Dabs
Dabs
INAUGURAL-DISSERTATION
zur
Erlangung der Doktorwürde
des
Fachbereichs Germanistik
und Kunstwissenschaften
der Philipps-Universität Marburg
vorgelegt von
Abdullah Abdulmahsan A Bin Saran
Riad, Saudi-Arabien
07.07.2015 Marburg
Es ist mir ein besonderes Anliegen, all denen zu danken, die zum Gelingen der Erstellung
meiner Doktorarbeit geleistet haben. An erster Stelle danke ich von ganzem Herzen
meiner Betreuerin, Frau Prof. Dr. Ruth Albert, für die wertvollen Ratschläge,
Unterstützung, Geduld, ihre vielen Ideen und ihre fachwissenschaftlichen Gespräche, die
mich nicht nur bestärkt haben, sondern mich stets aufbauten.
Ein besonderer Dank gilt Herrn Prof. Dr. Stefan Weninger für die Anregungen,
sprachwissenschaftlichen Hinweise und die wertvollen Diskussionen.
Zutiefst dankbar bin ich meine Frau, die sich von ihrer Arbeit in Saudi-Arabien für drei
Jahre freistellen ließ und mich nach Deutschland begleitet hat. Ihr und unseren Kindern
(Wateen und Abdulmohsen) widme ich diese Arbeit.
0. 1 Einleitung..................................................................................................................... 4
0. 2 Zum Stand der Forschung............................................................................................. 7
0. 3 Ziel der Untersuchung, Belegkorpus............................................................................ 8
0. 4 Vorgehensweise und Untersuchungsmethode......................................................... 11
1
2. 3. 2. 1 Gradpartikeln....................................................................................................... 46
2. 3. 2. 2 Abtönungspartikeln............................................................................................. 52
2. 3. 2. 3 Negationspartikeln............................................................................................... 61
2. 3. 2. 4 Antwortpartikeln.................................................................................................. 66
2. 4 Stellung von Partikeln.................................................................................................. 68
2. 5 Partikeln im Deutsch als Fremdsprache-Unterricht..................................................... 71
2
5. 2. 1 Übersetzungsspezifik von Steigerungspartikeln.................................................... 162
5. 2. 2 Äquivalenz, Adäquatheit und Steigerungspartikeln.............................................. 164
5. 3 Übersetzungsrelevante Besonderheiten von Steigerungspartikeln............................ 167
5. 4 Korpus........................................................................................................................ 170
7. Schlussbetrachtung..................................................................................................... 203
8. Literaturverzeichnis................................................................................................... 209
3
0.1 Einleitung
Die Partikeln im Deutschen können für die arabische Deutschlerner und die Übersetzer
eine Herausforderung darstellen, da diese Ausdrücke oft keine eindeutige Bedeutung
haben und somit schwer zu übersetzen sind. Die vorliegende Untersuchung stellt die
Problematik der Übersetzung der deutschen Steigerungspartikeln ins Arabische dar.
Steigerungspartikeln gelten als eine der wenigen in Grammatiken des Deutschen
behandelten Kategorien, die ein primär in der gesprochenen Sprache vorkommendes
Phänomen darstellen. Im Alltagsdeutsch kommen die Steigerungsausdrücke
ausgesprochen häufig vor. Aus der Erfahrung meiner mehrjährigen Lehrtätigkeit im
Gebiet DaF in Saudi Arabien an der King Saud University meine ich, dass es notwendig
ist, die Verwendungsmöglichkeiten und die Funktion der Steigerungswörter im DaF-
Unterricht den Lernenden besonders zu erläutern.
Die Partikeln treten sehr häufig im DaF-Unterricht auf, wenn man Konversation
unterrichtet. Dabei fragen die Studenten nach der Bedeutung der Partikeln. Dann ist man
von Beginn an mit dem Problem der Erklärung des angemessenen Gebrauchs von
Partikeln konfrontiert. Natürlich können die Partikeln aus den deutschen Sätzen eliminiert
werden, man vermittelt dann auch Deutsch, aber ein unnatürliches Deutsch. Uns liegt ja
als Sprachlehrern sehr viel daran, ein natürliches Deutsch zu unterrichten. Die Partikeln
kommen in natürlich gesprochenem Deutsch eben viel vor. Es ist äußerst schwierig, eine
theoretische Erklärung zu vermitteln, da sie von Anfängern kaum verstanden wird. Es ist
notwendig, im Unterricht den Studenten in ihrer Muttersprache eine Erläuterung zu geben
und die häufig vorkommenden Partikeln in ihrer Gebrauchsbreite zu veranschaulichen.
In der deutschen Sprache sind die Partikeln sehr oft und gut beschrieben worden - wenn
auch mit recht verschiedenen Ergebnissen für einzelne Partikel -, deswegen soll von einer
Funktionsbeschreibung der deutschen Partikeln ausgehend eine unidirektionale
Kontrastierung vorgenommen werden. Wenn man konkret diesen Fall erklären möchte,
stellt sich dann die Frage: Welche Bedeutung und Funktionen hat eine bestimmte
deutsche Partikel, und wie werden diese Funktionen im Arabischen ausgedrückt? Der
folgende Textauszug kann vielleicht die genannte Frage verdeutlichen:
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Ich ließ mir nichts vormachen und nagelte ihn fest: "So, wegen der Pokriefke also. Die
war aber gar nicht. Die fährt Linie Zwei nach Oliva und nicht Linie Fünf. Das weiß hier
jeder. Schiß hast Du – kann ich gut verstehen!"
Er wollte mit ihr unbedingt was gehabt haben: "Mit Tulla, das kannste ruhig glauben.
Sogar bei ihr zu Hause, Elsenstraße. Ihre Mutter guckt weg. – Aber es stimmt, ich will
nicht mehr. Vielleicht hab ich auch Angst. Vorhin, vor der Messe, da hatte ich welche.
Jetzt ist schon besser."
"Denk, Du glaubst nicht an Gott und sowas." "Das hat mit dem überhaupt nichts zu tun."
"Na schön, Schwamm darüber, und was jetzt?
"Vielleicht könnte man bei Störtebeker und den Jungs, Du kennst die doch."
(GRASS 1961: 161f).
إنها تسوق الخط رقم اثنين إلى أوليفا وليس الخط رقم. بوكريفكه هي السبب لكنها لم تكن هي,إذن
! أنت خائف إني أفهم هذا جيدا. هذا مايعرفه الجميع هنا.خمسه
حتى أن. يمكنك أن تكون على يقين من هذا, مع توال:لقد أراد أن يكون بالضرورة قد فعل معها شيئا
أنا الأريد االستمرار في, لكن هذا صحيح. كانت أمها تنتظر بعيدا عنا.ذلك وقع في بيتها بشارع إلزن
أظن أنك. وحالي اآلن أحسن. شعرت بالخوف, قبل القداس. قبل قليل. لعلي خائف ايضا.الخدمة
طيب دعك من هذا ولكن مالعمل. العالقة لهذ بالموضوع على االطالق.التؤمن باهلل وما أشبه ذلك
اآلن؟
. فأنت تعرفهم,ربما أمكن أن نحاول مع شتورتبيكر وجماعته من الشباب
(DŪDŪ 2001: 140).
Vielleicht stellt der vorangehende Textauszug einen wichtigen Beitrag für eine
literaturwissenschaftliche Analyse dar. Diese Perspektive auf den Text ist jedoch für das
Thema dieser Arbeit nicht relevant. In diesem Textauszug gehört mein Interesse den fett
gedruckten Lexemen, also den deutschen Partikeln und ihren arabischen
Übersetzungsäquivalenten. Bereits bei einem flüchtigen Vergleich des deutschen Textes
und seiner arabischen Übersetzung fällt auf, dass sich die hervorgehobenen Wörter im
deutschen Ausgangstext und in der arabischen Übersetzung nicht genau entsprechen. Der
Übersetzer hat die deutschen Partikeln wörtlich übersetzt und nicht die Partikeln in ihrem
Kontext verstanden.
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Dieser Text zeigt, dass die deutschen Partikeln eine besondere Herausforderung für
Fremdsprachenlerner darstellen, denn die Partikeln haben keine feststehende lexikalische
Bedeutung und ebenso keinen Einfluss auf den Bedeutungswert der Sätze. Wenn z.B. die
Partikel ruhig aus dem vorangehenden Textbeispiel eliminiert wird, ändert sich an der
Grammatikalität der Äußerung anscheinend nichts. Es scheinen durch das Weglassen der
Partikel jedoch emotionale Bedeutungen verloren zu gehen. Dieser Umstand hat
wahrscheinlich dazu geführt, dass man innerhalb der linguistischen Forschung über einen
sehr langen Zeitraum hinweg versucht hat, die Partikeln, darunter auch die
Steigerungspartikeln, nach ihren kommunikativ-pragmatischen Funktionen zu
analysieren. Die nachfolgende Untersuchung wird aber in eine andere Richtung gehen.
Sie wird sich mit dem semantischen und syntaktischen Bereich beschäftigen. Die
Schwierigkeit dieser Untersuchungsperspektive wird durch die zusätzliche Kontrastierung
mit einer Sprache, die keine Klasse von Steigerungspartikeln kennt, erhöht. Die Praxis
bestätigt diese Schwierigkeit: Die aus grammatischer Sicht sehr schwierig zu
beschreibenden Partikeln sind schon immer ein Problem für den Fremdsprachenlernenden
gewesen.
Die Partikeln stellen für den arabischen Deutschlernenden und die Ausländer, die Deutsch
im Fremdsprachenunterricht lernen, eine erhebliche Schwierigkeit dar, da sie aus ihren
Muttersprachen oft mit den Partikeln nicht vertraut sind und die Verwendung dieser
Wortklasse innerhalb einer kommunikativen Interaktion im deutschen Sprachgebrauch
nicht aus der Muttersprache übertragen werden kann. Dies kann zur Folge haben, dass der
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Deutschlerner die Verwendung der Partikeln entweder zu meiden sucht oder sie falsch
einsetzt.
Der arabische Deutschlerner wird sich also die Frage stellen müssen, wie er die
Bedeutungskomponenten der Partikeln, durch die er im Deutschen seine subjektive
Einstellung zum Gesagten ausdrückt, ins Arabische übertragen kann. Da die arabische
Sprache keine formalen Entsprechungen aufweist, muss er sich mit anderen Elementen
behelfen. Er wird sich mit lexikalischen (Teil-) Äquivalenten beschäftigen müssen, die
anderen Wortklassen zugehörig sind, und mit intonatorischen Phänomenen, die dann
verwendet werden können, wenn die Verwendung einer lexikalischen Entsprechung nicht
möglich ist. Ein Blick ins Wörterbuch wird ihm dabei nicht besonders behilflich sein.
Aufgrund ihrer homonymen Dubletten, die anderen Wortklassen angehören, und ihren
schwer beschreibbaren Bedeutungskomponenten stellen die Partikeln eine Wortklasse dar,
deren Darstellung im Wörterbuch generell unzureichend ist. Im zweisprachigen
Wörterbuch steigern sich die Unzulänglichkeiten durch die differenzierten
Wiedergabemöglichkeiten in der Zielsprache.
Die 1969 erschienene Dissertation von Weydt Die deutschen Modalwörter und ihre
französischen Entsprechungen hat den Anstoß dazu gegeben, dass die deutsche
Partikelforschung in den vergangenen dreißig Jahren innerhalb der Sprachwissenschaft zu
einem bevorzugten Gegenstand linguistischer Untersuchungen geworden ist.
Innerhalb der deutschen linguistischen Forschung gibt es zu den Partikeln ausführliche
Erklärungen wie das Partikel-Lexikon von Helbig (1990) oder sehr gute Übungsbücher
wie Helbig/Buscha (1995) sowie Kummer (1996). Das Problem bei den deutschen, relativ
abstrakten Erklärungen ist allerdings, dass sie für Anfänger nicht von Nutzen sind. Im
DaF-Unterricht ist ihre Anwendungsbreite auf diese Weise nicht erschließbar. Für
typische Situationen sind die Erklärungen verständlich und brauchbar, für periphere
Anwendungen bleiben sie jedoch unklar. Für Lehrer, die nicht Muttersprachler sind, sind
die Erläuterungen der Verwendungen auch mit Übungsbuch so gut wie nicht
nachzuvollziehen.
Man kann den Lernern natürlich durch das wiederholte Üben typischer Muster einen
intuitiven Eindruck der Verwendung vermitteln, es bleibt jedoch eine große Unsicherheit.
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In den Lehrbüchern für DaF wird nichts über die Steigerungspartikeln gesagt. Oft werden
partikellose oder partikelarme Texte konstruiert. In den Lehrbüchern Deutsch 2000 und
Deutsche Sprache für Ausländer, die an saudi-arabischen Universitäten im Unterricht
eingesetzt werden, werden etwa Konjunktionen durchaus explizit eingeführt, nicht aber
die Partikeln. Im Lehrbuch Stufen International findet man Erklärungen für einige
Partikeln, die aber sehr kurz gehalten sind. In den dazugehörigen Übungsbüchern werden
oft keine passenden Übungen angeboten.
In den letzten Jahren wurden viele verschiedene Artikel zu dem Thema Partikel
geschrieben, wie zum Beispiel der Artikel von Mohammad Abu-Hattab Khaled
Sprachdidaktik und die deutschen Partikel (1985). Im selben Jahr hat er einen weiteren
Artikel mit dem Titel Die deutschen Partikeln aus Anlass des Erscheinens eines neuen
Übungsbuches. Rezension geschrieben. In den letzten Jahren sind auch viele verschiedene
kontrastive Arbeiten zum Thema Partikel erschienen, z. B. Beerbom (1992) für das
Spanische, Feyrer (1998) für das Französische, Giertz (2003) für das Russische, Jiang
(1994) für das Chinesische, Mais (1996) für das Italienische, Schemann (1982) für das
Französische und Portugiesische, Spevakova (1992) und Nekula (1996) für das
Tschechische, Szulc-Brzozowska (2000) für das Polnische, Uvanovic (1997) für das
Kroatische, Werner (1998) für das Japanische, usw.
Es wird in dieser Arbeit versucht, die kontrastive Auseinandersetzung mit dem Phänomen
"Steigerungspartikel" im Deutschen und ihren Äquivalenten im Arabischen näher zu
erörtern. Es ist schwierig, die beiden Sprachen Deutsch und Arabisch zu vergleichen, da
sie sehr unterschiedlich und nicht miteinander verwandt sind. Der Forschungsstand ist in
Bezug auf die beiden Sprachen verschieden, was eine Kontrastierung erschwert. Die
Steigerungspartikeln sind im Arabischen nicht bekannt. Niemand hat versucht, sich mit
diesem Phänomen bzw. der Frage, ob dieser Begriff ins Arabische übertragbar ist oder
nicht, zu beschäftigen.
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Es sollte deutlich geworden sein, dass die deutschen Steigerungspartikeln eine
bedeutungstragende Einheit sind, auch wenn die Bedeutungen der Partikeln nicht konstant
sind und der Gebrauch von Partikeln oft nur Nuancen zur Bedeutung des Satzes beiträgt.
Dies zeigt die Kontrastierung mit ihren arabischen Entsprechungen. In dieser Arbeit wird
Gegenüberstellung der Steigerungspartikeln und ihrer Äquivalente im Arabischen
versucht. Dabei geht es einerseits um die Häufigkeit des Gebrauchs (bzw. des
Nichtübersetzens) von möglichen arabischen Entsprechungen, andererseits um das Finden
der besten Äquivalente. Es wird die Frage beantwortet, inwiefern die arabischen
lexikalischen Elemente den untersuchten deutschen Partikeln entsprechen.
Eine wertvolle Hilfe bieten die Ergebnisse dieser Arbeit für Übersetzer und Dolmetscher.
Die Steigerungspartikeln können besser kennen gelernt sowie verstanden werden.
Außerdem können die Analyse und die lexikographische Darstellung der
Steigerungspartikeln und ihrer arabischen Äquivalente als Hilfestellung bei der Erstellung
zweisprachiger Wörterbücher dienen, in denen die Steigerungspartikeln bisher überhaupt
nicht behandelt werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchung dienen demnach nicht nur
dem Fremdsprachenunterricht, sondern auch der Übersetzungstätigkeit. Die Untersuchung
ist ein Beitrag zur kontrastiven Linguistik und soll Impulse und Hilfen für
Fremdsprachenlerner geben, die das Deutsche und das Arabische erlernen wollen.
Bevor ich über das für meine Arbeit verwendete Korpus sprechen kann, muss erstmal der
Fachbegriff Korpus definiert werden. Was heißt eigentlich Korpus? Im Deutschen wird
das Wort „Korpus“ in allen anderen Bedeutungen im Maskulinum gebraucht, aber wenn
es sich um eine Sammlung von Äußerungen handelt, wird das Neutrum für „Korpus“
verwendet, also „das Korpus“. Dieses „Korpus“ wird wie folgt definiert:
„Ein Korpus ist eine Sammlung schriftlicher oder gesprochener Äußerungen. Die Daten
des Korpus sind typischerweise digitalisiert, d.h. auf Rechnern gespeichert und
maschinenlesbar. Die Bestandteile des Korpus bestehen aus Daten selber sowie
möglicherweise aus Metadaten, die diese Daten beschreiben, und aus linguistischen
Annotationen, die diesen Daten zugeordnet sind“ (LEMNITZER; ZINSMEISTER 2010:
8).
Die Korpuslinguisten beschäftigen sich mit Korpora, die Sammlungen konkreter
sprachlicher Äußerungen entfalten. Nun stellt sich die Frage, was mit der
Korpuslinguistik gemeint ist? Die Korpuslinguistik ist wie im folgenden definiert worden:
9
„Als Korpuslinguistik bezeichnt man die Beschreibung von Äußerungen natürlicher
Sprachen, ihrer Elemente und Strukturen, und die darauf aufbauende Theoriebildung auf
der Grundlage von Analysen authentischer Texte, die in Korpora zusammengefasst sind.
Korpuslinguistik ist eine wissenschaftliche Tätigkeit, d.h. sie muss wissenschaftlichen
Prinzipien folgen und wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Korpusbasierte
Sprachbeschreibung kann verschiedenen Zwecken dienen, zum Beispiel dem
Sprachunterricht, der Sprachdokumentation, der Lexikographie oder der maschinellen
Sprachverarbeitung“ (LEMNITZER; ZINSMEISTER 2010: 10).
Eine korpuslinguistische Vorgehensweise wird als ideale Art der Behandlung der Wortart
„Partikelnˮ betrachtet. Die meisten Arbeiten zum Bereich der Partikeln sind
korpusbezogene Untersuchungen, da die Partikeln bzw. die Steigerungsausdrücke ihre
jeweiligen Bedeutungen durch ihren Kontext erhalten. Die Steigerungswörter können
nicht zur propositionalen Bedeutung einer Äußerung beitragen. Die kontextreferentiellen
Funktionen der sprachlichen Einheiten müssen bestimmt und beschrieben werden. Ihre
Beschreibung soll ihre Verwendungsmöglichkeiten abdecken. Eine Problematik ist, dass
die Steigerungspartikeln manchmal durch diese Beschreibung ihre im Normalfall geltende
Bedeutung verlieren. Also d.h. der Kontext spielt bei der Beschreibung dieser Ausdrücke
eine zentrale Rolle. Firth 1991 definiert den Kontext wie folgt:
„Der Kontext einer Äußerung ist die Summe der unmittelbaren Rahmenbedingungen
einer Sprachhandlung als das Bezugssystem, innerhalb dessen einer Äußerung eine
Funktion zukommt. Dabei bildet der kulturelle Kontext das Bezugssystem für eine
Sprache und steuert die Art und Weise, wie Sprecher sprachliche Handlungen
wahrnehmen. Der situative Kontext determiniert die Funktion einer konkreten
sprachlichen Handlung“ (FIRTH 1991: 182).
11
(nicht der Übersetzer) und die Belegstelle aufgeführt. Die Auswahl der ausgewerteten
lierarischen Werke richtete sich danach, dass Übersetzungen ins Arabische publiziert
wurden.
Die Untersuchung befasst sich mit den deutschen Steigerungspartikeln und ihren
Äquivalenten im Arabischen und versucht zu veranschaulichen, was in der Linguistik
unter Steigerungspartikeln verstanden wird. Im Arabischen konzentriere ich mich auf die
arabischen Formeln, die den deutschen Steigerungspartikeln funktional entsprechen
können. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, welche sprachlichen Mittel das
Arabische hat, um die Funktion der deutschen Steigerungspartikeln bzw. ihre
Bedeutungen auszudrücken.
Die Untersuchung gliedert sich in eine Einleitung und sieben Kapitel sowie ein
Literaturverzeichnis. In der Einleitung werden der Rahmen der Arbeit und die Ziele der
Untersuchung formuliert.
Im zweiten Kapitel werden die Probleme der Partikeln in der Sprachwissenschaft des
Deutschen untersucht. Dieser Teil erläutert dem Leser dieser Arbeit das Problem der
Kategorisierung der unflektierbaren Lexeme und ihrer Beschreibung und verschafft
Klarheit über terminologische Unterschiede. Es wird versucht zu definieren, was man
unter Partikeln allgemein versteht, welche morphologischen, syntaktischen, semantischen
und pragmatischen Merkmale sie haben. Hier werden auch alle Klassen der deutschen
Partikeln angeführt, die in den Grammatiken dargestellt werden.
11
Die arabische Sprachwissenschaft und die arabische traditionelle Grammatik sowie die
arabische Linguistik werden im vierten Kapitel behandelt. Ein kürzerer Überblick zeigt
die Unterschiede zwischen der arabischen und der deutschen Forschung. Da im
Arabischen der Begriff Steigerungspartikel nicht vorhanden ist, werde ich den Versuch
unternehmen, einen Begriff dafür vorzuschlagen. Ich möchte nicht einen neuen Begriff
prägen, sondern einen bereits vorhandenen, der mir geeignet erscheint, als Begriff für den
pragmatischen Aspekt der Steigrungspartikeln einzuführen. Anschließend werden die
Formeln im Arabischen erforscht, die explizit zum Ausdruck dessen, was
Steigerungspartikeln im Deutschen leisten, geeignet sind. Dabei wird gezeigt, welche
unterschiedlichen Formeln das Arabische kennt, die den deutschen Steigerungspartikeln
entsprechen können.
Zum Abschluß wird im sechsten Kapitel eine Darstellung über die Steigerungspartikeln
im DaF-Unterricht für Arabisch-Muttersprachler gegeben. Es werden in diesem Kapitel
verschiedene Übungen zum Erlernen des Gebrauchs der Steigerungspartikeln im DaF-
Unterricht dargestellt. Es folgt eine Schlussbetrachtung der Untersuchung im siebten
Kapitel und darauf das Literaturverzeichnis.
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1. Zur vergleichenden Sprachwissenschaft
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Zeichen in den betreffenden L1 und L2, und zwar auf der Ebene der Langue und der
Parole, bevor der interlinguale Vergleich vorgenommen wird“ (NESPITAL 1984: 151).
Die vergleichende Sprachwisenschaft schränkt sich nicht nur auf die Theorie ein, sondern
stützt sich auch auf die Empirie und hat sich in der letzten Zeit weiterentwickelt, um den
Bedürfnissen des Fremdsprachenunterrichts zu dienen. Zwei oder mehrere Sprachen
werden linguistisch beschrieben und die Unterschiede sowie die Gemeinsamkeiten
werden in dem praktischen Teil deutlich gegeüber gestellt und in einem empirischen Teil
durch Fehleranalyse von Interferenz und anderen Fehlern ergänzt. Die Resultate der
kontrastiven Linguistik sollen den methodischen und didaktischen Zielen des
Fremdsprachenunterrichts nützen (vgl. MSELLEK 1988: 20).
14
syntaktische Relevanz von Eigenschaften der Argumentstrukturen im Deutschen und
Arabischen" angefertigt. 1994 schrieb Hammam Sayed eine Arbeit über "Verbvalenz im
Deutschen und Arabischen als theoretische Grundlegung eines deutsch-arabischen
Verbvalenzwörterbuchs". Eine Untersuchung von Ahmed Fadel Ali Hassanin "Syntax und
Semantik des Relativsatzes im Deutschen und im Arabischen: Eine grammatisch-
kontrastive Beschreibung" wurde 1995 veröffentlicht. "Kontrastive Linguistik Deutsch-
Arabisch: Zur Relevanz der kontrastiven Untersuchungen für den
Fremdsprachenunterricht" erschien 1996 von Ahmad Ferhan Shahab. Der
"Wortartwechsel" ist eine Untersuchung von Djamel Eddine Lachachi 1997 diese Arbeit
beschreibt das Verhältnis von Wortart und Wortbildung am Beispiel des Deutschen und
Arabischen. Ein Beitrag von Abdelaziz Bouchara 2002 zur interkulturellen
Kommunikation untersucht "die Höflichkeitsformen in der Interaktion zwischen
Deutschen und Arabern". Eine kontrastive Analyse von Abol-Seoud Safaa erschien 2004
"Zur Verbstellung im Deutschen und Arabischen". Die Arbeit von Mina Zinify 2007
untersucht "Nomen und Wort im Deutschen und Arabischen". Abdelaziz Bouchara
schrieb im Jahr 2008 eine vergleichende Analyse über "die Höflichkeit als interkulturelles
Verständigungsproblem: Eine kontrastive Überlegung zu einigen
Kommunikationsmustern im Arabischen und Deutschen". Die oben genannten Beispiele
zeigen, dass es wenige Überblicksarbeiten gibt und viele Arbeiten sehr speziell sind. Das
Thema "die Steigerungspartikeln im Deutschen und Arabischen" wurde bisher nicht
kontrastiv bearbeitet.
Die Sprachtypologie spielt eine große Rolle bei der vergleichenden Sprachwissenschaft,
man kann zwei oder mehrere Sprachen miteinander vergleichen und die Divergenzen und
die vielfältigen Konvergenzen in den beiden Sprachen feststellen. Das relevante Ziel der
Typologie ist die Klassifizierung der Sprachen. Die Sprachtypologie versucht nicht die
Sprachen nach ihrer Verwandtschaftsverhältnissen zu klassifizieren, sondern nach ihrem
Aufbau. Die Typologie ist im 19. Jahrhundert herausgebildet worden und die Begründer
der Typologie waren die Sprach-Philosophen Wilhelm von Humboldt und August von
Schlegel. Sie haben beide die morphologische Klassifizierung der Sprachen
herausgearbeitet (vgl. STERNEMANN 1983: 104f). Die Sprachtypologie blieb nicht nur
bei der morphologische Typologie stehen, sondern es entstanden die
Worstellungstypologie, die phonologische Typologie und die Neurotypologie. Der
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Sprachtyp wird als ein allgemeiner Fachausdruck bei der typologischen Klassifizierung
der Sprachen bezeichnet.
1.3.3 Wortbildung
Der Begriff Wortbildung beschäftigt sich mit der Bildung von neuen Wörtern. Unter
Wortbildung verstehen Hentschel/Wedyt „[…] die Verfahren, mit deren Hilfe man auf der
Grundlage vorhandener Wörter neue Wörter bildet und den Basiswortschatz erweitert: so
können z. B. unter Verwendung von Tisch andere Wörter wie Tischtuch, Nachtisch,
Tischler, auftischen, tischfertig gebildet werden“ (HENTSCHEL/WEYDT 1990: 4f).
In diesem Teil befasse ich mit der Wortstruktur im Deutschen und Arabischen. Nach
Engel ist das Wort „ein potentiell selbständiger kleinster Bedeutungsträger“ (ENGEL
2009: 38). Das Wort beispielsweise bringst zeigt, dass der Stamm des Wortes bring und
eine Endung st voneinander zu unterscheiden sind. Die Endungen formen die Wörter um
und diese Veränderungsmöglichkeit zur Bildung grammatischen Formen wird als Flexion
charakterisiert. Man nennt die grammatischen Endungen an den Wörtern "Flexeme". Das
Flexem st im Wort arbeitest hat dieselbe Funktion wie in bringst. Darüber hinaus lässt
sich feststellen, dass die Wörter, die mit einem Flexem verbunden sind, als Wortformen
gekennzeichnet werden.
16
(Derivation). Aber die Wortstruktur und die Wortformen im Arabischen sind
einigermaßen ähnlich wie im Deutschen. In den arabischen Wortformen kann man die
Morpheme in drei Arten klassifizieren:
1. Stamm-Morpheme
2. Wortbildungsmorpheme
3. Flexionsmorpheme
Zum Beispiel das arabische Wort مدرسةmadrasatun "Schule" besteht aus dem Stamm-
Morphem ( درسdrs), den Wortbildungsmorphemen "( "مma) und "("هat) und dem
Flexionsmorphem "ُ ُ_" (un).
Die Mehrheit der Wörter in der arabischen Sprache besteht aus einer Wurzel, die aus drei
Konsonanten besteht. Zum Beispiel die Wurzel ( درسd-r-s) hat die Basisbedeutung
studieren, ( أكلʔ-k-l) die Basisbedeutung essen, ( ذهبḏ-h-b) die Basisbedeutung gehen.
Die Wurzel zum Beispiel (d-r-s) konstituiert "darasa" ( درسstudieren), "madrasatun"
( مدرسةSchule), "darsun" ( الدرسUnterricht),"dirāsa" ( دراسةStudium). Wenn wir zum
Deutschen kommen, finden wir, dass die deutsche Sprache einigermaßen, was die Wurzel
der Wörter betrifft, den Arabischen ähnelt. Der Wortstamm beispielsweise "schreib"
kommen in verschiedenen Wörtern vor, z. B. schreiben, Schreibschrift, Beschreibung,
Kugelschreiber, Zuschreiben. Die deutsche Wortwurzel "schreib" stimmt mit dem
arabischen Wortstamm "k-t-b" ( )كتبüberein. Die Beispiele dafür sind kataba كتبer hat
geschrieben, kitābun كتابBuch, maktūb مكتوبgeschrieben, kutub كتبBücher,
maktaba مكتبةBücherei, kātib كاتبSchriftsteller. Es wird in diesem Beispiel deutlich,
dass alle Wörter mit dem "Schreiben" zu tun haben und alle die drei Radikale
Konsonanten k-t-b haben. Das orthographische Wort " "كتبbedeutet in der Übersetzung
ins Deutsche sowohl Bücher (kutub) als auch (kataba) schreiben. Man muss den Kontext
sehr gut verstehen, damit man die richtige Bedeutung erraten kann.
Die Lehrer sollten von Anfang an die Unterschiede der Wortbildungsprozesse der beiden
Sprachen verdeutlichen, um Interferenzen bei den Lernern zu vermeiden. Man kann die
Lerner in Gruppen einteilen und lässt die Lerner zusammen Aufgaben bearbeiten sowie
beobachten, wie Fehler der Lerner bei der Wortbildung entstehen. Der Lehrer sollte die
Lerner die Fehler selber korrigieren lassen, damit sich diese Methode und die korrigierten
Beispiele bei ihnen verankern und nicht wieder bei ihnen auftreten. Es ist sehr wichtig,
den Lernern im ersten Lernjahr beim Unterricht der zweiten Fremdsprache die
Divergenzen und die Konvergenzen der beiden Sprachen Deutsch und Arabisch bewusst
17
zu machen. Die Lehrkräfte sollten die Lerner bei fast allen Phasen des L3-Erwerbs
weiterentwickeln. Beim Erwerb der Drittsprache greifen einige Lerner auf dem Gebiet der
Grammatikvermittlung auf ihre Sprachkenntnisse und Sprachlernerfahrungen der ersten
Fremdsprache im negativen Sinne zurück, daher sollten die Lehrer diesen negativen
Transfer zum positiven Transfer verändern. Die meisten der Lerner bringen ihre
Fremdsprachen-Lernerfahrungen in den Unterricht mit und die Dominanz dieser
Lernerfahrungen ist manchmal negativ (vgl. KRUMM 1992: 100f.), es gibt aber natürlich
auch positiven Transfer aus dem Englischen auf das Deutsche, gerade im Bereich des
Wortschatzes.
18
Unterschiede verstehen können. Die semantischen und morphologischen Regeln sind auf
jeden Fall eine Hilfe beim Lernen des Genus deutscher Substantive.
Das Prädikat ist das wichtigste Satzglied beim Satzbau, das gegebenenfalls für den
arabischen Deutschlerner eine Schwierigkeit darstellt. Engel definiert "die Verben als
Wörter, die sich konjugieren lassen" (ENGEL 2009: 44). Das Verb wird in der deutschen
Sprache in Wörterbüchern im Infinitiv angeführt. Im Gegensatz dazu wird es in den
arabischen Wörterbüchern in der dritten Person der Vergangenheit angegeben.
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Neben den Präfixen, die stets vom Verb trennbar sind, gibt es auch solche, die sowohl
trennbar als auch untrennbar vorkommen, wie z. B. „über“, „durch“ oder „um“. Die
Verben „überspringen“, „übersetzen“ oder „umfahren“ können sowohl trennbar als auch
untrennbar sein (vgl. BLOHM 2001: 446).
Einige Verben kann man manchmal verstehen, auch wenn die Präfixe weggelassen
wurden, aber es gibt auch Verben, deren Bedeutung dann überhaupt nicht mehr
verständlich ist, wie z. B.:
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Die Lehrkräfte sollten die Lerner darauf aufmerksam machen, dass es für die trennbaren
und die untrennbaren Verben Regeln gibt und nicht alle Präfixe getrennt werden können,
wie etwa in folgenden Beispielen:
Es klingelte.
Es regnete.
Wie geht es dir?
Er hat es eilig (vgl. AḤMAD 1996: 136).
Was auch für die arabischen Deutschlerner zu den Schwierigkeiten zählt, ist der Fall der
subjektlosen Sätze im Deutschen, z. B. „ihm ist schlecht“, „hier wird getanzt“. Im
Arabischen gibt es sie nicht.
Ein weiteres Problem sind die reflexiven Verben im Deutschen. Im Arabischen existieren
zwar Verben mit reflexiver Bedeutung, sie sind aber nicht durch ein eigenes
Reflexivpronomen gekennzeichnet. Dadurch werden sie von einem arabischen
Deutschlerner schnell vergessen oder weggelassen. Ein deutscher Satz wie z. B. „Sie
kämmt sich die Haare“ wird von einem Araber häufig durch „Sie kämmt ihre Haare“
wiedergegeben. Es entsteht für Araber eine Interferenz, weil der arabische Lerner das
21
Possessivpronomen „ihre“ mit dem Reflexivpronomen „sich“ verwechselt hat. Er hat den
deutschen Satz nach dem Muster der arabischen Satzstruktur abgeleitet. Dieser Fall
kommt sehr häufig bei arabischen Lernern vor (vgl. AḤMAD 1996: 137), da es in der
deutschen Sprache viele reflexive Verben gibt, die im Arabischen überhaupt nicht
vorhanden sind (vgl. HUFEISEN 1991: 83).
Es ist nicht unüblich, dass ein arabischer Student das Reflexivpronomen weglässt. Das
Reflexivverhalten wird von einem arabischen Studenten durch das arabische Wort
„nafsun“ „selbst“ geäußert, wie z. B.:
Der Deutsch lernende Araber erkennt oft die reflexiven Verben in den deutschen Sätzen
nicht und braucht daher in der Sprachausbildung intensive Übungen, insbesondere bei
Anfängern, um solche Erscheinungen zu überwinden. Einige Verben, die von einem
arabischen Lerner ohne das Reflexivpronomen ausgedrückt werden, werden nicht korrekt
verstanden, weil erst das Reflexivpronomen den Verben ihre spezielle Bedeutung verleiht,
wie in den kommenden Beispielen ersichtlich ist:
sich übergeben übergeben
sich verlassen auf verlassen
Die arabischen Lerner können bei Reflexiverben auch nicht unterscheiden, ob deren
Reflexivpronomen im Akkusativ oder im Dativ sind, wie im folgenden Beispiel:
„Er wundert sich manchmal über sich selbst“ (vgl. AḤMAD 1996: 137).
Die Lehrer sollten ihren Lernern im Anfangsunterricht des Deutschen diese Regeln
bewusst vermitteln. Die Lehrkräfte sollten den Lernern den Unterschied zwischen
reflexiven und irreflexiven Verben mithilfe von Beispielen ausführlich erläutern.
Die Struktur der Präpositionen im Deutschen ist problematischer als das System der
Präpositionen des Arabischen. „Die Präpositionen sind Partikeln mit Kasusvalenz“
(ENGEL 2009: 57). Alle Präpositionen im Arabischen benötigen nur einen Kasus,
22
nämlich den Genitiv. Im Gegensatz zum Arabischen regieren die Präpositionen des
Deutschen drei Kasus: Genitiv, Dativ und Akkusativ. Deshalb stellen die Präpositionen
der deutschen Sprache Probleme für arabische Lerner dar.
Das erste Problem betrifft die Wechselpräpositionen, die sowohl mit Akkusativ als auch
mit Dativ verwendet werden können, wie z. B.:
240).
Die Erklärung von Abu Ḥatab sollte übrigens für den DaF-Unterricht präzisiert werden.
Es kommt darauf an, ob die fragliche Substantivgruppe das Ziel bezeichnet, unabhängig
davon, ob möglicherweise eine Zielgerichtete Aktion vorliegt, vgl. Peter fährt auf der
Autobahn nach München vs. Peter fährt auf die Autobahn.
Das zweite Problem liegt darin, dass zahlreiche Verben im Deutschen in festen
Verbindungen mit Präpositionen vorkommen. Das Umgehen mit diesem Phänomen ist für
die arabischen Lerner wie für Lerner aus allen Muttersprachen problematisch, wie die
folgenden Beispielen zeigen können:
*Ich bestehe aus meiner Meinung. Ich bestehe auf meiner Meinung.
*Dieses Gerät besteht auf drei Teilen. Dieses Gerät besteht aus drei Teilen.
*Ich unterhalte mich bei meinem Kollegen. Ich unterhalte mich mit meinem Kollegen.
*Ich habe keine Angst von der Prüfung. Ich habe keine Angst vor der Prüfung.
*Fahad hat sich nach Mona verliebt. Fahad hat sich in Mona verliebt.
Diese Beispiele bestätigen die Schwierigkeiten durch die Verwechslung zwischen den
zwei Präpositionen, wie aus den ersten beiden Beispielen sichtbar wird. Der Lerner hat
die Präposition „aus“ mit der Präposition „auf“ vertauscht. Dieser Fehlertyp tritt häufig
bei Arabern auf. Im nächsten Fall („bei“ und „mit“) wird deutlich, dass die beiden
Präpositionen im Arabischen vorhanden sind und ihre Bedeutungen im Arabischen
verhältnismäßig ähnlich sind. Das vierte Beispiel zeigt, dass der Student den Satz richtig
erfasst hat. Aus diesem Grund hat er die Präposition „von“, die in diesem Fall genau der
arabischen Präposition entspricht, statt der deutschen Präposition „vor“ eingesetzt. Da die
Präpositionen in diesen präpositionalen Objekten praktisch keine engen Bedeutung haben,
gibt es wenig Hilfen, die richtige Präposition zu erschließen.
23
Im Deutschen gibt es transitive Verben, die keine Präpositionen brauchen. Im Arabischen
hingegen verlangen die entsprechenden Verben Präpositionen, sodass die Deutsch
lernenden Araber in diesem Fall eine Präposition einsetzen. Diese häufigen Fehler treten
meistens auf, wenn die Lerner den Satz vom Arabischen ins Deutsche übertragen, wie es
aus dem nächsten Beispiel klar wird:
Es ist wichtig, dass die arabischen Lerner die Unterschiede der Präpositionen, die im
Arabischen die gleiche Bedeutung haben, berücksichtigen, wie z. B.: „bei“ und „mit“,
„von“ und „aus“, „in“ und „an“, „auf“ und „über“. Weil diese Präpositionen im
Arabischen nicht unterschiedlich sind, sondern paarweise nur eine Bedeutung haben,
sollten sich die Lehrer bei Anfängern an erster Stelle auf die Differenzen konzentrieren,
da zwischen diesen Präpositionen im Anfangsunterricht sehr schwer zu unterscheiden ist.
Die Lehrer sollten für Anfänger mit den Präpositionen, die mit dem Akkusativ
vorkommen, beginnen, weil sie im Arabischen existieren und die Lerner mit diesem
Kasus vertraut sind. Dann können die Lehrer die Präpositionen, die jeweils mit dem Dativ
und Genitiv vorkommen, unterrichten und die Lerner können die Unterscheidungen
allmählich erfassen. Man kann den fortgeschrittenen Studenten die Präpositionen mit
artikellosen Substantiven als Ausnahme vermitteln, wie etwa: ab Mittwoch, laut
Aufstellung, einschließlich Frühstück usw. (vgl. ABU ḤATAB 1976: 240).
