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Hintergrund Standard Kolonkarzinom

Das Dokument beschreibt die Pflege von Senioren mit Kolonkarzinom, einem der häufigsten bösartigen Tumoren in Deutschland, und hebt die Bedeutung der Früherkennung und Risikofaktoren hervor. Es werden zentrale Aspekte der Pflege, wie das Management von Schmerzen, die Überwachung von Symptomen und die Nachsorge nach operativen Eingriffen behandelt. Zudem wird auf die Prognose und die Notwendigkeit regelmäßiger Kontrollen nach der Erkrankung eingegangen.

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Hintergrund Standard Kolonkarzinom

Das Dokument beschreibt die Pflege von Senioren mit Kolonkarzinom, einem der häufigsten bösartigen Tumoren in Deutschland, und hebt die Bedeutung der Früherkennung und Risikofaktoren hervor. Es werden zentrale Aspekte der Pflege, wie das Management von Schmerzen, die Überwachung von Symptomen und die Nachsorge nach operativen Eingriffen behandelt. Zudem wird auf die Prognose und die Notwendigkeit regelmäßiger Kontrollen nach der Erkrankung eingegangen.

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Standard "Pflege von Senioren mit einem Kolonkarzinom (Darmkrebs)"

Definition:  Das Kolonkarzinom ist in Deutschland der


zweithäufigste bösartige Tumor. Diese Krebsform wird
als Todesursache bei Männern nur vom Lungenkrebs
und bei Frauen nur vom Brustkrebs übertroffen.
 Das Alter ist der zentrale Risikofaktor. In der
Altersgruppe der 25-jährigen Frauen gibt es nur eine
Neuerkrankung pro 100.000 Einwohner. Bei Frauen mit
einem Lebensalter von 70 Jahren steigt dieser Wert um
das Hundertfache.

(Hinweis: Bis zum 45. Lebensjahr erhöht sich das Risiko nur
moderat, wächst ab dieser Grenze jedoch sehr stark.)

 In Deutschland erkranken pro Jahr 50.000 bis 55.000


Menschen.
 Männer sind etwas häufiger als Frauen von diesem
Tumor betroffen. Das Verhältnis liegt bei zwei zu drei.
 Die Krankenversicherungen empfehlen allen Menschen
ab dem 50. Lebensjahr eine jährliche
Stuhluntersuchung auf Blut. Bei Männern sollte ab dem
50. Lebensjahr und bei Frauen ab dem 55. Lebensjahr
eine Koloskopie (sog. "Darmspiegelung") erfolgen, die
bei unauffälligem Befund alle zehn Jahre wiederholt
werden sollte. Die Polypenentfernung beugt zudem
einer Karzinomentstehung vor. Die Kosten trägt die
Krankenkasse.

(Hinweis: Die Akzeptanz dieser Untersuchung ist selbst in


jüngeren Bevölkerungsschichten eher mäßig. In älteren
Generationen mit einem oftmals stärker entwickelten
Schamgefühl ist die Kooperationsbereitschaft noch geringer.
Hinzu kommt die unbegründete Angst vor Schmerzen durch
die Koloskopie.)

Bild: Die prozentuale Verteilung der Dickdarmkarzinome


entlang der einzelnen Kolonabschnitte zeigt, dass ein großer
Teil der Tumore bereits durch die rektale Untersuchung
festgestellt werden kann.
Auswirkungen auf die MDK-Prüfung:

