d2 Aufmerksamkeits-Belastungs-Test
GK-Diagnostik (SS2009)
1 Allgemeine Informationen
Test d2 Aufmerksamkeits-Belastungs-Test
Rolf Brickenkamp
9., überarbeitete und neu normierte Auflage
Hogrefe-Verlag, Göttingen 2002
1. Auflage des Test d2 erschien im Jahr 1962. Heute liegt er in deutscher, englischer, französischer,
polnischer, portugiesischer, dänischer und tschechischer Sprache vor.
Der Test d2 kann sowohl als Ein ze l - al s au ch al s G r u ppe n te st durchgeführt werden.
Es handelt sich beim Test d2 um einen D u r ch str e ich te st, der der Kategorie der al l ge m e in e n
L e istu n gste sts angehört.
Charakteristisch für allgemeine Leistungstest ist, dass sie ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und
Konzentration erfordern, jedoch möglichst keine speziellen Fähigkeiten oder Fertigkeiten erfordern.
Beim Test d2 handelt es sich um einen Speedtest.
Der Test d2 gilt derzeit als das am meisten benutzte Verfahren zur Messung der Aufmerksamkeits- und
Konzentrationsleistung (Brambring, 1980).
1.1 Messintention
Test d2 ist ein Aufmerksamkeits-Belastungs-Test, mit dem die individuelle Aufmerksamkeits-
und Konzentrationsfähigkeit einzelner Personen gemessen werden soll.
Dies geschieht über die Erfassung des Tempos und der Sorgfalt des Arbeitsverhaltens bei der
Unterscheidung ähnlicher visueller Reize (Detail-Diskrimination)
Wichtig: Es sollen möglichst keine speziellen Fertigkeiten und Fähigkeiten erforderlich sein bzw. das
Ergebnis beeinflussen (= Allgemeiner Leistungstest).
1.2 Anwendungsbereiche / Zielgruppe
Verkehrspsychologie
Bsp. Fahreignung von Berufskraftfahrern
Arbeits-, Betriebs- & Organisationspsychologie
Bsp. Berufsberatung, Personalauswahl, etc.
Sportpsychologie
Bsp. Auslese & Training im Spitzensport
Pädagogische Psychologie
Bsp. Ursachenklärung bei Schulversagen & Interventionskontrolle
Klinische, medizinische & Neuropsychologie
= derzeit größtes Anwendungsfeld
Bsp. Differentialdiagnose bei psychiatrischen Patienten
2 Theoretische Grundlagen als Ausgangspunkt der Testkonstruktion
Der Test d2 wurde ursprünglich im Institut für Sicherheit und Bergbau, Industrie und Verkehr des
Technischen Überwachungs-Vereins Essen konstruiert.
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Er stützt sich auf die Un te r su ch u n ge n von L au e r (1955, Durchstreichtest & diverse
Fahreignungskriterien) u n d Je n kin s (1956, Fragebogen), die trotz unterschiedlicher methodischer
Ansätze zu dem Ergebnis kamen, dass A u fm e r ksam ke it – Un au fm e r ksam ke it zu den
wichtigsten Variablen zählen, die gute von schlechten Kraftfahrern unterscheiden.
Im Test d2 sollten folgende Punkte beachtet werden:
• Höheres Komplexitätsniveau als Lauer
• Verständlich formulierte Instruktionen
• Kontrolle des Instruktionsverständnisses durch Übungszeile
• Möglichkeit der Gruppentestung
• Erfassung von zeitlichem Leistungsverlauf
• Gewährleistung der primären Testgütekriterien
• Optimierung der Ökonomie
• Differenzierte Normen zur Interpretation
Test d2 baut auf den Konstrukten Aufmerksamkeit und Konzentration auf.
Konstrukt Aufmerksamkeit
Minimaldefinition nach Rützel (1977, S. 49) „Aufmerksamkeit ist Selektion“
Konstrukt Konzentration
Eine auf externe visuelle Reize bezogene Konzentrationsleistung ist nach der Definition von
Brickenkamp & Karl, 1986, S 195, auf die individuelle Koordination von Antriebs- und
Kontrollfunktionen zurückzuführen.
