. wenig dahinter damit er einen Clip zum Slogan »Make It
Tom Perkins wollte nach seinem Master in Reisevideos sind auf Vimeo ungemein po­ Count« für den Fitnesstracker FuelBand
International Relations die Länder hautnah pulär und erzielen hohe Klickzahlen. In vie­ macht. Zusammen mit einem Freund ging
erleben, mit denen er sich in seinem Studi­ len von ihnen wechseln sich spektakuläre Neistat auf Weltreise, bis ihnen das Geld
um eher theoretisch beschäftigt hatte. Zu­ Naturaufnahmen mit hektischen Stadtbil­ ausging – und brachte nach 10 Tagen einen
sammen mit seinem Kommilitonen Matt dern ab, garniert mit ein paar lachenden Clip mit, der vor Abenteuerlust trieft. Ra­
Chennels kam er darauf, mit dem Rad von Kindergesichtern. Dies, meist noch in Kom­ zorfish fragte ihn für Mercedes­Benz an, ob
London nach Kapstadt zu fahren und da­ bination mit Zeitraffer­ oder Tilt­Shift­Ef­ ihm etwas einfiele, »um ein digitales Pub­
bei Material für ein Kochbuch zu sammeln. fekten und emotionaler Musik, führt dazu, likum anzusprechen«, wie Neistat in einem
»Die Idee entstand schon in der frühen Pla­ dass die Filme ähnlich viel über jeweiligen Interview mit »Adweek« verriet. Er stellte
nungsphase. Wenn man eine so lange Reise Länder verraten wie eine Postkarte – schöne bloß ein loses Konzept vor: »Ich verrate nie,
antritt – wir waren 501 Tag unterwegs –, hilft Oberfläche, wenig dahinter. Mirra Fine ist was ich genau mache. Der Kunde kommt
ein fortlaufendes Projekt, den Fokus und sich dieses Trends durchaus bewusst: »Die nicht ans Set, die Agentur kommt nicht ans
die Motivation zu behalten«, berichtet Per­ Aufmerksamkeitsspanne im Internet ist Set. Ich zeige ihnen den Film, wenn er fertig
kins. Hinterher setzte er die Website www. sehr kurz, viele Zuschauer wollen schnell ist. Wenn sie Zweifel haben, höre ich mir
[Link] auf und rief eine geschnittene, farbenfrohe Videos. Wir be­ diese gerne an. Wenn alle mit dem Ergebnis
Kickstarter­Kampagne zur Finanzierung dienen dieses Bedürfnis, indem wir pro zufrieden sind, veröffentlichen wir es.«
des Buchs »Spices & Spandex« ins Leben. Land ein Montagevideo mit den Highlights Seine selbstbewusste Haltung und seine
zusammenstellen. Unsere Leidenschaft gilt rebellische attitude verschaffen Neistat viel
Erst Crowdfunding, aber dokumentarischen Porträts, von de­ Freiraum. Als 20th Century Fox von ihm ei­
dann Sponsoring nen wir drei bis vier pro Land produzieren.« nen Clip zum Release des Films »Das er­
Crowdfunding ist für viele Kreativreisende Aus den Reisevideos auf Vimeo sticht staunliche Leben des Walter Mitty« wollte,
das Finanzierungsmittel der Wahl, um ihr Matty Brown hervor. Seine Clips sind sehr nahm er das Budget von 25 000 Dollar und
Projekt anzustoßen. Auch Daniel Klein und filmisch, Musik und Soundeffekte vermit­ flog auf die Philippinen, wo wenige Tage
Mirra Fine warben für ihre Webserie »The teln Atmosphären, die oft poetischen Bil­ zuvor ein Taifun gewütet hatte, und ver­
Perennial Plate« auf Kickstarter um Unter­ der verdichten sich in schnell geschnitte­ schenkte Lebensmittel an die Bevölkerung.
stützung, damit sie wöchentlich über nach­ nen Collagen zu stimmungsvollen Porträts. In einem der neusten Arbeit, »Travel With
haltige Esskultur berichten konnten. Klein »Ich behandle jede Einstellung wie das Teil Style«, für das Modelabel [Link] wechselt
ist gelernter Koch, hat einen Abschluss in eines Puzzles. Ich habe eine vage Vorstel­ er im Flugzeug seinen Anzug gegen einen
Film an der New York University und enga­ lung vom Resultat, weiß aber noch nicht roten Schlafanzug – seine Schlafbrille hat
giert sich für Nachhaltigkeit. Er suchte nach genau, wo welches Teil hinkommt«, erklärt er mit »Fuck off« bekritzelt.
einem Projekt, bei dem er diese drei Inte­ Matty Brown. »Um den Videos eine narra­ Neistats Einstellung zum Filmemachen
ressen verbinden konnte. tive Qualität zu verleihen, gestaltet ich sie und zum Reisen ist kompromisslos: »Ich
In der ersten Season von »The Perennial eher persönlich als dokumentarisch. Ich gehe mit einem sehr offenen Geist in die
Plate« bereiste Klein Minnesota und veröf­ versuche eine Intensität zu erreichen, bei Welt hinaus. Ich suche nach Konflikten, ich
fentlichte 52 Episoden darüber, wo gutes der es dem Zuschauer so vorkommt, als suche nach dem Unbekannten. In den Kon­
Essen herkommt und wie man es genießen sähe er meine Erinnerungen.« flikten finde ich die Storys, dafür brauche
kann. Darüber konnte er sich einen festen ich keine Storyboards.« Das Verhältnis zu
Zuschauerstamm aufbauen, bald schalte­ Ein starker Protagonist ist den Marken, die er bewirbt, sieht der Filme­
ten 10 000 pro Woche ein. Die zweite Sea­ interessant für Werbekunden macher so: »Als Zuschauer interessiere ich
son führte ihn und seine Freundin Mirra Auch Casey Neistat, der seine Videos auf mich für Menschen. Warum sollte ich mich
Fine durch Nordamerika. Auch hier half YouTube veröffentlicht, hat einen unver­ für ein Auto oder ein Armband interessie­
wieder eine Kickstarter­Kampagne, zudem wechselbaren Stil. Der New Yorker Filme­ ren, das meinen Energieverbrauch misst?
Hosting mit
Shortcuts.
Mit Agentur-Tools Ideen sofort umsetzen.

[Link]
050 page 07.14 › themen › Reisen und damit geld verdienen

Meine Arbeiten sind character driven, ternet ein Publikum aufzubauen, muss man
ich bin immer der Hauptdarsteller. Wenn regelmäßig Inhalte veröffentlichen und so
mir die Zuschauer zuhören, interessieren ein Thema besetzen. Dafür ist ein langer
sie sich wohl dafür, was ich zu sagen habe.« Atem vonnöten. Man sollte also sein Rei­
Running Wild sen nur dann kreativ auswerten, wenn man
Der New Yorker Filmemacher Casey Neistat Authentische Geschichten Spaß daran hat. Außerdem muss man sich
reist, finanziert von großen Marken wie
Features zum Leben von Kreativen gibt es bewusst sein, dass die Ungezwungenheit
Nike oder Mercedes-Benz, um die Welt und
veröffentlicht Videos seiner Abenteuer auf
viele im Netz, in Deutschland hat sich etwa einer Reise durch ein kreatives Projekt ein­
YouTube. Er stürzt sich meist unvorbereitet in der Blog iGnant etabliert. Neben Videos, geschränkt wird. Will man immer eine Ka­
waghalsige Abenteuer, was seinen Arbeiten Fotostrecken und Texten zu Kunst, Design, mera mit sich rumschleppen? Will man bei
viel Spontanität und Glaubwürdigkeit verleiht. Fotografie und Architektur findet sich dort jedem Erlebnis darüber nachdenken, wie
seit 2011 auch die Rubrik »iGnantTravel«. man es mit der Kamera einfangen kann?
»Es geht um die Lust am Reisen und das Oder will man den Moment genießen?
Entdecken fremder Orte und Kulturen, aber Mirra Finna von »The Perennial Plate«
auch der eigenen Kultur. Oft werden wir zu hat eine klare Meinung dazu: »Ich bin so
Veranstaltungen in der ganzen Welt einge­ froh, dass ich auf diese Weise reisen darf.
laden. Zuletzt waren wir auf einem viertä­ Wir besuchen Länder, um das wirkliche
gigen Roadtrip durch die USA nach Detroit Leben und abseits der ausgetretenen Pfa­
unterwegs, bei dem ein tolles Video ent­ de die Menschen kennenzulernen. Wenn
standen ist, oder einen Tag auf der Design wir jemanden porträtieren, verbringen wir
Week in Mailand«, erzählt Chefredakteurin ein bis zwei Tage mit ihm, treffen seine Fa­
Caroline Kurze. Auch sie betont, dass der milie und essen in seinem Haus. Diese Er­
persönliche Blickwinkel entscheidend für fahrungen sind unglaublich intensiv und
die Qualität der Reisegeschichten ist: »Uns für mich die schönste Art zu reisen.« Au­
ist wichtig, ein authentisches Gefühl von ßerdem zwinge einen ja keiner, immer die
dem Ort zu vermitteln. Der Leser soll ja das Kamera rauszuholen, wie Tom Perkins be­
vorfinden, was wir ihm auf dem Blog zei­ tont: »Wenn man sich bewusst dazu ent­
gen. Im Unterschied zu Bildern in Reisefüh­ scheidet, einen Moment für sich zu genie­
rern, die so überarbeitet sind, dass sie nicht ßen, macht es ihn nur umso intensiver.
mehr der Realität entsprechen.« Man denkt dann nicht daran, wie man ihn
Fast allen vorgestellten Projekten ge­ am besten durch ein Medium reproduzie­
mein ist ihr serieller Charakter. Um im In­ ren kann – die Vergänglichkeit des Mo­
ments ist deutlich spürbar. Das kann ein
großartiges Gefühl sein.«
Reisen und Arbeiten sind für die vorge­
stellten Kreativen also kein Gegensatz. Um
den Bildern Leben einzuhauchen und die
Reiseerfahrungen spürbar zu machen, set­
zen sie auf ihre persönlichen Erfahrungen
vor Ort. Es gelingt ihnen, den Reiseorten
ihre ganz individuellen Geschichten zu
entlocken. Enthusiasmus und Leidenschaft
für die Kulturen, die sie kennenlernen,
zeigen sich darüber hinaus in der Bildspra­
che – und dieses Gefühl überträgt sich auf
den Zuschauer! So werden aus Reisen Ge­
schichten, die Lust machen, die Welt zu
entdecken. Simon Ruschmeyer

Simon Ruschmeyer ist autor


und Filmemacher. auf der Reise
nach Istanbul für seine neue
Webserie »Food, people, places«
beeindruckten ihn besonders
die lebhaften märkte der Stadt.
↗ [Link]

Links und Videos. Die erwähnten


projekte finden Sie auf [Link]-
[Link]/reisegeschichten_0714
page 07.14 051

Blick in die Kochtöpfe


Daniel Klein und Mirra Fine
stellen in ihrer Webserie
»The Perennial Plate« nach-
haltige Esskulturen vor.
Finanziert haben sie ihr Pro-
jekt zu Beginn über Crowd-
funding, inzwischen sind
auch Sponsoren an Bord.

Atmosphärische
Erinnerungsbilder
Matty Brown kombiniert in seinen Reise-
videos Landschaftsaufnahmen mit
Menschen und Detailbeobachtungen,
die intensive Atmosphären erzeugen.
So erschafft er persönliche Erinnerungs-
geschichten. »Tenerife – The Edge of the
World« entstand für das Projekt »7 Stories«
des kanarischen Tourismusverbands.
052 page 07.14 › themen › Cannes Lions 2014

­
Matthias Harbeck
steht auf Humor
Geschäftsführer Kreation bei
Serviceplan Campaign,Juror in der
Kategorie Promo & Activation

● Wir sind alle besessen von unseren Smartphones. Wenn


man abends zum Essen geht, fragt man sich manchmal, ob
die Leute mit ihrem Handy oder ihrem Gegenüber verabre­
det sind. Aus diesem Insight hat Droga5 das »UNICEF Tap
Project« entwickelt: »Go Without Your Phone To Give Clean
Water to Kids«. Je länger man es schafft, die Finger vom
Smartphone zu lassen, desto mehr frisches Wasser bekom­
men Kinder in Entwicklungsländern. Schon 10 Minuten Ab­
stinenz lösen eine Sponsorenspende aus, die ein Kind für ei­
nen Tag mit frischem Wasser versorgt. Eine fantastische Idee.
Denn Spenden­Apps gibt es viele, aber keine, die so schlau
auf unserem Handy­Verhalten aufbaut: Ich tue anderen etwas
Gutes, indem ich mich von der Sucht entwöhne. Das funk­
tioniert garantiert besser als jeder Tränendrüsen­Appell.
Eine andere Idee, die ich vor allem gern selbst umgesetzt
hätte, ist der »Adventure Awaits«­Spot für Lurpaks Cook’s
Range von Wieden + Kennedy London. Was für Blickwinkel,
was für ein Rhythmus! Kuchen zerbrechen wie Erdplatten im
Katastrophenfilm, Eier werden zu explodierenden Meteori­
ten, Karotten zu startenden Raketen. Grandioses Pathos, tol­
»Adventure Awaits« für Lurpak
ler Humor. Heißer Goldanwärter in der Kategorie Film Craft. Cook’s Range, W+K London
[Link]

Cannes-Lions-Favoriten. Links und Videos zu den


vorgestellten projekten finden Sie auf [Link]/
cannes-favoriten-2014
page 07.14 053

Epic
Welche arbeiten haben in diesem Jahr einen
Cannes-Löwen verdient? Juroren
verschiedener Kategorien stellen ihre Favoriten
vor. Bei einem sind sich (fast) alle einig nik
054 page 07.14 › themen › Cannes Lions 2014

Eric Schoeffler
schätzt Perfektion
Chief Creative Officer der
DDB Tribal Group,
Juror in der Kategorie Cyber

● Mit meinem großen Cannes­Favoriten werde ich keinen


überraschen können, diesmal ist es zu eindeutig. Mein Wör­
terbuch sagt: »epic« = »gewaltig«, »geil«, »super«, »unglaub­
lich«, »monumental«. Und jedes dieser Adjektive passt per­
fekt auf »Epic Split« von Forsman & Bodenfors für Volvo
Trucks. Eine Arbeit, bei der einfach alles bis ins kleinste
Detail perfekt ist. Das fängt mit dem Casting an. Wer freut
sich nicht, diesen gealterten Martial­Arts­Helden (den wir
doch alle immer ziemlich albern fanden) im Close­up zu
sehen? Davon ausgehend, dass es dann auf einen halbko­
mischen, irgendwie selbstironischen Joke hinausläuft. Weit
gefehlt. Was kommt, bläst einem den Schlaf aus den Au­
gen. Tolle Copy, großartige Musik und eine Kamera, die es
schafft, das ganz große Bild zu malen und trotzdem den
gnadenlosen, unbestechlichen Live­Moment zu liefern.
Auch beim zweiten, dritten und zehnten Mal ist man faszi­
niert von dem Rhythmus des Films, der Kunst des Protago­
nisten und den rückwärtsfahrenden truck drivers sowie der
Tatsache, dass bei dem Spektakel auch noch die Sonne hin­
ter den Bergen verschwindet. Besser geht’s nicht.
Natürlich gibt es noch viele weitere inspirierende Arbei­
ten, beispielsweise »350 Action: Climate Name Change« von
Barton F. Graf 9000 aus New York, Heimats »Hornbach Ham­ »The Epic Split feat. Van Damme
(Live Test 6)« für Volvo Trucks,
mer« oder »Klaus­Heidi« von DDB Stockholm. Forsman & Bodenfors
[Link]
page 07.14 055

Stefan Kolle mag, was


ihn neidisch macht
Geschäftsführer Kreation
bei Kolle Rebbe, Juror in der
Kategorie Outdoor

● Meine Favoriten sind das digitale Haarpflege­Plakat für


Apotek Hjärtat von Åkestam Holst und das Jean­Claude­Van­
Damme­Viral. Warum? Weil beides Ideen sind, an denen ei­
nen schwer ärgert, dass man sie nicht selbst gehabt hat. Das
ist ohnehin der beste Indikator für gute Ideen: purer Neid.
Das City­Light­Poster ist ein tolles Beispiel für den durch­
dachten, sinnvollen und unaufgeregten Einsatz von Sensor­
technik: Wenn die Bahn in die Station einfährt, weht es dem
Model auf dem Plakat die Haare ins Gesicht. Das greift einen
Effekt auf, den jeder kennt, der schon mal U­Bahn gefah­
ren ist, und verbindet ihn mit einer 1a­Produktdemo: So sieht
schönes Haar aus. Das ist einfach, smart und handwerklich
toll gemacht. Zum Van­Damme­Video muss man nicht viel
sagen. Für solche Fälle wurde das Wort »epic« erfunden.

»Blowing in the Wind« für


Apotek Hjärtat, Åkestam Holst
[Link]
056 page 07.14 › themen › Cannes Lions 2014

Kai Röffen liebt’s


intelligent
Executive Creative Director
bei thjnk, Juror in
der Kategorie Direct

● Auch auf die Gefahr hin, dass jeder ihn nennt: Der
»Hornbach Hammer« von Heimat ist mein absoluter
Favorit. Viel muss man zu der Idee nicht sagen – jeder
kennt sie. Und genau darin zeigt sich die Größe der
Kampagne. Niemand kann sich ihrer überraschen­
den Story entziehen, niemanden lässt ihre heraus­
ragende Ausführung kalt. Chapeau! Genial!
Auch mein zweiter und dritter Tipp sind made in
Germany. Die »Two Sides«­Plakate, die Philipp und
Keuntje für Reporter ohne Grenzen entwickelt hat,
sind ein Paradebeispiel für intelligente Werbung.
Nicht nur die innovative Nutzung des Allerweltsme­
diums City­Light­Poster macht die Idee für mich au­
ßergewöhnlich, sondern die Art, wie sie den Betrach­
ter involviert. Hier wird niemand schockiert oder
provoziert. Stattdessen animieren die Motive, wie ein
Reporter zwischen den Zeilen – oder besser formu­
liert Folienwechseln – zu lesen.
Last, but not least, begeistert mich die »Shiftogra­
phy«, die Lukas Lindemann Rosinski für den Sprin­
ter von Mercedes­Benz gestaltet hat. Eine eigene
Schrift für ein Nutzfahrzeug, die nicht im Design­
atelier entworfen, sondern tatsächlich am Steuer
des besonders leichtgängigen Sprinters erarbeitet
wurde. Besser und einfacher kann man den Pro­
»Two Sides« für Reporter ohne
duktnutzen nicht übersetzen. Grenzen, Philipp und Keuntje
[Link]
page 07.14 057

Claudia Fischer-
Appelt fiebert bei
Game Shows mit
Partner bei Karl Anders,
Jurorin in der Kategorie Design

● Was Sagmeister & Walsh für Adobe aus dem Hut gezau­
bert hat, lässt mein Designerherz hüpfen. Die Aufgabe war
denkbar einfach: das Logo neu zu inszenieren. Statt sich in
den üblichen Grafikdesign­Schubladen aufzuhalten, haben
sich die beiden eine Game Show Challenge rund um das
Zeichen ausgedacht. In mehreren Episoden kämpfen sie
vor einer renommierten Jury um die besten Ideen für die
Gestaltung der Logobuchstaben.
Mit bestem Humor und jeder Menge Ironie nehmen Ste­
fan Sagmeister und Jessica Walsh den kreativen Gestaltungs­
prozess auf den Arm und konterkarieren die Bedeutung von
Logos (»Don’t touch the logo!«). Sie stoßen es vom Thron.
Und das alles auf absolut höchstem visuellen Niveau. Das
gesamte ikonenhafte Setting ist großartig: Farben, For­
men, Sound, Glücksrad, Arena und ein Top­Styling. Mehr
geht eigentlich nicht, aber der großartige Moderator Todd
»Sagmeister x Walsh« für Adobe,
Newton setzt doch noch einen drauf. Super! Sagmeister & Walsh
[Link]
058 page 07.14 › themen › Cannes Lions 2014

Goetz Ulmer
mag’s bewegend
Geschäftsführer Kreation bei
Jung von Matt/Alster, Juror in
der Kategorie Press

● Im Gegensatz zu dem Trend, immer relevanter,


»wearabler« und/oder/vielleicht (Nichtzutreffendes
bitte streichen) vor allem lebens­ oder zumindest
weltverbessernder zu denken, sind meine Favoriten
fast alle aus dem weiten Feld der 25 Bilder pro Sekun­
de, kurz: Bewegtbild. Oder wie mancher Texter be­
deutungsschwanger texten würde: Bewegtmichbild.
• Volvo Trucks, »Epic Split«: Was für ein grandioses
Stück Selbstironie! In einer Einstellung. Klasse.
• Wren, »First Kiss«: Warum dieses inhouse produ­
zierte Ding erst als »Kunstkurzfilm« durchs Netz ge­
hen musste, statt sich gleich in seiner wahren Gestalt
»Sorry, I spent it on myself« für Harvey
als »Werbefilm« zu präsentieren? Sei’s drum, selten Nichols Christmas 2013, adam&eveDDB
[Link]
war ein Experiment so emotional umgesetzt wie die­
se, jedem bekannte Mischung aus Scheu und Magie
vor dem ersten Kuss. 80 Millionen denken das auch.
• Honda, »Sound of Honda«: Obgleich ein Event, ist
der Film dazu perfekt. Eine gänsehautproduzierende
japanische Verneigung vor einem Angestellten.
• Harvey Nichols, »Sorry, I spent it on myself« von
adam&eveDDB, London: fantastischer Gedanke,
schön englisch umgesetzt.
Heimlich drücke ich natürlich noch einigen rele­
vanten, lebens­ oder zumindest weltverbessernden
Ideen von Jung von Matt die Daumen :­)
Die neue

For Digital Professionals

onlinE
E-commErcE mobilE
markEting

Social mEdia tEchnik SErvicE

[Link]
060 page 07.14 › themen › Stencil-Schriften

Durch
Lange assoziierte man Stencil-Fonts vor allem
die eigenwilligen Schablonenschriften Corpo-

● Meine erste Begegnung mit Stencil-Fonts fand vor vielen, vie- Stencil Germany No.1, manchmal eleganter wie Dala Floa oder
len Jahren beim Zahnarzt statt. Wer gut geputzt hatte, durfte sich Dala Moa von Paul Barnes oder auch mit verschiedenen Ebenen
etwas aus dem Grabbelkorb aussuchen – ich nahm ein Lineal mit wie Stela Ut von Joan Ramon Pastor (siehe Seite 63 ff.). Und im-
ausgestanzten Buchstaben, mit denen sich Schablonenwörter mer häufiger tauchen sie im Kommunikationsdesign auf, in Lo-
zeichnen ließen. Charakteristisch für all die Schriften, die man gos und Erscheinungsbildern, auf Verpackungen, Hauswänden,
heute als Stencils bezeichnet, ist, dass die Buchstaben oder Zah- als Webfonts und in Apps. Als ich neulich ein paar Tage in Dublin
len an manchen Stellen durchbrochen sind, nämlich dort, wo das war, sprangen sie mir überall entgegen: auf Plakaten, in Schau-
Zeichen in der Schablone gehalten wird. fensterdekorationen, auf Guiness-T-Shirts und sogar im Auftritt
Einst wurden sogenannte Schablonierschriften verwendet, um des General Post Office, vor dem Rebellenanführer Patrick Pearse
Fässer, Kisten, Eisenbahnwaggons oder militärisches Gerät zu am Ostermontag 1916 die Unabhängigkeit Irlands proklamierte.
beschriften. Auch Jan Tschichold experimentierte mit Stencil- Der Boom der Stencil-Fonts hat mit ihrer industriellen und den-
Buchstaben, im Jahr 1929 zeichnete er Entwürfe für ein solches Al- noch handgemachten Ästhetik zu tun. Dabei bieten die vielen Va-
phabet, aus denen Klaus Sutter die digitale Iwan Stencil entwi- rianten jede Menge Spielraum für Projekte, die mit den ursprüng-
ckelte (2009 bei Linotype erschienen). 1937 hatten gleich zwei lichen Einsatzgebieten Transport, Militär und Graffiti nichts zu
Schriftgestalter die Idee, eine Stencil für den Satz zu entwerfen: tun haben müssen. Die hier gezeigten Anwendungen veranschau-
Robert Hunter Middleton und Gerry Powell. lichen das Spektrum an Möglichkeiten und inspirieren Sie viel-
Heute gibt es Stencil-Fonts wie Sand am Meer, manchmal wie leicht, selbst einmal mit Stencil-Fonts zu gestalten. Dazu stellen
die Vorbilder kräftig und streng, zum Beispiel Andreas Seidels Vtg wir auch fünf schöne neue »durchbrochene« Schriften vor. ant
page 07.14 061

bruch
mit Street Art und Militär, heute bereichern
rate Designs, Verpackungen und Kampagnen

Immer mehr House Industries


Font Yorklyn Stencil, 3 Schnitte, rund 75 Dollar
↗[Link]

● Yorklyn Stencil bestand zunächst nur aus den


Zahlen, die House Industries für ihre schönen Ke-
ramikuhren gezeichnet hatte (siehe PAGE 06.14,
Seite 62 f.) Dann verwendeten die Typedesigner aus
Yorklyn in Delaware sie für ihre eigenen Visitenkar-
ten, für Geschenkpapier und bemalten auch eine
Wand ihres Ladengeschäfts damit. Schließlich mach-
ten sie ein ganzes Alphabet daraus, und zwar in drei
Größen: Petite für Anwendungen in 20 bis 40 Punkt,
Regular für 40 bis 80 Punkt und Jumbo für alles, was
richtig groß ist.
062 page 07.14 › themen › Stencil-Schriften

Heimat Stencil
12 Schnitte, circa 170 Euro
↗[Link]; [Link]

● Die Heimat Collection umfasst die Fontfamilien


Heimat Sans, Heimat Mono, Heimat Stencil – und
demnächst Heimat Didone, eine klassizistische Anti-
qua. Grotesk-Schriften der späten 1990er inspirierten
die Großfamilie. Die strenge Gestaltung der Heimat
Sans ging Christoph Dunst trotz der rigorosen Gestal-
tung nicht weit genug. Deshalb entwickelte der Desi-
gner, der nach einigen Jahren in Den Haag 2009 mit sei-
nem Büro Dunst nach Berlin umzog, die Stencil, die
durch die Konzentration auf die Grundformen die Ro-
bustheit des Skeletts unterstreicht.

Hot & Spicy Play With Fire


Free-Font Gunplay
↗[Link]/fonts/typodermic/gunplay

● Für das Packaging von Play With Fire, einer Range


von sechs scharfen Gewürzsaucen aus aller Welt
suchte die Designerin Emma Elderkin aus Notting-
ham ([Link]) eine kraftvolle,
einfache Schrift. Eine Type, die das Warnsymbol für
hochentzündliche Stoffe auf den Flaschen unter-
stützt. Bei der Etikettengestaltung lehnte sie sich an
die Beschriftung von Feuerlöschern an, die einfa-
chen Schablonenbuchstaben in Schwarz und Weiß,
so dachte sie, würden auch sehr gut zu den Saucen-
flaschen passen. So entschied Emma Elderkin sich
für den Free-Font Gunplay von Ray Larabies Foun-
dry Typodermic. Die unterschiedlichen Füllungen
des Flammensymbols sind übrigens traditionelle
geometrische Muster aus dem Land, aus dem die je-
weilige Sauce stammt.
page 07.14 063

Vtg Stencil Germany №1


5 Schnitte, etwa 140 Euro
↗[Link]

● Andreas Seidels Fontfamilie basiert auf Signierschab-


lonen aus dem Deutschland der Kaiserzeit. Vtg Stencil
Germany No.1 besteht aus den fünf Stilen Regular (tech-
nisch saubere Formen), Paint (schablonierte, raue For-
men), Sketch (Strichzeichnung), Light (Outline) und
Inlay (flächige Füllung); Paint und Sketch bieten vier
zusätzliche Versionen jedes Grundbuchstabens und der
Ziffern an. Das erzeugt eine natürlichere Anmutung des
Schriftbilds, zumal eine Art Zufallsgenerator die Let-
tern bei der Texteingabe dynamisch variiert.

Stela Ut
3 Schnitte, rund 10 Euro
↗[Link]

● Über mehr als 600 Glyphen verfügt Stela Ute von


Joan Ramon Pastor, der in Barcelona sein Design-
studio Wete und die Foundry Ultra Types betreibt.
Die Schrift umfasst eine kostenlose Regular-Ver-
sion sowie zwei auf geometrischen Formen basie-
rende Layer-Fonts. Damit lässt sich natürlich wun-
derbar herumspielen, da man die einzelnen Teile
zu immer neuen Gebilden zusammensetzen kann.
Entsprechend lautet Joan Ramon Pastors Aufforde-
rung: »Play with it!«
064 page 07.14 › themen › Stencil-Schriften

Dala Floda und Dala Moa


12 und 16 Schnitte, etwa 350 und 550 Dollar
↗[Link]

● Einmal mit und einmal ohne Serifen, das sind die


Stencil-Geschwister Dala Floda und Dala Moa des in
London lebenden Typedesigners Paul Barnes, der ge-
meinsam mit dem New Yorker Christian Schwartz die
Foundry Commercial Type betreibt. Dala Floda und Dala
Moa haben die gleichen Proportionen und auch die glei-
che Inspirationsquelle: in Stein gravierte sowie Buchsta-
ben auf Transportkisten. Die leichten Schnitte der Dala
Moa zeigen Einflüsse von Tschicholds Stencil-Expe-
rimenten und vor allem seiner Display-Schrift Saskia.
Beide Schriften wirken elegant und besonders – zumal
es nicht viele Stencils mit Schwungbuchstaben gibt!

