Extraktion (von lateinisch extrahere ‚herausziehen, entnehmen‘, auch Auslaugung,
Leaching[1]) ist ein Trennverfahren, bei dem mit Hilfe eines geeigneten
Extraktionsmittels eine oder mehrere Komponenten aus einem Stoffgemisch, dem
Extraktionsgut, ganz oder teilweise herausgelöst werden. Dabei wird der
extrahierte Stoff, auch wenn er noch in Lösung vorliegt, als Extrakt, seltener
auch als Auszug, Aufguss oder Infus bezeichnet. Der Rückstand mit den
unlöslichen Komponenten wird als Raffinatphase bezeichnet.
Eigenschaften
Die Extraktion ist ein Diffusionsvorgang, der aufgrund der unterschiedlichen
Löslichkeiten von Extrakt und Raffinatphase in einem Lösungsmittel abläuft.
Dabei stellt sich mit der Zeit ein Verteilungsgleichgewicht ein (siehe dazu
Nernstsches Verteilungsgesetz). Zunächst wird dabei ein intensiver Kontakt
zwischen dem Extraktionsmittel und dem zu extrahierenden Stoff hergestellt. Bei
Feststoffen ist eine geringe Korngröße von Vorteil, um die Kontaktfläche zu
verbessern, bei Flüssigkeiten werden beispielsweise Mischvorgänge eingesetzt und
geschüttelt oder gerührt. Durch Erhöhung von Druck und Temperatur wird zumeist
die Löslichkeit der Stoffe erhöht. Im nächsten Schritt werden die entstehenden
Phasen getrennt und danach das Extraktionsmittel zurückgewonnen. Die Effizienz
der Extraktion ist von vielen verschiedenen Parametern abhängig, wie pH-Wert,
Löslichkeiten, Temperatur, Korngrößen des Extraktguts bzw. Kontaktfläche,
Eindringverhalten des Extraktionsmittels, Benetzbarkeit etc. Ein typischer
Indikator für eine Extraktion in organischen Lösungsmitteln ist der Octanol-
Wasser-Verteilungskoeffizient.
Die beiden Phasen müssen eine Mischungslücke aufweisen, damit es zu einer
Phasentrennung kommt. Das wertstoffangereicherte Extraktionsmittel wird
aufbereitet (beispielsweise durch Rektifikation), um den reinen Wertstoff zu
erhalten und das Extraktionsmittel wiederzugewinnen. Aufgrund der Löslichkeit
der zu extrahierenden Komponente im ursprünglichen Stoff bleibt immer eine
Restmenge erhalten. Der Mechanismus hierzu wird mit dem Nernstschen
Verteilungsgesetz beschrieben. Deshalb können zum Beispiel mit einer
Waschmaschine oder mit einem Geschirrspülmaschine bei zwei Spülgängen nie 100 %
einer Verunreinigung entfernt werden, was beispielsweise bei radioaktiven
Kontaminationen zu weitreichender Verstrahlung aller mitgewaschenen
Gerätschaften führt.
Physikalische und chemische Extraktion
Wird der extrahierte Stoff nicht verändert, also nur gelöst oder adsorbiert, so
ist die Extraktion ein physikalischer Vorgang. Geht der Stoff eine chemische
Reaktion zur Veränderung der Löslichkeit im Extraktionsmittel ein, so ist sie
ein chemischer Vorgang, wie etwa die Cyanidlaugung von Gold oder andere
sogenannte Auslaugungen. Die Entfernung eines Lösungsmittels aus einem flüssigen
Extrakt ist zum Beispiel durch Destillation oder Kristallisation möglich. Die
Abtrennung einer festen Raffinatphase erfolgt beispielsweise durch Filtrieren
oder Zentrifugieren.
