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Handbuch Rinder

Das Handbuch zur Selbstevaluierung Tierschutz für Rinder in Österreich bietet eine umfassende Anleitung zur Überprüfung der Mindestanforderungen für die Haltung von Rindern gemäß dem Tierschutzgesetz. Es enthält Erläuterungen zu rechtlichen Grundlagen, Übergangsfristen und Empfehlungen zur tiergerechten Haltung sowie ein Glossar für wichtige Begriffe. Die Fachstelle für tiergerechte Tierhaltung und Tierschutz fungiert als zentrale Informations- und Begutachtungsstelle und stellt sicher, dass Produkte und Systeme den tierschutzrechtlichen Vorgaben entsprechen.

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Handbuch Rinder

Das Handbuch zur Selbstevaluierung Tierschutz für Rinder in Österreich bietet eine umfassende Anleitung zur Überprüfung der Mindestanforderungen für die Haltung von Rindern gemäß dem Tierschutzgesetz. Es enthält Erläuterungen zu rechtlichen Grundlagen, Übergangsfristen und Empfehlungen zur tiergerechten Haltung sowie ein Glossar für wichtige Begriffe. Die Fachstelle für tiergerechte Tierhaltung und Tierschutz fungiert als zentrale Informations- und Begutachtungsstelle und stellt sicher, dass Produkte und Systeme den tierschutzrechtlichen Vorgaben entsprechen.

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Handbuch Rinder

Selbstevaluierung Tierschutz
Veröffentlichung gemäß dem Beschluss des Vollzugsbeirates vom 02.10.2018
Impressum

Medieninhaber und Herausgeber:


2. überarbeitete Auflage erstellt und veröffentlicht von der Fachstelle für tiergerechte Tierhaltung und
Tierschutz im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und
Konsumentenschutz als Medieninhaber und Herausgeber basierend auf dem Beschluss des
Vollzugsbeirates vom 02.10.2018.
Autorinnen/ Autoren bzw. Bearbeiterinnen/ Bearbeiter:
1. Auflage: Dr. Elfriede Ofner-Schröck (Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft
Raumberg – Gumpenstein) und Mag. Ewald Schröck mit der Arbeitsgruppe Selbstevaluierung
Tierschutz Rinder
2. überarbeitete und aktualisierte Auflage bearbeitet von: Dr. Martina Dörflinger und Dr. Katrina Eder
(Fachstelle für tiergerechte Tierhaltung und Tierschutz) gemeinsam mit Experten aus dem Vollzug,
der Wissenschaft und Praxis (Landwirtschaft)
Fotonachweis Titelfoto: Ing. Werner Eder
Gestaltung: Sandra Lehenbauer, MSc
Copyright und Haftung: Auszugsweiser Abdruck ist nur mit Quellenangabe gestattet, alle sonstigen
Rechte sind ohne schriftliche Zustimmung des Medieninhabers unzulässig. Dies gilt insbesondere für
jede Art der Vervielfältigung, der Übersetzung, der Mikroverfilmung, der Wiedergabe in Fernsehen und
Hörfunk, sowie für die Verbreitung und Einspeicherung in elektronische Medien wie z.B. Internet oder
CD-Rom.
Es wird darauf verwiesen, dass alle Angaben in dieser Publikation trotz sorgfältiger Bearbeitung ohne
Gewähr erfolgen und eine Haftung des Herausgebers und Medieninhabers sowie der Autorinnen und
Autoren bzw. Bearbeiterinnen und Bearbeiter ausgeschlossen ist.
Rückmeldungen: Rückmeldungen zu vorliegender Publikation übermitteln Sie bitte an
fachstelle@[Link]
Verlags- und Herstellungsort: Wien
2. Auflage: Stand 14. Februar 2019

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Handbuch zur Überprüfung der Mindestanforderungen für die Haltung von
Rindern in Österreich
auf Grundlage der Vorgaben des Tierschutzgesetzes
und der 1. Tierhaltungsverordnung

Allgemeine Hinweise zum Handbuch


Das Handbuch stellt die ausführliche Ergänzung und Erklärung der Fragen der Checkliste dar. Es
beschreibt die Interpretation des Rechtstextes, die Beurteilungsmethode und vermittelt
Hintergrundwissen zur Bedeutung. In der Kopfzeile jeder Handbuchseite kann zur schnellen
Orientierung der jeweilige Einflussbereich (z.B. Bodenbeschaffenheit) abgelesen werden.
Das Handbuch ist durchgängig wie folgt gegliedert:
 Frage aus der Checkliste (mit fortlaufender Nummerierung)
 Rechtsnorm: stellt die relevante rechtliche Grundlage aus TSchG und VO dar
 Erhebung: beschreibt die Mess- bzw. Erhebungsmethodik
 „Erfüllt, wenn“: beschreibt, welche Kriterien eingehalten werden müssen, damit die Fragen mit
„ja“ beantwortet werden kann
 Empfehlung: gibt über das gesetzliche Mindestmaß hinausgehende Hinweise, um das
Haltungssystem tiergerechter gestalten zu können
 Bedeutung: erklärt die Bedeutung für Gesundheit und Verhalten des Tieres
 Übergangsfrist: beschreibt ausgehend von den gesetzlich vorgesehenen
Übergangsbestimmungen, ab wann eine Bestimmung spätestens eingehalten werden muss
Am Anfang des Handbuches befindet sich ein Glossar, das die nötigen Begriffsbestimmungen liefert.

Erläuterungen zu den Übergangsfristen


Gemäß §44 TSchG darf seit In-Kraft-Treten des Tierschutzgesetzes mit 1.1.2005 die Neuerrichtung
von Anlagen oder Haltungseinrichtungen nur nach Maßgabe dieses Bundesgesetzes und der darauf
gegründeten Verordnungen erfolgen.
Anlagen und Haltungsvorrichtungen für Rinder, die bereits vor dem 1.1.2005 bestanden haben und
den Anforderungen der Art. 15 a-Vereinbarung oder den landesrechtlichen Anforderungen
entsprochen haben, müssen ab 1.1.2020 dem Tierschutzgesetz samt Verordnungen entsprechen,
auch wenn bauliche Maßnahmen dafür erforderlich sind.

Gemäß § 16 Abs. 4a TSchG gilt:


1) Die Haltung von Rindern in zum In-Kraft-Tretens-Zeitpunkt dieses Bundesgesetzes bestehenden
Anlagen unter Gegebenheiten, die als zwingende rechtliche oder technische Gründe anzusehen
sind, die der Gewährung geeigneter Bewegungsmöglichkeiten oder geeigneten Auslaufes oder
Weideganges an mindestens 90 Tagen im Jahr entgegenstehen, ist der Behörde vom Halter/ von
der Halterin bis zum 31. Dezember 2019 zu melden.

2) Tritt bei Anlagen, die bisher die Bewegungsmöglichkeiten in ausreichendem Ausmaß bieten, ein
Grund gemäß § 16 Abs. 4 Z 1 – 4 TSchG auf, so ist die Inanspruchnahme der Ausnahme der
Behörde binnen vier Wochen nach Eintritt des Ereignisses zu melden. Gleiches gilt auch für den
Umbau oder Neubau von Anlagen gemäß Z 1, der aufgrund höherer Gewalt erforderlich wird.

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Erläuterungen zur Toleranzgrenze (10 % - Regelung) gem. § 44 Abs. 5a TSchG
und § 2 Abs. 2 1. Tierhaltungsverordnung
Haltungsanlagen für Rinder, die bereits am 1.1.2005 bestanden haben, dürfen von den in der
1. Tierhaltungsverordnung festgelegten Maßen und Werten um maximal 10 % abweichen, wenn
folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

1) gemeinschaftsrechtliche Bestimmungen werden nicht berührt,


2) das Wohlbefinden der in diesen Anlagen gehaltenen Tiere ist auch im Falle der Abweichung nicht
eingeschränkt
3) der erforderliche bauliche Anpassungsbedarf ist unverhältnismäßig und
4) die Abweichung wird der Behörde vor dem in § 44 Abs. 5 Z 4 TSchG festgelegten Zeitpunkt, d.h.
vor dem Ablauf der jeweils geltenden Übergangsfrist, gemeldet.
Wird von den vorgeschriebenen Maßen und Werten um mehr als 10 % abgewichen, so muss auf
jeden Fall umgebaut und der gesetzeskonforme Zustand hergestellt werden.

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Besondere Hinweise

Die Fachstelle für tiergerechte Tierhaltung und Tierschutz


Die Fachstelle für tiergerechte Tierhaltung und Tierschutz ist eine von der Bundesministerin für Arbeit,
Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz eingerichtete unabhängige Stelle zur Begutachtung
von Haltungs- und Stalleinrichtungen, Heimtierunterkünften und Heimtierzubehör sowie sonstiger in
der Tierhaltung eingesetzter technischer Ausrüstungen. Gemäß § 18 TSchG haben Händlerinnen und
Händler bzw. Herstellerinnen und Hersteller neuartige Produkte verpflichtend bei der Fachstelle zur
Überprüfung anzumelden. Aber auch sonstige serienmäßig hergestellte Produkte können auf Antrag
der Inverkehrbringerinnen und Inverkehrbringer überprüft werden. Bei positiver Bewertung wird ein
Tierschutz-Kennzeichen mit Prüfnummer ausgestellt.

Das Tierschutz-Kennzeichen bietet Rechtssicherheit


Das Tierschutz-Kennzeichen ist das einzige offizielle Kennzeichen für Haltungs- und
Stalleinrichtungen, die dem österreichischen Tierschutzgesetz entsprechen. Es garantiert die
Einhaltung der tierschutzrechtlichen Vorgaben basierend auf einer wissenschaftlichen Überprüfung
und Erfahrungen aus der Praxis. Es bietet so Tierhalterinnen und Tierhaltern Rechtssicherheit, dass
das erworbene bzw. eingebaute Produkt/System den Anforderungen des österreichischen
Tierschutzgesetzes entspricht und erleichtert den Vollzug des Tierschutzes und Arbeit der
Amtstierärztinnen und Amtstierärzte sowie der sonstigen Kontrollorgane.
Auf der Website [Link] sind alle positiv bewerteten Produkte angeführt,
gemeinsam mit den genauen Bedingungen für eine tierschutzkonforme Verwendung.

Zentrale Informations- und Begutachtungsstelle


Durch die Tierschutzgesetznovelle BGBl. I Nr. 61/2107 wurde der Aufgabenbereich der Fachstelle
erweitert. Die Fachstelle dient nunmehr als zentrale Informations- und Begutachtungsstelle im Bereich
des Tierschutzes. Aktuelle Informationen, diverse Veröffentlichungen und eine regelmäßig
aktualisierte Judikatursammlung sind auf der Website der Fachstelle zu finden.
In Verbindung mit den Handbüchern und Checklisten Selbstevaluierung Tierschutz hinzuweisen ist
insbesondere auf Gutachten der Fachstelle gemäß § 2 Abs. 2a 1. Tierhaltungsverordnung.
In § 2 Abs. 2a der 1. THV geregelt ist:
„(2a) Anlagen, die vor 1. 1. 2005 errichtet wurden, jedoch geringfügig von den in den Anlagen festgelegten
Mindestmaßen abweichen, können dann weiterbetrieben werden, wenn durch ein Gutachten der Fachstelle
gemäß § 18a TSchG nachgewiesen wird, dass
1. unionsrechtliche Bestimmungen nicht berührt werden,
2. das Wohlbefinden der jeweils betroffenen Tiere auch im Falle der Abweichung nicht eingeschränkt ist und

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3. der erforderliche bauliche Anpassungsbedarf unverhältnismäßig ist
und entsprechende Ausgleichsmaßnahmen getroffen werden. Das Ansuchen für die Erstellung des Gutachtens
hat bis 31.12.2018 bei der Fachstelle einzulangen. Die Fachstelle hat die zuständigen Behörden über das
Einlangen des Ansuchens sowie über das Ergebnis des Gutachtens zu informieren.“

Nähere Informationen für derartige Anträge, die von den Landwirtinnen bzw. Landwirten bis
spätestens 31.12.2018 bei der Fachstelle einzureichen sind, sind zu finden unter:
[Link]

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Inhaltsverzeichnis

Glossar 11
Verzeichnis der Rechtsgrundlagen 15

A Bodenbeschaffenheit 16
A 1 Die Böden im Tierbereich sind rutschfest 16
A 2 Der Boden im Tierbereich ist so gestaltet, dass die Tiere keine Verletzungen oder Schmerzen
erleiden 18
A 3 Kühe, hochträchtige Kalbinnen und Zuchtstiere werden nicht auf Vollspaltenböden gehalten 19
A 4 Planbefestigte Liegeflächen weisen weiche und wärmegedämmte Beläge auf oder sind
ausreichend eingestreut 20
A 5 Die Liegeflächen der Tiere sind trocken 22
A 6 Kälber bis 150 kg haben eine trockene, weiche und verformbare Liegefläche. Für Kälber unter
zwei Wochen steht geeignete Einstreu zur Verfügung 24
A 7 Die Spaltenbreite (Schlitzweite) von Spaltenböden entspricht den Anforderungen 25
A 8 Die Auftrittsfläche von Spaltenböden und Rosten ist eben und gratfrei und die Kanten sind
gebrochen 26
A 9 Betonspaltenböden sind aus Flächenelementen hergestellt und weisen keine durchgehenden
Längsspalten in den Elementen auf 27
A 10 Holzlattenroste werden nicht mehr neu eingebaut 28
A 11 Gülleroste in der Anbindehaltung haben eine maximale Spaltenbreite (Schlitzweite) von 40 mm
und eine Mindeststegbreite von 25 mm 29

B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt 30


B 1 Rinder haben an mindestens 90 Tagen im Jahr die Möglichkeit zur freien Bewegung (Weide,
Auslauf, Laufstall) 30
B 2 Die Anbindevorrichtung bietet dem Tier in der Längsrichtung mindestens 60 cm und in der
Querrichtung mind. 40 cm Bewegungsfreiheit sowie genügend Spiel in der Vertikalen 33
B 3 Massive Barnsockel (Krippenmauern) in Kurzständen sind ab Standniveau höchstens 32 cm
hoch 34
B 4 Bewegliche Barnabgrenzungen (Krippenbegrenzungen) aus elastischem Material sind ab
Standniveau maximal 42 cm hoch 36
B 5 Starre Seitenbegrenzungen sind so ausgeführt, dass keine Verletzungsgefahr für die Tiere
besteht 37
B 6 Anbindestände sind mindestens so breit und so lang wie in B 6 in der Tabelle gefordert 37
B 7 In Laufställen stehen für kalbende oder kranke Tiere in ausreichender Anzahl
Absonderungsbuchten zur Verfügung 40
B 8 In Laufställen sind Möglichkeiten zur Fixierung der Tiere für Zwecke tierärztlicher oder sonstiger
Behandlungen vorhanden 42
B 9 Liegeboxen sind mindestens so breit und so lang wie in B 9 in der Tabelle gefordert 43

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B 10 Fressgänge in Liegeboxenlaufställen sind für Kühe mindestens 320 cm und für alle übrigen
Rinder angemessen breit 47
B 11 Laufgänge in Liegeboxenlaufställen sind für Kühe mindestens 250 cm und für alle übrigen
Rinder angemessen breit 50
B 12 Im Liegeboxenlaufstall ist für jedes Tier eine Liegebox vorhanden 53
B 13 Vollspaltenbuchten (Volllochbodenbuchten) sind mindestens so groß wie in B 13 in der Tabelle
angegeben 54
B 14 Tretmist-, Tiefstreu- oder Teilspaltenbodenbuchten haben eine ausreichend große
Liegefläche 55
B 15 Kälber werden nicht in Anbindehaltung gehalten 57
B 16 Über 8 Wochen alte Kälber werden in Gruppen gehalten, oder es liegt eine
Ausnahmevoraussetzung zur Einzelhaltung vor 58
B 17 Einzelbuchten für Kälber ermöglichen einen direkten Sicht- und Berührungskontakt mit
Artgenossen (Ausnahme: Absonderung kranker Tiere) 59
B 18 Einzelbuchten für Kälber sind mindestens so groß, wie in B 18 in der Tabelle angegeben 60
B 19 Gruppenbuchten für Kälber sind mindestens so groß, wie in B 19 in der Tabelle angegeben 61
B 20 Bei der Haltung von Kälbern im Freien ist die Bucht überdacht, auf drei Seiten geschlossen
und die Tiere sind gegen widrige Witterungseinflüsse geschützt 62
B 21 Kälberhütten (Iglus) weisen zusätzlich zur Bucht einen Auslauf auf, der mindestens so groß ist,
wie in B 21a und B 21b angegeben 63

C Stallklima, Licht, Lärm 65


C 1 Es sind funktionstüchtige Lüftungssysteme vorhanden, die entsprechend bedient und gewartet
werden 65
C 2 Bei hauptsächlich mechanischer Lüftung sind funktionierende Alarmsysteme und geeignete
funktionstüchtige Ersatzsysteme vorhanden 66
C 3 Es wird für einen dauernden und ausreichenden Luftwechsel gesorgt 67
C 4 Schädliche Zugluft im Tierbereich wird vermieden 69
C 5 Die Fensterflächen oder andere Flächen, durch die Tageslicht einfällt, betragen mind. 3 % der
Stallbodenfläche – oder die Tiere haben ständig Zugang ins Freie 70
C 6 Der Tierbereich des Stalles weist über mindestens 8 Stunden pro Tag eine Lichtstärke von
mindestens 40 Lux auf 71
C 7 Der Lärmpegel wird so gering wie möglich gehalten und dauernder oder plötzlicher Lärm wird
vermieden 73

D Tränke und Fütterung 74


D1 Die Tiere haben die Möglichkeit zur artgemäßen Tränkwasseraufnahme aus einer freien
Wasseroberfläche 74
D 2 Frei zugängliche funktionstüchtige Tränken sind in ausreichender Anzahl vorhanden, sodass der
Wasserbedarf der Tiere gedeckt wird 75
D 3 Das Tränkewasser ist nicht verunreinigt 77

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D 4 Über 2 Wochen alte Kälber haben zusätzlich zur Milch- oder Milchaustauschertränke Zugang zu
ausreichend Frischwasser oder anderen geeigneten Flüssigkeiten 78
D 5 Kälbern steht bei erhöhtem Flüssigkeitsbedarf, insbesondere bei sehr hohen Temperaturen oder
bei Krankheit, ständig geeignetes Frischwasser zur Verfügung 80
D 6 Die Futterbarnsohle liegt mindestens 10 cm über dem Standniveau 80
D 7 Es ist sichergestellt, dass jedes einzelne Tier ausreichend Nahrung aufnehmen kann 81
D 8 Die Fressplatzbreite in Laufställen entspricht den Werten in D 8 in der Tabelle 82
D 9 Futter und Fütterungseinrichtungen entsprechen den Bedürfnissen der Tiere 84
D 10 Futter und Fütterungseinrichtungen sind nicht verunreinigt 85
D 11 Alle Kälber werden mindestens zweimal täglich gefüttert 86
D 12 Kälber erhalten ab Beginn der 2. Lebenswoche ausreichend Raufutter 86
D 13 Die tägliche Futterration der Kälber enthält genügend Eisen 87
D 14 Kälber erhalten nach der Geburt so schnell wie möglich Biestmilch (auf jeden Fall innerhalb der
ersten 6 Lebensstunden) 88
D 15 Kälber werden ihrem Alter, ihrem Gewicht und ihren Bedürfnissen entsprechend ernährt 89

E Betreuung 91
E 1 Die Tiere werden von fachkundigen Personen betreut, gepflegt und kontrolliert 91
E 2 Für die Betreuung der Tiere sind genügend Betreuungspersonen vorhanden 92
E 3 Die Anbindevorrichtung wird regelmäßig den Körpermaßen der Tiere angepasst und kann die
Tiere nicht verletzen 93
E 4 Der Zustand der Klauen wird regelmäßig überprüft und bei Bedarf eine Klauenpflege
durchgeführt 94
E 5 Elektrische Abschrankungen in Laufställen werden nur vorübergehend verwendet 94
E 6a Wird ein elektrischer Kuhtrainer verwendet, erfüllt dieser die genannten Anforderungen 95
E 6b Scharfkantige, spitze oder elektrisierende Vorrichtungen, die das Verhalten der Tiere im Stall
steuern, werden nicht verwendet 95
E 7 Kälbern wird kein Maulkorb angelegt 96
E 8 Kranke oder verletzte Tiere werden unverzüglich angemessen untergebracht, versorgt und (wenn
erforderlich) einer tierärztlichen Behandlung zugeführt 96
E 9 Alle Tiere werden mindestens 1 x am Tag kontrolliert (Kälber in Stallhaltung mind. 2 x täglich) 98
E 10 Alle Gerätschaften, die für das Wohlbefinden der Tiere entscheidend sind, werden mind. 1 x
täglich kontrolliert 99
E 11 Das für die Unterkünfte und Haltungsvorrichtungen verwendete Material ist für die Tiere
ungefährlich und lässt sich angemessen reinigen 100
E 12 Die Haltungsumwelt der Tiere ist so ausgeführt, dass die Tiere keine Verletzungen erleiden
können 100
E 13 Es werden Aufzeichnungen über alle medizinischen Behandlungen und die Anzahl toter Tiere
geführt 101

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E 14 Tiere, die vorübergehend oder dauernd nicht in Unterkünften untergebracht sind, sind soweit
möglich vor Raubtieren und sonstigen Gefahren für ihr Wohlbefinden zu schützen 101

F Eingriffe 103
F 1 Gummiringe, Ätzstifte und Ätzsalben sind verboten und werden nicht verwendet 103
F 2 Die Enthornung bzw. das Zerstören der Hornanlage wird tierschutzrechtskonform unter Einsatz
von Sedierung, Lokalanästhesie und postoperativ wirksamer Schmerzbehandlung durchgeführt 103
F 3 Das Kupieren des Schwanzes von Kälbern wird nur beim Vorliegen einer betrieblichen
Notwendigkeit und nur durch eine Tierärztin/ einen Tierarzt nach wirksamer Betäubung und
postoperativ wirksamer Schmerzbehandlung durchgeführt 105
F 4 Die Kastration männlicher Rinder wird ausschließlich durch eine Tierärztin / einen Tierarzt oder
einen gewerblichen Viehschneider nach wirksamer Betäubung und postoperativer
Schmerzbehandlung durchgeführt 106
F 5 Das Einziehen von Nasenringen bei Zuchtstieren erfolgt durch eine Tierärztin/ einen Tierarzt oder
eine sonstige sachkundige Person 107
F 6 Es werden keine anderen als die genannten zulässigen Eingriffe (F 2 – 5) durchgeführt 107

G Ganzjährige Haltung im Freien 109


G 1 Für jedes Tier steht eine überdachte, trockene und eingestreute Liegefläche mit Windschutz zur
Verfügung 109
G 2 Alle Tiere können gleichzeitig und ungestört auf der Liegefläche liegen 110
G 3 Es wird zusätzlich Futter angeboten, wenn der Futterbedarf nicht ausreichend durch Weide
gedeckt werden kann 111
G 4 Auch bei tiefen Temperaturen ist sichergestellt, dass Menge und Energiegehalt des vorhandenen
Futters ausreichen, um den Energiebedarf der Tiere zu decken 112
G 5 Der Boden im Bereich der ständig benützten Fütterungs- und Tränkebereiche ist befestigt 112
G 6 Kranke und verletzte Tiere werden gesondert und geschützt untergebracht 113

Z Zuchtmethoden 114
Z 1 Es werden keine natürlichen oder künstlichen Zuchtmethoden angewendet, die den Tieren Leiden
oder Schäden zufügen oder zufügen können 114
Z 2 Es werden nur Tiere (zu landwirtschaftlichen Nutzzwecken) gehalten, bei denen aufgrund ihres
Genotyps oder Phänotyps davon ausgegangen werden kann, dass die Haltung ihre Gesundheit und
ihr Wohlergehen nicht beeinträchtigt 115

Tabellenverzeichnis 116

Abbildungsverzeichnis 117

Abkürzungsverzeichnis 118

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Glossar
Anbindehaltung, dauernde: ist eine Anbindehaltung ohne Gewährung an mind. 90 Tagen im Jahr
von geeigneten Bewegungsmöglichkeiten oder geeignetem Auslauf oder Weidegang.
Anbindehaltung: bezeichnet eine Haltung, bei der jedes Tier einzeln auf einem Standplatz durch eine
Anbindevorrichtung fixiert ist.
Anbindestand  Kurzstand, Mittellangstand
Andere geeignete Flüssigkeiten: sind Flüssigkeiten, die den Flüssigkeitsbedarf der Tiere decken,
Gesundheit und Wohlbefinden des Tieres nicht beeinträchtigen und in hygienisch einwandfreier
Qualität, über die Milchtränke hinaus, vorgelegt werden. z.B. Tee, Elektrolytgetränke, usw.
Auslauf: ist eine vom Stallbereich (zeitweise) getrennte Bewegungsfläche im Freien. Ausläufe
befinden sich in direktem Anschluss an das Stallgebäude. Begrifflich abzugrenzen ist der Auslauf von
der Weide und von einer dauernden Freilandhaltung.
Barnabgrenzung, bewegliche  bewegliche Barnabgrenzung
Barnsockel (Krippenmauer): bezeichnet die bauliche Abgrenzung zwischen dem Futterbarn und der
Standfläche für die Tiere.
Bauliche Maßnahme: geht gem. § 44 Abs. 4 TSchG über die Instandsetzung oder über die
Ersetzung einzelner Elemente hinaus. Es sind darunter alle Veränderungen an Gebäuden und
Abänderungen an Haltungseinrichtungen, die über die Einstellung bzw. Justierung beweglicher Teile
hinausgehen, zu verstehen.
Bestehende Anlagen und Haltungseinrichtungen (Stallungen, Gebäude): damit sind Stallungen
gemeint, die bereits vor dem 1. Jänner 2005 in der vorliegenden Form bestanden haben.
Bewegliche Barnabgrenzungen: grenzen den Futterbarn von der Standfläche der Tiere ab. Sie sind
flexibel ausgeführt und können z.B. aus Gummi oder ähnlichem Material hergestellt sein.
Buchten mit vollperforierten Böden  Vollspalten- bzw. Volllochbodenbuchten
Buchten ohne vollperforierte Böden: dies umfasst alle Laufställe, deren Liegefläche nicht durch
Liegeboxen unterteilt ist und die nicht zur Gruppe der Vollspalten- bzw. Volllochbödenbuchten
gehören. Zu dieser Kategorie gehören sowohl Einraum– als auch Mehrraumbuchten, die als Tiefstreu-
oder Tretmistsystem oder mit Teilspaltenböden ausgeführt sein können.
Dauernde Anbindehaltung  Anbindehaltung, dauernde
Eingriff (lt. TSchG): eine Maßnahme, die zur Beschädigung oder den Verlust eines empfindlichen
Teiles des Körpers oder einer Veränderung der Knochenstruktur führt.
Einraumbuchten für die Rinderhaltung: sind tief eingestreute Gruppenbuchten ohne Unterteilung
der Bucht in einen eingestreuten Teil für das Ruheverhalten und einen davon baulich abgesetzten
oder teilweise abgetrennten Teil für das Aktivitäts- und Futteraufnahmeverhalten.
Flüssigkeiten, andere geeignete  andere geeignete Flüssigkeiten
Fressliegeboxen  Liegeboxen, Fress-
Fressstände für Kälber sind durch geschlossene Trennwände voneinander abgegrenzte Bereiche
der Bucht, die nur zur Futteraufnahme für die Tiere dienen, für das Ruheverhalten nicht genützt
werden und maximal 60 cm breit sind.
Frischwasser, geeignetes  geeignetes Frischwasser

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Futterbarnsohle: ist der tiefste Punkt oder die am tiefsten liegende waagrechte Fläche des
Futterbarns (Futterkrippe).
Ganzjährige Haltung im Freien (ganzjährige Freilandhaltung): Dabei werden die Tiere auf einer
mit Futterpflanzen bestandenen landwirtschaftlichen Nutzfläche ganzjährig (auch im Winter) im Freien
gehalten. Die Fläche ist ausschließlich oder zum überwiegenden Teil zum Beweiden durch die Tiere
vorgesehen. Begrifflich abzugrenzen ist die ganzjährige Freilandhaltung von der Weide und vom
Auslauf.
Geeignete Bewegungsmöglichkeit (i. S. § 16 Abs 4 TSchG): Als geeignete Bewegungsmöglichkeit
ist z.B. die Haltung in einem Laufstall zu betrachten. Wird ein Tier an mind. 90 Tagen pro Jahr anstatt
im Anbindestall in einem Laufstall gehalten, ist die Forderung nach geeigneter Bewegungsmöglichkeit
erfüllt. Nicht als geeignete Bewegungsmöglichkeit gilt freies Laufenlassen der Tiere im Anbindestall.
Geeignetes Frischwasser: ist Wasser, das nicht verschmutzt ist und aus sauberen
Tränkeeinrichtungen verabreicht wird. Falls Hinweise auf eine bakteriologisch und chemisch
bedenkliche Wasserqualität vorliegen (bedenkliche Herkunft des Wassers, entsprechende
Erkrankungen des Tierbestandes, usw.) ist eine Wasseruntersuchung durchzuführen.
Gegenständige Liegeboxen  Liegeboxen, gegenständig
Genotyp: Vollständiger Satz von Genen, den ein Organismus geerbt hat.
Gewerblicher Viehschneider: Viehschneider, der dieses Gewerbe auf Grund der Gewerbeordnung
(1994, BGBL. Nr. 194, zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 118/2004) rechtmäßig ausübt und dies durch
eine Bewilligungsurkunde nachweisen kann. Der Viehschneider hat für die fachgerechte Durchführung
der Kastration auf Grundlage der ihm übertragenen Rechte und Pflichten Sorge zu tragen. Eine
wirksame Betäubung muss jedenfalls erfolgen.
Gruppenhaltung, sonstige  sonstige Gruppenhaltung
Hochträchtige Kalbinnen: sind Kalbinnen ab dem 7. Trächtigkeitsmonat (d.h. ab dem 180.
Trächtigkeitstag).
Jungvieh: weibliche Rinder > 6 Monaten bis zur ersten Abkalbung bzw. männliche Rinder bis zur
Zuchtreife.
Kalbinnen, hochträchtige  hochträchtige Kalbinnen
Kälber: Rinder < 6 Monaten.
Kühe: Sammelbegriff für Milch- und Mutterkühe
Kurzstand: Anbindestand, bei dem der Raum über dem Futterbarn den Tieren jederzeit zum Stehen,
Abliegen, Aufstehen, Ruhen und Fressen zur Verfügung steht.
Liegeboxen, Fress- (Fressliegeboxen): sind entlang des Fressplatzes angeordnete Liegeboxen, die
sowohl dem Liegen als auch der Futteraufnahme dienen. Bei diesen Boxen sind sinngemäß die Maße
für den Kurzstand heranzuziehen.
Liegeboxen, gegenständig: sind gegenüberliegend zweireihig angeordnet, wobei die Rinder mit dem
Kopf zusammenschauen und die zwischen den gegenüberliegenden Boxen angeordneten
Abgrenzungen eine Mitbenützung der gegenüberliegenden Boxen beim artgemäßen Aufstehen und
Abliegen der Tiere zulassen. Auch eine einreihige Anordnung ohne störende Abgrenzung im
Kopfbereich ist dieser Kategorie zuzuordnen (Begrenzung bis max. 12 cm Höhe über dem
Standniveau der Tiere).

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Liegeboxen, wandständig: sind solche, bei denen das Tier mit dem Kopf zu einer geschlossenen
Wand oder sonstiger Abgrenzung, die eine Benützung des dahinter liegenden Raumes beim
artgemäßen Aufstehen und Abliegen der Tiere verhindern, ausgerichtet ist.
Liegeboxen: sind frei zugängliche Einzelboxen in Laufstallhaltungen für das Ruhe- und
Liegeverhalten der Tiere.
Liegefläche: jener Buchtenbereich, der von den Tieren während der (nächtlichen) Hauptruhezeit
deutlich als (Gruppen-) Liegeplatz bevorzugt wird bzw. der ausgewiesen und konstruktiv für das
Liegen vorgesehen ist. Die Liegefläche hat spezifische Anforderungen hinsichtlich der
Bodengestaltung und Trockenheit zu erfüllen. In der Anbindehaltung gelten als Liegebereich die
Standflächen, in Boxenlaufställen die Liegeboxen.
Mastvieh: Rinder > 6 Monate, die zur Mast gehalten werden.
Mehrraumbuchten ohne Boxen für die Rinderhaltung: sind Gruppenbuchten mit einer baulich
ausgeprägten Unterteilung in eine eingestreute Liegefläche und einen oder mehrere weitere
Buchtenteile für andere Verhaltensweisen.
Milchkühe: weibliche Rinder, ab der 1. Abkalbung, die zur Milcherzeugung gehalten werden. Werden
hochträchtige Kalbinnen gemeinsam mit den Milchkühen gehalten, können sie beim Ausfüllen der
Checkliste in der Spalte "Milchkühe" erfasst werden.
Mittellangstand: Anbindestand, bei dem der Raum über dem Futterbarn den Tieren nur zum Fressen
zur Verfügung steht.
Mutterkühe mit Kälbern: weibliche Rinder, ab der 1. Abkalbung, die gemeinsam gehaltene Kälber
säugen.
Phänotyp: äußeres Erscheinungsbild eines Organismus, bedingt durch  Genotyp und
Umwelteinflüsse
Planbefestigt (-e Böden): unter planbefestigten Böden versteht man geschlossene Böden und somit
alle Böden ohne schlitz- oder lochförmige Perforation.
Sonstige Gruppenhaltung: Die im Verordnungstext genannte „sonstige Gruppenhaltung“ umfasst
alle Laufställe, deren Liegefläche nicht durch Liegeboxen unterteilt ist. Zu dieser Kategorie gehören
sowohl Einraum– als auch Mehrraumbuchten, die als Tiefstreu- oder Tretmistsystem oder mit
Spaltenböden ausgeführt sein können.
Spaltenboden: Böden mit regelmäßigen schlitz- oder lochförmig Perforationen aus Stahlbeton,
Metall, Kunststoff oder Holz.
Teilspaltenbodenbuchten: sind Buchten, in denen nur ein Teil der gesamten Bodenfläche perforiert
ausgebildet ist, sodass sich eine so große planbefestigte Fläche ergibt, dass alle Tiere gleichzeitig
und ungehindert darauf liegen können.
Umbauten: damit sind Umbauten seit 1. Jänner 2005 gemeint.
Umsetzung: die Übergangsfristen zur Umsetzung beziehen sich auf bestehende Anlagen oder
Haltungseinrichtungen. Die Neuerrichtung von Anlagen und Haltungseinrichtungen darf gem. § 44
Abs. 4 TSchG nur mehr nach Maßgabe des Bundes-Tierschutzgesetzes und der darauf gegründeten
Verordnungen erfolgen.
Viehschneider, gewerblicher  gewerblicher Viehschneider
Vollspalten- bzw. Volllochbodenbuchten: sind Buchten mit regelmäßig schlitz- oder lochförmig
perforierten Bodenflächen aus Stahlbeton, Metall, Kunststoff oder Holz, die nicht mindestens eine so

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große planbefestigte Fläche ausweisen, dass alle Tiere gleichzeitig und ungehindert darauf liegen
können.
Wandständige Liegeboxen  Liegeboxen, wandständig
Weide (Weidegang): ist eine mit Futterpflanzen bestandene landwirtschaftliche Nutzfläche, die
ausschließlich oder zum überwiegenden Teil durch Beweiden genutzt wird. Bei Weidegang werden
die Tiere täglich in den Stall gebracht oder können bei Bedarf kurzfristig eingestallt werden. Auch die
Alpung kann als Weidegang bezeichnet werden. Begrifflich abzugrenzen ist die Weide vom Auslauf
und von einer dauernden Freilandhaltung.
Zuchtstiere: männliche Rinder ab Zuchtreife, die zur Zucht verwendet werden.

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Verzeichnis der Rechtsgrundlagen
Bundesgesetz über den Schutz der Tiere (Tierschutzgesetz – TSchG), BGBl. I Nr. 118/2004, Artikel
2, idF BGBl. I Nr. 148/2017.
Verordnung der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen über die Mindestanforderungen für die
Haltung von Pferden und Pferdeartigen, Schweinen, Rindern, Schafen, Ziegen, Schalenwild, Lamas,
Kaninchen, Hausgeflügel, Straußen und Nutzfischen (1. Tierhaltungsverordnung), BGBl. II Nr.
485/2004 idF BGBl. II Nr. 151/2017.

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A Bodenbeschaffenheit

A Bodenbeschaffenheit
A 1 Die Böden im Tierbereich sind rutschfest
Rechtsnormen § 13 Abs. 2 TSchG
Wer ein Tier hält, hat dafür zu sorgen, dass […] die Bodenbeschaffenheit […] unter
Berücksichtigung der Art, des Alters und des Grades der Entwicklung, Anpassung und
Domestikation der Tiere ihren physiologischen und ethologischen Bedürfnissen
angemessen [ist].

1. ThVO, Anlage 2, 2.1.1.


Die Böden müssen rutschfest sein […].