Die Syntax beschreibt den Bau des Satzes. Die Syntax wird so in vielen Publikationen
definiert. Aber wer sich mit der Syntax beschäftigt, wird feststellen, dass diese Definition
mit Bezug auf den Satz eingeschränkt ist. Die Syntax analysiert nicht nur die Satzstruktur,
sondern alle sprachlichen Strukturen. Der Satz wird bei der Syntax als die obere Einheit
der Zusammenfügung betrachtet und das Wort als die untere (vgl. DÜRSCHEID 2010:
11). Die Mehrheit der Sprachwissenschaftler verstanden unter der Syntax die Lehre der
Zusammensetzung des Satzes, d. h. die Satzlehre. Die Sätze sind relevant in der Sprache,
aber sie sind nicht die größte Einheit der Sprache (vgl. ENGEL 2009: 15). Zum Beispiel
an einem Satz wie Es klingelte lässt sich feststellen, dass die Analyse dieses Satzes sich
syntaktisch und semantisch voneinander unterscheidet. Semantisch beschreibt man die
Bedeutung des Satzes aus der Bedeutung der einzelnen Teile. Syntaktisch wird der
24
Strukturaufbau des Satzes analysiert (vgl. DÜRSCHEID 2010: 12). Es gibt im Deutschen
fünf Satztypen: Aussagesatz "Deklarativsatz", Fragesatz "Interrogativsatz",
Aufforderungssatz "Imperativsatz", Wunschsatz "Optativsatz" und Ausrufesatz
"Exklamativsatz" (vgl. DÜRSCHEID 2010: 61f).
Die syntaktische Struktur des Satzes im Arabischen ist anderes als im Deutschen. Im
Gegensatz zum Deutschen gibt es im Arabischen drei Arten von Sätzen, die man bei der
Bildung eines arabischen Satzes beachten muss. Der "Nominalsatz" wird gebildet, wenn
das Nomen am Anfang eines Satzes steht. Den "Verbalsatz" bildet man, wenn ein Satz mit
einem Verb anfängt. Kommt ein Adverb an der Spitze eines Satzes vor, heißt er
"Adverbialsatz". Die drei Typen von der arabischen Sätze stellen alle Aussagesätze dar.
Man kann hier merken, dass der Unterschied zwischen dem deutschen und arabischen
Satz groß ist, weil der deutsche Satz, der mit einem Verb beginnt, keine Aussage
ausdrückt. Es drückt eine Frage oder Aufforderung aus.
[Link] Wortart
Das Wort ist ein linguistischer Begriff, der in der Linguistik eine schwierige Kategorie
darstellt. Manche Linguisten bestätigen das, darunter Vennemann: "Der Begriff des
Wortes ist einer der schwierigsten, vielleicht der problematischsten Kategorien überhaupt
in der gesamten Linguistik" (VENNEMANN 1982: 7). Das Wort wurde auf
unterschiedlichen Ebenen untersucht und definiert: auf der lexikalischen Ebene als
kleinster selbständiger Bedeutungsträger, auf der phonologischen Ebene als kleinstes,
durch Wortakzent und Pause isolierbares Lautsegment, auf der morphologischen Ebene
als die Grundlage der grammatischen Paradigmen, auf der orthographischen Ebene als
Einheit, die durch Leerstellen im Schriftbild gtrennt wird und auf der syntaktischen Ebene
als kleinste Einheit, die im Satz verschoben und ersetzt werden kann (vgl. BUSSMANN
1990: 849). Eine weitere relevante Klassifizierung der Wörter im Deutschen findet man
bei Peter Eisenberg: "Von den vielen speziellen Bedeutungen des Wortes Wort meinen
wir zwei verschiedene, wenn wir von Wörtern reden, die in einem Satz vorkommen, und
wenn wir von Wörtern reden, die in einem Lexikon stehen" (EISENBERG 1994: 35).
Nach Eisenberg ist die Differenzierung deutlich, dass sich die Wortformen (Wörter, die
im Satz vorkommen) von Lexemen (Wörtern, die in einem Lexikon stehen) unterscheidet.
Aber bei Vennemann sind die drei Teildisziplinen Phonologie, Morphologie und die
Lexikologie die wichtigsten, die das Wort als zentralen Untersuchungsgegenstand haben:
25
"Damit sind die drei Teildisziplinen der Grammatik, die das Wort als zentralen
Untersuchungsgegenstand haben, genannt und kurz charakterisiert: die Phonologie,
Morphologie und die Lexikologie" (VENNEMANN 1982: 7). Zu der Phonologie zählt die
Lautstruktur der Wörter, die interne Struktur der Wörter zählt zu der Morphologie und die
Klassenbildungen der Wörter gehören zu der Lexikologie (vgl. VENNEMANN 1982: 7).
Im Gegensatz zum Deutschen ist die Wortdefinition im Arabischen einfach, weil fast alle
arabische Sprachwissenschaftler einig sind, dass كلمةkalima Wort ein Ausdruck ist, der
einen Sinn bezeichnet. Z. B.: Ad-Deḥdāḥ:
„( “الكلمة هي الوحدة اللفظية الدنيا التي تدل على معنىAD-DAḤDĀḤ 1993: 262). Wörtlich: (kalima
(Wort) ist die minimalste Ausdruckseinheit, die einen Sinn bezeichnet). Bei Abu Hayyan
AL-Andalusi kann man eine ähnliche Definition finden:
„[...] ( “الكلمة لفظ مستقل دالAL-ANDALUSI 1997: 13). Wörtlich: (kalima Wort ist ein
bezeichnender selbständiger Audruck). Die meisten der klassischen und der modernen der
arabischen Grammatiker scheinen einstimmig darüber, dass es im Arabischen drei
Grundwortklassen gibt: Nomen, Verb und ḥarf. Die bekanntste Gestalt der arabischen
Grammitk Sibawayh bestätigt es:
„[…] وحرف جاء لمعنى ليس باسم والفعل, وفعل,( “]…[ فالكلم اسمSĪBAWAIH 1977:12). Wörtlich:
(kalima bezeichnet ein Nomen, Verb und ḥarf, das einen Sinn bezeichnet, das kein Nomen
und kein Verb ist). Die gleiche Einteilung hat der Nachfolger Ibn Mālik von Sibawayh
übernommen:
„[...] ( “]…[ واسم وفعل ثم حرف الكلم واحده كلمهIBN MĀLIK 1996: 11). Wörtlich: (kalim (die
kollektive Form von kalima (Wort)) ist: Nomen, Verb und ḥarf. Seine einzelne Form ist
kalima (Wort)). Die Definiton zeigt uns, dass die Wörter im Arabischen in Verb, Nomen
oder ḥarf eingeteilt [Link] heißt ḥarf im Arabischen? Ḥarf bezeichnet Buchstaben,
grammatische gebundene Morpheme: Flexions- und Wortbildungs-morpheme, Partikel,
Präpositionen und Konjunktionen.
In den nächsten Kapiteln werde ich über ḥarf ausführlich schreiben, weil die Wortart ḥarf
im Arabischen auch die Partikel enthält, auf die sich meine Arbeit bezieht. Auf
kompliziertere Fälle von Lexikoneinträgen wie idiomatischen Wendungen, die nur als
Ganzes eine bestimmte Bedeutung haben, aber aus mehreren Wörten bestehen, kann ich
in diesem kurzen Überblick nicht eingehen.
26
[Link] Wortstellung im Haupt- und Nebensatz
Die Wortstellung des Deutschen hat schwierige Regeln, weil sie sich auf
morphologische, syntaktische und kommunikative Voraussetzungen bezieht. Das finite
Verb steht im Hauptsatz an der zweiten Stelle der Satzglieder und im Nebensatz steht es
am Ende des Satzes. Es gibt im Deutschen drei Stellungsmöglichkeiten für das finite
Verb. Erststellung: Studierst du in Deutschland? (Entscheidungsfragen), Zweitstellung:
Ich studiere in Deutschland (Aussagen) und Endstellung: Ich wusste nicht, dass du in
Deutschland studierst (Nebensätze). Steht das finite Verb an erster Stelle, bezeichnet man
den Satz als Stirnsatz. Wenn das Prädikat in der zweiten Stellung ist, bezeichnet man
diesen Satz als Kernsatz. Die Sätze werden als Spannsätze gekennzeichnet, wenn das
Finitum an letzter Stelle ist (vgl. HELBIG/BUSCHA 1998: 564; KESSEL/REIMANN
2010: 5). Da die Sprachen über viele Eigenschaften verfügen, haben die
Sprachwissenschaftler die Sprachen nach ihren Wortstellungen segmentiert. Nachher
konnten Sie die Bildung der Sprachtypen an dem Satz der Vater lobt den Sohn
verdeutlichen, nach der Stellung des Subjekts "der Vater" mit der Abkürzung S, des Verbs
"lobt" (V) und des Objekts "den Sohn" (O). Die Sprachen wurden danach in Sprachtypen
eingeteilt. In diesem Teil werde ich mich auf die Einteilung der deutschen Sprache
beschränken. Das Deutsche hat verschiedene Stellungsmöglichkeiten, SVO (der Vater
lobt den Sohn), die Stellung OVS ist allerdings auch möglich (den Sohn lobt der Vater),
weil "den Sohn" in diesem Satz hervorgehoben ist. Ebenso kommt in Nebensätzen das
Verb am Ende vor, (weil der Vater den Sohn lobt), also SOV, (vgl. ROELCKE 2009: 49;
GNUTZMANN 1990: 119; INEICHEN 1991: 107f.). Die Frage ist natürlich, welche
dieser Stellungen die grundlegende ist, von der die anderen abgeleitet sind. Die meisten
Sprachwissenschaftler nehmen an, diese sei SOV, u.a. weil Kinder beim Erwerb des
Deutschen als erstes diese Reihnfolge produzieren.
Im Hinblick auf das Arabische finden wir, dass sich die Satzgliedstellungen im
Arabischen vom Deutschen unterscheiden. Im Arabischen wird der Hauptsatz mit VSO
gebildet, z. B. wäre die Entsprechung eines arabischen Satzes: geht Ali zum Supermarkt.
Ein weiteres Problem liegt darin, dass der arabische Hauptsatz in der Vergangenheit
überhaupt kein Hilfsverb bei der Bildung des Perfekts benötigt, z. B.: Ich habe das Auto
gekauft, wäre im Arabischen: Ich gekauft das Auto. Generell besteht die arabische
Sprache aus drei Typen von Sätzen, die man durch die Satzgliedstellungen unterscheiden
kann. Der erste Satz ist "der Nominalsatz", der gar kein Verb hat: Ahmed shorty, Ahmad
27
(ist) Polizist. Der Nominalsatz umfasst konstituierende Satzglieder (Mubtadaᵓ) مبتدأ
"Subjekt" und (ḫabar) " خبرnominales Prädikat". Obwohl die deutsche Sprache keine
verblosen Sätze kennt, heißt es nicht, dass die arabischen Nominalsätze nicht ins Deutsche
übertragen werden können, man kann solche Sätze mit Hilfe von Kopulaverben ins
Deutsche übertragen. Der zweite Satz ist "der Verbalsatz", sein Verb steht an erster Stelle.
Die Hauptsätze, bei denen das Subjekt an der ersten Stelle steht und bei denen das finite
Verb an zweiter Stelle steht, nennt man auch Verbalsätze: ṭārra ᵓAḥmed, wörtlich: Flog
Ahmed, Zweitstellung: ᵓana ᵓaḏhab ᵓilā l-bayti, Ich gehe nach Hause. Der dritte Satz ist
"der Adverbialsatz", der mit einem Adverb oder Präposition beginnt: "Heute fliege ich
nach Hause zurück", "seit einem Monat versuche ich meine Arbeit zu erledigen" (vgl.
RECKENDORF 1921: 1ff.).
[Link] Satzbildung
Nach Duden sind Sätze „sprachliche Einheiten, die relativ selbstständig und
abgeschlossen sind. Sie bauen sich aus kleineren sprachlichen Einheiten auf, die ihrerseits
schon einen gewissen Selbstständigkeitsgrad haben, aus Wörtern und gegliederten
Wortgruppen; und sie erscheinen normalerweise in größeren selbstständigen und
abgeschlossenen sprachlichen Einheiten, in Texten“ (DUDEN 1998: 609). Und nach Ries
„Ein Satz ist eine grammatische geformte kleinste Redeeinheit, die ihren Inhalt im
Hinblick auf sein Verhältnis zur Wirklichkeit zum Ausdruck bringt“ (RIES 1931: 99). Ein
Satzgefüge wird aus einem Hauptsatz und einem oder mehreren Gliedsätzen gebildet. Die
Nebensätze sind auf dem Hauptsatz angewiesen (vgl. DÜRSCHEID 2010: 57). Es wird
zunächst versucht, die semantische und syntaktische Funktion der Nebensätze zu
segmentieren. Es gibt einen Unterschied zwischen Nebensätzen und Gliedteilsätzen. Die
Funktion von einem Subjekt, Objekt, Adverb und einem Prädikativ wird von Gliedsätzen
übernommen. Z. B.: Subjektsatz „Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“
(DÜRSCHEID 2010: 59), Objektsatz: „Sie meinte, dass sie keine Kraft habe“,
Adverbialsatz: „Sie trainierte, bis sie nicht mehr konnte“, Prädikativsatz: „Sie hat
bekommen, was sie sich immer schon gewünscht hatte: eine Tochter“. Hinzu kommen
die Gliedteilsätze, die das Bezugswort ausbauen können. Sie tauchen nicht als Satzglieder
auf, sondern als Teile von Satzgliedern, auf die sie sich als Attributsätze beziehen. Das
nächste Beispiel verdeutlicht die syntaktische Funktion des Attrributs. Beispielsweise
„Was du verlangt hast, das mache ich nicht“. Man kann diesen Satz ohne das Korrelat das
verstehen. Aber dieses Korrelat füllt die syntaktische Stellung des Objekts aus. Wenn der
28
Beispielsatz ohne das Korrelat das steht, wird der Gliedsatz in die Objektfunktion
eintreten.
29
2. Zu den deutschen Partikeln
Die 1969 erschienene Dissertation von Weydt "Die deutschen Modalwörter und ihre
französischen Entsprechungen" weckte die Aufmerksamkeit der Sprachwissenschaftler
und ließ das Interesse für die Partikelforschung wachsen. In der Folge von Weydts Arbeit
hat die Zahl der Publikationen in diesem Bereich zugenommen. Die deutsche
Partikelforschung ist so in den vergangenen dreißig Jahren innerhalb der
Sprachwissenschaft zu einem bevorzugten Gegenstand linguistischer Untersuchungen
geworden. Die Dissertation von Weydt gilt in der Forschungsgeschichte zu den deutschen
Partikeln als Grundstein. Weydt gründete ein Forum für die Partikelforscher und
veranstaltete mehrere Konferenzen zu diesem Thema. Es kam zu mehreren
wissenschaftlichen Gesprächen, in denen es um die Partikelforschung ging. Die
Veranstaltungen von Weydt führten zur Vertiefung und Verbesserung der Forschung im
Bereich der Partikeln, an der viele Linguisten und Sprachwissenschaftler mit
verschiedenen Fragestellungen teilnahmen. Die Definiton und die Abgrenzung der
Partikeln wurden auf mehreren dieser Tagungen diskutiert. Außerdem wurden die
Partikeln verschiedener Sprachen herausgearbeitet. Darüber hinaus wurde die
Verwendung der kontrastiven Linguistik behandelt. Seitdem ist dieser Schwerpunkt der
linguistischen Forschung gewachsen. Im Jahr 1982 wurde ein Kolloquium mit dem
Thema "Partikel und Interaktion" veranstaltet. Diesem folgten weitere Kolloquien mit
dem Ziel, die Probleme der Partikelforschung zu bewältigen. Außerdem trugen die
Partikelkolloquien zur Herausgabe von Hunderten von Beiträgen in diesem Bereich bei.
Später wurden diese Beiträge in fünf Sammelbänden veröffentlicht, die von Weydt in den
Jahren 1977, 1979, 1981, 1983 und 1989 herausgegeben worden sind. Sie zeigen das
steigende Interesse an der Erforschung der Partikeln und die verschiedenen Aspekte der
Partikelanalyse, die von zahlreichen Sprachwissenschaftlern behandelt wurden (vgl.
KÄRNÄ 2000: 20).
Im Verhältnis zu anderen Sprachen ist die deutsche Sprache besonders reich an Partikeln.
In deutschen Texten entfallen auf 100 Gesamtwörter 13 Partikeln, in französischen
Texten auf 100 Gesamtwörter dagegen nur 7 Partikeln. Dies ergab die Zählung von
Weydt (vgl. WEYDT 1969: 4). Zu den deutschen Partikeln forschten u.a.
VINOGRADOV 1947, ARNDT 1960, KRIVONOSOV 1963, ERBEN 1958, ADMONI
1966, HELBIG 1970, FRANCK 1979 sowie HENNE 1979.
31
2.1.1 Hinwendung der Partikelforschung zur Grammatik
Alle Elemente der Wortart "Partikel" gehören in der traditionellen deutschen Grammatik
zur geschlossenen Wortklasse der Unflektierbaren. Diese Wortklasse umfasst
morphologisch alle unflektierbaren Wörter, die nicht-konjugierbar, nicht-deklinierbar und
nicht-komparierbar sind. Sie unterscheiden sich sowohl syntaktisch als auch semantisch
voneinander. Zu dieser Wortklasse gehören nicht nur die Partikeln im engeren Sinn
(Steigerungs-, Abtönungs-, Grad-, Antwort- und Negationspartikeln), sondern auch Satz-
Adverbien, Konjunktionen und Präpositionen.
Die folgenden Beispiele stellen die Aufnahme der Erkenntnisse der Sprachwissenschaftler
in neure Grammatiken des Deutschen vor, wie z. B. in die Duden-Grammatik 1995, die
Grammatiken von Helbig/Buscha 1984, von Engel 1988, von Erben 1980 und in die IdS-
Grammatik 1997 (IdS = Grammatik der deutschen Sprache des Instituts für deutsche
Sprache).
Im Duden 1995 scheinen die Grammatik und die Wortarten-Klassifizierung völlig neu
erarbeitet worden zu sein, da sie sich von den älteren Ausgaben wesentlich unterscheiden.
Die vorigen Ausgaben der Duden-Grammatik 1966, 1974 sowie 1984 verwenden den
Begriff "Partikel" für die Restklasse von Lexemen, die weder deklinierbar noch
konjugierbar sind. Im Jahr 1995 sind die Partikeln zu einer Subklasse der Inflexibilia
geworden und werden gegliedert in:
1. Gradpartikeln
2. Fokuspartikeln
3. Modalpartikeln (Abtönungspartikeln)
4. Gesprächspartikeln (Interjektionen)
5. Negationspartikeln
Die Partikeln nach der Darstellung im Duden sind eine unflektierbare Wortart und bilden
keine Satzglieder, sondern treten als Satzgliedteile auf. Außerdem verfügen die Partikeln
über keine lexikalische Bedeutung und keine grammatische Funktion (vgl. DUDEN 1995:
88 f.).
31
Nach HELBIG/BUSCHA 1999 werden die unflektierbaren Wörter nach ihrer
syntaktischen Stellung und Distribution in Adverbien, Modalwörter und Partikeln
eingeteilt. Im Satz fungieren die Adverbien und Modalwörter als Satzglied, die Partikeln
jedoch nicht. Sie werden im Satz mit dem Bezugswort verschoben. Im Unterschied zum
Adverb kann die Partikel niemals allein an erster Stelle vor dem finiten Verb stehen (vgl.
HELBIG/BUSCHA 1999: 428). Die Subklassen der Partikeln sind auf einer Ebene
unterteilt, indem die Partikeln semantisch nach objektiven Merkmalen "wie Bestätigung
und Identifizierung, Abschwächung, ..." und subjektiven Merkmalen "wie Sorge und
Zweifel, ..." differenziert werden. Syntaktisch können die Partikeln zu Adjektiven und
Adverbien treten, die dann als Intensifikatoren mit graduierendem Charakter dienen und
nicht als Subklassen bezeichnet werden (vgl. HELBIG/BUSCHA 1999: 430 ff.).
Bei Engel werden alle unflektierbaren Wörter als Partikeln bezeichnet. Die Subklassen
sind die folgenden:
1. Adverbien
2. Konjunktoren
3. Subjunktoren
4. Präpositionen
5. Satzäquivalente
6. Gradpartikeln
7. Abtönungspartikeln
8. Modalpartikeln
9. Rangierpartikeln
10. Kopulapartikeln
Die Satzäquivalente sind kein Teil eines Satzes, sondern können Sätze vertreten wie
hallo, nein, pfui, danke usw. Diese Wörter werden hier als Satzäquivalente bezeichnet
(vgl. ENGEL 1988: 19).
Nach ERBEN 1972 sind die vier Wortklassen Verb, Substantiv, Adjektiv-Adverb und
Dienstwörter. Die Dienstwörter sind flektierbare Wortklassen und haben keine produktive
Wortbildung. Sie werden sehr häufig gebraucht und spielen eine Rolle beim Aufbau des
Satzes und bei der Textkonstitution. Zu den Dienstwörtern zählen die Formwörter
32
Pronomina und Prominaladverbien sowie die Fügewörter Präpositionen, Konjunktionen
und Konjunktionaladverbien (vgl. ERBEN 1972: 60).
Die IdS-Grammatik bezeichnet die Partikeln als Wortklasse, die wie folgt unterteilt wird:
Die oben genannten Einteilungen in Subklassen verdeutlichen, wie der Begriff der
Kategorie Partikel sich bei den Sprachforschern unterscheidet. Nach HELBIG/BUSCHA
1999 unterscheiden sich die Partikeln z. B. von Adverbien und Modalwörtern. Bei
ENGEL 1988 sind alle unflektierbaren Wörter Partikeln. Das Lexikon deutscher Partikeln
HELBIG 1990 bezeichnet die Subklassen der Partikeln als Antwortpartikeln,
Steigerungspartikeln, Gradpartikeln, Abtönungspartikeln, Negationspartikeln und
Infinitivpartikeln. Die Klasse der Partikeln ist in den traditionellen deutschen
Grammatiken sowohl als Wortart als auch als Subklasse etabliert. So verbirgt sich nicht
ständig die gleiche Klasse hinter denselben Begriffen. Was im Duden Gradpartikel heisst,
wird bei Helbig als Steigerungspartikel bezeichnet. Fokuspartikeln im Duden heißen bei
Helbig/Buscha Gradpartikeln. Helbig/Buschas Abtönungspartikeln werden im Duden als
Modalpartikeln bezeichnet. Die Intensivpartikeln der IdS-Grammatik gleichen den
Gradpartikeln im Duden und die Gradpartikeln in der IdS-Grammatik entsprechen den
Fokuspartikeln in der Duden-Grammatik. Es gibt Subklassen in der IdS-Grammatik, die
in der Duden-Grammatik nicht vorhanden sind, z. B. die Konnektivpartikeln. In den
unterschiedlichen Grammatiken gibt es demnach verschiedene Definitonen für die Klasse
Partikel und die Subklassen, woraus folgt, dass der Vergleich der Partikelgruppen nur
eingeschränkt möglich ist (vgl. KÄRNÄ 1991: 187).
33
2.2 Partikeln und Wortarten
Die Partikeln bilden alleine keine Satzglieder, sie sind nur mit dem Bezugswort
verschiebbar und prinzipiell nicht erststellenfähig. Sie können den Wahrheitswert der
Sätze nicht verändern, eine Ausnahme stellen nur die Negationspartikeln dar. Die
Partikeln ermöglichen die Verstärkung und die Abschwächung der Äußerungen. Es hat
jedoch keinen Einfluss auf die Grammatik und die Bedeutung der Sätze, wenn sie
eliminiert werden (vgl. RÖMER 2006: 160 f.).
Im Unterschied zu den Adverbien können die Partikeln nicht selbständig auf Fragen
antworten, denn sie gelten nicht als Satzglied im Satz. Die Adverbien dagegen sind
Satzglieder und können auf Ergänzungsfragen antworten. Das folgende Beispiel
verdeutlicht den Unterschied:
Die obengenannten zwei Beispiele erläutern den Unterschied zwischen der Partikel
ziemlich und dem Adverb heute. Wenn man die Frage nach der Partikel bzw. dem Adverb
stellt, werden die Antworten der beiden Beispiele sehr deutlich und zeigen, dass die
Partikeln keine selbständige Antwort auf die gestellte Fragen geben (vgl. HELBIG/KÖTZ
1981: 10).
34
In den fünfziger Jahren entwickelte Glinz die "Fünf-Wortarten-Lehre". Diese
unterscheidet zwei Gruppen von Wortarten, die sowohl die flektierbaren als auch die
unflektierbaren Wortklassen differenzieren. In der ersten Gruppe werden die flektierbaren
Lexeme in konjugierbar "Verben" und "deklinierbar", also Teile der Substantivgruppe,
klassifiziert. Die deklinierbaren Lexeme werden wiederum in Wörter mit festem Genus
(Nomen) und variablem Genus untergliedert. Zu den letzteren Wörtern gehören die
Adjektive, die steigerbar mit zwei Flexionsreihen, und Artikel bzw. Pronomen, die nicht
steigerbar sind. Die unflektierbare Gruppe bilden die Partikeln, Konjunktionen,
Präpositionen, Adverbien, Interjektionen sowie auch die Partikeln bzw. die
Steigerungspartikeln (vgl. LINKE 1991: 77).
Die Wortarten nehmen in der Geschichte der Sprachwissenschaft eine zentrale Rolle ein.
In der deutschen traditionellen Grammatik werden die Wortarten auch als Wortklassen,
Redeteile und Lexemklassen bezeichnet. Schon bei den Griechen des Altertums wurden
die „Redeteile“ entwickelt, weil sie Bezeichnungen für Gegenstände und Aussagen, für
Subjekt und Prädikat benötigten, um die Rhetorik und Philosophie zu erörtern. Dafür
teilten sie die Lexeme in für die Redeteile verwendbare Arten ein. Zusätzlich entwickelte
Platon nur zwei Wortarten, Aristoteles hat dazu zwei Wortklassen ergänzt, die mehr oder
weniger mit unseren Konjunktionen und Artikeln übereinstimmen (vgl.
BERGENHOLTZ/SCHÄDER 1977: 20; OSSNER 1989: 94 f.).
35
unterscheiden. Darunter stellen Numerale und die vier Klassen von Adverbien: Negation,
Adverb, Modalwort und Partikeln ihre eigenen Wortklassen dar. Es gibt eine
Differenzierung im Hinblick auf die semantischen Beschreibungen zwischen den
Adverbien, Modalwörtern und Negationen. Ihre Differenzierung wird semantisch
bestimmt. Hingegen stellen die adverbiellen Wortklassen, die Partikeln "ganz, sehr,
ziemlich" etc, eine Wortklasse dar, die nur syntaktisch bestimmt wird (vgl.
BERGENHOLTZ/SCHÄDER 1977: 21 f.).
Das semantische Krierium eignet sich nur wenig für die Bestimmung der grammatischen
Wortarten, denn es existiert keine deutliche Zuordnung von formalen und semantischen
Beschreibungen. Deshalb bleibt die Zuordnung, was die semantische
Wortartenklassifikation angeht, unklar. In Anlehnung an Erben unterscheiden Stepanowa
und Helbig nach semantischen Kriterien zwei Formen: Adjektive und Substantive.
Sie denken, dass die Adjektive nicht einfach Lexeme sind, die Eigenschaften bezeichnen,
sondern Wörter, die bestimmte Sachverhalte als Eigenschaften erfassen bzw. darstellen.
Sie meinen auch, dass Substantive als „Dingwörter“ keine einfachen Wörter sind, die
Dinge bezeichnen, sondern Wörter, die vom Denken erfasste Dinge oder Größen abbilden
(vgl. HELBIG/KÖTZ 1981: 45).
Das syntaktische Kriterium basiert auf der grammatischen Funktion und ist ein häufig
verwendetes Kriterium. Die syntaktische Verwendbarkeit führt zu einer großen Anzahl an
Klassen grammatischer Wörter, wie z. B. finite Hilfsverben, finite Verben,
Fragepronomen, Relativpronomen, Relativartikel, Nomen, Eigennamen. Man muss hier
erwähnen, dass dieses Kriterium sehr unterschiedliche Klassen hervorruft und die
Charakteristika nicht einheitlich sind (vgl. BERGENHOLTZ/SCHÄDER 1977: 23).
Nach Gallman sind das syntaktische Kriterium und die Wortarten überhaupt uneindeutig,
weil die Formklassen und die Funktionen gleich bezeichnet werden (vgl. GALLMANN
2000: 134).
36
Das morphologische Kriterium hat in der indoeuropäischen Grammatikentwicklung eine
hervorragende Bedeutung, weil es das wichtigste Kriterium der typologischen
Klassifizierung aller Sprachen darstellt (vgl. HELBIG/KÖTZ 1981: 45). Durch das
morphologische Kriterium werden die flekierbaren und unflektierbaren Wortklassen
differenziert. Die unflektierbaren Wortklassen sind Lexeme, die nur eine Form, nur ein
grammatisches Wort haben, wie z. B.: auf, da u.a. Im Gegensatz dazu weisen die
flektierbaren Wortklassen mehrere grammatische Formen auf, wie z. B.: er, gut, haben u.
a. Morphologisch gesehen werden die flektierbaren Wortklassen in zwei Gruppen
unterteilt (vgl. EICHER/BÜNTING 1994: 19 ff.):
1. Konjugation (Verben)
Im Grunde genommen muss man darauf hinweisen, dass die meisten Arbeiten der
deutschen Grammatik, in denen auf die Wortarten eingegangen wird, eine Kombination
von morphologischen, semantischen und syntaktischen Kriterien benutzen.
Die Partikeln wurden zu Beginn der Partikelforschung mit negativen Termini wie
Flickwörter (GABELENTZ 1901), „Läuse im Pelz unserer Sprache“ (REINERS 1944),
farblose Redefüllsel (LINDQUIST 1961), Würzwörter (THIEL 1962), Füllwörter
(ADLER 1964), Sprachhülsen, Färbewörter (COLDITZ 1966) und unscheinbare
Kleinwörter (TSCHIRCH 1968) betitelt. Für die Partikeln verwendeten die
Sprachwissenschaftler auch andere Termini für ihre Arbeiten wie z. B. kommunikative
Partikeln (RATH 1975), Satzpartikeln (ASBACH-SCHNITTKER 1977), Existimatoren
(THUN 1984) und Einstellungspartikeln (DOHERTY 1985). Thiel 1962 bezeichnet die
Partikeln als Würze der gesprochenen Sprache.
Im fünfzehnten Jahrhundert wurde der Begriff Partikel aus dem Lateinischen als
Fremdwort ins Deutsche eingeführt (vgl. DUDEN 1984: 493). Das Wort Partikel wurde
aus der rein diminutiven lateinischen Form "Particula" abgeleitet, die aus dem
lateinischen Begriff "pars" (Teil) abstammte. Dieses lateinische Wörtchen "Particula"
hieß im Deutschen "Teilchen". Im 16. Jahrhundert erschien auch der Begriff "vocula"
(Wörtlein). Die beiden Begriffe vocula und particula werden von Schottelius bzw. Stieler
37
als kleine Wörter bezeichnet und im 17. Jahrhundert übernommen. Im selben Jahrhundert
wird von Bökiger der Begriff Partikel als Oberbegriff für die Inflexibilia eingeführt.
Hingegen wird Partikel im 18. Jahrhundert von Gottsched als Bezeichung für kleine
Wörter verwendet (vgl. KÄRNÄ 1991: 191). Hentschel meint, dass die Partikeln in der
Geschichte der Sprachwissenschaft sehr jung seien, weil sie sich erst im 15. Jahrhundert
aus dem Mittelhochdeutschen herausgebildet hätten (vgl. HENTSCHEL 1986: 5). Die
meisten Lexika sind sich in der Bestimmung des Terminus „Partikel“ einig. Bußmann
beschreibt in ihrem Lexikon die Partikeln sowohl als Sammelbezeichnung der
unflektierenden Lexeme als auch als Wortart mit verschiedenen Verwendungen (vgl.
BUSSMANN 1983: 371). Was unter dem Begriff „Partikel“ verstanden wird, versucht
Bußmann wie folgt zu definieren:
„Im Sinne der neueren P-Forschung versteht man unter P. im engeren Sinne nicht
flektierende, nicht gliedhafte Wortklassen, die keine (oder wenige) selbständige
lexikalische Bedeutung aufweisen, aber die Bedeutung ihrer jeweiligen Bezugselemente
modifizieren“ (BUSSMANN 1983: 371).
Das Wort „Partikel“ hat im Deutschen zwei Bedeutungen, wenn wir das Wort im Genus
betrachten: Die erste Bedeutung, das Partikel – Plural die Partikel „n“ – das neutrale
Genus, wird in der Philosophie, in der Naturwissenschaft und in der Physik die kleinsten
Teile eines Körpers verwendet. Die Pluralform tritt mit der Endung "n" und auch ohne
Endung auf (vgl. HERMANN 1992: 734). Die zweite Bedeutung, die Partikel – Plural die
Partikeln – mit femininem Genus, sind die Partikeln, um die es in meiner Arbeit geht, die
unbeugbaren Lexeme, die grammatisch nicht verändert werden können. Beide Begriffe
und das unterschiedliche Genus stellen ein erhebliches Problem in der Vermittlung des
Deutschen dar, weil sie zur Verwirrung in der richtigen Verwendung der beiden Termini
führen können (vgl. BRAUN 1998: 80). Darüber hinaus haben sie meistens in anderen
Sprachen keine adäquaten Übersetzungen. Metaphorisch betrachtet schweben die
Partikeln wie in der Physik, aber nicht in der Luft, sondern in der deutschen Sprache
herum. Sie verbergen sich im Kontext, wirken zusammen und spielen eine wichtige Rolle
in der Kommunikationsfunktion der Sprache (vgl. WEYDT 1977: 7).
38
Sinn alle Wörter, die nicht-konjugierbar, nicht-deklinierbar und nicht-komparierbar sind.
Zu den Partikeln nach dieser Definition zählen auch die Konjunktionen, die
Präpositionen, die Adverbien, die Modalwörter, die Negationswörter und die Partikeln im
engeren Sinne. Von den Partikeln im engeren Sinne, nämlich den Partikeln, die dazu
dienen, die Stellung des Sprechers zum Gesagten zu charakterisieren, ist hier die Rede.
Diese unflektierbaren Wörter können auf keine Entscheidungs- oder Ergänzungsfragen
antworten und nicht an der ersten Stelle des Satzes stehen, weil sie keine selbständigen
Satzglieder sind. Die Partikeln sind im Satz integriert und haben keinen Einfluss auf die
Bedeutung des Satzes. Außerdem können sie nicht auf den Wahrheitswert des Satzes
einwirken (vgl. HELBIG 1981: 8 ff.).
In den nächsten Abschnitten sollen die Merkmale der Partikeln verdeutlicht und die Frage
beantwortet werden, inwiefern die Partikeln für die deutsche Sprache nötig sind,
insbesondere im Hinblick darauf, dass ihre Bedeutung in der Sprache des Dialogs höher
ist als in der Schriftsprache.
Aus der morphologischen Perspektive betrachtet sind alle Partikeln unflektierbare Wörter,
die weder konjugierbar, deklinierbar noch komparierbar sind.
39
Sicher hat er die Arbeit gut erledigt.
Sicher, er hat die Arbeit gut erledigt.
Aus den Beispielen ist ersichtlich, dass die Adverbien an erster Stelle stehen können.
Auch die Modalwörter sind erststellenfähig und man kann sie als Linksverlagerungen
absondern, während Partikeln in der Regel die Erststellung allein nicht ausfüllen und nie
abgesondert werden. Des Weiteren können die Partikeln im Unterschied zu den
Adverbien und Modalwörtern nicht erfragt werden. Es ist nicht möglich, dass die
Partikeln auf die gestellten Fragen antworten. Sowohl die Adverbien als auch die
Modalwörter sind Satzglieder und können so auf Fragen antworten. Die Adverbien gelten
als selbständige Antworten auf die Ergänzungsfragen (Satzgliedfragen) und die
Modalwörter als selbständige Antworten auf Entscheidungsfragen (Satzfragen). Die
folgenden Beispiele erläutern die Antworten der Adverbien auf Satzgliedfragen und die
Antworten der Modalwörter auf Satzfragen sowie den Umstand, dass die Partikeln auf
keine Fragen antworten (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 21 ff.):
41
Die Partikeln unterscheiden sich syntaktisch in bestimmte Subklassen, in Abhängigkeit
davon, ob sie mit mehreren anderen Wortarten vorkommen können (vgl. HELBIG/KÖTZ
1981: 12 f.).
Die Subklassen sind:
b. Er ist zu groß.
41
5. Partikeln, die mit Substantiven und ursprünglichen Adverbien vorkommen
können: allein, beispielsweise, zumal:
Unter semantischem Aspekt haben die Partikeln keine lexikalische Bedeutung, sie sind
bedeutungsarm, d.h. wenn die Partikeln eliminiert werden, verlieren die Sätze ihre
semantischen Informationen nicht. Sie haben demnach keinen Einfluss auf den
Bedeutungswert der Sätze. Die Partikeln tangieren die Wahrheitsbedingungen von
deutschen Aussagesätzen nicht (vgl. BUSSE 1992: 43) wie z. B.:
Semantisch betrachtet gibt es zwei Gruppen von Wortarten. Die erste Gruppe besteht aus
Lexemen, die eine vollkommene lexikalische Bedeutung haben, nämlich Nomen, Verben
und Adjektiven. Die zweite Gruppe wird im Duden als Restklasse bezeichnet. Zu dieser
Gruppe zählen u.a. Wortklassen wie Präpositionen, Artikel, Konjunktionen, Adverbien
und die sogenannten Partikeln, auf die sich die vorliegende Arbeit vor allem bezieht.
Diese Wortarten unterscheiden sich lt. Duden von Vollwörtern bzw. Inhaltswörtern, und
werden als Funktionswörter bzw. Strukturwörter betitelt. Die Bedeutung der Partikeln
ergibt sich im sprachlichen Kontext, ihre Bedeutung kann sich nur im Zusammenhang mit
den anderen Satzgliedern im Satz entfalten. Die Bedeutung kann bei Gradpartikeln in der
Relation zu einzelnen Satzgliedern im Satz entstehen. Hier in der Beziehung zum Subjekt
bzw. zum Satzobjekt (vgl. BUSSE 1992: 37 ff.):
42
Nur Thomas hat zwei Bücher gekauft.
Er hat nur noch zwei Bücher erhalten.
Bei der Abtönungspartikel entfaltet sich die Bedeutung stets aus ihrer Relation zum
ganzen Satz wie beispielsweise:
Die Partikelbedeutungen werden als sekundär angesehen und ihre Bedeutung auf der
Basis der Kenntnis der Satzbedeutung abgeleitet. In der Partikelforschung sind die
Sprachwissenschaftler der Meinung, dass die Bedeutung der Partikel nicht explizit sein
kann, sondern die Partikelbedeutungen nur implizit erschlossen werden können.
Allerdings führen die Partikelbedeutungen manchmal zur Verwirrung, wie die folgenden
Beispiele zeigen (vgl. BUSSE 1992: 45):
Wie die Beispiele zeigen, kann die Partikel ja in einem Assertionssatz vorkommen,
jedoch nicht in einem Fragesatz auftreten. Die Partikel doch kann demgegenüber in
Aussagesätzen und in Fragesätzen erscheinen und verfügt über differenzierte Betonungen.
Die Partikeln sind mit dem Kontext des Satzes verbunden, da das Verstehen der
Bedeutung der Partikeln sich auf die Kenntnis der gesamten Sprech- und
Kommunikationssituation bezieht. Die Partikeln können als Hinweismittel darauf
verwendet werden, wie das vom Sprecher vorausgesetzte Wissen gesehen wird. Für
diesen Fall wenden die Sprachwissenschaftler auch den Terminus "Präsuppositionen" an
(vgl. Busse 1992: 45). Unter Partikeln versteht Franck Kontextualisierungs-anweisungen,
die mit den Präsuppositionen verbunden sind (vgl. FRANCK 1980: 254). Damit die
Funktion einer Partikel verstanden wird, so Weydt 1989, muss „ein Hörer oder Leser
ausgehend von den geäußerten Sätze auf die vorausgesetzten und mitzudenkenden
Informationen, Kontextfaktoren, Einstellungen etc. schließen können“ (WEYDT 1989:
332). Die Partikeln modifizieren die Äußerungen in bestimmter Weise. Sie bestimmen ein
43
Wort im Satz näher, spezifizieren, graduieren oder erörtern es. Es ist nicht möglich, die
Beschreibung der Klassen innerhalb der Partikel semantisch vollständig nachvollziehen
zu können, da ihre denotative Bedeutung sehr gering ist und sich die semantischen
Beschreibungen und Klassifizierungen mehr auf den kommunikativen Wert beziehen
(vgl. HELBIG 1981: 14).
Aus pragmatischer Perspektive drücken die Partikeln feine Nuancen aus und sind
Indikatoren für bestimmte Sprechhandlungen (vgl. HELBIG 1981: 11). Sie situieren die
Äußerung im konversationellen Kontext und modifizieren den Sprechakt im Sinne des
Sprechers und steuern die Interpretationsprozesse des Hörers und die Interaktion. Die
Pragmatik untersucht auch die Kommunikationssituationen und Vorausetzungen, sie zu
bilden, d.h. mit Präsuppositionen, und sie zu äußern, d.h. mit den Intentionen. Sie
beschäftigt sich darüber hinaus mit der unmittelbaren Interaktion zwischen Sprecher und
Hörer und mit deren Erwartungen.
Die Forschungen, die sich mit den Methoden der Sprechakttheorie befassen, orientieren
sich am Vorkommen der Partikeln in Bezug auf die Sprechhandlung, die sie mit der
partikelhaltigen Äußerung vollziehen können. Die Zuordnung zu einzelnen Sprechakten
sind jedoch in den Untersuchungen unterschiedlich, da es den Sprachwissenschaftlern
nicht gelungen ist, einen einheitlichen, verbindlichen Sprechaktkatalog zu entwickeln.
