0% fanden dieses Dokument nützlich (0 Abstimmungen)
9 Ansichten14 Seiten

Teil 2: Grundbegriffe: 3 Staat Und Verfassung I. Staat

Das Dokument behandelt grundlegende Begriffe des Staats- und Verfassungsrechts in Deutschland, insbesondere die Definition des Staates als Herrschaftsmechanismus und die Rolle des Grundgesetzes als Verfassung. Es wird erläutert, dass der Staat sowohl im weitesten als auch im engsten Sinne betrachtet werden kann und dass die Verfassung sowohl materielle als auch formelle Normen umfasst. Zudem werden die Entstehung des Grundgesetzes, die Möglichkeit von Verfassungsänderungen sowie die Prinzipien der Verfassungsinterpretation thematisiert.

Hochgeladen von

Black Master
Copyright
© All Rights Reserved
Wir nehmen die Rechte an Inhalten ernst. Wenn Sie vermuten, dass dies Ihr Inhalt ist, beanspruchen Sie ihn hier.
Verfügbare Formate
Als PDF, TXT herunterladen oder online auf Scribd lesen
0% fanden dieses Dokument nützlich (0 Abstimmungen)
9 Ansichten14 Seiten

Teil 2: Grundbegriffe: 3 Staat Und Verfassung I. Staat

Das Dokument behandelt grundlegende Begriffe des Staats- und Verfassungsrechts in Deutschland, insbesondere die Definition des Staates als Herrschaftsmechanismus und die Rolle des Grundgesetzes als Verfassung. Es wird erläutert, dass der Staat sowohl im weitesten als auch im engsten Sinne betrachtet werden kann und dass die Verfassung sowohl materielle als auch formelle Normen umfasst. Zudem werden die Entstehung des Grundgesetzes, die Möglichkeit von Verfassungsänderungen sowie die Prinzipien der Verfassungsinterpretation thematisiert.

Hochgeladen von

Black Master
Copyright
© All Rights Reserved
Wir nehmen die Rechte an Inhalten ernst. Wenn Sie vermuten, dass dies Ihr Inhalt ist, beanspruchen Sie ihn hier.
Verfügbare Formate
Als PDF, TXT herunterladen oder online auf Scribd lesen

LEHRSTUHL FÜR ÖFFENTLICHES RECHT, WIRTSCHAFTSVERWALTUNGSRECHT, UMWELT- UND

SOZIALRECHT PROF. DR. MARTIN BURGI

Teil 2: Grundbegriffe
§ 3 Staat und Verfassung
I. Staat
• Staat als Herrschaftsmechanismus, der Entscheidungen treffen und
durchsetzen kann, notfalls auch zwangsweise (institutionalisierte
Herrschaft). Dies erlaubt es einer Gemeinschaft, kollektiv Ziele festzulegen
und diese zu realisieren.
 Damit befasst sich die allgemeine Staatslehre. Hierher gehört der
klassische Staatsbegriff nach Georg Jellinek (1851 – 1911), der bei
Vorliegen eines Staatsgebiets, eines Staatsvolks und der Ausübung von
Staatsgewalt von der Qualifikation zum Staat ausgeht.
 Das Staatsrecht und die darauf bezogene Wissenschaft hingegen befasst
sich mit Rechtsnormen, die einen bestimmten Staat (die Bundesrepublik
Deutschland) betreffen.

Grundkurs im Öffentlichen Recht I – Staatsorganisationsrecht – 1


LEHRSTUHL FÜR ÖFFENTLICHES RECHT, WIRTSCHAFTSVERWALTUNGSRECHT, UMWELT- UND
SOZIALRECHT PROF. DR. MARTIN BURGI

• Verfassungsstaat:
Unter dem Grundgesetz: Das Grundgesetz konstituiert „die
Bundesrepublik Deutschland“, indem es den Bund und die Länder
(vgl. Art. 20 ff.) zu Staaten erklärt. Beide, Bund und alle Länder, sind
zugleich juristische Personen des Öffentlichen Rechts. Daneben gibt
es weitere juristische Personen des Öffentlichen Rechts (insbes. die
Kommunen; vgl. Art. 28 Abs. 2 GG). Diese leiten aber ihre
Herrschaftsgewalt vom Bund bzw. den Ländern ab.