Erhebung Durch folgende einfache Methoden wird die Rutschfestigkeit des Bodens
beurteilt:
 Tiere beobachten: Es wird beobachtet, wie sich die Tiere fortbewegen
und ob sie ausgleiten. Ausrutschen (besonders beim Aufstehen, Abliegen,
Treiben und Flüchten), vorsichtiges Gehen, kein Laufen, gesenkter Kopf
beim Gehen, kein Stehen auf drei Beinen beim Sich-Selbst-Belecken und
schwache Brunstsignale weisen auf rutschige Böden hin.
 „Gummistiefelprobe“: Da die Rutschsicherheit eines Bodens nur mit
erheblichem Aufwand objektiv gemessen werden kann, ist subjektiv
vorzugehen. Es wird subjektiv mittels ‘Gummistiefelprobe‘ die Griffigkeit
des Bodens beurteilt. Dies geschieht durch körpergewichtsbelastetes
Drehen des Absatzes auf der zu prüfenden Fläche. Es sollte ein
erheblicher Widerstand zu spüren sein. Mit entsprechender Erfahrung kann
die Griffigkeit des Bodens einigermaßen abgeschätzt werden.
Es müssen alle Bodenflächen im Tierbereich beurteilt werden: Liegeflächen,
Standflächen, Bewegungsflächen im Stall (Laufgänge, Fressgänge,
Quergänge, Triebwege), Wege zum und im Melkstand, Bewegungsflächen im
Freien (Auslauf, Triebwege), usw. Es wird die Rutschfestigkeit des Bodens
überprüft.

Erfüllt, wenn durch keine der genannten Beurteilungsmethoden darauf geschlossen werden
kann, dass die Tiere auf den Böden im Tierbereich in erhöhtem Ausmaß
ausrutschen können und dadurch Verletzungsgefahr besteht.

Empfehlung Bei der Beurteilung der Rutschfestigkeit sollten auch folgende Gegebenheiten
berücksichtigt werden:
 dünne Einstreuschichten im Klauenbereich über feuchten glatten Flächen
(versteckte Gefahrensituation)
 Jahreszeitliche Unterschiede (Eisbildung)
 Bodenmaterial und Struktur
 Management (Schmierschichten beeinträchtigen die Rutschsicherheit)

Bodenmaterial und Struktur:


Das verwendete Bodenmaterial übt einen maßgeblichen Einfluss auf die
Rutschsicherheit aus. Die Bandbreite der Möglichkeiten liegt zwischen sehr

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A Bodenbeschaffenheit

rutschigen Böden, wie nasse Holzböden, nasser glatt getretener Beton oder
PVC und sehr griffigen Flächen wie weiche Gummibeläge, Gussasphalt oder
dicker Einstreu auf rauem Beton.
 Geschlossene (planbefestigte) Böden aus Beton: können durch ständiges
Begehen und/oder regelmäßiges Abschieben mit Metallschiebern mit der
Zeit sehr glatt werden. Dieses Problem kann durch Verwendung von
Reinigungsschiebern mit Kunststofflippen und einer richtigen Profilierung
der Bodenoberfläche (Rautenmuster, Rillenmuster, kräftiger Besenstrich)
gelöst werden
 Beschichtungen aus Epoxidharz mit Sandeinschluss auf sauberem Beton
ergeben dauerhafte, rutschsichere und leicht zu reinigende Böden. Eine zu
grobe Körnung führt jedoch zu einem zu großen Klauenabrieb.
 Gussasphalt-Beläge mit rauer Oberfläche (Asphalt und Quarzsand) bleiben
– wenn sie feucht sind – dauerhaft rutschfest und eignen sich vorwiegend
im geschlossenen Stall.
 Gummiauflagen haben in Untersuchungen und in der praktischen
Anwendung positive Auswirkungen auf das Lauf- und Komfortverhalten
sowie auf die Klauengesundheit von Milchkühen gezeigt, ihre langfristige
Haltbarkeit lässt sich zurzeit jedoch noch nicht abschließend beurteilen.
Sanierungsmöglichkeiten für rutschig gewordenen Beton:
 Aufbringen von Hartbetonüberzügen, Gussasphalt oder verformbaren
Gummimatten
 Chemisches Aufrauen: meist mit Phosphorsäure (Haltbarkeit: wenige
Monate bis 1 Jahr)
Mechanisches Aufrauen: Aufraugeräte sind von Baufirmen mietbar
(Haltbarkeit: 2 – 3 Jahre), Rillenprofil (längere Haltbarkeit) Rutschfeste Böden
sind am ehesten durch eine ausreichende Einstreu, durch häufiges Entmisten
oder durch eine Strukturierung der Oberfläche zu erreichen. Zu beachten ist,
dass Betonflächen im Laufe der Zeit ihre anfängliche Rutschfestigkeit verlieren
und somit immer wieder diesbezüglich kontrolliert und eventuell entsprechend
bearbeitet werden müssen. Sanierungsmöglichkeiten für rutschig gewordene
Böden (Fachberatung wird empfohlen).

Bedeutung Der Boden muss den Ansprüchen der Tiere auf normales Verhalten und
Unversehrtheit entsprechen.
Durch rutschsichere Böden wird das Verletzungs- und Krankheitsrisiko in der
Herde erheblich gesenkt, Tierverluste werden verringert, die Leistung wird
gesteigert und Brunstsignale sind deutlicher ausgeprägt. Die Beschaffenheit
der Bewegungs- und Liegeflächen der Tiere ist wesentlich für deren
Gesundheit und Wohlbefinden. Nur trittfeste Böden gewährleisten
problemloses Laufen, Gehen, Stehen, Abliegen, Aufstehen und
Komfortverhalten.

Übergangsfrist Keine.

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A Bodenbeschaffenheit

A 2 Der Boden im Tierbereich ist so gestaltet, dass die Tiere keine


Verletzungen oder Schmerzen erleiden
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.1.1.
Die Böden müssen [...] so gestaltet und unterhalten werden, dass die Rinder keine
Verletzungen oder Schmerzen erleiden.

Erhebung Es wird die Gestaltung des Bodens beurteilt.


Alle Böden im Tierbereich sind zu berücksichtigen, d.h. Böden im Liegebereich
und Aktivitätsbereich – im Stall und im Freien (Auslauf, Triebwege).
Es werden technische Mängel bzw. Mängel in der Bodenausführung und im -
management erhoben, die zu Klauen- oder anderen Verletzungen führen
können. Es sollten insbesondere folgende Mängel beachtet werden:
 scharfe Kanten (z.B. bei Güllerosten, usw.)
 scharfe Kanten (z.B. bei Güllerosten, usw.)
 hervorstehende Schrauben, Nägel, Holzsplitter, usw.
 zu raue Laufflächen, die durch übermäßigen Klauenabrieb Schäden
verursachen können
 zu raue Liegeflächenauflagen
 nasse und schmutzige Böden, die zu Klauen- und Hautschäden führen
können (regelmäßige Reinigung und funktionstüchtige Entwässerungen
sicherstellen! Ausreichende Ebenheit – keine Muldenbildung bei
planbefestigten Böden)
 Verarbeitungs- und Verlegegenauigkeit (Kanten, Höhendifferenzen,
wackelige Spaltenelemente und Balken) bei Spalten- oder Lochböden (in
Ergänzung zu den Fragen A 7, 8, 9, 10, 11, 12)
 zu breiter Spalt bei Führungsschienen für stationäre Mistschieber
 hohe oder schwer sichtbare Stufen oder Unebenheiten, die zum Abkippen
oder Stolpern führen können
Erfüllt, wenn die Bodengestaltung und das -management keine Mängel aufweisen, die für
das Tier eine erhöhte Gefahr für Verletzungen, Schäden oder Schmerzen
bedeuten könnten, sodass Verletzungen der Tiere vermieden werden.

Empfehlung Technopathien beurteilen: Es sollte regelmäßig überprüft werden, ob Tiere


Schäden und Verletzungen aufweisen, die auf falsch gestaltete Böden
hinweisen, z B. Klauenschäden, Verletzungen am Sprung- und Karpalgelenk,
usw.

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A Bodenbeschaffenheit

Knie
Carpus
Sprunggelenk
Zitzen
Fessel vorn
Fessel hinten

© HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Abbildung 1: Beurteilung von Technopathien am Rind

 Weitere Hinweise zur Bodengestaltung:

– Führungsschienen für stationäre Mistschieber sollen keinen breiteren


Spalt entstehen lassen als nach der Tierhaltungsverordnung für die
entsprechende Tierkategorie zugelassen ist (siehe Frage A 7).
– Gummierte Spaltenböden sind bezüglich Liegekomfort nicht
gummierten vorzuziehen.
– Im Auslauf und auf der Weide sollen häufig begangenen Flächen
entsprechend befestigt werden, damit die Entstehung von Morast
verhindert und Klauenerkrankungen hintan gehalten werden.
Bedeutung Wohlbefinden, Verletzungen, Schmerzen, Leistungsminderung, Erkrankungen
(z.B. Klauen, Gelenke, …).

Übergangsfrist Keine: für den Austausch von Spaltenelementen, die Sanierung von zu rauen
Liegeflächenauflagen, geringfügige Adaptierungen (hervorstehende
Schrauben, Nägel, scharfe Kanten, usw.) und diverse
Managementmaßnahmen (z.B. mehr Einstreuen, häufiger Entmisten).
Eindeutig verletzungsträchtige Situationen (Tierquälerei) sind unverzüglich zu
beheben.

A 3 Kühe, hochträchtige Kalbinnen und Zuchtstiere werden nicht


auf Vollspaltenböden gehalten
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 4.1: Die Haltung von Kühen, hochträchtigen Kalbinnen und
Zuchtstieren in Buchten mit vollperforierten Böden ist verboten.

Erhebung Es wird festgestellt, ob Kühe, hochträchtige Kalbinnen und Zuchtstiere in


Buchten bzw. Anbindeständen mit vollperforierten Böden gehalten werden.
Für Kühe, hochträchtige Kalbinnen und Zuchtstiere muss zumindest ein
ausreichend großer Liegebereich mit nicht perforiertem Boden
(= planbefestigte Liegefläche) zur Verfügung stehen, der den rechtlichen

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A Bodenbeschaffenheit

Anforderungen entspricht (siehe u. a. Frage A 4, 5; B 9, 12, 14).


Werden hochträchtige Kalbinnen gemeinsam mit den Milchkühen gehalten,
können sie beim Ausfüllen der Checkliste in der Spalte „Milchkühe“ erfasst
werden.
Begriffe „hochträchtige Kalbinnen“, „planbefestigt“ und „Buchten mit
vollperforierten Böden“ vgl. Glossar.

Erfüllt, wenn Kühe, hochträchtige Kalbinnen und Zuchtstiere in


 Liegeboxenlaufställen,
 Anbindehaltung oder in
 Ein- oder Mehrraumbuchten, die eine ausreichend große, planbefestigte
und entsprechend gestaltete Liegefläche aufweisen (Tretmist-,
Tieflaufställe, …), gehalten werden.
Empfehlung Die 1. ThVO verbietet zwar ausdrücklich nur die Vollspaltenbodenhaltung für
Kühe, hochträchtige Kalbinnen und Zuchtstiere (dies gilt auch für
Anbindestände), laut [Link].25/2006 zur Änderung der
1. Tierhaltungsverordnung sind aber auch Kälber unter 2 Wochen auf
geeigneter Einstreu zu halten, was eine Haltung auf Vollspaltenböden
ausschließt (vgl. Frage A6).
Kranke Tiere sind in einer geeigneten Krankenbucht unterzubringen. Auch
diese darf zur Erholung der Tiere keinen vollperforierten Boden, sondern soll
trockene und weiche Einstreu aufweisen.

Weitere Empfehlungen siehe Frage A 4.

Bedeutung Betonspaltenflächen sind zu hart für artgemäßes Liegeverhalten und wirken


sich auch auf die Klauen ungünstig aus. (vgl. Frage A 4).

Übergangsfrist Bis spätestens 1. Jänner 2020: Wenn dieses Verbot nicht in den zuvor gültigen
landesrechtlichen Bestimmungen enthalten war, gilt diese Frist für den Umbau
einer Vollspaltenbodenbucht auf eine entsprechende andere Haltungsform.

A 4 Planbefestigte Liegeflächen weisen weiche und


wärmegedämmte Beläge auf oder sind ausreichend eingestreut
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.1.1: Weisen geschlossene Böden im Liegebereich der Tiere keine
Beläge auf, die ihren Ansprüchen auf Weichheit oder Wärmedämmung genügen, sind
sie ausreichend mit Stroh oder ähnlich strukturiertem Material einzustreuen.

Erhebung Es werden die Bodenbeläge im Liegebereich überprüft bzw. ob eine


ausreichend dicke Streuschicht vorhanden ist.
Überprüfung der Bodenbeläge: Falls nicht eingestreut wird, muss festgestellt
werden, ob der Bodenbelag der Liegefläche mit einer weichen und
druckelastischen Unterlage versehen ist. Bei Gummibelägen kann zur
Ermittlung der Weichheit die „Daumenprobe“ herangezogen werden: Als

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A Bodenbeschaffenheit

„weich“ sollten Beläge nur dann eingestuft werden, wenn der Boden beim
Druck mit dem Daumen deutlich eingedrückt werden kann.
Ausreichend dicke Streuschicht: Es sollte über die gesamte Liegefläche
eine ausreichend dicke Streuschicht vorhanden sein. Als Anhaltspunkt können
die in den Empfehlungen genannten Einstreumengen dienen.
Wenn Technopathien vorhanden sind, die auf zu harte Liegebereiche
hinweisen, sollte jedenfalls mehr eingestreut und/oder weichere
Liegeflächenbeläge verwendet werden. Insbesondere die Karpal- und
Sprunggelenke sind auf haarlose Stellen, Abschürfungen, Rötungen,
Krustenbildung, Blutungen, Eiter, Schwellungen, Liegeschwielen, usw. zu
untersuchen (vgl. Frage A 2).
Begriffe „Liegebereich (Liegefläche)“ und „planbefestigt“ vgl. Glossar.

Erfüllt, wenn  die Liegefläche mit weichen Matten aus Kunststoff und/oder Gummi belegt
ist, oder
 die Liegefläche mit Stroh-Mist-Matratzen oder Sandschüttungen ausgeführt
ist, oder
 harte Böden, z.B. aus Beton, Holz, Asphalt, hartem Gummi, usw. eine
ausreichend dicke Einstreuschicht aufweisen,
sodass Technopathien weitestgehend vermieden werden. Eingestreute
Liegeflächen vorhanden und zugänglich sind.

Empfehlung Weitere Methoden zur Beurteilung der Weichheit:


 „Knietest“: Ist die Liegefläche so weich, dass man sich aus zirka 30 cm
Höhe mit den Knien auf die Unterlage fallen lassen kann und keine
Schmerzen verspürt?
 Beobachten von Verhaltensanomalien: wie pferdeartiges Aufstehen,
Abliegen auf den Gängen und langes Stehen in der Liegebox.
 Vorsicht bei alten Gummimatten: Die Eindringtiefe der Karpalgelenke beim
Aufstehen und Abliegen sollte nachhaltig (möglichst wenig
Materialermüdung über die Standzeit) mindestens 1 cm betragen.
 Bei der Beurteilung der Tiere auf Technopathien sollten Folgendes
beachtet werden:

– wenn bei Tieren Krusten oder offene Wunden vorhanden sind, sind
eine genaue Abklärung der Ursachen und Einleiten von
Verbesserungen der Böden nötig. Wenn Tiere betroffen sind, sind
sofortige Maßnahmen wie Einstreu, Weichheit der Gummimatte oder
Verhinderung von Nässe nötig.
– an den Sprunggelenken sollten keine gravierenden Veränderungen,
wie Umfangsmehrungen, vorhanden sein.

Ausreichend Einstreu:
Als Einstreu dürfen nur Materialien verwendet werden, die für die Tiere
gesundheitlich unbedenklich sind. Auf harten Böden (z.B. am Anbindestand
oder in der Hochbox) sollten jederzeit mindestens folgende Einstreumengen
(trockenes Stroh oder ähnlich strukturiertes Material) pro Tier vorhanden sein:

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A Bodenbeschaffenheit

 bei Kühen mind. 2,5 kg


 bei Jungvieh und Kälbern mind. 1,2 kg
Durch die Bewegung der Tiere wird die Einstreu unterschiedlich auf der
Liegefläche verteilt. Bei der Anbindehaltung und bei Liegeboxen mit harten
Gummimatten sollten an den Stellen mit der geringsten Einstreudicke 3 cm
Einstreu keinesfalls unterschritten werden. Strohmatratzen in Liegeboxen
sollten mindestens 15 cm Einstreudicke haben. Besonders zu beachten sind
diejenigen Stellen, wo die Weichheit des Bodens am wichtigsten ist, nämlich
unter den Extremitäten und Gelenken.

Liegeflächengestaltung:
Eingestreute Liegeflächen werden von den Tieren gegenüber nicht
eingestreuten bevorzugt.
Für Tiefboxen hat sich eine feste und ausreichend hohe Stroh-Mist-Matratze in
der Praxis sehr gut bewährt. Auch lose Schüttungen aus Flusssand können
unter bestimmten Voraussetzungen für Tiefboxen Verwendung finden. Für
Flüssigmistsysteme mit Hochboxen haben sich etwa 3 bis 8 cm dicke, weiche
Matten aus Kunststoffen und/oder Gummi, weiche Zweischichtmatten oder
Kuhmatratzen (gummischnitzelgefüllte Beläge) bewährt, doch bestehen
erhebliche Unterschiede in der Qualität von Handelsprodukten. Es wird
empfohlen, nur von unabhängigen Institutionen geprüfte Beläge einzusetzen.

Bedeutung Rinder bevorzugen zum Ruhen weiche und verformbare Böden. Während des
Abliege- und Aufstehvorganges lasten bis zu 87 % des Körpergewichtes auf
den Karpalgelenken. Einstreu führt durch Ausmuldung zu einer höheren
Auflagefläche und damit zu einer geringeren Punktbelastung. Zudem liegen
Rinder selten ganz ruhig. Hautpflege und Änderung in der Liegeposition führen
zu Radierbewegungen am Boden. Raue und harte Bodenoberflächen
verursachen Haut- und Druckschäden (haarlose Stellen, Hautabschürfungen,
Umfangsvermehrungen) an wenig geschützten Partien wie Karpus und
Sprunggelenk. Zu wenig weiche Liegeflächen können auch zu langen
Stehzeiten (Klauenerkrankungen, Minderleistung) und bei
Liegeboxenlaufställen zu vermehrtem Abliegen auf den Gängen führen.
Des Weiteren ist die Temperatur der Liegefläche für das Liegeverhalten von
Bedeutung. Unterschreitet die Temperatur der Liegefläche 10° C, dann werden
die Liegeperioden deutlich kürzer. Dies muss als Reaktion auf unangenehm
hohen Wärmeentzug gewertet werden. Am höchsten ist die Wärmeabgabe am
dünnhäutigen und spärlich behaarten Euter.

Übergangsfrist Keine.

A 5 Die Liegeflächen der Tiere sind trocken


Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.1.1: Die Liegeflächen der Tiere müssen trocken [...] sein, [...].
1. ThVO, Anlage 2, P [Link]: Zusatz zur Tabelle für die Mindestfläche für vollperforierte
Böden: Buchten ohne vollperforierte Böden müssen jedenfalls eine trockene [...]

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A Bodenbeschaffenheit

Liegefläche aufweisen.

Erhebung Es werden die Liegeflächen und die Tiere selbst beurteilt.


Liegefläche beurteilen: Es wird die Trockenheit der Liegefläche subjektiv
beurteilt. Indirekte Hinweise können die Art und Menge der verwendeten
Einstreumaterialien, das Stallklima oder der Anbringungsort der Tränken
geben. Stark verschmutzte Liegeflächen können jedenfalls nicht als trocken
eingestuft werden. Die Oberflächen aller Liegenflächenbeläge müssen trocken
gehalten werden, gegebenenfalls mit Strohmehl, Häckselstroh oder ähnlichem
Material.
Tiere beurteilen: Es wird beurteilt, ob das Haarkleid nass, verklebt oder stark
verschmutzt ist. Dabei sollen jene Regionen beurteilt werden, die
hauptsächlich von Verschmutzung betroffen sind:
 Ano-Genitalregion
 Euter
 Bauch
 Oberschenkel
 Hinterextremität - vom Sprunggelenk bis zum Boden (bzw. Klauen bis
Höhe Sprunggelenk)
Begriff „Liegebereich (Liegefläche)“ vgl. Glossar. Es wird festgestellt, ob die
Liegefläche mit geeignetem Material (Stroh, Hobelspäne, etc.) eingestreut ist.

Erfüllt, wenn die Liegefläche trocken gehalten wird und die Tiere kein nasses oder
verschmutztes Haarkleid aufgrund mangelhaft unterhaltener Liegefläche
aufweisen

Empfehlung Maßnahmen für trockene Liegeflächen:


 regelmäßiges Nachstreuen von frischer Einstreu. Folgende
Einstreumengen (Stroh oder ähnlich strukturiertes Material) pro Tier und
Tag sollten mindestens gegeben werden:
 Anbindestand oder Hochbox: bei Kühen mind. 2,5 kg, bei Jungvieh und
Kälbern mind. 1,2 kg
 Tiefbox mit Stroh-Mist-Matratze: 0,3 – 1 kg regelmäßig Nachstreuen
 Zweiflächen-Tretmiststall: 4 – 6 kg
 Zweiflächen-Tiefstreustall: 6 – 10 kg
 regelmäßige Kotentfernung aus dem Liegebereich
 großzügiges Liegeflächenangebot pro GVE bei Einflächen- und
Mehrflächenbuchten
 Verwendung von Strohmehl oder Häckselstroh auf Gummibelägen. Beim
Einsatz von Sägemehl ist Vorsicht geboten (scharfe Kleinteile,
Verletzungen der Haut).
 Liegeboxen (Hochboxen): Gefälle von 3 – 6 % zum Laufgang hin
 richtig eingestellter Nackenriegel (Kühe koten außerhalb der Box)
Werden Rinder den ganzen Tag und die ganze Nacht über im Freien gehalten,
sollten auch dort trockene und witterungsgeschützte Liegeflächen vorhanden
sein.

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A Bodenbeschaffenheit

Bedeutung Ein eingestreuter und verformbarer Untergrund ist erforderlich um erholsame


Tiefschlafphasen zu ermöglichen und Technopathien (v.a. an Karpal-, Fessel-
und Sprunggelenken) zu vermeiden.

Übergangsfrist Keine.

A 6 Kälber bis 150 kg haben eine trockene, weiche und verformbare


Liegefläche. Für Kälber unter zwei Wochen steht geeignete Einstreu
zur Verfügung
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 3.1: Für Kälber bis 150 kg muss eine trockene, weiche und
verformbare Liegefläche vorhanden sein. Für Kälber unter zwei Wochen muss eine
geeignete Einstreu zur Verfügung stehen.

Erhebung Es wird der Bodenbelag der Liegefläche überprüft und die Tiere selbst
beurteilt.
Zur Beurteilung der Trockenheit vgl. Frage A 5.
Zur Beurteilung der Weichheit vgl. Frage A 4.
Es wird erhoben, ob für Kälber unter 2 Wochen eine geeignete Einstreu
vorgesehen ist.
Für ältere Kälber dürfen als Liegefläche auch Böden verwendet werden, die mit
weichen Matten aus Kunststoff und/oder Gummi (auch perforierte) belegt sind.
Diese sind nur dann als verformbar zu bezeichnen, wenn sie unter Druck
elastisch nachgeben und entstehende Mulden sich von selbst wieder füllen.
Die Forderung nach einer trockenen, weichen und verformbaren Liegefläche
gilt auch für die Haltung von Kälbern in Iglus oder Kälberhütten.
Begriff „Liegebereich (Liegefläche)“ vgl. Glossar.

Erfüllt, wenn  der Liegebereich ausreichend Einstreu oder weiche Gummibeläge aufweist
und die Liegefläche trocken gehalten wird
 Kälber unter 2 Wochen jedenfalls geeignete Einstreu erhalten.

Empfehlung  Liegebereich einstreuen! Der Liegebereich von Kälbern soll mit


ausreichender und geeigneter Einstreu (Langstroh, Strohhäcksel, usw.)
versehen werden. Als Einstreu dürfen nur Materialien verwendet werden,
die für die Tiere gesundheitlich unbedenklich sind.
 Kälteschutz in Iglus (Kälberhütten): Hier sollte im Liegebereich ganz
besonders auf Schutz vor dem kalten Untergrund geachtet werden
(reichlich Einstreu!). Zusätzlich kann auch eine „Holzpalette“ unter der
Einstreu eingesetzt werden, die überdies auch den Abfluss von Harn
gewährleistet.
 Werden Kälber den ganzen Tag und die ganze Nacht über im Freien
gehalten, sollten auch dort trockene und witterungsgeschützte
Liegeflächen vorhanden sein.
Bedeutung  Liegekomfort (erholsames Ruhen, Kälber liegen sehr viel)
 keine Verletzungen und Schmerzen

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A Bodenbeschaffenheit

 Wärmedämmung (Vorbeugung von Erkrankungen durch Auskühlen)


 Verringerung von Hautinfektionen
Übergangsfrist Keine. Alle Böden (planbefestigte und Spaltenböden) müssen seit 1.1.2005
entsprechend weiche Bodenbeläge oder Einstreu aufweisen.

A 7 Die Spaltenbreite (Schlitzweite) von Spaltenböden entspricht


den Anforderungen
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.1.2: Bei Verwendung von Betonspaltenböden, Kunststoff- oder
Metallrosten dürfen folgende Spaltenbreiten nicht überschritten werden:
Tabelle 1: [A7 Maximale Spaltenbreite je Tierkategorie]

Tierkategorie Maximale Spaltenbreite

Rinder bis 200 kg 25 mm

Rinder über 200 kg 35 mm

Mutterkühe mit Kälbern 30 mm

Erhebung Überprüfen Sie die Spaltenbreite (Schlitzweite) an mehreren Stellen.


Es ist der Gesamteindruck des Bodens zu beurteilen und nicht einzelne
Schlitzweiten. Einzelne geringfügige, verlegungsbedingte Abweichungen der
Spaltenbreiten zwischen den Flächenelementen sind tolerierbar.
Unter Spaltenböden werden hier Betonspaltenböden, Kunststoff- oder
Metallroste (nicht aber Gülleroste in der Anbindehaltung) verstanden.
Werden bei Umbauten bestehende Gülleroste aus der Anbindehaltung für
einen Laufstall weiterverwendet, müssen diese den Anforderungen für
Spaltenböden im Laufstall entsprechen.

© HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Abbildung 2: Überprüfung der Dimensionierung der Spaltenbreite

Erfüllt, wenn bei Betonspaltenböden, Kunststoff- oder Metallrosten die maximalen


Spaltenbreiten nicht überschritten werden.

Empfehlung Sog. „Nasen“ sollen insgesamt kleiner als die vorgeschriebene maximale
Spaltenbreite ausgeführt werden, damit beim Einbau keine Überschreitung der

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A Bodenbeschaffenheit

maximalen Spaltenbreite zustande kommt (ist bei der Herstellung zu


beachten).
Bei so genannten Lochböden (derzeit nicht gesetzlich geregelt) empfiehlt sich
die Einhaltung folgender Lochgrößen (BVET, 2008):
Tiere bis 200 kg: max. 30 mm;
Tiere über 200kg: max. 55mm.

Bedeutung Eine zu geringe Auftrittsbreite in Verbindung mit einer zu großen Spaltenweite


bewirkt eine Erhöhung der Druckbelastung der Klaue und führt damit zu einer
erhöhten Gefahr von Klauenerkrankungen bzw. -verletzungen. Bei zu großen
Spalten besteht die Gefahr, dass die Klauen in den Spalt abkippen und die
Verletzungsgefahr somit erheblich ansteigt.

Übergangsfrist Keine: wenn durch den Austausch einzelner Elemente oder die Anpassung von
schlecht verlegten Spaltenelementen die Einhaltung der geforderten
Spaltenbreite möglich ist.
Bis 1. Jänner 2020: wenn der gesamte Spaltenboden bzw. perforierter Boden
ausgetauscht werden muss und die Spaltenbreite den zuvor gültigen
landesrechtlichen Bestimmungen entsprochen hat

A 8 Die Auftrittsfläche von Spaltenböden und Rosten ist eben und


gratfrei und die Kanten sind gebrochen
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.1.2: Die Auftrittsfläche von Betonspaltenböden, Kunststoff-,
Holzlatten- oder Metallrosten muss eben und gratfrei, die Kanten müssen gebrochen
sein.

Erhebung Überprüfen Sie,


 ob die Einzelelemente plan verlegt oder ob Stufen zwischen den
Spaltenelementen vorhanden sind, und
 ob die Oberseite der Spaltenböden bzw. Roste gratfrei und die Kanten
abgerundet sind (evtl. mit den Fingern darüber streichen).
Unter Spaltenböden werden hier perforierte Böden wie Betonspaltenböden,
Lochböden, Kunststoff-, Holzlatten- oder Metallroste verstanden

Erfüllt, wenn Perforierte Böden wie Betonspaltenböden, Lochböden, Kunststoff-, Holzlatten-


oder Metallroste eine ebene und gratfreie Auftrittsfläche haben und die Kanten
gebrochen sind

Bedeutung Risiko für Klauenverletzungen (Sohlenquetschungen, …), Stolpergefahr.

Übergangsfrist Keine.

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A Bodenbeschaffenheit

A 9 Betonspaltenböden sind aus Flächenelementen hergestellt und


weisen keine durchgehenden Längsspalten in den Elementen auf
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.1.2: Spaltenböden aus Beton müssen aus Flächenelementen
hergestellt sein, die keine durchgehenden Längsspalten in den Elementen aufweisen.

Erhebung Überprüfen Sie, ob der Betonspaltenböden aus Flächenelementen mit oder


ohne Nasen und nicht aus Einzelbalken hergestellt sind.
Einzelbalken sind solche, die über die gesamte Länge bzw. Breite der Bucht
durchgehend einen Längsspalt aufweisen. Diese sind verboten.
Auflageflächen der Balken gelten nicht als Unterbrechung der Längsspalten.
Flächenelemente aus 2 Balken (Zwillingsbalken) mit oder ohne Nasen dürfen
ebenfalls keine durchgehenden Längsspalten aufweisen.

Zulässig

Nicht
zugelassen

© HBLFA Raumberg-Gumpenstein
Abbildung 3: Darstellung zulässiger und nicht zugelassener Spaltenbodenelementen

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A Bodenbeschaffenheit

Erfüllt, wenn Spaltenböden aus Beton aus Flächenelementen hergestellt sind, die keine
durchgehenden Längsspalten in den Elementen aufweisen.
Erläuterung:
 d.h. Beton-Spaltenböden aus Flächenelementen oder Zwillingsbalken
bestehen und nicht aus Einzelbalken, und
 Flächenelemente oder Zwillingsbalken keine durchgehenden Längsspalten
(Schlitze) in den Elementen aufweisen.
Empfehlung Es wird empfohlen, Flächenelemente oder Zwillingsbalken zu verwenden, die
an ihren Rändern sog. „Nasen“ aufweisen. Die zwischen Flächenelementen
entstehenden Schlitze sollen durch diese „Nasen“ unterbrochen werden,
sodass solche Schlitze nicht länger als 80 cm (= ungefähre Schrittlänge einer
Kuh) sind. Dabei ist darauf zu achten, dass beim Einbau keine Überschreitung
der maximalen Spaltenbreite zustande kommt. Bei gegenüberliegenden Nasen
müssen diese kleiner als die halbe vorgeschriebene maximale Spaltenbreite
ausgeführt sein.
Sog. „Kotabwurfschlitze“ sind nicht erlaubt.
Die Bestimmungen nach A 2 gelten jedenfalls.

Bedeutung Bei Einzelbalken besteht die Gefahr, dass diese aufgrund von
Abnutzungserscheinungen und Ungenauigkeit beim Verlegen uneben sind,
sich verziehen und wackelig werden, die Auftrittsfläche schräg und die
geforderte Spaltenweite nicht einhalten wird. Dies hat negative Auswirkungen
auf die Klauengesundheit der Tiere.

Übergangsfrist bis 1. Jänner 2020: für den vollständigen Austausch eines Spaltenbodens mit
Zwillingsbalken (mit durchgehenden Längsspalten), sofern dieser den zuvor
gültigen landesrechtlichen Bestimmungen entsprochen hat.

A 10 Holzlattenroste werden nicht mehr neu eingebaut


Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.1.2: Holzlattenroste dürfen nicht mehr neu eingebaut werden.

Erhebung Überprüfen Sie, ob seit dem 1.1.2005 Holzlattenroste im Stall eingebaut


wurden, mit denen die Kälber in Berührung kommen.
Wenn ein Holzlattenrost als Untergrund für eine dicke Strohdecke dient
(weiche, trockene Liegefläche), ist der Rost als Trag- und Drainageelement zu
verstehen (Kälber kommen nicht damit in Berührung).

Erfüllt, wenn Holzlattenroste nicht mehr neu eingebaut werden.

Empfehlung Holzlattenroste sollten durch tiergerechtere planbefestigte Böden ersetzt oder


dick eingestreut werden.

Bedeutung Gefahr des Ausrutschens auf nassen, rutschigen Holzlattenrosten,


Verletzungsgefahr. Saubere Einstreu wird auch gerne zum Wälzen genützt.

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A Bodenbeschaffenheit

Übergangsfrist Der Neueinbau von Holzlattenrosten ist seit 1. Jänner 2005 verboten. Bereits
vor diesem Termin bestehende Holzlattenroste dürfen weiter verwendet
werden, wenn sie allen anderen rechtlichen Anforderungen an die
Bodenbeschaffenheit entsprechen.

A 11 Gülleroste in der Anbindehaltung haben eine maximale


Spaltenbreite (Schlitzweite) von 40 mm und eine Mindeststegbreite
von 25 mm
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.1.2: In Ställen mit Anbindehaltung sind Gülleroste mit einer
maximalen Spaltenbreite von 40 mm und einer Mindeststegbreite von 25 mm zulässig.

Erhebung Messen Sie die Stegbreite und Spaltenbreite der Gülleroste.

© HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Abbildung 4: Überprüfung der Dimensionierung der Gülleroste

Erfüllt, wenn Die maximale Spaltenbreite von 40 mm und die Mindeststegbreite von 25 mm
eingehalten werden.

Empfehlung Als vorteilhaft haben sich Wabenroste erwiesen, die den Tieren eine bessere
Auftrittsfläche bieten, aber gesetzlich nicht geregelt sind.
Empfehlenswert sind folgende Abmessungen für Wabenroste:
Tabelle 2: Empfehlungen für Abmessungen von Wabenrosten (BEVET,
2008)
Maximale Minimale Maximale
Lochgröße Stegbreite Wabenlänge
Tiere bis
30 mm 28 mm 90 mm
400kg
Tiere über
35 mm 22 mm 90 mm
400kg

Bedeutung Das Auftreten auf schmale Stege und breite Spalten verursacht erheblichen
Druck auf die Klauen und kann Klauenerkrankungen zur Folge haben.

Übergangsfrist Keine.

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B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt


B 1 Rinder haben an mindestens 90 Tagen im Jahr die Möglichkeit
zur freien Bewegung (Weide, Auslauf, Laufstall)
Rechtsnormen TSchG § 16, Abs. 3: Die dauernde Anbindehaltung ist verboten.
TSchG § 16, Abs. 4: Rindern sind geeignete Bewegungsmöglichkeiten oder geeigneter
Auslauf oder Weidegang an mindestens 90 Tagen im Jahr zu gewähren, soweit dem
nicht zwingende rechtliche oder technische Gründe entgegenstehen. Solche Gründe
sind:
1. das Nicht-Vorhandensein von geeigneten Weideflächen oder Auslaufflächen,
2. bauliche oder sonstige technische Gegebenheiten am Betrieb oder in einem
bestehenden Ortsverband,
3. das Vorliegen öffentlich rechtlicher oder privatrechtlicher Beschränkungen oder

4. Sicherheitsaspekte für Menschen und Tiere, insbesondere beim Ein- und Austreiben
der Tiere.
(4a) Für die Inanspruchnahme der in Abs. 4 genannten Ausnahme gilt Folgendes:
1. Die Haltung von Rindern in zum In-Kraft-Tretens-Zeitpunkt dieses Bundesgesetzes
bestehenden Anlagen unter Gegebenheiten, die als zwingende rechtliche oder
technische Gründe anzusehen sind, die der Gewährung geeigneter
Bewegungsmöglichkeiten oder geeigneten Auslaufes oder Weideganges an mindestens
90 Tagen im Jahr entgegenstehen, ist der Behörde vom Halter bis zum 31. Dezember
2019 zu melden.
2. Tritt bei Anlagen, die bisher die Bewegungsmöglichkeiten in ausreichendem Ausmaß
bieten ein Grund gemäß Abs. 4 Z 1 – 4 auf, so ist die Inanspruchnahme der Ausnahme
der Behörde binnen vier Wochen nach Eintritt des Ereignisses zu melden. Gleiches gilt
auch für den Umbau oder Neubau von Anlagen gemäß Z 1, der aufgrund höherer
Gewalt erforderlich wird
TSchG § 44, Abs. 6: Für zum In-Kraft-Tretens-Zeitpunkt (Abs. 1) bestehende Anlagen
oder Haltungseinrichtungen gelten die Anforderungen des § 16 Abs. 4 zur
Bewegungsmöglichkeit ab dem 1. Jänner 2010 hinsichtlich der Gewährung von
Weidegang und ab dem 1. Jänner 2012 hinsichtlich der Gewährung von geeignetem
Auslauf.

