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Schickschuld: Inhaltsverzeichnis

Die Schickschuld ist ein Rechtsbegriff im deutschen Schuldrecht, bei dem der Leistungsort beim Schuldner und der Erfolgsort beim Gläubiger liegt, was bedeutet, dass die Leistung durch das Absenden erfolgt und der Erfolg beim Gläubiger eintritt. Sie unterscheidet sich von Holschuld und Bringschuld und ist besonders relevant bei Kaufverträgen, insbesondere im E-Commerce. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Geldschulden als qualifizierte Schickschuld wurden durch EU-Richtlinien und Urteile des Bundesgerichtshofs beeinflusst, wobei der Schuldner die Verlustgefahr trägt, bis die Zahlung beim Gläubiger eingeht.

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Schickschuld: Inhaltsverzeichnis

Die Schickschuld ist ein Rechtsbegriff im deutschen Schuldrecht, bei dem der Leistungsort beim Schuldner und der Erfolgsort beim Gläubiger liegt, was bedeutet, dass die Leistung durch das Absenden erfolgt und der Erfolg beim Gläubiger eintritt. Sie unterscheidet sich von Holschuld und Bringschuld und ist besonders relevant bei Kaufverträgen, insbesondere im E-Commerce. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Geldschulden als qualifizierte Schickschuld wurden durch EU-Richtlinien und Urteile des Bundesgerichtshofs beeinflusst, wobei der Schuldner die Verlustgefahr trägt, bis die Zahlung beim Gläubiger eingeht.

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Schickschuld – Wikipedia [Link]

org/wiki/Schickschuld

Schickschuld
Die Schickschuld ist ein Rechtsbegriff aus dem Schuldrecht Deutschlands, wonach der
Leistungsort (Erfüllungsort) beim Schuldner liegt, denn seine Leistungshandlung liegt im
Absenden, und der Erfolgsort beim Gläubiger. Kommt die Leistung dort an, ist der Erfolg
eingetreten. Erfüllt wird bereits am Leistungsort.

Inhaltsverzeichnis
Allgemeines
Geldschulden
Bedeutung
Einzelnachweise

Allgemeines
Sie ist abzugrenzen von der so genannten Holschuld, dem gesetzlichen Regelfall für Leistungen
(vgl. § 269 Abs. 1 BGB), und der Bringschuld. Typisch für die Schickschuld ist, dass Leistungsort
und Erfolgsort auseinanderfallen. Dabei bedient sich der Schuldner einer Transportperson (z. B.
Post), um die Leistung zu bewirken.

Geldschulden
Bisher galt nach ganz überwiegenden Auffassung in Literatur und Rechtsprechung, dass gemäß
§ 270 Abs. 1 und 4, § 269 BGB die Geldschuld eine qualifizierte Schickschuld ist, bei der der
Schuldner lediglich die Verlustgefahr trägt.[1] Beim Kaufvertrag hatte der Käufer lediglich die
Gefahr der Geldübermittlung, nicht jedoch die Gefahr der Verzögerung (etwa bei einer
Banküberweisung) zu tragen.[2]

Die Richtlinie 2011/7/EU des Europäischen Parlaments und des EU-Rates vom 16. Februar
2011 zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr[3] und ein Urteil des
Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH) vom April 2008[4] hatten in Deutschland für
Rechtsunsicherheit gesorgt. Bis dahin galt, dass der Schuldner die Geldschuld auf seine Gefahr
und seine Kosten dem Gläubiger an dessen Wohnsitz zu übermitteln hat (§ 270 Abs. 1 BGB), bei
Gewerbebetrieben als Gläubiger ist der Geschäftssitz oder der Ort der Niederlassung der
Zahlungsort (§ 270 Abs. 2 BGB).

Im Oktober 2016 entschied der Bundesgerichtshof (BGH) hierzu, dass der Schuldner zwar
rechtzeitig alles getan haben muss, was seinerseits am Leistungsort erforderlich ist, um den
Gläubiger zu befriedigen; der Leistungserfolg – die Gutschrift des Überweisungsbetrages auf

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Schickschuld – Wikipedia [Link]

dem Zahlungsempfängerkonto – gehört jedoch nicht mehr zur Leistungshandlung des


Schuldners.[5] Der BGH bestätigte in diesem Urteil, dass weder die EU-Richtlinie noch das
Urteil des EuGH hieran für den Verbraucher als Schuldner etwas ändern. Im Geschäftsverkehr
von Unternehmen untereinander (Business-to-Business) oder mit der öffentlichen Verwaltung
(Business-to-Administration) gilt dagegen, dass die Zahlung des Schuldners als verspätet
anzusehen ist, wenn der Gläubiger nicht rechtzeitig über den geschuldeten Betrag verfügen
kann; der geschuldete Betrag muss auf dem Konto des Gläubigers fristgemäß gutgeschrieben
worden sein. Verträge mit Verbrauchern unterfallen nicht dem Anwendungsbereich dieser EU-
Richtlinie. Eine Ausdehnung auf Verbraucher ist nach ihrer Zielsetzung auch nicht erwünscht,
denn der Erwägungsgrund 8 der EU-Richtlinie sieht vor, dass ihr Anwendungsbereich auf die
als Entgelt für Handelsgeschäfte geleisteten Zahlungen beschränkt sein und keine Geschäfte mit
Verbrauchern umfassen sollte. Auch das EuGH-Urteil bezieht sich ausschließlich auf
Unternehmen.

