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Sandmann

Das Dokument analysiert zentrale Motive in E.T.A. Hoffmanns Werk 'Der Sandmann', darunter Ablehnung der Wirklichkeit, die Rolle der Augen als Symbol für Wahn und Realität, und die Gefahren der Automatisierung. Es thematisiert die Konflikte zwischen Romantik und Aufklärung sowie die psychologischen Aspekte von Nathanaels Schizophrenie und seine Beziehung zu Clara und Olimpia. Zudem wird die Kritik an einer automatisierten Gesellschaft und den Auswirkungen der Industrialisierung auf die menschliche Identität hervorgehoben.

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Das Dokument analysiert zentrale Motive in E.T.A. Hoffmanns Werk 'Der Sandmann', darunter Ablehnung der Wirklichkeit, die Rolle der Augen als Symbol für Wahn und Realität, und die Gefahren der Automatisierung. Es thematisiert die Konflikte zwischen Romantik und Aufklärung sowie die psychologischen Aspekte von Nathanaels Schizophrenie und seine Beziehung zu Clara und Olimpia. Zudem wird die Kritik an einer automatisierten Gesellschaft und den Auswirkungen der Industrialisierung auf die menschliche Identität hervorgehoben.

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Motive

1. Ablehnung der Wirklichkeit


 -Ohne Verstand erkennt der Mensch die Realität nicht (Olimpia wird für eine echte Frau
gehalten)

2. Augen
 = Symbol für die Vermischung von Wirklichkeit und Wahn
 -Augen sind Fenster der Seele + Verbindung von Seele/Außenwelt -bei vielen Figuren
werden besonders die Augen beschrieben:
 -Nathanael kann nicht klar zwischen Realität und Einbildung unterscheiden

Coppola, Coppelius und


Olimpia: starr, ohne Sehkraft
Spalanzani haben alle drei Clara: helle Augen, klar
→ im Wahn sieht er in ihren
„stechende Augen“→ Zeichen  → Aufklärung
Augen Liebe und Verständnis
des Bösen
 -Sandmann streut Sand in Kinderaugen → Nathanael hat Angst vorm Verlust seiner Augen
 -Coppelius: versucht Nathanael die Augen zu stehlen
 -Coppola: Bedeutung Augenhöhle: Anspielung auf den Sandmann und Nathanaels Furcht vor
ihm → weckt alte Ängste
 -Coppola verkauft Brillen, Gläser, Perspektive → dienen alle der veränderten Wahrnehmung
-Perspektiv: sieht Olimpia als Menschen und Clara als Maschine → Wahnsinn

[Link]/Automat
 -In Literatur der Romantik ist Motiv des Automaten weit verbreitet → Zeit der
Industrialisierung
 -Maschinen verbreiten Faszination und Angst
 -Vollkommenheit der Maschine stellt Gefahr für die Identität der menschlichen
Persönlichkeit dar
 -Äußerer Schein verrät nicht über das Innere (wahre)
 -Grenzen zwischen Menschen und Automat verschwimmt
 -Clara wird zum Automaten und Olimpia zum Menschen aufgrund Wahrnehmungsstörung
Nathanaels
 -Romantiker warnen vor Automatisierung, Entmenschlichung; Mechanisierung
 -Clara verhält sich für Nathanaels Gefühl ihm gegenüber wie ein Automat

4. Feuer
 -Symbolisiert intensive Gefühlsregung, Tod und Wahnsinn
 -Feuer steht bei Nathanael immer am Anfang einer Veränderung
 -Durch alchemistische Experimente stirbt Nathanaels Vater bei einer Explosion. Nathanael ist
daraufhin wochenlang krank.
 -Feuer in seinem Studentenzimmer führt dazu, dass er in das Haus gegenüber von
Spalanzani einzieht und so auf Olimpia trifft
 -Feuer und Hitze stehen in Zusammenhang mit Nathanaels zunehmendem Wahnsinn.
 -Zu Beginn empfindet er noch eine „glühende Liebeslust“ für Clara, später bezeichnet er
Olimpias Augen als „lebendig flammend“.
 -Feuer = intensive Gefühlsregung und Wahnsinn
 -„Feuerkreis dreh dich“, „flammende Blicke“, „blutige Funken“ , „[glühende] Feuerströme“ -
Feuer als Naturgewalt → Mensch kann nutzen, jedoch nicht beherrschen
[Link] Blume
Die blaue Blume steht für die romantische und poetische Welt. Sie ist das wichtigste Symbol der
Literaturepoche der Romantik. Sie repräsentiert die Sehnsucht und das Streben nach Liebe. In der
blauen Blume verbinden sich die Natur und der Mensch mit dem Geist und bilden somit das Streben
nach dem Selbst.

