Syntax
Gegenstand der Syntax
In der Kommunikation werden Wörter zu Sätzen zusammengefügt. Dies kann
nicht in beliebiger Reihenfolge geschehen, sondern es müssen dabei gewisse
Ordnungen und Gesetzmäßigkeiten beachtet werden. Diese Gesetzmäßigkeiten
untersucht die Syntax (griechisch syntaxis = »Zusammenstellung, Zusammen-
ordnung« oder Satzlehre.
Syntax ist die Lehre von den Systembeziehungen zwischen Wörtern und
Phrasen.
Arten syntaktischer Beziehungen
Sprachliche Elemente stehen in unterschiedlichen Beziehungen zueinander.
Man unterscheidet paradigmatische und syntagmatische Beziehungen.
Unter paradigmatischen Beziehungen verstehen wir „die Beziehungen zwi-
schen Einheiten, die in ein und demselben Kontext auftreten können und sich in
diesem Kontext gegenseitig ausschließen”. (LEWANDOWSKI 1990: 774 f.) Die
Lehre von den Paradigmen, insbesondere die Deklinations- und Konjugations-
schemata, ist ein wichtiger Bestandteil der Morphologie.
Unter syntagmatischen Beziehungen verstehen wir „Beziehungen zwischen
Einheiten, die in einem Kontext gemeinsam vorkommen”. (ebenda, S. 1130)
Zu den syntagmatischen Beziehungen gehören:
• Zuordnung
Unter Zuordnung (Koordination, Parataxe) versteht man z.B. die Ver-
bindung zwischen Subjekt und Prädikat. In den traditionellen Grammatiken
sind beide Satzglieder gleichwertig und bedingen einander. Das gegensei-
tige Bedingen findet seinen grammatischen Ausdruck u.a. in der Kongruenz
in Person und Numerus, im Slowakischen teilweise auch im Genus.
Das Kind lernt/Die Kinder lernen. Dieťa sa učí/Deti sa učia.
Der Student/Die Studentin las ein Buch. Študent čítal/Študentka čítala knihu.
• Unterordnung
Bei Unterordnung (Subordination, Hypotaxe) handelt es sich um Abhän-
gigkeitsbeziehungen zwischen:
38 Grammatik
Hauptsatz
Nebensatz
a) Sätzen (Hauptsatz, Nebensatz)
Ich freue mich, dass du kommst.
b) Satzgliedern, z.B.
Objektbeziehungen: einen Roman lesen
lesen
einen Roman
• Nebenordnung (Koordination, parataktische Verbindung):
Bei Nebenordnung werden Wörter, Wortgruppen und Sätze gleichen syn-
taktischen Wertes nebeneinander gestellt. Es handelt sich insbesondere um:
Satzreihe:
Der Zug auf Bahnsteig 4 fährt nach Passau, der Zug auf Bahnsteig 3 fährt nach Nitra.
Nebensatzreihe:
Weil er uns kein Wort gesagt hat und weil er so frech war, helfen wir ihm nicht.
Wortgruppenreihe:
Ich bat ihn, nach Wien zu fahren und uns Theaterkarten zu besorgen.
Wortreihe:
Wir kaufen Brot, Butter, Zucker und Wein.
Die koordinierenden sprachlichen Mittel können mit einem verknüpfenden
Wort oder ohne solches miteinander verbunden werden. Man unterscheidet
asyndetische, syndetische und polysyndetische Verbindungen:
• asyndetisch bedeutet, dass kein spezielles verknüpfendes Wort vorhanden
ist:
Syntax 39
ein gutes, interessantes Buch
• syndetisch bedeutet, dass die Elemente mit einem verknüpfenden Element
verbunden sind:
ein gutes und interessantes Buch
• polysyndetisch bedeutet, dass mehrere verknüpfende Elemente vorhanden
sind:
ein gutes und interessantes und preisgekröntes Buch
1.1.1 Der Satz
Die Grundeinheit der syntaktischen Ebene ist der Satz. Die Fachliteratur kennt
über dreihundert Satzdefinitionen. In jedem Definitionsversuch stehen ver-
schiedene – logische, psychologische, didaktische – Aspekte und Ansätze im
Vordergrund. Im Folgenden möchten wir nun einige Satzdefinitionen nennen:
Der Satz ist der sprachliche Ausdruck, das Symbol dafür, dass sich die Verbindung
mehrerer Vorstellungen oder Vorstellungsgruppen in der Seele des Sprechenden
vollzogen hat, und das Mittel dazu, die nämliche Verbindung der nämlichen Vorstel-
lungen in der Seele des Hörenden zu erzeugen.
(Hermann Paul, 1880)
Ein Satz ist eine grammatisch geformte kleinste Redeeinheit, die ihren Inhalt im Hinblick
auf sein Verhältnis zur Wirklichkeit zum Ausdruck bringt.
(John Ries, 1933)
Als kleinste relativ selbständige Redeeinheit erscheint der Satz. In einem abge-
schlossenen Sprech- (oder Schreib-)Akt des Sprechers für einen Hörer (Leser) geprägt
– vermag er ein Geschehen oder Sein als tatsächlich statthabend oder stattgehabt,
möglich, erwünscht, nötig oder fraglich zu bezeichnen, je nach dem Erfordernis der
Sprech-(Schreib-)Situation, auf die er zugeschnitten ist. (JOHANNES ERBEN, 1961)
Der Satz ist eine Sinneinheit innerhalb eines größeren Gedankenzusammenhangs;
Der Satz ist eine Spannungseinheit, innerhalb welcher Zwischenspannungen auftreten
können;
Der Satz ist eine durch Atemdruck bewirkte, durch einen bestimmten Tonablauf zu-
sammengehaltene Klangeinheit, die durch verschieden lange Sprechakte gegliedert
wird;
Der Satz ist eine durch das Verb gestaltete, grammatisch gegliederte Einheit.
(Walter Jung, 1965: 1f.)
Sätze sind sprachliche Einheiten, die relativ selbständig und abgeschlossen sind. Sie
bauen sich aus kleineren sprachlichen Einheiten auf, die ihrerseits auch schon einen
gewissen Selbständigkeitsgrad haben, aus Wörtern und gegliederten Wortgruppen; und
sie erscheinen normalerweise in größeren selbständigen und abgeschlossenen sprach-
lichen Einheiten, in Texten.
40 Grammatik
(Dudengrammatik 1995: 590)
Die Einheit des stimmlichen Hinsetzens, das in einem Atemzug hervorgebrachte Ge-
bilde, das nennen wir Satz. Der Satz ist die kleinste Atemeinheit der normal fließenden
Rede. (HANS GLINZ ,1962: 71 f.)
Der Satz kann … definiert werden als sprachliches Konstrukt, das
• ein finites Verb enthält,
• kein Element enthält, das ihn anderen Elementen unterordnet, somit (mindestens
potentiell) autonom ist und
• sich in besonderer Weise zur Verdeutlichung von Sprechakten eignet.
(Ulrich Engel 1996: 180)
Äußerungen wie
Aus.
Schade!
Den Hammer, bitte.
Eine Enttäuschend, dieser Sommer.
sind daher keine Sätze im Sinne der Satzdefinition von U. Engel.
Man kann den Satz auf Grund seines Inhaltes, seiner Funktion, seiner Rolle in
der Rede und seiner grammatischen Form bestimmen.
Hermann PAUL definiert den Satz auf einer psychologischen Basis, die den
vorherrschenden theoretischen Grundpositionen in der Linguistik um die Jahr-
hundertwende entspricht. Die Definition von Ries hebt den pragmatischen
Aspekt des Satzes hervor: die Thematisierung des Wahrheitskriteriums und das
Verhältnis zur Wirklichkeit. Die Definitionen von Walter JUNG und der DUDEN-
GRAMMATIK sind allgemein, sie heben keine kennzeichnenden Aspekte hervor.
Die Definition von Ulrich ENGEL entspricht der strukturellen Sprachauffassung,
die insbesondere in der dependentiellen Grammatik angewandt wird.
Die Definition von Hans GLINZ bezieht suprasegmentale (prosodische, arti-
kulatorische) Fakten ein.
All die genannten Definitionen heben bestimmte Seiten, Merkmale des
Satzes hervor. Zu einem allgemeinen Satzverständnis muss man aber mehrere
Seiten des Satzes berücksichtigen. Zunächst müssen wir zwischen dem Satz als
abstrakter Einheit und der Äußerung als konkretem kommunikativem Ereignis
unterscheiden. Die konkrete Realisierungsform des Satzes ist die Äußerung.
Der Satz kann auf mehreren Ebenen des Sprachsystems untersucht werden.
• Der Satz hat einen bestimmten grammatischen Bau. Er ist eine gramma-
tisch-strukturelle Einheit, die nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten aufge-
baut ist. Der Satz im Deutschen ist „dadurch charakterisiert, dass er zwei-
gliedrig, nominativisch und verbal ist.” (ADMONI, 1972: 225) Die
traditionelle Syntax spricht in diesem Sinne von einer Binarität des Satzes.
Syntax 41
Dies äußert sich u.a. in der Kongruenz von Subjekt und Prädikat in Person
und Numerus. Ein zweites Merkmal des deutschen Satzes ist die relativ fes-
te Stellung des finiten Verbs und der den prädikativen Rahmen
schließenden Satzglieder.
• Der Satz ist eine relativ abgeschlossene Redeeinheit.
• In der gesprochenen Sprache ist der Satz durch seine Stimmführung als re-
lativ abgeschlossen gekennzeichnet.
• Der Satz ist schließlich eine graphische Einheit. Dies äußert sich in der
Großschreibung des ersten Wortes im Satz sowie in den Schlusszeichen
(Punkt, Ausrufezeichen). Die Teilsätze werden voneinander ebenfalls durch
orthographische Zeichen (Komma, Semikolon, Gedankenstrich, Doppel-
punkt) getrennt.
1.1.2 Satzformen
Satzformen können traditionell nach unterschiedlichen Kriterien bestimmt
werden wie etwa nach der Anzahl der prädikativen Einheiten (Subjekt und
Prädikat) und nach den syntaktischen Beziehungen zwischen ihnen.
Der einfache Satz enthält nur eine prädikative Einheit:
Die Kinder spielen den ganzen Tag im Garten.
Der zusammengesetzte Satz enthält zwei oder mehrere prädikative Einheiten.
Aufgrund der syntaktischen Beziehungen unterscheidet man zwei Arten von
zusammengesetzten Sätzen: Satzverbindung und Satzgefüge.
Die Satzverbindung besteht aus zwei oder mehreren koordinierten (neben-
geordneten) Sätzen, z.B.:
Die Mutter kocht, der Vater liest die Zeitung.
Die Mutter kocht, der Vater liest die Zeitung, denn er hat schon staubgesaugt.
Das Satzgefüge besteht aus einem Hauptsatz und einem oder mehreren Neben-
sätzen. Der Nebensatz ist vom Hauptsatz abhängig.
Die Nebensätze können wir klassifizieren
a) nach ihrem Satzgliedwert
b) nach ihrer Einleitung
c) nach ihrer Stellung in Bezug auf den Hauptsatz
d) nach dem Grad ihrer Abhängigkeit vom Hauptsatz
a) Nach seinem Satzgliedwert kann der Nebensatz auftreten als
• Satzglied (Gliedsatz), und zwar als Subjekt, Objekt oder Adverbialbestim-
mung: Subjekt
Objekt
Hauptsatz
42 Grammatik
Es ist sicher, dass er schon da ist.
Er fragte, ob das noch einmal gemacht werden soll.
Als ich gestern etwas Zeit hatte, las ich ein Buch. Temporalbestimmun
g
• als Satzgliedteil (Gliedteilsatz / Attributsatz):
Sein Vater, in dessen Haus ich die Ferien verbracht habe, ist Rentner.
Sein Doktorvater, auf den er sich in seiner Dissertation beruft, ist ein anerkannter Wissen-
schaftler.
b) Je nachdem, ob Nebensätze durch Konjunktionen, Pronomen oder Adverbi-
en eingeleitet werden oder nicht, unterscheidet man:
• eingeleitete Nebensätze. In den eingeleiteten Nebensätzen stehen die finiten
Verbformen am Ende des Satzes:
Es freut mich, dass du endlich gekommen bist.
Ich weiß nicht genau, wann sie gekommen ist.
• uneingeleitete Nebensätze. Die Struktur der uneingeleiteten Nebensätze
entspricht der eines einfachen Satzes:
Es ist klar, du musst es anders machen.
Sie sagte mir, wir können heute ins Kino gehen.
c) Nach ihrer Stellung in Bezug auf den Hauptsatz unterscheidet man:
• Vordersätze
Wenn du kommst, gehen wir ins Kino.
• Zwischensätze
Der Roman, der auf dem Tisch liegt, ist ein Bestseller.
• Nachsätze Hauptsatz Nebensatz II
Ich weiß, dass er krank ist.
Nebensatz I
d) Man unterscheidet Nebensätze 1., 2., 3. usw. Grades.
Das Gelöbnis, sich in ferner Zukunft zu bessern, wie die Forscher
es den Teilnehmerstaaten empfehlen, würde da nicht mehr viel helfen.
(Die Zeit 44/1995: 23)
Neben den herkömmlichen einfachen und zusammengesetzten Sätzen gibt es
eine Reihe von Sonderformen. Die wichtigsten sind folgende:
Syntax 43
1.1.3 Die Ellipse
Ellipse (griechisch elleipein »mangeln«, »fehlen«) ist Ersparung von Redetei-
len. Es bedeutet, dass im Satz Elemente ausgeschlossen werden, die zum Ver-
ständnis nicht unbedingt notwendig sind, die sich aus dem Text- oder Situa-
tionskontext ergeben. Die Ursachen solcher Auslassungen sind meist sprach-
ökonomische Gründe.
Wir wollen morgen nach Wien (fahren).
(Ich) Habe Lust zu denken und (ich) denke an Lust. (Inserat)
1.1.4 Die Parenthese
Unter Parenthese (auch Einschaltung, Schaltsatz) versteht man den Einschub
eines Redeteils (Wortes, Satzes oder einer Wortgruppe) in eine syntaktische
Konstruktion. Das eingefügte Element steht in unterschiedlichen Beziehungen
zum Satz, in den es eingebettet ist. Die wichtigsten Arten sind folgende:
• Angabe des Autors oder der Quelle:
Gegen fast 10000 Sparer, so berichtet der Düsseldorfer Staatsanwalt J.R., bestehe ein ge-
wisser … (Die Zeit 44/1995: 23)
• Hervorhebung aus einer Menge:
Man hätte also vermuten dürfen, dass die Verleihung eines Fernsehpreises – und dann
auch noch eines bayerischen und dann auch noch von RTL übertragen – als pure Gaudi
über dem Schirm flimmert, … (Die Zeit 44/1995: 72)
• Ausdruck einer Wertung oder Stellungnahme des Sprechers/Schreibers:
Heute hat sie (= die Kritik), sofern es sie noch gibt, zu einem ironischen Ton gefunden.
(Die Zeit 44/1995: 72)
1.1.5 Strukturtypen des Satzes
Die Sätze kann man nach der Stellung des finiten Verbs einem bestimmten
Strukturtyp zuordnen. Die traditionelle Syntax unterscheidet drei Typen:
• Kernsatz (Zweitstellung der finiten Verbform)
Vorfeld finites Verb Nachfeld
Wir fahren nach Wien.
Wir sind nach Wien gefahren.
44 Grammatik
Das finite Verb steht an zweiter Stelle. Der Satzbereich vor dem finiten Verb
wird Vorfeld, jener danach Nachfeld genannt.
• Stirnsatz (Erststellung des finiten Verbs)
finites Verb
Fährst du mit nach Wien?
Wirst du mit nach Wien fahren?
In Sätzen mit Stirnform steht das finite Verb an der Spitze des Satzes. Dies
kommt insbesondere in direkten und indirekten Fragesätzen (und zwar Ent-
scheidungsfragen), in Ausrufesätzen (Bliebe er mir doch vom Leibe!) sowie in
uneingeleiteten Konditionalsätzen (Ist das Wetter schön, gehen wir ins
Schwimmbad.) vor.
• Spannsatz (Endstellung des finiten Verbs)
finites Verb
, weil du nicht mitgekommen bist.
, dass er nicht mitkommen konnte.
In der Spannform steht das finite Verb am Satzende. Sätze der Spannform
werden mit einem Einleitewort begonnen, das den Spannungsbogen bis zum
Ende des Satzes aufrechterhält. Diese Satzform kommt hauptsächlich in Ne-
bensätzen vor.
Eine andere Form des Spannsatzes bilden zweiteilige Verben, z.B. Verben
mit trennbarer Vorsilbe, Funktionsverbgefüge u.a. und zusammengesetzte
Tempusformen. Mit diesem Strukturtyp sind folgende Satzarten verbunden:
• Aussagesatz
Romeo lernte Julia kennen.
Ich habe die Zeitung gelesen.
Er pflegt jeden Abend spazieren zu gehen.
1.1.6 Satzintonation
Satzintonation bezeichnet die melodische Gestaltung einer Äußerung auf der
Grundlage der jeweiligen Akzentuierungssilbe(n) unter einem bestimmten
kommunikativen Aspekt, z.B. Aussage, Aufforderung, Frage. Zur Satzintonati-
on gehören alle prosodischen Elemente, die den Satz formen. Es sind folgende
Elemente: Akzent, Rhythmik, Pausen, Sprechtempo und Tonhöhenverlauf.
Syntax 45
Man kann u.a. folgende Typen der Satzintonation unterscheiden:
• Terminale oder fallende Satzintonation/Satzmelodie
• Progrediente oder weiterführende Satzmelodie
• Interrogative oder fragende Satzintonation
Die terminale oder fallende Intonation kommt vor als:
∗ Aussage: Es schneit.
∗ Ausruf: Gestehe!
∗ Aufforderung: Geh an die Arbeit!
∗ Anrede: Verehrte Anwesende!
∗ Ergänzungsfrage: Wer war das?
∗ Alternativfrage: Willst du, oder willst du nicht?
Progrediente oder weiterführende Intonation kommt vor als:
∗ Satzteil oder Vordersatz: Als es Abend war, ...
Ich habe getan, wie mir befohlen war.
∗ Alternativfrage: Trinken Sie lieber Bier oder Wein?
∗ Rhetorische Bildung: Die Sonne scheint.
Die Vögel singen.
Die interrogative oder fragende Intonation ist typisch für:
∗ Entscheidungsfragen: Kennen Sie die Dame?
Kommen Sie?
∗ Ergänzungsfragen + Nachfragen: Wie viel kostet es?
1.1.7 Satzarten
Satzarten werden nach der kommunikativen Funktion des Satzes ermittelt. Man
kann eigentlich zwei Gruppen von Satzarten unterscheiden: Sätze, in denen le-
diglich etwas mitgeteilt wird, und Sätze, mit denen „der Angesprochene zur
Verwirklichung eines Sachverhaltes veranlasst“ (LÜHR 1996: 19) wird. Zum
ersten Typ gehört der Aussagesatz, zum zweiten gehören der Aufforderungs-
und der Fragesatz.
Im Folgenden wollen wir folgende fünf Satzarten behandeln:
• Aussagesatz
• Fragesatz
• Aufforderungssatz
• Wunschsatz
46 Grammatik
• Ausrufesatz
Aussagesatz
Der Aussagesatz ist die neutrale Form des Satzes. Das finite Verb steht daher
häufig an zweiter Stelle. Im Aussagesatz wird in der Regel dem Kommunika-
tionspartner etwas mitgeteilt.
Wir gehen heute ins Kino.
Dieser Junge ist mein Freund.
Eine besondere Untergruppe von Aussagesätzen bilden
(1) einfache Konditionalsätze
(2) indirekte Rede.
Die Grundstruktur des Aussagesatzes ist:
Fragesatz
Zweitstellung + Indikativ + terminale (fallende) Intonation
des finiten Verbs
In Fragesätzen fordert der Sprecher im Allgemeinen seinen Gesprächspartner
auf, ihm zum gefragten Sachverhalt weitere Informationen zu liefern. „Frage-
sätze sind also Aufforderungen bestimmter Art, die im Unterschied zu den
eigentlichen Aufforderungssätzen aber nicht auf aktionale Reaktion, sondern
auf verbale Reaktion gerichtet sind.” (HELBIG/BUSCHA 1994: 611) Es gibt zwei
Formen des Fragesatzes: die Ergänzungsfrage oder Wortfrage und die Ent-
scheidungsfrage oder Satzfrage.
Mit Entscheidungsfragen oder Satzfragen fragt man nach der Existenz
eines Sachverhaltes. Die Antwort lautet immer ja oder nein.
Hast du den neuesten Roman von Peter Handke gelesen?
• Ja,( ich habe ihn gelesen).
• Nein, (ich habe ihn nicht gelesen).
Die Grundstruktur dieses Fragesatzes ist:
finites Verb + Indikativ + steigende Intonation
(Konjunktiv)
Mit Ergänzungsfragen oder Wortfragen fragt man nach etwas Unbekanntem.
Wer hat dich gestern besucht?
Syntax 47
• Hans (hat mich gestern besucht).
Es gibt einige Sonderformen von Ergänzungsfragen:
Vergewisserungsfragen. Hier erwartet man eine bestätigende Antwort.
Du kommst heute doch ins Kino mit?
• Ja, (ich komme mit).
Vergewisserungsfragen sind manchmal Ergänzungsfragen mit Spitzenstellung
des finiten Verbs und einer unbetonten Negationspartikel.
Kommen Sie nicht aus Passau? (Sie kommen doch aus Passau?)
Alternativfragen bestehen gewöhnlich aus zwei Entscheidungsfragen und der
Konjunktion oder.
Gehen wir oder fahren wir?
Liest du ein Buch oder (liest du) eine Zeitung?
Rhetorische Fragen. Der Fragesatz enthält meist die Antwort in sich.
Habe ich das damals nicht behauptet?