Grundkurs im Öffentlichen Recht I – Staatsorganisationsrecht – 2


LEHRSTUHL FÜR ÖFFENTLICHES RECHT, WIRTSCHAFTSVERWALTUNGSRECHT, UMWELT- UND
SOZIALRECHT PROF. DR. MARTIN BURGI

• Nach h.A. ist die Bundesrepublik Deutschland auf der Ebene des
Völkerrechts identisch mit dem Deutschen Reich von 1871. Dieses sei
weder 1945 noch mit der Gründung der Bundesrepublik oder der DDR
untergegangen (BVerfGE 5,85 (126)). Vor der Wiedervereinigung war
die Bundesrepublik nur teilidentisch mit dem Deutschen Reich, d.h.
spätestens seit dem Abschluss des Grundlagenvertrages bestanden
zwei Staaten in Deutschland, die „füreinander nicht Ausland sind“,
gleichwohl aber beide Völkerrechtssubjekte darstellten (BVerfGE 77,
137; BVerfGE 92, 277). Darüber wölbte sich das handlungsunfähige
Gesamtdeutschland, für das die vier ehemaligen Besatzungsmächte
Verantwortung trugen (sog. Dachtheorie). Die Staatsgewalt und der
Geltungsbereich des GG bezogen sich nicht auf das Gebiet der DDR.

Grundkurs im Öffentlichen Recht I – Staatsorganisationsrecht – 3


LEHRSTUHL FÜR ÖFFENTLICHES RECHT, WIRTSCHAFTSVERWALTUNGSRECHT, UMWELT- UND
SOZIALRECHT PROF. DR. MARTIN BURGI

• Staat i.w.S. und Staat i.e.S.


 Als Staat i.w.S. kann man das Gemeinwesen der Bundesrepublik
Deutschland bezeichnen, differenziert nach dem Staat i.e.S. (der
durch das GG konstituierten Herrschaftsorganisation) und der
Gesellschaft (vgl. § 4).
 Staat i.e.S. ist somit „nur“ die durch das GG konstituierte
Herrschaftsorganisation.

Grundkurs im Öffentlichen Recht I – Staatsorganisationsrecht – 4


LEHRSTUHL FÜR ÖFFENTLICHES RECHT, WIRTSCHAFTSVERWALTUNGSRECHT, UMWELT- UND
SOZIALRECHT PROF. DR. MARTIN BURGI

II. Verfassung und Verfassungsrecht


1. Bestand
• Verfassung im materiellen und im formellen Sinn
 Im materiellen Sinn: Alle die rechtliche Grundordnung des Staates
konstituierenden Normen.
 Formell: Die im Text des GG äußerlich zusammengefassten und in
einen besonderen Rang gestellten Rechtsnormen.

Die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland ist das Grundgesetz.


Daneben haben die einzelnen Bundesländer Landesverfassungen.

Grundkurs im Öffentlichen Recht I – Staatsorganisationsrecht – 5


LEHRSTUHL FÜR ÖFFENTLICHES RECHT, WIRTSCHAFTSVERWALTUNGSRECHT, UMWELT- UND
SOZIALRECHT PROF. DR. MARTIN BURGI

In Bayern:
Verfassung des Freistaats Bayern von 1946.
(1946 von der „verfassungsgebenden Landesversammlung“ in der Aula
der LMU angenommen und von der Amerikanischen Militärregierung
weitgehend in der Fassung des vom späteren ersten Bayerischen
Ministerpräsidenten Hoegner erarbeiteten Entwurfs akzeptiert.
Am 01.12.1946 70%ige Mehrheit in einem Volksentscheid für die neue
Verfassung, die am 08.12.1946 in Kraft trat. Verhältnis
GG/Länderverfassungen: Homogenitätsklausel des Art. 28 Abs. 1 GG!

