Tremonia Fechtschule 2024
Programm
Freitag, 6. September 2024
17:00 Anmeldung, Lageraufbau
18:15 Begrüßung der Teilnehmer
19:00 Abendessen
20:00 Vortrag: Projektion und Bias – Der moderne Blick auf
mittelalterliche Kampfesweisen
Adam Nawrot (Kaptorga)
Wie nennen wir eigentlich Beteiligte an Gewalt im mittelalterlichen Kontext?
Soldaten? Was impliziert der Begriff und welches komplexe Bild von
Organisation, zugrunde liegender Ökonomie und letztendlich
gesellschaftlichem Model haben wir vor Augen, wenn wir den Begriff
verwenden?
Oder sprechen wir, wie im frühmittelalterlichen Kontext gern getan, von
Krieger:innen? Was bedeutet dieser ethnologisch gefärbte Begriff? Wie oft sind
Krieger an organisierter Gewalt beteiligt? Welche Ausbildung haben sie?
Dürfen sie, um in unseren Augen diesen Titel zu führen, Gewerken nachgehen?
– Felder bestellen, oder nur besitzen? Werden sie zu Bauern, wenn sie öfter bei
Ernten beteiligt sind als bei Kriegszügen? Warum nennen wir skandinavische
Fischer, die zwei Mal im Leben an einer Schlacht beteiligt waren –
Wikingerkrieger, aber einen norddeutschen Tuchhändler, der an zwei
Belagerungen und zwei Kriegszügen teilgenommen hat, immer noch einen
Städter?
Und was passiert, wenn wir die Konflikte selbst betrachten? Den Kampf auf
seinen verschiedenen Ebenen vom Feldzug bis zum Duell? Hören da unsere
Annahmen und mitgebrachten Begriffe auf?
Geben wir uns den Freuden der Innenschau hin und hinterfragen möglichst
viel von dem, was wir, die Forschung und interessierte Laien in die
Untersuchung historischer Kampfesweisen tragen, denn nur so erringen wir
das Gut, das wir nicht erringen werden – Objektivität.
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Programm
21:00 Lagerfeuer
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Programm
Samstag, 7. September 2024
9:00 Frühstück
10:00 Sammeln, Ankündigungen
10:30 Workshop: Fußarbeit im Langschwert
Kristine Konsmo (HEMA Riga)
Drills um euch im Ring behender zu machen. Das meiste hiervon ist auf alle
Waffen anwendbar, doch der Fokus wird darauf liegen, wie man sich mit dem
Langschwert bewegt. Der Großteil des Seminars kann ohne Ausrüstung
gemacht werden. Zum Ende werden mindestens eine Maske und Handschuhe
benötigt – volle Ausrüstung, falls ihr die Drills mit höherer Intensität machen
wollt.
Workshop: "Hips don’t lie" – Wie man Hüften und Schultern
für besseres Fechten nutzt
Vicky Chudinov (Københavns Historiske Fægteklub)
Beschreibung: Dieser Workshop wird eine Reihe an Drills präsentieren,
basierend auf mehreren Manuskripten, mit dem Fokus auf die Nutzung eurer
Schultern und Hüften für starke und schnelle Aktionen.
In Teil 1 werden wir uns auf die Entwicklung der Hüft- und Schulterbewegung
konzentrieren mithilfe von Marcellis stoccata annervata und einiger Stücke von
Salvator Fabris.
In Teil 2 wird unser Fokus auf der Nutzung der Füße und des Gewichts für
Finten und Einladungen liegen, aus der Bologneser Tradition und von Thibault
D’Anvers kommend.
Niveau: Für alle Erfahrungsstufen.
Ausrüstung: Wäre schön, wenn man einen Rapier hat.
Workshop: Ein Abstecher ins genuesische Messer
Oliver Janseps (Mispeldorn), Marcus Wirth (Mispeldorn)
In diesem Workshop werden wir uns einen Einblick in eine Methode
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verschaffen, mit der die Hafenarbeiter in Genua ihr Messer benutzt haben.
Große kunstvolle Bewegungen wie man sie möglicherweise aus dem
süditalienischem Raum kennt gibt es nicht. Auch das Messer ist ein
alltagstaugliches Messer für den damaligen Handwerker und kein überlanges
Klappmesser. Aber genau wie dieses wurde das Coltello Genovese auf
traditionelle Weise von Lehrer zu Schüler weitergegeben. Schriftliche Quellen
aus dem 19. Jh. existieren genauso wenig wie sie benötig werden um es zu
erlernen.