Die Fragewörter sind Pronomina (a) oder Adverbien (b):
a) Personen oder Nicht-Personen werden durch Interrogativpronomen (wer?,
was?) oder Adverbien erfragt:
Wer kommt heute mit? – Der Nachbar kommt mit. (Person)
Was machst du heute? (Nicht-Person)
Zu wem geht ihr heute? – Wir gehen zum Nachbarn. (Person)
Wozu ist es geeignet? – Es ist zum Schreiben geeignet. (Nicht-Person)
Die Grundstruktur dieses Fragesatzes ist:
Fragepronomen Indikativ fallende Intonation
+ +
Frageadverb Konjunktiv
Aufforderungssatz
Im Aufforderungssatz wird der Kommunikationspartner zu einer Handlung ver-
anlasst. Die typische Form der Aufforderung ist der Imperativsatz. In diesem
Satz steht das finite Verb am Satzanfang.
Hör doch mal auf mit dem Quatsch!
48 Grammatik
In der vertraulichen Redeform wird das Subjekt gewöhnlich eliminiert. Das
Subjekt wird nur dann genannt, wenn “es aus einer größeren Gruppe hervorge-
hoben werden soll. Bei der Höflichkeitsform ist dagegen das Subjekt im aktu-
ellen Satz obligatorisch.” (HELBIG/BUSCHA 1994: 614)
Bring mir das Buch! (vertrauliche Form, 2. Person Singular)
Bring du mir das Buch! (vertrauliche Form, 2. Person Singular, mit Hervorhe-
bung)
Bringt mir das Buch! (vertrauliche Form, 2. Person Plural)
Bringt ihr mir das Buch! (vertrauliche Form, 2. Person Plural, mit Hervorhebung)
Bringen Sie mir das Buch! (Höflichkeitsform)
Anmerkung: Wird die Aufforderung an eine Gruppe gerichtet, in die sich der Spre-
cher/Schreiber einbezieht, wird die 1. Person Plural verwendet. Diese Form ist mit
dem Konjunktiv Präsens identisch. Das Subjekt ist in dieser Form obligatorisch.
Gehen wir endlich nach Hause!
Seien wir vorsichtig!
Für den Imperativ gibt es einige Konkurrenzformen. Die wichtigsten sind
folgende:
• Fragesätze
Könnten Sie mir sagen, wie spät es ist? (= Sagen Sie mir bitte, wie spät es ist!)
Wann hörst du endlich mit dem Unsinn auf? (= Hör endlich mit dem Unsinn auf!)
• Aussagesätze (im Präsens und im Futur)
Du schreibst jetzt die Aufgabe!
Du wirst jetzt schweigen!
• Verwendung von Modalverben oder einigen Vollverben
Du musst ihm antworten. (Antworte ihm!)
Ich bitte dich, antworte ihm.
Wir brauchen deine Unterstützung. (Unterstütze uns!)
• Sätze mit Konjunktiv Präsens + Indefinitpronomen man
Man verwende dazu einen Öffner! (Verwenden Sie dazu einen Öffner!)
Man nehme den Hörer ab! (= Nehmen Sie den Hörer ab!)
• Isolierte Nebensätze
Wenn Sie mir mal diese Frage beantworten würden!
Dass du mir gut aufpasst!
Wenn Sie bitte einen Moment warten wollen!
(Vgl. Helbig/Buscha 1994: 615)
Syntax 49
Wunschsatz
Im Unterschied zum Aufforderungssatz drückt der Wunschsatz keine direkte
Aufforderung aus, sondern bringt zum Ausdruck, dass der Sprecher wünscht,
dass etwas von seinem Willen Unabhängiges realisiert oder nicht realisiert
wird. Der Wunschsatz kann ausdrücken:
• erfüllbaren Wunsch
• irrealen, nicht erfüllbaren Wunsch
Die Grundschemen des Wunschsatzes sind:
es + Konjunktiv Präsens mit fallender Intonation
für den erfüllbaren Wunsch:
Es lebe unser Präsident!
für den irrealen Wunsch:
wenn
doch Konjunktiv + fallende Intonation
Wenn doch mein Freund käme! Keby prišiel môj priateľ!
Wenn ich dir doch nur helfen könnte! Keby som ti mohol pomôcť!
Wenn er doch (nur) nichts gesagt hätte! Keby nebol nič povedal!
Käme doch mein Freund!
Könnte er doch nur helfen!
Hätte er doch (nur) nichts gesagt!
Ausrufesatz
Ausrufesätze drücken die subjektive Einstellung des Sprechers zu einem Sach-
verhalt aus. Die emotionale Bewegung (Begeisterung, Bewunderung u.a.) be-
zieht sich auf einen meist durch ein Adjektiv oder Adverb repräsentierten Sach-
verhalt. Die syntaktische Struktur des Ausrufesatzes entspricht
• einem Aussagesatz (mit den Partikeln aber, vielleicht)
Du hast es aber schön eingerichtet!
• einem Aussagesatz mit dem Qualitätsausdruck in Spitzenstellung
Schön ist das Wetter heute!
50 Grammatik
• einem Fragesatz (Entscheidungsfrage mit fallender Intonation oder
Ergänzungsfrage mit wie; beide können kombiniert werden mit Partikeln
wie aber, doch, nur.
Bin ich heute (aber) müde!
Wie müde bin ich heute!
• Am Ende des Ausrufesatzes steht das Ausrufezeichen (!). Im Slowakischen
steht manchmal das Ausrufezeichen mit dem Fragezeichen kombiniert (?!).
Habt ihr schon jemals einen besseren Wein getrunken! Či ste už pili niekedy lepšie
víno!?
Wortgruppen und Satzglieder
Unter einer Wortgruppe (Phrase) verstehen wir ein mehrwortiges Satzglied
oder Satzgliedteil. Sie ist eine „hierarchische Verbindung zweier oder mehrerer
syntaktisch und semantisch aufeinander bezogener Wörter, die als Ganzes nicht
dem Lexikon der Sprache angehört und ein Satzglied oder einen Satzgliedteil
bildet.” (W. JUNG 1988: 64) Zwischen den Elementen einer Wortgruppe gibt es
die Beziehung der Subordination. Koordinierende Verbindungen gleicher
Satzglieder oder Satzgliedteile sind keine Wortgruppe. Z.B.:
ein neues, interessantes Buch
Ich habe vor, in die Stadt zu gehen.
Nicht als Wortgruppen betrachtet werden Verbindungen eines Autoseman-
tikons mit einem grammatischen Hilfselement (Artikel, Hilfs- oder Modalverb
u.a.):
Artikel + Substantiv: der Kranke, ein Mensch
Temporales Hilfsverb + Vollverb (Ich) werde kommen. (Es) wird gemacht.
Hilfswort + Adjektiv: am besten, zu spät
Nach der Wortart des dominierenden Wortes kann man folgende Wortgruppen
unterscheiden:
• Verbale Wortgruppen
• Substantivgruppen
• Adjektivgruppen
• Adverbgruppen
1.1.8 Verbale Wortgruppen
Verbale Wortgruppen unterscheiden sich von einem Satz, obwohl sie implizit
eine Subjekt-Prädikat-Beziehung enthalten, “durch das Fehlen der Satzglieder
Syntax 51
Subjekt und Prädikat und damit durch das Fehlen der aktuellen Prädikation.”
(SOMMERFELDT/STARKE 1992: 186) Aus dem oben erwähnten Grund werden sie
nicht zu den Sätzen, sondern zu den satzwertigen Wortgruppen gerechnet.
Den Kern der verbalen Wortgruppen bilden infinite Verbformen, also der In-
finitiv oder das Partizip. Man kann unterscheiden:
• Infinitivgruppe oder Infinitivkonstruktion, satzwertigen Infinitiv
• Partizipialgruppe oder satzwertiges Partizip
Die Infinitiv- und die Partizipialgruppe können für jedes Satzglied oder jeden
Gliedsatz stehen:
als Subjekt
Irren ist menschlich. Pünktlich zu kommen ist ratsam.
Dieses Medikament regelmäßig einzunehmen ist notwendig.
als Objekt
Der Arzt bittet den Patienten, nächste Woche wiederzukommen.
Ich verspreche, das Formular sofort auszufüllen.
als Adverbialbestimmung
Er litt, ohne zu klagen.
Ich gehe ins Geschäft, um Wein und Bier zu kaufen.
als Attribut
Er gab die Hoffnung, sie wieder zu sehen, nicht auf. (W. Jung 1971: 47)
Die Verpflichtung, den Schwächeren zu helfen, wurde erfüllt. (Sommerfeldt/Starke 1992:
188)
der das Buch lesende Junge (= Der Junge liest das Buch.)
Man unterscheidet Infinitivgruppen mit und ohne Konjunktionen. Eine Infini-
tivgruppe ohne Konjunktionen gibt häufig an:
• den Inhalt von Mitteilungen, Beschlüssen, Versicherungen, Gedanken:
Der Kollege versprach, einen kurzen Bericht zu schreiben.
• Inhalte von Aufforderungen:
Der Rektor hat uns aufgefordert, eine wissenschaftliche Tagung zu veranstalten.
• Bereitschaft, Fähigkeit des im Hauptsatz genannten Subjektes:
Der Präsident bekundete kürzlich seine Bereitschaft, den Nachbarstaat zu besuchen.
(Sommerfeldt/Starke 1992: 190)
52 Grammatik
• Emotionale Beteiligung des Menschen:
Die Fans waren außer sich, am Konzert des berühmten Popsängers teilnehmen zu können.
Infinitivgruppen können durch die Konjunktionen um (zu), ohne (zu), anstatt
(zu) eingeleitet werden. Die Infinitivgruppen mit den erwähnten Konjunktionen
stehen in folgenden semantischen Beziehungen zum Hauptsatz:
• Angabe des Zwecks im Rahmen einer Grund-Folge-Relation:
Um hier neue Möglichkeiten zu erproben und vorzuführen, baute die Firma Wohnungen für
Arbeiter.
• Angabe der Folge (nicht im Rahmen einer Grund-Folge-Relation):
Nach Aussagen von Ärzten genügen einige wenige Tabletten, um den Schmerz zu lindern.
• Ausdruck der Stellungnahme des Sprechers oder Senders:
Die Leistung der Mannschaft war heute, um es zurückhaltend zu sagen, wenig überzeugend.
(Vgl. SOMMERFELDT 1982: 161, SOMMERFELDT/STARKE 1992: 191)
Die Infinitivgruppe kann einen dass-Satz ersetzen, und zwar den:
• Subjektsatz:
Es ist wichtig, dass wir an der Tagung teilnehmen.
an der Tagung teilzunehmen.
• Objektsatz:
Der Dozent verlangt von den Studenten, dass sie Goethes Faust lesen.
Goethes Faust zu lesen.
• Attributsatz:
Wir haben die Möglichkeit, dass wir in Wien studieren.
in Wien zu studieren.
Die Infinitivgruppen mit ohne zu und statt zu haben im Slowakischen keine
Infinitiv-Entsprechungen. Sie werden daher als Nebensätze oder substan-
tivische Wortgruppen wiedergegeben. Vgl.:
Er ging an mir vorbei, ohne mich erkannt zu haben. Išiel okolo mňa, a (ale) ma ne-
spoznal.
Statt zu lernen, ging er ins Kino. Namiesto toho, aby sa učil, išiel do kina.
Syntax 53
1.1.9 Substantivgruppen
Nominale Wortgruppen, speziell substantivische Wortgruppen als Mittel der
Verdichtung, ermöglichen einen ökonomischen, komprimierten und rationalen
Ausdruck der Gedanken. Substantivgruppen ermöglichen es, ganze Satzinhalte
auszudrücken:
Es ist wichtig, diesen Auftrag auszuführen.
→ Die Ausführung des Auftrages ist wichtig.
Der Direktor überreichte den Abiturienten die Zeugnisse. Danach begann das gesellige
Beisammensein.
→ Nach der Überreichung der Zeugnisse durch den Direktor an die Abiturienten begann
das gesellige Beisammensein.
(Vgl. Sommerfeldt/Starke 1992: 193)
Nominale Wortgruppen, insbesondere Substantivgruppen, werden haupt-
sächlich in den Funktionalstilen der Wissenschaft und der Publizistik ge-
braucht. Immer häufiger werden deverbale und deadjektivische Substantive, die
Attribute fordern, verwendet. Damit steigt auch der Bedarf an genitivischen
und präpositionalen Attributen. Der Genitiv wird häufig durch präpositionale
Wortgruppen mit der Präposition von ersetzt.
Die Struktur der Substantivgruppe
Innerhalb der substantivischen Wortgruppe kann man folgende strukturelle
Felder unterscheiden:
Vorfeld Kern Nachfeld
Den nominalen Rahmen eröffnet gewöhnlich ein Artikel, Präpositionen oder
Pronomen, diesen folgt ein Attribut oder mehrere Attribute. Geschlossen wird
die Substantivgruppe durch den substantivischen Kern.
der auf den Professor wartende Student študent čakajúci na profesora
mit vielen neuen und schwierigen Problemen
mein neues, schnelles Auto
Zwischen den Attributen einer Substantivgruppe bestehen koordinierende oder
subordinierende Beziehungen.
• Koordination:
(eine) große, gemütliche Wohnung
54 Grammatik
• Subordination:
(das) neue karierte Hemd
Unterschiede zwischen den beiden werden nach einer Kernsatztransformation
sichtbar:
→ Die Wohnung ist groß und gemütlich.
→ Das karierte Hemd ist neu.
Für den Stellungstyp gibt es einige Regularitäten:
Die mit dem Kern eng verbundenen Attribute stehen dicht bei ihm. Es gibt hier
folgende feste Reihenfolge:
Vorfeld: Adverb – Pronomen – Genitiv – Adjektiv/Partizip – enge Apposition
meine neue Freundin
unsere zwei wichtigen Problemkreise
das häufige Zuspätkommen des Mädchens zum Unterricht
Nachfeld: Numerale – enge Apposition – Substantiv im Genitiv – Substantiv
mit Präposition – Adverb – isolierte Attribute: Infinitiv- und Partizi-
pialgruppen, nachgestellte Adjektive, lockere Apposition, Gliedteil-
satz
die ausführliche Behandlung der Klassiker im Literaturunterricht
die Überreichung der Urkunden an die Promovenden, eine sehr feierliche Handlung
der Anzug im Schaufenster dort, der mir sehr gefällt
die zwei kleinen Kinder des Bäckers aus Buchholz, die sich in der Stadt verlaufen hatten
(Vgl. SOMMERFELDT/STARKE 1992: 195 f., SCHANEN 1995)
Wenn in der Substantivgruppe mehrere Adjektive vorkommen, staffeln sie sich
von vorne nach hinten in dieser Reihenfolge:
1. quantitative Adjektive: zwei, fünf; manche, viele; der fünfte
2. situative Adjektive: heutig, damalig, hiesig
3. qualitative Adjektive: groß, klein; grün, farbig
4. kategoriale Adjektive (vor allem solche, die Herkunft, Bereich, Schöpfer
u.a. bezeichnen und attributiv gebraucht werden): eisern, sächsisch, Schil-
lersch
1 3 4
viele gelungene linguistische Tagungen
Syntax 55
1 2 3
manche damalige prachtvolle Kleider
Bei mehreren aufeinander folgenden attributiven Adjektiven ist auf die Kom-
masetzung zu achten. Das Komma zeigt an, dass sich die entsprechenden At-
tribute auf das folgende Substantiv beziehen und dass es zwischen ihnen eine
koordinative Beziehung besteht. Vgl.
Maximilian Schell ist ein großer, bekannter Schauspieler.
Die Adjektive groß und bekannt beziehen sich auf das Substantiv Schauspieler.
Beide Adjektive sind einander nebengeordnet, daher muss zwischen den beiden
ein Komma stehen.
Schauspieler
groß + bekannt
Im folgenden Satz handelt es sich dagegen um Attribute verschiedenen Grades.
Maximilian Schell ist ein bekannter deutscher Schauspieler.
Schauspieler
deutscher
bekannter
Es handelt sich hier um Adjektive verschiedenen Grades. Das Adjektiv deutsch
bezieht sich auf das Substantiv und bildet mit ihm einen Gesamtbegriff, das
Adjektiv bekannt auf die Verbindung deutscher Dichter. Zu solchem Gesamt-
begriff mit dem Substantiv verbinden sich hauptsächlich Herkunfts-, Zugehö-
rigkeitsadjektive sowie qualitative Adjektive wie alt, jung und Farb- und Stoff-
bezeichnungen. Diese Verbindungen kann man mit der Konjunktion und nicht
immer sinnvoll verbinden:
das neue städtische Krankenhaus
* das neue und städtische Krankenhaus
guter italienischer Wein
* guter und italienischer Wein
56 Grammatik
1.1.10 Adjektivgruppen
Den Kern der Adjektivgruppe bildet ein Adjektiv, von dem syntaktisch sub-
ordinierte Wörter oder Wortgruppen abhängig sind. Als Erweiterungen von
Adjektiven treten folgende sprachliche Elemente auf:
• Substantive
∗ im Genitiv: der des Wartens müde Kollege
∗ im Dativ: das dem Freund teure Geschenk
∗ im Akkusativ: das einen Meter lange Flügel
∗ mit Präposition: der auf seine Leistung stolze Sportler
• Adjektive: ein speziell kulturhistorisches Phänomen
• Adverbien: die bisher planmäßige Abwicklung
• Infinite Verbformen: der Erfinder, würdig, ausgezeichnet zu werden
• Nebensatz der Erfinder, würdig, dass er ausgezeichnet wird
(Vgl. SOMMERFELDT/STARKE 1992: 202)
Bei Adjektiven kann man valenzgebundene, notwendige (Ergänzungen) und
nicht valenzgebundene Glieder (Angaben) unterscheiden. Dabei gelten im All-
gemeinen folgende Regeln:
• Substantivische Erweiterungen sind überwiegend Ergänzungen:
Das Schiff ist zum Ausladen bereit.
Das Geschenk ist dem Jungen teuer.
Der Lehrer ist des Spanischen mächtig.
Das Paket ist zwei Kilo schwer.
• Substantivische Erweiterungen sind nur in seltenen Fällen Angaben:
eine letzten Endes rhetorische Frage
Adjektive und Adverbien sind vorwiegend freie Erweiterungen (Angaben).
1.2 Die Satzglieder
Der Ursprung der traditionellen Grammatik ist in der griechisch-römischen An-
tike. Aus der Tradition der Logik des Aristoteles und der lateinischen Gramma-
tik entwickelte sich von dem 18. Jahrhundert an die heutige Schulgrammatik.
Die traditionelle Satzgliedlehre stammt von dem deutschen Linguisten Karl
Ferdinand BECKER (1775–1854).
Die Satzglieder haben einige wesentliche Merkmale. Die wichtigsten sind:
Syntax 57
• Der Umfang der Satzglieder entspricht nicht immer dem Umfang eines
Wortes. Es kann aus einem oder mehreren Wörtern bestehen.
• Satzglieder sind syntaktische Relationen im Satz. Außerhalb syntaktischer
Beziehungen können Satzglieder nicht aufgezählt werden.
Man kann primäre und sekundäre Satzglieder unterscheiden. Primäre Satzglie-
der sind solche, die vom Prädikat des Satzes bestimmt sind. Sie sind Bestand-
teile der Grundstruktur.
• das Subjekt
• das Prädikat
• das Objekt
• die Adverbialbestimmungen
Die sekundären Satzglieder sind nicht vom Prädikat des Satzes determiniert,
sondern von einer anderen Grundstruktur ableitbar. Sekundäre Glieder können
entweder vom ganzen Satz (außer den Attributen) oder von einzelnen Gliedern
des Satzes abhängig sein. G. HELBIG und J. BUSCHA unterscheiden folgende se-
kundäre Satzglieder:
• sekundäre Satzglieder zum Satz und
• sekundäre Satzglieder zu einzelnen Gliedern
1.2.1 Zur Form der Satzglieder
„Alle Satzglieder und Satzgliedteile (Attribute) – mit Ausnahme des Prädikats
– können in folgenden drei Formen vorkommen: Einzelwort, Wortgruppe,
Nebensatz.“ (SOMMERFELDT/STARKE 1988: 257) Diese drei Formen demonstrieren
die Verfasser am Beispiel des Subjekts und des Objekts.
Subjekt
Nebensatz: Wer den Schaden hat
Einzelwort: Der Geschädigte braucht für den Spott nicht zu
sorgen.
Wort- Der vom Schaden Betroffene
gruppe:
Der vom Pech Verfolgte
Objekt
Einzelwort den Rückzug
Der Offizier befahl
Wortgruppe , sich vor dem Angreifer zurückzu-
ziehen.
Nebensatz , die Truppe solle sich zurückziehen.
58 Grammatik
[Link] Das Subjekt
Die Abhängigkeitsstruktur des Subjekts ist folgende:
Der Student liest ein Buch.
dependentiell: traditionell:
liest Der Student liest
der Student ein Buch ein Buch
Das Subjekt eines Satzes steht im Nominativ und wird durch die Frage wer?
oder was? gefunden. Morphologisch wird das Subjekt entweder durch eine No-
minalgruppe oder durch einen Stellvertreter der Nominalgruppe (Personalpro-
nomen, man) ausgedrückt. Infinitivkonstruktionen kommen manchmal auch als
Subjekt vor. Außerdem kann die Funktion des Subjekts durch einen Gliedsatz
erfüllt werden.
Nominalgruppe: Der fleißige Student liest ein Buch.
Pronomen: Er liest ein Buch. Man/jemand hat ihn gesehen.
Subjekt Infinitiv: Rauchen ist ungesund. Irren ist menschlich.
Gliedsatz: Ein Haus zu bauen, hätte ich viel Geld gebraucht.
In passivischer Form wird das Subjekt des aktiven Satzes mit den Präpositionen
von oder durch im entsprechenden Kasus ausgedrückt:
Der Student liest das Buch.
→ Das Buch wird vom Studenten gelesen.
Das Subjekt kann im Satz – in Abhängigkeit vom jeweiligen Prädikat – in
folgenden semantischen Rollen vorkommen:
• Agens (Täter): Der Student liest ein Buch.
• Patiens (Handlungsziel): Der Student bekommt eine Strafe.