Abgelenkt Försvarsmakten
Free-Font Gunplay
↗[Link]/fonts/typodermic/gunplay

● DDB Stockholm arbeitet schon seit einigen Jahren


für die schwedische Armee, die Försvarsmakten, und
setzt in den Rekrutierungskampagnen – wie auch Em-
ma Elderkin für ihre scharfen Saucen – die Stencil-
Schrift Gunplay ein. Was naheliegend, aber deshalb
nicht weniger überzeugend ist. »Die neuste Kampagne
nimmt darauf Bezug, dass wir angesichts der täglichen
Schreckensmeldungen am liebsten den Kopf wegdre-
hen. Die Kreativen kommunizierten zunächst weitere
schlechte Nachrichten auf verschiedenen Kanälen, um
dann schnell vom Thema abzulenken. Dies soll provo-
zieren und dazu animieren, sich bei den Streitkräften
zu bewerben. Verbindendes und oft dominierendes Ele-
ment der Online- und Printkampagne ist der Stencil-
Font Gunplay, zumal die schwedische Armee ihn auf ih-
rer Rekrutierungsseite ebenfalls verwendet.
page 07.14 065

Laski Slab Stencil


2 Schnitte, knapp 10 Dollar
↗[Link]

● Die Schnitte Stencil Black und Stencil Black Italic sind


Teil der großen, soeben erschienenen Fontfamilie Laski
Slab. Gestaltet haben sie die beiden Argentinier Paula
Mastrangelo und Ramiro Espinoza, der aber schon lan-
ge in Den Haag lebt und dort 2007 die Foundry ReType
gründete. Insgesamt zwanzig Fonts umfasst die fürs
Editorial Design prädestinierte Slab-Serif-Schrift, die
deren Robustheit mit humanistischen und kalligrafi-
schen Elementen mischt. Dank ihrer runden, offenen
Formen und großzügigen horizontalen Proportionen
ist sie zudem gut lesbar. Besonders schön sehen die
Stencil-Schnitte im Mix mit den anderen Fonts aus, aber
natürlich kann man sie auch für sich einsetzen. ant

Maskulin Danmark
Font Danmark, 5 Schnitte, circa 225 Euro
↗[Link]

● Auch wenn er seit einiger Zeit in New York lebt, im


Herzen ist und bleibt Jonas Emmertsen ([Link]
[Link]) Däne. Darum kam ihm wohl die Idee,
dem Østre Gasværk Teater in Kopenhagen ein neues
Gesicht zu geben. Er sprach mit dessen Mitarbeitern
und entwickelte auf eigene Faust ein Corporate Design,
das die raue, maskuline Wirkung der Location – ein
altes Gaswerk – mit den emotionalen Aspekten der
Schauspielkunst mischt. Eine Stencil-Schrift passte her-
vorragend zu dem industriellen Gebäude, allerdings
wollte Emmertsen eine moderne Variante, die leichter
ist und Innovation vermittelt. Nach stundenlanger Su-
che im Netz stieß er schließlich auf den Font Danmark
der dänischen Foundry Playtype und war sicher: Das ist typoPAGE & PAGE Typometer. Im page Shop
es. Finden wir auch, und es wäre wirklich schade, wenn unter [Link] können Sie
dieses gelungene Projekt ein fiktives bleiben würde. die typopage sowie unser typometer bestellen
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NEUEs
Spannendes aus der Bild-, Typo-,
Papier- und Technikwelt sowie
interessante neue Publikationen
finden Sie auf diesen Seiten
und auf [Link]

Kein Om
Und auch Räucher-
stäbchen gibt’s
nicht in den Yoga-
Bildwelten von
Björn Ewers. Das
talentierte
Model ist Lena
Fishman von m4.
Page 07.14 069

Bild Mini-Fotostudio. Für Foldio


lief es bei Kickstarter bestens: An-
statt der angestrebten 10 000 Dollar kamen über
170 000 zusammen. Seither lässt sich das faltbare
Fotostudio für rund 50 Dollar mit einem oder für
60 Dollar mit zwei LED-Leuchtstreifen bei Orange-
monkie bestellen (der internationale Versand ist
kostenlos). Genial für Packshots oder andere Fo-
tos kleiner Objekte. ↗ [Link]
Neues Abomodell. Immer öfter werden Fotos im Abo angeboten.
Auch iStockphoto ersetzte nun das unhandliche Credits-Abonnement
durch eine simple Subskription für je einen Monat oder ein Jahr. Mutter-
firma Getty Images orientierte sich dabei am Erfolg einer anderen Tochter:
Kein Geschäftsbereich wuchs in letzter Zeit schneller als das Thinkstock-
Abo. ↗ [Link] Ende von Instagram? Die rosarote
Brille ist out, jetzt gibt es Tens. Nach dem Motto »Filter Your World« ver-
leihen sie sogar trüben Tagen (siehe Foto unten) die satten Farben eines
Instagram-Fotos oder Polaroids. Drei Jahre arbeitete ein Start-up aus
Edinburgh an den perfekt getönten Brillen. Nach Crowdfunding per
Indiegogo gibt es die Real-Life-Foto-
filter jetzt ab rund 45 Euro zu kaufen.
Wer braucht mit so einer Brille noch
eine App? ↗ [Link]

1 Yoga mal anders


Dass Werbe- und Lifestylefotograf Björn So überraschen Ewers’ Yoga-Bilder mit ei- ihrer Agentur Cosmopola vertritt (www.
Ewers früher Artdirektor war – unter ande- nem ungewohnt sportlich-popkulturellen [Link]). »Aber wenn, sind sie ein
rem lange bei Scholz & Friends – hat sicher Look. Die Inspiration für Bildsprache und Knaller.« Das gilt auch für sein freies Pro-
auch bei seinem jüngsten freien Projekt die echten Hashtags fand er bei neuen ur- jekt »Mai Day«, das gerade in sein fünftes
nicht geschadet. »Mit der artdirektorischen banen Yogis, die sich auf Instagram tum- Jahr ging: Am ı. Mai richtet er immer vor
Brille überlege ich erst, was für Bilder Auf- meln. Sonst setzt der Fotograf illustrative dem Haus ein Open-Air-Studio ein, um vor
merksamkeit erregen und Spaß machen Elemente auf seinen Bildern selbst um, dies- Ort Passanten zu fotografieren. Und in der
könnten. Wobei aufmerksamkeitsstark aus mal war es der befreundete Typograf und Wiener Straße in Berlin-Kreuzberg kom-
meiner Sicht das ist, was den Mainstream Designer Kay Haußler ([Link]). men an diesem Tag viele interessante Leu-
durchbricht. Mit diesem Briefing im Kopf »Björn macht nur selten freie Projekte«, te in Partylaune vorbei . . . cg
setze ich dann die fotografische Mütze auf.« sagt Barbi Mlczoch, die den Fotografen mit ↗ [Link]
070 page 07.14 › NeUeS

Typo Emigre Type Sampler. Sie haben es nicht ver­


lernt: Noch immer gestaltet die Kultfoundry aus Ka­
lifornien wunderschöne Schriftenkataloge, bei denen ganz besonders die
Collagen begeistern. Das jüngste, kürzlich erschienene Exemplar lässt
sich für rund 10 Dollar bei Emigre anfordern. Als kostenloses PDF kann
man den Katalog auch direkt auf [Link] (unter dem Button
»News«) herunterladen. Einen neuen Font gibt es ebenfalls: Cardea, eine
robuste Serifenschrift für Fließtext. Typedesigner David Cabianca hat sie
in Regular, Bold und Black plus Italics ausgebaut. Kostenpunkt: knapp
300 Dollar. I Love Helvetica und Times. An Typoliebhaber wendet
sich der Verlag viction:ary mit seiner »I Love Type« Buchreihe. Sechs Ti­
tel zu Futura, Avant Garde, Bodoni, DIN, Gill Sans und Franklin Gothic
sind bereits erschienen, jetzt kommen mit Helvetica und Times Band 7
und 8 (jeweils 160 Seiten, ISBN 978­988­19439­4­1 und ISBN 978­988­
19439­7­2). Die von [Link] aus Barcelona liebevoll gestalteten
Softcover kosten je 29,95 Dollar. In einer limitierten Auflage gab es auch
eine Box mit allen Bänden. Sie ist bereits vergriffen, wir hoffen auf eine
Neuauflage. ↗ [Link] Kantige Serifenlose.
Burlingame nennt Carl Crossgrove, Senior Designer bei Monotype, sei­
ne Sans Serif mit 36 Schnitten. Entsprechend vielfältig ist sie einsetzbar –
von Branding über Werbung und Verpackungsdesign bis hin zur Gestal­
tung von User Interfaces und mobilen Anwendungen. Burlingame kos­
tet knapp 500 Euro. ↗ [Link]

Neue Slab Serif


Im letzten Jahr brachte die Wiener Foundry FaceType
die sympathische, humanistische Serifenlose Adria Gro­
tesk heraus. Jetzt erweiterte Marcus Sterz die Familie um
eine Slab­Serif­Variante. Diese verfügt ebenfalls über
14 Schnitte – 7 Stärken von Thin bis Black plus passen­
de, aufrechte Italics. Darüber hinaus gibt es Ziffernva­
rianten, echte Brüche, Ligaturen, ein Versal­ß und neue
Symbole, darunter ein Oktopus, eine Pfeife und Pfeile.
Adria Grotesk und Adria Slab sehen sowohl alleine als
auch im Team prima aus; erhältlich sind sie bei My­
Fonts für jeweils rund 120 Euro. ant
page 07.14 071

»Spannende
Typo vor dem
Verschwinden
bewahren«
Zu Oliver Lins Leidenschaf­
ten gehört das Fotografieren
urbaner Typografie. Zum Glück
lässt er uns über den Agentur­
blog [Link]/blog daran
teilhaben. Wir sprachen mit
dem heute in Berlin lebenden
Kreativen über seine Beweg­
gründe für das Projekt. ant

Auf Ihrem Blog zeigen Sie jede Menge schöner,


inspirierender Typografie aus aller Welt –
ganz frisch zum Beispiel aus Karlsruhe. Wie
kam es dazu?
Oliver Lins: Die Idee, Schriftzüge im Stadt­ und
Landbild fotografisch festzuhalten, hatten mein
Bruder Alexander und ich schon seit mehr als zehn
Jahren im Kopf. Damals waren wir mit unserer
Agentur Olex noch ausschließlich in New York sta­
tioniert. Unsere Absicht war, herausragende Typo­
Typo-Watching grafie festzuhalten, um sie vor dem Verschwinden
Die Beispiele aus New York, zu bewahren, und damit zugleich Material für eine
Karlsruhe und Wien machen Publikation zu sammeln, die in enger Beziehung zu
Lust auf mehr globale unserer Arbeit als Grafikdesigner steht. Mit dem Ein­
typografische Leckerbissen zug der Neuen Medien in unser Leben und beruf­
liches Schaffen haben wir dieses Vorhaben schließ­
lich 2008 aufgegriffen und in Form unseres Blogs zu
neuem Leben erweckt.
Wer ist alles an dem Projekt beteiligt?
Wir verwenden nur Fotos, die wir selbst an Ort und
Stelle gemacht haben. Nachdem Alexander und ich
anfangs beide gepostet haben, stammen die Beiträ­
ge heute fast zu ı00 Prozent von mir. Fotografie liegt
mir schon immer näher und ich bin viel auf Reisen.
Zudem sind gewisse qualitative Ansprüche entstan­
den, denen ich im Sinne einer guten Arbeitsteilung
sehr gerne nachkomme.
Auf welche Städte können wir uns als
Nächstes freuen?
Die Grundidee, sich immer dort umzusehen, wo
man sich gerade befindet – egal, ob zu Hause oder
unterwegs –, hat sich bewährt. Bei jeder Reise plane
ich nach Möglichkeit einiges an Zeit ein, um durch
Wanderungen die mir unbekannte oder auch be­
kannte Umwelt zu erkunden und besondere typo­
grafische Gegebenheiten festzuhalten. Paris, New
York und Istanbul sowie Wien und Berlin stehen
wieder auf meiner Liste.
072 page 07.14 › NeUeS

Papier Büttenpapier von Fedrigoni. Seine drei


neuen Büttenpapiere fertigt der italienische
Papierhersteller mittels Maschine und Handwerk. Rosaspina hat einen
Baumwollanteil von 60 Prozent, Tiepolo und Artistico bestehen kom-
plett daraus. Alle drei sind an den Rändern mit Wasserzeichen versehen.
Die voluminösen und weichen Papiere eignen sich zum Prägen oder für
den Buchdruck.↗ [Link] Recyclingpapiere sind kaum
teurer. Metapaper untersuchte das Vorurteil, dass Recyclingpapiere gut,
aber teuer sind. Innerhalb seines Sortiments verglich das Unternehmen
am Beispiel einer Broschüre die Kosten zwischen einem gestrichenen
Bilderdruck- und einem gestrichenen Recyclingpapier sowie zwischen
einem Feinstpapier ohne Recyclinganteil und einem mit. Das Ergebnis:
Unabhängig von der Auflagenhöhe ist das gestrichene Recyclingpapier
pro Broschüre lediglich 2 Cent teurer, bei dem Feinstpapier gab es gar
keine Differenz.↗ [Link]

Mohawk Premium Polyester


Neu im Programm des Papierherstellers Mohawk sind vorper-
forierte und vorgenutete Materialien aus Premium Polyester im
A4-Format sowie blanko Polyestermaterial in der Größe 32 mal
45 Zentimeter. Die Anwendungsgebiete liegen überall dort, wo
man wasserfeste und abwaschbare Medien benötigt, zum Bei-
spiel für Namensschilder, Kofferanhänger oder Speisekarten. Laut
Mohawk fühlt sich Premium Polyester hochwertig an und ist
dabei wesentlich günstiger als eingeschweißte oder laminierte
Alternativen. Bedrucken kann man das Material auf Trocken-
toner-, allerdings nicht auf HP-Indigo-Systemen. Den Vertrieb in
Deutschland übernimmt Metapaper.
↗ [Link]; [Link]

Chromolux für Digitaldruck


Das speziell für HP-Indigo- und Trockentoner-Systeme konzi-
pierte Chromolux digital erlaubt es, den Premiumkarton mit sei-
nem hohen Glanz und seiner schönen Haptik auch im Digital-
druck zu verarbeiten. Zur Einführung der neuen Sorte hat Metsä
Board Zanders die »Liberty Box« entwickelt. Sie enthält Post-
karten mit Zitaten zum Thema Freiheit sowie unbedruckte Mus-
ter des in verschiedenen Farben und Gewichten vorliegenden
Foto: Liliana Frevel

Kartons. Die Rückseite informiert über die jeweiligen Qualitäten


und Druckverfahren. Die limitierte Box lässt sich kostenlos beim
Unternehmen anfordern. ant
↗ [Link]
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PAGE eDossiers – Best-of-Kompilationen aus


PAGE und WEAVE im Originallayout:
PDFs einfach und jederzeit runterladen in unserem
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074 page 07.14 › NeUeS

Technik Neue 3D-Druck-Technologie. Auto­


desk will künftig eine zentrale Rolle im
3D­Printing spielen und geht mit einem ungewöhnlichen Konzept an
den Start: Die offene Technologie Spark soll eine einheitliche Basis für
Druckerhersteller und Softwareentwickler werden. Spark selbst wird un­
ter freier Lizenz verfügbar sein und die Produktion und Kontrolle im 3D­
Druck vereinfachen. Als Referenz plant der 3D­Software­Spezialist einen
eigenen 3D­Drucker zu produzieren, der, so Auto­
desk­CEO Carl Bass, eine »neue Benchmark für
das 3D­Druck­Erlebnis« setzen soll. Wie das genau
geschehen soll, ließ er offen. Die Konstruktions­
pläne für den Drucker sollen ebenfalls für Weiter­
entwicklungen öffentlich verfügbar sein. Einen ge­
nauen Starttermin für Spark nannte Bass nicht, die
Technologie soll aber ebenso wie der Drucker im
Laufe des Jahres erscheinen.↗ [Link]

1 Framer 3 4 Zweite Lichtfeldkamera-Generation


Für das Prototyping­Tool Framer steht Der US­amerikanische Lichtfeldspezia­ lich setzen kann (siehe Bildreihe unten).
ein größeres Update auf Version 3 zur list Lytro stellt eine neue plenoptische Rendert man daraus ein 2D­Bild, blei­
Verfügung. Die Open­Source­Software Kamera vor. Ihr Name: Illum. Mit dem ben etwa 4 Megapixel übrig.
kann aus Photoshop übernommene an klassische Fotokameras erinnernden Die Illum ist mit einem Zoomobjektiv
Ordnergruppen zerlegen, sodass sie als Design lässt sie sich deutlich einfacher ausgestattet, das eine starre Blende von
Grafiken in einem HTML­Dokument bedienen als die erste Generation der 2.0 besitzt und einen Brennweitenbe­
vorliegen. Danach kann der Designer Lytro­Kameras, über die wir in einem reich von 30 bis 250 Millimetern abdeckt.
daraus einfach Animationen und In­ Artikel zur Lichtfeldfotografie berich­ Im Live­Bild können ein Tiefenhisto­
teraktionen für Mobile­ und Desktop­ teten (siehe PAGE 04.12, Seite 80 ff.). Da gramm oder ein Overlay anzeigen, ob
Anwendungen erzeugen. der Sensor bei der Lichtfeldtechnik nicht später ausreichend Tiefe für die nach­
Die wichtigsten neuen Features be­ nur die auf ihn fallenden Lichtstrahlen, trägliche Fokussetzung vorhanden ist.
treffen die State Machine, die für die sondern auch deren Einfallswinkel er­ Die etwa 1600 Euro teure Lytro Illum
Organisation der Animationen zustän­ fasst, misst Lytro die Auflösung in Me­ verfügt über einen mechanischen Ver­
dig ist. Erweitert wurde das Anima­ garays und gibt diese für die Illum mit schluss (bis 1/4000 Sekunden), ein Sta­
tion­Backend, das jetzt leichter zu be­ 40 an. In dem Lichtfeldfoto liegen sämt­ tivgewinde und einen Blitzschuh. Ein
dienen sein soll. Die exportierten Pho­ liche Tiefeninformationen vor, sodass erster Systemblitz soll zeitgleich mit der
toshop­Ordner, früher Views genannt, der Fotograf (und jeder Betrachter) den Kamera im Sommer erhältlich sein.
heißen jetzt Layers. Sie sind mit De­ Fokuspunkt der Aufnahme nachträg­ ↗ [Link]
fault­Werten für Farbe und Größe ge­
füllt und so sofort sichtbar. Anders als
zuvor muss man sie nicht mehr als Bild­
oder Scrollelement anlegen, sondern
weist jedem Layer Eigenschaften zu.
↗ [Link]
page 07.14 075

1 Kurz vorgestellt
2 Storytelling in 5 Minuten. Mit Voice hat Adobe

eine kostenlose iPad­App vorgestellt, mit der sich kur­


ze Image­ oder Werbeclips fürs Internet erstellen las­
sen. Das Tool nimmt Ton über das Mikrofon auf, kann
Fotos, Illustrationen und Musik integrieren sowie
Text darstellen. Hierfür kann der Anwender eigenes
Material nutzen oder auf Animationen, Clips und
Bilder mit Creative­Commons­Lizenz zurückgrei­
fen. Die Länge der Audioaufzeichnung gibt auto­
matisch die Darstellungsdauer der einzelnen Ele­
mente vor. Die Filmchen kann man nur nach An­
meldung bei der Creative Cloud auf einen Adobe­
Easy Prototyping Server exportieren, der Direktexport im Videofor­
Framer ist in Version 3 mat ist nicht vorgesehen. Um einen Clip zu veröf­
doch deutlich kom- fentlichen, bettet man einen Link ein oder ver­
fortabler geworden schickt diesen per E­Mail. ↗ [Link]
3 Kleine Systemkamera. Die Nikon 1 S2 wiegt nur

230 Gramm (ohne Objektiv) und ist lediglich 6 Zenti­


Clips am iPad meter breit. Die Kamera mit Wechseloptik löst 14 Me­
Produktion im gapixel auf einem Sensor im CX­Format (13,1 mal
Hochformat, der 2 8,8 Millimeter) auf. Das zugehörige Objektiv (Nik­
Output läuft
kor 3,5–5,6/11–27,5 Millimeter) bildet umgerechnet
quer: Mit Adobe
Voice lassen sich
auf Kleinbild eine Brennweite von etwa 27 bis 80 Mil­
vertonte Video- limetern ab. Mit einer Serienbildgeschwindigkeit von
filmchen erstellen 20 Bildern pro Sekunde inklusive Autofokus ist die
Systemkamera sehr schnell. Die Nikon 1 S2 soll im
Herbst zum Preis von knapp 460 Euro inklusive Ob­
Nicht nur jektiv erhältlich sein. ↗ [Link]
hübsch Farbgenaue Monitore. DreamColor heißt die
Die Nikon 1 S2
schafft 20 Bilder
Display­Reihe von HP, die sich an professionelle An­
pro Sekunde wender mit hohen Ansprüchen an die Farbgenauig­
mit 14 Megapixel keit richtet. Die beiden neuen 24­ und 27­Zoll­Mo­
Auflösung delle decken den AdobeRGB­Farbraum zu 99 Pro­
zent ab und eignen sich damit für farbkritische Ar­
beiten. Der HP Z27x löst 2560 mal 1440 Bildpunkte
auf, verfügt über eine Hardwarekalibrierung und
kostet ungefähr 1160 Euro Das kleinere Modell, der
HP Z24x, ist für rund 675 Euro erhältlich und bietet
3 Bilder mit Tiefe eine Auflösung von 1920 mal 1200 Pixeln. Kalibrieren
Illum nennt Licht- lässt er sich mit dem optionalen Kit. ↗ [Link]
feldspezialist Lytro
Fotolia am iPad. Die Microstock­Agentur hat
seine neue Kamera-
eine kostenlose App veröffentlicht, mit der sich ihr
generation
Bildbestand am iPad durchsuchen lässt. Dabei kann
der User Motive zusammenstellen und zum Schluss
auch herunterladen. Rechercheergebnisse zeigt die
App in Mosaikform an, ein Tipp vergrößert das Bild,
4 und mit zwei Fingern kann man durch den Vollbild­
modus scrollen. ↗[Link]
App-Entwicklung ohne Code. [Link] ist ein
Online­Service zur Erstellung individueller Smart­
phone­Apps ohne Programmierkenntnisse. Die Pro­
duktion ist tatsächlich relativ simpel – die Apps müs­
sen es allerdings auch sein. So lassen sich zum Bei­
spiel mobile Portfolios generieren. [Link] erstellt
keinen Code für iOS oder Android, sondern expor­
tiert Web­Apps. [Link] befindet sich derzeit im
Betastadium und lässt sich kostenlos nutzen – was
auch so bleiben soll. ↗[Link] ml
076 page 07.14 › NeUeS

Publikationen
1 »Dinge drucken«. Gemeinsam mit dem belgischen Designstudio
Unfold, das zu den Avantgardisten des 3D-Drucks gehört, brachte der
Gestalten Verlag diesen Überblick heraus. Der Text- und Bildband bietet
eine 54-seitige, glänzende Einführung in Technik und Theorie des 3D-
Drucks (Ästhetik, Urheberrecht, Geschäftsmodelle et cetera) und zeigt
rund hundert ziemlich aktuelle experimentelle, künstle-
rische und studentische Fallbeispiele. Keine Frage, nach
wie vor sind reichlich Gefäße, Stühle und Schmuck zu
sehen. Doch es geht immer auch um Zukunftsweisendes,
wie etwa den Einsatz organischer Materialien anstelle von
Kunststoff oder eine intuitivere Formgebung für alle, die
Claire Warnier und Dries keine 3D-Programme beherrschen. Bis das Dinge-Dru-
Verbruggen: Dinge
drucken. Wie 3D-Drucken cken die Massen erreicht, dauert es aber garantiert noch.
das Design verändert.
Berlin (gestalten) 2014, Erst mal heißt es: Designer an die Macht! Dieser Text- und
256 Seiten. 39,90 euro.
ISBN 978-3-89955-529-5 Bildband ist das perfekte Starter-Kit.

2 »Golden Meaning«. Ob Webdesigner, Typo- 3 »Goldrausch & Werther«. Wann waren Sie zu-
graf oder Friseur, der Goldene Schnitt geht jeden letzt im Antiquariat? Haben die Jüngeren überhaupt
Gestalter an – verkörpert das schon den alten Grie- schon mal in einem gestöbert? Einstmals, bevor es
chen bekannte Teilungsverhältnis doch angeblich das Internet gab, spielten Antiquariate auch bei
das Geheimnis idealer Proportionen. Wie vielsei- der visuellen Recherche eine wichtige Rolle. Jürgen
tig sich diese ästhetische Grundformel anwenden Holstein, auf Kunst und Architektur spezialisier-
lässt, zeigt ein Büchlein von GraphicDesign&. Der ter Berliner Antiquar, sammelte jahrelang Antiqua-
Londoner Miniverlag zweier renommierter De- riatskataloge aus aller Welt, die er nun in einem üp-
signexpertinnen bat 55 herausragende Gestalter pigen, von ihm selbst verlegten Bildband präsen-
aus aller Welt, den Goldenen Schnitt visuell zu in- tiert ([Link]). Kein Spezialgebiet
terpretieren; natürlich ist 55 eine Zahl aus der eng bleibt ausgespart, sei es altenglische Gartenkunst
mit diesem verbundenen Fibonacci-Folge (1, 1, 2, oder Vampirismus. Früher, so Holstein, wurden
3, 5, 8, 13, 21 . . .). Die Ergebnisse reichen von Pa- jährlich Hunderttausende Kataloge verschickt –
pierskulpturen über eine Processing-Anwendung sein Buch sei ein »informativer Nachruf« auf die
bis hin zu Überlegungen bezüglich der perfekten Gattung, von der wir hoffen, dass sie noch nicht
Haarlänge. Alles ist gülden auf ungestrichenem ausstirbt. Also, rein ins nächste Antiquariat! Inspi-
Papier gedruckt. rierende Fundstücke sind garantiert. cg

Lucienne Roberts, Reecca Wright Jürgen und Waltraud Holstein:


(Eds.): Golden Meaning. Goldrausch & Werther. Antiqua-
Fifty-five Graphic Experiments. riatskataloge als Sonderfall des
London (graphicDesign&) Umschlagdesigns. Berlin (privat-
2014, 288 Seiten. 17,50 pfund. druck) 2014, 284 Seiten. 178 euro.
ISBN 978-0-9572381-1-4 ISBN 978-3-00-043240-8
page 07.14 077

1
Norwegen für alle
Die Kartografen haben die
Geodaten freigegeben – seit­
her kann sich jeder Interes­
sierte bei Benglers Terrafab
([Link]
sein Stück Norwegen drucken

3
Bedrohte Spezies
Trotz Totenkopf: Antiqua­
riatskataloge leben
weiter. Dieser stammt
aus dem letzten Jahr
Foto: Richard Hubert Smith

1 : 1618 . . .
George Hardie übertrug
das perfekte Maß
auch in die dritte und
vierte Dimension
078 page 07.14 › NeUeS › publikationen

Was wir fragen wollten


Danusch Mahmoudi, Kreativdirektor Wieder zu haben
Deutschland bei SapientNitro, München Die Zeitschrift, die der moder­
nen Schweizer Grafik weltweit
↗ [Link]
zu Einfluss verhalf

Kaufen Sie Bücher lieber off- oder online?


4
Danusch Mahmoudi: Nach Designbüchern stöbere
ich hier in München bei soda ([Link]),
Businessbücher kaufe ich im Internet.
Spiel oder Kunst?
Manche boykottieren ja inzwischen die FriendsWithYou lädt immer
wieder zur Interaktion ein –
Marktmacht von Amazon.
sei es, um ein Puzzle neu zusam­
Englischsprachige Businessbücher, die ich auch als menzusetzen oder um
Start-up-Betreiber brauche, gibt es da immer noch mit den Augen zu wackeln
am schnellsten. Ich kaufe auch oft E-Books.

Sie haben das alternative Energienetz buzzn


und die Plattform Fair•Fashion gegründet.
Schreiben Sie Beiträge für diese Websites?
Ich schreibe öfter auf [Link], dem Peer-to-
Peer-Netz für lokal produzierten Strom. Aber bei
[Link] macht das eher meine Frau als
Modejournalistin, Input kommt auch von mir.

Welche Bücher inspirierten Sie, den Sprung


zum Start-up zu wagen?
Zum Beispiel »New Rules for the New Economy« von
»Wired«-Mitgründer Kevin Kelly. Oder »Kopf schlägt
Kapital« von Günter Faltin, Professor für Entrepre-
neurship ([Link]). Als deutsches
Buch übrigens in der Buchhandlung gekauft! 5
Warum schlägt Kopf Kapital?
Weil das klassische Gründungsmodell mit Business-
plan und Kredit so nicht mehr stimmt. Vor allem
zählen Ideen. Vielleicht haben deshalb eher spezia-
lisierte Buchhandlungen wie soda eine Zukunft als
Hugendubel oder Thalia. Interessant ist auch die
Share Economy, die nicht mehr auf Besitz setzt: Ich
bin Fan unserer Gemeindebibliothek, die immer auf
dem neuesten Stand ist.

Wie sieht Ihre Online-Lektüre aus?


Über Facebook verfolge ich Blogger wie Seth Godin.
Oder ich schaue mir TED Talks an, über die ich auf
Bücher stoße wie »Reality is Broken« von Jane Mc-
Gonigal über Gamification. Und eine der inspirie-
rendsten Lektüren über Ideen und Projekte ist für
mich Kickstarter.

Selbst mal ein Projekt mitfinanziert?


Schon öfter. Etwa die Arduino-Tastatur MaKey Ma-
Key, an die man sogar Bananen anschließen und
darauf Klavier spielen kann.
page 07.14 079

Kurz vorgestellt
4 Neue Grafik/New Graphic Design/Graphisme

actuel 1958–1965. Zürich (Lars Müller publishers)


2014, 1248 Seiten. 200 euro. 978-3-03778-411-2.
Für alle Fans des Schweizer Minimalismus: Erlese-
ner Faksimile-Reprint aller 18 Ausgaben der vom le-
gendären Schweizer Grafikdesigner Josef Müller-
Brockmann gegründeten Zeitschrift. Ein Kommen-
tarband befindet sich ebenfalls im Schuber.
5 FriendsWithYou: We Are FriendsWithYou.

New York (Rizzoli) 2014, 240 Seiten. 55 Dollar.


978-0-8478-4237-7. Das berühmte Duo aus Los
Angeles verbreitet gute Laune, wo immer es mit sei-
nen aufblasbaren Skulpturen oder verspielten In-
stallationen auftaucht. Auch Musik- und Style-Tau-
sendsassa Pharrell Williams, mit dem sie schon lan-
ge zusammenarbeiten, ist mit einem Beitrag dabei.
Michael Krypel: Refining Design for Business:
Using Analytics, Marketing, and Technology to
Inform Customer-Centric Design. San Francisco
(adobe press) 2014, 312 Seiten. 29,95 euro. 978-
0-321-94088-9. Das Beste an dieser Publikation
sind die sechzig Fallbeispiele von Firmen wie Elec-
tronic Arts, IBM, Foursquare oder Marriott, die durch
6 A/B-Tests zu konkreten Korrekturen ihrer inter-
aktiven Kommunikation gelangten – zu sehen auf
Vorher-Nachher-Screenshots.
Wally Olins: Brand New. The Shape of Brands
to Come. London (Thames & Hudson) 2014,
200 Seiten. 16 pfund. 9780500291399. Mit 83
Jahren stellte der Altmeister des Corporate Designs
kürzlich selbst öffentlich dieses kluge, lesenswerte
Buch über die Herausforderungen vor, denen sich
Marken in einer globalisierten Welt stellen müssen.
Nun ist der Brite im April überraschend gestorben.
HTWK Leipzig: Fachwörterbuch Druck & Me-
dien. Englisch–Deutsch, Deutsch–Englisch. Leip-
zig (HTWK) 2014, 318 Seiten. 10 euro. Seit 2003
hat man an der Leipziger Hochschule für Technik,
Wirtschaft und Kultur an diesem Wörterbuch gear-
beitet. Unter [Link]
[Link] lässt es sich online nutzen, die gedruck-
te Ausgabe kann man ganz einfach per E-Mail an
woerterbuch@[Link] bestellen. Dazu
wird an einer App ebenfalls schon gearbeitet.
6 Filip Dujardin: Fictions. Ostfildern (Hatje

Cantz) 2014, 112 Seiten. 39,80 euro. 978-3-7757-


3802-6. Dem Architekturfotografen aus dem bel-
gischen Gent wurde es irgendwann zu langweilig,
nur real existierende Bauten abzulichten – so schuf
er seine eigenen Architekturen. cg

Traumhäuser
Eine gewisse Patina lässt die Bauten von Filip Publikationen. Weitere Buchempfehlungen
Dujardin realistisch wirken – auf den zweiten Blick für Kreative in Design und Development lesen
entpuppen sie sich allerdings als impraktikabel Sie auf [Link]/buecher

PAGE eDossiers. Unsere eDossiers zu Themen


rund um den kreativen Berufsalltag gibt es
unter [Link]
080 page 07.14 › projekte › rauminstallation by Clemens Behr

t iv
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P
page 07.14 081

Projekte

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Foto: Miguel Martinez
082 page 07.14 › projekte › rauminstallation by Clemens Behr
page 07.14 083

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PROJEKT rauminstallation »Zinnowitzer
Straße« für die olympus-Ausstellung
»oM-D: Photography Playground« in
Hamburg und Berlin
ZIEL Promotion für die neue olympus-
kamera oM-D e-M10
KÜNSTLER Clemens Behr, Berlin
([Link])
KUNDE olympus Deutschland GmbH,
Hamburg ([Link])
ZEITRAUM ende januar bis zur Berliner
Ausstellungseröffnung am 9. April
TECHNIK Google SketchUp, Holzlatten,
Sperrholz, Farbe, Spiegel, Neonröhren

● Für gewöhnlich findet man die wu-


chernden Assemblagen, die Clemens
Behr aus Sperrholz, Plexiglas, Karton
und anderen recycelten Materialien in
den urbanen Raum pflanzt, in Parks,
Hauseingängen oder U-Bahn-Statio-
nen, oft ohne Auftrag. Fast 150 solcher
Arbeiten hat der junge Berliner Künst-
ler und Designer realisiert. Nun schuf
er eine begehbare Installation für die
diesjährige Olympus-Ausstellung, in
der Besucher Kunstwerke mit dem
neuesten Modell der Systemkamera
OM-D E-M10 fotografisch erkunden
konnten. Im Photography Playground
Atelier Hamburg, von Mitte März bis
Anfang April Auftaktsort des Ausstel-
lungsprojekts, baute Behr seine Instal-
lation vor Publikum auf – und wieder
ab, denn im Anschluss zog die Arbeit
um in die Berliner Opernwerkstätten
([Link]
Die Konstruktion besteht aus un-
zähligen geometrischen, teils beweg-
lichen Elementen und besticht vor al-
Foto: Miguel Martinez

lem durch die optischen Illusionen,


die sich durch das Zusammenspiel von
Form, Farbe, Material sowie von Raum,
Fläche und Bewegung des Betrachters
ergeben. »Clemens’ Arbeiten lassen
immer neue Perspektiven entstehen«,
Die Installation im Hamburger olympus-Atelier bestand aus weiß, schwarz und grau gestrichenen
sagt Leigh Sachwitz, Gründerin und
geometrischen Grundflächen – kreise, Halbkreise oder Quadrate –, die mit dem raum korrespondierten
Geschäftsführerin des Berliner Design-
studios flora&faunavisions ([Link]
[Link]) und zugleich Kre-
ativdirektorin des Playgrounds. »Dabei
verschmilzt der 3D-Raum zu immer
neuen 2D-Ansichten. Daher wollten
wir ihn für die Ausstellung gewinnen.«
Indem man sich der Installation
durch den Kamerasucher näherte, so
Sachwitz, würde dieser Eindruck noch
um ein Vielfaches verstärkt. Wie viel-
schichtig die Besucher die Arbeit
084 page 07.14 › projekte › rauminstallation by Clemens Behr

Aufbau in den Berliner opernwerkstätten:


Auch hier konnten die Besucher die neu
arrangierte Installation durch den Sucher der
neuen olympus-kamera erkunden

erlebten, zeigt die Bildergalerie auf


der Website des Playgrounds, für den
»Gerade die Anschließend machte er sich daran,
die Komposition durch Anstreichen
die Besucher ihre Ausstellungsaufnah- Transformation einzelner Elemente herauszuarbeiten,

war das
men hochladen konnten ([Link] indem er sie auf Augenhöhe durch Li-
contest_galerie). nien verband und so geschickt Sicht-

Flüchtige Kunst, präzise Spannende an achsen durch den Raum schuf. Rund
vier Wochen arbeitete er nach der Er-
geplant und dokumentiert
diesem Pro- öffnung an der Installation – vor den

jekt! Hamburg
Draußen überleben Behrs Skulpturen Augen der Besucher, die sie auf der
meist nicht lange. Daher plant er sie Suche nach neuen Ansichten mit der
stets so, dass sie sich gut fotografieren
und dokumentieren lassen. »In diesem
und Berlin Kamera erkundeten.