Wie sich vielleicht vermuten lässt, handelt es sich um kein großes und
ausgearbeitetes System, sondern um eine Sammlung von Tricks und Kniffen,
sowie angewandten Konzepte.
Wer es eher bodenständig und schnörkellos mag, kommt hier voll und ganz auf
seine Kosten.
Seminar: Fragestellungen und ihre Überprüfung in der Arbeit
mit historischen Quellen
Adam Nawrot (Kaptorga)
Kennt Ihr das: Ihr wollt Euch eine mittelalterliche Quelle vornehmen, ihr habt
genau diese ausgewählt, weil Schwerter und Kampf drin vorkommen, es ist
nicht viel – aber mehr als in anderen Texten – die Zeilen inspirieren Euch,
noch nie hat jemand solche Erkenntnisse zu diesem Text formuliert! Ihr seid
da richtig etwas auf der Spur! Also ich bekenne – mir ist das passiert. Aber wie
sollen wir jetzt herausfinden, ob wir da richtig etwas auf der Spur sind oder nur
einem Brainfart aufsitzen? In der Arbeit mit historischen Texten treffen sich
mindestens zwei komplexe Wolken aus Motivationen, kulturellem
Hintergrund, Sprachgewohnheiten etc. – nämlich die des Verfassers und die
des heutigen Lesers. Um Quellen gerecht zu werden, müssen wir nicht nur die
Umstände der Verfassenden, aber mindestens genau so sehr unsere eigenen
kennen. Anhand von ausgewählten Texten, gern auch von Texten, die
Teilnehmende mitbringen, beschäftigen wir uns mit unseren Erwartungen und
erarbeiten Fragestellungen, welche ihre eigene Motivation möglichst
transparent machen. Will it kill the fun or double it?
Der Workshop baut auf dem Vortrag zu Projektion und Bias auf.
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Programm
12:30 Mittagessen
14:00 Workshop: Kampfblumen
Auri Poso (Gladiolus School of Arms)
Fiore dei Liberi lebte im Norditalien des 14. bis 15. Jhds. und schrieb eine
Abhandlung namens „Il Fior die Battaglia“. Das ist so ziemlich alles, was wir
sicher über ihn wissen. Die Abhandlung legt ein vollständiges
Kampfkunstsystem vor, welches er „Armizare“ nannte: Ringen, Dolch,
Schwerter, Speere, Stangenwaffen, gerüstet oder ungerüstet, zu Fuß oder zu
Pferde, all das kommt zusammen um eine kohärente Methodik mit einer
eingeschränkten Zahl von Kernprinzipien und -techniken zu formen. In diesem
Workshop werden wir Fiores eigene Ringen-, Dolch- und Schwertstücke sowie
aus ihnen abgeleitete Drills dazu nutzen, eine flüchtige Bekanntschaft zu Fiores
System aufzubauen.
Workshop: Rapier Stücke gegen den Dolch
Reinis Rinka (HEMA Riga)
Beschreibung: Ein Workshop darüber, wie man den Dolch der Gegner:innen
besiegt, sowohl defensiv als auch offensiv. Teilnehmer:innen werden auch
ermutigt, Rapier-&-Dolch-Techniken zu präsentieren mit denen sie arbeiten
möchten, sowohl solche mit denen sie Probleme haben, als auch solche auf die
sie besonders stolz sind. Reinis wird ebenfalls ein paar schöne und bewährte
Techniken lehren, die ihr eurem Repertoire hinzufügen könnt.
Niveau: Alle Erfahrungsstufen sind willkommen. Ein wenig Erfahrung mit
Rapier & Dolch ist empfohlen aber nicht notwendig.
Ausrüstung: Ihr werdet für diesen Workshop einen Rapier und einen Dolch
brauchen, sowie Schutzausrüstung.
