Modelltest 1
Leseverstehen
Teil 4
Lesen Sie den Text und die Aufgaben 18 – 24.
Kreuzen Sie bei jeder Aufgabe die richtige Lösung an.
Warum eine Helmpflicht Radlern wenig hilft
Endlich, so scheint es, hat auch der deutsche Verkehrsminister sein Herz für die Fahrradfahrer ent-
deckt. Genauer gesagt sorgt er sich um deren Sicherheit. Vor allem schwere Kopfverletzungen be
reiten ihm Sorgen. Die führen häufig zu langfristigen Schäden und bei durchschnittlich 450 Radfahr-
ern im Jahr sind sie sogar tödlich. Das erklärte der Minister vor Kurzem in Berlin. Viele dieser schweren
Unfälle seien vermeidbar, wenn die Radfahrer einen Helm tragen würden. Doch mehr als neunzig
Prüfungstraining | DSD Stufe 2 | © Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin.
Prozent verzichteten auf den Kopfschutz. Wenn sich daran nichts ändere, komme die Helmpflicht,
kündigte er an.
Das klingt zunächst vernünftig. Wenn Menschen sich nicht ausreichend schützen, muss man sie dazu
zwingen. Beim Sicherheitsgurt war es schließlich nicht anders, den wollten zunächst viele Autofahrer
auch nicht freiwillig anlegen. Doch die Situation beim Fahrradhelm ist komplizierter. Eine Helmpflicht
wird sicher die Folgen manches schweren Sturzes abmildern - daran gibt es keinen Zweifel. Sie wird
Alle Rechte vorbehalten.
auch Menschenleben retten. Aber die Gesamtbilanz eines Helmzwanges könnte trotzdem negativ
ausfallen. Denn in der Folge könnte die Radnutzung zurückgehen.
Wenn derzeit nur einer von zehn deutschen Radfahrern einen Helm aufsetzt, was machen dann die
neun ohne Schutz, wenn die Pflicht kommt? Einige werden widerwillig zum Helm greifen, einige
werden weiter ohne fahren – und ein großer Teil wird womöglich wieder aufs Auto umsteigen.
Wenn aber die Radnutzung sinkt, dann sinken auch die positiven gesundheitlichen Effekte des Rad-
fahrens für die Gesellschaft. Wer täglich radelt, stärkt Herz und Kreislauf und bleibt länger fit. Eine
umfassende Analyse der Folgen der Helmpflicht muss dies berücksichtigen.
Hinzu kommt die psychologische Wirkung: Sie lässt Radfahren gefährlicher aussehen, als es tatsächlich
ist. In den Niederlanden, der Radfahrnation Nummer eins, denkt niemand ernsthaft über eine Helm
pflicht nach. Dort trägt auch kaum jemand einen Helm. Warum auch? Radfahren ist in Holland be
sonders sicher, weil Autofahrer immer mit Zweirädern rechnen und weil es gut ausgebaute Fahrrad-
wege gibt.
Und da liegt der Kern des Problems: Wie kann man die Sicherheit der Radfahrer verbessern – und
welche Rolle spielt dabei der Helm? Schwere Kopfverletzungen sind nur ein Teil des Problems. Viele
Unfälle verlaufen ohne gravierende Folgen für Leib und Leben. Meist gibt es nur Prellungen, Schürf-
wunden oder auch mal einen Knochenbruch. Der Helm schützt nur bei ganz bestimmten Stürzen. Wer
schnell im Verkehr unterwegs ist oder sich wagemutig auf dem Mountainbike steile Bergen hinunter-
stürzt, der sollte unbedingt einen Helm tragen. Doch wer gemütlich mit 15 km/h auf dem Fahrrad zum
Bäcker rollt, der braucht den Kopfschutz nicht zwingend. Zumindest, solange es sichere Radwege und
aufmerksame Autofahrer gibt.
Vor allem bei der Infrastruktur besteht gewaltiger Nachholbedarf. Ein kaum ein Meter breiter Streifen
auf dem Fußweg reicht nicht aus, wenn immer mehr Menschen aufs Rad steigen, wie es in den ver
gangenen Jahren geschehen ist. Viele der Konflikte zwischen Radfahrern, Fußgängern und Auto
Autor: Jürgen Weigmann
[Link]/daf 8
Modelltest 1
Leseverstehen
fahrern gehen letztlich auf schlecht ausgebaute Radwege zurück. In den Städten und Gemeinden,
aber auch im Bundesverkehrsministerium hat man den Fahrrad-Boom schlicht verschlafen. Ein
Problem, um das sich der Verkehrsminister ebenso kümmern könnte, sind die folgenschweren Unfälle
an Kreuzungen mit Lastwagen, die rechts abbiegen wollen. Sie enden für den Radfahrer, der neben
dem Lastwagen fährt und eigentlich Vorfahrt hat, häufig im Krankenhaus. Der Radfahrerverein ADFC
fordert daher Warnsysteme für Lkw, die automatisch Alarm schlagen, wenn neben dem Fahrzeug ein
Radfahrer unterwegs ist.