Lösungsmittel
Als anorganische Lösungsmittel werden beispielsweise Wasser und Wasserdampf,
Säuren, Basen und verflüssigtes Kohlendioxid, als organische Lösungsmittel
beispielsweise Alkohole, Terpene, Diethylether, pflanzliche Öle, chlorierte
Kohlenwasserstoffe oder n-Hexan verwendet. Das Lösungsmittel zur Extraktion
sollte so gewählt werden, dass es hauptsächlich nur den gesuchten Stoff oder
eine gewünschte Fraktion aus dem Extraktionsgut herauslösen. In der Praxis ist
das jedoch nur schwer möglich und so kommt es oft zum Herauslösen mehrerer
unerwünschter Bestandteile, die dann durch nachgeschaltete Trennverfahren
getrennt werden müssen. Das Extraktionsmittel muss dem Extrakt gegenüber inert
sein, um chemische Reaktionen des gesuchten Stoffs zu vermeiden. Da die
Diffusion von Konzentrationsunterschieden getrieben ist, sollte der Unterschied
der Konzentrationen des gesuchten Stoffs zwischen Extraktionsmittel und
Ausgangsstoff möglichst groß sein (evtl. wird das Lösungsmittel mehrmals gegen
frisches getauscht) und die Löslichkeit des gesuchten Stoffs im Lösungsmittel
sollte möglichst groß sein. Die Polarität des Lösungsmittels zum Extraktionsgut
muss unterschiedlich sein, damit sich die Stoffe nicht ineinander lösen. Wasser
besitzt eine Dielektrizitätskonstante von 80,1 bei 25 °C, während diejenige von
Ethanol bei etwa 24,3 liegt und sie sind noch zu jedem Anteil mischbar. Ein
niedriger Siedepunkt des Lösungsmittels begünstigt dessen Rückgewinnung aus der
Extraktlösung, wodurch der Energieaufwand sinkt. Das Lösungsmittel sollte aus
Arbeitssicherheitsgründen möglichst nicht brennbar, giftig, korrodierend oder
umweltgefährdend sein.
Extraktgut
Das Extraktionsgut sollte eine zum Volumen verhältnismäßig große Oberfläche
aufweisen, da sie zu der extrahierbaren Stoffmenge proportional ist. In der
Praxis erweist es sich deshalb als zweckmäßig, das Extraktionsgut bei der
Feststoffextraktion zu einem feinen Pulver zu zerkleinern. Bei der Flüssig-
Flüssig-Extraktion erreicht man eine große Oberfläche durch Bewegung: intensives
Rühren, Schütteln oder durch Emulgieren mit anschließender Emulsionsspaltung.
Geräte
Im Chemielabor erfolgt dies oft in einer Soxhlet-Apparatur oder in einem
Schütteltrichter, in der Technik in einem (geschlossenen) Mischer. Dabei werden
die Flüssigkeiten in kleine Tröpfchen zerteilt werden und dadurch eine große
Oberfläche für den Phasenübergang bieten. Bei der Flüssig-Flüssig-Extraktion
wird zwischen dem Extraktionsgut und dem Extraktionsmittel ein genügend hoher
Dichteunterschied eingestellt, um das Abtrennen beider Phasen zu erleichtern.
Die Raffinatphase und die Extraktphase, die im Verteilungsgleichgewicht nun
einen Teil des zu extrahierenden Stoffs enthält, werden so in einem Abscheider
durch ihre (möglichst große) Dichtedifferenz getrennt. Verwendet werden auch
Dekanter oder Zentrifugen.