Untersuchungen, die die Sprechakte bestimmten Partikeln zuordnen bzw. die
Sprechakttheorie in reiner Form anwenden und sie konsequent auf die Beschreibung der
Partikeln verwenden, sind Weydt 1981 unbekannt (vgl. WEYDT 1981: 50) Weydt
beschreibt die Rolle der Sprechakttheorie in der Partikelforschung wie folgt:
44
„Die Sprechakttheorie hat allenfalls die Rolle eines theoretischen Hintergrundes,
an dem sich manche Untersuchungen orientierten, sie findet wenig direkte und
unmodifizierte Anwendung.“ (WEYDT 1981: 50).
Es gibt in der Sprache zwei Arten von Konventionen: die grammatische Konvention, die
sich auf die Zuordnung von Laut und Bedeutungen, von Syntax und Semantik bezieht,
und die kommunikative bzw. Sprechhandlungskonvention, die das Verhältnis des
sprachlichen Zeichens zu seiner kommunikativen Funktion bestimmt (vgl. HELBIG 1981:
15). Die Partikeln kommen in den Alltagsgesprächen häufig vor. Wenn dieses
Vorkommen genauer analysiert wird, kann festgestellt werden:
Je schwieriger das Thema – vom sachlichen Inhalt her oder von den beteiligten
Emotionen – desto größer der Anteil an Partikel-Kombinationen.
Je vertrauter das Thema – weil schon oft besprochen oder vorbedacht – desto
weniger Partikel.
Die genannten Merkmale sind eng miteinander verbunden. Auf diesem Hintergrund lässt
sich feststellen, dass es möglich ist, die verwandten Wortklassen - vor allem Adverbien
und Modalwörter - abzugrenzen. Aber es ist relevant, dass die spezifischen
kommunikativen Leistungen herausgearbeitet werden. In den nächsten Abschnitten
werden die Modifizierung der Äußerungen durch die Partikeln und die morphologischen,
syntaktischen, semantischen und kommunikativen Leistungen für jede Subklasse der
Partikeln ausführlich behandelt.
Die Abgrenzung der Partikeln von den anderen unflektierbaren Wortklassen ist unter den
Sprachwissenschaftlern umstritten, da die meisten Partikeln auch Homonyme in anderen
Wortklassen haben. So ist die Klassifikation der deutschen Partikeln problematisch. Die
Partikeln kommen in verschiedenen Subklassen vor, aber ihre Funktionen und ihre
45
Verwendungen sind jeweils unterschiedlich. Hier wird die Behandlung einzelner Partikeln
in den Subklassen durchgeführt. Ich werde im Folgenden die wichtigsten Merkmale der
Partikeln und die Funktionen der Subklassen sowie die syntaktischen Beschreibungen
aufzeigen. Dazu werden auch die Stellungsmöglichkeiten der Partikeln im deutschen Satz
behandelt.
[Link] Gradpartikeln
ALTMANN 1976 hatte die Gradpartikeln als Gruppe etabliert und entwickelt. Er
versuchte alle Gradpartikeln in einer monographischen Darstellung zusammenzustellen,
in der die formalen semantischen und pragmatischen Merkmale enthalten sind. Er hatte
die syntaktischen Merkmale in Bezug auf die Positionsmöglichkeiten der einzelnen
Gradpartikeln beschrieben. Dazu versuchte er die Relation zwischen der Bedeutung und
der Akzentposition zu verdeutlichen und das Problem der syntaktischen Beschreibungen
der Akzentposition in Bezug auf das Fokusproblem zu lösen. Die Forschungen von
Altmann 1976 und 1978 hatten sich damit auf die Stellung der Gradpartikeln und ihre
syntaktische, semantische und pragmatische Beschreibung beschränkt. Erst 1979 wurden
die Funktionsambiguität der deutschen Gradpartikeln und das Verhältnis von
Gradpartikeln und Fokusausdruck weiterentwickelt. Dafür wurden die Verwendungen
jeder einzelnen Gradpartikel intensiv analysiert (vgl. ALTMANN 2007: 363 f.).
46
Engel definiert die Gradpartikeln wie folgt:
Die Gradpartikeln „präzisieren [...] unter Umständen den Grad einer Eigenschaft des
folgenden Elements (z.B. nahezu), zugleich und oft ausschließlich spezifizieren sie aber
die Erwartbarkeit (sogar), oder sie setzen das Folgeelement in Beziehung zu gleichartigen
Elementen (besonders). So kann der Sprecher auch mit ihrer Hilfe vor allem seine
Einstellung zu einem Sachverhalt ausdrücken.“ (ENGEL 1988: 764)
Semantisch können die Gradpartikeln als Operatoren verstanden werden, weil sie sowohl
als Skopus als auch als Fokusbindung im Satz auftreten können. Sie verknüpfen die
Ausdrücke unterschiedlicher Substrukturen als Fokus, die somit einen Fokusakzent
aufweisen, der sich durch die Gradpartikeln ergibt. Deshalb können die Gradpartikeln
verschiedene Stellungen im Satz einnehmen. Aufgrund dieser Eigenschaft werden die
Gradpartikeln auch als "Rangierpartikeln" bezeichnet:
Entweder gelten sie als additive bzw. inklusive Gradpartiken, die eine einschließende
Funktion, oder als exklusive bzw. restriktive Gradpartikeln, die eine ausschließende
Funktion haben. Man kann die Gradpartikeln durch ihre Funktionen leicht erkennen. Als
Beispiel soll hier die Identifizierung der Funktion der Gradpartikeln nur und sogar
dienen, nur hat eine restriktive, sogar eine additive Bedeutung:
1. Additive/inklusive Partikeln:
47
b. sogar-Gruppe: sogar, nicht einmal. Man wendet sie nur skalierend an.
c. gerade-Gruppe: gerade, eben, genau, ausgerechnet, insbesondere,
besonders, vor allem, zumal.
d. schon-Gruppe: erst, noch, schon, bereits. Diese Gruppe der temporalen
Gradpartikeln wird bei Helbig als erst-Gruppe bezeichnet (vgl.
HELBIG/KÖTZ 1988: 45).
e. skalierende-Gruppe: wenigstens, höchstens, zumindest, mindestens.
2. Exklusive/restriktive Partikeln:
48
Ausdruck. Die Gradpartikeln sind abhängig von diesen Fokusausdrücken. Wenn diese
verschoben werden, müssen die Gradpartikeln mit verschoben werden, damit die
Bedeutung unverändert bleibt:
Sogar nach Frankfurt fährt Mathias mit dem Auto sehr schnell.
Nach Frankfurt fährt Mathias sehr schnell sogar mit dem Auto.
Mit dem Auto fährt Mathias sogar sehr schnell nach Frankfurt.
Durch die Beispiele können die Satzglieder mit dem Auto, sehr schnell, nach Frankfurt
Fokus einer Gradpartikel sein. Es ist theoretisch auch möglich, dass auch mit und sehr der
Fokus sein könnten. Aufgrund der semantischen Funktion kann dies jedoch nicht sein
(vgl. ALTMANN 2007: 365 f.).
Allerdings können alle Satzglieder Fokus einer Gradpartikel sein, wenn das Satzglied
akzentfähig ist und semantisch zu der Gradpartikel passt. Einige Verben können Fokus
der Gradpartikeln sein, wenn die Gradpartikeln unmittelbar vor den Verben stehen, die
das Ende des Satzes besetzen. Im Gegensatz zu den Verben in der Letztstellung stehen die
Gradpartikeln bei Verben, die die Erst- und Zweitposition einnehmen, nach dem finiten
Verb. Meist handelt es sich dabei um Vollverben. Modalverben weisen sehr geringe
semantische Voraussetzungen als Fokus auf, Hilfsverben und Kopulaverben sind sehr
selten der Fokus von Gradpartikeln. Präpositionen können als Fokusausdrücke fungieren
wie z. B. nur vor, nicht hinter der Universität; alle Arten von Attributen: in nur wenigen
Ländern; das sogar verkaufte Haus; sogar Onkels Koffer; das Auto sogar des Lehrers;
Die Kreuzung auch auf der Autobahn. Die Attributsätze sind kein möglicher Fokus: *die
Hoffnung sogar, dass sie unterschreibt/sogar darauf, dass sie unterschreibt. Schließlich
können auch die Subjunktoren als Fokus dienen, solange sie semantisch vergleichen
können: nur dass sie unterschreibt, nicht wie sie unterschreibt. Im Gegensatz zu den
Subjunktoren kommen die Konjunktoren nie als Fokus von Gradpartikeln in Frage (vgl.
ALTMANN 2007: 366 f.).
Hier stellen sich zwei Fragen. Weshalb können nur bestimmte Ausdrucksarten der Fokus
von Gradpartikeln sein? Und weshalb sind bestimmte Ausdruckstypen als Fokus von
Gradpartikeln ausgeschlossen? Es ist deutlich, dass die Möglichkeit, einen Fokusakzent
und eine semantische Voraussetzung zu haben, bei den Gradpartikeln im Vordergrund
steht. Die Abhängigkeit von der Stellung des Fokusakzents in der gesprochenen Sprache
49
und von den Fokusgrenzen stimmt mit den allgemeinen Fokusrestriktionen überein. Die
Stellung des Fokusakzents in der geschriebenen Sprache stellt kein Hilfsmittel bei der
Fokuszuordnung dar. Daher muss man die Informationen, die nicht vorhanden sind,
ausgleichen, und zwar unter der Bedingung, dass der Kontext sehr präzise beachtet wird.
Es ist selten, dass mehrere unterschiedliche Gradpartikeln in einem Satz auftreten können
(vgl. ALTMANN 2007: 369), bei Gradpartikeln, die koordinierbar sind, vorausgesetzt,
dass die Kombination semantisch verständlich ist, kommt es aber vor:
ALTMANN 1976 beschreibt ausführlich die Skopustypen von Gradpartikeln, die keine
Restriktionen in Bezug auf die Sprechhandlung und die Satzart haben. Sie verfügen
jedoch über Voraussetzungen in Bezugsbereichen. Der Skopus von Gradpartikeln basiert
auf dem semantischen Einfluss eines Ausdrucks und auf dem Skopusoperator.
Skopustypen sind Typen von Bezugsbereichen, die sich zumindest auf die Nominalgruppe
und Präpositionalgruppen, auf Pronominalgruppen und Nebensätze, und auf einige
Gruppen im Prädikatsbereich beziehen: auf Verben, prädikative Adjektive und
Substantive, auf Adverbien unterschiedlicher Gruppen u. a.:
Die Eigenschaften der Gradpartikeln ähneln der Negation in Bezug auf die Position im
Satz und die semantischen Bezugsbereiche, die wir "Skopus" nennen. Die Eigenschaften
sind Operatoren, die auf einem Skopus basieren. Die Operatoren im Skopus beziehen sich
nicht auf den ganzen Satz, sondern auf die Propositionen (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 40):
51
Sogar/Nur Paul hat die Tagung mit seinem Betreuer besucht.
Paul hat sogar/nur die Tagung mit seinem Betreuer besucht.
Paul hat die Tagung sogar/nur mit seinem Betreuer besucht.
Nicht Paul hat die Tagung mit seinem Betreuer besucht.
Paul hat nicht die Tagung mit seinem Betreuer besucht.
Paul hat die Tagung nicht mit seinem Betreuer besucht.
Der Fokusausdruck von Gradpartikeln hat einen besonderen semantischen Einfluss auf
eine Gradpartikel. „Der Gradpartikelfokus erzwingt jeweils eine in bestimmter Weise
strukturierte Interpretation des Grap-Satzes in Term und Prädikation darüber, und zwar
den Fokusausdruck, über den quantifiziert wird, und den Satzrest, der die eigentliche
Prädikation umfasst.“ (ALTMANN 2007: 370 f.).
Der Bereich der Assertion bzw. Implikation bezieht sich auf den Kern der Bedeutung
einer Äußerung. In Bezug auf die Negation ist zu sagen, dass sie niemals vor der
Gradpartikel vorkommen kann, da diese nicht erfragt oder verneint werden. Sie können
deshalb vor dem Negationswort stehen (vgl. BUBLITZ 1978: 36). Alle Partikeln erlauben
nicht, dass die Negation davor steht, wie zum Beispiel:
Die Gradpartikeln unterscheiden sich von den Abtönungspartikeln insofern, dass sie sich
nicht auf den gesamten Satz beziehen, sondern auf einzelnen Gliedern im Satz basieren,
eine semantische Funktion sowie keine kommunikativen Nuancen haben wie die
Abtönungspartikeln, die ich im nächsten Teil ausführlich behandeln werde.
51
[Link] Abtönungspartikeln
Es gibt in der Partikelliteratur eine ganze Reihe von Begriffen für diese Wortart: laut
RIESEL 1936 und MOSER 1960 Flickwörter, LINDQUIST 1961 inhaltslose Redefüllsel,
BRINKMANN 1962 Gesprächswörter, THIEL 1962 Würzwörter, ADLER 1964
Füllwörter, WEYDT 1969 Abtönungspartikeln, JUNG 1971 rangverleihende Partikel,
ERBEN 1972 emotional expressive Partikel, WUNDERLICH 1975 Partikelwörter,
BECKER 1976 Verknüpfungspartikeln, KRIVONOSOV 1977 modale Partikel, HENNE
1978 Gesprächswörter, HARTMANN und ASBACH-SCHNITTKER 1979 Satzpartikeln,
BURKHARDT 1982 Gesprächswörter, BASTERT 1985 modale Partikel; DOHERTY
1985 Einstellungspartikeln, WOLSKI 1986 modale Partikel.
Diese Begriffe, die für diese Gruppe vorgeschlagen wurden, beziehen sich auf die
Erfassung ihrer Funktion. Die zahlreichen Benennungen gelten als Aktivitätszeichen auf
dem Gebiet der Forschung der deutschen Partikeln. Seit Weydts Dissertation 1969 wurde
die Bezeichnung „Abtönungspartikeln“ besonders häufig angewendet. Weydt hatte diesen
Terminus vorgezogen, da sich die anderen Begriffe für ihn als sehr allgemein darstellten
und von anderen Sprachwissenschaftlern verwendet wurden (vgl. WEYDT 1977: 219).
Der Begriff „Modalpartikel“ wird von einigen Sprachwissenschaftlern als sinnvoller
angesehen, weil der Begriff „modal“ im Gegensatz zu „Abtönung“ zum Begriffsinventar
des Fremdsprachenunterrichts gehört, vgl. Modalwort, Modalverb. Der Begriff
„Modalpartikel“ wird von dem Sprachwissenschaftler Krivonosov 1963 vorgeschlagen,
aber erst 1977 erscheint die Arbeit von ihm. Seit Krivonosovs Dissertation 1963 „Die
modalen Partikeln in der deutschen Gegenwartsprache“ hat sich der Terminus
„Modalpartikel“ weitgehend verbreitet. Der Sprachwissenschaftler Weydt erläutert, dass
er die Bezeichnung „Modalpartikel“ deswegen nicht angenommen habe, da diese
Kategorie auch Partikeln mit anderem Verhalten als dem der Abtönungspartikel umfasse
(vgl. WEYDT 1977: 219).
WEYDT 1969 fasst die Definition der Abtönungspartikeln wie folgt zusammen:
„Abtönungspartikeln sind unflektierbare Wörtchen, die dazu dienen, die Stellung des
Sprechers zum Gesagten zu kennzeichnen. Diese Wörtchen können in gleicher Bedeutung
nicht die Antwort auf eine Frage bilden und nicht die erste Stelle im Satz einnehmen. Sie
beziehen sich auf den ganzen Satz; sie sind im Satz integriert. In anderer syntaktischer
52
Stellung oder anders akzentuiert haben sie alle eine oder mehrere andere Bedeutungen. In
dieser anderen Verwendung gehören sie dann anderen Funktionsklassen an.“ (WEYDT
1969: 68)
„Das Füllwort (...) erfüllt häufig eine psychologische Aufgabe. Dann ist das Füllwort ein
Bestandteil des Satzes oder der Rede, der dem sprachlichen Verkehr – oft unbewußt,
manchmal bewußt – emotionell eine besondere Note verleiht.“ (ADLER 1964: 52).
Die Dissertation von Krivonosov 1963, die erst im Jahr 1977 erschien, hat besonders
hinsichtlich der Abtönungspartikeln zur Unterstützung der Partikelforschung beigetragen.
Er hat die grammatische Bedeutung der Abtönungspartikeln herausgearbeitet. In seiner
Arbeit beschreibt er explizit die Grammatisierung der Partikeln und sagt, dass "die
Grammatisierung der Partikeln [...] in der Grammatik nicht untersucht [wurde], obwohl
manche Gelehrte schon dieser Frage nahe gekommen sind" (KRIVONOSOV 1977: 28).
Mit der Aufmerksamkeit der Sprachwissenschaftler für die Partikelforschung hat die
Anzahl der Arbeiten auf diesem Gebiet zugenommen. Im Zuge des Aufschwungs der
Partikelforschung im Bereich der Abtönungspartikeln sind viele Arbeiten veröffentlicht
worden, darunter die Dissertation von Weydt (1969). Später hat er in den Jahren 1977,
1979, 1981, 1983 und 1989 Sammelbände herausgegeben. Auch in der kontrastiven
Linguistik hat die Forschungstätigkeit zugenommen. Diese Arbeiten beziehen sich vor
allem auf die Übersetzungstheorie und den Fremdsprachenunterricht (vgl. DIEWALD
2007: 119 f.): DAHL 1988, ZYBATOW 1990, BEERBOM 1992, JIANG und LIEDKE
1994, MASI und NEKULA 1996, FEYRER 1998, MAY 2000, SZULC-
BROZOZOWSKA 2002, MÖLLERING 2004.
53
Was die Aussprache betrifft, sind die Abtönungspartikeln nicht betont (vgl.
KRIVONOSOV 1977: 241). Morphologisch gilt auch das Merkmal der Inflexibilia, d.h.
der Unflektierbarkeit. In dieser Hinsicht existieren Abtönungspartikeln, die in attributiver
Verwendung flektiert werden können, wie ruhig, eigentlich, einfach. Dies führt natürlich
zu Verwirrung. Hentschel und Weydt sagen hierzu, dass das Kriterium der Flektierbarkeit
unsicher ist, man muss Ausnahmen berücksichtigen (vgl. HENTSCHEL/WEYDT 1989:
5).
Syntaktisch gesehen sind die Abtönungspartikeln keine selbständigen Satzglieder, sie sind
nur zusammen mit dem Bezugswort im Satz verschiebbar (vgl. ADMONI 1982: 209;
DUDEN 1998: 377). Sie antworten nicht auf Fragen und nehmen nie die Erststellung im
Satz ein (vgl. HELBIG/BUSCHA 1999: 475; WEYDT 1969: 68). Sie beziehen sich nicht
auf einzelne Satzglieder, weil sie einen Satzskopus haben (vgl. KRIVONOSOV 1977:
343; WEYDT 1969: 68). Sie können mit dem Prädikat eine syntaktische und phonetische
Einheit bilden und folgen der Personalform (vgl. ERBEN 1972: 178). Sie können
zwischen Thema und Rhema stehen, stehen aber immer vor dem Rhema (vgl.
KRIVONOSOV 1977: 283). Die Abtönungspartikeln können niemals gesteigert werden
(vgl. DAHL 1984: 32). Sie stehen immer vor der Negation, da sie nicht erfragbar bzw.
negierbar sind (vgl. BUBLITZ 1978: 36):
Auf semantischem Gebiet können die Abtönungspartikeln die Einstellung sowie die
Haltungen und Reaktionen der Gesprächpartner zum Ausdruck bringen (vgl. HELBIG
/KÖTZ 1988: 32 f.). Sie verfügen über keine lexikalische Bedeutung ([Link] 1969:
22). Sie können die Äußerung betonen und modifizieren (vgl. ADMONI 1982: 209).
Es sollte deutlich geworden sein, dass eine syntaktische und eine semantische Ebene zu
berücksichtigen sind, wobei die Abtönungspartikeln in morphologischer Hinsicht nicht
von den anderen nicht-flektierbaren Lexemen differerenziert werden. Problematisch ist,
die Abtönungspartikeln von den anderen Wortarten syntaktisch und semantisch
abzugrenzen, da sie bei gleicher Funktion in unterschiedlichen syntaktischen Arten
erscheinen können. Das zeigt, dass die syntaktische und semantische Unterscheidung
dieser Wortart von anderen Wortlexemen unzureichend ist (vgl. HELBIG 1977: 33).
54
Im Hinblick auf die Stellung der Abtönungspartikeln können diese nicht an der Spitze des
Satzes stehen. In deutschen Aussagesätzen stehen die Abtönungspartikeln hinter dem
finiten Verb (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 35).
Diese Partikeln stehen im Vordergrund der Subklasse und können nicht die erste Stelle
ausfüllen. Sie können auch in eine andere Wortklasse übertreten wie beispielsweise die
Modalwörter oder die Adverbien. Sie wurden nicht nur als "Abtönungspartikeln im
engeren Sinne" bezeichnet, sondern auch "echte Abtönungspartikeln" genannt.
Die oben genannten Abtönungspartikeln stehen an der Peripherie der Subklasse und sind
fähig, die Erststellung im Satz einzunehmen. Sie können nur in einer Funktion erscheinen,
d. h., sie können nicht in eine andere Wortklasse übertreten. Sie werden nicht nur
"Abtönungspartikeln im weiteren Sinne" genannt, sondern auch "abtönungsfähige
Partikeln" (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 36 f.).
55
Die Abtönungspartikeln eben und halt benötigen immer einen vorangehenden Ausdruck
(vgl. DAHL 1984: 78). Distributionell haben sie dieselben Beschränkungen. Sie treten in
Aussage- und Aufforderungssätzen und nicht in Fragesätzen auf (vgl. HELBIG/KÖTZ
1981: 28).
Die Abtönungspartikel doch wird im Deutschen sehr häufig verwendet. Doch tritt in
betonter und unbetonter Form auf. Unbetont kann doch in verschiedenen Satztypen
vorkommen wie beispielsweise in Assertionssätzen: Das habe ich doch gemacht. Die
Äußerung zeigt, dass der Gesprächspartner eine Kenntnis vom Sachverhalt hat;
Imperativsätze: Geh doch arbeiten. Doch kann auch in Verbindung mit mal vorkommen:
Mach doch mal die Tür zu. Hier kann doch die Aufforderung verstärken;
Konditionalsätze: Wenn du doch ehrlich wärst, würde es doch nicht passieren. Doch kann
auch mit anderen Partikeln zusammengestellt werden und verstärkt die Wirkung der
Partikeln z. B. doch wohl, doch mal, doch ruhig, doch nicht etwa:
56
Wie die Beispiele zeigen, ist die Abtönungspartikel denn zur Eröffnung eines Dialogs
nicht geeignet. Denn kommt in Fragen vor, mit denn fragt man nach den Bedingungen
oder Gründen, um unmittelbare Informationen zu erhalten. Denn verbindet die Handlung
des Gesprächspartners und kann in expliziten Fragen nach Erklärungen, Begründungen
und Rechtfertigungen angewendet werden (vgl. KÖNIG 1977: 120).
Die Abtönungspartikel bloß ist im ersten Fall auf Drohungen bzw. Warnungen beschränkt
(vgl. DAHL 1984: 57). Bloß/nur treten auch in Bestimmungsfragen auf, wobei die
Vordringlichkeit ausgedrückt wird, und in Imperativsätzen, wobei die Funktion wie die
der Abtönungspartikel ja ist. Zu elliptischen Sätzen erscheint bloß nur negiert, wie das
oben genannte Beispiel zeigt (vgl. WEYDT/HENTSCHEL 1983: 7).
57
Maik spielt aber Fussball.
Maik ist klug, aber nicht klug genug.
Maik spielt vielleicht Volleyball.
Maik spielt ja schon Basketball.
Aber kann sowohl als Konjunktion als auch als Abtönungspartikel nur implizit verwendet
werden. Es gibt Konvergenzen und Divergenzen zwischen aber, ja und vielleicht. Aber
und ja weisen auf den Überraschungszeitpunkt in Bezug auf den Sprechzeitpunkt hin,
dieser Fall gilt nicht für vielleicht. Mit aber und ja kann der Sprecher die Prädikation
intensivieren. Ja kann in Assertionssätzen, Exklamationssätzen und Imperativsätzen
verwendet werden, zum Beispiel: Ich weiß ja, dass die deutsche Sprache nicht einfach
ist.; Oh Gott, es ist ja schon 10:00 Uhr!; Komm ja nicht wieder zu spät! (vgl.
WEYDT/HENTSCHEL 1983: 13). Zwischen aber und vielleicht existieren auch
funktionale Konvergenzen. Vielleicht unterscheidet sich von aber insofern, dass aber
allgemein in Ausrufesätzen stehen kann. Darüber hinaus kann der propositionale Teil vom
Sprecher positiv oder negativ evaluiert werden, vielleicht-Ausrufe dagegen können nur
negativ vom Sprecher bewertet werden (vgl. DAHL 1984: 46) und sind unbetonbar.
Vielleicht kommt auch in Entscheidungsfragen vor, aber es ist unbetont und man erwartet
eine negative Antwort auf solche Fragen mit vielleicht, wie die folgenden Beispiele
zeigen, ausgenommen der zweite Fall. Dort ist vielleicht keine Abtönungspartikel,
sondern ein Modalwort. Solche Fragen drücken eine Bitte oder die Höflichkeit des
Sprechers aus (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 228 f.):
58
Die Abtönungspartikel einfach kommt in Aussagesätzen, Aufforderungssätzen,
Entscheidungs- und Ergänzungsfragen und Ausrufesätzen vor (vgl. HELBIG/KÖTZ
1988: 131 f.):
59
Immerhin zählt auch zu den Abtönungspartikeln und kommt nur in Aussagesätzen vor.
Diese Partikel ist betonbar und unbetonbar und kann an der ersten Stelle im Satz stehen.
Immerhin wird immer positiv verwendet (vgl. WEYDT/HENTSCHEL 1983: 19;
HELBIG/KÖTZ 1988: 163):
Jedenfalls und schließlich gehören auch zu den Abtönungspartikeln und kommen beide in
Assertionssätzen vor. Jedenfalls tritt daneben in Aufforderungssätzen auf (vgl.
WEYDT/HENTSCHEL 1983: 20):
Die Partikel überhaupt zählt nicht nur zu den Abtönungspartikeln, sondern auch zu den
Negationspartikeln, um das Negationswort zu verstärken. Als Abtönungspartikel kann
überhaupt in Entscheidungsfragen, Bestimmungsfragen, Aussagesätzen und
Aufforderungssätzen vorkommen (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 222) wie die folgenden
Beispiele zeigen:
61
Die Partikel sowieso gilt auch als Abtönungspartikel und tritt in Assertionssätzen und
Entscheidungsfragen auf (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 219):
Wir haben mit dem Lehrer lange gesprochen, allerdings war die Atmosphäre nicht
sehr gut.
[Link] Negationspartikeln
Der Ausdruck nicht wird in der traditionellen deutschen Grammatik als Negationspartikel
bezeichnet, obwohl diese Kategorie in der deutschen Forschung als Problem betrachtet
wurde und wird. Problematisch ist die Klassifizierung der Negationspartikeln bei einigen
Grammatikern wie beispielsweise ENGEL 1988, da der Ausdruck nicht bei ihm sowohl
Gradpartikel als auch als Abtönungspartikel ist. Bei EISENBERG 1999 gilt nicht als
Modaladverb. In der Duden Grammatik 1998 wird nicht als Negationswort bezeichnet
(vgl. STRECKER 2007: 555).
61
Morphologisch betrachtet ist die Negationspartikel unflektiert, d. h., sie ist nicht
konjungierbar, deklinierbar und komparierbar. Aber es gibt Negationswörter, die
flektieren können, wie z. B. kein, niemand. Aus diesem Grund (der Flektierbarkeit)
werden sie nicht zu den Partikeln gezählt. Daneben existieren noch Negationswörter, die
Satzglieder sind, wie nirgendwoher, nirgendwohin, nirgendwo, nirgends. Es gibt das
Adverb niemals und außerdem noch nichts, das als Subjekt bzw. Objekt auftreten kann.
Dazu kommen noch die Negationswörter nein, das als Satzäquivalent vorkommt, und
weder ... noch, das als Konjunktion auftreten kann. Aufgrund der Möglichkeit, dass diese
Wörer flektieren können, gehören sie nicht zu den Partikeln, weil die Partikeln nie
flektiert werden können (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 50).
Nur nicht gilt unter allen Negationswörtern als Partikel und wird als eigenständige
Wortklasse etabliert. Die Negationspartikel nicht ist eine schwierige Kategorie nicht nur
in semantischer Hinsicht, sondern auch die Position im Satz ist kompliziert. Daher ist die
Negationspartikel ein Operator, der über verschiedene Skopi verfügen kann. Der
Negationsoperator bezieht sich auf das Prädikat bzw. den ganzen Satz, in diesem Fall
spricht man von Satznegation, die auch als totale Negation bezeichnet wird. In einem
anderen Fall kann nicht einzelne Glieder im Satz verneinen, aber meistens sind es dann
Satzglieder und dies wird als Sondernegation bzw. lokale Negation bezeichnet.
Semantisch gibt es einen Unterschied zwischen Satz- und Sondernegation. Syntaktisch
handelt es sich um die Stellung von nicht, die nur schwierig definiert werden kann. Auch
in die Partikelforschung ist die Differenzierung zwischen Satz- und Sondernegation
einbezogen. Die Sprachwissenschaftler sprechen von differenzierten Skopusbereichen,
die, wenn sie Spezifizierung und Modifizierung benötigen, sehr unterschiedlich behandelt
werden müssen (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 50 f.).
62
Wirkung auf die Bedeutung des Satzes hat und sogar den Wahrheitswert des Satzes
verändern kann (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 51).
Er hat die Arbeit nicht angenommen, aber er sollte den Vertrag unterschreiben.
(Assertionsmodus)
Komm bloß nicht wieder zu spät zur Arbeit!
(Aufforderungsmodus)
Haben Sie nicht Zeit, mit mir meine Arbeit durchzulesen?
(Entscheidungsfragemodus)
Wann wird der Lehrer wohl nicht kommen?
(Ergänzungsfragemodus)
Wenn es doch nur nicht zu spät wäre!
(Wunschmodus)
Dass er nicht vor der Prüfung eine Gänsehaut bekommen hat! So kommt er schon
durch.
(Exklamativmodus)
Es lässt sich feststellen, dass die Stellung der Negationspartikel einer schwer zu
vermittelnden Regel folgt. Man muss diese Normen der Positionierung systematisch
erfassen, weil es Positionen gibt, in denen die Negationspartikel nicht auftreten kann
(vgl. STRECKER 2007:560 ff.):
63
2. Im linken Außenfeld und im Nachfeld
64
8. direkt vor einer Abtönungspartikel
Er hat über mich in meiner Abwesenheit gestern mit meinen Freunden geredet.
Nicht er hat über mich in meiner Abwesenheit gestern mit meinen Freunden
geredet.
Er hat nicht über mich in meiner Abwesenheit gestern mit meinen Freunden
geredet.
Er hat über mich in meiner Abwesenheit nicht gestern mit meinen Freunden
geredet.
Er hat über mich in meiner Abwesenheit gestern nicht mit meinen Freunden
geredet.
Er hat über mich in meiner Abwesenheit gestern mit meinen Freunden nicht
geredet.
65
Wenn die Negationspartikel bei anderen Subklassen von Partikeln zusammen eingesetzt
wird, kann sie nicht alle o.a. Stellungen im Satz besetzen. Nehmen wir ein Beispiel mit
einer Gradpartikel:
Die oben genannten Beispiele erläutern, dass drei Varianten für die Stellung der
Negationspartikel nicht zugelassen werden, aber die anderen Positionen kann sie
einnehmen. In einigen Sätze können zwei Negationen in einem Satz vorkommen, man
kann solche Sätze in Alltagsgesprächen beobachten:
[Link] Antwortpartikeln
Zu den weiteren Partikeln zählen auch die Antwortpartikeln, die sich von den großen
Subklassen der Gradpartikeln, der Abtönungspartikeln und der Steigerungspartikeln
unterscheiden, weil sie als kleine Klasse betrachtet werden und sie nur eine kleine Gruppe
darstellen. Natürlich gibt es eine Relation zwischen den Antwortpartikeln und den
Abtönungspartikeln, wie es auch eine Beziehung zwischen den Negationspartikeln und
den Gradpartikeln gibt. Zu den Antwortpartikeln gehören ja, nein, doch, eben, genau,
schon und allerdings. Die Antwortpartikeln sind eine uneinheitliche Subklasse. Die
Antwortpartikeln ja, nein, doch sind deutliche Satzäquivalente, die auf
Entscheidungsfragen antworten können und sie gleichen einigermaßen den Interjektionen,
mit denen sie im Satz nicht verschmelzen können (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 29 f.). Die
Antwortpartikeln wie z. B. doch, eben, genau, allerdings sind auch nicht in den
Satzverband integriert. Sie können jedoch nicht auf Entscheidungsfragen antworten,
sondern können als Bestätigungs-, Verstärkungs- oder Einschränkungssignale auf
vorangegangene Aussagsätze vorkommen und als Replik auf Assertionssätze angewendet
66
werden (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 49 f.). Die folgenden Beispiele verdeutlichen die
Funktion der Antwortpartikeln:
Die nächsten Beispiele zeigen die Beziehung zwischen den Abtönungspartikeln und den
Antwortpartikeln:
Die Antwortpartikel ja, doch, eben, genau und allerdings können als Abtönungspartikeln
vorkommen, wenn wir diese Partikeln in den Satz integrieren:
67
Sie haben mir doch keinen Termin gegeben.
(Abtönungspartikel)
Sie haben den Lehrer immer noch nicht besucht, sie sind eben unhöflich.
(Abtönungspartikel)
Die Wortstellung der Partikeln stellt für Ausländer eine große Schwierigkeit dar, weil
mehrere Partikeln im deutschen Satz zusammengestellt vorkommen können. Außerdem
können nicht alle Partikeln in jedem formalen Ausdruckstyp, d. h. in Satzarten, oder in
jeder Sprecherintentionen auftreten, da die Zusammenstellung von Partikeln im deutschen
Satz beschränkt ist. In dieser Hinsicht können einige Partikeln in manchen Sätzen
überhaupt nicht in einer bestimmten Reihenfolge vorkommen. Die Fähigkeit von
Partikeln, im Satz nebeneinander zu stehen, gilt nur unter bestimmten Bedingungen (vgl.
HELBIG/KÖTZ 1981: 41 f.). Die folgenden Partikeln können in der gezeigten
Reihenfolge kombiniert werden:
68
g. Hast du etwa doch auch nur zwei Spiele gesehen?
Die Stellungsregeln der deutschen Partikeln verfügen über eine weitere Einschränkung,
die in den nächsten Beispielen gezeigt wird:
Die oben genannten Beispiele erörtern, dass die Partikel doch in verschiedenen Stellungen
im Satz stehen kann. Wenn aber das Objekt mit dem indefiniten Artikel vorkommt, wie
im letzten Beispiel ersichtlich ist, kann die Partikel doch nicht nach diesem Objekt
auftreten. Solche eine Stellungsregel gilt auch für Subjekte mit unbestimmtem Artikel:
In den Beispielen kann man die Unterschiede beim Subjekt mit bestimmtem Artikel und
unbestimmtem Artikel beobachten. Es ist zwar unproblematisch mit definitem Artikel,
aber mit indefinitem Artikel existiert ein Problem, da die Partikel wohl im letzten Beispiel
nicht nach diesem Subjekt stehen kann (vgl. HENTSCHEL 1983: 47).
Das Fehlen des Artikels stellt in einigen Sätzen ein ernstes Problem dar, ohne Artikel
können die Partikeln auch nicht in jeder Stellung stehen (vgl. HENTSCHEL 1983: 47):
69
*Ich habe viel/etwas Geld wohl gespart.
*Ich habe zwanzig Euro wohl gespart.
Hingegen liegt Nachstellung der Partikeln in allen Sätzen vor, die mit bestimmtem Artikel
vorkommen. Es ist möglich, dass die Nachstellung der Partikeln bei allen Formen der
Bestimmtheit erscheint, wie die folgenden Beispiele verdeutlichen (vgl. HENTSCHEL
1983: 47):
Generell ist es nicht unproblematisch, von Stellungsregeln der Partikeln zu sprechen. Man
kann feststellen, dass die Stellungen für alle Subklassen der Partikeln eine große
Schwierigkeit darstellen. Dazu kommt die Problematik bei Partikel-Kombinationen. Nach
der langen Forschung auf dem Gebiet der Stellungen der Partikeln und den
Schlussfolgerungen zu den Stellungsregeln der Partikeln habe ich festgestellt, dass es
bisher keine allgemein gültigen festen Regeln für die Stellungen der Partikeln gibt.
Meiner Meinung nach benötigt man für die Partikeln und ihre Stellungen ein erhebliches
Sprachgefühl, ob die Stelle der Partikel richtig verwendet ist oder nicht. Allerdings geht
es bei den eben beschriebenen Beschränkungen nicht um rein syntaktische Phänomene.
Bei einem unbestimmten Artikel bzw. fehlendem Artikel liegt nichts Vorerwähntes vor,
das ist ein pragmatischer Grund für Einschränkungen beim Gebrauch von Partikeln. Man
kann dieses Problem durch intensive Übung überwinden und die Partikeln durch häufiges
Sprechen mit Muttersprachlern erwerben, da die Partikeln ständig in der gesprochenen
Sprache vorkommen. Ich werde im nächsten Teil auf das Problem der Partikeln im
Deutsch-als- Fremdsprachenunterricht eingehen. Dabei werden die Methoden der
Vermittlung der deutschen Partikeln für Anfänger und fortgeschrittene Lerner
einbezogen.
71
2.5 Partikeln im Deutsch als Fremdsprache-Unterricht
Die Partikeln stellen für die Ausländer, die Deutsch lernen, eine große Schwierigkeit im
deutschen Fremdsprachenunterricht dar. Die vorliegenden Untersuchungen dazu haben
sehr deutlich gezeigt, dass diese Schwierigkeiten nicht nur die Anfänger unter den
Deutschlernern betreffen, sondern die auch die fortgeschrittenen Lerner haben erhebliche
Schwächen bei der Beherrschung der deutschen Partikeln (vgl. HELBIG/KÖTZ 1981:
43).
Im Vergleich zu anderen Sprachen ist die deutsche Sprache sehr partikelreich. Die
Partikeln geben der deutschen Sprache Flüssigkeit, Verbindlichkeit und Eleganz, obwohl
sie keine lexikalische Bedeutung haben. Sie sind für kommunikative Nuancen sehr
notwendig, weil sie viele kommunikative Nuancen ausdrücken können, die leider nur vom
Muttersprachler ohne Mühe automatisch empfunden werden. Für den Ausländer sind sie
trotz großer Anstrengung nur schwer zu verstehen. Die Partikeln existieren in der Sprache
des Dialogs und kommen auch häufig vor, wenn der Text belletristisch ist bzw. sich der
Umgangssprache nähert. Das heißt, die Partikeln sind in der Alltagessprache des Dialogs
sehr viel verbreiteter als in der Schriftsprache, die etwa in der Zeitungssprache und der
Wissenschaftssprache zu beobachten ist (vgl. HELBIG/KÖTZ 1981: 7).
Bevor ich näher auf die Schwierigkeiten des Erwerbs von Partikeln durch Ausländer
eingehe, möchte ich die folgenden Fragen skizzieren:
71
führen können, ohne die deutschen Partikeln zu beherrschen. Nur fällt ihnen das Erkennen
einiger Nuancen schwer. Es kommt vor, dass sie diese überhaupt nicht verstehen und sie
nicht zum Ausdruck bringen können (vgl. HELBIG/KÖTZ 1981: 43 f.). Die
Partikelbedeutungen sind für die Deutschlerner vage, da ihre
Verwendungsvoraussetzungen uneindeutig sind. Sie haben zahlreiche
Bedeutungsvarianten und können zu verschiedenen Wortklassen gehören. Sie sind sehr
stark mit dem Kontext verbunden und können daher auf mehreren sprachlichen Ebenen
zusammenwirken. Die Partikelbedeutungen haben nicht nur einen morphologischen und
syntaktischen Aspekt, sondern auch einen semantischen und pragmatischen Aspekt. Sie
verfügen über kommunikativ-soziale Funktionen und haben einen Einfluss auf die
Kommunikation, deshalb müssen die Partikeln erlernt und beherrscht werden, damit die
Kommunikation mit dem Partner sehr einfach erfolgen kann (vgl. BUSSE 1992: 50 f.).
Die Deutschlernenden können den Unterschied nicht erfassen, wenn die Lehrer im
Deutsch als Fremdsprachenunterricht nicht auf diesen Fall hingewiesen haben. Diese
Partikel ist den Deutschlernern meistens als Konjunktion bekannt, aber dieser
Wortartenwechsel kann beim Ausländer zu Schwierigkeiten führen, dieses Phänomen zu
begreifen, da dieser Austausch mit einer neuen syntaktischen Funktion verbunden ist und
das Wort semantisch zwei Bedeutungen bzw. Funktionen in den beiden Sätzen hat.
