Schadensersa: Inhaltsverzeichnis
Schadensersa: Inhaltsverzeichnis
org/wiki/Schadensersatz
Schadensersa
Unter Schadensersatz (oft SE abgekürzt) versteht man im deutschen Recht die Rechtspflicht
zum Ausgleich eines Schadens.
Inhaltsverzeichnis
Begriffsklärung
Anspruch
Vertragliche Schadensersatzansprüche
Aus Verletzung einer Haupt- oder Nebenleistungspflicht
Aus Verletzung einer Rücksichtnahmepflicht (auch Schutzpflicht oder weitere
Verhaltenspflicht)
Vertragliche Haftung für Drittschäden
Weitere Gesetze mit Zusammenhang zum Schadensersatzrecht
Deliktsrecht des BGB
Produkthaftungsgesetz
Straßenverkehrsgesetz
Gesetzliche Haftung für Drittschäden
Verschulden
Haftung nur bei eigenem Verschulden
Haftung Aufsichtspflichtiger und Gefährdungshaftung
Kausalität und Ursachenzusammenhang
Materiellrechtliche Bedeutung
Prozessuale Bedeutung
Rechtswidrigkeit
Umfang der Schadensersatzpflicht
Totalrestitution (Totalreparation)
Naturalrestitution
Mitverschulden und Schadensminderungspflicht
Pauschalierung von Schadensersatzansprüchen
Verjährung von Schadensersatzansprüchen
Einkommensteuerrechtliche Behandlung von Schadensersatz
Gezahlter Schadensersatz
Erhaltene Schadensersatzansprüche
Siehe auch
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Begriffsklärung
Unter einem Schaden im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuchs versteht man jede Einbuße an
Rechtsgütern aufgrund eines bestimmten Ereignisses.[1] Hierzu zählen sowohl
Vermögensschäden als auch immaterielle Schäden (§ 253 BGB). Für den Ersatz materieller und
immaterieller Schäden gelten jedoch im deutschen Recht unterschiedliche Regeln: Für
immaterielle Schäden kann nur dann eine Entschädigung in Geld gefordert werden, wenn das
Gesetz dies explizit anordnet (insbesondere § 253 Abs. 2 BGB). Bei einem Vermögensschaden
kann der Geschädigte hingegen bei Verletzung seiner Person oder Beschädigung einer Sache
statt Naturalherstellung Ersatz in Geld verlangen (§ 249 Abs. 2, S. 1 BGB). Dasselbe gilt, wenn
die Naturalherstellung unmöglich ist, nicht genügt, um den Geschädigten so zu stellen wie vor
dem schädigenden Ereignis (§ 251 Abs. 1 BGB) oder unverhältnismäßige Aufwendungen
erfordert (§ 251 Abs. 2 BGB).
Anspruch
Die §§ 249 ff. BGB bestimmen nur Art, Inhalt und Umfang der Leistung von Schadensersatz.[2]
Ob ein Schaden überhaupt zu ersetzen ist und von wem, bestimmt sich nach einer separaten
Anspruchsgrundlage.
Das deutsche Zivilrecht unterscheidet zunächst nach der Begründung zwischen gesetzlichen
und vertraglichen Schadensersatzansprüchen. Voraussetzung für die Haftpflicht ist
grundsätzlich rechtswidriges und schuldhaftes Handeln oder Unterlassen. Ausnahmsweise
kommt eine verschuldensunabhängige Garantiehaftung oder eine Gefährdungshaftung zum
Tragen. Verschulden ist ein Zurechnungsmaßstab für eigenes rechtswidriges Verhalten; fremdes
Verhalten kann nur in Ausnahmefällen zugerechnet werden. Der Schadensersatzanspruch ist
auf Ausgleich des messbaren Schadens gerichtet. Daneben kann bei Personenschäden Anspruch
auf ein angemessenes Schmerzensgeld entstehen. Der Haftung auf Schadensersatz kann ein
Mitverschulden des Geschädigten entgegengehalten werden. Die Haftung Dritter entlastet
Mithaftende im Verhältnis zu dem Geschädigten nicht. Eventuell können mehrere Haftende als
Gesamtschuldner haften.
Vertragliche Schadensersatzansprüche
So wird gemäß § 433 Abs. 1 Satz 1 BGB der Verkäufer einer Sache durch den Kaufvertrag
verpflichtet, dem Käufer die Sache mangelfrei zu übergeben (Besitzverschaffung) und das
Eigentum an der Sache zu verschaffen (Eigentumsübertragung).