Fall war das besonders wichtig«, sagt sind ja auch sehr Perspektivspiel durch
monochrome Flächen
er. »Damit es auf den Bildern der Aus-
stellungsbesucher viel zu entdecken verschieden« Schwarz, Weiß und Grautöne – die
gibt, verbaute ich neben Holzlatten und farbreduzierte Farbpalette hatte ganz
Clemens Behr,
-platten auch Spiegel und Neonröhren. Künstler und Grafiker, Berlin
pragmatische Gründe, erklärt Clemens
Die Röhren eignen sich besonders, um ([Link]) Behr. Ein Grund lag im Anstrich der
das Werk gleichmäßig auszuleuchten – Ausstellungsräume – vor allem aber
Spotbeleuchtung mag ich nicht, dann eignete sich diese Farbigkeit besonders
wirkt alles so wie auf einer Bühne.« gut für das Verwirrspiel mit den diversen Raumebe-
Nach der ersten Begehung der Räume im ehemali- nen, das dem Künstler vorschwebte: »Weil Schwarz
gen Technikkaufhaus Brinkmann in der Hamburger das Licht schluckt, kann man damit leicht Tiefenil-
Innenstadt Ende Januar nahm das Projekt sehr schnell lusionen schaffen«, so Behr. »Weiß erzeugt einen
konkrete Formen an. Behr hielt seine Idee in mehre- schwachen Kontrast zur Umgebung, das schafft Ver-
ren Skizzen fest und erstellte in Google SketchUp ein wirrung, man muss zweimal hinsehen.«
simples 3D-Modell, das er mit der Kreativleitung um Ein weiteres Mittel, die Raumkonstruktion zu er-
Leigh Sachwitz besprach. »Normalerweise arbeite weitern oder Materialien zu imitieren, sind die Spie-
ich lieber intuitiv in den Raum hinein«, erläutert er. gel. Im richtigen Winkel angebracht, reflektieren sie
»Dass ich zum ersten Mal nach Entwurf vorgegan- die Umgebung – in diesem Fall etwa Betonwände,
gen bin, lag an der Kürze der Zeit.« Denn bis zum Aus- ohne dass man selbst Beton verarbeiten muss. Gut
stellungsbeginn blieben Behr nur drei Tage, um das so, denn das Ungetüm aus Holzlatten, Spiegeln und
hölzerne Grundgerüst aufzubauen. Als es stand, ver- Sperrholz sollte ja noch umziehen.
kleidete Behr die einzelnen Elemente und Säulen Man könnte meinen, eine mit so viel Liebe zum
mit Sperrholzplatten, die er vor Ort zurechtsägte. Detail erstellte, ortsspezifische Arbeit in eine voll-
page 07.14 085

kommen andere Umgebung zu ver-


pflanzen, ohne dass die Arbeit wesent-
lich an Charme einbüßt, sei annäh-
ernd unmöglich. »Keineswegs«, meint
Clemens Behr. Er habe von Anfang
an etwas offener geplant und weniger
starke Akzente gesetzt, sodass sich die
Installationen in Hamburg und Ber-
lin zumindest ähneln. Schon proble-
matischer war der enge Zeitplan, denn
das Team konnte ja erst am 4. April,
nach Schließung des Hamburger Ate-
liers, mit dem Abbau beginnen; und
die Berliner Schau sollte bereits am
9. April eröffnen. Die in ihre Grundele-
mente zerlegte Installation gelangte
in einem 7,5-Tonner in die Hauptstadt,
wo Clemens Behr und sein Team vier
Tage durcharbeiteten.

Das ist die Berliner Form –


In Detailaufnahmen der Aufbau in der Hauptstadt
Installation verschwimmen Die Höhenunterschiede der Räume
verschiedene Bildebenen
glich der Künstler aus, indem er Dia-
zu raffinierten 2D-Ansichten
gonalverstrebungen kurzerhand um-
funktionierte oder zersägte und neu
arrangierte. Die vier Hauptmodule, wie
der Kreis am Boden und die Säulen,
blieben erhalten. Zudem bekam die Ar-
beit einen neuen Anstrich. In Hamburg
hatte es viele schwarze Flächen gege-
ben, die mit dem schwarzen Raum kor-
respondierten. In Berlin hingegen do-
minierten gemäß der eher lichten Um-
gebung Weiß und Grau. »Ich finde es
gut, dass sich die Versionen sehr un-
terscheiden«, so Behr. »Hamburg und
Berlin sind ja auch sehr verschieden.
Gerade die Transformation war das
Spannende an diesem Projekt!«
Insgesamt wertet Behr das Projekt
als Erfolg. »Ich musste mich nicht ver-
biegen, meine volle künstlerische Frei-
heit blieb erhalten«, bilanziert er. »Es
war eine gute Gelegenheit, einen Raum
mit einem ordentlichen Budget zu be-
spielen – mit fast 3000 Euro Material-
kosten war das Olympus-Projekt mein
bisher teuerstes.« Auch die Unterstüt-
zung durch professionelle Setbauer,
die vor Ort bei Problemen und beim
Setzen des Lichts halfen, war nützlich.
»Die Einbindung ihres Produkts hat
Olympus clever gelöst«, urteilt er. »Ei-
nige der Ausstellungsbesucher, die
die Werke mit der Kamera erkunden,
wissen überhaupt nicht, was beispiels-
weise Belichtungszeit oder Blende
sind. Für sie ist das einfach ein kosten-
loser Fotoworkshop.« fb
086 page 07.14 › projekte › [Link]-relaunch

In der Erlebniswelt World of Swiss


bewegt sich der User entweder
scrollend von einer Navigationsebene
zur anderen oder wechselt über
die Punkte außen rechts direkt zu
einzelnen Inhalten. Hinter dem
Symbol oben rechts verbirgt sich ein
ausführliches Navigationsmenü

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PROJEKT Relaunch der Swiss-Website und Launch der


Seite World of Swiss ([Link])
ZIEL Die Swiss-Markenwerte interaktiv erlebbar machen
KUNDE Swiss International Air Lines AG, Basel
([Link])
AGENTUR Hinderling Volkart, Zürich
([Link])
VIDEOPRODUKTION Lauschsicht, Zürich
([Link])
ZEITRAUM Oktober 2012 bis April 2014
TECHNIK HTML5, Canvas und CSS, PHP mit Symfony2
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Übr de
Wölchlii
Komplett responsiv kommt der Website-Relaunch für die
schweizerische Traditionsairline Swiss daher.
Neu an Bord: die integrierte Erlebniswelt World of Swiss.
PAGE beschreibt, wie Hinderling Volkart in unzähligen
Iterationen Detail um Detail optimierte und schließlich der
Performance einen erstaunlichen Schub verlieh
088 page 07.14 › projekte › [Link]-relaunch
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● Ein wenig in die Jahre gekommen war die alte Linke Seite: Projekt- entstehen eigentlich die Qualitätsprodukte für die
Website der Fluglinie Swiss. Zwar hatte Hinderling leiter Sebastien Donzel, typisch schweizerische Bordverpflegung?
Volkart als digitale Lead­Agentur bereits Hand an Kreativdirektor Michael »Die Themen passten perfekt zu den Markenwer­
Hinderling und Artdirektor
die Homepage gelegt, doch gerade in Bezug auf In­ ten von Swiss und boten zugleich genug Potenzial
Milo Peter (von links) bei
halt, Form und Interaktion war die alte Website der Konzeptionsarbeit
für eine interessante Umsetzung«, freut sich Michael
nicht mehr auf dem neuesten Stand. Also lud Swiss in der Agentur. Darunter Hinderling. So mühelos wirkt das Ergebnis, dass
im September 2012 acht Agenturen aus der Schweiz das Resultat, die respon- man gern vergisst, wie viel Arbeit insgesamt darin
und aus Deutschland zum Pitch, aus dem Hinder­ sive Website von Swiss. steckt: Über 70 potenzielle Videosujets recherchier­
ling Volkart als Gewinner hervorging. »Mit dem Re­ Oben: Scribble zum ten die Hinderling­Volkart­Konzepter gemeinsam
launch von [Link] wollten wir ganz klar responsiven Konzept mit ihrem Bewegtbildpartner Lauschsicht, der prak­
der Erlebniswelt
eine Benchmark setzen«, sagt Creative Director und tischerweise gleich im selben Haus sitzt. Für die
Partner Michael Hinderling. »In der Verbindung von Umsetzung der World of Swiss benötigte das Team
Technologie, Kreation und Innovation versuchen dann rund zehn Monate – parallel zu dem eigent­
wir immer ganz neue Wege zu gehen.« Das Ziel: eine lichen Website­Relaunch.
responsive Website, über die sich Flüge verkaufen Vier Navigationsebenen bietet die World of Swiss
lassen und die die Besucher schnell und dabei über­ ihren Besuchern. Zunächst wäre da das Bergpano­
sichtlich informiert. rama (von den UX Designern bei Hinderling Volkart
Ground Layer genannt). Über klickbare Teaser ge­
Flüge checken über den Wolken langt man in den sogenannten Cloud Layer, wo der
Hinter dem Menüpunkt »Fliegen« der neuen Web­ User alle erdenklichen Informationen in Filmen,
site verbirgt sich eine ganz eigene Welt. Die World Slideshows und verlinkten Karten sowie aufpoppen­
of Swiss ist eine eigenständige interaktive Plattform, den Bildern und Texten erkunden kann. Die Videos
auf der User hinter die Kulissen der großen, tradi­ enthalten beispielsweise eine ganze Reihe von Hot­
tionsreichen Schweizer Fluggesellschaft blicken kön­ spots, die bei Roll­over die Bewegung einfrieren
nen: Von einem beeindruckend realistisch animier­ und punktuell spezifische Informationen freigeben.
ten Wolkenritt aus gelangt man auf überraschenden Die dritte Ebene – über den Wolken, Fleet Layer ge­
Klickwegen in die unterschiedlichsten bildschirm­ nannt – präsentiert sämtliche Flugzeugtypen der
füllenden Videos, die Fragen beantworten wie: Wie Flotte. Jeder ins Bild schwebende Flieger offenbart
bereitet sich die Crew auf den Flug vor? Was für auf Klick seine Flugrouten – inklusive der aktuel­
Flugzeugtypen sind Teil der Flotte? Was macht den len Position auf der Echtzeitweltkarte der Webseite
Service in der Business Class aus? Oder wo und wie (Live Route Network).
090 page 07.14 › projekte › [Link]-relaunch

Am Anfang der World of Swiss stand die Vision Ein bewegender Moment: »Die gesamte Swiss­Website ist responsiv. Nur für
einer dreidimensional animierten, interaktiv erleb­ die Swiss-IT-Abteilung kurz die World of Swiss gibt es noch keine mobile Version.
baren Welt. Die Designer visualisierten dies so gut nach der Live-Schaltung Leider fehlte uns die Zeit dafür«, bedauert Michael
es ging auf Papier und starteten dann sehr schnell Hinderling. Die Seite würde zwar auf modernen mo­
mit einem Prototyp in HTML. Danach folgten etliche bilen Geräten laufen, doch die Darstellung und Be­
Iterationen von Design, Konzeption und Program­ dienung lässt sich bisher nicht responsiv skalieren.
mierung, bevor endlich der Eindruck einer perfor­ Die Typo wäre zu klein und die Bedienung zu kraxe­
manten Erlebniswelt entstand. lig geworden. Deswegen entschied sich die Agentur
gegen die mobile Live­Schaltung. »Da die Erlebnis­
Agile Platzrunden durch die welt den User dazu bewegen soll, die Inhalte explo­
Browsersysteme rativ zu erkunden und das auf mobilen Endgeräten
Nun sind die Iterationen ja eigentlich nichts Neues ohnehin nur beschränkt sinnvoll ist, erschien uns die
für ein agiles Projektteam. Doch im Falle von Swiss mobile Variante hier am ehesten verzichtbar.«
drehten die Interaction Designer und Entwickler je­ Dennoch existiert jetzt ein Bruch für alle, die mo­
weils zahlreiche Extrarunden, bis die Performance bil auf [Link] surfen und von dort auf die World
stimmte. »Während der Entwicklung hatten wir vie­ of Swiss gelangen wollen. »Deshalb wird die Optimie­
le Abstürze wegen Speicherüberlastung und Perfor­ rung der mobilen Version das Erste sein, was wir in
manceprobleme«, erinnert sich Severin Klaus, Head Phase zwei umsetzen«, so Hinderling. Ein weiterer
of Development und Partner bei Hinderling Volkart. Punkt, der noch auf seine Realisierung wartet, ist die
»Wir brauchten sehr viel Zeit, bis wir die Anima­ Möglichkeit nutzergenerierten Contents. Das Kon­
tionen und Grafiken so weit hatten, dass sie unserer zept von Hinderling Volkart enthielt die Vision, dass
Vorstellung entsprachen.« Die Developer entwickel­ sich User auf dem Live Route Network einchecken,
ten zuerst sehr viel in Googles Chrome­Browser: damit Freunde, Kollegen oder die Familie nach­
Bei der ersten Iteration ging es sozusagen erst ein­ verfolgen können, wo sie sich gerade befinden.
mal nur um let the baby walk – somehow. Rund anderthalb Jahre liegen hinter dem Team.
»Im Hinterkopf hatten wir natürlich die Browser­ Keine Frage, es hat einen beeindruckenden agilen
Einschränkungen. Wir wussten also, dass wir we­ Kunstflug hinter sich, auf dem ihm ein konsistenter
der WebGL noch durchgehend 3D­Transformatio­ Rundumblick auf die Welt von Swiss International
nen einsetzen konnten«, so Klaus (siehe Seite 92 f.). Air Lines gelang. »Wir sind sehr zufrieden und stolz
Später weiteten die Developer das interne Testing mit dem, was wir erreicht haben«, erklärt Michael
auf die anderen Desktopbrowser und den iOS­Brow­ Hinderling. »Alle Beteiligten einte das Streben nach
ser Safari aus. In einem letzten Schritt folgte daran Perfektion, und das hat die gegenseitige Motivation
anschließend eine ausgiebige Durchlaufprobe, in zusätzlich befeuert.« So zuverlässig wie in einem
der erstmals auch Testkandidaten von Swiss mit­ Schweizer Uhrwerk folgte bei Hinderling Volkart die
machten. Diese teilweise externen Sitzungen zogen große Relaunchparty, bei der das gesamte Team auf
sich über fünf Releases. die erfolgreiche Arbeit anstieß. ae
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Responsiv auf HTML5-Basis


● Für den neuen Airline­Auftritt hatte Swiss ursprünglich ein die Developer ein JavaScript­Modul, das die Breakpoints über
Budget für native Apps vorgesehen. Doch schreckte man vor CSS­Pseudoelemente ausliest und über ein einfaches Eventsys­
der langfristigen Entwicklung und vor allem vor der Pflege ver­ tem verteilt, was dann so aussieht:
schiedener Lösungen zurück. Mit dem responsiven Ansatz auf
HTML5­Basis bedient Hinderling Volkart auch Android und [Link]('tablet').then(function(){ ... });

iOS, und der Code muss übergreifend nur einmal gepflegt wer­
den. Die Apps funktionieren mit der sogenannten Hybridtech­ Die größte Herausforderung beim Responsive Design ist die
nologie, die responsive Webinhalte mit wenigem nativem Con­ Vielfalt an Browsern mit ihren unterschiedlichen »Eigenhei­
tent (zum Beispiel dem nativen Menü) kombiniert. ten«. Zum Beispiel verhielt sich der Browser auf dem Smart­
Zudem deckt die responsive Lösung noch diverse weitere phone Samsung S4 in Android 4.2.2 in kritischen Punkten er­
Zwischengrößen ab und ist damit optimal für die Zukunft aus­ staunlich anders als in der gleichen Android­Version auf Sam­
gerichtet. Um die wichtigsten Größen und Hersteller einzube­ sung S3. Das Samsung S4 wiederum wollte den Borderradius,
ziehen, definierten Hinderling Volkart und Swiss vorab eine der runde Ecken beschreibt, partout nicht erkennen und stell­
Liste der priorisierten Geräte­/Betriebssystemkombinationen. te sie mit schöner Hartnäckigkeit eckig dar. Microsoft wie­
Ganz zuoberst standen etwa die iOS­Geräte, danach diverse derum hat die Touch­Events nicht oder anders implementiert
Androids (etwa Version 4.2.2 auf Samsung S4), dann Windows (PointerEvents) als andere Geräte. Die Liste geht unendlich
Mobile 8 und eher am Schluss das BlackBerry Z10. weiter: Die Anzahl der Browser ist um ein Vielfaches gewach­
sen, und für Developer wird es immer schwieriger, eine ver­
Technische Umsetzung nünftige Breite abzudecken.
Zunächst begann die Agentur mit dem wohl wichtigsten Schritt,
dem Aufbau des responsiven Layouts auf Basis eines eigenen Testen im Device Lab
Gridsystems. Dabei verankerten die Developer einen Teil des Um die Lauffähigkeit kontinuierlich zu prüfen, hat Hinderling
Designs direkt in HTML und nicht in CSS – nur so ließ sich die Volkart ein kleines Device Lab eingerichtet, in dem rund 15 der
Umsetzung in dieser Größenordnung und Qualität überhaupt gebräuchlichsten Geräte für Testzwecke bereitstehen. Außer­
ermöglichen. In CSS wäre die schiere Anzahl der Seiten nicht dem checkte ein von Swiss bereitgestelltes Testteam jede Seite
praktikabel gewesen. Eine solche Klasse sieht etwa so aus: sehr genau auf jedem Gerät und in allen Browsern. Die Testpha­
se war sehr ergiebig und intensiv. »Auch Simulatoren sind in der
"l-one-third l-mobile-two-thirds l-mobile-portrait-one-whole" Entwicklungsphase äußerst praktisch«, sagt Chefentwickler
Severin Klaus. »Hier hat Apple mit dem iOS Simulator die Na­
Damit beispielsweise das Navigationsmenü und andere Fea­ se klar vorn. Verbesserungen im Bereich Debugging wünschen
tures auf die definierten Breakpoints reagieren, entwickelten wir uns allerdings von allen Herstellern.« ae
092 page 07.14 › projekte › [Link]-relaunch

auf den Grafikprozessor beizukommen. Zum Glück


spielt Safari hier eine Vorreiterrolle und kann inzwi­
schen nicht nur die 3D­Transformationen, sondern
Markers Draw auch etwa Canvas­2D­Operationen beschleunigen.

3D oder 2D je nach Browser


Obwohl wir uns in der World of Swiss die meiste Zeit
in einer 3D­Welt bewegen, setzen wir die Elemente
nicht in einen nativen 3D­Raum. Denn wir wollten
Connections: Draw & Scale
ja auch Browser unterstützen, die das eben nicht kön­
nen. Stattdessen berechnen wir die Skalierung und
die 2D­Position in einer eigenen einfachen 3D­En­
gine und setzen dann je nach Browser die Transfor­
mationen in 2D oder 3D, also vereinfacht:

function renderElement(el, x, y, z, scale){


Map: Scale
var transform, zindex =";
if ( SUPPORTS_3D ) {
transform = 'translate3d('+x+'px,'+y+'px,'+z+'px)
scale3d('+sc
} else {
transform = 'translate('+x+'px,'+y+'px) scale('+scale+','+scal
zindex = z; }
[Link] = transform;
[Link] = transform;
[Link] = zindex;
}

Überschall auf Die z­Position setzen wir hier nur, um sicherzustel­


len, dass die Elemente im Vordergrund nicht von Ele­

jedem Device
menten dahinter überdeckt werden. Die von uns ge­
setzte z­Position entspricht nicht zwingend der z­
Position im 3D­Raum. Aus diesem Grund wollten
wir ursprünglich auch keine Perspektive setzen, um
Verzerrungen zu vermeiden. Üblicherweise zeich­
net der Browser einen 3D­Layer einmal und lässt
Die Performance- und Browserprobleme dann die Grafikkarte die Skalierung machen. Da­
des Website-Specials World of Swiss lösten rum sieht der Text auch verpixelt aus, wenn man ei­
nen 3D­Layer stark vergrößert. Dafür gewinnt man
die Hinderling-Volkart-Entwickler mit einen enormen Geschwindigkeitsvorteil, denn das
dem virtuosen Zusammenspiel von CSS- aufwendige Repaint fällt weg.
Chrome allerdings zeichnet trotzdem neu, wenn
Transforms und dem Canvas-Element auch nur sporadisch, vermutlich um die Qualität bei
üblichen Websites zu erhöhen. Zum Glück konnten
wir Chrome recht leicht zum schnelleren Verhalten
Erst als Hinderling Volkart ● Dass der Inhalt der Website auch auf dem iPad zwingen, indem wir eine Perspektive mit einem sehr
die Weltkarte, die Kurven sowie im Internet Explorer ab Version 9 erlebbar sein weit entfernten Fluchtpunkt setzten. Ohne gesetzte
für die Echtzeitlokalisierung sollte, war von Anfang an klar. Dies führte zwangs­ Perspektive zeichnet Chrome den Layer neu – das
und die Marker für Flug-
läufig zu Herausforderungen – zum Beispiel in Ergebnis ist eine hohe Auflösung auf Kosten der
häfen und Flugzeuge auf
unterschiedliche Ebenen
puncto Performance, denn ein iPad beispielsweise Geschwindigkeit. Mit gesetzter Perspektive über­
gezeichnet hatte, war die hat viel weniger Ressourcen zur Verfügung als ein nimmt die GPU die Skalierung, und das war, was die
Performance akzeptabel aktueller PC. Oder auch bezüglich der Features, Entwickler wollten, denn nur so erreichten sie ei­
denn 3D­Transformationen funktionieren im Inter­ nen ruckelfreien Flug.
net Explorer 9 gar nicht und selbst in Version 11
nicht einwandfrei. Darüber hinaus entfiel WebGL, Flugrouten visualisieren
obschon iOS die 3D­Grafik­Programmierschnittstel­ Im Live Route Network stellen wir die aktuelle Flug­
le unterstützen würde (siehe iAd), doch für Websei­ position der Swiss­Flüge dar. Dies schien anfangs
ten hat Apple sie deaktiviert. eine vergleichsweise einfache Aufgabe zu sein: Die
Der geringen Performance war nur mit einer in­ Karten skalierten wir, und für die Marker setzten wir
telligenten Auslagerung von Renderingprozessen die Position neu. Mithilfe des De­Casteljau­Algorith­
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mus ([Link] berechne­ nicht mehr schneller hinbekommen, das war klar –
ten wir die Position und die Rotation der Flugzeuge aber dann fanden wir eine Lösung, die das Problem
auf der Kurve (die Skalierung ist abhängig von Flug­ sehr elegant umging: Statt die Bézierkurven jedes
höhe und Abstand vom Flughafen). Mal neu zu zeichnen, skalierten wir nun einfach das
Etwas unerwartet trafen uns jedoch die Pefor­ gesamte Canvas solange, wie der daraus resultieren­
manceprobleme mit den finalen Daten. Denn ur­ de Qualitätsverlust nicht wahrnehmbar war. Dadurch
sprünglich waren wir von weniger angeflogenen mussten wir die Kurven nur noch alle 60 Frames neu
Flughäfen und Flügen ausgegangen – erst später hat zeichnen und konnten die Skalierung auf die Gra­
der Kunde entschieden, die Code­Sharing­Flüge, fikkarte auslagern, die ohne die schweren Marker
also nicht von der eigenen Fluggesellschaft betriebe­ wieder genug Platz hatte:
ne Flüge, hinzuzunehmen. Urplötzlich schien das
viele Grafikkarten zu überlasten (wir hatten die klei­ // only redraw curves for certain scaling
nen Marker alle auf 3D­Layern positioniert, um das var curveScale = [Link](worldScale) / Math.LN2;
Compositing auf die Grafikkarte auszulagern). Die curveScale = [Link](curveScale * 3) / 3;
Framerate ging deswegen vor allem auf dem iPad auf curveScale = [Link](2, curveScale);
kaum akzeptable Werte zurück. if ( curveScale !== [Link] ) {
[Link] = curveScale;
Viele Marker, langsame Marker posdata = [Link](curveScale);

Die vielen Marker erwiesen sich als wahrer Flaschen­ [Link](0, 0, width, height);

hals. Vermutlich weil ein 3D­Layer, so klein er auch // draw normal connections

sein mag, eine bestimmte Mindesttexturgröße ein­ // (only one stroke for better performance)

nimmt (128 mal 128 oder 256 mal 256), und das [Link]();

schlägt dem Speicher auf den Magen. Sobald dieser [Link]();

überfüllt ist, haben nicht alle Texturen in der GPU [Link]= 0.4;
[Link] = 'rgba(0,0,0,.15)';
Platz, und es kommt zum umständlichem Hin­ und
for( i=0; i<[Link]; i++ )
Hergeschiebe von Daten. Trotz Endspurtphase nah­
{
men wir also nochmals Abstand und prüften ver­
pos = posdata[i];
schiedene Szenarien in Prototypen: Wie kann man
[Link]([Link], [Link]);
möglichst schnell möglichst viele Marker darstel­
[Link]([Link], [Link]);
len? Als äußerst performant entpuppte sich dabei
}
das Zeichnen auf Canvas.
[Link]();
Ganz so einfach lassen sich DOM­Elemente al­
[Link]();
lerdings nicht durch Canvas­Zeichnungen ersetzen,
}
weil man dabei Maus­ und Touch­Listeners verliert.
renderElement([Link], 0, 0, 0, worldScale / [Link]
Diese mussten wir nun also ebenfalls selbst über­
nehmen, das heißt wir mussten selbst bestimmen,
welches Objekt sich unter dem Mauszeiger befindet Bisher hatten wir die Kurven zusammen mit den
(sonst erledigt dies der Browser), und zudem bei Markern der Flughäfen und Flugzeuge auf ein ein­
jeder Mausbewegung und jedem Klick oder Touch ziges Canvas gezeichnet. Die Marker mussten wir
bestimmen, welcher Flughafen oder welches Flug­ jedoch weiterhin für jedes Frame neu zeichnen, denn
zeug gemeint ist. deren Skalierung wäre sofort als Qualitätsverlust
Aber es hat sich gelohnt: Die Bestimmung, wel­ wahrnehmbar gewesen. Also setzten wir die Kurven
ches Objekt sich unter dem Mauszeiger befindet, auf ein zusätzliches Canvas.
bekamen wir besser hin als der Browser vorher, weil Die daraus resultierende Performancesteigerung
wir die Distanz maßen und nicht simpel das vor­ war massiv: Endlich konnten wir auch dieses coole
derste Objekt verwendeten. Wir erhielten auch eine Live­Feature auf dem iPad genießen. Selbst auf Desk­
deutlich bessere Framerate von jetzt circa 10 bis toprechnern quer über alle Browser war die Verbes­
15 Frames pro Sekunde auf dem iPad. Aber auch das serung spürbar. Wo vorher vielleicht 30 FPS die Re­
war noch nicht wirklich zufriedenstellend. 15 Frames gel waren (was angenehm ist), waren es jetzt 60 FPS
pro Sekunde nimmt man immer noch als langsam (also richtig flüssig). Solche Dinge spürt man, wenn
wahr. Und das trübte das Gesamtbild. auch in dieser Größenordnung meistens unbewusst.
Nur wenn die Performance stimmt, überzeugt auch
Teure Bézierkurven das Erlebnis! Severin Klaus (ae)
Der zweite Flaschenhals versteckte sich in den Bé­
zierkurven, die wir von Anfang an auf das Canvas
zeichneten. Zwar konnten wir eine leichte Verbes­ Severin Klaus ist partner bei Hinderling
Volkart und leitet das Interaction Develop-
serung erzielen, indem wir alles in einen stroke()­
ment. er liebt es, gutes Design lebendig
Befehl bündelten, aber Bézierkurven sind per se zu machen, und ist ein perfektionistischer
langsame Zeichenoperationen. Und Flüge weglas­ performance-junkie.
sen war keine Option. Die Bézierkurven würden wir ↗ [Link]
094 page 07.14 › projekte › tB guide

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Projekt Produktentwicklung und


Corporate Design für eine Line-Extension
der Marke Das Telefonbuch
Ziel Zeitgemäße Adaption einer
Traditionsmarke
kunde TVG Verlag, Frankfurt am Main
([Link])
Agentur Brandoffice, München
([Link]) in Kooperation mit
internationalen Illustratoren und dem
Focus Magazin Verlag als Contentpartner
ZeitrAum Anfang 2013 bis Frühjahr 2014
page 07.14 095

Fit für
Berlin
Mit dem »TB Guide. Gesundheit & Medizin« ent­
wickelte Brandoffice eine Line­Extension des guten
alten Telefonbuchs. In einer nicht ganz einfachen
Gratwanderung gelang den München Kreativen ein
modernes Magazin mit prägnanter Bildsprache

Kreativchef Heiko
Dertinger, Senior
Designerin Diana
Hofmann und
Senior Berater
Sigmund Perner
sehen sich im
Projektraum die
Ergebnisse
ihrer Arbeit an
096 page 07.14 › projekte › tB guide

● Wozu brauchen wir heute noch ein Telefonbuch?