Skizze einer Mixer-Settler Apparatur mit Stoffströmen
Im großtechnischen Bereich werden sogenannte Mixer-Settler (Mischabsetzer)
verwendet, wobei die Flüssigkeiten nach der Durchmischung in einen weiteren
Behälter überführt werden und sich dort absetzen können. Dadurch ist es möglich
in einem oder mehreren Schritten unterschiedliche große Flüssigkeitsmengen zu
handhaben. Alternativ können Mixer und Settler abwechselnd in einer Kolonne
untergebracht werden. Eine solche Mixer-Settler-Kolonne ist besonders geeignet
für Anwendungen wo viele Trennstufen erforderlich sind oder wenn die Extraktion
mit einer chemischen Reaktion gekoppelt ist. Die Anzahl der theoretischen
Trennstufen lässt sich mit Hilfe des sogenannten Polstrahlverfahrens manuell
abschätzen. In der industriellen Anwendung kommen kontinuierliche
Extraktionsverfahren oder auch Extraktion mittels Zentrifugalextraktor zur
Anwendung.
Extraktionsverfahren
Man unterscheidet verschiedene Extraktionsverfahren,[2] wobei zuerst der
Aggregatzustand des Trägermittels genannt wird und dann der des Lösungsmittels:
Fest-Flüssig-Extraktionen, bei denen ein flüssiges Extraktionsmittel einen
Stoff aus einem Feststoffgemisch extrahiert, beispielsweise die Zubereitung von
Kaffee.
Bei der Mazeration werden Stoffe in einem Lösungsmittel eingeweicht und
zum Lösen stehen gelassen.
Digerieren ist eine Mazeration unter Wärmezufuhr, dabei werden
Flüssigkeit und Feststoff durch Rühren gemischt und meist durch Dekantieren der
unlöslichen Bestandteile getrennt.
Beim Auslaugen bzw. Auswaschen werden meist Minerale oder Schadstoffe
aus einer Lagerstätte ausgewaschen.
Flüssig-Flüssig-Extraktionen, bei denen durch ein flüssiges
Extraktionsmittel ein gelöster Stoff aus einer Flüssigkeit extrahiert wird.
bei der Flüssig-Membran-Permeation (siehe auch Permeation) wird eine
multiple Emulsion (also eine weitere Emulsionsphase in einer Emulsion) zur
Extraktion eingesetzt, wobei der extrahierte Stoff von der innersten Phase
gestrippt wird;
beispielsweise das Ausschütteln in der Laboratoriumspraxis.
Flüssig-Gas-Extraktionen, bei denen durch eine Flüssigkeit ein Gas aus einem
Gasgemisch extrahiert wird,
beispielsweise Extraktion von Kohlendioxid in einer Gaswäsche oder bei
der Gaschromatographie,[3]
Gas-Flüssig-Extraktionen, bei denen ein Gas oder Dampf einen Stoff aus einer
Flüssigkeit extrahiert,
beispielsweise bei der Strippung oder auch in der Gaschromatographie.
Flüssig-Fest-Extraktionen, bei denen durch Adsorption an einen Feststoff ein
Stoff aus einer Flüssigkeit extrahiert wird,
beispielsweise Adsorption von chlorierten Kohlenwasserstoffen an
Aktivkohle aus Trinkwasser.
Weiters sind Extraktionen aus unterschiedlichen Aggregatzuständen möglich, ohne
dass hierfür ein Begriff existiert:
eine Extraktion, bei der ein Gas einen an einem Feststoff adsorbierten oder
chemisch gebundenen Stoff extrahiert (Beispiel Gaschromatographie oder die
Herstellung von Espresso mit Wasserdampf).
bei der Dampfdestillation (Wasserdampfdestillation) wird einerseits die
den Wertstoff oder die Verunreinigung enthaltende Lösung durch den (Wasser)Dampf
aufgeheizt und leichtflüchtige Bestandteile zum Verdampfen gebracht,
andererseits reißt der durchperlende (Wasser)Dampf diese anderen Dämpfe im
Dampfstrom als Treibmittel mit und „extrahiert“ sie so aus der Lösung, wobei
sich die mitgerissenen Substanzen (wie beispielsweise wasserunlösliche
ätherische Öle) nicht unbedingt im (Wasser)Dampf oder Dampfkondensat lösen
müssen.
eine Extraktion mittels Gas aus Gas, wenn beispielsweise Kohlendioxid
Wasserdampf aus der Luft aufnimmt und sich am Boden ansammelt;
Eine Extraktion mittels eines Feststoffes aus einem Gas, bei der durch
Adsorption oder Absorption an einen Feststoff ein Stoff aus einem Gas extrahiert
wird,
beispielsweise Entfernung von Wasserdampfspuren aus Gasen (Trocknung)
mithilfe von Calciumoxid;
Enfleurage in der Parfümindustrie zur Gewinnung von ätherischen Ölen und
Duftstoffen.