 Eine zentrale Komplikation eines Kolonkarzinoms ist


der Gewichtsverlust. Zumeist vollzieht sich dieser in
einer Geschwindigkeit, dass der Schwellenwert für den
Indikator "Unbeabsichtigter Gewichtsverlust" erreicht
wird. Pflegeheime kämen dann in die Situation, für ein
Ereignis verantwortlich gemacht zu werden, das sich
tatsächlich dem Einfluss pflegerischen Handelns
entzieht. Selbst durch die beste Versorgung können
Pflegekräfte den Gewichtsverlust nicht abwenden.
Daher zählen Tumorerkrankungen zu den
Ausschlusskriterien für diese Kennzahl. Betroffene
Senioren werden also bei deren Ermittlung nicht
berücksichtigt.
 Darmkrebspatienten erleiden häufig erhebliche
Schmerzen. Diese sind zunächst die Folge des Tumors
selbst. Nach einer Operation kommen Wundschmerzen
hinzu, die jedoch nach einigen Tagen abklingen.
Krampfartige Beschwerden werden in der Folgezeit
mitunter durch Verdauungsprobleme wie Durchfall oder
Blähungen hervorgerufen. Daher ist es wichtig, die
Schmerzsituation des Bewohners engmaschig zu
erfassen. Unterlässt das Pflegeheim dieses, verstößt es
gegen die Vorgaben des Expertenstandards zum
Schmerzmanagement. Außerdem droht eine
Verschlechterung des Indikators "Aktualität der
Schmerzeinschätzung".

Grundsätze:  Jede plötzliche Veränderung der Stuhlgewohnheiten ist


ein Hinweis auf ein Karzinom, insbesondere der
schnelle Wechsel von Obstipation und Diarrhö (sog.
"Wechselstühle").
 Wir verlassen uns nicht darauf, dass der Bewohner uns
anspricht, wenn verdächtige Symptome vorliegen.
Diese entwickeln sich oftmals so langsam, dass sich
der Bewohner daran gewöhnt und ihnen keine
Beachtung schenkt. Daher fragen wir immer aktiv beim
Bewohner nach.
 Es gibt keine Alternative zu einer möglichst frühzeitigen
Entdeckung eines Kolonkarzinoms. Daher melden wir
jede relevante Beobachtung umgehend dem
behandelnden Hausarzt. Zudem drängen wir darauf,
die Angebote zur Früherkennung wahrzunehmen.
Dieses insbesondere, wenn ein Bewohner aufgrund
einer demenziellen Erkrankung die Gefahr nicht
einschätzen kann.
 Der Krankheitsverlauf und die Überlebenschancen sind
abhängig vom Verhalten des Bewohners. Wenn
Senioren Risikofaktoren vermeiden und
Früherkennungsmaßnahmen annehmen, senken sie
das Erkrankungs- und Todesrisiko erheblich.
 Wir sind uns stets bewusst, dass die Angst um die
eigene Gesundheit die Persönlichkeit eines Menschen
verändern kann. Wir sind daher im Umgang mit dem
Bewohner besonders nachsichtig.

Ziele:  Durch die Vermeidung von Risikofaktoren und durch


eine gesunde Lebensweise wird die Entstehung eines
Kolonkarzinoms verhindert.
 Ein sich entwickelndes Kolonkarzinom wird frühzeitig
bemerkt, damit der Bewohner die größtmögliche
Überlebenschance hat.
 Nach einer Operation wird der Bewohner optimal
versorgt. Er erholt sich von den Folgen des Eingriffs
und der Erkrankung.

Vorbereitung: Risikofaktoren Wir prüfen, welche Risikofaktoren


beim Bewohner zutreffen:

 Bewegungsmangel und
Übergewicht
 Existenz von bestimmten
Formen von Kolonpolypen
 anhaltender Alkohol- und
Nikotinkonsum
 chronische Darmentzündung
(Colitis ulcerosa)
 fettreiche und ballaststoffarme
Ernährung
 ähnliche Tumorerkrankungen
im familiären Umfeld

Symptome Wir achten auf Symptome, die für ein


Kolonkarzinom sprechen. Zumeist
bleibt das Karzinom über lange Zeit
asymptomatisch. Die Erkrankung
wird ggf. erst entdeckt, wenn
Pflegebedürftige über vermehrte
Müdigkeit, Völlegefühl,
Appetitlosigkeit, körperliche
Schwäche und ungewollte
Gewichtsreduktion klagen. Im
späteren Verlauf intensiviert sich die
Symptomatik. Falls es hinreichende
Anzeichen gibt, raten wir zur
Durchführung einer Darmspiegelung.
 Blutauflagerung am Stuhl
 Änderungen der
Stuhlgewohnheiten, also etwa
plötzlich auftretende
Verstopfung oder Durchfall,
oft auch im ständigen
Wechsel
 permanenter Stuhldrang bei
geringer Stuhlmenge
 dünner ("bleistiftförmiger")
Stuhl bei einem
Rektumkarzinom aufgrund der
verengten Darmpassage und
einem bevorstehenden
mechanischem Ileus
 kolikartige Krämpfe im Darm-
und Magenbereich
 Anämie ("Blutarmut") als
Folge der chronischen und oft
unbemerkten Blutverluste

