Haftung (Recht) : Inhaltsverzeichnis
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Haftung (Recht)
Haftung ist ein unterschiedlich verwendeter Rechtsbegriff, der die Leistungspflicht des
Schuldners gegenüber seinem Gläubiger, das Einstehenmüssen eines Rechtssubjekts für einen
entstandenen Schaden oder im engeren Sinn das Unterworfensein des Vermögens eines
Schuldners gegenüber dem Zugriff des Gläubigers umschreibt.
Inhaltsverzeichnis
Allgemeines
Arten
Zivilrecht
Vertragliche Haftung
Deliktische Haftung
Personenhaftung
Vermögenshaftung
Dingliche Haftung
Handelsrecht
Gesellschaftsrecht
Arbeitsrecht
Öffentliches Recht
Steuerrecht
Auseinanderfallen von Schuld und Haftung
Haftung ohne Schuld
Schuld ohne Haftung
Haftpflicht
Missverständliche Verwendung des Begriffs Haftung
International
Siehe auch
Einzelnachweise
Allgemeines
Nur wenige Rechtsbegriffe werden in derart unterschiedlichen Rechtsgebieten verwendet wie
der Begriff der Haftung. Er stammt aus dem Mittelhochdeutschen haftunge ‚Verhaftung,
Beschlagnahme, Bürgschaft‘, der auf das althochdeutsche haftunga zurückgeht.[1] Der Begriff
leitet sich heute vom allgemeinsprachlichen Begriff Haften im Sinne von ‚Festhängen,
Festkleben‘ ab. Diese Wortverwandtschaft zeigt sich auch in den strafprozessualen Begriffen
Verhaftung (Haftbefehl) und Festnahme. Im Strafrecht wird von einer „Haftung“ z. B. wegen
Totschlags oder Diebstahls gesprochen, wenn die Voraussetzungen zur Durchsetzung des
staatlichen Strafanspruchs erfüllt sind. In diesen Fällen geht es um das Unterworfensein unter
staatliche Gewalt.
Der Haftungsbegriff ist mehrdeutig und fällt je nach Rechtsgebiet unterschiedlich aus. In vielen
Vorschriften ist er gleichbedeutend mit Schuld als Leistungspflicht des Schuldners gegenüber
seinem Gläubiger (z. B. §§ 241 Abs. 1 BGB, § 276, § 459 BGB); „wer schuldet, der haftet auch“.
Von dieser objektiven Haftung sind die Haftungsnormen zu unterscheiden, die ein
Fehlverhalten des Schädigers zur Überwälzung eines Schadensersatzanspruchs zur
Voraussetzung haben.[2] Hierunter fällt die Schadenshaftung aus dem Bereicherungsrecht. Ein
zweiter Haftungsgrund erstreckt sich auf Duldung der Zwangsvollstreckung in das Vermögen
des Schuldners. Die enge dritte Variante ist die reine Sachhaftung (Pfandrechte).[3]
Der Haftungsbegriff muss stets genauen Aufschluss über die Haftungssubjekte und
Haftungsobjekte vermitteln, also wen die Verpflichtung zum Einstehenmüssen trifft und welche
Vermögen hierfür einzusetzen sind. Heute wird der Haftungsbegriff hauptsächlich dahingehend
verstanden, dass der Schuldner (Haftungssubjekt) mit seinem gesamten Vermögen
(Haftungsobjekt) in der Zwangsvollstreckung für die Schuld einzustehen hat.[4]
Arten
Aus den vielen Rechtsgebieten, die sich mit Haftungsfragen befassen, sollen die wichtigsten
herausgegriffen werden.
Zivilrecht
Das Zivilrecht kennt die Haftung in Form eines Dualismus von zwei unterschiedlichen
Haftungsgrundlagen, nämlich entweder für die Erfüllung einer Pflicht persönlich oder mit dem
Vermögen bei vertraglicher Haftung einstehen zu müssen oder außervertraglich zum
Schadensersatz verpflichtet zu sein.