Erfüllt der Verkäufer diese Verpflichtungen verspätet oder überhaupt nicht, so tritt neben die
primäre Leistungspflicht die sekundäre Pflicht zum Schadensersatz. Dabei sind entweder der
Erfüllungsschaden (z. B. Verzugszinsen, § 288 Abs. 1 BGB) oder der Vertrauensschaden (z. B.
infolge von im Vertrauen auf die Lieferung getätigten Folgeaufträge, § 284 BGB) zu erstatten.
Auch bei Verletzung der Pflichten i. S. d. § 241 Abs. 2 BGB ist der Geschädigte
schadensersatzberechtigt. Geschützt wird dabei allerdings nicht sein Äquivalenzinteresse
(Interesse an der Gleichwertigkeit von Leistung und Gegenleistung), sondern sein
Integritätsinteresse, also sein personen- und vermögensrechtlicher status quo. Die allgemeinen
Anspruchsgrundlagen für Schadensersatz wegen Verletzung einer Rücksichtnahmepflicht sind
normiert in § 280 Abs. 1, § 241 Abs. 2 BGB (Schadensersatz neben der Leistung), § 282, § 280
Abs. 1, § 241 Abs. 2 BGB (Schadensersatz statt der Leistung).
Wenn etwa infolge von Schimmelbildung in der gemieteten Wohnung (anfänglicher Mangel der
Mietsache) nicht der Mieter selbst, sondern sein Kind erkrankt, ist für die Haftung des
Vermieters maßgeblich, ob er damit rechnen musste, dass das Kind in der Wohnung wohnt; bei
Familienangehörigen ist dies regelmäßig zu bejahen, anders kann es sich bei unberechtigter
Den wichtigsten Fall bildet das Deliktsrecht. § 823 Abs. 1 BGB regelt: „Wer vorsätzlich oder
fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein
sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus
entstehenden Schadens verpflichtet.“ § 823 BGB schützt hierbei nur die absoluten Rechtsgüter.
Reine Vermögensschäden sind jedoch nicht von § 823 BGB erfasst.
Unter die sonstigen Rechte fallen anerkanntermaßen sogenannte Rahmenrechte wie das Recht
am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb, das Allgemeine Persönlichkeitsrecht, der
berechtigte Besitz, Immaterialgüter sowie Familienrechte. Nicht ersatzfähig sind primäre
Vermögensschäden.
In diesen Gesetzen wird mittels des Konditionalprogramms bestimmt, dass für einen
Tatbestand (z. B. Wer … widerrechtlich verletzt …) die Rechtsfolge des Schadensersatzes
eintritt (… ist … zum Ersatz des … Schadens verpflichtet).
Gemäß § 823 Abs. 2 BGB trifft die Schadensersatzpflicht zudem denjenigen, welcher gegen ein
Gesetz verstößt, das den Schutz eines anderen bezweckt. Zu diesen sogenannten Schutzgesetzen
gehören bestimmte Strafgesetze im StGB (etwa gegen Tötungsdelikte, Körperverletzung und
Sachbeschädigung) sowie zahlreiche weitere Gesetze (z. B. über die Produkthaftung). Wurde
gegen ein solches Schutzgesetz verstoßen, sind auch aus dem Verstoß folgende reine
Vermögensschäden zu ersetzen.
Nach § 826 BGB sind ebenfalls reine Vermögensschäden ersatzfähig, soweit die Schädigung
sittenwidrig und vorsätzlich erfolgt ist.
Produkthaftungsgesetz
→ Hauptartikel: Produkthaftung (Deutschland) und Produkthaftungsgesetz (Deutschland)
Der gesetzlich geregelte Schadensersatzanspruch der Produkthaftung bezeichnet die Haftung
auf Schadensersatz gegen den Hersteller eines Produktes für Schäden, die beim Endabnehmer
infolge eines fehlerhaften Produkts entstanden sind.
Straßenverkehrsgesetz
→ Hauptartikel: Straßenverkehrsgesetz
Weitere wichtige gesetzliche Anspruchsgrundlagen für Schadensersatz ergeben sich aus dem
Straßenverkehrsgesetz (StVG). Nach § 7 StVG haftet der Halter verschuldensunabhängig. Es
handelt sich dabei um eine reine Gefährdungshaftung für bestimmte Gefahren, die sich beim
Betrieb eines Kraftfahrzeugs realisiert haben.