Eine Extraktion „Fest-Fest“ wäre, wenn ein Stoff aus einem Feststoff in
einen anderen Feststoff hineindiffundiert, beispielsweise wenn ein Weichmacher
aus einem Kunststoff in aufgetragene Lackschichten diffundiert, so wird der
Weichmacher dadurch „extrahiert“.
Anwendung
Alltag
Das Waschen von Textilien und Geschirr ist durch Extraktionsvorgänge geprägt,
mithilfe von meist Wasser und Lösungsvermittlern werden Verunreinigungen von
Wäsche und Geschirr entfernt (siehe dazu auch Waschmaschine und Spülmaschine).
Organisch-chemische Industrie
Extraktion wird immer dann angewendet, wenn Destillation oder Rektifikation aus
technischen Gründen nicht in Frage kommen oder das Extraktionsverfahren
kostengünstiger ist. Dies kann der Fall sein, wenn
die Wertkomponente vor dem Erreichen der Siedetemperatur des Gemisches
zerfällt und man nicht bei vermindertem Druck destillieren möchte. Daher werden
hitzeempfindliche Substanzen wie Antibiotika oder Naturstoffe extrahiert.
das Gemisch ein Azeotrop aufweist und man nicht spezielle
Rektifikationsverfahren wie die Extraktivrektifikation oder das
Zweidruckverfahren anwenden möchte. BTX-Aromaten werden daher häufig aus ihren
Gemischen extrahiert.
die Siedetemperaturdifferenz zwischen den bzw. die Relative Flüchtigkeit der
zu trennenden Komponenten sehr klein ist.
ein geringer Anteil eines Schwersieders aus einem Leichtsieder entfernt
werden soll.
Anorganisch-chemische Industrie
Bauxit – Rohstoff zur Aluminiumgewinnung
Die Auslaugung oder Metallsalzextraktion ist ein wichtiges und unersetzbares
Verfahren, um beispielsweise Titandioxid (TiO2) zu gewinnen oder um Bauxiterz
vom Eisenhydroxid zu befreien. Bauxit ist ein Erz (natürliches Stoffgemisch),
das viel Aluminium- und Eisen-Hydroxide und -Oxide enthält. Das beim Erz-
Aufschluss in Natronlauge gelöste Aluminiumhydroxid kann dann aus der
Aluminatlauge vom Rotschlamm (Eisenhydroxid) gereinigt zurückgewonnen und durch
Brennen und Elektrolysieren in Aluminium umgewandelt werden. Der Aufschluss- und
Extraktionsvorgang der Aluminiumverbindungen im Bauxit ist hier mit der
chemischen Reaktion des Aluminiumhydroxids mit der Natronlauge zur Aluminatlauge
gekoppelt (Komplexbildungsreaktion). Auch die Wiederaufarbeitung von
Reaktorbrennelementen nutzt die Extraktion.
Pharmazie
Die Zubereitung von Drogenextrakten aus pharmazeutischen Drogen für Arzneimittel
oder Kosmetika durch Extraktion der Inhaltsstoffe aus Heilpflanzen ist ein
zentrales Gebiet der Pharmazie.
In der pharmazeutischen Technologie werden verschiedene Verfahren angewandt, z.