Workshop: Mantel und Dolch
Sven Meier (Southampton Historical Fencing)
16:00 Fechtschule (Turnier) mit freier Kunststoffwaffenwahl
Freies Training, Schnitttests
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18:00 Großes Grillen
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Programm
Sonntag, 8. September 2024
9:00 Frühstück
10:00 Sammeln, Ankündigungen
10:30 Workshop: Vorbereitung von Schnitten mit der falschen
Schneide und anderen interessanten Winkeln mit dem
Langschwert
Kristine Konsmo (HEMA Riga)
Wir schauen uns an, welche Szenarien nach Schnitten mit der falschen
Schneide verlangen, als Weg im Sparring mit Mustern zu brechen. Der Fokus
wird darauf liegen, wie man unter diesen Umständen die Ausführung
vorbereitet. Wir bauen dabei auf dem Seminar zur Fußarbeit vom Samstag auf,
da Fußarbeit fundamental dafür ist, diese Muster aufzubrechen.
Workshop: "Hips don’t lie" – Wie man Hüften und Schultern
für besseres Fechten nutzt
Vicky Chudinov (Københavns Historiske Fægteklub)
Beschreibung: Dieser Workshop wird eine Reihe an Drills präsentieren,
basierend auf mehreren Manuskripten, mit dem Fokus auf die Nutzung eurer
Schultern und Hüften für starke und schnelle Aktionen.
In Teil 1 werden wir uns auf die Entwicklung der Hüft- und Schulterbewegung
konzentrieren mithilfe von Marcellis stoccata annervata und einiger Stücke von
Salvator Fabris.
In Teil 2 wird unser Fokus auf der Nutzung der Füße und des Gewichts für
Finten und Einladungen liegen, aus der Bologneser Tradition und von Thibault
D’Anvers kommend.
Niveau: Für alle Erfahrungsstufen.
Ausrüstung: Wäre schön, wenn man einen Rapier hat.
Workshop: WUUMM, the sound of Bastone Genovese
Oliver Janseps (Mispeldorn), Marcus Wirth (Mispeldorn)
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Programm
Ebenfalls eine einfache Methode für den Umgang mit dem gewöhnlichen Stock
oder Spazierstock wurde uns über die Hafenarbeiter Genuas erhalten. Man
mag den Spazierstock zum reinen Flanieren eher mit dem Gentleman des 19.
Jh. in Verbindung bringen, doch war es tatsächlich auch die Waffe, mit der die
Fuhrleute im Notfall die Warenladung verteidigen konnten.
Dieser Workshop vermittelt die Grundlagen, um den Stock zum Angriff und
zur Verteidigung nutzen zu können. Dem einen oder anderen mögen Parallelen
zum zeigenössischen Säbelfechten auffallen, nur um gleich zu bemerken, dass
anscheinend weniger Wert auf die Haltung gelegt wird. Ein Aspekt welcher der
geringen Trainingszeit – bei schlechtem Wetter im Lagerhaus – geschuldet
sein wird. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen besticht der Stock so wie er
gelehrt wird mit seiner Einfachheit gepaart mit kraftvollen Hieben.
Seminar: Fragestellungen und ihre Überprüfung in der Arbeit
mit historischen Quellen
Adam Nawrot (Kaptorga)
Kennt Ihr das: Ihr wollt Euch eine mittelalterliche Quelle vornehmen, ihr habt
genau diese ausgewählt, weil Schwerter und Kampf drin vorkommen, es ist
nicht viel – aber mehr als in anderen Texten – die Zeilen inspirieren Euch,
noch nie hat jemand solche Erkenntnisse zu diesem Text formuliert! Ihr seid
da richtig etwas auf der Spur! Also ich bekenne – mir ist das passiert. Aber wie
sollen wir jetzt herausfinden, ob wir da richtig etwas auf der Spur sind oder nur
einem Brainfart aufsitzen? In der Arbeit mit historischen Texten treffen sich
mindestens zwei komplexe Wolken aus Motivationen, kulturellem
Hintergrund, Sprachgewohnheiten etc. – nämlich die des Verfassers und die
des heutigen Lesers. Um Quellen gerecht zu werden, müssen wir nicht nur die
Umstände der Verfassenden, aber mindestens genau so sehr unsere eigenen
kennen. Anhand von ausgewählten Texten, gern auch von Texten, die
Teilnehmende mitbringen, beschäftigen wir uns mit unseren Erwartungen und
erarbeiten Fragestellungen, welche ihre eigene Motivation möglichst
transparent machen. Will it kill the fun or double it?
Der Workshop baut auf dem Vortrag zu Projektion und Bias auf.
12:30 Mittagessen
Tremonia Fechtschule 2024
Programm
13:30 Fechtschule (Turnier) mit dem langen Schwert aus Stahl
Freies Training
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