Aufgabe 1.
Lesen Sie den Text und beantworten Sie die Fragen:
Das Bildungssystem in Deutschland
Deutschlands Schulsystem
Sind die Kinder in Deutschland älter als sechs Jahre, müssen sie zur Schule gehen,
denn in Deutschland gilt die Schulpflicht. Die große Mehrheit der Schulen in
Deutschland wird vom Staat betrieben. Kinder können diese Schulen daher kostenlos
besuchen. Daneben stehen den Eltern private und internationale Schulen offen. Für die
fallen allerdings Gebühren an.
Verantwortlich für die Schulpolitik sind die einzelnen Bundesländer. Je nach Region
kann man daher etwas unterschiedliche Schulsysteme vorfinden. Zum Beispiel lernen
Kinder in den einzelnen Bundesländern nicht immer das gleiche und benutzen zum Teil
auch andere Schulbücher. Zudem gibt es in den einzelnen Bundesländern
unterschiedliche Schultypen. Eine folgende Einteilung der Schulen gilt jedoch in ganz
Deutschland:
Grundschule: Die Schulzeit beginnt in der Regel für 6-Jährige in der Grundschule. Die
besuchen die Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse. Nur in Berlin und
Brandenburg endet die Grundschule erst nach der sechsten Klasse. Je nachdem, wie
gut die Kinder in der Grundschule sind, können die Eltern anschließend gemeinsam mit
den Lehrern und Lehrerinnen entscheiden, welchen Schultyp das Kind ab der fünften
Klasse besucht. Am meisten verbreitet ist die folgende Aufteilung bei den
weiterführenden Schulen:
Hauptschule (Klasse 5–9/10)
Realschule (Klasse 5–10)
Gesamtschule (Klasse 5–12/13)
Gymnasium (Klasse 5–12/13)
Haupt- und Realschule: Jugendliche, die erfolgreich die Haupt- oder Realschule
durchlaufen haben, können anschließend eine Berufsausbildung machen oder auf ein
Gymnasium oder Gesamtschule wechseln.
Gesamtschule: Bietet eine Alternative zum dreigliedrigen Schulsystem (Hauptschule,
Realschule und Gymnasium).
Gymnasium: Hier können Schülerinnen und Schüler am Ende der zwölften oder
dreizehnten Klasse durch eine erfolgreich bestandene Prüfung ihr Abitur oder ihr
Fachabitur erhalten. Diese Qualifikation berechtigt sie dazu, anschließend an
einer Hochschule oder Fachhochschule zu studieren. Aber auch Absolventinnen und
Absolventen von Gymnasien können den direkten Einstieg in die Praxis über
eine Berufsausbildung wählen.
Fragen
1. Bund oder Länder sind in Deutschland zuständig für die Bildungspolitik?
2. Nach welcher Klasse endet die Grundschule in Deutschland?
3. Wie werden die Schultypen aufgeteilt (Welche Schultypen kann ein Schüler /
eine Schülerin nach der Grundschule besuchen?)
4. Was kennzeichnet jeden Schultyp?
Schulpflicht
Die Schulpflicht beginnt in der Regel im Jahr der Vollendung des sechsten
Lebensjahres. Ab diesem Alter sind alle Kinder gesetzlich zum Schulbesuch
verpflichtet. Im Ausnahmefall kann ein schulpflichtiges Kind allerdings für ein Jahr von
der Einschulung zurückgestellt werden, nämlich wenn es im Rahmen einer
schulärztlichen Untersuchung für nicht „schulfähig“ befunden wird. In der Regel
erstreckt sich die Schulpflicht bis zum 18. Lebensjahr und besteht aus zwei Teilen: Die
sogenannte Vollzeitschulpflicht umfasst neun, in manchen Bundesländern auch zehn
Besuchsjahre an einer allgemeinbildenden Schule. Anschließend gilt für diejenigen
Jugendlichen, die im Sekundarbereich II keine allgemeinbildende oder berufliche
Schule in Vollzeitform besuchen, die sogenannte Teilzeitschulpflicht
(Berufsschulpflicht). Sie endet in der Regel mit dem Abschluss einer Berufsausbildung.
Fragen:
1. Ab welchem Lebensjahr gilt die Schulpflicht?
2. Was bedeuten die Begriffe „Einschulung“, „schulfähig“, „Teilzeitschulpflicht“,
„Vollzeitschulpflicht“. „Berufsschulpflicht“?
Bildungsbereiche und Bildungseinrichtungen/Bildungsgänge
Das Bildungssystem besteht aus fünf großen Bildungsbereichen: Elementarbereich,
Primarbereich, Sekundarbereich I, Sekundarbereich II und Tertiärbereich. Jeder dieser
Bildungsbereiche umfasst wiederum
verschiedene Bildungseinrichtungen bzw. Bildungsgänge.
