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Original TPD

Die 'Trainingsphilosophie Deutschland' zielt darauf ab, die individuelle Entwicklung von Fußballspielern durch alters- und niveauunabhängige kleine Spielformen zu fördern. Diese Philosophie betont die Bedeutung von Freude, Wiederholung und Intensität im Training, um das Potenzial der Spieler zu maximieren und die Abbruchquote im Jugendfußball zu reduzieren. Zudem wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der die Spieler in den Mittelpunkt stellt und die Trainer in ihrer Arbeit unterstützt.

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Vujica Zivkovic
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Original TPD

Die 'Trainingsphilosophie Deutschland' zielt darauf ab, die individuelle Entwicklung von Fußballspielern durch alters- und niveauunabhängige kleine Spielformen zu fördern. Diese Philosophie betont die Bedeutung von Freude, Wiederholung und Intensität im Training, um das Potenzial der Spieler zu maximieren und die Abbruchquote im Jugendfußball zu reduzieren. Zudem wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der die Spieler in den Mittelpunkt stellt und die Trainer in ihrer Arbeit unterstützt.

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TRAININGS-

PHILOSOPHIE
DEUTSCHLAND
Entwicklung
individueller
Qualität
2 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND EINFÜHRUNG

EINE TRAININGSPHILOSOPHIE FÜR ALLE

Hanno Lars Sven Antonio


Balitsch Bender Bender di Salvo

Hermann Peter Sabine Lena


Gerland Hermann Loderer Lotzen

Nikola Daniel Sandro Hannes


Ludwig Stredak Wagner Wolf

Liebe Trainerinnen und Trainer, liebe Jugendleiterinnen und Jugendleiter, liebe Trainerausbilderinnen und Trainerausbilder!

Wir freuen uns, euch die „Trainingsphilosophie Deutschland“ zu präsentieren! Deutsche Fußballkultur ist nicht nur die Bundes-
liga und die Nationalmannschaft, sondern auch das Ehrenamt einschließlich Mamas und Papas, die Kinder und Jugendliche
trainieren.

Die Trainingsphilosophie Deutschland beinhaltet den alters- und niveauunabhängigen strategischen Einsatz von kleinen Spiel-
formen auf dem gesamten sportlichen Lebensweg unserer Fußballerinnen und Fußballer:

c Wir entwickeln in jeder Minute des Trainings die einzelnen Spielerinnen und Spieler weiter!
c Wir trainieren mindestens zweimal pro Woche in kleinen Spielformen auf mehreren Feldern, damit jeder Spieler und jede
Spielerin den Fußball hochdosiert und mit einer hohen Nettospielzeit erlebt!
c Alle erleben Freude, Wiederholung und Intensität in jeder Minute des Trainings!

Dies sind unsere elementaren Botschaften für die Identität des deutschen Nachwuchsfußballs! In unsere Überlegungen sind der
gesellschaftliche Wandel durch längere Schulzeiten, mehr Bildschirmnutzung bei gleichzeitig weniger „Bolzplatz“ sowie die
mentale und körperliche Gesundheit unserer jungen Menschen eingeflossen.

Die „Taktisierung“ des Fußballs – vor allem die gegnerorientierte Mannschaftstaktik – und große Spielformen haben in den letzten
Jahren verhindert, dass Spielerinnen und Spieler ihr individuelles Potenzial voll entfalten konnten. In Zukunft soll uns das nicht
mehr passieren!

Mit den vorgestellten Spielformen ermöglichen wir ein abwechslungsreiches Training. Wir trainieren ganzheitlich und kombinie-
ren sowie pointieren unterschiedliche Fähigkeiten und Verhaltensweisen.

Wir bauen in diesem Buch auch die Brücke zu den Spieltagen der Vereinsmannschaften und in den Ganztagsunterricht der ersten
bis sechsten Klasse. Hier sehen wir großes Potenzial für den positiven Einfluss durch Bewegung im Allgemeinen und Mann-
schaftssport im Speziellen auf die Kinder in Deutschland.

Die Trainingsphilosophie Deutschland ist für alle Trainerinnen und Trainer entwickelt worden. Und viele haben sie auch bereits
in ihre tägliche Arbeit integriert.

Die Rückmeldungen, die uns von diesen Trainerinnen und Trainern erreichen, beinhalten immer drei Dinge:

01 Es wird einfacher!
02 Die Spielerinnen und Spieler entwickeln sich besser!
03 Es macht mehr Spaß!

Wir wünschen euch viel Freude beim Training und Spiel.

EUER KOMPETENZTEAM
EINFÜHRUNG TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 3

INHALT
01 03
Trainingsphilosophie Trainingseinheiten für den
Deutschland 4 Kinder- und Jugendfußball 52

Bambini-Spielstunde 54

02 Trainingseinheit für F-/E-Junioren


Trainingseinheit für D- bis A-Junioren
D-Junioren-Trainingseinheit mit
56
58

Spielformen der Trainings-


U21-Nationaltrainer Antonio di Salvo 60
philosophie Deutschland 14

Gleichzahlspiele 16
Gleichzahlspiele mit Anspielern
Eine Linie verteidigen und bespielen
30
38
04
Über-/Unterzahlspiele 46 Der Spieltag der Zukunft 62

05
Die Schule des
Kleinfeldfußballs 66

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern an einigen
Stellen nur die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich
immer für alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.
Foto: DFB/Liam S. Curtis Mbella Ngom
4 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND EINFÜHRUNG

TRAININGS-
PHILOSOPHIE
DEUTSCHLAND
TRAININGSPHILO
Entwicklung
individueller
Qualität DEUTSCHLAND
Jede*r

FREUDE

AKTIVIERUNG/
E RWÄ R M U N G
15 MIN DIE BESTE
TRAININGS-
SPIELEN EINHEIT
30 MIN
ZWISCHENBLOCK
15 MIN
SPIELEN
30 MIN

Gleichzahl

Foto: DFB/Yuliia Perekopaiko


EINFÜHRUNG TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 5

OSOPHIE
Die Fußballbegeisterung in Deutschland ist ungebrochen. Im Kinder-
und Jugendfußball haben wir Anmelderekorde zu verzeichnen: Über
zwei Millionen Kinder und Jugendliche spielen Fußball in Deutsch-
land! Es liegt in unserer Verantwortung, die Kinder und Jugend-
lichen bestmöglich zu fördern. Die Spielerinnen und Spieler stehen
im Mittelpunkt und sollen den Fußball ganzheitlich und hochdosiert
mit Freude, Intensität und Wiederholung erleben!

Spieler*in Jede Position

INTENSITÄT WIEDERHOLUNG

BASIS-
TRAININGSFORMEN
1 VS 1 bis 4 VS 4 HOHE VIELE
NETTO- F U S S B A L L-
SPIELZEIT AKTIONEN
für jede*n durch Spielen auf
Spieler*in mehreren Feldern

Gleichzahl mit Linie verteidigen/ Über-/


Anspieler*innen bespielen Unterzahl

ZUR PERSON Hannes Wolf

Hannes Wolf hat trotz seines jungen Alters bereits in nahezu allen Bereichen des Fußballs Erfahrungen
gesammelt: Senioren-Amateurtrainer beim ASC Dortmund, U17- und U19-Cheftrainer im Leistungs-
zentrum von Borussia Dortmund, Profitrainer beim VfB Stuttgart, dem Hamburger SV und Bayer 04
Leverkusen sowie im Ausland beim KRC Genk. Danach zog es ihn zum DFB, wo er zunächst als
U-Nationaltrainer (U18 bis U20) arbeitete. Derzeit betreut er die U20-Nationalmannschaft und
fungiert als DFB-Direktor Nachwuchs, Training und Entwicklung.
6 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND EINFÜHRUNG

DAS WARUM
Die Fußballbegeisterung ist im Sommer 2024 ungebro- FRAGE AN Antonio Di Salvo
chen. Anmelderekorde im Kinder- und Jugendfußball und WELCHEN EINFLUSS HABEN DIE EINSATZZEITEN
volle Stadien in den deutschen Profiligen sprechen hier JUNGER PROFIS AUF DIE NATIONALTEAMS?
eine eindeutige Sprache. Jedoch gibt es zwei Fakten, die „In den vergangenen Jahren kamen viele jun-
uns dazu bewogen haben, dem deutschen Nachwuchs- ge deutsche Spieler nicht oder nur selten in
fußball darüber hinausgehend dennoch deutliche Impulse der Bundesliga zum Einsatz. Das war früher
zur Verbesserung zu geben: anders. Die Kurve geht seit 2010 steil nach
unten, die von ausländischen U23-Spielern
Geringe Einsatzzeiten von U21-Spielern in den Profiligen steil nach oben (siehe Grafik unten). Das muss
Zu wenig deutsche U21-Spieler schaffen den Sprung in die sich ändern, wenn wir mit den Nationalteams
Profiligen und erhalten dort Einsatzzeiten. Für uns liegt die wettbewerbsfähig bleiben wollen.“
Ursache hierfür in erster Linie in der Ausbildung der Spieler.
Werden diese in Zukunft besser ausgebildet, steigen
dadurch ganz automatisch auch die Einsatzzeiten.
WIE GEHEN WIR ES AN?
Wir befinden uns mit dem DFB mitten in einer Bildungsof-
fensive für alle Trainerinnen und Trainer – von den „Mamas
Zu meiner Jugendzeit haben und Papas“ an der Basis bis zu den hauptberuflichen Traine-
wir immer in kleinen Spielformen rinnen und Trainern in den Leistungszentren. Sie alle wollen
wir dabei unterstützen, ein besseres Training anzubieten.
trainiert. Als kleiner Junge war mir
Uns ist klar, dass individuelle Qualität auf dem gesamten
das nicht bewusst, aber als Trainer
Lebensweg unserer Fußballerinnen und Fußballer entsteht.
reflektiere ich es und führe vieles Deshalb skizzieren wir diesen Weg ganzheitlich und beglei-
darauf zurück. Sandro Wagner ten ihn strategisch. Wir benötigen alters- und trainerüber-
greifend ein sehr gutes Training, damit die Spielerinnen und
Spieler ihr Potenzial vollständig ausschöpfen können.

Dropout-Quote Das Kompetenzteam


Der „Dropout“ an der Basis ist zu hoch: Viele junge Spiele- Um die Trainingsphilosophie Deutschland zu erstellen,
rinnen und Spieler hören bereits ab dem D-Junioren-Alter haben wir ein starkes Kompetenzteam gebildet. Dabei war
wieder mit dem Fußballspielen auf. Wir möchten unterstüt- uns immer klar, dass es nicht erforderlich ist, alles neu zu
zen, dass die Freude am Fußball auch über die Pubertät erfinden. Vielmehr wollten wir an dem festhalten, was den
hinaus erhalten bleibt und Spielerinnen und Spieler erst deutschen Fußball in den vergangenen 50 Jahren ausge-
frühestens im Alter von 35 Jahren ans Aufhören denken. macht hat. Deshalb haben wir zuerst die Trainerlegenden

EINSÄTZE U23-SPIELER IN DER BUNDESLIGA SEIT 2004 (IN % DER GESAMTEINSÄTZE)

35%

30%

25%

20%

15%
Gesamtzahl
U23-Spieler
10%
Deutsche
U23-Spieler
5%
Ausländische
U23-Spieler
0%
01/02 04/05 06/07 08/09 10/11 12/13 14/15 16/17 18/19 20/21
Foto: IMAGO/Beautiful Sports
EINFÜHRUNG TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 7

Boris Streubel (2), Alex Grimm, Christian Kaspar-Bartke, Simone Arveda); DFB (Thomas Boecker, Yuliia Perekopaiko)
Fotos: Getty Images (Alexander Hassenstein, Christof Koepsel, Christian Hofer, Thomas Eisenhuth (2),
Das Kompetenzteam: Lena Lotzen, Hannes Wolf, Antonio Di Salvo, Lars Bender (oben von links), Peter Hermann, Nikola Ludwig, Daniel
Stredak (Mitte von links), Hermann Gerland, Hanno Balitsch, Sandro Wagner, Sven Bender und Sabine Loderer (unten von links)

Hermann Gerland und Peter Hermann interviewt. Erst Spielausschnittstraining rückt die Entwicklung des Einzel-
danach haben wir das Team kontinuierlich mit Experten aus nen hingegen häufig in den Hintergrund. Das können wir
den verschiedenen Perspektiven erweitert. uns im deutschen Fußball nicht erlauben!
Wenn wir zulassen, dass die Spielerinnen und Spieler in den
DER SPIELER IM MITTELPUNKT zehn Jahren von der E- bis zur A-Jugend jährlich nur jeweils
Wie bereits erwähnt, entsteht individuelle Qualität über den drei Prozent ihrer Qualität nicht entwickeln, dann nehmen
gesamten Lebensweg. Deshalb soll in Zukunft in jeder wir schon jetzt wissentlich in Kauf, dass ihnen spätestens im
Minute des Trainings die Entwicklung des einzelnen Spie- Übergangsbereich zu den Senioren bereits 30 Prozent ihres
lers im Vordergrund stehen. Wir schaden der Entwicklung eigentlichen Potenzials fehlen werden.
unserer Spielerinnen und Spieler, wenn wir sie nicht strin- Hier möchten wir bei allen Trainerinnen und Trainern einen
gent und strategisch über ihre gesamte Kindheit und klaren Wechsel der Perspektive erreichen: Die Spielerin bzw.
Jugendzeit hinweg optimal fördern! der Spieler steht im Mittelpunkt, und es gilt, für sie bzw. ihn
In zu großen Spielformaten, in taktisch und gegnerorien- ein Training und ein Umfeld zu schaffen, in dem sie/er alle
tierten Trainingsformen sowie im Prinzipien- und/oder wichtigen Elemente des Spiels erlernen kann.

STECKBRIEF STECKBRIEF
HERMANN GERLAND (* 4. JUNI 1954 IN BOCHUM) PETER HERMANN (* 22. MÄRZ 1952 IN KLEINMAISCHEID)
> seit 10.08.2021 Deutscher Fußball-Bund > 2019 bis 29.03.2022 Deutscher Fußball-
(Scout, Co-Trainer U21 und interimsweise Bund (Co-Trainer U18, U19 und U20)
A-Team) > 1989 bis 2008, 2009 bis 2011 und 2021
> 01.07.2001 bis 30.06.2021 FC Bayern Mün- Bayer 04 Leverkusen (u. a. Co-Trainer u. Trai-
chen (u. a. Co-Trainer Profis, Trainer FCB II, ner Profis, Trainer Leverkusen II)
Leiter Nachwuchs) > Weitere Stationen als (Co-)Trainer (u. a.): Bor.
> Weitere Stationen als Trainer: SSV Ulm 1846, Dortmund, Schalke 04, Bayern München,
Arminia Bielefeld, TeBe Berlin, 1. FC Nürnberg Fort. Düsseldorf, Hamburger SV, 1. FC Nürnberg
8 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND EINFÜHRUNG

FREUDE, INTENSITÄT UND WIEDERHOLUNG

FRAGE AN Lena Lotzen Freude, Intensität und Wiederholung sind die Erfolgs- und

WELCHE BEDEUTUNG HABEN KLEINE Qualitätsschlüssel des Trainings.

SPIELFORMEN FÜR DICH?


„Eine sehr große! Ich bin auf dem Bolzplatz Freude

aufgewachsen. Wir waren permanent dort Das Spielen auf Tore, viele Aktionen für jeden Spieler und

und haben nichts anderes gespielt als jede Spielerin sowie Spiele, die immer beim Stande von 0:0

2 gegen 2 und 3 gegen 3. starten, und viele Freiheitsgrade für das Lösen von verschie-

Die Spiele, die mir am meisten Spaß gemacht denen Spielsituationen – all das steht für uns für „Freude

haben, waren die auf Tore mit vielen Aktionen und hoher Inten- am Fußball“! Diese Freude wird auf jedem Niveau und in

sität. Ich habe nie Fußball gespielt, weil ich damit viel Geld ver- jedem Alter sichtbar, wenn mit den Spielformen der Trai-

dienen wollte, sondern weil ich Freude daran hatte. Dieser Spaß ningsphilosophie Deutschland trainiert wird.

soll wieder jedem Kind ermöglicht werden.“ Zusätzlich dazu können wir den Blick sogar noch erweitern:
Die kleinen Spielformen beinhalten das gesamte Emotions-
spektrum! So kommen z. B. auch der Umgang mit verlore-

Das beinhaltet in allen Altersklassen die relevanten


ganzheitlichen Fähigkeiten! Ab der C-Jugend darf dies um Die kleinen Spielformen
Positionsspezifik erweitert werden, allerdings nur in einer
machen nicht nur einzelne
gesunden Mischung aus ganzheitlicher Ausbildung und
Spieler*innen ganzheitlich besser,
Spezialisierung. Hierfür können wir mit der Trainingsphilo-
sophie Deutschland die bestmögliche Rezeptur anbieten.
sondern sind auch für jeden Trainer
und jede Trainerin umsetzbar.
FUSSBALL GANZHEITLICH UND HOCHDOSIERT Die Anzahl der Variationen
ERLEBEN verspricht eine Umsetzung für
Fußball ist ein komplexes Spiel, bei dem die Akteure viele besonders große Trainingsgruppen,
körperliche, technisch-koordinative, kognitive, mentale und unterschiedlichste Material-
soziale Elemente lernen und perfektionieren können. Nur
ressourcen und Platzgrößen.
in Spielformen auf Tore können wir die Ganzheitlichkeit des
Voraussetzung dafür ist, dass wir
Fußballs trainieren und der Ganzheitlichkeit des Spiels
gerecht werden.
die Spielerinnen und Spieler auf
Folglich konzentrieren wir uns in der Trainingsphilosophie mehreren Spielfeldern agieren
Deutschland auf kleine Spielformen vom 1 gegen 1 bis zum lassen. Nikola Ludwig
4 gegen 4. Wir sind klar zu der Übereinstimmung gekom-
men, dass die in diesen Varianten geforderte deutlich
erhöhte Anzahl an Fußballaktionen (siehe auch Tabelle
„Wiederholungszahlen“ auf Seite 9) der Schlüssel ist, um Foto: Getty Images/Reinaldo Coddou H.

unsere Spielerinnen und Spieler besser auszubilden.


