Holschuld – Wikipedia [Link]
org/wiki/Holschuld
Holschuld
Holschuld ist ein Begriff aus dem Schuldrecht und bedeutet, dass Leistungs- und Erfolgsort
beim Schuldner liegt. Bei ihm sollen die Leistungshandlungen erfolgen und der Leistungserfolg
eintreten. Bei der Holschuld muss sich der Gläubiger die Leistung beim Schuldner abholen.
Rechtsfragen
Bei der Holschuld sind der Leistungs- und Erfüllungsort der Wohnsitz oder der Geschäftssitz
des Schuldners (Verkäufer). Dieser hat die Ware bereitzustellen, der Gläubiger (Käufer) muss
sie dort abholen. Der Verkäufer muss die Ware bereitstellen und, wenn kein Abholtermin
vereinbart wurde, den Käufer benachrichtigen.[1] Mangels abweichender Vereinbarung
bestimmt § 269 Abs. 1 BGB als Leistungsort den Wohn- oder Geschäftssitz des Schuldners. Eine
Holschuld liegt vor, wenn sich der Käufer in einen Laden, Supermarkt oder in ein Warenhaus
zum Kauf begibt und dort die Ware mitnimmt.
Insbesondere bei höherwertigen Gebrauchsgegenständen im Einzelhandel, die der Käufer nicht
selbst abtransportiert und Transport oder Installation Sachkenntnis verlangen, stellt die
Warenlieferung regelmäßig eine Bringschuld dar.[2] Dann trägt der Lieferant die
Transportgefahr bis zum Käufer. Wird jedoch vereinbart, dass der Verkäufer lediglich die
Versandkosten übernimmt oder der Käufer „Selbstabholer“ sein soll, dann wird die Lieferung
zur Holschuld (§§ 269 Abs. 3, § 447 Abs. 1 BGB; siehe Preisgefahr), und die Ware reist auf
Gefahr des Käufers.
Die Geldschuld des die Gegenleistung erbringenden Käufers oder die Verpflichtung des
Verkäufers zu versenden sind typischerweise Schickschuld. Bringschuld liegt vor, wenn der
Wohn- oder Geschäftssitz des Gläubigers Erfüllungsort ist.[3]
Informationsmanagement
Das Informationsmanagement benutzt die juristischen Begriffe Holschuld/Bringschuld für das
Informationsverhalten von Personen oder Personal, das Informationen, Nachrichten oder
Wissen vom Inhaber der Information rechtzeitig und vollständig und in geeigneter Form
abzuholen oder an eine andere Person weiterzuleiten hat. Dabei haben Arbeitsanweisungen,
Dienstanweisungen oder eine Führungskraft gemäß dem Sender-Empfänger-Modell vorab zu
klären, für welche Informationen eine Holschuld (englisch pull) und für welche eine
Bringschuld (englisch push) besteht und wer die Verantwortung für die
Informationsübermittlung trägt. Eine Bringschuld liegt vor, wenn der Absender der Initiator
der Informationsweiterleitung ist. Im Falle einer Holschuld ist der Empfänger der Initiator und
muss sich selbst bemühen, eine Information von einer Quelle zu beziehen.[4]
Im Regelfall sind Informationen und Nachrichten eine Bringschuld für denjenigen, der diese
1 von 2 16.02.2025, 17:50
Holschuld – Wikipedia [Link]
Informationen erhalten hat. Er muss entscheiden, an welche Adressaten sie weiterzugeben ist.
In hierarchischen Organisationen wird die Berichtspflicht (Bringschuld) der jeweils niedrigeren
Ebene auferlegt, die an die höhere Ebene zu berichten hat. Das Management muss dann
entsprechend den Vorstand informieren. Da der Aufsichtsrat sich besser und detaillierter mit
allen relevanten Informationen versorgen soll, hat er sowohl die Bringschuld des Vorstandes
aktiv einzufordern[5] als auch seiner Holschuld verstärkt nachzukommen.[6]
Einzelnachweise
1. Harm Peter Westermann/Peter Bydlinski, BGB – Schuldrecht Allgemeiner Teil, 2007, S. 56
([Link]
l=de&gbpv=1&dq=Holschuld+bgb&pg=PA56&printsec=frontcover#spf=1615409517321)
2. Wolfgang Fickentscher/Andreas Heinemann, Schuldrecht, 2006, S. 147 ([Link]
[Link]/books?id=N2QBH5cHbQUC&pg=PA147&dq=bringschuld&hl=de&sa=X&ei=bv9cUvyP
Ooit0QWN34CYBA)
3. Verlag Dr. Th Gabler (Hrsg.), Lexikon des Wirtschaftsrechts, 1972, Sp. 1512
4. André Minkus, Informationsversorgung in Dienstleistungsorganisationen, 2011, S. 90 (http
s://[Link]/books/edition/Informationsversorgung_in_Dienstleistung/nUsgBAAAQBA
J?hl=de&gbpv=1&dq=informationen+Holschuld&pg=PA90&printsec=frontcover#spf=161541
2198995)
5. Marc Diederichs/Martin Kißler, Corporate Governance und Controlling, 2008, S. 43 f.
6. Günther Strunk/Helge F. Kolaschnik, TransPuG und Corporate Governance Kodex, 2003, S.
32
Normdaten (Sachbegriff): GND: 7683264-8
Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!
Abgerufen von „[Link]
Diese Seite wurde zuletzt am 4. August 2024 um 14:53 Uhr bearbeitet.
Der Text ist unter der Lizenz „Creative-Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen
Bedingungen“ verfügbar; Informationen zu den Urhebern und zum Lizenzstatus eingebundener
Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können im Regelfall durch Anklicken dieser abgerufen
werden. Möglicherweise unterliegen die Inhalte jeweils zusätzlichen Bedingungen. Durch die
Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit den Nutzungsbedingungen und der
Datenschutzrichtlinie einverstanden.
Wikipedia® ist eine eingetragene Marke der Wikimedia Foundation Inc.
2 von 2 16.02.2025, 17:50