Luftschiff: Inhaltsverzeichnis
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Luftschiff
Ein Luftschiff ist ein lenkbares Luftfahrzeug, dessen Auftrieb auf aerostatischen Kräften
beruht und das über eine eigene Antriebseinheit verfügt. Die Haupteinsatzgebiete heutiger
Luftschiffe sind touristische Rundfahrten, Luftwerbung, Überwachungs- und vereinzelt auch
Forschungsaufgaben.
Die Ära der Luftschifffahrt begann im 19. Jahrhundert und erreichte ihren Höhepunkt in der
ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Luftschiffe sind die Pioniere der zivilen Luftfahrt. Sie waren
die Verkehrsmittel der ersten Luftfahrtgesellschaft und auch die ersten Luftfahrzeuge, die
Passagiere im Liniendienst ohne Zwischenstopp über den Atlantik beförderten. Die Ära der
Großluftschifffahrt begann im Ersten Weltkrieg, um militärischen Leistungsanforderungen
nachzukommen. Während des Krieges wurden Luftschiffe mit dem Zweck des Personen- und
Gütertransports eingesetzt. Zudem waren sie Langstreckenaufklärer und die einzigen
Luftfahrzeuge ihrer Zeit, die eine größere Bombenlast tragen konnten. Später schützten sie
Konvois vor feindlichen U-Booten und überwachten den Luftraum.
Die großen Luftschifftypen dieser Zeit waren jedoch lange nur in einem prototypischen,
unsicheren Zustand, sodass es immer wieder zu Unglücken kam. Die Luftschifftechnologie kam
erst wirklich zur Reife, als Luftschiffe mit Beginn des Zweiten Weltkriegs im militärischen
Bereich sowie im Personen- und Güterverkehr weitgehend durch die sich rasant entwickelnde
Flugzeugtechnik verdrängt wurden.
Inhaltsverzeichnis
Beschreibung
Aufbau und Funktion
Ein Zeppelin NT
Einteilung
Antrieb und Steuerung
Verwendung
Geschichte
Idee und anfängliche Entwicklungen
Beginn des 20. Jahrhunderts
Frankreich
Deutschland
Großbritannien
Vereinigte Staaten
Heißluft-Luftschiff über Frankfurt/M.
Spanien
Russland
Erster Weltkrieg
Zeppelin und Schütte-Lanz
Die Blütezeit zwischen den Weltkriegen
Weblinks
Einzelnachweise
Beschreibung
Das Traggas verleiht Luftschiffen ihren statischen Auftrieb, da es eine geringere Dichte als Luft
aufweist. Luftschiffe schweben in der Luft, ähnlich einem U-Boot im Wasser. Im Fachjargon
wird daher von fahren statt fliegen gesprochen, siehe Ballonfahren.
Als Traggas wird heute Helium benutzt, da es im Gegensatz zum früher verwendeten
Wasserstoff nicht brennbar ist. Helium ist teurer als Wasserstoff und bei gleichem Volumen
etwa doppelt so schwer, aber immer noch viel leichter als Luft. Entscheidend für den Auftrieb
ist die Differenz zwischen der Traggas- und der Luftdichte. Wasserstoff hat einen etwa acht
Prozent größeren Auftrieb als Helium.
Einteilung
Bei Luftschiffen lassen sich drei grundsätzliche Bauweisen unterscheiden:
Prallluftschiffe, die häufigste Bauform, auch Blimp genannt, erhalten ihre Form durch einen
Überdruck in der Hülle. Gondel und Leitwerk sind direkt an der Hülle befestigt. Zu dieser
Kategorie zählen auch Heißluft-Luftschiffe, deren Traggas wie bei Heißluftballons warme
Luft ist.
Halbstarre Luftschiffe besitzen an der Unterseite der Hülle eine zusätzliche Tragstruktur
(z. B. ein Kielgerüst), an der Motoren, Gondel und Leitwerk angebracht sind. Die Hülle wird
vom Innendruck des Traggases in Form gehalten.
Starrluftschiffe haben durch ein inneres Gerüst mit Kielsteg und teils auch einem
zusätzlichen Achssteg eine feste Struktur, das die Form des Schiffskörpers vorgibt. Alle
Komponenten sind an diesem Gerüst befestigt. Beispiele sind die von Ferdinand Graf von
Zeppelin gebauten Zeppeline.