In der Linguistik gibt es noch keine vollständige Beschreibung der Theorie der Partikeln,
da die Forschung auf diesem Gebiet noch jung ist. Aber auch wenn es eine befriedigende
Theorie für die Partikeln und umfangreiche Beschreibungen sowie Erklärungen gäbe,
würden die Partikeln nicht spontan vermittelt werden können. Die Lehrer können einfach
72
nicht gewährleisten, dass sie die Partikeln lehren und die Deutschlerner die Partikeln
erlernen können. Man kann wohl auf die höchst komplexe Funktionsweise der Partikeln
und ihre Bedeutungen hinweisen und darauf, dass die Partikeln auf den zahlreichen
linguistischen Ebenen vorhanden sind. Syntaktisch beziehen sich die Schwierigkeiten mit
Partikeln auf die Stellungseigenschaften und semantisch auf die schlecht beschreibbaren
Partikelbedeutungen. Dazu untersucht die Pragmatik die kommunikative Funktion, d. h.
wann Partikeln benötigt werden und wie ihre kontextuelle und präsuppositionale
Bedeutungsspezifizierung funktioniert. Zu den Schwierigkeiten des Erwerbs der Partikeln
zählt auch die Homonymie vieler Partikeln mit Satzäquivalenten oder Satzadverbien, die
eine andere Bedeutung haben können. Beispielsweise stellen die Partikeln ja, doch usw.
eine Lernschwierigkeit für die Deutschlernenden dar, weil sie in ähnlicher Form bei
differenzierter Bedeutung und Funktion sogar eine Wortklasse bilden (vgl.
ZIMMERMANN 1981: 111).
Ich fliege doch mit nach München oder Ich fliege doch mit nach München.
Die Beispiele zeigen, dass die Partikeln nicht nur als lexikalische Einheiten erlernt
werden, sondern die Satzstellung, die Intonation und der Kontext beachtet werden
müssen, da sie deutliche Bedeutungsunterschiede hervorrufen können. Deshalb benötigen
die Partikeln wegen ihrer strengen Kontextabhängigkeit gezielte Lernstrategien (vgl.
BUSSE 1992: 52).
Das größte Lernproblem stellen die Partikeln aus der Perspektive der Sprachunterschiede
zwischen der Muttersprache der Lerner und dem Deutschen dar. Im Sprachkontrast liegt
die Lernschwierigkeit darin, dass der Gebrauch von Partikeln aufgrund kulturbedingter
Unterschiede in den Kommunikationsformen und den Höflichkeitskonventionen sehr
verschieden ist. Viele der Funktionen, über die die Partikeln im Deutschen verfügen,
können auch in anderen Sprachen existieren, aber sie werden nicht mit Wörtern, sondern
73
mit anderen sprachlichen Ebenen wie beispielsweise der Syntax (in der Wortstellung), der
Satzintonation oder der Gestik und Mimik ausgedrückt. Mit anderen Worten gibt es
häufig zwischen der Fremd- und Muttersprache keine genauen Entsprechungen der
sprachlichen Ebenen. Das Erlernen der deutschen Partikeln erfordert einen
Ebenenwechsel zwischen den Ebenen der Intonation, der Modi, der lexikalischen
Wortstellung oder bestimmten Tempora usw. Dieser Wechsel macht es nötig, dass die
Lernenden eine hohe Qualifikation ihrer sprachlichen Fähigkeiten entwickeln. Auch wenn
die Ausländer schon lange in Deutschland gelebt haben und die deutsche Sprache sehr gut
beherrschen, verwenden sie die Partikeln in Alltagsgesprächen sehr viel seltener als die
Deutschen, da es für sie ungewohnt und nicht vertraut ist, mit Partikeln sprechen zu
können (vgl. BUSSE 1992: 53).
Das Erlernen der deutschen Partikeln kann gelingen, wenn der Gebrauch von Partikeln im
sozialen Umgang mit den Deutschen eingeübt wird, um die meta-kommunikative
Funktion der deutschen Partikeln im Vergleich zur eigenen Muttersprache bewusst zu
machen (vgl. BUSSE 1992: 54). Meines Erachtens ist es sehr schwierig für die
Deutschlerner, die im Anfangsstadium sind, die Partikeln zu erwerben oder zu erlernen,
bevor sie die deutsche Sprache beherrschen und die kommunikativen Möglichkeiten in
der richtigen Verwendung verstehen können.
Die Partikeln können nicht wie Vokabeln vermittelt bzw. erlernt werden. Sie werden
unbewusst angewendet und verfügen in der Fremdsprachendidaktik über den Nachteil,
dass sie nicht wie die grammatischen Regeln gelernt werden können. Es muss bestimmte
Lernstrategien und gezielte Methoden für die Vermittlung der deutschen Partikeln geben
74
(vgl. BUSSE 1992: 54). Die meisten der Muttersprachler des Deutschen wissen selbst gar
nicht, warum sie die Partikeln verwenden und was sie eigentlich bedeuten (vgl.
ZIMMERMANN 1981: 113). Die linguistischen Beschreibungen der Partikeln und die
Notwendigkeit der Funktionsambiguität der Partikeln sind in den Lehrwerken des
Deutschen als Fremdsprache unvollständig dargestellt, weil die Forschung auf diesem
Gebiet noch nicht weit genug ist und die Anregungen zur Partikeldidaktik noch nicht
ausgearbeitet sind (vgl. BUSSE 1992: 55).
Grundsätzlich gelten für die Behandlung der Partikeln die allgemeinen didaktischen
Grundlagen wie für alle sprachlichen und grammatischen Erscheinungen. Die
unterschiedlichen Funktionen sollten in vielen Lehrmaterialien intensiv berücksichtigt
werden. Leider ist es so, dass in einigen Lehrwerken die Partikeln zu wenig oder gar nicht
einbezogen sind. In jeder Beschäftigung mit dem Deutschen kommen die Partikeln vor, in
Radiosendungen, in der Vorlesung, bei der Lektüre, im Fernsehen, in der Kommunikation
(vgl. HELBIG/KÖTZ 1981: 44 f.). Aber selbst die ausländischen Lehrer beherrschen die
Partikeln oft nicht. Auch viele Muttersprachler des Deutschen verfügen über keine
Lehrerfahrungen und Methoden der Vermittlung der deutschen Partikeln. Es sollten in
allen Stufen der Ausbildung die Partikeln behandelt werden. Für die Anfänger sollte nur
auf die häufig verwendeten Partikeln hingewiesen werden, deren kommunikative
Funktion und semantische Beschreibung zu relativ wenigen Schwierigkeiten bei der
Vermittlung führen wie z. B. doch, auch, noch, mal, schon. Den fortgeschrittenen
Lernenden sollten die verschiedenen Funktionen und Bedeutungen der deutschen
Partikeln tiefgehender bewusst gemacht werden. Die Lehrer sollten jedoch auch nicht die
Vermittlung von Partikeln stärker als die anderer sprachlicher Erscheinungen
berücksichtigen. Die Ausbildung muss sich auf die Schriftsprache und die gesprochene
Sprache beziehen und nicht nur auf die Sprache des Dialogs (vgl. HELBIG/KÖTZ 1981:
46).
75
durchspielen. Einige Bedeutungen der Partikeln können nur in typischen Wendungen
bzw. Redewendungen eingeübt werden, in denen die Deutschlerner die
Partikelbedeutungen und -verwendungen auswendig lernen können. Die Intonation und
alle Satzarten, in denen die Partikeln vorkommen können, sollten im Deutsch als
Fremdspachenunterricht behandelt werden, damit die Lerner falsche Verwendungen der
Partikeln vermeiden können. Es ist notwendig, den Lernern die Abgrenzung von
Partikelbedeutungen, die Homonyme derselben Wortform haben, zu vermitteln (vgl.
BUSSE 1992: 55).
Es gibt für die Partikeln nur wenige spezielle Übungsmaterialen. Ein spezielles
Lehrmaterial zu den Partikeln wurde am Herder-Institut Leipzig entwickelt. Dieses
Lehrmaterial wird für die Internationalen Hochschulferienkurse verwendet. Dieser
Versuch gilt als erste Entwicklung von speziellen Übungsmaterialien. Helbig hat
versucht, ein umfassendes Lehrmaterial für die deutschen Partikeln anzufertigen. Er hat
sowohl eine detaillierte Darstellung für jede behandelte Partikel gegeben als auch die Zahl
der Partikeln begrenzt (vgl. HELBIG/KÖTZ 1981: 47 f.). Zu den speziellen
76
Übungsmaterialen zählt auch die „Kleine deutsche Partikellehre, ein Lehr- und
Übungsbuch für Deutsch als Fremdsprache“, das von WEYDT 1989 veröffentlicht wurde.
In der Sprachausbildung sollten die Partikeln relativ wenig in der Grundstufe und dann
nur in allgemeinen Übungen zur Grammatik und zum Wortschatz neben anderen
Vokabeln vermittelt werden. Das Ziel ist, dass nur die Divergenzen zwischen den
Partikeln und den Konjunktionen sowie den Adverbien bemerkt und verstanden werden
können. Die Lehrer können nur auf eine ausgewählte Gruppe von Partikeln eingehen, die
sehr häufig im Deutschen verwendet werden und die in Bezug auf ihre semantische und
kommunikative Funktion den Lehrern keine Schwierigkeiten bei der Vermittlung
bereiten. Die einzelnen Partikeln und Übungen sollten in der Oberstufe im
Zusammenhang mit anderen Vokabeln und Grammatikübungen stehen. In dieser Stufe
müssen die Partikeln für die Deutschlerner bewusst gemacht und es sollten ihnen die
Schwierigkeiten des Gebrauchs der Partikeln vermittelt werden. Dazu sollten die Lerner
einige ausgewählte Beispiele der Partikeln in Gruppen miteinander einüben. Es ist nötig,
dass die Lehrer auf die Partikeln, die in anderen Subklassen und Wortarten vorkommen,
hinweisen, damit die Lerner die Schwierigkeit des Wortartwechsels überwinden können.
In der Fortgeschrittenenstufe sollte sich die Vermittlung auf spezielle Übungsmaterialen
zu den Partikeln beziehen. Die Lehrer können in dieser Stufe theoretisch eine
Zusammenfassung für die Darstellung der bekannten Partikeln wiederholen. Sie sollten
auch zahlreiche Beispiele anhand neuer ausgewählter Gruppen von Partikeln vermitteln.
Die verschiedenen Bedeutungen und die kommunikativen Funktionen der Partikeln
können in der Fortgeschrittenenstufe vermittelt werden. Es ist auch erforderlich, dass die
fortgeschrittenen Deutschlernenden alle Arten und Subklassen von Partikeln
kennenlernen (vgl. HELBIG/KÖTZ 1981: 44 ff.).
In Bezug auf die Verwendbarkeit der Partikeln sollten die Lehrer ihre Deutschlerner auf
die Unterschiede der mit dem Gebrauch der Partikeln vermittelten Bedeutung in
ansonsten gleichen Sätzen hinweisen, zum Beispiel bei der Partikel denn. Wenn man die
Partikel denn im Satz vor dem Personalpronomen einsetzt, gilt diese Partikel für die
angesprochene Person als Verachtung, wie aus dem folgenden Beispiel ersichtlich ist (vgl.
MUHR 1989: 646 f.).
77
Die Partikel denn im ersten Beispiel verstärkt den Satz, aber die Partikel denn im zweiten
Beispiel wird als unhöfliche Frage betrachtet. Man fühlt sich in diesem Fall verachtet.
Es mangelt einigen Sprachlehrern an ausreichender Erfahrung für die Methodik und die
Didaktik der Vermittlung der deutschen Partikeln. Die Partikeln tauchen immer mehr in
authentischen Dialogen beim Hörverständnistraining im Intensivunterricht des Anfängers
auf. Die Sprachlehrer hören die Partikeln in diesen Dialogen, aber sie konzentrieren sich
nicht auf die Partikeln. Selbst die Lehrer vermeiden die Partikeln und geben keine
Hinweise darauf. Sie sollten den Deutschlernern eigentlich eine kurze Darstellung über
die häufig verwendeten Partikeln geben. Besonders im Anfangsstadium ist es wichtig,
dass die Lerner relativ kurz die Partikeln und ihre Bedeutung sowie ihre kommunikative
Funktion im Deutschen kennenlernen.
Zum Abschluß möchte ich das Problem der Lehrwerke ansprechen. Die Subklassen der
Partikeln werden in keinem Lehrbuch thematisiert. Die meisten Lehrwerke behandeln die
Partikeln allgemein und sehr wenig, aber die Subklassen von Partikeln und die einzelnen
Partikeln werden überhaupt nicht erwähnt, wie beispielsweise in den Hinweisen zum
Zertifikat Deutsch als Fremdsprache. In Bezug auf die Partikeln wird nur auf die
abtönende Funktion in einer Wortliste fokussiert, aber es fehlen die syntaktischen
Beschreibungen und die Struktur, die für die Lerner notwendig sind, insbesondere in der
Sprachausbildung.
Insgesamt betrachtet ist das Vorgehen der Fremdsprachendidaktik wohl plausibel, aber
was den Gebrauch von Partikeln betrifft, nicht vollständig (vgl. VORDERWÜLBECKE
1981: 149 f.).
78
3. Steigerungspartikeln des Deutschen
81
Intensifikatoren. Die meisten der Steigerungspartikeln werden in dieser Arbeit
berücksichtigt. Der Anhang enthält ca. 1000 Intensivierungsmittel (vgl. BREINDL 2007:
403). Es gibt keine Einschränkungen des Beschreibungsumfangs, die Arbeit basiert auf
fast allen Ausdrucksverstärkungen bzw. -abschwächungen. Es wird sich nicht unmittelbar
auf den Vergleich, die Komparation und die Quantifizierung bezogen, sondern auf die
Steigerung durch Vergleich, die Steigerung durch Komparation und die Steigerung durch
Quantifizierung. Die syntaktische, semantische und pragmatische Komponente werden in
einem Analysemodell deutlich gezeigt (vgl. VAN OS 1989: 3). Ebenfalls im Jahr 1989 ist
eine Monographie von Rachidi erschienen, die die Kombination von Adjektivarten mit
Typen von Intensifikatoren beschreibt. KIRSCHBAUM 2002 schrieb eine Dissertation,
die die metaphorischen und metonymischen Muster der Intensifikatoren verdeutlicht, sie
weist jedoch eine sehr geringe grammatische Orientierung auf (vgl. BREINDL 2007:
403). Auch in anderen linguistischen Arbeiten gibt es keine Komplexität und Fülle der
Behandlung aller Aspekte der sprachlichen Steigerungspartikeln, es stehen dort nur
einzelne Aspekte dieses Themas zur Verfügung, die in geschriebenen bzw. gesprochenen
Texten behandelt werden. Es fehlt demnach immer noch eine einheitliche Darstellung der
sprachlichen Erscheinung "Steigerung". Problematisch ist, dass die vorliegenden
linguistischen Arbeiten vorwiegend theoretisch orientiert sind und die meisten eine sehr
geringe empirische Basis haben. Außerdem finden sich in diesen Arbeiten nur sehr
wenige Beispielsätze. Zu diesen theoretisch orientierten Untersuchungen zählen
BARTSCH 1972, PINKAL 1977b und SOMMERFELDT & SCHREIBER 1974. Zu den
Monographien gehören BIEDERMANN 1969 und KÜHNHOLD et al. 1978. Verbreitet
sind auch Arbeiten über das Englische im Bereich der Steigerungspartikeln. Degreeword
ist eine Monographie, die von Bolinger 1972 veröffentlicht wurde. Sie wurde auch in den
deutschen Arbeiten rezipiert. Und schließlich zählt zu den häufig rezipierten
Veröffentlichungen auch die englische Arbeit KENNEDY/MC NALLY 2005, die eine
Darstellung für die Distribution der Intensifikatoren beinhaltet.
Die Steigerungspartikeln machen eine der großen Subklassen der Partikel aus, die in
Abtönungspartikeln und Gradpartikeln eingeteilt werden. Sie werden in der
Partikelforschung mit unterschiedlichen Termini benannt, wie z. B. Steigerungspartikeln,
Intensitätspartikeln, Intensivierung, Intensifikatoren, Intensivpartikel, Gradpartikeln,
Gradwort, Gradadverb, Gradadjektiv, grading, gradation, scaling. Die Subklasse der
81
Steigerungspartikeln wird in der Partikelliteratur jedoch zu eng definiert, da es schwierig
ist, die Steigerungspartikeln syntaktisch, semantisch und morphologisch abzugrenzen. Es
gibt immer noch einen deutlichen Dissens in der Begriffsbestimmung. Was unter dem
Terminus „Steigerungspartikel“ verstanden wird, versucht VAN OS 1989 wie folgt zu
definieren:
(A) „Intensivierung ist die funktional-semantische Kategorie der Verstärkung und der
Abschwächung intensivierbarer sprachlicher Ausdrücke;
(B) 'Intensivierbare Ausdrücke' sind (semantische) Prädikate, die im Skopus eines
Intensivierungsoperators stehen können; sie sind die Intensivierungsoperanden;
(C) 'Intensivierungsmittel' (oder 'Intensivierungsoperatoren') sind sprachliche
Elemente unterschiedlicher grammatischer Kategorien, welche die Funktion der
Ausdrucksverstärkung bzw. -abschwächung haben;
(D) 'Intensivausdrücke' sind (einfache oder komplexe) sprachliche Einheiten, in denen
Verstärkung bzw. Abschwächung vorliegt.“ (VAN OS 1989: 2)
82
3.4 Merkmale der Steigerungspartikeln
Das Hauptmerkmal der Steigerungspartikeln besteht darin, dass sie nur auf der
semantischen Ebene leichte Nuancen verändern. Sie können alleine keine Satzglieder
bilden, sie sind nur mit dem Bezugswort verschiebbar und nicht erststellenfähig. Die
Steigerungspartikeln haben keine lexikalische Bedeutung, sie sind bedeutungsarm,
d.h., wenn die Steigerungspartikeln eliminiert werden, können die
Wahrheitsbedingungen dadurch nicht verändert werden, die Sätze verlieren ihre
semantischen Informationen nicht. Sie tangieren demnach nicht den Wahrheitswert
der Sätze. Die Verstärkung durch die Steigerungspartikeln drückt einen hohen Grad
der im Bezugswort ausgedrückten Eigenschaft aus, die Abschwächung dagegen
schwächt die im Bezugswort ausgedrückte Eigenschaft ab, wie die folgenden
Beispiele zeigen:
Anhand der Beispiele ist ersichtlich, dass die Partikel ganz im ersten Beispiel eine
Abschwächung der Eigenschaft zeigt, d.h., die Vorlesung ist weniger als gut. Im zweiten
Fall jedoch ist die Verstärkung der Eigenschaft sehr deutlich, d.h. völlig ausverkauft.
83
3.4.1 Syntaktische Eigenschaften und Verwendungsmöglichkeiten der
Steigerungspartikeln
Die Steigerungspartikeln beziehen sich immer auf ein Einzelwort und nicht auf dem
ganzen Satz. Sie fungieren unmittelbar mit dem Bezugswort, das ein Adjektiv, Adverb
oder Substantiv sein kann. Ebenfalls können die Steigerungspartikeln mit Verben
vorkommen und stehen dann im Hauptsatz am Satzende. Dies dann aber nur, wenn es nur
ein vollverb im Satz gibt, in Konstruktionen mit Hilfsverben, z.B. im Futur und Perfekt
oder in Sätzen mit Modalverben sind andere Stellen durchaus möglich und sie stehen wie
im Nebensatz vor dem Hauptverb:
SUŠČINSKIJ 1985: 98f. hält dies erstaunlicherweise für einen Effekt des Tempus,
tatsächlich geht es einfach darum, ob es mehrere Verben im Satz gibt.
84
Als Steigerungspartikeln werden die folgenden Wörter bezeichnet:
sehr, ganz, einigermaßen, ziemlich, etwas, ebenso, ungemein, recht, weitaus, weit, bei
weitem, gar, überhaupt, ausgesprochen, außerordentlich, außergewöhnlich, immer,
geradezu, echt, besonders, äußerst, durchaus, extrem, höchst, hübsch, rein, restlos,
richtig, schön, so, total, überaus, übermäßig, ungewöhnlich, völlig, vollkommen,
vollständig, wesentlich, absolut, wenig, viel.
Eine steigernde Bedeutung können einige negativ und positiv wertende Adjektive haben:
teuflisch, wahnsinnig, schön, furchtbar oder die neuen Ausdrücke in der Jugendsprache
bzw. Umgangssprache wie assi von asozial: assi lieb, assi korrekt, assi nett, assi geil1.
Andere negativ und positiv wertende Adjektive kommen kaum als Steigerungspartikeln
vor wie *phantastisch/herrlich ungemütlich. Ein Beispiel, das anzutreffen ist, ist aber
sagenhaft hässlich.
1
Da die Jugendsprache zwar sehr reich an Intensivierern ist, die aber sehr schnell wieder wechseln, lasse
ich sie für meine Arbeit außer Betracht.
85
ILUK 1987: 99f). Alle dieser genannten Mittel können jedoch nicht vorkommen, wenn es
sich um die Steigerung privativer Adjektive handelt. So können steigernde Affixe und
Bestimmungslexeme in solchen Kontexten nicht auftreten, so wie ILUK 1987: 100
beschreibt:
Vielmehr wird die Steigerung privativer Adjektive mit steigernden Wörtern statt Affixen
angewendet:
86
Es ist deutlich, dass diese Voraussetzungen nicht für alle steigerbaren Ausdrücke in
Betracht kommen, da die Substantive und Verben nicht kompariert werden können. Es ist
auch nicht klar, ob fast alle Partikeln steigerbar sind oder nicht, es gibt keine feste Regeln,
es sind nur bestimmte Partikeln, die steigern können und die als sprachlicher Ausdruck
modifiziert werden können. Ebenfalls können die Ausrufe nicht stets gesteigert werden, es
können nicht einmal alle steigerbaren Ausdrücke in Ausrufen vorkommen (vgl. VAN OS
1989: 36).
Nicht nur die Abgrenzung zu den Adverbien und Adjektiven ist notwendig, sondern vor
allem die Abgrenzung der Steigerungspartikeln gegenüber den Gradpartikeln, da sie beide
über einen ähnlichen Skalenbezug verfügen. Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer
differenzierten Distribution und Skopusbildung. Die Steigerungspartikeln stehen immer
vor dem Bezugswort und können keine Substantive wie die Gradpartikeln sein, nur
Adjektive, Adverbien oder Verben. Der Bezugsbereich einer Steigerungspartikel ist nur
der steigernde Bereich, aber die Gradpartikeln können als Satzoperatoren als
Bezugsbereich über den ganzen Satz fungieren:
In Bezug auf die Steigerungspartikeln existiert eine Konkurrenz in der Beschreibung der
Steigerung von morphologisch inkorporierenden lexikalischen Ausdrücken. Im folgenden
Abschnitt werde ich die unterschiedlichen Adjektive behandeln, die eine Steigerung mit
einem steigernden Adjektiv in der Rolle eines Präfixes bilden können (vgl. BREINDL
007: 402):
87
Adjektive, die in einer Zusammensetzung in Erststellung stehen:
hoch- (hochgefährlich, hochpeinlich, hocheffizient, hochdramatisch, hochkonzentriert,
hochsensibel, hochgiftig), schwer- (schwerreich, schwerkrank, schwerneurotisch), tief-
(tieftraurig, tiefernst, tiefeinsam, tiefreligiös), bitter- (bitterkalt, bitterarm, bitterernst).
„Adverbien, in der Regel aber nicht adverbiale Präpositionalphrasen, auch wenn diese ein
graduierbares Konzept ausdrücken; sobald die Intensivierbarkeit an einem Substantiv
festzumachen ist, wird attributiv intensiviert“ (BREINDL 2007: 404):
Die Verben und die Verbalphrasen können für die Deutschlernenden eine Schwierigkeit
darstellen, da nicht alle Verben mit Steigerungspartikeln kombinierbar sind. Die
Steigerung der Verben durch Steigerungspartikel ist lediglich bei manchen Verben
88
zulässig. Zunächst werde ich in diesem Teil die Verben, die kein Steigerungselement
zulassen, erwähnen (vgl. ENGELEN 1990: 6ff.):
Die Verben mit Akkusativobjekt, die eine Herstellung von etwas benennen:
zeugen, schreiben, herstellen, produzieren, graben, machen, zur Welt bringen, malen,
basteln.
Auch die intransitiven Verben sind mit Ergänzungen nicht steigerbar wie:
hinken, schwanken, humpeln, wackeln, torkeln.
Das folgende Beispiel kann diese Aussage bekräftigen:
Es gibt einige Beispiele für steigerbare Verben, die nur bei bestimmten
Steigerungspartikeln gesteigert werden können:
schnarchen, hageln, bluten, weinen, sich beklagen, missfallen.
Alle diese Verben können mit sehr, unbeschreiblich, furchtbar, ganz schön, fürchterlich
gesteigert werden:
89
In Bezug auf den Status als Satzglied und die Stellung existieren in der Partikelliteratur
verschiedene Meinungen. Bei HELBIG/BUSCHA 1998, ALTMANN/HAHNEMANN
2005, SUŠČINSKIJ 1985 und in der „Grammatik der deutschen Sprache“ werden die
Intensitätspartikeln nicht als Satzglieder angesehen, dieser Meinung schließe ich mich an.
ENGELEN 1990 geht jedoch in eine andere Richtung. Bei ihm zählen die
Steigerungspartikeln zu den Modaladverbien, sind Satzglieder und können so in der
Erststellung stehen, somit wären Sätze wie sehr schnarcht der Mann akzeptabel. Auch die
Erfragbarkeit gibt keine klaren Resultate. Man kann natürlich einen Fragetest machen,
jedoch sind die Antworten auf die gestellten Fragen unwahrscheinlich:
A: Wie fleißig ist dein Student? – B: ?Sehr / ?Ziemlich/ *ungemein/ *überaus/ *ganz.
Tatsächlich schwanken hier die Urteile von Muttersprachlern wenigestens für einige
dieser Partikeln.
Die semantische Beschreibung beschäftigt sich in diesem Teil mit der Funktion der
Steigerungspartikeln, die sich nicht auf die kommunikative Ebene bezieht. Die
Hauptfunktion der Steigerungspartikeln liegt besonders auf der semantischen Ebene. Sie
tangieren den Bedeutungswert der Sätze jedoch insofern nicht, weil sie keine große
lexikalische Bedeutung haben. Deshalb können sie den Wahrheitswert des Satzes nicht
verändern. Obwohl die Steigerungspartikeln eliminierbar sind, können sie den Ausdruck
teilweise semantisch nur in bestimmter Weise modifizieren (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988:
46f.). So können Quantitätsangaben bei Streichung der Partikel und auch die
Emotionalität aus den Sätzen verloren gehen (vgl. SUŠČINSKIJ 1985: 99):
In Bezug auf die Sprechhandlung und die Satztypen gibt es für die Steigerungspartikeln
keine Restriktionen im Gegensatz zu den Abtönungspartikeln. Die Steigerungspartikeln
unterscheiden sich von den Gradpartikeln dahingehend, dass sie keine Restriktionen
hinsichtlich des semantischen Skopus haben, aber schon Restriktionen in Bezug auf die
unterschiedlichen Steigerungsformen der Adjektive Positiv, Komparativ, Superlativ, auf
91
denen die Steigerungspartikeln operieren. Die Steigerungspartikeln können wie die
Gradpartikeln und die Abtönungspartikeln unbetont bzw. betont verwendet werden.
Außerdem ist der Gebrauch der Betonbarkeit bzw. der Unbetonbarkeit nicht mit der
Sprechhandlung und den Satztypen verbunden (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 46f).
Die Steigerungspartikeln übernehmen verschiedene Aufgaben. Sie zeigen ein hohes Maß
an Genauigkeit in der Kommunikation zwischen beiden Teilnehmern, d.h. sie beziehen
sich auf die Quantitätsangabe. Diese Steigerungsausdrücke können die Aussageleistung
des Ausdrucks erhöhen. Ihre Verwendung zeigt, dass der Sprechende über eine
differenzierte kommunikative Kompetenz verfügt sowie die Aufmerksamkeit des Hörers
durch die Hervorhebung und die Akzentuierung wecken kann. Außerdem können diese
Steigerungswörter dem Sprecher implizit einen hohen Grad an Gewissheit geben (vgl.
SUŠČINSKIJ 1985: 96, BIEDERMANN 1969: 99).
Die semantische Beschreibung bezieht sich auch auf die Skalen bzw. auf die Skalarität
und auf die Quantifizierung der Steigerung. Beides sind feste Termini in der lexikalischen
Semantik. Es ist eindeutig in der Forschung, dass die Steigerung vom Skalenbegriff
abhängt. Die Steigerbarkeit ist für die Struktur der Skala nötig, die von JACOBS 1983 als
bewertende Rangfolge bezeichnet wird. Die Bewertungskriterien für die Skalarität sind
sehr stark mit dem Kontext verbunden (vgl. VAN OS 1989: 23f.) wie beispielsweise:
Es ist ersichtlich, dass die Person im Beispiel einen hohen Grad der im Bezugswort
ausgedrückten Eigenschaft Fröhlichkeit erreicht hat.
Die Bedeutungen einiger steigernder Ausdrücke werden mit Hilfe einer Skala
beschrieben. Die Skalarität der Steigerung basiert auf der Komparation, die
komparativische Steigerung ist jedoch nicht für alle Klassen gültig, sondern nur für
Teilklassen von Intensifikatoren (vgl. BREINDL 2007: 409):
91
Ein Bestandteil der Klassen von Intensifikatoren kann nicht auf alle Prädikate skaliert
werden, sondern es ist eine komparativische Steigerung, die in der Regel ein skalierbares
Prädikat benötigt wie z. B.:
„ein vollkommen/ total/ nahezu/ fast abgasfreier Motor aber *ein sehr/
überaus abgasfreier Motor, *ein abgasfreierer Motor“ (BREINDL 2007: 409).
Es gibt zwei Typen von Skalen, die sich voneinander unterscheiden: kontinuierliche und
diskontinuierliche. Die kontinuierlichen Skalen werden von BOLINGER 1977 in zwei
Kriterien determiniert: die Extension von Skalen und den neutralen Bereich (vgl.
BOLINGER 1977: 27f.). Die Kriterien von BOLINGER 1977 zur Extension von Skalen
und zum neutralen Bereich basieren beide auf dem Terminus der Extension. In der
Forschung wird der Begriff des neutralen Bereichs als Extensionslücke benannt. Der
Terminus Grenzwert nimmt bei den Skalen eine zentrale Rolle ein, wenn die Skala zu
einer oder zu beiden Seiten geschlossen ist. Der Grenzwert kann nicht für alle Arten von
Skalen, die in ähnlicher Verwendung vorkommen, gebraucht werden, da die
Dimensionsbedeutung nicht für alle Steigerungspartikeln zugelassen ist (vgl. VAN OS
1989: 58) wie z. B.:
Der Topf ist völlig leer. *Der Junge ist völlig klein.
Wir sind völlig zufrieden.*Der Bach ist völlig seicht.
Die Steigerungspartikeln beziehen sich nicht nur auf die Form, sondern auch auf ihren
Bedeutungsinhalt. Die Menge und das Maß Quantität spielen auch bei ihnen eine
bedeutende Rolle (vgl. FETTIG 1935: 58). Die meisten dieser Partikeln stellen Synonyme
dar (vgl. BIEDERMANN 1969: 101, FETTIG 1935: 58) wie: außerordentlich und
außergewöhnlich; furchtbar und schrecklich.
HELBIG/KÖTZ 1988 unterteilt die Funktion der Verstärkung und Abschwächung der
Steigerungspartikeln in zwei Gruppen:
92
2. Die De-Intensifikatoren bezeichnen die Abschwächung der ausgedrückten
Eigenschaft, zu dieser Gruppe zählen beispielsweise einigermaßen, ziemlich,
nahezu, fast, etwas.
Die Zahl der Intensifikatoren ist größer als die Zahl der De-Intensifikatoren. Außerdem
zeigen die Gruppen, dass die Steigerungspartikeln z. B. besonders, sehr, überaus,
weitaus, höchst nur in dieser Funktion verwendet werden und auch Adjektive wie
außerordentlich, ungewöhnlich, völlig, restlos, absolut, total als Steigerungspartikeln
vorkommen können (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 48f.).
Die Entwicklung der steigernden Bedeutung bezieht sich auf die Basis der ursprünglichen
Bedeutung. So verstärkt die Steigerungspartikel richtig die im Bezugswort ausgedrückte
Eigenschaft und kann sowohl die Bedeutungen wirklich, wie in er ist noch ein richtiger
Junge als auch sehr, wie in richtige Freude, sich richtig freuen, richtig froh sein, richtiger
Hunger zum Ausdruck bringen. Weiterhin gehört zu dieser Gruppe von
Steigerungspartikeln neben sehr das steigernde Element echt, das einen hohen Grad der
im Bezugswort genannten Eigenschaft ausdrückt, wie beispielsweise echt (sehr) höflich,
echt (sehr) schön, echt (sehr) peinlich. Semantisch zählen zur Steigerung auch einige
Lexeme, die häufig eine ursprünglich positive Bedeutung hatten: schön naiv/dumm/blöd;
der Student ist schön naiv. Außerdem gehören manche Lexeme zur Steigerung, die aus
einer negativen Bedeutung entstammen: schrecklich, entsetzlich, grimmig, furchtbar,
wahnsinnig, unheimlich (vgl. SUŠČINSKIJ 1985: 98).
Es ist zu sagen, dass manche dieser Lexeme über eine stabile steigernde Bedeutung
verfügen. Die steigernde Bedeutung einiger Wörter ist jedoch immer noch in der
Entwicklung. Selbst in den Wörterbüchern werden die steigernden Bedeutungen solcher
Partikeln noch nicht angegeben. Es ist auch nicht eindeutig, dass alle Steigerungslexeme
steigerungsfähig sind, die Steigerungswörter selbst können in dieser Funktion meistens
nicht gesteigert werden (vgl. SUŠČINSKIJ 1985: 98).
93
3.5 Stellung von Steigerungspartikeln
Nur eine Steigerungspartikel kann die Stellung vor einem Positiv und einem Komparativ
ausfüllen, nämlich die Steigerungspartikel etwas. Die Positionierung der
Steigerungspartikeln viel und weit kann nur vor einem Komparativ erfolgen. Die
Steigerungspartikel weitaus kann alleine nur vor einem Komparativ bzw. Superlativ
stehen. Nur eine Steigerungspartikel, nämlich absolut kann vor einem Positiv, einem
Komparativ oder einem Superlativ stehen.
Im Unterschied zu den Abtönungs- und Gradpartikeln bezieht sich die Position der
Steigerungspartikeln auf die Partikeln, die stets vor dem Bezugswort stehen können. Das
Bezugsglied bezeichnet hier die Adjektive, die ihren Grad sklalieren und modifizieren
(vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 48).
Die Steigerungspartikeln haben keine relativ freie Positionierung wie die Gradpartikeln,
die verschiedene Positionen im Satz einnehmen können (vgl. VAN OS 1989: 15) wie
beispielsweise die Gradpartikel nur:
Es ist durch die genannten Beispiele ersichtlich, dass die Gradpartikel nur über
unterschiedliche Fokusoptionen verfügt. Die Steigerungspartikeln haben solche
Eigenschaften nicht. Wenn versucht wird, die Gradpartikel nur mit der
Steigerungspartikel echt auszutauschen, zeigt das nächste Beispiel, dass dies nicht
möglich ist:
...*weil echt Dieter dem Jungen das Geld gibt.
94
.....weil Dieter echt dem Jungen das Geld gibt.
.....weil Dieter dem Jungen echt das Geld gibt.
.....weil Dieter dem Jungen das Geld echt gibt.
Es ist notwendig zu erläutern, dass diese Regularitäten nicht für alle Steigerungspartikeln
gültig sind. Es gibt Steigerungspartikeln, die mehrere Positionierungen im Satz ausfüllen,
z. B. sehr, ganz und besonders können verschiedene Stellen ohne Bezugsausdruck
besetzen:
Der Film hat mir sehr gefallen. *Der Film hat sehr mir gefallen.
Sehr hat der Film mir gefallen. *Sehr mir hat der Film gefallen.
Der Film hat mir nicht sehr gefallen. *Der Film mir hat sehr nicht gefallen.
?Sehr hat der Film mir nicht gefallen. *Sehr der Film hat mir nicht gefallen.
Gefallen hat mir der Film sehr. *Gefallen hat sehr mir der Film.
Anhand der Beispiele wird gezeigt, dass die Steigerungspartikel sehr verschiedene
Stellungen im Satz einnehmen kann. Auch die Partikeln ganz und besonders können in
Bezug auf die Stellungsvarianten dieselben Positionen wie sehr einnehmen.
Das Steigerungswort sehr unterscheidet sich von den anderen Steigerungspartikeln, die
nur vor einem Bezugswort stehen können, das sowohl ein Adjektiv als auch ein Adjektiv-
Adverb sein kann. Sehr kann im Satz verschoben werden und ist im Unterschied zu
anderen Steigerungspartikeln erststellungsfähig. Zum Vergleich beispielsweise der
Steigerungsausdruck höchst:
95
Die Hilfe der reichen Länder erfreut die armen Menschen immer sehr.
Die armen Menschen freuen sich sehr über die Hilfe der reichen Länder.
Die armen Menschen freuen sich über die Hilfe der reichen Länder sehr.
Absolut
Absolut ist eine Steigerungspartikel, die vor dem Bezugsausdruck, dem Adjektiv bzw.
Adjektiv-Adverb stehen kann. Das Bezugswort kann in der positivischen,
komparativischen oder superlativischen Form vorkommen (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988:
82):
Absolut kann sowohl als attributives Adjektiv als auch als Adjektiv-Adverb verwendet
werden:
Der Patient braucht absolute Ruhe.
Das reicht absolut.
Die Bedeutung des Adjektivs ist ähnlich wie die der Steigerungspartikel.
Ausgesprochen
Die Steigerungspartikel ausgesprochen steht vor dem Bezugwort, das ein Adjektiv oder
Adverb ist. Ausgesprochen kommt immer im Positiv vor und intensiviert den
Bezugsausdruck. Die Steigerung des Bezugswortes wird ebenfalls von ausgesprochen
96
signalisiert und kann betont oder unbetont angewendet werden (vgl. HELBIG/KÖTZ
1988: 95):
Wir waren vor der Reise ausgesprochen gespannt.
Das ist ein ausgesprochen begabter Student.
Er kocht abends ausgesprochen gern.
Sie arbeitet ausgesprochen gut.
Äußerst
Äußerst zählt ebenfalls zu den Steigerungspartikeln und verfügt über die gleichen
Eigenschaften wie ausgesprochen z. B. die Position vor dem Bezugsausdruck, der
Adjektiv oder Adjektiv-Adverb ist, und das Auftreten nur im Positiv. Außerdem kann die
Partikel betont oder unbetont gebraucht werden (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 96,
BIEDERMANN 1969: 142). Äußerst kann ebenfalls attributiv und prädikativ gebrauchte
Adjektive und Adjektiv-Adverbien sowie Nomen modifizieren (vgl. VAN OS 1989: 185),
jedoch keineswegs alle, ebenso verhält es sich bei Partizipien II:
Bei der Verwendung als Adjektiv wird ein sehr hoher Grad ausgedrückt:
97
Außergewöhnlich
Außergewöhnlich steht vor dem Adjektiv bzw. Adjektiv-Adverb und verstärkt die
ausgedrückte Eigenschaft. Die Partikel kann ebenfalls betont oder unbetont verwendet
werden (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 97, BIEDERMANN 1969: 98):
Diese Steigerungspartikel kann auch mit gleicher Bedeutung als Adjektiv gebraucht
werden:
Es herrschte ein außergewöhnlicher Stau.
Außerordentlich
Es gehört zu den Steigerungspartikeln und kann vor dem Bezugsglied, das entweder
Adjektiv oder Adverb im Positiv ist, stehen. Dieser Partikel tritt betont oder unbetont auf.
Außerdem kann ebenfalls die Steigerung des Bezugsausdrucks signalisieren (vgl.
HELBIG/KÖTZ 1988: 98):
Die Steigerungspartikel außerordentlich kann auch als Adjektiv mit gleicher Bedeutung
vorkommen:
Besonders
Der Steigerungsausdruck besonders verhält sich wie das Steigerungslexem
außerordentlich, so dass er nur vor dem Bezugsausdruck steht, das entweder Adjektiv
oder Adverb im Positiv ist. Besonders kann die Steigerung des Bezugsausdrucks
signalisieren und intensivieren sowie betont und unbetont verwendet werden (vgl.
HELBIG/KÖTZ 1988: 101, BIEDERMANN 1969: 150):
98
Der Student war im vergangenen Semester besonders fleißig.
Der Busfahrer hatte es besonders eilig.
Das war eine besonders schöne Reise.
Er arbeitet morgens besonders gern.
Durchaus
Durchaus steht auch vor dem Bezugsausdruck, der im Positiv entweder Adjektiv oder
Adjektiv-Adverb ist. Ebenfalls kann die Partikel sowohl mit einem Substantiv als auch
mit einem Verb vorkommen, sowie sich betont oder unbetont ergeben. Die Funktion von
durchaus wird als eine Verstärkung und Bestätigung der ausgedrückten Eigenschaft
beschrieben (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 120, BIEDERMANN 1969: 194):
Echt
Der Steigerungsausdruck echt kann gleichfalls vor dem Bezugswort stehen, aber nur vor
einem Adjektiv im Positiv und kaum vor einem Substantiv oder einem Verb. Er kann
betont und unbetont sein. Er verstärkt die Eigenschaft des Bezugsausdrucks und kann
einen hohen Grad ausdrücken (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 127):
99
Man merkt eine deutliche Bedeutungsabschwächung der Steigerungspartikel gegenüber
dem Adjektiv.