Überfüllte Seiten, gespickt mit Anzeigen, unlesbar
ohne den orientierenden Zeigefinger, der nach der
Suche schwarz verfärbt ist: Diese Form der Adress­
recherche erscheint seit dem Siegeszug von Google
und des mobilen Internets ziemlich altmodisch. Ent­
sprechend machte sich Brandoffice aus München bei
einer Markenberatung für den TVG Verlag Gedan­
ken über die Zukunft von dessen Kernprodukt: Das
Telefonbuch. Statt eines bloßen Redesigns oder ei­
ner Markenkampagne entwickelte die Agentur ein
komplett neues Produkt, das zwar an die Dachmarke
angelehnt, aber dennoch eigenständig ist.

Konzeption: Magazin statt Bleiwüste


Brandoffice begann mit der eingehenden Analyse
der bestehenden Publikationen des TVG Verlags –
einer Allianz aus 41 unabhängigen Verlagshäusern,
die die Marke Das Telefonbuch verantwortet – und
gliederte diese in die Bereiche »Nähe« (etwa »Das
Örtliche«), »Branche« (»Gelbe Seiten«) und »Thema«
(»Das Telefonbuch«). Dabei kamen die Kreativen zu
dem Schluss, dass eine regionale, thematisch orien­
tierte Publikation erfolgversprechend sein könnte.
Anhand der Megatrend­Map des Frankfurter Zu­
kunftsinstituts sowie der Auswertung von Kunden­
wünschen, Markenstärken und Konkurrenten ermit­
telte Brandoffice »Gesundheit und Medizin« als rele­
vanten inhaltlichen Fokus. Zumal eine überzeugende
Empfehlungsplattform für Ärzte und Krankenhäuser
im Netz bislang fehlt und eine der meistgenutzten
Übersichten des Telefonbuchs die Notrufnummern
sind. Als erste Stadt wählte die Agentur Berlin.
Dem Team um Heiko Dertinger, Geschäftsführer
Kreation bei Brandoffice, schwebte von Anfang an
ein magaziniges Produkt vor, das mit dem bisherigen
bleiwüstig­kompakten Verzeichnismedium wenig zu
tun haben sollte. Statt auf eine hierarchische, zielge­
richtete Suche mittels Alphabet sollte die Recherche
in Anlehnung an das Nutzerverhalten im Internet re­
lational und assoziativ aufgebaut sein. Entlang von
Themenbereichen sollte der »TB Guide« einen Über­
blick über spezialisierte Ärzte, Kliniken oder Pflege­
heime geben. Daraus leitete sich eine Aufteilung in
Kapitel ab, etwa zu »Allergien« oder »Burn­out«.

Corporate Design: Signalfarbe Rot


und prägnante Schrift
Als Markenfarbe wählte Brandoffice Rot – in Anleh­
nung an die Farbe von Das Telefonbuch, das Logo
sollte über Iconqualitäten verfügen. Wie ein App­Icon
auf dem Smartphone hat das TB­Guide­Zeichen ab­
gerundete Ecken und kann für sich stehen. Die Eck­
enform findet sich zudem als Gestaltungselement
im Innenteil des Buchs wieder.
Weiterer Bestandteil des Corporate Designs ist
die Schrift TB Stag, die Brandoffice eigens für die »TB
Guide«­Reihe entwickelte. Durch ihre auffälligen
Aussparungen fungiert sie zugleich als Hingucker
und Wiedererkennungsmerkmal. Die TB Stag fin­
page 07.14 097

Unterschiedliche Illustrationsstile
sorgen für eine abwechslungs-
reiche Bildsprache. Darunter sind
Motive von Eiko Ojala und Katja
Schubert (linke Seite) sowie von
Bomboland (oben) und Lobulo
098 page 07.14 › projekte › tB guide

Auf der im gleichen Look wie der Printguide gestalteten Web-


site [Link] gibt es neben der regionalen Adressen-
suche tägliche redaktionelle Beiträge zum Thema Gesundheit.
Sobald weitere »TB Guides« erscheinen, fungiert sie
als zentrale Anlaufstelle für alle thematischen Bereiche

Servicetipps, Glossare und Selbsttests


reichern jeden redaktionellen Themen-
schwerpunkt an. Die Eintragsseiten sind
an Formatvorgaben wie Satzspiegel
und Spaltenbreite gebunden, wurden
aber entrümpelt und haben ein klareres
Layout als im gewöhnlichen Telefonbuch
page 07.14 099

det als reiner Headlinefont ausschließlich versal sind, was die Seiten ebenfalls aufgeräumter wirken
Verwendung. Als weitere Auszeichnungsschriften lässt und darüber hinaus für einen Daumenkino­
dienen die Serif­ und Sans­Serif­Schnitte der Stag. Effekt beim schnellen Durchblättern sorgt.
Während der Fließtext in Adobe Caslon gesetzt ist, Letztlich ist aber nicht nur die Form, sondern das
blieb es bei den Eintragsseiten aus produktionstech­ ganze Konzept des »TB Guide« für den TVG Verlag
nischen Gründen bei der NewTel. Neuland. »Eine nutzerzentrierte Produktentwicklung
verlangt von vertriebsorientierten Verzeichnisverla­
Editorial Design: gen einen Paradigmenwechsel in der Firmenkultur«,
Einheitlichkeit durch Variation erklärt Heiko Dertinger. So mussten die Einträge auf
Die Grundidee für die Gestaltung ist die Variabilität ihre themenbezogene Qualität hin neu recherchiert
der Bildsprache. »Ungewöhnliche Illustrationstech­ und beim Auftraggeber eine Sensibilität für hochwer­
niken und Inszenierungen – von gehäkelten Objek­ tige journalistische Inhalte geschaffen werden. Bis
ten über Collagen bis hin zu Paper Art und Fotogra­ die finale Form gefunden war, produzierte Brandof­
fie – als übergreifende Klammer, die trotz oder gera­ fice zwei Dummyversionen. »Im ersten Schritt hatten
de aufgrund ihrer Heterogenität und Besonderheit wir noch ein anderes Buchformat mit anderem Satz­
einen einheitlichen visuellen Stil ergeben«, erklärt spiegel et cetera. Das hätte die Kosten jedoch zu stark
Heiko Dertinger. Dazu setzt das Editorial Design auf xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
erhöht«, so Dertinger. Erst im zweiten Schritt kam die
unterschiedlichste Illustratoren, darunter die Häkel­ TB Stag hinzu, um die Marke sichtbarer zu machen.
künstlerin Little Bitty Knitter aus den USA oder die
Londoner Grafikdesignerin Ciara Phelan.
»Unser Ziel Vertrieb und Kampagne
Jedes Kapitel macht mit einem ganzseitigen Art­ war, die Auch die Distribution unterscheidet sich vom übli­
work als Keyvisual auf. Die Coverillustration stammt perfekte chen Ablauf: Anders als etwa die »Gelben Seiten« liegt
zum Beispiel vom Designstudio Bomboland aus Luc­ Balance aus der in 300 000 Exemplaren gedruckte »TB Guide« we­
ca, das auch Arbeiten für den Innenteil beigesteuert der im Briefkasten noch in Supermärkten aus. Statt­
hat. Die Motive wurden teils eigens angefertigt, teils
Experten- dessen kann man ihn kostenlos in Berlins Apotheken
fertig eingekauft. »Der Fokus liegt zurzeit noch auf verzeichnis abholen oder unter [Link]­[Link] bestellen. Um
Paper Art«, so Dertinger. »Das visuelle Konzept ist und maga- die Menschen dazu zu bewegen, entwickelte Brand­
aber so flexibel, dass es sich auch zu anderen Tech­ zinigem office eine Kampagne, die hauptsächlich auf Außen­
niken hin entwickeln kann.« werbung basiert – neben City­Lights und Litfaßsäu­
Das Layout wirkt aufgeräumt, übersichtlich und
Gesundheits- len rund um Berliner Apotheken war sie im April auch
gut lesbar. Jedes Kapitel ist ähnlich aufgebaut: Neben ratgeber auf City­Leihfahrrädern und einer Straßenbahnlinie
redaktionellen Beiträgen gibt es Glossare, frauenma­ zu schaffen« zu sehen. Der Slogan: »Berlins gesündeste Seiten«.
gazinartige Selbsttests, Ratgeber sowie die Schwarz­
brot­Seiten der A–Z­Einträge. Die verschiedenen Il­
Heiko Dertinger, Ausblick: Weitere Kanäle und Ausgaben
Geschäftsführer
lustrationsstile der Kapitel verhindern dabei, dass Der Fokus liegt zwar zunächst auf dem Printprodukt,
Kreation bei Brand-
das Ganze zu schematisch aussieht. Für den Content office in München aber auch im Internet tritt der »TB Guide« in zeitge­
verbündete sich der TVG mit dem Focus Magazin mäßer Form auf. Unter [Link]­[Link] findet sich
Verlag – Spezialist für übersichtliche, leichte Info­ sowohl eine Suche mit mehreren Filteroptionen als
Häppchen, der unter anderem »fit For Fun« und auch tagesaktuelle Informationen zu Wetter, Pollen­
»Focus Gesundheit« herausbringt. flug oder UV­Strahlung. Die geplante App wurde zu­
gunsten einer responsiven Website allerdings erst
Vorgaben und Kompromisse mal auf Eis gelegt. Weitere »TB Guide«­Ausgaben
Das Layout in der jetzigen Form ist ein Kompro­ sind hingegen schon konkret geplant, beispielsweise
miss, der sich aus den traditionellen Produktions­ zu den Themen »Shopping & Lifestyle« (November
und Rahmenbedingungen der Telefonbuchverlage 2014) und »Auto & Mobilität« (Frühjahr 2015).
ergab. So waren auf den Eintragsseiten etwa Forma­ Gestalterische Auswirkungen auf die Dachmarke
te, Satzspiegel und Spaltenbreite klar definiert, da soll das Projekt vorerst nicht haben, wohl aber stra­
die Anzeigen und Einträge aus dem »TB Guide« ı : ı tegische: »In Regionen, in denen Das Telefonbuch
im Layout des Original­Telefonbuchs funktionieren stark ist, wird der ›TB Guide‹ die Produktfamilie er­
müssen. Zudem gestaltete sich die Entrümplung die­ weitern und die Dachmarke stärken«, so Heiko Der­
ser Seiten aufgrund der Anzeigenfokussierung des tinger. »Wo diese Schwächen zeigt, kann er das in ein­
Auftraggebers schwierig. Da die integrierten Anzei­ zelnen Themenbereichen kompensieren und die
gen ein wichtiges Standbein des TVG Verlags sind, Dachmarke ersetzen.« Vielleicht lässt sich der TVG
galt es, für sie eine zeitgemäße Form zu finden. Verlag bei Erfolg des »TB Guides« ja zu einer Verbes­
Um Ruhe ins Layout zu bringen, entledigte sich serung des Telefonbuchlayouts bewegen. Dann blie­
Brandoffice vieler Designelemente, die die Eintrags­ be auch der Zeigefinger sauber. nik
kategorien Standard, Business und Gold auszeichne­
ten. Außerdem gestalteten die Kreativen die alpha­ PAGE eDossier »Corporate Design«. tipps
betische Kennzeichnung an den Seitenrändern so, zur gestaltung visueller Identitäten gibt’s
dass jeweils nur die relevanten Buchstaben zu sehen unter [Link]
100 page 07.14 › projekte

Nachwuchs
Spannende Projekte aus Hochschule, Agentur und Forschung

Leser an die Macht


● Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin.
Wie überträgt man ein analoges Medium am besten
in die digitale Welt? Alexander Köpke ging das Thema
in seiner Bachelorthesis »Das neue Online Magazin«
im Fach Kommunikationsdesign analytisch an. Darin
entwickelt er das Leseformat DIV, das als eine Art
Template für Magazine fungiert und die Vorteile von
analogen und digitalen Publikationen bündeln soll.
Die Bezeichnung DIV dient dabei als Metapher: In der
Programmierung ist ein DIV-Container ein Bereich,
der beliebige Inhalte aufnehmen kann. Köpkes Vision
ist, das Lesen von digitalen Magazinen – von ihm DIVs
genannt – zu standardisieren. Ihr struktureller Auf-
bau ist immer gleich, und die Leser können Schrift-
art und -größe selbst bestimmen. Es gibt keine ab-
lenkenden Elemente wie Infokästen oder Anzeigen.
Ein nutzerorientierter Ansatz, der Editorial und In-
teraction Designer nicht gerade begeistern dürfte. Auf der Plattform liehenes DIV erst dann wieder ansehen, wenn es zu-
Wesentlich für das Konzept ist die Plattform Col- Collecdiv verwalten rückgegeben wurde. Köpke hat das Online-Magazin
die User ihre Online-
lecdiv, über die man seine DIVs verwalten und archi- zwar nicht völlig neu erfunden, aber Interface Design
Magazine – von
vieren kann. Hier kommt eine soziale Komponente denen jedes gleich
und Usability seines Konzepts wirken sehr überzeu-
ins Spiel: Der User kann sich anzeigen lassen, was aufgebaut ist gend. Um seine Idee zu realisieren, sucht er derzeit
andere lesen, über Artikel diskutieren und Inhalte Sponsoren, Entwickler und interessierte Verlage.
verleihen. Wie in der analogen Welt kann er ein ver- ↗ [Link]
page 07.14 101

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Hochschule Trier. Bereits in seiner Bachelor-


arbeit »Heimart« beschäftigte sich Simon Elsen mit
regionalem Design (siehe PAGE 05.13, Seite 21).
Nun beteiligte er sich, neben seinem Masterstu-
dium im Fach Kommunikationsdesign, an einer
Ausschreibung der Stadt Trier. Die Aufgabe: eine Die reduzierte Bildwelt der Märchen-App »Finnley’s

Dachmarke für den dortigen Wochenmarkt am Story« ist düster-mystisch und passt damit perfekt
zu der traurigen und doch schönen Geschichte

Dom zu schaffen, die gleichzeitig Raum für indivi-


Sternstunde
duelle Signets der Händler lässt. Elsens Logo be-
● Institute of Design Hamburg. Die Märchen-
steht aus den Initialen TW und einem Piktogramm App »Finnley’s Story« fürs iPad erzählt von
einem Jungen, der als Seelenhirte in Erdland da-
des Trierer Doms. Daneben bleibt Platz für ein für sorgt, dass die Seelen sicher vor den Schatten
zu einem Fahrstuhl gelangen, wo sie zu Sternen
Händler-Icon, seien es Fische, Bienenwaben oder werden. Eines Tages findet er im Wolf Sirius ei-
nen Begleiter, doch ist den beiden keine lange
Brot. Darüber hinaus ist jeder Sparte eine Farbe zu- Freundschaft vergönnt. Die Erzählung über die
Entstehung des Sirius-Sterns wird begleitet von
gewiesen. Das Ganze existiert momentan leider düsteren Illustrationen und einem ebensolchen
nur als Konzept; der Wettbewerb wurde vorzeitig Soundtrack. Die Bildwelt von »Finnley’s Story«
erinnert an Tim Burtons »The Nightmare Before
beendet, da die Stadt die Gelder für eine Umset- Christmas«, und wie dieser ist das Sternenmär-
chen zwar traurig, aber zugleich mystisch-schön.
zung (noch) nicht lockermacht. ↗ PAGE Portfolio: Statt für eine voll interaktive App entschied
sich Alexa Kril, die mit »Finnley’s Story« ihr Di-
[Link]/portfolios/simon_elsen plom im Fach Kommunikationsdesign erlangte,
für kleine, kaum wahrnehmbare Animationen.
Ein Leuchten hier, ein wehendes Haar dort – die
subtilen 3D-Effekte entstehen durch eine Ver-
schiebung der Bildebenen. Die Illustrationen fer-
tigte sie mit einem Wacom-Grafiktablett in Pho-
toshop an, ihr Studienkollege Sebastian Eberlein
setzte die App mit Corona SDK um – ein Tool,
mit dem sich Anwendungen für iOS, Android,
Kindle Fire und Nook erstellen lassen. Das Mär-
chen kann man entweder selbst lesen oder sich
von einer Frauen- oder Männerstimme in Deutsch
und Englisch vorlesen lassen. »Finnley’s Story«
gibt es für 1,99 Euro im App Store. nik
↗ [Link]

PAGE eDossier »Designstudium«. Das


eDossier mit tipps zu Bewerbungsmappe
und eignungsprüfung gibt es unter http://
[Link]/downloads

Diplomarbeiten, Abschlussprojekte &


Werkschauen. Mehr zum thema
Nachwuchs auf [Link]/
werkschauen und [Link]/
aus-den-hochschulen
Produkte
entstehen
in
Unternehmen

Werte
im Kopf
page 02.14 103
anzeIge

pRaXIS
Weitere PAGE Seminare finden
Sie unter [Link]/seminare

Die Aura
des Wertvollen
Die 80 Faktoren, die
produkte wertvoll
machen

Der Referent Das Seminar »Die Aura des Wertvollen«


● Mario pricken zählt heute mit seinem Team ● Was steckt in Gegenständen, die Spitzenpreise erzielen? Was macht Dinge
zu den international gefragtesten experten, besonders wertvoll? Weshalb erscheinen uns einige Produkte wertvoller als
wenn es um die Themen Kreativität und Ideen- andere? Lässt sich der Wert mancher Waren gezielt steigern?
management sowie Strategieentwicklung
und Innovation geht. Seit Jahren wird er von Entdecken Sie während des eintägigen Workshops mit Mario Pricken all jene
namhaften Werbeagenturen, Designfirmen, Muster, die Produkten eine Aura des Wertvollen verleihen. Es werden
Fernsehstationen und internationalen 80 grundlegende Faktoren aus Kunst, Kultur, Religion und Industrie praxis-
Marketingabteilungen als Consultant oder nah vorgestellt, die sich bis heute in den Biografien aller wertvollen Produkte
Kreativitätstrainer engagiert. »adweek«, wiederfinden. Anhand des 4D-Innovationsprozesses werden Sie erleben, wie
»adasia« oder die »Financial Times« sind nur man über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg innovative Ideen für
drei jener Medien, die seine Methoden als jene vierte Dimension entwickelt, die uns Produkte, Services und Marken als
überzeugenden neuen Weg zur professiona- besonders wertvoll, außergewöhnlich oder begehrenswert erscheinen lässt.
lisierung der Kreativbranche sehen. Dass
sich sein in sieben Sprachen erschienener Mario Pricken durchleuchtet dabei die Biografie solcher Produkte –
Bestseller »kribbeln im Kopf« mehr als vom Entstehungsmythos über die Materialgewinnung, die Verarbeitung,
130 000 Mal verkauft hat, spricht für sich. die Lagerung bis hin zur Verpackung, Übergabe oder die Entsorgung
sowie ihr Design und die Kommunikationsstrategie. Wenn es Ihr Ziel ist,
Produkte als Ganzes mit Wert anzureichern, werden Sie hier eine Fülle
an Werkzeugen erhalten, wie sie bis heute noch nie zur Verfügung standen.

Die Agenda Der Workshop wendet sich an Kreative in Unternehmen und Agenturen, an
Produktentwickler und Innovationsmanager, an Produktdesigner und
1 Was sind die 80 Faktoren, die den Kommunikationsdesigner, an Marketingverantwortliche und Branding-
Wert eines produkts erzeugen? fachleute sowie an Mitglieder der Geschäftsführung. Kurzum an alle,
2 Wie sind die Biografien wertvoller die von Anfang an aktiv Einfluss auf die Produktentwicklung nehmen
produkte aufgebaut? können und damit entscheidend zur Wertschöpfung beitragen.
3 Wie kann man die Vita wertvoller
Objekte »lesen« oder analysieren? Der Workshop »Die aura des Wertvollen« findet am 17. November
4 Was bieten Luxus-Objekte, woran im Hotel gastwerk, Hamburg, von 9:00 bis 17:30 Uhr statt. Die Teilnahme
andere scheitern? kostet 848 euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die gebühr umfasst das Seminar,
5 Wie lassen sich premium-produkte Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 personen begrenzt!
auf die nächste ebene heben? also schnell anmelden unter [Link]/seminar
6 Wie genau funktioniert der
4D-Innovationsprozess? page // ebner Verlag gmbH & Co. Kg // info@[Link] //
7 Wie entwickelt man innovative Ideen, Telefon: +49 40 85183400 // [Link]/seminar
die produkte mit Wert anreichern?
aufgrund der auf 18 personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die anmeldungen in der
Reihenfolge der eingänge der zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung an. Sie
ist sofort nach erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen. Bei
absage der Veranstaltung seitens der ebner Verlag gmbH & Co. Kg wird die Seminargebühr voll zurücker-
Der PAGE Workshop mit Mario Pricken lässt stattet. Darüber hinausgehende ansprüche bestehen nicht. Bei Stornierung der anmeldung bis spätestens
genug Zeit für Fragen und Diskussionen und 35 Tage vor Seminartermin berechnen wir 50 prozent, ab 34 Tage vor Seminartermin berechnen wir 100 pro-
zent der Teilnahmegebühr. Die Vertretung eines angemeldeten Teilnehmers ist jederzeit möglich. es werden
den Austausch der Teilnehmer untereinander. nur schriftliche Stornierungen oder namenswechsel akzeptiert. es gilt der poststempel.
104 page 07.14 › WeRKZeUg › iBeacon

Werkzeug

Die bunten Beacons des polnischen Herstellers


estimote ([Link] kann eine
App in einem radius von maximal 100 Metern
abfragen. Die Länge des Signalintervalls,
die reichweite und andere Parameter lassen
sich mit der estimote-Admin-App verändern
page 07.14 105

iOS-Devices für
iBeacon und
fürs Carsharing
klarmachen
Ein Service-Leuchtfeuer für den Einzelhandel, das soll Apples Ende
2013 gestarteter Bluetooth-Standard iBeacon bieten. Einige inter-
nationale Ladenketten setzen schon auf den lokalen Push-Dienst, um
Besucher auf ihrem Device anzusprechen. Ivo Wessel erklärt, wie
Sie iBeacon in iOS 7 aktivieren und für Push-Notifikationen einrichten

● Die Beacons-Technologie scheint das next big und Konferenzen finden sich bereits professionelle
thing zu sein: Der Einzelhandel wittert große Mar- Beacon-Anwendungen, das zeigt die umfangreiche,
keting-Chancen und eine neue, weil unaufgefor- permanent aktualisierte Liste unter [Link]
derte, ungefragte und dabei (hoffentlich) doch er- beaconcases. Zudem werden Beacons im Internet
wünschte Form der Kommunikation. »Always on«- der Dinge und dem Wearable Computing eine
User haben ihr Smartphone stets griffbereit und die große Rolle spielen. Und wenn Facebook dieser Tage
App ihres Lieblingsgeschäfts meist ohnehin instal- sein neues Feature Nearby Friends ankündigt, dür-
liert. Nähern sie sich damit dem Sendebereich eines fen Nearby Things natürlich nicht fehlen.
Beacons, nimmt die App Kontakt auf.
Allerdings benötigt iBeacon als Bestandteil von
Apples Core-Location-Framework Location-Rech-
te und fragt daher bei der ersten Nutzung um Er-
Apples Antwort auf NFC: iBeacon
laubnis. Wer die App gleich ausprobieren möch- ● ende 2013 antwortete Apple auf den aktuellen Near-Field-
te, wird allerdings kaum zögern, wenn diese ihn Communication(NFC)-Hype mit einem Feature im frisch re-
fragt: »Darf unser Shop Ihren aktuellen Ort verwen- leasten iOS 7, das die kommunikation zwischen geräten, die
den?« Antwortet man mit Ja, können spätere Kon- über den Bluetooth-Low-energy(BLe)-Chip verfügen, stark
taktaufnahmen auch dann stattfinden, wenn die vereinfacht. Auch neuere Macs lassen sich zum mobilen emp-
App deaktiviert ist. Selbst wenn Sie diese aus der fänger aufrüsten. In den uSA haben die lokalen Apple Stores
Taskleiste entfernt haben, würde das Beacon in der den iBeacon-Standard bereits eingeführt, um ortsbasierte
Nähe die App ungefragt erneut starten – allerdings Informationen auf die iOS-Devices der Ladenbesucher zu
erst ab iOS-Version 7.ı. senden. Auch in McDonald’s-Filialen erhalten Besucher Pro-
dukt- oder rabatt-Informationen auf ihre Smartphones.

Mehr als Kommerz PayPal startete zeitgleich mit der Apple-Initiative einen ent-
sprechenden Bezahldienst namens PayPal Beacon (siehe
Generell haftet Beacons der Malus von Überwa- PAge 02.14, Seite 100 f.), der NFC die gerade eroberte Bastion
chung und Missachtung der Privatsphäre an – dem streitig machen könnte (siehe PAge 02.14, Seite 94 ff.).
muss der Nutzer in jedem Fall positiv gegenüberste- ↗ [Link]
hen. Doch ist nicht alles Kommerz oder Mobile Pay- ↗ [Link]
ment, auch in Museen, Sportstadien, auf Flughäfen
106 page 07.14 › WeRKZeUg › iBeacon

Ein Beacon verschickt keine genauen Positions- cetera). Beacons anderer Hersteller lassen sich also
oder Richtungsangaben. Über die Feldstärke kann durchaus von ein- und derselben App »ablauschen«,
die App bei einer Gruppe von Beacons in einem allerdings kann es mitunter zu Streuungen bei der
Raum aber das dem Besucher am nächsten senden- Sendeleistung oder der Frequenz kommen, selbst
de ermitteln. Per Trilateration, bei der mindestens wenn sich die Hersteller an die von Apple vorgege-
drei Beacons in Reichweite sein müssen, ließe sich bene Spezifikation halten. Das Beacon selbst ist nur
jedoch auch die Position bestimmen. Anders als bei eine Daten sendende Hardware. Das Hirn ist die
der sehr geringen Sendedistanz der Near-Field-Kom- App, sie reagiert auf Betreten, Verlassen und Bewe-
munikation beträgt die maximale Beacon-Reichwei- gen in einer Region.
te derzeit etwa 30, bei speziellen Bauformen sogar Das Geschäftsmodell der Anbieter umfasst ne-
bis zu ı00 Meter – bei einem Stromverbrauch, den ben der Hardware und entsprechenden Software
selbst kleine Knopfzellen mehrere Monate decken. Development Kits immer häufiger auch Content-
Beacon ist also eine Art Indoor-GPS, ein lokales Management-Systeme, die die Verwaltung der Bea-
Orientierungssystem, bei dem eine App in der Nähe cons und die Zuweisung von Reaktionen im Stil von
eines Beacons reagiert, sobald sich »ihr« Gerät in IFTTT (If This Than That) über eine zentrale Web-
dessen Region bewegt oder diese verlässt. GPS küm- site erlauben. Einzelne Beacons kann man mit einer
mert sich gewissermaßen um die Makro-, Beacon um Admin-App noch manuell konfigurieren, ab einer
die Mikrolokalisierung. Die Haupteinsatzgbiete sind gewissen Stückzahl lohnt sich allerdings der Ein-
daher Indoor Location und Proximity Marketing. satz einer Cloud-Lösung.

Viele Hersteller unterstützen Was zu tun bleibt


iBeacon
Wenn die diversen Apps, die auf unterschiedliche
iBeacon ist zwar eine eingetragene Marke, doch Beacon-Signale reagieren, irgendwann nerven, gibt
Apple hat inzwischen die Spezifikationen veröffent- es nur wenige Möglichkeiten, sie loszuwerden: Man
licht, sodass der Fall anders liegt als bei den immen- seufzt, deaktiviert die Benachrichtigungen (was gar
sen Hardware-Hürden von Apples Mfi-Lizenzierungs- nicht so einfach ist; die Option muss man erst mal
programm (Made for iPhone, iPad und iPad mini et finden . . .), schaltet Bluetooth komplett aus oder
löscht schließlich die enervierende App. Hier sind
Konzepter und Entwickler gefordert, die richtige
Balance zwischen Antörnen und Anöden zu finden.
Eine weitere Herausforderung ist die Reaktions-
geschwindigkeit der App beim Betreten und Verlas-
sen einer Beacon-Region. Besonders beim Verlassen
des Radius registriert die App dies deutlich träger.
Hier ist eine Kombination aus Ranging und Moni-
toring sinnvoll. Über die Funktion »Monitoring« im
Core Location Framework definiert man eine Region
um ein Beacon, in der die App auf Betreten, Verlas-
sen und Bewegen reagiert. Hier erfolgt auch das
sogenannte Ranging, mit dem man die Werte der in
Beacons (engl. Leuchtfeuer) Reichweite befindlichen Beacons ermittelt, um
● Die kleinen Sendestationen mit dem treffenden Namen herauszufinden, welches das nächstgelegene sein
geben in festen zeitintervallen Signale ab. Neben den gerin- müsste. Da ein Beacon nur seine immer gleichen
gen kosten von zurzeit rund 30 euro pro Stück, künftig sicher Daten sendet, ohne sich mit der App tatsächlich
weniger, sind der geringe Stromverbrauch sowie die einfa- auszutauschen, obliegt es der App, auf die Anwe-
che Installation und Wartung von Vorteil. einige besitzen senheit eines Beacons zu reagieren.
auch einen Summer, eine Leuchtdiode, einen Taster oder zu- Die Beacon-Technologie ist noch sehr jung, noch
sätzliche Sensoren für Temperatur, Lage und dergleichen. ist nicht alles voll ausgereift. So können die Entfer-
Die Bauformen reichen von Münzgröße über Streichholz- nungsangaben selbst ohne Veränderung des Stand-
und zigarettenschachtelformate bis zu Scheckkarten und orts noch stark schwanken, auch kurzzeitige Ver-
uSB-Sticks, die ohne Batterie laufen. Hardware-Freaks fin- bindungsverluste sind nie auszuschließen – dumm,
den erweiterungen für raspberry-Pi- oder Arduino-Boards. wenn ein Kunde deswegen innerhalb kurzer Zeit
Viele Beacons sind aus kickstarter- und ähnlichen Crowd- mehrere Male begrüßt wird. Um der Beacon-Tech-
funding-Projekten hervorgegangen. Fast täglich kommen nologie zum Durchbruch zu verhelfen, ist daher die
neue Beacons hinzu, die sich durch Bauform, neue Funktionen Kreativität von App-Entwicklern gefragt.
und Sensoren oder ein spezielles Software-Development-kit Im Folgenden zeige ich Ihnen, wie Sie Ihr iOS-
von den Mitstreitern abheben möchten. eine umfangreiche Device als Beacon oder Empfänger einrichten, und
Herstellerliste gibt’s unter [Link]/ibeacon0714. skizziere das Szenario einer Car-Finder-App fürs
WG-Auto. Los geht’s!
page 07.14 107

Die Beacon-Hardware tifizieren das Beacon eindeutig, jedes Beacon be-


kennenlernen sitzt also eine einzigartige »Signatur«. Der RSSI-
Wert enthält die in Dezibel gemessene Signalstärke

1
Im Folgenden arbeiten wir mit dem Apple- in einer Entfernung von einem Meter. Er erlaubt die
Entwickler-Tool Xcode. Falls Sie dieses noch ungefähre Abschätzung der Distanz zwischen Bea-
nicht auf Ihrem Rechner installiert haben, con und Device.
können Sie es gratis über den Mac App Store (http:// Zwar lässt sich die Genauigkeit der Beacon-Or-
[Link]/xcode/downloads) herunter- tung durch dessen Kalibrierung mittels Xcode erhö-
laden. Apples iBeacon-Kommunikation erfordert ei- hen, doch können äußere Einflüsse die Sendeleis-
nen Bluetooth-Low-Energy(BLE)-Chip, der seit Ver- tung stark beeinflussen. Leider gehört auch der
sion 4S im iPhone sowie seit Version 3 im iPad und Mensch dazu: Er besteht nun mal zu rund 70 Pro-
im iPad mini steckt. Alle iBeacons sind BLE-kompa- zent aus Wasser und dämpft deshalb Radiowellen
tibel, umgekehrt lassen sich jedoch nicht sämtli- stark ab. Der »Distance«-Wert (im Code accuracy;)
che Bluetooth-Low-Energy-kompatiblen Sender mit schätzt die Entfernung in Metern. Die Property pro­
iBeacon programmieren. Wenn Sie sich an Apples ximity enthält einen der vier Werte CLProximityUnknown,
iBeacon-Spezifikation halten, sprechen Sie die ent- CLProximityImmediate, CLProximityNear oder CLProximity­
sprechenden iOS-Klassen (siehe die Schritte 4 bis 7) Far. Sie stehen für die Entfernung »unbekannt«,
unmittelbar an. Auf dem Device (in iBeacon-Termi- »weit« (mehr als ı0 Meter), »nah« (wenige Meter)
nologie »Central« genannt) läuft die App, die Sig- und »unmittelbar« (wenige Zentimeter).
nale eines Beacons – auch Peripheral genannt – auf- Zwar gibt es Beacon-Hersteller, die eine ver-
fängt. Mit Letzterem beginnen wir, um die Sender- schlüsselte Kommunikation zwischen App und
seite klar zu machen. Beacon ermöglichen, normalerweise jedoch sendet
Die meisten der derzeit gut zwei Dutzend Her- das Beacon die Daten unverschlüsselt. Man könnte
steller ([Link]/ibeacon0714) bieten ein Beacon also prinzipiell kidnappen, indem man
die Beacons im Dreierset an. Hat man gleich mehre- eine eigene App auf es reagieren ließe.
re verschiedene Beacons bestellt, kann man schon
mal die Übersicht verlieren, ob sie korrekt senden. Core Location Framework
Apps wie ScanBeacon for OS X ([Link]- aktivieren
[Link]/ibeacon/scanbeacon) helfen dabei, die

3
Reichweiten und die Universally Unique Identifiers Viele Entwickler nehmen irrtümlicherweise
(UUIDs) zu ermitteln 1 . an, sie müssten in Xcode den App-Schalter
Damit Sie sich beim Entwickeln die je nach Bea- »Background Modes« unter »Capabilities«
con unterschiedlichen Sendedistanzen nicht jedes setzen. »Background Modes« sorgt für die entspre-
Mal erlaufen müssen, können Sie die nicht für den chenden Einträge in der Datei »[Link]«. Tatsäch-
Gebrauch bestimmten Beacons in einer Metallbox lich ist der Schalter jedoch für das automatische Star-
oder einer anderen Radiowellen absorbierenden ten einer beendeten App, deren Gerät eine iBeacon-
Hülle verstauen. Auf diese Weise ersparen Sie sich Region betritt, nicht notwendig.
das umständliche Hantieren mit Batterien; USB-
1
Beacons lassen sich durch simples Abziehen ohne-
hin meist leicht ausschalten.
Man könnte auch ein mit einem Bluetooth-Low-
Energy-Chip ausgerüstetes iOS-Gerät oder einen
Mac-Rechner mit BLE-Chip wie das MacBook Pro
mit Retina Display als Sender nutzen. Letzteres geht
beispielsweise mit MacBeacon for OS X ([Link]-
[Link]) 2 oder, inklusive Quellcode, mit
dem GitHub-Projekt Beacon OSX ([Link]/
mttrb/BeaconOSX).

