Staatsrecht
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sich versammelnd und mit dem Landesherrn auf dem Fuße der
Gleichberechtigung verhandelnd, ihm unterworfen nur soweit fie
fich ihm freiwillig unterworfen, durch Lehnsvertrag zur Heeres.
folge, durch Bewilligung der von ihm erbetenen und deshalb so
genannten Bede zu finanzieller Unterstützung verpflichtet haben;
wohl gar durch eigene Gesandte mit auswärtigen Mächten ver-
handelnd und die Politik des Landesherrn durchkreuzend. Die
anarchische Zweiherrschaft des ständischen Staates führt not-
wendig zu einem steten Kampfe um die Alleinherrschaft, und
während im alten Reiche die Reichsſtände, die Landesherren,
Sieger bleiben und das Kaiſertum zur Bedeutungslosigkeit herab.
drückten, gelang es eben diesen Landesherrn, wie schon viel
früher den franzöſiſchen Königen, sich wie nach außen dem Kaiſer,
so auch nach innen ihren Landſtänden gegenüber die Souverä.
nität zu erobern. Zum Motto dieser erfolgreichen Kämpfe ist
uns Friedrich Wilhelms I. Kraftwort geworden: „Ich komme
zu meinen Zweck und stabiliere die Souveränität und ſeße die
Krone fest wie einen Rocher von Bronze und laſſe die Herren
Junker den Wind vom Landtage." Es war die Miſſion des
absoluten Staates, in Gestalt der Souveränität des Fürsten die
Souveränität des Staates, die Einheit der Staatsgewalt, den
Staat im modernen Sinne allererst zu schaffen. Aber schon auf
dem Boden des absoluten Staates bahnt sich eine Entwicklung
an, die über ihn hinausführen mußte. Zwei Königsworte, Lud.
wigs XIV. Ausspruch L'Etat c'est Moi und derjenige Friedrichs
des Großen, der Fürst sei nur der erste Diener des Staates,
markieren den Ausgangs- und den Endpunkt eines Weges, der
von der Auffassung der Krone als eines Rechtes zu der Auf-
faſſung der Krone als eines Amtes, von der Auffaſſung des
Herrschers als Eigentümer des Staates zu der Auffassung des
Herrschers als Organ des Staates geführt hat. Die Organ-
stellung des Fürſten einmal erkannt, mußte nun aber eine indi-
vidualistische Staatslehre sofort fragen, warum denn er die indi-
viduellen Interessen, in deren Dienst er somit stehe, besser kennen
und wahren können solle als die Träger dieser Interessen selbst,
warum nicht, was für das Volk, am besten auch durch das Volk
geschehe, und eine Beteiligung von Volksvertretungen an der
staatlichen Willensbildung verlangen.
Dieser konstitutionelle Gedanke fand in Montesquieus „Ges
waltenteilungslehre" (Geist der Gesetze, 1748) die Fassung, in