Der Begriff Hybridluftschiff wird für Luftfahrzeuge verwendet, die die Leichter-als-Luft-Technik
mit der Schwerer-als-Luft-Technik kombinieren. Dabei wird der benötigte Auftrieb sowohl
aerostatisch (wie bei konventionellen Luftschiffen) als auch zu einem erheblichen Teil
aerodynamisch (wie bei Flugzeugen) erzeugt. Hier muss allerdings erwähnt werden, dass auch
konventionelle Luftschiffe meistens „schwer“ operieren, d. h. einen geringen Teil (etwa fünf
Prozent) des erforderlichen Auftriebs ebenfalls aerodynamisch erzeugen.
Elektroantriebe wurden in den 1880er-Jahren bei einigen der ersten Luftschiffe überhaupt
verwendet, als noch keine leistungsfähigen Verbrennungsmotoren zur Verfügung standen.
Heute gewinnen sie bei unbemannten Höhenplattformprojekten oder Solarluftschiffen wieder
an Bedeutung. Hauptproblem ist jedoch nach wie vor das schlechte Leistungs-Gewichts-
Verhältnis der Energiespeicher. Ein kleines Elektroluftschiff kam bei der Erforschung des
Regenwaldes zum Einsatz.[1][2]
Während die historischen Luftschiffe mit Wasserstoff-Füllung durch Ablassen von Traggas oder
Ballastwasser ihr Gewicht genau auf den Auftrieb trimmen konnten und so auch in der Lage
waren, antriebslos in der Luft zu schweben, wird bei modernen Luftschiffen im Normalbetrieb
kein (teures) Helium abgelassen. Sie sind meist ein klein wenig schwerer als Luft unterwegs.
Neben dem statischen Auftrieb durch das Traggas nutzen Luftschiffe ihren Antrieb, um
dynamischen Auftrieb zu erzeugen. Durch die Geschwindigkeit und das Anstellen des
Luftschiffkörpers gegenüber der Horizontalen entsteht ähnlich wie bei einem Flugzeug mit
seinen Tragflächen eine Auftriebskraft. Dieser Effekt wird beispielsweise genutzt, wenn das
Luftschiff steigen oder sinken soll, oder wenn sich das Gewicht des Luftschiffes während der
Fahrt durch Regenwasser, das auf die Hülle fällt, erhöht. Auch beim Start, wenn noch viel
Kraftstoff an Bord ist, wird dieser Effekt manchmal genutzt, indem das Luftschiff mit etwas
„Anlauf“ ähnlich wie ein Flugzeug startet.
Die meisten modernen Luftschiffe verfügen über schwenkbare Luftschrauben. Sie vereinfachen
das Manövrieren und erlauben es dem Schiff, auch aus dem Stand aufzusteigen, wenn es etwas
schwerer als Luft ist, und zu landen, wenn es leichter als Luft ist. Dazu drückt der Pilot das
Luftschiff mit der Triebwerkskraft auf den Boden, wo es meist sofort mit etwas Ballast
beschwert und an den Ankermast gelegt wird. Auf diese Weise braucht kein Helium abgelassen
zu werden.
Verwendung
Luftschiffe zeichnen sich gegenüber anderen Fluggeräten
durch ihre Fähigkeit aus, ruhig und vibrationsarm mit
relativ geringem Kraftstoffverbrauch eine sehr lange
Einsatzdauer zu erreichen. Sie können stundenlang über
einem Gebiet verweilen und bei Bedarf die Geschwindigkeit
Zeppelin NT auf Fahrt
auch bis zum Stillstand drosseln.
Geschichte
Aus dem Jahr 1785 stammt ein Luftschiffentwurf von Jean-Baptiste Meusnier, der bereits alle
Elemente wie Auftriebskörper mit darunter aufgehängter länglicher Gondel, Steuerruder und
drei muskelkraftbetriebene Luftschrauben für den Antrieb enthielt. Es wurde nicht gebaut.
1812 scheiterte Franz Leppich mit dem Versuch, sein für den Zaren Alexander I. konzipiertes
Transportluftschiff mittels zweier großer Ruder, deren jedes fünf flügelartige Schaufeln besaß,
durch Muskelkraft fortzubewegen.
Sieben Jahre später, 1872, erreichte der deutsche Ingenieur Paul Haenlein mit seinem über
50 m langen Luftschiff „Aeolus“ eine Geschwindigkeit von 18 km/h. Es wurde von einem
Lenoirschen Gasmotor angetrieben.
