0% fanden dieses Dokument nützlich (0 Abstimmungen)
6 Ansichten5 Seiten

Chrome

Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr hat ein Flugverbot für das Fluginformationsgebiet Sanaa (OYSC) bis zum 13.06.2024 erlassen, um die Sicherheit des zivilen Luftverkehrs aufgrund der anhaltenden Gefährdungslage durch Konflikte und terroristische Aktivitäten zu gewährleisten. Ausnahmen gelten für Notflüge, humanitäre Einsätze und Flüge im Auftrag der Bundesregierung oder der Vereinten Nationen. Die Maßnahme ist unter dem Vorbehalt der Überprüfung der Gefährdungslage und kann widerrufen werden.

Hochgeladen von

sanjartajikbarodar
Copyright
© All Rights Reserved
Wir nehmen die Rechte an Inhalten ernst. Wenn Sie vermuten, dass dies Ihr Inhalt ist, beanspruchen Sie ihn hier.
Verfügbare Formate
Als PDF, TXT herunterladen oder online auf Scribd lesen
0% fanden dieses Dokument nützlich (0 Abstimmungen)
6 Ansichten5 Seiten

Chrome

Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr hat ein Flugverbot für das Fluginformationsgebiet Sanaa (OYSC) bis zum 13.06.2024 erlassen, um die Sicherheit des zivilen Luftverkehrs aufgrund der anhaltenden Gefährdungslage durch Konflikte und terroristische Aktivitäten zu gewährleisten. Ausnahmen gelten für Notflüge, humanitäre Einsätze und Flüge im Auftrag der Bundesregierung oder der Vereinten Nationen. Die Maßnahme ist unter dem Vorbehalt der Überprüfung der Gefährdungslage und kann widerrufen werden.

Hochgeladen von

sanjartajikbarodar
Copyright
© All Rights Reserved
Wir nehmen die Rechte an Inhalten ernst. Wenn Sie vermuten, dass dies Ihr Inhalt ist, beanspruchen Sie ihn hier.
Verfügbare Formate
Als PDF, TXT herunterladen oder online auf Scribd lesen

Verbot Luftraum Jemen

Allgemeinverfügung des
Bundesministeriums für Digitales und Verkehr über ein Flugverbot für das Fluginfor-
mationsgebiet Sanaa (OYSC)

...
-2-
Allgemeinverfügung des
Bundesministeriums für Digitales und Verkehr über ein Flugverbot für das Fluginfor-
mationsgebiet Sanaa (OYSC)

vom 13.02.2024

1. Für Luftfahrzeugführer, Luftfahrtunternehmen und Luftfahrzeughalter


 eines in der deutschen Luftfahrzeugrolle eingetragenen Luftfahrzeugs oder
 eines anderen Luftfahrzeugs, für das die Bundesrepublik Deutschland die Verant-
wortung des Eintragungsstaats übernommen hat, oder
 eines Luftfahrzeugs, welches in einem anderen Land registriert ist, aber unter einer
deutschen Genehmigung nach § 20 Luftverkehrsgesetz (LuftVG) oder nach Maß-
gabe des Rechts der Europäischen Union eingesetzt wird,

werden alle fliegerischen Betätigungen (Überflug, Start oder Landung) im Fluginforma-


tionsgebiet Sanaa (OYSC), befristet bis zum 13.06.2024 und unter dem Vorbehalt fort-
dauernder Überprüfung der Gefährdungslage,

mit Ausnahme des Gebiets östlich der Luftstraße (airway) B400 (einschließlich)

verboten. Für diese Ausnahme gilt eine flugbetriebliche Empfehlung der Risikostufe 1
(von 3), die per NOTAM (notice to air missions) bzw. im Aeronautical Information Cir-
cular (AIC) veröffentlicht wird.

2. Folgende Flüge im gesamten Fluginformationsgebiet Sanaa (OYSC) sind weiterhin zu-


lässig:
 Flüge, bei denen der Luftfahrzeugführer eine Notlage erklärt oder bei denen eine
Notlage offensichtlich ist,
 humanitäre Hilfsflüge, insbesondere Flüge mit kranken oder verletzten Personen,
die sofortiger Hilfe bedürfen, einschließlich der Flüge, die zur lebenserhaltenden
ärztlichen Versorgung von Kranken oder Verletzten dringend erforderlich sind,
 Flüge im Namen oder im Auftrag der Vereinten Nationen (einschließlich Interna-
tionaler Organisationen innerhalb des VN-Systems, z.B. der IAEO),
 Flüge im Auftrag der Bundesregierung.