Vertragliche Haftung
Die vertragliche Haftung hat ihre Grundlage im abgeschlossenen Vertrag. Hierin wird die
Verpflichtung zu einer Ersatzleistung für die in erster Linie geschuldete oder erwartete
Vertragsleistung geregelt und vereinbart, wer wann welche Vertragspflichten verletzt hat und
welche Rechtsfolgen hiermit verbunden sind. Rechtsfolge wird beim Kaufvertrag – neben
Nacherfüllung, Rücktritt und Minderung – die Schadensersatzpflicht nach § 280 Abs. 1 BGB
sein. Sie setzt voraus, dass der Schuldner die Pflichtverletzung zu vertreten hat. Ein
vertragliches Schuldverhältnis (§ 241 Abs. 1 BGB) schafft einen Anspruch (§ 194 Abs. 1 BGB) des
Gläubigers, also „das Recht, von einem anderen ein Tun oder Unterlassen zu verlangen“. Die
Realisierung dieses Gläubigeranspruchs gelingt nur, wenn das in Anspruch genommene
Rechtssubjekt für seine Schuld auch haftet, d. h. der Anspruch in sein Vermögen vollstreckt und
so zwangsweise durchgesetzt werden kann (vgl. Zwangsvollstreckung, Insolvenzverfahren).
Deliktische Haftung
→ Hauptartikel: Deliktsrecht (Deutschland)
Besteht kein Vertrag, so gibt es eine Vielzahl von deliktischen Haftungen im Bereich der
unerlaubten Handlung. Sie setzen sich mit der Frage auseinander, wer für den Eintritt eines
Schadens Schadensersatz zu leisten hat und welchen Umfang dieser Ersatz haben soll. Dieser
Schaden kann als Personen- oder Vermögensschaden auftreten. Insbesondere haftet jemand
nach § 823 BGB, wenn er schuldhaft und rechtswidrig die absoluten Rechte Leben, Körper,
Gesundheit, Freiheit und Eigentum eines anderen verletzt. Primäre Vermögensschäden sind
hingegen nur durch die § 823 Abs. 2 BGB (Verletzung eines Schutzgesetzes) und § 826 BGB
(Verletzung der guten Sitten) geschützt. Diesen Generalklauseln ist eine Vielzahl von Fällen
unterzuordnen wie beispielsweise die verschuldensunabhängige Produzentenhaftung.
Die Gefährdungshaftung – die keinen Vertrag voraussetzt – ergibt sich durch Schäden aus einer
erlaubten Gefahr, wobei weder Rechtswidrigkeit noch Verschulden des Schädigers erforderlich
sind. Hierbei braucht den Schädiger kein Verschulden zu treffen, wenn er zu seinem eigenen
Nutzen für andere Gefahrenquellen schafft (etwa Betrieb eines Kraftfahrzeugs nach § 7 StVG
oder Tierhalter nach § 833 BGB). Bei der Produkthaftung – die ebenfalls keinen Vertrag
voraussetzt – haftet der Hersteller für Schäden, die beim Verbraucher durch ein fehlerhaftes
Produkt entstanden sind. Dabei stützt sich die Produzentenhaftung auf § 823 Abs. 1 BGB,
während sich die Produkthaftung aus dem Produkthaftungsgesetz und Spezialgesetzen (§ 84
Arzneimittelgesetz, §§ 32 ff. Gentechnikgesetz oder §§ 25 ff. Atomgesetz) ergibt.