Erhebung Es wird festgestellt, ob die Tiere angebunden gehalten werden. Es wird erfragt,
wie viele Tage im Jahr
 den Tieren ein geeigneter Auslauf zur Verfügung steht, oder
 ein entsprechender Weidegang durchgeführt wird, oder
 eine sonstige geeignete Bewegungsmöglichkeit geboten wird.
Die Angaben müssen anhand des Zustandes des Auslaufes und der
Triebwege (Verschmutzung, Grasnarbe usw.) und des Zustandes der Tiere
(Verschmutzung, Klauen, Fortbewegungsweise, usw.) glaubhaft erscheinen.
Auch freiwillige Eintragungen in ein Auslaufjournal bzw. einen Auslaufkalender
können als Kriterium herangezogen werden.
Die Verpflichtung zur freien Bewegungsmöglichkeit gilt grundsätzlich für alle

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B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

Rinderkategorien einschließlich Mast- und Zuchtstiere.


Ein Auslauf gilt nur dann als geeignet, wenn er mindestens 4 m²/GVE groß ist.
(Diese Anforderung kann auch durch Unterteilung der Herde in zeitlich
gestaffelte Auslaufgruppen eingehalten werden. Die tatsächliche Organisation
einer solchen gestaffelten Auslaufbenützung muss glaubhaft gemacht werden
können.) Die Anforderungen hinsichtlich einer rechtskonformen
Bodengestaltung (vgl. Kapitel A „Bodenbeschaffenheit“) müssen jedenfalls
erfüllt sein.
Als geeignete Bewegungsmöglichkeit ist z.B. die Haltung in einem Laufstall zu
betrachten. Wird ein Tier an mind. 90 Tagen pro Jahr anstatt im Anbindestall in
einem Laufstall gehalten, ist die Forderung nach geeigneter
Bewegungsmöglichkeit erfüllt. Nicht als geeignete Bewegungsmöglichkeit gilt
freies Laufenlassen der Tiere im Anbindestall.
Wenn keine geeignete Bewegungsmöglichkeit im Umfang von 90 Tagen
gewährt wird, wird erhoben, ob zwingende rechtliche oder technische Gründe
vorliegen, die der Gewährung von geeigneter Bewegungsmöglichkeit oder
geeignetem Auslauf oder Weidegang entgegenstehen. Als solche Gründe
gelten:
 das Nicht-Vorhandensein von geeigneten Weideflächen oder
Auslaufflächen,
 bauliche oder sonstige technische Gegebenheiten am Betrieb oder in
einem bestehenden Ortsverband,
 das Vorliegen öffentlich rechtlicher oder privatrechtlicher Beschränkungen,
oder
 Sicherheitsaspekte für Menschen und Tiere, insbesondere beim Ein- und
Austreiben der Tiere.
Es wird erhoben, ob eine Meldung an die Bezirksverwaltungsbehörde
gemäß § 16 Abs. 4a erfolgt ist.

Begriffe „Anbindehaltung“, „dauernde Anbindehaltung“, „Auslauf“ und „Weide“


vgl. Glossar.

Erfüllt, wenn  den Rindern an mindestens 90 Tagen im Jahr die Möglichkeit zur freien
Bewegung geboten wird (Weide, Auslauf, Laufstall)
 oder zwingende rechtliche oder technische Gründe für das Nichtgewähren
geeigneter Bewegungsmöglichkeit vorliegen, und eine Meldung bei der
Bezirksverwaltungsbehörde unter Anführung der Gründe spätestens bis
zum 31. Dezember 2019 vorliegt.
Empfehlung Regelmäßiger Auslauf oder Weide (über das ganze Jahr verteilt – auch im
Winter)! Die Tiere sollten mind. 2 x wöchentlich mehrere Stunden lang Auslauf
erhalten und nicht mehrere Wochen ohne Unterbrechung angebunden sein.
Großzügiges Flächenangebot: senkt die Häufigkeit von sozialen
Auseinandersetzungen und erhöht bei frei zugänglichen Ausläufen auch die
Nutzungsdauer des Auslaufes – für Jungvieh bis 200 kg mind. 4 m², für Kühe
mind. 10 m² pro Tier.
Ausstattungselemente erhöhen die Attraktivität des Auslaufes: Tränketröge,

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B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

Heuraufen, Lecksalz und besonders Einrichtungen zur Körperpflege


(Kratzbürsten oder sonstige Scheuereinrichtungen)
Weiters sollte im Auslauf auf Witterungsschutz (z.B. Beschattung im
Sommer, Windschutz in der kalten Jahreszeit, Schutz gegen starke
Niederschläge), eine entsprechende Umzäunung und die Vermeidung von
verletzungsträchtigen Gerätschaften geachtet werden.
Zugang zu Wasser, Futter und einer Liegefläche müssen sichergestellt sein
(vgl. D 2, D 9, A 4).
Weide:
 Zugang zu einer ausreichenden Menge Wasser
 Witterungsschutz (Bäume, Gebäudeschatten, Überdachung, …)
 entsprechender Pflanzenaufwuchs (ausreichende Nahrungsversorgung)
 Verhinderung von Morastbildung auf häufig begangenen Flächen
(entsprechende Bodengestaltung – Befestigung)
Auch bei Laufställen wirken sich Auslauf und Weidegang zusätzlich zur
Bewegungsmöglichkeit im Stall positiv aus. Ein dauernd zugänglicher Laufhof
ist empfehlenswert.
Bei Maststieren könnte z.B. folgendes zeitliche Schema angewendet werden,
um den Bestimmungen gerecht zu werden:

© ÖKL
Abbildung 5: Beispiel für ein zeitliches Schema zur Auslaufhaltung für Maststiere

Bedeutung Bei ganzjähriger Stallhaltung in Anbindeställen (Ausnahmeregelung) werden


die Bedürfnisse der Rinder nach Sozialkontakt und freier Bewegung nicht
befriedigt (Stress).
Ausreichende tägliche Bewegung in frischer Luft beansprucht und trainiert den
gesamten Körper, den Bewegungsapparat, Herz, Kreislauf und Atmung und
stärkt die körpereigene Abwehr gegen Infektionskrankheiten.
Der positive Einfluss der Bewegung auf Gesundheit, Kondition, Fruchtbarkeit
und Leistung der Tiere wirkt sich nur bei regelmäßiger Auslaufhaltung
nachhaltig aus. Durch die direkte Einwirkung der UV-Strahlung der Sonne kann
im Tierkörper die Bildung von lebenswichtigen Vitamin D3 (Kalzium-
Stoffwechsel) erfolgen.

Übergangsfrist Eine fehlende Möglichkeit zur freien Bewegung ist der Behörde bis spätestens
31. Dezember 2019 zu melden. Tritt ein Ereignis im Sinne von § 16 Abs. 4a
Z 2 TSchG ein, ist die Meldung binnen 4 Wochen vorzunehmen.

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B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

B 2 Die Anbindevorrichtung bietet dem Tier in der Längsrichtung


mindestens 60 cm und in der Querrichtung mind. 40 cm
Bewegungsfreiheit sowie genügend Spiel in der Vertikalen
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.2: Die Anbindevorrichtungen müssen dem Tier in der
Längsrichtung mindestens 60,00 cm und in der Querrichtung mindestens 40,00 cm
Bewegungsfreiheit bieten sowie genügend Spiel in der Vertikalen geben, damit ein
ungehindertes Stehen, Abliegen, Aufstehen, Ruhen, Fressen und Zurücktreten möglich
ist

Erhebung Es wird das Spiel der Anbindevorrichtung gemessen. Beim


Gelenkshalsrahmen wird diese Messung auf der Höhe der Gelenke des
Halsrahmens, bei der Grabnerkette 60 cm über dem Standplatzniveau
durchgeführt. genügend

min. 40cm

min. 60cm

© HBLFA Raumberg-Gumpenstein
Abbildung 6: Vorgaben zur Einrichtung der Anbindevorrichtung

Des Weiteren wird beobachtet, ob ein ungehindertes Stehen, Abliegen,


Aufstehen, Ruhen, Fressen und Zurücktreten möglich ist.
Starre Halsrahmen erfüllen die Forderung nach ausreichend
Bewegungsfreiheit nicht und sind somit verboten.

Erfüllt, wenn  die Anbindevorrichtung in Längsrichtung mindestens 60 cm und parallel


zum Futterbarn mindestens 40 cm freies Spiel aufweist und
 die Tiere genügend Spiel in der Vertikalen haben, damit ein ungehindertes
Stehen, Abliegen, Aufstehen, Ruhen, Fressen und Zurücktreten möglich
ist.
Empfehlung Bei den einzelnen in der Praxis verwendeten Anbindesystemen sollten
folgende Punkte berücksichtigt werden:
 Grabner-Kette

– alternativ zur Kette: Textilbänder mit Bügel empfehlenswert


locker einstellen
 Gelenkshalsrahmen

– behindert die Bewegung der Kuh stärker als die Grabner-Kette


– besser: Gelenkshalsrahmen am Boden mit einer losen Kette oder
einer Feder befestigen

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B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

 Anbindung mittels Kette oder Band am Barn

– Band- oder Kettenlänge muss so gewählt werden, dass das Tier im


Stehen den Kopf aufrecht halten kann und bei der Körperpflege durch
Lecken möglichst wenig eingeschränkt ist
 Nackenrohr-Anbindung

– große Bewegungsfreiheit
– Nackenrohr so einstellen, dass die Tiere beim Fressen nicht stark
dagegen stemmen
– Band- oder Kettenlänge muss so gewählt werden, dass das Tier im
Stehen den Kopf aufrecht halten kann, bei der Körperpflege durch
Lecken möglichst wenig eingeschränkt ist und dass ruhende Tiere
auch eine Liegeposition mit zurückgelegtem Kopf einnehmen können
– Nachteile: v. a. bei größeren Kühen Verletzungen im Nackenbereich
möglich, normales Stehen erschwert
 Horizontal-Anbindung

– größte Bewegungsfreiheit
– Nacken- und Stirnriegel verhindern weites Nach-Vorne-Steigen
Bedeutung Das Anbinden bedeutet eine wesentliche Einschränkung für die Tiere. Ist das
horizontale Spiel der Anbindevorrichtung zu gering, ist ein artgemäßes
Aufstehen, Abliegen und Liegen sowie Zurücktreten der Kühe für das Koten
und Harnen erheblich eingeschränkt, auch Verletzungen sind möglich. Ist das
Spiel der Anbindevorrichtung parallel zur Futterkrippe zu gering, können das
Komfortverhalten (Sich-Belecken) und der Sozialkontakt zum Nachbartier
beeinträchtigt sein.

Übergangsfrist Keine.

B 3 Massive Barnsockel (Krippenmauern) in Kurzständen sind ab


Standniveau höchstens 32 cm hoch
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 4.2.1: Massive Barnsockel dürfen bei Kurzständen ab Standniveau
höchstens 32,00 cm hoch sein.

Erhebung Es wird der Barnsockel im Kurzstand ab Standniveau der Tiere vermessen.

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B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

© ÖKL

Abbildung 7: Maße zum massiven Barnsockel


Barnsockel (Krippenmauer): bezeichnet die bauliche Abgrenzung zwischen
dem Futterbarn und der Standfläche der Tiere.

Erfüllt, wenn der Barnsockel bei Kurzständen ab Standniveau nicht höher als 32 cm ist.

Empfehlung Der Barnsockel sollte elastisch ausgeführt werden (Gummischürze), um den


Kopfschwung beim Aufstehen und Abliegen nicht zu behindern. Die Oberkante
der Barnabgrenzung soll keine scharfen Kanten aufweisen, um Hautschäden
an der Wamme zu vermeiden.
Starre Barnsockel sollen so schmal wie möglich ausgeführt werden (ca. 12 –
15 cm), um das Rind beim Fressen und Liegen nicht zu behindern.
Für Jungvieh und Mastvieh sollten die Barnsockel niedriger ausgeführt werden.
Tabelle 3: Empfehlungen zur Barnsockelhöhe

Tierkategorie Barnsockelhöhe (cm)

Jungvieh bis 300 kg max. 26

Jungvieh bis 400 kg max. 29

Bedeutung Da im Kurzstand das Fressen und Liegen am selben Ort erfolgen, muss neben
den Anforderungen an eine artgemäße Futteraufnahme auch der nötige
Freiraum für die Kopfbewegung beim Abliegen und Aufstehen berücksichtigt
werden. Zu hohe Krippenmauern führen zu unnatürlichen Bewegungsabläufen
beim Abliegen und Aufstehen der Tiere („pferdeartiges Aufstehen“), was
übermäßige Belastungen des Bewegungsapparates zur Folge haben kann.

Übergangsfrist Keine.

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B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

B 4 Bewegliche Barnabgrenzungen (Krippenbegrenzungen) aus


elastischem Material sind ab Standniveau maximal 42 cm hoch
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 4.2.1.: Bewegliche Barnabgrenzungen aus elastischem Material
dürfen ab Standniveau höchstens 42,00 cm hoch sein.

Erhebung Es wird die Höhe der beweglichen Barnabgrenzung ab Standniveau der Tiere
vermessen:

Max. 42 cm

© ÖKL

Abbildung 8: Vermessung der Höhe der Barnabgrenzung

Bewegliche Barnabgrenzungen: grenzen den Futterbarn von der Standfläche


der Tiere ab. Sie sind flexibel ausgeführt und können z.B. aus Gummi oder
ähnlichem Material hergestellt sein.

Erfüllt, wenn die bewegliche Barnabgrenzung ab Standniveau nicht höher als 42 cm ist.

Empfehlung Grundsätzlich sind bewegliche Barnabgrenzungen gegenüber starren


Barnsockeln zu bevorzugen.
Es ist darauf zu achten, dass die elastischen Gummibänder an der Oberseite
keine scharfen Kanten aufweisen, um Verletzungen für die Tiere zu vermeiden.
Außerdem sollten sie für jeden Kuhplatz eingeschnitten werden, damit eine
ausreichende Verformbarkeit der Krippenwand gegeben ist.
Für Jungvieh und Mastvieh sollten die Barnabgrenzungen niedriger ausgeführt
werden
Tabelle 4: Angaben zur Barnsockelhöhe

Tierkategorie Barnsockelhöhe (cm)

Jungvieh bis 300 kg max. 34

Jungvieh bis 400 kg max. 38

Bedeutung Da im Kurzstand das Fressen und Liegen am selben Ort erfolgen, muss neben
den Anforderungen an eine artgemäße Futteraufnahme auch der nötige
Freiraum für die Kopfbewegung beim Abliegen und Aufstehen berücksichtigt
werden. Zu hohe Abschrankungen führen zu unnatürlichen
Bewegungsabläufen beim Abliegen und Aufstehen der Tiere („pferdeartiges
Aufstehen“), was übermäßigen Belastungen des Bewegungsapparates zur
Folge haben kann.
Flexible Barnabgrenzungen erleichtern den Tieren beim Aufstehen den
Kopfschwung nach vorne und ermöglichen im Liegen auch eine bequeme

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B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

Vorderbeinstreckung.

Übergangsfrist Keine. Die Höhenverminderung beweglicher Barnabgrenzungen stellt keine


bauliche Maßnahme dar

B 5 Starre Seitenbegrenzungen sind so ausgeführt, dass keine


Verletzungsgefahr für die Tiere besteht
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 4.2.1.: Starre Seitenbegrenzungen sind so auszuführen, dass keine
Verletzungsgefahr für die Tiere besteht.

Erhebung Es wird erhoben,


 ob Verletzungen an den Tieren vorliegen, die auf die Seitenbegrenzungen
zurückzuführen sind, bzw.
 ob Seitenbegrenzungen hervorstehenden Bauteile, scharfen Kanten oder
Unebenheiten aufweisen, durch welche die Tiere Verletzungen erleiden
könnten.
Erfüllt, wenn  keine Verletzungen an den Tieren vorliegen, die auf die
Seitenbegrenzungen zurückzuführen sind.
 die starren Seitenbegrenzungen keine Verletzungsgefahr aufweisen, wie
hervorstehende Bauteile, scharfe Kanten oder Unebenheiten, durch
welche die Tiere Verletzungen erleiden könnten.
Empfehlung Seitenbegrenzungen sollten das angebundene Tier in der Bewegung nicht
behindern. Empfohlen werden flexible Textilgurte oder Gummibänder. Diese
veranlassen das Tier ebenfalls zu einer geraden Liegeposition, können aber
weniger leicht zu Verletzungen am Tier führen.
Werden starre Seitenbegrenzungen verwendet, sollten diese maximal 70 cm in
den Stand hineinragen und maximal 0,7 x Widerristhöhe ab Standniveau hoch
sein. Sie sollten unterbrochen sein (Sichtkontakt) und bis 40 cm über
Standniveau höchstens 50 cm in den Stand hineinreichen.

Bedeutung In den Stand reichende seitliche Standabgrenzungen sollen ein Liegen oder
Stehen in diagonaler Richtung verhindern, sodass sich die Tiere nicht
gegenseitig behindern und alle Tiere gleichzeitig liegen können. Bei zu weit in
den Stand hineinreichenden Seitenbegrenzungen besteht die Gefahr, dass
sich die Tiere beim Abliegen oder Aufstehen verletzen können.

Übergangsfrist Keine.

B 6 Anbindestände sind mindestens so breit und so lang wie in B 6


in der Tabelle gefordert
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 4.2.1: Bei Anbindehaltung betragen die Mindestmaße:

Handbuch Rinder Seite 37 von 119


B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

Tabelle 5: [B6 Mindestmaße zur Anbindehaltung]

1 1
Standlänge Standlänge
Tiergewicht Standbreite
Kurzstand Mittellangstand

bis 300 kg 130 cm 160 cm 85 cm

bis 400 kg 150 cm 185 cm 100 cm

bis 550 kg 165 cm 200 cm 115 cm

bis 700 kg 175 cm 210 cm 120 cm

über 700 kg 185 cm 220 cm 125 cm

1
Gülleroste gelten nicht als Teil der Standlänge
1. ThVO, Anlage 2, 2.1.1: Die Liegeflächen der Tiere müssen [...] so gestaltet sein, dass
alle Tiere gleichzeitig und ungehindert liegen können.

Erhebung Es wird die Standlänge und die Standbreite gemessen.


 Die Standbreite ist als Achsmaß zu verstehen
 Die Standlänge bezeichnet die lichte Länge des Standes, gemessen von
der Barnsockelhinterkante bis zum Ende der Standfläche, d.h. bis zur
Kotkante oder zum Beginn des Güllerostes. Gülleroste gelten nicht als Teil
der Standlänge.
 Beim Tiergewicht ist vom Einzeltier auszugehen.

Standlänge
Standbreite

© HBLFA Raumberg-Gumpenstein
Abbildung 9: Vermessung der Standlänge und der Standbreite

Eventuell vorhandene einzelne bauliche Elemente im vorderen Drittel (z.B.


Säulen), die die Standbreite einschränken, dürfen bei der Messung nur dann
unberücksichtigt bleiben, wenn der Aufsteh- und Abliegevorgang, das Liege-
und Fressverhalten nicht beeinträchtigt werden (Abbildung 10).

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B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

© ÖKL

Abbildung 10: Beurteilung baulicher Elemente bei der Vermessung des Standes

Dabei ist Folgendes zu beachten:


 Stützen dürfen nur im vorderen Bereich des Standplatzes innerhalb der
grün markierten Fläche vorhanden sein.
 Sie sind nur für bestehende Anlagen oder Umbauten, bei notwendigen
baulichen Anpassungen bestehender Standplatzlängen und –breiten an
die geltenden Tierschutzvorschriften zulässig.
 Stützen müssen rund oder die Kanten müssen abgerundet sein und dürfen
im Randbereich einen Durchmesser oder eine Breite von 16 cm nicht
überschreiten.
 Pro Standplatz dürfen jeweils nur auf einer Seite Stützen vorhanden sein.
 Die Erreichbarkeit des Tränkebeckens muss gewährleistet sein.
 Die Anbindevorrichtungen müssen die gesetzlichen Mindestanforderungen
erfüllen.
Begriffe „Kurzstand“ und „Mittellangstand“ vgl. Glossar.

Erfüllt, wenn  die Standlänge und die Standbreite mindestens die in der Tabelle 5
angeführten Werte aufweisen, und
 eventuell vorhandene einzelne, die Standbreite einschränkende bauliche
Elemente das Tierverhalten nicht beeinträchtigen.
Empfehlung Standlänge:
Die Standlänge muss so lang bemessen werden, dass die Kuh beim Liegen
mit den Hinterbeinen, dem Euter und dem Becken voll auf der Standfläche
aufliegt. Eine einheitliche Standlänge wird meist nicht allen Tieren gerecht, da
die Länge der Kühe innerhalb einer Herde um bis zu 35 cm differieren kann.
Lösungsmöglichkeiten:
 Einrichtung von Standplätzen mit unterschiedlicher Länge
 Vorkehrungen, um einzelne Standlängen variieren zu können

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B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

 mehrere Anbindereihen mit jeweils unterschiedlicher Standlänge


 keilförmige Standausbildung
Bei Kurzständen mit Gitterrost kann eine Standplatzverlängerung sehr einfach
durch die Auflage einer Gummimatte auf einen Teil des Rostes erfolgen.
Weitere Möglichkeiten wären z.B. das Andübeln eines Kantholzes im
Kotgraben oder eine überkragende Konstruktion.
Standbreite:
Sollen alle Stände aus bautechnischen Gründen gleich breit ausgeführt sein,
sollte bei der Bemessung der Standbreite beim Tiergewicht von jenen Tieren
ausgegangen werden, die gewichtsmäßig dem oberen Drittel zuzuordnen sind.
Seitliche Standabgrenzungen verhindern ein Liegen oder Stehen in diagonaler
Richtung und ermöglichen allen Tieren gleichzeitig zu liegen. Eine einfache
Möglichkeit den Platz bei schmalen Standplätzen optimal zu nutzen, wird mit
flexiblen Gurten als seitliche Standplatzbegrenzung erreicht. Aus der
aufmerksamen Tierbeobachtung kann jeder Landwirt feststellen, ob alle Tiere
gleichzeitig liegen können.
Zur Abkalbung sollten Kühe nicht angebunden gehalten werden. Auch im
Anbindestall sind Abkalbeboxen empfehlenswert.

Bedeutung Zu geringe Standlängen und/oder Standbreiten können zu Verletzungen beim


Aufstehen, Abliegen, Liegen und Stehen führen (Verletzungen an Klauen und
Zitzen, haarlose Stellen und/oder Umfangsvermehrungen an Karpalgelenk,
Tarsalgelenk, Knie, …). Bei zu geringen Standbreiten kann nicht gewährleistet
werden, dass sich alle Tiere gleichzeitig hinlegen können, was dem
synchronen Verhalten von Rindern entsprechen würde. Einzelne Tiere müssen
stundenlang stehen, was wiederum die Verletzungsgefahr erhöht und sich
negativ auf die Leistungsfähigkeit der Tiere auswirken kann.

Übergangsfrist bis spätestens 1. Jänner 2020: wenn die Standplatzbreiten und


-längen den zuvor gültigen landesrechtlichen Bestimmungen entsprochen
haben.

B 7 In Laufställen stehen für kalbende oder kranke Tiere in


ausreichender Anzahl Absonderungsbuchten zur Verfügung
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 4.2.2: Für kalbende oder kranke Tiere in Gruppenhaltung müssen in
ausreichendem Ausmaß Absonderungsbuchten zur Verfügung stehen

Erhebung Es wird festgestellt, ob bei Gruppenhaltung (d.h. in Laufställen) ausreichend


geeignete Buchten für kalbende und kranke Tiere zur Verfügung stehen.
Die Mindestanzahl an Abkalbeboxen beträgt 3 % des Kuhbestandes. Bei der
Berechnung ist immer aufzurunden. Auch durch entsprechend große
Gruppenabkalbeboxen kann diese Forderung erfüllt werden.
Für kranke Tiere müssen Krankenbuchten oder Krankenstände vorhanden
sein, oder nachweisbar bei Bedarf eingerichtet werden können. Hierzu wird
erfragt, wo kranke Tiere untergebracht werden. Die Mindestanzahl an

Handbuch Rinder Seite 40 von 119


B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

Krankenboxen beträgt 3 % des gesamten Rinderbestandes (mathematisch


gerundet).
Insgesamt ist in jedem Laufstall jedenfalls mindestens
1 Absonderungsbucht für kalbende oder kranke Tiere zur Verfügung zu
stellen.
Abkalbe- und Krankenbucht müssen nicht unbedingt im bestehenden Laufstall
vorhanden sein, sie können sich auch in einem Nebengebäude befinden.
Beispiel:
 Herde mit 14 Kühen: 3 % von 14 = 0,42.
D.h. es wird mind. 1 Abkalbebucht benötigt.
 Herde mit 40 Kühen, 10 Kalbinnen und 30 Maststieren:
 Abkalbebuchten: 3 % von 40 = 1,20 ~ 2 (immer aufrunden!)
Krankenbuchten: 3 % von 80 = 2,40 ~ 2 (mathematisch gerundet)
D.h. es werden mind. 2 Abkalbebuchten benötigt. Außerdem müssen
mind. 2 Krankenbuchten oder Krankenstände vorhanden oder
nachweislich einrichtbar sein.
Erfüllt, wenn Absonderungsmöglichkeiten für kalbende oder kranke Tiere in ausreichender
Anzahl zur Verfügung stehen.

Empfehlung Die Anzahl der Abkalbeplätze bzw. -boxen hängt von der Herdengröße, der
Abkalbeverteilung übers Jahr und der Verweildauer in der Abkalbebox ab.
Tabelle 6: Zahl der Abkalbeplätze in Prozent gehaltener Kühe (Bartussek
et al. 2002)

Kälber bleiben Die Abkalbungen erfolgen innerhalb


folgende Anzahl von folgender Anzahl von Monaten im Jahr
Tagen bei den Müttern
12 6 4 3

0 bis 1 3 6 9 12

bis 3 4,5 9 13 17

bis 7 6 12 18 24

Eine Einzelabkalbebox sollte mind. 12 m² groß sein, bei Gruppenbuchten kann


bei variabler Buchtenabtrennung die Fläche auf mind. 8 m² pro Kuh reduziert
werden. Die Bucht sollte auch genügend Platz bieten, um Geburtshilfe zu
leisten und um gegebenenfalls festliegende Kühe aufrichten zu können. Eine
Fixiermöglichkeit für Notfälle kann hilfreich sein, Kühe sollten jedoch zur
Abkalbung nicht angebunden werden. Der Grundriss der Abkalbebox sollte
keine spitzen Winkel aufweisen. Sichtkontakt zu anderen Herdenmitgliedern
ist empfehlenswert.
Auch im Anbindestall sind Abkalbeboxen empfehlenswert. Unter den
Bedingungen der Anbindhaltung sollte die Geburt auf einem frischen
Strohlager erfolgen.
Die Abkalbebucht sollte nicht als Krankenbucht verwendet werden

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B Bewegungsmöglichkeit und Soz ialkontakt

(Keimanreicherung- Infektionsgefahr- besonders neugeborene Kälber sind


sehr empfindlich).
Besonders bei Neubauten sollte darauf geachtet werden, Abkalbebuchten
und Krankenbuchten vorzusehen. Laufbuchten sind v. a. für Tiere, die die
freie Bewegungsmöglichkeit im Laufstall gewohnt sind, besser geeignet als
Anbindestände.
Sowohl in der Abkalbe- als auch in der Krankenbucht müssen frisches
Wasser und Futter zur Verfügung stehen (vgl. D 2), und die
Temperaturansprüche der Tiere sind zu berücksichtigen. Die Box soll
reichlich mit frischem, trockenem Stroh eingestreut und sollte nach jeder
Belegung gründlich gereinigt und desinfiziert werden

Bedeutung Kalbende Kühe haben das Bedürfnis, sich von der Herde abzusondern und
benötigen zur Geburtsvorbereitung ausreichend Platz. In der Herde zu
verbleiben, stellt für die Tiere eine erhebliche Stressbelastung dar.
Abkalbebuchten bieten folgende Vorteile: Ruhe, stressfreie
Geburtsvorbereitung, geringerer Infektionsdruck durch bessere
Hygienemöglichkeiten in der Box, bessere Überwachung und Kontrolle,
genügend Platz für die Geburt, positive Reizwirkung auf die
Gebärmutterkontraktion und damit auf das Nachgeburtsverhalten.
Ebenso wie kalbende benötigen auch kranke Tiere, um zusätzliche
Belastungen zu vermeiden, möglichst viel Ruhe, so dass auch für sie eine
Möglichkeit zur getrennten Unterbringung vorhanden sein muss.

Übergangsfrist Seit 1. Jänner 2012 müssen für Milchkühe Abkalbebuchten zur Verfügung
stehen.
Bis spätestens 1. Jänner 2020 muss die Mindestanzahl an Abkalbebuchten
(z.B. für Mutterkühe) und Krankenbuchten für alle Tierkategorien vorhanden
sein.

B 8 In Laufställen sind Möglichkeiten zur Fixierung der Tiere für


Zwecke tierärztlicher oder sonstiger Behandlungen vorhanden
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 4.2.2.: Bei Gruppenhaltung müssen Möglichkeiten zur Fixierung der
Tiere für Zwecke tierärztlicher oder sonstiger Behandlungen vorhanden sein

Erhebung Dies gilt für Tiere über 6 Monate.


Es wird festgestellt, ob geeignete Möglichkeiten zur Fixierung der Tiere für
Zwecke tierärztlicher oder sonstiger Behandlungen zur Verfügung stehen, z.B.
Behandlungsstände, Einsperrfressgitter, Klauenpflegestände,
Selektionsbuchten, usw.
Die Tiere müssen so fixiert werden können, dass eine für Mensch und Tier
weitestgehend gefahrlose Behandlung sichergestellt werden kann.

Erfüllt, wenn entsprechende Fixierungsmöglichkeiten für tierärztliche oder sonstige

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B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

Behandlungen zur Verfügung stehen.

Empfehlung Es sollte in jeder Rinderherde zumindest ein eigener Behandlungsstand oder


eine Behandlungsbucht vorhanden sein.
Am günstigsten ist ein Durchgangs-Behandlungsstand, in den die Tiere über
einen möglichst geradlinigen Einbahnweg hineingelangen, fixiert werden und
geradlinig nach vorne wieder ausgelassen werde können. Dieser Stand sollte
von beiden Seiten und von hinten für Behandlungszwecke unbehindert
zugänglich sein.
Das Behandeln im Einsperrfressgitter kann Nachteile mit sich bringen
(schlechte Fixierbarkeit, Meidung des Fressgitters nach schmerzhaften
Behandlungen).

Bedeutung Schmerzhafte Eingriffe oder ungewohnte Behandlungen können bei Tieren zu


Abwehrreaktionen führen. Um die Verletzungsgefahr für Tier und Mensch zu
verringern und schwierige Eingriffe durch eine Tierärztin /einen Tierarzt
fachgerecht durchführen zu können, ist eine entsprechende Fixierung des
Tieres notwendig.

Übergangsfrist Keine.

B 9 Liegeboxen sind mindestens so breit und so lang wie in B 9 in


der Tabelle gefordert
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, [Link]: Bei Gruppenhaltung in Liegeboxenlaufställen betragen die
Mindestmaße:
Tabelle 7: [B9 Mindestmaße von Liegeboxen]

Tiergewicht Boxenlänge Boxenlänge Boxenbreite


wandständig gegenständig

bis 300 kg 190,00 cm 170,00 cm 85,00 cm

bis 400 kg 210,00 cm 190,00 cm 100,00 cm

bis 550 kg 230,00 cm 210,00 cm 115,00 cm

bis 700 kg 240,00 cm 220,00 cm 120,00 cm

über 700 kg 260,00 cm 240,00 cm 125,00 cm

Anlage 2, 2.1.1: Die Liegeflächen der Tiere müssen [...] so gestaltet sein, dass alle Tiere
gleichzeitig und ungehindert liegen können.

Erhebung Dies gilt für Tiere über 6 Monate.

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B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

Es wird die Liegeboxenlänge und Liegeboxenbreite vermessen.


 Die Liegeboxenbreite ist als Achsmaß zu verstehen.
 Die Liegeboxenlänge wird vom vorderen Boxenende bis zur Kotkante bzw.
zur Streuschwellenaußenkante gemessen. Bei gegenständigen gleich
langen Liegeboxen wird von einer Kotkante (Streuschwellenaußenkante)
zur gegenüberliegenden gemessen und das Ergebnis durch 2 dividiert.
 Beim Tiergewicht ist vom Durchschnittsgewicht der 50 % schwersten Tiere
der Gruppe auszugehen.

Boxenlänge 2
Boxenlänge 1

Boxenlänge (gegenständig)
© HBLFA Raumberg-Gumpenstein
Abbildung 11: Vermessung von Liegeboxen

 Einzelne bauliche Elemente im vorderen Drittel (z.B. Säulen), die die


Standbreite einschränken, dürfen bei der Messung nur dann
unberücksichtigt bleiben, wenn der Aufsteh- und Abliegevorgang, das
Liege- und Fressverhalten nicht beeinträchtigt werden (Abbildung 12 und
Abbildung 13)

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B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

© ÖKL

Abbildung 12: Gebäudestütze im Bereich der Liegeboxenbügel bzw. im Kopfbereich

© ÖKL

Abbildung 13: Gebäudestütze im hinteren Bereich der Liegebox

Begriffe „Liegebox“, „wandständige Liegebox“, „gegenständige Liegebox“,


„Fressliegebox“ vgl. Glossar.

Erfüllt, wenn  die Boxenlänge und die Boxenbreite mindestens die in der Tabelle 7
angeführten Werte aufweisen und
 eventuell vorhandene die Boxenmaße einschränkende einzelne bauliche
Elemente im vorderen Drittel (z.B. Säulen) das Aufsteh- und
Abliegeverhalten nicht beeinträchtigen.
Empfehlung Bei Neubauten sollte die Liegeboxengröße an den 25 % größten Tieren der
Herde ausgerichtet und die Maße für die Liegeboxenbreite als lichte Weite

Handbuch Rinder Seite 45 von 119


B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

verstanden werden. Insbesondere bei der Verwendung von Rohren, Stangen


oder Rundholz mit überdurchschnittlich großem Durchmesser kann der
Unterschied zwischen Achsmaß und lichter Weite beträchtlich sein.
Neben der Liegeboxenlänge und –breite ist auch die Lage der Konstruktions-
und Steuerelemente von großer Bedeutung.
 Die effektive Liegelänge der Tiere wird vorne durch eine Bugschwelle
(Bugkeil, Bugkante) begrenzt. Scharfkantige Bugschwellen sind wegen
möglicher Beeinträchtigung der Karpalgelenke und der Vorderklauen zu
vermeiden. Ein ausreichend hoher Einstreupolster und eine abgerundete
Streuschwelle tragen weiters zur Vermeidung von Verletzungen für das
Tier bei. Die Liegelänge soll in Abhängigkeit von der Größe der Kuh ca.
165 – 180 cm betragen. Vor der Bugschwelle muss genügend Platz für den
Kopfraum (KR) bleiben.
 Ein Nackenriegel stellt das zu weite nach vorne Gehen beim Betreten und
das ausreichende Zurückdrängen beim Aufstehen zur Verminderung der
Boxenbeschmutzung sicher, darf jedoch das Abliegen nicht erschweren. Er
sollte möglichst so ausgeführt werden, dass er zwar seine Steuerfunktion
erfüllt, aber beim Kontakt mit den Tieren eine entsprechend breite
Auflagefläche bewirkt oder elastisch nachgibt.
 Ein Stirnriegel kann ebenfalls eingesetzt werden, um das Abliegen zu weit
vorne und ein Durchrobben der Tiere in die gegenüberliegende Bucht zu
verhindern. Dieser darf aber keinesfalls zu niedrig angebracht werden
(Stirnriegelhöhe für Kühe nicht unter 70 cm).

Nackenriegel Stirnriegel
BH
HS

Streuschwelle 10 30
40

20
25

2-4%

Liegelänge KR KR

Boxenlänge Bugschwelle

© HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Abbildung 14: Funktionsmaße für Liegeboxen

In den seitlichen Boxenbegrenzungen (Trennbügel) sollen drei Zonen frei


bleiben, die sich aus dem Körperbau und den Platzansprüchen der Rinder
beim artgemäßen Aufstehen, Abliegen und Liegeverhalten ergeben. Die
Bodenfreiheit zwischen der Liegefläche und dem Trennbügel soll 40 cm
betragen. Um Verletzungen an Hüfthöcker und Sitzbein zu vermeiden, sind
ausreichend Freiräume im Bereich der Hinterhand erforderlich.
In größeren Beständen können auch Kälber im Liegeboxenlaufstall gehalten
werden, wenn sie etwa alle 6 – 8 Wochen in Buchten mit größeren Liegeboxen

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B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

umgebuchtet werden. Es sollten folgende Mindestmaße eingehalten werden,


sowie Bodenfreiheit unter den Abtrennungen vorhanden sein:
Tabelle 8: Empfohlenen Mindestmaße für Liegeboxen für Kälber (ÖKL,
2014)

Tiergewicht Boxenlänge Boxenlänge Boxenbreite


wandständig gegenständig

bis 150 kg 150 cm 140 cm 65 cm

bis 200 kg 160 cm 150 cm 70 cm

Bedeutung Ein optimal gestalteter Liegeplatz ermöglicht ein artgemäßes Abliegen und
Aufstehen und bequemes Ruhen und schafft damit die Voraussetzungen für
Gesundheit, Wohlbefinden und leistungsfähige Tiere.
Eine richtig funktionierende Liegebox soll das Tier beim Aufstehen und
Abliegen steuern, das natürliche Ausruhverhalten aber nicht behindern. Das
Verhalten der Tiere sollte stets aufmerksam beobachtet werden.
Verhaltensstörungen (z.B. pferdeartiges Aufstehen) oder Verletzungen an
Rumpf, Gliedmaßen, Klauen oder Euter können auf schlecht gestaltete
Liegeboxen hindeuten.

