Zusammenfassung des aktuellen italienischen Wahlsystems
Das italienische Wahlsystem ist ein gemischtes Grabenwahlrecht, das sowohl Mehrheits- als auch
Verhältniswahlverfahren kombiniert. Es regelt die Wahlen zur Abgeordnetenkammer (Camera dei
DeputaF) und zum Senat (Senato della Repubblica) und umfasst mehrere wesentliche Merkmale:
1. Wahlverfahren
• Parlamentswahlen: Bei den Wahlen zur Abgeordnetenkammer werden 400 Abgeordnete
gewählt, während der Senat 200 Mitglieder hat. Die Sitze werden so vergeben:
• Mehrheitswahl: Etwa 37 % der Sitze in beiden Kammern werden durch relaFve
Mehrheitswahl in Einpersonenwahlkreisen vergeben. 147 Abgeordnete werden per
Mehrheitswahl 74 Senatoren per Mehrheitswahl
• Verhältniswahl: Ca. 61 % der Sitze werden proporFonal nach dem SFmmenanteil
der Parteien vergeben, wobei starre Listen verwendet werden. 245 Abgeordnete
und 122 Senatoren per Verhältniswahl.
• Auslandswahlkreise: Zusätzlich enYallen 8 Sitze in der Abgeordnetenkammer und 4
Sitze im Senat auf die Auslandswahlkreise (circa 2 %), die speziell für im Ausland
lebende italienische Staatsbürger reserviert sind.
2. Wahlberech@gung
• Wahlrecht: Alle italienischen Staatsbürger, welche über die poliFschen Rechte verfügen, ab
18 Jahren sind wahlberechFgt (akFves Wahlrecht). Für die Kandidatur (passives Wahlrecht)
in der Abgeordnetenkammer müssen die Bewerber 25 Jahre alt sein und im Senat
mindestens 40 Jahre alt sein.
3. Sperrklauseln
• Um an der Verteilung der proporFonalen Sitze teilzunehmen, gibt es eine landesweite
Sperrklausel von 3 % für einzelne Listen und 10 % für KoaliFonen. Für
Minderheitenparteien gilt eine regionale Sperrklausel von 20 % oder ein Viertel der
Direktmandate in der Region.
• Die Parteien können, wie bisher schon üblich, in KoaliFonen antreten. Diese treten in
Einerwahlkreisen mit einem gemeinsamen Kandidaten an. Der Wähler hat dabei eine
SFmme für einen Kandidaten seines Wahlkreises. Er kann dabei entweder ihn direkt
ankreuzen oder eine der Listen der KoaliFon, die diesen unterstützt. Im ersten Fall wird die
SFmme anteilig auf die beteiligten Listen verteilt.
4. Wahlorganisa@on
• Die Durchführung der Wahlen wird von unabhängigen Wahlkommissionen überwacht, die
für die Einhaltung der Wahlgesetze verantwortlich sind. Wahlen finden in der Regel alle fünf
Jahre stab, können jedoch vorzeiFg einberufen werden.
5. Prak@sche Durchführung
• Wähler erhalten einen SFmmzebel, auf dem sie den Namen eines Kandidaten, den Namen
einer Partei oder beides markieren können. Das System zählt jede SFmme sowohl für die
proporFonalen als auch für die Mehrheitsmandate.
6. Poli@sche LandschaK
• Das Wahlsystem fördert KoaliFonen, da Parteien in der Regel in Bündnissen antreten, um
die Sperrklauseln zu überwinden. Das System wurde entwickelt, um eine Verhandlungs-
und Konsenskultur zu fördern, hat jedoch auch zur poliFschen Instabilität und internen
Konflikten beigetragen.
Die Parlamentswahlen in Italien 2022 fanden am 25. September stab. In den Wahlen wurden die
400 Abgeordneten der Abgeordnetenkammer (Camera dei deputa,) sowie die 200 Abgeordneten
des Senats (Senato della Repubblica) besFmmt. Staatspräsident Sergio Mabarella habe zuvor am
21. Juli desselben Jahres beide Parlamentskammern vorzeiFg aufgelöst.
Mit rund 44 Prozent der SFmmen wurde die Mibe-rechts-KoaliFon klarer Wahlsieger. Dank des
italienischen Grabenwahlsystem kommt sie in beiden Parlamentskammern auf eine absolute
Mehrheit der Sitze. Mit 26 Prozent der SFmmen wurde die posYaschisFsche Fratelle d’Italia von
Giorgia Meloni stärkste Einzelpartei. Der ParFto DemocraFco konnte seinen SFmmenanteil von
2018 halten und platzierte sich auf dem zweiten Rang. Dahinter stürzte die Fünf-Sterne-Bewegung
auf nur noch 15 Prozentpunkte ab, nachdem sie die letzte Wahl noch klar für sich entscheiden
konnte. Das neue Bündnis aus Azione und Italia Viva kam auf rund 8 Prozent. Die Mibe-rechts-
KoaliFon aus FdI, Lega und Forza Italia konnte sich auf eine gemeinsame Regierung einigen. In der
Abgeordnetenkammer gehören ihr 230 der 400 Mandate an, im Senat 113 der 200 Sitze. Am 22.
Oktober 2022 wurde die Regierung Meloni gebildet.