Personenhaftung
Das BGB stellt verschiedene Haftungssubjekte vor. Nach § 31a BGB haften Organmitglieder
eines Vereins für vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführten Schaden. In § 179 Abs. 1 BGB
ist die Haftung des Vertreters ohne Vertretungsmacht vorgesehen. Nach § 278 BGB hat der
Schuldner das Verschulden seines gesetzlichen Vertreters oder sonstiger Erfüllungsgehilfen so
zu vertreten wie eigenes Verschulden. Mindestens zwei Gesamtschuldner übernehmen nach
§§ 421 ff. BGB die gesamtschuldnerische Haftung gegenüber einem Gläubiger, der einen
unmittelbaren schuldrechtlichen Anspruch gegen diese Gesamtschuldner erwirbt. Der Gastwirt
haftet nach § 701 Abs. 1 BGB ohne Verschulden für Schäden an den vom Gast eingebrachten
Sachen. Der Bürge verpflichtet sich nach § 765 Abs. 1 BGB durch den Bürgschaftsvertrag,
gegenüber dem Gläubiger eines Dritten für die Erfüllung der Verbindlichkeit des Dritten
einzustehen. Der Garant verpflichtet sich einseitig im formfreien – und im BGB nicht geregelten
– Garantievertrag, entweder für einen künftigen Schaden/Verlust ohne Rücksicht auf
Verschulden einzustehen[5] oder die Haftung für einen bestimmten wirtschaftlichen Erfolg zu
übernehmen.[6]
Vermögenshaftung
Schließlich versteht die Rechtswissenschaft Haftung auch als „Vermögenshaftung“ und meint
damit das Unterworfensein der einem Schuldner gehörenden Vermögensmasse
(Haftungsobjekt) unter den Zugriff des oder der Gläubiger in der Zwangsvollstreckung. Haftung
des Schuldners ist heute in aller Regel Haftung mit dem Vermögen. Die einstmals bedeutsame
Haftung mit der eigenen Person ist nunmehr als Zwangshaft nur noch am Rande bekannt
(§ 888 Abs. 1 ZPO). Bei der Vermögenshaftung ist zwischen unbeschränkter und beschränkter
Haftung zu unterscheiden.[7] Steht dem Gläubiger das gesamte Schuldnervermögen zur
Vollstreckung zur Verfügung, handelt es sich um eine unbeschränkte Vermögenshaftung.
Beschränkt ist die Vermögenshaftung, wenn nur auf bestimmte Vermögensgegenstände
zugegriffen werden kann. Im Regelfall ist die Vermögenshaftung eine unbeschränkte mit dem
gesamten Schuldnervermögen, wobei der Schuldnerschutz etwa durch Unpfändbarkeit diese
Vermögenshaftung einschränkt. Eine weitere Beschränkung der Vermögenshaftung liegt in der
fehlenden Zugriffsmöglichkeit auf Vermögensgegenstände, die der Schuldner als
Realsicherheiten dritten Gläubigern zur Verfügung gestellt hat und dadurch diesen ein
konkretes Zugriffsrecht exklusiver (§§ 771 ZPO, § 47 InsO) oder vorrangiger Befriedigung
(§§ 805 ZPO, § 49 InsO) sichert.[8] Eine beschränkte Vermögenshaftung gibt es bei
Realsicherheiten (Hypothek, Verpfändung, Sicherungsabtretung, Sicherungsübereignung
allgemein und Sicherungsübereignung von Kraftfahrzeugen sowie bei
Sicherungsgrundschulden), bei denen der Schuldner konkrete Vermögensgegenstände einem
Sicherungsnehmer überlassen hat.
Dingliche Haftung
→ Hauptartikel: dingliche Haftung
Dingliche Haftung (oder Sachhaftung) liegt vor, wenn der Eigentümer einer Sache deren
Verwertung wegen eines darauf lastenden Pfandrechts oder einer öffentlichen Last (nur bei
Grundstücken oder grundstücksgleichen Rechten) durch den Gläubiger dulden muss, ohne dass
er zugleich auch (persönlicher) Schuldner der Gläubigerforderung sein muss.
Handelsrecht
Bei der Fortführung eines Handelsunternehmens haftet der neue Inhaber auch für die
Verbindlichkeiten des bisherigen Inhabers (§ 25 Abs. 1 HGB). Wer ein Handelsunternehmen
erbt, haftet für die Geschäftsschulden des verstorbenen Inhabers sowohl erbrechtlich als auch
handelsrechtlich;[9] die handelsrechtliche Haftung ergibt sich aus § 27 Abs. 1 HGB.