• Adressat: Peter bekommt von Hans das Buch.
• Vorgangsträger: Der Ohnmächtige stürzte zu Boden.
• Zustandsträger: Der Besucher steht vor der verschlossenen Tür.
Syntax 59
• Träger einer Eigenschaft: Der Student ist fleißig.
• Instrument: Der Schlüssel öffnet die Tür. (d.h. man öffnet die Tür mit dem Schlüs-
sel.)
• Ort: Die Hauptstraße wimmelte von Menschen.
Im Gegensatz zum Slowakischen ist das Subjekt im Deutschen fast immer ob-
ligatorisch. Auch in solchen Fällen, wo im Slowakischen das Subjekt syn-
taktisch nicht ausgedrückt wird, erscheint es in Form des unpersönlichen Pro-
nomens es:
Es blitzt. Blýska sa.
Es dämmert. Stmieva sa.
Es regnet. Prší.
Es hat gebrannt. Horelo.
Hierher gehört auch die unpersönliche Konstruktion es gibt + Akkusativ.
Es gibt keine bessere Lösung. Niet lepšieho riešenia.
Was gibt’s Neues? Čo je nového?
Das Subjekt kann auch mit dem unbestimmten Pronomen man ausgedrückt
werden. Im Slowakischen wird dieses Pronomen unterschiedlich wiedergege-
ben:
Hier spricht man Deutsch. Tu sa hovorí po nemecky.
Wie sagt man es Deutsch? Ako sa to povie po nemecky.
In manchen Fällen steht ein fakultatives Korrelat (Platzhalter) an Stelle des
Subjekts:
Es hungert mich. Mich hungert. Som hladný.
Ebenso: Mir liegt daran oder Es liegt mir daran; mich dürstet, mich friert, mir graut, mir ist
warm u.a.
In einigen Fällen kommt das unpersönliche Subjekt es zusammen mit dem tat-
sächlichen Subjekt vor:
Es war einmal ein König.
Es leuchten die Sterne. (Die Sterne leuchten.)
Es lebe unsere Freundschaft.
Das Subjekt wird in folgenden Fällen ausgelassen:
a) Im Imperativ der 2. Person Singular und Plural hat der Satz kein Subjekt:
Komm!, Geh!; Kommt!, Geht!
60 Grammatik
b) In einigen Wendungen der öffentlichen Kommunikation:
Danke. Bitte (schön). Achtung. Stillgestanden!
c) Im Passiv bei indirekter Wortfolge:
In diesem Zimmer wird getanzt. aber: Es wird in diesem Zimmer getanzt.
Am Sonntag wird nicht gearbeitet.
aber: Es wird am Sonntag nicht gearbeitet.
d) Im Nebensatz in unpersönlichen Konstruktionen:
Ob er kommt, ist unsicher.
aber: Es ist unsicher, ob er kommt.
[Link] Das Prädikat
Das Prädikat ist die syntaktische Funktion des finiten Verbs. „Das finite Verb
ist dasjenige Satzglied, das eine feste Position im Satz einnimmt und um das
herum im Hauptsatz (Aussagesatz) sich die anderen Satzglieder bewegen.“
[HELBIG/BUSCHA 1994: 536] Man kann seine Position in der Anhängigkeitsstruk-
tur wie folgt darstellen:
Der Student liest ein Buch.
liest
der Student ein Buch
Das Prädikat kann einteilig oder mehrteilig sein. Einteilig ist das einfache
nichtreflexive Prädikat in Präsens und Präteritum Aktiv. Die zusammen-
gesetzten Tempus- und Genusformen bzw. Modus und Modalität (ausgedrückt
durch Modal- oder Modalitätsverben) lassen sich auf einfache Grundformen
zurückführen.
Er hat einen langen Brief geschrieben.
→ Er schreibt einen langen Brief.
Das Prädikat kann aus zwei oder mehreren Teilen bestehen. Die folgenden
Kombinationsmöglichkeiten haben eine wichtige Gemeinsamkeit: Im Prädi-
katskomplex gibt es immer nur e i n e finite Verbform.
Für das Deutsche ist typisch die Prädikatsklammer (auch Rahmenkonstrukti-
on oder verbaler Rahmen genannt). Die Prädikatsklammer tritt auf, wenn das
Prädikat aus mehreren Komponenten besteht.
Der Linguist hat sich mit der neuen Theorie eingehend beschäftigt.
Syntax 61
Prädikatsklammer
Hier können wir unterscheiden:
A. grammatischer Prädikatsteil
Der nicht-finite Prädikatsteil kann durch folgende morphologische Formen re-
präsentiert werden:
a) durch den Infinitiv des Verbs:
Er möchte ins Kino gehen.
<möchte gehen>
er ins Kino
b) durch das Partizip II des Verbs:
Er ist ins Kino gegangen.
<ist gegangen>
er ins Kino
c) durch das Reflexivpronomen sich:
Das Buch liest sich gut.
<liest sich>
das Buch gut
d) Die grammatischen Prädikatsteile können nicht weggelassen werden. Ihre
Eliminierung führt entweder zu ungrammatischen Sätzen oder zur Veränderung
des Satzinhaltes, vgl.:
Wir stellen dir jemanden zur Verfügung.
*Wir stellen dir jemanden
Er ist Lehrer geworden.
↓ Er ist Lehrer.
62 Grammatik
B. lexikalisch-idiomatischer Prädikatsteil
Der nicht-finite Prädikatsteil wird durch lexikalische, phraseologische oder
Wortbildungselemente repräsentiert. Die Abhängigkeitsstruktur des lexikalisch-
idiomatischen Prädikatsteils ist ähnlich wie die des grammatischen Prädikats-
teils.
Der lexikalisch-idiomatische Prädikatsteil kann durch folgende morpholo-
gische Klassen repräsentiert werden:
a) durch eine trennbare Vorsilbe (Präfix):
Wir fahren morgen ab.
b) durch ein Substantiv:
Ich schreibe gut Maschine.
c) durch ein Adjektiv:
Die Mutter stellt das Essen warm.
d) durch ein Adverb:
Er fährt seine Freundin mit dem Motorrad heim.
e) durch einen Infinitiv:
Wir gehen heute spazieren.
Das lexikalisch-idiomatische Prädikatsteil ist entweder obligatorisch, also nicht
weglassbar
Die Mutter stellt das Essen warm.
*Die Mutter stellt das Essen.
oder fakultativ:
Sie schreibt gut Maschine.
Sie schreibt gut.
[Link] Das Prädikativ
Das Prädikativ ist ein nicht-finiter und nicht-verbaler Teil eines mehrgliedrigen
Prädikats. Man kann zwei Arten des Prädikativs unterscheiden:
das S u b j e k t s p r ä d i k a t i v und
das O b j e k t s p r ä d i k a t i v
Das Prädikativ ist ausnahmslos obligatorisch:
Peter ist faul.
Syntax 63
*Peter ist.
Man hält sie für klug.
*Man hält sie.
Wir finden sie attraktiv.
*Wir finden sie.
Die Abhängigkeitsstruktur des Subjektprädikativs ist:
ist
er fleißig
Das Subjektsprädikativ kommt mit den Verben sein, werden, bleiben vor. Es
kann durch folgende morphologische Klassen repräsentiert werden:
a) Substantiv im Nominativ
Sie ist meine Freundin.
Er wird Lehrer.
a1) Im Slowakischen steht nach dem Hilfsverb byť entweder der Nominativ
oder der Instrumental, nach dem Hilfsverb stať sa immer der Instrumental, vgl.
Er ist Lehrer. (Nominativ) On je učiteľ(om). (Nominativ oder Instrumental) Er
wurde Lehrer. (Nominativ), Stal sa učiteľom. (Instrumental).
b) Präposition + Substantiv
Die Entdeckung ist von großer Bedeutung.
c) Adjektiv oder Partizip:
Der Film ist gut/spannend.
Wir finden den Film interessant.
d) (Präposition +) Adverb:
Er ist hier/dort.
Die Zeitung ist von gestern.
Das Objektsprädikativ
Das Objektsprädikativ bezieht sich nicht auf das Subjekt, sondern auf das
Objekt. Es hat folgende Abhängigkeitsstruktur:
nennt einen Lügner
er
ihn
64 Grammatik
Das Objektsprädikativ kommt nur bei einigen Verben wie bezeichnen, finden,
halten für, nennen u.a. vor und kann durch folgende morphologische Klassen
repräsentiert werden:
a) Substantiv im Akkusativ
Er nannte ihn einen Lügner. (d.h. bezeichnete ihn als ...)
b) (Präposition +) Adjektiv
Er findet die Sache/die Angelegenheit richtig/falsch/gut/ schlecht.
Ich finde meinen Eindruck bestätigt.
Sie hält seine Rückkehr für möglich/für unwahrscheinlich.
c) Präposition + Substantiv
Er fand das ganz in Ordnung.
Ich halte das für Unsinn.
[Link] Kongruenz zwischen Subjekt und Prädikat
Zwischen dem Deutschen und Slowakischen gibt es einige Unterschiede hin-
sichtlich der Kongruenz zwischen Subjekt und Prädikat.
a) In einigen Fällen ist der Unterschied nur scheinbar, da er in erster Linie mor-
phologischer Natur ist, z.B.:
Zeit ist Geld. Čas sú peniaze.
Die Tür ist zu. Dvere sú zatvorené.
Die Hose ist kurz. Nohavice sú krátke.
Dieser Unterschied ist darauf zurückzuführen, dass die in der Rolle des Subjek-
ts auftretenden Substantive im Slowakischen Pluraliatantum sind.
b) Erhebliche Unterschiede gibt es nach den Zahlwörtern fünf und höher, wo im
Unterschied zum Deutschen das übergeordnete Nomen im Genitiv Plural steht:
Ein Student las ein Buch, drei Studenten spielten Fußball, fünf Studenten spielten Handball.
Jeden študent čítal knihu, traja študenti hrali futbal, päť študentov hralo hádzanú.
Er hat zwei Briefe und fünft Ansichtskarten geschrieben. Napísal dva listy a päť pohľad-
níc.
c) Kommen im Satz mehrere Subjekte zu einem Prädikat vor, steht das Prädikat
gewöhnlich im Plural.
Hans, Peter und Hanna fahren nach Wien.
Syntax 65
d) Wird die Menge der syntaktischen Subjekte als eine Ganzheit verstanden, so
richtet sich im Deutschen das Prädikat nach dem nächsten Subjekt:
Es freut sich Jung und Alt. Tešia sa starí a mladí.
Zur Arbeit gehört Lust und Liebe. K práci treba chuť a lásku.
e) Zwischen Subjekt und Subjektsprädikativ gibt es oft eine grammatische
Kongruenz. Die Kongruenz im Numerus und Genus ist im Slowakischen
immer obligatorisch:
Die Geschichte ist eine harte Lehrerin. Dejiny sú prísnym učiteľom.
Sie arbeitet als Dozent/Dozentin, Professor, Minister/Ministerin. Je docentkou, profesor-
kou, ministerkou.
[Link] Das Objekt
„Das Objekt ist ein Satzglied des Prädikatsverbandes, dessen obliquer Kasus
(Akkusativ, Dativ, selten Genitiv) oder präpositionaler Anschluss vom Prädi-
katslexem durch R e k t i o n determiniert wird.“ (SOMMERFELDT /STARKE 1992:
214)
Im Deutschen kann man unterschiedliche Arten von syntaktischen Objekten
unterscheiden:
• Genitivobjekt
• Dativobjekt
• Akkusativobjekt
• Präpositionalobjekt
Genitivobjekt
Das Genitivobjekt ist mit wessen? und dem Prädikat des Satzes zu erfragen:
Wir gedenken der Gefallenen. Wessen gedenken wir? – der Gefallenen.
Das Genitivobjekt wird in der Gegenwartssprache häufig durch ein Präpositio-
nalobjekt ersetzt: Ich erinnerte mich des Jubiläums → Ich erinnerte mich an
das Jubiläum.
Nominalgruppe: Wir erinnerten uns eines früheren Hochzeittages.
Genitivobjekt
Pronomen: Ich bedarf deiner. Ich denke dein. (Goethe)
Infinitiv: Er konnte sich nicht enthalten zu lachen.
Gliedsatz: Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. (Re-
lativsatz)
66 Grammatik
Wir sind gewiss, dass sich gute Beziehungen zwi-
schen unseren Universitäten entwickeln werden.
(Konjunktionalsatz)
Die jungen Eheleute sind gewiss, im Möbelhaus ein
Schlafzimmer nach ihrem Geschmack kaufen zu
können. (Infinitivsatz)
Dativobjekt
Das Dativobjekt antwortet auf die Frage Wem geschieht es/etwas?, Wem gehört
es?. Die Funktion des Dativobjekts können folgende Einheiten übernehmen.
Nominalgruppe: Der Junge ähnelt seinem verstorbenen Vater.
Pronomen: Der Roman gefällt mir. Sie reicht ihm das Salz.
Dativobjekt
Gliedsatz: Er hilft jedem, wem er helfen kann.
Infinitivsatz: Im Gegensatz zum Genitiv- und Akkusa-
tivobjekt kann als Dativobjekt nie ein In-
finitiv fungieren.
Akkusativobjekt
Das Akkusativobjekt (direktes Objekt,) antwortet auf die Frage wen? oder
was? In der Funktion des Akkusativobjekts können Nominalgruppen, Pro-
nomen, Infinitive sowie Gliedsätze vorkommen:
Nominalgruppe: Der Student liest ein interessantes Buch.
Akkusativobjekt
Pronomen: Er liest es. Wir grüßen ihn.
Infinitiv: Ich versuche zu schlafen.
Gliedsatz: Ich weiß, dass sie die Prüfung bestanden hat.
Ich frage nur, ob das gemacht werden soll?
Ich frage, wer da ist.
Können Sie mir sagen, wie spät es ist?
Syntax 67
Präpositionalobjekt
Nominalgruppe: Wir freuen uns über ihren Lottogewinn.
Präpositionalobjekt
Pronomen: Ich gebe ihm einen Apfel.
Infinitiv: Ich bemühe mich zu verstehen.
Pronominaladverb: Ich denke nicht dran. Darauf kannst du dich
verlassen.
Gliedsatz: Ich freue mich sehr, dass du uns besucht hast.
(Konjunktionalsatz)
Ich freue mich, dich endlich zu sehen. (Infinitiv-
konstruktion)
Die Thesen, von denen er ausgeht, sind in der
Wissenschaft noch umstritten. (Relativsatz)
Zusammenhang zwischen semantischem Kasus und Satzgliedern
Als einige spezifische semantische Rollen (Kasusrollen) möchten wir hier nur
einige markante nennen:
• Handlungsergebnis: Er baut ein Haus.
• Patiens: Peter schlägt Paul.
• Wahrnehmungsgegenstand: Peter sieht Paul.
• Adressat: Peter schenkt Paul ein Buch.
• Mittel: Ich fahre einen Volkswagen.
• Teil des Ganzen: Wir essen Brot.
Die Objekte werden als Nomina (Substantive oder Pronomen) im Akkusativ,
Dativ, Genitiv oder als Präpositionalobjekte repräsentiert.
Er liest ein Buch/es.
Er hilft seinem Freund/ihm.
Er erinnert sich seines Freundes/seiner.
Er wartet auf seinen Freund/auf ihn.
Er denkt an den vergangenen Sommer/daran.
Ihre Abhängigkeitsstruktur können wir wie folgt darstellen:
Der Student schreibt einen Brief.
68 Grammatik
schreibt
der Student einen Brief
Objekte können nur durch Pronomina, aber nie durch ein Adverb oder Prono-
minaladverb substituiert werden. Wenn z.B. ein Substantiv im Akkusativ durch
ein Adverb substituierbar ist und nicht durch ein Pronomen, dann handelt es
sich nicht um ein Objekt:
Ich warte auf dich den ganzen Tag/die ganze Nacht. (Wann?)
Eines Nachts waren wir in einem dunklen Wald. (Wann?)
Die Objekte sind syntaktisch entweder obligatorisch oder fakultativ:
Beispiele mit obligatorischen Ergänzungen:
Der Holzfäller fällt Bäume.
*Der Holzfäller fällt.
Die Mutter setzt dem Kind das Essen vor.
*Die Mutter setzt das Essen vor.
Sein Benehmen grenzt an Feigheit.
*Sein Benehmen grenzt.
Er legt wert darauf, dass sie kommt.
*Er legt Wert darauf.
Beispiele mit fakultativen Ergänzungen:
Die Frau kocht die Suppe.
Die Frau kocht.
Der Chef diktiert seiner Sekretärin.
Der Chef diktiert.
Ich bezahle das Geld an den Freund.
Ich bezahle das Geld.
Nur das Akkusativobjekt wird durch eine Passivtransformation zum Nomi-
nativsubjekt des passiven Satzes, alle anderen Objekte bleiben von der Passiv-
transformation unberührt. Z.B.:
Er schreibt den Brief.
Der Brief wird (von ihm) geschrieben.
aber:
Wir gedachten der Verstorbenen.
Der Verstorbenen wurde gedacht.
Syntax 69
1.2.2 Adverbialbestimmung
In beiden Sprachen verhalten sich die verschiedenen Arten der Adverbialbe-
stimmungen syntaktisch beinahe gleich. Die syntaktische Abhängigkeitsstruk-
tur der Adverbialbestimmungen können wir wie folgt darstellen:
komme
ich um achtzehn Uhr
In einigen Fällen ist es nicht einfach, zwischen Objekten und Adverbialbestim-
mungen zu differenzieren. Der grundlegende Unterschied zwischen den beiden
besteht darin, dass Objekte in der Regel durch Personalpronomina, Adver-
bialbestimmungen durch Adverbien substituiert werden können:
Ich schreibe die Aufgabe. (Was schreibe ich?)
→ Ich schreibe sie.
Ich schreibe den ganzen Nachmittag. (Wann schreibe ich?)
→ Ich schreibe heute/jetzt.
Präpositionalobjekte sind direkt vom finiten Verb abhängig, adverbiale Präpo-
sitionalgruppen nicht:
Ich spreche von den Ferien. (Wovon spreche ich? = Objekt)
Ich spreche in der Klasse. (Wo spreche ich? = Lokalbestimmung)
Adverbialbestimmungen können morphologisch durch folgende Wortarten re-
präsentiert werden:
a) durch Substantiv im Akkusativ
Er arbeitet den ganzen Tag/die ganze Nacht.
b) durch Substantiv im Genitiv
Er begab sich frohen Mutes auf den Weg.
Er ist guter Laune.
c) durch Substantiv mit Präposition bzw. Pronominaladverb
Es ist zum Lachen.
Wir sind dabei.
d) durch Adverb (mit oder ohne Präposition)
Er studiert fleißig.
Er hat bis heute gewartet.
70 Grammatik
Die Adverbialbestimmungen sind in der Regel Angaben:
Er liest viel.
→ Er liest.
Einige Lokal-, Modal- und Temporalbestimmungen sind obligatorisch, d.h. sie
können nicht weggelassen werden:
Ich wohne in Nitra.
→ *Ich wohne.
Die Frau sieht krank aus.
→ *Die Frau sieht aus.
Die Sitzung dauert drei Stunden.
→ *Die Sitzung dauert.
[Link] Semantische Klassen der Adverbialbestimmungen
Ihrer Semantik nach kann man folgende Klassen unterscheiden:
• Lokalbestimmung
• Modalbestimmung
• Kausalbestimmung
• Temporalbestimmung
[Link] Lokalbestimmung
Lokalbestimmungen bezeichnen Ort und Stelle, Richtung, Ausgangs- oder Ziel-
punkt des Geschehens. Die Fragewörter der Temporalbestimmungen sind:
wo? Art: Standort, Lage
wohin? Art: Zielort
woher? Art: Ausgangsort, Ursprung
wie weit? Art: räumliche Erstreckung
Die Lokalbestimmung kann im Deutschen folgende morphologische Formen
haben:
1) Wortgruppe mit dem
• Genitiv: Er ging still seines Weges. Išiel ticho svojou cestou.
• Dativ (mit Präposition): Sie schaute zum Fenster hinaus. Pozerala (sa) oknom.
Er ist in unserem Dorf eingetroffen. Prišiel do našej dediny. Wir kommen aus der
Stadt. Prichádzame z mesta.
• Akkusativ:
a) mit Präposition: Der Zug fährt über die Brücke. Vlak ide po moste. Wir fahren
morgen in die Stadt. Pôjdeme zajtra do mesta.
Syntax 71
b) ohne Präposition: Wir gehen den Fluss hinunter/hinauf. Ideme po prúde rieky/proti
prúdu rieky. Wir gehen den kürzesten Weg. Ideme najkratšou cestou.
• Adverb: hier, dort, da, links, rechts; hierher, dorthin, bergauf, bergab; daher, dorther,
heraus, von drüben; meilenweit, weithin
2) Nebensatz: Ich fahre, wohin du willst. …, soweit das Auge blickt. Cestujem, kam
chceš ..., ...
[Link] Modalbestimmung
„Modalbestimmungen dienen zur Charakterisierung, Erläuterung und Spezifi-
zierung der sprachlichen Darstellung von Sachverhalten. Sie antworten vor
allem auf Ergänzungsfragen mit den interrogativen Adverbien“. (SOMMER-
FELDT/STARKE 1988: 264)
wie? ako?
wie viel? koľko?
womit? (s) čím?
wodurch? čím?
woraus? z čoho?
inwiefern? do akej miery?
und mit den präpositionalen Fügungen
in welchem Maße? do akej miery?
auf welche Weise? akým spôsobom?
unter welchen Umständen? za akých podmienok?
Die Modalbestimmung kann im Deutschen folgende morphologische Formen
haben:
• Genitiv (in einigen Wendungen): frohen Mutes s veselou mysľou, unverrichte-
ter Dinge naprázdno, nadarmo u.a.
• Dativ (mit Präposition): Es ist zum Lachen. Je to na smiech. Sie sind zum Ver-
wechseln ähnlich. Sú podobní na nerozoznanie. – unter allen Umständen v kaž-
dom prípade – etwas aus/im/zum Scherz sagen povedať niečo zo žartu.
