DNL : GESCHICHTE : THEMA 1 : NAZISMUS UND ZWEITE WELTKRIEG
Kapitel 1 : Nazismus : ein totalitäres Regime
I) Nationalsozialistische Propaganda
1) Der Führerkult
° Die Stilisierung Adolf Hitlers zu einer über alle Zweifel erhabenen, unnahbaren und
glorifizierten Führer-Figur war eine zentrale Aufgabe der NS-Propaganda. Zu diesem Zweck
wurde die durchaus zweifelhafte Vergangenheit Hitlers verschleiert und mit positiv besetzten
Mutmaßungen regelrecht mystifiziert. Es sollte blindes Vertrauen in die Kompetenz des
„Führers“ erzeugt werden. Nicht nur die deutsche Bevölkerung, auch die Führungsriege der
NSDAP erlag dieser Stilisierung.
° Auf der einen Seite ein Großteil der deutschen Bevölkerung voller Schamgefühle,
unverarbeiteter Weltkriegs-Traumata, Regressions- und Erlösungsphantasien, die von der
anderen Seite, der NS-Propaganda, bedient wurden. Hochrangige NS-Politiker
verschwiegen ihre Zweifel an bestimmten politischen Vorhaben weniger aus Angst vor
Denunziation als vielmehr aus übersteigerter Identifikation mit der allmächtigen Vaterfigur.
° Andererseits wurde gleichzeitig versucht, die Mystifizierung und Überhöhung Hitlers durch
eine Darstellung seiner Person als „Mensch wie Du und ich“ zu konterkarieren. Insgesamt
bot sich ein ambivalentes Bild von Hitler, das seiner distanzierten Entrücktheit auch
Modernität, Vitalität, Genügsamkeit oder Naturliebe gegenüberstellte.
2) Der Massenkult
° Nach ihrem Wahlerfolg und der Machtübernahme der NSDAP im Jahr 1933 erfolgte die
Steuerung der sogenannten „nationalen Bewegung“ zu einem wesentlichen Teil mit den
Mitteln symbolischer Kommunikation. Mittels bestimmter Rituale wurde eine pseudoreligiöse
Form eines politischen Massenkults geschaffen.
° Dieser Kult sollte die Sinne ansprechen, Emotionen wecken und den Verstand betäuben.
Durch Kundgebungen, Fackelzüge, Fahnenappelle, Massenaufmärsche und Feierstunden
sowie durch Jugendorganisationen wie Hitlerjugend, aber auch durch entsprechende
Gestaltung des Schulunterrichts, gelang es der NSDAP, das verbreitete Bedürfnis nach
Identität und sozialer Gemeinschaft geschickt zu bedienen und für politische Zwecke zu
instrumentalisieren.
3) Ein Thema der Propaganda : Antisemitismus
° Ein zentrales Motiv der NS-Propaganda war der „eliminatorische Antisemitismus“. Das
Weltbild der Nationalsozialisten war beherrscht vom Feindbild des Judentums, dem in Form
einer Weltverschwörungstheorie sowohl die Verantwortung für den modernen Kapitalismus
(der „ewige Jude“ als Vertreter des Finanzkapitals) als auch für den Kommunismus
unterstellt wurde.
° Um den Holocaust an den europäischen Juden propagandistisch einzuleiten und zu
legitimieren, wurden unter anderem Propaganda-Spielfilme wie Jud Süß eingesetzt, in
denen die Juden als „verdorbene Rasse“ dargestellt wurden. Die Strategie der
propagandistischen Dehumanisierung (Entmenschlichung) diente nicht zuletzt auch dazu,
die Hemmschwelle für jene herabzusetzen, die an den Verbrechen der Nationalsozialisten
(insbesondere in den Konzentrations- und Vernichtungslagern) unmittelbar beteiligt waren
oder die, etwa als Nachbarn, Zeugen von Verbrechen wurden.
II) Die nürnberger Gesetze
Mit den Nürnberger Gesetzen – auch als Nürnberger Rassengesetze oder Ariergesetze
bezeichnet – institutionalisierten die Nationalsozialisten ihre antisemitische und rassistische
Ideologie auf juristischer Grundlage. Sie wurden anlässlich des 7. Reichsparteitages der NSDAP,
des sogenannten „Reichsparteitags der Freiheit“, am frühen Abend (17.45 Uhr) des 15.
Septembers 1935 einstimmig vom Reichstag angenommen.
1) Blutschutzgesetz
Das am 15. September 1935 erlassene Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der
deutschen Ehre[1] verbot die Eheschließung sowie den außerehelichen Geschlechtsverkehr
zwischen Juden und Nichtjuden. Es sollte der sogenannten „Reinhaltung des deutschen
Blutes“ dienen, einem zentralen Bestandteil der nationalsozialistischen Rassenideologie.
Verstöße gegen das Gesetz wurden als „Rassenschande“ bezeichnet und mit Gefängnis
und Zuchthaus bedroht. Die Strafandrohung für außerehelichen Geschlechtsverkehr
zwischen Juden und Nichtjuden richtete sich nur gegen den Mann, nicht gegen die Frau,
egal, welcher Beteiligte Jude war.
2) Reichsbürgergesetz
° Das Reichsbürgergesetz schuf eine besondere Art des Bürgers: den „Reichsbürger“.
° Die vollen politischen Rechte sollte nach diesem Gesetz allein der „Reichsbürger“ haben.
Dieser müsse – zunächst – deshalb Staatsangehöriger „deutschen oder artverwandten
Blutes“ sein und durch sein Verhalten beweisen, dass er „gewillt und geeignet ist, in Treue
dem deutschen Volk und Reich zu dienen.“
° Auf diese Weise wurde rechtlich eine Dreiteilung vorbereitet:
1. „Reichsbürger“
2. „Staatsangehörige“
3. letztlich die, die keines der beiden Kriterien erfüllen konnten.