German Stepanowitsch Titow – Wikipedia [Link]
org/wiki/German_Stepanowitsch_Titow
Inhaltsverzeichnis
1 Leben
1.1 Auswahl als Kosmonaut
1.2 Wostok 1
1.3 Wostok 2
1.4 Ruhm und Eskapaden
1.5 Planungen für Sojus und Woschod
1.6 Studium
1.7 Spiral
1.8 Nach der Pilotenkarriere
2 Literatur und Presse
3 Besonderheiten und Rekorde
4 Ehrungen und Auszeichnungen
5 Siehe auch
6 Weblinks
7 Einzelnachweise
German Stepanowitsch Titow
German Stepanowitsch Titow (russisch
Герман Степанович Титов, wiss. German Titow
Transliteration German Stepanovič Titov; *
11. September 1935 in Werchneje Schilino,
Krai Westsibirien, heute Region Altai; † 20.
September 2000 in Moskau, Russland) war
ein sowjetischer Kosmonaut und der zweite
Raumfahrer, der eine Erdumlaufbahn
erreichte.
1995
Land Sowjetunion
Leben Organisation PWO
Rufzeichen Орёл (Orjol - „Adler“)
ausgewählt 7. März 1960
Auswahl als Kosmonaut (Erste Kosmonautengruppe)
Schon als Kind wollte German Titow Pilot Einsätze 1 Raumflug
werden, wie sein Onkel. Er trat im Juli 1953 im Start 6. August 1961
Alter von 17 Jahren den sowjetischen Landung 7. August 1961
1 von 7 19.06.2025, 18:35
German Stepanowitsch Titow – Wikipedia [Link]
Luftstreitkräften bei und absolvierte bis 1955 Zeit im Weltraum 1d 1h 18min
die Fliegerschule in Kustanai. Ab 1957 diente ausgeschieden Juni 1970
er als Strahlflugzeugpilot in der sowjetischen Raumflüge
Armee.
Wostok 2 (1961)
Als im Sommer 1959 Kosmonauten für das
anstehende bemannte Raumfahrtprogramm
der Sowjetunion gesucht wurden, war Titow einer der 3.000
Militärpiloten, die den Mindestkriterien entsprachen. Er
bestand alle Prüfungen und war ab März 1960 Mitglied der
ersten Kosmonautengruppe, die aus 20 jungen Männern
bestand.
Wostok 1
Titow war unter den sechs Piloten, die im Januar 1961 in die
engere Wahl für den ersten Raumflug genommen wurden. Bei
den mündlichen und schriftlichen Prüfungen am 17. und 18.
Januar 1961 erzielte er zusammen mit Juri Gagarin die besten Titow in Leipzig, Briefmarke der
Ergebnisse. Am 4. April wurde offiziell bestätigt, dass der erste DDR von 1961
Raumfahrer der Sowjetunion unter den drei Kandidaten Titow,
Gagarin und Neljubow ausgewählt würde. Titow erfuhr am 9.
April, dass man sich am Vortag für Gagarin entschieden hatte
und er als Ersatzmann nominiert wurde.
In den nächsten Tagen hielt er sich stets bereit, für Gagarin
einzuspringen, falls dieser aus irgendeinem Grund kurzfristig
ausfallen sollte. Das war jedoch nicht der Fall, und so wurde
Gagarin am 12. April 1961 mit Wostok 1 der erste Mensch, der
eine Reise ins Weltall unternahm. Titow im Raumschiff Wostok 2
Wostok 2
Als Ersatzmann für Wostok 1 war Titow automatisch als
Besatzung für Wostok 2 gesetzt. Unter dem Rufzeichen Orjol
(Adler) startete er am 6. August 1961 mit dem Raumschiff
Wostok 2 zum zweiten bemannten orbitalen Raumflug der
Geschichte. Der Flug verlief technisch ohne Probleme und er
konnte, anders als Gagarin während seines Fluges, sogar die
Steuerung des Raumschiffs übernehmen. Zeitweise litt er jedoch
Titow erhält von Walter Ulbricht
unter der bis dahin völlig unbekannten Raumkrankheit und den Karl-Marx-Orden
musste sich übergeben. Zum Zeitpunkt des Starts war er erst 25
Jahre und 11 Monate alt und hielt damit bis 2021 den Rekord als
jüngster Raumfahrer, als der 18-jährige Oliver Daemen an dem Suborbitalflug Blue Origin
NS-16 teilnahm. Titow bleibt jedoch weiterhin die jüngste Person im Erdorbit.