B. Mazeration, Di- bzw. Remazeration (zweifache Mazeration), Digestion
(Mazeration unter erhöhter Temperatur), Re-/Perkolation (Extraktion mittels
Durchsickern, wie bei der Filterkaffee-Zubereitung), Soxhletverfahren,
Extraktion nach Twisselmann, Turbo- (Wirbel), Ultra-Turrax-, Ultraschall-,[4]
Gegenstromextraktion und Extraktion mittels Zentrifugalextraktor.
Viele pflanzliche Arzneimittel enthalten nur getrocknete Pflanzenteile oder
einfache Extrakte daraus. Bei der Herstellung eines Spezialextraktes handelt es
sich um einen komplexen, vielstufigen Extraktions- und Reinigungsprozess. Dabei
werden unerwünschte Inhaltsstoffe entfernt und die erwünschten, die Wirksamkeit
bestimmenden Phytopharmaka, angereichert. Die Anwendung von Spezialextrakten hat
u. a. folgende Vorteile: So kann die Wirkstoffkonzentration im Spezialextrakt
erhöht werden; es werden geringere Mengen eines Stoffes für die gleiche Wirkung
benötigt; nicht erwünschte Nebenprodukte werden bei der Extraktion entfernt, das
Phytopharmakon wird besser verträglich; Zusammensetzung und Menge der
Inhaltsstoffe ist standardisiert, was eine gleichbleibende Qualität garantiert.
[5]
Parfumindustrie
Auch Duftstoffe werden durch Extraktion gewonnen, Rosenöl beispielsweise wird
durch Wasserdampfdestillation (mit Dampf als Schleppmittel) aus Rosenblüten
hergestellt, duftendes Jasminöl durch Enfleurage (festes Fett als
Absorptionsmittel, aus dem die Duftstoffe dann extrahiert werden).
Lebensmittelindustrie
Das nach Menge größte Anwendungsgebiet ist die Gewinnung von Speiseölen aus
Ölsaaten durch Pressung und Extraktion mit dem Lösungsmittel Hexan. Aus dem
entstehenden Gemisch von Öl und Lösungsmittel (Miszella) wird durch
Abdestillieren des Lösungsmittels das Speiseöl gewonnen.
Ein neueres Extraktionsverfahren ist die Extraktion mit überkritischen
Lösungsmitteln (englisch supercritical fluid extraction ‚Überkritische
Flüssigextraktion‘). Bei hohen Drücken und Temperaturen nehmen Gase und
Flüssigkeiten einen Zustand ein, bei dem die physikalischen Eigenschaften des
Lösungsmittels weder denen des Gases noch denen der Flüssigkeit entsprechen,
diesen Bereich nennt man überkritisch. Hauptsächlich kommt hier überkritisches
Kohlenstoffdioxid (CO2) zur Anwendung. Mit überkritischem CO2 werden Extrakte
aus Lebensmitteln gewonnen oder unerwünschte Stoffe extrahiert: Koffein aus
Kaffeebohnen, Hopfenharze aus Hopfen, Nikotin aus Tabak, Aromen sowie Farbstoffe
und Inhaltsstoffe aus verschiedensten Gewürzstoffen, Gewürzpflanzen und
Naturstoffen. Mit überkritischem CO2 kann aber auch der umgekehrte Vorgang, das
Imprägnieren, erfolgen. Dafür wird ein festes Ausgangsmaterial mit den im
überkritischen CO2 gelösten Substanzen kontaktiert, wodurch die
Imprägniersubstanzen in sämtliche Poren des Feststoffes eindringen. Durch
langsames Entspannen verliert das überkritische CO2 die Lösefähigkeit und die
Imprägniersubstanzen verbleiben gleichmäßig verteilt im Feststoff zurück. Dieses
Verfahren wird industriell bereits in einer Großanlage in Dänemark zum
Imprägnieren von Holz (mit Essigsäureanhydrid) angewandt (siehe dazu
Acetyliertes Holz). Auch beschäftigen sich diverse Forschungseinrichtungen mit
dem Färben von Stoffen, wofür eigene Farbstoffe entwickelt wurden, die eine gute
Löslichkeit im überkritischen CO2 aufweisen. Die Wasserextraktion von gemahlenem
Röstkaffee und die Sprühtrocknung oder Gefriertrocknung des Extraktes liefert
Pulverkaffee oder gefriergetrockneten Kaffee.