• Akkusativ (mit oder ohne Präposition): Er hat es durch Fleiß erreicht. Dosiahol
to (svojou) usilovnosťou.
• Nebensätze: Er verbesserte seine Leistungen, indem er fleißig trainierte. Tým, že
veľa trénoval, ....
Die Kausalbestimmung teilt man in:
Konditionalbestimmung
Unter diesen Umständen kann ich nicht bleiben.
72 Grammatik
Konzessivbestimmung
Er sprach trotz seiner Krankheit.
Konsekutivbestimmung
Sie sehen sich zum Verwechseln ähnlich.
Finalbestimmung
Dafür tut er alles. Er erzählte ihr diese Geschichte zur Unterhaltung.
Die Kausalbestimmungen können morphologisch realisiert werden durch:
• den Genitiv: Hungers sterben umierať hladom
• den Dativ: vor Kälte zittern triasť sa od zimy; vor Freude weinen plakať od ra-
dosti; etwas aus Neid tun robiť niečo zo závisti.
• den Akkusativ: etwas gegen Kopfschmerzen nehmen vziať niečo proti boleniu
hlavy.
• einen Nebensatz: Weil ich nicht geimpft bin, konnte ich nicht nach Afrika fahren. Pre-
tože nie som očkovaný, nemohol som cestovať do Afriky.
[Link] Temporalbestimmung
Temporalbestimmungen drücken zeitliche Verhältnisse (Anfang, Ende, Dauer)
aus. Sie antworten vor allem auf Ergänzungsfragen mit den interrogativen Ad-
verbien:
wann? kedy?
seit wann? odkedy?
wie lange? ako dlho?
Die Temporalbestimmung kann im Deutschen folgende morphologische
Formen haben:
1) Wortgruppe mit dem
• Genitiv (nur in festen Wendungen): Er ging des Abends/des Nachts aus. Vyšiel
si večer/v noci von.
• Dativ (nur mit Präposition): Es geschah vor einer Woche. Stalo sa to pred týžd-
ňom. Weitere Beispiele: am Mittwoch, im Jahre 1995, im Winter, vor zwei Minuten,
zur Zeit Bismarcks, von Jugend auf od mladosti, von Kindheit an, heute in zwei Wochen.
• Akkusativ:
a) ohne Präposition: Sie hat den ganzen Tag gelesen. Čítala celý deň. Weitere
Beispiele: morgen früh, Ende April, Tag und Nacht, zwei Tage früher u.a.
Syntax 73
b) mit Präpositionen: Ich komme gegen zehn Uhr. Prídem okolo desiatej. Weite-
re Beispiele: um sechs Uhr, gegen Mittag, bis spät in die Nacht hinein až dlho do noci
u.a.
2) Nebensatz: Als ich heute erwachte, fühlte ich große Kopfschmerzen. Keď som sa
dnes prebudil, veľmi ma bolela hlava.
3) Konjunktionen: solange, als, wie, wenn
4) Temporaladverbien: Du musst bis morgen warten. Musíš počkať do zajtra.
1.2.3 Das Attribut
Das Attribut ist kein selbständiges Satzglied, sondern ein von anderen Teilen
des Satzes (Subjekt, Objekt, Prädikativ, adverbiale Bestimmung oder sogar von
einem anderen Attribut) abhängig. Das Attribut ist nicht unmittelbar vom Verb
abhängig, sondern wird fast ausschließlich als nähere Bestimmung eines nomi-
nalen Satzgliedes (Substantivs, Pronomens) abgegrenzt. Oft wird es daher nicht
als ein Satzglied, sondern als Gliedteil betrachtet.
Adjektivattribute sind in der Regel vorangestellt.
das neue, fesselnde Buch
Attributsätze sind ihrem Bezugswort nachgestellt:
Der Professor, der über die neueren Tendenzen in der Dependenzgrammatik sprach, ist ein
bekannter Linguist.
Nachgestellte Attribute werden als Apposition bezeichnet, wenn sie mit ihrem
Bezugswort im Kasus kongruieren:
Die Rede des Gastes, eines bekannten Ornithologen, war sehr aufschlussreich.
Die Relationen zwischen Satzgliedkern und Attribut lassen sich – mit Aus-
nahme von Modifikationen reiner Adverbien wie sehr gut, kaum machbar u.a.
– auf einfache Satzgliedbeziehungen zurückführen, vgl.:
die Abfahrt des Zuges = Der Zug fährt ab.
Bratislava, die Hauptstadt der Slowakei = Bratislava ist die Hauptstadt der Slowa-
kei
der Sohn des Vaters = Der Vater hat einen Sohn.
Attribute subklassifiziert man nach unterschiedlichen Kriterien. Nach ihrem
Umfang unterscheidet man zwischen
• elementaren (einfachen) und
• erweiterten Attributen
74 Grammatik
Bei erweiterten Attributen ergeben sich oft recht komplizierte Abhängigkeits-
beziehungen, vgl.:
sprachliche Mittel zum Ausdruck verschiedener Arten kausaler Beziehungen
3 4
1 1 2 3
(Vgl. SOMMERFELDT/STARKE 1991: 229)
Nach ihrer Form kann man unterscheiden:
• adjektivische und Partizipialattribute
• pronominale Attribute
• adverbiale Attribute
• präpositionale Attribute
• Genitivattribute
• Attributsätze
• Infinitivkonstruktionen
• Appositionen
Adjektiv- und Partizipialattribute
Zwischen dem übergeordneten nominalen Satzglied und den Adjektiv- und
Partizipialattributen besteht eine sehr enge grammatische Beziehung der
Kongruenz.
mein guter Freund, meine gute Freundin, schönes Wetter
Brave Mädchen kommen in den Himmel – Böse Mädchen kommen überall hin.
ein lesender Junge; das gelesene Buch
Die adjektivischen und partizipialen Attribute können häufig nachgestellt
werden. In diesem Falle ist die Bindung an das übergeordnete Glied nicht so
eng. Die Nachstellung dient hauptsächlich zur Hervorhebung des Attributs.
Diese Form kommt häufig in der emotionalen Redeweise vor.
Er möchte sich ein Auto, ein deutsches, kaufen.
Das Haus, alt und brüchig, stand am Ende des Dorfes.
Das zweite Beispiel wird auch als qualitative Apposition zum Nomen auf-
gefasst, da diese Apposition meist in der Form eines unflektierten Adjektivs
oder einer Adjektivalphrase erscheint.
ein mir unbekanntes Kind, verängstigt und abgerissen, …
ein erstklassiger Kellner, rasch, nicht schwerhörig, …
(Vgl. E. Engel 1991: 808)
Syntax 75
Pronominale Attribute
Als Attribute können (1) Demonstrativ-, (2) Possessiv-, (3) Fragepronomen so-
wie (4) unbestimmte Pronomen auftreten:
(1) dieser, jener Mensch
(2) mein, dein, sein Freund
(3) welcher Freund
(4) manches Kind
Adverbiales Attribut
Adverbiale Attribute sind z.B.: das Haus dort, die Post nebenan u.a.
Präpositionales Attribut
Unter Präpositionalattribut verstehen wir nachgestellte Präpositionalkon-
struktionen. Sie präzisieren das übergeordnete Glied nach Zeit, Ort, Modalität,
Richtung, Herkunft usw.
der Krieg in den Jahren 1914-18
der Glaube an die Zukunft
Die Fahrt nach Wien dauert zwei Stunden.
der Garten vor dem Haus
das Streben nach Wahrheit
Präpositionalattribute kommen häufig bei verbalen Ableitungen als obligato-
rische und nicht austauschbare Präpositionen vor. Bei einigen Deverbativa sind
mehrere Präpositionen möglich.
Auswahl unter výber medzi Rücksicht auf ohľad na
Bedürfnis nach túžba po Ruf nach výzva k, volanie po
Bitte um prosba o Schutz vor/gegen ochrana pred
Drang nach túžba po Stolz auf pýcha na
Druck auf nátlak na Streben nach túžba po
Einladung an/zu pozvanie na Trost für potešenie za
Furcht vor strach o, z Unterweisung in vyučovanie v
Gedanken an (po)myslenie na Verdacht auf/gegen podozrenie na
Hass auf/gegen nenávisť voči Vergleich mit porovnanie s
Lust auf chuť na Vorurteil gegen predsudok voči
Misstrauen gegenüber nedôvera voči Wunsch nach túžba po
Reichtum an bohatstvo + G
76 Grammatik
Gelegentlich können auch Pronominaladverbien eine attributive Funktion
haben.
der Tag danach, die Straße davor
[Link] Das Genitivattribut
Genitivattribute drücken mannigfaltige Verhältnisse zwischen dem Attribut und
dem übergeordneten Nomen aus. In den einzelnen Grammatiken schwankt die
Zahl der Attribute stark. Bei ENGEL und EISENBERG werden sechs Typen angege-
ben, in der DUDEN-Grammatik sechs, in HELBIG/BUSCHA werden zwölf angeführt.
Die wichtigsten Attributtypen sind folgende:
• Genitivus subiectivus
• Genitivus obiectivus
• Genitivus possessivus
• Genitivus qualitatis
• Genitivus definitivus
• Genitivus explicativus
• Genitivus auctoris
Der Genitivus subiectivus ist ein Satellit des Substantivs. Nach einer Restitu-
tionstransformation wird die Entsprechung zum Subjekt offenbar.
die Rede des Direktors → Der Direktor redet.
die Erfindung des Wissenschaftlers → Der Wissenschaftler erfindet etwas.
Der Genitivus obiectivus ist ebenfalls ein Satellit des Substantivs und ent-
spricht dem Akkusativobjekt.
die Lösung der Aufgabe → Man löst die Aufgabe.
der Bau der Brücke → Man baut eine Brücke.
Der Genitivus possessivus drückt eine Zugehörigkeit aus.
das Buch des Studenten → Der Student hat (besitzt) ein Buch.
die Hauptstadt der Slowakei → Die Slowakei hat eine Hauptstadt.
des Kaisers neue Kleider → der Kaiser hat neue Kleider
Der Genitivus qualitatis drückt Qualität/Eigenschaft aus.
ein Mann der Tat → er ist ein tatkräftiger Mann
eine Nacht des Grauens → die Nacht ist/war grauenvoll
Der Genitivus definitivus bestimmt das übergeordnete Nomen näher.
der Begriff der Freiheit → Die Freiheit ist ein Begriff.
Syntax 77
die Länge seiner Rede → Er redet lange.
Der Genitivus explicativus erläutert die Bedeutung eines Nomens. Es handelt
sich oft um eine metaphorische, nicht selten um eine ironische Bedeutungs-
übertragung.
ein Strahl der Hoffung → die Hoffnung ist wie ein Strahl
im Irrgarten der Modalität → die Modalität ist wie ein Irrgarten
Der Genitivus auctoris stellt das Verhältnis des Schaffens dar.
das Werk des Dichters → der Dichter ist der Urheber des Werks
der Roman des Schriftstellers → der Schriftsteller hat den Roman geschrieben
G. HELBIG und J. BUSCHA nennen noch folgende Funktionen der Attribute, die
durch Substantive im Genitiv repräsentiert werden:
Genitiv des Eigenschaftsträgers (= Sein-Verhältnis ...)
die Größe des Zimmers (von 20 m2)
← das Zimmer ist (20 m2) groß
Genitiv der Eigenschaft (= Kennzeichnen-Verhältnis)
ein Mann der Vernunft
← Vernunft kennzeichnet den Mann
Genitiv des Produkts (= Verhältnis des Geschaffen-Seins ...)
der Dichter des Werkes
← das Werk ist Produkt des Dichters
Genitiv der Zugehörigkeit (Gehören-zu-Verhältnis)
die Schule meines Bruders
← mein Bruder gehört zu der Schule
Genitiv des dargestellten Objekts (= Darstellen-Verhältnis)
das Bild Goethes
← das Bild stellt Goethe dar
Das vorangestellte Genitivattribut (der sog. s ä c h s i s c h e Genitiv) steht ohne
Artikel.
Peters Buch, Omas Zimmer, Brechts Dramen
Der sächsische Genitiv kann in eine Präpositionalphrase mit von oder in einen
nachgestellten Genitiv mit Artikel transformiert werden.
78 Grammatik
Salomes Tanz → der Tanz der Salome
Homers Epos → das Epos von Homer/des Homer
Werthers Leiden → die Leiden des (jungen) Werther
[Link] Attributsätze
Attributsätze sind immer nachgestellt. Sie können als Relativsätze, Konjunktio-
nalsätze und uneingeleitete Nebensätze vorkommen.
Relativsätze werden durch die Relativpronomen der, die, das; welcher, wel-
che, welches eingeleitet. Das einleitende Element ist immer Komponente des
Relativsatzes. Dadurch wird die enge Beziehung des übergeordneten Nomens
und des attributiven Nebensatzes verdeutlicht.
Der Student, der bei uns Germanistik studiert, …
Der Student, dessen Vater Schuldirektor ist, …
Der Student, dem wir gestern begegnet sind, …
Der Student, den wir gestern getroffen haben, …
Der Student, auf den wir lange gewartet haben, …
[Link] Infinitiv mit zu als Attribut
Dem attributiven Infinitiv mit zu liegt eine Objektbeziehung zugrunde:
die Hoffnung (des Sportlers), den Pokal zu gewinnen
← der Sportler hofft (darauf), den Pokal zu gewinnen
(← der Sportler hofft (darauf), dass er den Pokal gewinnt
(← der Sportler hofft auf den Pokalgewinn)
1.2.4 Die Apposition
Die Apposition ist eine besondere Art Attribut. Sie ist ein nachgestelltes nomi-
nales Attribut zu einem nominalen oder pronominalen Kern, mit dem er im Ka-
sus und Numerus übereinstimmt. Die Apposition wird von dem übergeordneten
Kernwort durch Komma getrennt.
mein Freund, ein ehrlicher Junge
Wir kommen am Montag, dem 25. März.
Er spricht mit Inge, der Freundin von Hans.
G. HELBIG und J. BUSCHA unterscheiden die enge und die lockere Apposition.
„Die enge Apposition ist nicht durch Kommas vom Bezugswort abgetrennt und
kommt in Vorder- und Nachstellung vor. Die lockere Apposition wird durch
Kommas abgetrennt und ist immer nachgestellt.“ (HELBIG/BUSCHA 1986: 606).
Syntax 79
Die enge Apposition ist ein nach- oder vorangestelltes Attribut und ist mor-
phologisch oft nicht gekennzeichnet. Wir führen einige Strukturtypen der engen
Apposition auf:
• Anredeform + Personenname: Frau Meier, Herr Koch
• Berufsbezeichnung + Personenname: Lehrer Meier, die Hexe Gundel Gaukeley
• Funktionsbezeichnung + Personenname: Kollege Meier, Bundesaußenminister
Joscka Fischer
• Gattungsbezeichnung + Typenbezeichnung: der Opel Kadett, die internationale
Tagung Nitra – Passau
• geographischer Begriff + geographischer Name: die Stadt Passau, der Freistaat
Bayern
• Maß- und Mengenbezeichnung + Materialbezeichnung: eine Flasche Wein,
zwei Liter Mineralwasser
• Titel + Personenname: König Matthias, Professor Meier, Doktor Frankenstein
• Verwandtschaftsbezeichnung + Personenname: Onkel Dagobert, Tante Frieda
• Vorname + Name: Hans Weinreich, Peter Weiß, Joschka Fischer
• Zeitbegriff + Zeiteinheit: der Monat November
Die lockere (lose) Apposition ist immer nachgestellt und stimmt in der Regel
mit dem Bezugswort in Kasus und Numerus überein.
Ernst von Mansfeld, ein unehelicher Spross des Geschlechts … Ernst von Mansfeld,
nemanželský potomok rodu ….
In Bratislava [Dat], der Hauptstadt der Slowakei … V Bratislave, hlavnom meste
Slovenska …
Er hat Einstein [Akk], den Begründer der Relativitätstheorie, zitiert. Citoval Einsteina,
zakladateľa teórie relativity.
Wir begegneten Joscka Fischer [Dat], dem Bundesaußenminister.
Gundel Gaukeley, die Hexe
aber: die Hexe Gundel Gaukeley, der Zauberlehrling Harry Potter – enge Apposition.
Im Gegensatz zum Slowakischen bleibt die Apposition im Deutschen unver-
ändert:
• nach den Konjunktionen als und wie:
die Gestalt Mozarts als Mensch und Komponist postava Mozarta ako človeka a skladate-
ľa; sein Ruf als bester Boxer (aber: des besten Boxers) jeho povesť najlepšieho boxera
in einem Roman wie dieser (ist) v románe ako (je) tento
80 Grammatik
• Wenn die Apposition dem Kern ohne Artikel folgt:
Das Gutachten eines berühmten Psychiaters, Doktor der Medizin, Gerichtssachverständiger,
ehemaliger Offizier … Dobrozdanie slávneho psychiatra, doktora lekárskych vied, súd-
neho znalca, bývalého dôstojníka…
(Vgl. MARKO 1991: 249 f.)
1.2.5 Sekundäre Satzglieder
[Link] Sekundäre Satzglieder zum Satz
Sekundäre Satzglieder zum Satz beziehen sich nicht auf ein Satzglied, sondern auf
den ganzen Satz. Ihre Abhängigkeitsstruktur kann wie folgt dargestellt werden:1
trägt
Er das Gepäck
seiner Mutter
Sekundäre Satzglieder, die sich auf den ganzen Satz beziehen, können durch
folgende Stellungsglieder repräsentiert werden:2
durch Substantiv im Dativ
Er trägt seiner Mutter das Gepäck.
Komm mir nicht spät nach Hause.
durch ein Modalwort
Er hat uns leider nicht angerufen.
Er ist vielleicht/wahrscheinlich nicht zu Hause.
durch Präposition + Substantiv
Er trägt für seine Mutter das Paket.
Er kann es unter Umständen noch ändern.
Sekundäre Satzglieder, die sich auf den ganzen Satz beziehen, sind Angaben,
d.h. sie können beliebig weggelassen werden:
Er hat uns leider nicht angerufen.
→ Er hat uns nicht angerufen.
1
HELBIG, G., BUSCHA, J.: 1994: 553.
2
Wir beziehen uns im Folgenden auf die Darstellungsweise von HELBIG/BUSCHA 1994,
S. 552 ff.
Syntax 81
[Link] Sekundäre Satzglieder zu einzelnen Gliedern
HELBIG und BUSCHA unterscheiden folgende sekundäre Satzglieder zu den ein-
zelnen Gliedern:
• Prädikatives Attribut
• Prädikatives Attribut zum Subjekt
• Prädikatives Attribut zum Objekt
• Possessiven Dativ
• Possessiven Dativ zum Subjekt
• Possessiven Dativ zum Objekt
• Possessiven Dativ zum Adverbialbestimmung
[Link] Prädikatives Attribut
„Die prädikativen Attribute stehen in der Position von Adverbien im konkreten
Satz. Sie hängen aber im Unterschied zu den Adverbien nicht vom Verb, son-
dern von einem substantivischen Glied (vom Subjekt oder vom Objekt) ab.“3
Man kann also zwei Arten von prädikativen Attributen unterscheiden:
• prädikatives Attribut zum Subjekt
• prädikatives Attribut zum Objekt
Prädikative Attribute werden durch folgende Stellungsglieder repräsentiert:
• durch Adjektiv oder Partizip
Er kommt gesund/heil/wohlauf/verärgert an.
• durch Adverb
Er kommt so an.
• durch Präposition + Substantiv
Er kommt im dunklen Anzug/in weißer Weste an.
• Prädikative Attribute sind ebenfalls Angaben, d.h. sie sind frei:
Er kommt gesund an.
→ Er kommt an.
Prädikatives Attribut zum Subjekt
Das prädikative Attribut hat folgende Abhängigkeitsstruktur zum Subjekt:
3
HELBIG/BUSCHA 1994: 554.
82 Grammatik
kommt an
er
gesund
Das prädikative Attribut zum Subjekt kann in ein Prädikativ zum Subjekt trans-
formiert werden:
Schiller starb jung.
→ Als Schiller starb, war er jung.
Prädikatives Attribut zum Objekt
Das prädikative Attribut zum Objekt hat folgende Abhängigkeitsstruktur:
traf
er ihm
im dunklen Anzug
Das prädikative Attribut lässt sich in ein Prädikativ zum Objekt transformieren:
Er traf ihn im dunklen Anzug.
Er traf ihn. Er war im dunklen Anzug.
Als er ihn traf, war er im dunklen Anzug.
[Link] Possessiver Dativ
Im Unterschied von anderen Objekten hängt der possessive Dativ nicht vom
Verb, sondern von einem andern substantivischen Glied, vom Subjekt oder von
einer Adverbialbestimmung ab.
Der possessive Dativ wird morphologisch durch ein Substantiv oder Personal-
pronomen im Dativ repräsentiert:
Dem Freund/ihm tun die Zähne weh. (Dt. Dativ)
Priateľa bolia/Bolia ho zuby. (Slow. Akkusativ)
Der Arzt operierte dem Kranken/ihm den Magen.
Syntax 83
Im Deutschen kann der possessive Dativ in einen Genitiv transformiert werden,
im Slowakischen nur bedingt:
Die Zähne des Freundes tun weh.
*Zuby priateľa bolia.
Der Arzt operiert den Magen des Kranken.
Lekár operoval žalúdok chorého.
Der possessive Dativ lässt sich in ein Possessivpronomen transformieren:
Seine Zähne tun weh.
Der Arzt operierte seinen Magen.
Der possessive Dativ ist Angabe, d.h. er ist frei:
→ Die Zähne tun weh.
→ Der Arzt operiert den Magen.
Die unterschiedlichen Abhängigkeitsstrukturen des possessiven Dativs können
nach HELBIG/BUSCHA 1995: 558 wie folgt dargestellt werden.