Ein Beacon auf Sendung schicken 2

2
Das Signalintervall von Beacons liegt meist
deutlich unter einer Sekunde. Bei einigen
Herstellern kann man dieses Intervall und
sogar die Sendeleistung konfigurieren, um Strom
zu sparen. Apples iBeacon-Spezifikationen sehen
ein ı00-Millisekunden-Intervall vor.
Jedes Beacon sendet eine individuelle ı6 Byte lan-
ge UUID sowie zwei jeweils 2 Byte große Integer-
Zahlen für Minor- und Major-Werte 1 . Diese iden-
108 page 07.14 › WeRKZeUg › iBeacon

ralManagerDidUpdateState:, kann er das Leuchtfeuer


Klasse CLBeacon nutzen
starten oder beenden. Ein Empfänger erhält dage-

4
Werte wie eine eindeutige UUID, ein Na- gen drei wichtige Nachrichten: didEnterRegion:, wenn
me sowie zwei Major- und Minor-Werte sich der Empfänger einem Sender nähert, didExitRe­
beschreiben ein Objekt dieser Klasse. Der gion:, wenn er den Bereich verlässt, und – einmal pro
Hersteller eines Hardware-Beacons gibt diese Wer- Sekunde – die Nachricht didRangeBeacons:inRegion:,
te normalerweise vor; meist erlaubt er aber, sie zu die als Parameter ein Array mit allen Beacons in
ändern. Für ein »Soft-Beacon« in Form eines iOS- Reichweite erhält. Die Werte aus den Beacons die-
Devices oder Mac-Computers können Sie beliebige ses Arrays kann der Programmierer im Anschluss
Werte übergeben; besser ist es aber, wenn man eine dann auswerten.
eigene, weltweit eindeutige UUID durch Aufruf des Wichtig ist, dass bei gesetzter Property notify­
Kommandos uuidgen im Terminal generieren lässt. EntryStateOnDisplay die Protokollmethoden didEnter­
Benutzt man einen gekauften Beacon-Sender, Region: und didExitRegion: auch bei einem Empfänger
lassen sich seine Werte entweder mit einem Scan- aufgerufen werden, der sich gerade im Stand-by-
ner wie etwa der ScanBeacon-App 1 auslesen, oder Modus befindet oder dessen App gerade im Hinter-
der Hersteller bietet eine Schnittstelle oder eine grund läuft oder dessen App sogar beendet wurde.
Funktion dafür an. Bei manchen Anbietern sind Unter Zuhilfenahme dieser Methoden kann die App
diese Werte allerdings fest einprogrammiert; dann dann, vom Beacon sanft geweckt, geeignet rea-
sind sie meist auf das Gehäuse aufgebracht. gieren, indem sie beispielsweise die aktuelle GPS-
Daten ermittelt.
Klasse CLBeaconRegion
bestimmen Carsharing-Szenario erproben

5 8
Ein solches Objekt dieser Klasse wird für Ein Anwendungsbeispiel könnte eine Car-
die gewünschten Beacons definiert, indem Finder-App fürs Carsharing sein. Der Fah-
Sie die UUID und optional den Major-/Mi- rer eines Autos, in dem ein Beacon depo-
nor-Wert als Parameter übergeben. Die Angabe der niert ist, trägt sein iPhone mit installierter App in
UUID erlaubt das Ablauschen einer Gruppe von Bea- der Hosentasche. Beim Aussteigen werden iPhone
cons – etwa eines Herstellers. Major-/Minor-Anga- und Beacon getrennt. Das Beacon weckt die App
ben filtern die infrage kommenden Sender weiter. und meldet ihr die Nachricht didExitRegion:. Die App
Lässt der Programmierer sie weg, werden alle Bea- könnte dann die aktuellen GPS-Daten ermitteln und
cons mit der UUID erkannt. Das Framework iBea- am nächsten Tag die Position des Autos zum Zeit-
con bietet aus Sicherheitsgründen keine Möglich- punkt des Verlassens auf einer Karte anzeigen. In
keit, alle in Reichweite befindlichen Beacons (also der Cloud gespeichert, würden diese Koordinaten
ohne Angabe der UUID) zu scannen. dann jedem Fahrer mit derselben App anzeigen, wo
der Wagen steht, und schon bräuchte eine derart
Klasse CBPeripheralManager technisch aufgerüstete WG keinen von Stecknadeln
anwenden durchlöcherten Stadtplan mehr!

6
Der Manager besitzt Methoden wie startAd­ Ein iOS-Gerät als Sender
vertising: und stopAdvertising:, mit denen Sie
(»Peripheral«) einrichten
die Sendefunktionen steuern. Die Metho-

9
den startMonitoringForRegion: und startRangingBeacons­ Wenn Sie zum Ausprobieren der Techno-
InRegion: kommmen dagegen auf der Empfängersei- logie nicht unbedingt einen Beacon kau-
te zum Einsatz. Wichtig ist, dass Sie zuerst das Mo- fen wollen, können Sie auch ein iOS-Gerät
nitoring starten. Erst wenn die Delegate-Methode als Beacon nutzen. Zu diesem Zweck bedienen Sie
didStartMonitoringForRegion dessen Vollzug erfolgreich sich der Klasse CBPeripheralManager. Mit den Metho-
zurückgemeldet hat, starten Sie mit startRangingBea­ den startAdvertising und stopAdvertising steuern Sie die
consInRegion: die weitere Kommunikation. Sendefunktionen Ihres iPhones oder iPads. Geben
Sie dafür folgenden Code ein:
Protokoll CBPeripheralManager- ­ (void) viewDidLoad {
Delegate verwenden // ­­­­­­­­­­­

7
Um eine definierte, von einem Beacon »be- [super viewDidLoad];
strahlte« Region zu betreten, müsste man NSUUID *uuid = [[NSUUID alloc] initWithUUIDString:@"..."];
das Smartphone in diesen Bereich bewe- CLBeaconRegion *region = [[CLBeaconRegion alloc]
initWithProximityUUID:uuid
gen. Damit man bei der Entwicklung am Rechner
sitzen bleiben kann, lässt sich die Protokollmethods major:9999

startMonitoringForRegion: zu Testzwecken auch manu- minor:1

ell aufrufen. Erhält ein Sender die Nachricht periphe­ identifier:@"..."];


page 07.14 109

[Link] = [region peripheralDataWith didExitRegion:(CLRegion *)region {


MeasuredPower:nil]; // ­­­­­­­­­­­­­­­
[Link] = [[CBPeripheralManager alloc] [manager stopRangingBeaconsInRegion:(CLBeaconRegion *)
initWithDelegate:self region];
queue:nil }
options:nil]; ­ (void) locationManager:(CLLocationManager *) manager
} didRangeBeacons:(NSArray *) beacons
inRegion:(CLBeaconRegion *) region {
­ (void) peripheralManagerDidUpdateState:(CBPeripheral
Manager *) peripheral { // ­­­­­­­­­­­­­­­
// ­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­ CLBeacon *beacon = [beacons lastObject];
// [Link]
if ([Link] == CBPeripheralManagerStatePoweredOn) {
// [Link]
[peripheral startAdvertising:[Link]];
// [Link]
}
// [Link]
else if ([Link] == CBPeripheralManagerState
// [Link]
PoweredOff) {
// [Link]: CLProximityUnknown,
[peripheral stopAdvertising]; CLProximityImmediate,
} // CLProximityNear, CLProximityFar
} }

iOS-Gerät als Empfänger Eigene Anwendungen bauen


(»Central«) einrichten und ausprobieren

10 11
Die Kommunikation mit dem Sen- Mit solchen kleinen Apps können Sie
der beschränkt sich auf die Ereignis- iBeacon wunderbar auskundschaften:
se »Region betreten«, »Region ver- Im Umkreis von bis zu ı00 Metern kön-
lassen« und »Position in Region verändert«. Für je- nen Sie tracken, was auch immer Sie nicht verlieren
des gibt es eine Delegate-Methode. Wichtig ist, das möchten. Auf diese Weise lässt sich sogar ein Koffer-
genauere Ranging erst dann zu starten, wenn das radar für die Gepäckausgabe am Flughafen herstel-
gröbere Monitoring geklappt hat. Die Ranging-Ab- len, auch der beschriebene Car-Finder ist denkbar
frage liefert über den Parameter beacons ein Array und in seiner Komplexität eine höchst überschau-
der erkannten Sender, deren Daten Sie über Proper- bare Testanwendung. Machen Sie Ihr Zuhause intel-
ties wie proximityUUID, accuracy, proximity et cetera er- ligenter, indem Sie beispielsweise eine Aktion star-
mitteln können. ten, wenn Sie sich dem Computer, der Haustür oder
dem Kühlschrank nähern.
­ (void) viewDidLoad { Die geringe Reichweite von Beacons lässt sich
// ­­­­­­­­­­­ kompensieren, indem man zum Beispiel einen Ge-
[super viewDidLoad]; genstand mit UUID in einem Web-Content-Ma-
NSUUID *uuid = [[NSUUID alloc] initWithUUIDString:@"..."]; nagement-System zentral registriert. Damit kann
CLBeaconRegion *region = [[CLBeaconRegion alloc] dieser Gegenstand von allen angemeldeten Mitglie-
initWithProximityUUID:uuid identifier:@"..."];
dern gefunden werden – in der Hoffnung, dass sich
[Link] = true;
jemand aus der Crowd zufällig in der Reichweite
[Link] = [[CLLocationManager alloc] init];
des gesuchten Beacons und damit des verlorenen
[Link] = self;
Gegenstands befindet.
[[Link] startMonitoringForRegion(CLBeacon
Region *)region];
Die Infrastruktur für eine iBeacon-Anwendung
/ [self locationManager:[Link]
haben Sie gerade geschaffen. Nun können Sie Ihrer
didStartMonitoringForRegion:[Link]]; Kreativität freien Lauf lassen und sich interessante
} Szenarien erschließen. Ivo Wessel (ae)
­ (void) locationManager:(CLLocationManager *) manager
didStartMonitoringForRegion:(CLRegion *) region {
Ivo Wessel ist iOS-entwickler in Berlin.
// ­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­ als early adopter tüftelt er natürlich
[manager startRangingBeaconsInRegion:(CLBeaconRegion *) schon fleißig mit dem iBeacon-Framework
region]; herum, um Kunden Lösungen anzubieten
} und das parkplatzmerken endlich seinem
­ (void) locationManager:(CLLocationManager *) manager iphone überlassen zu können.
↗ [Link]
didEnterRegion:(CLRegion *) region {
// ­­­­­­­­­­­­­­­
[manager startRangingBeaconsInRegion:(CLBeaconRegion *)
region]; iBeacon-Beispielprojekt zum Download.
Den Code sowie eine Linkliste zu
}
Ivo Wessels iBeacon-app gibt’s unter
­ (void) locationManager:(CLLocationManager *) manager [Link]/ibeacon0714
110 page 07.14 › Werkzeug › kameras für kreative

Think

Big
Ob Clips für die Website, Bilder für die Präsentation oder die
Dokumentation von Events – viele fotografische Aufgaben nehmen
Designer selbst in die Hand. Wir erklären, welche Kamera-
systeme sich für die Anforderungen des kreativen Alltags eignen
page 07.14 111

● Bei einer Reihe von Projekten greifen Kreative Top of the Top unflexibel – sie lohnen sich in Spezialausfertigungen,
heute selbst zur Kamera, anstatt erst einen Profifoto­ Das Mittelformat mit etwa mit einem starken Telezoom, eignen sich aber
grafen zu beauftragen. Voraussetzung dafür ist na­ seinen großen Sensoren nicht für professionelle Bildwelten. Und ihren größ­
liefert exzellente Bild­
türlich das entsprechende Equipment einschließlich ten Vorteil – dass sie sich aufgrund ihrer geringen
qualität –und die hat ih­
einer Kamera, die nicht nur eine professionell ver­ Größe einfach in die Tasche stecken lassen – schlu­
ren Preis. Die Hasselblad
wertbare Foto­ und Videoqualität liefert, sondern H5d­50c (links) kostet
cken die immer besseren Smartphone­Kameras.
auch die notwendigen Spielräume bei der Gestaltung ab 25 000 Euro, die Pentax
lässt. Besonders im Bewegtbildbereich, aber auch bei 645Z mit vergleichba­
Spiegelreflex vs. spiegellos
der Fotografie kommt es auf die Erweiterbarkeit des rem Sensor erscheint Für kreative Aufgaben kommen daher in der Regel
Kamerasystems an, um nicht schon nach den ersten da mit etwa 8000 Euro nur Systemkameras infrage. Das sind Kameras, bei
Einsätzen gegen eine Wand zu stoßen. schon fast günstig denen sich die Objektive wechseln lassen und die zu
Kompaktkameras gleich welcher Art dürften da­ weiterem Zubehör, zum Beispiel Blitzgeräten, kom­
her in den seltensten Fällen die richtige Wahl sein. patibel sind. Derzeit kann man zwischen zwei Typen
Das liegt nicht unbedingt an der technischen Bildqua­ wählen: den Spiegelreflexkameras und den meist
lität (ab 400 Euro gibt es gute Kompakte zu kaufen), als spiegellose Systemkameras bezeichneten Model­
sondern eher an ihren begrenzten gestalterischen len. Hier gelangt das durch das Objektiv einfallende
Möglichkeiten. Der bauartbedingte kleine Sensor Licht direkt auf den Sensor, der das Signal – wie bei
erzeugt eine durchgängige Schärfe im Bild, und die einer Kompaktkamera – auf das rückwärtige Dis­
fest angesetzten Objektive müssen mit ihrem Zoom play oder zum Sucher für die Bildkontrolle weiter­
große Brennweitenbereiche abdecken – genau dies leitet. Darin besteht auch der entscheidende Un­
geht aber mit einer Einschränkung der Bildqualität terschied zur Spiegelreflextechnik: Das Sucherbild
einher. Kompaktkameras sind also für Kreative zu ist elektronisch erzeugt.
112 page 07.14 › Werkzeug › kameras für kreative

Vollformatkameras bilden eine Unterklasse der Spie­


gelreflexkameras, aber es sind auch erste Modelle
aus dem Segment der Spiegellosen erhältlich, die
über die relativ großen Vollformatsensoren verfügen.
Erneut steigern lässt sich die Bildqualität durch
den Einsatz von Mittelformatkameras. Aktuell ver­
bauen Hasselblad, Phase One oder Pentax entspre­
chende CMOS­Sensoren. Jedoch lohnt sich die Inves­
tition in solch teure Hardware eher für Profifotogra­
fen. Ein Ausnahme könnte die Pentax 645Z sein, die
ab Sommer für rund 8000 Euro verfügbar sein soll.

Gutes Licht macht gute Bilder


Entscheidend für die Qualität der Fotos sind aber
vor allem hochwertige Objektive und gutes Licht.
Letzteres erreicht man entweder mithilfe von Sys­
temblitzgeräten zum Aufstecken oder mittels exter­
ner Lichtanlagen, die allerdings gleich sehr teuer
sind. Der in viele Kameras eingebaute Blitz zum Auf­
klappen schafft nie eine gute Beleuchtung. Ein ex­
Der Verzicht auf den Spiegel hat Vor­ und Nach­ Ohne Spiegel ternes Blitzgerät lässt sich gegen die Decke oder eine
teile. So bekommt man das Motiv bei der elektroni­ Bei spiegellosen System­ andere weiße Fläche richten oder sogar mit kleinen
schen Vermittlung so zu sehen, wie es nachher auf kameras – hier die Lichtformern ausrüsten. Beides macht das punktuel­
Olympus OM­D E­M10 –
dem Bild sein wird: mit der finalen Belichtung und le Licht der Blitze weicher. Bei der Anschaffung ei­
fällt das Licht direkt auf
Verteilung der Schärfe. Optische Sucher können die ner neuen Kamera sollte also der Preis für ein Blitz­
den Sensor. Der Sucher
Schärfentiefe nur nach Betätigen der Abblendtaste ist daher elektronisch und
gerät (ab 200 Euro) ins Budget passen.
zeigen und die Belichtung gar nicht simulieren. Da­ der nahtlose Wechsel zu Bei Objektiven gilt mehr als sonstwo: Bildquali­
für ist das Bild unvermittelt, und der zeitliche Versatz Videoaufnahmen möglich tät kostet. Tendenziell sind solche mit einer hohen
durch die Signallaufzeiten entfällt. Anfangsöffnung besser – vor allem weil die Größe
der Blende (zur Erinnerung: große Öffnung = kleine
Entscheidungskriterium Sensorgröße Zahl! Blende 2.8 ist also größer als Blende 5.6) Ein­
Die technische Bildqualität spielt bei der Entschei­ Mit Spiegel fluss auf das Spiel mit der knappen Schärfentiefe hat.
dung für einen der beiden Systemtypen fast keine Rol­ Bei der klassischen Spiegel­ Festbrennweiten, also Objektive ohne Zoomfunk­
le. Denn mittlerweile haben die spiegellosen mit den reflexkamera –hier die tion, sind die beste Möglichkeit, hohe Bildqualität,
Nikon D800 – wird das Licht
einfachen Spiegelreflexkameras gleichgezogen, aller­ große Blendenöffnungen und niedrige Preise in Ein­
zunächst über einen Spie­
dings sind sie (noch) leicht teurer. Gute Spiegellose klang zu bringen. Festbrennweiten gibt es ab etwa
gel zum Sucher geleitet.
gibt es inklusive Objektiv ab circa 700 Euro. Dazu ge­ Erst beim Auslösen klappt
120 Euro, Standardzooms mit großer Blendenöff­
hören die hochwertigen PENs und OM­Ds von Olym­ der Spiegel hoch – oder nung ab etwa 400 Euro. Von günstigen Superzooms
pus genauso wie die GH­Modelle von Panasonic. Teu­ wenn der Fotograf ein Video sollte man die Finger lassen, hier geht der große
rer sind die vom Design her an die klassischen Mess­ aufnehmen möchte Zoombereich zulasten der Bildqualität. Profis ver­
sucherkameras wie die Leica M erinnernden Modelle
aus Fujifilms X­Reihe. Sie haben einen etwas größe­
ren Sensor (halbes Vollformat oder APS genannt), der
etwa der Größe entspricht, wie sie in günstigen Spie­
gelreflexmodellen (bis etwa 1000 Euro) verbaut wird.
Bei Spiegelreflexkameras reichen für die tägliche
Arbeit die einfachen Modelle aus: Bei Canon, Nikon
und Pentax bekommt man aktuell ab rund 400 Euro
Kameras mit 16 oder mehr Megapixeln, einem APS­
Sensor und durchweg guter Bildqualität. Geht es um
die reine Abbildungsqualität, ist erst mit der Inves­
tition in eine Vollformatkamera (ab circa 1500 Euro)
eine deutliche Steigerung zu erwarten. Im Bereich
darunter geht es eher um die Geschwindigkeit, Ro­
bustheit und die Ausstattung mit zusätzlichen Fea­
tures wie Anschlussmöglichkeit älterer Objektive,
GPS, WLAN oder Videofähigkeit.
Das Vollformat selbst heißt so, weil dieser Sensor
die gleiche Fläche aufweist wie ein Einzelbild des frü­
heren Kleinbildfilms, also etwa 36 mal 24 Millimeter.
page 07.14 113

wenden in der Regel keine Zoomobjektive, bei de­


nen der Zoomfaktor (das Verhältnis von kleinster zu
größter Brennweite) über 4 liegt.
Die Brennweite von Objektiven wird in Millime­ Vollformat
tern angeben. Sie bestimmt die Größe des Bildwin­ Der Einstieg ins Vollformat ist
im Spiegelreflexbereich ab
kels, den die Kamera erfasst. Allerdings ist die Größe
etwa 1500 Euro möglich. Zum
des Sensors ein ebenso wichtiger Faktor – daher ver­ Beispiel mit der Nikon D610
hält sich ein 50­Millimeter­Objektiv an einer Spie­
gelreflex­ anders als an einer Mittelformatkamera.
Brennweiten (bezogen auf das Vollformat) zwischen
24 und 35 Millimetern bezeichnet man als Weitwin­
kel. Diese Objektive eignen sich vor allem für Innen­
räume und Landschaften. Normalbrennweiten ent­
sprechen etwa dem menschlichen Gesichtsfeld und
bewegen sich zwischen 35 und 60 Millimetern. Für
Dokumentationen ist diese Brennweite ideal. Bei al­
lem, was darüber liegt, spricht man von Teleobjekti­
ven. Ein leichtes Tele (bis etwa 200 Millimeter) ist
Halbes Vollformat
für Porträts geeignet, ein echtes (ab 200 Millime­ Spiegellose mit guter
tern) vor allem für Sport­ und Tierfotografie. Bildqualität und im
klassischen Design: die
Action – nur mit dem richtigen Zubehör X­T1 von Fujifilm
In letzter Zeit betreffen die größten Neuerungen bei
der Kameratechnik die Videofunktionen, und man
kann davon ausgehen, dass außerhalb des absolu­
ten High­End­Bereichs Foto­ und Videokameras zu­
sammenwachsen werden. Mit Ausnahme des Mit­
telformats kann mittlerweile jede Fotokamera auch
Videos produzieren – und das in erstaunlicher Qua­
lität. Für professionelle Zwecke ist jedoch Zubehör
nötig. Deshalb sollte man schon beim Kauf der Ka­
mera darauf achten, dass es für sie geeignetes Equip­
ment gibt. So sind Dokumentationen oder andere Günstige Spiegelreflex
Drehs mit Ton ohne externes Mikrofon nicht denk­ Schon ab circa 400 Euro
bar; die Kamera sollte daher entweder über Klinke, liefern Spiegelreflexkameras
USB oder eine Multifunktionsschnittstelle mit ei­ heute eine professionell
nutzbare Bildqualität – hier
nem Mikro ausrüstbar sein.
die CanonEOS 1200D
Wer für Kunden oder Präsentationen Videos pro­
duziert, sollte aus Gründen der Investitionssicher­
heit Kameras in Erwägung ziehen, die 4K erfassen
können. Die Auswahl ist hier derzeit noch beschränkt
und wer die Qualität ausnutzen will, muss meist in
weitere Ausrüstung investieren: Der optimale Da­
tenstrom steht oft nur über den HDMI­Anschluss der
Gestaltungsmittel Schärfentiefe
Kamera bereit, sodass man einen externen HDMI­ ● Das Spiel mit der selektiven Schärfe ist eines der ästhetischen Qua­
Rekorder benötigt. Auch wer professionelle Schnitt­ litätsmerkmale von Fotografie und Film. Prinzipiell bilden Kamera­
stellen wie SDI oder XLR nutzen will, benötigt bei systeme immer nur einen bestimmten Entfernungsbereich scharf ab.
einigen Kameras, zum Beispiel der Panasonic GH4, Alles davor und dahinter verschwimmt. Sowohl in der Fotografie als
ein entsprechendes Zusatzmodul. Allein dieses kann auch beim Film lenkt der Gestalter mit der bewusst gesetzten Schärfe
schnell mal um die 2000 Euro kosten. die Aufmerksamkeit auf bestimmende Bildbereiche und beruhigt au­
Die GH4 von Panasonic, deren Objektive kom­ ßerdem störende Hintergründe.
patibel zum MicroFourThirds­System von Olympus Die Größe des Schärfebereichs hängt – technisch gesehen – von
sind, ist das derzeit interessanteste 4K­Modell. Im den Faktoren Blende, Brennweite und Sensorgröße ab. Dabei bedeu­
Fotomodus nimmt die rund 1500 Euro teure Kamera ten eine große Blende, eine lange Brennweite und ein großer Sensor eine
16 Megapixel auf. Wahrscheinlich noch in diesem geringe Schärfentiefe. Umgekehrt dehnt eine kleine Blende den Schär­
Sommer wird Sony die Alpha 7S liefern können: eine febereich aus, genauso wie kurze Brennweiten und kleine Sensoren.
spiegellose Vollformatkamera, die zwar im Fotomo­ Smartphones und Kompaktkameras haben einen derart kleinen Sen­
dus nur 12 Megapixel auflöst, dafür aber 4K­Videos sor, dass in Regel alle Bereiche im Bild scharf sind. Das Spiel mit der
mit 24p und 30p produziert. Doch während die Pa­ Schärfe ist nicht mehr möglich.
nasonic (mit Qualitätseinbußen) die Videos auf
114 page 07.14 › Werkzeug › kameras für kreative

SD­Karten aufzeichnen kann, wird die Sony ge­


nerell auf einen HDMI­Rekorder angewiesen sein,
sobald die eingestellte Videoauflösung über HD liegt.

Bewegter Autofokus
Bewegtbildprofis legen in der Regel keinen Wert auf
einen Autofokus und stellen die Schärfe manuell ein.
Für Spiegelreflex­, aber auch für die spiegellosen Sys­
teme gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Rigs
von Drittanbietern, an die sich neben Stabilisierungs­
systemen und Kontrollmonitoren auch Schärfezieh­
systeme anschließen lassen. Wer weniger geübt ist
und keine Schärfeziehhilfen hat, wird hingegen ger­
ne den Autofokus nutzen wollen. In der Entwicklung
hinken hier die Spiegelreflex­ den spiegellosen Sys­
temen etwas hinterher, da ihr schneller Phasen­AF
nicht bei hochgeklapptem Spiegel (und damit beim
Videodreh) funktioniert. Aber bei den aktuellen Mo­
dellen haben die Hersteller inzwischen separate
Kontrast­AF­Module integriert, wie sie auch bei den
spiegellosen Systemen zum Einsatz kommen.

