AB Textanalyse
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Textanalyse
Arbeitsauftrag:
4. Aufgabe im Klausur-Format:
1) Untersuche den vorliegenden Textauszug unter Berücksichtigung der Grundlagen der psychosozialen
Entwicklung nach Erikson. Achte dabei besonders auf die sprachlich-stilistische Gestaltung und die
Intention des Autors. Inwiefern spiegeln sich psychosoziale Entwicklungsaspekte in der Charakterisie-
rung Grenouilles wider?
2) Diskutiere* ausgehend von Grenouilles Entwicklung, ob negative frühe Erfahrungen das Schicksal eines
Menschen vorherbestimmen.
* Operator „diskutieren“ = zu einer Problemstellung oder These eine Argumentation entwickeln, die zu einer be-
gründeten Bewertung führt
Romanauszug: S. 27f.
„Für den kleinen Grenouille war das Etablissement der Madame Gaillard ein Segen. Wahrscheinlich hätte er nirgendwo
anders überleben können. Hier aber, bei dieser seelenarmen Frau gedieh er. Er besaß eine zähe Konstitution. Wer wie
er die eigene Geburt im Abfall überlebt hatte, ließ sich nicht mehr so leicht aus der Welt bugsieren. Er konnte tagelang
wäßrige Suppen essen, er kam mit der dünnsten Milch aus, vertrug das faulste Gemüse und verdorbenes Fleisch. Im
Verlauf seiner Kindheit überlebte er die Masern, die Ruhr, die Windpocken, die Cholera, einen Sechsmetersturz in einen
Brunnen und die Verbrühung der Brust mit kochendem Wasser. Zwar trug er Narben davon und Schrunde und Grind
und einen leicht verkrüppelten Fuß, der ihn hatschen machte, aber er lebte. Er war zäh wie ein resistentes Bakterium
und genügsam wie ein Zeck, der still auf einem Baum sitzt und von einem winzigen Blutströpfchen lebt, das er vor Jahren
erbeutet hat. Ein minimales Quantum an Nahrung und Kleidung brauchte er für seinen Körper. Für seine Seele brauchte
er nichts. Geborgenheit, Zuwendung, Zärtlichkeit, Liebe – oder wie die ganzen Dinge hießen, deren ein Kind angeblich
bedurfte – waren dem Kinde Grenouille völlig entbehrlich. Vielmehr, so scheint uns, hatte er sie sich selbst entbehrlich
gemacht, um überhaupt leben zu können, von Anfang an. Der Schrei nach seiner Geburt, der Schrei unter dem Schlacht-
tisch hervor, mit dem er sich in Erinnerung und seine Mutter aufs Schafott gebracht hatte, war kein instinktiver Schrei
nach Mitleid und Liebe gewesen. Es war ein wohlerwogener, fast möchte man sagen ein reiflich erwogener Schrei ge-
wesen, mit dem sich das Neugeborene gegen die Liebe und dennoch für das Leben entschieden hatte. Unter den ob-
waltenden Umständen war dieses ja auch nur ohne jene möglich, und hätte das Kind beides gefordert, so wäre es
zweifellos alsbald elend zugrunde gegangen. Es hätte damals allerdings auch die zweite ihm offenstehende Möglichkeit
ergreifen und schweigen und den Weg von der Geburt zum Tode ohne den Umweg über das Leben wählen können,
und es hätte damit der Welt und sich selbst eine Menge Unheil erspart. Um aber so bescheiden abzutreten, hätte es
eines Mindestmaßes an eingeborener Freundlichkeit bedurft, und die besaß Grenouille nicht. Er war von Beginn an ein
Scheusal. Er entschied sich für das Leben aus reinem Trotz und aus reiner Boshaftigkeit.“
Rhetorische
Beispiel Erklärung
Figur
Akkumula- „Nenn’s Glück! Herz! Liebe! Aneinanderreihung von Wörtern zu einem Oberbegriff,
tion Gott!“ der genannt oder nicht genannt wird.
„Ich schreibe jetzt, ich schreibe, Wiederholung von Wörtern oder Wortgruppen
Anapher was ich will, ich schreibe für mein an Vers-oder Satzanfängen, was einen verstärkenden Ef-
Leben gern.“ fekt auf das Gesagte hat.
„Wenn dich jemand auf die Gegenüberstellung von Gedanken und Begriffen. The-
rechte Backe schlägt, dann halte sen können gegenübergestellt werden, aber auch eine
Antithese
auch die linke hin.“ oder „Der stilistische Gegenüberstellung ist möglich, um etwas zu
Wahn ist kurz, die Reu‘ ist lang.“ kontrastieren.
„Es ist der Liebe milde Satzstellung, die von der üblichen abweicht. Geschieht
Hyperbaton Zeit“ oder „Der Worte sind ge- meist durch die Umstellung einzelner Satzbestandteile,
nug gewechselt.“ um diese zu verdeutlichen.