6. Sehnsucht
 -Sehnsucht / Fernweh → durch Unzufriedenheit wünscht man sich Ausbruch -Ablehnung des
eintönigen bürgerlichen Lebens

7. Nacht
 -Moment der Geborgenheit, Besinnung, Entgrenzung, Liebe, Erholung
 -Moment der Flucht, Trauer, Todessehnsucht → religiöser Bezug
 -„Nacht-Seite“ der Romantik: Verwechslung von Realität und Fantasie → Wahnsinn -Nacht
(Romantik) – Tag/Licht (Aufklärung)
 -Mond → Mondschein verleiht magischen Schimmer und gibt Gefühl der Unbestimmtheit/
Ungewissheit/ Verlorenheit des Menschen in den Weiten der Natur
 -Dämmerung → Wesentliches wird sichtbar
 -Nacht als geheimnisvoll, aber auch befreiend
 -verbunden mit Traum/Fantasie

8. Reisen
 -nie konkretes Ziel, Heimatlosigkeit, nie sesshaft → Fernweh
 -Naturverbundenheit/ Lebensreise
 -Streben nach Unbekanntem, Unendlichkeit, Entgrenzung → Möglichkeit des Neuanfangs
Liebe
 -unglückliche Liebe führt zu Krise, oft sehr intensiv empfunden
 -Liebe als allumfassende Macht
 -Subjektivität, Innenwelt
 -Nicht nur positive Empfindungen/Gefühle → Trauer, Einsamkeit

9. Natur
 -Sehnsucht nach Natur (Einklang mit Natur) + Naturerfahrung
 -Schönheit der Natur → religiöser Ort, von Gott geschaffener Raum (Basis + Herkunft allen
Lebens + Wirkens)
 -Nachtigall = Freiheit, Ruinen → Vergänglichkeit
 -Natur bot dem in der Gesellschaft gescheiterten Schutz und Seelenheil
 -Landschaft (Natur als Seelenlandschaft/Abbild der Seele)
 -Natur war Ziel des Fernwehs, der Mensch ging ein in Natur, war transzendentales Ziel des
Wanderns

10. Wahnsinn
 -geistiger Zusammenbruch aufgrund unerträglicher psychischer Belastungen
 -Olimpia als Automat entlarvt und Coppola und Spalanzani als Urheber dieser Täuschung zu
erleben bedeutet in doppelter Hinsicht einen erneuten Schock für Nathanael
 -Seine traumatischen Kindheitserinnerungen holen ihn ein, als Spalanzani ihn mit blutigen
Augen bewirft
 -Nathanaels Zusammenbruch deutet an, dass er zu einer rationalen Auseinandersetzung mit
den Ereignissen, die vielleicht noch zu einer Heilung führen könnte, nicht in der Lage ist
 -inneres Grauen, Tote Braut, Rast herum, Aufbrüllen wie ein Tier, Krampfhaftes Zucken
11. Lachen
 -Grausiges Lachen als Symbol von Wahnsinn
 -Ausdruck des Bösen durch Coppelius hämisches Lachen

Hoffmann kritisiert eine automatisierte Gesellschaft Kritik an Technik

 -Olimpia als Automat: durch Nathanael wird der Automat zum Menschen; der Automat
Olimpia hat Macht über Nathanael Kritik an Gesellschaft
 -Gäste von Spalanzani schrieben ihr unnatürliches Verhalten dem „Zwang der Gesellschaft
zu“ Kritik an Frauenrolle
 -Olimpia wird trotz ihrer stummen, starren Art als „Frau“ gesehen da Frauen so sein sollen
Kritik an Wissenschaft:
 -Spalanzani wird kritisiert, dass er eine Grenze überschritten hätte
 -Nathanael beschreibt Clara als „lebloses, verdammtes Automat“, weil sie seinen Gedichten
nicht zuhört

Epochenzuordnung
Epochentypische Themen:

 -Romantisierung der Wirklichkeit → Traum(-Welten), Fantasie, Mysterium, Dämonen, Spuk


 -Fernweh/Reiselust, Sehnsucht, Flucht
 -Gefühle, Leidenschaft der Seele → Priorität von Gefühl, Leidenschaft, Erleben, Fantasie
 -Vereinigung von Kunst, Musik und Literatur
 -Individualität, Subjektivität
 -Religiosität, Katholizismus, Unendlichkeit
 -Liebe, Freundschaft, Geselligkeit, Abgrenzung vom Spießbürgertum → -Abgrenzung von
Aufklärung und Klassik

Motive der Romantik (Schauerromantik):

Natur, Märchenhaftes, Mystisches, Subjektivität, Blick ins Unbekannte, Fernweh, Sehnsucht,


