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1 Lessing Der Rabe Und Der Fuchs

Das Dokument behandelt Lessings Fabel 'Der Rabe und der Fuchs', die eine Abwandlung der Äsop-Fabel darstellt und thematisiert, wie Tiere in Fabeln als Spiegel menschlichen Verhaltens dienen. Lessing kritisiert sowohl die Schmeichler als auch die Naivität und den Stolz des Raben, der lieber hungert, als seinen Anschein zu verlieren, während der Fuchs für seine List mit seinem Leben bezahlt. Die Fabel vermittelt eine moralische Lehre über die Gefahren von Eitelkeit und Schmeichelei.

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1 Lessing Der Rabe Und Der Fuchs

Das Dokument behandelt Lessings Fabel 'Der Rabe und der Fuchs', die eine Abwandlung der Äsop-Fabel darstellt und thematisiert, wie Tiere in Fabeln als Spiegel menschlichen Verhaltens dienen. Lessing kritisiert sowohl die Schmeichler als auch die Naivität und den Stolz des Raben, der lieber hungert, als seinen Anschein zu verlieren, während der Fuchs für seine List mit seinem Leben bezahlt. Die Fabel vermittelt eine moralische Lehre über die Gefahren von Eitelkeit und Schmeichelei.

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Lessing: Der Rabe und der Fuchs

(r Rabe: holló, r Fuchs: róka)


Umdichtung/Abwandlung der Fabel Vom Fuchs und Raben: eine Fabel, die dem griechischen Dichter
Äsop zugeschrieben wird.

1. Fabel
+ Der Name kommt vom lat. fabula, „sprechen”, „erzählen”.

+ „Knappe lehrhafte Erzählung in Vers oder Prosa,


+ in der vorwiegend Tiere
+ in einer bestimmten Situation so handeln, dass sofort eine Kongruenz mit menschlichen
Verhaltensweisen deutlich wird und
+ der dargestellte Einzelfall als ein anschauliches Beispiel
+ für eine daraus ableitbare Regel der Moral oder Lebensklugheit zu verstehen ist.“ Metzler Literatur
Lexikon

+ Diese Gattung ist eine der leitenden Gattungen der Aufklärung.


-Kampfmittel/Überzeugungsmittel der Aufklärung: Die Autoren vermitteln dadurch in
leichtverständlicher Form den unteren Ständen, v.a. dem Bürgertum, Fehler des
absolutistischen Systems.

2. Lessings Beschäftigung mit Fabeln


+ Lessing hatte sich während seines gesamten Lebens mit der Fabel beschäftigt, sowohl theoretisch als
auch praktisch.
+ 1759 publiziert er Fabeln. Drey Bücher. Nebst Abhandlungen:
= seine aus drei Büchern bestehende Fabelsammlung, die 80 Texte beinhaltet, zusammen mit
seinen fünf Abhandlungen über die Fabel.

+ Seine 5 Abhandlungen (e Abhandlung=Studie, tanulmány)


1. Von dem Wesen der Fabel
Lessing setzt hier mit den Fabeltheorien von Äsop, la Motte, Richer, Breitinger und Batteux
auseinander und entwickelt so eine eigene Theorie über die Fabel. Die Theorie enthält fünf
bestimmende Aspekte:

2. Von dem Gebrauch der Tiere in der Fabel


L. geht der Frage nach, warum die Protagonisten in der Fabel meistens Tiere sind.
-nicht, weil sie dadurch wunderbar wird
-sondern: die Tiere sind bequemer als die Menschen, weil ihre Charaktere allgemein bekannt
sind. Für ihr Verständnis genügt das allgemeine Weltwissen (kein Bildungswissen).
-die Verständlichkeit wird dadurch vereinfacht. (bei menschlichen Charakteren tauchten gleich
Fragen auf ihre Vergangenheit, Relationen auf)
-das Geschehen wird dadurch verfremdet, der Leser nimmt am Schicksal der Tiere nicht teil,
man konzentriert mehr auf die Erkenntnis des moralischen Satzes. (Leidenschaften
beeinträchtigen die Einsicht, die Erkenntnis)

3. Von der Einteilung der Fabeln


Lessing versuch hier die Fabeln systematisieren.

4. Von dem Vortrage der Fabeln


Lessing behandelt hier Fragen der Kostruktion.
L. unterscheidet 3 Formen der Konstruktion: Vorbildlich für ihn sind die äsop. Fabeln, sie sind
präzise und kurz (die anderen beiden sind schwatzhaftig)

5. Von einem besonderen Nutzen der Fabel in den Schulen


Lessing meint, sie sind wichtige Schullektüren.
Durch die Behandlung von Fabeln werden die Schüler zum selbständigen Denken angeregt
(der Schüler lernt, wie man vom Besonderen zum Allgemeinen gelangen kann.)

3. Lessings Fabel Der Rabe und der Fuchs

Welche Eigenschaften, Charakterzüge werden hier dargestellt?