Grundkurs im Öffentlichen Recht I – Staatsorganisationsrecht – 6


LEHRSTUHL FÜR ÖFFENTLICHES RECHT, WIRTSCHAFTSVERWALTUNGSRECHT, UMWELT- UND
SOZIALRECHT PROF. DR. MARTIN BURGI

 Verfassungsgebende Gewalt ist das Volk der Bundesrepublik (vgl.


Präambel und Art. 146 GG; demgegenüber ist bei der
Wiedervereinigung nach Art. 23 GG a.F. (Beitritt zur
Bundesrepublik) verfahren worden) (pouvoir constituant)
 Die durch das GG verfasste Staatsgewalt (der sog. pouvoir
constitué) ist die Herrschaftsorganisation aus Bund und Ländern.

Grundkurs im Öffentlichen Recht I – Staatsorganisationsrecht – 7


LEHRSTUHL FÜR ÖFFENTLICHES RECHT, WIRTSCHAFTSVERWALTUNGSRECHT, UMWELT- UND
SOZIALRECHT PROF. DR. MARTIN BURGI

• Möglichkeit und Grenzen von Verfassungsänderungen:


Art. 79 GG
 Notwendigkeit eines Parlamentsgesetzes (Abs. 1 Satz 1)
 Notwendigkeit der Zwei-Drittel-Mehrheit der Mitglieder des
Bundestages und der Stimmen des Bundesrates
(Art. 79 Abs. 2 GG)
 Beachtung der sog. Ewigkeitsklausel (Art. 79 Abs. 3 GG)
− Gliederung des Bundes in Länder
− Grundsätzliche Mitwirkung der Länder bei der Gesetzgebung
− Die in Art. 1 (Menschenwürde) und Art. 20 (Staatsstrukturprinzipien)
niedergelegten Grundsätze:
Änderungen an Asylgrundrecht? (BVerfGE 94, 49 (103))

Grundkurs im Öffentlichen Recht I – Staatsorganisationsrecht – 8


LEHRSTUHL FÜR ÖFFENTLICHES RECHT, WIRTSCHAFTSVERWALTUNGSRECHT, UMWELT- UND
SOZIALRECHT PROF. DR. MARTIN BURGI

• Verfassungsrecht und Staatsrecht


 Verfassungsrecht:
Gesamtheit der sich aus dem GG ergebenden Rechtsnormen.
Thematisch begründete Auslassungen in dieser Vorlesung:
Finanzverfassungsrecht (Art. 104a ff.), Personal (Art. 33 GG),
Kommunale Selbstverwaltung (Art. 28 Abs. 2 GG), Stellung innerhalb
der EU und im Völkerrecht (siehe Vorlesung „Staatsrecht III“).
 Staatsrecht:
Alle Rechtsnormen, die sich gegenständlich mit dem Staat befassen,
auch außerhalb des GG (wichtige Beispiele: Bundeswahlgesetz,
Abgeordnetengesetz, Parteiengesetz, Staatsangehörigkeitsgesetz
und Gesetz über die parlamentarischen Untersuchungsausschüsse)

Grundkurs im Öffentlichen Recht I – Staatsorganisationsrecht – 9


LEHRSTUHL FÜR ÖFFENTLICHES RECHT, WIRTSCHAFTSVERWALTUNGSRECHT, UMWELT- UND
SOZIALRECHT PROF. DR. MARTIN BURGI

2. Entstehung des GG
• Von den Westalliierten initiiertes Zusammentreffen der
Ministerpräsidenten der Länder der Westzonen 1948 in Frankfurt,
Übergabe der Frankfurter Dokumente.
Der Begriff Grundgesetz wurde hier gewählt, um einer befürchteten
Verfestigung der Spaltung Deutschlands nicht zusätzlich Vorschub
zu leisten.
• Sachverständigenausschuss auf Herrenchiemsee (1948)
• Beratung dieses Entwurfs im Parlamentarischen Rat,
zusammengesetzt aus Vertretern der Landtage der westlichen
Länder im Herbst und Winter 1948/49.