In Deutschland führte derweil der Leipziger Buchhändler Dr. Friedrich Hermann Wölfert die
Arbeiten Georg Baumgartens fort und konstruierte einen Lenkballon. Er sollte mit Muskelkraft
gesteuert werden, was sich jedoch als nicht praktikabel erwies. Mit der Hilfe Gottlieb Daimlers
wurde stattdessen ein Verbrennungsmotor mit 1,5 kW (2 PS) verbaut, der Standuhr-Motor. Am
10. August 1888 startete Michael, der langjährige Begleiter Wölferts, von Daimlers
Versuchswerkstatt auf dem Seelberg in Cannstatt zu einer Fahrt nach Aldingen. Wölfert starb
am 12. Juni 1897 bei einer Vorführfahrt für die preußische Luftschifferabteilung, als sein
Luftschiff Deutschland in Tempelhof bei Berlin aus 600 m Höhe abstürzte.
Das erste Starrluftschiff wurde 1895/1896 von David Schwarz in Berlin entwickelt. Es bestand
aus einem Aluminiumgerüst und war auch mit Aluminiumblech, einem damals neuen
Werkstoff, beplankt. Schwarz verstarb noch vor der ersten Testfahrt. Diese fand am
3. November 1897 auf dem Tempelhofer Feld in Berlin statt. Das Luftschiff wurde bei der
Landung irreparabel beschädigt und anschließend verschrottet. Der württembergische
Kavallerieoffizier Ferdinand von Zeppelin war damals Augenzeuge, kaufte die Patente und
Entwürfe auf und ließ sich 1898 einen Entwurf für einen „Lenkbaren Luftfahrzug“ patentieren.
[7]
Frankreich
Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert baute der gebürtige Brasilianer Alberto Santos-
Dumont in Frankreich eine ganze Reihe von Prallluftschiffen. 1894 nutzte er den Benzinmotor
1903 stieg das Schiff der Lebaudy-Brüder in Frankreich erstmals auf. Es besaß einen 35-PS-
Daimler-Mercedes-Motor, der zwei Luftschrauben antrieb. Bei mehreren Fahrten, darunter eine
mit 2 h und 46 min, wurde das Schiff weiter verbessert. Auch in den folgenden Jahren setzten
sich diese Tätigkeiten fort, wobei das Schiff mehrmals nach Bruchlandungen in Bäumen neu
aufgebaut wurde.
Adolphe Clément baute das erste seiner mindestens sechs Luftschiffe (Clément-Bayard) im Jahr
1908 in Trosly-Breuil bei Compiègne. „Clément-Bayard“ N° 1 brach 1908 den Rekord des
geschlossenen Rundfluges, mit „Clément-Bayard“ N° 2 gelang am 16. Oktober 1910 nach einem
Start in Compiègne die erste Ärmelkanalüberquerung.
Bei der ersten Luftfahrtausstellung im Grand Palais in Paris wurde das Luftschiff Ville de
Bordeaux ausgestellt.[8]
Deutschland
Die bekannteste Persönlichkeit in der Luftschifffahrt war
und ist der deutsche Luftschiffpionier Ferdinand Graf von
Zeppelin. Zeppelins erstes Luftschiff LZ 1 stieg am 2. Juli
1900 am Bodensee zu seiner Jungfernfahrt auf. Der Absturz
des „Zeppelins LZ 4“ bei Echterdingen am 5. August 1908
führte zur größten freiwilligen Spendenaktion im
Kaiserreich, der „Zeppelinspende des deutschen Volkes“.
Die Luftschiffhallen in Berlin-
Daraufhin errichtete er 1912 die größte Luftschiffhalle Johannisthal, Foto um 1912
Deutschlands in Potsdam West mit dem Ziel, ein
europäisches Luftfahrtzentrum zu errichten. Doch die
Produktion wurde wenige Jahre später eingestellt, und 1920 musste die Luftschiffhalle
aufgrund des Versailler Vertrages demontiert werden. Zeppelin etablierte auch den Werkstoff
Aluminium in der Luftfahrt.
Weiterhin wurden vor dem Ersten Weltkrieg von Major Hans Groß und Oberingenieur Nikolaus
Basenach (1875–1951) des in Berlin-Reinickendorf auf dem Gelände des heutigen Flughafens
Berlin-Tegel stationierten Luftschiffer-Bataillons halbstarre Militär-Luftschiffe des nach ihnen
benannten Typs Groß-Basenach gebaut und erprobt.
Ab 1908 führte Deutschland, wie auch Frankreich und Belgien, erfolgreiche Versuche mit
Funkgeräten in Luftschiffen durch. Dabei wurde der Erweis erbracht, dass keine Gefahr für das
Luftschiff von der Funkanlage ausging.[10]
Ferner unternahm das Luftschiff „Erbslöh“ ab 1909 rund um Leichlingen (Rheinland) mehrere
Fahrten, bevor es am 13. Juli 1910 abstürzte.