Nach über 24 Stunden Flugzeit kehrte Wostok 2 zur Erde zurück. Wie Gagarin verließ Titow die
Landekapsel in etwa 7000 Meter Höhe mit dem Schleudersitz und landete am Fallschirm. Im
Gegensatz zu Gagarin wurde dies jedoch auch offiziell mitgeteilt. Nach Gagarin sowie den
2 von 7 19.06.2025, 18:35
German Stepanowitsch Titow – Wikipedia [Link]
beiden suborbitale Flüge absolvierenden NASA-Astronauten
Alan Shepard und Virgil Grissom war Titow der vierte Mensch
im Weltall.
Am 9. August 1961 wurde ihm der Orden Held der Sowjetunion
verliehen. Als die sowjetische Raumfahrtbehörde nach einigen
Monaten beim internationalen Luftfahrtverband, der Fédération
Aéronautique Internationale (FAI) den Weltrekord für den
längsten Raumflug beantragte, wurde dies abgewiesen. Nach Titow und Ulbricht auf der Fahrt
den Regeln der FAI musste der Pilot zusammen mit dem durch Berlin
Fluggerät landen. Da Titow aber Schleudersitz und Fallschirm
benutzte, wurde John Glenns Flug vom 20. Februar 1962 mit
Mercury-Atlas 6 mit einer Dauer von knapp fünf Stunden als
Rekord anerkannt.
Ruhm und Eskapaden
Nach seiner Rückkehr wurde Titow augenblicklich ein
Nationalheld, dem Verehrung in jeder Form entgegengebracht
wurde. German Titow (rechts) mit
Präsident John F. Kennedy.
Er genoss den Ruhm und die Privilegien, die er erhielt, brachte Links: Astronaut John Glenn
sich aber immer wieder durch unangemessenes Verhalten in
Schwierigkeiten. Er verursachte mehrere Autounfälle, betrank
sich in der Öffentlichkeit und beleidigte hohe Militärs. Nur sein Status als Kosmonaut bewahrte
ihn vor den Konsequenzen.
Vom 29. April bis zum 12. Mai 1962 war er zusammen mit Nikolai Kamanin, dem Leiter der
Kosmonautenausbildung, zu einem offiziellen Besuch in den USA, wo sie Präsident Kennedy
und Vizepräsident Johnson sowie NASA-Größen wie Wernher von Braun trafen. Astronaut
John Glenn zeigte ihnen die Redstone-Rakete und das Mercury-Raumschiff, außerdem lud er
sie zu einer Grillparty zu sich nach Hause ein. Auf der Weltausstellung in Seattle konnten Titow
und Kamanin die Weltraumexponate im USA-Pavillon besichtigen. Überall wurden sie herzlich
empfangen. Bezeichnend für die Beziehung der amerikanischen Öffentlichkeit zu Titow war ein
Transparent, das er entdeckte, als er die Ford-Werke in New Jersey besichtigte: „Titow: Ja! -
UdSSR: Nein!“.
Aus der Sicht der sowjetischen Funktionäre hatte er sich besser als erwartet verhalten und war
bei den acht Reden und 20 Pressekonferenzen nicht von der offiziellen Linie abgewichen.
Zurück in der Sowjetunion fiel er jedoch wieder durch Disziplinlosigkeit auf. Auch hatte er
einen schlechten Einfluss auf seine Ausbildungskameraden – manche der Kosmonauten, die
noch keinen Raumflug absolviert hatten, schlugen ebenfalls über die Stränge und beriefen sich
anschließend auf sein Beispiel.
Kritisch für Titow wurde es, als im März 1963 eine Mappe mit geheimen Dokumenten und
Zutrittspässen aus seinem Auto verschwand. Koroljow, der Leiter des sowjetischen
Raumfahrtunternehmens, stellte ihm neue Pässe aus, machte ihm aber klar, dass er bei einem
erneuten fahrlässigen Verlust ins Gefängnis käme.
3 von 7 19.06.2025, 18:35
German Stepanowitsch Titow – Wikipedia [Link]
Planungen für Sojus und Woschod
Ab Februar 1964 stand Titow einer von vier Ausbildungsgruppen vor, die sich für den Flug mit
dem neuen Sojus-Raumschiff vorbereiten sollten. Ihm wurden Schatalow, Scholobow und Irina
Solowjowa, die Ersatzfrau von Wostok 6, zugeteilt. Gleichzeitig war er aber auch noch als
Kommandant für den anstehenden Flug von Woschod 1 im Gespräch, wurde aber aufgrund
seiner Disziplinlosigkeit wieder von der Liste gestrichen.
