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Staatsrecht
Athene gepanzert dem Haupte des Zeus entsprang, so taucht der
Staat, von Anbeginn angetan mit der Rüſtung des Staatsrechts,
aus der Tatsächlichkeit des geschichtlichen Lebens empor, um
dann allem andern Rechte das Leben zu geben; ein Leben, das
notwendig die Züge seines Erzeugers, des Staates und des
Staatsrechts, erben wird.
Dem deutschen Staatsweſen unſerer Zeit wurden seine cha-
rakteristischen Züge durch die Lösung zweier Probleme aufgeprägt,
die ihm das vergangene Jahrhundert gestellt hatte: des konsti-
tutionellen und des nationalen Problems. Jenes wurde zuerſt
in den deutschen Einzelstaaten, dieses sodann durch ihre Zu-
ſammenfassung zum Deutschen Reiche gelöst.
Wenn wir im alten deutschen Reich neben dem Kaiser den
Reichstag, in seinen Territorien neben dem Landesherrn die
Landstände an der Staatsleitung beteiligt finden, so liegt für den
Unkundigen die Versuchung nahe, in dieſem ſtändiſchen Staate
den unmittelbaren Ursprung der für den konstitutionellen Staat
charakteristischen Volksvertretungen zu suchen. Nun ist zwar in
der Tat in England die konstitutionelle Volksvertretung durch
Umbildung der alten Reichsstände, und eben deshalb viel früher
als auf dem Kontinente, entstanden; in der kontinentalen Ent-
wicklung schaltet sich dagegen zwischen den alten ständischen und
den heutigen konstitutionellen Staat die Zwischenstufe des abso=
luten Staates ein. Es galt nämlich vom ständischen zum kon-
ſtitutionellen Staate nicht etwa nur den einen Schritt zu tun,
die Landstände aus Interessenvertretungen bloß der bevorzugten
Klaſſen, des Adels und der Geistlichkeit, zu Vertretungen des
ganzen Volkes zu machen; es galt vielmehr, bevor man den
Gedanken des konstitutionellen Staates faſſen konnte, erſt
einmal überhaupt den Staatsgedanken durchzuführen. Zum
Wesen eines normalen Staates fordert man nämlich, daß er
souverän, die höchste Macht auf Erden sei, keine Macht über
ſich und in seinem Gebiete keine Macht neben sich dulde. So
betrachtet, erscheint uns aber der ständische Staat, wenn über-
haupt noch als ein staatliches Gebilde, als eine Zweiheit mit-
einander verwachsener oder ineinander verbiffener Staaten: auf
der einen Seite der Landesherr, unbeschränkt herrschend aber
nur auf seinem Domanium; auf der andern Seite die Stände
mit fast ebenso unbeschränkter Herrschaft über ihre Hinterſaſſen,
sie besteuernd, richtend, zur Heeresfolge aufbietend; ungerufen