Von der Luftschiffhalle in Biesdorf-Süd (heute zu Berlin) aus startete am 23. Januar 1911 das
Siemens-Schuckert-Luftschiff (SSL1) zu seiner ersten Probefahrt.
Großbritannien
Das erste englische Luftschiff war das „Mellin's Food
Airship“ von Stanley Spencer. Der Erstflug fand 1902 über
London statt. Stanleys „No. 2“ machte seine Jungfernfahrt
im September 1903 über dem Londoner Kristallpalast.
Vereinigte Staaten
Thomas Scott Baldwin entwickelte 1904 das erste lenkbare
Luftschiff der USA. Die California Arrow absolvierte ihre
erste Fahrt am 29. Juli 1904 und die erste öffentliche Fahrt Stanley Spencer mit Frau und
am 3. August 1904 im Rahmen der Weltausstellung Tochter in seiner Werkstatt, ca. 1902
Louisiana Purchase Exposition, gesteuert von Roy Augustus
Knabenshue. Knabenshue war auch der Erste, der einen
gesteuerten Flug eines Luftschiffes über New York City im Jahre 1905 durchführte und einige
Jahre später das erste Passagierluftschiff baute.
Walter Wellman aus den USA startete 1906, 1907 und 1909 erstmals mit einem lenkbaren
Luftschiff Richtung Nordpol. Alle drei Versuche scheiterten jedoch. Am 15. Oktober 1910
versuchte er mit dem Luftschiff „America“, den Atlantik zu überqueren. Auch dieser Versuch
scheiterte 1.600 km von der Küste entfernt im Ozean. Bei dieser Gelegenheit setzte er mit
seinem Notruf erstmals einen Funkspruch von einem Luftfahrzeug zu einem Seefahrzeug ab.
Dieser Spruch lautete: „Roy, komm und hol' die gottverdammte Katze!“ Damit war die Katze
„Kiddo“ gemeint, die sich als blinder Passagier an Bord geschmuggelt hatte.[11]
Spanien
Leonardo Torres Quevedo baute 1905 sein erstes, halbstarres Luftschiff España, das
erfolgreiche Fahrten absolvierte. Daraufhin begann die Zusammenarbeit zwischen Torres und
der französischen Gesellschaft Astra, die 1911 mit dem Bau der Astra-Torres Luftschiffe
begann, von denen einige ab 1913 an die französischen und britischen Streitkräfte verkauft und
im Ersten Weltkrieg eingesetzt wurden.
Russland
Bis 1914 wurden fünf Luftschiffe gebaut. Darunter war das 1912 im Unternehmen DEKA von S.
A. Nemtchenko gebaute Luftschiff Kobtchik.[12][13]
Erster Weltkrieg
Große technische Fortschritte bewirkte der Ausbruch des Weltkrieges 1914. Allerdings nutzte
nur Deutschland während der Kriegszeit in größerem Umfang Militärluftschiffe beim Heer und
bei der Marine für den Luftkrieg über Land und See. Alle anderen Nationen verwendeten ihre
Luftkreuzer hauptsächlich bei der Marine. Während des Krieges kamen insgesamt rund 300
nichtstarre und etwa 100 starre Luftschiffe zum Einsatz.
Die USA hatten in der Zeit von 1919 bis 1933 insgesamt 31 Prallluftschiffe sowie ein halbstarres
Luftschiff für das Heer im Dienst, danach wurden alle Schiffe an die Marine abgegeben. Italiens
18 Heeresschiffe kämpften fast ausschließlich bei der Marine. Auch die Briten gliederten ihre
sechs dem Heer zugeteilten Prallluftschiffe bei Kriegsausbruch der Marine an. Die nichtstarren
Luftschiffe arbeiteten erfolgreich vor allem für die Seeraumüberwachung und als Eskorte für
Handelsschiffkonvois. Dazu kamen die Starrluftschiffe von Zeppelin und Schütte-Lanz und die
englischen Modelle, die vor allem als Aufklärer und Bomber eingesetzt wurden.
Die erste Atlantiküberquerung gelang vom 2. bis 13. Juli 1919 dem britischen Luftschiff R34 mit
Die US-amerikanische ZR-1 USS Shenandoah war 1923 das erste große Luftschiff mit einer
Heliumfüllung. Es war zwar für Wasserstoff als Traggas konstruiert worden, jedoch entschied
man sich nach mehreren aufeinanderfolgenden Zwischenfällen mit anderen Luftschiffen, das
damals nur begrenzt und nur in den USA verfügbare teure, aber unbrennbare Helium zu
verwenden.