Verschulden
Bei den Gehilfen ist entscheidend, ob die Schadensersatzpflicht auf vertraglicher oder
gesetzlicher Grundlage beruht: wer einen Erfüllungsgehilfen, z. B. einen Subunternehmer, statt
seiner mit der Erfüllung eines Vertrages beauftragt, haftet für dessen Verschulden wie für
eigenes (§ 278 BGB): der Vertragspartner kann auf die Qualitätszusage seines Partners bauen.
Wo solche vertraglichen Beziehungen fehlen, besteht kein Grund zu solch gesteigerter
Rücksicht: § 831 Abs. 1 BGB beschränkt die Eintrittspflicht für von Verrichtungsgehilfen
verursachte Schäden (Geschäftsherrenhaftung) auf die Fälle, in denen der „Geschäftsherr“ nicht
belegen kann, dass er den Gehilfen sorgfältig ausgewählt und beaufsichtigt hat.
Kinder sind – je nach Alter und Entwicklung unterschiedlich intensiv – zu beaufsichtigen.[8] Die
aufsichtspflichtige Person (Eltern, Tagesmutter, Heimpersonal) haftet, wenn sie ihre
Aufsichtspflicht schuldhaft verletzt und das Kind einem Dritten widerrechtlich einen Schaden
zugefügt hat (§ 832 Abs. 1 BGB). Eltern haften also nicht für fremdes Verschulden (für ihre
Kinder), sondern nur für ihr eigenes, wenn sie ihre eigene Aufsichtspflicht verletzt haben.[9] Der
Aufsichtspflichtige kann sich im Einzelfall exkulpieren, wenn er seiner Aufsichtspflicht genügt
Ähnliches gilt für die Haftung des Tierhalters: Der Halter eines gewerblich genutzten Tieres
kann einwenden, dass er seiner Aufsichtspflicht genügt hat (§ 833 BGB). Beide Fälle setzen
damit Verschulden voraus, wenn auch der Mangel bei der Aufsicht im Gesetz unterstellt wird;
diese „Verschuldensvermutung“ kann durch den Verantwortlichen widerlegt werden – dies lässt
seine Haftung entfallen. Das gilt nicht beim Halter eines Luxustiers, d. h. eines Tieres, das nicht
gewerblich gehalten wird. Hier gilt als Sonderfall der Gefährdungshaftung die
Tierhalterhaftung.
Anders ist dies erst in den Fällen der echten Gefährdungshaftung: In diesen Fällen,
insbesondere der gesetzlichen Schadensersatzansprüche aus Straßenverkehrsgesetz, braucht
der Geschädigte nur zu beweisen, dass er beim Betrieb des Kraftfahrzeugs des Schädigers
verletzt wurde, um die Haftung des Kfz-Halters gem. § 7 StVG – allerdings (gem. § 12 Abs. 1
StVG) summenmäßig beschränkt – zu begründen. Der Halter könnte sich nur mit dem Einwand
wehren, der Unfall beruhe auf höherer Gewalt; ein Verschulden, etwa ein Fahrfehler, ist für
seine Haftung auf Schadensersatz nicht erforderlich.
In vergleichbarer Weise bedarf es keines Verschuldens bei Schäden, die sich etwa beim Betrieb
von Bahnen (Schienen- oder Schwebebahn § 1 HaftPflG) oder im Bereich der Produkthaftung
infolge von Produktfehlern (§ 1 ProdHG) ereignen. Hier wie im Bereich des Straßenverkehrs
begründet die mit Eröffnung der Gefahrenquelle gesetzte Gefährdung besondere
Sorgfaltspflicht und erübrigt jedes Verschulden.
Materiellrechtliche Bedeutung
Unter Kausalität versteht man im naturwissenschaftlichen Sinne jede für den Erfolgseintritt
erforderliche Voraussetzung, bei deren Wegfall auch der Erfolg entfiele (Condicio-sine-qua-
non-Formel). Dieser Grundsatz führt im bürgerlichen Haftungsrecht zu Übersteigerungen: Der
Autofahrer, der mit überhöhter Geschwindigkeit zu der Stelle fährt, an der sich der Unfall
ereignet, auf Höhe des Unfallortes sich jedoch an die Verkehrsregeln hält, wäre in diesem Sinne
ursächlich für den Unfall, da er bei (immer) ordnungsgemäßem Verhalten zum Unfallzeitpunkt
nicht an der Unfallstelle gewesen wäre (sogenannte erweiterte äquivalente Kausalität).