Übergangsfrist Bis spätestens 1. Jänner 2020:


 für Milchkühe, wenn die Boxenabmessungen den zuvor gültigen
landesrechtlichen Bestimmungen entsprochen haben.
 für alle anderen Tierkategorien.

Es ist zu berücksichtigen, dass in Ländernormen von folgender Bestimmung


ausgegangen wurde: Für wandständige Liegeboxen, die in den
Seitenbegrenzungen des Kopfraumes ausreichend bemessene und richtig
angeordnete Öffnungen aufweisen, um den für ein weitgehend unbehindertes
artgemäßes Aufstehen und Abliegen erforderlichen Kopfschwung vollständig in
die Nachbarbox hinein zu ermöglichen, konnten die Mindestboxenlängen auf
die für gegenständige Liegeboxen verkürzt werden.

B 10 Fressgänge in Liegeboxenlaufställen sind für Kühe


mindestens 320 cm und für alle übrigen Rinder angemessen breit
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, [Link]: Die Fressgangbreite für Kühe und Mutterkühe muss
mindestens 320 cm betragen. Für übrige Rinder dürfen die Gangbreiten angemessen
verkleinert werden. Bei Umbauten dürfen die Fressgangbreite um 40 cm und die
Laufgangbreite um 30 cm kleiner ausgeführt werden, wenn
 keine Sackgassen entstehen, oder
 der Laufstall einen Zugang zu einem Auslauf aufweist, oder
 jeweils nach maximal 10 Liegeboxen ein Quergang vorhanden ist, oder
 einreihige Liegeboxenlaufställe mit Selbstfangfressgittern ausgestattet sind.

Erhebung Dies gilt für Tiere über 6 Monate.


Es wird die Fressgangbreite vermessen.

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B Bewegungsmögli chkeit und Sozialkontakt

Die Breite der Fressgänge ist der lichte Abstand zwischen dem Fressgitter und
der Kotkante bzw. Streuschwellenaußenkante der gegenüberliegenden
Liegeboxenreihe bzw. der gegenüberliegenden Fressgangbegrenzung.

Fressgangbreite
Fressgangbreite

© HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Abbildung 15: Vermessung der Fressgangbreite

Für übrige Rinder (außer Kühe) sind keine exakten Maße festgelegt. Es wird
beobachtet, ob sich hinter den am Fressgang stehenden und fressenden
Tieren, zwei weitere ungehindert aneinander vorbeibewegen können.
Bei Umbauten und Laufställen, die bereits vor dem 1. Jänner 2005 bestanden
haben (bestehende Stallungen), darf die Fressgangbreite für Kühe und übrige
Rinder um max. 40 cm kleiner sein, wenn
 keine Sackgassen entstehen, oder
 der Laufstall einen Zugang zu einem Auslauf aufweist, oder
 jeweils nach maximal 10 Liegeboxen ein Quergang vorhanden ist, oder
 einreihige Liegeboxenlaufställe mit Selbstfangfressgittern ausgestattet
sind.
Anm.: Unter „Kühen“ sind sowohl Milch- als auch Mutterkühe zu verstehen.

Erfüllt, wenn die Fressgangbreite für Kühe mind. 3,20 m beträgt, oder
der Fressgang für übrige Rinder so breit ist, dass sich hinter den am
Fressgang stehenden und fressenden Tieren, zwei weitere ungehindert
aneinander vorbeibewegen können. Dies ist jedenfalls erfüllt, wenn die in den
Empfehlungen angegebenen Mindestmaße für Fressgangbreiten eingehalten
werden, oder
bei Umbauten und bestehenden Stallungen die geforderten Fressgangbreiten
um nicht mehr als 40 cm unterschritten werden.

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B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

Empfehlung Für eine stressarme und ungestörte Zirkulation der Kühe sind v. a. in großen
Herden 3,50 – 4 m breite Fressgänge zu empfehlen.
Tabelle 9 zeigt empfohlene Mindestmaße für die Fressgangbreite für Jungvieh.
Bei der Haltung von Jungvieh unterschiedlichen Gewichtes sollen sich die
Maße an den 50% größten Tiere der Herde ausrichten.
Tabelle 9: Empfohlene Mindestmaße für Fressgangbreiten (Bartussek et
al., 2002, ergänzt)

Gewicht der Tiere (kg) Fressgangbreite (m)

200 2,10

300 2,40

400 2,70

500 2,90

600 3,00

700 3,20

Bedeutung Rinder haben eine strenge interne Rangordnung und halten daher einen
entsprechenden Abstand zueinander ein.
Bei zu geringen Gangbreiten besteht die Gefahr, dass den Tieren nicht
genügend Platz zum gegenseitigen Ausweichen zur Verfügung steht und die
Individualdistanz der Tiere häufig unterschritten wird, so dass es zu häufigen
Rangauseinandersetzungen kommt, wovon insbesondere rangniedrige Tiere
betroffen sind.

Übergangsfrist bis spätestens 1. Jänner 2020: für Milchkühe, wenn die Fressgangbreite den
zuvor gültigen landesrechtlichen Bestimmungen entsprochen hat und generell
für alle anderen Tierkategorien.
Es ist zu berücksichtigen, dass in den Ländernormen bei der Messung von der
„nutzbaren Breite“ ausgegangen wurde. D.h. die Breite der Fressgänge ist der
lichte Abstand zwischen dem Fressgitter und der Boxenabtrennung der
gegenüberliegenden Liegeboxenreihe bzw. der gegenüberliegenden
Fressgangbegrenzung. Dabei sind für den Abstand zwischen Kotkante bzw.
Streuschwellenaußenkante und Liegeboxenabtrennung max. 30 cm
anrechenbar.
Diese Messmethode ist für Neu- und Umbauten nicht mehr heranzuziehen.

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max. 30 cm
anrechenbar
Fressgangbreite

© HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Abbildung 16: Vermessung der „nutzbaren“ Fressgangbreite gemäß


Ländernormen

B 11 Laufgänge in Liegeboxenlaufställen sind für Kühe mindestens


250 cm und für alle übrigen Rinder angemessen breit
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, [Link]: Die Laufgangbreite muss für Kühe und Mutterkühe
mindestens 250,00 cm betragen. Für übrige Rinder dürfen die Gangbreiten
angemessen verkleinert werden. Bei Umbauten dürfen die Fressgangbreite um 40 cm
und die Laufgangbreite um 30 cm kleiner ausgeführt werden, wenn
 keine Sackgassen entstehen, oder
 der Laufstall einen Zugang zu einem Auslauf aufweist, oder
 jeweils nach maximal 10 Liegeboxen ein Quergang vorhanden ist, oder
 einreihige Liegeboxenlaufställe mit Selbstfangfressgittern ausgestattet sind

Erhebung Dies gilt für Tiere über 6 Monate.


Es wird die Laufgangbreite vermessen.
Die Breite der Laufgänge ist bei einreihiger Boxenanordnung der lichte
Abstand zwischen der Kotkante bzw. Streuschwellenaußenkante und der
gegenüberliegenden Laufgangbegrenzung und bei zweireihiger
Boxenanordnung der lichte Abstand zwischen den gegenüberliegenden
Kotkanten bzw. Streuschwellenaußenkanten.

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Laufgangbreite

Laufgangbreite

© HBLFA Raumberg-Gumpenstein
Abbildung 17: Vermessung der Laufgangbreite

Für übrige Rinder (außer Kühe) sind keine exakten Maße festgelegt. Es wird
beobachtet, ob sich die Tiere ungehindert aneinander vorbeibewegen und im
Stall zirkulieren können.
Bei Umbauten und Laufställen, die bereits vor dem 1. Jänner 2005 bestanden
haben (bestehende Stallungen), darf die Laufgangbreite für Kühe und übrige
Rinder um max. 30 cm kleiner sein, wenn
 keine Sackgassen entstehen, oder
 der Laufstall einen Zugang zu einem Auslauf aufweist, oder
 jeweils nach maximal 10 Liegeboxen ein Quergang vorhanden ist, oder
 einreihige Liegeboxenlaufställe mit Selbstfangfressgittern ausgestattet
sind.
Für Quergänge, Treibgänge und Zugänge zum Melkstand oder Auslauf
gelten die Mindestmaße für Laufgänge nicht. Es ist ein ungehinderter
Tierverkehr sicherzustellen. Hinweise dazu befinden sich in den
Empfehlungen.
Bei Fressliegeboxen ist der dahinter liegende Gang als Laufgang (nicht als
Fressgang) einzustufen.
Anm.: Unter „Kühen“ sind sowohl Milch- als auch Mutterkühe zu verstehen.

Erfüllt, wenn  die Laufgangbreite für Kühe mind. 2,50 m beträgt, oder
 der Laufgang für übrige Rinder so breit ist, dass sie sich ungehindert
aneinander vorbeibewegen und im Stall zirkulieren können. Dies ist
jedenfalls erfüllt, wenn die in den Empfehlungen angegebenen
Mindestmaße für Laufgangbreiten eingehalten werden. (Siehe B 10), oder
 bei Umbauten und bestehenden Stallungen die geforderten
Laufgangbreiten um nicht mehr als 30 cm unterschritten werden.
Empfehlung Für eine stressarme und ungestörte Zirkulation der Kühe sind v.a. in großen

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Herden 3 m breite Laufgänge zu empfehlen.


Tabelle 10 zeigt empfohlene Mindestmaße für Laufgangbreiten für Jungvieh.
Bei der Haltung von Jungvieh unterschiedlichen Gewichtes sollen sich die
Maße an den 50% größten Tiere der Herde ausrichten.
Tabelle 10: Empfohlene Mindestmaße für Laufgangbreiten (Bartussek et
al., 2002, ergänzt)

Gewicht der Tiere (kg) Laufgangbreite (m)

200 1,30

300 1,55

400 1,75

500 1,95

600 2,20

700 2,50

 Quergänge, Treibgänge und Zugänge zum Melkstand oder Auslauf


sollen entweder für 1 Tier oder für das aneinander Vorbeigehen von
2 Tieren angelegt werden. Für Kühe gilt:

– Gang für 1 Tier: 80 cm – max. 100 cm


– Gang für 2 Tiere: mind. 220 cm (werden Tränken, Lecksteine oder
Kratzbürsten im Gang platziert, ist das Maß zu vergrößern)
Des Weiteren sollten bei der Planung von Boxenlaufställen für einen optimalen
Tierverkehr folgende Punkte beachtet werden:
 Es sollen keine Sackgassen entstehen.
 Der Laufstall sollte mind. 2 Zugänge zu einem Auslauf haben.
 Es sollte jeweils nach maximal 10 Liegeboxen ein Quergang vorhanden
sein.
Für Hauptquergänge sollten die geforderten Mindestmaße für Laufgänge
eingehalten werden.

Bedeutung Rinder haben eine strenge interne Rangordnung und halten daher einen
entsprechenden Abstand zueinander ein.
Bei zu geringen Gangbreiten besteht die Gefahr, dass den Tieren nicht
genügend Platz zum gegenseitigen Ausweichen zur Verfügung steht und die
Individualdistanz der Tiere häufig unterschritten wird, so dass es zu häufigen
Rangauseinandersetzungen kommt, wovon insbesondere rangniedrige Tiere
betroffen sind. Es kann auch zur Blockade von Gängen durch ranghohe Tiere
kommen, sodass rangniedere keinen Zugang zu wichtigen Ressourcen (Futter,
Wasser, Liegeplatz, Auslauf, usw.) haben.

Übergangsfrist bis spätestens 1. Jänner 2020: für Milchkühe, wenn die Laufgangbreite den

Handbuch Rinder Seite 52 von 119


B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

zuvor gültigen landesrechtlichen Bestimmungen entsprochen hat, und generell


für alle anderen Tierkategorien.
Es ist zu berücksichtigen, dass in den Ländernormen bei der Messung von der
„nutzbaren Breite“ ausgegangen wurde. D.h. die Breite der Laufgänge ist der
lichte Abstand zwischen der Boxenabtrennung und der gegenüberliegenden
Laufgangbegrenzung und bei zweireihiger Boxenanordnung der lichte Abstand
zwischen den gegenüberliegenden Boxenabtrennungen. Dabei sind für den
Abstand zwischen Kotkante bzw. Streuschwellenaußenkante und
Liegeboxenabtrennung max. 30 cm anrechenbar.
Diese Messmethode ist für Neu- und Umbauten nicht mehr heranzuziehen.

max. 30 cm max. 30 cm
anrechenbar anrechenbar

Laufgangbreite Laufgangbreite

© HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Abbildung 18: Vermessung der Laufgangbreite unter Berücksichtigung der


„nutzbaren Breite“

B 12 Im Liegeboxenlaufstall ist für jedes Tier eine Liegebox


vorhanden
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, [Link]: Es muss mindestens eine Liegebox je Tier vorhanden sein.

1. ThVO, Anlage 2, 2.1.1: Die Liegeflächen der Tiere müssen [...] so gestaltet sein, dass
alle Tiere gleichzeitig und ungehindert liegen können.

Erhebung Es wird die Anzahl der Liegeboxen mit der Anzahl der Tiere verglichen.
Im Liegeboxenlaufstall müssen mindestens gleich viele Liegeboxen wie Tiere
vorhanden sein. Ausgenommen sind Kälber, die bei der Mutter gehalten
werden (z.B. Mutterkuhhaltung). Für sie ist nicht jeweils eine eigene Liegebox
notwendig, sondern es wird ein entsprechender Liegebereich (z.B.
Kälberschlupf) zur Verfügung gestellt.
Wird den Tieren zusätzlich zu den Liegeboxen eine ständig zugängliche,
geeignete Tiefstreu- oder Tretmistfläche angeboten, kann das
Liegeboxenangebot entsprechend kleiner sein.

Erfüllt, wenn  im Liegeboxenlaufstall für jedes Tier (außer für Kälber, die bei der Mutter
gehalten werden und einen eigenen Liegebereich haben) eine Liegebox
vorhanden ist, oder
 bei geringerem Liegeboxenangebot für die überzähligen Tiere
entsprechend groß dimensionierte Liegeflächen (z.B. Tiefstreu- oder
Tretmistflächen) vorhanden sind, damit diese Tiere ungehindert liegen
können (vgl. B 14).

Handbuch Rinder Seite 53 von 119


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Empfehlung Für Kälber in Mutterkuhhaltung kann im Kopfbereich der Liegeboxen ein


Liegebereich für die Kälber eingerichtet werden.

Bedeutung Bei einer zu geringen Anzahl an Liegeboxen besteht die Gefahr, dass sich
rangniedere Tiere auf die Laufgänge oder in den Auslauf legen, der aufgrund
der Verschmutzung, Härte und Kälte keinen geeigneten Liegeplatz darstellt.
Soziale Auseinandersetzungen zwischen den Tieren nehmen zu.

Übergangsfrist Keine.
Das Verhältnis zwischen Tierzahl und Liegeboxenanzahl ist durch das
Herausnehmen von Tieren aus der Herde ohne Übergangsfrist (seit 1. Jänner
2005) sicherzustellen.

B 13 Vollspaltenbuchten (Volllochbodenbuchten) sind mindestens


so groß wie in B 13 in der Tabelle angegeben
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, [Link]: Bei sonstiger Gruppenhaltung in Ställen betragen die
Mindestmaße:
Tabelle 11: [B13 Mindestmaße für Vollspaltenbuchten (Volllochbodenbuchten)]

1 2
Tiergewicht Mindestfläche

2
bis 350 kg 2,00 m /Tier

2
bis 500 kg 2,40 m /Tier

2
bis 650 kg 2,70 m /Tier

2
über 650 kg 3,00 m /Tier

1
im Durchschnitt der Gruppe
2
diese Mindestflächen beziehen sich auf vollperforierte Böden. Buchten ohne
vollperforierte Böden müssen jedenfalls eine trockene und ausreichend groß
dimensionierte Liegefläche aufweisen.
1. ThVO, Anlage 2, 2.1.1: Die Liegeflächen der Tiere müssen [...] so gestaltet sein, dass
alle Tiere gleichzeitig und ungehindert liegen können.

Erhebung Dies gilt für Tiere über 6 Monate.


Berechnen Sie die gesamte Bodenfläche der Bucht (als Grundfläche mit Länge
x Breite) und dividieren Sie diese Quadratmeteranzahl durch die Anzahl der in
dieser Bucht gehaltenen Tiere. Vergleichen Sie dieses Ergebnis (m²/Tier) mit
dem entsprechenden Wert in Tabelle 11.
Dabei ist vom Durchschnittsgewicht der Gruppe zum Zeitpunkt der Beurteilung
auszugehen. Das in der jeweiligen Box zu erreichende Höchstgewicht ist zu
berücksichtigen.
Begriff „Sonstige Gruppenhaltung“ und „Vollspalten- bzw. Volllochbodenbucht“

Handbuch Rinder Seite 54 von 119


B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

vgl. Glossar.

Erfüllt, wenn die Mindestbuchtenfläche für das jeweilige Tiergewicht eingehalten wird.

Empfehlung Rinder bevorzugen zum Liegen weiche, elastische und verformbare Böden.
Demnach kommt die Haltung auf Beton-Vollspaltenböden mit geringem
Platzangebot den natürlichen Verhaltensansprüchen der Tiere nur
unzureichend nach. Folgende Verbesserungsmöglichkeiten dieses
Haltungssystems sind möglich:
 Einsatz von gummierten Spalten
 Höheres Platzangebot (der Betriebsablauf ist jedenfalls zu berücksichtigen
– Umbuchten, usw.)
Andere Haltungssysteme (z.B. Tretmist- und Tieflaufställe,
Liegeboxenlaufställe) sind als tiergerechtere Alternativen zu sehen.

Bedeutung Die Mindestgröße an ständig zugänglicher Fläche pro Tier in Laufstallsystemen


setzt sich aus dem Bedarf für das unbehinderte Ausruhverhalten, dem Bedarf
für die nötige Fortbewegung sowie für das ungehinderte Erreichen der übrigen
Funktionsbereiche (Futter- und Trinkwasseraufnahme, usw.) zusammen.
Verletzungen der Tiere müssen vermieden und die Häufigkeit aggressiver
Auseinandersetzungen möglichst gering gehalten werden.

Übergangsfrist Keine. Es ist die geforderte Besatzdichte durch das Herausnehmen von Tieren
ohne Übergangsfrist (seit 1. Jänner 2005) einzuhalten.

B 14 Tretmist-, Tiefstreu- oder Teilspaltenbodenbuchten haben eine


ausreichend große Liegefläche
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.1.1: Die Liegeflächen der Tiere müssen [...] so gestaltet sein, dass
alle Tiere gleichzeitig und ungehindert liegen können.
1. ThVO, Anlage 2, P [Link]: Zusatz zur Tabelle für die Mindestfläche für vollperforierte
Böden: Buchten ohne vollperforierte Böden müssen jedenfalls eine [...] ausreichend
groß dimensionierte Liegefläche aufweisen.

Erhebung Beobachten Sie, ob die Liegefläche groß genug dimensioniert ist, damit alle
Tiere gleichzeitig liegen können. Sie ist jedenfalls zu klein, wenn einzelne Tiere
nicht auf der Liegefläche ruhen können, größere Unruhe am Liegeplatz durch
Verdrängungen entsteht und bei längerem ruhigem Warten sich Tiere nicht
hinlegen. Da diese Erhebung bei Momentaufnahmen nicht immer möglich ist,
ist es sinnvoll die Liegefläche auszumessen und sich an den Werten der
Tabelle 12 (Empfehlungen) zu orientieren.
Die Liegefläche hat die in Kapitel „A – Bodenbeschaffenheit“ beschriebenen
Anforderungen hinsichtlich der Bodengestaltung zu erfüllen. Zur Beurteilung
der Trockenheit ist insbesondere Frage A 5 zu beachten.
Begriffe „Sonstige Gruppenhaltung“, „Einraumbuchten“, „Mehrraumbuchten“,
„Liegefläche“ und „Buchten ohne vollperforierte Böden“ vgl. Glossar.

Handbuch Rinder Seite 55 von 119


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Erfüllt, wenn alle Tiere gleichzeitig und ungehindert auf der Liegefläche liegen können.

Empfehlung  Um ein unbehindertes und entspanntes Ausruhverhalten zu fördern und


soziale Spannungen in der Herde zu vermindern, werden größere
Liegeflächen empfohlen. Anhaltspunkte gibt die nachfolgende Tabelle 12.
Tabelle 12: Empfohlene Liegeflächengrößen (BVET 2003, FAT 2005)

Tierkategorie Liegefläche mit Einstreu je Tier [m²]

Kälber bis 150 kg 1,2 – 1,5

1
Mast-/Jungvieh bis 200 kg 1,8

1
Mast-/Jungvieh bis 300 kg 2,0

1
Mast-/Jungvieh bis 400 kg 2,5

1
Mast-/Jungvieh über 400 kg 3,0

Kühe ca. 550 kg 4,0

Kühe ca. 650 kg 4,5

Kühe ca. 750 kg 5,0

1
Liegefläche darf um höchstens 10 % verkleinert werden, wenn den Tieren
zusätzlich ein dauernd zugänglicher Bereich zur Verfügung steht, der
mindestens so groß ist wie die Liegefläche.
 Die Fressgangbreite in Mehrflächen-Tiefstreu- oder Tretmistställen kann
gegenüber Liegeboxenlaufställen um ca. 15 % verringert werden, wenn die
Tiere beim Zirkulieren auf der ganzen Breite in die Liegefläche ausweichen
können.
 Der Gesamtplatzbedarf für Mutterkuhhaltung setzt sich aus dem
Platzbedarf für Rinder über 6 Monate und dem Platzbedarf für Kälber in
Gruppenhaltung (Tabelle 14) zusammen. Bei Einrichtung eines
Kälberschlupfes kann die Fläche des Schlupfes als Teil der Gesamtfläche
eingerechnet werden. Es sollte aber mindestens die Hälfte aller Kälber
außerhalb des Kälberschlupfes ausreichend Platz zum Liegen haben. Die
Fläche des Schlupfes muss nicht zwingend der Mindestfläche für Kälber in
Gruppenhaltung (Frage B 19) betragen, da die Kälber dort nur eine
Liegefläche benötigen und ihnen als Aktivitätsfläche der allgemeine
(restliche) Bereich zur Verfügung steht. Die Kälberliegefläche im
Schlupfbereich darf, wenn sie kleiner als die Mindestfläche für Kälber in
Gruppenhaltung (Frage B 19) ist, nicht in Boxen unterteilt sein, um zu
vermeiden, dass eine nicht mehr nutzbare Fläche entsteht, wenn die
Kälber größer werden.

Handbuch Rinder Seite 56 von 119


B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

Bedeutung Eine großzügig bemessene Liegefläche ist ein entscheidender Komfortfaktor


und führt zu ruhigen und ausgeglichenen Tieren, da ein entspanntes
Ausruhverhalten ermöglicht wird und ein gegenseitiges Ausweichen leicht
möglich ist. Durch weniger Auseinandersetzungen unter den Tieren ist auch
die Verletzungsgefahr verringert.
Die Mindestgröße an ständig zugänglicher Fläche pro Tier in Laufstallsystemen
setzt sich aus dem Bedarf für das unbehinderte Ausruhverhalten, dem Bedarf
für die nötige Fortbewegung, sowie für das ungehinderte Erreichen der übrigen
Funktionsbereiche (Futter- und Trinkwasseraufnahme, usw.) zusammen.
Verletzungen der Tiere müssen vermieden und die Häufigkeit aggressiver
Auseinandersetzungen möglichst gering gehalten werden.

Übergangsfrist Keine. Die geforderte Mindestbuchtenfläche pro Tier ist durch das
Herausnehmen von Tieren einzuhalten. Ebenso ist durch entsprechendes
Einstreu- und Entmistungsmanagement eine trockene Liegefläche
sicherzustellen.

B 15 Kälber werden nicht in Anbindehaltung gehalten


Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 3.2.1:
Die Anbindehaltung von Kälbern ist verboten.
Keine Anbindehaltung ist das höchstens einstündige Anbinden oder Fixieren während
oder unmittelbar nach der Milchtränke oder Milchaustauschertränke sowie das
vorübergehende Anbinden insbesondere zum Zweck von Pflegemaßnahmen […].

Erhebung Es wird festgestellt, ob die Kälber angebunden gehalten werden.


Es wird erfragt,
 wie lange Kälber bei der Milchtränke fixiert werden oder
 ob Kälber für Pflegemaßnahmen angebunden werden.
Erfüllt, wenn  Kälber nicht oder für höchstens 1 Stunde während bzw. unmittelbar nach
der Milchtränke angebunden gehalten werden, oder
 nur vorübergehend für Pflegemaßnahmen angebunden werden.

Empfehlung Kälber können zur Verhinderung des gegenseitigen Besaugens nach der
Tränkung bzw. Fütterung noch für eine Zeit lang im Fressstand eingesperrt
gehalten werden. Die Zeit der Fixierung darf jedoch die Spanne von einer
Stunde nicht überschreiten.

Bedeutung Das Anbinden bedeutet eine wesentliche Einschränkung für das ausgeprägte
Spiel- und Bewegungsbedürfnis der Kälber. Um ein gegenseitiges Belecken
und Besaugen nach der Tränke zu verhindern und um Aufzuchtkälber an die
gegebenenfalls vorhandene Anbindehaltung zu gewöhnen, ist das kurzfristige
Anbinden oder Fixieren zu vertreten.

Übergangsfrist Keine.

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B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

B 16 Über 8 Wochen alte Kälber werden in Gruppen gehalten, oder


es liegt eine Ausnahmevoraussetzung zur Einzelhaltung vor
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 3.2.3: Über acht Wochen alte Kälber sind in Gruppen zu halten.
Über acht Wochen alte Kälber müssen nicht in Gruppen gehalten werden, wenn

– auf dem Betrieb weniger als sechs Kälber gehalten werden,


– die Kälber sich bei der Mutter befinden, um von ihr gesäugt zu werden, oder
– eine tierärztliche Anordnung vorliegt, dass das betreffende Tier gesundheits-
oder verhaltensbedingt in einer Einzelbucht gehalten werden muss, um
behandelt werden zu können.
1. ThVO, Anlage 2, 5: Auch im Falle der Notwendigkeit baulicher Maßnahmen gelten für
alle zwischen dem 01. Jänner 1994 und dem 31. Dezember 1997 neugebauten,
umgebauten oder erstmals in Betrieb genommenen Anlagen und Haltungseinrichtungen
die Bestimmungen des Punktes 3.2.3. (Sätze 1 und 2) ab dem 01. Jänner 2007, für alle
anderen Anlagen und Haltungseinrichtungen ab dem In-Kraft-Treten des
Tierschutzgesetzes § 13 Abs. 2 TSchG (siehe unter A 1)

Erhebung Es wird festgestellt, ob über 8 Wochen alte Kälber dauernd in Einzelständen


gehalten werden.
Eine Ausnahmevoraussetzung von der Gruppenhaltungspflicht liegt vor,
wenn:
 auf dem Betrieb weniger als sechs Kälber gleichzeitig gehalten werden,
 die Kälber sich bei der Mutter befinden, um von ihr gesäugt zu werden,
oder
 eine tierärztliche Anordnung vorliegt, dass das betreffende Tier
gesundheits- oder verhaltensbedingt in einer Einzelbucht gehalten werden
muss, um behandelt werden zu können.
Wenn eine dieser Ausnahmevoraussetzungen zutrifft, ist die Frage ebenfalls
mit „Ja“ zu beantworten.
 Kälber können zur Verhinderung des gegenseitigen Besaugens nach der
Tränkung bzw. Fütterung noch für eine Zeit lang im Fressstand
eingesperrt gehalten werden. Dies gilt nicht als Einzelhaltung. Diese Zeit
darf jedoch die Spanne von einer Stunde nicht überschreiten.
 Mehrere Kälberhütten oder Iglus für einzelne Kälber mit ständigem
Zugang zu einem gemeinsamen Auslauf, in dem eine ungehinderte
Gruppenbildung möglich ist, sind als Gruppenhaltung zu bezeichnen.
Erfüllt, wenn  über 8 Wochen alte Kälber in Gruppen gehalten werden oder
 eine Ausnahmevoraussetzung zur Einzelhaltung vorliegt
Empfehlung Das häufig festgestellte Problem des gegenseitigen Besaugens ist nicht durch
die Gruppenhaltung an sich begründet. Es kann durch die Schaffung einer
optimalen Haltungsumwelt vermindert werden, wobei insbesondere folgende
Punkte zu berücksichtigen sind:
 professionelles Tränkemanagement

– Erhöhung des Saugwiderstandes des Nuckels


– Erhöhung der Häufigkeit der Saugakte

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B Bewegungsmöglichkeit und Sozial kontakt

– 15 – 20 min. nach der Tränke einsperren


 Nahrungsbedarf der Tiere decken
 lange Fress- und Wiederkauzeiten (Beschäftigung, Raufutter ad libitum)
 Angebot an Umgebungsreizen
 Haltung im Freien
 Problemtiere frühzeitig identifizieren
Bedeutung Rinder sind Herdentiere mit einem intensiven Bedürfnis nach sozialen
Kontakten. In der Natur sucht die Kuh etwa eine Woche nach der Geburt
wieder den Anschluss an die Herde, und die Kälber schließen sich zu einem
sog. „Kindergarten“ zusammen. Im Stall können durch die Haltung in stabilen
Gruppen die sozialen Beziehungen gefördert und sozialer Stress minimiert
werden.

Übergangsfrist Keine, auch wenn zur Einrichtung einer Gruppenhaltung bauliche Maßnahmen
notwendig sind.

B 17 Einzelbuchten für Kälber ermöglichen einen direkten Sicht-


und Berührungskontakt mit Artgenossen (Ausnahme: Absonderung
kranker Tiere)
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 3.2.2. Seitliche Umschließungen von Einzelbuchten für Kälber
müssen mit Ausnahme der Absonderung kranker Tiere einen direkten Sicht- und
Berührungskontakt mit Artgenossen ermöglichen.
1. ThVO, Anlage 2, 5. (Übergangsbestimmungen): Die Bestimmungen der Punkte 3.2.1.
und 3.2.2. (mit Ausnahme des letzten Absatzes) gelten auch im Falle der Notwendigkeit
baulicher Maßnahmen jedenfalls für alle Betriebe ab dem 01. Jänner 2005.

Erhebung Es wird festgestellt, ob die Seitenwände von Einzelbuchten einen direkten


Sicht- und Berührungskontakt mit Artgenossen zulassen.
Zumindest eine Wand muss Öffnungen (z.B. Gitterstäbe, Holzlatten mit
Abständen, o.ä.) aufweisen oder so niedrig ausgeführt sein, dass sich die Tiere
in normaler Körperhaltung sehen und zumindest mit dem Flotzmaul
ungehindert berühren können.
Auch Kälberiglus müssen so aufgestellt werden, dass Berührungskontakt
zwischen den Kälbern möglich ist (z.B. über den Auslaufbereich).
Ausnahme: Kranke Tiere sollten von gesunden Tieren abgesondert werden,
um das Infektionsrisiko für die restlichen Tiere zu verringern. Bemerkung: Die
Einzelbuchtenhaltung für Kälber ist nur bis zu einem Alter von 8 Wochen
erlaubt. Über acht Wochen alte Kälber sind in Gruppen zu halten, wenn nicht
eine Ausnahmevoraussetzung zur Einzelhaltung vorliegt (vgl. B 16).

Erfüllt, wenn die Wände von Einzelbuchten einen direkten Sicht- und Berührungskontakt mit
Artgenossen zulassen

Empfehlung  Kälber frühzeitig in Gruppen halten (ab 2. Lebenswoche)


 Iglus unmittelbar nebeneinander stellen

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B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

Bedeutung Rinder haben ein intensives Bedürfnis nach sozialen Kontakten. Isolierte
Einzelhaltung wirkt sich negativ auf das Verhalten und Wohlbefinden von
Kälbern aus.

Übergangsfrist Keine. Diese Bestimmung gilt für alle Betriebe seit dem 1. Jänner 2005 (auch
wenn zur Erfüllung bauliche Maßnahmen notwendig sind).

B 18 Einzelbuchten für Kälber sind mindestens so groß, wie in B 18


in der Tabelle angegeben
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 3.2.2: Für Einzelbuchten für Kälber gelten folgende Mindestmaße:
Tabelle 13: [B18 Mindestmaße für Einzelbuchten von Kälbern]

1
Alter Länge Breite

bis 2 Wochen 120,00 cm 80,00 cm

bis 8 Wochen 140,00 cm 90,00 cm


2
über 8 Wochen 160,00 cm 100,00 cm

1
Bei innen angebrachtem Trog ist die jeweilige Buchtenlänge um 20,00 cm zu
verlängern.
2
Einzelhaltung ab einem Lebensalter von acht Wochen ist nur gemäß Punkt 3.2.3.
zulässig. (Ausnahmevoraussetzung!)

1. ThVO, Anlage 2, 5: Die Bestimmungen der Punkte 3.2.1. und 3.2.2. (mit Ausnahme
des letzten Absatzes) gelten auch im Falle der Notwendigkeit baulicher Maßnahmen
jedenfalls für alle Betriebe ab dem 01. Jänner 2005.
1. ThVO, Anlage 2, 2.1.1: Die Liegeflächen der Tiere müssen [...] so gestaltet sein, dass
alle Tiere gleichzeitig und ungehindert liegen können.

Erhebung Es werden Länge und Breite der Einzelbuchten gemessen.


Dabei ist von der lichten Weite auszugehen. Bei innen angebrachtem Trog ist
die jeweilige Buchtenlänge um 20 cm zu verlängern.
Diese Mindest-Buchtenmaße gelten auch für die Haltung von Kälbern in
Einzel-Iglus und Kälberhütten.
Bemerkung: Die Einzelbuchtenhaltung für Kälber ist nur bis zu einem Alter von
8 Wochen erlaubt. Über acht Wochen alte Kälber sind in Gruppen zu halten,
wenn nicht eine Ausnahmevoraussetzung zur Einzelhaltung vorliegt (vgl. B 16).

Erfüllt, wenn Einzelbuchten für Kälber die Mindestmaße in der Tabelle 13 aufweisen.

Empfehlung  Tränken, Raufen usw. sollen so angeordnet sein, dass sie die
Bewegungsfreiheit der Tiere nicht einschränken.
 Die Buchten sollten leicht zu reinigen und zu desinfizieren sein (z.B.
zerlegbar, hochgestellter und perforierter Boden unter dicker
Einstreudecke, …).
 Falls auf einem Betrieb nur ein einzelnes Kalb vorhanden ist, oder eine

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B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

Ausnahmevoraussetzung zur Gruppenhaltung vorliegt, soll dieses ab


einem Alter von 2 Wochen in einem für die Gruppenhaltung bestimmten
System (= Bodenfläche für mind. 2 Kälber) oder in einer Hütte (Iglu) mit
dauerndem Zugang zu einem Auslauf gehalten werden.
Bedeutung Kälber benötigen ausreichend Platz zum artgemäßen Ruhen, zur Bewegung
und zum Ausleben des Spielverhaltens.

Übergangsfrist Keine.

B 19 Gruppenbuchten für Kälber sind mindestens so groß, wie in


B 19 in der Tabelle angegeben
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 3.2.3: Bei Gruppenhaltung von Kälbern gelten folgende
Mindestmaße:
Tabelle 14: [B19 Mindestmaße für Gruppenbuchten von Kälbern]

1
Kälbergewicht Buchtenfläche
2
bis 150 kg 1,60 m /Tier
2
bis 220 kg 1,80 m /Tier
2
über 220 kg 2,00 m /Tier

1
im Durchschnitt der Gruppe
1. ThVO, Anlage 2, 2.1.1: Die Liegeflächen der Tiere müssen [...] so gestaltet sein, dass
alle Tiere gleichzeitig und ungehindert liegen können.

Erhebung  Berechnen Sie die gesamte frei zugängliche Bodenfläche der Bucht (als
Grundfläche mit Länge x Breite) und dividieren Sie diese
Quadratmeteranzahl durch die Anzahl der in dieser Bucht gehaltenen
Tiere. Vergleichen Sie dieses Ergebnis (m²/Tier) mit dem entsprechenden
Wert in Tabelle 14. Dabei ist vom Durchschnittsgewicht der Gruppe zum
Zeitpunkt der Beurteilung auszugehen. Das in der jeweiligen Box zu
erreichende Höchstgewicht ist zu berücksichtigen. Dreiseitig begrenzte
Fressstände, in denen sich die Tiere nicht umdrehen können, werden nicht
zur frei zugänglichen Bodenfläche gerechnet. (siehe Glossar: Fressstände)
 Diese Mindest-Buchtenflächen gelten auch für die Haltung von Kälbern in
Gruppen-Iglus oder Kälberhütten.
 Ein Kälberschlupf (z.B. in der Mutterkuhhaltung) stellt keine eigenständige
Gruppenbucht dar (bezüglich Flächenbedarf vgl. Frage B 14).
Erfüllt, wenn die Mindestbuchtenfläche für das jeweilige Tiergewicht eingehalten wird.