Elementarbereich
Der Elementarbereich umfasst mit der Kinderkrippe, dem Kindergarten, der
Kindertagespflege sowie den Vorklassen an Grundschulen die Betreuungs- und
Bildungsangebote für Kinder im Alter von wenigen Monaten bis zum Schuleintritt. Der
Besuch dieser Einrichtungen ist in Deutschland nicht verpflichtend. Dennoch ist die
frühkindliche Bildung mittlerweile fester Bestandteil der Bildungsbiografie geworden:
Bundesweit besuchen über 90 Prozent der 3- bis 6-Jährigen eine
Kindertageseinrichtung. Bei den unter 3-Jährigen ist die Betreuungsquote dagegen mit
etwas über 20 Prozent wesentlich geringer. Doch auch hier ist die Nachfrage in den
vergangenen Jahren stetig gestiegen. Seit 2013 hat jedes Kind mit Vollendung des
ersten Lebensjahres einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz.
Fragen (selbst formulieren):
Primarbereich
Mit Einsetzen der Schulpflicht treten Kinder in den Primarbereich ein. Die Grundschule
umfasst die Klassenstufen 1 bis 4 (in einigen Bundesländern die Klassenstufen 1 bis 6)
und ist die einzige Bildungseinrichtung, die von fast allen Schülerinnen und Schülern
gemeinsam besucht wird. Am Ende der Grundschulzeit wird auf Basis von Schulnoten
(und ggf. weiteren Kriterien wie Lern- und Arbeitsverhalten)
eine Schullaufbahnempfehlung für die Sekundarstufe ausgesprochen. In den meisten
Bundesländern ist diese zwar nicht bindend. Doch müssen die Schülerinnen und
Schüler bei Anwahl einer nicht empfohlenen Schulform je nach Bundesland zumeist
eine Aufnahmeprüfung absolvieren und/oder eine Probezeit an der gewählten Schule
bestehen.
Fragen (selbst formulieren):
Sekundarbereich I
Im Sekundarbereich I fächert sich das Bildungssystem in verschiedene Schulformen
bzw. Bildungsgänge auf, an denen nach unterschiedlichen Lehrplänen unterrichtet wird.
In der Hauptschule, der Realschule und dem Gymnasium ist der Unterricht
grundsätzlich auf einen bestimmten Abschluss bezogen. Schularten mit zwei
Bildungsgängen führen sowohl den Haupt- als auch den Realschulbildungsgang,
an Schularten mit drei Bildungsgängen (auch kooperative oder additive Gesamtschulen
genannt) gibt es darüber hinaus noch einen Gymnasialbildungsgang. An integrierten
Gesamtschulen besuchen die Schülerinnen und Schüler hingegen keinen bestimmten
Bildungsgang. Sie können stattdessen in den einzelnen Fächern zwischen
unterschiedlich anspruchsvollen Kursen wählen – so genannte Förder-, Grund- und
Erweiterungskurse. Am Ende der Sekundarstufe I kann in allen Schulformen bzw.
Bildungsgängen ein allgemeinbildender Schulabschluss erworben werden. Dieser
bescheinigt die in der Schule erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten in einem
Zertifikat und berechtigt – je nach Abschluss – zum Besuch unterschiedlicher
weiterführender Bildungseinrichtungen in Sekundarbereich II.
Fragen (selbst formulieren):
Sekundarbereich II
Der Sekundarbereich II umfasst allgemeinbildende und berufliche Vollzeitschulen sowie
die Berufsausbildung im dualen System. Welche dieser Bildungseinrichtungen einem
Jugendlichen offenstehen, hängt maßgeblich davon ab, welchen Schulabschluss er
erlangt hat: Der Hauptschulabschluss qualifiziert vor allem zur Aufnahme einer
dualen Berufsausbildung. Dazu müssen die Jugendlichen jedoch zunächst eine
Lehrstelle in einen Betrieb finden. Gelingt dies nicht – und das gilt für einen
beträchtlichen Anteil der Schulabgänger mit Hauptschulabschluss – so müssen die
Jugendlichen, zumal sie noch schulpflichtig sind, eine berufsvorbereitende Maßnahme
im Übergangssystem absolvieren. Für Jugendliche mit Mittlerem Schulabschluss (MSA)
ist das Spektrum der Wahlmöglichkeiten deutlich größer. Der MSA ermöglicht neben
der dualen auch die Aufnahme einer vollzeitschulischen Berufsausbildung und eröffnet
– z.T. unter Voraussetzung eines bestimmten Notendurchschnitts – den Zugang zu den
verschiedenen beruflichen Oberschultypen (Fachgymnasium) und zur gymnasialen
Oberstufe. In der dualen und vollzeitschulischen Berufsausbildung erlangt man
einen beruflichen Abschluss, der zur Aufnahme einer bestimmten Erwerbstätigkeit
qualifiziert. Die übrigen (auch beruflich orientierten) Bildungsgänge führen zur
allgemeinen oder fachgebundenen Hochschulreife bzw. zur Fachhochschulreife, und
berechtigen damit zur Aufnahme eines Studiums im Tertiärbereich. Allerdings nimmt
auch ein beträchtlicher Anteil der Jugendlichen, die eine
Hochschulzugangsberechtigung erlangt haben, eine duale oder vollzeitschulische
Berufsausbildung auf.