Possessiver Dativ zum Subjekt
tat weh
der Magen
dem Kranken
Possessiver Dativ zum Objekt
operierte
der Arzt
den Magen
dem Kranken
84 Grammatik
Possessiver Dativ zur Adverbialbestimmung
sieht
er
in die Augen
seinem Freund
1.3 Die Satzgliedstellung
Die Satzgliedstellung wird nach HELBIG und BUSCHA von Faktoren verschiedener
Ebenen bedingt: „1. syntaktischen Faktoren, 2. morphologischen Faktoren,
3. intentionalen Faktoren.“ (HELBIG/BUSCHA 1994: 564)
1.3.1 Die syntaktischen Bedingungen
Zu den syntaktischen Faktoren zählt man:
„1. Bedingungen, die vom Stellungstyp her gegeben sind
2. Bedingungen, die von der syntaktischen Verbnähe her gegeben sind.“ (HEL-
BIG/BUSCHA 1994: 564)
1.3.2 Stellungstyp
Der Stellungstyp legt die Stellung des finiten Verbs und die Stellung der üb-
rigen Prädikatsteile fest. Die Stellung des finiten Verbs ist im deutschen Satz
festgelegt. Die traditionellen Grammatiken unterscheiden folgende drei Satzty-
pen:
• Stellungstyp 1, Zweitstellung des finiten Verbs (der sog. Kernsatz):
Glied 1 finites Verb Glied 3 Glied n
Peter das Buch jetzt.
Das Buch liest Peter jetzt.
Jetzt Peter das Buch.
Wenn sie Zeit hat, sie das Buch.
Nach diesem Typ werden gebildet:
• Aussagesätze
Er spielt Schach.
Syntax 85
• Ergänzungsfragen
Was spielt er?
• uneingeleitete Objekt- und Subjektsätze
Ich glaube, er spielt heute Schach.
Es ist besser, du spielst heute kein Schach.
• Stellungstyp 2, Erststellung des finiten Verbs (Stirnsatz):
finites Verb Glied 2 Glied 3 Glied n
Liest Peter das Buch jetzt?
Nach diesem Typ werden gebildet:
• Entscheidungsfragen
Spielt er heute Schach?
Gibt es ein Leben nach dem Tod?
• Aufforderungssätze
Komm endlich nach Hause!
• uneingeleitete Konditional- und Konzessivsätze
Ist das Wetter schön, gehen wir ins Schwimmbad.
Ist er auch krank, so hat er doch viel gearbeitet.
• Hauptsätze im Satzgefüge in Nachstellung
Wenn du Zeit hast, besuche uns.
• Stellungstyp 3, Endstellung des finiten Verbs (Spannsatz):
Konjunktion Glied 1 Glied 2 vorletztes Glied finites Verb
…dass Peter das Buch liest.
• Nach diesem Typ werden eingeleitete Nebensätze gebildet:
Wir hoffen, dass du kommst.
Ich weiß nicht, wann er zurückkommt.
• Endstellung des finiten Verbs + vorletzte Stelle des Prädikatsteils
Konjunktion Glied 1 Glied 2 Prädikatsteil finites Verb
…, dass er das Buch gelesen hat.
…, weil das Buch gelesen wird.
86 Grammatik
Besteht das Prädikat aus zwei oder mehreren Teilen, hängt die Position der üb-
rigen Prädikatsteile von der Stellung des finiten Verbs ab. Wir können folgende
Stellungstypen unterscheiden:
• Zweitstellung des finiten Verbs + Endstellung des Prädikatsteils
Glied 1 finites Verb Glied 3 Glied n Prädikatsteil
Er das Buch heute
Das Buch hat er heute gelesen.
Heute er das Buch
• Erststellung des finiten Verbs + Endstellung des Prädikatsteils
finites Verb Glied 1 Glied 3 Glied n Prädikatsteil
Hat er das Buch gestern gelesen?
Den Prädikatsteil bilden bei diesem Typ
a) infinite Verbformen (haben oder sein + Partizip II; Modalverb + Infinitiv,
Modalitätsverb + Infinitiv mit zu)
Er hat das Buch bereits gelesen.
Er will das Buch noch heute zu Ende lesen.
Sie pflegt nach dem Essen einen Sherry zu trinken.
b) trennbare Verbteile (Vorsilbe, Adverbien, Infinitiv)
Er ruft uns noch heute an.
Wir nehmen an der Tagung teil.
Großvater geht nach dem Mittagessen immer spazieren.
1.3.3 Klammerkonstruktion
Eine Klammerkonstruktion (Rahmenkonstruktion) besteht aus rahmenöff-
nenden und rahmenschließenden Gliedern, die andere Satzglieder umschließen.
Man unterscheidet vier Arten von Rahmenkonstruktionen:
• den nominalen Rahmen
• den verbalen Rahmen/prädikativen Rahmen
• den Satzrahmen
• die Rahmenkonstruktion mit der Negationspartikel nicht.
Die Nominalklammer
Den nominalen Rahmen bildet im Deutschen ein Artikelwort (Artikel, Pos-
sessiv- oder Demonstrativpronomen) und das Substantiv. Zwischen den beiden
Polen befindet sich ein oft mehrteiliges Attribut.
Syntax 87
der auf den Professor wartende Student študent, čakajúci na profesora
ein außerordentlich schöner Tag mimoriadne krásny deň
Der nominale Rahmen ist typisch für den wissenschaftlichen Stil, wo er sehr
häufig vorkommt. Im Slowakischen wird er entweder in der Form (1) eines Re-
lativsatzes oder (2) in der Form eines postponierten Attributs wiedergegeben:
(1) Die an der Steigerung der Produktion beteiligten Arbeiter wurden belohnt. Robotníci,
ktorí sa pričinili o zvýšenie výroby, boli odmenení.
(2) Die in Leipzig im Jahre 1972 erschienene und im Jahre 1994 durch den Langen-
scheidt-Verlag wiederveröffentlichte Deutsche Grammatik von Helbig und Buscha ist für den
Ausländerunterricht bestimmt. Nemecká gramatika od Helbiga a Buschu, vydaná
v r. 1972 v Lipsku a v r. 1994 znovu vydaná vydavateľstvom Langen-
scheidt, je určená pre vyučovanie cudzincov.
Die Verbalklammer
Durch die getrennte Stellung des finiten Verbs und der übrigen Prädikatsteile
entsteht ein Rahmen (verbaler Rahmen, Satzklammer). In diesen Rahmen sind
die nichtprädikativen Satzglieder eingeschlossen.
Rahmenbildung ist eines der Grundprinzipien des deutschen Satzes. Es ist
nicht immer klar, wann man von Rahmen sprechen kann. Das hängt damit zu-
sammen, dass der rahmenschließende Teil nicht nur aus finiten Verbformen
und trennbaren Vorsilben bestehen kann, sondern dass auch andere Wörter als
rahmenschließend angesehen werden können. Im Folgenden werden diejenigen
Wörter und Wortgruppen aufgezählt, die eine rahmenbildende Funktion haben.
(1) Infinitiv in analytischen Verbformen und bei Modal- und Modalitätsverben
Wir werden morgen einen Aufsatz schreiben.
Sie kann ihn nicht leiden.
Sie scheint diesen Mann zu kennen/ schon gesehen zu haben.
(2) Partizip II in analytischen Verbformen
Er hat/hatte ihr ein Buch geschenkt. (Perfekt und Plusquamperfekt)
Wir sind von ihm eingeladen worden. (Passiv)
(3) Trennbarer erster Teil bei trennbaren Verben
Ich ziehe das Theater dem Kino vor.
Peter läuft sehr gut Ski.
Sie lernten sich vor zwei Jahren kennen.
(4) Adverbien und präpositionale Substantivgruppen als Richtungsangaben bei
Verben der Ortsveränderung
88 Grammatik
Geh in das Zimmer hinein.
Wir gehen heute Abend ins Kino.
(5) Substantiv und Adjektiv bei sog. Kopulaverben
Sie wird nach dem Abschluss des Studiums Lehrerin.
Wir essen uns satt.
Ich finde diese Idee gut.
(6) Substantivgruppen als nominale Teile von Funktionsverbgefügen
Der Techniker setzte die Maschine in Bewegung.
Meine Tochter hält ihr Zimmer nicht in Ordnung.
(7) Die Satznegation nicht
Wir fassen heute den Beschluss nicht.
Ausklammerung
In der deutschen Gegenwartssprache werden die strikten grammatischen
Regeln nicht immer eingehalten. Ausrahmung (Ausklammerung) bedeutet, dass
verschiedene Satzglieder hinter das rahmenschließende Glied treten. „Die Aus-
klammerung (od. Ausrahmung) ermöglicht, große und überdehnte Satz-
klammern oder Rahmenkonstruktionen zu entlasten, Satzglieder stilwirksam
hervorzuheben, die syntaktische Gliederung des Satzes, der Satzglieder über-
sichtlicher zu gestalten.“ (DÜCKERT/KEMPCKE 1989: 69)
HELBIG und BUSCHA unterscheiden zwei Arten der Ausrahmung:
1. die durch die Art der Satzglieder bedingte Ausrahmung
2. die durch die Sprechintention bedingte Ausrahmung (HELBIG/BUSCHA 1994: 568)
Die grammatische Ausrahmung betrifft insbesondere folgende Fälle:
• Nebensätze
Sie will sich das Kleid kaufen, das ihr gefällt.
• Satzglieder mit den Präpositionen wie und als (Komparation)
Er hat sich benommen wie ein kleines Kind.
In diesem Winter hat es weniger geschneit als im vorigen.
• Satzglieder mit den Ausdrücken oder und außer
Ich will heute niemanden sehen außer dir.
Was hat dir gefallen, der Film oder das Theaterstück?
• Infinitivkonstruktionen mit zu (erweitert und nicht erweitert)
Syntax 89
Er hat mir versprochen zu kommen.
Sie ist gekommen, um uns zu helfen.
Es ist notwendig, alle Kollegen zu informieren.
• Apposition
Sie hat Inge gesehen, eine alte Bekannte von mir.
Sie wollen sich wieder dort treffen, unter der alten Eiche.
• präpositionale Konstruktionen werden oft ausgeklammert
Diese Beschlüsse gehen hervor aus den Bestimmungen der Hochschulleitung.
Unser Schicksal hängt ab von den …
Die stilistisch bedingte Ausrahmung betrifft vor allem präpositionale Gruppen.
Sie erfolgt hauptsächlich dann, wenn die Satzglieder, die zwischen finitem
Verb und dem Prädikatsteil stehen, sehr umfangreich oder zahlreich sind. Zwei-
tens handelt es sich um Ausrahmung, wenn ein vom Sprecher/Schreiber beson-
ders betontes Satzglied hinter den Prädikatsteil positioniert wird.
Gekauft hat er diesen Roman, gelesen hat er ihn aber noch nicht.
Umfängliche Satzglieder werden ausgeklammert aus der Klammer, die von
finitem Verb und infiniter Verbform (z.B. Infinitiv, Partizip II) oder finitem
Verb und Prädikatsergänzung gebildet werden.
Der Vorschlag wurde vom Leiter, nicht aber vom Stellvertreter abgewiesen.
→ Der Vorschlag wurde vom Leiter abgewiesen, nicht aber vom Stellvertreter.
Rund sieben Stunden Musik sind so wiedererstanden mit phantastischen Improvisationen.
(Die Zeit 44/1995: 72)
Syntaktische Verbnähe
Die Stellung der Satzglieder im Satz unterliegt bestimmten Bedingungen. Dazu
gehört auch ihr syntaktischer Bezug zum Verb. HELBIG und BUSCHA verwenden
in diesem Zusammenhang den Begriff der s y n t a k t i s c h e n V e r b n ä h e .
Mit anderen Worten: In einem Aussagesatz befinden sich die dem finiten Verb
enger verbundenen, d.h. in syntaktischer Hinsicht näher stehenden Glieder wei-
ter vom Verb entfernt. Vgl.:
Sie kauft heute ihrer Mutter ein Geschenk
0 4 3 2
Obligatorische und fakultative Adverbialbestimmungen stehen in der Regel
hinter den freien Adverbialbestimmungen.
Wir fahren in diesem Sommer in die Hohe Tatra.
90 Grammatik
(freie Temporalbestimmung + obligatorische Lokalbestimmung)
Das Akkusativobjekt als obligatorische oder fakultative Ergänzung steht in der
Regel hinter dem fakultativen oder freien Dativobjekt.
Der Ehemann hat seiner Frau einen goldenen Ring gekauft.
Dativobjekt Akkusativobjekt
1.3.4 Morphologische Bedingungen der Wortfolge
Man kann folgende Arten von morphologischen Bedingungen unterscheiden:
• Repräsentation der Satzglieder durch bestimmte morphologische Klassen
(Pronomen, Adverb, Substantiv)
• Repräsentation der Satzglieder durch morphologische Formen (reiner Kasus
– präpositionaler Kasus)
• der Artikelgebrauch (Vgl. HELBIG/BUSCHA 1994: 570)
1. Stehen zwei Substantive nebeneinander, dann ist die Reihenfolge Dativ –
Akkusativ:
Der Lehrer erzählt den Kindern eine Geschichte.
2. Wenn dieselben syntaktischen Rollen durch Pronomen repräsentiert
werden, dann ist die Reihenfolge Akkusativ – Dativ:
Der Lehrer erzählt sie ihnen.
3. Die durch ein Pronomen oder Pronominaladverbien ausgedrückten Satzglie-
der stehen gewöhnlich vor den durch Substantivwörter ausgedrückten Satz-
glieder.
Der Lehrer erzählt sie den Kindern.
Meine Tochter blieb am Montag wegen Erkältung zu Hause.
→ Meine Tochter blieb deshalb am Montag zu Hause.
4. Ein durch ein Pronomen ausgedrücktes Objekt steht vor dem durch ein Sub-
stantiv ausgedrückten Objekt. Werden beide Objekte durch Pronomen aus-
gedrückt, so steht der Akkusativ vor dem Dativ (nicht so im Slowakischen!)
Ich kaufe meiner Mutter ein Geschenk zum Geburtstag.
Ich kaufe ihr ein Geschenk zum Geburtstag.
Kúpim matke darček k narodeninám.
Kúpim jej darček k narodeninám.
Ich kaufe es meiner Mutter zum Geburtstag.
Syntax 91
Ich kaufe es ihr zum Geburtstag.
Kúpim ho matke k narodeninám.
Kúpim ho jej k narodeninám.
Kúpim jej ho k narodeninám.
5. Der Präpositionalkasus steht nach dem reinen Kasus
Ich schreibe meinem Freund einen Brief.
→ Ich schreibe einen Brief an meinen Freund.
6. Auch der Artikelgebrauch kann die Stellung der Satzglieder verändern. Im
allgemeinen gilt, dass ein Substantiv mit dem unbestimmten Artikel oder
Nullartikel am Ende steht.
Ich schreibe meinem Freund einen Brief.
Ich schenke meiner Freundin Bücher.
Ich schenke die Bücher einer Freundin.
1.3.5 Aktuelle Gliederung und Wortfolge
Im deutschen Satz haben nur die prädikativen Teile (finites Verb, gramma-
tischer oder lexikalischer Prädikatsteil) eine fixe Position. Je nach dem Struk-
turtyp stehen sie an zweiter, erster oder letzter Stelle des Satzes. Die kom-
munikative Grundfunktion der prädikativen Teile liegt in der Realisierung der
verschiedenen Satzarten (Aussagesatz, Fragesatz, Ausrufesatz u.a.) Da diese
Regeln obligatorischen Charakter haben, spricht man hier von sog. gramma-
tischen Regularitäten. Von den grammatischen Regularitäten sind die kom-
munikativen Regularitäten zu unterscheiden, die andere Varianten zulassen. Sie
betreffen hauptsächlich den nichtprädikativen Bereich des Satzes und haben
zwei kommunikative Funktionen:
1. die Funktion der Satzverflechtung
2. die Funktion der Abstufung des Mitteilungswertes einzelner Satzglieder
(Vgl. HELBIG/BUSCHA 1994: 274 f.)
„Der Begriff der Satzverflechtung besagt, dass am Satzanfang bzw. im vorderen
Teil des Satzes die Glieder stehen, die den Anschluss an den hervorgehenden
Satz herzustellen haben.“ (HELBIG/BUSCHA 1994: 573.) Satzverflechtende
Elemente sind einige Nichtglieder wie Konjunktionen, Partikeln, außerdem das
Subjekt und verschiedene Adverbialbestimmungen (vor allem Lokal- und
Temporalbestimmungen).
92 Grammatik
Peter verbrachte die Ferien bei seiner Großmutter auf dem Lande. Dort hat er neue
Freunde gefunden.
Anschlussste
lle
In der Slawistik ist es üblich, von Thema-Rhema-Gliederung zu sprechen. Bei
der aktuellen kommunikativen Gliederung des Satzes (funktionaler Satz-
perspektive) ist folgendes zu beachten:
Das Thema einer Aussage enthält bereits bekannte, vorerwähnte Informa-
tionen.
Mit dem Begriff Rhema bezeichnet man den unbekannten, neuen, noch
nicht erwähnten Teil einer Aussage. Vergleichen wir folgenden Kurztext:
In unserem Dorf [Thema] lebte einmal ein alter Mann [Rhema]. Er [Thema] hatte drei
Katzen [Rhema]. Sie [Thema] folgten ihm auf jeden Schritt.
(Vgl. MARKO 1991: 274)
Die Anschlussstelle (Thema) beim Stellungstyp 1 kann besetzt werden durch:4
1. Subjekt
Mein Freund/Hans/er studiert Germanistik.
2. Objekt
Ein schönes Geschenk hast du mir gekauft.
Seinem Vater geht es schon gut.
3. Adverbialbestimmung
Morgen fahren wir nach Wien.
4. Sekundäres/fakultatives Satzglied
Der Schwester war die Übung zu problematisch.
Man unterscheidet zwischen neutraler Wortstellung und subjektiver Wortstel-
lung. Die neutrale Wortstellung wird durch morphologische und syntaktische
Regeln der satzbildenden Glieder bestimmt. So steht etwa in einem Aussage-
satz das Subjekt (gegebenenfalls eine Adverbialbestimmung oder ein durch ein
Personalpronomen ausgedrücktes Objekt) an erster Stelle, das finite Verb an
zweiter Stelle; die letzte Position des Satzes wird durch Infinitiv, Partizip II,
trennbare Vorsilbe u.a. besetzt.
4
Für die Stellungstypen 2 und 3 ist die Frage nach der Art der unmittelbaren An-
schlussstelle irrelevant, da der Anschluss bereits durch den Strukturtyp bestimmt ist.
Syntax 93
Bei subjektiver Wortstellung treten andere Kriterien in den Vordergrund.
Die neutrale Wortfolge und die Rahmenkonstruktion werden aufgehoben und
die vom Sprecher betonten Satzglieder werden verschoben. Es handelt sich ins-
besondere um folgende Möglichkeiten:
a) Das Subjekt des Satzes erscheint an der letzten Stelle. Die erste Stelle belegt
ein neutrales Satzglied oder das bedeutungsleere es.
Am Apparat ist meine Freundin.
Es war einmal ein König.
b) Der Infinitiv und die Partizipien stehen an erster Stelle:
Genossen habe ich den heutigen Tag.
Entkommen kann er uns nicht mehr.
c) Das Objekt steht an erster Stelle:
Ein neues Buch hat sie vor kurzem gekauft.
Ein neues Lied, ein besseres Lied, O Freunde, will ich euch dichten!
[Heine]
Generell gelten hier folgende Regelungen:
Ein Satzglied mit einem geringeren Mitteilungswert (das Bekannte, das The-
ma) steht am weitesten vorne. Ihm folgt ein Satzglied mit dem nächsthöheren
Mitteilungswert. Das Satzglied mit dem höchsten Mitteilungswert (das
Neue, das Rhema) steht in der letzten syntaktisch nicht obligatorisch besetz-
ten Position. Obligatorische Adverbialbestimmungen stehen nach freien Ad-
verbialbestimmungen. Die durch Personalpronomen ausgedrückten Objekte
stehen vor substantivischen Objekten, weil sie einen geringeren Mitteilungs-
wert haben. Pronominale Objekte sind – über ihren geringeren Mitteilungswert
hinaus – Mittel der Satzverflechtung. Sie stehen daher, weil sie gleichzeitig
auch den Anschluss zum vorhergehenden Satz herstellen, vorne im Satz.
Im Satz
Heute Abend gehe ich mit meiner Freundin ins Kino
haben wir es mit objektiver Wortfolge zu tun. Das Element ins Kino ist enger
mit dem Verb gehen verbunden als mit meiner Freundin.
Im Satz
Heute Abend gehe ich ins Kino mit meiner Freundin.
liegt der Akzent auf dem letzten Satzglied mit meiner Freundin (präpositionales
Objekt). Hier spricht man über sog. „subjektive“ Wortfolge.
94 Grammatik
Hervorzuhebende Elemente, falls sie nicht durch Pronomen ausgedrückt
werden, können in der ersten Position im Satz stehen, vgl.
Mit meiner Freundin gehe ich heute ins Kino. (also nicht etwa mit meinem Freund)
Wir können zusammenfassen. Die Wortfolge wird durch die aktuelle Glie-
derung differenziert. Im Deutschen gelten ähnliche Prinzipien wie im Slowa-
kischen. Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass im Deutschen die Po-
sition einiger Satzglieder, insbesondere die des finiten Verbs, syntaktisch be-
stimmt ist und weniger den Regeln der aktuellen Gliederung unterliegt. Im Slo-
wakischen ist die Wortfolge freier und wird weniger durch starre syntaktische
Positionen begrenzt.
1.3.6 Die Stellung des Reflexivpronomens »sich«
Das Reflexivpronomen sich steht:
• unmittelbar nach dem finiten Verb, wenn das Subjekt in der ersten Position
im Satz steht:
Ich freue mich sehr, dich zu sehen.
Das Kind hat sich die Hände gewaschen.
• in anderen Fällen (Stellungstyp 2 und 3) vor dem substantivischen Subjekt:
Warum freut sich Hans sehr?
Die Mutter sagt, dass sich Hans heute noch nicht gewaschen hat.
Wann hat sich Hans dieses Hemd gekauft?