„Veni, vidi, vici (Ich kam, sah und Stufenartige (dreigliedrige) Steigerung eines Begriffs.
siegte)“, „Erst die Stadt, dann das Meist vom wenig Bedeutsamen zum Bedeutsamen oder
Klimax
Land und in einem Jahr herrsche vom Kleinsten zum Größten. Das Gegenstück ist
ich über die Welt.“ die Antiklimax.
„Der Wasserhahn tropft.“, „Das Lautmalerisches Wort, das so ähnlich klingt, wobei
Onomato-
Feuer knistert im Ofen.“, „Das akustische Eindrücke durch Sprache rekonstruiert wer-
poesie
Haus ächzt und seufzt.“ den.
„Eile mit Weile“, „Diese Fülle hat Verbindungen zweier Worte, die sich gegenseitig aus-
Oxymoron mich arm gemacht“, „Es lebe der schließen. Kann dadurch eine pointierte Wirkung erhal-
Tod!“ ten. Siehe auch Contradictio in adiecto
„Heiß ist die Liebe, kalt ist der Wiederholung einer gleichartigen Syntax in aufeinan-
Parallelismus Schnee.“, „Schnell lief er hin, lang- derfolgenden Sätzen. Wiederkehr derselben Wortrei-
sam kam er zurück.“ henfolge.
„So bitt ich – ein Versehen war’s, Einschub in einen Satz, der grammatisch selbständig ist.
Parenthese weiter nichts – für diese rasche Dieser Einschub verändert die syntaktische Ordnung
Tat dich um Verzeihung.“ nicht.
„Fabriken drohten mit ihren keu- Vermenschlichung abstrakter Begriffe oder lebloser
Personifika-
chenden Schloten„, „Frau Welt“, Gegenstände, indem man diesen menschliche Eigen-
tion
„Mutter Natur“ schaften zuschreibt. Ist mit der Allegorie verwandt.
Herz für Liebe, Kronefür Sinnbild, das auf etwas Allgemeines hinweist. Häufig ein
Symbol Macht, Kreuz für das Christen- Gegenstand, der für einen allgemeinen Sinnzusammen-
tum. hang steht.
Klinge für Schwert, „Dach über Ein Teil steht für das Ganze (pars pro toto) oder das
Synekdoche
dem Kopf haben.“ Ganze für ein Teil (totum pro parte).
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Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders
Analyse und Interpretation des Romans von Patrick Süskind Datum:
Sachtexte haben einen unmittelba- Literarische Texte, die auch fiktive oderfiktionale
ren Bezug zur Wirklichkeit und set- Texte genannt werden, handeln von erfundenen Wel-
zen sich mit Gegebenheiten daraus ten. Eine Fiktion ist etwas Erdachtes. Die Personen,
auseinander. Zu ihnen gehören z. B. Orte und Ereignisse, von denen sie handeln, sind nicht
die bekannten Textsorten der Zei- unmittelbar der Wirklichkeit entnommen, sondern von
tung wie Bericht, Reportage, Kom- einem Autor oder einer Autorin erfunden. Deshalb
mentar, Rezension etc. Zu ihnen zäh- ergibt es auch keinen Sinn zu fragen, ob das, was in ei-
len auch Lexikoneinträge, Argumen- nem literarischen Text steht, richtig oder falsch ist. Bei
tationen, Werbetexte oder Statisti- literarischen Texten unterscheidet man epische Texte
ken. Sachtexte können im Hinblick (erzählende Texte wie Märchen, Fabeln, Kurzgeschich-
darauf befragt werden, ob das, was in ten, Novellen, Romane), dramatische Texte (Schau-
ihnen steht, richtig oder falsch ist. spiele, Komödien, Tragödien, Dramen, Opern ...) und
lyrische Texte (Gedichte, Lieder). Man spricht in diesem
Zusammenhang auch von Großgattungen der Literatur.
Wenn Sie zu einem literarischen Text ein erstes, individuelles Textverständnis formulieren, gelangen Sie zu
einer sogenannten Deutungs- oder Interpretationshypothese. Diese gilt es zu überprüfen, indem Sie
den Text sorgfältig bearbeiten. Dabei kann sich heraussteilen, dass Ihr erstes Textverstehen, also Ihre Deu-
tungshypothese, sich bestätigt oder aber korrigiert werden muss.
Das Verstehen eines Textes ist oft das Ergebnis eines intensiven Bearbeitungsprozesses, unabhängig davon,
ob es sich um einen literarischen Text oder einen Sachtext handelt. Wenn Sie z. B. in einer Klausur oder schrift-
lichen Hausaufgabe aufgefordert sind, Ihr Textverständnis wiederzugeben, stehen Ihnen grundsätzlich zwei un-
terschiedliche Methoden zur Verfügung, die Ihnen helfen, Ihren Ausführungen eine klare Struktur zu verlei-
hen:
Bei dieser Methode bearbeiten sie den Text gewissermaßen von oben nach unten. Dabei arbeiten Sie den Text
jedoch nicht Satz für Satz durch, sondern gehen von einer Gliederung aus. Die einzelnen Abschnitte des Aufga-
bentextes werden nun systematisch, das heißt ihrer Reihenfolge nach, bearbeitet. Dies führt in der Regel zu
genauen und detaillierten Ergebnissen, birgt allerdings auch die Gefahr, dass zu kleinschrittig gearbeitet wird und
übergeordnete Aspekte aus dem Blick geraten, wenn die Textvorlage z. B. sehr lang ist.