Prophylaxemaßnahmen Die meisten Bewohner sind zum


Zeitpunkt der Heimaufnahme bereits
hochbetagt und multimorbid. Der
Nutzen von weiteren Maßnahmen
zur Darmkrebsprophylaxe ist somit
begrenzt. Dennoch sollten
Pflegekräfte stets für eine gesündere
Lebensweise werben.

 Wir ermuntern den Bewohner,


die regelmäßigen
Vorsorgeuntersuchungen
wahrzunehmen.
 Ggf. vorhandenes
Übergewicht wird abgebaut.
Der Bewohner sollte einen
BMI von unter 25 anstreben.
 Wir ermuntern den Bewohner
zu mehr körperlicher Aktivität,
möglichst 30 bis 60 Minuten
pro Tag. Dieses regt auch die
Darmtätigkeit an und senkt
das Erkrankungsrisiko.
 Der Bewohner sollte sich
gesund ernähren und
insbesondere den Konsum
von Fett- und Fleisch
reduzieren. Stattdessen sollte
er viel Fisch, Obst und
Gemüse zu sich nehmen.
Eine ballaststoffreiche
Ernährung senkt das Risiko.
 Der Pflegebedürftige sollte
den Nikotin- und
Alkoholkonsum auf ein
Minimum reduzieren.
 Der Bewohner sollte
Abführmittel nur auf ärztliche
Anweisung einnehmen.
 Wir prüfen gemeinsam mit
dem behandelnden Arzt, ob
die langfristige Einnahme von
Vitamin C, NSAR
(Nichtsteroidales
Antirheumatika) oder
Acetylsalicylsäure das Risiko
des Bewohners senken
könnte.

weitere Maßnahmen  Wir informieren den


Bewohner darüber, dass nicht
jede Blutspur am Stuhl ein
Anzeichen für ein
Kolonkarzinom ist. Als
Auslöser kommen
insbesondere auch
Hämorrhoiden infrage.