Einigermaßen
Es gehört auch zu den Steigerungspartikeln der gemäßigten Graduationsstufe und steht
vor dem Bezugsglied im Positiv, das Adjektiv oder Adjektiv-Adverb ist. Einigermaßen
kann die im Bezugsausdruck ausgedrückte Eigenschaft schwächen und betont sowie
unbetont verwendet werden (vgl. BIEDERMANN 1969: 182f., HELBIG/KÖTZ 1988:
134):
Sie arbeiten einigermaßen gut.
Das ist ein einigermaßen spannender Film.
Ich bin wieder einigermaßen gesund.
Der Gebrauch von einigermaßen ist beschränkt, da es bei einigen Adjektiven, die nicht
steigerungsfähig sind, ausgeschlossen ist, wie beispielsweise:
Aber:
"Die Blume ist einigermaßen frisch" (HELBIG/KÖTZ 1988: 135).
Der Mann ist einigermaßen kräftig.
Etwas
Etwas besitzt die allgemeinen Eigenschaften der Steigerungspartikeln, es steht vor
Adjektiv im Positiv und Komparativ. Es kommt unbetont vor (vgl. BIEDERMANN 1969:
186, HELBIG/KÖTZ 1988: 145):
111
Sie muss meine Arbeit noch etwas gründlicher lesen.
Das Steigerungswort etwas kann nicht vor Adjektiven im Superlativ vorkommen, da der
Superlativ den höchsten Grad ausdrückt, aber die Steigerungspartikel etwas eine
einschränkende Bedeutung hat:
*Dieses Studium war etwas am schwersten.
Das Homonym als Proform hat eine völlig andere Bedeutung:
Da bewegt sich etwas.
Extrem
Extrem ist eine Steigerungspartikel und steht auch vor dem Bezugsglied, das entweder
Adjektiv oder Adverb im Positiv ist. Es kann ebenfalls einen sehr hohen Grad ausdrücken
und eine hohe Quantität angeben. Dieser Steigerungsausdruck verhält sich wie die
Steigerungswörter sehr, überaus, übermäßig (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 146):
Ganz
Die Steigerungspartikel ganz zählt auch zu den Steigerungsausdrücken und wird im
Deutschen häufig verwendet. Fast alle üblichen Eigenschaften der Steigerungspartikeln
gelten auch für ganz, dass es vor dem Bezugswort steht, das sowohl Adjektiv als auch
Adjektiv-Adverb sein kann. Ebenfalls kann der Bezugsausdruck nur als Adverb auftreten
und betont sowie unbetont angewendet werden (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 147). Der
Unterschied zu anderen Steigerungspartikeln liegt darin, dass der Steigerungsausdruck
ganz flektierbar ist. Die Distribution von ganz verfügt über eine ähnliche Funktion wie
sehr und semantisch ist auch die Ähnlichkeit mit sehr groß, die als Partikel etabliert ist
(vgl. VAN OS 1989: 137).
111
Ganz wird in den meisten Untersuchungen als Adjektiv und Adverb angesehen (vgl.
PUSCH 1981: 31):
ganz langsam, ganz einfach, ganz nett, ganz selten, ganz gern.
Der Gebrauch von ganz variiert in der Verwendung (vgl. BIEDERMANN 1969: 193ff.):
Die Mehrheit der deutschen Grammatiken und der Wörterbücher sind sich darüber einig,
dass ganz sowohl Adjektiv als auch Adverbmodifikator ist und über zwei gegensätzliche
Bedeutungen verfügt, nämlich Verstärkung als Adjektiv wie ganz groß, ganz nass, ganz
voll und als Adverb wie ganz selten, ganz oft sowie Abschwächung als Adjektiv wie ganz
gut, ganz freundlich, ganz interessant und als Adverb wie ganz gern. Es ist falsch zu
glauben, dass das verstärkende ganz ständig betont ist. Unter Ausländern herrscht diese
falsche Information (vgl. PUSCH 1981: 31f.), "dass man ein ganz nur kräftig genug
betonen müsse, um es als "Verstärkung" wirken zu lassen" (PUSCH 1981: 32) wie
beispielsweise:
112
Wie ich oben erwähnt habe, ist nicht jedes verstärkende ganz betont, aber ein betontes
ganz wird stets als Verstärkung betrachtet (vgl. PUSCH 1981: 33, HELBIG/KÖTZ 1988:
148). Bei Adjektiven, die nicht graduierbar bzw. komparierbar sind, kann ganz nicht
auftreten:
*Der Mann ist ganz ledig.
*Ich bin ganz verheiratet.
Die Verwendung ist jedoch möglich bei graduierbaren bzw. intensivierbaren Adjektiven,
die nicht als Komparativ vorkommen:
Es ist deutlich, dass der Steigerungsausdruck ganz vor allem bei komparierbaren und
graduierbaren Adjektiven auftreten kann, aber es kommt verstärkend vor und man kann
die Partikel mit der Steigerungspartikel sehr austauschen (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988:
149):
Draußen ist es schon ganz/sehr dunkel.
Der Student ist ganz/sehr fleißig.
Ganz steht nur bei Adjektiven im Positiv, mit dem Komparativ und Superlativ ist es nicht
kombinierbar. In einzelnen Fällen kann ganz vor Präpositionen und Substantiven
verwendet werden, aber man kann ganz in diesem Fall nicht durch sehr austauschen. Bei
Grad- bzw. Ortsadverbien, die modifiziert sind, ist ganz mit sehr ebenfalls nicht
austauschbar (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 149), wie die folgenden Beispiele zeigen:
Der Zug fährt ganz in der Frühe ab. Der Student ist ganz besonders faul.
*Der Zug fährt sehr in der Frühe ab. *Der Student ist sehr besonders faul.
Es ist ganz meine Meinung. Die Zuschauer stehen ganz hinten.
*Es ist sehr meine Meinung. *Die Zuschauer stehen sehr hinten.
Sie ist ganz ihre Mutter. *Sie ist sehr ihre Mutter.
113
Steigerungspartikel ganz. Es schwächt die Äußerung der Eigenschaft, wie die folgenden
Beispiele zeigen:
Die meisten Adjektive werden durch ganz abschwächend verwendet. Die Abschwächung
solcher Eigenschaften wird als Abwertung betrachtet. Ein Student, der ganz freundlich ist,
ist weniger freundlich als ein nur freundlicher Student. PUSCH 1981 bezeichnet einen
solchen Fall als "abwertendes ganz". Ganz kann viele kommunikative Gründe und
positive Urteile abschwächen, um eine direkte Verletzung empfindlicher Menschen zu
vermeiden. Das abwertende ganz kann auch höflich die Abschwächung von einem Lob in
der Kommunikation ausdrücken. Die Frage ist: Weshalb realisiert nur ganz diese
Funktion neben dem verstärkenden Gebrauch und anderen Abschwächern wie
einigermaßen, ziemlich, relativ, die über die gleiche Funktion verfügen? (vgl. PUSCH
1981: 40f.). Hier zeigt sich auch ein besonderes Lernproblem für den Deutsch als
Fremdsprachen Unterricht.
Das homonyme Adjektiv hat eine ähnliche Bedeutung wie die steigernde Variante.
Geradezu
Die Steigerungspartikel geradezu steht auch vor dem Bezugsglied, das sowohl Adjektiv
als auch ein Adjektiv-Adverb sein kann, außerdem kann sie die Stelle vor dem Substantiv
oder dem Verb einnehmen sowie unbetont stehen. Geradezu kann laut HELBIG/KÖTZ
1988: 155, BIEDERMANN 1969: 197 die im Bezugswort genannte Eigenschaft
verstärken:
114
Gar
Gar gehört ebenfalls zu den Steigerungspartikeln und steht immer vor Negationswörtern,
die betont oder unbetont sind. Die Hauptfunktion von gar ist es, die Negation zu
verstärken (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 151):
Das adjektivische Homonym (Das Essen ist gar) hat keinerlei Bedeutungsähnlichkeit mit
der Steigerungspartikel.
Höchst
Höchst zählt auch zu den Steigerungspartikeln und zu den superlativischen Intensivierern.
Diese Partikel tritt häufig in der gehobenen Sprache auf, in der Sprache der Gebildeten,
sie wird beispielsweise nicht in der Jugendsprache gebraucht. Dieses Steigerungswort
kann nicht mit Verben verwendet werden (vgl. VAN OS 1989: 179). Laut
HELBIG/KÖTZ 1988 verfügt dieser Steigerungsausdruck über die allgemeinen
Steigerungseigenschaften, dass es nur vor einem Adjektiv oder Adjektiv-Adverb stehen
kann. Außerdem kommt es betont oder unbetont vor. Es kann die im Bezugsausdruck
bezeichnete Eigenschaft in einem hohen Maße verstärken bzw. steigern (vgl.
HELBIG/KÖTZ 1988: 160):
Die Steigerungspartikel höchst ist nicht erststellungsfähig, wenn sie ohne Bezugswort
verschoben wird:
*Höchst ist sie freundlich.
Das Homonym als superlativisches Adjektiv von hoch hat eine ähnliche Bedeutung:
Sie hat die höchste Note erhalten.
115
Immer
Die Steigerungspartikel immer kommt vor dem Bezugsausdruck im komparativischen Fall
vor, der sowohl Adjektiv als auch Adverb sein kann. Es ist betont oder unbetont und kann
die Steigerung der ausgedrückten Eigenschaft signalisieren (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988:
162):
Der Bus fährt immer langsamer.
Immer öfter kommen die Studenten zu spät.
Das Ergebnis wird immer schlechter.
Diese Partikel gilt auch als Hinweiswort in Nebensätzen und kann die Verstärkung des
Hauptsatzes signalisieren:
Recht
Es gehört ebenfalls zu den Steigerungspartikeln und steht vor dem Bezugsglied, das
entweder Adjektiv oder Adjektiv-Adverb ist. Es kann laut HELBIG/KÖTZ 1988: 195,
BIEDERMANN 1969: 183, VAN OS 1989: 94 die im Bezugsausdruck genannte
Eigenschaft abschwächen, sie erreicht nicht den höchsten Grad:
Ich bin recht gut. (D.h., ich erreiche ein sehr gut noch nicht, aber es kann mehr als
ziemlich gut heißen.)
Rein
Rein ist ein Steigerungswort und steht vor dem Bezugsausdruck, der nur als Adjektiv im
Positiv vorkommt. Es kann ebenfalls vereinzelt bei Verben und Nomen vorkommen und
betont oder unbetont auftreten. Rein kann einen hohen Grad der ausgedrückten
Eigenschaft erreichen (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 196):
116
Es kommt auch als Adjektiv vor, wie z. B.:
Restlos
Es zählt zu den Steigerungspartikeln und kann vor dem Bezugsausdruck stehen, der nur
ein Adjektiv im Positiv sein kann. Es kann betont oder unbetont auftreten. Restlos kann
den höchsten Grad der Graduierung des Adjektivs zum Ausdruck bringen, aber das
Adjektiv ist in Kombination mit restlos nicht steigerbar (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 197):
Die restlose Leerung der Flaschen ist das Hobby der Party besucher.
Richtig
Richtig ist ein Steigerungsausdruck und kann die Stelle vor dem Bezugsglied einnehmen,
das nur ein Adjektiv sein kann. Es scheint unbetont zu sein und die im Bezugsausdruck
angegebene Eigenschaft zu verstärken. Diese Partikel wird meistens umgangssprachlich
verwendet (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 197):
Die Bedeutung der Steigerungspartikel ist gegenüber der des Adjektivs stark verblasst.
117
Schön
Es gehört auch zu den Steigerungspartikeln und steht vor dem Bezugsausdruck, der
Adjektiv oder Adverb im Positiv sein kann. Es kann auch bei Verben vereinzelt auftreten
und die im Bezugsglied genannte Eigenschaft in der Umgangssprache verstärken. Diese
Partikel wird oft als ironischer Ausdruck betrachtet (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 200):
Das Steigerungswort schön kann in anderer Bedeutung auch als Adjektiv verwendet
werden:
Die schöne Frau.
Sehr
Der Steigerungsausdruck sehr zählt zu Steigerungspartikeln und hat meistens die gleichen
Eigenschaften der Partikeln auf diesem Gebiet, also dass es vor dem Bezugsglied steht,
das sowohl Adjektiv als auch Adjektiv-Adverb im Positiv sein kann. Es kann ebenfalls
vereinzelt beim Adverb und Verb stehen. Diese Partikel tritt betont und unbetont auf. Sehr
kann die Äußerung in einem hohen Maße verstärken (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 211,
VAN OS 1989: 102). Dieses Steigerungswort wird sehr häufig bei Deutschen verwendet.
Das Steigerungswort sehr kann als Ausdruck der mittleren bis zur gehobenen Stilebene
betrachtet werden (vgl. ENGELEN 1990: 2):
Bei superlativischen Adjektiven oder Adjektiven mit einer ähnlichen Bedeutung kann der
Steigerungsausdruck sehr nicht vorkommen, da beim Superlativ der höchste Grad der
Eigenschaft ausgedrückt wird:
118
Es kann ebenfalls bei Adjektiven, die Grenzwerte darstellen, nicht gebraucht werden.
Sehr kann lt. Helbig/Kötz nicht in Sätzen stehen, in denen die Steigerungspartikel ganz
verwendet werden kann (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 212):
Auch wenn man den ersten Satz akzeptiert, z.B. weil man blind in übertragener
Bedeutung versteht, gibt es einen Bedeutungsunterschied zwischen den beiden Sätzen.
Der Steigerungsausdruck sehr kann vereinzelt im Satz die Erststellung einnehmen und
sogar auf gestellte Fragen antworten, aber lt. Helbig/Kötz nur wenn es um ein Verb geht
(vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 212):
So
Es zählt laut mehreren Autoren zu den Steigerungspartikeln und verfügt über drei Arten
der Verwendung. Erstens steht die Partikel vor dem Bezugsausdruck, der entweder
Adjektiv oder Adjektiv-Adverb im Positiv sein kann. Es ist ständig unbetont und fungiert
im Vergleich, in dem es die Gleichheit einer Eigenschaft charakterisiert (vgl.
HELBIG/KÖTZ 1988: 214, BIEDERMANN 1969: 154):
Der zweite Fall für das Steigerungswort so ist wie der erste, aber zusätzlich kann es vor
einzelnen Adverbien stehen und tritt unbetont sowie betont auf. Es kann auch die
Steigerung der ausgedrückten Eigenschaft signalisieren, bis diese einen hohen Grad
erreicht (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 214f.):
119
Sie hat so wenig Platz in ihrem Haus, dass sie nicht alle Gäste unterbringen kann.
Der Lehrer hat es so deutlich gesagt, dass die Prüfung nicht so schwer ist.
Ich habe es ihm so oft gesagt.
Der dritte Fall ist auch ähnlich, aber die Partikel kann vereinzelt bei Adjektiven,
Adverbien und Substantiven stehen und stets betont sein. Dieser Status kann auf einen
hohen Grad der genannten Eigenschaft hinweisen (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 215):
Die Bedeutungsähnlichkeit mit dem homonymen Bestandteil von Kojunktionen ist noch
schwach erhalten.
Total
Total ist ein Steigerungsausdruck und hat die gleichen Eigenschaften, die die anderen
Steigerungspartikeln besitzen, dass es vor dem Bezugsglied steht, das sowohl Adjektiv als
auch Adjektiv-Adverb im Positiv sein kann. Es kommt betont oder unbetont vor. Es kann
den höchsten Grad der angegebenen Eigenschaft zum Ausdruck bringen (vgl.
HELBIG/KÖTZ 1988: 220, BIEDERMANN 1969: 176):
Der Steigerungsausdruck total kann ebenfalls mit ähnlicher Bedeutung als Adjektiv
auftreten:
111
Überaus
Es gehört auch zu Steigerungspartikeln und kann vor dem Bezugsausdruck stehen, der
entweder Adjektiv, Adjektiv-Adverb oder Adverb im Positiv sein kann. Es tritt betont
oder unbetont auf und kann einen sehr hohen Grad der bezeichneten Eigenschaft zum
Ausdruck bringen (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 220, BIEDERMANN 1969: 134):
Übermäßig
Übermäßig ist ebenfalls ein Steigerungswort und steht vor dem Bezugsglied, das
Adjektiv, Adjekiv-Adverb oder Adverb sein kann und nur im Positiv stehen kann.
Außerdem kann es bei einigen Verben verwendet werden und ist betont oder unbetont. Es
kann einen sehr hohen Grad der ausgedrückten Eigenschaft zum Ausdruck bringen (vgl.
HELBIG/KÖTZ 1988: 224, BIEDERMANN 1969: 144):
Übermäßig kommt in gleicher Bedeutung auch als Adjektiv vor, wie z. B.:
Das übermäßige Trinken von Alkohol ist ungesund.
Überhaupt
Es zählt auch zu den Steigerungspartikeln und steht immer vor Negationswörtern und
scheint betont und unbetont vorzukommen. Es kann die Negation verstärken (vgl.
HELBIG/KÖTZ 1988: 223):
111
Das Homonyme Adverb hat dieselbe Bedeutung, steht aber auch ohne Negation:
Überhaupt finde ich Politik langweilig.
Ungemein
Ungemein ist ein Steigerungsausdruck und steht vor dem Bezugsglied, das sowohl
Adjektiv als auch Adjektiv-Adverb sein kann. Es tritt auch bei einigen Adverbien auf, und
zwar nur im Positiv. Es kommt betont und unbetont vor. Es kann die genannte
Eigenschaft verstärken (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 226f., BIEDERMANN 1969: 151):
Ungewöhnlich
Es gehört auch zu den Steigerungspartikeln und hat alle Eigenschaften, die das
Steigerungswort ungemein besitzt. Es kann die im Bezugsglied bezeichnete Eigenschaft
verstärken und drückt einen sehr hohen Grad aus (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 227,
BIEDERMANN 1969: 150):
Völlig/vollkommen/vollständig
Sie sind Steigerungspartikeln und stehen vor dem Bezugsausdruck, der Adjektiv oder
Adjektiv-Adverb sein kann. Sie treten nur mit dem Positiv und bei einzelnen Verben auf.
Sie können betont und unbetont gebraucht werden. Diese Partikeln können den höchsten
Grad der genannten Eigenschaft angeben (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 232,
BIEDERMANN 1969: 174f.):
112
Das Kino war völlig/vollkommen/vollständig ausverkauft.
Der Vater ist völlig/vollkommen/vollständig zuverlässig.
Er arbeitet abends völlig/vollkommen/vollständig gern.
*Der Direktor hat einen völlig/vollkommen/vollständig
unfähigen Mitarbeiter eingestellt.
Die Ausdrücke treten in gleicher Bedeutung auch als Adjektive auf wie z. B.:
Die völlige/vollkommene/vollständige Beherrschung der Sprache.
Weit
Weit wird ebenfalls als Steigerungswort betrachtet. Es kann vor einem Adjektiv, Adjektiv-
Adverb oder Adverb stehen, aber nur im komparativischen Gebrauch. Es intensiviert die
im Komparativ angegebene Eigenschaft (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 233):
Die Bedeutung der Steigerungspartikel ist gegenüber der des Adjektivs verblasst.
Weitaus/bei weitem
Sie sind beide Steigerungspartikeln und stehen vor dem Adjektiv oder Adverb und auch
vor dem Adjektiv-Adverb. Sie treten nur im Komparativ oder Superlativ im Positiv auf.
Sie verstärken die im Adjektiv bezeichnete Eigenschaft (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 234,
BIEDERMANN 1969: 146ff.):
113
Wesentlich
Wesentlich gehört auch zu den Steigerungspartikeln. Es steht vor dem Adjektiv oder
Adverb und auch bei Verben sowie vor dem Adjektiv-Adverb im komparativischen
Gebrauch. Es verstärkt die im Adjektiv genannte Eigenschaft (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988:
237, BIEDERMANN 1969: 104):
Sie war wesentlich öfter auf dem Lande als in der Stadt.
Der Zustand des Patienten hat sich wesentlich verbessert.
Ziemlich
Diese Partikel zählt zu den Steigerungspartikeln und verfügt meistens über die gleichen
Eigenschaften, die einige Steigerungswörter haben, dass es vor dem Bezugsglied steht,
das entweder Adjektiv, Adjektiv-Adverb oder Adverb im Positiv sein kann. Es kann
ebenfalls vereinzelt beim Verb stehen. Dieser Steigerungsausdruck kommt betont oder
unbetont vor. Semantisch gesehen kann er die im Bezugsglied ausgedrückte Eigenschaft
beschränken (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 243, BIEDERMANN 1969: 182):
114
Zu
Zu ist eine Steigerungspartikel und steht vor dem Adjektiv, Adjektiv-Adverb oder Adverb
im Positiv. Sie kann ein Übermaß zum Ausdruck bringen (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988:
244, BIEDERMANN 1969: 145):
Ein Homonym ist das zu beim infinitiv, zu dem keinerlei Bedeutungsähnlichkeit besteht:
115
4. Beschreibung des Arabischen
Im Arabischen gliedern sich die Wörter in einzelne Wortarten. Jede Wortart beinhaltet
Wörter mit gleichen Form- und Bedeutungseigenschaften. Die Klassifizierung der
Wortarten wird nach syntaktischen, semantischen und morphologischen Aspekten
vorgenommen. Die arabischen Grammatiker haben die Wortartenklassifikation nach
syntaktischen und semantischen Aspekten der Klassifikation nach morphologischen
Aspekten übergeordnet. Fast alle klassischen und modernen Grammatiker des Arabischen
sind sich darüber einig, dass es nur drei Grundwortklassen im Arabischen gibt,
bekanntlich das Verb, das Nomen und die Partikeln (vgl. ḤASAN 1986: 26ff.). Auch der
116
Begründer der arabischen Grammatik Sībawaih bestätigt die Zahl der arabischen
Wortarten „[…] وحرف جاء لمعنى ليس باسم وال فعل, وفعل,( “]…[ فالكلم اسمSĪBAWAIH 1977: 12)
(Das Wort bezeichnet ein Nomen, ein Verb und ein ḥarf, das eine Bedeutung bezeichnet,
das kein Nomen und kein Verb ist). Alle Grammatiker nach Sībawaih haben diese
Klassifikation übernommen, wie beispielsweise:
Ibn Mālik (IBN MĀLIK 1996: 11): „“واسم وفعل وثم حرف الكلم واحده كلمه
(Das Wort ist Nomen, Verb und ḥarf).
Al-Fadili (ALFADILI 1980:10): „“تنقسم الكلمة الى ثالث اقسام هي االسم والفعل والحرف
(Das Wort kalima wird in drei Arten eingeteilt: Nomen, Verb und ḥarf).
Ich verwende in wörtlicher Übersetzung ḥarf - pl. ḥurūf, da es nicht deutlich ist, zu
welcher Kategorie es gehört. Die Ambiguität dieses Begriffs ḥarf wirft Fragen auf, die
beantwortet werden sollten:
Ḥarf bezeichnet im Arabischen einbuchstabige Wörter, die von der graphischen Ebene
und von den gebundenen Morphemen nicht abgegrenzt sind und folglich ausgetauscht
werden können. Außerdem werden die Präpositionen und die Konjunktionen als ḥarf
bezeichnet. Es ist im Arabischen jedoch nicht klar, ob sowohl die einbuchstabigen
Präpositionen als auch die Konjunktionen in der Tat als Wörter aufzufassen sind oder
nicht. Das heißt, es gibt im Arabischen einen Unterschied zwischen dem grammatisch
gebundenen ḥarf-Morphem und dem ḥarf-Wort. Im Arabischen gibt es jedoch auch
keinen eindeutigen Unterschied zwischen dem gebundenen Morphem und dem Wort.
Ḥarf oder die Pluralform Ḥurūf bezeichnen mehrere Kategorien im Arabischen wie zum
Beispiel: vor allem die Buchstaben und die grammatisch gebundenen Morpheme, nämlich
die Flexionsmorpheme, die Wortbildungsmorpheme, die Partikeln, die Präpositionen und
die Konjunktionen.
Da Ḥurūf auch die Partikeln bezeichnet und sich meine Arbeit auf die Partikeln bezieht,
werden diese in den nächsten Unterkapiteln ausführlich beschrieben.
117
4.1.1 Allgemeines zu den arabischen Wortarten
Seit dem 8. Jahrhundert, als Sībawaih die Grammatik des Arabischen geschaffen hat, sind
sich die alten und modernen arabischen Grammatiker wie erwähnt darüber einig, dass die
Wortarten des Arabischen in drei Klassen eingeteilt werden: Nomen اسم, Verb فعل, Partikel
ḥarf حرف, die kein Nomen und kein Verb ist. Die arabischen Grammatiker haben nach
dieser Klassifizierung unsystematisch morphologische, syntaktische und semantische
Eigenschaften beschrieben. Außerdem haben sie diese Einordnung nicht deutlich genug in
allen nötigen Abgrenzungen gezeigt. Deshalb findet man in ihren Definitonen
Unklarheiten und Widersprüche, wie z.B. die folgende Beschreibung verdeutlichen kann.
Das Nomen:
In Bezug auf das Nomen gibt es im Arabischen keine klare Definition, da Sībawaih, der
Begründer der arabischen Grammatik, die Begriffserklärung ausgelassen hat und nur
Beispiele für diese Gattung vorgeschlagen hat. Die Grammatiker des Arabischen können
durch seine geringe Anzahl an Vorschlägen nicht erschließen, ob die Nomina aus
Adjektiven, Substantiven, Numeralia oder anderen Klassen von Wörtern bestehen (vgl.
SĪBAWAIH 1977: 1ff.). Es existieren in der Regel verschiedene Definitionen bei anderen
arabischen Grammatikern. So meint beispielsweise al-Mubarrad, dass nur Präpositionen
118
als Nomen angesehen werden sollen (vgl. MADKŪR 1986: 139). Aber al-Kisāʼī vertritt
die Ansicht, dass das Nomen durch ein Adjektiv gekennzeichnet ist (vgl. AS-SĀQĪ
1977:38). Wenn wir diese Definitionen betrachten, finden wir, dass sie alle nicht
ausreichend sind, weil im Gegensatz zum Deutschen die folgenden Wörter in der
Grammatik des Arabischen zu den Nomina gehören: wenn اذا, wobei حيث, wo اين, wann
متى, wieviel كم, wie كيف.. Diese Interpretation teile ich nicht.
Die Nomina im Arabischen sind deklinierbar und artikelfähig und unterscheiden sich von
anderen Wortarten durch ihre Stellung im Satz. Bei den modernen Grammatikern gehören
zu den Nomina die Substantive, Adjektive, die Pronomina, die Zahlwörter und die
Adverbien. Es gibt auch keine morphologische Divergenz zwischen Substantiven und
Adjektiven (vgl. AḤMAD 1996: 127).
Es gibt für die arabischen Nomina drei Morphemarten, wie z.B.:
Das Verb:
Die Grammatiker des Arabischen scheinen bei der Verbdefinition einig, dass es drei
Zeitstufen für das Verb gibt, nämlich Gegenwart, Vergangenheit und Futur. Bei Sībawaih
wird das Verb vom Verbalsubstantiv abgeleitet. Nach dem Tempus wird das arabische
Verb in das Perfekt und das Imperfekt eingeteilt (vgl. ḤASAN 1986: 46ff.). Alle
arabischen Verben sind konjugierbare Wörter. Die dritte Person Singular im Aktiv in der
Vergangenheitsform gilt in der Grammatik des Arabischen als die einfachste Form des
Verbums (vgl. FISCHER 2002: 85). Die arabischen Grammatiker betrachten diese
grammatische und lexikalische Form als Grundform.
Es ist wichtig zu erläutern, dass die Personalpronomen des arabischen Verbs durch die
Flexion des Verbstammes verschmolzen sind. In fast allen Fällen wird kein
Personalpronomen verwendet (vgl. AḤMAD 1996: 122), wie beispielsweise:
ḏahaba (er) geht
ḏahabat (sie) geht
119
Die meisten der arabischen Verben beinhalten dreiradikalige Konsonanten, die sowohl
die Grundform des Verbums als auch seine Bedeutung bestimmen (vgl. AḤMAD 1996:
123). Das Verb hat eine Präfixkonjugation und eine Suffixkonjugation. Durch die
Suffixkonjugation wird das Perfekt gebildet und durch die Präfixkonjugation entstehen
Imperfekt, Konjunktiv und Apocopatus (vgl. FISCHER 2002: 90).
Es gibt für die arabischen Verben nach ihrer Radikalstruktur vier Gruppen (vgl. SCHULZ
2004: 11):
- Gesunde Verben ( السالم/)الفعل الصحيح.
Die Mehrheit dieser Verben verfügt über die drei temporalen Formen Gegenwart
((المضارع, Vergangenheit ( )الماضيund Zukunft ()المستقبل. Zusätzlich verfügen alle
arabischen Verben über vier Modi: Indikativ Perfekt ( )الماضيund Indikativ Imperfekt
()المضارع المرفوع, Konjunktiv ()المضارع المنصوب, Apokopat ()المضارع المجزوم, Imperativ
()األمر. Die Konjugationsparadigmata enthalten für die Vergangenheit und die Gegenwart
drei Formen, nämlich Singular, Dual und Plural.
Die Partikeln:
Die Partikel al-ḥarf الحرفwird im Arabischen als das Lexem bezeichnet, das über eine
Bedeutung in den gebundenen Morphemen verfügt (vgl. AL-MURŪDĪ 1992: 22). Die
arabischen Partikeln differenzieren Nomina und Verben in ihrer Bedeutung und werden
nicht flektiert, während Verben und Substantive flektiert werden. Sie drücken weder eine
Zeitstufe noch eine Handlung aus und können im Satz nicht allein als Ergänzung
(Subjekt, Prädikat und Objekt) auftreten. Sie sind keine selbständigen Satzglieder, sie sind
nur Teile von Satzgliedern.
121
Aus der morphologischen Perspektive betrachtet sind alle arabischen Partikeln
unflektierbare Wörter, die weder konjugierbar, deklinierbar noch komparierbar sind.
Aus der syntaktischen Perspektive betrachtet werden die arabischen Partikeln in zwei
Arten unterteilt (vgl. ḤASAN 1986: 71):
Die rektionsfähigen Partikeln bewirken für das regierte Wort (Nomen oder Verb) eine
Rektion und setzen es in den Genitiv:
Partikeln mit Apokopat sind die Partikeln, die das Verb im Apokopat haben, z.B. wie
folgt (vgl. SCHULZ 2004: 110):
Bedingungssätze إن:
„Wenn ihr geduldig ausharrt, so wird euch Gott helfen“ (Qurᵓān 3, 125)
.إن تصبروا يمددكم ربكم
Partikeln mit Konjunktiv kommen auch mit Verben vor wie beispielsweise:
Objektsätze أال/أن:
Sie bat ihn, nicht zu fliegen. .أن يطير/طلبت منه أال
121
Negation لن:
Er wird nie lernen. .لن يتعلم ابدا
Diese Partikel weisen auf keine Bedeutung hin, wie z.B. die Frage- und Antwortpartikeln
بلى/ إي/( أجلvgl. SCHULZ 2004: 110):
Die Kriterien der Einteilung der arabischen Wortarten sind unterschiedlich, da die
vorherrschenden Wortarten im Arabischen Nomen, Verb und Partikel ḥarf sind. Die
arabischen Grammatiker haben sich ernsthaft bemüht und versucht, die alte Einteilung mit
einer neuen Klassifizierung der arabischen Wortarten weiterzuentwickeln.
2. Verben, die mit bestimmten Präfixen, Suffixen und Pronomina verbunden und
verwendet werden können.
Die Demonstrativpronomina umfasst ein unmittelbarer Hinweis wie dieser und ein
indirekter Hinweis wie jener. Das Demonstrativum dieser wird mit hā gebildet und das
Demonstrativum jener wird mit der Form -ka gebildet. Sie sind auch unflektierbar (vgl.
FISCHER 2002: 128) wie:
Die Demonstrativpronomen (dieser) und (jener):
Die Klassifikation der arabischen Wortarten in sieben Klassen wird von TAMMĀM
ḤASSĀN 1994 vertreten. Er stellt die sieben Klassen nach einem Mischkriterium dar.
Dies ist nicht zu kritisieren, da diese Kriterien von vielen Sprachwissenschaftlern gar
nicht angenommen werden. Außerdem sind die Definitionen der Wortarten uneinheitlich
und nicht ausreichend. Die unterschiedlichen und die undeutlichen Definitionen sollten
klarer gefasst werden, weil einige Klassen wie die oben genannten Klassen ’adāh und
kināyah nicht akzeptabel sind (vgl. Kap. 4.2.2 über die Einteilung der arabischen
Wortarten in vier Klassen). Die neueren Versuche zur Klassifizierung der Wortarten
konnten gegenüber der traditionellen Dreiteilung Nomen, Verb und Partikel nicht etabliert
124
werden, da sie nicht ausreichend und ausführlich erläutert sind sowie von arabischen
Grammatikern nicht berücksichtigt werden (vgl. ḤASSĀN 1994: 86).
Die Einteilung der Wortarten in sieben Klassen, die von Tammām Ḥassān vorgenommen
wird (vgl. ḤASSĀN 1994: 90), sieht wie folgt aus:
1- Nomina.
2- Verben.
3- Pronomina.
4- Adjektive.
5- Adverbien.
6- al-ḫālifah (Interjektion).
7- ᵓAdāh.
Bei Tammām Ḥassān umfassen die Nomina Intensitätsnomen, Nomen des Ortes und der
Zeit, Nomen für Instrumente und Gefäße, Kollektiva, Gattungskollektiva und eigentliche
Kollektiva.
Die Konjugation der Verben wird bei ihm in drei Klassen eingeteilt, nämlich Präsens,
Vergangenheit und Imperativ. Hier unterscheidet er sich nicht von anderen
Sprachwissenschaftlern, die grammatische Beschreibungen des Arabischen erarbeitet
haben.
Singular 1. Person ’ أناanā, plural نحنnaḥnu 2. Person maskulin ’ أنتanta, Plural أنتم
’antum 2. Person feminin ’ أنتanti, Plural ’ أنتنantunna.
Dual ’ أنتماantumā.
Singular 3. Person maskulin هوhuwa, Plural همhum, 3. Person feminin هيhiya, Plural هن
hunna.
Dual هماhumā.
125
Außerdem gehören die Demonstrativpronomen und Relativpronomen dazu, die ich schon
im letzten Unterkapitel beschrieben habe. Sie werden auf dieselbe Weise bei Tammām
Ḥassān beschrieben (vgl. ḤASSĀN 1994: 108f.).
Bei Tammām Ḥassān zählen die Adjektive zu den Wortarten, fungieren als eigene
Wortart und gehören nicht zu den Nomina wie bei Anis. Die Adjektive im Arabischen
beziehen sich auf die Substantive und die syntaktischen Eigenschaften des Substantives,
Genus und Numerus werden auf das Adjektiv übertragen. Die syntaktische Funktion des
Adjektivs im arabischen Satz kann durch den Kasus festgestellt werden. Die arabischen
Adjektive können attributiv, prädikativ und adverbial gebraucht werden. Im Arabischen
braucht jedes Adjektiv ein Substantiv, viele Sätze im Arabischen beinhalten Substantive
und Adjektive, aber keine Verben. Diese Sätze werden im Arabischen als Nominalsätze
bezeichnet. Morphologisch gesehen sind die Adjektive im Arabischen deklinierbare
Wörter und können nach den nominalen Eigenschaften Kasus, Genus, Numerus verändert
werden. Die Steigerungsausdrücke des Adjektivs werden überwiegend durch den Elativ
realisiert.
Semantisch betrachtet werden die Adjektive in die folgenden Wortgruppen klassifiziert
(vgl. ḤASSĀN 1994: 99):
- Verbaladjektive,
- Elativische Adjektive,
- Intensitätsadjektive,
- Vergleichsadjektive.
Aus semantischer Perspektive werden die Adjektive nach zwei Eigenschaften eingeteilt,
nach inhärenten Eigenschaften und nach relativen Eigenschaften. Die inhärenten
Merkmale bezeichnen die Personen und die Gegenstände. Unter den relativen
Besonderheiten wird die Beziehung zu anderen Personen oder Gegenständen verstanden
(vgl. ḤASSĀN 1994: 98ff.).
Die Adverbien im Arabischen werden bei Tammam Hassān ebenfalls als eigene Wortart
betrachtet, nicht wie bei anderen arabischen Grammatikern, die die Adverbien als eine
Wortart des Nomens ansehen. Die Formen der Adverbien sind nicht vielfältig, da sie nicht
nach Genus oder Numerus flektieren können. Syntaktisch gesehen stehen die Adverbien
im arabischen Satz an unterschiedlichen Stellen; sie haben variable semantische
Funktionen. Meistens stehen die Adverbien im adverbialen Akkusativ und als
126
Präpositionalgefüge. Auf dem semantischen Gebiet treten die Adverbien mehrdeutig auf
und weisen auf unterschiedliche semantische Eigenschaften hin (vgl. ḤASSĀN 1994:
119ff.).
Die sechste Wortart bei Tammām Ḥassān ist al-ḫālifah, die im Deutschen als Interjektion
bezeichnet wird. Da diese Wortart für meine Argumentation nicht nötig ist, lasse ich sie
für meine Arbeit außer Betracht.
Schließlich werde ich die Wortart ᵓadāh bei Tammām Ḥassān behandeln. ᵓAdāh heißt im
Deutschen wörtlich „Mittel“, aber im Arabischen bezeichnet diese Wortart
unterschiedliche Teile des Satzes und wird in zwei Elemente segmentiert:
- Das originale „Mittel“ umfasst die Partikeln, die Bedeutungen haben, wie z.B. die
Präpositionen, die immer vor den im Genitiv stehenden Nomina vorkommen, und
die Konjunktionen, die in der gleichen Umgebung wie die deutschen
Konjunktoren stehen können.
Die Wortarten des Arabischen sind bei Tammām Ḥassān die folgenden:
1. Nomen, die auf Genus und Kasusdeklination basieren, sowie die Eigennamen wie
baitun, baitan, baitin. 2. Verben, die über finite Formen verfügen, wie z.B.
šaraba, yašrabu, ᵓišrab. Alle diese Verben sind mit Tempus und Modus sowie mit
Genus und Numerus des Subjekts verbunden. 3. Pronomen, die im arabischen
Satz stehen können, wo ebenso die Nominalphrasen stehen können wie نحنnaḥnu
und هوhuwa u.a. 4. Adjektive, die direkt nach dem Nomen stehen und diesem in
Genus, Kasus, Numerus und Determination entsprechen. 5. Adverbien, die sich
von deutschen Adverbien, die vor dem Verb stehen, insofern unterscheiden, dass
sie nach dem Verb stehen. 6. Präpositionen, die vor dem Nomen, das im Genitiv
ist, stehen. 7. Konjunktionen, die wie die deutschen Konjunktionen fungieren. 8.
Determinationen, die als Begleiter der Nomina bezeichnet werden. 9. Zahlwörter,
die teils flektierbare und teils unflektierbare Wörter sind und die vor den Nomina
stehen können. 10. Subjunktionen, die Partikeln sind und die Nebensätze einleiten
können sowie sie den Hauptsätzen unterstellen können. 11. Partikeln oder restliche
127
Partikeln, die unbeugbare Wörter sind und die nicht verändert können. Es zählen
zu dieser Klasse die Interjektionen (ḫālifah), Satzäquivalente usw.
In den nächsten Unterkapiteln werden die Partikeln im Arabischen und ihre Definitionen
sowie Klassifikationen ausführlich beschrieben.
In der traditionellen Grammatik des Arabischen werden die arabischen Partikeln als ḥarf
oder in der Pluralform ḥurūf bezeichnet. Es gibt im Arabischen zwei Arten von ḥurūf, die
über einen deutlichen Unterschied verfügen, nämlich ḥurūf maᶜānī, die wörtliche
Bedeutung (Bedeutungsḥurūf) und ḥurūf mabāni, die wörtliche Bedeutung (Bau-ḥurūf).
In dieser Arbeit behandele ich nur ḥurūf maᶜānī und nicht ḥurūf mabāni, da ḥurūf mabāni
in der arabischen Grammatik nur die arabischen Buchstaben des Alphabets bezeichnen.
Die arabischen Grammatiker benennen ḥurūf maᶜanī im Rahmen der kommunikativen
Kompetenz als gebundene Instrumente, Konnexionspartikeln "ḥurūf ar-rabṭ" حروف الربط
(vgl. ḤASAN 1986: 66). Einige arabische Sprachwissenschaftler bezeichnen sie als
Zusatzpartikeln "al-ḥurūf az-zā’ida" الحروف الزائدة.
Als die Exegeten und die Sprachwissenschaftler mit der Interpretation des Korans
anfingen und die Bedeutungen im Koran Wort für Wort untersuchten, entstand die
Bedeutungslehre der Partikeln und wurde als Fachgebiet in der arabischen
Sprachwissenschaft etabliert. Die Sprachwissenschaftler beschreiben die Rolle der
sogenannten Bedeutungspartikeln so, dass sie eine zentrale Stelle im Arabischen
einnehmen, ihre Bedeutung tief verankert ist und fast alle Ausdrücke durch sie geäußert
werden. Mit der Hilfe der Bedeutungspartikeln werden die Bedeutungen dieser
128
Äußerungen erschlossen (vgl. AL-MĀLIQĪ 1975: 2). Die meisten der arabischen
Grammatiker haben die Bedeutungspartikeln ausführlich analysiert, wie المالقيAl-Māliqī,
ابن هشامIbn Hišām, المراديAl-Murādī.