Bei einer aspektorientierten Bearbeitung eines Textes werden vorab Schwerpunkte der Bearbeitung festgelegt,
z. B. bei einem literarischen Text die Bedeutung eines Handlungsortes, die Charaktereigenschaften einer
literarischen Figur, ihre Beziehung zu anderen Figuren, die Sprechweise einer Figur in einer Dramenszene -
oder bei einem Sachtext die Hauptthese, die ein Autor dort formuliert, und die zentralen Argumente, die
diese These stützen sollen, oder besondere Wertungen, die vorgenommen werden etc.
Aspekte, die nicht im Fokus des Interesses stehen, werden dabei bewusst vernachlässigt.
Oft ist es so, dass in der Aufgabenstellung bereits eine Bearbeitungsmethode nahegelegt wird,
wenn z. B. dort Aspekte genannt werden.
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Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders
Analyse und Interpretation des Romans von Patrick Süskind Datum:
Analyse und Interpretation unter Einbeziehung ausgewählter Zitate aus dem Text und unter
Hauptteil Berücksichtigung der Aufgabenstellung!
Der Hauptteil beginnt mit einer kurzen Inhaltsangabe des zu untersuchenden Textes. Wenn es
sich um einen Textauszug (z. B. aus einem Roman) handelt, sollten Sie den Auszug außerdem in den
Zusammenhang des Gesamttextes einordnen, damit der Leser Ihren weiteren Ausführungen
folgen kann (z. B. Handlungsverlauf, Entwicklung der Figuren, Thematik: Was hat vorher stattgefun-
den? Was findet nach der Szene statt?).
Anschließend stellen Sie die Ergebnisse Ihrer Untersuchung dar; dabei können Sie wahlweise linear
oder aspektorientiert Vorgehen, sofern in der Aufgabenstellung nicht bereits eine Methode vor-
gegeben wird. Wenn die Aufgabenstellung keine Untersuchungsaspekte vorgibt, kommen folgende
Aspekte für die Interpretation infrage:
- Thema: Ausgestaltung des zentralen Themas/Motivs/Problems
- Aufbau der Handlung: Abschnitte/Verlauf der Handlung, Bedeutung von Anfang und
Ende, Spannungsbogen, Haupt- und Nebenhandlung
- Figuren: Unterscheidung von Haupt- und Nebenfiguren sowie deren Charakterisierung
und Entwicklung, Beziehungen zwischen den Figuren, Bedeutung des kommunikativen Ver-
haltens der Figuren
- Ort und Zeit der Handlung: Beschreibung des Handlungsortes, Gestaltung der Atmo-
sphäre, evtl. symbolische Bedeutung des Handlungsortes, (historische) Zeit der Handlung,
Zeitstruktur
- Sprache:
§ Syntaktische Struktur (z.B. Parataxe/Hypotaxe, Satzlänge, Satzarten,
§ Verhältnis von Satz- und Verklänge, Enjambements, Ausrufe, rhetorische Fragen, Pa-
rallelismen, Chiasmen, Anaphern, Inversionen, Ellipsen)
§ Wortwahl (Schlüsselwörter, Wortfelder, Sprachniveau, Umgangssprache, Fachspra-
che, veraltete Ausdrücke, Neologismen, Periphrasen, Wortspiele, Hyperbeln, Eu-
phemismen, Sprachhaltung der Figuren (z.B. sachlich, emotional, ironisch), Sprach-
ebene der Figuren (z.B.: umgangssprachlich, bildungssprachlich, vulgär, etc.)
§ sprachliche Bilder (Gibt es ein Gesamtbild, in das sich alle Einzelbilder einfügen las-
sen? Zu welchen Themenbereichen gehören die Bilder? Lassen sich Metaphern (z.B.
Raummetaphorik), Vergleiche, Symbole, Personifikationen nachweisen?)
§ sonstige rhetorische Mittel
- Erzähltechnik: z. B. Erzählform, Erzählerstandort, Erzählverhalten
- Textsorte/Gattung: Benennung und Bestimmung der Textsorte/Gattung anhand der
Textsortenmerkmale
- Titel: Deutung des Titels, Zusammenhang zwischen Titel und Erzähltem
Wichtig ist, dass inhaltliche und formale Merkmale in der Interpretation miteinander verbun-
den werden!
Schluss Im Schlussteil werden die zentralen Untersuchungsergebnisse zusammengefasst und es wird daraus
eine Gesamtdeutung des Textes bzw. Textauszuges abgeleitet. Dabei greift man das in der Einleitung
formulierte Kernproblem (s. o.) auf. Außerdem sollte man erläutern, welche Wirkungs- und Aussa-
geabsichten der Text für den Leser hat.
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Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders
Analyse und Interpretation des Romans von Patrick Süskind Datum:
Formulierungshilfen: