Recht
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Kräfte, nicht durch die Willkür eines Gesetzgebers“ (Savigny)
will man auf der einen Seite das Recht fortgebildet wiſſen; „der
Zweck ist der Schöpfer des ganzen Rechts" (Jhering), tönt es
von der andern Seite. Während der Liberalismus, den deut-
lichen Maßstab der Einzelintereſſen in der Hand, immer zu ver
urteilender Kritik und gesetzgebrischer Reformarbeit bereit ist,
wird der Konservatismus, nach deſſen Anſicht das Recht einem
über die Einzelinteressen erhabenen und deshalb für die Ein.
zelnen verhüllten Ziele zugewandt ist, die Fortbildung des Rechts
der begrenzten Willkür der Individuen entziehen und der trieb.
mäßigen Unbewußtheit des Rechtsgefühls vorbehalten wollen,
die, weil sich in ihr die Vernunft des überindividuellen Ganzen,
des Volkes und somit Gottes Stimme, ankündigt, höher ist denn
alle Einzelvernunft; wie nach vitalistischer Ansicht der Organis
mus nicht durch das Zusammenwirken atomistischer Einzelkräfte,
sondern durch die „Lebenskraft“ des Ganzen aufgebaut wird, so
soll auch das Recht der Sprache gleich nicht der indivi
duellen Vernunft der Einzelnen, sondern dem in oder über den
Einzelnen waltenden „Volksgeist" in gewohnheitsrechtlicher Form
entspringen. Diese konservative Lehre hat zu derselben Zeit, die
den Vorrang des Volkslieds vor dem Kunstliede betonte, der
Zeit der Romantik, in der „historischen Rechtsschule" die Gestalt
einer wiſſenſchaftlichen Richtung angenommen und ſo das 19. Jahr-
hundert fast ganz beherrscht. Sie hat freilich nicht verhindern
können, daß dieses Jahrhundert, das Gewohnheitsrecht immer
mehr verdrängend, eine gesetzgeberiſche Tätigkeit entfaltete, wie
keines vor ihm, wohl aber bewirkt, daß die Rechtswissenschaft
an ihr weniger Anteil nahm, als billig, daß sie, versenkt in die
Zubereitung des jeweils geltenden Rechts für den Richter oder
wohl gar in die Erforschung längst vergangenen Rechts, ihre
zweite Aufgabe: durch Beurteilung des geltenden und Aufſtellung
eines richtigeren Rechts dem Gesetzgeber den Weg zu weiſen,
außer Acht ließ. Das 20. Jahrhundert scheint darin seinem
Großvater ähnlicher werden zu wollen, mit einem wichtigen
Unterschiede: Während nämlich das 18. Jahrhundert einen für
alle Zeiten und alle Völker gültigen Maßstab für die Beurtei-
lung und Umformung des Rechts zu beſitzen glaubte, ein „Natur-
recht", das, einmal wissenschaftlich erkannt und gesetzgeberisch
anerkannt, seine Geltung überall für immer bewahren müsse,
hat die historische Schule, die freilich zu Unrecht mit der natur-
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