Wir empfehlen mindestens zwei Einheiten pro Woche, in
denen wir nach dem Vorbild der „besten Trainingseinheit“
auf mehreren Feldern trainieren. Denn erst durch das
gleichzeitige Trainieren auf mehreren Feldern schaffen wir
es, die Nettospielzeiten unserer jungen Spielerinnen und
Spieler signifikant zu erhöhen.
Wir sehen es als Aufgabe der Trainerinnen und Trainer an,
die Nettospielzeiten der Spieler jederzeit im Auge zu behal-
ten und diese zu kontrollieren. Hierfür haben wir Mindest-
Nettospielzeiten definiert, die es im Wochenverlauf zu
erreichen oder gar zu überflügeln gilt. Diese liegen in den
Altersklassen von der U8 bis zur U16 bei mindestens 48 Mi-
nuten sowie ab der U17 aufwärts bei mindestens 32 Minu-
ten pro Woche netto pro Spieler.
Der Bezug zur Nettospielzeit des Einzelnen ist für uns der
Schlüssel, um das Training in Deutschland nachhaltig zu
verbessern. Auch z. B. beim Joggen ist es ein gravierender
Unterschied, ob man 60 oder nur 25 Minuten läuft. Durch
Das Spielen auf mehreren Feldern ist der Schlüssel zu einem
die höhere Zeit, ist der Einfluss auf das System deutlich hochdosierten Fußballerlebnis für alle Spielerinnen und Spieler
gesteigert. Dies gilt in besonderem Maße auch für den Fußball! mit viel Freude, Intensität und Wiederholung!
EINFÜHRUNG TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 9

nen Spielen, eigenen misslungen Aktionen sowie Fehlern


von Mitspielern in hoher Dosierung vor. Dadurch lernen die Wir wollen vielen Trainern
Spielerinnen und Spieler, im Erfolg weiter „hungrig“ zu
an der Basis ihre Angst nehmen:
bleiben, aber auch mit Aggressionen und Enttäuschungen
Gutes Training muss nicht
umgehen zu können und daraus keine selbst- und fremd-
destruktiven Verhaltensweisen zu entwickeln.
kompliziert sein! Detailcoaching
ist nicht erforderlich! Das wird erst
Intensität viel später in der Spezialisierung
Wir möchten die Wiederholungen relevanter Fußballaktio- ein Thema. Hanno Balitsch
nen strategisch erhöhen. Diesbezüglich gehen wir „Hand in
Hand“ mit dem „neuen Kinderfußball“, für den auf kleineren
Feldern mit weniger Spielern pro Team ähnliche Prinzipien
gelten. Allerdings darf die gezielte Erhöhung der relevanten systematisch und permanent im Training aller Mannschaf-
Fußballaktionen nicht mit den größeren Feldern im Wett- ten bis zu den A-Junioren stattfinden.
spiel der D-Junioren urplötzlich enden! Vielmehr muss sie Ein Top-Training braucht dabei immer eine geeignete
„Rezeptur“ an Trainingsformen: Mit den unterschiedlichen
Foto: IMAGO/Beautiful Sports
Spielformen in unserer Struktur („Gleichzahlspiele“, „Gleich-
zahlspiele mit Anspielern“, „Linie verteidigen/bespielen“
und „Über-/Unterzahlspiele“) pointieren wir die unter-
schiedlichen Fähigkeiten, ohne dabei die Ganzheitlichkeit
des Trainings zu verlieren.
Die kontinuierliche Umsetzung der Trainingsphilosophie
Deutschland im Training gewährleistet, dass alle Fußball
spielenden Kinder und Jugendlichen als Sportler groß
werden. Damit erfüllen wir einen gesellschaftlichen
Beitrag zur Kinder- und Jugendgesundheit und für die sport-
liche Entwicklung unserer Spieler.

Die geringen
Einsatzzeiten von
Jungprofis waren die
Initialzündung für die
Trainingsphilosophie
Deutschland.

ANZAHL DER AKTIONEN BEI 3-GEGEN-3-VARIANTEN GEGENÜBER 7-GEGEN-7-VARIANTEN IM LAUFE DER JUGEND

FUSSBALL-
32 MINUTEN NETTO PRO SPIELER BALLAKTIONEN SPEZIFISCHE ZWEIKÄMPFE TORSCHÜSSE
ENTSCHEIDUNGEN

1 Trainingseinheit:
3-gegen-3-Varianten 200 200 100 25
7-gegen-7-Varianten 50 50 30 5

10 Trainingseinheiten:
3-gegen-3-Varianten 2.000 2.000 1.000 250
7-gegen-7-Varianten 500 500 300 50

100 Trainingseinheiten:
3-gegen-3-Varianten 20.000 20.000 10.000 2.500
7-gegen-7-Varianten 5.000 5.000 3.000 500

1.000 Trainingseinheiten:
3-gegen-3-Varianten 200.000 200.000 100.000 25.000
7-gegen-7-Varianten 50.000 50.000 30.000 5.000
10 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND EINFÜHRUNG

DIE BESTE TRAININGSEINHEIT


Wir wünschen uns, dass jedes Kind und jeder Jugendliche BEFRAGUNG VON 135 C-, B- UND A-JUGEND-TRAINERN DER
mindestens zweimal pro Woche nach der Struktur der LEISTUNGSZENTREN
„besten Trainingseinheit“ trainiert.
Möchtet ihr, dass alle Spielerinnen und Spieler in den
Trainingsstruktur drei Jahren, bevor sie zu euch kommen, in der Struktur
Die ersten 15 Minuten dienen der Aktivierung. In dieser und mit den Inhalten der Trainingsphilosophie Deutsch-
Phase des Trainings wollen wir technische Elemente land trainieren?
(Schwerpunkt „Dribbeln und Fintieren“) mit vielen Wieder-
holungen bei wenig Standzeiten trainieren. Auch Fang- 135
spiele mit und ohne Ball sind ein sehr guter Inhalt für die
ersten 15 Minuten des Trainings.
Danach gehen wir für 30 Minuten in den ersten Spielblock,
in dem auf mehreren Feldern auf Tore gespielt wird.
Darauf folgt der 15 Minuten dauernde Zwischenblock, in
dem technische und athletische Inhalte pointiert und mit-
einander kombiniert werden. So müssen beispielsweise Tor-
schüsse, Flanken, Flugbälle, Kopfbälle, aber auch maximale
Sprints gesondert trainiert werden, um auf geeignete
Wiederholungszahlen zu kommen. Dies ist im Zwischen-
block in kompakter Form möglich.
Zum Abschluss lassen wir im zweiten Spielblock erneut für
30 Minuten auf mehreren Feldern auf Tore spielen. 0

Klare Botschaften zum Trainieren auf mehreren Feldern


Ja Nein
Je nach Altersklasse sind verschiedene organisatorische
und inhaltliche Faktoren zu berücksichtigen.

STRUKTUR DER BESTEN TRAININGSEINHEIT

Mindestens 2-mal pro Woche ohne Spiel-Ersatztraining und in jeder Woche

ÜBUNG UND DAUER INHALT TRAININGSZIELE

Viele Aktionen → wenige Standzeiten


15 Minuten Ballbeherrschung: Fokus Dribbling, Fintieren
15 Aktivierung Fangspiele mit und ohne Ball
Spielfähigkeit erarbeiten
möglichst kleines Spieler-Ball-Verhältnis

30 Minuten Ganzheitliche Entwicklung


Mehrmals 3-4 Minuten netto pro Spieler 1-vs-1- bis 4-vs-4-Varianten der Spielerinnen und Spieler
30 ca. 1-2 Minuten Pause Videos (körperlich/technisch/taktisch/persönlich/
Spielblock 1 sozial/emotional)

Grund- und Positionstechnik: Dribbling,


Viele relevante Fußballaktionen
Passspiel, Ballmitnahmen, Torschuss, Flanken,
15 Minuten → wenige Standzeiten
15 Zwischenblock
Kopfball, Flugball
Spielfähigkeit erarbeiten
Schnelligkeitsentwicklung mit/ohne Ball,
möglichst kleines Spieler-Ball-Verhältnis
Pendelstaffeln, maximale Sprints, Sprünge

30 Minuten Ganzheitliche Entwicklung


Mehrmals 3-4 Minuten netto pro Spieler 1-vs-1- bis 4-vs-4-Varianten der Spieler und Spielerinnen
30 ca. 1-2 Minuten Pause Videos (körperlich/technisch/taktisch/persönlich/
Spielblock 2 sozial/emotional)
EINFÜHRUNG TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 11

Bambini: Spielformen dürfen 2-gegen-2-Varianten nicht


übersteigen. Das bedeutet, dass wir bei den Jüngsten Das Training ist für die Spielerinnen
besonders viele Felder benötigen. Hierfür wollen wir Eltern
und Spieler! Um diese bestmöglich
als Spielfeldbegleiter in das Training integrieren. Der beste
zu entwickeln, gilt es, viel in Spiel-
Betreuungsschlüssel ist dabei bei einem Begleiter pro vier
Kinder gegeben.
formen zu trainieren. Nur so verbes-
F-Junioren: In dieser Altersklasse dürfen die Spielformen sern wir deren Spielfähigkeit, das
maximal auf 3 plus TW gegen 3 plus TW vergrößert werden. Anwenden von Techniken unter
Zudem benötigen wir für jeweils sechs Spieler (ggf. plus Druck und die Entscheidungs-
zwei Torhüter) einen Spielfeldbegleiter. fähigkeit. Dabei muss die Komplexi-
E-Junioren: In dieser Altersklasse darf die Größe der Spiel- tät der Spielformen mit dem Alter
formen ein 4 plus TW gegen 4 plus TW nicht übersteigen.
wachsen, um das Fundament – die
D- bis A-Junioren: Auch in den höheren Altersklassen
Spielfreude – kontinuierlich zu
sollen auf jedem Niveau mindestens zwei Trainingsein-
heiten pro Woche gemäß der „Trainingsphilosophie
bedienen. Sabine Loderer

Deutschland“ vom 1 gegen 1 bis zum 4 gegen 4 auf mehre-


ren Spielfeldern durchgeführt werden. Die 4-plus-TW-
gegen-4-plus-TW-Varianten können dabei zusätzlich um
bis zu zwei Anspieler pro Team erweitert werden. Spitze (Goldniveau), ohne Kinder, die noch nicht so weit
Nur, wenn diese Prinzipien in allen Teams Berücksichtigung sind (Bronzeniveau), auszuschließen.
finden, können wir eine so hohe Nettospielzeit pro Spieler Spätestens mit Eintritt in die Pubertät kommt auch auf dem
erreichen! höchsten Niveau ein weiterer Faktor hinzu: Jugendliche
entwickeln sich in dieser Phase sehr unterschiedlich.
Einteilung der Felder nach Entwicklungsstand und biolo- Dadurch kann das sogenannte „biologische Alter“ eines
gischem Alter Spielers von seinem „kalendarischen“ um bis zu fünf Jahre
Die besondere Bedeutung des Trainings auf mehreren Fel- abweichen. Es liegt auf der Hand, dass diese immensen
dern von den Bambini bis zu den A-Junioren haben wir vor- Unterschiede hinsichtlich des Entwicklungsstandes ganz
stehend bereits herausgestellt. Dabei entsteht jedoch die besonders auch im Sport zum Tragen kommen. Das Trainie-
berechtigte Frage, wie diese Felder eingeteilt werden sollen. ren auf mehreren Feldern ermöglicht es, Frühentwickler
Wir empfehlen grundsätzlich eine Einteilung nach dem Ent- nicht zu unter- und Spätentwickler nicht zu überfordern.
wicklungsstand der Spieler, da die Leistungsunterschiede Ab der C-Jugend kann darüber hinaus auch die Positions-
bei Kindern und Jugendlichen im Basisfußball oftmals sehr spezifik in die Einteilung einfließen: Die Trainingsphilo-
groß sind. So kann jedes Kind auf seinem eigenen Niveau sophie Deutschland bietet in den unterschiedlichen Spiel-
Fußball erleben und sich dadurch bestmöglich entwickeln. formaten vielfältige Möglichkeiten, auch die positionsspe-
Darüber hinaus fördern wir auf diese Art und Weise die zifischen Merkmale und Inhalte strategisch zu entwickeln.

Spielformen beinhalten alles, was Spielerinnen und


Spieler brauchen! Diese Fähigkeiten begleiten sie
durch ihr ganzes Fußballleben. Gutes Training muss
nicht kompliziert sein!
Hannes Wolf
12 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND EINFÜHRUNG

ÜBERGREIFENDE KONZEPTE
Egal, wie gut das Training ist: Von zwei Trainingseinheiten
pro Woche und einem Spieltag wird kein Spieler und keine
Spielerin richtig gut. Deshalb brauchen wir Konzepte, die
eine organisations- und mannschaftsübergreifende Fuß-
ballförderung vorsehen.
Im „Fußballland“ Deutschland gibt es Tausende Kinder, die
am liebsten jeden Tag Fußball spielen möchten. Um dies zu
ermöglichen, müssen wir solche Angebote bis mindestens
zum Ende des D-Jugend-Alters schaffen:
> ein tägliches Angebot für Fußball in der Schule

Foto: DFB/Thomas Boecker


> mannschaftsübergreifende Trainingskonzepte in den
Vereinen (z. B: die motiviertesten und besten F-Junioren
kommen auch zum Training der E-Junioren usw.)
> Fußball und anderes Sportarten auch in der Freizeit
(polysportive Ausbildung)
> DFB-Stützpunkt-Training
> Trainingsangebote von Fußballschulen und -camps Die kleinen Spielformen der Trainingsphilosophie Deutschland
> Angebote für Individualtraining (z. B. Hausaufgabenpro- ermöglichen in allen Alters- und Leistungsklassen zahlreiche
leidenschaftliche Duelle im direkten 1 gegen 1.
gramme zum Jonglieren und Fintieren sowie für Sprünge
und Sprints usw.)
Fazit: Wichtig ist, dass an den unterschiedlichsten Orten UNTERSTÜTZUNG AUS GANZ „FUSSBALL-
bestmögliches Fußballtraining angeboten wird. Die Grund- DEUTSCHLAND“
lage dafür bilden der „neue Kinderfußball“ und die Trai- Das Kompetenzteam hat jede Facette der Trainingsphilo-
ningsphilosophie Deutschland. sophie Deutschland intensiv besprochen. Darüber hinaus
setzt es auch auf den Austausch und die Zusammenarbeit
mit den Vereinen, den Landesverbänden, der Talentförde-
rung und vor allem mit den Trainerinnen und Trainern aller
Kleine Spielformen sind die
Niveaustufen und Altersbereiche. Um die Trainingsphilo-
Essenz für Torhüterinnen und sophie sozusagen als „gesellschaftliches Wissen“ in der
Torhüter, weil sie dort extrem viele Gemeinschaft zu verankern, suchen und brauchen wir die
Wiederholungen im Strafraum und Unterstützung aller handelnden Personen im deutschen
der Raumverteidigung haben sowie Fußball.
beim Mitspielen stark involviert Die Rückmeldungen aus allen Bereichen des Trainings sind
überwältigend positiv. Die einhellige Meinung lautet, dass
sind. Darüber hinaus sind sie in der
wir auf dem bestmöglichen Weg sind! Die gute Resonanz
Kommunikation mit den Vorder-
(siehe z. B. auch die Umfrage unter den C-, B- und A-Jugend-
leuten enorm gefragt und können Trainern der Leistungszentren auf Seite 10) hilft uns sehr bei
nie abschalten. Andreas Kronenberg der Verbreitung der Trainingsphilosophie in ganz „Fußball-
Deutschland“.

DIE AKTUELLSTEN NEWS UND PRAXIS-


INHALTE ZUR TRAININGSPHILOSOPHIE
DEUTSCHLAND GIBT ES BEI
[Link] AUF [Link]!

Der neue Bereich “[Link]ßball“ auf [Link] wird die neue terials bis hin zu allen Spielformen im Überblick, fertigen Trai-
Informationsplattform der Trainingsphilosophie Deutschland mit ningseinheiten inklusive Aktivierung/Erwärmung und Prinzipien
allen aktuellen Inhalten und Entwicklungen im Detail. Nachdem für die Zwischenteile sowie vielem mehr! Alle Inhalte werden zu-
die Neuausrichtung des Internetauftritts abgeschlossen ist, fin- dem von Hannes Wolf und dem gesamten Kompetenzteam inten-
den sich hier alle Informationen geballt an einem Ort: Von Infor- siv begleitet. So bringen auch Sie die Trainingsphilosophie
mationen zu konkreten Umsetzungsmöglichkeiten, Anwendungs- Deutschland in Ihren Verein und bereiten Ihren Spielerinnen und
beispielen aus den Vereinen, wichtigen Tipps zur Akquise von Spielern ein hochdosiertes Fußballerlebnis für lebenslangen Spaß
Spielfeldbegleitern oder zur Anschaffung des erforderlichen Ma- am Fußball!
EINFÜHRUNG TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 13

TRAININGS-
PHILOSOPHIE
DEUTSCHLAND
TRAININGSPHILOSOPHIE
Entwicklung
individueller
Qualität DEUTSCHLAND
DIE VIDEOS DER „TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND“ IM SCHNELLZUGRIFF
Über die folgenden QR-Codes gelangen Sie zu den Videos „Vom Wohnzimmer auf den Trainingsplatz“ mit Hannes Wolf
und Hermann Gerland sowie „Vom Trainerzimmer auf den Trainingsplatz“ mit Hannes Wolf und Peter Hermann. Im
dritten bis sechsten Teil „Von der Umkleidekabine auf den Trainingsplatz“ spricht Hannes Wolf mit Sandro Wagner, Lars
Bender, Sven Bender und Hanno Balitsch.

Teil 1: Vom Wohnzimmer Teil 2: Vom Trainerzimmer


auf den Trainingsplatz auf den Trainingsplatz
MIT HANNES WOLF UND MIT HANNES WOLF UND
HERMANN GERLAND PETER HERMANN

Teil 3: Von der Umkleide- Teil 4: Von der Umkleide-


kabine auf den Trainings- kabine auf den Trainings-
platz (1) platz (2)
MIT HANNES WOLF UND MIT HANNES WOLF UND
SANDRO WAGNER LARS BENDER

Teil 5: Von der Umkleide- Teil 6: Von der Umkleide-


kabine auf den Trainings- kabine auf den Trainings-
platz (3) platz (4)
MIT HANNES WOLF UND MIT HANNES WOLF UND
SVEN BENDER HANNO BALITSCH

DIE TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND BEIM „SKY MATCHPLAN SPEZIAL“


In den beiden unten aufgeführten Folgen vom „Sky Matchplan Spezial“ sprechen Hannes Wolf und Teile seines Kompe-
tenzteams mit Moderator Jan Henkel. Hier wird über Training im Allgemeinen, aber auch über relevante Spielformen aus
der „Trainingsphilosophie Deutschland“ diskutiert. So erhalten Sie konkrete Tipps zur Umsetzung auf dem Platz.

Trainingsphilosophie Trainingsphilosophie
Deutschland - Teil 1 Deutschland - Teil 2
MIT HANNES WOLF, SANDRO WAGNER, MIT HANNES WOLF, SANDRO WAGNER,
ANTONIO DI SALVO UND SVEN BENDER ANTONIO DI SALVO UND SVEN BENDER
14 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND SPIELFORMEN

SPIELFORMEN DER
TRAININGSPHILOSOPHIE
DEUTSCHLAND

GLEICHZAHLSPIELE GLEICHZAHLSPIELE MIT ANSPIELERN


Gleichzahlspiele pointieren frontale 1-gegen-1-Situationen und Gleichzahlspiele mit Anspielern verändern den Spielrhythmus:
beinhalten dabei trotzdem den Kontext des gemeinsamen Durch die „lebendige Bande“ gelangt der Ball viel seltener ins Aus.
Angreifens sowie des gemeinsamen Verteidigens. S. 16 Außerdem akzentuieren diese Spielformen ein weiträumiges
Passspiel und erhöhen die Anzahl von Kopf- und Körperbewe-
gungen aller beteiligten Spieler um ein Vielfaches. S. 30
SPIELFORMEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 15

Foto: Getty Images/Stringer

EINE LINIE VERTEIDIGEN/BESPIELEN ÜBER-/UNTERZAHLSPIELE


Spielformen aus dem Bereich „Eine Linie verteidigen/bespielen“ Über-/Unterzahlspiele akzentuieren das Passspiel. Darüber
akzentuieren das Spiel gegen eine organisierte Abwehr bzw. das hinaus können sich die Verteidiger nicht nur auf einen Gegen-
gemeinsame Verteidigen im Raum. Zudem pointieren sie posi- spieler konzentrieren, sondern müssen den jeweils gefähr-
tionsbezogene frontale und diagonale 1-gegen-1-Duelle. S. 38 licheren Spieler decken. S. 46
16 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND SPIELFORMEN

GLEICHZAHLSPIELE
Gemeinsames Angreifen und Verteidigen mit vielen 1-gegen-1-Duellen
SPIELFORMEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 17

Foto: regios24/Darius Simka

Freude, Intensität und Wiederholung für jeden Spieler und


jede Spielerin und auf jeder Position in jeder Minute des
Trainings!