• nach dem Subjekt, wenn es durch Personalpronomen ausgedrückt ist:
Warum freut er sich sehr?
Die Mutter sagt, dass er sich heute noch nicht gewaschen hat.
Wann hat er sich dieses Hemd gekauft?
1.4 Die Negation
Der Sprecher drückt seine Einstellung zum Inhalt einer Äußerung auch dadurch
aus, dass der Satz eine positive oder negative Ausdrucksform hat. Verneint
werden kann entweder die ganze Äußerung oder nur Teile davon. Wird die
ganze Äußerung negiert, spricht man von Satznegation. Werden Teile des
Satzes verneint, so spricht man von Sondernegation.
Außer den beiden genannten gibt es noch die sog. lexikalische Negation, in
der die Verneinung Teil eines Lexems ist, z.B. misslingen, unschuldig, Un-
mensch u.a. Stehen im Satz lexikalische und grammatische Negation nebenein-
ander, so kommt es zur Neutralisierung, d.h. der Satz erhält einen positiven
Sinn: Das ist nicht unmöglich. Er ist nicht unschuldig, u.a.
Syntax 95
Die Negation kann im Deutschen ausgedrückt werden:
1. durch Negationspartikeln oder -adverbien
nein nie nirgendwohin nikam
nicht ne- nimmer nikdy
niemals nikdy keineswegs nijako
nirgends/nirgendwo nikde keinesfalls v žiadnom prípade
nie nikdy keinmal ani raz
2. durch unbestimmte Pronomen
kein žiaden keinerlei nijaký
keiner nikto nichts nič
3. durch Konjunktionen
weder – noch ani – ani
Der mehrgliedrigen Negation im Slowakischen entspricht im Deutschen eine
einzige Negationspartikel. Dieses Verhältnis wollen folgende Beispiele ver-
anschaulichen:
Er liest ein Buch. Er liest kein Buch. Nečíta žiadnu knihu.
Er isst etwas. Er isst nichts. Nič neje.
Er sieht jemanden. Er sieht niemanden Nikoho nevidí.
Sie kommt irgendwann. Sie kommt nirgendwann5. Nikdy nepríde.
Sie kommt irgendwoher. Sie kommt nirgendwoher.
usw.
Wir gehen irgendwohin. Wir gehen nirgendwohin.
Er findet es irgendwo. Er findet es nirgendwo.
Weitere Beispiele:
Er sagte nie jemandem (et)was. Nikdy nikomu nič nepovedal.
Niemand weiß etwas. Nikto nič nevie.
Er hat nie jemanden irgendwo gesehen. Nikdy nikoho nikde nevidel.
Die Negationspartikel nein steht außerhalb des Satzes, es wird daher nicht als
zweite Negation im Satz aufgefasst.
Hast du ihm schon geschrieben? Nein, (ich habe ihm noch nicht geschrieben).
5
besser: Sie kommt nie mehr.
96 Grammatik
1.4.1 Die Negationspartikel »nein«
Die Bejahung einer Frage geschieht gewöhnlich mit den Partikeln ja oder doch,
die Verneinung mit der Negationspartikel nein. Die Negationspartikel steht
selbständig am Anfang des Satzes und wird vom nachfolgenden Satz durch ein
Komma getrennt.
Kommt Hans heute? – Nein, Hans kommt heute nicht. (Negation)
Kommt Hans heute nicht? – Doch, er kommt heute.
Dem Slowakischen či nie?, však? entspricht im Deutschen die Verbindung
nicht wahr?
Das ist dein Buch, nicht wahr? To je tvoja kniha, však?
In der Vergewisserungsfrage erscheint manchmal statt kein die Konstruktion
nicht + ein:
Ist das nicht ein artiges Kind? Nie je to slušné dieťa?
1.4.2 Satznegation und Sondernegation
Die Satznegation betrifft die gesamte Prädikation. Die Sondernegation betrifft
nur Teile des Satzes, und zwar ganze Satzglieder (1), Wörter, die Teile von
Satzgliedern sind (2) und Teile von Wörtern (3):
Sie spricht nicht mit ihrem Bruder, sondern mit ihrer Schwester.
Wir haben darüber nicht vor, sondern nach der Theatervorstellung gesprochen.
Die Angestellten haben das Auto nicht be-, sondern entladen.
Manchmal kann die gleiche Satznegation verschieden ausgedrückt werden:
Er traf sie nicht im Kino. Nestretol ju v kine.
Er traf sie im Kino nicht. V kine ju nestretol.
Die Negationspartikel nicht steht gewöhnlich unmittelbar vor dem negierten
Wort. Vgl.:
Ich habe an sie nicht gedacht. Nemyslel som na ňu. (Satz- und Sondernegation)
Ich habe nicht an sie gedacht. Nemyslel som na ňu, ale … (Sondernegation)
Er ist nicht aus-, sondern umgestiegen.
Einige Sätze lassen eine doppelte Interpretation zu (sie können sowohl als Satz-
wie auch als Sondernegation interpretiert werden):
Er stellt die Vase nicht auf den Tisch. (Satz- und Sondernegation)
Oft wird das negierte Glied durch starke Betonung hervorgehoben.
Syntax 97
Gestern waren wir nicht im Kino. (Sondernegation)
Gestern waren wir nicht im Kino. (Satznegation, neutrale Satzmelodie)
Die Negationspartikel nicht als Satznegation bildet mit dem Prädikat eine sog.
Negationsklammer. Im Slowakischen hingegen bildet das Negationselement
ne- eine Einheit mit dem betreffenden Prädikat.
• Im Hauptsatz steht die Negationspartikel entweder am Ende des Satzes oder
– mit dem Prädikatsrahmen kombiniert – vor dem letzten rahmenbildenden
Teil:
Er besuchte seinen Großvater trotz der engen Bindungen nicht.
Er ist gestern leider nicht abgereist.
Die Vorlesung fand gestern bedauerlicherweise nicht statt.
Sie war um sechs Uhr mit dieser schweren Aufgabe noch nicht fertig.
Anmerkung: Nicht valenzgebundene Glieder können aus dem Negations-
rahmen heraustreten:
Er besuchte seinen Großvater trotz der engen Bindungen nicht.
Er besuchte seinen Großvater nicht trotz der engen Beziehungen.
• Die Negationspartikel nicht steht immer vor dem rahmenschließenden
Prädikatsteil (vor dem Infinitiv, Partizip II oder der trennbaren Vorsilbe).
Ich will morgen noch nicht abreisen.
Er ist noch nicht abgereist.
Er reist heute vermutlich nicht ab.
• Im Nebensatz steht die Negationspartikel nicht ebenfalls vor dem
rahmenschließenden Prädikatsteil.
Wir wissen nicht, warum er heute überhaupt nicht gekommen ist.
…, dass wir nicht fahren.
…, dass er nicht Lehrer wird.
…, dass er das Buch nicht auf den Tisch legt.
…, dass er nicht gekommen ist.
…, dass wir gestern nicht haben kommen können.
• Die Negationspartikel nicht steht vor dem Prädikativum
98 Grammatik
a) obligatorisch, wenn das Prädikativum ein Substantiv oder Adjektiv ist:
Sie wird nicht Lehrerin. (Satz- und Sondernegation)
* Sie wird Lehrerin nicht.
Sie wird nicht gesund. (Satz- und Sondernegation)
* Sie wird gesund nicht.
b) fakultativ, wenn das Prädikativum ein Adverb ist:
Sie ist nicht hier. (Satz- und Sondernegation)
Sie ist hier nicht. (Satznegation)
c) obligatorisch vor Adjektiven in adverbialer Verwendung. Ursprüngliche
Adverbien lassen sowohl Voran- als auch Nachstellung zu:
Diese Schülerin lernt leider nicht fleißig.
* Diese Schülerin lernt leider fleißig nicht.
d) Die Satznegation steht gewöhnlich nach einfachen reinen Kasusobjekten.
Eine Voranstellung ist dann möglich, wenn der Umfang der Objekte größer ist:
Ich lese diesen Roman nicht.
Er untersuchte den psychischen Zustand des Kranken nicht.
Er untersuchte nicht den psychischen Zustand des Kranken.
(Vgl. HELBIG/BUSCHA 1994: 521)
e) Die Satznegation steht oft obligatorisch vor Akkusativobjekten, wenn sie
mit dem bedeutungsarmen Vollverb eine semantische Einheit darstellen:
Er spielt nicht Klavier.
* Er spielt Klavier nicht.
f) Die Satznegation steht vor obligatorischen oder fakultativen Adverbial-
bestimmungen:
Die Sitzung dauert nicht zwei Stunden.
* Die Sitzung dauert zwei Stunden nicht.
Beliebig frei kann die Satznegation nicht vor oder hinter den lokalen und
temporalen Angaben stehen. Als Sondernegation steht sie allerdings vor dem
negierten Satzglied:
Wir sahen uns im Kino nicht.
Wir sahen uns nicht im Kino.
Wir sahen uns nicht im Kino, sondern im Theater.
* Wir sahen uns im Kino nicht, sondern im Theater.
Wir fahren nicht zwei Tage, (sondern drei). (Sondernegation)
Syntax 99
Wir fahren zwei Tage nicht. (Satznegation).
* Wir fahren zwei Tage nicht, sondern drei Tage.
1.4.3 Die Negationspartikeln »kein«, nicht mehr«, nicht einmal«
Die Negationspartikel kein (žiaden, nijaký) steht vor dem Substantiv. Im Slo-
wakischen entspricht ihm das Negationselement ne-.
Kaufen Sie ein Buch? Ich kaufe kein Buch.
* Ich kaufe nicht ein Buch.
Kúpite knihu? Nekúpim (nijakú) knihu.
Als Satznegation wird die Negationspartikel nicht verwendet:
Kaufen Sie dieses Buch? Nein, ich kaufe dieses Buch nicht. Kúpite túto knihu. Nie, nekú-
pim túto knihu.
Bei Substantiven in prädikativer Funktion kann sowohl kein als auch ein
stehen. Kein verstärkt die Negation:
Er ist nicht Sportler. Er ist kein Sportler.
Der slowakischen Negationspartikel už entspricht im Deutschen schon und
mehr. Schon kommt in bejahenden, mehr in verneinenden Sätzen vor.
Liest er schon? Er liest noch nicht. Číta už? Ešte nečíta.
Liest er noch? Er liest nicht mehr. Číta ešte? Už nečíta.
Das Buch, für das Sie sich interessieren, haben wir nicht mehr. Knihu, o ktorú máte záu-
jem, už nemáme.
Hat er Geld? Er hat kein Geld mehr. Má peniaze. Už nemá peniaze.
Sie haben uns nicht einmal geantwortet. Ani nám neodpovedali.
Weitere wichtige deutsche Negationspartikeln und ihre slowakischen Entspre-
chungen sind folgende:
noch nicht ešte nie niemand mehr už nikto
nichts mehr už nič nie(mals) mehr už nikdy
nicht einmal ani kein, keine mehr už nijaký
Beispiele:
Hier liegt nichts mehr. Už tu nič neleží.
Heute kommt niemand mehr. Dnes už nikto nepríde.
Sie gestattet es nie/niemals mehr. Už to nikdy nedovolí.
Er hat uns nicht einmal geantwortet. Ani nám neodpovedal.
100 Grammatik
Die Form der deutschen Entsprechungen des slowakischen Genitivs der Ver-
neinung wird in erster Linie durch die Valenz des jeweiligen deutschen Verbs
determiniert.
Nemali kúska chleba. Sie hatten keine Scheibe Brot mehr.
Neuverili mi ani slova. Kein einziges Wort hat man mir geglaubt.
Otca už nebolo na svete. Der Vater war nicht mehr am Leben.
Už mu niet pomoci. Ihm ist nicht mehr zu helfen.
1.5 Der zusammengesetzte Satz
Der zusammengesetzte Satz entsteht durch die Kombination zweier oder meh-
rerer Teilsätze. Diese Verknüpfungen können nach syntaktischen und/oder
nach semantischen Kriterien klassifiziert werden.
Nach syntaktischen Kriterien unterscheidet man:
• koordinative Verknüpfungen (Satzverbindung, Koordination, Parataxe)
und
• subordinative Verknüpfungen (Satzgefüge, Subordination, Hypotaxe).
Nach syntaktisch-semantischen Beziehungen kann man folgende Satztypen un-
terscheiden:
• Komplementsätze
• Verhältnissätze
• Relativsätze
Syntax 101
1.5.1 Die Koordination
„Die Koordination ist ein syntaktisches Prinzip, durch das verschiedenartige
Zusammenhänge zwischen Sachverhalten ausgedrückt werden können. Die
Glieder einer koordinativen Verknüpfung, einer Reihe, werden Konjunkte ge-
nannt.” (SOMMERFELDT/STARKE 1992: 232) Sie können miteinander asyndetisch,
d.h. ohne Verbindungselemente, oder syndetisch, d.h. mit Verbindungs-
elementen, Konjunktionen (und, oder, sondern; weder – noch, sowohl – als
auch, nicht nur – sondern auch u.a.) oder Konjunktionaladverbien (deshalb,
außerdem, trotzdem, freilich u.a.) verbunden werden. Die echten Kon-
junktionen stehen sprachlogisch außerhalb der jeweiligen parataktisch ver-
bundenen Teilsätze. Die Konjunktionaladverbien sind als Elemente des Satzes
anzusehen und beeinflussen als solche die Wortfolge. Wenn sie nämlich am
Anfang des Nebensatzes stehen, dann folgt ihnen das finite Verb an zweiter
Stelle:
Sie schwieg nicht, sondern sie schaltete sich ins Gespräch ein. (Konjunktion)
Sie war ungeduldig, deshalb schaltete sie sich ins Gespräch ein. (Konjunktionaladverb)
Sie wusste nicht Bescheid, trotzdem schaltete sie sich ins Gespräch ein. (Konjunktional-
adverb)
Man kann folgende Typen von koordinierenden Beziehungen unterscheiden:
Typ der koordinierende Adverbien
Koordination Konjunktionen
kopulativ-additiv und, und auch, so- auch, außerdem, ferner, zudem,
(anreihend) wie, wie, sowohl – überdies, ebenso, ebenfalls,
als auch, nicht nur – gleichfalls
sondern auch
kopulativ-negativ weder – noch, nicht
– noch
alternativ, disjunktiv oder, beziehungs- sonst, andernfalls
weise, entweder –
oder
adversativ (entgegen- aber, doch, jedoch, dennoch, dagegen, vielmehr, hin-
stellend) (nicht) – sondern gegen
restriktiv (einschrän- aber, allein, jedoch, indes, indessen, freilich, nur, zwar –
kend) doch aber, allerdings, wohl – (aber)
kausal (begründend) denn
explikativ (erklärend) nämlich und zwar, das heißt (d.h.), das ist
(d.i.)
einteilend, gliedernd teils – teils, halb – halb; bald – bald,
102 Grammatik
einerseits – andererseits
konsekutiv (folgernd) also, daher, deshalb, deswegen
konzessiv (einräu- zwar – aber doch dennoch, gleichwohl, trotzdem,
mend) nichtsdestoweniger, dessen unge-
achtet
(Vgl. SOMMERFELDT/STARKE 1992: 233 f.)
1.5.2 Die kopulative Satzverbindung
In einer kopulativen Satzverbindung werden die durch die Konjunktionen si-
gnalisierten Sachverhalte, Dinge oder Eigenschaften bezüglich einer kommu-
nikativen Situation als zugleich bestehend, geltend rezipiert.
Beispiele:
Draußen heulte der Wind, und durch die offenen Seitenwände schlug der Regen.
Sie sind nicht nur stark erkältet, sondern sie haben auch hohes Fieber.
Sie haben uns weder geschrieben, noch haben sie sich bei uns gezeigt.
Sie sind stark erkältet, außerdem haben sie hohes Fieber.
Zu den kopulativen Satzverbindungen zählt man auch die partitive Satzver-
bindung. Teilsätze dieser Art werden mit folgenden Adverbien eingeleitet:
teils – teils jednak – jednak
bald – bald hneď – hneď/raz – raz
erstens – zweitens po prvé – po druhé
Zu den kopulativen Satzverbindung zählt man auch die sog. graduative Satz-
verbindung, die durch die Verbindungselemente ja, sogar, überdies, geschwei-
ge denn, vor allem u.a. eingeleitet wird.
Er trinkt zu viel, ja er ist praktisch Alkoholiker.
Wir können an dem Ausflug nicht teilnehmen, überdies müssen wir endlich auch deine Ange-
legenheiten erledigen.
Du darfst keinen Alkohol trinken, vor allem aber darfst du nicht rauchen.
Kopulative Teilsätze können auch asyndetisch (ohne Verbindungselemente) an-
einander gereiht werden.
Ich liege gekrümmt in einem großen Trichter, meine Beine sind im Wasser bis zum Bauch.
Das Dorf wirkt schwerelos, es scheint kaum auf dem Boden aufzuliegen.
1.5.3 Disjunktive Satzverbindung
In einer disjunktiven (alternativen) Satzverbindung schließt der durch den
ersten Teilsatz ausgedrückte Sachverhalt den Inhalt des zweiten Teilsatzes aus.
Syntax 103
Wir bleiben heute zu Hause, oder wir gehen ins Konzert.
Entweder wir bleiben zu Hause, oder wir gehen ins Konzert.
Nehmen Sie einen Schirm mit, sonst werden Sie nass!
Adversative Satzverbindung
In der adversativen (entgegenstellenden) Satzverbindung ist der durch den
zweiten Teilsatz ausgedrückte Sachverhalt dem Sachverhalt des ersten Teil-
satzes entgegengesetzt.
Ich habe den Bericht gelesen, aber ich habe den Sinn nicht verstanden.
Peter bleibt nicht in Wien, sondern er fährt nach Berlin.
Wir müssen uns beeilen, sonst kommen wir zu spät.
Gestern hatten wir schönes Wetter, heute hingegen regnet es.
Adversative Teilsätze können auch asyndetisch (ohne Verbindungselemente)
aneinander gereiht werden.
Pläne sind gut, Taten sind besser.
In den durch die Konjunktionen doch und jedoch eingeleiteten Sätzen kann das
finite Verb nach der Konjunktion stehen.
Diese Apparate sind sehr teuer, doch finde ich sie nicht gut.
Im Juli wurde eine Feier für Gottfried Keller abgehalten, jedoch konnte sie daran nicht teil-
nehmen.
Die Konjunktion jedoch kann auch ins Mittelfeld des Satzes treten.
Zwar gleichen alle amerikanischen Städte einander, man gewinnt sie jedoch schnell lieb.
1.5.4 Restriktive Satzverbindung
In der restriktiven (einschränkenden) Satzverbindung schränkt der Inhalt des
zweiten Teilsatzes den Sachverhalt des ersten Teilsatzes ein. Das restriktive
Verhältnis steht dem adversativen und auch dem konzessiven nah.
Sie war zwar streng, aber sie war nie ungerecht.
Sie hat sich nicht durchgesetzt, freilich trainiert sie erst kurze Zeit.
Er hatte es schon immer sagen wollen, allein es fand sich nie die Gelegenheit dazu.
1.5.5 Kausale Satzverbindung
In der kausalen Satzverbindung enthält der zweite Teilsatz den Grund für den
Sachverhalt des ersten Teilsatzes. Das kausale Verhältnis wird hergestellt durch
die kausale parataktische Konjunktion denn sowie durch die explikativen (er-
104 Grammatik
klärenden) Konjunktionaladverbien nämlich, und zwar, das heißt (d.h.), das ist
(d.i.), doch, ja doch.
Marlies bleibt diesen Sommer zu Hause, denn sie will im nächsten Jahr nach Kanada fahren.
Er hat sich verletzt, und zwar so stark, dass er nicht spielen konnte.
Sie hat nicht richtig zugehört, sie kannte nämlich die Geschichte von mir.
Eine asyndetische kausale Satzverbindung ist im Deutschen auch möglich.
Er konnte das Problem nicht lösen, ihm fehlte die notwendige Sachkenntnis.
Im Hofe ging es lustig zu, (denn) die Kinder waren zurückgekommen.
Er kann selber darüber entscheiden, er ist schon groß genug.
1.5.6 Konsekutive Satzverbindung
In der konsekutiven Satzverbindung wird die Folge des im ersten Teilsatz ge-
nannten Sachverhalts angegeben.
Sie hat viel zu tun, darum/deshalb kann sie nicht kommen.
Ihm fehlte die notwendige Sachkenntnis, deshalb/deswegen/darum konnte er das Problem
nicht lösen.
1.5.7 Konzessive Satzverbindung
In der konzessiven (einräumenden) Satzverbindung gibt der erste Teilsatz
„einen unzureichenden Gegengrund” an, der die Realisierung des Geschehens
im zweiten Teilsatz nicht zu verhindern vermag.
Er hatte hohes Fieber, trotzdem/dessen ungeachtet ging er zur Versammlung.
Subordination (Hypotaxe)
In der subordinativen Fügung bestehen zwischen den Teilsätzen eines zu-
sammengesetzten Satzes syntaktische Abhängigkeitsbeziehungen. Der do-
minierende Satz heißt Hauptsatz, alle angeleiteten Sätze heißen Nebensätze
oder Gliedsätze. Hauptsatz und Nebensatz (Gliedsatz) bzw. Nebensätze (Glied-
sätze) bilden ein Satzgefüge.
Nebensätze kann man nach unterschiedlichen Kriterien einteilen:
• nach dem Strukturtyp: Kernsatz, Stirnsatz (= uneingeleiteter Nebensatz)
und Spannsatz (eingeleiteter Nebensatz)
Monika sagte, sie möchte nach Wien fahren.
Sollte es regnen, bleiben wir zu Hause.
Monika sagte, dass sie nach Wien fahren möchte.
Syntax 105
• nach der Stellung innerhalb eines Satzgefüges in Bezug auf den überge-
ordneten Teilsatz. Man unterscheidet den
Vordersatz
Weil er krank war, blieb er zu Hause.
Nachsatz
Er blieb zu Hause, weil er krank war.
Zwischensatz
Er blieb, weil er krank war, zu Hause.