1926 überfuhr Umberto Nobile im Luftschiff „Norge“ unter anderem mit Roald Amundsen an
Bord den Nordpol. Sie gewannen damit das Rennen um die erste Nordpolüberquerung in der
Luft gegen den Amerikaner Richard Byrd, der fälschlich diese Erstüberquerung in der Luft nur
drei Tage zuvor mit einem Flugzeug für sich beanspruchte.
Dem für die USA als Reparationsleistung gebauten Zeppelin LZ 126/ZR-3 „USS Los Angeles“
gelang 1929 als erstem Luftschiff das Absetzen und die Aufnahme eines Flugzeuges in der Luft.
Die gemeinsam von Goodyear und Zeppelin entwickelte USS Akron wurde 1931 für die US-
Marine in Dienst gestellt. In der Größe entsprach sie etwa dem späteren LZ 129 „Hindenburg“,
jedoch diente sie der militärischen Fernaufklärung über See. Darin wurde sie von Flugzeugen
unterstützt, die während der Fahrt vom Luftschiff ausgesetzt und wieder eingeholt werden
konnten. Die USS Akron ging im April 1933 über dem Atlantik im Sturm verloren. Über 70
Besatzungsmitglieder fanden den Tod. Ihr Schwesterschiff USS Macon wurde 1933 in Dienst
gestellt. Sie ging im Februar 1935 vor der kalifornischen Küste nach einem Leitwerksbruch
verloren. Dabei starben zwei Besatzungsmitglieder.
ZMC-2 war ein 1929 gebautes Ganzmetall-Luftschiff. Die Hülle bestand aus vernietetem
Duraluminiumblech. Die Konstruktion war selbsttragend. Es blieb jedoch trotz des innovativen
und vielversprechenden Konzepts bei nur einem Prototyp. Das Schiff wurde nach dem Ende der
geplanten etwa 10-jährigen Betriebsdauer und störungsfreiem Betrieb in der US-Marine
abgerüstet.
Die beiden britischen Luftschiffe R100 und R101 wurden um 1930 etwa zeitgleich gebaut und
sollten als Passagierluftschiffe die Verbindungen innerhalb des britischen Empire verbessern.
R100 unternahm einige erfolgreiche Fahrten, darunter auch eine nach Kanada. R101 war zwar
etwas früher fertiggestellt worden, erwies sich aber als zu wenig tragfähig und wurde verlängert.
Nach weiteren Änderungen und nur sehr wenigen Testfahrten brach das Schiff im Oktober 1930
zu seiner Jungfernfahrt nach Karatschi auf. Bereits in der Nähe der französischen Stadt
Beauvais hatte das Schiff bei schlechtem Wetter Bodenberührung und geriet in Brand. 48
Personen kamen ums Leben. Nach ausführlicher parlamentarischer Debatte wurde R100 Ende
1931 verschrottet.
Über die Luftschifffahrt in Russland und der Sowjetunion sind nur wenige und schwer prüfbare
Fakten bekannt. So führte das unter der Anleitung von Umberto Nobile erbaute russische
Luftschiff „UdSSR-W6 Ossoawiachim“ (CCCP-B6) am 5. November 1934 seine Jungfernfahrt
durch. Es gilt als das erfolgreichste Luftschiff der Russischen Luftschifffahrt.
Der Zeppelinkapitän Hugo Eckener war 1924 der erste deutsche Atlantikflieger der mit einer
30-köpfigen Mannschaft die Strecke von Friedrichshafen nach Lakehurst in drei Tagen und drei
Stunden flog und Hugo Eckener wurde in Deutschland so populär, dass er bei der
Reichspräsidentenwahl 1932 ernsthaft als Gegenkandidat gegen Adolf Hitler erwogen wurde.
Die größten Luftschiffe überhaupt waren die Zeppeline LZ 129 „Hindenburg“ und das
Schwesterschiff LZ 130 „Graf Zeppelin“ mit 245 Metern Länge, einem Rumpfdurchmesser von
über 40 Metern und einem Fassungsvermögen von rund 200 000 Kubikmetern Wasserstoff-
Traggas. Die „Hindenburg“ konnte 50–70 Passagiere über eine Strecke von 17 500 Kilometern
befördern. Am 6. Mai 1937 ging sie jedoch bei der Landung in Lakehurst/USA in Flammen auf,
36 Menschen starben. Dieses Unglück war zwar nicht das schwerste der Luftschifffahrt, die
„Hindenburg-Katastrophe“ ging jedoch als eines der großen Technikunglücke in die Geschichte
ein (bedingt auch durch die emotionale Radioreportage von Herbert Morrison, die weltberühmt
wurde). Es war auch der letzte Unfall eines Starrluftschiffs. Der sich anbahnende Zweite
Weltkrieg beendete die Ära der Starrluftschifffahrt.