DER SCHLÜSSEL ZUR ENTWICKLUNG: AUF MEHREREN


FELDERN TRAINIEREN!
Unsere Identität in der Trainingsphilosophie Deutschland lautet: In
jeder Minute des Trainings entwickeln wir die individuelle Qualität
unserer Spielerinnen und Spieler. Der Kern einer jeden Trainingswoche
sind kleine Spielformen auf mehreren Feldern, damit alle eine hohe
Nettospielzeit erreichen und in den Spielformen Freude, Intensität
und Wiederholung erleben.
Wir berücksichtigen dabei die Unterschiedlichkeit von individueller
Qualität auf den verschiedenen Positionen sowie bei unterschied-
lichen Spielerpersönlichkeiten. Wir bieten für die Spielformen ein
breites Repertoire von Varianten an, die unterschiedliche Fähigkeiten
pointieren und so eine optimale Ausbildung ermöglichen.

KOMMENTAR von Hannes Wolf


„KLEIN“ TRAINIEREN –
OFFENSIV SPIELER FÖRDERN
„In großen Spielformen haben insbesondere die
Stürmer und Flügelspieler seltener den Ball. Im
11-gegen-11-Wettspiel haben die Innenverteidiger signi-
fikant mehr Ballkontakte als der Stürmer. Das bedeutet, dass
die Offensivspieler darunter leiden, wenn „groß“ trainiert
wird.“

KOMMENTAR von Antonio di Salvo KOMMENTAR von Hermann Gerland


ÜBUNG MACHT DEN MEISTER ALLE RELEVANTEN AKTIONEN
„Je häufiger man das Trainieren auf mehre- „Kleine Spielformen machen den Spielern
ren Feldern durchführt, desto mehr gewöhnt immer richtig Spaß. Sie enthalten das A und O des
sich der Trainer daran. Eine Lösung ist simpel und Fußballs. Sie haben positionsunabhängig permanent den
auf der Hand liegend: Der Coach stellt sich zwischen zwei Ball, führen viele Zweikämpfe und kommen zu Torabschlüs-
Felder und hat beides im Blick, oder er konzentriert sich auf sen. Verteidiger schießen Tore, Angreifer müssen verteidigen.
ein Feld und lässt die anderen frei spielen.“ Keiner kann sich verstecken. Der Ehrgeiz ist groß, weil man
jeden Durchgang gewinnen will.“
18 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND SPIELFORMEN

DER GLOBALE SPIELER


In unseren Spielformen werden die Verhaltens- KOMMENTAR von Lars Bender
weisen hochdosiert erlebt, die Spieler unabhängig DIE HALLENSAISON ALS
von ihrer Position perfektionieren sollen: Ball- ENTWICKLUNGSCHANCE
sicherheit unter Druck, technische Perfektion, Zwei- „Wenn ich auf mein erstes Jahr beim DFB zurück-
kampfverhalten offensiv und defensiv, sofortiges blicke, haben die Spieler nach der Hallensaison den
Umschalten in beide Richtungen und intuitives größten Schritt gemacht. Und dort wird eben 4 gegen 4
Spielverständnis mit einer hohen Entscheidungs- gespielt. Der Ball ist kaum im Aus. Das Spiel ist schnell und
qualität in allen Spielphasen. Mit diesen Kern- alle haben viele Aktionen. Keiner kann sich rausnehmen.
elementen von Training sollen die Kinder und Deswegen halte ich die Integration von kleinen Spielformen
Jugendlichen in Deutschland aufwachsen. Bei kon- ins Training für unabdingbar. Hinzu kommt, dass man nie
sequentem Spielen auf mehreren Feldern braucht
genug spielen kann. Das gibt es nicht. Spieler üben im Spiel,
es dafür ungefähr zwei Stunden der Trainingswoche.
ohne es überhaupt richtig zu merken.“
Die zusätzliche Trainingszeit kann wunderbar mit
vielen weiteren Elementen des Fußballtrainings
gefüllt werden. Aber auch dabei sollte stets die Ent-
wicklung des Einzelnen im Mittelpunkt stehen und
den Ausgangspunkt der Trainingsplanung bilden.

GLEICHZAHLSPIELE
Gleichzahlspiele können auf zwei Tore, auf ein Tor
oder im Funino-Feld sowie in Hybridfeldern umge-
setzt werden. Unterschiedliche Provokationsregeln
wie zum Beispiel die Shotclock, verschiedene Rück-
passregeln und die Veränderung der Feldgrößen
und -formen lassen den Trainern Raum, vielfältig
und facettenreich zu trainieren – ohne den Kern von
gutem Training aus den Augen zu verlieren. Gleich- In kleinen Spielformen
zahlspiele pointieren direkte Duelle, insbesondere das Hauptaugenmerk

Foto: Conny Kurth


des Coachings vor allem
das Dribbling und dessen Verteidigung. Trotzdem auf Motivation und
steht neben den individuellen Verhaltensweisen Umschaltaktionen
immer auch der Kontext des gemeinsamen Angrei- richten!

fens und Verteidigens im Vordergrund.

KOMMENTAR von Sandro Wagner


VERSTECKEN VERBOTEN
„Wir haben immer in kleinen Spielformen
trainiert, von klein auf. Gerade als Offensivspieler
ist man immer gezwungen, in Duelle zu gehen und
kreative Lösungen zu finden. Das sind Themen, die einen im
Profibereich extrem beschäftigen und teilweise an das Limit
bringen. Als kleiner Junge war mir das nicht bewusst, aber
wenn ich es heute aus Trainersicht reflektiere, ist vieles, was KOMMENTAR von Hannes Wolf
mich als Spieler ausgezeichnet hat, auf diese kleinen Spiel- PURE GLEICHZAHL
formen zurückzuführen. Wir geben diesem Thema aktuell viel „Funino ist ein pures Gleichzahlspiel, weil
zu wenig Raum. Das ist erschreckend und tut mir geradezu ohne Torhüter gespielt wird, wodurch die
weh. Ich war als Profispieler sehr weit weg von der Basis. Anwendung des Dribblings in den Vordergrund
Durch die Trainertätigkeit habe ich wieder Einblicke erhalten rückt. Das Feld sollte so groß sein, dass die Spieler sich nicht
und erschreckende Defizite festgestellt.“ mit dem Bälleholen verheizen.“
SPIELFORMEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 19

4 GEGEN 4
ORGANISATION
> Ein 25 x 25 Meter großes Feld mit
2 Toren und Torhütern markieren.
> 2 Teams à 4 Spieler bilden.

ABLAUF
> Geht der Ball ins Aus oder wird ein Treffer erzielt,
so eröffnet der jeweilige Torhüter.

VARIATIONEN
> Nur Quer- oder Vorwärtspässe erlauben.
> Pro Ballbesitzphase ist nur ein Rückpass zum
Torhüter erlaubt.
> Mit „Shotclock“ spielen: Der Angriff muss in
8 (10) Sekunden abgeschlossen werden.

KOMMENTAR von Sandro Wagner


KLEINE ANPASSUNGEN MIT WIRKUNG
„Diese Spielform wirkt einfach, man kann jedoch
durch kleine Änderungen viele Variationen ent-
wickeln. Nehmen wir die Regel, dass nur nach vorne
gepasst werden darf: Es gibt Spielstände, bei denen
das Hinten-herum-Spielen nicht gefragt ist. Diese Provokation
führt genau dazu und kann im Wettkampf helfen, wenn es zuvor
im Training vermittelt wurde.“
Foto: Getty Images/Reinaldo Coddou H.

KOMMENTAR von Antonio di Salvo


ZIELGERICHTETES SPIEL
„Durch die Regel, nur nach vorne
passen zu dürfen, entstehen viele
direkte Duelle mit dem Rücken
zum Tor, die dennoch zielgerichtet
gelöst werden müssen.“

KOMMENTAR von Hermann Gerland


FÜR JEDES NIVEAU GEEIGNET
„Diese Form ist nicht nur für Kinder und Jugend-
liche ideal. Profis wie Robben, Ribéry oder Gnabry
hatten dabei viel Spaß. Wer im Training nicht
dribbelt, wird darin nicht besser. Übung macht den
Meister! Die Grundlagen werden in solchen Spielformen gelegt.
Der Ball muss den Spielern gehorchen und je öfter sie ihn haben,
desto wahrscheinlicher wird es. Bei der Belastung muss man sich
vor allem bei Kindern weniger Gedanken machen. Sie spüren
Ermüdung doch kaum.“

Foto: Conny Kurth


20 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND SPIELFORMEN

1 GEGEN 1 BIS 4 GEGEN 4


ORGANISATION
> Einen doppelten Strafraum mit 1 Tor und
Torhüter sowie 2 Minitoren markieren.
> 2 Teams à 4 Spieler bilden und jeweils von 1 bis
4 durchnummerieren.
> Der Trainer steht mit Bällen an der Seitenlinie.

ABLAUF
> Der Verteidiger eröffnet mit einem Flugball zum
Angreifer.
> freies Spiel 1 gegen 1
> Der Trainer spielt nach jeweils 30 Sekunden
einen neuen Ball zum 2 gegen 2, 3 gegen 3 und
4 gegen 4 ein.
> Fällt innerhalb der Spielzeit ein Treffer oder geht
der Ball ins Aus, eröffnet der Torhüter für Blau
oder der Trainer spielt für Rot ein.
> Nach Beendigung eines Durchgangs beginnen
dann die Spieler 2 (3, 4) usw.
> Nach einiger Zeit die Seiten tauschen.

VARIATIONEN
> Die Spielzeit erhöhen/verringern.
KOMMENTAR von Hannes Wolf > Treffer müssen aus der gegnerischen Hälfte
ALLES DRIN erzielt werden.
„Diese Form macht Spaß, weil einfach alles drin > Mit Abseits spielen.
ist: Man muss dribbeln und sich durchsetzen. Zu
beachten ist, dass jeder mal beginnt, damit die HINWEIS
Spieler auf ihre Nettospielzeit kommen.“ > Aufgrund der Nettospielzeit pro Spieler darauf
achten, dass die Belastungen gleich verteilt
werden und die „Startspieler“ mit jedem Durch-
gang rotieren.

Foto: Conny Kurth

KOMMENTAR von Peter Hermann


VIELFÄLTIGE ANFORDERUNGEN
„Eine tolle Trainingsform, die einem
Fußballer alles abverlangt: Angreifen,
Verteidigen, schnelles Umschalten. Da
ist Intensität drin, weil jeder mal von
Anfang bis Ende durchspielt.“

Foto: Getty Images/Reinaldo Coddou H.


SPIELFORMEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 21

VOM 2 GEGEN 2 ZUM 4 GEGEN 4


ORGANISATION
> Ein 25 x 25 Meter großes Feld mit 2 Toren und
Torhütern markieren.
> 2 Teams à 4 Spieler und innerhalb dieser Paare
bilden.

ABLAUF
> 2 gegen 2 für 15 (20) Sekunden
> Anschließend für die gleiche Dauer im 4 gegen 4
weiterspielen.
> Nach Beendigung eines Durchgangs beginnen
die anderen Paare.

HINWEIS
> Aufgrund der Nettospielzeit pro Spieler darauf
achten, dass die Belastungen gleich verteilt
werden und die „Startspieler“ mit jedem Durch-
gang rotieren.

KOMMENTAR Lars Bender


PERMANENT IN ALLEN PHASEN GEFORDERT
„Das Beste ist der ständige Wechsel von Angriff auf
Abwehr. Von einem Moment auf den anderen werde
ich vom Stürmer zum ersten Verteidiger und muss
z. B. den Fuß vor den Ballbesitzer bekommen, weil er
sonst freie Schussbahn hat. Die Anforderungen an die Handlungs-
schnelligkeit, Aufmerksamkeit und Konzentration sind sehr hoch.
Offensiv geht es um das 1 gegen 1, aber ebenso um das gemein-
same Angriffsspiel. Defensiv bin ich im 1 gegen 1 gefordert, muss
mich aber auch im Zusammenspiel mit dem Partner taktisch
clever verhalten. Da geht es dann um Themen wie das Heraus-
stechen und Absichern. Was die Belastungszeit betrifft, muss das
Ziel sein, sie im Laufe der Zeit zu steigern.“

Fotos: regios24/Darius Simka


22 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND SPIELFORMEN

2 GEGEN 2 IN 8 SEKUNDEN
ORGANISATION
> Ein 25 x 20 Meter großes Feld mit
2 Toren und Torhüter markieren.
> 2 Teams à 6 Spieler bilden und neben die Tore
verteilen.
> Der Trainer steht mit Bällen an der Seitenlinie.

ABLAUF
> Der Trainer eröffnet mit einem Zuspiel zu einem
Angreifer.
> 2 gegen 2 über 8 Sekunden
> Ein Treffer oder die Spielzeit beenden den
Durchgang.
> Geht der Ball ins Aus, so spielt der Trainer inner-
halb der 8 Sekunden schnellstmöglich wieder
ein.

HINWEIS
> Die Zeit nicht mit der Uhr stoppen, sondern die
Sekunden mit dem Einspielen laut runterzählen.

KOMMENTAR von Antonio di Salvo


OFFENSIV DENKEN
„Durch die 8-Sekunden-Regel
müssen die Angreifer sofort nach
vorn und gegebenenfalls ins geg-
nerüberwindende Dribbling. Es
wird die Kompetenz gefördert,
nach vorne zu denken. Hier ist alles drin, was
Flügelspieler und Außenverteidiger in der Of-
fensive und Defensive benötigen – nicht nur im
individualtaktischen, sondern auch im grup-
pentaktischen Verhalten zu zweit. Die Intensität
ist hoch, auch weil nach einem Treffer oder Aus-
ball sofort die nächsten Teams loslegen. Die
Foto: Conny Kurth

Zeit wird nicht mit der Uhr gestoppt, sondern


mit dem Einspielen vom Trainer laut runterge-
zählt. Das macht richtig Spaß.“

KOMMENTAR von Hermann Gerland


ZIELSTREBIG ZUM TOR
„Eine überragende Spielform, bei der man in viele Zweikämpfe
verwickelt wird. Sie gehört jede Woche ins Training, weil sie ein-
fach ist, aber Qualität bringt. Die Intensität und Aktionsdichte sind
hoch. Der Spieler weiß, dass er Zeitdruck hat, und kann nicht auf den Ball treten
und zurückspielen. Und genau das wird auch im Spiel verlangt – zielgerichtet
zum Tor spielen. Im Gegensatz zum 1 gegen 1 hat man die Möglichkeit, seinen
Mitspieler einzusetzen, wenn er besser postiert ist. Auch die Torhüter stehen
permanent unter Druck, weil zu jeder Zeit ein Schuss auf ihr Tor möglich ist. Bei
Kindern kann man es auch etwas länger über 10 (12) Sekunden spielen.“
SPIELFORMEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 23

FUNINO IM 3 GEGEN 3
ORGANISATION
> Ein 20 x 18 Meter großes Feld mit zwei 5 Meter
tiefen Abschlusszonen und je 2 Minitoren auf
den Grundlinien markieren.
> Zwischen den Toren ein Balldepot errichten.
> Der Trainer steht mit Bällen neben dem Feld.
> 2 Teams à 3 Spieler bilden.

ABLAUF
> Geht der Ball ins Aus, so spielt der Trainer ein,
ansonsten bedienen sich die Spieler eigen-
ständig aus dem jeweiligen Balldepot.
> Treffer zählen nur innerhalb der Abschlusszonen.

VARIATIONEN
> Ohne Abschlusszonen spielen.
> Mit Abseits spielen.
> Eine Mittellinie markieren: Treffer zählen nur in
der gegnerischen Hälfte.

Foto: regios24/Darius Simka

KOMMENTAR von Sandro Wagner KOMMENTAR von Hanno Balitsch


ACTION UND WETTBEWERB COACHING EINFACH HALTEN
„In dieser Spielform ist permanent Action, zumal „Es gibt zwei Dinge, die es zu beachten gilt und für
der Trainer nach einem Ausball oder Treffer sofort die keine fußballerische Vorerfahrung notwendig
wieder einen Ball einspielt. Zudem liegen Bälle ist – deswegen kann man beim Training auch Eltern
zwischen den Toren bereit. mit einbeziehen.
Nach kürzester Zeit erkennt man, dass alles enthal- Erstens sollten der Spielfluss und damit die Inten-
ten ist: 1 gegen 1 offensiv und defensiv, Abschlüs- sität gewährleistet sein, indem immer wieder sofort
se, schnelles Umschalten, Pressing und Gegenpressing. Das sind ein neuer Ball ins Spiel kommt. Zweitens hilft es, das Spiel stimm-
äußerst wichtige Elemente in einem einfach organisierten 3 ge- lich zu begleiten – und dabei dürfen wir unbedingt positiv sein
gen 3. Und es geht auch immer um Gewinnen und Verlieren. Dafür und für Emotionalität sorgen.
braucht es nicht immer einen Pokal. Dieses Feld mehrmals auf- Wir müssen vielen Trainern an der Basis die Angst nehmen, dass
bauen und im Champions-League-Modus spielen und es ist „Feu- das Training kompliziert sein müsste. Detailcoaching ist nicht
er“ garantiert. Das haben wir selbst im Profibereich gemacht.“ erforderlich. Das kommt später in der Spezialisierung.“
24 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND SPIELFORMEN

3 GEGEN 3 MIT DREHENDEM


ANGRIFFSRECHT
ORGANISATION
> Ein 20 x 20 Meter großes Feld mit 1 Tor mit
Torhüter und 2 Minitoren markieren.
> 2 Teams à 3 Spieler bilden.
> Der Trainer steht mit einem Balldepot neben
dem Feld.

ABLAUF
> Nach einem Treffer auf die Minitore erhält das
erfolgreiche Team das Angriffsrecht auf das Tor
mit Torhüter.
> Gelingt es den Verteidigern, den Ball zu erobern,
so kontern sie auf die Minitore, um ihrerseits das
Angriffsrecht auf das Großtor zu erhalten usw.

Foto: Getty Images/Francois-Xavier Marit

KOMMENTAR von Hannes Wolf


3-X-3-BASKETBALL
„Bei Olympia 2024 begeis-
terten die 3-x-3-Basketbal-
lerinnen nicht nur wegen
ihrer Goldmedaille. Die
Spiele wurden von vielen
Menschen verfolgt, weil sie schnell und
intensiv waren. 3 vs 3 mit wechselndem
Angriffsrecht und Shotclock (12 Sekun-
den) ist geprägt von direkten Duellen und
zielstrebigen Aktionen. Das wünschen wir
uns auch im Fußballtraining: Kleine Spiel-
formen auf ein Tor und mit einer Shot-
clock sollten strategischer Teil des Fuß-
balltrainings über alle Altersklassen sein!“

Foto: Conny Kurth


SPIELFORMEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 25

4 GEGEN 4 MIT DREHENDEM


ANGRIFFSRECHT
ORGANISATION
> Ein 20 x 20 Meter großes Feld mit einer 5 Meter
tiefen „Eröffnungszone“ (gelb) sowie 1 Tor mit
Torhüter markieren.
> 2 Teams à 4 Spieler bilden.
> Der Trainer steht mit einem Balldepot neben
dem Feld.

ABLAUF
> Nach einem Dribbling in die Eröffnungszone
erhält das jeweilige Team das Angriffsrecht auf
das Tor mit Torhüter.
> Gelingt es den Verteidigern, den Ball zu erobern,
so versuchen sie, in die Eröffnungszone zu
kontern, um so ihrerseits das Angriffsrecht auf
das Großtor zu erhalten.