Biochemie
Da Proteine durch die meisten organischen Lösungsmittel denaturiert werden,
setzt man bei der Proteinreinigung wässrige 2-Phasensysteme für die Extraktion
ein. Das Prinzip beruht auf der Mischung zweier Lösungen, welche zwei getrennte
Phasen ausbilden. Beispiele hierfür sind Wolkenpunktextraktionen oder Fällungen
mit Polyethylenglykol- (PEG) oder Dextranlösungen. Die Wolkenpunktextraktion
basiert auf der Phasentrennung einer einprozentigen (m/V) Triton-X114-Lösung
oberhalb von 22 °C oder nach der Zugabe von Salzen und Natriumlaurylsulfat.[6]
Ebenso kommt eine Zweiphasenextraktion bei der DNA-Extraktion vor, in diesem
Fall mit einer wässrigen und einer organischen Phase. Das Produkt löst sich
entsprechend seinem Verteilungskoeffizienten unterschiedlich in den beiden
Phasen.
Bodensanierung und Abwasserreinigung
Bei der Bodensanierung lassen sich Schadstoffe mit unterschiedlichen Lösemitteln
aus kontaminierten Böden extrahieren. Hierzu hat sich auch die
Hochdruckextraktion als geeignet herausgestellt, bei der man, ähnlich wie bei
der Hochdruckextraktion von Kaffee, Hopfen oder Fetten und Ölen mit verdichteten
Gasen, wie z. B. Kohlenstoffdioxid, extrahiert.[7] Mithilfe von
Phosphoreliminationsverfahren werden in Kläranlagen Phosphate aus Abwasser
extrahiert, um sie als Phosphatdüngemittel wiedereinzusetzen.
Weblinks
Wiktionary: Extraktion – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme,
Übersetzungen
Einzelnachweise
Heike P. Schuchmann, Harald Schuchmann: Lebensmittelverfahrenstechnik Rohstoffe,
Prozesse, Produkte. Wiley, 2012. ISBN 978-3-527-66054-4. S. 273.
Annette Kirchhoff: Modelle zum Fließverhalten nicht mischbarer Phasen in der
Chromatomembran- Zelle und Möglichkeiten ihrer Anwendung bei der Automation von
Analyseverfahren. 2004, "3 Extraktionsverfahren als Probenvorbereitung für die
Chromatographie", doi:10.17169/refubium-14496 ([Link] [PDF; abgerufen am
24. Januar 2025]).
Carsten Bloch: Die Chromatomembran-Methode als Probenvorbereitung für die
Gaschromatographie. Dissertation. FU Berlin, 1999, Kapitel 3.2.
Ultraschall-Extraktion von Koffein und anderen aktiven Wirkstoffen
P. W. Elsinghorst u. a.: The thermal and enzymatic taxifolin-alphitonin
rearrangement. In: Journal of Natural Products.74(10), 28. Okt 2011, S. 2243–
2249; PMID 21992235.
R. Ma, J. Zhao, H. C. Du, S. Tian, L. W. Li: Removing endotoxin from plasmid
samples by Triton X-114 isothermal extraction. In: Analytical biochemistry. Band
424, Nummer 2, Mai 2012, S. 124–126, ISSN 1096-0309.
doi:10.1016/[Link].2012.02.015. PMID 22370278.
I. Reiß, A. Schleußinger, S. Schulz: Bodensanierung durch
Hochdruckextraktion. In: Chemie in unserer Zeit. 28. Jahrg. Nr. 4, 1994, S. 189–
196, ISSN 0009-2851.
Kategorien:
Pharmazeutische TechnologieExtraktion