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Das Dokument diskutiert den Gegensatz zwischen individualistischen und staatsphilosophischen Ansichten, wobei betont wird, dass der Wert des Staates von den Individuen abhängt. Der Konservatismus sieht den Staat als überindividuell und autoritär, während der Liberalismus die Würde des Staates aus den Rechten und Interessen der Einzelnen ableitet. Diese unterschiedlichen Philosophien spiegeln sich in den politischen Parteien und Klasseninteressen wider.

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Recht
der Individualität, technische Maßregeln nüchternſter Zweck-
mäßigkeit, notwendige Übel, und, wenngleich auch der Indivi-
dualismus sein Pathos der Absolutheit hat, so liegt doch dieses
anderswo, als auf Recht und Staat: auf der Individualität, also
diesseits oder jenseits des Staatsgedankens: „Dort, wo der Staat
aufhört, da beginnt erst der Mensch, der nicht überflüssig ist; da
beginnt das Lied vom Notwendigen, die einmalige und unersetz.
liche Weise" (Nietzsche-Zarathustra).
Dieser Gegensatz der staatsphiloſophiſchen Anschauungen heiſcht
von uns nicht eine Entscheidung, sondern eine Stellungnahme:
der Verſtand und die Wiſſenſchaft muß vor ihm verstummen,
allgemeingültige Wahrheit gibt es hier nicht, nur der durch
Selbstbesinnung aus der Tiefe der Persönlichkeit geschöpfte Wille
kann, verschieden von Mensch zu Mensch, die Wahl treffen; was
für eine Philoſophie man wähle, hängt davon ab, was für ein
Mensch man ist, sagt ein berühmtes Wort.
Es könnte auch sagen: was für einer Partei man beitrete;
denn der Kampf der politischen Parteien ist die sichtbare Außen.
seite jenes Gegensatzes der staatsphilosophischen Systeme. Auch
in unseren Tagen ſchimmert durch den Gegensatz der Klaſſen.
intereſſen, zu deſſen Organiſation ſich das Parteienwesen immer
mehr umbildet, doch noch häufig genug jener Gegensatz der
Staatsideale hindurch. Die Lehre vom überindividualiſtiſchen
Eigenwert des Staates hat der letzte bedeutende Rechtsphilosoph,
Friedrich Julius Stahl (geſt. 1861), der konservativen Partei zu-
grunde gelegt. Die Erhabenheit der Staatsaufgaben über die
Interessen auch der Mehrheit der Staatsglieder, den Gedanken
der Autorität zu betonen und durch staatliche Machtentfaltung
nach innen wie nach außen darzustellen, ist deshalb ihr Wesen.
Dem Autoritätsgedanken der konservativen Staatsauffaſſung ſtellt
der Liberalismus die individualistische Lehre gegenüber, daß der
Staat alle seine Würde von den einzelnen Menschen zu Lehen
trage, daß er keinen anderen Wert beanspruchen dürfe als den,
welchen er für die Individuen habe. In den Interessen der
Individuen hat er einen in der Erfahrung gegebenen Maßstab,
an dem er Wert und Unwert der bestehenden Staatseinrichtungen
mißt, und wird so zum Träger der Kritik und der Reform, zur
,,Fortschrittspartei", während der Konservatismus, unfähig den
überindividualiſtiſchen und deshalb überempirischen Maßstab für
den Wert der Staatseinrichtungen vom Himmel herabzuholen,

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