KOMMENTAR von Peter Hermann


KICKEN WIE FRÜHER
„So haben wir früher auf
dem Bolzplatz gespielt.
Die Spieler lernen das
schnelle Umschalten. Die
Regeln können auch
verändert werden, sodass z. B. ohne
Zone sofort auf das Tor angegriffen
werden darf.“

Foto: DFB/Thomas Boecker

KOMMENTAR von Hannes Wolf


FÜR ALLE BEDINGUNGEN GEEIGNET
„Diese Form lässt sich auf ganz kleinem Raum
umsetzen, sodass sie selbst auf einem Viertelfeld
zwei Mal aufgebaut werden kann. Selbst ohne Tor-
hüter und auf Minitore lässt sie sich organisieren.“
26 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND SPIELFORMEN

3 GEGEN 3 MIT DREHENDEM


ANGRIFFSRECHT MIT ANSPIELER
ORGANISATION
> Ein 25 x 25 Meter großes Feld mit einer
Abseitslinie 15 Meter vor dem Tor mit Torhüter
markieren.
> 2 Teams à 3 Spieler bilden und 1 Anspieler
(hier: Gelb) an der Grundlinie postieren.

ABLAUF
> Nach einem Zuspiel zum Anspieler erhält das
jeweilige Team das Angriffsrecht auf das Tor mit
Torhüter.
> Dabei in Richtung Tor mit Abseits spielen.
> Gelingt es den Verteidigern, den Ball zu erobern,
so kontern sie zur anderen Seite und versuchen
ebenfalls, zum Anspieler zu passen, um ihrerseits
das Angriffsrecht auf das Großtor zu erhalten.

VARIATIONEN
> 6 Spieler: Anstelle des Anspielers mit Dribbellinie
spielen.
> Ohne Abseits spielen.

KOMMENTAR von Lars Bender


PROBLEMLÖSER-TRAININGSFORM
„Mit dieser Spielform wird
für viele Jugendtrainer
ein Problem gelöst, denn
häufig hat man nur einen
Torhüter zur Verfügung
und keine Minitore. So wird trotz nicht
optimaler Voraussetzungen intensiv
gespielt. Sie enthält viel Bewegung und
Action, aber auch den Umschalt-
moment beim Wechsel des Angriffs-
rechts. Zudem schult sie den Spiel-
aufbau gegen ein hohes Pressing, wenn
in Richtung Anspieler angegriffen wird,
und das Spiel im letzten Drittel, wenn es
in Richtung Tor geht. Und all das
geschieht weitgehend intuitiv ohne
Coaching.
Der Feldaufbau mit der Abseitslinie
ermöglicht das Spiel in die Tiefe mit
und ohne Ball. Die Variationsmöglich-
keiten sind vielfältig, sodass diese Form
mit kleinen Veränderungen nie lang-
weilig wird.“

Foto: Conny Kurth


SPIELFORMEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 27

EXEMPLARISCHES NUTZEN VON 2 FELDERN BEI 14 FELDSPIELERN UND 2 TORHÜTERN

3 GEGEN 3 MIT DREHENDEM ANGRIFFSRECHT MIT ANSPIELER


ORGANISATION
> Zwei 22 x 25 Meter große Felder mit je 1 Tor mit Torhüter markieren.
> Je 2 Teams à 3 Spieler bilden und je 1 Anspieler (hier: Gelb) an der
Grundlinie postieren.
> Ausreichend Bälle in den Toren bereitlegen.

ABLAUF
> jeweils 3 gegen 3 im Feld
> Nach einem Zuspiel zum Anspieler erhält das jeweilige Team das
Angriffsrecht auf das Tor mit Torhüter.
> Dabei in Richtung Tor mit Abseits spielen.
> Gelingt es den Verteidigern, den Ball zu erobern, so kontern sie zur
anderen Seite und versuchen ebenfalls, zum Anspieler zu passen, um
ihrerseits das Angriffsrecht auf das Großtor zu erhalten.

KOMMENTAR von Hannes Wolf


LÖSUNGEN STATT AUSREDEN
„Diese Spielform ist ein gutes Beispiel, um das
Prinzip der Trainingsphilosophie Deutschland zu
verdeutlichen: Bei 14 Spielern und 2 Torhütern
würden viele Trainer im 7 gegen 7 auf zwei Tore
spielen.
Um jedoch die Aktionsdichte zu erhöhen und in kleinen Spiel-
formen zu trainieren, ergibt es Sinn, das 3 gegen 3 auf ein Tor mit
wechselndem Angriffsrecht mit Anspieler doppelt aufzubauen.
Das lässt sich sogar problemlos auf einem Viertel des Platzes
organisieren. Mit dem kleinen Unterschied, dass das Feld etwas
kürzer ist, damit die Anspieler ausreichend Platz haben – und das
mit einem sehr geringen Materialaufwand. Stellt der Trainer sich
zwischen deren Grundlinien, hat er beide Felder bestens im Blick.
Diese Form bietet also nicht nur bei ungeraden Spielerzahlen und
einem Torhüter Vorteile.
Denken wir es noch größer, z. B. bei einer B- oder A-Jugend, wo es
ein realistisches Szenario ist, mit 21 Spielern und 3 Torhütern zu
trainieren, bauen wir dieses Feld dreimal auf und haben somit
eine pragmatische Lösung, die Nettospielzeiten pro Spieler zu
erhöhen. Denn große Kader in diesen Altersklassen sind Norma-
lität. Das unterstreicht, wie wichtig es ist, in mehreren Feldern zu
trainieren.“

Foto: Getty Images/Stringer


28 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND SPIELFORMEN

FUNINO IM 2 GEGEN 2 MIT ANSPIELER UND


DREHENDEM ANGRIFFSRECHT
ORGANISATION
> Ein 25 x 18 Meter großes Feld mit Mittellinie und
2 Minitoren auf einer Grundlinie markieren.
> 2 Teams à 2 Spieler bilden und 1 Anspieler
(hier: Gelb) an der anderen Grundlinie postieren.
> Bälle zwischen den Toren bereitlegen.

ABLAUF
> Nach einem Zuspiel zum Anspieler erhält das
jeweilige Team das Angriffsrecht auf die Minitore.
> Dabei in Richtung Minitore mit Abseits spielen.
> Gelingt es den Verteidigern, den Ball zu erobern,
so kontern sie zur anderen Seite und versuchen
ebenfalls, zum Anspieler zu passen, um ihrerseits
das Angriffsrecht auf die Minitore zu erhalten.

VARIATIONEN
> Anstelle des Anspielers mit Dribbellinie spielen
(siehe Abbildung unten).
> Ohne Abseits spielen.

KOMMENTAR von Hannes Wolf


FLEXIBILITÄT FÜR JEDE SITUATION
„Diese Spielform löst
viele Probleme und
bietet Flexibilität für alle
erdenklichen Vorausset-
zungen, wenn man keine
vier Minitore hat. Sie kann mit einem
kleinen Kniff – der Dribbellinie – an
gerade und ungerade Spielerzahlen
angepasst werden.“

Fotos: regios24/Darius Simka


SPIELFORMEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 29

4 PLUS TW GEGEN 4 PLUS ANSPIELER


ORGANISATION
> Einen doppelten Strafraum mit 1 Tor mit Torhüter
sowie 2 Minitoren markieren.
> 2 Teams à 4 Spieler bilden und 1 Anspieler
bestimmen.
> Den Anspieler mit Bällen am Mittelkreis
postieren.

ABLAUF
> Der Anspieler eröffnet mit einem Flugball ins
Feld.
> anschließend freies Spiel
> Nach jedem Treffer oder Ball im Aus eröffnet der
Anspieler usw.
> Nach einiger Zeit die Aufgaben tauschen.

VARIATION
> Geht der Ball ins Aus oder wird ein Treffer erzielt,
mit einer seitlichen Standardsituation (Ecke,
Einwurf, Freistoß) weiterspielen.

KOMMENTAR von Daniel Stredak


WEITRÄUMIGE AKTIONEN ERGÄNZEN
„Durch die Spieleröffnung per Flugball kommt die
Weiträumigkeit hinzu, die in den kleinen Spielformen oft
weniger vorhanden ist. Man kann den Flugball auch aus
unterschiedlichen Positionen spielen oder ihn durch
eine Flanke von einem seitlichen Anspieler ersetzen.“
30 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND SPIELFORMEN

GLEICHZAHLSPIELE
Erhöhung der Komplexität durch mehr Passoptionen

Der Schlüssel zu einem guten Training ist eine ausgewogene Rezeptur. Gleichzahl-
spiele mit Anspielern sind wichtig, weil sie andere Inhalte als reine Gleichzahlspiele
akzentuieren. Sie bieten durch die „lebendige Bande“ einen veränderten Spiel-
rhythmus. Zudem erhöhen sie die Weiträumigkeit des Spiels und fordern zahlreiche
Kopf- und Körperdrehungen aller beteiligten Spieler. Der Mix ist letztlich entschei-
dend, um Freude, Intensität und Wiederholung zu erzeugen.

ANSPIELER ERWEITERN DAS INHALTLICHE SPEKTRUM DER GLEICHZAHLSPIELE


Die Vorteile der Gleichzahlspiele vom 1 gegen 1 bis zum 4 gegen 4 haben wir im vorangegangenen
Kapitel bereits ausführlich erläutert: Mit vielen direkten Duellen forcieren sie die Entwicklung der
individuellen Qualitäten in Offensive und Defensive. Schließlich sind die Spielerinnen und Spieler in
diesen Formen permanent gefordert, Zweikämpfe zu suchen und zu führen.

Gleichzahlspiele mit Anspielern erweitern dieses Inhaltsspektrum und schließen zusätzlich Weit-
räumigkeit, permanentes Blickverhalten und viele Drehungen ein. Zudem lassen die Anspieler als
„lebende Bande“ den Spielrhythmus steigen und erhöhen auch die Häufigkeit von Flanken und
Hereingaben sowie damit auch von Kopfbällen und der Boxverteidigung vor dem Tor.

Gleichzahlspiele mit Anspielern bieten sich zudem auch deshalb besonders für das Training an, weil
mehrere Spieler gleichzeitig „beschäftigt“ sind, aber insbesondere Schwerpunkte abgedeckt
werden, die sonst schwer zu provozieren sind. In der Offensive sind hier in Bezug auf individuelle
Verhaltensweisen das Vertikalspiel, das Klatschenlassen, das Flankenschlagen und das Verwerten
von Hereingaben sowie in der Gruppentaktik das Spiel über den Dritten und die Boxbesetzung zu
nennen. Dem stehen in der Defensive die jeweiligen Gegenmaßnahmen gegenüber.
SPIELFORMEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 31

Foto: Conny Kurth

MIT ANSPIELERN

DER MIX MACHT ES


„Wir benötigen eine Trainingsrezeptur, aus
der wir ausgewogen auswählen können.
Gleichzahlspiele decken nicht alles ab, genau-
so wie Gleichzahlspiele mit Anspielern andere
Schwerpunkte vernachlässigen. Würden wir z. B. nur mit
Anspielern spielen, käme es zu wenigen Zweikämpfen, weil
der Pass überwiegend die favorisierte Lösung wäre. Wie so oft
macht es letztlich die Mischung!“

VORTEILE VON ANSPIELERN


„Beim klassischen 4 gegen 4 gibt es keine
Flanken. Durch den Einsatz von seitlichen
Anspielern entsteht die Möglichkeit zu flanken,
wodurch Stürmer, aber auch Verteidiger mit Kopf-
ballqualitäten gefördert werden. “
32 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND SPIELFORMEN

4 PLUS TW PLUS 2 GEGEN 4 PLUS TW PLUS 2


MIT DIAGONALEN ANSPIELERN
ORGANISATION
> Ein 20 x 30 Meter großes Sechseck mit 2 Toren
und Torhütern markieren.
> 2 Teams à 6 Spieler bilden.
> Je 2 Spieler an die Diagonalen in der gegne-
rischen Hälfte stellen.
> Bälle in den Toren bereitlegen.

ABLAUF
> Die Anspieler agieren mit maximal 2 Kontakten.
> Treffer können, müssen aber nicht über die
Anspieler vorbereitet werden.
> Nach einiger Zeit die Anspieler tauschen.

VARIATIONEN
> Treffer nach Vorbereitung über die Anspieler
zählen doppelt.
> Direktspiel für die Anspieler
> Mit Mittellinie und ab dort mit Abseits (auch für
die Anspieler) spielen.

KOMMENTAR von Sven Bender


ÜBERZAHL BIETET ANDERE MÖGLICHKEITEN
„Eine Spielform, bei der schnell vor das Tor gespielt
wird! Der Spaß, Tore zu erzielen, wird gefördert.
Einfache Themen, die durch eine Gleichzahl nicht so
einfach abgedeckt werden können, rücken in den
Vordergrund: Spielen-Gehen, Spiel über den Dritten,
zum Tor durchlaufen, Boxbesetzung etc. Neben der Option Dribb-
ling gibt es auch die Option Passen.
Die Kontaktbegrenzung – maximal zwei Kontakte oder Direkt-
spiel – verändert einiges. Bei zwei Kontakten erhalten die Spieler
im Feld mehr Zeit, um einzulaufen und das richtige Timing zu
finden. Beim Direktspiel wird es deutlich anspruchsvoller.
Mit Abseits zu spielen, erhöht die Aktivität und die Wahrnehmung
des Anspielers, weil er eine Linie beachten und so seine Position
entlang dieser viel häufiger anpassen muss.
KOMMENTAR von Hannes Wolf Genauso wird für das Verteidigen viel gefordert: Je näher zum Tor,
DEFENSIVE BASICS DURCH ANSPIELER desto näher am Mann. Dort verteidigen, wo es brennt, dann geht
„Die Anspieler sorgen dafür, dass die Verteidiger im es um Konsequenz und Entschlossenheit. Die Wahrnehmung und
Blickverhalten gefordert werden. Die Orientierung die Positionierung zum Ball, aber eben auch zum Gegner müssen
zu Ball und Gegner ist in Tornähe extrem wichtig. stimmen.
Das geschieht im Spiel zwar seltener, aber es fällt Die Menge an Informationen, die der Verteidiger aufnehmen
häufig ein Tor, wenn man hier einen Fehler begeht. muss, kann man kaum besser abbilden als in dieser Spielform.
Diese Situation wird in dieser Form sehr oft trainiert.“ Und wenn es mal nicht gelingt, besteht kurz danach sicher wieder
die Chance, es besser zu machen. Das geschieht in so kurzen
Abständen, dass gar kein Coaching notwendig ist.“
SPIELFORMEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 33

3 PLUS TW PLUS 2 GEGEN 3 PLUS TW PLUS 2


MIT ANSPIELERN NEBEN DEM TOR
ORGANISATION
> Ein 20 x 30 Meter großes Sechseck mit 2 Toren
und Torhütern markieren.
> 2 Teams à 5 Spieler bilden.
> Je 2 Spieler neben das gegnerische Tor stellen.
> Bälle in den Toren bereitlegen.

ABLAUF
> Die Anspieler agieren mit maximal 2 Kontakten.
> Treffer können, müssen aber nicht über die
Anspieler vorbereitet werden.
> Nach einiger Zeit die Anspieler tauschen.

VARIATIONEN
> Treffer nach Vorbereitung über die Anspieler
zählen doppelt.
> Den „Korridor” neben den Toren vergrößern.
> In einem Rechteck spielen.
> Direktspiel für die Anspieler

KOMMENTAR von Sven Bender


DIE POSITION DER ANSPIELER VERÄNDERT DETAILS
„Die Verteidiger haben Gegenspieler im Feld und müs-
sen darüber hinaus den Tiefenpass zum Anspieler unter-
binden. Positionierung und Wahrnehmung sind anders
als bei diagonalen Anspielern, weil der Ball in ihren
Rücken geht. Auch ihre Drehbewegungen ändern sich.
Für die Offensive sind es hingegen genau die Pässe, die es braucht,
um das Spiel zu beschleunigen. Diese Dynamik muss dann mit
Anschlussaktionen ohne Ball aufrechterhalten werden. Es geht hin
und her mit hohen Wiederholungszahlen. Abschalten ist in allen
Spielphasen verboten!“

KOMMENTAR von Hermann Gerland


TORE MIT ANSPIELERN SIND
LEICHTER
„Entgegen der gängigen
Meinung, dass Tore nach
einem Zusammenspiel mit
dem Anspieler mehrfach
gewertet werden, würde ich
es genau umgekehrt machen. Denn in solch
einer Spielform „normale“ Tore zu erzielen,
ist viel schwieriger, als die helfenden
Anspieler einzubinden.“

Fotos: Conny Kurth


34 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND SPIELFORMEN

4 PLUS TW PLUS 2 GEGEN 4 PLUS TW PLUS 2


MIT ANSPIELERN ZUM FLANKEN
ORGANISATION
> Ein 20 x 40 Meter großes Sechseck mit 2 Toren
und Torhütern markieren.
> 2 Teams à 6 Spieler bilden.
> Je 2 Spieler an die Diagonalen in der gegnerischen
Hälfte stellen.
> Bälle in den Toren bereitlegen.

ABLAUF
> Mit Abseits (auch für die Anspieler) spielen.
> Treffer können, müssen aber nicht über die
Anspieler vorbereitet werden.
> Die Anspieler müssen nach maximal zwei
Kontakten zielgerichtet flanken.
> Nach einiger Zeit die Anspieler tauschen.

VARIATION
> Treffer nach Vorbereitung über die Anspieler
zählen doppelt.

KOMMENTAR von Hannes Wolf


KLEINE SPIELFORMEN HABEN
GRENZEN
„Es gibt natürlich nicht nur flache,
sondern auch hohe Flanken. Hier
stehen die Anspieler weiter
draußen. Eine tolle Form, um
Flanken zu trainieren und gegen
Foto: Conny Kurth

sie zu verteidigen. In Deutschland haben wir


bekanntlich die „Problempositionen“ Außen-
verteidiger und -spieler, aber auch Stürmer. Hier
werden sie entwickelt.
Doch zusätzlich muss es auch ohne Gegner-
KOMMENTAR von Sven Bender druck geübt werden. Spielen allein reicht nicht
(GEMEINSAM) EINLAUFEN aus. Das erfolgt dann im Zwischenblock der
„Die Flankenart ändert sich im Vergleich zu den vor- Trainingsphilosophie Deutschland. Dort kom-
herigen Formen, weil es auch mal zu hohen Flanken men wir auf sehr hohe Wiederholungszahlen,
kommt. Das Einlaufverhalten der Offensivspieler die für diese Positionen geradezu ideal sind.
muss stimmen, insbesondere das Timing. Sie sollen Denn Flanken zu schlagen und zu verwerten, ist
„in den Ball laufen“, statt zu früh vor dem Tor zu sehr schwer und muss demnach auch häufig
stehen. Aber es geht nicht nur um den Einzelnen, sondern auch um geübt werden.“
das gemeinsame Agieren, denn schließlich müssen alle Positionen
in der Box besetzt sein. Im Spiel kommt diese Situation nicht sehr
häufig vor, allerdings kann sie dann spielentscheidend sein. In
dieser Spielform wird sie mit hoher Wiederholungszahl trainiert.
Und wenn man es häufig macht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass
die Qualität der Aktionen steigt.“
SPIELFORMEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 35

1 4 PLUS TW GEGEN 4 PLUS TW PLUS


FLANKENGEBER
ORGANISATION UND ABLAUF
> Einen doppelten Strafraum mit
2 Toren und Torhütern markieren.
> 2 Teams à 5 Spieler bilden.
> Je 1 Flankengeber an eine Seitenlinie in der
gegnerischen Hälfte stellen.
> Bälle in den Toren bereitlegen.
> Der Torhüter eröffnet mit einem Abwurf zum
Flankengeber, der hereingibt.
> anschließend freies Spiel
> Geht der Ball ins Aus oder wird ein Treffer erzielt,
eröffnet der jeweilige Torhüter der Ballbesitzer.