Ausblick: Einzelbilder aus Videos


Die neuen 4K­Modelle von Sony und Panasonic zei­
Hässlich, aber gut gen, wohin die Reise bei der Fototechnik geht: Die
Mit der GH4 stellt Panasonic eine spiegel­ spiegellosen Kameras werden sich durchsetzen und
lose Systemkamera mit Micro­FourThirds­
im Prinzip vor allem Videos aufnehmen. Schon jetzt
Sensor vor, die sich zu einer professionellen
hat ein Standbild aus einem 4K­Video etwa 8 Mega­
4K­Videokamera aufrüsten lässt
pixel Auflösung – ausreichend für den Druck im A4­
Format. Es stellt sich in vielen Bereichen – derzeit
Handliches Vollformat vor allem in der Sport­ und Tierfotografie – die Frage,
Die demnächst erhältliche Alpha 7S von Sony warum man überhaupt noch Einzelbilder machen
verfügt als erste Spiegellose über einen Voll­ sollte. Auch Kreative können aus Dokumentatio­
formatsensor und kann 4K­Video aufzeichnen nen oder Imagefilmen printfähige Stills für Broschü­
ren oder Ähnliches extrahieren.
Zudem ist 4K selbstverständlich nicht das letzte
Wort: Die Epic Dragon von RED nimmt 6K­Video
auf und lässt sich mit Nikon­ oder Canon­Fotoob­
jektiven bestücken. Mit dieser professionellen Film­
kamera entstanden bereits vor Jahren Coverfotos
für »Vogue« oder »Harper’s Bazaar«, indem die Ma­
gazine einfach ein Filmstill auswählten. 8K­Video­
kameras werden in absehbarer Zeit rund 33 Mega­
pixel pro Einzelbild erfassen.
Doch wer derzeit mit einem überschaubaren Bud­
get vor allem fotografieren will, braucht sich keine
Sorgen zu machen. Die aktuellen Spiegelreflex­ und
spiegellosen Systeme werden noch einige Jahre exis­
tieren und auch das entsprechende Zubehör wird
weiterhin erhältlich sein. ml

Markus Linden, freier Journalist für


Fotografiethemen, schleppt bei
Fotoaufträgen eine Vollformatka­
mera, im urlaub trägt er nur eine
kleine Spiegellose mit zwei Objektiven
bei sich. Seine aufrichtige Bewun­
derung gilt allen, die mit Smartphones
professionell Fotos schießen.
↗ [Link]
page 07.14 115

D is r
up t i
veDe
si g n
Was steckt hinter dem Schlagwort Disruption?
Verena Dauerer sprach mit Innovatoren und stellt ihre
Methoden und Projekte vor
116 page 07.14 › Werkzeug › Disruptive Design

D
isruptiv wird in letzter tionsentwicklung berät ([Link]­ ma Kaba. Indeed­Gründer Karel Golta
Zeit vieles genannt. [Link]). Entsprechend star­ erklärt: »Das Verhalten des Menschen
Wobei machmal gar tet Indeed ihre Workshops damit, steht bei unseren Innovationsentwick­
nicht so ganz klar zu dass die Teilnehmer zunächst die Aus­ lungen im Vordergrund.« Indeed ent­
sein scheint, was das gangslage am Markt und die Unter­ wirft dabei alles vom physischen Pro­
genau ist. Von disruptiver Innovation nehmensstrategie unter Einbeziehung dukt über das Interface bis zur Soft­
spricht man, wenn ein technisches Pro­ aller Stakeholder in den Blick nehmen. ware. »Relevant ist die Gesamtheit der
dukt (oder ein Service) ein Marktseg­ Produkterfahrung«, so Karel Golta.
ment und seine Spielregeln radikal ver­ Spielerische Herangehens­ In Kokreationsworkshops arbeitet
ändert – oder gleich einen ganz neuen weisen das Entwicklerteam mit dem soge­
Markt schafft. Die bisher vorherrschen­ Eine der Methoden, die Indeed ein­ nannten Card Sorting, bei dem die
den Produkte einer Sparte werden da­ setzt, ist die Visualisierung mithilfe einzelnen Features eines Produkts auf
bei mehr oder weniger komplett ver­ von »LEGO Serious Play«­Kits (www. Kärtchen aufgeteit werden, aus denen
drängt, da eine disruptive Innovation [Link]). »Wir lassen die Mit­ sich jeder sein Set individuell zusam­
mit einem tiefgreifenden Wandel der arbeiter ihr Unternehmen, ihre Strate­ menstellen kann. Um die wesentlichen
Nutzungsgewohnheiten verbunden ist. gie mit LEGO­Steinen bauen. In die­ Funktionen herauszuarbeiten, testet
Der Erfolg des iPhones ist eines der bes­ sem Konkretwerden samt den Details und optimiert Indeed sie anhand ei­
ten Beispiele dafür. Interessanterweise und der Symbolik, die darin steckt, nes Dummys in Einzelinterviews oder
können »disruptive Innovationen zu­ werden ihnen schnell die Knackpunkte weiteren kokreativen Sessions mit den
nächst geringfügig erscheinen«, wie klar«, erklärt Peter Brooren, Head of In­ künftigen Anwendern. Auf dieser Ba­
Paul Paetz, Autor des im September novation bei Indeed. »Auf diese Weise sis baut das Team dann einen Proto­
bei Apress erscheinenden Handbuchs wird etwa auch die Eintrittsbarriere in typ mit programmiertem Interface. »In
»Disruption by Design«, erklärt (siehe den Markt plastisch und für alle greif­ diesen kleinen iterativen, an der agilen
Interview rechts). »Es geht darum, ob bar.« Von großem Vorteil sei zudem, Softwareentwicklungsmethode Scrum
das Resultat ein unbefriedigtes Bedürf­ dass die Workshop­Teilnehmer mit »ei­ orientierten Schritten nähern wir uns
nis des Markts anspricht.« ner gelernten Sprache, dem Spiel aus dem Produkt«, sagt Karel Golta.
Dass diese Art der Innovation im der Kindheit« arbeiten könnten. »Da­
Design nicht jeden Tag vorkommt, bei können sie gar nichts falsch ma­ Nicht alltägliche Lösungen
liegt auf der Hand. Doch die These chen«, so Brooren. Im Gegenteil: Eine für alltägliche Produkte
von Paul Paetz und anderen Innova­ solch spielerische Herangehensweise Manchmal entstehen bei Indeed zu­
tionsberatern ist, dass sie keineswegs setzt kreative Energien frei, eröffnet dem ungewöhnliche Produktverpack­
zufällig entstehen muss, sondern dass neue Perspektiven und erleichtert die ungen, beispielsweise für Bübchen und
sie sich bewusst und methodisch her­ Suche nach Lösungsmöglichkeiten. Pril. Im ersten Fall nutzte das Team
beiführen lässt. Wesentliche Voraus­ In den Workshops von Indeed ent­ Einsichten aus der Marktforschung,
setzung dafür ist eine genaue und kon­ stehen aber auch konkrete, mitunter was für Kinder am Point of Sale funk­
krete Marktbeobachtung und ­analyse. innovative Produkte. So zum Beispiel tioniert. Die neue Flasche sollte 5­ bis
Davon geht auch die Agentur Indeed das beim diesjährigen iF product de­ 6­Jährige ansprechen, die ihre Eltern
Innovation in Hamburg und München sign award prämierte Zeiterfassungs­ beim Einkauf begleiten. Sie sollte sich
aus, die Firmen in puncto Innova­ gerät B­web 9600 für die Sicherheitsfir­ auch für Kinder ganz einfach nutzen

Strategiespiele Zeiterfassung mit Mehrwert Auf den Kopf gestellt


Die Innovationsberatung Indeed lässt in Das von Indeed für die Sicherheitsfirma Indeed konzipierte für Bübchen eine
ihren Workshops mitunter Mitarbeiter Kaba entwickelte Zeiterfassungsgerät Flasche, die speziell auf die Bedürf-
die Strategie ihres Unternehmens oder B-web 9600 dient zugleich als Zugangs- nisse von 5-bis 6-jährigen Kinder abge-
auch ein Marktsegment mit LEGO- kontrollsystem und zeigt zudem das stimmt ist. Dabei gelang es der Agentur
Steinen nachbauen – wie hier auf dem Wetter an. Dafür gab’s eine Auszeichnung den Kunden zu überzeugen, die
Designforschungstag 2014 in Hamburg beim iF product design award 2014 Produktion entsprechend umzustellen
page 07.14 117

lassen, wenn sie beim Duschen oder


Baden ihre Selbstständigkeit unter Be­
weis stellen wollen. »Bübchen hatte
bis dahin eine Standardflasche mit
dem Verschluss oben. Wir schlugen
vor, die Abfüllanlage auf Kopfsteher­
flaschen umzustellen, weil das für
Kinder unkomplizierter ist«, erzählt
Karel Golta. »Man redet vom first mo- »Wenn Design nicht etwas
ment of thruth, das ist der Eindruck
am Point of Sale. Und dann gibt es den anbietet, das bisher nicht
second moment of truth, das ist der
Augenblick der Verwendung«. möglich war, hat es keinen Anteil
Ähnlich lief die Zusammenarbeit
mit dem Kunden Henkel für die Mar­ an disruptiver Innovation«
ke Pril. Da lautete die Aufgabe, etwas
zu kreieren, was die Nutzer an der Mit dem erfahrenen Innovationsberater Paul Paetz, CEO von
Spüle stehen lassen und nicht gleich Innovative Disruption Inc. ([Link]),
wieder darunter verstecken. Es sollte sprachen wir über Missverständnisse hinsichtlich
süß aussehen und zudem ein Lächeln des Begriffs der Disruption und neue Marktnischen.
auf die Gesichter zaubern. »Disrup­
tion bedeutet ja auch Störung. Wenn Können Sie uns erklären, wie es zu aber besser zu sein bedeutet nicht,
neben dem kategoriebezogenen Pro­ disruptiven Innovationen kommt? disruptiv zu sein. Oft ist das, was der
duktaussehen plötzlich etwas ganz Paul Paetz: Am Markt gibt es oft die Nutzer als schlechter oder unterle­
Neues steht, dann fällt das natürlich Situation, dass dieser mit Produkten gener empfindet, das Disruptive. Das
auf. Da muss der Kunde auch den Mut übersättigt ist, die bei hohen Herstel­ hängt stets davon ab, welcher Pro­
haben, das zu tun«, sagt Karel Golta. lungskosten zu komplex sind und zu duktaspekt schon übersättigt ist, wel­
Übrigens begleitet Indeed in so einem viele Funktionen haben, die der Nutzer che Bedürfnisse nicht von den vorherr­
Fall die Adaption des Produktionspro­ gar nicht benötigt – deshalb sperrt die­ schenden Produkten bedient werden
zesses von der Fertigung bis hin zum ser sich gegen den Preis. Am anderen und wie das Businessmodell von der
Vertrieb, einschließlich aller auftau­ Ende des Marktes gibt es ein Low­End­ UX gestärkt wird. Wenn Design nicht
chenden Unwägbarkeiten. Produkt­Segment, das zunächst gegen­ etwas anbietet, das bisher nicht mög­
über den vorherrschenden Produkten lich war, hat es keinen Anteil an disrup­
Evernote: Digitale Produkte nicht mithalten kann. Doch durch neue tiver Innovation. Vielmehr ist bessere
greifbar machen Technologien, Businessmodelle oder UX ein Aspekt der nachhaltigen Inno­
Was für die Entwicklung neuer phy­ Produktionsprozesse besetzt nun ein vation. Doch kann starkes Design aus­
sischer Produkte gilt, lässt sich auch Low­End­Produkt eine Marktnische. schlaggebend für Disruption sein. Das
auf digitale Services übertragen, um Zunächst wird es ignoriert, doch mit iPhone ist dafür ein gutes Beispiel.
aus alten Bahnen auszubrechen. der Zeit bedient die Kerntechnologie Sein Interface war so anders und In­
dieses Disruptors eine breitere Nach­ begriff einer überlegenen Integration
frage, um irgendwann die zuvor domi­ der Fähigkeiten über alle Funktionen
nanten Produkte zu verdrängen und des iPhones hinweg, dass es ganz neue
selbst den Markt einzunehmen. Es Märkte eröffnet hat.
kann sich aber auch ein neues Set an Wie erklären Sie sich den Hype um
Technologien disruptiv auf den Markt den Begriff des Disruptiven?
auswirken, wenn es von außerhalb Viele denken, disruptiv ist das Gleiche
der vorherrschenden Produktkatego­ wie bahnbrechend – das ist es nicht.
rie kommt, neue Arten der Arbeit er­ Geschäftsleute bringen sich gern da­
möglicht und die bestehenden Ge­ mit für Publicity in Verbindung und
winnmodelle zerstört. Beispiele sind meinen eigentlich »Spitzenprodukt«.
Craigslist, das die klassischen Anzei­ Andere nutzen den Begriff des Disrup­
geneinnahmen von Zeitungen unter­ tiven, wenn sie eigentlich nur sagen
gräbt, oder Google AdWords, das über­ wollen, dass sie besser als die Konkur­
legen ist, wenn es um die Vermarktung renz sind. Doch sind viele Firmen in­
Wiederverschließbare Dose von Nischenprodukten geht. novativ – auf scheinbar unbedeutende
Der can2close liegt ein Patent zugrunde,
Ist die User Experience ein Weise. Disruptive Innovationen kön­
dem Indeed in akribischer Entwicklungs-
arbeit mit vielen Materialtests und 3D-
wesentlicher Bestandteil von nen zunächst geringfügig scheinen. Es
Prints zur Umsetzung verhalf. Das inno- Disruptive Design? geht aber darum, ob das Resultat ein
vative Konzept wurde 2013 beim Zweifellos kann die Berücksichtigung unbefriedigtes Bedürfnis des Markts
Deutschen Verpackungspreis prämiert von UX­Aspekten Produkte verbessern, anspricht. Verena Dauerer
118 page 07.14 › Werkzeug › Disruptive Design

Evernote etwa hat eine rege Schar


an Usern, die die Notizbuch­App im
»Es geht um die die Strategie. »Denn es ist natürlich
ein Hauptproblem von Software, nicht
Alltag weitläufig einsetzen. Das Un­
ternehmen wollte sein Produkt nun physische Greif- greifbar und ein Konzept zu sein.
Durch den Transfer des Evernote­Vo­
aber aus der virtuellen Welt in die ana­
loge bringen, um ihm zu größerer barkeit unserer kabulars und seiner Designsprache in
physische Produkte geben wir den
Sichtbarkeit zu verhelfen. Dafür rich­
tete es eine eigene Businesssparte ein: digitalen Pro- Nutzern eine neue Lifestyle­Ebene,
um anzudocken.«
Evernote Market. Eine der ersten Part­
nerschaften in dieser Richtung war ei­ dukte, damit sich Das ebenso Interessante wie Inno­
vative ist aber auch der Evernote Mar­
ne Moleskine­Sonderedition (siehe
PAGE 11.12, Seite 8). Wenn der User die die Anwender ket selbst. Jeff Zwerner erläutert: »Ei­
ne notwendige Voraussetzung, um ei­
Kamera seines Smartphones auf die
mit besonderen Mustern versehenen mit ihnen identifi- nen Markt zu generieren, ist der Traf­
fic. Durch unsere Community für die
Seiten des Büchleins hielt, erfasste
Evernote die handgeschriebenen Noti­ zieren können. Apps existierte dieser bei uns schon.
Aus diesem Grund haben wir den
zen automatisch und speicherte sie
mitsamt der Tags für die digitale Su­ Das ist das Disrup- Marktplatz direkt in die Tools hinein­
gebaut.« Die E­Commerce­Infrastruk­
che. »Die Popularität des Produkts
brachte uns dazu weiterzudenken, wie tive daran« tur in jede der App­Plattformen zu im­
plementieren, sei allerdings sehr auf­
wir als erste Digitalmarke den Umkehr­ Jeff Zwerner, Vice President of wendig gewesen. Dafür gab es, so Jeff
schluss in die physische Welt wagen Zwerner, in den ersten 30 Tagen nach
Branded Products and Experiences
konnten«, berichtet Jeff Zwerner, Vice dem Launch bereits für eine Million
von Evernote
President of Branded Products and Dollar In­App­Verkäufe.
Experiences von Evernote.
Letzten Herbst launchte Evernote ARTE: Wie funktioniert Fern­
in den USA, Kanada und Japan zu­ Kollaboration trägt den Namen Jot sehen ohne das Fernsehen?
sammen mit Fujitsu den ScanSnap­ Script Stylus, ein eigens für Evernotes Die App des Kultursenders ARTE
Scanner. Mit diesem kann der Nutzer Handschriften­App Penultimate ent­ bricht die Sehgewohnheiten des line­
Dokumente direkt in Evernote einle­ wickelter Bluetooth­Stift. aren Fernsehens auf. Die Entwicklung
sen. Der Scanner erkennt und sortiert Als »weiche Produkte« wurde zu­ war ein Gemeinschaftsprojekt der Ber­
automatisch nach Kategorien, wie bei­ sammen mit Partnern eine Reihe von liner Agenturen nxtbgthng, Novoda
spielsweise Beleg, Foto, Visitenkarte Taschen designt, die den typischen und Studio Good. Gernot Poetsch,
oder Dokument. »Hier muss sich der Evernote­User repräsentieren sollen. Gründer von der Agentur nxtbgthng,
User nicht zwischen alt und neu, ana­ »Dabei geht es um die physische Greif­ die für die iPhone­ und iPad­Version
log und digital entscheiden, sondern barkeit unserer digitalen Produkte, da­ der App zuständig ist, erklärt den An­
kann beides verbinden. Damit schließt mit sich die Anwender mit ihnen iden­ satz: »Wie funktioniert das Fernsehen,
sich die digitale Lücke«, so Zwerner. tifizieren können. Das ist das Dis­ wenn das Fernsehen nie erfunden
Ein weiteres Produkt dieser Art von ruptive daran«, erklärt Jeff Zwerner worden wäre? Das Medium verändert

Analog-Digital-Mix Digitale Produkte in die physische Welt hinein verlängern


Die Berliner Agentur nxtbgthng entwickelte Der Notizbuchsoftware-Anbieter Evernote hat eine »greifbare« Produkt-
eine App für das Impossible Project, das linie gestartet, damit sich die User besser mit den digitalen Produkten
die Sofortbildfotografie ins digitale Zeit- identifizieren können. Der Scanner ScanSnap entstand in Kooperation mit Fujitsu
alter hinübergerettet hat. Mit diesem und ist für das Zusammenspiel mit den Evernote-Apps optimiert. Zusammen
Aufsatz lassen sich aus iPhone-Fotos mit einem japanischen Partner gestaltete das Unternehmen Laptop-Taschen
physische Polaroid-Abzüge erstellen und Rucksäcke, die den typischen Evernote-User repräsentieren sollen
page 07.14 119

seine Inhalte, es schafft neue Rezep­ die Berliner Philharmoniker mehr als sich der User das Konzert für die Off­
tions­ und Vertriebswege – und das dreißig Konzerte jährlich live aus ih­ line­Ansicht herunterladen und an­
muss disruptives Design ermöglichen. rer Konzerthalle streamen – nicht nur schließend speichern.
Plötzlich kann man neue Erzählfor­ in Kinosäle, sondern auch auf ihre »Wir bauen also einen Videoplayer,
men entwickeln, etwa wenn eine TV­ Webseite und die Apps. Dafür stehen bei dem die wichtigste Komponente
Serie nicht mehr regelmäßig jeden eigens mehrere Tonstudios sowie ein Audio ist und nicht Video. Das gibt es
Donnerstag ausgestrahlt wird oder TV­Studio zur Verfügung. 1,7 Millionen in dieser Form bisher nicht«, meint
man nicht immer wieder an jeder Stel­ Besucher waren im letzten Jahr auf Gernot Poetsch. So kann der User bei­
le neu einsteigen können muss, da der [Link], es gibt spielsweise die App schließen, den
User alle Folgen gesehen hat.« 390 000 registrierte Nutzer sowie Homescreen sperren oder das Telefon
Ein Merkmal der ARTE­App ist, 20 000 digitale Abonnenten für einen anderweitig nutzen und der Ton geht
dass sie – als eigentlich mobile App – Pay­for­Service, der es erlaubt, das trotzdem weiter – bei Video­Apps ist
auf das statische Nutzerverhalten in Archiv zu durchforsten. das unmöglich. Gleichzeitig sollte der
den eigenen vier Wänden hin opti­ Die App besteht aus zwei Teilen: User auch schnell den Pause­Button
miert ist. Sie lässt sich als Fernbedie­ die Live­Konzerte und die weltgrößte finden, wenn er ihn benötigt. »Das
nung für den Fernseher nutzen, wobei Bibliothek an klassischen Musikvi­ Disruptive an dieser App ist jedoch
die HD­Inhalte nicht über das Smart­ deos, der derzeit die Sammlung von im Grunde das dahinterliegende Ge­
phone, sondern direkt über WLAN, Herbert Karajan hinzugefügt wird. schäftsmodell – also das Streamen
AirPlay oder Chromecast übertragen »Unsere Aufgabe war die Entwicklung der Konzerte als Abonnement mit
werden. Während auf dem TV­Gerät einer Navigation zur schnellen Er­ Pay­for­Service – und die Tatsache,
der Film läuft, kann der Anwender auf schließung der Inhalte«, erklärt Ger­ dass diese App überhaupt existiert. Es
dem iPhone oder iPad in der App not Poetsch. Aber mehr noch als bei gibt nach wie vor kein Orchester mit
navigieren und weitere Videos anse­ der ARTE­App macht die Anwendung einer vergleichbaren Umsetzung«, so
hen: Das mobile Device kontrolliert für iPhone und iPad ohne das An­ Gernot Poetsch. »Es agiert nicht nur
zwar den Fernsehbildschirm, aber der schließen zusätzlicher Geräten relativ innerhalb der eigenen Wände, son­
User kann währenddessen andere wenig Sinn: Der integrierte Lautspre­ dern geht nach außen. Denn seine Ka­
Apps frei nutzen und muss sich nicht cher des Smartphones ist für klassi­ pazitäten, das Publikum zu erreichen,
entweder für das eine oder das andere sche Sinfonien nicht geeignet. sind räumlich begrenzt: Das Problem
Gerät entscheiden. »Das ist die Um­ Das Nutzungsszenario sieht vor, ist nicht, die Konzerthalle voll zu be­
kehrung des Smart­TV­Konzepts«, er­ dass der Anwender sein Device über kommen, sondern sie kann eigentlich
klärt Gernot Poetsch. WLAN oder Kabel an das TV­Gerät gar nicht groß genug sein. Deshalb
und an die Musikanlage anschließt. benötigen die Berliner Philharmoni­
Digital Concert Hall: Während des Streamings zeigt die App ker die Digital Concert Hall.«
Ein Videoplayer für Audio die Aufnahmen auch an und vermit­ Starkes Design besitzt demnach dis­
Noch einen Schritt weiter geht nxt­ telt gleichzeitig alle nötigen Informa­ ruptives Potenzial. Genauso entschei­
bgthngs aktuelles Projekt: die Digital­ tionen wie Cover, Titel und Zeitanga­ dend ist jedoch auch das Geschäfts­
Concert­Hall­App, die ab Juni in einer be. Auch hier kommen die HD­Daten modell dahinter, das sich durch alle
überarbeiteten Version für iOS erhält­ unmittelbar vom Server und nicht Funktionen bis hinein ins Interface
lich sein soll. Seit fünf Jahren lassen vom iPhone und iPad. Alternativ kann widerspiegelt. Verena Dauerer

Verena Dauerer, freie


Technik-Redakteurin,
stolpert seit der Recher-
che für diesen Artikel
viel öfter über die kleinen
Dinge des Alltags, die
sich als disruptiv erweisen.
↗ [Link]
[Link]

Kreativer Prozess statt Geistesblitz.


unser eDossier gibt es unter http://
[Link]/downloads

Umkehrung von Smart TV Erweiterung der Konzerthalle


Die ARTE-App von nxtbgthng, Novoda Mit der von nxtbgthng entwickelten Digital-
und Studio Good zeigt neue Wege für Concert-Hall-App gelingt es den Berliner
die Fernsehnutzung auf. Statt bloßer Philharmonikern, ihr Publikum über die
Second Screen zu sein, wird das mobile realen Konzertbesucher hinaus enorm zu
Gerät zum Steuerungsinstrument für vergrößern. Die gestreamten Konzerte
das Angebot auf dem TV-Bildschirm lassen sich über ein Abonnement beziehen
120 page 02.14 • Projekte • Xxxxxxxxxx
aNZeIge

1 pRaXIS
Das Erfolgsseminar »Leitmedium Design« –
als Eintages­ oder Zweitagesseminar buchbar!

Gutes Design
entwickeln
Fallbeispiele und
Strategien

Das Seminar »Leitmedium Design 1« Der Referent


● Dass Design ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist, steht außer Frage: ● Jochen Rädeker, Mitbegründer und geschäfts­
CD/CI-Agenturen verzeichnen eine Auftragslage wie schon lange nicht mehr; führender Gesellschafter von Strichpunkt, ist
klassische Werbeagenturen bauen ihre Design-Units aus; auch kleine und Professor für Corporate Identity und Corporate
mittlere Unternehmen entdecken die Notwendigkeit, sich durch einen profes- Design. Er war acht Jahre Vorstandsmitglied des
sionell gestalteten, ganzheitlichen Auftritt – über alle Medien hinweg – den Art Directors Club Deutschland, davon drei Jahre
nachhaltigen Erfolg im internationalen Wettbewerb zu sichern. Auf Designer als Präsidiumssprecher. Er ist Mitglied im D&AD
kommen dabei neue Herausforderungen zu: Immer mehr werden sie auch zu London und im Type Directors Club New York.
Beratern für strategische Unternehmenskommunikation. Die Entwicklung und Seine Designagentur Strichpunkt steht für hoch­
Umsetzung eines Markenauftritts ist deshalb kein leichtes Unterfangen: Es ist wertige Marken­und Unternehmenskommuni­
ein langfristiger Prozess, der von Gestalter und Auftraggeber nicht nur gegen- kation im Print­, Online­ und 3­D­Bereich, hat mehr
seitiges Vertrauen und Kooperationsvermögen erfordert, sondern vom Designer als 600 internationale Preise gewonnen und ist
auch die Kunst, Beratung, Konzeption und Umsetzung zielgerichtet zu verzahnen.

Jochen Rädeker erläutert im Seminar »Leitmedium Design 1« anhand eines


prototypischen, gemeinsamen Marken-Workshops und konkreter Praxisbei- Die Agenda: Tag 1
spiele, wie Sie einen komplexen Gestaltungsprozess angehen, mit dem Kunden
eine umfassende Branding-Strategie entwickeln und – weit über Styleguides 1 Vom Leitbild zur Bildwelt
hinaus – die gesamte Unternehmenskommunikation harmonisieren. Wertvol- Was Corporate Identity von Corporate
les Know-how vom Designprofi für Designprofis in Agentur und Unternehmen! Design unterscheidet – und warum
das eine für das andere so wichtig ist.

Das Seminar »Leitmedium Design 1« findet am 19. September 2 Vom Briefing zur Strategie
im Hotel 25hours, Hamburg-Bahrenfeld, von 9 bis 17:30 Uhr statt. Die Teilnahme Wie entwickelt man mit dem Kunden das
kostet 648 euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die gebühr umfasst die Tagungs- optimale Briefing? Wie definiere ich eine
kosten, Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 personen begrenzt! Kommunikationsstrategie? Der Marken-
also schnell anmelden unter [Link]/seminar. Workshop als zentraler Startpunkt in
ein erfolgreiches projekt.
am Folgetag findet Jochen Rädekers anschluss-Seminar zum Thema Kalkulation
und präsentation statt. Sie können die Seminare einzeln buchen, sie bauen nicht 3 Von der Strategie zur kreativen Idee
direkt aufeinander auf. Wenn Sie aber beide buchen, zahlen Sie nur 1166 euro Wie funktional muss, wie kreativ darf ein gutes
(zzgl. gesetzlicher MwSt.) statt 1296 euro und sparen 130 euro. Corporate Design sein? Möglichkeiten und
grenzen des Kreativprozesses.
page // ebner Verlag gmbH & Co. Kg // info@[Link] //
Telefon: +49 40 85183400 // [Link]/seminar 4 Vom Leitmedium zur Medienneutralität
Wie werden aus einer großartigen Idee großar-
aufgrund der auf 20 personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die anmeldungen in der
tige Medien? Wege und Umwege zu einembkon-
Reihenfolge der eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung an. Sie sistenten Markenauftritt.
ist sofort nach erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen. Bei
absage der Veranstaltung seitens der ebner Verlag gmbH & Co. Kg wird die Seminargebühr voll zurücker-
stattet. Darüber hinausgehende ansprüche bestehen nicht. Bei Stornierung der anmeldung bis spätestens
35 Tage vor Seminartermin berechnen wir 50 prozent, ab 34 Tage vor Seminartermin berechnen wir 100 pro- Der PAGE Workshop mit Jochen Rädeker lässt
zent der Teilnahmegebühr. Bei Buchung beider Tage können seitens des Teilnehmers nicht einzelne Tage stor- genug Zeit für Fragen und Diskussionen und
niert werden. Die Vertretung eines angemeldeten Teilnehmers ist jederzeit möglich. es werden nur schrift-
liche Stornierungen oder Namenswechsel akzeptiert. es gilt der poststempel. den Austausch der Teilnehmer untereinander.
page 02.14 121
aNZeIge

2 pRaXIS
Das Erfolgsseminar »Leitmedium Design« –
als Eintages­ oder Zweitagesseminar buchbar!

Gutes Design
gut verkaufen
Kalkulation und
präsentation

Das Seminar »Leitmedium Design 2«


seit Jahren in den Top Ten des page Kreativ- ● Designer wollen nur eins: Top-Arbeit abliefern – über alle Medien hinweg.
rankings vertreten. Jochen Rädeker verfügt mit Denn das bringt dem Kunden Wettbewerbsvorteile und dem Gestalter
seinen arbeiten für Unternehmen von adidas bis Geld, Ruhm und Ehre. Doch vor der allgemeinen Freude steht harte Arbeit:
WMF, von Beiersdorf über Vorwerk bis zu Wie wird ein Designkonzept kalkuliert? Wie werden Angebote vom
Kulturfestivals, Schauspiel und Oper über einen Designer richtig formuliert und vom Kunden richtig bewertet? Wie laufen
immensen erfahrungsschatz in Sachen Verhandlungen für beide Seiten sinnvoll ab? Ist der Job da und die Idee steht *,
Konzeption und Umsetzung komplexer kommt die nächste Hürde: Wie kann ich bei internen und externen
Designstrategien – von der Imagebroschüre bis Präsentationen überzeugen?
zur Werbekampagne, vom Online- bis zum
Messeauftritt. er ist autor zahlreicher Bücher Jochen Rädeker erläutert anhand der zehn wichtigsten Erfolgsfaktoren
zum Thema Unternehmenskommunikation. (und Problemfelder) für ein gutes Projekt den optimalen Workflow zwischen
Kreativen und Auftraggebern. Am Beispiel konkreter Kalkulationen aus
unterschiedlichen Aufgabenfeldern von Print bis Online und vom kleinen
Projekt bis zum umfassenden Corporate Design zeigt er den Aufbau
Die Agenda: Tag 2 eines überzeugenden Angebots und diskutiert mit den Teilnehmern, wie
Designleistungen fair bepreist, überzeugend verkauft und sinnvoll abge-
1 Kunden stören. Kreative nerven rechnet werden können. Das Seminar schließt mit ausführlichen Praxistipps
Vom pitch bis zur agenturauswahl, vom Briefing für erfolgreiche Präsentationen von Designern bei Kunden wie auch bei
bis zum Timing, vom angebot bis zur autorenkor- Meetings innerhalb von Unternehmen.
rektur: Workflow, Stolperfallen, Tipps und Taktik
für den gegenseitigen Umgang der projektpartner.
Das Seminar »Leitmedium Design 2« findet am 20. September
2 Richtig kalkulieren im Hotel 25hours, Hamburg-Bahrenfeld, von 9 bis 17:30 Uhr statt. Die Teilnah-
Stundensätze, pauschalen, erfolgsabhängige me kostet 648 euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die gebühr umfasst die
Honorare, Nutzungsrechte: Welche Kalkulation Tagungskosten, Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 perso-
ist für welches projekt richtig? Wo liegen Vor- und nen begrenzt! also schnell anmelden unter [Link]/seminar.
Nachteile, was bringt erfolg und Transparenz für
beide Seiten? *am Vortag findet Jochen Rädekers Seminar zum Thema Designstrategien
und Konzeption statt. Sie können die Seminare einzeln buchen, sie bauen
3 Richtig anbieten nicht direkt aufeinander auf. Wenn Sie aber beide buchen, zahlen Sie nur
aus der praxis für die praxis: aufbau, pricing und 1166 euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.) statt 1296 euro und sparen 130 euro.
Rahmenbedingungen überzeugender angebote
anhand konkreter Kalkulationsbeispiele page // ebner Verlag gmbH & Co. Kg // info@[Link] //
Telefon: +49 40 85183400 // [Link]/seminar
4 Überzeugend präsentieren
pitch und präsentation: 40 Tipps für aufgrund der auf 20 personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die anmeldungen in der
eine erfolgreiche präsentation. Reihenfolge der eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung an. Sie
ist sofort nach erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen. Bei
absage der Veranstaltung seitens der ebner Verlag gmbH & Co. Kg wird die Seminargebühr voll zurücker-
stattet. Darüber hinausgehende ansprüche bestehen nicht. Bei Stornierung der anmeldung bis spätestens
Der PAGE Workshop mit Jochen Rädeker lässt 35 Tage vor Seminartermin berechnen wir 50 prozent, ab 34 Tage vor Seminartermin berechnen wir 100 pro-
genug Zeit für Fragen und Diskussionen und zent der Teilnahmegebühr. Bei Buchung beider Tage können seitens des Teilnehmers nicht einzelne Tage stor-
niert werden. Die Vertretung eines angemeldeten Teilnehmers ist jederzeit möglich. es werden nur schrift-
den Austausch der Teilnehmer untereinander. liche Stornierungen oder Namenswechsel akzeptiert. es gilt der poststempel.
122 page 07.14 › branche › JvM-academy

„Unsere
Absolventen
werden
Innovation
Lions ein-
heimsen“
Seit april bilden Jung von Matt und good-School-gründerin
Simone ashoff in der JvM-academy die Kreativen von morgen
aus. ein Ortsbesuch im hamburger Karoviertel
page 07.14 123