Unter den arabischen Grammatikern variiert die Zahl der Bedeutungspartikeln. Sie sind
unterschiedlich und liegen zwischen 80 und 105 Partikeln. Die Bedeutungspartikeln bei
Ad-Deḥdāḥ sind 80 Partikeln (vgl. AD-DAḤDĀḤ 1993: 21), bei Almāliqī sind es 95
Partikeln (vgl. AL-MĀLIQĪ 1975: 28), bei Ibn Hišām sind es 101 Partikeln (vgl. IBN
HIŠĀM 1996: 26) und bei Al-Murādī sind es 105 Bedeutungspartikeln (vgl. AL-
MURĀDĪ 1992: 28).
Nach Al-Māliqī besteht die Zahl der Bedeutungspartikeln aus 95 Partikeln. Davon sind 13
Partikeln, die nur aus einem einzigen Buchstaben bestehen (vgl. AL-MĀLIQĪ 1975: 4f.):
al-'alif '( األلفa), al-hamza '( الهمزةa), al-bā' ( الباءba-), at-ta' ( التاءta-), al-kāf ( الكافka-), al-
lām ( الالمla-), al-mīm ( الميمma-), al-nūn ( النونna-), al-fā' ( الفاءfa-), as-sīn ( السينsa-), al-hā'
(الهاءha-), al-wāw ( الواوwa-) und al-yā' ( الياءya-).
Die restlichen Partikeln, die aus mehreren zusammengesetzten Buchstaben bestehen, sind
die folgenden Partikeln:
„'agal أجل, 'iḏ إذ, 'iḏā إذا,'iḏan إذن, al- ال, lā ال, 'alā أال, 'ilā إلى, 'allā أال, 'illā إال, 'am أم, 'amā
أما, 'imā إما, 'immā إما, 'ammā أما, 'in إن, 'inna إن, 'an أن, 'anna أن, 'anā أنا, 'annta أنت, 'antuma
أنتما, 'antum أنتم, 'antunna أنتن, 'aw أو, 'ay أي,'iy إي, 'ayā أيا, ᵓiyyā أيا, ('aṣbaḥa أصبح, 'amsā
)أمسى, bağal بجل, bal بل, balā بال, ṯamma ثم, ğalal جلل, ğayri جير, ḥattā حتى, ḥāšā حاشا, ḫalā
خال, ḏā ذا, rubba رب, ka'anna كأن, kallā كال, kamā كما, kay كي, lā ال, lākin لكن, lākinna لكن,
lam لم, lammā لما, lan لن, law لو, lawmā لوما, lawlā لوال, layta ليت, laysa ليس, mā ما, muḏ مذ,
min من, man من, munḏu منذ, maᶜa مع, naḥnu نحن, naᶜam نعم, ᶜadā عدا, ᶜalla عل, ᶜalā على, ᶜan
عن, fī في, qad قد, sawfa سوف, hā ها, hal هل, hallā هال, hayā هيا, huwa هو, hiya هي, humā هما,
hum هم, hunna هن, wā وا, wāy وايund yā ( “ياAL-MĀLIQĪ 1975: 4).
129
- Bekräftigungspartikeln حروف التوكيد, ’inna إن, ’anna أن, al-bā’ الباء, al-lām الالم, al-
nūn النون, mā ماund lā ال.
- Ausnahmepartikeln حروف االستثناء, ’illā إال, ḥāšā حاشا, ḫalā خال, und adā عدا.
- Negationspartikeln حروف النفي, wie lā ال, lammā لما, lam لم, lan لن, laysā ليس, mā ما.
- Antwortpartikeln حروف الجواب, na am نعم, balā بلى, ᵓagal أجل, ’iy إي.
- Konjunktionen حروف العطف, wie z.B.: wa- و, lakin لكن, ṯumma ثم, fā ف, bal بل.
- Schwurpartikeln حروف القسم, ba- باء, aw و, tā- تاء, lā الund min من.
Was die Morphologie betrifft, so können die Bedeutungspartikeln nicht flektiert werden,
d.h. sie können weder konjugiert, dekliniert noch kompariert werden. Außerdem können
sie sowohl Lexeme als auch nur Buchstaben sein, wie z.B.:
Wörter wie كأنka’anna und ربrubba; Buchstaben wie الهمزةal-hamza und الالمal-lām
(vgl. IBN HIŠĀM 1996: 17ff.).
131
Unter semantischen Aspekten gibt es Ähnlichkeiten oder Entsprechungen zwischen den
arabischen Bedeutungspartikeln und den deutschen Partikeln, da sie beide eine
situationsabhängige kommunikative Aufgabe realisieren. Die Bedeutungspartikeln
verfügen über keine lexikalische Bedeutung, d.h., sie können eliminiert werden, ohne dass
die Sätze ihre semantischen Informationen verlieren. Sie haben also demnach keinen
Einfluss auf die Proposition der Sätze. Die Bedeutungspartikeln tangieren insbesondere
die Wahrheitsbedingungen von Aussagesätzen nicht. Die arabischen
Sprachwissenschaftler sind der Meinung, dass die Bedeutung der arabischen Partikeln
nicht explizit sein kann, sondern die Partikelbedeutungen nur implizit erschlossen werden
können. Ihre Bedeutungen werden ständig als sekundär betrachtet und auf der Basis der
Kenntnis der Satzbedeutung abgeleitet. Daraus ergibt sich, dass die Bedeutungspartikeln
mit dem Kontext des Satzes verbunden sind und ihre Bedeutung sich auf die Kenntnis der
gesamten Sprech- und Kommunikationssituation bezieht. Die Bedeutungspartikeln
modifizieren und verstärken die Bedeutung der Äußerung in besimmter Weise. Sie
werden als Hinweismittel auf die kommunikative Absicht angesehen.
Wenn man sich auf die Ambiguität der Bedeutung von Bedeutungspartikeln konzentriert,
erkennt man, dass die Bedeutungspartikeln in der Grammatik des Arabischen
verschiedene Bedeutungen haben:
(IBN HIŠĀM 1996: 32ff.)." حرف جر ألثنا عشر معنى,"الباء المفردة
"B ist eine Präposition und verfügt über zwölf Bedeutungen".
." "سافرت بالسيارة,االستعانة
1. Die Zuhilfenahme, "Ich bin mit dem Auto gefahren".
131
6. Die Begleitung, "Sie sind mit dem Zeugnis hereingekommen".
Anhand der genannten Beispiele ist ersichtlich, dass alle Beispiele im Arabischen nur eine
Partikel brauchen, nämlich den Buchstaben " الباءbi-", im Deutschen jedoch haben fast alle
Beispiele Präpositionen gebraucht, einige Akkusativobjekte sowie Partikeln.
In dieser Untersuchung befasse ich mich im Folgenden mit den Bedeutungspartikeln, die
dem Inhalt nach als funktionale Äquivalente zu den deutschen Steigerungspartikeln
angesehen werden können. Zusätzlich werden die Struktur und die Funktion der
arabischen Bedeutungspartikeln deutlich erläutert. Da die arabischen Steigerungspartikeln
zu vielen verschiedenen Kategorien der Bedeutungspartikeln gehören, muss ich auf alle
arabischen Partikeln im Allgemeinen eingehen.
Es herrscht in der Beschreibung der Grammatik des Arabischen keine Einigkeit darüber,
dass ḥarf bzw. Partikel so bezeichnet werden sollte. Selbst die arabischen Linguisten sind
sich nicht einig darüber, weshalb diese Gruppe von Wörtern mit dieser Benennung
bezeichnet wird. Im Arabischen bedeutet ḥarf bzw. Partikel "Rand", "Spitze" oder
"Kante" wie die folgenden arabischen Sprachwissenschaftler erörtern:
, ألن الحرف في اللغة هو الطرف: لم سمي الحرف حرفا؟ قيل:"فأن قيل
132
(AL-MURĀDĪ 1992: 23) ". […] ُومنه يقال حرف الجبل أي طرفه
(Wenn wir fragen, warum wird ḥarf als ḥarf bezeichnet. Die Antwort ist, dass ḥarf "die
Spitze" bedeutet. Deshalb sagt man "die Spitze eines Berges"). Mit anderen Worten:
Diese Wörter werden so bezeichnet, da sie der Rand der arabischen Sprache sind. Die
Partikel im Arabischen ist ein Randphänomen und die Spitze des Berges ist ebenfalls ein
Rand.
(IBN MANẒŪR 1997, Bd. 9: 41) ". الحرف في األصل الطرف والجانب:"وقال ايضا
(Ebenfalls hat er gesagt: Die Partikel ist ein Rand und eine Seite).
(AL-MURĀDĪ 1992: 24) ". والحرف في اللغة هو الوجه الواحد. ألنه يتأتى على وجه واحد:"وقيل
(Eine andere Auffassung besagt: Diese Partikel hat nur einzige Bedeutung. Dieses Wort
bezeichnet in der Sprache eine einzige Bedeutung).
(ABŪ ALBARAKĀT ALANBĀRĪ 1999: 12) ". ما جاء لمعنى غيره: فماحده؟ قيل:"فإن قيل
(Es wurde gesagt, was die Partikel bedeutet, die Antwort ist: Die Partikel ist eine Klasse,
die einen Sinn in anderen Klassen bezeichnet).
" وأما حروف المعاني وهو الذي يلتمسه النحويون فهو أن يقال
(AL-ASYŪṬĪ 1984: Bd. 2: 15f.) ".الحرف ما دل على معنى في غيره نحو من وإلى وثم
(Die Bedeutungspartikeln, was die arabischen Grammatiker versuchen: Die Partikel ist
eine Klasse, die eine Bedeutung in anderen Klassen bezeichnet, wie min von, ʔilaa zu und
ṯumma dann).
133
(AL-FĀQĪHĪ 1996: 82f.) "" الحرف كلمة دلت على معنى في غيرها فقط
(Die Partikel ist ein Wort, die eine Bedeutung nur in anderen Klassen bezeichnet).
(ABDULMĀSSĪḤ 1990: 195)"." وهو ما جاء لمعنى وليس باسم وال فعل تسميات أخرى حرف معنى
(Die Partikel ist eine Wortart, die einen Sinn bezeichnet. Sie ist kein Nomen und kein
Verb. Andere Bezeichnungen: Bedeutungspartikeln).
Diese Definitionen zeigen, dass die Grammatiker der Meinung sind, dass die arabischen
Partikeln mehrere Bedeutungen haben und dass verschiedene Kategorien der Partikeln
vorkommen können. Die Bedeutung ergibt sich erst genau durch den Kontext im
arabischen Satz.
Die arabischen Partikeln werden von Ibn Hišam in drei Bereiche eingeteilt (vgl. IBN
HIŠĀM 1996: 25f.):
1. Die tätigen Partikeln ( الحروف العاملةal-ḥurūf al- āmila); diese Partikeln beziehen
sich nur auf das Nomen مختص باالسم فقط, das auch nur mit dem Genitiv vorkommen
kann, da die Nomina in diesem Fall nur mit dem Genitiv gebraucht werden
können.
2. Die tätigen Partikeln ( الحروف العاملةal-ḥurūf al- āmila), die nur auf dem Verb
basieren مختص بالفعل فقطund das nur mit dem Apokopatus الجزمvorkommen kann,
da der Apokopatus الجزمnur mit Verben verwendet werden kann. Der Apokopatus
kann ebenso mit dem Nomen vorkommen, aber in diesem Fall wird es im
Arabischen als präpositionaler Ausdruck ’al-ğār الجرbezeichnet.
Die tätigen Partikeln werden nach Ibn Hišam in zwei Gebiete segmentiert (vgl. IBN
HIŠĀM 1996: 26):
- Tätige Partikeln, die lediglich einen Einfluss auf die Substantive und auf die
Verben haben. Durch sie können die Nomina sowohl im Akkusativ als auch im
134
Genitiv vorkommen. Außerdem können die Verben durch tätige Partikeln im
Apokopatus gebraucht werden.
- Tätige Partikeln, die zwei Wirkungen auf die Nomina haben. Sie können nur mit
′inna und ihre Schwester ( إن وأخواتهاes heißt so im Arabischen, weil sie sich
grammatisch ähnlich verhalten. Es handelt sich um kaᶜn كأن, lākin لكن, ᶜasā عسى,
laᶜallā لعل, layta )ليتvorkommen und können auch die Nomina in den Akkusativ
und das Prädikat in den Nominativ stellen.
Es wurde festgestellt, dass die tätigen Partikeln den Substantiven jeden Kasus zuweisen
können. Also weisen die Bedeutungspartikeln im Arabischen den Genitiv dem Nomen zu
und dem Verb den Apokopatus. Der Akkusativ und der Nominativ kommen bei untätigen
Partikeln selten vor.
Die tätigen Bedeutungspartikeln des Arabischen können in den arabischen Sätzen die
Funktion haben, die Äußerung der Sätze zu verankern. Sie treten einheitlich mit dem Verb
oder mit dem Nomen auf, wie die folgenden Beispiele zeigen:
a. Die Partikel layta ليتist eine nominale Partikel und kann vor dem Nomen stehen,
wie beispielsweise:
135
Die untätigen Partikeln gehören auch zu den arabischen Bedeutungspartikeln und können
als Äquivalente für die deutschen Grad- und Abtönungspartikeln benannt werden. In der
arabischen Sprachwissenschaft gibt es viele untätige Partikeln:
al-nūn ( النونna-), as-sīn ( السينsa-), al-hamza الهمزة, 'iḏā إذا, 'ammā أما, 'ama أم, 'immā إما,
'ağal أجل, 'alā أال, 'ay أي, 'iy إي, ḏā ذا, law لو, lawlā لوال, lakinna لكن, qad قد, sawfa سوف, hal
هل, way وي, 'illā إال, bal بل, balā بال, hayā هيا, hā ها.
Durch das Personalpronomen huwa kann der arabische Satz bekräftigt werden und es
wird betont, dass nur er den Apfel aß und kein anderer. Im Deutschen kann dies mit der
Abtönungspartikel doch wiedergegeben werden.
Der innere Objektakkusativ im Arabischen wird als verbale Ergänzung zum Verb
angesehen. Es kann im Arabischen das Verb, wie er ist wiederholen oder einen anderen
Inhalt als das Verb haben. Ebenfalls wird damit die Handlung vollständig betont (vgl.
Reckendorf 1967:96). Er kann als Entsprechung der Steigerungspartikeln des Deutschen
betrachtet werden und kann die Äußerung der ausgedrückten Eigenschaft bekräftigen
(vgl. IBN HIŠAM 1996: 181ff.; ḤASAN 1982: 208):
136
.المعلم أثر أثرا ملحوظ في نتيجة االمتحان
(wörtlich: Der Lehrer beeinflusst mit einem deutlichen Einfluss das Ergebnis der
Prüfung.)
(sinngemäß: Der Lehrer beeinflusst sehr erheblich das Ergebnis der Prüfung.)
Der deutsche Steigerungsausdruck sehr kann die Äußerung mit einem höheren Grad des
Ausgedrückten verstärken. Im Arabischen kann der innere Akkusativ diese Funktion der
deutschen Steigerungspartikeln wiedergeben.
Verb:
Die Verben bekräftigen ebenfalls die Sätze, wenn sie wiederholt werden:
(wörtlich: Setze! Setze!) ! أجلس أجلس
(sinngemäß: Setze dich doch mal!)
Satz:
Die arabischen Sätze werden durch die Wiederholung verstärkt:
(wörtlich: Ahmad besuchte mich. Ahmad besuchte mich.) .زارني أحمد زارني أحمد
(sinngemäß: Ahmad besuchte mich wohl!)
Partikel:
Die Partikel kann als Antwort auf gestellte Fragen vorkommen wie z.B. naᶜam ( نعمja),
balā ( بلىdoch) und lā ( الnicht). Im Arabischen kann sie doppelt ausgedrückt werden (vgl.
ḤASAN 1986: 532):
137
(wörtlich: Du bist ja ja ein Mann.) . ن َع َم نعم الرجل أنت
(sinngemäß: Du bist ja ein guter Mann.)
Pronomina:
Die selbständigen Personalpronomen verstärken die Sätze, wenn sie im arabischen Satz
wiederholt werden:
Genitiv:
(wörtlich: Ich gab ihm er den Schlüssel.) . سلمته هو المفتاح
(singemäß: Ich gab ihm wohl den Schlüssel.)
ᵓinna إنzählt zu den Partikeln und gehört zu der Gruppe ᵓinna إنund ihre
Entsprechungen. ᵓinna إنoder eine ihrer Entsprechungen können einen Nominalsatz
regieren, damit sie ihn bekräftigen können. Das Subjekt, das häufig im Akkusativ sein
muss, kommt immer nach ᵓinna إنvor. Aber das Prädikat kann im Nominativ stehen (vgl.
ḤASAN 1986: 649f.):
Die Hauptfunktion von ᵓinna إنist die Verstärkung des Subjektes und sie kommt immer
mit einem Nomen vor. Vielmehr tritt ᵓinna إنmit der arabischen Steigerungspartikel al-
lām ( الالمla-) auf:
138
(Es ist wahr, dass Ahmad besonders fleißig ist.) . إن أحمد لمجتهد
Anhand des Beispiels ist deutlich geworden, dass 'inna إنden arabischen Satz verstärkt
und nur mit dem Subjekt verbunden ist sowie es bekräftigen kann. Aber ᵓinna إنverstärkt
auch das Prädikat durch die arabische Steigerungspartikel al-lām ( الالمla-) und "betont
somit die Wahrheit des Geäußerten".
Die arabische Steigerungspartikel la- kann durch das deutsche Steigerungswort besonders
ausgedrückt werden. Besonders steht im deutschen Satz vor dem Bezugsausdruck, das
sowohl als Adjektiv als auch als Adverb im Positiv vorkommen kann. Besonders kann die
Steigerung des Bezugsgliedes signalisieren und intensivieren sowie betont und unbetont
gebraucht werden (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 101).
Ibn Hišām klassifiziert den Zustandsausdruck in zwei Arten (vgl. IBN HIŠĀM 1996, Bd
2: 257):
- Der verstärkende Zustandsausdruck الحال المؤكدة
Es kann mit dem Objekt nur in der Bedeutung entsprochen werden oder im
Ausdruck und in der Bedeutung übereinstimmen, wie z.B:
Er lächelte lachend. (Entsprechung in der Bedeutung) تبسم ضاحكا
(Das Recht ist rein und deutlich.) هو الحق صريحا او بينا
(Die Männer betraten den Raum durchaus ordentlich.) دخلوا الغرفة رجال رجال
In diesem Teil wird auf die deutschen Steigerungspartikeln und ihre Entsprechungen im
Arabischen eingegangen. Es werden hier nur die deutschen Beispiele und die möglichen
arabischen Entsprechungen gegenübergestellt. Ich werde in diesem Teil die Beispiele der
Steigerungspartikeln im Hinblick auf ihre Verwendungsmöglichkeiten in verschiedenen
Kontexten und Sprechakten sowie ihre Entsprechungen im Arabischen nicht anführen, da
diese Beispiele, die aus schon ins Arabische übersetzten deutschen literarischen Werke
stammen, den empirischen Teil dieser Untersuchung bzw. mein Korpus repräsentieren.
141
Absolut
Absolut zählt zu den deutschen Steigerungspartikeln und kann nicht nur vor dem
Bezugsausdruck, der sowohl Adjektiv als auch Adjektiv-Adverb sein kann, stehen,
sondern ihn auch verstärken (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 82). Im Arabischen können zwei
Ausdrücke dieses deutsche Steigerungswort wiedergeben, nämlich "li-l-ġāya" للغايةoder
"bi-l-marra" بالمرة:
Ausgesprochen
Der Steigerungsausdruck ausgesprochen kann vor dem Bezugsglied, das Adjektiv oder
Adverb ist, stehen und intensivieren. Ausgesprochen kommt immer Positiv vor (vgl.
HELBIG/KÖTZ 1988: 95). Diese Partikel kann im Arabischen mit dem verstärkenden
Zustandsausdruck wiedergegeben werden. Der verstärkende Zustandsausdruck ist
"ğiddan" جدا:
Wir waren vor der Prüfung ausgesprochen gespannt. .لقد كنا متوترين جدا قبل االختبار
Er arbeitet ausgesprochen gut. .هو يعمل بشكل جيد جدا
Äußerst
Es gehört ebenfalls zu den Steigerungspartikeln und hat die gleichen Eigenschaften.
Äußerst kann vor dem Bezugswort, das Adjektiv oder Adverb ist, stehen und kann nur im
Positiv auftreten (vgl. BIEDERMANN 1969: 142). Es kann auch im Arabischen den
höchsten Grad ausdrücken, wie "li-l-ġāya" ,للغاية. Es kann im Arabischen dem
verstärkenden Zustandsausdruck entsprechen, der die Adjektive bekräftigt und die
Bedeutung verankert:
Außergewöhnlich
Außergewöhnlich kann vor dem Adjektiv bzw. Adjektiv-Adverb stehen und die
ausgedrückte Eigenschaft verstärken (vgl. BIEDERMANN 1969: 98). Die
Entsprechungen im Arabischen sind Ausdrücke wie "fauq al-muᶜtād" فوق المعتاد, "ḫāriğ ᶜan
141
al-maᵓlūf" خارج عن المألوف. Diese Wörter im Arabischen intensivieren den Bezugsausdruck
und können mit dem deutschen Steigerungswort außergewöhnlich übereinstimmen:
Der Mitarbeiter ist außergewöhnlich fleißig. .العامل يعمل بجهد فوق المعتاد
Dieser Sommer ist außergewöhnlich heiß. .هذا الصيف حرارته فوق المعتاد
Der Busfahrer fährt außergewöhnlich schnell. .سائق الباص يسير بسرعة خارجة عن المألوف
Außerordentlich
Es zählt zu den Steigerungspartikeln und kann vor dem Bezugswort, das entweder
Adjektiv oder Adverb im Positiv ist, stehen. Es kann ebenso die Steigerung des
Bezugswortes signalisieren (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 98). Diese Partikel fungiert im
Arabischen wie die Partikel außergewöhnlich im Deutschen und verfügt über die gleichen
Ausdrücke, denen diese Partikel im Arabischen entsprechen kann wie " fauq al-muᶜtād "
فوق المعتاد, "ḫāriğ ᶜan a-lmaᵓlūf" خارج عن المألوف. Diese Ausdrücke können der deutschen
Steigerungspartikel außerordentlich entsprechen und im Arabischen das Bezugsglied
steigern:
Besonders
Besonders wird als Steigerungsausdruck betrachtet, wenn es vor dem Bezugswort steht,
das sowohl Adjektiv als auch Adverb im Positiv sein kann. Es kann die Steigerung des
Bezugswort signalisieren und intensivieren sowie betont und unbetont verwendet werden
(vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 101). Im Arabischen kann der verstärkende
Zustandsausdruck dieser Steigerungspartikel entsprechen wie das Wort "ğiddan" جدا. Die
wörtliche Bekräftigung im Arabischen wird für die deutsche Steigerungspartikel als
Übereinstimmung betrachtet. So kann auch die arabische Partikel "la-" لdiesem
deutschen Steigerungswort entsprechen:
Das war eine besonders schöne Reise. . الرحلة كانت جميلة جدا
Der Student ist besonders fleißig. .إن الطالب لمجتهد
142
Durchaus
Es zählt zu den Steigerungspartikeln und steht vor dem Bezugswort, das im Positiv
entweder Adjektiv oder Adjektiv-Adverb ist. Durchaus kann sowohl mit einem
Substantiv als auch mit einem Verb auftreten. Es verstärkt und bestätigt die ausgedrückte
Eigenschaft (vgl. BIEDERMANN 1969: 194). Im Hinblick auf das Arabische kann dieses
Steigerungswort mit dem arabischen Ausdruck "bi-lā šakk" بال شكwiedergegeben
werden:
Echt
Es kann im Deutschen gleichfalls vor dem Bezugsausdruck stehen, aber nur vor einem
Adjektiv im Positiv und kaum vor einem Verb oder einem Substantiv. Es kann die
Eigenschaft des Bezugsausdrucks bekräftigen und einen hohen Grad äußern (vgl.
HELBIG/KÖTZ 1988: 127). Der verstärkende Zustandsausdruck im Arabischen kann
dieser Partikel entsprechen und intensiviert die ausgedrückte Eigenschaft wie das Wort
"ğiddan" جدا. Außerdem kann auch der innere Akkusativ im Arabischen mit diesem
Steigerungsausdruck übereinstimmen:
Einigermaßen
Es zählt ebenso zu den Steigerungsausdrücken der gemäßigten Graduationsstufe und kann
vor dem Bezugsglied im Positiv stehen, das Adjektiv oder Adjektiv-Adverb ist.
Einigermaßen kann die im Bezugswort ausgedrückte Eigenschaft abschwächen und
einschränken. Im Arabischen verfügen die entsprechenden Partikel über die gleiche
Funktion wie im Deutschen, sie schwächen die ausgedrückte Eigenschaft ab oder
schränken sie ein. Die möglichen verwendeten Ausdrücke im Arabischen sind "ᵓilā
ḥaddin mā" الى حد ماund "nisbīyan" نسبيا. Diese Ausdrücke können einigermaßen
entsprechen:
Er arbeitet einigermaßen gut. . هو يعمل الى حد ما بشكل جيد
Sie ist wieder einigermaßen gesund. .استعادت صحتها نسبيا
143
Etwas
Etwas verfügt auch über die allgemeinen Eigenschaften der Steigerungspartikeln und
kann vor dem Adjektiv im Positiv stehen. Es tritt unbetont auf (vgl. HELBIG/KÖTZ
1988: 145, BIEDERMANN 1969: 186). Der Ausdruck "nawᶜan mā" نوعاماim Arabischen
kann mit der deutschen Steigerungspartikel etwas übereinstimmen und beschränkt die
ausgedrückte Eigenschaft:
Extrem
Es gehört zu den Steigerungswörtern und steht vor dem Bezugsausdruck, das entweder
Adjektiv oder Adverb im Positiv ist. Es drückt einen sehr hohen Grad aus und gibt eine
hohe Quantität an. Diese Steigerungspartikel ist ähnlich wie sehr, übermäßig, überaus
(vgl. HELBIG/KÖTZ 1988:146). Der verstärkende Zustandsausdruck im Arabischen
kann diesen Steigerungsausdruck wiedergeben und bekräftigt die im Bezugswort
ausgedrückte Eigenschaft wie "ğiddan ğiddan" جدا جدا. Dies verstärkt im Arabischen die
Bedeutung mit einem hohen Grad:
Ganz
Ganz wird auch als Steigerungspartikel betrachtet und bei Deutschen häufig verwendet.
Die meisten der Steigerungseigenschaften gelten auch für ganz. Es kann vor dem
Bezugsausdruck stehen, das entweder Adjektiv oder Adjektiv-Adverb ist (vgl.
HELBIG/KÖTZ 1988: 147). Dieses Steigerungswort unterscheidet sich von anderen
Steigerungspartikeln insofern, dass ganz ein flektierbares Wort ist. Ganz hat die gleiche
Funktion wie sehr bei der Verstärkung und semantisch ist auch die Ähnlichkeit mit sehr
groß (vgl. VAN OS 1981: 137). Fast alle deutschen Grammatiker und die Wörterbücher
sind sich darüber einig, dass ganz sowohl Adjektiv als auch Adverbmodifaktor ist und
über zwei gegensätzliche Bedeutungen verfügt, nämlich Verstärkung als Adjektiv wie
ganz voll, ganz nass und als Adverb wie ganz oft, ganz selten sowie Abschwächung als
Adjektiv wie ganz freundlich, ganz gut und als Adverb wie ganz gern (vgl. PUSCH 1981:
31f.).
144
Als Verstärkung im Arabischen kann die Steigerungspartikel ganz mit einem Wort wie
"tammāman" تماماübersetzt werden. Es gehört im Arabischen zum verstärkenden
Zustandsausdruck, der die Bedeutung im Arabischen bekräftigen und bestätigen sowie als
Entsprechung dieser Ausdrücke dienen kann. Die Abschwächung jedoch wie z.B. Ich
finde die Frau ganz schön, im Deutschen bedeutet dieses Beispiel "besser als erwartet",
kann im Arabischen mit dem Ausdruck " ᵓafḍal mimā tawaqqaᶜtu" أفضل مما توقعت
wiedergegeben werden. Das Beispiel, die Arbeit ist ganz gut, ist weniger als gut, kann im
Arabischen mit dem Wort "māqbūl" مقبولübersetzt werden:
Geradezu
Geradezu ist eine Steigerungspartikel und kann vor dem Bezugsausdruck stehen, der
Adjektiv sein kann. Es kann ebenfalls vor dem Substantiv oder dem Verb stehen und die
im Bezugswort genannte Eigenschaft verstärken (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 155). Im
Arabischen kann geradezu mit den Ausdrücken "ᵓaṣaḥḥ" " أصحᵓafḍal" أفضلübersetzt
werden. Diese Wörter zählen im Arabischen zum Elativ, der mit dem arabischen Adjektiv
verbunden ist:
Das Studium hier macht mir geradezu mutig. .الدراسة هنا تشجعني بشكل أفضل
Meine Reise war geradezu sagenhaft. .كانت رحلتي أصح ورائعة
Gar
Gar zählt ebenso zu den Steigerungspartiken und steht immer vor Negationswörtern.
Dieses Steigerungswort kann die Negation verstärken. Es kann im Arabischen mit dem
Wort "bi-l-marrra" بالمرةwiedergegeben werden, die Partikel kann die Bedeutung
verstärken. Die Funktion dieser Partikel im Arabischen bestätigt die im Bezugsaudruck
angegebene Eigenschaft:
145
Höchst
Das Steigerungswort höchst steht auch vor dem Adjektiv oder Adjektiv-Adverb. Es kann
die im Bezugswort bezeichnete Eigenschaft in einem hohen Maße steigern bzw.
verstärken (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 160). Es kann im Arabischen mit dem Wort "li-l-
ġāya" للغايةübersetzt werden. Dieser Ausdruck zählt im Arabischen zum verstärkenden
Zustandsausdruck, der das Adjektiv bekräftigen und die Bedeutung bestätigen kann:
Immer
Die Steigerungspartikel immer kommt vor dem Bezugswort im komparativischen Fall
vor, der entweder Adjektiv oder Adverb sein kann. Es kann die Intensität der
ausgedrückten Eigenschaft signalisieren (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 162). Im Arabischen
kann es mit dem adverbialen Ausdruck "dāᵓiman" دائماwiedergegeben werden. Außerdem
kann der Elativ des Arabischen dieser Partikel entsprechen, wie " ᵓakṯar min al-ᶜāda" أكثر
من العادة, d.h. mehr als normal im negativen Sinn:
Der Zug fährt immer langsamer. .القطار يسير ببطئ أكثر من العادة
Das Wetter wird immer schlechter. .الطقس سئ أكثر من العادة
Immer öfter kommen die Gäste zu spät. . ياتي الضيوف دائما متأخرين
Recht
Die Steigerungspartikel recht kann vor dem Bezugsglied stehen, das sowohl Adjektiv
oder Adjektiv-Adverb sein kann. Es kann die im Bezugsausdruck bezeichnete Eigenschaft
abschwächen (vgl. BIEDERMANN 1969: 183). Im Arabischen kann recht mit den
Ausdrücken "ᵓilā ḥaddin mā" " الى حد ماnisbīyan" نسبياübersetzt werden, die im Arabischen
die Einschränkung bezeichnen können:
146
Rein
Es ist ein Steigerungsausdruck und steht vor dem Bezugsglied, das nur als Adjektiv im
Positiv vorkommen kann. Es kann auch vereinzelt bei Verben und Nomen auftreten (vgl.
HELBIG/KÖTZ 1988: 196). Es kann im Arabischen mit den Wörtern "baḥt" بحتoder
"bi-l-marra" بالمرةwiedergegeben werden die. Sie bestätigen die im Bezugsaudruck
angegebene Eigenschaft:
Restlos
Restlos gehört zu den Steigerungspartikeln und steht vor dem Bezugsausdruck, der nur ein
Adjektiv im Positiv sein kann. Im Arabischen kann es mit den Ausdrücken "bi-šakel kullī"
بشكل كليoder "tammāman" تماماübersetzt werden. Sie bekräftigen die Bedeutung und
können den höchsten Grad des Adjektivs zum Ausdruck bringen:
Das Stadion ist restlos ausverkauft. . بيعت تذاكر االستاد بشكل كلي
Der Mann war restlos betrunken. .الرجل كان ثمل تماما
Das Haus war restlos ausgeräumt. .أخلي المنزل بشكل كلي
Richtig
Richtig ist eine Steigerungspartikel und kann vor dem Bezugsausdruck stehen, das nur ein
Adjektiv sein kann. Es verstärkt die im Bezugswort angegebene Eigenschaft. Es wird
meistens umgangssprachlich angewendet (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 197). Es wird im
Arabischen mit dem Wort "bi-maᶜnā al-kalima" بمعنى الكلمهwiedergegeben. Es verstärkt
und bestätigt die Aussage im Arabischen:
Der Film war richtig spannend. .الفلم كان مثيرا بمعنى الكلمة
Ich war richtig entsetzt. .أنفزعت بمعنى الكلمة
Sie war richtig freundlich zu mir. . كانت لطيفة معي بمعنى الكلمة
Schön
Es zählt zu den Steigerungspartikeln und kann vor dem Bezugsausdruck stehen, der
Adjektiv oder Adverb im Positiv sein kann. Es kann auch bei Verben vereinzelt
vorkommen und die im Bezugsglied genannte Eigenschaft in der Umgangssprache
147
verstärken. Es wird oft als ironischer Ausdruck angesehen (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988:
200). Im Hinblick auf das Arabische kann die Partikel "mā" ماder deutschen
Steigerungspartikel schön entsprechen. Die Partikel "mā" signalisiert im Arabischen
Bewunderung und wird als Bewunderungspartikel bezeichnet (vgl. ḤASAN 1986: 341).
Die Funktion von "mā" ist ein Signal dafür, dass eine Bewunderung vorkommt:
Sehr
Das Steigerungswort sehr gehört zu Steigerungspartikeln und hat meistens die gleichen
Eigenschaften wie die Partikeln in diesem Bereich, also dass es vor dem Bezugswort
steht, das entweder Adjektiv oder Adjektiv-Adverb im Positiv sein kann. Es kann auch
vereinzelt beim Adverb und Verb stehen. Sehr kann die Äußerung in einem hohen Maße
verstärken (vgl. VAN OS 1989: 102). Diese Steigerungspartikel wird sehr häufig bei
Deutschen verwendet. Im Arabischen kann der innere Objektakkusativ diesen
Steigerungsausdruck wiedergeben. Außerdem wird der verstärkende Zustandsausdruck
als Entsprechung der Partikel auf diesem Gebiet betrachtet, wie das Wort "ğiddan" جدا.
Mit diesem Wort kann die Steigerungspartikel sehr übereinstimmen, wenn es ins
Arabische übertragen wird:
Sie hat sich über das Ergebnis sehr gefreut. .فرحت بالنتيجة جدا
Das Auto ist sehr teuer. . السيارة غالية جدا
Ich arbeite sehr gern. . انا اعمل جدا بكل سرور
So
Es zählt zu den Steigerungspartikeln und steht vor dem Bezugsausdruck, der entweder
Adjektiv oder Adjektv-Adverb im Positiv ist. Dieses Steigerungswort kann auf einen
hohen Grad der bezeichneten Eigenschaft hinweisen (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 215).
Der verstärkende Zustandsausdruck im Arabischen kann diese deutsche
Steigerungspartikel wiedergeben. Der verstärkende Zustandsausdruck kann die Äußerung
bekräftigen und einen hohen Grad ausdrücken. Im Arabischen kann das Steigerungswort
so mit dem arabischen Zustandsausdruck "ğiddan" جداübersetzt werden:
Das Wetter ist so schön. . الطقس جميل جدا
Sie hat ihn so gern. . هي معجبه به جدا
148
Der Nachbar ist so laut. . الجار مزعج جدا
Total
Es wird auch als Steigerungsausdruck betrachtet und verfügt über die gleichen
Eigenschaften, die die anderen Steigerungspartikeln haben, dass es vor dem
Bezugsausdruck steht, der Adjektiv oder Adjektiv-Adverb im Positiv sein kann. Es kann
den höchsten Grad der genannten Eigenschaft zum Ausdruck bringen (vgl.
BIEDERMANN 1969: 176). Als Entsprechung im Arabischen kann die
Steigerungspartikel total mit dem Wort "kullīyan" كلياins Arabische übertragen werden,
da dieses Wort im Arabischen den höchsten Grad ausdrücken kann:
Überaus
Es zählt ebenfalls zu Steigerungspartikeln und kann vor dem Bezugsglied stehen, das
entweder Adjektiv, Adjektiv-Adverb oder Adverb im Positiv sein kann. Es kann einen
sehr hohen Grad der angegebenen Eigenschaft ausdrücken (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988:
220). Der Ausdruck im Arabischen "li-l-ġāya" للغايةkann mit der Steigerungspartikel
überaus übereinstimmen. Dieses Wort kann im Arabischen den höchsten Grad der
bezeichneten Eigenschaft zum Ausdruck bringen. Außerdem kann der verstärkende
Zustandsausdruck als Entsprechung für überaus angesehen werden. Der verstärkende
Zustandsausdruck wie z.B das Wort "ğiddan" جداkann überaus entsprechen, aber um die
Übereinstimmung in der Intensität zu erzielen, sollte dieser Ausdruck zweimal im
Arabischen wiederholt werden, wie beispielsweise "ğiddan, ğiddan" جدا جدا:
149
Übermäßig
Übermäßig ist ebenso ein Steigerungsausdruck und kann vor dem Bezugsglied stehen, das
sowohl Adjektiv, Adjektiv-Adverb als auch Adverb sein kann und nur im Positiv
vorkommen kann. Es kann auch bei einigen Verben verwendet werden. Es drückt einen
sehr hohen Grad der Eigenschaft aus (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 224). Der Elativ des
Arabischen kann dieser Steigerungspartikel entsprechen, wie z.B. "ᵓakṯar" أكثر. Zusätzlich
kann überaus mit dem arabischen Ausdruck "faug al-muᶜtād" فوق المعتادübersetzt werden:
Der Professor war übermäßig belastet. .البريفيسور كان مضغوط فوق المعتاد
Die Reise war übermäßig lang. .الرحلة كانت طويلة أكثر
Überhaupt
Es gehört auch zu den Steigerungspartikeln und steht in dieser Funktion immer vor
Negationswörtern. Es kann die Negation verstärken (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 223). Es
kann im Arabischen mit den Ausdrücken " ᶜāmmatan" عامةbzw. "muṭlaqan" مطلقا
wiedergegeben werden:
Ungemein
Ungemein ist ein Steigerungswort und steht vor dem Bezugsausdruck, der entweder
Adjektiv oder Adverb ist. Es kann bei einigen Adverbien vorkommen, aber in beiden
Fällen nur im Positiv. Es kann auch die bezeichnete Eigenschaft verstärken (vgl.
BIEDERMANN 1969: 151). Diese Steigerungspartikel kann im Arabischen mit dem
Wort "nādiran" نادراwiedergegeben werden:
Dieser Mitarbeiter ist ungemein zuverlässig. .من النادر االعتماد على هذا العامل
Der Student arbeitet ungemein fleißig. . نادرا مايعمل الطالب بجد
Ungewöhnlich
Es zählt zu Steigerungspartikeln und verfügt über fast alle Eigenschaften, die die
Steigerungswörter besitzen. Es drückt einen hohen Grad aus und verstärkt die im
Bezugsglied genannte Eigenschaft (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 227). Im Arabischen kann
151
es mit zwei Wörtern wiedergegeben werden, nämlich "ġayr muᶜtād" غير معتادoder "faug
al-maᵓlūf" فوق المألوف:
Der Student ist ungewöhnlich fleißig. .الطالب مجتهد بشكل غير معتاد
Dieser Winter ist ungewöhnlich kalt. .هذا الشتاء بارد بشكل فوق المألوف
Völlig/vollkommen/vollständig
Sie sind Steigerungspartikeln und können vor dem Bezugsausdruck stehen, der Adjektiv
im Positiv ist. Sie kommen auch bei einzelnen Verben vor. Diese Steigerungswörter
können den höchsten Grad der angegebenen Eigenschaft ausdrücken (vgl.