Reisemotiv, Wanderschaft, Zivilisationskritik

 -Die Romantiker sehen aber darin eine Gefahr, denn die Naturwissenschaft versucht alles
mit dem Verstand zu erklären und lässt keinen Freiraum für Geheimnisse
 → Ohne Gefühle wird der Mensch zum Roboter (Clara wird durch Olimpia ersetzt)
 -Die Dichter und Schriftsteller der Romantik lehnten die Wirklichkeit der Industrialisierung
und Revolutionierung ab
 -Bedrohlichkeit der Technik, hier verkörpert durch den Automaten Olimpia
 -Glaube an das „Wunderbare“, aber auch an „dunkle Mächte“

Epochenproblematik
 -Nach Nathanael: Clara nicht zu Verständnis und Mitgefühl in der Lage (Nur ein Automat)
 -Olimpia als Verkörperungen seiner Wünsche, die er nach außen hin projiziert
 -Nathanael verkörpert Romantik, verliert sich in Phantasien, verfällt Wahnsinn
 -Für Clara ist alles was sich nicht beweisen lässt, fragwürdig, versucht Nathanael von seinen
Hirngespinsten abzubringen lässt sich allerdings von ihren Gefühlen zu Nathanael leiten
 -Clara schließt auf innere, psychische Ursachen, Nathanael auf äußere, schicksalhafte
Ursachen
 -Clara betrachtet Nathanaels Zusammenbrüche als Krankheit
 -Clara wird als widersprüchliches Wesen zwischen Klarheit und Oberflächlichkeit dargestellt
Historischer Hintergrund
 -Aufklärung wird zum Antrieb der französischen Revolution
 -revolutionäre Gesellschaftssystem verdrängt Ständesystem
 -mehr Verantwortung für das Volk, aktives Interesse an Politik
 -Bauernbefreiung: Zurückgewinnung an persönlicher Freiheit →verlieren Schutz des
Grundherren
 -liberale Maxime und marktwirtschaftliche Entwicklung Die Drei Briefe

Der Anfang besteht aus drei Briefen. Was steckt dahinter?

fand keine Rede, die „nur im mindesten etwas von dem Farbenglanz des innern Bildes [Nathanaels]
abzuspiegeln schien“

Briefe sollen dem Leser die innere Gestalt dieser Person nahe bringen neutraler Erzähler, der die
Figuren zu Wort kommen lässt und selbst kaum identifiziert werden kann → ungefilterte Gefühle der
Charaktere

DER SANDMANN
 -Werk aus der Schauerromantik; Schwarze Romantik
 -1816 veröffentlicht; Autor: E.T.A. Hoffmann
 -Konflikt zwischen Romantik (Nathanael) und Aufklärung (Clara)

Inhalt (grob):
 -beginnt mit Briefwechsel zwischen Nathanael ( Student ) seiner verlobten Clara und ihrem
Bruder Lothar
 -In dem Brief an Lothar erzählt Nathanael von merkwürdigen Begegnung mit
Wetterglashändler Coppola => ruft schlimme Erinnerung an seine Kindheit hervor
 -In Coppola sieht Nathanael den Advokaten Coppelius → Bekannten seines Vaters
 -Coppelius war für Nathanael der Sandmann früher
 -Coppelius kam abends zu besuch und machte Experimente mit dem Vater

→ Nathanael hatte ihn einmal dabei beobachtet und wurde bestraft -> bekam Fieber

Erzählweise
 -unbeteiligter ich-Erzähler → Selbstreflexion im Hinblick auf die eigene Erzählweise
 -Wirklichkeit-/ Authentizität – Suggestion durch Leser – Ansprache → Unklarheit, wie Ich-
Erzähler die Geschichte erfahren hat (ausser Lothars Wiedergabe der Briefe)
 -züge auktorialem erzählen
 → durch grosses Wissen über die Figuren und die Vorgänge in ihrem Inneren → teilweise
durch Distanzierung von Nathanaels sicht der Dinge
 -oft auch Tendenz zu personalem erzählen

Lebensgeschichte Nathanaels:
Frühe Kindheit Späte Kindheit Jugend/Erwachsenenalter
Sandmann entzieht den Vater Nathanael nimmt  -Sandmann als Verdrängung ins Unterbewusste (Träume) Balanceakt

emotionale Veränderungen bei Vater und Mutter war Horrorfigur im des ICHs die Situation zu meistern s. Gespräch mit

Leben überschatten von großer Bedrohung Zusammenhang mit Clara, kurze Phasen des Aufatmens N ́s Verdrängung