VARIATIONEN
> Der Flankengeber hat den Ball bereits am Fuß
und flankt nach einem Treffer oder Ausball in die
unorganisierte Abwehr.
> Geht der Ball ins Aus oder wird ein Treffer erzielt,
mit einer seitlichen Standardsituation (Ecke,
Einwurf, Freistoß) weiterspielen.
> Die Flankengeber stehen jeweils neben dem
eigenen Tor und eröffnen das Spiel mit einem
KOMMENTAR von Hannes Wolf Chipball ins Zentrum (siehe Abbildung 2).
VORTEILE VON GLEICHZAHLSPIELEN MIT UND
OHNE ANSPIELER
„In den bisher vorgestellten Spielformen dürfen die
Anspieler jederzeit eingebunden werden. Das ist hier KOMMENTAR von Sandro Wagner
nicht der Fall. Das Spiel wird vom Torhüter über einen MITTELSTÜRMER FÖRDERN
Abwurf zum Flankengeber eröffnet, allerdings geht es „Um in Deutschland dauerhaft eine große Aus-
danach in ein freies 4 gegen 4, wo dann wieder die wahl an Mittelstürmern zu haben, brauchen wir
Vorteile des Gleichzahlspiels greifen, jedoch um die Kernelemente Spielformen wie diese. Da geht es um Timing im
Hereingaben und das Verwerten von Flanken ergänzt werden Einlaufverhalten, darum, sich im direkten Duell
Die Ausgangssituation bietet dabei viel Spielraum – von der Eröff- zu behaupten und auch mal mit den Armen zu
nung neben dem Tor als Chipball, einem diagonalen Flugball als auch arbeiten, damit sich kleine, aber entscheidende Räume öffnen.
durch einen Einwurf oder Eckball.“ Das sind Details, die nichts mit „Schema F“ zu tun haben,
sondern sich aus Erfahrungswerten in Training und Spiel
2 entwickeln.“

KOMMENTAR von Sven Bender


ABFRAGE VIELER TECHNISCHER DETAILS
„Im Nachwuchsfußball ist das Nutzen beider Füße
elementar, weil es auf steigendem oder mit steigendem
Niveau enorm wichtig wird, dass man in seinen Lösun-
gen nicht eingeschränkt ist.
Der gelungene erste Kontakt zur Flankenvorbereitung
ist die Grundvoraussetzung für eine gute Hereingabe. Wenn die Spiel-
richtung gewechselt wird, ist der Anspieler gezwungen, den anderen
Fuß zu nutzen. Genauso kann eingefordert werden, dass Flanken zum
oder vom Tor weg geschlagen werden. Viele technische Details für
einen Außenspieler werden in dieser Spielform abgefragt.“
36 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND SPIELFORMEN

FUNINO IM 3 GEGEN 3 MIT ANSPIELER


ORGANISATION
> Ein 20 x 18 Meter großes Feld mit zwei 5 Meter
tiefen Abschlusszonen und je 2 Minitoren auf
den Grundlinien markieren.
> Zwischen den Toren je ein Balldepot errichten.
> Der Trainer steht mit Bällen neben dem Feld.
> 2 Teams à 4 Spieler bilden.
> Je 1 Spieler zwischen den Minitoren postieren.

ABLAUF
> Der Anspieler agiert mit maximal 2 Kontakten
oder im Direktspiel.
> Treffer zählen nur innerhalb der Abschlusszonen.
> Der Trainer spielt nach Seitenaus ein, ansonsten
bedienen sich die Spieler eigenständig aus dem
jeweiligen Balldepot.
> Die Anspieler nach einiger Zeit tauschen.

VARIATIONEN
> Treffer nach Vorlage des Anspielers zählen
doppelt.
> Ohne Abschlusszonen spielen.
KOMMENTAR von Hannes Wolf > Mit Abseits spielen.
SPIELINTELLIGENZ FÖRDERN > Eine Mittellinie markieren: Treffer zählen nur in
„Der Trainer wird schnell merken, dass das ballbe- der gegnerischen Hälfte.
sitzende Team vertikal spielen will und vom Spiel lernt –
ganz ohne Coaching. Denn das Spiel in die Tiefe muss
situativ auch Sinn ergeben, weil der Anspieler weitere
Passoptionen benötigt. Die Spieler lernen demnach,
eine Spielsituation zu lesen und gute Entscheidungen zu treffen.
Bei den Verteidigern fällt auf, dass sie ihr Abwehrverhalten aufgrund
des Anspielers im Rücken verändern. Es wird nicht mehr „stumpf“
attackiert, sondern mit Bedacht.“

KOMMENTAR von Sven Bender


UNBEWUSSTE LERNERFOLGE
„Ich kannte diese Variante früher nicht und habe sie
demnach auch nicht gespielt. Ich finde sie gut, weil sie
sehr spielnah ist. Man muss gar nicht explizit darauf hin-
weisen: Das Suchen und Erkennen des Überzahlspie-
lers, das Nachgehen und das Spiel über den Dritten wer-
den unbewusst trainiert. Wir entwickeln so wieder Stürmer, die mit
dem Rücken zum Tor agieren können. Die Spieler werden den Vorteil
ganz schnell erkennen.
Die Verteidiger hingegen lernen, dass sie sich nicht in jeden Zwei-
kampf stürzen dürfen, weil auch der tiefe Pass verhindert werden
muss. Das ist im Gleichzahlspiel ganz anders. Die Vielfältigkeit des
Funino-Feldes ist enorm, sodass nie Langeweile entsteht, weil die
kleinen Anpassungen große Veränderungen im Spielverhalten her-
beiführen.“

Foto: Conny Kurth


SPIELFORMEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 37

3 PLUS 2 DIAGONALE ANSPIELER GEGEN 3 PLUS TW


PLUS 1 ANSPIELER
ORGANISATION
> Ein 20 x 25 Meter großes Sechseck mit 1 Tor und Torhüter sowie
2 Minitoren markieren.
> 1 Team à 5 Spieler (Blau) und 1 weiteres à 4 Spieler (Rot) bilden.
> Je 2 Spieler Blau an die Diagonalen in der gegnerischen Hälfte
und 1 Spieler Rot zwischen die Minitore stellen.
> Bälle im Tor und zwischen den Minitoren bereitlegen.

ABLAUF
> Blau greift auf das Großtor und Rot auf die Minitore an.
> Die Anspieler agieren mit maximal 2 Kontakten.
> Treffer können, müssen aber nicht über die Anspieler
vorbereitet werden.
> Nach einiger Zeit die Anspieler und Aufgaben tauschen.

KOMMENTAR von Hannes Wolf


SPIELFORMEN KOMBINIEREN –
FLEXIBILITÄT ERLANGEN
„Eine Spielform im Hybrid-Feld kombiniert zwei
Formate, sodass der Coach flexibler auf seine Trai-
ningsbedingungen reagieren kann. Das kann eine
Kombination aus Gleichzahlspielen mit und ohne
Anspieler sein, genauso wie mit Funino-Spielen
usw. Das bietet weitere, nahezu unbegrenzte Möglichkeiten der
Trainingsformen-Erstellung. Denn vor allem die Spieler- und
Torhüteranzahl und die zur Verfügung stehenden Tore bedürfen
eben genau dieser Flexibilität, wodurch das so wichtige Trainieren
auf mehreren Feldern durchgeführt werden kann. Jeder ist damit
in der Lage, aus dem Spielformen-Pool seine eigene zu mixen.”

Foto: Nils Eden

3 GEGEN 3 MIT DREHENDEM ANGRIFFSRECHT PLUS


2 DIAGONALE ANSPIELER
ORGANISATION
> Ein 20 x 25 Meter großes Sechseck mit 1 Tor und neutralem
Torhüter markieren.
> 2 Teams à 3 Spieler bilden und 2 diagonale Anspieler bestimmen.
> Der Trainer steht mit Balldepot neben dem Feld.

ABLAUF
> Nach einem Dribbling über die Grundlinie erhält das jeweilige
Team das Angriffsrecht und behält es solange, bis es sich das
andere erspielt oder nach Ball im Aus.
> Nach einem Ballgewinn kontern die Verteidiger über die Grund-
linie und erhalten damit das Angriffsrecht.
38 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND SPIELFORMEN

Foto: Conny Kurth


SPIELFORMEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 39

EINE LINIE VERTEIDIGEN


UND BESPIELEN
Gruppentaktisches Verhalten in kleinen Spielformen

Unsere Spielformen zum Bespielen und Verteidigen einer Linie sind ideal dafür geeignet,
die gruppentaktischen Grundlagen in der Offensive und der Defensive zu vermitteln.
Darüber hinaus lassen sich durch kleine Veränderungen unterschiedliche Details pointieren.

TAKTISCHE BASICS IN KLEINEN SPIELFORMEN LINIE VERTEIDIGEN/BESPIELEN


Spätestens ab dem Alter der D-Junioren sollte ein geplantes, zielgerich- In Spielformen, bei denen die Verteidiger auf einer vorgegebenen Linie
tetes und akzentuiertes Fußballspielen eingeplant werden, das konkrete agieren oder das Überdribbeln der Mittellinie unterbinden müssen,
Ausbildungsschwerpunkte ansteuert. können auch gruppentaktische Verhaltensweisen in Offensive und Defen-
c Alle Spielformen sollen dabei darauf ausgerichtet sein, welche kon- sive geschult werden, ohne dabei den vorstehend beschriebenen Kern
kreten Fähigkeiten die Spielerinnen und Spieler im Spiel benötigen. der Trainingsphilosophie Deutschland aus den Augen zu verlieren.
c Es gilt, über die Spielorganisation und ggf. einige Zusatzregeln gezielt Im Offensivspiel geht es hauptsächlich darum, dass die Spieler lernen,
Schwerpunkte zu pointieren. unter Berücksichtigung der Abseitsregel die Tiefe mit und ohne Ball zu
c Dabei stets in kleinen Teams spielen und trainieren! „bedrohen“. In der Defensive werden hingegen die Grundlagen des Vertei-
Unterschiedliche Variationen des 4 gegen 4 sind ideale Spielformen, um digens auf einer Linie vermittelt: das Verschieben, das Herausrücken und
diese Zielsetzungen bestmöglich zu gewährleisten. Sie orientieren sich an das Absichern.
der freien Spielwelt der Kinder und Jugendlichen sowie am früheren
Straßenfußball. In einer überschaubaren Spielumgebung vermitteln diese Kleine Stellschrauben – große Wirkung
Formate alle Basiselemente des „großen“ Fußballs im 11 gegen 11, ohne Mit Hilfe von kleinen Veränderungen der Feldgröße und -form oder dem
dabei jedoch durch überdimensionierte Spielfeld- oder Teamgrößen zu Verschieben der Abseitslinie weiter nach vorn oder hinten können zudem
überfordern. unterschiedliche Details akzentuiert werden.
40 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND SPIELFORMEN

4 GEGEN 4 AUF LINIE VERTEIDIGEN


ORGANISATION
> Einen doppelten Strafraum mit Mittellinie und
1 Tor mit Torhüter sowie 3 Minitoren markieren.
> 2 Teams à 4 Spieler bilden.
> Der Trainer steht mit Bällen neben dem Feld.

ABLAUF
> Mit Abseits spielen.
> Die Verteidiger agieren auf der Mittellinie, wobei
jeweils einer herausrücken darf.
> Gelingt es den Verteidigern, den Ball zu erobern,
so wird 20 (30) Sekunden frei und ohne Abseits
im 4 gegen 4 weitergespielt.

VARIATION
> Auf je 2 Minitore spielen.

KOMMENTAR von Hermann Gerland


TAKTISCHE DEFENSIVBASICS
„So wird in der Bundesliga verteidigt. Louis van Gaal hat immer
gesagt, dass drei Spieler eine Linie verteidigen können, sodass einer
immer herausrücken darf. Die anderen schließen die Mitte, weil dort
das Tor steht.“

Fotos: Conny Kurth

KOMMENTAR von Peter Hermann


TIEFE BEDROHEN
„Eine taktische Übung, mit der man die Viererkette trainiert. Es wird
viel vermittelt: Verschieben, Übergeben-Übernehmen, Kommuni-
kation usw. Offensiv wird das Binden von Gegnern und das Anlaufen
freier Räume unter Berücksichtigung von Abseits trainiert.“
SPIELFORMEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 41

4 GEGEN 4 AUF LINIE VERTEIDIGEN (BREIT)


ORGANISATION
> Ein 30 x 45 Meter großes Sechseck mit Mittel-
linie und 2 Toren mit Torhütern markieren.
> 2 Teams à 4 Spieler bilden.
> Der Trainer steht mit Bällen neben dem Feld.

ABLAUF
> Mit Abseits spielen.
> Die Verteidiger agieren auf der Mittellinie, wobei
jeweils einer herausrücken darf.
> Gelingt es den Verteidigern, den Ball zu erobern,
so wird 20 (30) Sekunden frei und ohne Abseits
im 4 gegen 4 weitergespielt.

VARIATIONEN
> Auf 1 Großtor und 2 Minitore spielen.
> Auf je 2 Minitore spielen.

KOMMENTAR von Hannes Wolf


MEHR 1 GEGEN 1 AM FLÜGEL DURCH
BREITES FELD
„Durch das breitere Feld provozieren wir noch mehr
1-gegen-1-Duelle von außen, weil die Verteidiger
natürlich mehr Raum abdecken müssen und ins-
besondere bei schnellen Verlagerungen schwerer Druck auf den
Ballbesitzer erzeugen können. Das sind kleine Stellschrauben, mit
denen jedoch andere, wichtige Schwerpunkte akzentuiert werden
können.“

KOMMENTAR von Hanno Balitsch


VAKANZ FLÜGELSPIELER
„Der offensive Flügelspieler ist eine Position, in der
wir es in den vergangenen Jahren zu selten
geschafft haben, Spieler mit internationalem
Niveau auszubilden. Deswegen müssen wir das
1 gegen 1 wieder stärker in den Fokus rücken, damit
Deutschland zukünftig dort Talente hervorbringt,
die mit Tempo und Kreativität den Unterschied machen.“
42 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND SPIELFORMEN

3 GEGEN 3 PLUS TW AUF LINIE


VERTEIDIGEN
ORGANISATION
> Ein 25 x 20 Meter großes Feld mit Mittellinie und
1 Tor mit Torhüter sowie 2 Minitoren markieren.
> 2 Teams à 3 Spieler bilden.
> Der Trainer steht mit Bällen neben dem Feld.

ABLAUF
> Mit Abseits spielen.
> Die Verteidiger agieren auf der Mittellinie, wobei
jeweils einer herausrücken darf.
> Gelingt es den Verteidigern, den Ball zu erobern,
so wird 20 (30) Sekunden frei und ohne Abseits
im 3 gegen 3 weitergespielt.

KOMMENTAR von Daniel Stredak


DIE BEDEUTUNG VON HYBRIDFELDERN
„Hybridfelder sind für uns elementar in der tägli-
chen Arbeit. Wenn wir mit kleinen Teams auf meh-
reren Feldern spielen wollen, brauchen wir flexible
Feldformate. Bei zwei „klassischen“ Feldern auf je
2 Tore bräuchte man sonst schon jeweils vier Tore
und Torhüter, was kaum jemand zur Verfügung hat.
Bei großen Kadern kann teilweise sogar ein drittes Feld sinnvoll
sein, sodass es noch unrealistischer wird. Mit drei Hybridfeldern
ließe sich hingegen ein super Training anbieten.“

Fotos: Conny Kurth


SPIELFORMEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 43

5 PLUS TW GEGEN 5 PLUS TW AUF LINIE


VERTEIDIGEN
ORGANISATION
> Ein 25 x 50 Meter großes Feld mit 2 Toren und
Torhütern sowie einer Abseitslinie markieren.
> 2 Teams à 5 Spieler bilden.
> Das angreifende Team agiert im 2-3-, das ver-
teidigende im 4-1-System.
> Der Trainer steht mit Balldepot neben dem Feld.

ABLAUF
> Mit Abseits spielen.
> Die Verteidiger agieren auf der Abseitslinie,
wobei jeweils einer zusätzlich zum Sechser
herausrücken darf.
> Gelingt es den Verteidigern, den Ball zu erobern,
so wird 20 (30) Sekunden frei und ohne Abseits
im 5 gegen 5 weitergespielt.

VARIATION
> Die Abseitslinie tiefer/höher markieren.
Dementsprechend gilt es, die Feldtiefe
anzupassen.

KOMMENTAR von Hannes Wolf


SPIELNÄHE UND POSITIONSSPEZIFIK
„Die kleineren, freien Spielformen sind häufig etwas wild.
Die Linienspiele haben einen anderen Charakter, weil sie
organisierter und positionsspezifischer sind. Offensiv
können in dieser Form Achter, Flügelspieler und Stürmer
geschult werden, wohingegen defensiv die Viererkette
plus ein Sechser trainiert werden kann. So werden alle
Positionen aus dem 4-3-3 gecoacht.“

KOMMENTAR von Sven Bender


DIE HÖHE DER ABSEITSLINIE DEFINIERT DAS
VERTEIDIGUNGS- UND ANGRIFFSVERHALTEN
„Mit dem Verändern der Höhe der
Abseitslinie können wir das Vertei-
digungsverhalten stark beeinflussen.
Wird sie nah vor dem eigenen Tor
markiert, wird das Blocken und Tor-
verteidigen akzentuiert, wohingegen in der Offensive
das sofortige Nutzen von kleinsten Schussgelegen-
heiten in den Vordergrund rückt. Je weiter sie nach
vorne geschoben wird, desto mehr rückt das Ver-
teidigen des Raumes im Rücken in den Fokus und
umgekehrt in der Offensive die Tiefenläufe. Das Ver-
teidigen im Verbund bleibt in jeder Höhe jedoch stets
das Kernelement.“
44 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND SPIELFORMEN

3-GEGEN-3-LINIENDRIBBLING I
ORGANISATION
> Ein 20 x 18 Meter großes Feld mit Mittellinie und
je 2 Minitoren auf den Grundlinien markieren.
> Zwischen den Toren ein Balldepot errichten.
> Der Trainer steht mit Bällen neben der Mittellinie.
> 2 Teams à 3 Spieler bilden.

ABLAUF
> 3 gegen 3
> Das Überdribbeln der Mittellinie ergibt 1 Punkt
(maximal 1-mal pro Ballbesitzphase).
> Treffer zählen ebenfalls einfach.
> Geht der Ball ins Seitenaus, so spielt der Trainer
ein. Ansonsten bedienen sich die Spieler eigen-
ständig aus dem jeweiligen Balldepot.

VARIATIONEN
> Eine Abschlusszone markieren, aus der Treffer
erzielt werden müssen.
> Das Überspielen der Mittellinie ergibt 1 Punkt.
> Mit Abseits spielen.