Nach dem Grad der Abhängigkeit vom Hauptsatz (Nebensätze ersten, zweiten,
dritten u.a. Grades)
Hans sagte, dass er ins Kino gehen kann. (Abhängigkeit 1. Grades)
Hans sagte, dass er nicht ins Kino gehen kann, weil er keine Lust hat. (Abhängigkeit
2. Grades)
Vom Hauptsatz können allerdings mehrere Nebensätze abhängig sein:
Er sagte, dass er zu Hause bleibt und dass er heute lesen möchte.
nach dem Vorhandensein von Einleitewörtern in eingeleitete und uneingelei-
tete Nebensätze.
Die eingeleiteten Nebensätze können nach folgenden Merkmalen klassi-
fiziert werden
Konjunktionalsätze: sie werden mit einer subordinierenden Konjunktion
eingeleitet.
Wenn es kalt ist, bleibe ich zu Hause.
Ich weiß, dass Peter ein guter Student ist.
Relativsätze werden mit einem Relativpronomen oder einer Relativkon-
junktion eingeleitet.
Er ist ein Student, der gut studiert. Hier ist die Stadt, wo/in der ich geboren wurde. Mein
Freund, dem ich einen Brief geschrieben habe, hat nicht geantwortet.
Interrogativsätze (Fragesätze)werden mit einem Interrogativpronomen, Pro-
nominaladverb oder einer Relativkonjunktion eingeleitet.
Kannst du uns sagen, woran du denkst? Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?
Die uneingeleiteten Nebensätze werden ohne formale Merkmale eingeleitet.
Man unterscheidet:
106 Grammatik
Objektsätze
Ich glaube, dass er kommen kann.
→ Ich glaube, er kann kommen.
Konditionalsätze
Wenn das Wetter schön wäre, könnten wir spazieren gehen.
→ Wäre das Wetter schön, könnten wir spazieren gehen.
Konzessivsätze ohne die Konjunktion obwohl oder die Partikel auch:
Obwohl er krank ist,
Wenn er auch krank ist, (so) hat er doch viel gearbeitet.
Ist er auch krank,
Der Nebensatz drückt im Grunde ein Satzglied des Hauptsatzes aus. Nach dem
syntaktischen Strukturwert unterscheidet man:
• Gliedsatz (Subjekt-, Objekt-, Adverbial- oder Prädikativsatz)
• weiterführenden Nebensatz und
• Gliedteilsatz (Attributsatz).
1.5.8 Subjektsatz
Im Subjektsatz wird das Subjekt des Hauptsatzes in der Form eines Neben-
satzes ausgedrückt. Die Fragepronomen sind wer? und was?.
Das Korrelat der Subjektsätze ist das Pronomen es, das, manchmal ein be-
deutungsarmes Substantiv (z.B. die Tatsache):
Es (die Tatsache) freut mich/Mich freut, dass er kommt/gekommen ist
Dass er gekommen ist, (das) freut mich.
Es ist nicht sicher, ob er kommt/gekommen ist. Subjekts
Korrelat atz
Satzwertige Infinitivkonstruktionen können auch die Funktion des Subjekts
eines Hauptsatzes wahrnehmen.
Gute Studenten zu fördern, ist die Aufgabe der Humboldt-Stiftung.
Das Kind nach Passau zu schicken(,) ist wichtig. Es ist wichtig, das Kind nach Passau zu
schicken.
1.5.9 Objektsatz
Im Objektsatz wird das Objekt des Hauptsatzes in der Form eines Nebensatzes
ausgedrückt. Objektsätze werden eingeleitet durch dass, ob oder durch ein
Syntax 107
Fragepronomen. Zu den Objektsätzen gehört auch die indirekte Frage und die
indirekte Rede.
Ich habe gehört, dass er uns nicht besuchen kann.
Ich denke oft daran, was du mir gestern vorgeschlagen hast.
Nach dem Auftreten der Korrelate unterscheidet man:
Sätze mit obligatorischem Korrelat:
Wir verlassen uns darauf, dass Sie es für uns erledigen.
Sätze mit fakultativem Korrelat:
Wir bitten Euch (darum), dies für uns zu machen.
Ich bin froh (darüber), dass du kommst.
Satzwertige Infinitivkonstruktionen können auch die Funktion des Objekts
eines Hauptsatzes wahrnehmen.
Die Mutter erlaubt mir, ins Kino zu gehen.
1.5.10 Adverbialsatz
Im Adverbialsatz werden verschiedene Arten von Adverbialbestimmungen
(Lokal-, Temporal-, Modal-, Kausalbestimmungen) in der Form eines Neben-
satzes ausgedrückt. Man unterscheidet daher folgende Arten von Adverbial-
sätzen:
• Lokalsatz
• Temporalsatz
• Modalsatz
• Kausalsatz
1.5.11 Lokalsatz
Der Lokalsatz drückt Ort oder Richtung in der Form eines Nebensatzes aus.
Die Fragepronomen sind wo?, woher? und wohin?.
Lokalsätze sind alternativ obligatorisch:
Er wohnt in Nitra.
Er wohnt (dort), wo auch seine Eltern gewohnt haben.
Der Lokalsatz tritt in der Regel als Adverbialbestimmung auf:
Ich arbeite (dort), wo auch meine Eltern gearbeitet haben.
Lokalsätze werden immer durch Relativadverbien eingeleitet. Aber nicht alle
durch Relativadverbien eingeleiteten Nebensätze sind Lokalsätze:
108 Grammatik
Er wusste nicht, wo sie wohnt. (Was wusste er nicht?, Objektsatz)
Das ist das Haus, wo wir wohnen. (was für ein Haus?, Attributivsatz)
1.5.12 Temporalsatz
Der Temporalsatz gibt in der Form eines Nebensatzes an, wann sich das Ge-
schehen des Hauptsatzes vollzieht. Der Nebensatz kann dabei im Verhältnis
zum Hauptsatz ein Geschehen als gleichzeitig, vorzeitig oder nachzeitig be-
zeichnen. Der temporale Nebensatz wird durch temporale Konjunktionen ein-
geleitet.
Gleichzeitigkeit wird durch folgende Konjunktionen eingeleitet:
als keď seit(dem) odvtedy čo
wenn keď, kedykoľvek solange pokým
indem medzitým čo sooft kedykoľvek
indessen zatiaľ čo während zatiaľ čo/kým
Besonders wichtig ist eine Differenzierung zwischen den Konjunktionen wenn
und als. Die Konjunktion als drückt ein einmaliges Geschehen in der
Vergangenheit aus.
Als ich neulich in Wien war, habe ich ihn besucht.
Und als ich an die Grenze kam, da fühlt ich ein stärkeres Klopfen in meiner Brust ...
[Heine: Deutschland. Ein Wintermärchen]
Die Konjunktion wenn drückt aus:
einmaliges Geschehen in Gegenwart und Zukunft (das fakultative Korrelat ist
dann)
Wenn du uns morgen besuchst, (dann) können wir zusammen in einer Gaststätte essen.
Wenn sie es erfährt, (dann) ruft sie dich an.
wiederholtes Geschehen in der Gegenwart und in der Vergangenheit
Er ist immer nervös, wenn ich es erwähne.
Er war immer aufgeregt, wenn ich es erwähnte.
Gleichzeitigkeit drücken folgende Konjunktionen aus:
indem bezeichnet gleiche Dauer des Geschehens.
Indem sie ihm die Hand reichte, bat sie ihn, Platz zu nehmen.
Podávajúc mu ruku poprosila ho, aby si sadol.
sooft drückt wiederholtes Geschehen aus.
Sooft ich ihm begegnete, fragte er nach dir.
Kedykoľvek/vždy keď ho stretnem, pýta sa na teba.
solange drückt gleichen Anfangs- und gleichen Endpunkt aus.
Syntax 109
Solange ich ihn kenne, arbeitet er als Konstrukteur.
Odvtedy, čo ho poznám, pracuje ako konštruktér.
Solange er schrieb, las ich die Zeitung.
Kým/dokiaľ písal, ja som čítal noviny.
seit(dem) Zum Ausdruck der Gleichzeitigkeit steht seit(dem) im Präteritum und Perfekt
nur bei durativen Verben. Bei perfektiven Verben (im Perfekt oder Plusquam-
perfekt) handelt es sich um Vorzeitigkeit).
Seitdem Hans krank war, raucht er nicht mehr.
Odvtedy, čo bol Janko chorý, už nefajčí.
während drückt gleiche Dauer des Geschehens aus.
Während ich in Berlin studierte, ging ich oft ins Theater.
Keď som študoval v Berlíne, chodil som často do divadla.
Während die Mutter krank war, half meine Schwester im Haushalt. Kým bola
matka chorá, pomáhala moja sestra v domácnosti.
Vorzeitigkeit wird durch folgende Konjunktionen eingeleitet:
nachdem potom čo sobald, sowie len čo
als keď seit(dem) odvtedy čo
wenn keď
Beim Ausdruck der Vorzeitigkeit gelten folgende Verhältnisse zwischen dem
Hauptsatz- und dem Nebensatzgeschehen:
im Hauptsatz im Nebensatz
Infinitivgruppe Perfektum
Präteritum Plusquamperfektum
wenn a) einmaliges Geschehen in Gegenwart und Zukunft, das fa-
kultative Korrelat ist dann
Wenn ich die Aufgabe geschrieben habe, (dann) gehe ich in die Stadt.
b) wiederholtes Geschehen, die fakultativen Korrelate sind
immer (…dann), jedesmal (…dann)
nachdem a) einmaliges Geschehen in Gegenwart und Zukunft, das fa-
kultative Korrelat ist dann
Nachdem ich die Aufgabe geschrieben habe, (dann) gehe ich in die Stadt.
Keď napíšem úlohu, (potom) pôjdem do mesta.
b) (einmaliges Geschehen in der Vergangenheit, ein fakulta-
tives Korrelat ist unüblich)
Nachdem er das Buch gelesen hatte, gab er es zurück. Keď (potom čo) si
knihu prečítal, vrátil ju.
als einmaliges Geschehen in der Vergangenheit, das fakultative
Korrelat ist dann
110 Grammatik
Als ich das Haus verlassen hatte, rief er mich an.
sobald, so- drücken unmittelbare Aufeinanderfolge aus. Die fakultativen
wie, kaum Korrelate sind da und dann.
dass Sobald ich das Geld bekomme, (dann) bezahle ich alle Schulden.
Sowie ich in Wien angekommen bin (ankomme), gehe ich ins Museum.
Kaum dass wieder die Sonne schien, war es sehr warm.
seit(dem) drückt den Anfangspunkt in der Vergangenheit aus. Das fa-
kultative Korrelat ist seitdem.
Seit das Semester begonnen hat, habe ich wenig Zeit.
Seit das Semester begonnen hatte, hatte ich wenig Zeit.
Nachzeitigkeit wird durch folgende Konjunktionen eingeleitet:
bevor, ehe skôr než
bis až, kým ne-
bevor, drücken die Aufeinanderfolge eines Geschehens aus. Ein
ehe Korrelat ist unüblich.
Bevor er wegfuhr, hatte er sich von allen verabschiedet. Skôr než odces-
toval, sa so všetkými rozlúčil.
Wir stehen auf, bevor die Sonne aufgeht.
Sie macht das Frühstück für die Familie, ehe sie zur Arbeit geht.
bis drückt den Endpunkt eines Geschehens aus. Das fakultative
Korrelat ist so lange.
Er saß (so lange) in der Bibliothek, bis er mit dem Referat fertig war.
Warte (so lange), bis ich komme.
Bei verneinter Aussage kann der Hauptsatz entweder vor (1) oder nach (2) dem
Nebensatz stehen.
Ich stehe auf, bevor die Sonne aufgeht.
Bevor die Sonne aufgeht, stehe ich auf.
Bei der Verwendung von bis entspricht dem deutschen Hauptsatz im Slowa-
kischen ein verneinter Hauptsatz.
Er suchte das Buch so lange, bis er es fand.
Hľadal knihu tak dlho/dovtedy, kým ju nenašiel.
1.5.13 Modalsatz
Modalsätze drücken Art und Weise des Geschehens im Hauptsatz aus. Man
kann unterscheiden:
• Instrumentalsätze
Syntax 111
• Komparativsätze
• Modalsätze des besonderen Begleitumstandes
• Restriktivsätze
1.5.14 Instrumentalsatz
Der Instrumentalsatz gibt an, mit welchem Mittel ein bestimmter Erfolg erzielt
wird. Die Konjunktionen des Instrumentalsatzes sind:
indem (Korrelat unüblich) tým, že
dass tak, že
(mit obl. Korrelat dadurch, damit)
Der Schauspieler dankt dem Publikum, indem er sich tief verbeugt. Herec ďakuje publiku
tak, že sa hlboko ukláňa.
Er hat uns damit geholfen, dass er mir seine Bücher zur Verfügung gestellt hat.
Dadurch, dass ich lange krank war, habe ich viel Unterricht versäumt.
1.5.15 Komparativsatz
Komparativsätze drücken Verhältnisse der Gleichheit, Ungleichheit oder ein
proportionales Verhältnis aus.
Verhältnis der Gleichheit
Der Grad oder die Qualität des Geschehens wird im Hauptsatz durch ein Adjek-
tiv oder Adverb repräsentiert. Hier ergibt sich eine Gleichheit zwischen zwei
verglichenen Sachverhalten. Die Konjunktion ist
wie ako
oblig. Korrelat so, (genau so) obl. Korrelate: tak, taký, taká, také, takí
Das Studium ist nicht so schwer, wie ich es dachte. Štúdium nie je také ťažké, ako som
myslel.
Bei identischen Verben im Hauptsatz und Nebensatz wird der Nebensatz zu
einem Satzglied gekürzt.
Im Januar war es so heiß wie vor einem Jahr.
Wenn man etwas mit einem nicht realen, sondern hypothetisch angenommenen
Sachverhalt vergleicht, spricht man vom hypothetischen Verhältnis der
Gleichheit. Die Konjunktionen dieses Verhältnisses sind:
als ob (als wenn, wie wenn) akoby, sťaby, ani čo by
fakult. Korrelat so fakult. Korrelate: tak, taký, taká, také, takí
112 Grammatik
Es ist so warm, als wäre es schon Juli. Je tak horúco, ani čo by už bol júl.
Er tut, als ob er alles wüsste.
Er tut, als wüsste er alles. Robí sa, akoby všetko vedel.
Er sieht aus, als ob es ihm gefallen würde (als würde es ihm gefallen). Tvári sa, ako keby
sa mu to páčilo.
Statt Konjunktiv des Präteritums kann im Nebensatz oft der Konjunktiv des
Präsens, statt Konjunktiv des Plusquamperfekts der Konjunktiv des Perfekts
stehen.
Er spricht, als sei/wäre er ein Deutscher. Hovorí po nemecky, akoby bol Nemec.
Er isst so hastig, als ob er seit Tagen nichts gegessen habe/hätte. Je tak hltavo, ani čo by
nebol jedol celé dni.
Verhältnis der Ungleichheit
Zwischen den im Haupt- und Nebensatz ausgedrückten Sachverhalten besteht
das Verhältnis der Ungleichheit. Der Grad oder die Qualität des Geschehens im
Hauptsatz wird durch ein Adjektiv oder Adverb im Komparativ repräsentiert.
Die Konjunktion ist:
als ako
Korrelat unüblich Korrelat unüblich
Sie schreibt schneller, als der Dozent diktiert.
Die Frau ist jünger, als sie aussieht.
Proportionales Verhältnis
Von einem Proportionalsatz sprechen wir dann, wenn „der Vergleich in der
gleichmäßigen Entsprechung zweier Sachverhalte, die sich in einer Abhängig-
keit des HS-Geschehens vom NS-Geschehen konkretisiert” (HELBIG/BUSCHA
994: 687), besteht. Der Proportionalsatz wird eingeleitet durch die Kon-
junktionen:
im Hauptsatz im Nebensatz
je čím desto tým
um so o to
Je mehr ich lese, um so reicher wird mein Wortschatz. Čím viac čítam, tým viac sa
obohacuje moja slovná zásoba.
Je mehr, desto besser. Čím viac, tým lepšie.
Syntax 113
1.5.16 Modalsatz des besonderen Begleitumstandes
Der Nebensatz gibt einen fehlenden oder modifizierenden Begleitumstand an.
Der Nebensatz wird durch folgende Konjunktionen eingeleitet:
ohne dass bez toho aby, a ani
statt dass namiesto (toho) aby
während, indes(sen) kým, zatiaľ čo
geschweige dass tobôž že
Sie ging an uns vorbei, ohne dass sie uns grüßte. Prešla popri nás, a ani nás nepozdrav-
ila.
Statt/anstatt dass wir hier alle Industriezweige aufzählen, nennen wir nur einige. Namiesto
toho, aby sme tu vymenovávali všetky priemyselné odvetvia, uvedieme iba niektoré.
Während er sehr gereizt ist, ist sein Freund besonnen. Kým on je veľmi nervózny, je jeho
priateľ rozvážny.
Er wurde Ingenieur, indes/indessen/wohingegen sein Freund einen geistigen Beruf ergriff.
Stal sa inžinierom, zatiaľ čo jeho priateľ si zvolil duchovné povolanie.
So etwas sagt man nicht, geschweige dass man es täte. Také niečo sa nehovorí, a tobôž
už nerobí.
Statt ohne dass und statt dass wird (bei Subjektgleichheit im Haupt- und
Nebensatz) die Infinitivkonstruktion ohne zu bzw. statt zu gebraucht.
Sie ging an uns vorbei, ohne dass sie uns grüßte.
→ Sie ging an uns vorbei, ohne uns zu grüßen.
Statt dass wir hier alle Industriezweige aufzählen, nennen wir nur einige.
→ Statt hier alle Industriezweige aufzuzählen, …
1.5.17 Restriktivsatz
Im Restriktivsatz drückt eine Einschränkung des Geltungsbereiches des Haupt-
satzgeschehens aus. Restriktivsätze werden eingeleitet durch die Konjunktionen
soviel, soweit, insoweit, in- pokiaľ
sofern
wie ako
insofern – als natoľko – nakoľko
insoweit – als lenže
nur dass ibaže
außer dass iba ak
außer wenn iba ak
kaum dass sotvaže
Soviel/wie ich weiß, ist er krank. Nakoľko/ako viem, je chorý.
114 Grammatik
Ich kann immer kommen, außer wenn ich krank bin. Môžem prísť hocikedy, pokiaľ
nie som chorý.
Die Vorstellung war fast ausverkauft, kaum dass wir noch zwei Sitzplätze bekommen konn-
ten. Predstavenie bolo takmer vypredané, sotvaže sme mohli dostať ešte dve miesta
na sedenie.
Die Entscheidung war insofern schwierig, als wir keine Unterlagen von der Firma bekommen
haben. Rozhodnutie bolo o to ťažšie, že sme nedostali od firmy žiadne podklady.
1.5.18 Kausalsätze
Kausalsätze werden in zwei Gruppen eingeteilt.
1. Der Nebensatz gibt die Ursache an:
• reine Kausalsätze oder Kausalsätze im engeren Sinne
• Konditionalsätze
• Konzessivsätze
2. Der Nebensatz gibt die Wirkung an:
• Konsekutivsätze
• Finalsätze
Reiner Kausalsatz (Kausalsatz im engeren
Sinne)
Haupt- und Nebensatz umfassen notwendige Zusammenhänge von Ursache und
Wirkung. Der Kausalsatz wird eingeleitet durch die Konjunktionen
da, weil pretože, lebo, zato – že
fak. Korrelate: daher, darum, fak. Korrelate: preto, z toho dôvodu
deshalb, deswegen, aus dem Grunde
zumal (da), zvlášť preto,
um so mehr / um so weniger als tým skôr že
Korrelat unüblich
Weil/da ich morgens keine Zeit habe, (darum/deshalb) frühstücke ich nicht. Pretože ne-
mám ráno čas, neraňajkujem.
Ich besuche dich (deshalb) nicht, weil ich krank bin. Nenavštívim ťa (preto), lebo som
chorý.
Der Dieb muss streng bestraft werden, zumal er schon einmal im Gefängnis saß. Zlodeja
treba prísne potrestať zvlášť preto, že už raz sedel vo väzení.
Wir müssen ihm helfen, um so mehr(,) als dieser uns schon auch geholfen hat. Wir müssen
ihm um so mehr helfen, da…. Musíme mu pomôcť, a o to skôr, že aj on nám už pomo-
hol.
Syntax 115
Konditionalsatz
Im Konditionalsatz wird aus einer Bedingung eine Folge ausgedrückt. Die ein-
leitenden Konjunktionen sind
wenn keby; ak; keď
falls; im Falle dass v prípade, že
sofern/wofern pokiaľ; kým; ak
fak. Korrelat: so, dann
Wenn (im Falle dass) er nicht zu Hause ist, werden wir auf ihn nicht warten. Keď nebude
doma, nebudeme na neho čakať.
Diese Sätze stehen den Temporalsätzen nahe, vgl. (Immer) wenn ich Zeit hatte,
ging ich im Park spazieren. Keď/ak som mal čas, prechádzal som sa po parku.
Falls(im Falle, dass) der Adressat nicht anzutreffen ist, wird die Sendung am Postamt
deponiert. V prípade, že adresáta nemožno nájsť, uloží sa zásielka na pošte.
Irreale Bedingung wird ausgedrückt:
a) als gegenwärtiges und zukünftiges Geschehen: im Deutschen durch den
Konjunktiv des Präteritums, im Slowakischen durch den Konditional des
Präsens.
Wenn ich Zeit hätte, ginge ich ins Kino.
Hätte ich Zeit, würde ich ins Kino gehen.
Keby som mal čas, išiel by som do kina.
Vergangenes, abgeschlossenes Geschehen wird im Deutschen durch den Kon-
junktiv des Plusquamperfekts, im Slowakischen durch den Konditional der
Vergangenheit ausgedrückt.
Wenn ich Zeit gehabt hätte, wäre ich ins Kino gegangen.
Hätte ich Zeit gehabt,
Keby som bol mal čas, bol by som išiel do kina.