Wortschatz HANDLUNG EIGENSCHAFT


r Rabe: holló Ein Rabe trug ein Stück vergiftetes Fleisch, der Diebstahl,
erzürnen: felbosszant das der erzürnte Gärtner für die Katzen stehlen, a, h. ge-o-
e Klaue: karom seines Nachbarn hingeworfen hatte, in en, r Dieb,
seinen Klauen fort. diebisch, hungrig,
unüberlegt,
leichtsinnig
e Eiche: tölgyfa
verzehren: elfogyaszt Und eben wollte er es auf einer alten Eiche List, listig, schlau,
zurufen: odaszól verzehren, als sich ein Fuchs herbeischlich raffiniert,
Jupiter: Zeus und ihm zurief: "Sei mir gesegnet, Vogel manipulativ,
r Adler: sas des Jupiter!" eloquent/beredt,
gebildet, Antike
schmeichelnd,
schmeichlerisch
(hízelgő) der
Schmeichler

ansehen für: vél, tart naiv verblendet


"Für wen siehst du mich an?" fragte der (elvakult), eitel:
Rabe. hiú, leichtgläubig,
naiv, einfältig

erwidern: válaszol
rüstig erőteljes "Für wen ich dich ansehe?" erwiderte der
e Rechte: jobb oldal Fuchs. "Bist du nicht der rüstige Adler, der manipulativ,
s. verstellen: tettet täglich von der Rechten des Zeus auf diese eloquent,
erflehte, vágyott Eiche herabkommt, mich Armen zu rhetorische
speisen? Warum verstellst du dich? Sehe ich Kenntnisse
e Gabe, ajándék, denn nicht in der siegreichen Klaue die (verkehrte
adomány erflehte Gabe, die mir dein Gott durch dich Darstellung der
zu schicken noch fortfährt?" verhältnisse)

innig: szívből Der Rabe erstaunte und freute sich innig, für
r Irrtum: tévedés einen Adler gehalten zu werden. "Ich eitel, leichtgläubig,
großmütig, nagylelkű muss", dachte er, "den Fuchs aus diesem stolz, dumm
herabfallen: leejt Irrtum nicht bringen." - Großmütig dumm
r raub: zsákmány ließ er ihm also seinen Raub herabfallen und
boshaft, gonosz, kaján flog stolz davon.

s verkehren: Der Fuchs fing das Fleisch lachend auf und


megfordul, átváltozik
s Gift: méreg fraß es mit boshafter Freude. Doch bald
s verrecken: verkehrte sich die Freude in ein
megdöglik schmerzhaftes Gefühl: Das Gift fing an zu schadenfroh,
wirken, und er verreckte. hämisch, hält sich
für klug
verdammt: átkozott Möchtet ihr euch nie etwas anderes als Gift
erloben, verdammte Schmeichler!

4. Interpretation
Antikes Vorbild:
Äsop: Der Rabe und der Fuchs
Ein Rabe hatte einen Käse gestohlen, flog damit auf einen Baum und wollte dort seine Beute
in Ruhe verzehren. Da es aber der Raben Art ist, beim Essen nicht schweigen zu können, hörte
ein vorbeikommender Fuchs den Raben über dem Käse krächzen. Er lief eilig hinzu und
begann den Raben zu loben: »O Rabe, was bist du für ein wunderbarer Vogel! Wenn dein
Gesang ebenso schön ist wie dein Gefieder, dann sollte man dich zum König aller Vögel
krönen!«
Dem Raben taten diese Schmeicheleien so wohl, daß er seinen Schnabel weit aufsperrte, um
dem Fuchs etwas vorzusingen. Dabei entfiel ihm der Käse. Den nahm der Fuchs behend, fraß
ihn und lachte über den törichten Raben.

Bei Äsop war der Fuchs eindeutig der Gewinner, der klug ist und durch seine List ans Ziel kommt, der
Rabe der Verlierer, der eitel und dumm ist. Er ist doppelter Verlierer: er fällt auf die Schmeicheleinen
ein und glaubt wirklich, dass er singen kann, wird also gedemütigt. Der Leser meint: das geschieht
dem Raben zu Recht. Kein Mitleid wird erweckt. Die Fabel warnt vor Schmeichlern, sowie vor
Dummheit und Eitelkeit. Moral: Der eitle Dumme wird immer verlieren.

Bei Lessing

1. Keiner geht als Gewinner hervor. Beide Tiere werden verspottet.

Der Fuchs muss für seine List mit seinem Leben zahlen. Seine Beute ist nur scheinbar
erstrebenswert, in Wirklichkeit ist sie vergiftet. Er fällt auf den Schein ein. Sein Erfolg
entpuppt sich im Nachhinein als Misserfolg und Unglück.

Auch der Rabe geht leer aus, er bleibt zwar am Leben, bleibt aber auch hungrig. Nicht nur
wegen seiner Dummheit, sondern v.a. wegen seines Stolzes. Er hungert lieber, um den
Anschein, für etwas Besseres, sozial höher Gestelltes gehalten zu werden, zu bewahren. Er
gibt die Beute freiwillig heraus (verliert sie nicht ungewollt). Den falschen Schein zu
bewahren war ihm wichtiger als alles andere.

2.  Lessing kritisiert sowohl die Schmeichler und Jasager seiner Zeit, aber genauso die
Naivität und Stolz, die er dem Raben zuschreibt.

Fuchs: der Adel, erscheint als boshaft, verlogen, manipulativ und ausbeutlerisch. Der
Wunschsatz (Fluch?) am Ende der Fabel verweist auf die Unmöglichkeit der
gesellschaftlichen Umstrukturierung (aber auch auf ihre Erwartung)
Rabe: der Bürger = 1. Aufforderung zum Vernunftgebrauch, er soll vernünftig sein,
seinen Verstand gebrauchen, sich bilden & 2. Aufforderung zur
Selbstbescheidung/Selbstbeschränkung. Er soll sich mit seinen natürlichen Anlagen,
Fähigkeiten begnügen und seine Natur nicht verleugnen.

Quellen:
W. Barner (u.a.) (Hg.), Lessing. Epoche-Werk-Wirkung, 5. Aufl., München 1987
Günther Schweikle (Hg.), Metzler-Literatur-Lexikon. Begriffe und Definitionen, 2., überarb. Aufl.,
Stuttgart 1990
[Link]

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