Konzentrationsleistung manifestiert sich im Test d2 in 3 Verhaltenskomponenten:
Tempo bzw. Quantität
= Menge des in einer bestimmten Zeiteinheit bearbeiteten Materials (Antrieb)
Qualität
= Güte, Sorgfalt und Genauigkeit der Bearbeitung, die sich invers aus dem Fehleranteil erschließen lässt
(Kontrolle)
zeitlicher Verlauf der Leistung
ermöglicht Rückschlüsse Besonderheiten des Arbeitsverhaltens wie Anfangserregung, Konstanz oder
Instabilität, Ermüdung, etc. (Kontrolle)
3 Testmaterial
3.1 d2-Skala
GZ = Gesamtzahl der bearbeiteten Zeichen F % = Fehler, relativ / Sorgfalt
F = Summer aller Fehler absolut
RW = Rohwert
F1 = Auslassungsfehler
SW = Summenwert
F2 = Verwechslungsfehler
PR (Q) = Prozentrang pro Quartil
GZ-F = Gesamtleistung = GZ - F
SB = Schwankungsbreite
KL = Konzentrationsleistung
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Test d2 (Skalen) Praxis (Leistungskriterien)
GZ Gesamtzahl bearbeiteter Zeichen Menge der innerhalb einer bestimmten Zeit geprüften /
= Quantität bzw. Tempo sortierten Produkte
F Gesamtzahl der Auslassungsfehler Defekte Produkte nicht aussortieren
+ Verwechslungsfehler + intakte Produkte aussortieren
F% Fehlerprozentwert Relative Fehlerhäufigkeit auf die geprüfte Produkt-Menge
= Relative Fehlerhäufigkeit = Qualität der Arbeit
= Qualität der Testdurchführung
GZ-F Richtig bearbeitete Zeichen im Test Korrekt aussortierte Produkte
Nachteil: Verfälschbarkeit durch
instruktionswidriges Überspringen
von Testitems
KL Konzentrationsleistungswert = Summe der defekten aussortierten Waren
Summe der Treffer – - Summe der fälschlich aussortierten Waren
Verwechslungsfehler
Vorteil: Manipulation der
Konzentrationsleistung nicht möglich
3.2 Aufbau des Test d2
Vorderseite:
• Personalien + Übungszeile
Rückseite:
• Testblatt DIN-A4-Querformat
• 14 Testzeilen à 47 Zeichen
• insgesamt 16 verschiedene Zeichen aus der Kombination von „d“ und „p“ mit einem, zwei, drei
oder vier Strichen
• relevanter = durchzustreichender Buchstabe ist d mit zwei Strichen
• Vorkommenshäufigkeit relevanter Stimuli = 1:1,2
3.3 Aufbau
• Keine Parallelformen
• Modifizierte Testinstruktionen:
Version A: Verkürzung der Durchführungszeit pro Zeile auf 15 Sekunden (Vermeidung von
Dacheffekten, Differenzierungsleistung im oberen Bereich)
Version B: Gesamttestzeit auf 4 Minuten (Verringerung von Dacheffekten, Intensivierung der
Sorgfaltskomponente, nachteilig ist, dass keine Arbeitskurve und Schwankungsbreite
erstellt werden kann)
Version C: gleicht der Version B, um eine Passage ergänzt, die das Überspringen von Items
verhindern soll.
Version D: Aufgabenstellung bei einem Zweitversuch umzukehren, d. h. „ds mit zwei Strichen“
sind jetzt zu ignorieren (= irrelevante Zeichen); alle anderen Zeichen sind
durchzustreichen. (Aufklärung der Flexibilität der Probanden)
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Der Aufmerksamkeitsbelastungstest besteht aus einer Handanweisung (Instruktionen zur
Durchführung, Auswertung und Interpretation des Verfahrens), einem Testbogen, zwei
Auswertungsschablonen, einem Auswertungsformular und einer Stoppuhr. Mittlerweile liegt ein PC-
Programm vor.
Bewertung des Materials: ökonomisch da wenig Testmaterial gebraucht wird (nur 1 Seite) und die
Testdurchführung auch nur sehr wenig Zeit erfordert.
3.4 Anwendung
• die reine Testzeit dauert 4:40 Minuten, mit Instruktionen ca.8 Minuten
• aktive Position des Versuchsleiters (Instruktionen beherrschen, notieren, die Zeit
kontrollieren, Auswertung)
• eine besondere Tageszeit braucht für die Durchführung nicht gewählt werden, weil die
Überprüfung keine bedeutsamen Einflüsse der Tageszeit auf die Konzentrationsleistung im
Test d2 erkennen ließ
• Vor Durchführung werden die im Manual enthalten Instruktionen (für Erwachsene und für
Kinder unterschiedlich) vorgelesen, eventuell auftretende Fragen werden geklärt und die
Teilnehmer haben die Möglichkeit eine Zeile zur Übung zu nutzen.