Seitdem dominieren Verkehrsflugzeuge – deren Technik machte in den 1930ern und 1940ern
große Fortschritte – den Luftverkehr.
Nach 1945
Nach Kriegsende mit dem Aufkommen des Kalten Krieges dienten die Luftschiffe vor allem
weiter im US-amerikanischen Militär. Es setzte bis in die 1960er Jahre hinein Prallluftschiffe
zur strategischen und taktischen Radar-See- und Luftraumüberwachung und zur U-Boot-Jagd
ein. Die Entwicklung von leistungsfähigeren Hubschraubern und Langstreckenflugzeugen
führte jedoch zu ihrer Ablösung.
Seitdem fanden und finden Prallluftschiffe vor allem als Werbeträger beispielsweise bei
Großveranstaltungen und für Rundfahrten Verwendung. Besonders bekannt wurden die
Das Unternehmen errichtete dazu im brandenburgischen Brand (Gemeinde Halbe) die größte
freitragende Halle der Welt als Luftschiffwerft. Nach Beginn der Arbeiten am Luftschiff CL160
ging dem Betrieb allerdings zwischenzeitlich das Geld aus. Den Kritiken und Spekulationen war
zu entnehmen, dass Investoren und Kunden offenbar nicht mehr genügend Vertrauen in die
technische und wirtschaftliche Umsetzbarkeit des Projekts hatten. Schließlich musste die
Cargolifter AG Anfang Juni 2002 Insolvenz anmelden. Das Projekt blieb unvollendet, die
Werfthalle wurde 2004 zum Freizeitpark Tropical Islands umgebaut.
Seit 2000
Seit 2000 befördert der Zeppelin NT der ZLT Zeppelin Luftschifftechnik GmbH & Co KG
regelmäßig Touristen über den Bodensee und andere Orte. Der Zeppelin NT 07 ist seit seiner
Jungfernfahrt das größte aktive Luftschiff der Welt. Es wurden mehrere Luftschiffe des Typs
gebaut, die weltweit Einsätze absolvieren. Goodyear stellt nach der Aufgabe der eigenen
Fertigung seine Luftschiffflotte auf Zeppelin NT um.
Von Oktober bis November 2000 half ein Luftschiff vom Typ TLG A60+ der UN bei der Suche
nach Minen und Blindgängern im Kosovo. Dabei wurde ein Radargerät verwendet.
In den letzten Jahren wurden Luftschiffe auch als Plattform für Überwachungsaufgaben speziell
bei Großveranstaltungen wiederentdeckt.
Im Jahr 2006 gab es in Deutschland drei Firmen, die Luftschiffe bauten und betrieben:
Weiterhin sind neben den deutschen Modellen eine ganze Reihe weiterer Prall- und Heißluft-
Luftschiffe hauptsächlich englischen und amerikanischen Ursprungs im weltweiten Einsatz
(z. B. ABC, Aeros, Goodyear, SkyShip, TLG). Auch die unbemannte Luftschifffahrt gewinnt an
Bedeutung. Neben Projekten für Höhenplattformen wird auch der unbemannte Einsatz von
Luftschiffen für zivile und militärische Überwachungsaufgaben untersucht und getestet.
In Russland wurden ebenfalls einige Prall- und Heißluftschiffe von Augur Luftfahrtsysteme
entwickelt und gebaut. Die ersten in China entwickelten Luftschiffe wurden Ende 2004
zugelassen und stammen von der Firma Huajiao.
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Projekte
Der Prototyp Piasecki Heli-Stat war in den 1980ern der Versuch, Luftschiff und
Hubschrauber zu einem Transportmittel zu kombinieren.
Lockheed Martin P-791 – der Prototyp (Kennzeichen N791LM) wurde erstmals am 31.