→ Hauptartikel: Konzernhaftung
In einem Konzern umfasst die Konzernhaftung zum einen die Einstandspflicht eines
Konzernmitglieds für ein anderes gegenüber Konzernfremden und zum anderen finanzielle
Ausgleichsverpflichtungen innerhalb des Konzernverbundes.[10] Das herrschende
Mutterunternehmen haftet demnach für die Verbindlichkeiten eines abhängigen
Tochterunternehmens.[11] Der Bundesgerichtshof (BGH) hat seine Rechtsprechung zur
Konzernhaftung im September 2001 geändert zugunsten der Durchgriffshaftung der
Gesellschafter wegen des Entzugs des erforderlichen Gesellschaftsvermögens.[12] Im Juli 2007
schließlich kündigte der BGH an, einen missbräuchlichen Eingriff in das Gesellschaftsvermögen
nicht mehr mit der Durchgriffshaftung zu sanktionieren, sondern Verstöße gegen die
Zweckbindung des Gesellschaftsvermögens der deliktischen Schadensersatznorm des § 826
Gesellschaftsrecht
→ Hauptartikel: Haftung (Gesellschaftsrecht)
Bei Personengesellschaften (Offene Handelsgesellschaft (OHG), Kommanditgesellschaft (KG),
BGB-Gesellschaften und Einzelunternehmen) haften die Gesellschafter unbegrenzt mit ihrem
Privatvermögen; Ausnahme ist der Kommanditist bei der Kommanditgesellschaft. Die mit
ihrem Privatvermögen haftenden Gesellschafter heißen deshalb auch persönlich haftende
Gesellschafter, Haftungsobjekt ist ihr gesamtes Vermögen. Haftungsobjekt einer OHG sind ihr
Gesellschaftsvermögen und die Privatvermögen ihrer Gesellschafter (§§ 124, § 128 HGB), bei
der Kommanditgesellschaft gilt dies für den Komplementär, während die Haftung ihres
Kommanditisten auf dessen Kapitaleinlage beschränkt ist (§§ 161, § 171 HGB). Bei
Kapitalgesellschaften haftet regelmäßig nur deren Gesellschaftsvermögen, ihre Gesellschafter
haften indes nicht mit ihrem Privatvermögen (§§ 1 Abs. 1 Satz 2 AktG, § 13 Abs. 2 GmbHG, § 2
GenG). Bei der Gesellschaft mit beschränkter Haftung kommt dieser beschränkte
Haftungsumfang bereits in ihrem Namen zum Ausdruck.
Dieter Schneider definiert die Haftungseigenschaft des Eigenkapitals bei Unternehmen als
„Puffer vor einer Insolvenz der Unternehmung, d. h. ihrem Unvermögen, in Betrag und
Zeitpunkt festliegende Auszahlungsansprüche bei Fälligkeiten zu erfüllen“.[14]
Arbeitsrecht
Die Verteilung der Haftung im Innenverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer richtet
sich nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts. Danach ist die Haftung des
Arbeitnehmers bei betrieblich veranlasster Tätigkeit eingeschränkt[15] und hängt vom
Verschuldungsgrad ab. Er haftet gegenüber dem Arbeitgeber nur für schuldhaft zugefügte
Sachschäden, und zwar entweder nach § 823 BGB (unerlaubte Handlung) oder § 280 Abs. 1
BGB (Verletzung der Vertragspflicht aus dem Arbeitsvertrag). Im Außenverhältnis haftet der
Arbeitgeber ebenfalls nach einer der beiden Rechtsnormen, wenn er schuldhaft Sachschäden
verursacht.