3. Diese Allgemeinverfügung ergeht unter dem Vorbehalt des Widerrufs gemäß § 36 Ab-
satz 2 Nummer 3 VwVfG.

Begründung

Die Allgemeinverfügung beruht auf § 26a Absatz 1 LuftVG. Danach kann das Bundesministe-
rium für Digitales und Verkehr (BMDV) bei tatsächlichen Anhaltspunkten für eine erhebliche
Gefährdung der Betriebssicherheit von Luftfahrzeugen für in § 1a Absatz 1 LuftVG genannte
Luftfahrzeuge auch außerhalb des Hoheitsgebietes der Bundesrepublik Deutschland für alle
oder bestimmte Beförderungsarten ein Überflug-, Start- oder Landeverbot verhängen, soweit
keine völkerrechtlichen Verpflichtungen der Bundesrepublik Deutschland entgegenstehen.

Seit der letzten Bedrohungs- und Risikoanalyse gemäß § 26a LuftVG des Luftfahrt-Bundes-
amts vom 28.09.2023 hat sich keine entscheidende Lageänderung ergeben.

...
-3-
Die Waffenruhe zwischen den Konfliktparteien, der saudi-arabisch geführten Militärallianz
und der Huthi-Bewegung, die am 02.04.2022 erstmals verkündet und zuletzt am 02.08.2022
fortgeschrieben wurde, ist seit ihrem Auslaufen am 02.10.2022 nicht verlängert worden.

Die Waffenruhe ist dennoch teilweise wirksam, da auch nach ihrem Auslaufen keine bewaff-
neten Auseinandersetzungen zwischen den o. g. Konfliktparteien mehr stattgefunden haben.
Sie ist aber keineswegs hinreichend belastbar.

Innerhalb Jemens dauern die gewaltsamen Auseinandersetzungen der Konfliktparteien, unter


maßgeblicher Beteiligung der Huthis, an.

Entwicklungen seit der letzten Risikobewertung vom 28.09.2023:


 Die Verhandlungen über eine dauerhafte Beilegung des Konfliktes zwischen Vertretern
Saudi-Arabiens und den Huthis werden fortgesetzt.
 Seit Oktober 2023 greifen die Huthis mit Drohnen und Raketen Ziele in Israel an. Die
Angriffe konnten bislang erfolgreich abgewehrt werden.
 Seit November 2023 bedrohen die Huthis die Seeschifffahrt insbesondere im südlichen
Roten Meer, aber auch im westlichen Golf von Aden.
 Seit Januar 2024 greift die US-Marine, mit Unterstützung anderer Staaten, zur Abwehr
der Bedrohung der Seeschifffahrt Stellungen der Huthi an.

Durch Aktivitäten terroristischer Gruppierungen und kriegerische Auseinandersetzungen (Ein-


satz von Drohnen sowie Kurz- und Mittelstreckenraketen, Angriffe auf Flughafeninfrastruktur)
besteht in Jemen weiterhin eine konkrete Bedrohung für den zivilen Luftverkehr. Eine Wieder-
aufnahme der Luftangriffe der saudi-arabisch geführten Militärallianz kann nicht ausgeschlos-
sen werden.

Aus dieser Bedrohung ergibt sich ein konkretes Risiko (Risikostufe 3 (von insgesamt 3)) für
die Sicherheit des zivilen Flugbetriebs.

Vor diesem Hintergrund ist es hinreichend wahrscheinlich, dass ziviler Flugverkehr, der den
jemenitischen Luftraum nutzt, von gewaltsamen Aktionen betroffen sein wird und es in abseh-
barer Zeit zu einem Schaden an einem Luftfahrzeug kommt. Davon ausgenommen sind die im
Tenor zu 2. genannten Bereiche sowie – nach erfolgter Überarbeitung – der im Tenor zu 1.
genannte Bereich (Gebiet östlich der Luftstraße B400). Letzterer gehört zwar zur FIR Sanaa
(OYSC), liegt aber über dem arabischen Meer in ausreichender Entfernung zu den Kampfhand-
lungen.

Es liegen mithin tatsächliche Anhaltspunkte für eine erhebliche Gefährdung der Betriebssi-
cherheit von Luftfahrzeugen deutscher Luftfahrtunternehmen bei Flügen im Fluginformations-
gebiet Sanaa (OYSC) vor. Da die Vorschrift des § 26a Absatz 1 LuftVG auch zum Erlass eines
Flugverbots außerhalb des Hoheitsgebietes der Bundesrepublik Deutschland ermächtigt, kann
das BMDV deutschen Luftfahrzeugen den Überflug, den Start oder die Landung auch für das
Fluginformationsgebiet Sanaa (OYSC) untersagen. Völkerrechtliche Verpflichtungen der Bun-
desrepublik Deutschland stehen nicht entgegen.