Januar 2006 in Palmdale/Kalifornien auf einem etwa fünfminütigen Flug getestet.[18] Das
bemannte viermotorige Luftschiff besitzt eine geschätzte Länge von etwa 60 m und hat
Luftkissen als Landegestell. Es handelt sich um ein „Hybridluftschiff“, das statischen und
dynamischen Auftrieb nutzen soll. Die Form ähnelt drei nebeneinanderliegenden
Luftschiffrümpfen.[19]
Verschiedene Unternehmen versuchten und versuchen, den Tourismus über kurze
Rundflüge hinaus mit Luftschiffen wieder zu beleben. Es kam jedoch noch zu keinen
praktischen Unternehmungen. Es fehlen vor allem große Luftschiffe, die einen rentablen
Betrieb erlauben.
Die deutsche LoftyCruiser GmbH & Co. KG untersucht die technische Machbarkeit eines
großen Kreuzfahrtluftschiffes.
Der Förderverein Zeppelin-Tourismus e. V. hat mit Zeppelin Europe Tours ein Konzept
für den europäischen Luftschiffverkehr entwickelt.
Höhenplattform – unbemannte Luftschiffe mit Solarantrieb sollen als
Kommunikationsplattformen ähnlich Satelliten eingesetzt werden.
Mit dem Stratellite wurde 2005 ein Prototyp in den USA entwickelt.
Ein anderes Projekt ist Aerosphere, ein kugel- oder ballförmiges Luftschiffkonzept, das
ebenfalls zur Höhenplattform genutzt werden soll.
In den USA gibt es Überlegungen, mit einem Luftschiff auf bis zu 50 km Höhe aufzusteigen
und dann mittels eines Ionenantriebs in eine Umlaufbahn zu gelangen. Zu einer technischen
Ausführung kam es jedoch noch nicht.
Der Dynalifter ist ein Hybridmodell, das Heliumauftrieb mit Auftrieb durch Tragflächen
kombiniert. Es soll vor allem dazu genutzt werden, in schwer zugänglichen Regionen
Afrikas Ladung und Personen zu transportieren. Das Luftschiff ist schwerer als Luft,
wodurch eine Landung erleichtert wird. Im März 2011 wurden in einer Presseerklärung
erfolgreiche Testflüge gemeldet.[20]
2010: Die TU Berlin erarbeitet und baut im Rahmen der
Projektwerkstatt IsoLuftschiff[21] ein Heißluftschiff,
welches sich durch eine mehrschichtig isolierte Hülle
auszeichnet. Diese spezielle Hülle erhöht die Effektivität
der Luftschiffe gemessen an Flugzeit bzw.
Geschwindigkeit im Vergleich herkömmlicher
Materialien. Konkret geplant ist ein funkferngesteuerter,
15 Meter langer Prototyp. Es fließen hier Erfahrungen Künstlerische Darstellung des High
aus dem Bau von ferngesteuerten Helium-Luftschiffen Altitude Venus Operational Concept
kleineren Maßstabes ein. der NASA
2013: In den USA wurde der 77 Meter lange Luftschiff-
Prototyp Dragon Dream der Firma Worldwide Aeros
erfolgreich getestet. Zwei größere Varianten sind geplant. Eine Version soll 66 Tonnen
Fracht transportieren können, die andere 250 Tonnen. Im Dezember 2013 unterzeichnete
die Lufttransportgesellschaft Cargolux eine Absichtserklärung zum Erwerb von Aeros-
Luftschiffen.[22][23]
NASA und das Keck Institute erforschten in einer Studie die Möglichkeiten, Luftschiffe als
suborbitale astronomische Langzeitforschungsplattformen einzusetzen.[24]
Sonstiges
Seit den Anfängen der Ballonfahrt bis weit ins 19. Jahrhundert hinein wurden Ballonfahrer
durchgehend als „Luftschiffer“ bezeichnet.
Der Luftschiffergruß lautet „Glück ab!“, vgl. im Bergbau „Glück auf!“
Siehe auch
Liste von Luftschiffen
Liste von Zwischenfällen mit Luftschiffen
Filme
Das gestohlene Luftschiff, 1966
Zahlreiche weitere Filme sind im Beitrag LZ 129 angeführt.
Literatur
Henry Beaubois, Carlo Demand (Zeichnungen): Airships: An Illustrated History.
Französischer Originaltitel: Dirigeables, übersetzt und bearbeitet von Michael Kelly und
Angela Kelly. Macdonald and Jane’s, London 1973, ISBN 0-356-08103-6 (englisch).
Jürgen K. Bock, Berthold Knauer (Hrsg.): Leichter als Luft. Transport- und Trägersysteme.
Ballone, Luftschiffe, Plattformen. Frankenschwelle, Hildburghausen 2003, ISBN
3-86180-139-6.