Bedeutung
Die Bedeutung der Schickschuld liegt ihrer Natur nach im Bereich der Kaufverträge, bei denen
die Vertragsparteien nicht persönlich aufeinandertreffen (z. B. Fernabsatzverträge,
Versandhandel), und ist in den letzten Jahrzehnten infolge der Entstehung von E-Commerce
(Online-Shopping) stark angestiegen. Rechtlich relevant ist die Schickschuld insbesondere
beim:

Übergang der Leistungsgefahr (Gefahrenübergang): Mit der Übergabe an eine


ordnungsgemäß ausgewählte Transportperson beschränkt sich die Leistungspflicht auf die
übergebene Sache (so genannte Konkretisierung), § 243 Abs. 2 BGB. Selbst wenn also
ursprünglich eine Gattungsschuld (§ 243 Abs. 1 BGB) vorlag, wird der Verkäufer bei
Untergang der Sache nach Übergabe von seiner Leistungspflicht wegen Unmöglichkeit
(§ 275 Abs. 1 BGB) frei. Der Käufer kann nicht die Leistung einer anderen Sache gleicher
Art verlangen. Ausnahme hiervon sind jedoch nach § 270 Abs. 1 BGB Geldschulden als
qualifizierte Schickschuld. Nach § 270 Abs. 1 BGB trägt der Schuldner die Leistungsgefahr
bis zur Ankunft. Bei Nichtankunft des Geldes trotz Versand muss also der Geldschuldner
noch einmal zahlen. Ob am Begriff der qualifizierten Schickschuld festzuhalten ist, ist seit
Umsetzung der Zahlungsverzugsrichtlinie durch Beibehaltung des § 270 BGB nur noch für
Verbraucher zweifelhaft; bei Unternehmen ist die Geldschuld eine Bringschuld. Eine
Konkretisierung kann bei Geldschulden nur nach § 300 Abs. 2 BGB eintreten.
Übergang der Preisgefahr: Nach dem gesetzlichen Regelfall geht mit der Übergabe der
Kaufsache an die Transportperson auch die Preisgefahr über, § 447 Abs. 1 BGB. Geht die
Sache unter, erhält der Käufer zwar nicht die Kaufsache, ist aber gleichwohl verpflichtet,
den Kaufpreis zu zahlen. Von dieser Regelung wird zum Schutz des Verbrauchers eine
Ausnahme gemacht, § 475 Abs. 2 BGB.
Besondere Probleme können sich daraus ergeben, dass bei der Schickschuld die Vornahme der
Leistungshandlung durch den Gläubiger und der Übergang des Eigentums an der Sache auf den
Käufer zeitlich auseinanderfallen können. Vor der Einführung der Regeln zum
Verbrauchsgüterkauf in das BGB und des § 421 Abs. 1 Satz 2 HGB lag hier ein wichtiger
Anwendungsbereich der Drittschadensliquidation. Des Weiteren ist umstritten, ob eine
Schickschuld auch dann vorliegen kann, wenn der Schuldner anstelle eines Dritten eigene
Gehilfen als Transportpersonen einsetzt.

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Schickschuld – Wikipedia [Link]

Einzelnachweise
1. Bundesgerichtshof (BGH), Urteil vom 7. Oktober 1965, Az. II ZR 120/63, BGHZ 44, 178 (htt
ps://[Link]/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ+44%2C+178), 179.
2. BGH, Urteil vom 5. Dezember 1963, Az. II ZR 219/62 ([Link]
rechtsprechung?Text=II+ZR+219%2F62) = NJW 1964, 499.
3. Richtlinie 2000/35/EG vom 29. Juni 2000, Amtsblatt L 200, S. 35 ([Link]
egal-content/DE/TXT/PDF/?uri=uriserv:OJ.L_.[Link]) (PDF)
4. EuGH, Urteil vom 3. April 2008, Az.: C-306/06 ([Link]
rechung?Text=C-306%2F06), Slg. 2008, I-1923 Rn. 28: 01051 Telecom GmbH/Deutsche
Telekom AG: Volltext, abgerufen am 11. Juli 2017
5. BGH, Urteil vom 5. Oktober 2016 ([Link] Az. VIII ZR 222/15 (http
s://[Link]/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VIII+ZR+222%2F15).

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Diese Seite wurde zuletzt am 30. Juni 2023 um 01:50 Uhr bearbeitet.

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