1.5.19 Konzessivsatz
Der Konzessivsatz drückt einen ungünstigen Umstand aus, der jedoch das
Hauptsatzgeschehen nicht wirksam macht. Die einleitenden Konjunktionen
sind:
einteilige Konjunktionen
obwohl, obgleich hoc, hoci
obzwar, obschon, wiewohl, wenngleich v prípade, že
116 Grammatik
fak. Korrelat: dennoch, trotzdem, doch predsa, napriek tomu
zweiteilige Konjunktionen
wenn + auch keby aj, hoci by
auch (selbst, sogar, und) + wenn i keď, keď aj, čo i
Obwohl er kein Österreicher war, fand er in Wien seine zweite Heimat. Hoci nebol Rakú-
šan, našiel vo Viedni svoj druhý domov.
Obwohl/obzwar/obgleich/obschon das Wetter schlecht ist, gehen wir ins Theater. Hoci je
zlé počasie, pôjdeme do divadla.
Sie fiel bei der Prüfung durch, obwohl sie sich darauf lange vorbereitet hatte. Na skúške
prepadla, aj keď sa na ňu dlho pripravovala.
Wenn er auch krank war, so ging er doch an die Arbeit. Hoci bol chorý, dal sa do práce.
[Link].1.1 Ausdrucksformen des Konzessivsatzes
Der Konzessivsatz hat mehrere Ausdrucksformen. Konzessive Bedeutung
haben folgende Nebensatzformen:
Verallgemeinernde Konzessivsätze: Fragepronomen + auch (immer)
Wann auch immer er zu uns kommt, er bewundert die Schönheit unseres Landes. Nech
ktokoľvek príde k nám, obdivuje krásu našej krajiny.
Wo du auch bist, vergiss nicht uns zu schreiben! Nech budeš kdekoľvek, nezabudni nám
napísať.
Alternativfragen mit satzeinleitendem ob:
Ob es regnet oder schneit, nie trägt er einen Hut. Či prší alebo sneží, nikdy nenosí klo-
búk.
Konzessivsätze mit (wenn) auch können auch mit den Modalverben sollen (im
Konjunktiv Präteritum) und mögen (im Indikativ Präsens und Präteritum) vor-
kommen.
Mag es auch kühl sein, ich gehe spazieren. I keď je chladno, idem na prechádzku.
Ich mochte sagen, was ich wollte, … I keby som bol neviem čo povedal …
Auch wenn er nicht kommen sollte, werden wir uns auf die Prüfung vorbereiten. I keď by
neprišiel, my sa pripravíme na skúšku.
Sätze mit den folgenden Strukturen:
auch wenn + noch so + Adjektiv/Adverb
aj keby akokoľvek
so/wie + Adjektiv/Adverb + auch
čo ako
Syntax 117
Wenn er auch viel Geld hat/hätte, so will/wollte er doch mehr haben. A čo by mal toľko
peňazí, chce mať ešte viac.
So/wie fleißig er auch ist, er konnte die Arbeit nicht beenden. Čo ako je usilovný, nevládal
prácu dokončiť.
Konzessivsatz kann durch Partizipialgruppe ersetzt werden:
Obgleich gewarnt, wagten es die Touristen, den Kamm zu ersteigen. Aj napriek výstrahe
sa turisti odvážili vystúpiť na hrebeň.
Imperativ oder Konjunktiv Präsens:
Rede, was du willst, ich habe dich dort nicht gesehen. Vrav si, čo chceš/ Nech povieš, čo
chceš, ja som ťa tam nevidel.
Koste, was es wolle, ich muss es probieren. Ja to musím stoj čo stoj skúsiť.
Wer es auch sei, er möge eintreten. Nech je to ktokoľvek, nech vojde!
Was er auch wünsche, (es) sei ihm gewährt. Čokoľvek si zaželá, nech sa mu vyhovie!
(Vgl. MARKO 1991: 304 f.)
1.5.20 Konsekutivsatz
Der Konsekutivsatz drückt eine Folge aus, die sich aus dem Hauptsatz-
geschehen ergibt. Die einleitenden Konjunktionen sind
so dass/sodass tak, že
dass takže, tak že
obl. Korrelat: so
ohne dass bez toho, že
als dass príliš aby
obl. Korrelat: zu
als dass nie tak – aby
solch- dass taký/taká, že
dermaßen dass tak, že
obl. Korrelat: nicht so
Er spricht leise, so dass man ihn nicht hört. Hovorí tak ticho, že ho skoro nepočujeme.
Der Film ist so schön, dass ich ihn noch einmal sehen möchte. Ten film je taký pekný, že
by som ho chcel vidieť ešte raz.
Das Wasser ist zu kalt, als dass man baden könnte. Voda je príliš studená, než aby sa
dalo kúpať.
Die Eintrittskarten waren zu teuer, als dass wir sie hätten kaufen können. (… als dass wir
sie kaufen konnten.) Vstupenky boli príliš drahé, než by sme ich (boli) mohli kúpiť.
Er war zu klug, als dass er es geglaubt hätte. Er war zu klug, um es zu glauben. Bol príliš
múdry, než aby tomu bol veril.
118 Grammatik
Das Wetter ist nicht so günstig, als dass wir auf die Jagd gehen könnten. Počasie nie je
také priaznivé, aby sme mohli ísť na poľovačku.
Er ist dermaßen frech, dass sich die Mitschüler von ihm abwenden.
(Vgl. Marko 1991: 298)
Der Finalsatz ist an ein Subjekt gebunden und drückt eine Absicht, einen
Zweck oder ein Ziel aus. Der Finalsatz ist gewöhnlich Nachsatz. Er wird mit
folgenden Konjunktionen eingeleitet.
damit, (selten dass) aby
fak. Korrelate: darum, deshalb,
deswegen, zu dem Zweck, in der Ab-
sicht
Im Deutschen steht im Nebensatz der Indikativ, im Slowakischen hingegen der
Konditional der Gegenwart.
Ich muss mich beeilen, damit ich nicht zu spät komme. Musím sa poponáhľať, aby som
neprišiel neskoro.
Der Bauer sät, damit er ernte(t). Sedliak seje, aby žal.
Wir gehen baden, damit wir uns erholen. Ideme sa kúpať, aby sme sa osviežili.
Finalsätze können durch einen Infinitiv mit um − zu ersetzt werden.
Mein Vater arbeitet, damit er seine Familie ernährt.
→ …, um seine Familie zu ernähren.
Wir gehen baden, damit wir uns erholen.
→ ..., um uns zu erholen.
1.5.21 Substitutivsatz
Der Substitutivsatz drückt eine nicht wahrgenommene Möglichkeit aus. Im
Hauptsatz wird eine andere Möglichkeit gezeigt. Der Sprecher beurteilt oft die
im Hauptsatz angegebene Möglichkeit als nicht richtig. Der Substitutivsatz
wird mit folgenden Konjunktionen eingeleitet:
statt dass namiesto (toho) aby
anstatt dass
Korrelat: unüblich
Statt/anstatt dass wir hier alle Industriezweige aufzählen, nennen wir nur die wichtigsten.
Namiesto toho, aby sme tu vymenovávali všetky priemyselné odvetvia, uvedieme iba
tie najdôležitejšie.
Mein Sohn ist in die Turnhalle gegangen, statt dass er seine Schularbeiten machte. Na-
miesto toho, aby urobil svoju domácu úlohu, išiel môj syn do telocvične.
Syntax 119
Der Nebensatz kann durch Infinitivkonstruktionen ersetzt werden:
Mein Sohn ist in die Turnhalle gegangen, statt seine Schularbeiten zu machen.
1.5.22 Adversativsatz
In einem Adversativsatz steht das durch den Nebensatz ausgedrückte Ge-
schehen im Gegensatz zum Geschehen des Hauptsatzes. Der Adversativsatz
wird mit folgender Konjunktion eingeleitet:
während kým
Korrelat: unüblich
Während es gestern schön war, ist das Wetter heute unbeständig.
Anmerkungen:
Die Konjunktion während leitet auch temporale Nebensätze ein.
Adversatives Verhältnis kann auch durch koordinierende Konjunktionen (aber,
jedoch) oder Konjunktionaladverbien ausgedrückt werden. Vgl.
Gestern war es schön, aber heute regnet es.
Gestern war es schön, im Gegensatz dazu/demgegenüber regnet es heute.
(Vgl. Helbig/Buscha 1994: 695)
Im weiteren Sinne kann der Restriktivsatz als Kausalsatz des besonderen Be-
gleitumstandes verstanden werden. Vgl. auch MARKO 1991: 297.
1.5.23 Weiterführender Nebensatz
Der weiterführende Nebensatz bezieht sich in loser Weise auf den gesamten
Hauptsatz. Der Nebensatz steht nicht für ein Satzglied. „In einem Satzgefüge
mit einem weiterführenden Nebensatz liegen inhaltlich zwei koordinativ neben-
einander stehende, unabhängig voneinander existierende Sachverhalte zu-
grunde, von denen einer dem anderen formal − als subordinierter NS − un-
tergeordnet wird:” (HELBIG/BUSCHA 1994: 672)
Er hat mir endlich einen Brief geschrieben. Das hat mich sehr gefreut.
→ Er hat mir endlich einen Brief geschrieben, was mich sehr gefreut hat.
Der weiterführende Nebensatz ist nicht zu verwechseln mit dem Attributsatz.
Der Attributsatz hat — im Unterschied zum weiterführenden Nebensatz — im
Hauptsatz ein Bezugswort.
Sie hat die Aufnahmeprüfungen bestanden, worüber sich ihre Eltern sehr freuten. (wei-
terführender Nebensatz)
Es war ein Erfolg, über den sich ihre Eltern sehr freuten. (Attributsatz)
120 Grammatik
Sie hat es geschafft, was mich sehr freut. (weiterführender Nebensatz)
Das ist das Problem, das mich sehr stört. (Attributsatz)
Nach der Art des Einleitungswortes kann man folgende weiterführende Neben-
sätze unterscheiden:
Relativsätze:
mit was eingeleitete Nebensätze:
Er ist schon selbständig, was mich sehr freut.
mit Pronominaladverbien (wo + Präposition) eingeleitete Nebensätze:
Er hat geschrieben, worüber wir uns sehr gefreut haben.
Konjunktionalsätze:
mit als eingeleitete Konjunktionalsätze:
Es war ein schöner Sommernachmittag, als ich Therese besuchte.
mit wie eingeleitete Nebensätze
Er arbeitet fleißig, wie es scheint.
(Vgl. HELBIG/BUSCHA 1994: 674)
1.5.24 Attributsatz
Attributsätze sind Sätze, die verbunabhängig sind und sich meistens auf ein
Nomen beziehen.
Attributsätze sind durch spezielle Einleitungswörter gekennzeichnet. Neben
den morphologisch deklinierbaren Pronomen der, die, das; die und welcher,
welche, welches; welche sind die Einleitungswörter unveränderlich. Es sind
Pronominaladverbien mit wo(r)- und einige Pronomina (wer, was), Adverbien
(wo, wie) und Konjunktionen (als, wenn, wie).
Genus und Numerus der Pronomina der und welcher wird durch das Bezugs-
wort im Hauptsatz bestimmt. Der Kasus ergibt sich aus ihrer Satzgliedfunktion
im Nebensatz.
Der Student, der mich besucht hat, ist der Sohn meines Freundes.
Die Studentin, die mich besucht hat, …
Das Kind, das mich besucht hat, …
Die Studenten, die mich besucht haben, …
Der Student, den ich gestern getroffen habe, …
Nach dem Typ und der Form der Einleitungswörter kann man folgende
Gruppen unterscheiden:
Syntax 121
Das Bezugswort ist ein Substantiv oder ein substantivisches Pronomen, das
Einleitungswort ist das Pronomen der bzw. welcher in verschiedenen Numerus-
, Kasus- und Genusformen mit oder ohne Präpositionen.
Ich kenne den Studenten, der (welcher) dir diesen Brief geschrieben hat.
Da kommt Herr Meier, mit dessen Sohn ich befreundet bin.
Der Student, an den ich geschrieben habe, kommt morgen zu Besuch.
Das Bezugswort ist das substantivische Pronomen derjenige (diejenige, das-
jenige, diejenigen), das Einleitungswort ist das Pronomen der oder welcher mit
seinen verschiedenen Formen.
Diejenigen, die an der Sitzung nicht teilgenommen haben, …
Denjenigen, dem ich begegne, (den) frage ich.
Das Bezugswort ist ein neutrales substantivisches Demonstrativpronomen oder
Indefinitpronomen (das, etwas, nichts, manches) oder ein substantivisch ge-
brauchtes Zahladjektiv bzw. Adjektiv (eines, vieles, einiges, das Beste), das
Einleitungswort ist das Pronomen das.
Er darf nichts essen, was ihm der Arzt verboten hat.
Es ist nicht immer das Beste, was modern ist.
Das Bezugswort ist ein Substantiv oder ein Adverb mit temporaler oder lokaler
Bedeutung, das Einleitungswort ist eine Temporal- oder Lokalbestimmung.
In den schweren Jahren, in denen / wo / wenn die Ernte so schlecht war, …
Das Dorf, aus dem ich stamme, liegt in der Mittelslowakei.
Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn? [Goethe]
Nach artikellosem Bezugswort können in temporaler Bedeutung nur wo, wenn
oder als, in lokaler Bedeutung nur Adverbien stehen.
Ostern, als es so unerträglich kalt war, …
In Nitra, wo er jetzt studiert, …
Merke: Wenn das Bezugswort ein Personalpronomen der 1. oder 2. Person ist, steht
als Einleitungswort der oder die mit dem entsprechenden Personalpronomen. Das Per-
sonalpronomen wird − im Unterschied zum Slowakischen − im Nebensatz wiederholt.
Du, der du in diesem Haus wohnst, … Ty, ktorý bývaš v tomto dome, …
Wir, die wir in diesem Haus wohnen, … My, ktorí bývame v tomto dome, …
Wir glauben Ihnen (Singular), der Sie stets aufrichtig waren, …
Wir glauben Ihnen (Plural), die Sie stets aufrichtig waren, … Veríme Vám, ktorý/ktorí ste
boli vždy úprimný/í, …
122 Grammatik
In der dritten Person wird das Personalpronomen im Nebensatz nicht wieder-
holt:
Er, der in diesem Haus wohnt, … On, ktorý býva v tomto dome, …
1.6 Satztypen nach syntaktisch-semantischen Beziehungen
Nach syntaktisch-semantischen Beziehungen unterscheiden neuere Darstel-
lungen drei Haupttypen von Nebensätzen in einfachen Satzgefügen:
1. Komplementsätze: das sind abhängige Sätze, die Leerstellen von Valenz-
trägern (Hauptsätzen) besetzen;
2. Verhältnissätze: in diesem Satz signalisiert die einleitende Konjunktion
eine enge Beziehung zwischen zwei Sachverhalten;
3. Relativsätze: diese Nebensätze werden durch Relativpronomen oder -ad-
verbien eingeleitet.
1.6.1 Komplementsatz
Komplementsätze sind solche „Interrogativ- und Konjunktionalsätze sowie un-
eingeleitete Nebensätze, die als Subjekt- oder Objektsätze fungieren und als
»prädikative Aktanten« valenzbedingt sind”. Sie „stellen Sachverhalte dar,
denen Eigenschaften anerkannt oder die zu Individuen oder zu anderen Sach-
verhalten in Beziehung gesetzt werden.” (SOMMERFELDT/STARKE 1992: 239)
ES werden drei Typen von Komplementsätzen unterschieden:
1. Typ I: Bewertung eines Sachverhalts, der im Subjektsatz dargestellt wird
Es ist schön, dass ihr gekommen seid.
Ob ich Hans heute treffe, ist nicht sicher/ist zweifelhaft.
Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Einfachheit die Betrogenen überrumpelt worden
sind.
Im Hauptsatz wird die Stellungnahme des Sprechers/Schreibers auf unter-
schiedliche Art ausgedrückt. Es handelt sich z.B. um den „Geltungsgrad einer
Aussage, positive oder negative Wertung, Relevanz oder Irrelevanz eines Sach-
verhalts, Ausdruck eines Gefühls oder einer Absicht. Im Nebensatz (Subjekt-
satz) wird der Sachverhalt dargestellt, zu dem Stellung genommen wird.”
(SOMMERFELDT/STARKE 1992: 329)
Die Stellungnahme des Sprechers/Schreibers kommt durch Verben, prädika-
tive Adjektive oder Substantive zum Ausdruck:
es trifft zu zhoduje sa
es stimmt súhlasí
Syntax 123
es bewahrheitet sich potvrdzuje sa ukazuje sa
es ist gewiss, sicher, erstaunlich, klar, je isté, pozoruhodné, zrejmé, oči-
offenkundig, offenbar, unbestreitbar, vidné, nepopierateľné, dokázané
erwiesen
es ist der Fall, Tatsache je fakt
Der Sprecher/Schreiber bewertet einen Sachverhalt als bedeutsam oder ohne
Bedeutung:
es ist aufschlussreich, beachtenswert, je to poučné, pozoruhodné, výz-
bedeutsam, bemerkenswert, ent- namné, dôležité, pozoruhodné, roz-
scheidend, ausschlaggebend, wesentlich, hodujúce, rozhodujúce, podstatné
wichtig
es ist ohne Bedeutung, einerlei, belang- je to bezvýznamné, to je jedno, veľ-
los, nebensächlich, unerheblich, mi potrebné
es tut nichts zur Sache to nie je podstatné
2. Typ II.: Ausdruck einer Relation zwischen einem Individuum (einer Gruppe
etc.) und einem Sachverhalt. Der betreffende Sachverhalt wird sprachlich durch
einen Subjekt- oder Objektsatz ausgedrückt:
Beispiele mit Subjektsatz:
Dass Monika schlecht studiert, beunruhigt die Eltern.
Mich bewegt, wie viele Menschen Opfer dieses unsinnigen Krieges geworden sind.
Objektsätze stehen bei Verben der Wahrnehmung, Verben des Fühlens, Den-
kens und Wollens sowie bei Verben der Mitteilung.
Er sagte mir, dass er kommt/komme.
Er hat mich gefragt, ob ich etwas von diesem Verkehrsunfall gehört habe.
3. Typ III.: Darstellung einer Beziehung zwischen zwei Sachverhalten
„In diesem Falle werden zwei Sachverhalte in Nebensätzen (Subjekt- und
Objektsatz) ausgedrückt, zwischen denen ein Prädikatsausdruck (meist ein
zwei- oder dreiwertiges Verb oder ein Funktionsverbgefüge) zum Ausdruck
einer spezifischen semantischen Beziehung steht:” (SOMMERFELDT/STARKE 1992:
240)
Ob du Erfolg hast, hängt davon ab, mit welcher Kraft und Ausdauer du deinen Erfolg an-
strebst.
1.6.2 Verhältnissätze
K.-E. SOMMERFELDT und G. STARKE nennen folgende Merkmale von Verhält-
nissätzen:
124 Grammatik
a) Sie sind syntaktisch vollständigen Trägersätzen untergeordnet, besetzen
also Leerstellen von Valenzträgern wie Komplementsätze.
b) Sie sind entweder Konjunktionalsätze oder semantisch analoge uneingelei-
tete Stirnsätze. Als Einleitewörter sind alle subordinierenden Konjunktionen
(…) möglich.
c) Satzgefüge mit Verhältnissätzen dienen der Darstellung einer kommu-
nikativ bedeutsamen inhaltlichen Beziehung zwischen zwei Sachverhalten
entsprechend den Bedeutungsgruppen der Adverbialbestimmungen (… aus-
genommen das lokale Verhältnis.)
Die Verfasser belegen dies mit folgenden Beispielen:
Ich war ihnen dankbar, weil ich zum ersten Mal mich gleichsam bestätigt fühlte. (St.
Zweig) = Kausalsatz
Indem die Tückische dermaßen ihre Schwestern gleichzeitig lockte und abmahnte, träufte
derart glatte Rede nur Öl in die brennende Flamme ihres Hochmuts. (St. Zweig) =
Modalsatz
(ebenda)
In einigen Fällen werden die Nebensätze ohne Konjunktionen eingeleitet.
Im Fernstudium spielen Sprechstunden eine entscheidende Rolle, dienen sie doch der
Vertiefung und Festigung des Lehrstoffes.
(ebenda)
1.6.3 Relativsätze
„Relativsätze sind Nebensätze, die durch ein Relativpronomen oder ein Relativ-
adverb eingeleitet werden. Dieses Relativum repräsentiert syntaktisch ein Satz-
glied des Nebensatzes; es ist semantisch gefüllt durch den Rückbezug auf ein
Satzglied im Trägersatz.” (SOMMERFELDT/STARKE 1992: 243) Funktional-
semantisch charakterisieren Relativsätze Individuen, Gruppen von Individuen
oder Sachverhalte in der Form eines Nebensatzes. Man kann folgende Klassen
von attributiven Relativsätzen unterscheiden:
1. Erläuternde, appositive oder nichtrestriktive Attributsätze. Sie bieten zu-
sätzliche Informationen, die für die Identifizierung der Denotate nicht er-
forderlich sind.
Der Bekannte, der mich gestern aufgerufen hat, kommt heute nicht.
2. Restriktive oder einschränkende Attributsätze. Sie geben „Merkmale
wieder, die ein Individuum oder eine Gruppe von Individuen von anderen
mit gleicher Benennung abgrenzen, eine Gruppe von Individuen also identi-
fizieren.” (ebenda)
Syntax 125
Nur der sieht, der auch liebt … (A. Zweig)
Derjenige Journalist, der diesen Artikel veröffentlicht hat, fährt im nächsten Monat in den
Kuwait.
3. Vergleichend determinierender Attributsatz. Dieser Satz „kennzeichnet
und spezifiziert die Semantik des Bezugswortes dadurch, dass er einen Ver-
gleichsmaßstab oder eine maßstabsetzende Bedingung ausdrückt.” (ebenda)
Anja möchte einen Pelzanorak, wie er im Schaufenster ausgestellt ist.
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