Mehr Sicherheit für Radfahrer würde laut ADFC auch eine konsequente Geschwindigkeitsbegrenzung
in Städten bringen. Denn die Folgen einer Kollision mit einem Auto sind umso schwerwiegender, je
schneller das Auto unterwegs ist. Dabei müssen Autos nicht einmal zum langsam Fahren gezwungen
werden. Würden Nebenstraßen zu Fahrradstraßen ausgebaut, könnten Autos auf der parallel ver
laufenden Hauptstraße weiter mit 50 km/h unterwegs sein. Doch überall dort, wo Pkw und Radler
gemeinsam unterwegs sind, sollte Tempo 30 gelten. Auch die Radfahrer sind in der Pflicht, wenn es
Prüfungstraining | DSD Stufe 2 | © Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin.
um ihre Sicherheit geht. Der Kopfschutz hilft nur wenig, solange in Städten wie Berlin jedes dritte Rad
ohne Licht im Dunkeln unterwegs ist und damit die Unfallgefahr steigt.
Und: Wer eine Helmpflicht für Radler fordert, müsste diese eigentlich konsequenterweise auch für
Fußgänger verlangen. Denn auf Deutschlands Straßen kommen in der Regel mehr Fußgänger als Rad-
fahrer ums Leben. Bei einem Unfall ist ihr Kopf genauso wenig geschützt.
Alle Rechte vorbehalten.
Der Helm ist also nur ein kleiner Mosaikstein im Gesamtkonzept für sicheres Radfahren. Das vielleicht
überzeugendste Argument gegen den Zwang zum Kopfschutz aber lautet: Die Helmpflicht ist typisch
für Länder, in denen das Fahrradfahren noch keine große Rolle spielt. In Australien ist der Helm obli
gatorisch, in vielen US-Bundesstaaten zumindest für Kinder und Jugendliche. Dort schwingen sich je-
doch auch deutlich weniger Menschen auf den Drahtesel als in Holland, Dänemark und Deutschland.
© Holger Dambeck, SPIEGEL ONLINE vom 19. 10. 2011
Aufgaben 18 – 24
Kreuzen Sie die richtige Lösung an.
18 Der Minister ist der Meinung, dass durch die Helmpflicht
A viele Unfälle mit dem Fahrrad verhindert werdem könnten.
B neunzig Prozent der Radfahrer vor Unfällen geschützt wären.
C weniger Radfahrer an den Folgen eines Unfalls sterben würden.
19 Die Helmpflicht könnte dazu führen, dass
A die Anzahl der Fahrradunfälle zurückgeht.
B weniger Menschen Rad fahren.
C die Gefahr von Verletzungen steigt.
Autor: Jürgen Weigmann
[Link]/daf 9
Modelltest 1
Leseverstehen
20 Der Autor vertritt die Meinung, dass
A Radfahren nicht so gefährlich ist, wie es scheint.
B Radfahrer nicht so gesund leben wie angenommen.
C Autofahrer viel aufmerksamer sind, als wir vermuten.
21 Ein Helm schützt den Fahrer bei
A riskanter Fahrweise in der Stadt und im Gelände.
B allen Arten von Stürzen mit dem Fahrrad.
C Prellungen, Schürfwunden und Knochenbrüchen.
Prüfungstraining | DSD Stufe 2 | © Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin.
22 Viele schwere Unfälle mit Lastwagen könnten verhindert werden, wenn
A die Radfahrer die Vorfahrt der Lastwagen beachten würden.
B die gefährlichen Kreuzungen besser ausgebaut wären.
C die Lastwagen ein modernes Alarmsystem hätten.
Alle Rechte vorbehalten.
23 Nach Meinung des Radfahrvereins ADFC wäre es wichtig,
A auch für Fahrräder eine Geschwindigkeitsbegrenzung festzulegen.
B geeignete Nebenstraßen als Fahrradstraßen auszubauen.
C in allen Städten Tempo 30 für Autos und Fahrräder einzuführen.
24 Der Autor möchte zeigen, dass die Helmpflicht für Radfahrer
A die Verkehrssicherheit in den Städten erhöht.
B bei Unfällen den Radfahrer zuverlässig schützt.
C wahrscheinlich mehr Nachteile als Vorteile hat.
Ende Teil 4
Bitte übertragen Sie nun Ihre Lösungen (1 – 24) auf das Antwortblatt.
Ende Prüfungsteil Leseverstehen
Autor: Jürgen Weigmann
[Link]/daf 10