Studium
Im Gegensatz zur US-Astronautengruppe, die aus erfahrenen Testpiloten mit
Hochschulabschluss bestand, waren die sowjetischen Raumfahrer relativ junge Jetpiloten. Der
Leiter der Kosmonautenausbildung sah es deshalb als notwendig an, dass die Kosmonauten
parallel zu ihrer Raumfahrtausbildung ein Studium an der Militärakademie für Ingenieure der
Luftstreitkräfte „Prof. N. J. Schukowski“ betrieben.
Spiral
Ab Juli 1965 stand Titow einer Gruppe von Kosmonauten vor, die für den neuen
wiederverwendbaren Raumgleiter Spiral ausgebildet werden sollten. Außer ihm gehörten in
wechselnder Besetzung noch vier bis fünf andere Kosmonauten zur potentiellen Spiral-
Besatzung. In der Flugschule „Waleri Pawlowitsch Tschkalow“ wurde er 1967 zum Testpilot
ausgebildet. Er war durch diese Aufgabe neu motiviert und genoss es, auf dem
Luftwaffenstützpunkt Wladimirowka Flugzeuge der Typen MiG-21, Su-7 und Su-9 zu fliegen.
Kamanins Angebot vom März 1967, in das sowjetische Mondprogramm einzusteigen, lehnte er
ab. Er sah seine Zukunft eher als Testpilot.
Das Spiral-Projekt stellt sich jedoch als undurchführbar heraus. Zudem wurden ihm 1969 aus
disziplinarischen Gründen für zwei Jahre Führerschein und Flugschein entzogen, außerdem
wurden ihm repräsentative Reisen ins Ausland verweigert. In den neun Jahren als Kosmonaut
hatte er zehn Disziplinarvergehen. Titow sah somit für sich keine Zukunft mehr als aktiver Pilot.
Nach der Pilotenkarriere
Am 17. Juli 1970 verließ Titow das Kosmonautenkorps. Er war zu diesem Zeitpunkt erst 34
Jahre alt. Er schrieb sich an der Militärakademie Woroschilow ein, die er 1972 mit einem
Diplom in Militärwissenschaft verließ.
Anschließend arbeitete er im Raumfahrtbereich des Verteidigungsministeriums der
Sowjetunion, zuerst als stellvertretender Leiter der Bodenstation in Monino, von wo aus die
militärische Raumstation Saljut 3 gesteuert wurde.
Zwischen 1973 und 1979 leitete er die Entwicklung und Fertigung mehrerer militärischer
Raumfahrtsysteme.
Im Jahr 1991 schied er im Range eines Generalobersts aus dem aktiven Dienst der Armee aus
und erreichte damit den höchsten militärischen Rang unter den Kosmonauten der Sowjetunion
bzw. Russlands. Anschließend wurde er Präsident der Firma Kosmoflot, die unter anderem
Komponenten für das COSPAS-SARSAT-Satellitensystem herstellte.
4 von 7 19.06.2025, 18:35
German Stepanowitsch Titow – Wikipedia [Link]
Bereits 1961 wurde er aufgrund seines erfolgreichen Raumflugs ohne die übliche Kandidatenzeit
Mitglied der KPdSU. Nach Gründung der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation
(KPdRF) im Jahr 1993 wurde er deren Mitglied und wurde bei den Parlamentswahlen im
gleichen Jahr erstmals in die Duma gewählt. Dort arbeitete er in den Komitees (Ausschüssen)
für Konversions- und wissenschaftsintensive Technologien sowie für Industrie, Bau, Verkehr
und Energie mit. Bei den Wahlen 1995 und 1999 verteidigte er sein Mandat.[1]
Titow war mit Tamara Tscherkas verheiratet und hatte zwei Töchter. Tatjana wurde am 23.
September 1963 als erstes Kind eines Raumfahrers geboren. German Titow starb am 20.
September 2000 in seiner Sauna. Als Grund wurden eine Kohlenmonoxidvergiftung[2] bzw. ein
Herzinfarkt[3] genannt. Er wurde am 25. September mit militärischen Ehren auf dem
Nowodewitschi-Friedhof in Moskau beigesetzt.[4]
Literatur und Presse
Titow war einer der ersten Kosmonauten, die US-Journalisten ausführliche Interviews gaben.
Aus den Niederschriften von Wilfred Burchett und Anthony Purdy schuf der US-Autor Martin
Caidin 1962 die Biografie I Am Eagle!. Dies war in der westlichen Welt für lange Zeit die einzige
frei erhältliche Informationsquelle über die sowjetische Raumfahrt. Nach seinem
Hochschulabschluss war er Redaktionsmitglied von Awiatsija i Kosmonawtika, der
monatlichen Fachzeitschrift der sowjetischen Luftwaffe. Er war Mitautor von verschiedenen
sowjetischen und westlichen Veröffentlichungen und wurde oft von westlichen Journalisten
interviewt.