Empfehlung  Für die Gruppenhaltung von Kälbern sind Einraum- und Mehrraumbuchten
mit eingestreuter Liegefläche empfehlenswert.
 Ein höheres Platzangebot kommt den Ansprüchen der Tiere entgegen.
 In größeren Beständen können auch Kälber im Liegeboxenlaufstall
gehalten werden, wenn sie etwa alle 6 – 8 Wochen in Buchten mit
größeren Liegeboxen umgebuchtet werden. Es sollten folgende

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B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

Mindestmaße eingehalten werden:


Tabelle 15: Mindestmaße für Liegeboxen für Kälber (ÖKL, 2014)

Tiergewicht Boxenlänge Boxenlänge Boxenbreite


wandständig gegenständig

bis 150 kg 150,00 cm 140,00 cm 65,00 cm

bis 200 kg 160,00 cm 150,00 cm 70,00 cm

Bedeutung Kälber benötigen ausreichend Platz zum artgemäßen Ruhen, zur Bewegung
und zum Ausleben des Spielverhaltens.

Übergangsfrist Keine, auch wenn zur Einrichtung einer Gruppenhaltung bauliche Maßnahmen
notwendig sind.

B 20 Bei der Haltung von Kälbern im Freien ist die Bucht überdacht,
auf drei Seiten geschlossen und die Tiere sind gegen widrige
Witterungseinflüsse geschützt
2
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 3.2.2: Bei Einzelhaltung im Freien muss die Einzelbucht überdacht
und auf drei Seiten geschlossen sein (z.B. Kälberhütte, Iglu) und die Tiere gegen
widrige Witterungseinflüsse geschützt sein.

1. ThVO, Anlage 2, 3.2.3: Bei Gruppenhaltung im Freien müssen die Buchten überdacht
und auf drei Seiten geschlossen sein (z.B. Kälberhütte, Iglu) und die Tiere gegen
widrige Witterungseinflüsse geschützt sein.

Erhebung Es wird festgestellt, ob Buchten zur Kälberhaltung im Freien überdacht und auf
drei Seiten geschlossen (z.B. Kälberhütte, Iglu), und ob die Tiere gegen
widrige Witterungseinflüsse geschützt sind.
Dies gilt für Einzel- und für Gruppenbuchten.
Es muss v. a. auf richtige Aufstellung zum Schutz gegen Zugluft, übermäßige
Aufheizung der Kälberiglus oder -hütten (pralle Mittagssonne im Sommer) und
Niederschläge geachtet werden. Für eine optimale Klimagestaltung sind
Schattenspender an warmen Sommertagen und Windschutz für die kühle und
kalte Jahreszeit wichtig

Erfüllt, wenn Kälberhütten oder Iglus verwendet werden und die Tiere gegen widrige
Witterungseinflüsse geschützt sind.

Empfehlung  Es ist wichtig darauf zu achten, dass Kälberhütten (Iglus) so hoch sind,
dass die Tiere darin bis zum Umtriebsende aufrecht stehen können.
 Kälberhütten und Iglus sollten in Süd-Ost-Richtung ausgerichtet sein
(Öffnung der Hauptwindrichtung abgewandt). Zum Schutz gegen Wind und
übermäßige Hitze können sie im Schutz von anderen Gebäuden,
überdacht oder unter Bäumen aufgestellt werden.
 Kranke Kälber vertragen tiefe Außentemperaturen schlechter und sollen
daher ihrem Temperaturbedürfnis entsprechend untergebracht werden.

Handbuch Rinder Seite 62 von 119


B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

Bedeutung Der geringere Keimdruck, die besseren Luftverhältnisse und die


Außenklimareize wirken sich positiv auf die Gesundheit der Kälber aus und
können Kälberverluste verringern. Die Klimaansprüche von Kälbern müssen
jedoch berücksichtigt werden und Klimaextreme vermieden werden.

Übergangsfrist Keine. Diese Bestimmung gilt für alle Betriebe seit dem 1. Jänner 2005.

B 21 Kälberhütten (Iglus) weisen zusätzlich zur Bucht einen Auslauf


auf, der mindestens so groß ist, wie in B 21a und B 21b angegeben
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 3.2.2: Zusätzlich zur Bucht muss ein Auslauf im Ausmaß der für
Einzelbuchten festgelegten Mindestmaße vorhanden sein.
1. ThVO, Anlage 2, 3.2.3: Zusätzlich zur Bucht muss ein Auslauf im Ausmaß der für
Gruppenbuchten festgelegten Mindestmaße vorhanden sein.

Erhebung  Einzelhaltung im Freien:


Es werden Länge und Breite des Auslaufs gemessen und mit den in
nachfolgender Tabelle 16 festgelegten Mindestmaßen verglichen.
Tabelle 16: B21a Mindestmaße für den Auslauf bei Kälbern in
Einzelhaltung
1
Alter Länge Breite

bis 2 Wochen 120 cm 80 cm

bis 8 Wochen 140 cm 90 cm

über 8 Wochen 160 cm 100 cm


1
Bei innen angebrachtem Trog ist die jeweilige Auslauflänge um 20 cm zu verlängern.

 Gruppenhaltung im Freien:
Berechnen Sie die gesamte frei zugängliche Bodenfläche des Auslaufs (als
Grundfläche mit Länge x Breite) und dividieren Sie diese Quadratmeteranzahl
durch die Anzahl der in diesem Auslauf gehaltenen Tiere. Vergleichen Sie
dieses Ergebnis (m²/Tier) mit dem entsprechenden Wert in nachfolgender
Tabelle 17. Dabei ist vom Durchschnittsgewicht der Gruppe zum Zeitpunkt der
Beurteilung auszugehen. Das bei der Haltung in der Kälberhütte (Iglu) zu
erreichende Höchstgewicht ist zu berücksichtigen.
Tabelle 17: B21b Mindestmaße für Gruppenbuchten von Kälbern im
Freien
1
Kälbergewicht Buchtenfläche
2
bis 150 kg 1,60 m /Tier
2
bis 220 kg 1,80 m /Tier
2
über 220 kg 2,00 m /Tier

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B Bewegungsmöglichkeit und Sozialkontakt

1
im Durchschnitt der Gruppe

 Der Auslauf muss ständig zugänglich sein.


Erfüllt, wenn ein ständig zugänglicher Auslauf vorhanden ist und dieser die geforderten
Mindestmaße aufweist.

Empfehlung Für eine optimale Klimagestaltung im Auslauf sind Schattenspender an


warmen Sommertagen und Windschutz für die kühle und kalte Jahreszeit
wichtig.

Bedeutung Bewegungsmöglichkeit, Licht, Sonnenbestrahlung, Sozialkontakt

Übergangsfrist Keine.

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C Stallklima, Licht, Lärm

C Stallklima, Licht, Lärm


C 1 Es sind funktionstüchtige Lüftungssysteme vorhanden, die
entsprechend bedient und gewartet werden
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.3: In geschlossenen Ställen müssen natürliche oder mechanische
Lüftungsanlagen vorhanden sein. Diese sind dauernd entsprechend zu bedienen oder
zu regeln und so zu warten, dass ihre Funktion gewährleistet ist.

Erhebung Es wird festgestellt, wie im Stall die Lüftung bewerkstelligt wird. Es ist zwischen
natürlicher Lüftung (Schwerkraft-Schachtlüftung, Querdurchlüftung,
Offenfrontstall) und mechanischen Lüftungsanlagen (Luftförderung mit
Ventilatoren) zu unterscheiden.
Es wird hinterfragt, wie das Lüftungsmanagement erfolgt (z.B. Öffnen der
Fenster) und ob die Lüftungseinrichtungen systemkonform betrieben werden
bzw. festgestellt, in welchem technischen Zustand sich die Bestandteile des
Lüftungssystems befinden. Bsp. Fenster müssen sich öffnen lassen,
Ventilatoren müssen funktionieren, Regelung (Solltemperatur, Spreizung),
Verschmutzung von Ventilatoren, Gängigkeit von Schiebern, ...
Bem.: Es wird davon ausgegangen, dass nicht nur geschlossene Ställe ein
entsprechendes Lüftungssystem aufweisen müssen. Bei Offenfrontställen wird
dies durch die Bauweise an sich gewährleistet.

Erfüllt, wenn ein Lüftungssystem (natürlich oder mechanisch) vorhanden ist und erkennbar
ist, dass eine dauernde systemkonforme Nutzung, Wartung und Funktion des
Systems gegeben ist.

Empfehlung Die Herausforderung einer optimalen Lüftung ist es, dem Tier unabhängig von
Jahreszeit und Witterung ein möglichst konstant gutes Stallklima zu bieten. Der
natürlichen Lüftung ist grundsätzlich der Vorzug zu geben. Sie funktioniert
sicherer, billiger und ohne Geräusche. Auf eine richtige Systemauslegung und
–bedienung muss selbstverständlich geachtet werden. Die Zuluft kann in
geschlossenen Warmställen über Porendecken, Einlassschlitze in Traufenhöhe
(mit Leitplatten) oder Fenster eingebracht werden. Die Abluft entweicht über
Abluftschächte oder Öffnungen am First. Ein Ventilatorantrieb erscheint nur
dann sinnvoll, wenn die baulichen Voraussetzungen für eine einwandfreie
natürliche Lüftung nicht oder nur mit hohem Kostenaufwand geschaffen
werden können. Bei großer Hitze im Sommer können zusätzliche Ventilatoren
für eine verstärkte Querdurchlüftung und die Kühlung der Tiere sorgen.
Außenklimaställe bieten eine gute Luftqualität und können kostengünstig
errichtet werden. Außenklimaställe können mit einer Trauf-First-Lüftung oder
über große Zuluftöffnungen in Form von verschiedenen Curtainsystemen,
Windnetzen oder Spaceboardkonstruktionen betrieben werden.

Bedeutung Tiergesundheit (v.a. Immunsystem, Infektionskrankheiten,


Atemwegserkrankungen), Wohlbefinden, Leistung.

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C Stallklima, Licht, Lärm

Übergangsfrist Keine.

C 2 Bei hauptsächlich mechanischer Lüftung sind funktionierende


Alarmsysteme und geeignete funktionstüchtige Ersatzsysteme
vorhanden
Rechtsnormen § 18 Abs. 5 TSchG: Hängt das Wohlbefinden der Tiere von einer Lüftungsanlage ab, ist
eine geeignete Ersatzvorrichtung vorzusehen, die bei Ausfall der Anlage einen für die
Erhaltung des Wohlbefindens der Tiere ausreichenden Luftaustausch gewährleistet; es
ist ein Alarmsystem vorzusehen, das den Ausfall der Lüftungsanlage meldet. Das
Alarmsystem ist regelmäßig zu überprüfen.

Erhebung Diese Frage ist zu überspringen, wenn eine natürliche Lüftung


(Schwerkraftlüftung) auch ohne Einsatz eines mechanischen Lüftungssystems
einen ausreichenden Luftwechsel sicherstellt, d.h. nicht hauptsächlich mit
mechanischer Lüftung gearbeitet wird.
Es wird festgestellt, ob bei mechanischen Lüftungsanlagen (Luftförderung mit
Ventilatoren)
 Alarm- und Ersatzsysteme vorhanden sind,
 Alarmsysteme regelmäßig überprüft werden (Demonstration, Protokolle,
Verschmutzung, Gängigkeit von Schiebern, ...)
 Alarmsysteme funktionstüchtig sind (Kontrollleuchte, Testfunktion,
Netzabschaltung – externe Stromquelle, Alarmauslösetemperatur)
 Ersatzsysteme funktionstüchtig sind (zu öffnende oder selbstöffnende
Fenster oder Tore bzw. spezielle Öffnungen, Notstromaggregat) und einen
ausreichenden Mindestluftwechsel für Notfälle sicherstellen.
Bem.: Es wird davon ausgegangen, dass sich § 18, Abs. 5 TSchG nur auf
Ställe mit mechanischen Lüftungsanlagen bezieht.

Erfüllt, wenn bei Räumen mit hauptsächlich mechanischer Lüftung folgende Vorrichtungen
vorhanden sind:
 funktionierende Alarmanlage und
 zu öffnende oder selbstöffnende Fenster oder Tore bzw. spezielle
Öffnungen (z.B. mit Magnetschaltern) oder andere funktionierende
Notlüftung
Empfehlung Alarmanlagen sollten wie folgt überprüft werden:
 Täglich: Visuelle Kontrolle der Bereitschaftsanzeige (Kontrollleuchte) am
Alarmgerät
 Wöchentlich: Betätigung der Testfunktion am Alarmgerät; Netzabschaltung
(Schutzschalter) – Alarm muss in ausreichender Lautstärke mit ca. 25 sec.
Verzögerung erfolgen; Kontrolle der korrekten Alarmauslösetemperatur
beim Lüftungssteuerungsgerät oder Klimacomputer.
Für Notfälle sollten mindestens 0,2 m² Tür- bzw. Fensterflächen pro GVE an
Zuluft- und Abluftflächen vorhanden sein. Ein ausreichender
Mindestluftwechsel für Notfälle ist dann gegeben, wenn Mindestluftraten von

Handbuch Rinder Seite 66 von 119


C Stallklima, Licht, Lärm

20 m³/Stunde und GVE im Winter und 85 m³/Stunde und GVE im Sommer


sichergestellt werden.

Bedeutung Ein unbemerkter Totalausfall einer ausschließlich mechanischen


Lüftungsanlage kann fatale Folgen haben!
In der Rinderhaltung sind solche vollklimatisierten Ställe jedoch eher selten
anzutreffen.

Übergangsfrist Keine.

C 3 Es wird für einen dauernden und ausreichenden Luftwechsel


gesorgt
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.3.: In geschlossenen Ställen muss für einen dauernden und
ausreichenden Luftwechsel gesorgt werden, ohne dass es im Tierbereich zu
schädlichen Zuglufterscheinungen kommt.
§ 18, Abs. 5. TSchG: Die Luftzirkulation, der Staubgehalt der Luft, die Temperatur, die
relative Luftfeuchtigkeit und die Gaskonzentration [...] müssen in einem Bereich
gehalten werden, der für die Tiere unschädlich ist.

Erhebung Ein dauernder und ausreichender Luftwechsel lässt sich im Wesentlichen über
Mindestluftraten, Schadgasgehalte, Luftfeuchtigkeit und Stalltemperatur
definieren. Zur einfachen Beurteilung des Stallklimas ohne teure Messgeräte
können folgende indirekte Indikatoren herangezogen werden:
 Ist eine übermäßige Kondenswasser- oder Schimmelbildung an Decken,
Wänden und Fenstern vorhanden (vor allem in Raumecken, im Bereich
von Jungtieren)?
 Ist die Stallluft stickig und brennend in den Augen und Schleimhäuten der
Atemwege (stechender Ammoniakgeruch)?
 Riecht es im Stall nach faulen Eiern (Vorsicht! Schwefelwasserstoff)?
 Weist die Kleidung nach dem Stallbesuch einen stark üblen Geruch auf?
 Ist die Stallluft staubig (Staubschichten auf der Stalleinrichtung,
staubverschmutztes Haarkleid der Tiere)?
 Haben die Tiere aufgrund der relativen Luftfeuchtigkeit und Temperatur im
Stall ein feuchtes Haarkleid?
 Ist es im Stall v. a. im Sommer drückend heiß und die Atemfrequenz der
Tiere erhöht?
 Erscheint die Luft frisch und kühl und ist gutes Durchatmen möglich?
Bemerkung: Es wird davon ausgegangen, dass nicht nur geschlossene Ställe
ein entsprechendes Lüftungssystem aufweisen müssen. Bei Offenfrontställen
wird dies durch die Bauweise an sich gewährleistet.

Erfüllt, wenn die in der Erhebung angeführten indirekten Indikatoren auf eine akzeptable
Stallklimasituation hinweisen.

Empfehlung Ein dauernder und ausreichender Luftwechsel ist die Grundlage für ein
optimales Stallklima. Dieses ist selbstverständlich nicht nur in geschlossenen
(Warm-) Ställen sondern auch in Außenklimaställen bzw. Offenfrontställen von

Handbuch Rinder Seite 67 von 119


C Stallklima, Licht, Lärm

Bedeutung. Zur genauen Stallklimabeurteilung und Messung sollten


entsprechend kompetente Institutionen zu Rate gezogen werden. Folgende
Stallklimaempfehlungen sollten eingehalten werden:
 Mindestluftraten:

– bei niedriger Temperatur (Winter): 100 m³ Frischluft/Std. pro GVE bzw.


– bei hohen Temperaturen (Sommer): 500 m³ Frischluft/Std. pro GVE
Bei zentraler Abluftführung können Luftraten über eine Messung der
Abluftgeschwindigkeit (Anemometer) bestimmt werden.
Zur Sicherstellung ausreichender Sommerluftraten sollten bei geschlossenen
Ställen ohne mechanische Lüftungsanlage Öffnungen (Fenster, Tore etc.) von
insgesamt mind. 0,35 m² pro GVE vorgesehen werden.
 Schadgase und Luftfeuchtigkeit
Folgende Werte sollten angestrebt werden:

– Kohlendioxid (CO2): < 2000 ppm


– Ammoniak (NH3): < 15 ppm
– Rel. Luftfeuchtigkeit: 60 – 80 %
Schadgase können mit einem Messgerät gemessen werden. Regelmäßige
Entmistung und ausreichende Sauberkeit im Stall tragen zur
Schadgasminderung bei.
 Stalltemperatur
Die Stallinnentemperatur soll nicht permanent über der Stallaußentemperatur
liegen. Hitzestress im Sommer soll durch entsprechend höhere Luftraten und
Öffnen der Zuluftöffnungen in den Nachtstunden (Speicherung der Kühle im
Gebäude) vermieden werden. Reicht dies nicht aus, können unter gezielter
fachlicher Beratung technische Kühlmöglichkeiten (z.B. Wasservernebelung,
Wärmetauscher) Verwendung finden.
 Staub
Staub in der Stallluft kann u. a. durch ein schlechtes Einstreumanagement
bedingt sein. Zur direkten Messung ist derzeit keine für die Praxis im
Routineeinsatz geeignete Methode vorhanden.

Bedeutung Durch die Ansammlung der Tiere und durch Umsetzungsvorgänge in den
Exkrementen wird die Stallluft mit Schadgasen, Staubteilchen und
Mikroorganismen angereichert, die durch ständige Verdünnung mit Frischluft
(Luftwechsel) auf einem die Gesundheit nicht gefährdenden Niveau gehalten
werden müssen:
 Verminderung der Gefahr von Erkrankungen (v. a. der Atemwege) durch
erhöhten Keimdruck
 Schutz vor allgemeinen Gefahren für die Gesundheit der Tiere (z.B. durch
Schwächung des Immunsystems, Reizung der Schleimhäute etc.)
 Schutz vor überhöhten Temperaturen, die bis zum Tod der Tiere führen
können
Übergangsfrist Keine.

Handbuch Rinder Seite 68 von 119


C Stallklima, Licht, Lärm

C 4 Schädliche Zugluft im Tierbereich wird vermieden


Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.3.: In geschlossenen Ställen muss für einen dauernden und
ausreichenden Luftwechsel gesorgt werden, ohne dass es im Tierbereich zu
schädlichen Zuglufterscheinungen kommt.
§ 18, Abs. 5 TSchG: Die Luftzirkulation, der Staubgehalt der Luft, die Temperatur, die
relative Luftfeuchtigkeit und die Gaskonzentration [...] müssen in einem Bereich
gehalten werden, der für die Tiere unschädlich ist.

Erhebung Es wird subjektiv die Luftströmung in den verschiedenen Stallbereichen, in


denen sich die Tiere aufhalten, überprüft und auf für den Menschen fühlbare
erhöhte Luftgeschwindigkeit und mögliche baulich bedingte „Zugluftfallen“
geachtet.
Achten Sie insbesondere in der kalten Jahreszeit v. a. auf Zuluftöffnungen
unmittelbar im oder oberhalb des Tierbereiches, Bodenspalten bei Türen oder
Mistgräben, offene Durchlässe in Gülle- oder Jaucheableitungen und schlecht
gestaltete Frischlufteinlässe (z.B. Leitplatten). Bei richtig ausgeführten
Porenlüftungen ist keine Zugluft zu erwarten. Wenn die Zuluftzufuhr
ausschließlich über Fenster erfolgt, könnte Zugluftgefahr bestehen.
Schädliche Zugluft: kommt v. a. in der kalten Jahreszeit, bei großen
Temperaturdifferenzen, hohen Luftgeschwindigkeiten und wenn die
Luftfeuchtigkeit im Stall zu hoch ist zustande. Zugluft in empfindlichen
Körperbereichen der Tiere (Euter, Scheidenbereich) und im Aufenthaltsbereich
von jungen oder kranken Tieren ist besonders problematisch. Eine erhöhte
Inzidenz von Krankheiten, die in Zusammenhang mit Zugluft stehen könnten
(z.B. Atemwegserkrankungen, Entzündungen, usw.), sollte beachtet und
weiterverfolgt werden. In der heißen Jahreszeit helfen höhere Luftraten den
Tieren, sich zu kühlen und stellen kein Problem dar.

Erfüllt, wenn keine schädliche Zugluft feststellbar ist und aufgrund der Stallgestaltung davon
ausgegangen werden kann, dass schädliche Zugluft nicht oder nur in sehr
seltenen Fällen zustande kommt.

Empfehlung Zugluft kann sehr einfach mit Markierungsrauch sichtbar gemacht werden.
Bewegt sich der Markierungsrauch im Tierbereich (vor allem im Genital- und
Euterbereich) rascher als normal aufsteigender Rauch, ist eine Zugluftgefahr
gegeben. Es ist jedoch zu beachten, dass es leicht zur Überlagerung des
Messergebnisses kommen kann, wenn sich die Tiere bewegen. Im
Aufenthaltsbereich der Tiere soll die Luftströmung folgende Werte nicht
überschreiten:
 0,2 m/s im Winter
 0,6 m/s im Sommer
Bedeutung Im Sommer kann es aufgrund sehr hoher Temperaturen erforderlich sein, die
Luftrate im Stall zu erhöhen. Aber in der kalten Jahreszeit reagieren u. a. junge
und kranke Tiere empfindlich auf zu hohe Luftströmungen im Stall. Dies gilt
besonders dann, wenn bei großen Temperaturdifferenzen und hohen
Luftgeschwindigkeiten die Luftfeuchtigkeit im Stall zu hoch ist.

Handbuch Rinder Seite 69 von 119


C Stallklima, Licht, Lärm

Übergangsfrist Keine.

C 5 Die Fensterflächen oder andere Flächen, durch die Tageslicht


einfällt, betragen mind. 3 % der Stallbodenfläche – oder die Tiere
haben ständig Zugang ins Freie
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.4.: Steht den Tieren kein ständiger Zugang ins Freie zur
Verfügung, müssen Ställe Fenster oder sonstige offene oder transparente Flächen,
durch die Tageslicht einfallen kann, im Ausmaß von mindestens 3 % der
Stallbodenfläche aufweisen.
TSchG. § 18 Abs. 4: Tiere dürfen weder in ständiger Dunkelheit noch in künstlicher
Dauerbeleuchtung ohne Unterbrechung durch angemessene Dunkelphasen gehalten
werden.

Erhebung Vermessen Sie alle Fenster und sonstigen offenen oder transparenten
Flächen, durch die Tageslicht einfällt. Als „Fensterfläche“ gilt die die
Architekturlichte. Diese entspricht der verputzten bzw. gedämmten
Maueröffnung (einfach zu messen; in den Einreichplänen bemaßt). Bei
Spaceboard (Lücken- oder Schlitzschalung) gilt die gesamte Schlitzfläche.
 Messen Sie die gesamte Bodenfläche des Stalles (oder verwenden Sie
Grundrissangaben). Sollten Nebenräume (Lagerraum, usw.) ohne bauliche
Abtrennung an den Stall angrenzen, wird deren Bodenfläche nicht mit
einbezogen. Fensterflächen dieser Nebenräume werden nur in der Größe
der Öffnung, durch die Licht ungehindert in den Tierbereich einfallen kann,
berücksichtigt.
 Rechnen Sie die Gesamtfläche aller Fensterflächen und sonstigen offenen
und transparenten Flächen, durch die Tageslicht einfällt (mit der Formel
Länge x Breite) und ebenso die Größe der Bodenfläche des Stalles aus.
Dann wird die Größe der Fensterflächen (und sonstigen…) durch die
Stallgrundrissfläche dividiert und mit 100 multipliziert. Wenn der Wert über
3 liegt, ist ja anzukreuzen.
 Beispiel: 8 m² Gesamtfensterfläche bei 150 m² Fußbodenfläche ergibt:
 8 / 150 x 100 = 5,33. => Antwort ja!

Haben alle in einem Raum gehaltenen Tiere über den Lichttag jederzeit
unbeschränkt Zugang zu einem Auslauf im Freien, gilt dies als ausreichende
Erfüllung der Forderung nach Fensterflächen im Stall, auch wenn der Auslauf
überdacht ist.

Erfüllt, wenn Fensterflächen oder andere Flächen, durch die Tageslicht einfällt, von mind.
3 % der Stallbodenfläche vorhanden sind oder, wenn die Tiere ständig Zugang
ins Freie haben

Empfehlung Auch bei ständigem Zugang ins Freie soll Tageslicht im Stall vorhanden sein!

Bedeutung Positive Wirkung von Tageslicht:


 Anregung des Stoffwechsels und des Kreislaufes
 Fruchtbarkeit, Tages- und jahreszeitliche Rhythmen

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C Stallklima, Licht, Lärm

 Vitamin D3-Synthese
 Hemmung von Bakterien- und Parasitenwachstum
Übergangsfrist Bis 1.1.2020.

C 6 Der Tierbereich des Stalles weist über mindestens 8 Stunden


pro Tag eine Lichtstärke von mindestens 40 Lux auf
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.4.: Im Tierbereich des Stalles ist über mindestens 8 Stunden pro
Tag eine Lichtstärke von mindestens 40 Lux zu gewährleisten.
TSchG § 18 Abs. 4: Tiere dürfen weder in ständiger Dunkelheit noch in künstlicher
Dauerbeleuchtung ohne Unterbrechung durch angemessene Dunkelphasen gehalten
werden.

Reicht der natürliche Lichteinfall nicht aus, um die Bedürfnisse der Tiere zu decken,
muss eine geeignete künstliche Beleuchtung vorgesehen werden. Dabei ist auf den
natürlichen Ruhe- und Aktivitätsrhythmus der Tiere Rücksicht zu nehmen.

Erhebung Es wird festgestellt, ob im Aktivitätsbereich der Tiere über mindestens acht


Stunden pro Tag eine Lichtstärke von 40 Lux gewährleistet ist.
 Zur subjektiven Abschätzung und zur Sicherstellung des geforderten
Lux-Wertes kann folgender Anhaltspunkt herangezogen werden: Beträgt
die Lichteinfallsfläche mindestens 5 % der Stallbodenfläche und wird der
Lichteinfall nicht durch verschmutzte Fensterflächen, Vordächer oder
unmittelbar angrenzende Bauten erheblich gemindert, ist davon
auszugehen, dass 40 Lux erreicht werden.
 Reicht das natürliche Tageslicht nicht aus, muss eine geeignete künstliche
Beleuchtung (z.B. durch Glühlampen, Leuchtstoffröhren etc.) verwendet
werden. Tiere dürfen jedoch nicht in künstlicher Dauerbeleuchtung ohne
Unterbrechung durch angemessene Dunkelphasen gehalten werden.
Die Messung der Lichtstärke mit einem Luxmeter wird durch zahlreiche
Faktoren beeinflusst (Außenbedingungen, Messzeitpunkt, Farbe der Wände
und Stalleinrichtungsgegenstände, Sauberkeit des Bodens und der Einstreu,
Tierbewegung, usw.) und ein objektiver und wiederholbarer Befund ist kaum zu
erwarten. Deshalb ist das Messergebnis vorsichtig zu interpretieren und die
Einflussfaktoren sind zu berücksichtigen.
Die Messung der Lichtstärke erfolgt mit einem (farbkorrigierten,
kosinusgerechten) Luxmeter im Aktivitätsbereich und in Augenhöhe der Tiere
(im Anbindestall im Kopfbereich der Tiere). Es wird in 2 Ebenen (in Richtung
des natürlichen Lichts und im 90 ° Winkel nach oben gedreht) an mindestens 3
repräsentativen Messpunkten im Stall gemessen und aus den Werten der
Durchschnitt gebildet.

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C Stallklima, Licht, Lärm

Messung in Richtung des


natürlichen Lichts

Messung im 90 ° Winkel nach


oben gedreht

© HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Abbildung 19: Messung der Lichtstärke in zwei Ebenen (1)

© HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Abbildung 20: Messung der Lichtstärke in zwei Ebenen (2)

Erfüllt, wenn im Aktivitätsbereich der Tiere über mindestens 8 Stunden am Tag eine
Lichtstärke von mind. 40 Lux gegeben ist.

Empfehlung Das Ziel soll ein heller Stall sein!


Es ist zu beachten, dass verschmutzte Fensterflächen, Vordächer oder
unmittelbar angrenzende Bauten den Lichteinfall durch die Fenster erheblich
mindern können. Auch die Lage der Fenster (Wand- oder Deckenfläche, in den
Längs- oder Stirnwänden) und die Himmelsrichtung beeinflussen den
Lichteinfall.
Bei künstlicher Beleuchtung sollte bei gleichmäßiger Aufteilung der Lampen
mindestens folgende elektrische Leistung erreicht werden:
 Bei Leuchtstofflampen: 1,5 Watt/m² Bodenfläche
 Bei Glühlampen: 4 Watt/m² Bodenfläche
Bei Verwendung von natürlichem Licht ist ein Sensor zu empfehlen, der
automatisch Kunstlicht zuschaltet, wenn die natürliche Beleuchtung nicht
ausreicht.

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C Stallklima, Licht, Lärm

Bedeutung  Ermöglicht das Sehen der Tiere – hilft Verletzungen zu vermeiden


 Lichteinwirkung auf die Tiere geht in erster Linie über die Augen
 Positiver Einfluss auf das Wohlbefinden und das Leistungsvermögen der
Tiere
 Positiver Einfluss auf die Fruchtbarkeit
 Unabdingbar für die Tierkontrolle

Übergangsfrist Keine.

C 7 Der Lärmpegel wird so gering wie möglich gehalten und


dauernder oder plötzlicher Lärm wird vermieden
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.5.: Der Lärmpegel ist so gering wie möglich zu halten. Dauernder
oder plötzlicher Lärm ist zu vermeiden. Die Konstruktion, die Aufstellung, die Wartung
und der Betrieb der Belüftungsgebläse, Fütterungsmaschinen oder anderer Maschinen
sind so zu gestalten, dass sie so wenig Lärm wie möglich verursachen.

Erhebung Es wird festgestellt, ob sich dauernde Lärmquellen im Stall befinden, die eine
Lärmbelästigung für die Tiere bedeuten. Insbesondere sind Lüftungsanlagen
(Ventilatoren), Fütterungsmaschinen oder andere Maschinen zu kontrollieren.
Bei starker Lärmentwicklung ist zu kontrollieren, ob die Anlagen durch
mangelhafte Konstruktion und Wartung bzw. unsachgemäßen Betrieb mehr
Lärm als üblich verursachen. Diese Ursachen sind zu beseitigen (Schallschutz,
Aufstellungsort, ...).
Es sind nur solche Lärmquellen zu beurteilen, die seitens des Landwirts
beeinflussbar sind, z.B. nicht Straßenlärm oder übliche Tiergeräusche.

Erfüllt, wenn die Tiere nicht dauerndem oder plötzlichem Lärm ausgesetzt sind.

Empfehlung Zur genauen Beurteilung von Lärm kann eine Dezibel-Messung (db(A))
durchgeführt werden. Geräuschpegel von 85 db(A) oder sollten jedenfalls
vermieden werden. Folgender Vergleichswert kann als Anhaltspunkt dienen:
Bei 85 db(A) ist es nicht mehr möglich, ein Gespräch in normaler Lautstärke zu
führen.
Weitere Hinweise zur Einschätzung der Geräuschsituation im Stall:
Mechanische Lüftungen können als Folge der Ventilatorengeräusche sehr
unterschiedlich laut sein. Der Schallpegel im Tierbereich hängt von der
Lüfterbauart, der Lage der Ventilatoren und den Strömungswiderständen im
Lüftungssystem ab. Bei natürlicher (Schwerkraft-) Lüftung treten keine
Lüftungsgeräusche auf.

Bedeutung  Schutz vor Gesundheitsschäden (Gehör, …)


 Schutz vor erhöhtem Stress durch Lärm
Übergangsfrist Keine.

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D Tränke und Fütterung

D Tränke und Fütterung


D1 Die Tiere haben die Möglichkeit zur artgemäßen
Tränkwasseraufnahme aus einer freien Wasseroberfläche
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.6.: Die Wasseraufnahme muss aus einer freien Wasseroberfläche
möglich sein.
TSchG, § 17, Abs. 3: Die Tiere müssen entsprechend ihrem Bedarf Zugang zu einer
ausreichenden Menge Wasser von geeigneter Qualität haben.

TSchG, § 17, Abs. 5: Die Fütterungs- und Tränkeeinrichtungen […] müssen so gestaltet
sein, dass eine artgemäße Futter- und Wasseraufnahme möglich ist. Sie müssen so
angeordnet sein und betrieben werden, dass alle Tiere ihren Bedarf decken können.

Erhebung Überprüfen Sie ob die Tränkemöglichkeiten folgende Anforderungen für ein


artgemäßes Saugtrinken erfüllen:
 Freie Wasseroberfläche der Tränken
 Größe der Wasseroberfläche, Wassertiefe und Anbringungshöhe (auf
deutliche Abweichungen von den Empfehlungen überprüfen)
 Funktion der Tränkeeinrichtung: Insbesondere ist die
Wassernachlaufgeschwindigkeit auf deutliche Abweichungen von den
Empfehlungen zu überprüfen. Dies kann behelfsmäßig mit einem Eimer
unter der überlaufenden Tränke geschehen. Ein zischendes Geräusch
beim Trinken (eingesaugte Luft) kann ein Hinweis auf zu geringe
Wassernachlaufgeschwindigkeit sein.
Um die Funktionssicherheit von Tränken zu gewährleisten, müssen sie
mindestens einmal täglich kontrolliert werden (siehe E10). Im Außenklimastall
und in Ausläufen müssen Frostschutzmaßnahmen getroffen werden.
Bereits über 2 Wochen alte Kälber müssen ihren Wasserbedarf aus einer
freien Wasseroberfläche (d.h. nicht aus dem Nuckeleimer) decken können.

Erfüllt, wenn eine Tränkeeinrichtung mit einer freien Wasseroberfläche vorliegt, die ein
artgemäßes Saugtrinken ermöglicht.
Mit funktionierenden, ausreichend großen Schalentränken (Selbsttränkern)
oder Trogtränken kommen Sie dieser Forderung nach. Als unzulässig ist z.B.
das ausschließliche Angebot von Zapfentränken anzusehen.

Empfehlung Trogtränken: Richtig gestaltete Trogtränken kommen dem artgemäßen


Trinkverhalten sehr gut nach. Der Fassungsraum sollte mindestens 100 Liter,
in Herden über 20 Kühe mind. 200 Liter betragen. Durch diesen Vorrat können
große Wassermengen in kurzer Zeit aufgenommen werden, auch wenn der
Wassernachlauf geringer als die Trinkgeschwindigkeit ist. Bei Trogtränken mit
einem Wassernachlauf von 5 bis 9 l je Minute ist das natürliche Saugtrinken in
der Regel kein Problem. Der Wasserspiegel der Tränke sollte für Kühe ca.
85 cm über der Standfläche und 5 bis 10 cm unter dem Trogrand liegen.
Becken- oder Schalentränken: Bei der Schalentränke sollte der
Schalendurchmesser mindestens 27 cm (600 cm²) und die Schalentiefe

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D Tränke und Fütterung

mindestens 5 cm betragen. Von den Tieren betätigte Ventilhebel sollen eine


geringe Auslösekraft aufweisen. Zu bevorzugen sind ständig mit Wasser
gefüllte Schalentränken mit automatischem Wassernachlauf. Die Montagehöhe
von Schalentränken sollte für Kühe ca. 75 cm betragen. Die
Wassernachlaufgeschwindigkeit von Becken- oder Schalentränken sollte der
Trinkgeschwindigkeit der Tiere entsprechen und bei Kühen mind. 10 l pro
Minute, besser ca. 20 l pro Minute betragen.
Wenn eine Wassernachlaufgeschwindigkeit von mind. 20 l/min. sichergestellt
ist, können auch im Laufstall speziell dafür konstruierte Beckentränken
verwendet werden.