...
-4-
Der Erlass des Überflug-, Start- oder Landeverbots ist im Übrigen verhältnismäßig. Die Sper-
rung des Luftraums Jemens (OYSC) ist ein geeignetes Mittel, um der konkreten Gefahr für die
Betriebssicherheit von Luftfahrzeugen und damit auch für Leib und Leben der Besatzung und
Passagiere an Bord von deutschen Luftfahrzeugen bei Überflug, Start oder Landung in dem
o.g. Gefahrengebiet zu begegnen. Indem die von dem Verbot unter 1. betroffenen Luftfahr-
zeuge nicht mehr starten, landen oder das genannte Gebiet überfliegen dürfen, wird von staat-
licher Seite gewährleistet, dass weder die Betriebssicherheit deutscher Luftfahrzeuge gefährdet
wird, noch Leib und Leben von Besatzung und Passagieren zu Schaden kommen.

Die Maßnahme ist auch erforderlich, weil kein anderes Mittel gleicher Eignung und Wirkung
zur Verfügung steht, um den Schutz der Sicherheit des Luftverkehrs zu gewährleisten. Eine
Empfehlung, bei der allein das Luftfahrtunternehmen bzw. der Luftfahrzeugführer die Verant-
wortung für die körperliche Unversehrtheit der Besatzung und Passagiere sowie der Betriebs-
sicherheit des Luftverkehrs trägt, ist aufgrund der konkreten Gefahr im vorliegenden Fall nicht
in gleicher Weise geeignet, den drohenden Schaden abzuwenden.

Das Verbot ist auch verhältnismäßig im engeren Sinne. Aufgrund der mit der Maßnahme ver-
bundenen Eingriffe in Rechte Dritter ist es angemessen, das Flugverbot auf vier Monate, bis
zum 13.06.2024, zu befristen und unter den Vorbehalt fortdauernder Überprüfung der Gefähr-
dungslage zu stellen.

Bei der Abwägung der widerstreitenden Interessen kommt dem Schutz der allgemeinen Be-
triebssicherheit des Luftverkehrs im jemenitischen Luftraum ein besonderes Gewicht zu. Im
Hinblick auf die dort stattfindenden kriegerischen Auseinandersetzungen und das Wissen um
den Einsatz von für den Luftverkehr gefährlichen Waffen gebietet die Schutzpflicht des Staates
auch unter Berücksichtigung der durch ein Flugverbot betroffenen Grundrechte der Luftfahrt-
unternehmen ein staatliches Einschreiten. Da die körperliche Unversehrtheit und das Leben der
Besatzung und Passagiere beim Überflug, Start- oder Landung in einem Kriegsgebiet in erheb-
lichem Maße gefährdet sind, ist es vorliegend gerechtfertigt, die Gewährleistung für den siche-
ren Betrieb des Luftfahrzeugs und den Schutz von Leib und Leben nicht allein in der Verant-
wortung des Luftfahrtunternehmens bzw. des Luftfahrzeugführers zu belassen, sondern durch
ein staatliches Verbot sicherzustellen.

Auch die zugelassenen Ausnahmen von dem Flugverbot dienen der Wahrung des Verhältnis-
mäßigkeitsprinzips. Die von dem Flugverbot ausgenommenen Flüge im Tenor zu 2. bezwecken
die Abwehr akuter Notlagen, die Durchführung humanitärer Maßnahmen oder die Wahrung
hoheitlicher Interessen der Bundesrepublik Deutschland.

Der erneute Erlass eines Flugverbots für das Fluginformationsgebiet Sanaa (OYSC) steht im
Einklang mit der Vorschrift des § 26a Absatz 2 LuftVG. Der Regelungsgehalt der Allgemein-
verfügung ist inhaltsgleich mit den vorangegangenen Allgemeinverfügungen, die seit dem
15.10.2015 wiederholt erlassen wurden. Die Sicherheitslage für den zivilen Luftverkehr hat
sich seitdem nicht wesentlich verbessert.

Regelmäßiger Fluglinienverkehr findet nicht statt.

Gemäß § 26a Absatz 3 LuftVG entfällt die aufschiebende Wirkung des zulässigen Rechtsbe-
helfs.

Die Allgemeinverfügung erfolgt gemäß § 36 Absatz 2 Nummer 3 Verwaltungsverfahrensge-


setz (VwVfG) unter dem Vorbehalt des Widerrufs. Durch den Widerrufsvorbehalt wird
...
-5-
sichergestellt, dass das BMDV zeitnah auf Situationsänderungen im Fluginformationsgebiet
Sanaa (OYSC) reagieren kann und die belastende Wirkung der Allgemeinverfugung auf die
notwendige Dauer beschränkt wird.

Rechtsbehelfsbelehrung
Gegen diese Allgemeinverfügung kann innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Klage bei
dem Verwaltungsgericht Berlin, Kirchstraße 7,10557 Berlin, erhoben werden.

Bonn, den 13.02.2024

Bundesministerium für Digitales und Verkehr


Abteilung Luftfahrt

Im Auftrag

gezeichnet
Johann Friedrich Colsman

Beglaubigt:

Regierungsobersekretär

Das könnte Ihnen auch gefallen