Helmut Braun: Aufstieg und Niedergang der Luftschifffahrt – Eine wirtschaftshistorische
Analyse. eurotrans-Verlag, Regensburg 2007, ISBN 3-936400-22-9.
Ulrich Eisenbach: Die Anfänge der Luftfahrt in Frankfurt am Main. Der Flug- und
Luftschiffhafen Rhein-Main in historischen Fotografien. Sutton, Erfurt 2021, ISBN
978-3-96303-337-7.
Dietrich Engberding: Luftschiff und Luftschiffahrt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
2., erweiterte Auflage. VDI-Verlag, Berlin 1928.
Dorothea Haaland, Hans Georg Knäusel, Günter Schmitt, Jürgen Seifert: Leichter als Luft –
Ballone und Luftschiffe. Bernard & Graefe, Bonn 1997, ISBN 3-7637-6114-4.
Guy Hartcup: The Achievement of the Airship: A History of the Development of Rigid, Semi-
Rigid, and Non-Rigid Airships. David and Charles, London 1974, ISBN 0-7153-6551-7
(englisch).
Hallmann, W. (2002): Ballone und Luftschiffe im Wandel der Zeit, Königswinter.
Gabriel A. Khoury, J. David Gillett: Airship Technology. Cambridge University Press,
Cambridge UK 2004, ISBN 978-0-521-60753-7 (englisch).
Lord Ventry, Eugene M. Kolesnik: Airship Saga: The History of Airships Seen Through the
Eyes of the Men Who Designed, Built and Flew Them. Blandford Press, Poole 1982, ISBN
0-7137-1001-2 (englisch).
Weblinks
Commons: Luftschiffe ([Link]
ps?uselang=de) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Luftschiff – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme,
Übersetzungen
Pilot und Luftschiff ([Link] auf [Link]
Luftschiff Index ([Link] (englisch)
Einzelnachweise
1. Exploration of the rain forest canopy using airships and other methods. ([Link]
[Link]/web/20060614070953/[Link] [Link], archiviert
vom Original ([Link]
g%2F) (nicht mehr online verfügbar) am 14. Juni 2006; abgerufen am 8. Mai 2010
(englisch).
2. Bericht über die Einsätze von D4 ([Link]
[Link]) (englisch, PDF 84 kB)
3. It Works: Die It-Works-Ambientmediastudie. Eine intermediale Reichweitenstudie zu 65 Out
of Home Medien mit dem Schwerpunkt Ambient im Vergleich zur klassischen Außen- und
Verkehrsmittelwerbung ([Link]
[Link]), Düsseldorf, Januar 2004
4. Der Westen: Neue Zeppeline für den Pipelinebau in Kanada ([Link]
chaft/[Link])
5. Helmut Braun: Aufstieg und Niedergang der Luftschifffahrt – Eine wirtschaftshistorische
Analyse. eurotrans-Verlag, Regensburg 2007, ISBN 3-936400-22-9.
6. John Toland: Die große Zeit der Luftschiffe. Lübbe, Bergisch Gladbach 1978, ISBN
3-404-65032-8, S. 12 ff.
7. Patent CH16343 ([Link]
CC=CH&NR=16343): Luftfahrzug, dessen Zugkörper mit getrennt angeordneten Motoren
versehen ist. Angemeldet am 3. Januar 1898, veröffentlicht am 15. November 1898,
Erfinder: Ferdinand, Graf von Zeppelin.
8. The First Paris Aeronautical Salon in Flight, Ausgabe vom 2. Januar 1909
9. Der erste Passagier-Lufthafen Deutschlands entstand in Baden-Baden ([Link]
[Link]/gesch/zepp_halle.htm) – Artikel auf der Website von Baden-Baden
10. Flight Ausgabe vom 2. Januar 1909, S. 5
11. Allan Janus: Animals Aloft: Photographs from the Smithsonian National Air and Space
Museum ([Link] Bunker Hill
Publishing, Inc., 2005, ISBN 978-1-59373-048-2, S. 28 (englisch).
12. R. Assmann, L. Prandtl, O. Föppl, Paul Daimler: Jahrbuch der Motorluftschiff-
Studiengesellschaft. Springer-Verlag, 2013, ISBN 3-662-33939-0, S. 214 (eingeschränkte
Vorschau ([Link] in
der Google-Buchsuche).
13. Konstantynowicz Bogdan: Brief genealogy of the noble Konstantinavičius/ Konstantinovich
ancestry from Belarus and Lithuania. ([Link]
vich/[Link]) Abgerufen am 26. Mai 2019 (englisch).
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