KOMMENTAR von Hannes Wolf


GRUPPENTAKTISCHES VERHALTEN EINFACH ORGANISIERT
„Defensiv entsteht gruppentaktisches Verhalten, ohne
die Spieler konkret anzuleiten. Sie kommen von allein
auf tolle Ideen. So hat Hanno Balitsch mit seiner Mann-
schaft erlebt, dass z. B. zwei Spieler die Linie verteidigen
und einer davor presst. Dank der Vorgabe stellen sie
sich nicht in die Tore, was es extrem erschweren würde,
Treffer zu erzielen. Es kommt zu vielen frontalen 1-gegen-1-Situa-
Fotos: Conny Kurth tionen. Wichtig ist, dass der Trainer bei solchen Spielformen Geduld
mitbringt. Es sieht zu Beginn vermutlich nicht gut aus, aber je öfter
man es macht, desto besser wird es.“
SPIELFORMEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 45

3-GEGEN-3-LINIENDRIBBLING II
ORGANISATION
> Ein 20 x 18 Meter großes Feld mit Mittellinie und
je 2 Minitoren auf den Grundlinien markieren.
> Die Mittellinie dreiteilen.
> Zwischen den Toren ein Balldepot errichten.
> Der Trainer steht mit Bällen neben der Mittellinie.
> 2 Teams à 3 Spieler bilden.

ABLAUF
> 3 gegen 3
> Das Überspielen oder -dribbeln der Zentrumlinie
(maximal 1-mal pro Ballbesitzphase) ergibt
1 Punkt.
> Treffer zählen ebenfalls einfach.
> Geht der Ball ins Seitenaus, so spielt der Trainer
ein. Ansonsten bedienen sich die Spieler eigen-
ständig aus dem jeweiligen Balldepot.

VARIATIONEN
> Eine Abschlusszone markieren, aus der Treffer
erzielt werden müssen.
> Das Überdribbeln der Mittellinie ergibt 2 Punkte.
> Mit Abseits spielen.
KOMMENTAR von Daniel Stredak
DIE VORSTUFE VON LINIEN VERTEIDIGEN UND BESPIELEN
„Durch die Zentrumlinie forcieren wir automatisch das
Verteidigen des Zentrums. Die innere Linie wird
geschlossen und es wird versucht, den Gegner außen zu
halten. Das sind elementare Fähigkeiten in der Defen-
sive. Dieses Steuerungsmittel kann auch in anderen
Spielformen problemlos eingebaut werden.“
46 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND SPIELFORMEN

ÜBER-/
UNTERZAHLSPIELE
Das Pass- und Zusammenspiel akzentuieren
SPIELFORMEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 47

Über-/Unterzahlspiele akzentuieren unter anderem das Pass-


und damit das Zusammenspiel. So eröffnen sie zusätzlich zu
den bisherigen Inhaltsblöcken eine weitere Option, ein
abwechslungsreiches Training anzubieten.

BREIT GESTREUTE TRAININGSREZEPTUR


Der Kern der Trainingsphilosophie Deutschland ist, in kleinen Spielformen
Freude, Intensität und Wiederholung ins Training zu bringen. Im Vorder-
grund steht dabei immer das Spielen, wofür es unterschiedliche Spiel-
formate gibt, die verschiedene Schwerpunkte akzentuieren. Zusätzlich hat
der Trainer einen Werkzeugkasten an der Hand, aus dem er auf Grundlage
der Rahmenbedingungen in seinem Verein und seiner Mannschaft das
Passende auswählen kann.

ÜBER-/UNTERZAHLSPIELE
Spielformen mit einem Überzahlspieler bieten weitere Möglichkeiten,
abwechslungsreich zu trainieren. Sie fördern – mehr als die anderen
Formate – vor allem das Passspiel und sind daher Rondos ohne Spiel-
richtung vorzuziehen, weil auf Tore gespielt wird.

GANZHEITLICHES TRAINING
„Bestandteile der Trainingsphilosophie
Deutschland sind neben Gleichzahlspielen
mit und ohne Anspielern und dem Linie vertei-
digen/bespielen auch Über-/Unterzahlspiele. Zur Ganzheit-
lichkeit des Fußballs und einer ausgewogenen Trainings-
rezeptur gehört, dass wir situativ in Überzahl angreifen und in
Unterzahl verteidigen. So pointieren wir das Passspiel und
verändern die defensiven Anforderungen. Es reicht nicht, nur
einen Spieler zu verteidigen, sondern der situativ gefähr-
lichere muss verteidigt werden. Auch Defensivverhalten erfor-
dert Spielintelligenz. Die wird neben den technischen und
athletischen Fähigkeiten in diesen Spielformen geschult.“

Foto: regios24/Darius Simka


48 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND SPIELFORMEN

4 PLUS TW GEGEN 4 PLUS TW PLUS 1


ORGANISATION
> Einen doppelten Strafraum mit Mittellinie und
2 Toren mit Torhütern markieren.
> 2 Teams à 4 Spieler bilden und 1 Neutralen
bestimmen.
> Ausreichend Bälle in den Toren bereitlegen.

ABLAUF
> Der Neutrale spielt mit dem ballbesitzenden
Team zusammen und darf Tore erzielen.
> In der eigenen Hälfte mit maximal 2 Kontakten
agieren, in der gegnerischen Hälfte darf frei
gespielt werden.
> Mit Abseits spielen.

VARIATIONEN
> Das Feld auf 30 Meter Breite verengen.

KOMMENTAR von Hannes Wolf


VORWÄRTSGERICHTET ANGREIFEN –
MIT BEDACHT VERTEIDIGEN
„In der eigenen Hälfte mit zwei Kontakten zu
spielen, rückt die Bedeutung des ersten Kontakts,
das Auslösen von Dynamik durch das Passspiel und
das Nutzen des Torhüters als Überzahlspieler in den
Vordergrund. Insbesondere beim ersten Kontakt
geht es darum, den Ball nach vorn mitzunehmen, um in Richtung KOMMENTAR von Sven Bender
Tor spielen zu können. Damit einher geht folglich immer auch das DIE ZONE ENTSCHEIDET ÜBER DAS DEFENSIV -
Thema offene Stellung. VERHALTEN
Es entsteht eine andere Situation als in einem Gleichzahlspiel, „In der eigenen Hälfte muss der erste Kontakt so gut
weil nicht im 1 gegen 1, sondern in Unterzahl verteidigt werden sein, dass ich mit dem zweiten alle Optionen habe.
muss. Irgendwann muss ein Verteidiger sich von einem Gegen- Das Abwehrverhalten verändert sich je nachdem, in
spieler lösen und den „gefährlicheren“ decken. So entstehen für welcher der beiden Zonen sich der Ball befindet.
das angreifende Team durch den Überzahlspieler viele Aktionen Wenn ich weiß, dass ein Spieler nur zwei Kontakte
nach vorn. hat, kann ich aggressiver attackieren und nach vorn verteidigen. In
Genauso lässt sich eine Positionsspezifik einbauen, indem die der eigenen Hälfte muss ich etwas kontrollierter agieren.“
Innenverteidiger eher hinten agieren und die Stürmer vorn. Dann
werden sie entsprechend ihren benötigten Fähigkeiten gefördert.“

KOMMENTAR von Hermann Gerland


SPIELNAHE SITUATIONEN ABBILDEN
„Die Verteidiger müssen sich auf die Unterzahl
einstellen, denn auch im Spiel kommt es schon mal
vor, dass man in Unterzahl agieren muss, weil ein
Mitspieler nicht mitmacht oder wegen eines Platz-
verweises usw. Dann geht es eben mehr darum, ins
Verschieben zu kommen und in dem torgefährlichen Bereich
aktiv zu verteidigen.“
SPIELFORMEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 49

4 PLUS TW GEGEN 4 PLUS 1 –


TORE NUR DIREKT
ORGANISATION
> Ein 20 x 25 Meter großes Feld mit 1 Tor mit
Torhüter und 2 Minitoren markieren.
> 2 Teams à 4 Spieler bilden und 1 Neutralen
bestimmen.
> Ausreichend Bälle in den Toren bereitlegen.

ABLAUF
> Der Neutrale agiert mit dem ballbesitzenden
Team und darf Tore erzielen.
> Treffer zählen nur per direktem Abschluss.
> Nach einiger Zeit die Seiten wechseln.

VARIATIONEN
> Mit Abseits spielen.
> Treffer zählen nur nach einer direkt gespielten
Vorlage und per direktem Abschluss.

KOMMENTAR von Peter Hermann


QUALITÄT DER LETZTEN AKTIONEN
„Tore nur direkt erzielen zu dürfen, erhöht den
Präzisionsdruck enorm, denn nicht nur die Posi-
tionierung und der Abschluss müssen „sitzen“,
sondern auch der letzte Pass muss perfekt gespielt
werden, um dem Mitspieler einen guten Abschluss
zu ermöglichen. Auf Topniveau fallen die meisten Treffer nach
einem Direktabschluss, weshalb es Sinn ergibt, diese Regel immer
mal wieder zu integrieren.“

Foto: regios24/Darius Simka


50 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND SPIELFORMEN

4 GEGEN 3 MIT „FLIEGENDEM“ TORHÜTER


ORGANISATION
> Ein 20 x 18 Meter großes Feld mit einer 5 Meter
tiefen Schusszone (gelb) sowie 1 Tor mit Torhüter
markieren.
> 1 Team à 4 Spieler (hier: Blau) und 1 Team à
3 Spieler (hier: Rot) bilden.
> Der Trainer steht mit Balldepot neben dem Feld.

ABLAUF
> 4 gegen 3 auf die Minitore
> Treffer zählen nur von innerhalb der Schusszone.
> Gelingt es dem Unterzahlteam (hier: Rot), den
Ball zu erobern, so kontert es auf das Großtor.
> Ein Spieler des Überzahlteams (hier: Blau) läuft
dann schnellstmöglich als Torhüter ins Tor („der
letzte Mann hält!“).
> Geht der Ball ins Aus oder wurde ein Treffer
erzielt, so eröffnet der Trainer die jeweils nächste
Aktion.

HINWEIS
> Die Spieler so wechseln, dass jeder mal in
Über- bzw. Unterzahl spielt.

Foto: regios24/Darius Simka


SPIELFORMEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 51

1 FUNINO IM 3 GEGEN 3 PLUS 1 –


TORE NUR DIREKT/STÜRMER NEUTRAL
ORGANISATION
> Ein 20 x 20 Meter großes Feld mit je 2 Minitoren
auf den Grundlinien markieren.
> Zwischen den Toren Balldepots errichten.
> Der Trainer steht mit Bällen neben der Mittellinie.
> 2 Teams à 3 Spieler bilden und 1 Neutralen
bestimmen.

ABLAUF
> Der Neutrale agiert immer mit dem ball-
besitzenden Team.
> Angriffe müssen innerhalb von 10 Sekunden
abgeschlossen werden.
> Treffer zählen nur per direktem Abschluss.

VARIATIONEN
> Eine Abschlusszone markieren, aus der Treffer
erzielt werden müssen.
> Treffer zählen nur nach direkt gespieltem Assist
und per direktem Abschluss.
> Mit Abseits spielen.
> Je 1 Tor mit Torhüter aufstellen und eine Mittel-
linie markieren: 3 plus TW gegen 3 plus TW. Alle
Spieler müssen bei der Torerzielung die Mittel-
2
linie überquert haben (siehe Abbildung 2).

KOMMENTAR von Hannes Wolf


„FEUER“ REINBRINGEN
„Dank der Shotclock-Regel ver-
fallen die Spieler durch den Über-
zahlspieler nicht in ein Ballge-
schiebe, sondern sind gezwungen,
Lösungen nach vorn zu finden. So
steigen die Intensität und der Entscheidungs-
druck.“
52 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND TRAININGSEINHEITEN

TRAININGSEINHEIT
KINDER- UND JUGEN
Die Eckpfeiler der Trainingsphilosophie Deutschland lauten „Freude, Intensität und Wieder-
holung“. Dies gilt insbesondere im Kinder- und Jugendfußball, bei dem es neben der Verbes-
serung der individuellen Qualitäten ebenfalls um die Bindung zum Sport geht. Um dies zu
gewährleisten, sollte eine klare Trainingsstruktur eingehalten werden. Wir zeigen in exempla-
rischen Einheiten für Bambini, F-und E-Junioren sowie D- bis A-Junioren, wie sich die Struktur
der besten Traningseinheit in die Praxis umsetzen lässt.
TRAININGSEINHEITEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 53

EN FÜR DEN
NDFUSSBALL
STRUKTUR DER BESTEN TRAININGSEINHEIT
Mindestens 2-mal pro Woche ohne Spielersatztraining und in jeder Woche

ÜBUNG UND DAUER INHALT TRAININGSZIELE

Viele Aktionen → wenige Standzeiten


15 Minuten Ballbeherrschung: Fokus Dribbling, Fintieren
15 Aktivierung Fangspiele mit und ohne Ball
Spielfähigkeit erarbeiten
Möglichst kleines Spieler-Ball-Verhältnis

30 Minuten Ganzheitliche Entwicklung


Mehrmals 3-4 Minuten netto pro Spieler 1-vs-1- bis 4-vs-4-Varianten der Spieler und Spielerinnen
30 ca. 1-2 Minuten Pause Videos (körperlich/technisch/taktisch/persönlich/
Spielblock 1 sozial/emotional)

Grund- und Positionstechnik: Dribbling,


Viele relevante Fußballaktionen
Passspiel, Ballmitnahmen, Torschuss, Flanken,
15 Minuten → wenige Standzeiten
15 Zwischenblock
Kopfball, Flugball
Schnelligkeitsentwicklung mit/ohne Ball,
Spielfähigkeit erarbeiten
Möglichst kleines Spieler-Ball-Verhältnis
Pendelstaffeln, maximale Sprints, Sprünge

Foto: Nils Eden


30 Minuten Ganzheitliche Entwicklung
Mehrmals 3-4 Minuten netto pro Spieler 1-vs-1- bis 4-vs-4-Varianten der Spieler und Spielerinnen
30 ca. 1-2 Minuten Pause Videos (körperlich/technisch/taktisch/persönlich/
Spielblock 2 sozial/emotional)
54 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND TRAININGSEINHEITEN

BAMBINI-SPIELSTUNDE

O R G A N I S AT I O N
SO IST DER AUFBAU
> 3 Spielfelder gemäß Abbildung markieren und in zwei
vertikale Hälften teilen.
– Feld 1: Minifußballfeld (ca. 20 x 16 Meter) mit 4 Minitoren
– Feld 2: Minifußballfeld (ca. 20 x 16 Meter) mit 4 Dribbeltoren
– Feld 3: Minifußballfeld (ca. 20 x 16 Meter) mit 4 Stangentoren

DAS MATERIAL BENÖTIGST DU


> Hütchen zur Spielfeldmarkierung
> 4 Minitore
> 8 Hütchen
> 8 Stangen
> 6 Leibchen
> 18 Bälle (verschiedene Ballarten)

AKTIVIERUNG FANGSPIEL: WEISSER HAI (CA. 10 MINUTEN)


ORGANISATION UND ABLAUF
> Die Felder 2 und 3 nutzen.
> 2 „weiße Haie“ als Fänger bestimmen und im „tiefen Meer“ zwischen
den Feldern postieren.
> Die übrigen Kinder starten als „Fische“ in Feld 2.
> Die Fische versuchen, aus dem flachen Meer durch das tiefe Meer an
den Haien vorbeizuschwimmen und in Sicherheit zu gelangen.
> Werden sie auf dem Weg von den Haien gefangen, schließen sie sich
ihnen an.
> Sobald die Haie in Überzahl sind, beginnt das Spiel mit 2 neuen
Fängern von vorn.

VARIATIONEN
> Jedes Kind hat einen Ball, mit dem es an den Haien vorbei ins andere
Feld dribbeln soll.
> Die Fische legen ihre Eier (Bälle) in Ufernähe (am Feldende) ab.

SPIELPHASE 1 1-GEGEN-1-TURNIER (CA. 20 MINUTEN)


ORGANISATION UND ABLAUF
> Zwei 6er-Teams einteilen.
> „Ballinseln“ an allen Feldern errichten, um eine schnelle Spielfort-
setzung zu ermöglichen.
> Eins-gegen-Eins-Turnier auf allen 3 Feldern bzw. ihren 6 „Spuren“.
> Feld 1: Torerzielung per Schuss erlaubt.
> Feld 2: Torerzielung nur per Dribbling durch das Hütchentor.
> Feld 3: Torerzielung nur per Pass/Dribbling durch das Stangentor.
> Nach 2 Durchgängen à 2 bis 3 Minuten eine Trink- und Wechselpause
einlegen.
> Den Felderwechsel spielerisch in die Geschichte einbauen: „Durch die
Wellen tauchend die nächste Insel (=Spielfeld) erreichen.“
> Dazu bestimmte Bewegungsaufgaben vorgeben und demonstrieren
(z. B. Krebsgang, auf einem Bein hüpfend, kriechend usw.).
> 6 Durchgänge spielen, sodass sich jedes Kind einmal in jedem Feld mit
einem anderen Gegner duelliert hat.
TRAININGSEINHEITEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 55

Foto: Michael Wilms

Bambini besitzen eine noch besonders stark ausge-


prägte Ich-Perspektive: In ihrer eigenen Fußballwelt
existiert vorrangig das Ich, der Ball und das Tor.

ZWISCHENBLOCK BALLRAUB (10 MINUTEN)


ORGANISATION
> Feld 3 nutzen.
> Zwei 6er-Teams einteilen und an den Seitenlinien aufstellen.
> Hinter den Seitenlinien je 8 Bälle (auch Leibchen oder Hütchen
möglich) als „Piratenschätze“ auslegen.

ABLAUF
> Auf ein Trainerkommando müssen die Kinder von ihrem Piratenschiff
durch das Wasser auf das gegnerische Schiff gelangen und von dort
den „Schatz“ an Bord holen (den Ball zurückdribbeln).
> Welches Team hat nach einer Minute mehr Bälle auf seiner Seite?

SPIELPHASE 2 2-GEGEN-2-TURNIER (CA. 20 MINUTEN)


ORGANISATION UND ABLAUF
> Zwei 6er-Teams bilden und in drei 2er-Teams unterteilen.
> Die Teams treten in den 3 Feldern im 2 gegen 2 gegeneinander an.
> Feld 1: Torerzielung per Schuss erlaubt.
> Feld 2: Torerzielung nur per Dribbling durch die Hütchentore.
> Feld 3: Torerzielung nur per Schuss/Dribbling durch das Stangentor.
> Nach je 5 Minuten Trink- und Wechselpause (Team Blau wechselt mit
Team Rot gegen den Uhrzeigersinn).
> 3 Durchgänge spielen, sodass sich jedes Team einmal in jedem Feld
mit einem anderen Gegnerteam duelliert hat.

HINWEISE
> Die Erkenntnisse aus Spielphase 1 zur Einteilung von homogenen
Teams nutzen.
> Verschiedene Bälle nutzen.
56 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND TRAININGSEINHEITEN

TRAININGSEINHEIT FÜR F-/E-JUNIOREN

O R G A N I S AT I O N
SO IST DER AUFBAU
> 3 Spielfelder gemäß Abbildung markieren.
– Feld 1: Hybridfeld (ca. 25 x 20 Meter) mit Jugendtor und 2 Minitoren
– Feld 2: Minifußballfeld (ca. 25 x 20 Meter) mit 4 Minitoren
– Feld 3: Kleinfeld (ca. 25 x 20 Meter) mit 2 Jugendtoren

DAS MATERIAL BENÖTIGST DU


> Hütchen zur Spielfeldmarkierung
> 3 Jugendtore
> 6 Minitore
> 9 Leibchen
> 18 Bälle (verschiedene Ballarten)

AKTIVIERUNG SCHATZJÄGER (CA. 15 MINUTEN)


ORGANISATION
> Feld 1 nutzen.
> 15 Kinder haben einen Ball am Fuß, die übrigen 3 sind „Schatzjäger“
und haben ihren Ball in der Hand. Idealerweise handelt es hier sich um
andersartige Bälle – keine Fußbälle.