Bedeutung Das Rind gehört zur Gruppe der Saugtrinker. Beim natürlichen Saugtrinken
wird das Flotzmaul 3 bis 4 cm mit schräg gestelltem Kopf (etwa 60° Neigung)
bis zu den Nasenlöchern in die Wasseroberfläche eingetaucht. Die Trinkmenge
bei den durchschnittlich 30 Sekunden dauernden Trinkvorgängen beträgt etwa
10 l.
Wenn kein artgemäßes Trinken möglich ist, besteht die Gefahr, dass die Tiere
ihren Wasserbedarf nicht decken können und somit Gesundheit und Leistung
der Tiere beeinträchtigt werden und Verhaltensstörungen auftreten.
Bei Wassergabe über Nuckeleimer besteht bei Kälbern die Gefahr, dass das
Wasser unter Schluss der Schlundrinne in den Labmagen (anstatt
schluckweise in den Pansen) gelangt.

Übergangsfrist  Keine: für den Austausch von nicht entsprechenden Tränkern, die
Herstellung der Funktionssicherheit oder das Sicherstellen einer anderen
geeigneten Wasserversorgung (Eimer, Tröge).
 Bis spätestens 1. Jänner 2020: für den Neueinbau oder den Austausch von
Tränken, wenn dies mit einem Neueinbau oder Austausch von
Rohrleitungen verbunden ist.

D 2 Frei zugängliche funktionstüchtige Tränken sind in


ausreichender Anzahl vorhanden, sodass der Wasserbedarf der
Tiere gedeckt wird
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.6.: Bei Gruppenhaltung ist das Angebot an Tränkevorrichtungen
an die Gruppengröße anzupassen.
TSchG, § 17, Abs. 3: Die Tiere müssen entsprechend ihrem Bedarf Zugang zu einer
ausreichenden Menge Wasser von geeigneter Qualität haben

TSchG, § 17, Abs. 5: Die Fütterungs- und Tränkeeinrichtungen […] müssen so gestaltet
sein, dass eine artgemäße Futter- und Wasseraufnahme möglich ist. Sie müssen so
angeordnet sein und betrieben werden, dass alle Tiere ihren Bedarf decken können.

Erhebung  Es ist die Anzahl an funktionierenden Tränkeeinrichtungen festzustellen


und ins Verhältnis zur Anzahl der Tiere zu setzen.
 Weiters werden die Anbringungsorte der Tränken erhoben und auf deren
Zugänglichkeit überprüft – Stall, Auslauf, Weide. Auch für Kälber und
Jungtiere müssen diese erreichbar sein! Überprüfen Sie ebenso die

Handbuch Rinder Seite 75 von 119


D Tränke und Fütterung

Wasserversorgung in der Abkalbe- und Krankenbucht.


 Diese Frage gilt nicht für Kälber unter 2 Wochen.
Gedränge und vermehrte Auseinandersetzungen im Tränkebereich deuten auf
ungenügende Versorgung mit Tränkwasser hin. Sind in der Herde klinische
Zeichen einer Dehydratation (Austrocknung), z.B. Koteindickung, verminderte
Hautelastizität, eingesunkene Augäpfel, usw. vorzufinden, muss die Ursache
abgeklärt werden.

Erfüllt, wenn eine an die Tieranzahl angepasste Anzahl von funktionierenden Tränken an
gut zugänglichen Orten montiert ist. Diese Forderung ist jedenfalls erfüllt, wenn
die in den Empfehlungen angegebenen Werte eingehalten werden.

Empfehlung Laufstall:
Anzahl der Tränken: In Laufställen sind Trogtränken empfehlenswert. Eine
Trogtränke reicht für 15 bis max. 25 Rinder. Es ist jedoch von Vorteil, pro
Tiergruppe jedenfalls zwei Tränkestellen in möglichst großem Abstand
zueinander vorzusehen (Blockade einer Tränke durch ein ranghohes Tier!). Die
Tränken sollen so angeordnet sein, dass mehrere Tiere gleichzeitig trinken
können. Der Fassungsraum sollte mindestens 100 Liter, in Herden über
20 Kühe mind. 200 Liter betragen. Die Tränke sollten so lang sein, dass jedes
Tier 5 – 12 cm frei zugängliche Tränkelänge zur Verfügung hat (mind. 1 m
Tränkelänge für 15 Kühe, mind. 2 m Länge für 25 Kühe).
Wenn eine Wassernachlaufgeschwindigkeit von mind. 20 l/min. sichergestellt
ist, können auch im Laufstall speziell dafür konstruierte Beckentränken
verwendet werden. Es ist jeweils für ca. 7 Tiere eine Beckentränke
vorzusehen.
Freier Zugang zu den Tränken: In Laufställen sind die Tränken im
Laufbereich so anzuordnen, dass neben und hinter den trinkenden Tieren
ausreichend Frei- und Bewegungsräume verbleiben. Die Tränke soll von drei
Seiten frei zugänglich sein. Tränken sollen nicht in Sackgassen angebracht
werden. Der Laufgang in dem die Tränke montiert ist, soll für Kühe mind.
3,20 m Breite aufweisen. Falls in diesem Laufgang noch eine zweite
Zusatzfunktion angeboten wird (z.B. Heuraufe), soll er mind. 4,00 m breit sein.
Die größten Wassermengen werden nach dem Fressen und nach dem Melken
aufgenommen. Daher sollten die Tränken in der Nähe des Fressgitters bzw.
des Melkstandes angeordnet werden. Es sollte jedoch vermieden werden, die
Tränke im unmittelbaren Zu- und Abgangsbereich des Melkstandes,
unmittelbar beim Fressgitter oder in direkter Nachbarschaft zur
Kraftfutterstation anzubringen, da dies Behinderungen, Verdrängungen und
Verschmutzungen zur Folge haben kann.
Unter praktischen Bedingungen wird der Bedarf am besten gedeckt, wenn man
den Tieren stets Gelegenheit gibt, in häufigen Intervallen Wasser
aufzunehmen.
Anbindestall
Im Anbindestall sind für jeweils zwei nebeneinander liegende Stände (Doppel-)
Tränkebecken anzuordnen. Falls die Herde häufig umstrukturiert wird, die
Wassernachlaufgeschwindigkeit gering ist oder ausschließlich Heu gefüttert

Handbuch Rinder Seite 76 von 119


D Tränke und Fütterung

wird, ist es empfehlenswert, bei jedem Stand eine Tränke zu montieren.


Weiters hat sich das zusätzliche Angebot einer Trogtränke im täglich
zugänglichen Auslauf bewährt.
Eine ausreichende Anzahl von gut zugänglichen Tränken ist Voraussetzung für
Bedeutung
eine ausreichende Wasserversorgung jedes Tieres. Das Blockieren von
Tränken durch ranghohe Tiere wird verhindert. Auseinandersetzungen und
sozialer Stress werden vermindert.
Ist eine ausreichende Wasserversorgung jedes Tieres nicht gewährleistet,
kann es zu Leistungsabfall, Erkrankung oder Tod des Tieres kommen.

Tabelle 18: Richtwerte für den durchschnittlichen Wasserbedarf von


Rindern (ÖKL-BMBL 80, 2005)

Nutzungsrichtung Milchleistung Wasserbedarf [L/


Milchkühe [kg/Tier und Tier und Tag]
Tag]

Trockensteher 30 - 60

10 30 – 65

20 70 – 100

30 80 – 140

40 100 – 170

50 130 – 170

Jung- und Mastvieh bis 1


10 – 50
Jahr

Jung- und Mastvieh über


30 – 70
1 Jahr

Kälber (bis 6 Monate) 10 – 30

Tränkkälber (einschl.
5 – 20
Tränke)

Übergangsfrist Keine: für das Sicherstellen einer ausreichenden Wasserversorgung (ggf. mit
Eimern oder Trögen).

D 3 Das Tränkewasser ist nicht verunreinigt


Rechtsnormen TSchG, § 17, Abs. 3: Die Tiere müssen entsprechend ihrem Bedarf Zugang zu einer
ausreichenden Menge Wasser von geeigneter Qualität haben.
TSchG, § 17, Abs. 4: Futter und Wasser müssen in hygienisch einwandfreier Form
verabreicht werden.
TSchG, § 17, Abs. 5.: Die Fütterungs- und Tränkeeinrichtungen sind sauber zu halten…

Handbuch Rinder Seite 77 von 119


D Tränke und Fütterung

Erhebung  Es ist festzustellen, ob das Tränkwasser verschmutzt ist. (Verunreinigung


mit Kot, Harn, Futterresten, Algen, usw.)
 Es wird erfragt, ob eine regelmäßige Kontrolle und Reinigung der Tränken
erfolgt.
 Falls Hinweise auf eine bakteriologisch und chemisch bedenkliche
Wasserqualität vorliegen (bedenkliche Herkunft des Wassers,
entsprechende Erkrankungen des Tierbestandes, usw.) ist eine
Wasseruntersuchung durchzuführen.
Erfüllt, wenn das Tränkwasser nicht verunreinigt ist.

Empfehlung Verschmutzungen der Tränken durch Kot, Harn, Futterreste, Algen, Parasiten,
Fäulnis- oder andere Fremdstoffe sollen durch entsprechende
Tränkegestaltung (Kotabweisvorrichtungen: Pendelglocken bei Tränkebecken,
Trittstufen oder Schutzstangen bei Trogtränken) weitgehend vermieden
werden. Außerdem sollen die Tränken mindestens einmal pro Woche entleert
und gereinigt werden. Ablassventile (Ablaufstutzen so angeordnet, dass kein
Restwasser in der Tränke bleibt) und kippbare Tränkebecken ermöglichen eine
optimale Reinigung.
Wasser sollte den Tieren in Trinkwasserqualität angeboten werden. Wird das
Wasser nicht aus dem öffentlichen Wassernetz bezogen, ist eine
Untersuchung hinsichtlich bakteriologischer und chemischer Qualität
empfehlenswert. Die Anzahl an coliformen Keimen sollte unter 1000 Keime pro
Liter liegen.

Bedeutung Die Verschmutzung des Tränkwassers kann eine verminderte


Wasseraufnahme und Erkrankung der Tiere zur Folge haben. Auch Schmutz
am Boden einer Tränke beeinträchtigt den Geschmack des Wassers. Vor allem
bei warmem Wetter vermehren sich schnell Bakterien, das Wasser fängt an zu
stinken und es bestehen Gesundheitsgefahren.

Übergangsfrist Keine.

D 4 Über 2 Wochen alte Kälber haben zusätzlich zur Milch- oder


Milchaustauschertränke Zugang zu ausreichend Frischwasser oder
anderen geeigneten Flüssigkeiten
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 3.3.: Über zwei Wochen alte Kälber müssen über die Milch- oder
Milchaustauschertränke hinaus Zugang zu geeignetem Frischwasser oder anderen
Flüssigkeiten in ausreichender Menge haben, um ihren Flüssigkeitsbedarf decken zu
können.

Erhebung  Es ist festzustellen, ob Kälber, die älter als 2 Wochen sind, Zugang zu
geeignetem Frischwasser oder anderen geeigneten Flüssigkeiten in
ausreichender Menge haben. Bei der Haltung von Kälbern in
Außenklimaställen oder im Freien (Iglu, Kälberhütte) ist insbesondere die
Situation in Frostperioden zu beachten.
 Frischwasser oder andere geeignete Flüssigkeiten (Tee,

Handbuch Rinder Seite 78 von 119


D Tränke und Fütterung

Elektrolytgetränke, …) müssen zusätzlich zur Milch- oder


Milchaustauschertränke angeboten werden.
 Ausreichende Menge: Wird Wasser über Selbsttränkeeinrichtungen
verabreicht, muss eine ausreichende Wassernachlaufgeschwindigkeit bzw.
ein ausreichendes Fassungsvermögen der Tränke und eine freie
Zugänglichkeit für alle Tiere gegeben sein (vgl. Frage D 1 und 2). Werden
Kälber per Hand getränkt, muss der altersabhängige Wasserbedarf von
Kälbern (Anhaltspunkte liefert die Tabelle 19 in den Empfehlungen)
Berücksichtigung finden und der Vorrat an Wasser mind. 1 x täglich
erneuert werden.
Begriffe „geeignetes Frischwasser“ und „andere geeignete Flüssigkeiten“ vgl.
Glossar.

Erfüllt, wenn Kälber über 2 Wochen zusätzlich zur Milch- oder Milchaustauschertränke
 Zugang zu nicht verunreinigtem Tränkwasser oder anderen geeigneten
Flüssigkeiten haben, die
 in frei zugänglichen, funktionierenden Selbsttränkeeinrichtungen oder
ihrem Bedarf entsprechenden per Hand (Wasservorrat) verabreicht werden
Empfehlung  Wasser einwandfreier Qualität sollte den Kälbern bereits ab den ersten
Lebenstagen stets zur freien Aufnahme zur Verfügung stehen
(Trinkwasserqualität).
 Wasser in Vorratsbehältern soll täglich gewechselt werden.
 Das Wasser sollte bei kalter Witterung – besonders bei Aufstallung in Iglus
– stets leicht angewärmt werden.
Tabelle 19: Richtwerte für den durchschnittlichen Wasserbedarf von
Kälbern (ÖKL-BMBL 80, 2005)

Wasserbedarf [l/Tier und Tag]

Kälber (bis 6 Monate) 10 – 30

Tränkkälber (einschl. Tränke) 5 – 20

Der Wasserbedarf wird maßgeblich von Alter, Lebendmasse und


Gesundheitszustand der Tiere, Trockensubstanzgehalt des Futters und
Umgebungstemperaturen beeinflusst.

Bedeutung  Mit zunehmendem Alter wird der Flüssigkeitsbedarf durch die


Tagesmilchmenge nicht mehr gedeckt. Die Kälber müssen auch zwischen
den Tränkezeiten ihren Durst stillen können.
 Wasser stimuliert auch die Festfutteraufnahme und ist für ein
ausgeglichenes Vormagenmilieu erforderlich (Gesundheit, Leistung).
Übergangsfrist Keine: für die Herstellung der Funktionssicherheit von Tränken oder das
Sicherstellen einer anderen geeigneten Wasserversorgung (Eimer, Tröge).
Ebenso hat die Bereitstellung von nicht verunreinigtem Trinkwasser
unverzüglich zu erfolgen.

Handbuch Rinder Seite 79 von 119


D Tränke und Fütterung

D 5 Kälbern steht bei erhöhtem Flüssigkeitsbedarf, insbesondere


bei sehr hohen Temperaturen oder bei Krankheit, ständig
geeignetes Frischwasser zur Verfügung
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 3.3.: Bei erhöhtem Flüssigkeitsbedarf, insbesondere bei sehr hohen
Temperaturen oder bei Krankheit, muss in jedem Fall der ständige Zugang zu
geeignetem Frischwasser sicher gestellt sein.

Erhebung Es ist zu kontrollieren, ob an den Aufenthaltsorten der Tiere bei sehr hohen
Temperaturen oder bei Krankheit Frischwassertränken zur Verfügung stehen.
Von sehr hohen Temperaturen ist bereits zu sprechen, wenn die
Lufttemperatur längere Zeit über 25 °C liegt.
Dies gilt auch für Kälber unter 2 Wochen. Die Versorgung kann entweder
durch entsprechendes Management (Eimer etc., die immer mit Wasser gefüllt
sind) oder durch technische Einrichtungen (Wasserleitung mit Tränke) sicher
gestellt werden.
Begriff „geeignetes Frischwasser“ vgl. Glossar.

Erfüllt, wenn bei sehr hohen Temperaturen oder bei Krankheit den Kälbern ständig
geeignetes Frischwasser zur Verfügung steht.

Empfehlung Wasser in einwandfreier Qualität sollte Kälbern bereits ab den ersten


Lebenstagen stets zur freien Aufnahme zur Verfügung stehen
(Trinkwasserqualität).

Bedeutung Steht Kälbern in physiologisch besonders belastenden Situationen, wie bei


hohen Lufttemperaturen oder bei Krankheit, kein Frischwasser zur Verfügung,
leiden die Tiere unter Durst und es besteht die Gefahr einer
lebensbedrohlichen Erkrankung.

Übergangsfrist Keine.

D 6 Die Futterbarnsohle liegt mindestens 10 cm über dem


Standniveau
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.6.: Die Futterbarnsohle muss mindestens 10,00 cm über dem
Standniveau liegen

Erhebung Die Höhe der Futterbarnsohle wird vermessen.

mind. 10
© ÖKL

Abbildung 21: Vermessung der Futterbarnsohle

Handbuch Rinder Seite 80 von 119


D Tränke und Fütterung

Begriff „Futterbarnsohle“ vgl. Glossar.

Erfüllt, wenn die Futterbarnsohle mindestens 10 cm über dem Standniveau liegt. (Bei
Selbstfütterung muss die tiefste Ebene der Futteraufnahme mindestens 10 cm
über dem Standniveau liegen.)

Empfehlung In Laufställen ist zwischen ebenem Futtertisch und Standniveau der Tiere ein
Höhenunterschied von 25 bis 30 cm zu empfehlen. Das Futter muss mehrmals
täglich nachgeschoben werden.
In Anbindeställen sollte die Futterbarnsohle nicht höher als 12 cm sein, um
dem Tier beim Aufstehen den artgemäßen Kopfschwung zu ermöglichen.

Bedeutung Beim Fressvorgang auf der Weide nehmen Rinder mit den Vorderextremitäten
eine Schrittstellung ein. Beim Fressen am Fressgitter ist der Weideschritt nicht
möglich. Durch die hohe Anordnung der Futterbarnsohle und entsprechende
Futtertrog- und Fressgittergestaltung ist eine große Reichweite bei gleichzeitig
entspannter Körperhaltung möglich.

Übergangsfrist Keine. Die Übergangsfrist ist am 1. Jänner 2012 ausgelaufen.

D 7 Es ist sichergestellt, dass jedes einzelne Tier ausreichend


Nahrung aufnehmen kann
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.6.: Bei der Fütterung von Rindern in Gruppenhaltung ist
sicherzustellen, dass jedes einzelne Tier ausreichend Nahrung aufnehmen kann.
Werden Rinder in Gruppen rationiert oder unter zeitlich begrenzter Futtervorlage
gefüttert, muss für jedes Tier ein Fressplatz zur Verfügung stehen.
Werden Rinder in Gruppenhaltung ad libitum bei ganztägiger Futtervorlage gefüttert,
darf ein Tier-Fressplatz-Verhältnis von 2,5 : 1 nicht überschritten werden.

Erhebung Es ist die Anzahl der Tiere durch die Anzahl der zur Verfügung stehenden
Fressplätze zu teilen.
In (Mutterkuh-) Herden mit unterschiedlichen Tierkategorien (Kühe, Kälber,
Mastvieh, Zuchtstier) wird für die Berechnung des Tier : Fressplatz-
Verhältnisses jedes Tier über 6 Monate einbezogen. Für jüngere Tiere ist ein
eigener Fressbereich (Kälberschlupf mit eigenem Fressgitter, Heuraufe)
empfehlenswert. Bei Gruppenhaltung von Kälbern ohne ihre Mütter ist das
geforderte Tier : Fressplatz-Verhältnis jedenfalls einzuhalten.

Erfüllt, wenn  bei rationierter Fütterung oder zeitlich begrenzter Futtervorlage für jedes
Tier ein Fressplatz zur Verfügung steht.
 bei ad libitum Fütterung bei ganztägiger Futtervorlage mindestens ein
Fressplatz für 2,5 Tiere zur Verfügung steht
Empfehlung Es sollte für jedes Tier ein eigener Fressplatz vorhanden sein, damit
synchrones Fressen möglich ist.
Eine gleichartige Futtervorlage über die ganze Futtertischlänge (Ausnahme:

Handbuch Rinder Seite 81 von 119


D Tränke und Fütterung

unterschiedliche Leistungsgruppen) kann Auseinandersetzungen verringern.


Bei Kraftfutterstationen sollten folgende Punkte Berücksichtigung finden:
 Position des Automaten
 nicht in Sackgassen und anderen engen Stellen
 möglichst nicht am Melkstandausgang
 max. 25 – 30 Tiere pro Kraftfutterautomat
 vollständige seitliche Abschrankungen (2,5 m Länge)
 selbstschließende Doppeltüren oder am besten Ein- und Ausgangstüren
Bedeutung Rinder haben das Bedürfnis, gleichzeitig mit ihren Artgenossen zu fressen
(synchrones Verhalten). Bei einer zu geringen Anzahl an
Fütterungseinrichtungen ist ein synchrones Verhalten nicht möglich und es
besteht die Gefahr, dass sich rangniedere Tiere nicht ausreichend oder nur
unter erheblichem sozialem Stress mit Futter versorgen können, was deren
Gesundheit beeinträchtigen würde. Die zunehmende Konkurrenzsituation am
Fressgitter bedeutet auch eine Zunahme der sozialen Auseinandersetzungen
in diesem Bereich, und das Sozialverhalten der Herde wird insgesamt und
nachhaltig negativ beeinflusst.

Übergangsfrist Keine.
Das geforderte Tier : Fressplatz-Verhältnis ist unverzüglich durch Umstellung
des Fütterungsmanagements oder ggf. durch das Herausnehmen von Tieren
aus der Herde sicherzustellen.

D 8 Die Fressplatzbreite in Laufställen entspricht den Werten in D 8


in der Tabelle
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.6.: Bei der Fütterung von Rindern in Gruppenhaltung ist
sicherzustellen, dass jedes einzelne Tier ausreichend Nahrung aufnehmen kann. […]
Die Mindestmaße für Fressplätze in Gruppenhaltungssystemen betragen:
Tabelle 20: [D8 Mindestmaße für Fressplätze in Gruppenhaltungssystemen]

1 2
Tiergewicht Fressplatzbreite

bis 150 kg 40 cm/Tier

bis 220 kg 45 cm/Tier

bis 350 kg 55 cm/Tier

bis 500 kg 60 cm/Tier

bis 650 kg 65 cm/Tier

über 650 kg 75 cm/Tier


1
im Durchschnitt der Gruppe
2
Diese Werte können für den einzelnen Fressplatz bei rationierter Fütterung um bis zu
10% reduziert werden, wenn die gesamte Fressplatzlänge dem Produkt aus der

Handbuch Rinder Seite 82 von 119


D Tränke und Fütterung

Tierzahl multipliziert mit den Fressplatzbreiten entspricht

Erhebung  Messen Sie die Fressplatzbreite als Achsmaß.

Fressplatzbreite

© HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Abbildung 22: Messung der Fressplatzbreite am Fressgitter

 Die Mindestmaße können für den einzelnen Fressplatz bei rationierter


Fütterung um bis zu 10 % reduziert werden, wenn die gesamte
Fressgitterlänge dem Produkt aus der Tierzahl multipliziert mit den
Fressplatzbreiten entspricht. Dies kann z.B. aufgrund der Stützenstellung
im Fressgitterbereich erforderlich werden.
 Bei fehlender Fressplatzunterteilung (z.B. Nackenriegel) ist die gesamte
Fressplatzlänge zu messen und durch die Anzahl der geforderten
Fressplätze (bei rationierter Fütterung = Tierzahl, bei ad libitum Fütterung =
Tierzahl/2,5) zu dividieren.
 In (Mutterkuh-)Herden mit unterschiedlichen Tierkategorien (Kühe, Kälber,
Mastvieh, Zuchtstier) sind zwei Varianten möglich:

– Gemeinsamer Fressbereich: Nützen unterschiedliche Tierkategorien


das gleiche Fressgitter müssen die Fressplätze so breit sein, dass sie
für die größte Tierkategorie (meist Kühe) passen.
– Getrennte Fressbereiche: Es können aber auch für die einzelnen
Tierkategorien jeweils eigene Fressgitterabschnitte vorgesehen
werden. Im jeweiligen Fressgitterabschnitt muss die Fressplatzbreite
für das durchschnittliche Tiergewicht dieser Gruppe passend sein.
Erfüllt, wenn  jeder Fressplatz mindestens die in der
 Tabelle 20 dargestellte Breite aufweist oder
 bei rationierter Fütterung die gesamte Fressgitterlänge ausreichend ist und
der einzelne Fressplatz den Mindestwert um höchstens 10 %
unterschreitet.
Empfehlung Die Fressplatzbreite pro Tier sollte im Allgemeinen das 1,33fache der
Schulterbreite der Tiere betragen. Bei saisonal gehäuften Abkalbungen und
einem großen Anteil hochträchtiger Kühe in der Herde soll eine
Fressplatzbreite von 1,5 x Schulterbreite angestrebt werden. Behornte Kühe
sollen einen mindestens 10 % breiteren Fressplatz als unbehornte zur
Verfügung haben.

Bedeutung Bei zu geringer Fressplatzbreite besteht die Gefahr, dass insbesondere


rangniedere Tiere, wenn sie neben ranghöheren stehen, ihre Futteraufnahme
reduzieren. Weiterhin leiden diese Tiere unter erheblichen Stress. Dies kann
zu Leistungsabfall und auch zu erhöhter Krankheitsanfälligkeit der Tiere

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D Tränke und Fütterung

führen.

Übergangsfrist Keine. Seit 1. Jänner 2012 müssen die Fressplatzbreiten den Vorgaben
entsprechen, auch wenn das gesamte Fressgitter auszutauschen war.
1. Jänner 2020: wenn das gesamte Fressgitter ausgetauscht werden muss,
und die Fressplatzbreite den zuvor gültigen landesrechtlichen Bestimmungen
entsprochen hat.

D 9 Futter und Fütterungseinrichtungen entsprechen den


Bedürfnissen der Tiere
Rechtsnormen TSchG, § 17, Abs.1: Art, Beschaffenheit, Qualität und Menge des Futters müssen der
Tierart, dem Alter und dem Bedarf der Tiere entsprechen. Das Futter muss so
beschaffen und zusammengesetzt sein, dass die Tiere ihr arteigenes mit dem Fressen
verbundenes Beschäftigungsbedürfnis befriedigen können.
TSchG, § 17, Abs. 2: Die Verabreichung des Futters hat die Bedürfnisse der Tiere in
Bezug auf das Nahrungsaufnahmeverhalten und den Fressrhythmus zu
berücksichtigen.
TSchG, § 17, Abs. 5: Die Fütterungs- und Tränkeeinrichtungen […] müssen so gestaltet
sein, dass eine artgemäße Futter- und Wasseraufnahme möglich ist. Sie müssen so
angeordnet sein und betrieben werden, dass alle Tiere ihren Bedarf decken können.
1. ThVO, Anlage 2, 2.6.: Bei der Fütterung von Rindern in Gruppenhaltung ist
sicherzustellen, dass jedes einzelne Tier ausreichend Nahrung aufnehmen kann.

Erhebung  Es ist der Nährzustand der Herde zu beurteilen. (Als mögliche Methode zur
Beurteilung der Körperkondition kann der Body Condition Score dienen).
 Es ist festzustellen, ob bestandsweise gehäuft ernährungsbedingte
Erkrankungen oder Verhaltensstörungen auftreten (vgl. Empfehlungen).
Eine regelmäßige Dokumentation im Stallbuch erleichtert den Überblick
über die Herde.
Erfüllt, wenn der Nährzustand der Herde als gut eingestuft werden kann und auch sonst
nicht gehäuft auffällige, ernährungsbedingte Gesundheitsstörungen in der
Herde auftreten.

Empfehlung Es sollen folgenden Punkte beachtet werden:


 unter Berücksichtigung der Nutzungsrichtung eine weitestgehend
wiederkäuergerechte und leistungsgerechte Ration verfüttern:

– leistungsgerecht: Energie-, Eiweiß-, Mineral- und Wirkstoffbedarf


– wiederkäuergerecht:
□ Mindestanforderung bei Milchkühen: 40 – 45 % Heu, Grassilage,
Weide, an der Gesamt-Trockensubstanz
□ oder 18 % Rohfaser in der Gesamt-Trockensubstanz (davon rund
2/3 langfaserig)
□ Mindestanforderungen bei Maststieren: Rohfaseranteil von mind.
12 % in der Gesamttrockensubstanz bzw. mind. 1 kg
Trockensubstanz aus strukturiertem Raufutter

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D Tränke und Fütterung

 Interpretation von Milchinhaltsstoffen


 Kotbeurteilung
 ernährungsbedingte Erkrankungen: z.B. Pansenacidose, Blähungen
(Tympanien), Ketose, Milchfieber, Labmagenverlagerung, Weidetetanie,
Kalzinose, Klauenrehe, Fruchtbarkeitsprobleme, …
 typische Verhaltensstörungen (z.B. Zungenschlagen, Lecksucht, …)
 entspanntes Stehen bei der Futteraufnahme (zum Futtertisch hin um 15 -
20° geneigtes Fressgitter, Futter für alle Tiere gut erreichbar)
 ganztägige bzw. häufig frische Futtervorlage (dem Fressrhythmus der
Tiere entsprechend)
 Auf der Weide soll auf eine ausreichende Aufwuchshöhe geachtet und
bedarfsgerecht zugefüttert werden.
 langsamer Futterwechsel (damit die Vormagenmikroflora sich diesen
veränderten Bedingungen anpassen kann)
 5 – 7 % Futterreste sind notwendig (ausreichende Futterversorgung)
Bedeutung Die Fütterung beeinflusst entscheidend Gesundheit, Verhalten und Leistung
der Tiere. Die Beschäftigung von Rindern erfolgt in erster Linie über eine
wiederkäuergerechte Fütterung, die zu langen Fress- und Wiederkauzeiten
führt.

Übergangsfrist Keine.

D 10 Futter und Fütterungseinrichtungen sind nicht verunreinigt


Rechtsnormen TSchG, § 17, Abs. 4: Futter und Wasser müssen in hygienisch einwandfreier Form
verabreicht werden.
TSchG, § 17, Abs. 5.: Die Fütterungs- und Tränkeeinrichtungen sind sauber zu
halten….

TSchG, § 5.:
(1) Es ist verboten, einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden
zuzufügen oder es in schwere Angst zu versetzen.
(2) Gegen Abs. 1 verstößt insbesondere, wer
11. einem Tier Nahrung oder Stoffe vorsetzt, mit deren Aufnahme für das Tier
offensichtliche Schmerzen, Leiden, Schäden oder schwere Angst verbunden sind.

Erhebung Es wird festgestellt,


 ob das Futter verunreinigt oder verdorben ist (Verschmutzungen,
Fremdstoffe, Schimmel, Erde, Sand, Fäulnis, Pilzgifte, Schädlinge, usw.)
und
 ob die Fütterungseinrichtungen sauber sind (v. a. keine alten
Schmutzkrusten) und
 wie oft und in welcher Form sie gereinigt werden.

Erfüllt, wenn  das Futter keine über das normale Ausmaß hinausgehenden
Verunreinigungen aufweist,
 nicht verdorben ist und
 die Fütterungseinrichtungen sauber sind.

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D Tränke und Fütterung

Empfehlung Für die grobsinnliche Beurteilung von Futtermitteln sind im wesentlichen


folgende Punkte zu beachten:
 Farbe
 Griff
 Geruch (bei Getreide evtl. auch Geschmack)
 Verunreinigungen, Beimengungen
 Besteht die Vermutung, dass die Nahrung qualitativ unzureichend oder gar
schädlich ist, so empfiehlt es sich eine Futterprobe an ein mit solchen
Untersuchungen vertrautes Institut einzusenden.
 Nicht gefressenes Futter soll so oft wie möglich entfernt werden, um
Futterverderbnis zu verhindern, die Geruchsbildung einzugrenzen und
keine Fliegen und Nager anzulocken.
 Der Futterbarn sollte eine glatte Oberfläche aufweisen (gut reinigbar).
 Tränkeeimer sollten nach jeder Benutzung mit heißem Wasser gereinigt
und zwischen den Tränkezeiten trocken (umgestülpt) gelagert werden. Die
Saugnippel sollten regelmäßig zerlegt und gereinigt sowie
erforderlichenfalls ausgetauscht werden (gefährliche Infektionsquellen).
Bedeutung Rinder haben einen ausgeprägten Geruchs- und Geschmacksinn.
Verunreinigtes Futter kann zu vermindertes Futteraufnahme,
Leistungsdepression und Erkrankungen (Verdauungsstörungen, Vergiftungen,
…) führen.

Übergangsfrist Keine.

D 11 Alle Kälber werden mindestens zweimal täglich gefüttert


Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 3.3.: Alle Kälber müssen mindestens zweimal täglich gefüttert
werden.

Erhebung Es wird festgestellt, wie oft die Kälber pro Tag gefüttert werden
(Fütterungseinrichtungen, Management hinterfragen).

Erfüllt, wenn alle Kälber mindestens zweimal täglich gefüttert werden und der Nährzustand
der Tiere gut ist.

Empfehlung Häufiges Tränken junger Kälber mit geringen Mengen ist besser als seltenes
Tränken mit großen Mengen.

Bedeutung Hunger, Leistungsabfall, Erkrankung.

Übergangsfrist Keine.

D 12 Kälber erhalten ab Beginn der 2. Lebenswoche ausreichend


Raufutter
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 3.3.: Insbesondere muss ab Beginn der zweiten Lebenswoche
Raufutter mit ausreichendem Rohfasergehalt in steigenden Mengen so zur Verfügung

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D Tränke und Fütterung

gestellt werden, dass die Mindestmenge für acht Wochen alte Kälber 50 g und für
20 Wochen alte Kälber 250 g beträgt.

Erhebung Es wird festgestellt bzw. erfragt, ob Raufuttermittel (Heu, Stroh) den Kälbern in
entsprechender Menge zur Verfügung gestellt werden. Die Raufuttergabe
muss mit Anfang der zweiten Lebenswoche beginnen und so gesteigert
werden, dass
 8 Wochen alte Kälber mindestens 50 g und
 20 Wochen alte Kälber mindestens 250 g Raufutter erhalten.
Bei der Erhebung kann z.B. auf das Vorhandensein von Futterraufen oder
Heu- bzw. Strohresten in der Bucht geachtet werden.

Erfüllt, wenn alle Kälber spätestens vom 8. Lebenstag an Heu, Stroh oder anderes Raufutter
(mit ausreichendem Rohfasergehalt) in mit dem Alter steigenden Mengen
erhalten.

Empfehlung Kälber sollen strukturiertes und hygienisch einwandfreies Raufutter erhalten.


Zartes Heu bester Qualität, 1. Schnitt blattreich, eignet sich sehr gut. Das
Angebot soll ad libitum erfolgen. Eine Raufe wird empfohlen, da Stroh etc. am
Boden schnell verschmutzt und nicht mehr als Raufuttergabe betrachtet
werden kann. Beim Anbieten des Raufutters am Boden soll dieses 2 x täglich
erneuert werden.

Bedeutung Durch frühes Anbieten von Wasser, Heu und Kraftfutter wird die
Vormagenentwicklung der Kälber gefördert, Eisenmangel verhindert und dem
Beschäftigungsbedürfnis der Kälber nachgekommen.

Übergangsfrist Keine.

D 13 Die tägliche Futterration der Kälber enthält genügend Eisen


Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 3.3.: Die tägliche Futterration muss genügend Eisen enthalten,
damit ein durchschnittlicher Hämoglobinwert von mindestens 4,5 mmol/l Blut
gewährleistet ist.

Erhebung Es wird festgestellt, welche Futterration die Kälber erhalten und anhand der
verwendeten Futtermittel auf die Eisenversorgung der Kälber geschlossen. Bei
Verdacht, dass das Futter zu wenig Eisen enthalten könnte (z.B. Milchmast),
ist die Entnahme von Blutproben angezeigt (Tierärztin/ Tierarzt). Anzeichen auf
Anämie (blasse Schleimhäute, Trägheit, rasche Atem- und Pulsfrequenz,
verminderte Sauflust, Wachstumsverzögerung, Lecksucht, etc.) sind zu
berücksichtigen.
Beim durchschnittlichen Hämoglobinwert handelt es sich um den auf die
Kälbergruppe bezogenen durchschnittlichen Hämoglobinwert.

Erfüllt, wenn aufgrund der Futterration und fehlenden Anzeichen auf Anämie auf eine
ausreichende Eisenversorgung geschlossen werden kann oder wenn im
Verdachtsfall eine Blutprobe einen durchschnittlichen Hämoglobinwert von

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D Tränke und Fütterung

mind. 4,5 mmol/l zeigt.

Empfehlung Milch weist einen sehr niedrigen Eisengehalt auf (4 mg/kg T). Eine
ausreichende Eisenversorgung ist durch die Verfütterung von Raufutter (Heu,
Stroh) und Kraftfutter zu gewährleisten.
In Milchaustauscher-Alleinfutter für Kälber bis zu einem Gewicht von 70 kg
sollen mindestens 30 mg Eisen je kg, bezogen auf Alleinfuttermittel mit 88 %
Trockensubstanz enthalten sein. Milchaustauschfuttermittel für Aufzuchtkälber
sollen mindestens 60 mg Eisen enthalten. Ergänzungsfuttermittel zu
Magermilch für Aufzuchtkälber sollen mindestens 120 mg Eisen enthalten
(über 200 g pro Tier und Tag). Milchaustauschfuttermittel I für Mastkälber
sollen mindestens 40 mg Eisen enthalten.

Bedeutung Die vor allem in Leber und Milz eingelagerten Eisen-Vorräte neugeborener
Kälber reichen bei ausschließlichem Verfüttern von Milch nur etwa 3 – 4
Wochen lang zur Aufrechterhaltung der Hämoglobinbildung aus, weil Kuhmilch
ausgesprochen eisenarm ist.
Die Folge ist Anämie, welche neben den Symptomen (wie blasse
Schleimhäute, verminderte Sauflust, rascher Ermüdung, Trägheit, …) zu
zurückbleibendem Wachstum, Schwächung der Widerstandskraft und
sekundären Erkrankungen führen kann.