Die Rechtsprechung korrigiert diese unbefriedigenden Ergebnisse über das Erfordernis der
objektiven Zurechnungsfähigkeit oder Sozialadäquanz: Nur wenn die Voraussetzung unter
normalen Bedingungen ohne Hinzutreten besonderer unabsehbarer Ursachen zum Erfolg führt,
setzt die zivil- wie strafrechtliche Verantwortlichkeit ein. Aber auch dieses Kriterium ist
unscharf: Bei Benutzung einer nur für den Anliegerverkehr zugelassenen Straße ereignet sich
ein Verkehrsunfall zwischen zwei durchfahrenden Kfz, durch den der Beifahrer verletzt wird.
Nach der Bedingungstheorie ist der Unfall durch Wahl einer zugelassenen Wegstrecke zu
vermeiden; auch nach der Adäquanztheorie wäre dieser Schaden dem bewusst StVO-widrig
handelnden Fahrer zuzurechnen. Die Lehre vom Schutzzweck der Norm vermeidet dieses
unbillige Ergebnis, indem sie darauf abstellt, dass es Ziel der Sperrung für den
Durchgangsverkehr neben der allgemeinen Verkehrssicherheit war, konkret Unfälle zu
vermeiden, die durch erhöhtes Verkehrsaufkommen bedingt sind.
Diese Lehre vom Schutzzweck der Norm wurde zunächst im Zusammenhang mit § 823 Abs. 2
BGB entwickelt: Die Verletzung von Schutzgesetzen ist nur dann haftungsrelevant, wenn mit
ihnen konkret der Schutz des verletzten Rechtsgutes bezweckt war. Dieser Grundgedanke wird
auch auf vertragliche Ansprüche übertragen: Der Verkäufer eines gebrauchten Kfz hatte
wahrheitswidrig Unfallfreiheit zugesichert. Bei einem vom Käufer allein verursachten Unfall
wird das Kfz total beschädigt und er selbst verletzt. Der Käufer hat Anspruch auf Rückzahlung
des Kaufpreises (§ 346 Abs. 1 BGB) Zug um Zug gegen Wertersatz (§ 346 Abs. 2 BGB); Ersatz
seines unfallbedingten Personenschadens und der Belastung mit unfallbedingten
Verpflichtungen oder Schäden kann er nicht fordern, da diese Ansprüche unfall-, aber nicht
täuschungsbedingt sind.
Prozessuale Bedeutung
Im Zivilprozess gelten für die haftungsbegründende und die haftungsausfüllende Kausalität
unterschiedliche Regeln. Während zu ersterem generell der Geschädigte den Vollbeweis
erbringen muss (§ 286 ZPO), ist das Gericht bei der Ermittlung des Kausalzusammenhangs
zwischen dem Haftungsgrund und dem eingetretenen Schaden nach Maßgabe des § 287 ZPO
freier gestellt.[12] Der Tatrichter kann zwar auch eine haftungsausfüllende Kausalität nur
feststellen, wenn er von diesem Ursachenzusammenhang überzeugt ist. Es werden aber
geringere Anforderungen an die Überzeugungsbildung gestellt. Es genügt, je nach Lage des
Einzelfalls, eine höhere oder deutlich höhere Wahrscheinlichkeit für den von dem Geschädigten
behaupteten Ursachenzusammenhang.
§ 287 ZPO erleichtert dem Geschädigten aber nicht nur die Beweisführung, sondern auch die
Darlegungslast. Steht der geltend gemachte Anspruch dem Grunde nach fest und ist lediglich
die Höhe eines sich aus vielen kleinen Einzelposten zusammensetzenden Schadens strittig, darf
die Klage grundsätzlich nicht vollständig abgewiesen werden, sondern der Richter muss im
Rahmen des Möglichen den Schaden nach § 287 ZPO schätzen. Der Richter muss nach
pflichtgemäßem Ermessen beurteilen, ob nicht wenigstens die Schätzung eines
Mindestschadens möglich ist.[13] So wird vermieden, dass der Geschädigte völlig leer ausgeht,
obwohl die Ersatzpflicht des Schädigers feststeht.[14]
Rechtswidrigkeit
Schließlich muss der Schädiger den Schaden rechtswidrig herbeigeführt haben.