Fragen (selbst formulieren):
Förderschulen (Primarbereich, Sekundarbereich I und Sekundarbereich II)
Im internationalen Vergleich wird in Deutschland ein großer Anteil der Schülerinnen und
Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf außerhalb des allgemeinen
Schulsystems unterrichtet. Je nach Bundesland gibt es dazu bis zu elf unterschiedliche
Typen von Förderschulen (z.B. Förderschulen für Gehörlose, Blinde, Sprachbehinderte,
Lernbehinderte), die in einigen Bundesländern auch Sonderschulen, Förderzentren
oder Schulen für Behinderte genannt werden. Mehr als drei Viertel aller
Förderschülerinnen und Förderschüler verlassen die Schule ohne einen
Hauptschulabschluss. Im Jahr 2009 hat Deutschland die UN-Konvention über die
Rechte von Menschen mit Behinderungen ratifiziert. Art. 24 dieses völkerrechtlichen
Abkommens verpflichtet die Vertragsstaaten dazu, ein „inklusives“ Bildungssystem zu
gewährleisten. In diesem Zusammenhang wird gefordert, dass Kinder mit und ohne
Behinderungen grundsätzlich gemeinsam an allgemeinen Schulen unterrichtet werden
sollen.
Fragen (selbst formulieren):
Tertiärbereich
Der Tertiärbereich umfasst einerseits Universitäten, Fachhochschulen und andere
Hochschularten, die zu einem akademischen Abschluss führen. Ihr Abschluss
qualifiziert zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit und berechtigt – ab einem bestimmten
Notenschnitt – zur Promotion. Zum anderen umfasst der Tertiärbereich Einrichtungen,
die berufsqualifizierende Studiengänge anbieten sowie Einrichtungen der beruflichen
(Weiter-) Bildung. Die Berufsakademien vermitteln in Form dualer Studiengänge eine
wissenschaftsbezogene und zugleich praxisorientierte berufliche Bildung. Ihr Besuch
setzt entsprechend einen Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag mit einem Unternehmen
voraus. Schulen des Gesundheitswesens vermitteln die Ausbildung für
nichtakademische Gesundheitsdienstberufe (z.B. Gesundheits- und Krankenpfleger/-
innen, Hebammen, Masseure). Sie können in der Regel erst nach Vollendung des 18.
Lebensjahres besucht werden und setzen zumeist eine einschlägige Berufsausbildung
oder den erfolgreiche Besuch einer auf die Ausbildung vorbereitenden schulischen
Einrichtung voraus. Fachschulen dienen hingegen der beruflichen Weiterbildung. Sie
setzen sowohl eine abgeschlossene Berufsausbildung als auch Berufserfahrung voraus
und schließen u.a. mit der staatlichen Prüfung zum Techniker. Dieselben
Zugangsvoraussetzungen gelten auch für die von den Kammern durchgeführte
Weiterbildung zum Meister und Industriemeister. Mit diesen beruflichen
Weiterbildungsabschlüssen wird zudem die Hochschulzugangsberechtigung erlangt.
Fragen:
1. Welche Ausbildungseinrichtungen (von zwei Typen) umfasst der Tertiärbereich?
2. Wozu berechtigt einen Auszubildenden / eine Auszubildende der Abschluss z.B.
einer Universität?
3. Wie wird der Ausbildungsprozess in Berufsakademien veranstaltet?
4. Worin besteht die Spezifik der Ausbildung in den Schulen des
Gesundheitswesens?
5. Welche Einrichtungen dienen der beruflichen Weiterbildung?
[Link]
Aufgabe 2. Kommentieren Sie das Schema „Schulsystem in Deutschland“:
3. Bevölkerung nach Schulabschluss 2022
[Link]
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