BRANCHE
124 page 07.14 › branche › JvM-academy

● »Wenn der Flur lila wird, wissen Sie, dass Sie rich­
tig sind.« Mit diesen Worten weist Katja Weber, Pres­
sesprecherin von Jung von Matt, den Weg zur frisch
eröffneten JvM­Academy ([Link]­[Link]).
Und tatsächlich: Die Akademie ist leicht zu finden
und hebt sich nicht nur durch die Farbgebung stark
vom Rest der – überwiegend dunkelgrünen – Agen­
turräume ab. Bunte Tape Art an den Wänden, Möbel
aus Sperrholz und Pappe, knautschige Ledersofas
und selbst gebastelte Lampen beschwören den jun­
gen kreativen Geist herauf, der hier Einzug halten soll.
Mit dem geplanten Standort in den ehemaligen
Hamburger Schlachthöfen nebenan hat es zwar nicht
rechtzeitig geklappt, aber auch die Ausweich­Loca­
tion ist wie gemacht für die Ausbildungsstätte. Han­
delt es sich dabei doch um die Ursprungsetage von
Jung von Matt – den Ort, wo 1991 alles begann. Die
berühmte Denkzelle von Agenturgründer Jean­Rémy
von Matt blieb vom Umbau unberührt und grenzt
ans heutige Lehrerzimmer der JvM­Academy, in dem
es noch nach frischer Farbe und Holz riecht.
Nichts zu verbergen: rufsbild, das der digitalen Transformation der Bran­
Erfindung eines neuen Berufsbilds: Klassenzimmer, che Rechnung tragen soll. »Bei der Erstellung des
Kreativ-Konzepter Ruheraum und Lehrer- Lehrplans hatten wir eine T­Form im Kopf«, erklärt
Der erste Studentenjahrgang ist bunt gemischt; das zimmer sind Simone Ashoff. »Wir vermitteln ein breites Basis­
Alter variiert zwischen 19 und 29 Jahren. Frischge­ jederzeit einsehbar wissen in den Disziplinen Medien, Marke, Design,
backene Abiturienten sind ebenso dabei wie ein aus­ Konzeption, Technologie, Projektmanagement, In­
gebildeter Koch und ein ehemaliger Philosophiestu­ novation und Trends. Bei der Konzeption gehen wir
dent. »Bei der Auswahl haben wir darauf geachtet, in die Tiefe und geben den Studenten spezifische
dass wir es mit innovativen Köpfen zu tun haben: mit Kenntnisse und Tools an die Hand, die sie für me­
Erfindergeist, mit Mut und Lust aufs Unbekannte«, dienübergreifende Kampagnen­ und Brandingstra­
sagt Akademieleiterin Simone Ashoff. Die Studenten Alles in Bewegung: tegien benötigen, zum Beispiel Prototyping und
mussten sich in einem dreistufigen Bewerbungsver­ Im Klassenzimmer Präsentations­Know­how.«
fahren bewähren. Angefangen bei einem Onlinefra­ reihen sich zwanzig Damit das alles nicht theoretisch bleibt, ist das
gebogen über drei Kreativaufgaben bis hin zum Live­ Sperrholzpulte Studium dual aufgebaut. Von den 2 Jahren Ausbil­
Tag in den noch unfertigen Akademieräumen boxten aneinander. In den dung verbringen die Studenten nur 120 Tage in der
sich die finalen 20 von rund 150 Interessenten durch. Workshop-Phasen Akademie, jeweils in Blöcken von 40 Tagen. Dazwi­
Die JvM­Academy bildet zum Kreativ­Konzepter lassen sie sich beliebig schen sammeln sie Praxiserfahrung in JvM­Agen­
aus. Damit erfindet sie ein Stück weit ein neues Be­ im Raum verteilen turen sowie bei Grimm Gallun Holtappels, fischer­

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

»Bei der Auswahl war


uns wichtig, dass wir
es mit innovativen
Köpfen zu tun haben:
mit Erfindergeist,
mit Mut und Lust aufs
Unbekannte«

Simone Ashoff
page 07.14 125

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

»Wir vermitteln
ein breites Basiswissen
in puncto Medien,
Marke, Design, Technik,
Konzeption, Projekt-
management, Trends
und Innovation«

Simone Ashoff,
Leiterin der JvM-Academy, Hamburg

Appelt und TLGG. Jede Agentur hat ein, zwei Men­ Schrill und bunt: länger als 20 Minuten referieren. Danach folgt ein
toren abgestellt, die in enger Abstimmung mit Si­ Für die Dekoration der 60­minütiger Workshop, in dem die Studenten das
mone Ashoff und ihrem Team für die Vertiefung der Akademieräume gelernte Wissen direkt anwenden können. Das wie­
Lerninhalte sorgen sollen. »Bei Digitalagenturen heuerte Jung von Matt derholt sich über den Tag«, erklärt die Akademielei­
wird die Eingliederung sicher etwas einfacher, da Tape Artists an terin. Heute lassen die Studenten nach dem Vortrag
sie oft schon Konzepter haben. Den eher klassisch in 6­Sekunden­Videos (Queen­)Puppen und Lego­
orientierten Agenturen stehen wir mit Rat und Tat steine tanzen ([Link]
zur Seite, falls es Probleme geben sollte«, so Ashoff. Jeder Theorieblock behandelt ein bestimmtes
Thema mit zugehörigem Skillset und schließt mit
Wenig Frontalunterricht, viel Praxis einer sogenannten Challenge ab. Die ersten 40 Tage
An diesem Nachmittag lauschen die Studenten ei­ stehen im Zeichen des transmedialen Storytellings.
nem Vortrag über Storytelling mit Vine von Franz Zu den Lehrinhalten gehören Personas, Heldenty­
Josef Baldus, Geschäftsführer der Social­Media­ pen, Drehbücher, Customer Journey und Storytelling
Agentur koelnkomm. Wie bei der Good School, in in verschiedenen Medien wie Games oder Social
der Simone Ashoff seit 2009 komprimierte Work­ Die Queen grüßt: Media. Am Ende müssen die Studenten, aufgeteilt
shops für Kreativprofis zu diversen Digitalthemen Im Praxisteil drehen in fünf Teams, ein Märchen transmedial umsetzen.
anbietet, legt sie auch an der Akademie Wert auf einen die Studenten ihre Die Ergebnisse präsentieren sie Anfang Juni in einer
hohen Praxisanteil. »Unsere Dozenten sollen nicht eigenen Vine-Videos Ausstellung. Mit zunehmender Erfahrung im Berufs­
leben werden die Challenges konkreter. So entwer­
fen die angehenden Konzepter im zweiten Block
Strategie und Markenführung für ein reales Social­
Business­Start­up und versuchen dieses mit einer
PowerPoint­Präsentation und einem Klick­Dummy
überzeugend vorzustellen. Beim finalen dritten Block
gehen sie auf Tuchfühlung mit einem größeren –
noch nicht näher benannten – Konzern. Die Aufga­
be: ein reales Innovationsprojekt zu konzipieren und
filmisch zu visualisieren.

Die Studenten gestalten ihre


Ausbildung mit
»Die drei Blöcke decken alle Aspekte ab, die ein Kre­
ativ­Konzepter braucht«, ist Simone Ashoff über­
zeugt. Eine solch generalistische Ausbildung gebe
es bislang nicht. Das bestätigt Hannah Lena Flecht­
ker. Die 22­Jährige war nach dem Abitur auf der Suche
nach einem Studiengang, der sie nicht zu sehr in ei­
ne bestimmte Kreativdisziplin drücken würde – er­
folglos. Dass das Konzept der JvM­Academy nicht
126 page 07.14 › branche › JvM-academy

same Ziel ist letztlich, die Mitarbeiter von morgen


entsprechend den eigenen Vorstellungen formen zu
können. »Im Idealfall bleiben die Studenten dann
nach ihrem Abschluss bei ihren Ausbildungsagen­
turen«, bestätigt Ashoff.
Die Akademie bietet außerdem auch Weiterbil­
dungen für den bestehenden JvM­Mitarbeiterstamm
an. Derzeit finden die Workshops mit hauptsächlich
digitalem Schwerpunkt noch in der Good School
statt, sie sollen auf lange Sicht ebenfalls in die alten
Schlachthöfe verlegt werden. Apropos Good School:
Die muss während der Theorieblöcke komplett auf
ihre Gründerin Simone Ashoff verzichten. In dieser
Zeit übernimmt Konrektorin und zweite Geschäfts­
führerin Inga von Göler das Zepter. Eine Kanniba­
lisierung der beiden Ausbildungsstätten schließt
Ashoff aus: »Sie sprechen ganz unterschiedliche
Zielgruppen an. Bei Jung von Matt bilden wir Berufs­
einsteiger aus, in der Good School bringen wir Pro­
fis gezielt bestimmte Skills bei.«
Auch zu anderen Bildungsinstitutionen wie Hoch­
an allen Stellen fest gezurrt ist, gefällt ihr: »Ich Wichtiges Lehrutensil: schulen, Miami Ad School oder Texterschmiede sieht
finde es toll, dass wir als erster Jahrgang die Chance Zum Start stattete sich Ashoff nicht in Konkurrenz: »Wir haben einen
haben, unsere Ausbildung mitzugestalten. Jung von Jung von Matt alle anderen Schwerpunkt und fungieren vielmehr als
Matt und die Akademieleitung begegnen uns auf zwanzig Studenten Alternative zu den sonst gängigen Ausbildungswe­
Augenhöhe und nehmen uns ernst.« mit MacBooks aus. gen der Branche.« Für ihre Studenten hat Ashoff ein
Diese Offenheit mag zwar nicht jedermanns Sa­ Die müssen sie nach klares Ziel vor Augen: »Unsere Absolventen werden
che sein – aber ein allzu statischer Lehrplan ist heute den zwei Jahren Innovation Lions einheimsen.« Für jene, die bei
angesichts des volatilen Berufsumfelds der Kreativ­ aber zurückgeben JvM­Agenturen unterkommen, gilt das allerdings
branche schlicht nicht mehr zeitgemäß. Um sicher­ nur in jedem zweiten Jahr. nik
zugehen, dass das Ausbildungskonzept stimmig ist
und die Studenten darüber hinaus zufrieden sind,
fragt das Akademieteam sie im Anschluss an jeden
Unterrichtstag mit einem Fragebogen über Survey­
Monkey ab. Ein Vorgehen, das auch der Student Jere­
mie Levy aus der Schweiz schätzt. Er arbeitete nach
einer Ausbildung zum Mediamatiker, die Informatik,
Marketing und Multimedia kombiniert, freiberuf­
lich bei verschiedenen Unternehmen und Agentu­
ren und wird seinen Praxisteil bei Jung von Matt/Lim­
mat in Zürich absolvieren. »Das Academy­Modell
entspricht vor allem meinem Interesse an digitalen
Themen«, sagt der 21­Jährige.

Alternative zu den gängigen


Ausbildungswegen der Branche
Für ihre Ausbildung zahlen die Studenten 800 Euro
Simone Ashoff
im Monat. Das entspricht der Vergütung, die sie von als eine der ersten new-Media-Konzeptione-
ihren Agenturen erhalten. Zusätzlich vergibt Jung rinnen in Deutschland prägte Simone ashoff
von Matt pro Jahr drei Stipendien. Eines davon ging ein neues berufsbild mit. Sie arbeitete unter
an Hannah Lena Flechtker, die sich die Ausbildung anderem für bbDO Interone und Jung von
sonst nicht hätte leisten können. Die Akademie selbst Matt/next. Seit September 2009 bietet sie in
wird zu 100 Prozent von Jung von Matt betrieben, die ihrer good School in hamburg Seminare und
Partneragenturen leisten einen zusätzlichen finan­ Workshops für branchenprofis beispielsweise
ziellen Beitrag. Um die Kosten stemmen zu können, zu den Themen transmedialem Storytelling
reicht Jung von Matt nur noch jedes zweite Jahr bei oder Internet of Things an. als Leiterin der
Kreativwettbewerben ein. Eine Entscheidung, die JvM-academy war sie maßgeblich verant-
2012 in der Branche für Überraschung sorgte, da sich wortlich für die erarbeitung des Lehrplans
die Agentur bis dahin stark über ihren ersten Platz und die aufstellung der Dozenten.
in diversen Kreativrankings definierte. Das gemein­
Downloaden, aufschlauen!
Ein Magazin der Verlagsgruppe Ebner Ulm · [Link]

PAGE eDossiers – Best-of-Kompilationen aus


PAGE und WEAVE im Originallayout:
PDFs einfach und jederzeit runterladen in unserem
Online-Shop [Link]/downloads
Von Ost nach West. Spätestens mit ihrem VIP-Kühlschrankmagneten
für eine Pizzakette in Dubai, der 2012 vier Cannes-Löwen gewann, wurde
Preethi Mariappan auch in der europäischen Werbeszene bekannt. Bei
den Dubai Lynx, dem wichtigsten Kreativwettbewerb des Nahen Ostens,
hatte die gebürtige Inderin schon jeweils ihre Arbeitgeber TBWA und
Ogilvy One zu den meistausgezeichneten Agenturen der Region gemacht.
Nach sieben Jahren in Dubai kam Preethi Mariappan 2012 nach Hamburg,
leitete als Digital Executive Creative Director das TBWA\Digital Arts
Network in Deutschland. Anfang 2014 wechselte die technologiebegeis-
terte Kreative zu der in Frankfurt und Berlin vertretenen Agentur Razor-
fish. Von der Hauptstadt aus will die 36-Jährige standortübergreifend
»bislang ungesehene innovative Lösungen entwickeln, die das Business
der Razorfish-Kunden transformieren«. cg
page 07.14 129

„Ich tue
einfach, was
ich mag“
Please meet Preethi Mariappan! Mit der indischen
Ausnahmekreativen, die seit Kurzem Executive Creative
Director bei Razorfish Deutschland ist, sprachen
wir über ihre ungewöhnliche Karriere und über
Marketing mit echtem Mehrwert

● Haben die USA und Europa eigentlich noch das Monopol Sie haben nicht in den USA oder England studiert,
auf kreative digitale Innovationen? Oder rücken inzwischen sondern in Ihrer Heimat Indien. Wie kamen Sie zur
andere Weltregionen vor? interaktiven Kommunikation?
Preethi Mariappan: Da hat sich in allerletzter Zeit viel verändert. Mit einem Job in Bangalore bei [Link], einer Firma, die da-
In Brasilien, Asien – vor allem China –, aber auch im Nahen Osten mals – um 1997 – erste Websites machte. Alle Mitarbeiter waren
wachsen die Märkte äußerst dynamisch. Von dort kommen neue extrem jung, wir haben viel für MTV gearbeitet. Ich erfuhr erstmals,
Wege zu denken, neue Wege zu arbeiten, inspiriert von digitaler welche Energie entstehen kann, wenn Leute mit großen Talenten
Technologie. Es ist eine fantastische Zeit für Kreative, mit einer zusammenkommen und etwas schaffen wollen, das wirklich die
Fülle von Möglichkeiten. Welt verändert. Es hat mich sehr geprägt, dass ich auf der Start-up-
Ihr Lebensweg ist untypisch. Sie kamen aus Indien über Seite angefangen habe und nicht in einer Werbeagentur. So denkt
Dubai nach Deutschland, um als Frau eine führende man unternehmerischer und nicht lediglich auf Kampagnenebene.
Position in der Digitalbranche zu übernehmen. Wie Sie wollten dann selbst Unternehmerin werden.
normal fühlt sich das alles für Sie an? Ich wollte in Mumbai mit einer Freundin einen Online-Radiosen-
Innerlich ist es für mich normal, denn ich tue einfach, was ich der aufbauen. Wir stellten das Projekt diversen Investoren vor, doch
mag. Aber es gibt ja auch eine Außensicht. Weltweit sind im Mar- dann kam der Dotcom-Crash. Zu scheitern ist manchmal gut und
keting nur 3 Prozent Frauen in leitender Stellung. Doch das ändert heilsam. Man erkennt besser, was vom Business-Standpunkt aus
sich und muss sich auch ändern. Ein Grund, warum ich die Com- gesehen Sinn macht und was nicht.
munity Adwomen Middle East in Dubai gegründet habe. Es ist Damals haben viele Leute ihre Lektion gelernt.
sehr wichtig, unsere Branche für junge Frauen attraktiv zu machen, Absolut. Ich beschloss dann, meine Ausbildung zu erweitern, und
denn Frauen können viel einbringen. schrieb mich an einer technisch orientierten Universität in Singa-
Wie startete die Community? pur in einem Studiengang für Interactive Marketing ein. Parallel ar-
Ich hatte wohl einen frustrierenden Tag, an dem ich mich als eine beitete ich für eine Firma, die erste Location-based Games für den
von nur zwei weiblichen Kreativdirektoren in ganz Dubai etwas chinesischen Markt realisierte. Es gab auch immer mehr Aufträge
einsam fühlte. Am Wochenende habe ich etwas auf Facebook ge- von Agenturen. Wobei man bei digitalen Projekten aber damals oft
postet, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. Und am Montag noch mit Leuten zu tun hatte, die nicht wussten, wovon sie reden.
waren da fünfzig Frauen aus der Kreativbranche, die sich treffen Sie sind dann doch auf Agenturseite gewechselt?
wollten. Männer haben ihre Netzwerke, wir Frauen müssen sie Ich baute in Dubai zuerst für die TBWA-Tochter Tequila und später
uns auch schaffen. für Ogilvy One Digitalteams auf. Dabei habe ich viel darüber
130 page 07.14 › branche › preethi Mariappan

„Mich hat sehr geprägt,


dass ich auf Start-up-Seite
angefangen habe und
nicht in einer Werbeagentur.
So denkt man unterneh-
merischer und nicht nur
auf Kampagnenebene“
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Wie animiert man


Araberinnen zur
Brustkrebsvorsorge?
Im Auftrag von
GE Healthcare gelang
dies mit einer
Facebook-App

Lieblingspizza auf
Knopfdruck:
der VIP-Fridge-
Magnet für
Stammkunden
von Red Tomato

Für Anayou, die erste Plattform für arabische


Digital Natives, entstand die FunMakina, um
Clips mit eigenen Fotos zu schaffen
page 07.14 131

gelernt, wie man die richtigen Leute einstellt. Als TBWA 2010 Te- Was hat Sie an der Arbeit für Razorfish gereizt?
quila auflöste, um integrierter zu arbeiten, ging ich dorthin zurück. Razorfish ist eine der besten technologiebasierten Kreativagen-
Ich bin ein großer Fan multidisziplinären Arbeitens. Wenn dann turen, mit einem smarten und zukunftsorientierten Team. Mit
auch noch Leute 22 unterschiedlicher Nationalitäten ohne starre Alina Hückelkamp gibt es übrigens eine Frau im Management.
Hierarchien zusammenarbeiten, konzentriert man sich aufs ge- Hier muss man niemandem mehr etwas erklären. Alle verstehen,
meinsame Ziel, nicht auf die Differenzen. wohin die digitale Entwicklung geht, sodass man viel schneller
Wobei Projekte mit sehr lokalem Bezug entstanden. zu Ergebnissen gelangen und Kunden beziehungsweise Marken
Ja, zum Beispiel für die Märkte von GE Healthcare im Nahen Os- schneller in die digitale Zukunft führen kann.
ten, besonders in Saudi-Arabien und Nordafrika. Das war fantas- Wie fühlt sich der kulturelle Kontext in Deutschland an?
tisch, wir konnten echten Mehrwert für die Menschen schaffen. Es ist alles einfacher, denn die Kultur hier ist deutlich globalisier-
Kreative haben ja heutzutage das Glück, wirklich relevante Dinge ter und zugänglicher als der Nahe oder Mittlere Osten. Besonders
machen zu können. Es war ein langfristiges, komplexes Projekt, für Frauen bietet Deutschland eine der besten Arbeitssituationen
in das auch staatliche Gesundheitsbehörden miteinbezogen wa- und viel mehr Chancengleichheit als andere Länder.
ren. Vor allem ging es darum, Frauen und Familien zu helfen, ge- Auch im Vergleich mit Großbritannien und den USA?
sünder zu leben. Lebensstil und Ernährung sind im Orient anders, Ja, etwa was die Wertschätzung der Familie angeht und die Mög-
man muss erst mal zuhören und lernen. Erst anschließend be- lichkeit, einen Ausgleich zwischen individuellen und gesellschaftli-
gannen wir in einen interaktiven Dialog zu treten und Storytel- chen Bedürfnissen zu schaffen. Das findet man anderswo nicht oft.
ling-Events zu veranstalten. Es entstanden Gesundheitsvorsorge- Andererseits sehen die Deutschen Werbung eher kritisch.
Communitys und Apps, beispielsweise interaktive Comics für Gerade zeigte wieder eine Studie, dass die meisten
Kinder, die auch an Schulen genutzt wurden. Wir bewegten Werbebotschaften auf dem Smartphone ablehnen.
Frauen auf dem Land dazu, die innovativen mobilen Brustkrebs- Das sind fantastische Nachrichten für uns, für die ganze Branche!
vorsorgezentren von GE aufzusuchen. Wir wollen das Leben von Menschen ohnehin nicht stören – als
Auch für die Marke Nissan ließen Sie sich lokal passende würde man auf der Straße einen völlig Fremden ansprechen, um
Projekte einfallen. etwas zu verkaufen. Wir wollen auf Leute zugehen, um sie zu fra-
Die Bevölkerung im Orient ist sehr jung und darum spielorien- gen, wie wir helfen und etwas von Wert anbieten können, statt uns
tiert. Alle haben Geld und fahren gerne Auto, veranstalten verrück- wie ein ungebetener Gast auf einer Party aufzudrängen.
te Rennen, bei denen sie zum Beispiel senkrecht auf den Dünen Hinken die deutschen Agenturen nicht genau hier – beim
hochfahren. Diese Zielgruppe haben wir mit diversen Autorenn- smarten digitalen Marketing, das Mehrwert für den
spielen angesprochen. Kunden schafft – den USA, Großbritannien oder auch
Bei aller Globalisierung im Team ist es also wichtig, eine Skandinavien hinterher?
sehr lokale Situation zu verstehen. Wenn ja, muss das geändert werden, und zwar schnell! Warum
Ich betrachte Kreative ein wenig wie Anthropologen. Man muss nicht in Berlin das neue Silicon Valley schaffen?
verstehen, was Menschen antreibt. Empathie ist dabei zentral. Viele Aufgaben also. Im Juli sprechen Sie auf dem Werbe-
Ist Empathie eine Stärke von Frauen? festival Goafest in Indien. Könnten Sie sich vorstellen, noch
Ich hasse es zu generalisieren. Empathie und Sensibilität sind im- mal in Indien zu leben?
mer eine individuelle Sache. Aber meine persönliche Erfahrung Ich mache keine Pläne für die Zukunft, ich lebe in der Gegenwart.
in der Arbeit mit Frauen ist, dass sie kommunikationsorientierter Tue dein Bestes heute, die Zukunft kümmert sich um den Rest.
sind, stärker versuchen, verschiedene Standpunkte zu verstehen. Welche neuen Bereiche des interaktiven Marketings finden
Nicht nur zu sagen, das ist meine Sichtweise und das war’s. Zu Sie derzeit besonders spannend?
Hause waren wir vier Schwestern, haben ständig geredet und Weil ich sehr strategieorientiert bin, interessiert mich, wie man
meinen Vater wahrscheinlich in den Wahnsinn getrieben. Wir ha- Data Thinking fürs Storytelling nutzt – solche Projekte machen
ben alles besprochen, tun das auch immer noch. Und immer, mir Spaß! Ich liebe auch das Internet of Things beziehungsweise
wenn man etwas diskutiert, kommt dabei etwas Neues heraus. Physical Computing. Manches wirkt geradezu magisch oder mär-
Perfekt für die Kreativbranche. chenhaft. Wer hätte gedacht, dass es je eine App für Diabetiker
Wie kamen Sie nach Deutschland? geben würde, mit der das Smartphone über einen Stick direkt Blut-
Mein Mann bekam im Jahr 2012 ein Angebot aus Hamburg, und proben auf den Insulingehalt prüft! Oder nehmen wir Fitness-
wir beschlossen, dass es gut wäre, etwas Neues zu probieren. Ich Armbänder wie Jawbone oder Fitbit, die vor Kurzem noch nur in
hatte mit Deutschen in Dubai gearbeitet und großartige Arbeiten jemandes Kopf existierten und jetzt vielleicht das Leben mancher
aus Deutschland gesehen. TBWA konsolidierte damals mit dem Menschen ändern. Auch für Marken haben Physical Computing und
Digital Arts Network weltweit seine digitalen Units. Was ich von Service Design ein enormes Innovationspotenzial. Wir Kreative
Hamburg aus auch in den TBWA-Niederlassungen in Düsseldorf können da mit unseren Kunden ganz neue Wege einschlagen.
und Berlin betreut habe. Schwerpunkt war, verstärkt über Produkt-
und Service-Design-orientierte Ansätze für Kunden nachzuden-
ken. Unter anderen entwickelten wir die CoCreater-App, eine
Art Business-Speed-Dater, der Start-ups mit internationalen Kom- Claudia Gerdes war fasziniert, als sie erstmals
munikationsexperten und so letzendlich mit Marken in Verbin- von preethi Mariappans Werdegang erfuhr –
und wollte diese smarte und kulturell flexible
dung bringt. Außerdem entstand der Prototyp für eine App na-
»Kreativmigrantin« unbedingt kennenlernen.
mens Omnii, die es Healthcare-Firmen erlauben soll, Ärzte und Das Foto entstand bei trübem berliner Wetter
Mediziner in einem Newsreader über neu entwickelte Produkte auf dem balkon des razorfish-Offices an
und Services zu informieren. der Stralauer allee mit blick auf die Spree.
132 page 07.14 › branche

Szene
Was die Kreativbranche und ihre Akteure bewegt Business Basics
Wenn Nachverhandlungen
nötig sind
BDG-Präsident Christian Büning klärt
hier aktuelle Fragen aus dem Berufsalltag
von Kreativen ([Link])

● Termindruck ist eine Konstante im Kommu­


nikationsdesign. Der Blick auf die Projektkalku­
lation kommt dabei oft zu kurz. Längere Recher­
chen, viele Entwurfsschleifen und spontane Son­
derwünsche erhöhen den Aufwand und damit
die Kosten – meist ohne nachträgliche Budget­
gespräche. Wenn der Kunde aber am Ende eine
Rechnung erhält, die deutlich vom Angebot ab­
weicht, ist der Ärger vorprogrammiert.
Als Unternehmer sollte man daher auf den
Auftraggeber zugehen, bevor die eigene Arbeit
den Angebotsrahmen übersteigt. Hat man das
versäumt, empfehle ich unbedingt ein schnelles,
offenes Gespräch nach Beendigung des Projekts.
Beginnen Sie dieses damit, dass es Ihre Aufgabe
als Designer gewesen wäre, auf die Steigerung
des Aufwands hinzuweisen. Belegen Sie diesen
so detailliert wie möglich durch Stundennach­
weise bei Einzelaufgaben oder formulierte Son­
derwünsche des Kunden, zum Beispiel in E­Mails.
Sprechen Sie jeden einzelnen Punkt durch und
schaffen Sie Raum für Nachfragen.

Mein Tipp: Spielen Sie mit offenen Karten! Be­


xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx sprechen Sie mit dem Kunden, wer für welchen
Teil des Mehraufwands verantwortlich ist. Wenn
François Chalets Vaterfreuden. Dass das Kinderkriegen Sie selbst deutlich länger als üblich gebraucht
haben, fällt das unter Ihr eigenes Risiko. Bieten
bei Gestaltern nicht selten einen Kreativitätsschub bewirkt, ist Sie an, den von Ihnen selbst verursachten Mehr­
bekannt. So geschah es auch bei dem für seine amüsanten Vektor­ aufwand nicht zu berechnen, um Vertrauen für
Nachfolgeprojekte zu schaffen. Geben Sie dann
Illus und Animationen bekannten François Chalet aus Zürich. für den verbleibenden Mehraufwand wie Son­
Seit Caspars Geburt hält er jeden Tag eine kleine Szene aus dem derwünsche oder Nachbriefings eine Kosten­
schätzung ab. Wichtig: Installieren Sie für Fol­
Zusammenleben mit ihm fest – über 1000 Bilder sind schon auf geprojekte feste Budgettermine. Damit vermei­
Facebook im »François­Chalet­Journal« zu sehen. Eine Auswahl den Sie knifflige Nachverhandlungen – für beide
Seiten ein Gewinn.
erschien nun in dem von Müller+Hess gestalteten Band »Caspar«
beim Basler Echtzeit Verlag (208 Seiten, 22 Euro, ISBN 978­3­ Haben Sie ebenfalls Fragen? Dann schreiben
Sie uns: businessbasics@[Link]
905800­80­7). Es sind Alltagssituationen, die wirklich jeder vom
Umgang mit Kleinkindern auch ohne Worte erkennt – und die so Selbstständig in der Kreativbranche.
Das page eDossier rund um Fragen
jede Menge Aha­Erlebnisse zum Schmunzeln bieten. cg der agenturgründung finden Sie unter
[Link]
page 07.14 133

Findet euch
● Avbl ist eine Online-Community
([Link] bei der sich Kreative
verschiedener Disziplinen einfach dar-
stellen, suchen und gegenseitig buchen
können. Rein kommt man nur auf
Einladung. So gewährleisten die Grün-
der Ryan Hooks (Design) und Olex
Ponomarenko (Programmierung) ein
bestimmtes Maß an Qualität. Auf
den Profilseiten der Mitglieder befindet
sich auf der rechten Seite ein Kalen-
der, der die Verfügbarkeit der Kreativen
anzeigt. So sehen die Partnersuchenden
auf den ersten Blick, ob oder wann eine
Zusammenarbeit zeitlich möglich ist.
Das erspart ihnen das lästige Hin-und-
her-Mailen bei der Terminabsprache.
Auch das reduzierte schicke Design über-
zeugt. Avbl ist so simpel und hilfreich,
dass man sich fragt, warum es die Platt-
form erst jetzt gibt. nik

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Urheberrechtsschutz
bei 3D-
Visualisierungen
3D-Visualisierungen waren bisher in der Regel nicht durch das
Urheberrecht geschützt. Ein Urteil des Bundesgerichtshofs könnte das
ändern – mit Folgen für die Vergütung von Designern

● 3D­Visualisierungen, das heisst fotoglei­ Diese überzogenen Anforderungen führten Nico Arfmann ist Rechtsanwalt
che Darstellungen von Räumen und Gegen­ dazu, dass oft sogar Schnappschüsse von Fo­ und Partner der Kanzlei Arfmann &
tografen urheberrechtlich besser geschützt Berger Rechtsanwälte. Zu seinen
ständen, sind eine kostengünstige Alternati­
Fachgebieten zählen das IT-Recht
ve zur Produktfotografie. Die wirtschaftliche waren als aufwendige Computergrafiken. Die
sowie das Urheber- und Medien-
Bedeutung derartiger 3D­Visualisierungen Folge des geringen Schutzniveaus: Designer recht. Er berät deutschlandweit in
wird immer größer. Für Grafiker und Desig­ konnten die unrechtmäßige Nutzung der den Bereichen Marken- und
ner, die 3D­Modellings realisieren, stellt sich 3D­Visualisierung nur selten verhindern und Wettbewerbsrecht.
dabei immer wieder die Frage, ob dabei Ur­ über das Urheberrecht auch keinen angemes­ ↗ [Link]
heberrechte entstehen. senen Vergütungsanspruch durchsetzen.
Aus rechtlicher Sicht können solche Dar­ Der Bundesgerichtshof hat jetzt in der
stellungen Werke der angewandten Kunst, sogenannten Geburtstagszug­Entscheidung
sprich der Gebrauchskunst sein. In der Ver­ die enormen Anforderungen an die Schöp­
gangenheit wurde 3D­Visualisierungen der fungshöhe bei Werken angewandter Kunst
urheberrechtliche Schutz jedoch regelmäßig aufgehoben. Was auch für die Gestalter von
versagt; den Darstellungen fehle es an der so­ 3D­Visualisierungen zur Folge hat, dass sie
genannten Schöpfungshöhe. Im Bereich der Nachvergütungsansprüche geltend machen
angewandten Kunst gab es nämlich die über­ können. Darüber hinaus haben sie jetzt die
kommene Auffassung, hier sei ein besonders Möglichkeit, aus ihrem Urheberrecht gegen
hohes Maß an schöpferischer Eigenleistung die unerlaubte Nutzung ihrer Werke vorzu­
erforderlich, um urheberrechtlichen Schutz gehen und Schadensersatzansprüche durch­
erlangen zu können. zusetzen. Nico Arfmann
134 page 07.14 › BRaNCHe

Einblicke
Zum Diskutieren, Streiten oder Anhimmeln – wen würden Kreative gerne einmal treffen?