Rechtswidrigkeit bedeutet, dass die Verhaltensweise des Schädigers zu den
Verhaltensmaßstäben der Rechtsordnung im Widerspruch steht. Im Zivilrecht folgt die
Rechtswidrigkeit bei unmittelbaren Verletzungen durch positives Tun regelmäßig aus der
Rechtsgutverletzung. Ausnahmsweise muss die Rechtswidrigkeit positiv festgestellt werden,
wenn sich diese aufgrund der Weite des gesetzlichen Tatbestandes nicht bereits aus dessen
Verletzung ergibt. Dies ist beispielsweise bei einer Verletzung des allgemeinen
Persönlichkeitsrechts (wie unerlaubter Fotoabbildung etc.) der Fall. In Einzelfällen kann das
Handeln durch einen Rechtfertigungsgrund wie etwa Notwehr gerechtfertigt sein; dann entfällt
die Rechtswidrigkeit und folglich die Schadensersatzpflicht. Mittelbare Verletzungshandlungen
und Unterlassungen sind nur dann als rechtswidrig anzusehen, wenn der Schädiger hierbei
gegen eine Rechtspflicht – z. B. eine Verkehrssicherungspflicht – verstoßen hat.
Probleme kann hierbei das sogenannte rechtmäßige Alternativverhalten aufwerfen. Wenn der
Schädiger den Schaden auch bei rechtmäßigem Verhalten verursacht hätte, kann der
Schadensersatzanspruch entfallen.[17]
Totalrestitution (Totalreparation)
Das deutsche Recht ist vom Prinzip der Totalrestitution (auch: Totalreparation) beherrscht
(nach § 249 BGB). Der Geschädigte soll seinen gesamten Schaden ersetzt erhalten.[18] Wenn der
Schädiger aus Verschuldens- oder Gefährdungshaftung Schadensersatz schuldet, ist diese
Forderung nicht durch Haftungsgrenzen beschränkt: Er haftet in unbeschränkter Höhe, sofern
nicht für Gefährdungshaftungen spezielle Höchsthaftungsgrenzen bestimmt sind (so z. B. § 10
ProdHaftG). Das Schweizer Recht sieht hingegen eine Minderung der Ersatzpflicht vor, wenn
der Schädiger durch eine vollständige Haftung einer Notlage ausgesetzt werden würde und er
nicht wenigstens grobfahrlässig gehandelt hat (Art. 44 Abs. 2 OR). Ausnahmen vom Grundsatz
der Totalreparation finden sich im deutschen Recht auch bei der Arbeitnehmerhaftung und der
Haftung Minderjähriger.
Naturalrestitution
Das deutsche Schadensersatzrecht ist durch den Grundsatz der Naturalrestitution geprägt. Ein
Schaden ist der Unterschied zwischen dem tatsächlichen Zustand und dem Zustand, der ohne
das schädigende Ereignis bestünde (§ 249 Abs. 1 BGB). Ist z. B. eine Sache beschädigt oder ein
Körper verletzt worden, sind die Instandsetzungskosten bzw. die Heilungskosten zu ersetzen. Es
ist nicht der Zustand herzustellen, der vor dem schädigenden Ereignis bestand (der sog. „Status
quo ante“), sondern eben der (hypothetische) Zustand, der bestünde, wenn das schädigende
Ereignis nicht eingetreten wäre, was zumeist auf dasselbe hinausläuft. Die Herstellung dieses
Zustandes kann nicht nur bei Vermögensschäden, sondern bei Schäden jeder Art (z. B. auch
Gesundheitsschäden, Körperschäden) verlangt werden.