Grundkurs im Öffentlichen Recht I – Staatsorganisationsrecht – 10


LEHRSTUHL FÜR ÖFFENTLICHES RECHT, WIRTSCHAFTSVERWALTUNGSRECHT, UMWELT- UND
SOZIALRECHT PROF. DR. MARTIN BURGI

• 8. Mai 1949: Annahme des GG durch den Parlamentarischen Rat


(ablehnend CSU und KPD), im Nachgang Ablehnung des
Grundgesetzes durch den Bayerischen Landtag wegen des
Wunsches einer stärkeren Rechtsstellung zugunsten der Länder.
• 23.05.1949: Verkündung;
24.05.1949, 0:00 Uhr: Inkrafttreten.
• Keine Volksabstimmung!
• Staatsrechtliche Bewältigung der Wiedervereinigung durch den
Beitritt der DDR nach Art. 23 Abs. 2 GG a.F.
(also nicht durch Art. 146 a.F.).
• Seither sind zahlreiche größere Änderungen erfolgt, zuletzt im
Gefolge der sog. Föderalismuskommissionen I und II und im
Finanzverfassungsrecht.

Grundkurs im Öffentlichen Recht I – Staatsorganisationsrecht – 11


LEHRSTUHL FÜR ÖFFENTLICHES RECHT, WIRTSCHAFTSVERWALTUNGSRECHT, UMWELT- UND
SOZIALRECHT PROF. DR. MARTIN BURGI

III. Verfassungsinterpretation
• Verfassungsinterpretation als herkömmliche Gesetzesauslegung
 Grammatikalische Auslegung
 Historische Auslegung
− Dokumentation der Beratungen im
Parlamentarischen Rat in JöR 1 n.F.
− Bei Bundes- bzw. Landesgesetzen:
BT-Drucks. bzw. LT-Drucks.
 Systematische Auslegung
(sowohl innerhalb der jeweiligen Norm als auch innerhalb des gesamten
Gesetzes bzw. der gesamten Rechtsordnung).
 Teleologische Auslegung
Vermehrt: Heranziehung rechtsvergleichender Erkenntnisse.
Grundkurs im Öffentlichen Recht I – Staatsorganisationsrecht – 12
LEHRSTUHL FÜR ÖFFENTLICHES RECHT, WIRTSCHAFTSVERWALTUNGSRECHT, UMWELT- UND
SOZIALRECHT PROF. DR. MARTIN BURGI

• Spezifische Umstände der Verfassungsinterpretation


 Gründe: Größere Abstraktheit und Offenheit der Normen, Konsens- und
Gerechtigkeitsbezug, große Zahl an Prinzipien (statt Regeln), vielfach
politischer Charakter der aufgeworfenen Fragen, große Bedeutung des
Bundesverfassungsgerichts.
 Konsequenzen:
− Beachtung des Charakters vieler Bestimmungen als Prinzipien (statt
als Regeln). Beispiel: Sozialstaatsprinzip.
− Zurückhaltung ist gegenüber Postulaten wie „Einheit der
Verfassung“ oder „Funktionsgerechtigkeit“ der Verfassung geboten;
hierbei handelt es sich um primär wissenschaftliche
Erläuterungsansätze.
 Böckenförde, NJW 1976, 2089.

Grundkurs im Öffentlichen Recht I – Staatsorganisationsrecht – 13


LEHRSTUHL FÜR ÖFFENTLICHES RECHT, WIRTSCHAFTSVERWALTUNGSRECHT, UMWELT- UND
SOZIALRECHT PROF. DR. MARTIN BURGI

• Wichtig: Gebot der verfassungskonformen Auslegung,


d.h. die Prüfung von Gesetzen am Maßstab des
Grundgesetzes führt nur dann zur Feststellung der
Unvereinbarkeit, wenn keine verfassungskonforme Auslegung
möglich ist.

Grundkurs im Öffentlichen Recht I – Staatsorganisationsrecht – 14

Das könnte Ihnen auch gefallen