Öffentliches Recht
→ Hauptartikel: Staatshaftungsrecht
Schließt die Europäische Union (EU) mit anderen EU-Mitgliedstaaten, natürlichen oder
juristischen Personen Verträge (Kauf-, Werk- oder Mietverträge), so ist sie im Falle der
Verletzung vertraglicher Pflichten zum Schadensersatz verpflichtet (Art. 340 Abs. 1 AEUV). Der
einzelne Mitgliedstaat wiederum haftet im Rahmen der Staatshaftung für Schäden, die seine
Gesetzgebungs-, Gerichts- oder Verwaltungsorgane einem Bürger durch Verstöße gegen das
Unionsrecht zufügen. In Abgrenzung zur nationalen Amtshaftung wird diese unionsrechtliche
Haftung für Schäden, welche die staatlichen Organe durch den rechtswidrigen Vollzug des
Unionsrechts anrichten, Staatshaftung genannt.[16]
Die Amtshaftung wiederum ist die finanzielle Haftung des Staates im öffentlichen Dienst für
Schäden, die ein Träger hoheitlicher Gewalt (Organwalter) einer Person im Rahmen seines
Amtes rechtswidrig und schuldhaft zugefügt hat. Dabei muss er öffentlich-rechtlich gehandelt
oder etwas unterlassen haben (Art. 34 GG in Verbindung mit § 839 BGB). Diese Haftung trifft
zunächst den Beamten selbst (§ 839 Abs. 1 BGB), doch tritt nach Art. 34 Satz 1 GG der Staat mit
befreiender Wirkung für den Beamten ein und haftet im Außenverhältnis alleine. Für Schäden,
welche die nicht-hoheitliche Verwaltung verursacht, gilt nicht die Amtshaftung, sondern das
allgemeine Schadenersatzrecht des BGB. Das Richterspruchprivileg des § 839 Abs. 2 BGB
besteht für falsche gerichtliche Entscheidungen nur, wenn der Richter Rechtsbeugung (§ 339
StGB) begangen hat oder bestochen wurde (§ 332 StGB).
Steuerrecht
→ Hauptartikel: Haftung (Steuerrecht)
Ansprüche aus einem Steuerschuldverhältnis sind der Steueranspruch, der
Steuervergütungsanspruch, der Haftungsanspruch, der Anspruch auf eine steuerliche
Nebenleistung, der Erstattungsanspruch sowie die in Einzelsteuergesetzen geregelten
Steuererstattungsansprüche (§ 37 Abs. 1 AO). Nach § 69 AO haften die gesetzlichen Vertreter
und Vermögensverwalter (§ 35 AO) und die Verfügungsberechtigten (§ 35 AO), soweit
Ansprüche aus dem Steuerschuldverhältnis infolge vorsätzlicher oder grob fahrlässiger
Verletzung der ihnen auferlegten Pflichten nicht oder nicht rechtzeitig festgesetzt oder erfüllt
oder soweit infolgedessen Steuervergütungen oder Steuererstattungen ohne rechtlichen Grund
gezahlt werden. Neben diesen steuerlichen Haftungstatbeständen gibt es auch
Haftungsregelungen in den Einzelsteuergesetzen (z. B. § 42d, § 44 Abs. 5 EStG, § 20 Abs. 3
ErbStG).
Die sich aus der Abgabenordnung ergebenden Haftungstatbestände lassen sich nach
persönlicher und dinglicher Haftung unterscheiden.[17] Die persönliche Haftung (§§ 69 bis 75
AO) bedeutet, dass der Haftungsschuldner persönlich für die Steuerschuld eines Dritten
einzustehen hat. Die dingliche Haftung nach § 76 AO („Sachhaftung“) führt dazu, dass einfuhr-
und ausfuhrabgabenpflichtige Waren – ohne Rücksicht auf die daran bestehenden Rechte
Dritter – als Sicherheit für die darauf ruhende Steuer dienen.
haftet lediglich mit dem Grundstück für eine bereits bestehende Schuld (etwa auf Rückzahlung
eines Darlehens). Noch deutlicher wird dies am Beispiel der Grundschuld, die überhaupt keine
Forderung (und somit auch keine Schuld) voraussetzt.