HELBIG/KÖTZ 1988: 232). Als Entsprechung im Arabischen können diese
Steigerungsausdrücke mit dem Wort "bi-l-kāmil" بالكاملwiedergegeben werden. Dieses
arabische Wort kann mit diesen Steigerungspartikeln übereinstimmen und den höchsten
Grad der genannten Eigenschaft ausdrücken:
Weit
Es wird auch als Steigerungswort angesehen. Es kann vor einem Adjektiv, Adjektiv-
Adverb oder Adverb stehen, aber nur in komparativischer Verwendung. Es kann die im
Komparativ bezeichnete Eigenschaft intensivieren (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 233). Im
Arabischen kann es mit dem Ausdruck "ᵓila ḥaddin baᶜīd" ألى حد بعيدwiedergegeben
werden:
Das Flugzeug ist weit schneller als der Zug. .الطائرة أسرع ألى حد بعيد من القطار
Unser Lehrer ist weit fleißiger als die anderen. .معلمنا أكثر اجتهادا ألى حد بعيد من االخرين
Er besucht seine Eltern weit öfter als uns. .هو يزور والديه ألى حد بعيد في الغالب أكثر منا
Weitaus/bei weitem
Beides sind Steigerungspartikeln und stehen vor dem Adjektiv oder Adverb und ebenfalls
vor dem Adjektiv-Adverb. Sie können nur vor Bezugswörtern im Komparativ oder
Superlativ vorkommen. Sie können ebenso die im Adjektiv angegebene Eigenschaft
verstärken. Die elativischen Adjektive können diesen Steigerungspartikeln entsprechen,
151
wie z.B. "ᵓakṯar" أكثرoder "ᵓafḍal" أفضل. Der Elativ im Arabischen wird als
Übereinstimmung mit solchen Steigerungspartikeln betrachtet:
Er arbeitet weitaus/bei weitem fleißiger als sein Kollege. .هو يعمل أفضل من زميلة
Dieses Buch war weitaus/bei weitem am interessantesten. .هذا الكتاب أكثر متعة
Wesentlich
Es zählt auch zu den Steigerungspartikeln. Es kann vor dem Adjektiv oder Adverb und
bei Verben stehen. Es steht auch vor dem Adjektiv-Adverb, aber nur im komparativischen
Gebrauch. Es kann die im Adjektiv bezeichnete Eigenschaft verstärken (vgl.
HELBIG/KÖTZ 1988: 237). Im Arabischen kann wesentlich mit dem Wort "ğiddan" جدا
wiedergegeben werden. Dieses arabische Wort gehört zum verstärkenden
Zustandsausdruck, der die Intensität im Arabischen ausdrücken kann:
Er war wesentlich öfter auf dem Lande als in der Stadt. .هو كان في الريف غالبا جدا من المدينة
Der Zustand des Patienten hat sich wesentlich verbessert. .حالة المريض تحسنت جدا
Ziemlich
Ziemlich ist eine Steigerungspartikel und hat meistens die gleichen Eigenschaften, die
einige Steigerungsausdrücke haben, dass es vor dem Bezugswort steht, das entweder
Adjektiv, Adjektiv-Adverb oder Adverb im Positiv ist. Es kann auch vereinzelt beim Verb
stehen. Dieser Steigerungsausdruck kann die im Bezugswort ausgedrückte Eigenschaft
beschränken (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 243). Es kann im Arabischen mit Wörtern wie
"ᵓila ḥaddin mā" الى حد ماoder "nisbīyan" نسبياübersetzt werden, die im Arabischen
ebenfalls die Einschränkung bezeichnen können:
152
Zu
Es gehört zu den Steigerungspartikeln und kann vor dem Adjektiv, Adjektiv-Adverb oder
Adverb im Positiv stehen. Diese Partikel kann ein Übermaß der genannten Eigenschaft
ausdrücken (vgl. HELBIG/KÖTZ 1988: 244, BIEDERMANN 1969: 145). Die wörtliche
Bekräftigung im Arabischen kann diesem Steigerungswort entsprechen, da sie sich auf die
Wortwiederholung bezieht und die Bedeutung bekräftigen kann. Außerdem kann der
verstärkende Zustandausdruck als Entsprechung dieses Steigerungsausdrucks betrachtet
werden, wie beispielsweise der Ausdruck "ğiddan, ğiddan" جدا جدا:
153
5. Übersetzungswissenschaftliche Erkenntnisse zu den Schwierigkeiten der
Steigerungspartikeln
Es ist relativ schwierig, die Bedingungen für die Anwendung der deutschen
Steigerungspartikeln zu verstehen. Es ist jedoch noch schwieriger, die
Steigerungsausdrücke des Deutschen ins Arabische zu übersetzen. Dies hat seinen Grund
darin, dass diese Steigerungswörter zum einen natürlich kommunikative Funktionswörter
im Allgemeinen sind und sich zum anderen ihre Bedeutung auf den Kontext bezieht.
Jeder Übersetzer kann Elemente von einer Sprache in eine andere Sprache übertragen. Die
Schwierigkeiten entstehen hier, da einige Wörter in der Zielsprache keine eindeutige und
für alle Gebrauchssituationen passende Entsprechung haben. Man kann demnach alles
übersetzen, aber man kann nicht sicher sein, ob der Übersetzer die semantischen und
pragmatischen Eigenschaften erfasst und wiedergegeben hat oder nicht.
Wills 1977 schließt sich der Definition des Brockhaus an, geht jedoch einen Schritt weiter
und versucht, die Aufgaben der Übersetzungswissenschaft konkret zu definieren:
„Die zentrale Aufgabe der Übersetzungswissenschaft besteht demzufolge darin,
Verfahrensweisen zu entwickeln, die es ermöglichen, vor dem Hintergrund des
ausgangssprachlichen Gemeinten den Transfer vom ausgangssprachlichen Text zum
zielsprachlichen Text zu faktorisieren, die einzelnen Faktoren zu einem in sich
schlüssigen Beschreibungs- und Erklärungsmodell zusammenzufassen und daraus
Schlußfolgerungen abzuleiten, die unter verschiedenen Gesichtspunkten
übersetzungstheoretisch oder sprachpaarbezogen-deskriptiv und/oder sprachpaarbezogen-
applikativ ausgewertet werden können.“ (WILLS 1977: 72f.).
Für die Übersetzung könnte auch eine ideale vergleichende Sprachwissenschaft nicht alles
leisten, da sich die Übertragung der kontrastiven Linguistik nur auf Bezeichnungen, die
154
tatsächlich konstante Bedeutungen tragen, bezieht. Die Übersetzung sucht die
Bedeutungen, die für die Bezeichnungen eingesetzt werden dürfen. Für die kontrastive
Linguistik gibt es nicht immer Bezeichnungs-entsprechungen. Es existieren also Texte
bzw. Gespräche, in denen oft neue Bezeichnungen vorkommen, die in der Übersetzung
nötig sind und neue Bezeichnungsäquivalenzen brauchen. Die Steigerungsausdrücke
treten jedoch häufiger in der gesprochenen Sprache auf und betreffen den Sinn in der
jeweiligen Situation (vgl. COSERIU 1981: 194f.).
Dem Arabischen mangelt es an einigen Termini insbesondere auf der Ebene der
Linguistik. So stehen die Araber vor Schwierigkeiten z.B. beim Übersetzen von
Lehnwörtern. Im Deutschen werden die neuen Wörter direkt entlehnt oder es wird auf die
einheimischen sprachlichen Mittel zurückgegriffen. Das Arabische hingegen kann
synonyme Wortpaare aus dem klassischen Wortschatz schaffen. Zum Beispiel gibt es im
Deutschen eine lateinisch-griechische „Plutokratie“ bzw. ein echtes deutsches Wort wie
„Geldherrschaft“. Das Arabische verfügt für denselben Begriff über zwei Synonyme:
ḥukm ᵓal-aġniyāᵓa oder ḥukm ᵓal-aṯriyāᵓa. Beide Termini bedeuten im Arabischen
„Herrschaft der Reichen“. Es gibt also zwei Möglichkeiten bei der Übersetzung des
Wortes „reich“. Ebenso kann das Wort „Sprachwissenschaft“ im Deutschen sowohl als
„Linguistik“ als auch als „Sprachwissenschaft“ bezeichnet werden. Auch im Arabischen
kann das Wort Sprachwissenschaft entweder als „Linguistik“, ᶜalm ᵓal-lisāniyyāt (wörtlich
die Wissenschaft der Zungen) oder als „Sprachwissenschaft“, ᶜalm ᵓal-luġawiyyāt
(wörtlich die Wissenschaft der Sprachen) verwendet werden. Allerdings muss
155
verdeutlicht werden, dass es im Arabischen keine Schwierigkeiten mit der Aneignung
fremder Termini gab. Die meisten der Übersetzungen aus dem Griechischen im
Mittelalter haben gezeigt, dass das Arabische als flexible und reichhaltige Sprache
betrachtet wird. Man kann alle neuen Wörter nach Bedarf prägen oder Lehnwörter
assimilieren (vgl. CARTER 1993: 136ff.).
156
Jäger 1968 vertritt dagegen die Ansicht, dass der Terminus Äquivalenz aus der
Fachsprache der Logik in die Fachsprache der Übersetzungswissenschaft übernommen
wurde, da die Logik eine Voraussetzungswissenschaft für die Theorie der bilingualen
Translation ist. Nach Zenner 1971 bezeichnet Äquivalenz in der Literatur der englischen
Übersetzungswissenschaft das Verhältnis zwischen fachsprachlicher und
umgangssprachlicher Beschreibung, so dass Äquivalenz im Englischen über ein
fachsprachliches und ein umgangssprachliches Äquivalent verfügt. Im Deutschen wird
demgegenüber das Verhältnis von fachsprachlichen und umgangssprachlichen
Beschreibungen mit dem Begriff der Gleichwertigkeit beschrieben, nicht mit dem der
Äquivalenz. Es wird festgestellt, dass das Übersetzen der deutschen Literatur nicht auf
den Äquivalenzbegriff rekurriert. Jumpelt (1961) ist der Erste, der sich im Deutschen
ausführlich mit der Äquivalenzproblematik beschäftigt und die Äquivalenz als
„Gleichwertigkeit“ bezeichnet, ohne einen Grund für seine terminologische Entscheidung
anzugeben. Wahrscheinlich ist sein Entschluss mit den methodischen Schwierigkeiten bei
der Bestimmung des übersetzungstheoretischen Aufschlusswertes des
Äquivalenzterminus verbunden. Erst später wird der Äquivalenzbegriff in die Literatur
der deutschen Übersetzungswissenschaft eingeführt (vgl. WILSS 1977: 159f.).
Métrich definiert Äquivalenz wie folgt: „Zielsprachliches Äquivalent ist das Wort oder
auch das nicht lexikalische Element, das in der zielsprachlichen Äußerung die gleiche –
oder immerhin eine sehr ähnliche – Funktion hat wie das ausgangssprachliche Wort in
der ausgangssprachlichen Äußerung.“ (MÉTRICH 1998: 195)
Nach Métrich 1998 gilt die Äquivalenz zwischen zwei Sprachen stets nur auf der parole-
Ebene und nicht auf der langue-Ebene. Äquivalenz basiert immer auf dem Kontext,
immerhin bezieht sich die Äquivalenz bei Autosemantika auf Kontextbedingtheit und auf
Referenzgleichheit. Das folgende Beispiel macht dies deutlich:
Die Steigerungspartikel des Deutschen geradezu verankert die Bedeutung explizit in der
Situation und verfügt über keine andere Funktion. Die Funktionsgleichheit spielt eine
große Rolle für Äquivalenz auf dem Gebiet der Partikeln, weil man nur aufgrund der
Funktionsgleichheit die passende Übersetzung finden kann. Man kann die deutsche
Partikel geradezu auch eliminieren, ohne die Bedeutung des Satzes zu ändern. Zu der
157
Frage, wann die Partikel übersetzt werden muss, erklärt Métrich: „Die Partikel muss als
übersetzt gelten, wenn ihr Verschwinden aus der Ausgangsäußerung zu einer Änderung in
der Zieläußerung führen würde.“ (MÉTRICH 1982: 202).
Wenn man demnach versucht, den Begriff Äquivalenz auf Partikeln bezogen eng zu
definieren, wird die Definition in etwa wie folgt lauten:
„Äquivalent in der zielsprachlichen Äußerung ist die lexikalische oder nicht-lexikalische
Einheit, die man auslassen müßte, wenn in der ausgangssprachlichen Äußerung die
Partikel ausgelassen würde.“ (MÉTRICH 1998: 198)
Die Übersetzungsäquivalenz gilt als kommunikative Äquivalenz und wird durch die
Beschreibung der Textelemente und Entsprechungsbeziehungen in den
Übersetzungseinheiten teilweise erfassbar. Die Translationslinguistik bezieht sich sowohl
auf die Beschreibung der propositionalsemantischen Tiefenstruktur als auch die
komplexen Phänomene der formalgrammatischen Ausdrucksstruktur. Wotjak 1982
vertritt die Auffassung, dass der Äquivalenzbegriff immer nur auf der Identität, also
"Deckungsgleichheit bzw. Gleichwertigkeit", beruht. Für die einzelnen Textsegmente
sollte eine maximale Äquivalenz angestrebt werden, da die kommunikative Äquivalenz
des Gesamttextes über die Qualität der Übersetzung entscheiden kann. Wenn die
Textsegmente einander äquivalent sind, so werden sie als Übersetzungsäquivalente
bezeichnet (vgl. WOTJAK 1982: 114).
Es gibt Äquivalenztypen, die für den Übersetzer wichtig sind:
1. totale Äquivalenz
2. partielle Äquivalenz
3. Nulläquivalenz
Eine totale Äquivalenz ist vorhanden, wenn eine völlige Deckungsgleichheit festgestellt
werden kann. Bei der totalen Äquivalenz sind die Sememe für den Übersetzer notwendig,
damit die kommunikativ-situative Äquivalenz erlangt wird. Es ist für die totale
Äquivalenz wichtig, dass die Sememe vollständig übereinstimmen. Wenn die Sememe
nicht vollkommen deckungsgleich sind, kann die totale Äquivalenz bzw. die totale
sememstrukturelle Identität nicht nachgewiesen werden (vgl. WOTJAK 1982: 115). Die
totale Äquivalenz bezeichnet auch die Gleichheit der semantischen Komponenten zweier
Erscheinungen.
158
Die Äquivalenzarten, die für den Übersetzer problematisch sind:
1. Partielle Äquivalenz
2. Nulläquivalenz
Die Äquivalenztypen partielle Äquivalenz und Nulläquivalenz stellen für den Übersetzer
eine Schwierigkeit dar. Die partielle Äquivalenz ist ein Problem, das sich dem Übersetzer
stellen kann. Die partielle Äquivalenz kann sich in unterschiedlichen Beziehungen zeigen.
Die Schwierigkeit liegt darin, dass einem Wort einer Ausgangssprache verschiedene
Lexeme in einer Zielsprache entsprechen können, in diesem Fall wird von Differenz
gesprochen. Der umgekehrte Fall ist, dass in der Ausgangssprache mehrere Wörter
vorhanden sind, die alle nur eine Spracheinheit in der Zielsprache als Äquivalent haben.
Diesen Fall bezeichnet man als Konvergenz.
Die deutschen Präpositionen in und zu werden beispielsweise in manchen Fällen mit der
gleichen Präposition (fi) ins Arabische übertragen:
Ein weiteres Problem für den Übersetzer stellt die Nulläquivalenz dar. Es ist deutlich,
dass sich in solchen Fällen die gesuchte Zielsprachen-Bezeichnung im Wörterbuch nicht
finden lässt. Äquivalenzlose Lexik ergibt sich nur in der Zielsprache bei Sprechern, die
versuchen, ihre außersprachliche Situation und das Denotatwissen „Wissen über den
Kommunikationsgegenstand“ zu überwinden und in einer abweichenden
Kommunikationssituation zu leben. Sie empfinden diese Erscheinungen im
kommunikativen Bedürfnis und versuchen sie zu bezeichnen. Die Erscheinungen können
nicht bezeichnet werden, wenn kein zielsprachliches Denotatwissen vorhanden ist (vgl.
WOTJAK 1982: 116). Für den Vergleich grammatischer Erscheinungen ist die
Nulläquivalenz notwendig, wie beispielsweise für die Dualform im Arabischen, die im
Deutschen über kein Äquivalent verfügt.
159
morphologischen Erscheinungen manchmal nicht übertragen, da eine detaillierte
Erfassung und systematische Aufbereitung der Äquivalente aller Arten sowie
Übersetzungen und Verwendungsvoraussetzungen für Bedeutungen nicht vorhanden sind
(vgl. WOTJAK 1982: 119).
So muss der Übersetzer auf seine sprachmittlerische Kompetenz und auf den Gesamttext
sowie auf weitere kommunikative Vorgaben zurückgreifen. Allein der Übersetzer kann
entscheiden, ob es sich bei den Entsprechungen im konkreten Kontext nur um eine
partielle oder um eine totale Äquivalenz handelt.
Es ist bekannt, dass das Deutsche als partikelhaltige Sprache gilt. Im Vergleich zu
anderen Sprachen ist das Deutsche reich an Partikeln, besonders im Gegensatz zum
Arabischen, das nicht viele Partikeln besitzt und deshalb auch als partikelarm bezeichnet
wird. Das bedeutet jedoch nicht, dass dem Arabischen etwas fehlt. Vielmehr ist es ein
Hinweis darauf, dass das, was in der deutschen Sprache durch Steigerungspartikeln
transportiert wird, im Arabischen auf andere Weise seinen Ausdruck findet. Bei der Suche
nach Übersetzungsmöglichkeiten von Steigerungspartikeln, für die in der Zielsprache oft
keine direkten Äquivalente zur Verfügung stehen, ist daher mit Schwierigkeiten zu
rechnen, obwohl es inzwischen zahlreiche Einzeluntersuchungen zu Partikeln gibt. Für
die deutschen Steigerungspartikeln und ihre Äquivalente im Arabischen liegt jedoch
meines Wissens bisher noch keine Untersuchung vor.
Da das Deutsche in dieser Untersuchung als Ausgangssprache und das Arabische als
Zielsprache betrachtet wird, stellt sich die Frage, wie Steigerungspartikeln in die
arabische Übersetzung von Texten aus dem Deutschen oder aus anderen Sprachen
kommen, die über viele Partikeln bzw. Steigerungspartikeln verfügen. Problematisch ist
hier, dass zu dieser Fragestellung kaum Fachliteratur vorhanden ist. Die folgenden Seiten
stellen einen Versuch dar, diese Frage zu präzisieren und vielleicht eine erste Antwort zu
wagen.
Wenn in die Übersetzung aus dem Arabischen ins Deutsche keine Partikeln eingefügt
werden, dann fehlt bei bestimmten Texten die Natürlichkeit. Das Fehlen oder
Vorhandensein von Steigerungspartikeln in Übersetzungen sollte mit Hilfe des sprachlich-
161
kulturellen Umfeldes der Übersetzer und der Übersetzungssituation erklärt werden. Ein
Dialog muss demnach bei einer Übersetzung aus einer partikelarmen Sprache in eine
partikelreiche nicht immer mit Partikeln angereichert werden. Um im Deutschen die
Steigerungswörter wiedergeben zu können, muss eine systematische Übersicht über
sprachlichen Eigenschaften des Arabischen erstellt werden. Es ist für den Übersetzer
immer wichtig, eine ganzheitliche Wahrnehmung von Ausgangs- und Zieltext zu
erreichen.
Der Übersetzer stellt sich die Frage, weshalb bestimmte sprachliche Phänomene in einer
Sprache vorkommen können und in einer anderen nicht. Bezüglich der Grammatik einer
Sprache gibt es Termini, die für die Beschreibung jeder Sprache verwendet werden.
"Steigerungspartikel" gehört nicht zu diesen Termini. Einige Fachausdrücke sind für die
Grundstruktur nicht nötig, um einen grammatisch korrekten Satz bilden zu können.
Darüber hinaus sind die Informationen von Sprache zu Sprache verschieden und sehr
vielfältig. Der Übersetzer muss in einer solchen Situation versuchen, die pragmatische
Funktion dieser Wörter durch verschiedene Ausdrücke zu umschreiben oder mit anderen
spezifischen Elementen der Zielsprache zu übertragen (vgl. ZABROCKI 1970: 47). Wilss
1988 bezeichnet das Übersetzen als spezifische Form sprachlichen Handelns und
Sichverhaltens:
„[Dabei gilt,] daß Übersetzen eine spezifische Form des Handelns und Sichverhaltens ist,
die sich vom einsprachigen Handeln und Sichverhalten dadurch unterscheidet, daß der
Übersetzer auf der Basis as und zs Wissens 'code-switching'-Prozesse ausführt.“ (WILSS
1988: 36).
161
3. Pragmatische Übersetzungsschwierigkeiten: Es geht um die kulturelle Umgebung der
beiden Sprachen z.B. beim Umgang mit Zitaten, kulturspezifischen Anspielungen oder
Präsuppositionen, Metaphern, Deixis (Orts- und Zeitbezug) usw.
Bei Übersetzungen können zwei Ausdrücke schon äquivalent sein, „wenn sie die gleichen
semantischen-pragmatischen Funktionen in vergleichbaren sprachlichen und nicht-
sprachlichen Kontexten haben, ohne notwendigerweise die gleichen formalen
syntaktischen Strukturen aufzuweisen“ (BUBLIZ 1978: 137). Die kulturspezifischen
Elemente sind für die Übersetzung sehr relevant (vgl. KOLLER 1998: 129), da sich der
sprachliche Transfer stets auf den kulturellen Transfer von einer Ausgangs- in eine
Zielkultur bezieht (vgl. REISS/VERMEER 1991: 83). Alle diese Aspekte spielen
besonders bei der Übersetzung von Steigerungsausdrücken eine wichtige Rolle, weil die
Steigerungswörter in den unterschiedlichen Sprachen und Kulturen verschiedene
Funktionen haben und sich die Kontexte erheblich ändern können. Vermeer sagt in
diesem Zusammenhang: „Was in der Ausgangskultur nicht gegeben ist, kann nicht
transkulturell kommuniziert werden; was in der Zielkultur nicht möglich ist, kann dort
nicht realisiert werden.“ (VERMEER 1992: 108). Die Steigerungspartikeln variieren
hinsichtlich der Ausdrucksformen von Sprache zu Sprache und von Kultur zu Kultur.
Jeder Text also und jedes Gespräch ist mit einem bestimmten kommunikativen
Zusammenhang verbunden. Die textproduktiven und rezeptiven Voraussetzungen sind
von Kommunikationsgemeinschaft zu Kommunikationsgemeinschaft unterschiedlich.
Innerhalb einer Kommunikationsgemeinschaft können sie sich verändern und divergieren.
Wenn die kommunikativen Zusammenhänge sehr stark voneinander abweichen können,
dann wird die kommunikative Herausforderung für den Übersetzer sehr groß sein, da er
162
diese kommunikative Divergenz überbrücken muss. Es gibt zwei Arten von
Übersetzungsmethoden, mit denen die Übersetzungsschwierigkeiten bewältigt werden
können (vgl. KOLLER 2004: 59f.):
Es ist nicht einfach, die Steigerungselemente vom Deutschen als Ausgangssprache ins
Arabische als Zielsprache zu übersetzen. Beide Sprachen sind völlig unterschiedlich und
verfügen über keine Ähnlichkeiten. Die Möglichkeit des Verstehens der
Steigerungswörter ist jedoch wichtig für die Kommunikation und Interaktion.
Insbesondere in diesem Bereich ist die Erfahrung des Übersetzers sehr wichtig, da der
sprachliche und kulturelle Hintergrund eine erhebliche Rolle spielen kann. Der Übersetzer
muss sich zugleich durchaus bewusst sein, dass die Übersetzung solcher sprachlicher
163
Mittel nicht einfach ist, da sich Sprachen nicht Eins zu Eins entsprechen (vgl. KOLLER
1998: 118ff.).
Wenn man die Steigerungspartikeln in beiden Sprachen vergleichen und beschreiben will,
ist es notwendig, den Unterschied zwischen den beiden Begriffen „Äquivalenz“ und
„Adäquatheit“ zu erläutern. Grundlegend für eine systematische Übersetzung von
Steigerungsausdrücken ist die Erfahrung mit dem Übersetzen solcher Elemente. Nida
beschränkt die Äquivalenz auf die Wahrung von Inhalts- und Wirkungsgleichheit von
Texten und hat den Begriff der „dynamischen Äquivalenz“ vorgeschlagen, bei der mit
einer veränderten sprachlichen Form die Textbotschaft erhalten werden soll. Dafür soll
die syntaktische Analyse als Methode verwendet werden, um die Grundstrukturen und die
stilistische Bearbeitung des Zieltextes zu gewährleisten (vgl. STOLZE 2008: 87). Koller
beschreibt den Begriff „Äquivalenz“ anders als Nida. Lt. Koller wird Äquivalenz erlangt,
wenn es gelingt, in der „Initialphase des Übersetzungsprozesses die AS-Text-Analyse, die
zur Feststellung einer eindeutigen Textbedeutung führt“ und diese Textbedeutung in die
Zielsprache übertragen wird (KOLLER 1992: 147). Die Übersetzung gilt als ein
sprachlich-textueller Vorgang, bei dem ausgangssprachliche Ausdrücke zielsprachlichen
Ausdrücken zugeordnet werden können. Die sprachwissenschaftliche
Übersetzungswissenschaft kann die potentiellen Äquivalente beschreiben und Kriterien
sowie Faktoren angeben, um die Wahl von aktuellen Äquivalenten zu bestimmen und zu
ermöglichen (vgl. KOLLER 1992: 125).
164
Um die beiden Fachtermini „Äquivalenz“ und „Adäquatheit“ in der
Übersetzungswissenschaft voneinander abzugrenzen, muss ihr Unterschied verdeutlicht
werden. Laut Reiß und Vermeer sind die beiden Begriffe unterschiedlich und es gibt nur
Einigkeit darüber, dass Äquivalenz als Ergebnis eines Interpretationvorgangs angesehen
wird (vgl. REISS/VERMEER 1991: 139ff.).
Die beiden Fachbegriffe werden von Reiß und Vermeer wie folgt definiert:
„Äquivalenz bezeichne eine Relation zwischen einem Ziel- und einem Ausgangstext, die
in der jeweiligen Kultur auf ranggleicher Ebene die gleiche kommunikative Funktion
erfüllen (können).
Adäquatheit bei der Übersetzung eines Ausgangstextes (bzw.- elements) bezeichne die
Relation zwischen Ziel- und Ausgangstext bei konsequenter Beachtung eines Zweckes
(Skopos), den man mit dem Translationsprozess verfolgt. Man übersetzt adäquat, wenn
man die Zeichenwahl in der Zielsprache konsequent dem Zweck der Übersetzung
unterordnet.“ (REISS/VERMEER 1991: 139ff.)
„Eine Übersetzung ist das Resultat einer sprachlich-textuellen Operation. Die von einem
AS-Text zu einem ZS-Text führt, wobei zwischen ZS-Text und AS-Text eine
Übersetzungs- (oder Äquivalenz) relation hergestellt wird. (...) Eine zentrale Aufgabe der
Übersetzungswissenschaft als empirische Wissenschaft besteht darin, die Lösungen, die
die Übersetzer in ihren Übersetzungen anbieten, zu analysieren, zu beschreiben, zu
systematisieren und problematisieren.“ (KOLLER 1992: 16ff.)
Der Begriff „Äquivalenz“ stammt ursprünglich aus der formalen Logik und Mathematik
(vgl. STOLZE 2008: 101) und bedeutet „umkehrbar eindeutige Zuordnung“ (STOLZE
2008: 101) von Erscheinungen in einer Gleichung. Der Terminus wird in den
Fachsprachen verwendet. Die Leipziger Übersetzungswissenschaftliche Schule verwendet
die Bezeichnung „Äquivalenz“ „für die Gleichung zwischen einlaufender und nach
Umkodierung wieder auslaufender Information im interlingualen
Kommunikationsvorgang“ (STOLZE 2008: 101). Daher wird die unveränderte Gleichheit
der übermittelten Nachrichten postuliert (vgl. STOLZE 2008: 101).
165
Äquivalenz wird sowohl als Beziehung zwischen einzelnen sprachlichen Zeichen eines
Textpaares als auch als Beziehung zwischen ganzen Texten betrachtet.
Äquivalenzrelationen zwischen einzelnen Ausdrücken eines Textpaares können bestehen,
wenn Textäquivalenz insgesamt gegeben ist. Äquivalenz ist also die Relation der
Gleichwertigkeit von Sprachzeichen in zwei Sprachsystemen (der langue-
Äquivalenzbegriff der vergleichenden Sprachwissenschaft). Aber Textäquivalenz ist die
Beziehung der Gleichwertigkeit von Sprachzeichen eines Textes in unterschiedlichen
Sprachgemeinschaften durch ihren soziokulturellen Kontext (der parole-
Äquivalenzbegriff der Übersetzungswissenschaft). Äquivalenz ist in der
Übersetzungstheorie kein statischer Begriff. Allerdings geht es um einen flexiblen
Begriff, der mit der Translation und den geschichtlichen vielfältigen Auffassungen
verbunden ist (vgl. REISS/SNELL-HORNBY/KADRIC 1995: 108ff.).
Für den Sinn der Äußerung mit den Steigerungspartikeln wurde im deutschen
Ausgangstext die adäquate Ausdrucksform gefunden, so nehmen wir an. Das Arabische
kennt solche Phänomene nicht, die Steigerungswörter im deutschen Ausgangstext müssen
also umschrieben bzw. interpretiert werden, bis der Zieltext im Textganzen verständlich
ist und dieselbe kommunikative Funktion erreicht ist.
166
Nicht nur die Fachbegriffe „Äquivalenz“ und „Adäquatheit“ sind für die
Übersetzungswissenschaft relevant, sondern auch die Übersetzungskompetenz, die ebenso
eine zentrale Aufgabe bei der Übersetzung spielen kann. Beim Übersetzen ist nicht alles
an einem Text notwendig, eventuell können Teile weggelassen werden. Hier spielt die
Übersetzungskompetenz eine große Rolle. Allein der Übersetzer kann alles im Text
beurteilen. Er muss prüfen, ob seine sprachlichen und kulturellen Kenntnisse bzw.
Kompetenzen ausreichend sind oder nicht. Die Übersetzungskompetenz kann dem
selbstbewussten Übersetzen dienen, weil sie sich auf die Bewusstheit des Übersetzers
bezieht und dies zu Selbstvertrauen durch Kompetenz führt. Die Bewusstheit in Bezug auf
eigenen Stärken und Schwächen beim Übersetzen kann der Übersetzer im Laufe seines
Erfahrungsaufbaus entwickeln (vgl. HÖNIG 1989: 126f.).
Prinzipiell wird Äquivalenz der sprachlichen Elemente als Kriterium für die
Vergleichbarkeit betrachtet. Es ist sinnvoll, äquivalente Erscheinungen miteinander zu
kontrastieren. Wenn der Übersetzer in der Zielsprache Entsprechungen für die Funktion
von Steigerungspartikeln ermitteln muss, sollte er „Äquivalenz“ und „Adäquatheit“ von
Übereinstimmungen der Steigerungsausdrücke in Betracht ziehen.
Die Steigerungswörter basieren auf der vollkommenen Äußerung, dem vollständigen Satz
und der gesamten Kommunikationssituation. Sie betonen die Relevanz von
Kontexteigenschaften. Ihre Bedeutung ist auf die Kontextgebundenheit bezogen und kann
sich auch direkt auf die übersetzerische Praxis auswirken (vgl. BEERBOM 1992: 31). Die
Kontextabhängigkeit von Steigerungspartikeln entfaltet sich in der Multifunktionalität, die
167
für die Sprachwissenschaftler dieses Gebietes und die wissenschaftliche Betrachtung
sowie die Übersetzer einige Schwierigkeiten darstellt und die vor allem im
kommunikativen Kontakt mit Muttersprachlern erlernt und wahrgenommen werden kann.
Für den Übersetzer geht es nicht nur darum, die Steigerungspartikeln zu verstehen,
sondern auch um den zu übersetzenden Text, der solche Elemente enthält. Ebenfalls muss
der Übersetzer den zielsprachlichen Leser berücksichtigen, der den ausgangssprachlichen
Text, der an Steigerungsausdrücken reich ist, in der Zielsprache verstehen können muss.
Das Verstehen des Textes und des Ausdrucksmittels durch den Kontext reicht demnach
für die sprachliche Kompetenz des Übersetzers nicht aus. Es ist notwendig, eine Kenntnis
der im Text dargestellten außersprachlichen Welt zu haben. Hinzu kommt, dass die
Steigerungswörter in bestimmten Situationen entstehen, in der die Kommunikation
bestimmte Funktionen erfüllt. Um die Steigerungspartikeln in vollem Umfang verstehen
zu können, muss ihre Bedeutung im jeweiligen Kontext verstanden werden, um sie so in
der Zielsprache zu interpretieren. Erst dann wird der produzierte gesamte Text für den
zielsprachlichen Leser verständlich.
Generell darf gesagt werden, dass jede Sprache ein Mittel der Kommunikation und eine
verbale Ausdrucksform ist. Die Sprache kann in der Umgangssprache das
Hauptinstrument der Kommunikation repräsentieren. Sprachliche Elemente bzw.
Ausdruckserscheinungen wie beispielsweise die Steigerungspartikeln können sich im
Deutschen ergeben, solange sie in einem engen sozio-kulturellen Milieu gebraucht
werden. Die Steigerungsausdrücke entfalten sich vor allem in der gesprochenen Sprache
des Deutschen, da die gesprochene Sprache auch in ihrer Wiedergabe in literarischen
Werken sehr stark vom Emotionalen geprägt wird. Dies wirft die Frage auf, ob der
Übersetzer zur Beschreibung von Charakteristik und Funktionen der Steigerungspartikeln
von einer Grundbedeutung ausgehen kann. Es ist schwierig, diese Frage zu beantworten,
aber es ist notwendig, für die Übersetzung solcher Ausdrücke diese Funktionen zu
kennen. Die weitere Frage stellt sich, ob jeder Übersetzer überhaupt über den fachlichen
und linguistischen Horizont verfügt. Kann also jeder Sprachmittler eine solche multi-
dimensionale Aufgabe bewältigen? Jeder Übersetzer braucht eine gründliche Kenntnis der
Ausgangssprache und der Partikeln im Allgemeinen, einer interessiert besonders der
Bereich der Steigerungspartikeln. Er benötigt ebenfalls eine souveräne Beherrschung der
Zielsprache, vor allem der Steigerungswörter und ihrer Verwendungsmöglichkeiten. Es ist
auch wichtig für den Übersetzer, eine ausreichende Erfahrung in beiden Sprachbereichen
168
und sehr gute Vorkenntnisse des zu untersuchenden Fachgebiets zu haben. Die
Steigerungspartikeln bleiben in der Zielsprache bzw. Fremdsprache oft noch unübersetzt,
da sie für den Übersetzer Schwierigkeiten darstellen und sie sich aus der von Kontexten
und Situationen geprägten Interpretation ergeben. Deshalb können die Sprachmittler
solche Phänomene ohne gründliche Erfahrung und sehr guten Umgang in den
Sprachbereichen Steigerungswörter nicht übersetzen.
169
5.4 Korpus
Es wird in diesem Teil nicht mehr über die Übersetzungsmöglichkeiten der deutschen
Steigerungspartikeln ins Arabische gesprochen, sondern es werden Beispiele aus
literarischen Übersetzungen ausgewählter deutscher Steigerungspartikeln und ihrer
Äquivalente im Arabischen dargestellt. Ich werde in diesem Teil Beispiele für
Übersetzungsmöglichkeiten der Steigerungspartikeln im Hinblick auf ihre
Verwendungsmöglichkeiten in verschiedenen Kontexten und Sprechakten sowie ihre
Äquivalenten im Arabischen anführen und beschreiben, wie sie konkret übersetzt werden.
Diese Beispiele, die aus ins Arabische übersetzten deutschen literarischen Werken
stammen, repräsentieren den empirischen Teil dieser Untersuchung bzw. mein Korpus.
Ausgesprochen
Dieses Steigerungselement kann im Arabischen mit dem verstärkenden Zustandsausdruck
wiedergegeben werden. Der verstärkende Zustandsausdruck ist "ğiddan" جدا:
1. Leider wurde Schwester Cecilia, nach einer für Leni wichtigen Mitschwester
gefragt, ausgesprochen eisig (BÖLL 2001: 37).
a. ( صارت باردة جداḤĀTIM 2002: 64).
Die ins Arabische übersetzten deutschen Beispiele aus Romanen zeigen, dass die deutsche
Steigerungspartikel ausgesprochen mit dem arabischen verstärkenden Zustandsausdruck
"ğiddan" جداwiedergegeben werden kann. Diese Übersetzung entspricht meiner
Wiedergabemöglichkeit bzw. meinem Vorschlag.
Äußerst
Das Steigerungswort äußerst kann im Arabischen den höchsten Grad ausdrücken, wie "li-
l-ġāya" للغاية. Es kann im Arabischen auch dem verstärkenden Zustandsausdruck
entsprechen, der die Adjektive bekräftigt und die Bedeutung unterstreicht:
5. Ja, belastet sei sie, manches sei äußerst unklar (BÖLL 1974: 113).
e. ( صحيح أن هناك بعض األمور المتعبة وغير واضحة تماماYĀSĪN 2001: 79).
Das erste und das zweite Beispiel zeigen, dass die Wiedergabe des Steigerungsausdrucks
äußerst ins Arabische mit meinem Vorschlag übereinstimmt. Im dritten und vierten
Beispiel jedoch haben die Übersetzer die deutsche Steigerungspartikel äußerst nicht
übertragen bzw. vermieden. Vielleicht haben sie diese Steigerungspartikel im jeweiligen
Kontext nicht verstanden oder die Wiedergabemöglichkeit erschien ihnen nicht logisch.
Die Partikel ist aber übersetzbar. Das fünfte und das sechste Beispiel zeigen, dass der
Übersetzer die beiden Beispiele mit zwei Wörtern ins Arabische übersetzt (tammāman
und ilā aqṣā ḥadd) hat, die im Arabischen Synonyme für "li-l-ġāya" للغايةsind. Auch sie
können das deutsche Steigerungswort äußerst wiedergeben.
Besonders
Im Arabischen kann der verstärkende Zustandsausdruck dieser Steigerungspartikel dem
Wort "ğiddan" جداentsprechen. Die wörtliche Bekräftigung im Arabischen stimmt mit der
Bedeutung der deutschen Steigerungspartikel überein. So kann auch die arabische Partikel
"la-" لdiesem deutschen Steigerungswort entsprechen:
171
3. Diesmal sei der Spruch besonders schrecklich (GRASS 1963: 248).
c. ( والمقولة هذه المرة مخيفة جداFĀRŪQ 2003: 220).
4. da war das besonders schöne, besonders große, besonders bunte Bild (BÖLL
1987: 118).
d. والملونة جدا, والكبيرة جدا,( هناك رأيت الصورة الجميلة جداGREES 2004: 34).
5. die zwar keine besonders hohen Gebühren eintrieb (GRASS 1963: 59).
e. ( صحيح أنها لم تجلب عائدا كبيراFĀRŪQ 2003: 53).
172
Einigermaßen
Hinsichtlich der Partikel einigermaßen verfügt das Arabische über eine entsprechende
Partikel mit der gleichen Funktion wie im Deutschen. Sie schwächt und beschränkt die
ausgedrückte Eigenschaft. Der möglichen Ausdruck im Arabischen ist "ᵓilā ḥaddin mā"
الى حد ما.:
173
Ganz
Für die Steigerungspartikel ganz gibt es im Arabischen Äquivalente. Sie kann sowohl als
Verstärkung als auch als Abschwächung vorkommen. Als Verstärkung kann die
Steigerungspartikel ganz im Arabischen mit einem Wort wie "tammāman" تماماübersetzt
werden. Die Abschwächung jedoch, wie z.B. die Arbeit ist ganz gut, also weniger als gut,
kann im Arabischen mit dem Wort "maqbūl" مقبولübersetzt werden:
1. würde jemand ihn, ganz gleich, wie er gekleidet sein mag (BÖLL 1974: 115).
a. ( أيكون ألحد نفس الشبه تماماYĀSĪN 2001: 80).
9. Sie hat ganz schön mit ihrem Gräfinnentitel gespielt (BÖLL 2007: 71).
i. ( ولعبت على نحو رائع كل الروعة بلقبهاḤĀTIM 2003: 87).
174
10. du warst ganz still (BÖLL 2007: 114).
j. ( كنت هادئا كل الهدوءḤĀTIM 2003: 130).
Die ersten sechs Beispiele, die aus verschiedenen Romanen ausgewählt sind und von
unterschiedlichen Übersetzern ins Arabische übertragen wurden, zeigen, dass die
Wiedergabemöglichkeiten des Steigerungswortes ganz ins Arabische meinem Vorschlag
entsprechen. In den Beispielen 7 und 8 wurde die Steigerungspartikel ganz nicht
übersetzt. Ganz im siebten Beispiel drückt eine Verstärkung aus und kann deshalb mit
einem Wort wie "tammāman" تماماim Arabischen wiedergegeben werden. Das Gegenteil
ist im achten Beispiel zu erkennen, das über eine Abschwächung verfügt. Hier kann die
Steigerungspartikel mit dem Wort "maqbūl" مقبولübersetzt werden. Vielleicht stellt diese
Partikel für den Übersetzer eine Schwierigkeit dar und so hat er sie im Text einfach
weggelassen. Die Beispiele 9 und 10 können verdeutlichen, dass der Übersetzer den
Steigerungsausdruck ganz in seinem Kontext nicht verstanden hat. Deshalb werden die
Adjektive in beiden literarischen Beispielen wiederholt.
Geradezu
Geradezu kann im Arabischen mit den Ausdrücken "ᵓaqrab" أقربoder "ᵓafḍal" أفضل
übersetzt werden. Es handelt sich hier um Elativ- Formen arabischer Adjektive:
175
6. war Erftler-Blum geradezu verrückt auf mich (BÖLL 2007: 78).
f. بلوم على أي وجه كان-( أرادني ارفتلرḤĀTIM 2003: 94).