Ausgeprägte Fantasie Coppola wird nicht mehr wirksam als Coppola auftritt ➜ ES
 ➜ traumatisches gewinnt Oberhand ➜ Gewaltgelüste)
Erlebnis =>
psychischer und
physischer
Zusammenbruch
Nathanaels Schizophrenie
Ursachen:
Nathanaels unglückliche Kindheit wurde durch Coppelius
Psychische Belastung
geprägt + Tot seines Vaters
körperliche Erkrankungen Fieberkrankheit als Kind → Bestrafung
Typische Symptome:
Neologismus: „Feuerkreis" ;
Zerrissene Sprache: „Hui -hui -
Störungen des Denkens/Sprechens: Das Denken ist nicht logisch, hui! -Feuerkreis -Feuerkreis!
Gedanken und Worte brechen mitten im Satz ab; Verwendung Dreh dich Feuerkreis -lustig -
von Neologismen lustig! -Holzpüppchen hui
schön Holzpüppchen dreh dich
-"
Nathanael hält Coppolas
Verlust der Wirklichkeit/ Wahnvorstellungen brillen für funkelnde Augen,
die rote Blitze auf ihn schießen
Zurückziehen von Familie und Freunden wendet sich von Clara ab
fühlt sich sein Leben lang von
Halluzinationen (Verfolgungswahn)
Coppelius verfolgt
Nathanael schwankt ständig
Gegensätzliche Gefühle
zwischen Klara und Olimpia
Deutungsansätze:
1. Biografische Deutung
 -Einblick in die schizophrene Psyche von E.T.A Hoffmann durch seine Arbeit als Jurist
 -eigene Nähe zum exzentrischen bzw. zum Wahnsinn

2. Philosophische Deutung
 -Betonung der Empfindungswelt und des Irrationalem entgegen dem Menschenbild der
Aufklärung
 -Nathanaels geistige Entwicklung als Gegenbeispiel zum aufklärerisch-klassischen Ideal der
Entfaltung positiver Individualität
 -Weltbild: Überzeugung, dass nur die normale Alltagswelt existiert, durch Andeutung einer
dämonischen Welt bzw. einer „Nachtseite“ des Alltags (zB durch die Auswirkung des
 -verzauberten? -Perspektivs)
 -Bezug zum Konstruktivismus: Subjektivität von Wahrheit → Nathanaels Wirklichkeit, dass
Coppelius = Coppola ist
 -Kommunikationsproblematik (Erzählerreflexion nach den 3 Briefen)
 -Gefahr der Technik: Ersetzung des Menschen durch eine Maschine
 -Der Mensch als Erschaffer eines Menschen in Konkurrenz zu Gott → Natürlichkeit vs.
Künstlichkeit
 -Namen „sprechen“ → Clara = klar, hell als Figur der Aufklärung / Nathanael = Gottesgabe,
Gegenfigur zu Clara / Olimpia = Olymp (ironische Andeutung, dass sie ein geschöpf vom
Menschen ist)

3. Psychologische/ psychoanalytische Deutung


 -Interpretation der Erzählung durch Siegmund Freud, den „Erfinder“ der Psychoanalyse:
 → Nathanaels Angst vor dem Verlust der Augen: Kastrationsangst
 → inzestuöse Kindheitswünsche als Anlass für die Angst, kastriert zu werden
 → Aufspaltung des geliebten und gehassten Vaters in einen guten Vater (der biologische
Vater) und einen bösen Vater (Coppelius) → N. Verschiebt diesen Hass auf den bösen um
positives Vaterbild zu retten
 → Wiederholung dieser Aufspaltung in Coppola und Spalanzani
 -der Sandmann als „Störer der Liebe“ sowohl Liebe zu Clara als auch Olimpia
 -Liebe zu Olimpia als narzisstische Liebe (Selbstliebe)
 -N. Hat schizophrene Psychose
 > Verfolgungswahn: Nathanaels Glaube, dass Coppelius/ Coppola ihn verfolgt
 > Wahnvorstellung: Coppelius/Coppola ist böse
 > Wirklichkeitsverlust: Liebe zur Puppe Olimpia
 > Rückzug aus sozialen Beziehung: Abwendung von Clara
 > Aggresionsprobleme: greift Spalanzani und Clara an
 -Narzissmus und Egozentrik: Begeisterung zu Olimpia ist eigentlich Begeisterung für sich
selbst

4. Soziologische Deutung:
 -Täuschbarkeit des Menschen durch eine „Maschinenfrau“ → Kritik am Frauenbild
 -genderorientierte Lesart:
 > man erschafft eine schöne Idealfrau durch 2 Männer → der Mann als Schöpfer, die Frau als
Objekt von Macht und Verfügbar für erotische Wünsche
 -Man bevorzugt Olimpia mehr als Nathanael = Ausdruck von Sexismus

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