Er ist unter anderem Autor der Bücher A Million Miles in Orbit (1961), My Blue Planet (1977),
Conversations with Cosmonauts of the USSR (1983) und On Starry and Earthly Orbits (1987).
Besonderheiten und Rekorde
Vierter Mensch im Weltraum, zweiter Mensch in der Erdumlaufbahn. Die gelegentlich zu
findende Aussage, Titow sei der zweite Mensch im Weltraum gewesen, rührt daher, dass
„im Weltraum“ mit „in einer Erdumlaufbahn“ gleichgesetzt wurde, also mit dem Erreichen der
Kreisbahngeschwindigkeit. Der heute offizielle „zweite Mensch im Weltraum“, Alan Shepard,
konnte mit seiner Rakete nur etwa die Hälfte der für einen Orbitalflug nötigen
Geschwindigkeit erreichen, jedoch wurde später „im Weltraum“ mit dem Erreichen einer
bestimmten Flughöhe definiert.
Bis 19. Juli 2021 jüngster Mensch im Weltraum[5]
Bisher jüngster Mensch in einer Erdumlaufbahn
Erster Flug über mehr als 24 Stunden im Weltraum
Erster Flug mit mehr als einer Erdumrundung im Weltraum
Vater des ersten Kindes eines Raumfahrers
Ehrungen und Auszeichnungen
German Titow bekam viele Auszeichnungen auch aus dem kommunistischen Ausland und war
5 von 7 19.06.2025, 18:35
German Stepanowitsch Titow – Wikipedia [Link]
unter anderem zweifacher Träger des Leninordens und Träger des Leninpreises. Außerdem
wurde er als Held der Sowjetunion, Held der Volksrepublik Bulgarien, Held der Sozialistischen
Republik Vietnam und Held der Mongolischen Volksrepublik ausgezeichnet. Nach ihm sind der
Asteroid (13010) Germantitov, ein Mondkrater auf der erdabgewandten Seite und eine Insel
(Đảo Ti Tốp ▼) in der Halong-Bucht in Vietnam benannt.
In der DDR wurden Schulen nach ihm benannt.[6]
Seit 1969 ist er Ehrenbürger von Leipzig.[7]
Siehe auch
Sowjetische Raumfahrt
Liste der Raumfahrer
Rekorde der bemannten Raumfahrt
Weblinks
Commons: German Titow ([Link]
erman_Titov?uselang=de) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Literatur von und über German Stepanowitsch Titow ([Link]
d=simpleSearch&query=118622943) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
German Stepanowitsch Titow ([Link] in der Encyclopedia
Astronautica (englisch)
Interview mit German Titow aus dem Jahre 1999 ([Link]
ml##4) (englisch)
Interview aus dem Jahr 1961 mit Dr. Hermann Kurzweg von der NASA über den Flug des
Sowjet-Kosmonauten German Titow ([Link]
6-00000F4C-0913B7E6//) im Online-Archiv der Österreichischen Mediathek
Einzelnachweise
1. Александр Петров. Герман Титов: каким он был? ([Link]
2. Kosmonautenbiographie: German Titow. ([Link]
n/titov_german.htm) [Link], 12. Juli 2009, abgerufen am 16. November 2013.
3. "Titov, second to orbit Earth, dies". ([Link]
collectSPACE, 21. September 2000, abgerufen am 16. November 2013 (englisch).
4. [Link]: Das Grab von German Titow ([Link]
5. Weltraumtourismus: Jeff Bezos wieder auf der Erde gelandet – Ein Mal Weltraum und
zurück - Panorama. ([Link]
[Link]) In: [Link].
21. Juli 2021, abgerufen am 6. August 2021.
6. Nina Schirmer: Das große Wiedersehen – Am 3. März sind 29 Jahrgänge aus elf Schulen
zum Radebeuler Klassentreffen in den Wasapark eingeladen. ([Link]
[Link]) In: [Link]. 1. Februar 2018, abgerufen am
8. September 2024.
7. Übersicht über die Leipziger Ehrenbürger ([Link]
6 von 7 19.06.2025, 18:35
German Stepanowitsch Titow – Wikipedia [Link]
p://[Link]/de/buerger/politik/auszeichnung/[Link])
(Memento vom 13. November 2010 im Internet Archive) auf [Link] (Titow
wird unter Nummer 82 geführt), abgerufen am 30. Juli 2012
Normdaten (Person): GND: 118622943 | LCCN: n83149291 | NDL: 00526784 | VIAF:
51662650 |
Abgerufen von „[Link]
7 von 7 19.06.2025, 18:35