Übergangsfrist Keine.

D 14 Kälber erhalten nach der Geburt so schnell wie möglich


Biestmilch (auf jeden Fall innerhalb der ersten 6 Lebensstunden)
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 3.3.: Kälber müssen so schnell wie möglich nach der Geburt, auf
jeden Fall innerhalb der ersten sechs Lebensstunden, Rinderkolostralmilch erhalten.

Erhebung Es wird erfragt, wann die Kälber Biestmilch (Rinderkolostralmilch) erhalten.


Hierzu kann die Art der Versorgung der Kälber mit Biestmilch erfragt werden,
um die Plausibilität zu überprüfen (Kalb saugt an der Kuh, Kuh wird gemolken,
Kolostrumpool etc.).

Erfüllt, wenn neugeborene Kälber innerhalb der ersten 6 Lebensstunden


Rinderkolostralmilch erhalten.

Empfehlung Die Versorgung mit Biestmilch sollte aus eigenem Interesse, sogar innerhalb
der ersten zwei Lebensstunden, mit mindestens zwei Litern erfolgen.
Nach weiteren ca. 3 Stunden sollte es nochmals etwa 1,5 – 2 l Erstkolostrum
aufnehmen.
Eingefrorenes Erstkolostrum älterer Kühe für „Notfallsituationen“ zur Verfügung
halten („Notfallsituation“: Kuh wurde erst kurze Zeit vor dem Abkalbetermin
zugekauft, Kuh gibt keine/ nicht ausreichend Milch, Tod der Kuh, …)

Bedeutung Auf Grund der besonderen Verhältnisse der Gebärmutter des Rindes bekommt

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D Tränke und Fütterung

das Kalb die Antikörper (= Schutzstoffe) gegen die stallspezifischen Erreger


nicht über das Blut schon während der Trächtigkeit, sondern ausschließlich
über die Biestmilch (= Kolostrum). Darin sind die Schutzstoffe besonders
angereichert. Zudem ist das Kolostrum sehr reich an Vitaminen und anderen
Wirkstoffen. (Antikörpergehalt in Biestmilch ist ca. 100-mal höher als in
Normalmilch). Die Kolostrumaufnahme aus dem Darm ist in den ersten
3 Lebensstunden besonders gut.

Übergangsfrist Keine.

D 15 Kälber werden ihrem Alter, ihrem Gewicht und ihren


Bedürfnissen entsprechend ernährt
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 3.3.: Kälber müssen ihrem Alter, ihrem Gewicht und ihren
verhaltensmäßigen und physiologischen Bedürfnissen entsprechend ernährt werden.

Erhebung  Es ist der Nährzustand der Kälberherde zu beurteilen.


 Es ist festzustellen, ob häufig typische ernährungsbedingte Erkrankungen
auftreten (vgl. Empfehlungen). Eine regelmäßige Dokumentation im
Stallbuch erleichtert den Überblick über die Herde.
Erfüllt, wenn der Nährzustand der Tiere im Durchschnitt als gut eingestuft werden kann und
auch sonst nicht gehäuft ernährungsbedingte Gesundheitsstörungen in der
Herde auftreten.

Empfehlung Neben den bereits durch andere Fragen (D 11 – D 14) abgedeckten


Bedürfnissen von Kälbern kann zur weiteren Orientierung festgestellt werden,
ob
 durch die Rationsgestaltung der Energie- und Nährstoffbedarf und der
Mineral- und Wirkstoffbedarf der Tiere bedeckt ist,
 die Tränkemenge pro Mahlzeit angemessen und Tränkezubereitung und
-temperatur passend sind;
 gehäuft ernährungsbedingte Erkrankungen in der Herde auftreten, z.B.
Verdauungsstörungen (Pansenacidose [Pansentrinken], Aufblähen
(Tympanie), Durchfall, …) Vergiftungen, Mangelerscheinungen (Rachitis,
Anämie, …);
 gehäuft hauptsächlich ernährungsbedingte Verhaltensstörungen (z.B.
gegenseitiges Besaugen, Zungenspielen, Lecksucht, …) auftreten;
 die Tiere ihrem Fressrhythmus entsprechend regelmäßig Futter
aufnehmen können.
 Die Tränkeverabreichung über Nuckeleimer kommt bei richtiger
Positionierung des Nuckeleimers dem Trinken an der Kuh am nächsten.
 Durch frühes Anbieten von Wasser, Heu und Kraftfutter wird die
Vormagenentwicklung der Kälber gefördert.
Gegenseitiges Besaugen tritt vor allem dann auf, wenn das Saugbedürfnis des
Kalbes nicht befriedigt ist. Die Tränkedauer von 1 – 5 Minuten ist zu kurz im
Vergleich zum natürlichen Saugakt von 10 min. an der Mutterkuh.

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D Tränke und Fütterung

Maßnahmen gegen Besaugen:


 Erhöhung des Saugwiderstandes durch kleinere Öffnungen des
Saugnuckels
 Erhöhung der Häufigkeit der Saugakte
 Verbesserung der Umweltbedingungen (Außenhaltung, Offenfront)
 Raufutter, Beschäftigungsmaterial,
 15 min. nach Tränke einsperren (Einsperrfressstände, Einsperrfressgitter)
 beim Absetzen ausreichend Energie und Rohfaser im Futter
Bedeutung Hunger (Nährstoffbedarf erfüllen), Leistungsabfall (Gewichtsentwicklung),
Erkrankung (geschwächte Immunabwehr, Indigestion, Anämie),
Verhaltensstörungen, Pansenentwicklung

Übergangsfrist Keine.

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E Betreuung

E Betreuung
E 1 Die Tiere werden von fachkundigen Personen betreut, gepflegt
und kontrolliert
Rechtsnormen TSchG, § 14: Für die Betreuung der Tiere müssen genügend Betreuungspersonen
vorhanden sein, die über die erforderliche Eignung sowie die erforderlichen Kenntnisse
und beruflichen Fähigkeiten verfügen.
1. ThVO, § 3: Die erforderliche Eignung sowie die erforderlichen Kenntnisse und
beruflichen Fähigkeiten zur Betreuung von Tieren der Tierarten gemäß § 1 liegen
jedenfalls dann vor, wenn
1. die Betreuungsperson über eine einschlägige akademische oder schulische
Ausbildung verfügt, oder
2. die Betreuungsperson über eine Ausbildung als Tierpfleger verfügt, oder

3. die Betreuungsperson nachweislich über eine außerschulisch-praktische Ausbildung


einschließlich Unterweisung verfügt, oder […]
5. die Betreuungsperson auf Grund eines Staatsvertrages im Rahmen der europäischen
Integration über eine als gleichwertig anerkannte oder zu geltende Ausbildung verfügt,
oder
6. sonst aus dem Werdegang oder der Tätigkeit der Betreuungsperson glaubhaft ist,
dass sie die übliche erforderliche Versorgung der gehaltenen Tiere sicherstellen und
vornehmen kann.

Erhebung Es wird festgestellt,


 wer die Betreuung der Tiere vornimmt, und
 ob die Betreuungspersonen die erforderliche Eignung und Kenntnisse
aufweisen.
Erfüllt, wenn die Betreuungsperson über die erforderliche Eignung sowie die erforderlichen
Kenntnisse und beruflichen Fähigkeiten verfügt und dies spätestens mit
1. Jänner 2008 nachweisen kann.
Dies ist jedenfalls gegeben bei
 Abschluss eines Studiums der Landwirtschaft, Veterinärmedizin, Zoologie
oder einer vergleichbaren Studienrichtung, oder
 Abschluss einer Höheren Bundeslehranstalt mit tierhalterischer
Ausbildung, oder
 Abschluss einer Berufs- oder Fachschule mit tierhalterischer Ausbildung,
oder
 Abschluss einer Tierpflegerausbildung, oder
 Abschluss einer außerschulischen tierhalterischen Ausbildung
einschließlich Unterweisung, oder
 Abschluss einer durch Staatsvertrag anerkannten tierhalterischen
Ausbildung, oder
 wenn aus dem Werdegang oder der Tätigkeit (z.B. landwirtschaftlicher
Tierhaltungspraxis) entsprechende Kenntnisse der Tierhaltung glaubhaft
gemacht werden können.

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E Betreuung

Empfehlung Jede Betreuungsperson sollte ein Grundwissen über den Umgang, die
Haltung, Ernährung, Pflege und die Krankheiten von landwirtschaftlichen
Nutztieren besitzen. Die Person soll u. a. dazu imstande sein, zu erkennen, ob
Anzeichen einer Krankheit oder Verletzung der Tiere vorliegen sowie ob die
Haltungseinrichtungen in funktionsfähigem Zustand sind.
Es sollte auch bedacht werden, dass bei Erkrankung des Tierbetreuers eine
entsprechende Versorgung der Tiere sichergestellt ist.

Bedeutung Bei Personal mit zu geringer Erfahrung im Umgang und Management von
Nutztieren besteht die Gefahr, dass die Gesundheit und das Wohlbefinden der
Tiere beeinträchtigt werden.

Übergangsfrist Keine.

E 2 Für die Betreuung der Tiere sind genügend


Betreuungspersonen vorhanden
Rechtsnormen TSchG, § 14: Für die Betreuung der Tiere müssen genügend Betreuungspersonen
vorhanden sein, ....

Erhebung Es wird festgestellt,


 wie viele Personen die Tierbetreuung durchführen,
 in welchem Zustand sich die Tiere befinden (Zustand von Haut, Haarkleid,
Sauberkeit der Tiere, Ernährungszustand, Verletzungen, …)
 in welchem Zustand sich der Stall und die Stalleinrichtung befindet
(Ordnung und Sauberkeit im Stall, technischer Zustand der
Stalleinrichtungen, Zustand und Wartung der Melktechnik)
Der Zustand der Tiere gibt Auskunft darüber, ob die übliche erforderliche
Versorgung der Tiere sichergestellt ist. Die Tiere dürfen nicht vernachlässigt
oder in schlechtem Zustand sein.
Insbesondere sollen die Tiere sauber gehalten werden (keine übermäßige
Verschmutzung). Sind die Tiere infolge der Haltungsbedingungen in der
Ausübung des eigenen Pflegeverhaltens behindert oder eingeschränkt, sollen
sie von der Tierhalterin bzw. dem Tierhalter regelmäßig entsprechend gepflegt
werden. Gesundheitsprobleme oder Verletzungen, die schon lange hätten
behandelt werden müssen, unterlassene Pflegemaßnahmen (lange Klauen,
Räude, Läuse, …) aber auch übermäßig häufige Krankheitsfälle und
krankheitsbedingte Abgänge aus dem Bestand können Signale für
ungenügender Betreuung sein.
Fachlich qualifizierte BetriebsleiterInnen können einschätzen, wie viele
Personen für die notwendige Betreuung der Tiere vorhanden sein müssen.

Erfüllt, wenn aufgrund des Zustandes der Tiere und der Stalleinrichtung darauf geschlossen
werden kann, dass genügend entsprechend qualifizierte Personen für die
Tierbetreuung vorhanden sind, die die übliche erforderliche Versorgung der
gehaltenen Tiere sicherstellen können.

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E Betreuung

Empfehlung Auch die Reaktion der Tiere auf die TierbetreuerInnen (ruhig-aufmerksam-
zutraulich oder ängstlich-schreckhaft-nervös, Ausweichdistanz der Tiere) bzw.
der beobachtbare Umgang der TierbetreuerInnen mit den Tieren (ruhig-
freundlich-bestimmt oder ungeduldig-nervös-grob) kann Auskunft über die
Qualität der Tierbetreuung geben.

Bedeutung Wenn nicht genügend Betreuungspersonen für die Betreuung der Tiere
vorhanden sind, werden die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere
beeinträchtigt.

Übergangsfrist Keine.

E 3 Die Anbindevorrichtung wird regelmäßig den Körpermaßen der


Tiere angepasst und kann die Tiere nicht verletzen
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2. 7: Es ist sicherzustellen, dass die Anbindevorrichtungen die Tiere
nicht verletzen können. Ketten, Seile, Halsbänder oder andere Anbindevorrichtungen
sind regelmäßig auf ihren Sitz zu überprüfen und den Körpermaßen der Tiere
anzupassen.
TSchG, § 18 Absatz 2: Die Unterkünfte sowie die Vorrichtungen, mit denen die Tiere
angebunden oder räumlich umschlossen werden, sind so auszuführen und zu warten,
dass die Tiere keine Verletzungen insbesondere durch scharfe Kanten oder
Unebenheiten erleiden könnten.

Erhebung  Es wird festgestellt, ob die Anbindevorrichtung den Körpermaßen


angepasst eingestellt ist. (Faustregel: mindestens eine Handbreite Platz
zwischen Tierhals und Anbindekette bzw. Gurt).
 Es wird festgestellt, ob die Anbindevorrichtung technische Mängel
aufweist, die für die Tiere verletzungsträchtig sein könnten (z.B.
hervorstehende Nägel oder Schrauben, scharfe Kanten…).
 Es werden die Tiere im Hals- und Nackenbereich auf Technopathien
(= durch die Aufstallung verursachte Verletzungen) untersucht.
Erfüllt, wenn die Anbindevorrichtung den Körpermaßen angepasst eingestellt ist und keine
technischen Mängel aufweist, sodass Technopathien im Hals- und
Nackenbereich der Tiere vermieden werden.

Empfehlung Anbindevorrichtungen sollen mindestens wöchentlich auf beschwerdefreien


Sitz überprüft und erforderlichenfalls angepasst werden. Die Anbindung mittels
eines Halsgurtes ist der alleinigen Kettenanbindung vorzuziehen.

Bedeutung Verhinderung von Leiden und Schmerzen.

Übergangsfrist Keine.

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E Betreuung

E 4 Der Zustand der Klauen wird regelmäßig überprüft und bei


Bedarf eine Klauenpflege durchgeführt
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.7: Der Zustand der Klauen ist regelmäßig zu überprüfen und bei
Bedarf ist eine Klauenpflege durchzuführen.

Erhebung  Es wird der Zustand der Klauen beurteilt. Insbesondere ist auf „Stallklauen“
(Klauendeformationen, überlange Klauen, Durchtrittigkeit), Lahmheiten und
Entlastungsstellungen zu achten.
 Es wird erfragt, wie häufig die Klauen der Tiere überprüft und wie häufig
eine fachgerechte Klauenpflege durchgeführt werden.
Erfüllt, wenn die Klauen gepflegt sind.

Empfehlung Es sollte mind. 2 x jährlich eine funktionelle Klauenpflege durch einen


Fachmann durchgeführt werden (orthopädisch korrekter Klauenschnitt).
Ein Klauenpflege-Journal erleichtert dem Landwirt den Überblick über
durchgeführte und anstehende Behandlungen.

Bedeutung Durch regelmäßige Überprüfung und Pflege der Klauen können Schmerzen,
Leiden, Krankheiten und Leistungsminderungen verhindert werden.

Übergangsfrist Keine.

E 5 Elektrische Abschrankungen in Laufställen werden nur


vorübergehend verwendet
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.7: Elektrische Abschrankungen in Laufställen sind nur
vorübergehend zulässig.

Erhebung Es wird festgestellt, ob elektrische Abschrankungen im Laufstall vorhanden


sind und erfragt, wann und wie häufig sie verwendet werden (z.B. zur
Gruppierung vor dem Melken).

Erfüllt, wenn elektrische Abschrankungen in Laufställen nur vorübergehend verwendet


werden und nicht ständig in Betrieb sind.

Empfehlung Elektrische Abschrankungen im Stall sollten gänzlich vermieden werden, da sie


mit Stress für die Tiere verbunden sind.

Bedeutung Aufgrund des begrenzten Platzangebotes besteht bei elektrischen


Abschrankungen in Laufställen die Gefahr, dass die Tiere unnötig mit den
Abschrankungen in schmerzhaften Kontakt kommen.

Übergangsfrist Keine.

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E Betreuung

E 6a Wird ein elektrischer Kuhtrainer verwendet, erfüllt dieser die


genannten Anforderungen
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.7: Scharfkantige, spitze oder elektrisierende Vorrichtungen, die
das Verhalten der Tiere im Stall steuern, sind verboten.
1. ThVO, Anlage 2, 5: In bei In-Kraft-Treten des Tierschutzgesetzes bestehenden
Anlagen und Haltungseinrichtungen dürfen über dem Widerrist angebrachte
Elektrobügel weiterverwendet werden, wenn sie auf das Einzeltier mit einem
Mindestabstand von 5,00 cm zwischen Bügel und Widerrist eingestellt sind und
höchstens einen Tag pro Woche eingeschaltet sind. Der Einsatz ist nur bei bereits
trächtigen Kalbinnen und trächtigen Kühen und nur bis zu einem Monat vor der zu
erwartenden Abkalbung gestattet.

Erhebung Es wird erhoben, ob und unter welchen Bedingungen ein elektrischer


Kuhtrainer (Kuherzieher) verwendet wird.
Der Neueinbau eines elektrischen Kuhtrainers ist verboten.

Erfüllt, wenn Kuhtrainer, die bereits mit 1. Jänner 2005 in einem Stall Verwendung fanden,
 auf das Einzeltier individuell eingestellt sind,
 ein Mindestabstand von 5 cm zwischen Bügel und Widerrist des Tieres (bei
normal stehendem Tier) eingehalten wird und
 der Kuhtrainer höchstens einen Tag pro Woche eingeschaltet wird und
 nur bei trächtigen Kalbinnen und trächtigen Kühen längstens bis zu einem
Monat vor der zu erwartenden Abkalbung eingesetzt wird.
Empfehlung An alternativen Steuereinrichtungen (ohne elektrisierende Vorrichtung) sind die
„Aktorik“ (sensorgesteuerter mechanisch-pneumatischer Metallbügel) und
aufziehbare Krippenplanen am Markt.

Bedeutung Ein Großteil der Bügelberührungen findet nicht in Zusammenhang mit Koten
und Harnen statt. Der Kuhtrainer löst schmerzhafte Zustände und Angst aus
und beeinträchtigt die Brunst und somit die Fruchtbarkeit der Tiere. Das
arteigene Körperpflegeverhalten wird eingeschränkt.

Übergangsfrist Keine, im Hinblick auf die vorschriftsmäßige Anwendung bestehender


Kuhtrainer. Der Neueinbau eines elektrischen Kuhtrainers ist seit 1. Jänner
2005 verboten.

E 6b Scharfkantige, spitze oder elektrisierende Vorrichtungen, die


das Verhalten der Tiere im Stall steuern, werden nicht verwendet
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 2.7: Scharfkantige, spitze oder elektrisierende Vorrichtungen, die
das Verhalten der Tiere im Stall steuern, sind verboten.

Erhebung Es wird festgestellt, ob scharfkantige, spitze oder elektrisierende Vorrichtungen


(außer Kuhtrainer oder vorübergehende elektrische Abschrankungen im
Laufstall) im Stall verwendet werden.
Es dürfen z.B.:

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E Betreuung

 keine Elektrovorhänge und


 keine Zutreibhilfen zum Melkstand, die dem Tier beim Treiben elektrische
Stromschläge versetzen und
 keine elektrisierenden Drähte im Bereich der Tiere und
 keine elektrisierenden Hängeketten und Drähte zwischen den Tieren und
 keine Elektrobügel, welche die Tiere seitlich steuern, und
 keine scharfkantigen oder spitzen Vorrichtungen im Bereich der Tiere (z.B.
Stacheldraht) und
 keine elektrisierenden Austreibhilfen aus dem Melkroboter vorhanden sein.
 Der Neueinbau eines elektrischen Kuhtrainers ist verboten.
Erfüllt, wenn keine scharfkantigen, spitzen oder elektrisierenden Vorrichtungen, die das
Verhalten der Tiere im Stall steuern, verwendet werden.
Falls ausschließlich ein Kuhtrainer (Kuherzieher) oder eine vorübergehende
elektrische Abschrankung im Laufstall verwendet wird, darf diese Frage mit „Ja
– Anforderung erfüllt“ beantwortet werden.

Empfehlung Alternative Steuereinrichtungen verwenden, Managementmaßnahmen


Elektrische Viehtreibegeräte („Stupfer“) sollten grundsätzlich nicht verwendet
werden. In Ausnahmefällen ist die Anwendung bei medizinischer Indikation und
fachgerechter Handhabung möglich.

Bedeutung Vermeidung von Verletzungen, Schmerzen, Leiden

Übergangsfrist Keine.

E 7 Kälbern wird kein Maulkorb angelegt


Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 3.4: Kälbern darf kein Maulkorb angelegt werden.

Erhebung Es wird festgestellt, ob Kälber einen Maulkorb tragen oder ob im Stall


Maulkörbe aufbewahrt werden.

Erfüllt, wenn Kälbern kein Maulkorb angelegt wird. (Ausnahme: Es liegt eine medizinische
Indikation durch eine Tierärztin/ einen Tierarzt vor.)

Bedeutung Kälber mit einem Maulkorb sind in ihrem natürlichen Verhalten massiv
behindert. Das Fress-, Erkundungs-, Komfort- und Sozialverhalten kann nicht
oder nur erheblich eingeschränkt ausgeübt werden.

Übergangsfrist Keine.

E 8 Kranke oder verletzte Tiere werden unverzüglich angemessen


untergebracht, versorgt und (wenn erforderlich) einer tierärztlichen
Behandlung zugeführt
Rechtsnormen TSchG § 15: Weist ein Tier Anzeichen einer Krankheit oder Verletzung auf, so muss es

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E Betreuung

unverzüglich ordnungsgemäß versorgt werden, erforderlichenfalls unter Heranziehung


eines Tierarztes. Kranke oder verletzte Tiere sind diesen besonderen Ansprüchen
angemessen und erforderlichenfalls gesondert unterzubringen.

Erhebung Es wird erfragt, wie schnell kranke und verletzte Tiere entsprechend
untergebracht und einer Behandlung zugeführt werden. Befinden sich
erkrankte Tiere oder solche mit Spuren einer Erkrankung im Stall oder können
kürzlich aufgetretene Erkrankungen aus den Stallbuch-Aufzeichnungen
abgeleitet werden, kann die Unterbringung und Versorgung der Tiere überprüft
oder erfragt werden, und es können Informationen zum Krankheitsverlauf
eingeholt werden: z.B. „Seit wann liegt die Erkrankung vor? Welche
Maßnahmen wurden getroffen?“. Es kann auch anhand von häufig
vorkommenden Krankheiten, beispielhaft das Vorgehen bzw. das Erkennen
von Symptomen besprochen werden.
Die Heranziehung einer Tierärztin/ eines Tierarztes ist nicht erst dann
erforderlich, wenn die Erstversorgung durch den Halter wirkungslos geblieben
ist, sondern es ist in vielen Fällen die sofortige Heranziehung einer Tierärztin/
eines Tierarztes geboten, wenn die Tierhalterin bzw. der Tierhalter erkennen,
dass die Erstversorgung seine Möglichkeiten übersteigt oder wenn
seuchenrechtliche Vorschriften dies verlangen.

Erfüllt, wenn Tiere, die Anzeichen einer Krankheit oder Verletzung aufweisen, unverzüglich
ordnungsgemäß (erforderlichenfalls unter Heranziehung einer Tierärztin / eines
Tierarztes) versorgt und angemessen (erforderlichenfalls gesondert)
untergebracht werden.

Empfehlung Für eine angemessene Unterbringung für kranke oder verletzte Tiere sollten
insbesondere folgende Punkte berücksichtigt werden:
 gesonderte Unterbringung und Schutz vor anderen Tieren
 Ruhe
 ausreichend Platz
 weicher, wärmegedämmter Boden (Stroh!)
 frische Luft
 entsprechende Absonderung bei Ansteckungsgefahr
 lahme Tiere in eine ausreichend große Box
 Temperaturansprüche (z.B. kranke Kälber vom Iglu in wärmegedämmten
Bereich bringen)
Eine ordnungsgemäße Versorgung bezieht sich insbesondere auf:
 Versorgung mit ausreichend Futter und Wasser sicherstellen
 Notwendige Krankenpflege
 Medikamente
Es ist empfehlenswert, Art der Behandlung, Menge und Rezeptur der
verwendeten Mittel im Stallbuch zu notieren. Dies erleichtert LandwirtInnen und
betreuender Tierärztin / betreuendem Tierarzt eine zielgerichtete Behandlung
der Tiere.

Bedeutung Werden kranke oder verletzte Tiere nicht so rasch als möglich angemessen
untergebracht, gepflegt und behandelt, besteht die Gefahr, dass die Tiere

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E Betreuung

unnötig Schmerzen und Leiden erfahren und sich ihr Krankheitszustand


verschlimmert.

Übergangsfrist Keine.

E 9 Alle Tiere werden mindestens 1 x am Tag kontrolliert (Kälber in


Stallhaltung mind. 2 x täglich)
Rechtsnormen TSchG § 20: (1) Alle Tiere in Haltungssystemen, bei denen das Wohlbefinden der Tiere
von regelmäßiger Versorgung durch Menschen abhängig ist, müssen regelmäßig, im
Falle von landwirtschaftlichen Tierhaltungen und Tierhaltungen gemäß § 25 Abs. 1
zweiter Satz und Abs. 4, §§ 26, 27, 29 und 31 mindestens einmal am Tag, kontrolliert
werden.

(2) In anderen Systemen gezüchtete oder gehaltene Tiere sind in solchen Abständen zu
kontrollieren, dass Schmerzen, Leiden, Schäden oder schwere Angst möglichst
vermieden werden.
(3) Es muss eine geeignete (fest installierte oder bewegliche) Beleuchtung zur
Verfügung stehen, die ausreicht, um die Tiere jederzeit gründlich inspizieren zu können,
soweit dies für die Versorgung und Beobachtung der Tiere unerlässlich ist, jedenfalls
jedoch bei Haltung von landwirtschaftlichen Nutztieren.
1. ThVO, Anlage 2, 3.4: Kälber in Stallhaltung müssen mindestens zweimal täglich,
Kälber in Weidehaltung mindestens einmal täglich kontrolliert werden.

Erhebung  Es wird erfragt, ob und wie oft die Tiere täglich gründlich kontrolliert
werden. Unter normalen Umständen reicht eine allgemeine
Augenscheinskontrolle aus. (Plausibilitätskontrolle: Kontrolle des
Tierbestandes nach kranken Tieren und Feststellung des letzten
Behandlungstermins)
 Es wird festgestellt, ob zur Kontrolle eine geeignete Beleuchtung
vorhanden ist, die so stark ist, dass jedes Tier deutlich erkannt und
untersucht werden kann.
Erfüllt, wenn  Kälber in Stallhaltung mindestens zweimal täglich, Kälber in Weidehaltung
mindestens einmal täglich kontrolliert werden.
 Alle übrigen Rinder mindestens einmal am Tag kontrolliert werden.
(Ausgenommen davon sind Rinder, bei denen das Wohlbefinden nicht von
der regelmäßigen Versorgung durch den Menschen abhängt. Dies ist dann
der Fall, wenn die Fütterung und Tränke auch ohne tägliche Betreuung
stattfinden kann (beispielsweise während der Alpung). Bei diesen
Haltungsformen müssen die Tiere zumindest so oft kontrolliert werden,
dass Schmerzen, Leiden, Schäden und schwere Angst möglichst
vermieden werden.) Bei Tieren, die einer über das übliche Maß hinaus
erhöhten Aufmerksamkeit bedürfen (z.B. hochträchtige Tiere vor der
Geburt, neugeborene Tiere, erkrankte Tiere) ist die Kontrolle nach
Maßgabe der konkreten Umstände zu intensivieren.
Empfehlung Der Gesundheitszustand bzw. das Wohlbefinden der Tiere wird üblicherweise
anlässlich der Fütterungen überprüft. Bei einer Augenscheinkontrolle sollte
besonders auf folgende Auffälligkeiten geachtet werden:

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E Betreuung

 Verhalten: Körperhaltung, abgesondertes Liegen, übermäßig langes


Liegen, Lahmheiten
 Aussehen: abgemagert, stumpfes oder gesträubtes Haarkleid
 Durchfall
 Verletzungen
 Futter- und Wasserverbrauch
 Wiederkauen
Bedeutung Durch häufige Kontrolle der Tiere können Krankheiten und sonstige Probleme
frühzeitig erkannt und abgestellt werden. Dadurch kann den Tieren
vermeidbares Leid erspart und schwerwiegendere Krankheiten oftmals
verhindert werden.

Übergangsfrist Keine.

E 10 Alle Gerätschaften, die für das Wohlbefinden der Tiere


entscheidend sind, werden mind. 1 x täglich kontrolliert
Rechtsnormen TSchG § 20, Abs. 4: Alle automatischen oder mechanischen Anlagen und Geräte, von
deren Funktionsfähigkeit das Wohlbefinden der Tiere abhängt, sind regelmäßig, im
Falle von landwirtschaftlichen Tierhaltungen und Tierhaltungen gemäß § 25 Abs. 1
zweiter Satz und Abs. 4, §§ 26, 27, 29 und 31 mindestens einmal am Tag, zu
inspizieren. Defekte sind unverzüglich zu beheben; ist dies nicht möglich, so sind
entsprechende Maßnahmen zu treffen, um das Wohlbefinden der Tiere zu schützen.

Erhebung Es wird erfragt, ob und wie oft automatische oder mechanische Anlagen und
Geräte, von deren Funktionsfähigkeit das Wohlbefinden der Tiere abhängt,
kontrolliert werden. Folgende Anlagen und Geräte sind dabei insbesondere
betroffen:
 Lüftungsanlagen
 Tränkeautomat
 Tränkeeinrichtungen
 Die Anlagen und Geräte werden auf Defekte überprüft.
Erfüllt, wenn automatische oder mechanische Anlagen und Geräte, von deren
Funktionsfähigkeit das Wohlbefinden der Tiere abhängt, mind. 1 x täglich
kontrolliert und Defekte unverzüglich behoben bzw. bei nicht sofort behebbaren
Mängeln andere Maßnahmen zur Sicherung des Wohlbefindens der Tiere
getroffen werden.

Bedeutung Sicherung der Versorgung der Tiere, Verhinderung von Schmerzen und
Leiden.

Übergangsfrist Keine.

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E Betreuung

E 11 Das für die Unterkünfte und Haltungsvorrichtungen


verwendete Material ist für die Tiere ungefährlich und lässt sich
angemessen reinigen
Rechtsnormen TSchG. § 18, Abs. 1: Das für die bauliche Ausstattung der Unterkünfte und die
Haltungsvorrichtungen verwendete Material, mit dem die Tiere in Berührung kommen
können, muss für die Tiere ungefährlich sein und sich angemessen reinigen lassen.

Erhebung  Es wird erhoben, ob Materialien, welche für die bauliche Ausstattung der
Unterkünfte und für die Haltungsvorrichtungen in Verwendung sind und mit
denen die Tiere in Berührung kommen können, für die Tiere eine Gefahr
darstellen.
Insbesondere ist auf verschiedene Anstriche (Lacke, Putze, usw.), welche
Vergiftungen bei den Tieren hervorrufen können, und leicht zerstörbare
Materialien (Splitter, Fremdkörper) zu achten. Ein schlechter
Gesundheitszustand kann Hinweis für gesundheitsschädigende
Materialien sein.
 Es wird erhoben, ob Materialien mit denen die Tiere in Berührung kommen
können, sich ihrem Verwendungszweck entsprechend angemessen
reinigen lassen. Sauberkeit kann als Anzeichen angesehen werden, dass
das Material angemessen gereinigt werden kann.
Erfüllt, wenn aufgrund der augenscheinlichen Überprüfung im Tierbereich keine gefährlichen
Materialien vorhanden sind und die Haltungseinrichtungen angemessen
sauber gehalten werden können.

Empfehlung Eine wichtige Grundlage für die Ausführung von Unterkünften und
Haltungsvorrichtungen liefern die Regeln der Bauordnung.

Bedeutung Verhinderung von Verletzungen, Vergiftungen und Gesundheitsgefahren durch


mangelnde Hygiene

Übergangsfrist Keine.

E 12 Die Haltungsumwelt der Tiere ist so ausgeführt, dass die Tiere


keine Verletzungen erleiden können
Rechtsnormen TSchG. § 18, Abs. 2: Die Unterkünfte sowie die Vorrichtungen, mit denen die Tiere
angebunden oder räumlich umschlossen werden, sind so auszuführen und zu warten,
dass die Tiere keine Verletzungen insbesondere durch scharfe Kanten oder
Unebenheiten erleiden können.

Erhebung Es wird die Haltungsumwelt der Tiere (Stall, Auslauf, usw.) dahingehend
überprüft, ob die Tiere sich in ihr verletzen könnten. Insbesondere ist auf
hervorstehende Nägel, Schrauben, scharfe Kanten, Unebenheiten, Rauheiten,
usw. zu achten.
Des Weiteren werden die Tiere auf Technopathien (= durch die
Haltungsumwelt verursachte Verletzungen am Tier) untersucht.

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E Betreuung

Erfüllt, wenn keine Teile mit hohem Verletzungsrisiko für die Tiere und keine durch diese
Teile hervorgerufenen Verletzungen vorhanden sind.

Bedeutung Verhinderung von Verletzungen

Übergangsfrist Keine.

E 13 Es werden Aufzeichnungen über alle medizinischen


Behandlungen und die Anzahl toter Tiere geführt
Rechtsnormen TSchG § 21:
(1) Der Halter hat Aufzeichnungen über alle medizinischen Behandlungen und, soweit
es sich um Säugetiere, Vögel oder Reptilien handelt, die Anzahl der toten Tiere zu
führen, soweit eine landwirtschaftliche Tierhaltung oder Tierhaltung gemäß § 6 Abs. 3,
§ 25 Abs. 1 zweiter Satz und Abs. 4, §§ 26, 27, 29 und 31 vorliegt.
(2) Diese Aufzeichnungen sind, soweit in bundesgesetzlichen Vorschriften nicht längere
Fristen vorgesehen sind, für mindestens fünf Jahre aufzubewahren und der Behörde
anlässlich einer Kontrolle oder auf Anforderung zur Verfügung zu stellen.

Erhebung Es wird festgestellt, ob Aufzeichnungen über medizinische Behandlungen und


die Anzahl toter Tiere übersichtlich und vollständig vorliegen.
Diese Aufzeichnungen sind mind. 5 Jahre aufzubewahren.
Diese Bestimmung wird in Teilbereichen vom Tierarzneimittelkontrollgesetz
und von der Rückstandskontrollverordnung näher spezifiziert.

Erfüllt, wenn Aufzeichnungen über medizinische Behandlungen vorliegen und tote Tiere
durch Ablieferungsschein an TKV und Meldung an AMA-Datenbank
dokumentiert werden.

Empfehlung Alle die Tierhaltung betreffenden Dokumente sollen übersichtlich aufbewahrt


werden.

Bedeutung Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit

Übergangsfrist Keine.

E 14 Tiere, die vorübergehend oder dauernd nicht in Unterkünften


untergebracht sind, sind soweit möglich vor Raubtieren und
sonstigen Gefahren für ihr Wohlbefinden zu schützen
Rechtsnormen TSchG. § 19: Tiere, die vorübergehend oder dauernd nicht in Unterkünften
untergebracht sind, […] sind soweit möglich vor Raubtieren und sonstigen Gefahren für
ihr Wohlbefinden zu schützen

Erhebung Es wird erhoben, ob sich die Weide in einem Gebiet befindet, in dem in
unmittelbarer Nähe (zeitlich und örtlich) landwirtschaftliche Nutztiere von

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E Betreuung

Raubtieren gerissen wurden. Weiters wird erfragt, wie in diesem Fall


gefährdete Tiere geschützt werden. Außerdem wird erhoben, welche sonstigen
Gefahren für das Wohlbefinden der Tiere vorhanden sind und wie ein Schutz
dagegen erfolgt. Dabei ist zu berücksichtigen, inwieweit die Tiere auf der
betroffenen Weide grundsätzlich durch zumutbare Maßnahmen geschützt
werden können.

Erfüllt, wenn in Gebieten, in denen in unmittelbarer Nähe Risse vorgefallen sind, gefährdete
Tiere vor Raubtieren geschützt und Tiere generell vor etwaigen sonstigen
Gefahren entsprechend geschützt sind. Wenn in einem Gebiet bisher keine
relevanten Schäden (z.B. Risse, Verletzungen) durch Raubtiere aufgetreten
sind, gilt diese Anforderung auch wenn keine besonderen Maßnahmen
ergriffen wurden, als erfüllt.

Empfehlung Für gewöhnlich stellen große Beutegreifer wie Bär, Wolf oder Luchs für
ausgewachsene gesunde Rinder kaum eine Bedrohung dar. Neugeborene
Kälber sowie kranke Tiere könnten eventuell durch große Beutegreifer
gefährdet sein. In betroffenen Gebieten sind eine angepasste Einzäunung und
eine konsequente Kontrolle der Zäune von Bedeutung. Eventuell kann eine
kurzfristige Bewachung (allenfalls mit Hütehunden) sinnvoll sein. Ein
allumfassender Schutz vor Raubtieren wird ebenso wie bei anderen
natürlichen Gefährdungen (z.B. Blitzschlag, Wetterumstürze, Steinschlag)
jedoch bei dieser Haltungsform, die als äußerst artgemäß zu bezeichnen ist,
nicht möglich sein.

Bedeutung Verhinderung von Schmerzen, Schäden, Leiden und schwerer Angst.

Übergangsfrist Keine.