Anders als insbesondere in den USA darf nach deutschem Recht mit dem
Schadensersatzanspruch dem Geschädigten nicht eine „Strafe“ (exemplary or punitive
damages) zugesprochen, sondern nur der „Nachteil“ ausgeglichen werden, der ihm vom
Schädiger zugefügt wurde.[19]
Statt Naturalrestitution hat der Geschädigte bei Personen- und Sachschäden nach seiner Wahl
das Recht, stattdessen den für die Herstellung des fiktiven Zustandes erforderlichen Betrag in
Geld (§ 249 Abs. 2 BGB) zu erhalten. Auch dies ist insoweit ein Fall der Naturalrestitution als
das Geld wertmäßig ebenfalls auf die Herstellung des hypothetisch bestehenden Zustandes
gerichtet ist. Dieser Geldbetrag kann sogar dann gefordert werden, wenn er tatsächlich nicht
anfällt (z. B. die Reparaturkosten für ein Kraftfahrzeug, ohne dass die Reparatur tatsächlich
durchgeführt wird).[20]
Alternativ zum Kostenersatz für die Wiederherstellung beschädigter Sachen kann nach h. M. die
Naturalrestitution durch Ersatzbeschaffung einer vergleichbaren Sache erfolgen (a. A. Fall der
Schadenskompensation). Demnach ist der Wiederbeschaffungswert einer beschädigten Sachen
zu erstatten. Nicht erstattungsfähig ist deren Neuwert (Ausnahme: Abrechnung auf
Neuwagenbasis bei Kfz mit dem „Schmelz der Neuwertigkeit“). Der Geschädigte kann aber auch
nicht bloß auf den Zeitwert der Sache verwiesen werden.
Soweit die Herstellung desjenigen Zustandes, der ohne das schädigende Ereignis bestünde,
nicht möglich ist oder zur Schadlosstellung nicht ausreicht oder der Ersatzpflichtige die
Herstellung nicht innerhalb einer angemessenen Frist durchführt, tritt an die Stelle der
Naturalrestitution die Schadenskompensation in Geld. Eine Schadenskompensation erfolgt z. B.
bei dem Ersatz des merkantilen Minderwerts beschädigter Kraftfahrzeuge. Bei der
Schadenskompensation ist die Schadlosstellung grundsätzlich auf Vermögensschäden
beschränkt (§ 253 Abs. 1 BGB), soweit nicht das Gesetz ein anderes bestimmt.
Insbesondere im Recht des Geistigen Eigentums ist die Berechnung des Schadens oft schwierig.
Deshalb hat die Rechtsprechung ein Modell entwickelt, nach dem der Verletzte die Wahl
zwischen drei Methoden hat. Soweit ein konkreter Schaden nachweisbar ist, kann dieser nach
dem normalen Grundsatz der Naturalrestitution geltend gemacht werden. Alternativ kommt die
Gewinnabschöpfung in Frage, wobei der Schädiger dem Geschädigten den erzielten Gewinn
übertragen muss. Drittens kann der Schadensersatz im Rahmen einer Lizenzanalogie „auch auf
der Grundlage des Betrages berechnet werden, den der Verletzer als angemessene Vergütung
hätte entrichten müssen, wenn er die Erlaubnis zur Nutzung des verletzten Rechts eingeholt
hätte“: § 97 Abs. 2 Satz 3 UrhG.
Der wichtigste Fall einer Kompensation von Schäden, welche nicht Vermögensschäden sind, ist
das Schmerzensgeld. Aus allen Haftungsgrundlagen wird bei Verletzung von Personen ein
Schmerzensgeld zugebilligt (z. B. § 253 Abs. 2 BGB, § 8 Satz 2 ProdHG, § 11 StVG).
Vorteile, die durch das schädigende Ereignis eingetreten sind, sind im Rahmen des
Vorteilsausgleichs zu berücksichtigen. Dies geschieht, indem entsprechende Vorteile bei der
Ermittlung der Höhe des Schadensersatzanspruchs auf die eingetretenen Nachteile angerechnet
werden. Reine Kausalität des Vorteils führt jedoch noch nicht zur Verringerung des
Schadensersatzanspruchs. Die Anrechnung muss dem Geschädigten auch zumutbar sein, darf
den Schädiger nicht unbillig entlasten und der Geschädigte soll aus dem Schadensfall nicht
noch Gewinn schlagen.[21] Das führt zu einer wertenden Betrachtung: So werden z. B. Vorteile
wie eine wegen einer widerrechtlichen Tötung angefallene Erbschaft nicht angerechnet, ersparte
Aufwendungen des Geschädigten (z. B. ersparte Fahrtkosten zum Arbeitsplatz bei
Berufsunfähigkeit) hingegen grundsätzlich schon.