• Danach wird mit den Teilnehmern die Übungszeile kontrolliert um auch sicher zu gehen, ob
die Instruktionen richtig verstanden wurden.
• Vor der Durchführung wird noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die
Versuchsteilnehmer so schnell wie möglich aber auch ohne Fehler arbeiten sollten.
• Es werden alle 14 Zeilen bearbeitet und nach jeweils 20 sec. das Kommando „Halt! Nächste
Zeile!“ gegeben.
4 Auswertung
• G Z : Gesamtzahl aller bearbeiteten Zeichen (unabhängig davon ob es relevante oder
irrelevante Zeichen sind). Hoch reliables Kriterium des Bearbeitungstempos
• F: Fehlerrohwert. Er setzt sich zusammen aus relativ häufigen Auslassungsfehlern (Typ F1)
und seltenen Verwechslungsfehlern (Typ F2). Er dient als Zwischenergebnis der weiteren
Berechnung (F%, GZ-F)
• F- V e rte il u n g: Fehlerverteilung über die einzelnen Testphasen
• F%: Fehleranteil innerhalb des bearbeiteten Testteils. Nicht normalverteilt
(linksasymmetrisch)
• SB: Schwankungsbreite= Differenz zwischen maximaler und minimaler Teilzeitleistung,
nicht normalverteilt und gehört zu den weniger reliablen Variablen des Verfahrens
• G Z - F: misst die fehlerkorrigierte Leistungsmenge; normal verteilt, hoch reliabel
• KL : Konzentrationsleistungswert ist verfälschungsresistent. Er wird gebildet aus der Anzahl
der richtig durchgestrichenen relevanten Zeichen abzüglich der Verwechselungsfehler=
Anzahl der erzielten Treffer, normal verteilt und hoch reliabel
• Übe r spr u n gs- Syn dr om : Indiz für ein instruktionswidriges Verhalten. Es äußert sich in
einer hohen Tempo-/Mengenleistung (GZ) bei entsprechend hohem Fehleranteil (F%), also
bei extrem geringer Sorgfalt und Genauigkeit der Bearbeitung.
4.1 Ermittlung der Rohwerte
Auswertungsschablonen 1 und 2 benutzen ( für jede Zeile anlegen, eintragen und am Ende
summieren)
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4.2 Auszählung der Fehlerrohwerte
• F1 : Anzahl der Auslassungsfehler (Schablone 1), die relevanten Zeichen werden in den
ausgesparten Feldern der Schablone sichtbar
• F2 : Anzahl der Verwechslungsfehler (Schablone 2), die irrelevanten Zeichen, die nicht
durchgestrichen werden sollten, werden sichtbar
• G e sam tzah l de r Fe h l e r : Fehler vom Typ1 und 2 werden zusammengezählt. Die
Fehleranzahl aller 14 Testzeilen addiert, ergibt die Gesamtzahl der Fehler (F).
• Fe h l e r ve r te il u n g: Fehlersummen der ersten und zweiten Testhälfte werden miteinander
verglichen. Fehler, die in den ersten und letzten sieben Zeilen gemacht wurden, werden
gesondert ermittelt und unter „F-Vert. 1./2. Hälfte“ eingetragen.
• Sch wan ku n gsbr e ite : Feststellung der größten und geringsten Bearbeitungsmenge pro
Testzeile. Sie ergibt sich aus der Differenz dieser beiden Werte.
• G Z - F: Von der Bearbeitungsmenge (GZ) wird die Anzahl der Fehler (F) abgezogen.
• KL : Die Anzahl der richtig durchgestrichenen relevanten Zeichen werden zeilenweise
ausgezählt, addiert (Schablone 1) und danach werden die ermittelten Verwechslungsfehler
(Schablone 2 ) davon subtrahiert.
4.3 Normierung
4.3.1 Ermittlung der Normwerte
• Im Allgemeinen dienen die Normen der Eichstichprobe als gute Vergleichsbasis. Detaillierte
tabellarische Form, die für alle zu erwarteten Rohwerte von GZ, GZ-F und KL die zugehörigen
Standardwerte enthalten, für den Prozentrang 1,5,10,25,50, 75, 90, 95 und 99 sind die
entsprechenden Rohwerte F% und F (absolute Fehlerhäufigkeiten) tabellarisch dargestellt;
Mittelwert, Standardabweichung, Standardmessfehler und Vertrauensintervall zu den sieben
Altersgruppen der Eichstichprobe gegeben. In der Kurzform des Auswertungsblattes sind
Standardwerte von 70 bis 130 und der wichtigsten Prozentränge von 5 bis 95 grob abgegeben.