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F Eingriffe

F Eingriffe
F 1 Gummiringe, Ätzstifte und Ätzsalben sind verboten und werden
nicht verwendet
Rechtsnormen TSchG., § 7, Abs. 4.: Die Anwendung von Gummiringen, Ätzstiften und Ätzsalben ist
verboten.

Erhebung Es wird erfragt, ob Gummiringe, Ätzstifte und Ätzsalben für Eingriffe am Tier
verwendet werden.

Erfüllt, wenn das Verbot eingehalten wird.

Bedeutung Diese Methoden führen zum langsamen Absterben von Körpergewebe und
verursachen damit erwiesenermaßen besonders lang anhaltende Schmerzen
und Leiden. Bei Ätzstiften und -salben besteht die Gefahr der Verätzung von
Hautteilen außerhalb der Anwendungsstellen.

Übergangsfrist Keine.

F 2 Die Enthornung bzw. das Zerstören der Hornanlage wird


tierschutzrechtskonform unter Einsatz von Sedierung,
Lokalanästhesie und postoperativ wirksamer Schmerzbehandlung
durchgeführt
Rechtsnormen § 7. TSchG
(1) Eingriffe, die nicht therapeutischen oder diagnostischen Zielen oder der
fachgerechten Kennzeichnung von Tieren in Übereinstimmung mit den anwendbaren
Rechtsvorschriften dienen, sind verboten. […]
(2) Ausnahmen von diesen Verboten sind nur gestattet […]
2. wenn der Eingriff für die vorgesehene Nutzung des Tieres, zu dessen Schutz oder
zum Schutz anderer Tiere unerlässlich ist; diese Eingriffe sind in der Verordnung gemäß
§ 24 Abs. 1 Z 1 festzulegen.
(3) Eingriffe, bei denen ein Tier erhebliche Schmerzen erleiden wird oder erleiden
könnte, sind, soweit nicht durch Verordnung gemäß § 24 Abs. 1 Z 1 anderes bestimmt
ist, nur zulässig, wenn sie nach wirksamer Betäubung durch einen Tierarzt oder durch
eine unter Verantwortung des TGD Betreuungstierarztes zugezogene Hilfsperson sowie
mit postoperativ wirksamer Schmerzbehandlung 1. von einem Tierarzt oder 2. von
einer sonstigen sachkundigen Person durchgeführt werden. Die Voraussetzungen für
die Einbindung von Hilfspersonen durch den TGD Betreuungstierarzt sind in der
Verordnung gemäß § 7 Abs. 2 des Tierarzneimittelkontrollgesetzes, BGBl. I Nr. 28/2002
(TAKG), in der Fassung von BGBl. I Nr. 36/2008, zu regeln. Art und Nachweis der
Sachkunde sind in der Verordnung gemäß § 24 Abs. 1 Z 1 zu regeln.
(4) Die Anwendung von Gummiringen, Ätzstiften und Ätzsalben ist verboten.
1. ThVO, § 4.

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F Eingriffe

(1) Es dürfen nur die in den Anlagen 1 bis 11 festgelegten Eingriffe vorgenommen
werden.
(2) Sonstige sachkundige Personen, die Eingriffe vornehmen dürfen, sind
Betreuungspersonen [Anm. vgl. § 3 1. ThVO] oder Personen, die nachweislich eine
einschlägige Ausbildung insbesondere durch Kurse, Lehrgänge oder Praktika
aufweisen, die die grundsätzlichen Kenntnisse der Anatomie, die Kenntnis der
einschlägigen Rechtsvorschriften und ethologischen Grundsätze und die fachgerechte
praktische Durchführung der Eingriffe beinhaltet.
1. ThVO, Anlage 2, 2.8.: Zulässige Eingriffe sind:

1. Die Enthornung oder das Zerstören der Hornanlage, wenn

– der Eingriff bei Kälbern unter 6 Wochen durch eine sachkundige Person und
unter Einsatz von Sedierung, Lokalanästhesie und postoperativ wirksamer
Schmerzmittel durchgeführt wird oder
– der Eingriff durch einen Tierarzt unter Einsatz von Sedierung, Lokalanästhesie
und postoperativ wirksamer Schmerzmittel durchgeführt wird.

Erhebung Werden die Rinder nicht enthornt, ist diese Frage zu überspringen.
Wird enthornt, wird erhoben (unter anderem anhand der
tierarzneimittelrechtlichen Aufzeichnungen),
 ob eine Sedierung, eine Lokalanästhesie und ein postoperativ wirksames
Schmerzmittel durch die Tierärztin / den Tierarzt eingesetzt werden.
 mit welchem Alter die Tiere enthornt werden,
 wer den Eingriff durchführt (Tierärztin/Tierarzt, Betreuerin/Betreuer, …),
und
 wie der Eingriff durchgeführt wird (Ausbrennen mit Brennstab, andere
Methode)
Erfüllt, wenn  der Eingriff von einer Tierärztin /einem Tierarzt unter Einsatz von
Sedierung, Lokalanästhesie und postoperativ wirksamer Schmerzmittel
durchgeführt wird, oder auch wenn
 der Eingriff bei Kälbern unter 6 Wochen von einer sonstigen sachkundigen
Person (z.B. Landwirtin / Landwirt, Betreuungsperson) nach Einsatz von
Sedierung, Lokalanästhesie und postoperativ wirksamer Schmerzmittel
durch die Tierärztin / den Tierarzt durchgeführt wird.
Sonstige sachkundige Personen, die Eingriffe vornehmen dürfen, sind
 Betreuungspersonen (vgl. Frage E 1) oder
 Personen, die nachweislich eine einschlägige Ausbildung insbesondere
durch Kurse, Lehrgänge oder Praktika aufweisen (Grundlagen der
Anatomie, Rechtsvorschriften, Ethologie, fachgerechte praktische
Durchführung).
Empfehlung Jeder Eingriff stellt eine Belastung für das Tier dar und sollte möglichst
vermieden werden.

Bedeutung Vermeidung von Schmerzen und Leiden

Übergangsfrist Keine.

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F Eingriffe

F 3 Das Kupieren des Schwanzes von Kälbern wird nur beim


Vorliegen einer betrieblichen Notwendigkeit und nur durch eine
Tierärztin/ einen Tierarzt nach wirksamer Betäubung und
postoperativ wirksamer Schmerzbehandlung durchgeführt
Rechtsnormen siehe F 2
TSchG., § 7.
1. ThVO, § 4.

1. ThVO, Anlage 2, 2.8.: Zulässige Eingriffe sind: [...]


2. Das Kupieren des Schwanzes von Kälbern im Ausmaß von höchstens 5,00 cm, wenn
eine betriebliche Notwendigkeit zur Minderung der Verletzungsgefahr für die Tiere
gegeben ist und der Eingriff durch einen Tierarzt nach wirksamer Betäubung und
postoperativ wirksamer Schmerzbehandlung durchgeführt wird. [...]

Erhebung Werden die Schwänze der Kälber nicht kupiert, ist diese Frage zu
überspringen.
Werde Schwänze kupiert, wird erhoben (unter anderem anhand der
tierarzneimittelrechtlichen Aufzeichnungen),
 ob bzw. worin eine betriebliche Notwendigkeit zur Minderung der
Verletzungsgefahr für die Tiere besteht,
 wer den Eingriff durchführt,
 ob der Eingriff nach wirksamer Betäubung und postoperativ wirksamer
Schmerzbehandlung durchgeführt wird,
 ob höchstens 5 cm der Schwanzspitze entfernt werden, und
 welche prophylaktischen Maßnahmen getroffen werden.
Erfüllt, wenn das Kupieren des Schwanzes von Kälbern nur bei einer betrieblichen
Notwendigkeit zur Minderung der Verletzungsgefahr für die Tiere durch eine
Tierärztin oder einen Tierarzt im Ausmaß von höchstens 5 cm nach wirksamer
Betäubung und postoperativ wirksamer Schmerzbehandlung durchgeführt wird.
Eine betriebliche Notwendigkeit ist nur dann gegeben, wenn durch
prophylaktische Maßnahmen zur Verhinderung von
Schwanzspitzenentzündungen kein Erfolg erzielt werden kann.

Empfehlung Jeder Eingriff stellt eine Belastung für das Tier dar und sollte möglichst
vermieden werden.
Dem Problem einer Schwanzspitzenentzündung kann durch intensive
Ursachenbekämpfung vorgebeugt werden. Folgende Ursachen für diese
Faktorenkrankheit sind bekannt:
 enge Belegung von Rindermastbuchten auf Vollspaltenboden
 Beschaffenheit des Spaltenbodens (scharfe Kanten, Scharten, …)
 Fliegenplage (vermehrt Schwanzschlagen)
 Stresszustände
 Fütterung: zu geringe Strukturierung des Futters (bei Raufuttergaben die
Verhaltensmerkmale Saugen, Beißen am Schwanz anderer Tiere,
Acidose)

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F Eingriffe

 Raumtemperaturen > 18°C vermeiden, Schwanz wird beim Liegen


vermehrt abgespreizt
 erbliche Veranlagung von Rinderrassen mit dicken, insbesondere
dickhäutigen Schwänzen, die zur Mast bevorzugt werden,
 Verfütterung von verschimmeltem Futter (Mykotoxine, Fusarien)
 starker Natriummangel, Zinkmangel
 Räude
Es kann hilfreich sein, Aufzeichnungen über mögliche Ursachen und die
Wirkung von Bekämpfungsmaßnahmen zu führen.

Bedeutung Es darf nur der Schwanzspitzenteil um max. 5 cm kupiert werden. Dieser Teil
enthält keine Knochen und gilt als besonders anfällig.

Übergangsfrist Keine.

F 4 Die Kastration männlicher Rinder wird ausschließlich durch


eine Tierärztin / einen Tierarzt oder einen gewerblichen
Viehschneider nach wirksamer Betäubung und postoperativer
Schmerzbehandlung durchgeführt
Rechtsnormen Siehe F 2
TSchG., § 7.

1. ThVO, § 4.
1. ThVO, Anlage 2, 2.8.: Zulässige Eingriffe sind: [...]
3. Die Kastration männlicher Rinder, wenn der Eingriff durch einen Tierarzt oder einen
Viehschneider, der dieses Gewerbe nach gewerberechtlichen Vorschriften ausübt, nach
wirksamer Betäubung und postoperativ wirksamer Schmerzbehandlung durchgeführt
wird.

Erhebung Werden die männlichen Rinder nicht kastriert, ist diese Frage zu überspringen.
Werden die männlichen Rinder kastriert, wird erhoben (unter anderem anhand
der tierarzneimittelrechtlichen Aufzeichnungen),
 wer den Eingriff durchführt und
 ob der Eingriff nach wirksamer Betäubung und postoperativ wirksamer
Schmerzbehandlung durchgeführt wird.
Sowohl die blutige, als auch die unblutige Kastration (z.B. mittels Burdizzo-
Zange) fallen unter diese Bestimmung.
Begriff „gewerblicher Viehschneider“ siehe Glossar.

Erfüllt, wenn die Kastration männlicher Rinder durch eine Tierärztin / einen Tierarzt oder
einen gewerblichen Viehschneider nach wirksamer Betäubung und
postoperativ wirksamer Schmerzbehandlung durchgeführt wird.

Empfehlung Jeder Eingriff stellt eine Belastung für das Tier dar und sollte möglichst

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F Eingriffe

vermieden werden.

Bedeutung Vermeidung von Schmerzen und Leiden

Übergangsfrist Keine.

F 5 Das Einziehen von Nasenringen bei Zuchtstieren erfolgt durch


eine Tierärztin/ einen Tierarzt oder eine sonstige sachkundige
Person
Rechtsnormen Siehe F 2
TSchG., § 7.
1. ThVO, § 4.

1. ThVO, Anlage 2, 2.8.:


Zulässige Eingriffe sind: [...]
4. Das Einziehen von Nasenringen bei Zuchtstieren.

Erhebung Es wird erfragt, wer die Nasenringe bei Zuchtstieren einzieht.

Erfüllt, wenn die Tierärztin/ der Tierarzt oder eine sonstige sachkundige Person
(= Betreuungsperson oder Person, die nachweislich eine einschlägige
Ausbildung aufweist) den Eingriff durchführt.

Empfehlung Jeder Eingriff stellt eine Belastung für das Tier dar und sollte möglichst
vermieden werden.
Eine Betäubung wird vom Gesetz nicht vorgeschrieben. Der Eingriff sollte
trotzdem mit Betäubung vorgenommen werden. Entsprechende Empfehlungen
hinsichtlich Technik, Hygiene, Fixierung, Alter der Tiere, usw. sollten jedenfalls
berücksichtigt werden. Nach dem Einziehen des Ringes empfiehlt es sich die
Wunde mehrere Male zu jodieren und aufgrund der Schmerzhaftigkeit diesen
14 Tage lang nicht zu berühren.

Bedeutung Nur Personen, mit entsprechenden Kenntnissen und Erfahrung, können den
Eingriff so durchführen, dass unnötige Schmerzen und Leiden vermieden
werden.

Übergangsfrist Keine.

F 6 Es werden keine anderen als die genannten zulässigen Eingriffe


(F 2 – 5) durchgeführt
Rechtsnormen Siehe F 2
TSchG., § 7.
1. ThVO, § 4, Abs. 1. Es dürfen nur die in den Anlagen 1 bis 11 festgelegten Eingriffe

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F Eingriffe

vorgenommen werden.

Erhebung Es wird festgestellt, ob weitere Eingriffe (neben denen in Frage F 2 – 5) an den


Tieren durchgeführt werden.
Begriffsbestimmung:
Eingriffe sind jene Maßnahmen, die zur Beschädigung oder dem Verlust eines
empfindlichen Teils des Körpers oder einer Veränderung der Knochenstruktur
führt.

Erfüllt, wenn Eingriffe, die nicht bereits in Frage F 2 – 5 genannt wurden oder der
fachgerechten Kennzeichnung der Tiere mittels Ohrmarke und Tätowierung
dienen, nur von einer Tierärztin oder einem Tierarzt zu therapeutischen oder
diagnostischen Zwecken durchgeführt werden.

Empfehlung Das Zungenschlagen stellt eine multifaktoriell bedingte Verhaltensstörung


dar, die durch Nachahmung gefördert wird und zu schweren gesundheitlichen
Schäden vor allem des Verdauungstraktes führen kann. Diesem kann durch
folgende Maßnahmen vorgebeugt werden:
 Ad libitum Gabe von Raufutter
 Strukturiertes Futter zur Anregung des Wiederkauens
 Bewegung, Auslauf und Weide
 Entsprechende Rationsgestaltung
 Mineralsalze
 Maulhöhlen- und Zahnüberprüfung
 Tränkegestaltung
Afterzitzen weisen eine genetische Disposition auf und sollen durch
entsprechende Zuchtmaßnahmen reduziert werden.
Zur Verhinderung des gegenseitigen Besaugens der Kälber stehen
tierschutzgerechte Maßnahmen (z.B. Anbieten eines Saugnippels neben dem
Tränkeeimer, entsprechendes Fütterungsmanagement und
Haltungsbedingungen siehe B 15 und D 15) zur Verfügung.

Bedeutung Vermeidung von Schmerzen und Leiden

Übergangsfrist Keine.

Handbuch Rinder Seite 108 von 119


G Ganzjährige Haltung im Freien

G Ganzjährige Haltung im Freien


G 1 Für jedes Tier steht eine überdachte, trockene und eingestreute
Liegefläche mit Windschutz zur Verfügung
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 4.3. Für jedes Tier muss eine überdachte, trockene und
eingestreute Liegefläche mit Windschutz in einem Ausmaß zur Verfügung stehen, […]
TSchG § 19. Tiere, die vorübergehend oder dauernd nicht in Unterkünften
untergebracht sind, sind soweit erforderlich vor widrigen Witterungsbedingungen und
soweit möglich vor Raubtieren und sonstigen Gefahren für ihr Wohlbefinden zu
schützen.

Erhebung Es wird erhoben, ob


 die Überdachung ganztägigen und ganzjährigen Witterungsschutz
(Niederschläge, Sonne, …) gewährleistet. Nur technisch erstellte
Unterstände (einfache Unterstände, Dach) gewähren eine entsprechend
trockene Liegefläche.
 die Liegefläche trocken ist (vgl. A 5),
 ausreichende Mengen Stroh oder ähnlich strukturiertes Material
eingestreut werden,
 Windschutz durch natürliche Gegebenheiten (ganztägig und ganzjährig
schutzgebende Baumgruppen, Hecken oder Buschreihen, Waldungen o.ä.)
oder künstliche Einrichtungen (Windschutzwände, Bretterwand,
angrenzende Gebäudemauern, Windschutznetze, Strohballen, o.ä.)
gewährleistet wird. Ein dreiseitig geschlossener Unterstand wäre nur auf
Standorten mit extremen Windlagen erforderlich.
Erfüllt, wenn eine technisch erstellte Überdachung vorhanden ist, und
 die Liegefläche trocken ist (kein nasses oder schmutziges Haarkleid
aufgrund unzureichend trockener Liegefläche), und
 ausreichende Mengen Stroh oder ähnlich strukturiertes Material
eingestreut werden, und
 Wind- und Sonnenschutz gewährleistet ist.

Empfehlung  Künstlich errichteter Unterstand (Dach, Sonnensegel): Intensiver


Luftaustausch verringert die Belästigung durch Fliegen, Mücken und
Bremsen. Bei Kälte und Nässe sollten die Seiten teilweise geschlossen
sein, die offene Längsseite der Hauptwindrichtung abgewandt.
 Die Zugangsöffnungen eines Unterstandes müssen breit genug sein, damit
ranghohe Tiere nicht den Eingang versperren können: zumindest eine
Längsseite ganz offen, oder zumindest zwei ausreichend breite Aus- bzw.
Eingänge.
 Die vorgesehene Liegemöglichkeit sollte nicht weiter als 100 m vom
Fressplatz entfernt sein (gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Liegen
auf kaltem Untergrund).
 Durchfeuchtete oder verschmutzte Einstreu am Liegeplatz ist zu ergänzen
bzw. erneuern, damit ihre isolierende Wirkung erhalten bleibt.
 Es soll vermieden werden, dass Kühe in den Monaten Dezember, Januar

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G Ganzjährige Haltung im Freien

und Februar kalben (Abkalbeperiode in das Frühjahr verlegen).


Bedeutung Niederschlag und Kälte führen zur Durchfeuchtung des Haarkleides (es
entsteht Verdunstungskälte). Dadurch wird die isolierende Wirkung
herabgesetzt. Hohe Windgeschwindigkeiten führen zusätzlich zu einer
Auskühlung des Körpers. Besonders empfindlich gegen Kälte sind
frischgeborene Jungtiere (wenig Energiereserven; dünneres, nasses Fell).
Ein kalter Boden erhöht durch Wärmeleitung die Wärmeabgabe liegender
Tiere. Um diese Wärmeverluste zu vermeiden, legen sich die Rinder nicht
mehr hin. Nicht selten ist die so ausgelöste hohe Stehdauer Ursache für
reduzierte Wiederkautätigkeit mit Verdauungsstörungen und
Erschöpfungszuständen.
Witterungsschutz muss ganztägig und ganzjährig wirksam sein, so dass er bei
Hitze und intensiver Sonneneinstrahlung, jeder Windrichtung, bei Schnee und
bei Regen seine Funktion erfüllt. Unbelaubte oder einzeln stehende Bäume
reichen in der kalten Jahreszeit nicht aus.

Übergangsfrist Keine (da keine bestehende Anlage oder Haltungseinrichtung)

G 2 Alle Tiere können gleichzeitig und ungestört auf der Liegefläche


liegen
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 4.3: Für jedes Tier muss eine überdachte, trockene und
eingestreute Liegefläche mit Windschutz in einem Ausmaß zur Verfügung stehen, das
allen Tieren ein gleichzeitiges ungestörtes Liegen ermöglicht.

Erhebung Die überdachte Liegefläche ist dann ausreichend groß dimensioniert, wenn aus
der Beobachtung der Tiere darauf geschlossen werden kann, dass alle Tiere
gleichzeitig und ungestört liegen können
Begriff „Liegefläche“ vgl. Glossar.

Erfüllt, wenn alle Tiere gleichzeitig auf der Liegefläche liegen können.

Empfehlung Um ein unbehindertes und entspanntes Ausruhverhalten zu fördern und


soziale Spannungen in der Herde zu vermindern, werden größere Liegeflächen
empfohlen. Anhaltspunkte gibt die nachfolgende Tabelle 21.
Tabelle 21: Empfohlene Liegeflächengrößen (BVET 2003, FAT 2005)

Tierkategorie Liegefläche mit Einstreu je


Tier [m²]

Kälber bis 150 kg 1,2 – 1,5


1
Mast-/Jungvieh bis 200 kg 1,8
1
Mast-/Jungvieh bis 300 kg 2,0
1
Mast-/Jungvieh bis 400 kg 2,5
1
Mast-/Jungvieh über 400 kg 3,0

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G Ganzjährige Haltung im Freien

Kühe ca. 550 kg 4,0

Kühe ca. 650 kg 4,5

Kühe ca. 750 kg 5,0


1
Die Liegefläche darf um höchstens 10 % verkleinert werden, wenn den Tieren
zusätzlich ein dauernd zugänglicher Bereich zur Verfügung steht, der
mindestens so groß ist wie die Liegefläche.

Bedeutung Werden Liegeflächen zu klein dimensioniert, wird dem synchronen


Liegeverhalten der Rinder nicht entsprochen oder rangniedere Tiere müssen
auf feuchtem, kaltem Untergrund abliegen. Dies hat negative Auswirkungen
auf Gesundheit, Wohlbefinden und Leistung der Tiere.

Übergangsfrist Keine. Die geforderte Liegefläche ist durch das Herausnehmen von Tieren
einzuhalten.

G 3 Es wird zusätzlich Futter angeboten, wenn der Futterbedarf


nicht ausreichend durch Weide gedeckt werden kann
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 4.3: Kann der Futterbedarf nicht ausreichend durch Weide gedeckt
werden, muss zusätzlich Futter angeboten werden.

Erhebung Es werden folgende Punkte beurteilt:


 Nährzustand der Tiere
 Aufwuchs auf der Weide
 Vorhandensein von Fütterungseinrichtungen
 Es wird erfragt, woher das zusätzlich angebotene Futter bezogen wird.
Erfüllt, wenn der Nährzustand der Herde als gut eingestuft werden kann und auch aus der
Beurteilung des Fütterungsmanagements darauf geschlossen werden kann,
dass der Futterbedarf der Tiere gedeckt ist.

Empfehlung  Fütterungseinrichtungen sollen überdacht sein (z.B. Raufe)


 Richtiges Weidemanagement und angepasste Besatzdichte
 Tränkwasser muss zur freien Aufnahme zur Verfügung stehen (vgl. Fragen
D 1, 2, 3)
Bedeutung Die Fütterung beeinflusst entscheidend Gesundheit, Verhalten und Leistung
der Tiere.

Übergangsfrist Keine! Ist der Nährzustand der Tiere als schlecht einzustufen oder liegen
Mängel im Fütterungsmanagement vor, ist umgehend darauf zu reagieren.

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G Ganzjährige Haltung im Freien

G 4 Auch bei tiefen Temperaturen ist sichergestellt, dass Menge


und Energiegehalt des vorhandenen Futters ausreichen, um den
Energiebedarf der Tiere zu decken
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 4.3: Auch bei tiefen Temperaturen muss sichergestellt sein, dass
Menge und Energiegehalt des vorhandenen Futters ausreichen, um den Energiebedarf
der Tiere zu decken.

Erhebung Es werden folgende Punkte beurteilt:


 Nährzustand der Tiere
 Vorhandensein von Fütterungseinrichtungen
 Es wird erfragt, wie im Winter die Futterversorgung bewerkstelligt wird.
 Es wird erfragt, woher das zusätzlich angebotene Futter bezogen wird.
Erfüllt, wenn der Nährzustand der Herde als gut eingestuft werden kann und auch aus der
Beurteilung des Fütterungsmanagements darauf geschlossen werden kann,
dass der Futterbedarf der Tiere auch bei tiefen Temperaturen gedeckt ist.

Empfehlung  Erhöhten Futterbedarf bei niedrigen Temperaturen berücksichtigen.


 Fütterungseinrichtungen (z.B. Fressgitter für Silorundballen) sollten
überdacht sein.
 Schnee stellt keinen ausreichenden Ersatz für Wasser dar. Es muss eine
frostfreie Wasserversorgung sichergestellt sein. (vgl. D1) Die Tränken
sollen mindestens einmal täglich hinsichtlich ihrer Funktionsfähigkeit
überprüft werden.
Bedeutung Tiergesundheit
Hunger, Leistungsabfall, Erkrankung, Tod

Übergangsfrist Keine. Ist der Nährzustand der Tiere als schlecht einzustufen oder liegen
Mängel im Fütterungsmanagement vor, ist umgehend darauf zu reagieren.

G 5 Der Boden im Bereich der ständig benützten Fütterungs- und


Tränkebereiche ist befestigt
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 4.3: Der Boden im Bereich der ständig benützten Fütterungs- und
Tränkebereiche muss befestigt sein.

Erhebung Es werden folgende Punkte erhoben:


 Wird der Fütterungs- und Tränkeplatz ständig benützt oder wird dieser
regelmäßig gewechselt?
 Ist der Fütterungs- und Tränkebereich befestigt (Beton, Kunststoffgewebe,
Strohmatratze, …)?
 Ist der Fütterungs- und Tränkeplatz morastig oder erheblich mit Kot oder
Harn verunreinigt?
Erfüllt, wenn  der Boden im Bereich von ständig benützten Fütterungs- und
Tränkebereichen befestigt ist, oder

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G Ganzjährige Haltung im Freien

 bei nicht befestigten Böden Fütterungs- und Tränkeeinrichtungen


regelmäßig überstellt und der Boden entsprechend gepflegt wird, sodass
keine erhebliche Verschmutzung und kein Morast entstehen.
Empfehlung  Für die Freilandhaltung sollten grundsätzlich zur Vernässung neigende
oder wenig tragfähige Böden weitestgehend vermieden werden.
 Trittschäden am Futterplatz sind unvermeidbar. Grundsätzlich existieren zu
deren Minderung mehrere Möglichkeiten: Futterplatz regelmäßig wechseln,
nachsäen oder Befestigung. Zur Morastvermeidung stehen neben dem
Betonieren auch selbst verlegbare, wasserdurchlässige, trittfeste
Kunststoffgewebe mit entsprechendem Unterbau und Trittschicht zur
Verfügung.
 Die Bestimmungen des Wasserrechts sind zu berücksichtigen.

Bedeutung Mit Kot und Harn vermischter Morast schädigt Klauen und Haut.

Übergangsfrist Keine.

G 6 Kranke und verletzte Tiere werden gesondert und geschützt


untergebracht
Rechtsnormen 1. ThVO, Anlage 2, 4.3. Kranke und verletzte Tiere sind gesondert und geschützt
unterzubringen.

Erhebung Es wird erhoben, wo kranke oder verletzte Tiere untergebracht werden.


Eine geschützte und gesonderte Unterbringung zielt insbesondere auf folgende
Punkte ab:
 besonderer Schutz gegen ungünstige Witterung
 die Temperaturansprüche müssen erfüllt sein
 Schutz vor anderen Tieren
Es kann zusätzlich erfragt werden, wie oft die Herde kontrolliert wird.

Erfüllt, wenn plausibel gemacht werden kann, dass für kranke und verletzte Tiere eine
geeignete Unterbringungsmöglichkeit vorhanden ist.

Empfehlung Um kranke und verletzte Tiere frühzeitig erkennen und ordnungsgemäß


unterbringen zu können, sollen der Gesundheitszustand und das Wohlergehen
der Tiere regelmäßig kontrolliert werden (am besten täglich). Sind Geburten zu
erwarten bzw. Neugeborene vorhanden, soll mindestens zweimal täglich
kontrolliert werden.
Für kranke oder erheblich geschwächte Tiere soll eine Aufstallungsmöglichkeit
vorhanden sein.

Bedeutung Kranke und verletzte Tiere sind in ihrer Kälte- u. Wärmetoleranz beeinträchtigt
und benötigen spezielle Betreuung.

Übergangsfrist Keine. Für eine geeignete Unterbringungsmöglichkeit ist vorzusorgen.

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Z Zuchtmethoden

Z Zuchtmethoden
Z 1 Es werden keine natürlichen oder künstlichen Zuchtmethoden
angewendet, die den Tieren Leiden oder Schäden zufügen oder
zufügen können
Rechtsnormen §22 TSchG:
(1) Natürliche oder künstliche Zuchtmethoden, die das Wohlbefinden der Tiere länger
oder dauerhaft beeinträchtigen sind verboten.
(2) Diese Bestimmung schließt nicht die Anwendung von Verfahren aus, die nur geringe
oder vorübergehende Beeinträchtigungen des Wohlbefindens verursachen. […]
§ 5 Tierschutzgesetz Abs. 2:
Gegen Abs.1 verstößt insbesondere wer
1. Züchtungen vornimmt, bei denen vorhersehbar ist, dass sie für das Tier oder dessen
Nachkommen mit Schmerzen, Leiden, Schäden oder Angst verbunden sind
(Qualzüchtungen), sodass in deren Folge im Zusammenhang mit genetischen
Anomalien insbesondere eines oder mehrere der folgenden klinischen Symptome bei
den Nachkommen nicht nur vorübergehend mit wesentlichen Auswirkungen auf ihre
Gesundheit auftreten oder physiologische Lebensläufe wesentlich beeinträchtigen oder
eine erhöhte Verletzungsgefahr bedingen:
a) Atemnot
b) Bewegungsanomalien
c) Lahmheiten
d) Entzündungen der Haut,
e) Haarlosigkeit,
f) Entzündungen der Lidbindehaut und/oder der Hornhaut,
g) Blindheit
h) Exophtalmus,
i) Taubheit,
j) Neurologische Symptome
k) Fehlbildungen des Gebisses,
l) Missbildungen der Schädeldecke
m) Körperformen bei denen mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen werden
muss, dass natürliche Geburten nicht möglich sind, oder Tiere mit
Qualzuchtmerkmalen importiert, erwirbt, vermittelt, weitergibt oder ausstellt.

Erhebung Es wird erhoben, ob die Zuchttiere und Nachzuchten Qualzuchtmerkmale


aufweisen (gravierende Fehlstellungen, extreme Bemuskelung wie z.B. beim
Weißblauen Belgier (Kaiserschnittrate)).

Erfüllt, wenn die Zuchttiere und die Nachzucht in einem guten körperlichen Zustand sind
und keine Qualzuchtmerkmale und / oder Anzeichen von vererbbaren
Krankheiten aufweisen.

Bedeutung Vermeidung von Schmerzen, Schäden, Leiden und/oder schwerer Angst.

Übergangsfrist Keine.

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Z Zuchtmethoden

Z 2 Es werden nur Tiere (zu landwirtschaftlichen Nutzzwecken)


gehalten, bei denen aufgrund ihres Genotyps oder Phänotyps
davon ausgegangen werden kann, dass die Haltung ihre
Gesundheit und ihr Wohlergehen nicht beeinträchtigt
Rechtsnormen § 13 Abs. 1 TSchG: Tiere dürfen nur gehalten werden, wenn auf Grund ihres Genotyps
und Phänotyps und nach Maßgabe der folgenden Grundsätze davon ausgegangen
werden kann, dass die Haltung nach dem anerkannten Stand der wissenschaftlichen
Erkenntnisse ihr Wohlbefinden nicht beeinträchtigt.

Erhebung Es wird durch Beobachtung festgestellt, ob Tiere vorhanden sind, die aufgrund
ihres Geno- oder Phänotyps (siehe Glossar) durch die Haltung in ihrer
Gesundheit oder ihrem Wohlergehen beeinträchtigt sind.

Erfüllt, wenn die Tiere (auf Grund ihres Geno- oder Phänotyps) durch die vorliegende
Haltung nicht in ihrem Wohlbefinden beeinträchtigt werden.

Bedeutung Vermeidung von Schmerzen, Schäden, Leiden und/oder schwerer Angst.

Übergangsfrist Keine.

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Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: [A7 Maximale Spaltenbreite je Tierkategorie] ....................................................................... 25
Tabelle 2: Empfehlungen für Abmessungen von Wabenrosten (BEVET, 2008) .................................. 29
Tabelle 3: Empfehlungen zur Barnsockelhöhe...................................................................................... 35
Tabelle 4: Angaben zur Barnsockelhöhe .............................................................................................. 36
Tabelle 5: [B6 Mindestmaße zur Anbindehaltung] ................................................................................ 38
Tabelle 6: Zahl der Abkalbeplätze in Prozent gehaltener Kühe (Bartussek et al. 2002) ...................... 41
Tabelle 7: [B9 Mindestmaße von Liegeboxen] ...................................................................................... 43
Tabelle 8: Empfohlenen Mindestmaße für Liegeboxen für Kälber (ÖKL, 2014) ................................... 47
Tabelle 9: Empfohlene Mindestmaße für Fressgangbreiten (Bartussek et al., 2002, ergänzt) ............. 49
Tabelle 10: Empfohlene Mindestmaße für Laufgangbreiten (Bartussek et al., 2002, ergänzt) ............. 52
Tabelle 11: [B13 Mindestmaße für Vollspaltenbuchten (Volllochbodenbuchten)]................................. 54
Tabelle 12: Empfohlene Liegeflächengrößen (BVET 2003, FAT 2005) ................................................ 56
Tabelle 13: [B18 Mindestmaße für Einzelbuchten von Kälbern] ........................................................... 60
Tabelle 14: [B19 Mindestmaße für Gruppenbuchten von Kälbern] ....................................................... 61
Tabelle 15: Mindestmaße für Liegeboxen für Kälber (ÖKL, 2014) ....................................................... 62
Tabelle 16: B21a Mindestmaße für den Auslauf bei Kälbern in Einzelhaltung ..................................... 63
Tabelle 17: B21b Mindestmaße für Gruppenbuchten von Kälbern im Freien ....................................... 63
Tabelle 18: Richtwerte für den durchschnittlichen Wasserbedarf von Rindern (ÖKL-BMBL 80, 2005) 77
Tabelle 19: Richtwerte für den durchschnittlichen Wasserbedarf von Kälbern (ÖKL-BMBL 80, 2005) 79
Tabelle 20: [D8 Mindestmaße für Fressplätze in Gruppenhaltungssystemen] ..................................... 82
Tabelle 21: Empfohlene Liegeflächengrößen (BVET 2003, FAT 2005) .............................................. 110

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Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Beurteilung von Technopathien am Rind ......................................................................... 19
Abbildung 2: Überprüfung der Dimensionierung der Spaltenbreite....................................................... 25
Abbildung 3: Darstellung zulässiger und nicht zugelassener Spaltenbodenelementen ....................... 27
Abbildung 4: Überprüfung der Dimensionierung der Gülleroste ........................................................... 29
Abbildung 5: Beispiel für ein zeitliches Schema zur Auslaufhaltung für Maststiere .............................. 32
Abbildung 6: Vorgaben zur Einrichtung der Anbindevorrichtung .......................................................... 33
Abbildung 7: Maße zum massiven Barnsockel ..................................................................................... 35
Abbildung 8: Vermessung der Höhe der Barnabgrenzung ................................................................... 36
Abbildung 9: Vermessung der Standlänge und der Standbreite ........................................................... 38
Abbildung 10: Beurteilung baulicher Elemente bei der Vermessung des Standes ............................... 39
Abbildung 11: Vermessung von Liegeboxen ......................................................................................... 44
Abbildung 12: Gebäudestütze im Bereich der Liegeboxenbügel bzw. im Kopfbereich ........................ 45
Abbildung 13: Gebäudestütze im hinteren Bereich der Liegebox ......................................................... 45
Abbildung 14: Funktionsmaße für Liegeboxen ...................................................................................... 46
Abbildung 15: Vermessung der Fressgangbreite .................................................................................. 48
Abbildung 16: Vermessung der „nutzbaren“ Fressgangbreite gemäß Ländernormen ......................... 50
Abbildung 17: Vermessung der Laufgangbreite .................................................................................... 51
Abbildung 18: Vermessung der Laufgangbreite unter Berücksichtigung der „nutzbaren Breite“ .......... 53
Abbildung 19: Messung der Lichtstärke in zwei Ebenen (1) ................................................................. 72
Abbildung 20: Messung der Lichtstärke in zwei Ebenen (2) ................................................................. 72
Abbildung 21: Vermessung der Futterbarnsohle ................................................................................... 80
Abbildung 22: Messung der Fressplatzbreite am Fressgitter ................................................................ 83

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Linktipps
Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz
[Link]

Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus


[Link]

Kommunikationsplattform VerbraucherInnengesundheit
[Link]

Landwirtschaftskammern Österreich
[Link]

Österreichischer Tiergesundheitsdienst
[Link]

Europaratsempfehlungen zur Rinderhaltung


[Link]

Österreichisches Kuratorium für Landtechnik und Landentwicklung


[Link]

Rinderzucht Austria
[Link]

Veterinärmedizinische Universität
[Link]

Universität für Bodenkultur


[Link]

HBLFA Raumberg-Gumpenstein
[Link]

Fachstelle für tiergerechte Tierhaltung und Tierschutz


[Link]

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit

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Abkürzungsverzeichnis
BGBL. Bundesgesetzblatt
idF in der Fassung
TSchG Tierschutzgesetz
1. ThVO Erste Tierhaltungsverordnung

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