Das eigene Verschulden des Geschädigten bei der Schadensentstehung wird nach § 254 Abs. 1
BGB dem des Schädigers gegenübergestellt. Mitverschulden liegt vor, wenn der Geschädigte die
Sorgfalt außer Acht gelassen hat, die ein verständiger Mensch im eigenen Interesse aufwendet,
um sich vor Schaden zu bewahren.[22] Nach diesem Prinzip werden z. B. bei
Kraftfahrzeugunfällen unter Berücksichtigung der beiderseitigen Betriebsgefahren die
Verschuldensanteile gewichtet. Der Geschädigte erhält nur den Teil seines Schadens ersetzt, der
nach dieser Gewichtung dem Schädiger zuzurechnen ist. Eine Mitverantwortlichkeit des
Geschädigten lässt jedoch nur in Ausnahmefällen die Haftung des Schädigers ganz entfallen.
Nach § 254 Abs. 2 BGB kann der Schadensersatzanspruch zudem reduziert werden, wenn der
Geschädigte den Schädiger nicht vor einem möglichen Schadenseintritt oder dessen besonders
schweren Folgen gewarnt hat, oder nicht versucht hat, den Schaden abzuwenden oder ihn zu
mindern.
Schädiger in den Geschäftsbedingungen ausdrücklich der Gegenbeweis gestattet wird, dass ein
Schaden überhaupt nicht entstanden oder wesentlich niedriger als die Pauschale ist und die
Pauschale überdies den nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge zu erwartenden Schaden nicht
übersteigt. Zur Bewertung der angemessenen Höhe einer Schadenspauschale ist die
Branchenüblichkeit maßgeblich.[25]
Die Schadenspauschale ist nicht zu Verwechseln mit einer Vertragsstrafe, deren Zweck es im
Gegensatz zur Pauschale ist, Druck auf den Schuldner auszuüben und die Vertragserfüllung mit
einem Zwangsmittel zu sichern.[26]
Der Beginn der Verjährung von Schadensersatzansprüchen richtet sich nach dem sogenannten
Grundsatz der Schadenseinheit. Möchte sich danach der Geschädigte die Möglichkeit erhalten,
den Schädiger auch wegen erst später eintretenden Schäden noch in Anspruch nehmen zu
können, muss er zeitnah zum Eintritt eines ersten Schadens aus der unerlaubten Handlung ein
Feststellungsurteil erstreiten, in dem die Haftung des Schuldners dem Grunde nach festgestellt
wird.
Gezahlter Schadensersatz
Zahlt jemand Schadensersatz, so ist zunächst zu prüfen, ob diese Zahlung einer Einkommensart
zuzuordnen ist. Je nachdem, ob der Zahlende den Schaden im Rahmen seiner Tätigkeit als
Land- und Forstwirt (§ 13 EStG), als Gewerbetreibender (§ 15 EStG), als Selbständiger (§ 18
EStG), als Nicht-Selbständiger (§ 19 EStG), als Verwalter seiner Kapitaleinkünfte (§ 20 EStG),
als Verwalter seiner Vermietungs- und Verpachtungseinkünfte (§ 21 EStG) oder im Rahmen
seiner sonstigen Einkünfte i. S. d. § 22 EStG verursacht hat, ist die Zahlung grundsätzlich der
entsprechenden Einkunftsart zuzuordnen. Bei den Gewinneinkünften (§ 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 bis
3 EStG) stellen diese Zahlungen Betriebsausgaben (§ 4 Abs. 4 EStG) dar. Bei den
Überschusseinkünften (§ 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 bis 7 EStG) sind diese Zahlungen
Werbungskosten (§ 9 EStG). Ein Abzugsverbot von Schadensersatzzahlungen vom Gewinn/
Einnahmenüberschuss kann sich jedoch aus § 4 Abs. 5 EStG (Betriebsausgaben, welche den
Gewinn nicht mindern dürfen) und § 12 EStG (nichtabzugsfähige Ausgaben) ergeben.