ABLAUF
> Die Schatzjäger versuchen nun, mit ihren Bällen die Bälle (= Schätze)
der anderen Kinder abzuwerfen.
> Diese wollen ihre Schätze wiederum beschützen, dribbeln umher und
schirmen sie vor den Angriffen der Schatzjäger ab.
> Hat ein Schatzjäger den Ball eines anderen Kindes getroffen, so wird
das Kind, das seinen Schatz verloren hat, ebenfalls Schatzjäger.
> Die letzten 3 Kinder, denen es gelungen ist, ihren Schatz zu beschützen,
haben gewonnen.
> So lange spielen, bis alle Kinder einmal Schatzjäger waren.

SPIELPHASE 1 3-GEGEN-3-VARIATIONEN (CA. 30 MINUTEN)


ORGANISATION UND ABLAUF FELD 1
> Ein Balldepot zwischen den Minitoren errichten und im
Jugendtor weitere Ersatzbälle bereitlegen.
> Das Jugendtor mit Torwart besetzen und zwei 3er-Teams einteilen.
> Die Ballbesitzer spielen zunächst auf die Minitore.
> Drehendes Angriffsrecht: Nach einem Torerfolg auf die Minitore
dürfen die Ballbesitzer (hier: Blau) auf das Tor mit Torwart angreifen.

ORGANISATION UND ABLAUF FELD 3


> Drei 3er-Teams einteilen und die Tore mit Torhütern besetzen.
> 3 gegen 3 im Feld auf die Tore mit Torhütern.
> Die Spieler des dritten Teams warten außerhalb des Feldes.
> Kassiert ein Team einen Gegentreffer, verlässt es unmittelbar das Feld
und das wartende Team startet von dem Tor aus, an dem der letzte
Treffer gefallen ist. Der Torwart, der den Gegentreffer kassiert hat, spielt
den nächsten Ball ein.
TRAININGSEINHEITEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 57

Foto: regios24/Darius Simka

Die Kinder in dieser Altersklasse in viele


persönliche Duelle verwickeln.

ZWISCHENBLOCK 2 GEGEN 2 UND 1 GEGEN 1 (CA. 15 MINUTEN)


ORGANISATION UND ABLAUF
> Die Felder 2 und 3 nutzen und die Spieler gemäß Abbildung verteilen
und postieren (Feld 2: 4 Spieler, Feld 3: 14 Spieler).
> Feld 2: Der erste Spieler dribbelt ins Feld, führt eine Finte aus und
versucht, vor der Mittellinie in eines der Minitore abzuschließen.
Daraufhin muss er eine Rolle vorwärts machen oder sich einmal auf
den Boden setzen und schnell wieder aufstehen, bevor er Verteidiger
gegen den nächsten einstartenden Spieler wird. Dieser beginnt
immer gleichzeitig mit dem Abschluss seines Vorgängers. Tore
zählen nur nach Überdribbeln der Mittellinie. Gewinnt der Verteidiger
den Ball, so kontert er auf die gegenüberstehenden Minitore.
> Feld 2: 2 gegen 2 mit Shotclock – der Trainer passt zum Angreifer-
pärchen (hier: Blau), das sofort mit Ball ins Feld startet und innerhalb
von 10 Sekunden abschließen soll (nicht jede Sekunde laut zählen).
Erobern die beiden roten Verteidiger den Ball, kontern sie auf das Tor
gegenüber. Maximal einen Umschaltmoment erlauben.

SPIELPHASE 2 3-GEGEN-3-TURNIER (CA.30 MINUTEN)


ORGANISATION
> 6 Mannschaften zu je 3 Spielern bilden und gemäß Abbildung
gleichmäßig auf die Felder (jeweils mit Mittellinie) verteilen.

ABLAUF
> Für alle Felder gilt: Treffer können nur in der gegnerischen Hälfte
erzielt werden.
– Feld 1: 3 gegen 3 mit Rückpassregel. Sobald sich ein Team in die
gegnerische Hälfte kombiniert hat, darf nicht mehr zurück in die
eigene Hälfte gespielt werden.
– Feld 2: Sind bei Torerzielung alle Spieler des angreifenden Teams in
der gegnerischen Hälfte, so zählt der Treffer doppelt.
– Feld 3: 3 gegen 3 mit kurzfristiger Unterzahl. Um das Feld herum
Bälle verteilen, die auf den Hütchen abgelegt werden. Sobald ein
Spieler den Ball ins Aus spielt, muss er diesen schnellstmöglich
zurückholen und auf das freigewordene Hütchen legen.
58 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND TRAININGSEINHEITEN

TRAININGSEINHEIT FÜR D- BIS A-JUNIOREN

O R G A N I S AT I O N
SO IST DER AUFBAU
> 2 Hybridfelder errichten: Etwa 33 Meter tief (doppelter Strafraum)
und 25 Meter breit mit je einem Jugendtor und 2 Minitoren.
> Ausreichend Bälle zwischen den Minitoren bereitlegen.
> Je nach Spieleranzahl und Alter die Spielfeldgröße anpassen.

DAS MATERIAL BENÖTIGST DU


> Hütchen zur Spielfeldmarkierung
> 2 Jugendtore
> 4 Minitore
> 10 Leibchen
> 20 Bälle

AKTIVIERUNG BALLGESCHICKLICHKEIT (CA. 15 MINUTEN)


ORGANISATION UND ABLAUF
> Feld 1 nutzen.
> Vier 5er-Teams mit je 2 Bällen bilden.
> Einen Ball innerhalb des Teams zupassen, den anderen zuwerfen.
> Nach seinem Zuspiel umläuft der Passgeber eines der äußeren
Hütchen und baut dabei verschiedene Übungen aus dem Lauf-ABC
ein: Anfersen, Kniehebelauf, Sidesteps, Kreuzschritt usw.
> Wird ein Ball aus dem Feld gespielt, machen alle eine vorgegebene
Stabilisationsübung.

VARIATIONEN
> Kontaktbeschränkungen vorgeben.
> Nun sind alle Bälle am Boden: Auf Kommando wird ein Team zu Ball-
jägern und versucht, so schnell wie möglich alle gegnerischen Bälle in
die Tore zu passen. Sobald ein Team beide Bälle verloren hat,
unterstützt es die Balljäger.

SPIELPHASE 1 SECHSECKSPIEL / DREHRECHT (CA. 30 MINUTEN)


ORGANISATION UND ABLAUF FELD 1
> Die Eckhütchen so einrücken, dass ein Sechseck entsteht.
> 4 gegen 4 im Feld + je 2 diagonal-tiefe Anspieler
> Die Anspieler haben 2 Kontakte.
> Treffer zählen immer einfach, außer nach Hereingabe von außen, dann
doppelt.

ORGANISATION UND ABLAUF FELD 2


> 3 plus Torwart gegen 3 mit drehendem Angriffsrecht.
> Die Angreifer (hier: Blau) starten vom Balldepot zwischen den Minitoren
aus das Spiel und versuchen, auf das Tor mit Torwart abzuschließen.
Erobern die Verteidiger den Ball, so kontern sie auf die Minitore und
drehen bei Erfolg das Angriffsrecht.
> Nun greift Rot auf das Jugendtor an und Blau kontert auf die Minitore.
> Nach je 6 Minuten Felderwechsel (3 Spieler pro Team wechseln).
> 4 Durchgänge spielen, damit alle auf beiden Feldern gespielt haben.
TRAININGSEINHEITEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 59

Foto: Conny Kurth

Das Spielen auf Tore und um Ergebnisse in jedem


Training und an jedem Spieltag sind der Kern der
Fußballausbildung.

ZWISCHENBLOCK 3-FARBEN-SPIEL / 2 GEGEN 2 (CA. 15 MINUTEN)


ORGANISATION UND ABLAUF
> Feld 1: Das Tor mit Torwart besetzen und drei 2er-Teams einteilen.
Zusätzlich mittig ein 10 x 10 Meter großes Innenfeld errichten.
2 Teams (hier: Gelb und Blau) spielen gegen das dritte (Rot) auf Ball-
halten. Erobern die Verteidiger den Ball, übernimmt das Team die
Verteidiger-Rolle, das den Ball verloren hat. Nach 8 erfolgreichen
Pässen ist das Jugendtor für Abschlüsse frei.
> Feld 2: Das Tor mit Torwart besetzen, Spielerpaare bilden und gleich-
mäßig an den Pfosten bzw. Minitoren aufstellen. Zwischen den Mini-
toren eine Dribbellinie markieren. 2 gegen 2 nach Zuspiel vom Trainer:
Dieses erfolgt immer in Richtung der Angreifer zwischen den
Minitoren. Die Verteidiger versuchen, schnellstmöglich zu reagieren,
und kontern nach Ballgewinn auf die Minitore oder die Dribbellinie
dazwischen. Maximal einen Umschaltmoment zulassen. Nach jeder
Aktion Rollentausch. Nach 6 Minuten wechseln alle Spieler in das
andere Feld. 2 Durchgänge spielen.

SPIELPHASE 2 4 GEGEN 4 LINIE VERTEIDIGEN (CA. 30 MINUTEN)


ORGANISATION UND ABLAUF
> Beide Felder nutzen und jeweils die Mittellinie markieren.
> Die Tore mit Torhütern besetzen und pro Feld zwei 4er-Teams einteilen
sowie einen Anspieler bestimmen.
> 4 plus Torwart gegen 4 „auf Linie verteidigen“ mit Anspieler.
> Die Teams organisieren sich in Viererketten an der Mittellinie.
> Der Anspieler postiert sich am Balldepot zwischen den Minitoren und
startet den Durchgang mit einem Pass zu den Angreifern.
> Blau greift auf das Tor mit Torwart an, Rot kontert auf die Minitore.
> Für die Viererkette gilt: Nur ein Verteidiger darf die Linie verlassen.
> Nach Treffer, pariertem Torschuss oder Ausball läuft für eine Minute ein
freies Spiel im 4 gegen 4.
> Nach jedem Durchgang wechselt der Anspieler ins Feld.
> Mittellinie = Abseitslinie.
> Das Angriffsrecht nach mehreren Durchgängen wechseln.
60 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND TRAININGSEINHEITEN

D-JUNIOREN-TRAININGSEINHEIT MIT U21-NATIONALTRAINER ANTONIO DI SALVO

KOMMENTAR von Antonio Di Salvo

VIELE BALLAKTIONEN
„Aufgrund der Organisa-
tionsstruktur haben alle
Spieler viele Ballaktionen.
Mit den Finten und Abkapp-
bewegungen trainieren wir
unterschiedliche Möglichkeiten, den Ball
in engen Räumen zu beherrschen. Der
Aufbau bietet zudem den Vorteil, dass alle
Bewegungen in verschiedene Richtungen
ausgeführt werden.
Anfangs gebe ich Finten vor. Nach einer
kurzen Eingewöhnungsphase überlasse
FINTIEREN UND ABKAPPEN HINWEIS ich dann den Spielern die Entscheidung.
ORGANISATION UND ABLAUF > Beim Dribbling eigenständig die Art der Finte Das fördert die Kreativität und die Freude
> Sieben 15 x 4 Meter große Dreiecke markieren und der Abkappbewegung variieren. jedes Einzelnen. Die anderen können
und je 2 Spieler mit Ball an Hütchen A postieren. zudem Bewegungen nachahmen oder
> Ein Spieler „zieht“ an Hütchen A den Ball im VARIATION neue ausprobieren.
Stand abwechselnd mit der rechten Innen- > Der Spieler bei A nutzt statt der Innenseite Zusätzlich wartet bei dieser Übungsform
seite, der rechten Sohle, der linken Innen- den Außenrist. der zweite Spieler nicht, sondern trainiert
seite und der linken Sohle hin und her. mit verschiedenen Ziehbewegungen die
> Der andere dribbelt von A zu B, fintiert und COACHINGTIPPS Ballbehandlung.“
dribbelt zu C. Bei C kappt er ab und dribbelt > Den Dribbelfuß abwechseln.
wieder zu B, fintiert und dribbelt zu A. > Nach der Finte einen Tempowechsel einbauen.
> Aufgabenwechsel nach 45 Sekunden

KOMMENTAR von Antonio Di Salvo


HOHE INTENSITÄT
„Die meisten Teams haben ein oder zwei
Torhüter. Durch das wechselnde Angriffs-
recht ermöglichen wir es jedem Spieler, auf
ein Tor zu spielen, und halten durch die
geringe Spieleranzahl die Intensität und die
Aktionsdichte auf einem hohen Level.“

3 GEGEN 3 MIT WECHSELNDEM Anspieler und erhalten damit ihrerseits das


ANGRIFFSRECHT Recht, auf das Tor anzugreifen.
ORGANISATION UND ABLAUF
> Zwei 25 x 20 Meter große Felder mit je VARIATIONEN
einem Tor mit Torhüter markieren. > Statt des Anspielers eine Dribbellinie markieren.
> 3 gegen 3 mit neutralem Anspieler > Nach einem Treffer bleibt das angreifende
> Nach einem Pass zum Anspieler darf auf das Team in Ballbesitz, muss für das Angriffsrecht
Tor angegriffen werden. jedoch beim Anspieler beginnen.
> Geht der Ball ins Aus oder wurde ein Treffer > Treffer nach vorhergehender Finte zählen
erzielt, so eröffnet der Torhüter die jeweils doppelt.
nächste Aktion. > Mit Abseits spielen.
> Nach Ballgewinn kontern die Verteidiger zum
TRAININGSEINHEITEN TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 61

KOMMENTAR von Antonio Di Salvo

FREUDE DURCH QUANTITÄT


„Übungsformen machen als Wettkampf
oft mehr Spaß. Verbunden mit dem
eigenständigen Zählen der Tore fördert
dieser Aufbau die Konzentration.
Zudem sind die Spieler immer in Aktion:
Zuspiel, Ballmitnahme, Flanke, Torschuss,
Ball holen – und das Ganze von vorne.
Nahezu keine Standzeiten, und wir trai-
nieren viele Facetten des Spiels.
Zudem ist es wichtig, dass direkt erzielte
Treffer zählen. Dadurch erhöhen wir den
Schwierigkeitsgrad und benötigen zum
FLANKENWETTBEWERB HINWEISE
einen mehr Präzision vom Flankengeber
ORGANISATION UND ABLAUF > Als Wettbewerb organisieren.
und agieren zum anderen spielnäher. In
> Ein 25 x 20 Meter großes Feld markieren. > Die Teams zählen selbstständig die Tore.
den meisten Spielsituationen schließen
> 4 Teams à 3 Spieler einteilen und auf die
wir aufgrund des Zeit- und Gegnerdrucks
Positionen A bis C verteilen. VARIATION
mit dem ersten Kontakt ab.“
> A jeweils mit Ball > Nach Flanke sind 2 Kontakte erlaubt.
> A passt zu B, der zur Grundlinie mitnimmt. > Kopfballtore zählen doppelt.
> B flankt zu den einlaufenden A und C.
> Tore müssen direkt erzielt werden. COACHINGTIPPS
> Alle rotieren eine Position weiter und > Der Ball darf nicht ruhen.
wechseln nach jeder Aktion das Tor. > Die Flanke so scharf wie möglich spielen.

KOMMENTAR von Antonio Di Salvo


VORTEILE VON ANSPIELERN
„Aus den zuvor vier Teams bilden wir jetzt
zwei und können so zunächst ausge-
glichene Teams zusammenstellen.
Aufgrund der zwei Außenspieler schaffen
wir zudem eine gute Regenerations-
phase. Mit den Wandspielern neben den
Toren fördern wir viele Steil-klatsch-
Kombinationen und längere Pass-
distanzen. Das Nachrücken sorgt zudem
dafür, dass kein Spieler abschalten kann
und auch diejenigen, die sonst defensiv
agieren, in Abschlusssituationen kom-
4 PLUS 2 GEGEN 4 PLUS 2 > Die Wechsel so organisieren, dass alle Spieler men. Das verteidigende Team muss
ORGANISATION UND ABLAUF alle Positionen und Aufgaben kennenlernen. zudem häufig mit Blick zum eigenen Tor
> Ein 25 x 20 Meter großes Sechseck mit verteidigen – eine Situation, die im Spiel
2 Toren an den Stirnseiten markieren. VARIATION auch immer wieder vorkommt.“
> 2 Teams à 7 Spieler inklusive Torhüter bilden > Die Anspieler seitlich positionieren.
und gemäß Abbildung verteilen.
> 4 plus 2 gegen 4 plus 2 COACHINGTIPPS
> Die Anspieler agieren mit maximal > Die Anspieler nutzen bei Bedarf 2 Kontakte,
2 Kontakten. ohne den Ball totzustoppen.
> Nach Pass zum Anspieler rücken alle Spieler
HINWEISE im Feld sofort gestaffelt nach.
> Spielzeit: 3 Minuten pro Durchgang
62 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND S P I E LTA G

DER SPIELTAG
DER ZUKUNFT
Alle Kinder sollen spielen!

Die optimale Entwicklung eines Spielers kann nur über viele Ball- die Anzahl der Spieler in einem Feld sollten mit den Kindern wachsen.
kontakte bzw. Aktionen gelingen – das gilt für das Training wie für Viele Fußballaktionen, die Einbeziehung aller Kinder in das Spiel, viele
den Wettkampf. Die Wettspielreform ermöglicht genau das, denn Tore und hohe Nettospielzeiten pro Kind sind für uns essenzielle
durch die neuen Spielformate werden die Nettospielzeiten aller Themen. Einige wesentliche Prinzipien stellen wir hier noch einmal
Akteure signifikant erhöht und damit auch deren Chancen, bessere heraus.
Fußballer zu werden. Hannes Wolf und sein Kompentenzteam
zeigen, wie sich in den verschiedenen Altersklassen Spieltage Alle spielen immer!
organisieren lassen. Wir möchten das Bewusstsein schaffen, dass wir stets mit höchstens
einem Rotationsspieler pro Feld spielen sollten. Sobald ein weiteres
2 gegen 2 möglich ist, soll ein weiteres Feld aufgebaut werden. Es
DIE TRAININGSPHILOSOPHIE UND DER SPIELTAG kann jedoch auch immer mit unterschiedlichen Feldern agiert
Wir wünschen uns, dass alle Kinder durch den Fußball Freude, werden: Bei den E-Junioren z. B. einmal im 5 gegen 5 inklusive
Intensität und Wiederholung konstant und hochdosiert erleben Torhüter und zweimal im 3 gegen 3! Es ergibt jedoch keinen Sinn,
dürfen. Für das Kinder- und Jugendtraining haben wir deshalb die Spielformate zu verkleinern und dann Kinder nicht in den Kader zu
Trainingsphilosophie Deutschland entwickelt. Für den Spieltag gehen nehmen oder bei einem 3 gegen 3 mit drei Rotationsspielern zu
wir Hand in Hand mit dem „neuen“ Kinderfußball. Die Feldgrößen und spielen. Wir sollten den Anspruch haben, dass jedes Kind bei einer
S P I E LTA G TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 63

Foto: Getty Images/Reinaldo Coddou H.

Spielzeit von 6-mal 7 Minuten auch die vollen 42 Minuten spielt – bei Die Leistungsunterschiede im Kinderfußball und im Breitensport sind
einem Rotationsspieler höchstens einige Minuten weniger. groß und eine Herausforderung für alle Trainer. Wir empfehlen ihnen
daher, in die Kommunikation mit ihren Trainerkollegen zu gehen, den
Hoher Spielrhythmus eigenen Teams das jeweils angemessene Niveau zuzuweisen und die
In kleinen Spielformen geht der Ball häufig ins Aus, weshalb wir an Teams dann gegen die entsprechenden Gegner-Teams spielen zu
jedem Feld mindestens drei Bälle bereitlegen. Spielfeldbegleiter lassen. Hier kann ab den F-Junioren auch im Champions-League-
sorgen hier für eine schnelle Spielfortsetzung. Bälle im Aus sollten Modus (Auf- und Abstieg nach jedem Spiel) gespielt werden.
dabei von den Erwachsenen bzw. Eltern zurückgeholt werden, damit
die Kinder sich ganz auf ihr Spiel konzentrieren können.