• Normen der Eichstichprobe (N=3176) mit folgenden Altersklassen: 9-10, 11-12, 13-14,15-16, 17-19,
20-39 und 40-60 Jahre angegeben; durchgeführt von November 1999 bis Mai 2000 in den
Bundesländern Berlin, Brandenburg, Sachsen und Bayern unter der Leitung von Prof. Dr.
Liepmann; Stichprobe: Nur Deutsche, vorwiegend an Schulen (Grund-, Haupt-, Real-,
Gesamtschulen und Gymnasium), in Betrieben, psychologischen Universitätsinstituten und
anderen öffentlichen Einrichtungen; Stichprobentechnik zufallsgesteuert
• Kein signifikanter Geschlechtsunterschied; schulische und berufliche Normierung liegt nicht vor
• Als weitere Normtabellen liegen vor: Re-Normierung der Bundesanstalt für Arbeit (BA) von 1994
mit vier Altersgruppen, selektive Stichprobe; Französische Norm: gekürzte Fassung aus dem Jahr
1998 mit vier Altersgruppen(< 25; 25-34; 35-44; >45); Leistungsvergleiche von Berufsgruppen; US-
amerikanische Norm: Gekürzte Fassung mit vorläufigen Ergebnissen von College Studenten,
ermittelt von Prof. Dr. Eric A. Zillmer
4.4 Statistische Interpretation:
Standardwerte: Mittelwert = 100; Standardabweichung = 10; Standardwerte (SW) von 70 bis 130 und
Prozentrang (PR) von 1 bis 99 angegeben.
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4.5 Inhaltliche Interpretation der Werte
Grau unterlegter Mittelbereich um den Prozentrang 50 bezeichnet den Bereich jener
Leistungen, die sowohl quantitativ wie qualitativ durchschnittliches Niveau repräsentieren.
Von unten links nach oben rechts verlaufende Diagonale zeigt das Ansteigen des allgemein,
normierten Leistungsniveaus. In die Diagonalfelder fallen Tempo- und Güteleistungen, die
dem gleichen Quartilbereich zuzuordnen sind.
Leistungspositionen über den Diagonalfeldern zeigen an, dass die qualitative Leistung
normbezogen höher ist als die quantitative Leistung.
Leistungspositionen unterhalb der Diagonalfelder geben das Ausmaß an, in dem das
Bearbeitungstempo der Leistungsgüte vorauseilt. Im Extremfall Ü-Syndrom
Weitere Interpretationen können in konventioneller Weise im Zusammenhang mit anderen
Testergebnissen, Verhaltensbeobachtungen etc. vorgenommen werden.
4.6 Bewertung
Durchführung **** Ökonomisch; Einzel- und Gruppentestung möglich; standardisiert
Auswertung *** ökonomisch, standardisiert
Interpretation ** Übersichtliches Interpretationsschema, keine Differenzierung;
Verständlichkeit ** Für Vp gut; Manual für VL unübersichtlich
Instruktionen ** Standardisiert
Standardisierung *** Nach Altersgruppen gegeben
Störanfälligkeit, Instruktionen müssen befolgt werden, Zeit eingehalten werden,
***
Verfälschbarkeit Interpretationsoffenheit ; KL verfälschungsresistent
Normierung *** Stichprobe annähernd repräsentativ; nur nach Alter klassifiziert
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5 Gütekriterien
5.1 Objektivität
Durch die standardisierten Instruktionen und Vorgaben für die Bedingungen in der
Untersuchungssituation ist die Durchführungsobjektivität gegeben. Ebenso ist eine objektive
Auswertung über eindeutige Auswertungsregeln sichergestellt. Zur Interpretation der Ergebnisse
finden sich sowohl ausreichende Hinweise zur quantitativen (statistischen) Interpretation der Werte,
als auch zu deren qualitativer (inhaltlicher) Aussagewert.
5.2 Reliabilität
Die Reliabilität ist – unabhängig von der verwendeten statistischen (Schätz-)Methode – für alle
Messwerte sehr hoch (r > .94). Die höchsten Werte findet man dabei für den GZ-F (.98); über das
Alter hinweg nimmt (vor allem bezogen auf die jungen Jahre) die Reliabilität zu. Die Stabilität der
Variablen (Test-Retest; 5 Stunden bis 23 Monate) ist dabei relativ hoch (r > .84), wenngleich die
Fehlerskalen etwas weniger stabil sind.