Die Haftung ohne eigene Schuld liegt auch vor, wenn jemand Kreditsicherheiten als
Sicherungsgeber für die Schulden eines anderen bestellt (etwa der Bürge).[18] Ein anderer Fall
der Haftung ohne korrespondierende Schuld liegt vor, wenn ein Gläubiger ausnahmsweise nicht
in das Vermögen des Schuldners vollstreckt, sondern in das eines Dritten, weil dieser
Schuldnervermögen anfechtbar erworben hat. Er muss dann die Zwangsvollstreckung dulden,
obwohl er selbst dem Gläubiger nichts schuldet.
Haftpflicht
Die häufig ebenfalls als Haftung bezeichnete Haftpflicht ist die Pflicht, jemanden, dem durch
das Verhalten oder Unterlassen eines anderen ein Schaden entstanden ist, durch Schadenersatz
zu entschädigen. Haftungstatbestände enthalten etwa die Culpa in contrahendo, die
Gewährleistung und das Deliktsrecht. Man unterscheidet den Normalfall der Verschuldens- und
die Gefährdungshaftung.
Gegen diese Haftpflicht kann man sich mit einer Haftpflichtversicherung versichern. Es werden
private (Privathaftpflichtversicherung), berufliche (Berufshaftpflichtversicherung) und
betriebliche (Betriebshaftpflichtversicherung) Haftpflichtversicherungen unterschieden. Für
spezielle Lebensbereiche werden auch sehr spezifische Haftpflichtversicherungen angeboten
(siehe z. B. Wassersporthaftpflichtversicherung oder Tierhalterhaftpflichtversicherung). Für
manche Berufe ist eine Berufshaftpflichtversicherung zwingend vorgeschrieben
(Pflichtversicherung, siehe z. B. Kfz-Haftpflichtversicherung für jeden Kraftfahrzeugbetreiber,
Berufshaftpflichtversicherung für Rechtsanwälte und für Steuerberater).
International
Völkerrechtliche Haftung ist für Ingo von Münch „das Verpflichtetsein eines
Völkerrechtssubjektes aus einem ihm zurechenbaren völkerrechtlichen Unrecht mit der Folge
der Verpflichtung zum Schadensersatz“.[19] Ein Staat haftet gegenüber einem anderen Staat für
erlittene Schäden nur dann, wenn ein dem Schädigerstaat zurechenbares Organ gehandelt hat.
Der Begriff der Haftung (englisch liability, responsibility) ist im angelsächsischen Raum so
vielschichtig wie im deutschsprachigen Bereich, wobei beide englischen Begriffe inhaltlich und
in ihrer Abgrenzung gegeneinander sehr umstritten sind. So wird liability oft als mögliche
Konsequenz der responsibility verstanden.[21]
Während in den sozialistischen Rechtsordnungen der Haftungsbegriff eine präzise Regelung der
materiellen Verantwortlichkeit des Schädigers bedeutet, versteht man in den internationalen
Beziehungen unter Haftung die Pflicht zum Erbringen einer Leistung oder das Unterworfensein
eines Vermögens unter den Zugriff eines Gläubigers.[22]
Siehe auch
Weitere Haftungsaspekte:
Arbeitnehmerhaftung
Arzthaftung
Prospekthaftung
Verschuldenshaftung
Einzelnachweise
1. Gerhard Köbler, Etymologisches Rechtswörterbuch, 1995, S. 176
2. Christoph Oertel, Objektive Haftung in Europa, 2010, S. 17 ([Link]