Jedes Kind spielt auf seinem aktuellen Niveau


Über diesen QR-Code gelangen Sie
Wir haben im neuen Kinderfußball die Möglichkeit, jedes Kind zu
zum Video „Unsere Vision für Spielfor-
fördern. Die Einteilung der Mannschaften sollte nach den Leistungs-
mate“ mit Hannes Wolf, Lena Lotzen,
niveaus in „Gold“, „Silber“ und „Bronze“ erfolgen. Damit vereinen wir
Sandro Wagner und Hanno Balitsch.
die Spitzenförderung mit der Förderung aller Kinder.
64 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND S P I E LTA G

Foto: Getty Images/Reinaldo Coddou H.

Durch den Aufbau mehrerer


Felder alle Kinder zum
Spielen bekommen!

DIE ROLLE DER ERWACHSENEN die Teams in den Vereinen jedoch deutlich kleiner sind,
Wir Erwachsenen haben die Möglichkeit, die Fußball- ist es sinnvoller, sich gleich mit mehreren Vereins-Mann-
Lebenswelt für unsere Kinder optimal zu gestalten. Die schaften zu treffen und ein „Festival“ zu organisieren.
Kinder brauchen unsere Mitarbeit und Organisation. Die
Rolle des Kindertrainers ist dafür neu zu denken. Denn UNSERE VISION FÜR DIE ZUKUNFT
versteht er es, die neuen Felder zu organisieren sowie Im Sommer 2024 lassen sich die Prinzipien „Alle spielen
einzuteilen und den Spielrhythmus durch Balldepots und immer“ und „Freude, Intensität und Wiederholung“ nur
das Motivieren der Kinder hoch zu halten, schaffen wir bis zu den E-Junioren umsetzen. Deshalb brauchen wir
einen großartigen Fußballort für unsere Kinder. die Trainingsphilosophie Deutschland auch von der
Doch dafür müssen wir die Eltern als Spielfeldbegleiter D- bis zur A-Jugend, damit im Training alle Spieler den
einbeziehen – gegebenenfalls auch als Trainer oder Fußball hochdosiert erleben können.
Trainerinnen. Spielfeldbegleiter müssen dabei im neuen Dennoch möchten wir die Debatte führen, ob ein
Kinderfußball nicht zwingend einen Fußball-Background 7 gegen 7 als Zwillingsspiel auf zwei Feldern nicht die
haben. Wir stellen Eltern mit der Trainingsphilosophie bessere Lösung für die D-Jugend ist. Die Vorteile sind:
Deutschland alle Informationen zur Verfügung, die sie > 14 Kinder, die immer spielen.
benötigen, um ihre Kinder zu trainieren. Auch die Quali- > Jedes Kind hat deutlich mehr Fußballaktionen.
fizierung in der Trainerausbildung ist eine Chance, den > Zwei Torhüter erhalten immer 100 Prozent Spielzeit
Kindern die bestmögliche Zeit im Fußball zu eröffnen. und haben im 7 gegen 7 deutlich mehr Aktionen.
> Zwei Stürmer erhalten immer 100 Prozent Spielzeit
REALITÄTSCHECK FÜR DAS BESTE SPIELFORMAT und haben im 7 gegen 7 deutlich mehr Aktionen.
Wir agieren im Kinderfußball in Festivals oder in Freund- Das alles sind starke Argumente, um den D-Jugend-Fuß-
schaftsspielen. Auch Turniere sind eine gute Option, ball der Zukunft zu denken. Natürlich brauchen wir den
wenn bei der Durchführung allen Spielern eine hohe Realitätscheck für Themen wie unterschiedliche Spieler-
Nettospielzeit gewährleistet wird. Grundsätzlich muss für anzahlen, Zählweisen, die Flexibilität des zweiten Feldes,
die Zukunft diskutiert werden, welches Format den die Rolle der Schiedsrichter sowie der konkreten Spielre-
größten Sinn ergibt. Wenn sich zwei F-Junioren-Mann- geln usw.! Wir glauben aber, dass wir im Zwillingsspiel
schaften mit einmal 15 und einmal 20 Spielern treffen, im 7 gegen 7 deutlich besser in der Spitze fördern und
reicht dies vollends aus, um auf mehreren Spielfeldern durch den permanenten Einsatz von 14 Spielern auch in
verteilt einen tollen Spieltag für alle zu gestalten. Wenn der Breite einen großen Vorteil erreichen können.
S P I E LTA G TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 65

Das Spielzeiten- und Spielformate-„Buffet“


In Zukunft sollten Trainer zumindest bei Freundschafts-
spielen (vielleicht irgendwann auch im Ligaspielbetrieb)
aus unterschiedlichen Spielformaten und -zeiten aus-
Alle Kinder sollen mindestens wählen können. Bei C-Junioren könnten sie beispiels-
weise an einem Spieltag wie folgt entscheiden:
75 Prozent Spielzeit erhalten und
- 45 Minuten Spielzeit (ca. 4-mal 7 Minuten netto) im
keines soll zu Hause bleiben
7 gegen 7 auf zwei Feldern
müssen. Deswegen braucht es am - 60 Minuten Spielzeit (ca. 4-mal 12 Minuten netto) im
Spieltag mehrere Felder und wenig 9 gegen 9 oder 11 gegen 11
Rotationsspieler. Hannes Wolf Diese flexiblen Lösungen halten wir für sinnvoll, um alle
Spieler und Positionen bestmöglich zu fördern.

VOM SCOUTING- ZUM ENTWICKLUNGSLAND


Deutschland sollte in der Entwicklung(!) von Spielern die
Nummer eins der Welt werden und nicht in Kaderplanung
und Scouting! Deshalb sollten wir Entwicklung belohnen
und auch kleinen Vereinen die Möglichkeit geben, in
höheren Spielklassen anzutreten.
In den aktuellen Strukturen werden viele Vereinswechsel
durch ein höheres Ligenrecht geradezu erzwungen. Die
Argumentation für einen Wechsel sollte jedoch immer
auf einer besseren Förderung (häufigeres und besseres
Training, höheres Spieltempo durch bessere Mitspieler
usw.) basieren und nicht auf einem irgendwann
wahrscheinlich von einer ganz anderen Mannschaft
erworbenen Ligenrecht! Auf hohem Niveau zu spielen,
muss auch im Heimatverein möglich werden.
Aus diesem Grund empfehlen wir eine neue Ligen-
struktur, in der die Vereine selbst entscheiden, auf
welchem Niveau sie spielen möchten (z. B. „Gold“, „Silber“,
„Bronze“). Dabei soll zunächst ein Wintermeister ausge-
spielt und zur Rückrunde dann erneut selbst entschieden
werden, wo die jeweilige Mannschaft einzuordnen ist.
Danach ginge es dann um die Sommermeisterschaft. So
würden Orte entstehen, in denen über ein ausgezeich-
netes Training und übergreifende Konzepte wie Koopera-
tionen mit Schulen sehr gute Spieler heranwachsen.

Foto: Darius Simka/regios24

Foto: Getty Images/Reinaldo Coddou H.


66 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND SCHULE

DIE SCHULE DES


KLEINFELDFUSSBALLS
Die Zeit pro Tag, die Kinder in Deutschland in der Schule verbringen, hat sich in den vergangenen Jahren
deutlich erhöht. Um diese bestmöglich zu gestalten, sollte es ein tägliches Sportangebot geben, denn
spielerische Bewegung fördert die Gesundheit, das Sozialverhalten und die körperliche Entwicklung.
Wir möchten mit unserer Vision von der „Schule des Kleinfeldfußballs“ zeigen, dass die bestmögliche
Förderung von der ersten bis zur sechsten Klasse keiner ausgebildeten Trainer und komplizierten Trainings-
methoden bedarf. Wir wünschen uns an unseren Schulen viele 3-gegen-3-Orte, an denen die Kinder auf ihrem
Leistungsniveau und mit ihrem Tempo Fußball spielen können und täglich Zugang zu dieser tollen Sportart
erhalten.

FREUDE, INTENSITÄT UND WIEDERHOLUNG deutlich effektiver und kindgerechter gestalten. In Anlehnung
Das 3 gegen 3 kombiniert einige großartige Vorteile: an den „neuen“ Kinderfußball und die Trainingsphilosophie
> Alle Kinder haben die Möglichkeit, hochdosiert zu Deutschland haben wir ein System entwickelt, in dem
dribbeln, zu schießen, zu passen und zu verteidigen. mindestens 30 Kinder jeden Tag hochdosiert Fußball erleben
> Im 3 gegen 3 kann sich niemand verstecken – die Kinder können. Das 3 gegen 3 ist die perfekte Spielform für Fußball
betreiben „echten“ Sport! spielende Kinder! Darüber hinaus profitieren auch noch
> Durch das Spiel auf Tore und die vielen Freiheitsgrade diejenigen, die nicht kicken möchten, von einem besseren
können sie die Freude am Spiel erleben. Betreuungsschlüssel im offenen Ganztag!
> Dank der mehreren Felder kann jedes Kind auf seinem
Niveau spielen und wird so weder unter- noch überfordert. POLYSPORTIVE AUSBILDUNG
Im besten Fall beschränkt sich die Sportförderung zudem
DIE GANZTAGSSCHULE DER ZUKUNFT nicht nur auf den Fußball: Wir können die 3-gegen-3-Felder
Auf vielen Schulhöfen wird schon heute in den Pausen und auch dazu nutzen, um Basketball, Handball oder Hockey zu
nach dem Unterricht Fußball gespielt. Mithilfe unserer spielen. So erhalten alle Kinder früh und regelmäßig Zugang
Struktur können wir das Fußballspielen in der Schule jedoch zu ihrer Sportart!
SCHULE TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND 67
Fotos: Daniel Stredak

Sind zwei Spieler


gleichermaßen talentiert
und einer trainiert drei-
und der andere fünfmal
pro Woche, dann ist klar,
wer am Ende besser wird.
HERMANN GERLAND
Foto: Conny Kurth

Spieler wie Florian Wirtz oder


Jamal Musiala haben die Gabe, in
engen Räumen durch eine starke
Technik und Kreativität Lösungen zu
finden. Das können sie, weil sie viel in
kleinen Spielformen trainiert haben.
A N T O N I O D I S A LV O

Über diesen QR-Code gelangen Sie


Foto: Martin Hangen

zum Video „Die Schule des Kleinfeld-


fußballs“ mit Hannes Wolf, Lena Lotzen,
Sandro Wagner und Hanno Balitsch.
68 TRAININGSPHILOSOPHIE DEUTSCHLAND SCHULE

DAS PERFEKTE SETTING


Die Grundidee der Umsetzung ist ähnlich dem Vereins- DAS IST DER AUFBAU
training und dem Wettspiel: viele Felder und kleine Spiel- > 4 Spielfelder auf einem Bolzplatz markieren:
formen. – Feld 1: Minifußballfeld (ca. 15 x 20 Meter) mit je 2 Mini-
Daniel Stredak, Mitglied des Kompetenzteams, führte eine und Hütchentoren
mögliche Umsetzung an einer Schule durch und zeigte, – Feld 2: Minifußballfeld (ca. 15 x 20 Meter) mit je 2 Mini-
dass er auf einem kleinen umzäunten Bolzplatz mit weni- und Hütchentoren
gen Materialien über 30 Kinder problemlos beschäftigen – Feld 3: Minifußballfeld (ca. 15 x 20 Meter) mit 4 Minitoren
konnte. Seine Erfahrungen zeichnete er dabei auf Video – Feld 4: Minifußballfeld (ca. 15 x 20 Meter) mit 4 Minitoren
auf (siehe QR-Code zum Video „Die Schule des Kleinfeld-
fußballs“ auf Seite 67). DIESE MATERIALIEN BENÖTIGST DU
Er viertelte den Platz und ließ jeweils im 3 gegen 3 auf > Hütchen zur Spielfeldmarkierung
vier Tore spielen. Dabei standen zum einen Minitore, aber > 16 Mini-, Hütchen- oder Stangentore
auch Stangen- oder Hütchentore zur Verfügung (Fazit: Es > 12 Leibchen
müssen nicht immer Minitore sein!). Es wurden zwei > 16 Bälle
Durchgänge zu je 4-mal 4 Minuten gespielt, sodass jeder
auf eine hohe Nettospielzeit kam. SPIELFELDBEGLEITER IN DER SCHULE …
Ein Warmmachen ist dabei bis zur sechsten Klasse nicht … bauen die unterschiedlichen Felder auf.
erforderlich, sodass in Summe alles in weniger als einer … teilen ein, welche Kinder wann und wo spielen.
Stunde organisiert und durchgeführt werden konnte. … unterstützen die Kinder während der Spiele und in den Pausen.
Jedes Team hatte zudem bis zu einen Rotationsspieler, … sorgen für ein Erlernen und Umsetzen der Spielregeln.
der in seiner Pause zum Spielfeldbegleiter wurde und … motivieren die Kinder, sich in das Spiel einzubringen.
damit für die Umsetzung der Regeln und eines fairen … sorgen für eine möglichst schnelle Spielfortsetzung.
Spiels verantwortlich war. Allerdings: Natürlich braucht es … vermitteln Werte wie Fairplay, zwischenmenschlichen Umgang
darüber hinaus auch noch „übergeordnete“ Spielfeld- usw.
begleiter, die die Schüler beaufsichtigen (siehe Kasten
rechts) und zusätzlich das Sozialverhalten fördern. Um
alle Spieler bestmöglich ihrem individuellen Leistungs-
niveau entsprechend fordern und fördern zu können,
wurden die Felder zudem in unterschiedliche Niveau-
stufen („Platin“, „Gold“, „Silber“, und „Bronze“) unterteilt,

Foto: Daniel Stredak


IMPRESSUM
HERAUSGEBER: Deutscher Fußball-Bund e. V.
GESAMTVERANTWORTUNG: Hannes Wolf
I N H A LT L I C H E M I TA R B E I T : Hanno Balitsch, Lars Bender, Sven Bender, Hermann Gerland, Peter
Hermann, Sabine Loderer, Lena Lotzen, Nikola Ludwig, Antonio Di
Salvo, Daniel Stredak, Sandro Wagner, Hannes Wolf
REDAKTION: philippka GmbH & Co. KG
G E S TA LT U N G : philippka GmbH & Co. KG
TITELFOTO: Conny Kurth
Deutscher Fußball-Bund e. V. • DFB-Campus • Kennedyallee 274 • 60528 Frankfurt/Main
Weitere Informationen unter: [Link]

Common questions

Auf Basis von KI

The 'Trainingsphilosophie Deutschland' influences playtime and competition formats by emphasizing frequent, high-intensity engagements and exposure to diverse tactical scenarios within small-sided game settings. These formats are designed to maximize the development of a wide range of soccer skills, including dribbling, passing, and tactical awareness. By organizing matches with fewer players per side, each player gets more touches on the ball, leading to better skill acquisition. The philosophy prioritizes equal playtime and organizes competition in a way that challenges all participants at an appropriate level, maintaining high levels of player satisfaction and motivation .

The various organizational formats in small-sided games, such as the 3 vs 3 and 4 vs 4 with rotating attack rights, are crafted to enhance players' adaptability, individual skills, and teamwork. These formats simulate various match scenarios, encouraging quick decision-making and diverse tactical awareness. Formats like the rotating attack rights, inspired by other sports like 3-x-3 basketball, ensure high engagement and strategic thinking. The flexible rules, such as the inclusion of an opening zone or rotating attack rights, challenge players to learn dynamic play and effective transition between offensive and defensive roles, contributing to holistic player development .

The 'Trainingsphilosophie Deutschland' promotes inclusivity and player engagement by emphasizing mixed-ability groupings and adaptive training methods, ensuring that all skill levels are catered to within the same framework. Methods such as using different field sizes and player counts, coupled with small-sided games, are employed to tailor challenges to individual capabilities. Additionally, rotational play ensures every child experiences various roles and responsibilities, fostering equality in playtime and participation. This organized adaptability ensures that the training opportunities are equitable, providing a balanced platform for both foundational and advanced skills to be developed concurrently .

The rationale for organizing youth football matches with flexible team and field sizes is to ensure that all children participate at a skill level appropriate to their development, maximizing engagement and minimizing the risk of exclusion. This approach supports the 'Trainingsphilosophie Deutschland' by allowing for high repetition, intensity, and enjoyment, crucial for skill development. By adapting field sizes and player counts, trainers can accommodate the varying physical and cognitive levels of children, ensuring a tailored and inclusive training environment that supports both top-level potential development and broad-based participation .

The 'Trainingsphilosophie Deutschland' seeks to transform traditional scouting by emphasizing player development over talent identification. This new approach focuses on providing consistent and tailored training opportunities that prioritize skill improvement and personal growth rather than simply identifying top performers. By integrating flexible league structures where clubs can choose their competitive level (Gold, Silver, Bronze), the philosophy encourages consistent skill development across various contexts, allowing more players to reach their potential without the pressure of early talent categorization, which can constrain long-term talent growth .

The 'Trainingsphilosophie Deutschland' proposes benefits for physical health by fostering an inclusive, high-intensity training environment that promotes active participation and skill development at all levels. Mentally, it alleviates stress and fosters social connections through team dynamics. The philosophy responds to modern lifestyle trends like increased screen time and sedentary behavior by embedding regular physical activity and engagement in youth training. By aligning with these trends, the philosophy seeks to cultivate lifelong habits of fitness and mental resilience, ensuring that football remains a positive outlet for young people's energy and creativity .

The 'Trainingsphilosophie Deutschland' addresses societal changes such as extended school hours and increased screen time by emphasizing holistic and strategic training through small-sided games. Its core elements include promoting individual player development regardless of age or skill level, offering high-intensity experiences with maximum net playtime, and ensuring that all players have fun. These approaches integrate considerations of mental and physical health, counteract overly tactical football styles, and aim to maximize each player's potential. The philosophy is designed to be universally applicable and has already been adopted by many trainers, who report increased simplicity, better player development, and more enjoyable training sessions .

The 2 vs 2 game with the 8-second rule develops both tactical and physical skills by forcing players to quickly and decisively move towards the goal, simulating real match conditions under time pressure. This setup enhances players' ability to engage in dribbling, partner coordination, and rapid defensive and offensive transitions. Hermann Gerland confirms its value due to its high intensity and the constant pressure on players and goalkeepers, encouraging decisive action. Antonio di Salvo emphasizes its role in promoting forward-thinking and tactical adaptability necessary for both individual and group tactical scenarios .

The 'Trainingsphilosophie Deutschland' outlines several advantages of implementing 'new' Kinderfußball models in schools, primarily through enhanced engagement and skill development. By introducing structured football play like 3 vs 3 games within school settings, children regularly engage in high-intensity, enjoyable, and varied physical activities, fostering better fitness and social interactions. These models promote inclusivity, as they support children playing at their skill level, preventing over or under-stimulation. The association also argues that such integration aligns well with educational goals by providing students with additional opportunities to develop teamwork and leadership skills in a controlled yet flexible environment .

The 'Trainingsphilosophie Deutschland' recommends incorporating educators and parents as integral components of the training environment to enhance support and organization. Parents, for example, can act as field assistants, helping maintain game flow and ensuring fast ball return during play, which reduces downtime. This collaboration allows trainers to focus more on coaching and less on logistics. It also fosters a community atmosphere where adults gain a deeper appreciation for and involvement in youth sports, thereby enriching the overall experience for the players .

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