5.3 Validität
5.3.1 Inhaltsvalidität
Inhaltlich ist der d2 sehr valide. Er entspricht vielen beruflichen Tätigkeiten, von denen man
behauptet, Konzentration zu fordern (Korrekturlesen von Texten, Überprüfen von Checklisten,
Aussortieren von Fehlerhaftem, …). Diese Tätigkeiten haben gemeinsam, dass unter Zeitdruck
selektiv bestimmte Stimuli entdeckt werden müssen auf darauf möglichst schnell und angemessen
reagiert werden muss. Dies ist quasi 1:1 auch die Aufgabenstellung im d2. Man könnte das
Grundmuster – etwas abstrakter – auch so beschreiben: auf handlungsrelevante oder –irrelevante
Stimuli möglichst schnell und fehlerlos in einer bestimmten Weise reagieren.
5.3.2 Konstruktvalidität
Geht man davon aus, dass man das Konstrukt „Aufmerksamkeit“ in die Teile „Antrieb“ und
„Kontrolle“ teilen kann, so konnte mit einem Versuch nachgewiesen werden, dass der d2 genau aus
diesen Teilen besteht. In dem Versuch wurden durch Lehrerurteile jeweils zwei Gruppen gebildet (1.
Versuch: Antrieb, Gruppen: hohes vs. niedriges Aktivitätsniveau; 2. Versuch: Kontrolle, Gruppen: hohe
vs. niedrige Willenskraft u. Ausdauer) und die Testwerte im d2 verglichen. Es zeigte sich, dass die
jeweiligen Extremgruppen auch die entsprechend unterschiedlichen Testwerte hatten.
Zusammenhänge mit Intelligenztests fanden sich beispielsweise beim WIE nur für Subtests, die dort
als Konzentrationstest eingehen oder ebenfalls Speedtests sind. Beim Zahen-Symbol-Test (ZST), der
Arbeitsgeschwindigkeit messen soll, betrugen die Korrelationen zwischen 0,43 und 0,71. Etwas
geringer fielen sie für Rechnerisches Denken (RD) aus (r = 0,29 bis 0,50), das ein Subtest zum Erfassen
des Arbeitsgedächtnisses ist.
Die Konstruktvalidität ist somit (ebenso durch eine EFA abgesichert) durchaus gegeben.
5.3.3 Kriteriumsvalidität
Es fanden sich zahlreiche Studien aus verschiedensten Bereichen, die die Validität des Test d2
bezüglich von Außenkriterien fanden, die mit Aufmerksamkeit in Verbindung stehen. Beispielhaft sei
ein Versuch des Autors selbst erwähnt (Brickenkamp, 1962), bei dem Führerschein-Versager,
Berufskraftfahrer sowie Polizisten mit dem d2 verglichen wurden. Es ergab sich dabei das eindeutige
Bild, dass Führerschein-Versager die niedrigsten d2-Werte (GZ-F) hatten. Berufskraftfahrer schnitten
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d2 Aufmerksamkeits-Belastungs-Test
GK-Diagnostik (SS2009)
zwar besser ab als die Führerschein-Versager, die Polizisten überzeugten jedoch statistisch signifikant
(p < 0,05) mit den höchsten Testwerten.
Weitere Belege stammen vielfach aus der medizinischen bzw. klinischen Psychologie. So findet man
beispielsweise bei Patienten mit diagnostizierter Schizophrenie einen deutlich schlechteren GZ-F
Wert als bei Gesunden. Dies erstaunt nicht – haben schizophrene Patienten doch deutliche Probleme
sich zu konzentrieren und ihre Aufmerksamkeit zu bündeln. Der Schweregrad der Erkrankung
spiegelt sich dabei sogar noch in unterschiedlich (schlechten) d2-Testwerten nieder! Außerdem zeigt
sich, dass der KL-Wert hier noch besser zwischen den verschiedenen Gruppen zu differenzieren
vermag als der KL-Wert.
Ein sicherlich nicht verwunderliches Resultat findet man auch in der Pharmakopsychologie. Getestet
wurde, ob die „den allgemeinen Wachheitszustand“ steigernde Substanz Koffein eine Äquivalenz in
den Testwerten des d2 abbildet. Und tatsächlich konnte einen dosis- und zeitabhängige Steigerung
durch Koffein in den Testwerten nachgewiesen werden (ebenso wie eine mindernde Wirkung durch
Neuroleptika).
Ein weiterer Beleg für die Kriteriumsvalidität des d2 fand man unter anderem beim Test mit
Alkohol, dessen sedierende Wirkung sich in Leistungseinbußen beim d2 niederschlug.
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