Die Frau, die den Broadway Diskutieren mit dem


hinunterlief Tesla-Erfinder
● Ich denke noch oft an die seltsame Frau in den ● Ein persönliches Gespräch mit Elon Musk wäre
goldenen Sandaletten und durchlöcherten Strumpf­ fein. Er hat mit Tesla Motors Maßstäbe in der Elek­
hosen, die zögernd, einen Fuß vor den anderen set­ tromobilität gesetzt, ist mit SpaceX unterwegs ins
zend, fast täglich an meiner Veranda vorbei den Weltall und will einen High­Speed­Vakuum­Zug zwi­
Broadway hinunterlief. In ihrer schmalen Hand trug schen Los Angeles und San Francisco fahren lassen.
sie gewöhnlich eine Plastiktüte mit Apfelsinen und Ich bewundere ihn als einen der großen Visionäre
einen zahnlosen Kamm, in dem sich trotzdem ei­ des angehenden 21. Jahrhunderts. Aber ich möchte
nige Brotkrümel und ein paar helle Haare verfangen mit ihm vor allem über Design sprechen. Wofür hat
hatten. Sie wirkte wie aus der Welt gefallen, und ich er die Ehrendoktorwürde des Art Center College of
hätte sehr gerne mehr über sie erfahren. Manchmal Design in Pasadena bekommen? Sieht er Gestaltung
summte sie leise eine vertraute Melodie, lächelte als Wertschöpfungsfaktor? Das Design seines Tesla
und schaute zu mir herüber. In diesen Momenten Model S ist konventionell und kommt nicht annä­
hätte ich sie einfach ansprechen und mit ihr gemein­ hernd an das innovative Material­ und Designkon­
sam die stark befahrene Hauptstraße herunterlau­ zept eines BMW i heran. Betrachtet man das Auto als
fen sollen, aber leider habe ich sie schon seit ein Mehrwegverpackung zum sicheren Transport von
paar Monaten nicht mehr gesehen. Menschen, lässt sich da noch einiges optimieren.

Nicole Löbart, Concept


Artist aus Los Angeles.
Sie arbeitet freiberuf­
lich in der Filmindus­ Uwe Melichar ist
trie, unter anderem Marken­ und Packa­
für Steven Spielberg gingexperte und
und Wim Wenders Partner bei Factor
↗www.red5design­ Design in Hamburg
[Link] ↗ [Link]
page 07.14 135

Foto: © thomas zeitlberger/consumed: Setdesign neue Kollektion


Olimpia Zagnoli: Smoke Smoke Smoke, »New York Times«, 2013

Paffen mit Pablo Zufallsbegegnungen


● Ich würde liebend gerne Zeit mit Pablo Diego José ● Wen ich gerne treffen würde? Dabei beginne ich
Francisco de Paula Juan Nepomuceno María de los automatisch zu überlegen, welche Personen ich be­
Remedios Cipriano de la Santísima Trinidad Ruiz y wundere, zu wem ich fast ehrfürchtig hochblicke und
Picasso verbringen. Ich würde mit ihm rauchen (ob­ wen ich zum Ideal stilisiere. Dieses gibt es nicht, und
wohl ich Nichtraucherin bin) und in Monets Garten wenn, möchte ich es nicht treffen, da ich mich durch
Coca­Cola trinken. Wir säßen auf einer Bank, strei­ die Überhöhung des Anderen herabsetzen würde.
chelten eine weiße Ziege, ich würde ihn nach seinem Am spannendsten finde ich jene Begegnungen, die
Lieblingsbuch fragen und wie er seine Eier mag. sich zufällig ergeben und mein Leben in irgendeiner
Nachmittags gingen wir auf den Flohmarkt, er zeigt Weise positiv beeinflussen. Jene, die mich inspirie­
mir, wie man feilscht, und wir verschwänden mit ei­ ren und meine kleine Welt erweitern.
ner halben Lampe, einem pinken Glas und Messer­ Natürlich war es sehr aufregend, mit Ryuichi Saka­
set. Als es regnet, flüchten wir in ein Café, bestellen moto nach einem Konzert in Sapporo beim Italiener
heiße Milch, er malt auf der Serviette und redet über zu essen und am Schluss eine CD signiert zu bekom­
die Katze von Matisse. Nicht, dass ich interessiert men. Aber diese Begegnung hat nachhaltig nichts
bin, doch, dass er über seine Affären schweigt, finde verändert und bleibt eine schöne Erinnerung. Ich
ich höflich. Selbst traue ich mich nicht zu erzählen, könnte jetzt natürlich eine Liste mit Personen an­
dass ich für meinen Unterhalt zeichne, und ver­ führen, die ich gut finde, aber ich glaube, ich will sie
schwinde nach einem Teller Spaghetti mit Butter. gar nicht treffen, und wenn, dann zufällig.

Thomas Zeitlberger ist


Olimpia Zagnoli ist Illustra­ Visual Artist. Unter
torin. Die Mailänderin seinem Label Consumed
arbeitet für Kunden wie vertreibt der Wiener
Google, Taschen, »Monocle«, Seidentücher, die wie
»The New Yorker« oder Bilder sind, und
»The New York Times« entwirft Wallscapes
↗[Link] ↗[Link]
136 page 07.14 › branche › TV-Spots für Start-ups

Was Witziges
für die Glotze
TV-Spots lohnen sich für Start-ups, sie erhöhen den Bekanntheits-
grad und können das Geschäft ankurbeln. Ehe Start-ups sich in das
Abenteuer stürzen, sollten sie aber einige Vorkehrungen treffen

● »Schrei vor Glück« hieß der Slogan der Zalando-TV-Kampagne,


die 2010 Kult wurde und den damals noch jungen Schuhversand
in ungeahnte Bekanntheits- und Erfolgszonen katapultierte. Wer
erinnert sich nicht an den Spot mit der legendären Kommune 1, in
der WG-Oberguru Rainer Langhans seine Brüder und Schwes-
tern vor einem neuen Kapitalisten-Schuhversand warnt ( http://
[Link]/zalandofake ). Doch Fashion Victim Uschi Obermaier hat ei-
ne Schwäche für schicke High Heels … Am Ende bricht hysteri-
„Die Firmen sollten in
sches Geschrei aus – ebenso wie in dem Spot »Camping«, wo zwei einem attraktiven Markt
nackte Mädels vor dem FKK-Platzwart ihre Pumps auspacken und
den Paketboten an den örtlichen Dresscode erinnern – der möch-
agieren, Wachstums­
te seine Sachen anbehalten, und, nun ja, nicht immer schreien die raten aufweisen und
Figuren der Zalando-Spots vor Glück ( [Link] ). ein massenrelevantes
Seitdem ist es fast unmöglich, ein Zalando-Paket entgegenzuneh-
men, ohne einen dummen Witz mit dem Überbringer zu reißen B2C­Geschäftsmodell
oder einfach nur spitze Schreie auszutauschen. verfolgen. Bei uns
Die von der Kreativagentur Jung von Matt entwickelte TV-Kam-
pagne war ein echter Hingucker und eine Ausnahme im Einheitsbrei
finden Sie Start­ups,
meist langweiliger Werbespots. Zugleich war sie der Startschuss die sich TV­Werbung
für die Erfolgsgeschichte des damaligen Start-ups, weil sie dem
Markenaufbau den richtigen Schwung gab. »Heute liegt Zalando in
nicht leisten könnten.
Deutschland bei einer Markenbekanntheit von 95 Prozent«, verrät Wir bieten eine
Bastian Schmitz, Communication Manager der Zalando AG. Noch Anschubfinanzierung
immer schnellen die Zahlen der Besucher und Bestellungen auf
den Zalando-Seiten nach Fernsehwerbung in die Höhe. und partizipieren dafür
an der gemeinsam
Der Run auf die guten Sendeplätze
Seither trauen sich immer mehr Start-ups den Weg ins vermeint-
geschaffenen Wert­
lich teure Medium Fernsehen. Allein im zurzeit beliebtesten Sende- schöpfung“
umfeld »Germany’s Next Topmodell« waren in jeder Werbeunter- Claas van Delden,
brechung TV-Spots von fünf verschiedenen Start-ups zu sehen: Geschäftsführer von SevenVentures,
Das Portal für Erlebnisgeschenke und Events mydays, [Link] Unterföhring
mit dem eingängigen Slogan »Klick, Klick, Glück«, die Fashion- ↗ [Link]
page 07.14 137
138 page 07.14 › Themen › TV-Spots für Start-ups

und Styling-Portale [Link] und Stylight sowie die Hotelver-


gleichsplattform Discavo suchen ihre Zielgruppe im Umfeld der
Heidi-Klum-Show.
Die Investition lohnt sich. Wie kaum ein anderes Medium er-
höht das Fernsehen den Bekanntheitsgrad, und das in rasender
Geschwindigkeit. Zudem sorgt es für einen wichtigen Nebenef-
fekt: »Fernsehwerbung gibt uns als Unternehmen einen soliden An-
strich. Wer sich TV-Werbung leisten kann, ist sicher nicht unseriös«,
fasst Regiondo-Geschäftsführer Oliver Nützel seine Erfahrungen „Für Media­for­Equity­
mit der Resonanz auf geschaltete Fernsehclips zusammen. Für Deals wird das Unter­
den Münchner Freizeit- und Event-Marktplatz Regiondo, der sei-
ne TV-Spots abseits des Heidi-Klum-Umfelds schaltete, hat sich
nehmen klassisch
das TV-Engagement gelohnt. Kein Wunder – seit Anfang 2013 bewertet. Mit dem Spot
hatte sich das Unternehmen mit einem detaillierten Plan auf die
eigene »TV Readiness«, wie Nützel es nennt, vorbereitet. »Alle ha-
stieg der Traffic um
ben fieberhaft auf das Ziel hingearbeitet, jede Abteilung wollte ih- 100 Prozent und
re Zielvorgaben erreichen. Vor allem den Customer Service haben konvertierte mit
wir ausgebaut und die Erreichbarkeit zeitlich erweitert.«
Nützel zieht eine positive Bilanz: »Die Kanäle TV und Google etwas Verzögerung
AdWords sind in etwa vergleichbar, die Cost-per-Visit-Zahlen lie- auch in Umsatz“
gen bei beiden zwischen 0,8 und 1,2 Euro pro Visit.« Fürs Bran-
Maximilian Ruschepaul,
ding habe die TV-Werbung dem Unternehmen jedoch mehr ge-
Director Business Development bei
bracht als Onlinewerbung. Denn durch die Fernsehwerbung konn- Brille24 GmbH, Oldenburg
te Regiondo nicht nur seine Bekanntheit erhöhen, »auch die Traf- ↗ [Link]
fic-Qualität ist deutlich gestiegen, die Verweildauer auf unserer
Seite ist zwei- bis dreimal länger als bei Google-Traffic, und die
Conversion Rates fallen doppelt so hoch aus«, so Nützel. Selbst
Werbeschaltungen bei kleineren Sendern würden einen Besucher-
ansturm auf der Website auslösen: »Teilweise sind danach 5000
bis 6000 User gleichzeitig auf unserer Plattform.«

Tüfteln für den besten Sendeplatz


»Das Unternehmen über TV-Spots schnell bekannt zu machen, war
Teil unseres Geschäftskonzepts«, erläutert Discavo-Kogründer
Adrian Graf. Die Auswahl des Sendeplatzes sei jedoch sehr kom-
plex, nur durch Ausprobieren ließe sich das beste Umfeld für die
Zielgruppe finden. Also schickte Discavo zwei verschiedene Spots
auf diversen Sendern der ProSiebenSat1-Gruppe zu unterschied-
lichen Zeiten ins Rennen und wertete aus, in welchem Umfeld die
besten Ergebnisse zustande kamen. »Nach einer gewissen Zeit be-
»The Inner Voice« (2013)
↗ [Link]
kommt man ein gutes Gefühl dafür, wo welcher Spot am besten plat-
ziert ist«, so Graf. »Die Responses auf die Werbespots messen wir ● In dem von der Berliner Markenberatungs­
mit der Responsys Interact Suite ( [Link] ). Sie trackt, agentur The Brand Orchestra ([Link]
wie sich die Zuschauer bis sieben Minuten nach dem Spot ver- [Link]) produzierten TV­Spot
halten, wie viel Traffic und wie viel Conversion der Spot generiert.« steht ein verkaterter Typ am Waschbecken.
Es ist erstaunlich, dass sich das Modell »Work for Equity« – al- Sein Spiegelbild reicht ihm eine neue Brille.
so Agenturleistung gegen Firmenanteile – nicht durchsetzt. Of- Er setzt sie auf, und eine junge Dame entsteigt
fenbar verfügen Start-ups, die sich für TV-Werbung entscheiden, der Dusche. Der 20­ und 30­Sekünder läuft bis
meist selbst über genügend Geldreserven, um die Agentur aus ei- Ende 2015 auf ProSieben, Sat.1, Kabel eins und
gener Tasche zu finanzieren, oder sie sind so gut mit Venture-Ka- Sixx, begleitet von Online­ und Social­Media­
pital ausgestattet, dass diese Kosten nicht weiter ins Gewicht fal- Maßnahmen. Online hatte Brille24 bereits
len. Manchmal sparen sie allerdings auch genau an der Agentur- eine gute Marktabdeckung, also ging der
leistung und entscheiden sich im Zweifelsfall für den günstigen Oldenburger Internet­Optiker ins TV. Für die
Spot. Dabei könnte ein wenig mehr Kreativität in ihren Werbe- Sendeplatzfinanzierung tauschte man mit
clips vielen Start-ups nicht schaden, sie sind nämlich bei Weitem SevenVentures Firmenanteile gegen Medien­
nicht so einfallsreich, wie sie gern vorgeben – ein genialer Wurf reichweite. Die Sendezeiten ermittelten die
gelingt eben selten. Hamburger Medienagentur MediaPlan und
»Viele Unternehmen sehen erst mal nur die möglichen Werbe- ein erfahrener Berater, der von den Investoren
plätze, denken aber zu wenig über den eigentlichen Spot nach«, mo- des Start­ups empfohlen wurde. Die TV­Pro­
niert Claas van Delden, Geschäftsführer der SevenVentures GmbH duktion zahlte Brille24 aus eigener Tasche.
page 07.14 139

in Unterföhring, und warnt all jene, die sich mit einem überschau-
baren Budget ans TV-Abenteuer wagen wollen: »An einem Spot zu
sparen, ist am falschen Ende gespart.« Idealerweise liefe es so ab
wie bei Zalando. »Zalando ist auch deswegen so groß geworden,
weil die Kampagne ›Schrei vor Glück‹ einfach klasse Spots hatte,
sehr emotional und mit einem hohen Wiedererkennungswert«,
so van Delden. Die Zuschauer guckten sie, weil sie lustig waren.
Die auf diese Weise erzeugte Awareness wurde darüber hinaus in
„Nach den ersten die sozialen Medien weitergetragen. Allein auf YouTube haben
sich rund 400 000 Nutzer die Kommunie-1-Imitation von »Schrei
Werbespots vor Glück« angesehen.
Aber auch nicht so superkreative Werbeclips wie zum Beispiel
wuchs der Umsatz der [Link]-Spot »Drei Engel für Winni iPhone 5« ( [Link]
3engelfuerwinnie ) können den Abverkauf fördern, indem sie das
schnell um 50 bis konkrete Angebot in den Vordergrund stellen. Bei dem seit Feb-
ruar 2013 angelaufenen Clip sorgten vielleicht die leicht bekleide-
60 Prozent“ ten Damen für den durchschlagenden Erfolg, vielleicht weckte
aber auch nur das iPhone 5 Begehrlichkeiten. Der TV-Spot »Brillen
Oliver Nützel, Geschäftsführer
online kaufen – so geht’s« des Berliner Brillen-Onlinehändlers Mis-
von Regiondo, München
↗ [Link] ter Spex ( [Link] ) widmet sich dagegen auf sehr redu-
zierte Weise dem Prozedere des Bestellvorgangs. Und Babymarkt.
de überzeugt mit einem eingängigen Slogan, der sofort hängen
bleibt: »Klick. Klick. Glück« – da werden Bilder von den süßen
Kleinen fast zur Nebensache ( [Link] ).

Media for Equity: Sendezeit finanzieren


TV-Werbeplätze sind kostspielig, keine Frage. Für 30 Sekunden
Sendezeit auf einem Privatsender muss man zur Primetime nach
20 Uhr rund 60 000 Euro hinblättern. Der Preis hängt natürlich im-
mer mit dem Sendeplatz zusammen. So ist ein Spot am frühen
Abend oder am Wochenende grundsätzlich teurer, weil mehr Zu-
schauer vor den TV-Geräten sitzen. Auch die Position im Werbe-
block entscheidet über den Preis – der erste und der letzte bleiben
den Zuschauern am besten im Gedächtnis. Wenn ein Start-up al-
so über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren zwischen 800 bis
1000 Spots schaltet, kommen schnell zweistellige Millionenbeträ-
ge zusammen. Wer soll das bezahlen?
Um angestammte Werbekunden nicht zu verprellen, geht die
Mediengruppe RTL Deutschland mit den Sendern RTL, VOX und
»So bucht man Freizeit Super RTL sowie deren Medienplatzvermarkter IP Deutschland
heute« (2013) ([Link]) sehr zurückhaltend mit dem Thema
↗ [Link]
Start-up-Venturing um. Dadurch entsteht ein schiefes Bild der
● Mit dem Claim »So bucht man Freizeit deutschen Fernsehlandschaft – denn tatsächlich haben sich Finan-
heute«, produziert von der Münchner zierungsmodelle für Start-ups inzwischen fest etabliert. Zurück-
TV­Produktion lead link ([Link]), zuführen ist dies vor allem auf die Initiative der äußerst akiven
schaltet Regiondo regelmäßig saisonale ProSiebenSat.1-Tochter SevenVentures ( [Link]
Angebote für Wellness, Freizeit, Familen­ modelle ), die derzeit an rund 50 Start-ups Beteiligungen hält und
ausflüge und Outdoor­Aktivitäten. Die erst im November 2013 ihren zweiten »Day« auf der Noah Confe-
wenige Sekunden kurzen Spots erklären das rence in London veranstaltete ( [Link]/en/7vpd ),
Regiondo­Angebot. Die Bildwelt mutet bei dem Start-ups in einem Pitch TV-Werbung im Wert von 7 Mil-
eher wie Stockmaterial an. Den ersten Clip lionen Euro gewinnen können. Auch GMPVC German Media Pool
und die Testschaltungen im Sommer 2013 GmbH, ein Joint Venture der N24 Media GmbH (seit Dezember
quer durch alle Sender, Zeiten und Umfelder 2013 zu 100 Prozent Springer), des Leipziger Radiounternehmens
finanzierte Regiondo aus dem eigenen Regiocast, von RTL II sowie der Außenwerber Wall Aktiengesell-
Cashflow. Um das beste Sendeumfeld zu schaft (Berlin) und JCDecaux (Köln; [Link]
finden, setzt das Unternehmen das Ana­ forequity ), bietet wachsenden Unternehmen Medienleistungen
lytics­Tool spoteffects ein. Durch die Zusam­ im Tausch gegen Firmenanteile an.
menführung von TV­Sende­ und Webtra­ Bei SevenVentures erhalten Start-ups über die Geschäftsmo-
cking­Daten misst es die Zahl der unmittel­ delle Media for Revenue und Media for Equity Werbezeiten gegen
bar verursachten Visits und Conversions. Umsatz- oder Firmenbeteiligung. Media for Equity sieht neben
140 page 07.14 › branche › TV-Spots für Start-ups

einer Minimumgarantie eine Beteiligung auf Basis von Equity


Proceeds vor, bei der SevenVentures Miteigentümer mit allen Rech-
ten ist und entsprechend mit verdient. Eine andere Betätigungsva-
riante ist die Exit Participation, also eine prozentuale Beteiligung
am Gewinn bei Verkauf des Start-ups oder Börsengang. Dabei
verschiebt sich die Vergütung – anders als beim Media-for-Reve-
nue-Modell – auf einen späteren Zeitpunkt, der Sender muss län-
ger warten, bis sich das Investment refinanziert. Von SevenVen-
tures unterstützte Unternehmen geben meist 20 bis 30 Prozent des
Umsatzes oder in Form einer Unternehmensbeteiligung an Se- „Mit TV kann man
venVentures ab und bekommen dafür ein Rundum-Wohlfühl-Pa-
ket mit den passenden Sendeplätzen, die sie mit erfahrenen Seven- viel Geld verbren­
Ventures-Mediaplanern festlegen.
Allerdings gibt es Bedingungen: »Das Start-up sollte bereits ei- nen – aber es
ne gewisse Marktreife erreicht haben und über ein erprobtes Ge-
schäftsmodell verfügen, das mit Unterstützung von ProSiebenSat.1
ist ausgezeichnet
noch den nötigen Bekanntheitsgrad erreichen kann«, erklärt Claas
van Delden. Die Verträge seien so individuell wie die Unternehmen
fürs Branding“
selbst und könnten durchaus eine Mixtur beider Modelle berück- Adrian Graf, Gründer und
sichtigen. Am besten man lässt sie vom eigenen Investor oder Ven- Geschäftsführer von
Discavo GmbH, Berlin
ture-Kapitalgeber aushandeln, sofern er Erfahrungen im Metier ↗ [Link]
hat, um die Potenziale des Mediums Fernsehen – starke Wirkung
und große Reichweite – optimal zu nutzen. ae

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Mit diesen Analysetools misst man


die Wirkung von TV­Werbung
Spoteffects
Das TV­to­Web­Analytics­Tool spoteffects misst die
sofortige Wirkung von Fernsehwerbung auf Websites, also
die Anzahl der Visits und Conversions, die unmittelbar
durch einen TV­Spot verursacht werden. Dies geschieht durch
die Zusammenführung von TV­Sende­ und Webtracking­
Daten mittels eines geheimen Algorithmus. »Bon Appetito ihr Süßen«
↗ [Link] (2014)
↗ [Link]
wywy LiveAd Analyze
● Die Hotelvergleichsplattform Discavo
Diese Erkennungstechnologie aus München identifiziert
schickte drei Monate nach Gründung zwei
einen Werbespot im Moment der Ausstrahlung und spielt dann
Werbespots ins Rennen, produziert von
eine entsprechende Online­Kampagne in Echtzeit an Second­
thjnk ([Link]) und Markenfilm
Screen­Nutzer auf Smartphones und Tablets aus. Ein in
([Link]), beide Hamburg.
LiveAd Analyze integriertes Webanalyse­Tool des französischen
»Bon Appetito ihr Süßen« erregte große
Webanalyse­Unternehmens AT Internet ([Link])
Aufmerksamkeit, weil der Spot im Web als
misst dazu passende Klicks und Klickpfade sowie Customer
latent schwulenfeindlich gebasht wurde.
Journeys und Suchmaschinen­Anfragen. Soziodemografische
Zwei Geschäftsmänner verirren sich in ein
Nutzerdaten ergänzen das Bild.
Gay Hotel und erleben ein etwas anderes
↗ [Link]
Dinner. »Das falsche Hotel ist schnell gebucht,
das richtige auch«, kommentiert der Discavo­
Chartbeat
Slogan. Die Discavo­Clips finanzierte der
Chartbeat ist speziell für die detaillierte Echtzeitanalyse von
ProSiebenSat.1­Inkubator Epic Companies.
Nutzeraktivitäten konzipiert und misst die Anzahl der Besucher
Ausgestattet mit einem achtstelligen
nach der Schaltung eines TV­Spots.
Marketingbudget, hatte sich die Hotelplatt­
↗ [Link]
form zuvor gründlich auf den Rückfluss aus
der TV­Kampagne vorbereitet, also den
Spots, TV-Kapitalgeber und Tipps von Kundendienst erweitert und die Serverleis­
TV-Startern gibt’s in einer Linkliste tung ausgebaut. Anspruch war, vom ersten
unter [Link]/tvspots0714 Tag an jeden Tag im TV zu sehen zu sein.
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es gibt nichts, was sich nicht Franziska Beyer (fb), Nina Kirst (nik), Arne Schätzle (as).
Freie Mitarbeit: Antje Dohmann (ant), Angelika Eckert (ae),
aus papier fertigen Dr. Claudia Gerdes (cg), Michèle Hofmann (Grafik),
ließe. Wir präsentieren Rebecca von Hoff (Grafik), Christine Krawinkel (Artdirek-
tion), Myriam Jantoss (Textredaktion), Maiken Richter
einige dieser erstaun-
(Text-/Schlussredaktion), Jan Roidner (Schlussredaktion),
lichen Objekte und stellen Sabine Danek (sd, Redaktion Online); Redaktions-
ihre Macher vor assistentin: Sinja Kik
Autoren dieser Ausgabe
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(ml), Simon Ruschmeyer, Jürgen Siebert, Ivo Wessel
Titel
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Gerrit Klein, Martin Metzger (Stellvertreter),
Florian Ebner
Produktionsleitung
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Leitung: Sema Torun
Objektmanagerin: Katja Wühler

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eine klare Markenidentität zu definieren und zu gestalten ist das eine,


sie zu implementieren und langfristig zu pflegen das andere. ISSN 0935-6274. Vertrieb: VU Verlagsunion KG, Postfach 5707,
page berichtet, wie Branding- und Designagenturen dabei vorgehen 65047 Wiesbaden, Telefon +49 6123 6200, Fax +49 6123 6205138,
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und ihre Kunden beim Brand Management unterstützen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der
Redaktion wieder. Der Verlag haftet nicht für unverlangt eingereichte
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Manuskripte und Fotos. Sie können zurückgegeben werden, wenn
Rückporto beigefügt ist. Mit der Annahme zur Veröffentlichung

Task Management überträgt der Autor dem Verlag das ausschließliche Verlagsrecht
für die Zeit bis zum Ablauf des Urheberrechts. Eingeschlossen sind

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page 07.14 145

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Alle in dieser Zeitschrift veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich // DTP-Typometer 2.0 – mit US- und DIN-Formaten.
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werden. Warennamen werden ohne Gewährleistung der freien Verwend-
barkeit benutzt. Gerichtsstand ist München.

Mitglied der Informationsgemein-


schaft zur Feststellung der Verbreitung
von Werbeträgern e. V. (IVW)
146 page 07.14 › Sieberts Betrachtungen

Zeit, was
zu tun
Kühne Kommentare von Jürgen Siebert zu Trends, Ereignissen
und dem ganz normalen Alltagswahnsinn eines Kreativen

● Täglich schalten wir unseren Compu­ ren Worten (und wer Ivo kennt, wird das
ter ein. Sein makelloser Bildschirm ver­ bestätigen): Er sieht Edward Snowden
mittelt Transparenz, Übersicht, Funktio­ zum Verwechseln ähnlich. Genau das
nalität. Doch was hinter der Oberfläche muss auch die biometrische Analyse sei­
geschieht, liegt im Verborgenen. Wer au­ nes Porträtfotos ergeben haben, das die
ßer uns die eingetippten Informationen US­Behörden von jedem Einreisenden
über Bestellungen, Zahlungen, Freunde anfertigen lassen.
und Vorlieben liest, speichert und auswer­ Es geht schon lange nicht mehr nur
tet, wissen wir nicht. um das Internet, diesem blank geputzten
Seit Edward Snowdens Enthüllungen Fenster zur digitalen Welt, das wir jeden
können wir es uns jedoch ausmalen. Wo­ Morgen öffnen. Es geht um die Vernet­
bei Snowden die Büchse der Pandora erst zung von Daten, die überall erfasst wer­
ein bisschen geöffnet hat. Das große Ent­ den: Telefonverhalten, Bewegung im öf­
setzen kommt erst noch. Nicht nur Bür­ fentlichen Raum, Stimmanalyse (Skype,
gerbeziehungen wurden entflochten, auch Siri), Kaufverhalten, Fahrzeugnavigation
Politiker, Anwälte, Journalisten und Ver­ (Google Maps) und vieles mehr. Big Data
fassungsrichter sind das Opfer der digi­ verknüpft das alles zu einem (un)ver­
talen Durchleuchtung. Alle Spuren laufen wechselbaren Profil.
auf eine Totalüberwachung hinaus. Der Die pauschale Überwachung ist ein
US­Geheimdienst hat essenzielle Kom­ Machtmissbrauch und eine Beleidigung
ponenten der Internetinfrastruktur un­ für jeden Bürger. Daran hat uns Sascha
ter seiner Kontrolle, was Wirtschaftsspio­ Lobo auf der Berliner re:publica Anfang
nage im großen Stil erlaubt. Mai noch mal erinnert. Er warf der Netz­
Immer wieder behaupten Regierun­ gemeinde Versagen vor. Nichts habe sich
Unser Kolumnist Jürgen Siebert
gen und Behörden, dass uns Kamerabil­ seit Snowden verändert. Den Deutschen
fühlt sich totalüberwacht der, Vorratsdaten und das Durchschnüf­ sei die Bekassine, ein bedrohter Vogel,
feln des Netzes vor Krieg und Terror wichtiger als das Internet. Der Landes­
schützen. Gemessen an dem Milliarden­ bund für Vogelschutz in Bayern erwirt­
Dollar­Aufwand, mit dem NSA und ande­ schafte mit seinen rund 120 Mitarbeitern
re Dienste ihr Werk tun, sind die Fahn­ mehr Spenden als jede Netzinitiative. Lo­
dungserfolge kaum der Rede wert. Auch bo: »Den aktuellen Kampf für die Fest­
über Pannen, Fehler oder Verwechslun­ schreibung der Netzneutralität im Euro­
gen bei Big Data wird kaum berichtet. paparlament haben zwei fest Angestellte
Was ist bloß mit den Medien los? aus Deutschland und Österreich geführt,
Dabei kommen die Einschläge immer weil Vereinen wie der Digitalen Gesell­
näher. Jüngst wurde mein Kollege Ivo auf schaft das Geld dafür fehlt.« Petitionen
dem Weg zu einer Designkonferenz in und Klicks aus dem heimischen Sessel
San Francisco von US­Einreise­Beamten reichten eben nicht aus.
zum einstündigen Verhör gebeten. Nie­ Lobby­Arbeit für das Internet ist kein
mand hat ihm verraten, was der Grund Hobby mehr. Da es keinen anderen Weg
für das Herausfischen an der Grenze war. als über die Politik gibt, um hier etwas zu
Nun muss man wissen, dass Ivo, gebo­ erreichen, müssen wir uns dieser zuwen­
ren 1979, Brillenträger ist und einen kon­ den. Auch mancher Designer sollte ange­
turierten 5­Tage­Bart trägt. Sein Haar ist sichts der drohenden Totalüberwachung
dunkelblond, seine Gesichtszüge wür­ seine Komfortzone verlassen. Nutzt ei­
den in einer Bilddatenbank mit »caucasi­ nen Teil der Zeit, die euch die digitale
an« verschlagwortet sein, ein Synonym Technik schenkt, um für deren Freiheit
für Europäer oder hellhäutig. Mit ande­ zu kämpfen!
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