d=Q2l2lZJfQJUC&printsec=frontcover&dq=Haftung&hl=de&sa=X&redir_esc=y#v=onepage
&q=Haftung&f=false)
3. Carl Joseph Anton Mittermaier, Archiv für die civilistische Praxis, Band 193, 1993, S. 78
4. Julius von Staudinger/Dirk Olzen, BGB-Kommentar, 2005, Einleitung zu §§ 241 ff., Rn. 235
5. BGH NJW 1973, 884
6. BGH WM 1999, 779
7. Lutz Haertlein, Exekutionsintervention und Haftung, 2008, S. 8 ([Link]
ks?id=DmnjAjs0PEUC&pg=PA8&dq=haftung+verm%C3%B6gen&hl=de&sa=X&redir_esc=y
#v=onepage&q=haftung%20verm%C3%B6gen&f=false)
8. Joachim Gernhuber, Das Schuldverhältnis, 1989, S. 71 ([Link]
YOE1h-uEWGgC&pg=PA71&dq=Verm%C3%B6genshaftung&hl=de&sa=X&redir_esc=y#v=
onepage&q=Verm%C3%B6genshaftung&f=false)
9. Willi Groß, Handelsrecht, 1994, S. 11 ([Link]
&pg=PA118&dq=Handelsrecht++Haftung&hl=de&sa=X&redir_esc=y#v=onepage&q=Handel
srecht%20%20Haftung&f=false)8
10. Marcus Lutter, Die zivilrechtliche Haftung in der Unternehmensgruppe, in: ZGR 1982, S. 247
11. Alpmann & Schmidt, Brockhaus Fachlexikon Recht, 2005, S. 813
12. BGH, Urteil vom 17. September 2001, Az.: II ZR 178/99 ([Link]
13. Renate Rabensdorf, Die Durchgriffshaftung im deutschen und russischen Recht der
Kapitalgesellschaften, 2009, S. 18 ([Link]
PA221&lpg=PA221&dq=subsidi%C3%A4re+Au%C3%9Fenhaftung&source=bl&ots=3sYWm
BrxvH&sig=DePIh3SCmF37i3e0b-rZ0UHE2Pw&hl=de&sa=X&ei=-1lrU-u8IYThywOGg4KoA
g#v=onepage&q=%20durchgriffshaftung&f=false)
14. Dieter Schneider, Kapitalmarkt und Finanzierung, 1987, S. 187
15. BAG, Urteil vom 27. September 1994, BAGE 78, 56
16. Bruno Binder/Gudrun Trauner, Öffentliches Recht – Grundlagen, 2014, S. 209 ([Link]
[Link]/books?id=-G2zBgAAQBAJ&pg=PA209&dq=%22in+abgrenzung+zur+nationale
n+amtshaftung%22&hl=de&sa=X&redir_esc=y#v=onepage&q=%22in%20abgrenzung%20z
ur%20nationalen%20amtshaftung%22&f=false)
17. Dieter Birk/Marc Desens/Henning Tappe, Steuerrecht, 2015, Rn. 302 ([Link]
e/books?id=DXHKCgAAQBAJ&pg=PT221&dq=Steuerrecht+haftung&hl=de&sa=X&redir_es
c=y#v=onepage&q=Steuerrecht%20haftung&f=false)
18. Bernhard Bergmans, Schuldrecht: Allgemeine Und Vertragsrechtliche Grundlagen, 2000, S.
27 ([Link]
uld&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjLv9OU0s3ZAhWCy6QKHfR-CiUQ6AEIJzAA#v=onepage
&q=Haftung%20ohne%20Schuld&f=false)
19. Ingo von Münch, Völkerrecht, in: Seidel-Hohenveldern, Lexikon des Rechts, 1985, S. 114
20. David Von Wyss, Die Haftung des Kollektivgesellschafters für die Verbindlichkeiten der
Gesellschaft, 1953, S. 41
21. Louis F E Goldie, Concepts of Strict and Absolute Liability and the Ranking of Liability in
Terms of Relative Exposure to Risk, in: NYIL (16), 1985, S. 180
22. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Wissenschaftliche Zeitschrift: Gesellschafts- und
Diese Seite wurde zuletzt am 11. Oktober 2023 um 19:59 Uhr bearbeitet.
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