Erhaltene Schadensersatzansprüche
Auch bei erhaltenen Schadensersatzleistungen ist zunächst zu prüfen, ob diese einer der sieben
Einkunftsarten (§ 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 bis 7 EStG) zugeordnet werden können. Hier kommt es
vor allem darauf an, was für ein Schaden ersetzt wird z. B.:
Es sei noch auf das Urteil des Bundesfinanzhofes verwiesen, welcher am 26. November 2008, X
R 31/07, feststellte, dass die Schadensersatzrente eines Arztes an die Witwe seines Patienten,
welche die Unterhaltsleistungen ersetzt, nicht steuerbar sei. Ersetzt wurde in diesem Fall nicht
die ausgefallene Rente (§ 22 Nr. 1 EStG) des verstorbenen Ehemannes, sondern die mit dem
Tod des Ehemannes ausfallenden Unterhaltsverpflichtungen an die Witwe. Da Ehegatten
erhaltene Unterhaltsleistungen nicht versteuern müssten (mit Ausnahme des Realsplittings,
was aber hier nicht vorlag), ist natürlich auch der Schadensersatz derselben nicht steuerbar.
Siehe auch
Schadensersatzrecht
Fautfracht
Herausforderungsformel
Regulierungsverbot
Verkehrszivilrecht
Literatur
Oliver Brand: Schadensersatzrecht. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2015, ISBN
978-3-406-58998-0.
Hermann Lange, Gottfried Schiemann: Schadensersatz. 3. Auflage. Mohr-Siebeck,
Tübingen 2003, ISBN 3-16-147984-X.
Frank Pardey: Berechnung von Personenschäden. 4. Auflage. C. F. Müller, Heidelberg
2010, ISBN 978-3-8114-3524-7.
Andreas Riedler: Studienkonzept Zivilrecht IV – Schuldrecht Besonderer Teil – Gesetzliche
Schuldverhältnisse. 5. Auflage. LexisNexis, Wien 2018, ISBN 978-3-7007-7471-6.
Weblinks
Wiktionary: Schadensersatz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme,
Übersetzungen
Deutsches Deliktsrecht ([Link] (via [Link] ([Link]
[Link]/)) – Begleitskript zur Vorlesung „Einführung in das Deliktsrecht der
Bundesrepublik Deutschland“ (PDF-Format).
Haftpflichtgesetz (HaftPflG)
Produkthaftungsgesetz (ProdHG)
Einzelnachweise
1. Grüneberg in Palandt. BGB. 70. Auflage. 2011, Vorb v § 249 Rn. 9; die Definition ist nicht
unumstritten, vgl. Schiemann in Staudinger – BGB, Neubearbeitung 2005, Vorbemerkungen
zu §§ 249–254, Rn. 35 ff.
2. Grüneberg in Palandt. BGB. 70. Auflage. 2011, Vorb v § 249 Rn. 1
3. Palandt/Heinrichs, BGB, 66. Auflage. (2007), § 241, Rn. 6.
4. Ausführlich und insgesamt mehr als 100 Sonderverbindungen aufzählend: Peter Krebs:
Sonderverbindung und außerdeliktische Schutzpflichten. München 2000.
5. BGH, NJW 1983, 998.
6. BGH, NJW 1983, 2813 (2814).
7. vgl. § 832 I: Gesetzliche Aufsichtspflicht ([Link]
030/Examenkurs_GS_WS_2012/Faelle_26_-_28_-_ppt.pdf) Universität Würzburg, 2012.
8. BGH, Urteil vom 19. Januar 1993 – VI ZR 117/92 ([Link]
ocument/ed1e7784-8e3f-4287-867b-a352a1e22fa0) = NJW 1993, 1003.
9. vgl. Boris Duru: Die Haftung aufsichtspflichtiger Personen ([Link]
texte/2011/8510/pdf/DuruBoris_Haftung_aufsichtspflichtiger_Personen.pdf) Universität
Gießen, 2011.
10. Anwaltseiten 24 ([Link]
11. Alexander Stephens: Die Haftung des Aufsichtspflichtigen für Minderjährige.
Voraussetzungen zur Haftung Aufsichtspflichtiger mit aktueller Rechtsprechung zur Haftung
bei Schäden im Straßenverkehr. ([Link]
ef_4/Stephens,%[Link]) KiTa Recht 2010, S. 93–96.
12. BGH, Urteil vom 4. November 2003 – VI ZR 28/03 ([Link] Rz. 14 ff.
13. BGH, Urteil vom 1. Februar 2000 – X ZR 222/98 ([Link]
14. OLG Düsseldorf, Urteil vom 16. November 2005 – Az. I-15 U 66/05 ([Link]
[Link])
Diese Seite wurde zuletzt am 28. Januar 2025 um 20:00 Uhr bearbeitet.
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