Durchführung: Pflege nach einem  Die bloße Verkürzung des


operativen Eingriff, Darms durch eine Resektion
etwa nach einer von betroffenen Abschnitten
Kolonresektion hat an sich nur geringe
Auswirkungen. Die Funktion
des Dickdarms wird vom
verbleibenden Restdarm
übernommen.
 Der Bewohner wird möglichst
schmerzarm gelagert. Oft
mindert ein Kissen unter dem
Gesäß die Beschwerden beim
Sitzen und beim Liegen. Ggf.
kann auch eine
Antidekubitusmatratze die
Schmerzbelastung
reduzieren. Wir achten aber
darauf, dass der Bewohner im
Rahmen der Möglichkeiten
regelmäßig umgelagert wird,
um die Entwicklung eines
Druckgeschwürs zu
verhindern.
 Nach einer Operation klagen
viele Senioren über
Darmträgheit. Wir
beschränken unsere
Maßnahmen auf feuchte
Wärmeauflagen, etwa
Handtücher. Alle weiteren
Maßnahmen zur Anregung
der Darmtätigkeit erfolgen nur
nach vorheriger ärztlicher
Anordnung.
 Der Zustand des Bewohners
wird engmaschig überwacht.
Wenn dieser über Schmerzen
klagt, wird umgehend der Arzt
/ Notarzt informiert. Dieses ist
auch erforderlich, wenn kaum
noch Darmgeräusche hörbar
sind oder wenn das Abdomen
aufgebläht ist.
 In der Regel findet der
Kostaufbau bereits im
Krankenhaus statt. Der
Bewohner kann somit nach
der Rückkehr in die
Einrichtung zumindest leichte
Vollwertkost zu sich nehmen.
 Als Folge der ggf. erhöhten
Wasserbeimengung im Stuhl
müssen Flüssigkeitsverluste
kompensiert werden. Wir
stellen sicher, dass der
Bewohner ausreichend trinkt.
 Die Wundheilung ist zumeist
bei der Rückkehr in das
Pflegeheim weit
fortgeschritten. Wir achten
dennoch auf krankhafte
Veränderungen der
Wundumgebung, etwa auf
Rötungen, auf Schwellungen
und auf Überwärmung.
 Nach chirurgischen Eingriffen
am Rektum müssen alle
Manipulationen am Enddarm
unterbleiben, bis die
Operationswunde vollständig
abgeheilt ist. Wir unterlassen
daher insbesondere rektale
Temperaturmessungen.
Alternativ messen wir die
Körpertemperatur im Mund
oder im Ohr. Suppositorien,
Klysmen oder Einläufe
werden ausschließlich auf
ausdrückliche Anweisung des
Arztes durchgeführt.
 Nach einer Kolonresektion
kann sich das
Ausscheidungsverhalten
ändern. Oftmals wird der
Stuhl weicher. Der Bewohner
führt zwei- bis dreimal pro Tag
ab. Da dieser Stuhl (durch die
Reste von Verdauungssäften)
aggressiv auf die Haut wirkt,
ist es wichtig, den Bewohner
zu einer konsequenten
Analhygiene anzuleiten und
ihn ggf. dabei zu unterstützen.
Es ist zudem unverzichtbar,
die Haut gut abzutrocknen.
Durch eine
Ernährungsanpassung kann
dieser Effekt minimiert
werden. Wir arbeiten daher
mit einer Diätassistentin
zusammen.
 Wir achten auf
Blasenentleerungsstörungen.
Diese können insbesondere
nach einer Rektumoperation
auftreten, klingen aber oftmals
nach einiger Zeit ab. Der
Bewohner benötigt daher
temporär
Inkontinenzhilfsmittel.
 Wir stellen sicher, dass der
Bewohner über eine
angemessene
Schmerzmedikation verfügt.
 Wenn der Bewohner ein
Stoma erhält, werden die
entsprechenden Standards
umgesetzt, etwa "Kolostoma-
Irrigation",
"Kolostomaversorgung" oder
"Versorgung mit einer
Stomakappe".

Nachbereitung: Prognose  Eine Heilung des Bewohners


ist nur möglich, sofern der
Tumor operativ vollständig
entfernt wird.
 Im Durchschnitt liegt die Fünf-
Jahres-Überlebensrate bei
rund 60 Prozent.
 Wenn der Tumor nicht
gestreut hat, rechtzeitig
entdeckt und behandelt wird,
liegt die Fünf-Jahres-
Überlebensrate bei rund 70
bis 90 Prozent.
 Bei erheblichen
Verzögerungen der Diagnose
und der Therapie
verschlechtert sich die
Prognose auf 20 Prozent. Ein
Kolonkarzinom metastasiert
bevorzugt in angrenzende
Lymphknoten und dann weiter
in die Leber, in das Skelett
und in die Lunge.
 Bei einer tiefen Lokalisation
des Tumors ist ggf. die
Erhaltung des Schließmuskels
nicht möglich. Inkontinenz
sowie eine Stomaanlage sind
die Folge. Der Betroffene wird
seinen Stuhl zukünftig
unkontrolliert über einen
Beutel ausscheiden. Dieses
ist nicht nur ein pflegerisches
Problem, sondern wirkt sich
auch auf das Selbstwertgefühl
und auf das soziale Leben
des Bewohners aus. Die
Folge sind ggf. Unsicherheit,
Rückzug, soziale Isolation
sowie depressive Störungen.
 Es ist unverzichtbar, dass sich
der Bewohner nach einer
überstandenen
Tumorerkrankung
regelmäßigen Kontrollen
unterzieht, um ein
Wiederauftreten des Tumors
und Tochtergeschwüre zu
vermeiden.

Dokumente:  Pflegebericht
 ärztliches Verordnungsblatt
 Pflege- und Maßnahmenplanung

Verantwortlichkeit  alle Pflegekräfte


/ Qualifikation:

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