In diesen Beispielen lässt sich feststellen, dass die Steigerungspartikel geradezu in den
ersten vier Beispielen als Elativ ins Arabische übersetzt ist. Diese Wiedergabemöglichkeit
kann zu den richtigen Varianten der Übersetzungs-möglichkeiten zählen und zeigt, dass
die versuchte Übertragung ins Arabische verständlich ist und durch den Kontext
verstanden wird. Es sollte deutlich geworden sein, dass das Steigerungswort geradezu in
den letzten drei Beispielen nicht wiedergegeben wurde. Der Grund dafür könnte sein, dass
dieses Steigerungselement aufgrund seiner diffusen Bedeutung für den Übersetzer eine
große Schwierigkeit darstellt. Die meisten der Übersetzer übertragen solche Elemente
nicht und lassen sie einfach weg, weil sie ein ernstes Problem für diese Übersetzer
darstellen. Da sie in ihrer Muttersprache nicht existieren, können sie ihre semantische
Funktion nicht verstehen.
Immer
Das Steigerungswort immer kann im Arabischen mit dem adverbialen Ausdruck
"dāᵓiman" دائماwiedergegeben werden. Außerdem kann der Elativ des Arabischen dieser
Partikel entsprechen, wie "ᵓakṯar min al-ᶜāda" أكثر من العادة, d.h. mehr als normal im
negativen Sinn:
176
4. Der Zement wird immer weniger (MÜLLER 2009: 41).
d. ( يقل اإلسمنت دائماNADER 2009: 38).
Es scheint in diesen Beispielen, dass die Steigerungspartikel immer einfacher als die
anderen Steigerungswörter ins Arabische zu übersetzen ist. Das Steigerungselement
immer kann als adverbialer Ausdruck "dāᵓiman" دائماwiedergegeben werden. Wörtlich
bedeutet immer im Arabischen auch "dāᵓiman" دائما. Diese wörtliche Bedeutung im
Arabischen kann ebenfalls die Funktion der Steigerungspartikel ausfüllen. Deshalb
greifen die Übersetzer meistens auf die wörtliche Bedeutung zurück. Der Elativ des
Arabischen kann ebenso mit der Bedeutung dieser Partikel übereinstimmen. Meines
Erachtens ist der Elativ die richtige Wiedergabemöglichkeit dieses Steigerungswortes,
weil sie meistens im negativen Sinne vorkommt. Einige Übersetzer haben, das ist in den
ersten drei Beispielen zu erkennen, die richtige Übersetzungsmöglichkeit getroffen. Die
letzten drei Beispiele zeigen jedoch, dass der Steigerungsausdruck immer wörtlich ins
Arabische übertragen wurde.
Recht
Im Arabischen kann recht mit den Ausdrücken "ᵓilā ḥaddin mā" إلى حد ماund "nisbīyan"
نسبياübersetzt werden, die im Arabischen ebenfalls die Einschränkung bezeichnen können:
177
4. ich bin nie so recht schlau aus ihm geworden (BÖLL 2007: 203).
d. ( فأنا لم أفهمه قط الفهم الصحيحḤĀTIM 2003: 217).
5. den meine Urenkel noch heute recht niedlich finden (GRASS 2007: 73).
e. ( يفرح بها اوالد احفادي إلى اليومḤAĞĞĀR 2003: 73).
7. sondern von einer italienischen Familie recht ordentlich betrieben wird (GRASS
2007: 280).
g. ( بل تديره عائلة إيطاليةḤAĞĞĀR 2003: 279).
8. und der sich später recht merkwürdig benommen habe (BÖLL 1974: 85).
h. ( وانه تصرف في نهاية الحفل على نحو شاذ ومشين حقاYĀSĪN 2001: 59).
Die ersten vier Beispiele können zeigen, dass der Steigerungsausdruck recht nicht
übersetzt wird, nur die Adjektive werden wiederholt. Damit der arabische Satz seine
grammatische Struktur und seinen Sinn nicht verliert, versuchen die Übersetzer nicht, die
deutsche Steigerungspartikel recht wiederzugeben, sondern einfach die Adjektive, die
stets den Steigerungselementen folgen und als Voraussetzung für die Steigerungswörter
gelten, zu wiederholen. Das fünfte, das sechste und das siebte Beispiel verdeutlichen, dass
das Steigerungswort recht überhaupt nicht ins Arabische übertragen wird, auch die
Adjektive werden nicht wiederholt. Die Steigerungspartikel recht wird demnach
eliminiert. Das achte Beispiel zeigt jedoch, dass diese Partikel wörtlich ins Arabische
übersetzt ist. Allerdings bezeichnet die Partikel recht im Arabischen die Einschränkung
und so kann bei allen Beispielen die vorgeschlagene Übersetzung verwendet werden.
Rein
Diese Partikel kann im Arabischen mit den Wörtern "baḥt" بحتoder "māḥḍ" محض
übersetzt werden. Sie bestätigen die im Bezugsausdruck angegebene Eigenschaft:
178
2. Mein Geheimnis war rein körperlich betrachtet (MÜLLER 2009: 11).
b. ( أني في سري خجل من جسديNADER 2009: 12).
Im ersten und im dritten Beispiel wird deutlich, dass die Steigerungspartikel rein durch
den Kontext verstanden wird, weil die Wiedergabemöglichkeiten zeigen, dass diese
Partikel mit Wörtern ins Arabische übertragen (māḥḍ und ṣārf) wurden, die eigentlich
Synonyme für "baḥt" بحتsind und auch die gleiche Bedeutung ausdrücken können. Im
zweiten Beispiel wird das Steigerungswort rein nicht wiedergegeben. Es wird in der
arabischen Übersetzung weggelassen.
Richtig
Die Steigerungspartikel richtig wird im Arabischen mit dem Wort "bi-maᶜnā al-kalima"
بمعنى الكلمةwiedergegeben. Sie verstärkt und bestätigt die Aussage im Arabischen:
179
7. richtig marktappetitlich (BÖLL 2007: 125).
g. ( شهية للسوق على الوجه الصحيحḤĀTIM 2003: 141).
8. ,weil ich sie gern hatte, richtig gern (BÖLL 2001: 174).
h. أحببتها حقا حبا عظيما,( ألنني أحببتهاḤĀTIM 2002: 236).
10. Worauf der Häftling richtig wahnsinnig wurde (GRASS 2007: 204).
j. ( فجن جنون السجينḤAĞĞĀR 2003: 206).
11. war sie richtig fröhlich und sauber (BÖLL 2001: 237).
k. ( كانت مرحة كل المرح ومرتبةḤĀTIM 2002: 317).
In den Beispielen lässt sich feststellen, dass der Steigerungsausdruck richtig nur im ersten
Beispiel als Steigerungspartikel ins Arabische übersetzt wird. Die Wiedergabemöglichkeit
kann die Bedeutung dieses Steigerungswortes ausdrücken. Die nächsten Beispiele 2 bis 7
sind absolut wörtlich wiedergegeben. Sie sind im Arabischen verständlich, aber sie
können die Aussage nicht bestätigen und verstärken. Die Beispiele 8 und 9 sind auch
wörtlich übersetzt, aber sie sind im Arabischen nicht verständlich. Obwohl die Romane
und ihre Übersetzer unterschiedlich sind, konnte diese wörtliche Übersetzungsmöglichkeit
auftreten, die im Arabischen unverständlich ist. Die Beispiele 10 und 11 zeigen, dass die
Adjektive wiederholt sind und die Steigerungspartikel richtig unübersetzt geblieben ist.
Im letzten Beispiel 12 wurde das Steigerungswort richtig überhaupt nicht ins Arabische
übertragen. Es wurde weggelassen.
181
Sehr
Sehr kann die Äußerung in einem hohen Maße verstärken (vgl. VAN OS 1989: 102).
Diese Steigerungspartikel wird bei Deutschen sehr häufig verwendet. Im Arabischen kann
der innere Objektakkusativ diesen Steigerungsausdruck wiedergeben. Außerdem wird der
verstärkende Zustandsausdruck als Entsprechung der Partikel auf diesem Gebiet
betrachtet, wie das Wort "ğiddan" جدا. Mit diesem Wort kann die Steigerungspartikel sehr
übereinstimmen, wenn sie ins Arabische übertragen wird:
3. möchte er doch sagen, dass er sie sehr sehr sehr gern habe (BÖLL 1974: 78).
c. ( إال أنه يود أن يقول إنه يشتهيها جدا جدا جداYĀSĪN 2001: 55).
181
10. Aber sehr klein (BÖLL 1987: 125).
j. ( ولكن صغير جداGREES 2004: 44).
12. als wir aus dem Dienstwagen kletterten, sehr klein (GRASS 1963: 300).
l. ( تضاءلت أحجامنا عند نزولنا من السيارة الحكوميةFĀRŪQ 2003: 267).
13. hat sie dann sehr dekorativ auf der Tribüne gesessen (BÖLL 2001: 368).
m. ( وجلست على منصة الخطابة للزينةḤĀTIM 2002: 476).
Da das arabische Wort "ğiddan" جداmit der Bedeutung der Steigerungspartikel sehr
übereinstimmt, wird sie im Arabischen meistens mit diesem Wort wiedergegeben. Die
Übersetzer finden häufig diese Entsprechung für dieses Steigerungswort. Die
angegebenen zehn Beispiele können sehr deutlich zeigen, dass die Übersetzung ins
Arabische dem Steigerungsausdruck sehr entspricht, obwohl die Wiedergabe-
möglichkeiten aus verschiedenen literarischen Werken stammen, die von
unterschiedlichen Personen übersetzt wurden. Sehr wird in den Beispielen 11 und 12 mit
anderen Wörtern wiedergegeben, die in der Übersetzung auf keine Verstärkung
hinweisen, weil sehr unübersetzt ist. In den letzten beiden Beispielen 13 und 14 wird das
Steigerungselement sehr nicht übersetzt. Insgesamt gesehen wird diese Partikel allerdings
häufig ins Arabische übertragen, da eine Übereinstimmung im Arabischen existiert.
So
Der verstärkende Zustandsausdruck im Arabischen kann diese deutsche
Steigerungspartikel wiedergeben. Der verstärkende Zustandsausdruck kann die Äußerung
bekräftigen und einen hohen Grad ausdrücken. Im Arabischen kann das Steigerungswort
so mit dem arabischen Zustandsausdruck "ğiddan" جداübersetzt werden:
182
2. dass er Boris heißt und von zu Hause so weit weg ist (MÜLLER 2009: 77).
b. وقد ترك المنزل وذهب بعيدا جدا,( اسمه بورسNADER 2009: 69).
12. Ich legte mich so dreckig, wie ich war, aufs Bett (MÜLLER 2009: 48).
l. ( ألقيت جسدي على السرير كما هو بوسخهNADER 2009: 45).
13. Ist meine Mutter so schwach (MÜLLER 2009: 79).
m. ( هل أصبحت أمي ضعيفةNADER 2009: 71).
183
14. deren Schwärze sich immer so schön vom weißen Müller abgehoben hatte
(GRASS 1963: 83).
n. ( جراء برز لونها االسود جميال بمقارنته بالطحان األبيضFĀRŪQ 2003:76).
15. Meine Mutter hatte nur einmal so schrecklich geweint (BÖLL 1987: 24).
o. ( أمي لم تبك بمثل هذه الحرقة إال مرة واحدةGREES 2004: 73).
16. Mir kam das alles so kalt und gleichgültig vor (BÖLL 1987: 124).
p. ( كنت أشعر بالبرودة والال مباالة تجاه كل شيءGREES 2004: 42).
Die ersten zehn Beispiele verdeutlichen, dass die Steigerungspartikel so über nur eine
Bedeutung in den verschiedenen Beispielen verfügt. Im Arabischen kann das
Steigerungswort so mit dem arabischen Zustandsausdruck "ğiddan" جداübersetzt werden.
Es scheint, dass die Steigerungspartikeln, die eine einfache Übereinstimmung im
Arabischen haben, leicht ins Arabische übertragen werden können, da die Bedeutung
solcher Partikeln deutlich ist und problemlos wiedergegeben werden kann. Es ist auch
ersichtlich, dass die ersten zehn Beispiele die gleiche Bedeutung haben, obwohl sie aus
verschiedenen literarischen Werken und von unterschiedlichen Übersetzern stammen.
Einige Übersetzer ersetzen diese Steigerungspartikel mit der Wiederholung des Adjektivs
wie in Beispiel 11. Die Schwierigkeit liegt in den Beispielen 12 bis 16, in denen der
Steigerungsausdruck so unübersetzt geblieben ist. Manchmal werden die
Steigerungspartikeln aus der Übersetzung eliminiert, weil es für die Übersetzer schwierig
ist, solche Elemente zu verstehen, zumal sie nicht in den Wörterbüchern existieren, auf
die sich die Übersetzer meistens beziehen. Nur selten basieren die Übersetzungen auf dem
Wissen um ihre kulturellen Hintergründe. Im Übersetzungsbereich mangelt es an einer
ausreichenden Untersuchung dieses Gebiets, deshalb werden die Steigerungspartikeln
weggelassen.
184
Völlig/vollkommen
Als Entsprechung im Arabischen können diese Steigerungsausdrücke mit dem Wort "bi-l-
kāmil" بالكاملwiedergegeben werden. Dieses arabische Wort kann mit diesen
Steigerungspartikeln übereinstimmen und den höchsten Grad der genannten Eigenschaft
ausdrücken:
1. völlig ungeeignet (BÖLL 2001: 221).
a. ( وكانت غير مؤهلة كلياḤĀTIM 2002: 296).
10. Das ist einem Stehaufmännchen vollkommen gleichgültig (GRASS 1963: 585).
j. ( هذه االشياء تعد بالنسبة لشخص بسبع ارواح سيانFĀRŪQ 2003: 518).
185
11. und der Fels-Heide völlig unbekannt gewesen (BÖLL 2001: 105).
k. ( كما أنها كانت تجهل ايضا مختلف شروط تربيتهاḤĀTIM 2002: 150).
13. Da müssen völlig irrationale, mythische Motive eine Rolle spielen (BÖLL 2007:
132).
m. ( أن يكون لدوافع أسطورية ال عقالنية دورهاḤĀTIM 2003: 148).
Aus den Beispielen ist ersichtlich, dass die Übersetzung der Steigerungsausdrücke völlig
und vollkommen in den Beispielen von 1 bis 9 durch das Wort "bi-l-kāmil" بالكاملund
Synonyme des Wortes geschieht. Diese Übersetzung habe auch ich vorgeschlagen. In den
Beispielen 10 bis 14 jedoch werden die Steigerungswörter völlig und vollkommen nicht
ins Arabische übertragen. Sie sind im Arabischen eliminiert. Wenn die Übersetzer solche
Elemente in ihrem Kontext nicht verstanden haben, werden sie im arabischen Text
weggelassen. Entsprechungen wurden in diesem Fall nicht gefunden. Die letzten zwei
Beispiele 15 und 16 zeigen, dass einige Übersetzer die Adjektive wiederholen, damit der
Satz im Arabischen seinen Sinn nicht verliert und für den Leser verständlich wird.
Weitaus
Es kann die im Adjektiv angegebene Eigenschaft verstärken. Die elativischen Adjektive
können dieser Steigerungspartikel entsprechen, wie z.B. "ᵓakṯar" أكثرoder "ᵓafḍal" أفضل.
Der Elativ im Arabischen wird als Übereinstimmung mit dieser Steigerungspartikel
betrachtet:
186
1. und sah im Flurdienst weitaus bessere Möglichkeiten (BÖLL 2001: 48).
a. ( على نحو أفضل بكثيرḤĀTIM 2002: 78).
2. weitaus mehr als bei Schilderung von Verdauungsvorgängen (BÖLL 2001: 51).
b. ( أكثر من انتشائها عند وصف عمليات الهضمḤĀTIM 2002: 82).
3. und sollte er tatsächlich gemeinsam mit dem weitaus härter wirkenden (BÖLL
2001: 392).
c. ( وبدا أكثر صرامةḤĀTIM 2002: 505).
Die Steigerungspartikel weitaus tritt sehr selten auf. In den drei Beispielen ist deutlich,
dass das Steigerungswort weitaus mit dem Elativ ins Arabische übertragen wird, da der
Elativ im Arabischen als Entsprechung für solche Steigerungsausdrücke angesehen wird
und nur mit dieser Variante übersetzt werden kann, die auch meinem Vorschlag
entspricht.
Ziemlich
Dieser Steigerungsausdruck kann die im Bezugswort ausgedrückte Eigenschaft
beschränken (vgl. HELBIG 1988: 243). Es kann im Arabischen mit Wörtern wie "ᵓila
ḥaddin mā" إلى حد ماoder "nisbīyan" نسبياübersetzt werden, die im Arabischen ebenfalls
die Einschränkung bezeichnen können:
1. und fährt ziemlich viel mit dem Auto (BÖLL 2001: 145)
a. ( وتتجول كثيرا إلى حد ما بالسيارةḤĀTIM 2002: 200).
2. Die Trinkgelder für die Generäle waren ja ziemlich hoch (BÖLL 2007: 75).
b. ( كانت عالية إلى حد ماḤĀTIM 2003: 90).
5. Die leider ziemlich viel öffentliche Beachtung fand (BÖLL 1974: 177).
e. ( التي بدت سافرة إلى حد كبير نسبيا لألسفYĀSĪN 2001: 123).
187
6. von Schuldanerkenntnis bis Schuldversprechen ziemlich viel (BÖLL 2001: 155).
f. ( والكثير إلى حد ما عن االعتراف بالدين وحتى االعتراف بالذنبḤĀTIM 2002: 212).
10. denn der hochgestellte Herr wohnt ziemlich weit außerhalb der Stadt (BÖLL
2001: 347).
j. ( إذ أن السيد الكبير المقام يسكن في مكان بعيد إلى حد ما عن المدينةḤĀTIM 2002: 449).
11. Der hier wird sie ziemlich teuer zu stehen kommen (BÖLL 2007: 82).
k. ( هنا ستكلفهم الكثير نوعا ماḤĀTEM 2003: 98).
16. Da sie in der Erhard-Zeit ziemlich eng mit dem Gruyten zusammenlebte (BÖLL
2001: 88).
p. ( أنها عاشت في زمن إرهارد قريبة جدا من غروتنḤĀTIM 2002: 131).
188
17. ziemlich laut, weil sie schwerhörig ist (GRASS 2007: 268).
q. ( بصوت عال ألنها قليلة السمعḤAĞĞĀR 2003: 264).
18. Sie schreibt ziemlich komisch von Liebe (GRASS 1963: 347).
r. ( إنها تكتب أشياء غريبة عن الحبFĀRŪQ 2003: 308).
Die Steigerungspartikel ziemlich stellt für den Übersetzer Schwierigkeiten dar. Die
Schwierigkeit der Wiedergabemöglichkeit dieser Steigerungspartikel zeigt sich darin, dass
der Übersetzer ḤĀTIM drei Varianten der Übersetzung verwendet hat. Er hat ziemlich als
Einschränkung mit den Wörtern "ᵓila ḥaddin mā" إلى حد ماund "nawᶜan mā" نوعا ماins
Arabische übertragen. Darüber hinaus hat er sie mit der Intention der Verstärkung mit
189
dem Ausdruck "ğiddan" جداübersetzt, der meiner Meinung nach an dieser Stelle nicht
passt. Der Ausdruck "nawᶜan mā" نوعا ماkann die Einschränkung bezeichnen, aber er ist
nicht so stark wie "ᵓila ḥaddin mā" إلى حد ماoder "nisbīyan", deshalb habe ich diesen
Ausdruck für die Steigerungspartikel etwas vorgeschlagen. Die Kriterien, die der
Übersetzer ḤĀTIM zugrunde gelegt hat, sind für mich nicht nachvollziehbar.
Zu
Die wörtliche Bekräftigung im Arabischen kann diesem Steigerungswort entsprechen, da
sie sich auf die Wortwiederholung bezieht und die Bedeutung bekräftigen kann.
Außerdem kann der verstärkende Zustandsausdruck als Entsprechung dieses
Steigerungsausdrucks betrachtet werden, wie beispielsweise der Ausdruck "ğiddan" َجدا:
1. Für die dritte Abraumhalde war es inzwischen schon viel zu dunkel (MÜLLER
2009: 197).
a. ( للوصول إلى التلة الثالثة كان الظالم قد صار شديد جداNADER 2009: 178).
191
h. ( المفروض أال نخاف كثيراḤĀTIM 2003: 234).
14. Das hatten die beiden zu rasch gemacht (BÖLL 2001: 297).
n. ( وكلتاهما انجزت الموضوع بسرعةḤĀTIM 2002: 392).
Die ersten fünf Beispiele können deutlich zeigen, dass die Steigerungspartikel zu mit dem
Ausdruck "ğiddan" َ جداins Arabische übertragen wird. Diese Übersetzung entspricht
meinem Vorschlag und ich befürworte diese Übersetzung, da dieses Wort im Arabischen
eine Verstärkung ausdrücken kann. Es ist in den Beispielen 1 bis 5 deutlich, dass das
Steigerungswort zu von verschiedenen Übersetzern ins Arabische übertragen wird und
alle Übersetzungen gleich lauten.
Es ist auffallend, dass der Steigerungsausdruck zu in den Beispielen sechs und sieben
nicht die gleiche Übersetzung hat wie in den Beispielen 1 bis 5, obwohl es derselbe
Übersetzer ist, hat er diese Partikel mit einem anderen Ausdruck übersetzt. Das gilt auch
für die Beispiele acht und neun. Derselbe Übersetzer versucht, dieses Steigerungselement
nicht wie in dem genannten Vorschlag zu übersetzen. Die Partikel wurde mit anderen
Ausdrücken interpretiert. Es ist für mich nicht verständlich, weshalb sie hier anders
übersetzt wurde, obwohl der Übersetzer diesen Steigerungsausdruck in den anderen
191
Beispielen mit dem Wort "ğiddan" َ جداübersetzt hat, das im Arabischen eine Verstärkung
bezeichnet. Sie kann hier auch mit dem Ausdruck "ğiddan" َ جداübersetzt werden.
192
6. Steigerungspartikeln im DaF-Unterricht für Arabisch-Muttersprachler
Es ist äußerst schwierig, den arabischen Deutschlernern die nötigen Informationen und
Erklärungen, besonders wenn sie Anfänger sind, zu vermitteln. Die komplizierten
Erklärungen werden auf Deutsch kaum verstanden. Die einfachste Variante ist, den
Lernenden die Erklärungen in ihrer eigenen Muttersprache zu geben. Die Lehrer sollten
ihre arabischen Studenten auf die Verwendungsmöglichkeiten der Steigerungsausdrücke
in einzelnen Textsorten der Fremdsprache aufmerksam machen und die Funktionen
solcher Phänomene in der Interaktion erläutern können. Die Schwierigkeit liegt darin,
dass die arabischen Deutschlerner in der konkreten Unterrichtssituation meist gewohnt
sind, mit expliziten Erklärungen [Link] die Lehrer konkret deutsche
Steigerungspartikeln für arabische Deutschlernende durch Vergleiche mit dem
Arabischen skizzieren wollen, sollten sie die Steigerungselemente als ein wichtiges
Lernziel im DaF-Unterricht betrachten und sie in den im Unterricht behandelten
Alltagssituationen angemessen sowie nach Möglichkeit korrekt gebrauchen. Die
Lehrenden sollten die Möglichkeit schaffen, dass ihre arabischen Lernenden die
Steigerungswörter in natürlichen Situationen verwenden. Die Lehrer sollten ein
gesprächs- und partikelfreundliches Klima im Studienraum erstellen, damit die Lerner die
Chance haben, Steigerungspartikeln zu hören und zu sprechen, weil die formale
Kommunikationssituation des DaF-Unterrichts Gefühlsäußerungen wie Erstaunen, Ärger
und Ungeduld, wo die Steigerungspartikeln spontan auftreten, normalerweise nicht
zulässt.
193
Wie wir in den Ausführungen zur Übersetzungspraxis gesehen haben, werden die
Steigerungspartikeln im Deutschen größtenteils entweder überhaupt nicht oder mit
"ğiddan" جداins Arabische übersetzt, da Eins-zu-Eins-Entsprechungen nicht existieren.
Für die Ausbildung zukünftiger Übersetzer wäre jedoch ein genaueres und
variationsreicheres Übersetzen der Steigerungspartikeln wünschenswert. Meines
Erachtens könnte der Weg dorthin über folgende Schritte erfolgen:
1. Bewusstmachung
Hier könnten die von mir aufgeführten Übersetzungsmöglichkeiten für die einzelnen
Steigerungspartikeln im Deutschen intensiv anhand von konkreten Sätzen, in denen sie
vorkommen, behandelt werden, z.B.:
194
2. Übungen zum Gebrauch der Steigerungspartikeln
Mit den „Übungen zu den Steigerungspartikeln“ ist zuerst ein erster Schritt getan, damit
arabische Lehrer und Lerner des Deutschen die Schwierigkeiten der Steigerungsausdrücke
überwinden können. Ich zeige im folgenden einige Möglichkeiten für Übungen.
Übung 1
Lesen Sie!
Übung 2
Sprechen Sie den Dialog zu Zweit! Wo ist ganz Partikel?
195
3. A: Das schmeckt ja ganz vorzüglich.
B: Das Fleich ist aber nicht ganz weich.
4. A: War es ein ganz neues Rezept?
B: Nein, es war ganz alt.
Übung 3
a) Sprechen Sie den Dialog zu Zweit!
b) Welche Funktion hat ganz in den einzelnen Sätzen?
Übung 4
a) Sprechen Sie die Sätze ohne Partikel!
b) Setzen Sie dann in die Lücken ganz ein!
Was ist der Unterschied zwischen der Version mit und ohne ganz? Diskutieren Sie!
196
Übungen zu der Steigerungspartikel besonders:
Übung 1
Sprechen Sie den Dialog zu Zweit! Wo ist besonders Partikel?
Übung 2
Lesen Sie! Wo ist besonders keine Partikel?
Sprechen Sie die Sätze mit und ohne Partikeln! Was ändert sich in der Bedeutung?
197
Übung 3
Ergänzen Sie! Setzen Sie dabei in die Lücken besonders ein, wo es sinnvoll ist!
Motordefekt
Hans: Guten Tag, Klaus! Was machst du in der ... Garage? Ist am neuen Wagen ... etwas
kaputt?
Klaus: Der Motor läuft nicht ... ordentlich.
Hans: Hast du die Zündkerzen ... geprüft?
Klaus: Ja.
Hans: Bist du dir ... klar, warum er nicht ... gut läuft?
Klaus: Nein.
Hans: Na, du könntest mir ... ein bisschen mehr sagen als „ja“ und „nein“.
Klaus: Das möchte ich ..., aber was soll ich ... sagen, wenn ich den Fehler noch nicht
entdeckt habe? Weißt du nun genug?
Hans: Ich verstehe dich ...: Du willst nicht gestört sein. Du wirst den Fehler ... noch
finden. Also auf Wiedersehen! Schönen Tag noch!
Klaus: Danke, ebenfalls! Und kauf dir nie ein ... schickes Auto!
Ein weiteres Beispiel soll zeigen, wie man Übungen aufbauen könnte, die den Gebrauch
mehrere Steigerungspartikel betreffen:
198
7. Die Reise war äußerst interessant.
8. Er feiert mit äußerster Freude.
9. Er arbeitet im äußersten Süden der Stadt.
10. Es herrschte ein außergewöhnliche Stau.
11. Dieser Monat ist außergewöhnlich kalt.
12. Der Student ist außergewöhnlich fleißig.
13. Das ist eine höchst interessante Reise.
14. Er rauchte höchst schnell.
15. Sie hat die höchste Note erhalten.
16. Sehr schmerzte der Bauch.
17. Die Reise ist sehr teuer.
18. Sie arbeitet sehr gern.
19. Er hat eine ziemlich schlechte Note bekommen.
20. Sie isst ziemlich gern Kuchen.
Übung 2
Welche Partikeln steigern, welche schwächen ab? Unterstreichen Sie die Partikeln, die die
Aussage abschwächen! (Zur Illustration hier der Lösungsvorschlag)
199
Übung 3
Arbeiten Sie in Gruppen von 3 Personen nach folgenden Muster! Die Person mit - fragt.
Die mit + antwortet steigernd. Die mit * Schwächt ab. Nehmen Sie möglich viele
verschiedene Partikeln!
Beispiel:
- Ist Fritz klug?
+ Ja, er ist ausgesprochen klug.
* Naja, er ist ziemlich klug, würde ich sagen.
Und jetzt Sie:
- Ist Fritz schön?
+ Ja, er ist ... schön.
* Naja, er ist ... schön, würde ich sagen.
- Geht Fritz in die Schule?
+ Ja, er ist ... fleißig.
* Naja, er ist ... fleißig, würde ich sagen.
- Ist Fritz klein?
+ Ja, er ist ... klein.
* Naja, er ist ... klein, würde ich sagen.
- Ist Fritz freundlich?
+ Ja, er ist ... freundlich.
* Naja, er ist ... freundlich, würde ich sagen.
- Mag Fritz reisen?
+ Ja, er reist ... gern.
*Naja, er reist ... gern, würde ich sagen.
- Ist Fritz alt?
+ Ja, er ist ... alt.
* Naja, er ist ... alt, würde ich sagen.
- Ist Fritz eifersüchtig?
+ Ja, er ist ... eifersüchtig.
* Naja, er ist ... eifersüchtig, würde ich sagen.
- Ist Frtiz traurig?
+ Ja, er ist ... traurig.
* Naja, er ist ... traurig, würde ich sagen.
- Ist Fritz lieb?
+ Ja, er ist ... lieb.
211
* Naja, er ist ... lieb, würde ich sagen.
Übung 4
Welche Steigerungspartikel geht nicht? Streichen Sie die falschen durch!
- Ich möchte heute ins Kino gehen. Hast du den neuen Film von Brad Pit schon gesehen?
Ist er besonders/ außergewöhnlich/absolut spannend?
* Ja, ich war schon drin. Ich fand ihn äußerst/ ausgesprochen/ einigermaßen langweilig.
- Okay, das ist nicht gut für heute Abend, ich bin übermäßig/ recht/ ziemlich müde.
* Vielleicht können wir es verschieben, weil ich sehr/ziemlich/außergewöhnlich krank
bin.
- Du, Maike, warst du heute an der Universität? Ja, ich war dort, und die Informationen
der Vorlesung waren weitaus/ besonders/ einigermaßen nützlich.
* Naja, ich war heute nicht an der Universität, da ich gestern viel gearbeitet habe. Ich
fühle mich ziemlich/total/überhaupt kraftlos.
- Ich habe die Wohnung gesehen, aber ich finde sie richtig/ vollständig/ zu klein.
* Oh ja, fünf Personen und vierzig Quadratmeter, das ist recht/ einigermaßen/ ziemlich
wenig.
- Guten Tag. Ich möchte bitte eine Fahrkarte nach Berlin. Einfach bitte, ich habe es
übermäßig/ einigermaßen/ höchst eilig.
* Soll das erster oder zweiter Klasse sein? Zweiter Klasse bitte. Fährt der Zug auch recht/
ziemlich/ etwas pünktlich.
211
3. Anwendung in eigenen Übersetzungen
Die oben genannten Beispiele können zeigen, dass die arabischen Lerner verschiedene
Übersetzungsmöglichkeiten der deutschen Steigerungspartikeln kennenlernen können.
Also können die Lerner unterschiedliche Steigerungspartikeln in einem Satz verwenden
und auch ihre Übersetzungsmöglichkeiten ins Arabische wählen. Mit solchen
Zusammenstellungen kann die Lehrperson auf verschiedene Arten den Gebrauch der
Partikeln üben lassen. Bei noch nicht geübten Lernern kann sie die Übersetzungen
vorgeben. Bei geübteren Lernern kann sie falsche und richtige Partikeln vorschlagen und
die Lerner entscheiden lassen, welche passend sind und welche nicht. Sehr geübte Lerner
sollten ohne Hilfestellungen übersetzen können und die passenden Partikeln dabei
einsetzen.
212
7. Schlussbetrachtung
Die Studie hat deutlich gemacht, dass die Steigerungspartikeln syntaktische und
semantische Eigenschaften aufweisen, die Beschreibung der Steigerungswörter unter
syntaktischem und semantischem Aspekt jedoch nicht ausreichend ist, da es in der
Partikelforschung Schwierigkeiten gibt, die Steigerungsausdrücke rein auf syntaktischer
und semantischer Ebene von anderen Wortarten abzugrenzen. Die Abgrenzung der
Partikeln im engeren Sinne von den anderen unflektierbaren Wortklassen ist unter
Sprachwissenschaftlern umstritten. Zudem treten für die meisten Partikeln auch
Homonyme in anderen Lexemklassen auf. Die Partikeln können in verschiedenen
Subklassen vorkommen, ihre Funktionen und Verwendungen sind dabei jeweils
unterschiedlich. Die Steigerungselemente können sich zudem auch bei funktional gleicher
Leistung in verschiedenen syntaktischen Arten entfalten. Das zeigt, dass eine syntaktische
und semantische Unterscheidung dieser Wortart von anderen Wortklassen nicht
ausreichend ist. Deshalb ist die Behandlung der Steigerungspartikeln hinsichtlich ihrer
kommunikativen Eigenschaften notwendig. Die Pragmatik spielt bei solchen Phänomenen
eine wichtige Rolle, da sie nicht auf die syntaktische und semantische Ebene beschränkt
ist, sondern sich auch auf kommunikative Aspekte bzw. auf das sprachliche Handeln
bezieht.
213
Die Untersuchung hat ergeben, dass es sinnvoll ist, die Steigerungspartikeln in
semantischer Hinsicht zu beschreiben, da sie zur Unterstreichung des Sachverhaltes durch
den Sprecher dienen und dementsprechend die Aussage variieren. Die
Steigerungsausdrücke können innerhalb der verbalen Kommunikation Emotionen und
Einstellungen ausdrücken. Sie können alleine keine Satzglieder bilden, sie sind nur mit
dem Bezugswort verschiebbar und nicht erststellenfähig. Die Steigerungswörter haben
keine lexikalische Bedeutung, sie sind bedeutungsarm, d.h., wenn die
Steigerungspartikeln eliminiert werden, werden die Wahrheitsbedingungen dadurch nicht
verändert, die Sätze verlieren ihre semantischen Informationen nicht. Sie können
demnach nicht den Wahrheitswert der Sätze tangieren. Obwohl die Steigerungspartikeln
eliminierbar sind, können sie den Ausdruck teilweise semantisch und pragmatisch in
bestimmter Weise modifizieren. So können bei Streichung des Steigerungswortes in den
Sätzen Quantitätsangaben oder die Emotionalität verloren gehen. Zu den Merkmalen der
Steigerungswörter gehört auch die Nicht-Erfragbarkeit, d.h., sie können nicht erfragt
werden. Durch die Steigerungselemente wird die im Bezugswort ausgedrückte
Eigenschaft verstärkt oder abgeschwächt. Für die deutschen Steigerungspartikeln gibt es
keine allgemeingültige Definition, die Linguisten sind sich in Bezug auf eine einheitliche
Definition nicht einig.
Bezüglich der Sprechhandlung und der Satztypen verfügen die Steigerungspartikeln über
keine Restriktionen wie die Abtönungspartikeln. Die Steigerungsausdrücke unterscheiden
sich von den Gradpartikeln dahingehend, dass sie keine Restriktionen hinsichtlich des
semantischen Skopus haben, aber durchaus Restriktionen in Bezug auf die
unterschiedlichen Steigerungsformen der Adjektive Positiv, Komparativ und Superlativ,
mit denen die Steigerungspartikeln operieren. Die Steigerungswörter können wie die
Abtönungspartikeln und die Gradpartikeln unbetont oder betont gebraucht werden. Dabei
ist die Betonbarkeit bzw. die Unbetonbarkeit nicht an bestimmte Sprechhandlungen und
bestimmte Satztypen gebunden. Die Steigerungspartikeln sind mit dem Kontext des
Satzes verbunden, da das Verstehen der Bedeutung der Partikeln auf der Kenntnis der
gesamten Sprech- und Kommunikationssituation basiert.
214
Die Steigerungspartikeln können verschiedene Aufgaben übernehmen. Sie können ein
hohes Maß an Konzentration in der Kommunikation zwischen beiden Teilnehmern
zeigen, das auf der Quantitätsangabe der Steigerung basiert. Diese Steigerungselemente
können die Aussageleistung der Äußerung erhöhen, indem sie feine Differenzierungen
anbringen, in manchen Fällen auch Ironie signale. Ihre Verwendung zeigt, dass der
Sprecher über eine differenzierte kommunikative Kompetenz verfügt sowie die
Aufmerksamkeit des Hörers durch die Hervorhebung und die Akzentuierung wecken will.
Außerdem können manche Steigerungsausdrücke der Aussage des Sprechers implizit
einen hohen Grad an Gewissheit und Sicherheit geben.
Ein Ergebnis meiner Detail-Analyse ist, dass manche der untersuchten Lexeme über eine
stabile steigernde Bedeutung verfügen. Die steigernde Bedeutung einiger Wörter ist
jedoch immer noch in der Entwicklung. Selbst in den Wörterbüchern wird die steigernde
Bedeutung einiger dieser Partikeln noch nicht angegeben. Es ist auch nicht der Fall, dass
alle Steigerungslexeme komparationsfähig sind, die Steigerungswörter selbst können in
dieser Funktion meistens nicht gesteigert werden.
Hinsichtlich der Sprechakttheorie und der Partikelforschung kann man feststellen, dass
sich die Meinungen der Sprachwissenschaftler in der Beschreibung und Bewertung der
Relation zwischen der Sprechakttheorie und der Partikelforschung unterscheiden. Einige
Forscher sind der Meinung, dass es einen bestimmten Zusammenhang gibt, und
versuchen, die Entwicklung dieser Beziehung so zu beschreiben, dass es in der Sprache
Elemente wie die Partikeln gibt, mit denen der Sprecher den Vollzug seines Sprechaktes
unterstützen kann. Die Untersuchungen, die sich mit den Methoden der Sprechakttheorie
befassen, orientieren sich am Vorkommen der Partikeln in Bezug auf die Handlung, die
sie mit der partikelhaltigen Äußerung vollziehen können. Bezüglich der Zuordnung zu
einzelnen Sprechakten unterscheiden sich die Untersuchungen jedoch, da es den
Forschern nicht gelungen ist, einen einheitlichen, verbindlichen Sprechaktkatalog für jede
Partikel zu entwickeln. Die Steigerungspartikeln scheinen in Bezug auf die Sprechakte, in
denen sie vorkommen können, weniger eingeschränkt zu sein als etwa die Modalpartikel,
sodass diese Arbeit nicht auf spezielle Sprechakte eingegangen ist. Für die von mir
beschriebenen Steigerungspartikeln konnte ich keine sprechaktbezogenen Restriktionen
feststellen.
215
Insgesamt betrachtet ist zu verdeutlichen, dass die Steigerungspartikeln mit dem Kontext
des Satzes verbunden sind, da sich das Verstehen ihrer Bedeutung auf die Kenntnis der
gesamten Sprech- und Kommunikationssituation bezieht. Einige Steigerungsausdrücke
können als Hinweis darauf verwendet werden, wie das vom Sprecher vorausgesetzte
Wissen gesehen wird, das heisst ihre Interpretation geschieht auf der Basis von
Präsuppositionen.
216
Die Studie hat ebenfalls gezeigt, dass das Deutsche und das Arabische über
unterschiedliche Ausdrucksweisen bzw. Sprachmittel verfügen, durch die die steigernden
Bedeutungen zum Ausdruck gebracht werden können, wie beispielsweise im Arabischen
den inneren Akkusativ, die wörtliche Bekräftigung und den Zustandsausdruck. Insgesamt
ist zu erkennen, dass eine wesentliche Divergenz zwischen der Erforschung der
arabischen Bedeutungspartikeln und der deutschen Steigerungspartikeln existiert und die
Partikelforschung im Deutschen einen erheblichen Schritt weiter entwickelt ist als die der
Äquivalente im Arabischen. Die deutschen Steigerungswörter werden innerhalb der
Linguistik als selbständiger Forschungsbereich betrachtet. Hingegen ist es hinsichtlich der
arabischen Partikeln so, dass ihre Erforschung leider noch nicht als selbständiger
Forschungsgegenstand angesehen wird. Die Beschreibung der Steigerungsausdrücke bzw.
der Bedeutungspartikeln bezieht sich besonders auf die kontextuelle Bedingtheit. Daraus
kann man schließen, dass die Steigerungspartikeln ein semantisches Sprachmittel sind,
das die Bedeutung des Satzes verstärken bzw. abschwächen kann.
b. Die deutschen und die arabischen Steigerungspartikeln können nicht als Antwort auf
eine gestellte Frage verwendet werden.
217
e. Beide verfügen über Homonyme in anderen Wortklassen, aber ihre Funktionen und
Verwendungen sind jeweils unterschiedlich.
b. In Bezug auf die Textsorten kommen die deutschen Steigerungselemente vor allem in
umgangssprachlichen Texten vor. Hingegen treten die arabischen Steigerungspartikeln
sehr häufig in der Schriftsprache auf.
Aus diesen Gemeinsamkeiten und Unterschieden kann man schlussfolgern, dass die
beiden Wortarten mehr Konvergenzen als Divergenzen aufweisen.
218
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