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Recht
rechtlichen Rechtskritik sofort jegliche wissenschaftliche Rechtskritik
verwarf, dem 20. Jahrhundert doch die Erkenntnis hinterlassen,
daß das richtige Recht" (Stammler) von Volk zu Volk, von
Zeitalter zu Zeitalter verſchieden ſei, ja, je nach Weltanschauung
und politischem Standpunkt von Mensch zu Mensch verſchieden
aufgefaßt werde.
Der junge Rechtsbeflissene pflegt zwei geschichtliche Vorlesungen
über das deutsche Recht zu hören: „Deutsche Rechtsgeschichte"
und Rechtsentwicklung in Preußen“, die Rechtsgeschichte des
alten Deutschen Reichs und die Rechtsgeschichte desjenigen deut-
schen Einzelstaates, der das neue Deutſche Reich schuf. Jene eine
Rechtsentwicklung in absteigender, diese eine Rechtsentwicklung
in aufsteigender Linie. Das alte Reich verfällt, wie ein altes
Schloß allmählich verfällt, allmählich von Efeu umsponnen
wird und mit ſeinen leeren Fenſtern und geborſtenen Türmen
immer malerischer, immer poetischer wird, aber auch immer un-
brauchbarer, um darin zu wohnen; und vor diesem Ideal ge
wohnheitlicher Rechtsbildung verweilt in ergriffener Betrachtung
die historische Rechtsschule, die man auch die romantische nennen
kann. Aus dem Schoße des sterbenden Reichs aber hat sich
ein neues Leben losgerungen: die deutschen Territorien, insbe
sondere Brandenburg - Preußen. Hier verließ man sich nicht
auf die Weisheit des Volksgeistes, die inneren, ſtillwirkenden
Kräfte der Weltgeschichte, den Trieb, der sich in seinem dunklen
Drange des rechten Weges schon bewußt sein werde; hier, auf
dem den Wenden abgerungenenen Kolonialboden, herrschte ein
dem amerikanischen ähnlicher Geist, herrschten bewußte Zwecke
und energische Mittel. Das war weniger poetisch, weniger
romantisch, weniger ſympathisch, vielmehr, im Geiſt der frideri-
zianiſchen Aufklärung, nüchtern, klar, „ſchneidig“; aber das Re-
ſultat war ein neues Reich, das seinerseits in der kurzen Zeit
seines Bestehens mehr Geseze gemacht hat, als das alte Reich
in einem ganzen Jahrtausend. So urteilt die Geschichte über
die geschichtliche Rechtsschule"!
Ihr Haupt war Friedrich Karl v. Savigny (1779—1861).
Als 1814 der Patriotismus der Befreiungskriegszeit nach der
Beseitigung der Fremdherrschaft des französischen Eroberers auch
die Beseitigung der Fremdherrschaft des römiſchen Rechts durch
ein deutsches bürgerliches Gesetzbuch forderte, sprach er, die ge
wohnheitliche Rechtsfortbildung verherrlichend, seiner, im Grunde