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Lippes

Die Dissertation von Martin Lippes behandelt die Bemessung von Hohlprofil-Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen, wobei experimentelle und theoretische Untersuchungen durchgeführt werden, um die Tragfähigkeit dieser Stützen zu analysieren. Es werden insbesondere runde Vollprofile als Einstellprofile betrachtet, und die Arbeit untersucht die Auswirkungen von Eigenspannungen, Kriechen und Schwindens auf die Traglast sowie die Anwendbarkeit bestehender Normen wie DIN 18800-5 und Eurocode 4-1. Ziel ist es, die Nachweisverfahren für diese speziellen Stützentypen zu optimieren und zu vereinfachen.

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Die Dissertation von Martin Lippes behandelt die Bemessung von Hohlprofil-Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen, wobei experimentelle und theoretische Untersuchungen durchgeführt werden, um die Tragfähigkeit dieser Stützen zu analysieren. Es werden insbesondere runde Vollprofile als Einstellprofile betrachtet, und die Arbeit untersucht die Auswirkungen von Eigenspannungen, Kriechen und Schwindens auf die Traglast sowie die Anwendbarkeit bestehender Normen wie DIN 18800-5 und Eurocode 4-1. Ziel ist es, die Nachweisverfahren für diese speziellen Stützentypen zu optimieren und zu vereinfachen.

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Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen

aus hochfesten Stählen und Betonen

Martin Lippes

Institut für Konstruktiven Ingenieurbau


Bergische Universität Wuppertal

November 2008
Veröffentlicht als Heft 13 in der Schriftenreihe des
Instituts für Konstruktiven Ingenieurbau
Fachbereich D, Abteilung Bauingenieurwesen
Bergische Universität Wuppertal

Herausgeber
Der Geschäftsführende Direktor
Institut für Konstruktiven Ingenieurbau
Bergische Universität Wuppertal

Fachgebiet
Stahlbau und Verbundkonstruktionen
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Gerhard Hanswille
Fachbereich D, Abteilung Bauingenieurwesen
Bergische Universität Wuppertal

Organisation und Verwaltung


Dipl.-Ing. W. Hammer
Institut für Konstruktiven Ingenieurbau
Bergische Universität Wuppertal
Pauluskirchstraße 7
42285 Wuppertal
Telefon: (0202) 439-4209

© Dr.-Ing. Martin Lippes


Wittener Str. 86
58285 Gevelsberg

ISBN 978-3-940795-12-0

Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten. Mit
Genehmigung des Autors ist es gestattet, dieses Heft ganz oder teilweise auf fotomechanischem
Wege (Fotokopie, Mikrokopie) zu vervielfältigen.
Diese Dissertation kann wie folgt zitiert werden:

urn:nbn:de:hbz:468-20090022
[[Link]
I

Vorwort

Die vorliegende Arbeit entstand während meiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter
am Institut für konstruktiven Ingenieurbau der Bergischen Universität Wuppertal.

Mein besonderer Dank gilt Herrn Prof. Hanswille für die wissenschaftliche Unterstützung
sowie die verschiedenen Anregungen und Diskussionen in dieser Zeit.
Herrn Prof. Kurz und Herrn Prof. Zahlten danke ich für die Übernahme der Koreferate.

Meinen Kollegen, insbesondere Herrn Markus Porsch und Herrn Markus Schäfer möchte ich
für die fachliche und kollegiale Unterstützung danken.

Bei Frau Ingeborg Görge möchte ich mich für die ständige Hilfsbereitschaft in dieser Zeit
bedanken.

Gevelsberg, im November 2008 Martin Lippes


II

Kurzdarstellung
In der vorliegenden Arbeit wird über experimentelle und theoretische Untersuchungen an Hohl-
profil-Verbundstützen aus hochfesten Werkstoffen berichtet. Dabei werden insbesondere Stützen
betrachtet, bei denen zur Erhöhung der Traglast runde Vollprofile als Einstellprofile verwendet
werden. Der Anwendungsbereich für Stahlgüten S355 bis S460 und Betongüten C60/75 bis
C100/115 wird rechnerisch untersucht.
Für Rundvollprofile als Stahl werden numerische Untersuchungen zur Entstehung von Eigenspan-
nungen während des Herstellungsprozesses durchgeführt. Basierend auf diesen Berechnungen
erfolgen Untersuchungen zur Anwendbarkeit der in DIN 18800-5 implementierten Tragsicherheits-
nachweise. Dazu werden für Stützen mit Querschnitten aus unterschiedlich großen Mantelrohren
und Einstellprofilen mit Parameteruntersuchungen für unterschiedliche Schlankheiten und
Lastausmitten durchgeführt.
Des Weiteren wird die Tragfähigkeit der Stützenquerschnitte untersucht. Von Interesse ist hierbei
das Verhältnis zwischen dehnungsbeschränkter und vollplastischer Tragfähigkeit eines Quer-
schnittes, da die in den derzeitigen Regelwerken verankerten Nachweisverfahren näherungsweise
von konstanten Verhältnissen zwischen dehnungsbeschränkten und vollplastischen Querschnitts-
tragfähigkeiten ausgehen.
Für den Einfluss des Kriechens und Schwindens auf die Traglast werden zusätzliche Untersu-
chungen durchgeführt. Mittels einer genauen Berechnung, die die zeitliche Entwicklung der Umla-
gerungsgrößen aus dem Kriechen und Schwinden berücksichtigt, wird die Traglastabminderung
infolge des Kriechens und Schwindens untersucht. Die Anwendbarkeit des in DIN 18800-5 und
Eurocode 4-1 angegebenen Ansatzes eines reduzierten E-Moduls für den Beton wird anhand von
vergleichenden Berechnungen überprüft.
In EC 4-1-1 und DIN 18800-5 sind vereinfachte Nachweisverfahren angegeben, um aufwändige
FE-Berechnungen vermeiden zu können. Zum einen kann ein Nachweis für planmäßig zentrischen
Druck nach den europäische Knickspannungslinien geführt werden. Zum anderen werden unter
Ansatz einer konstanten effektiven Biegesteifigkeit und einer geometrischen Ersatzimperfektion die
maßgebenden Schnittgrößen nach Theorie II. Ordnung bestimmt und der Grenztragfähigkeit des
Stützenquerschnittes gegenübergestellt.
Für die spezifischen Besonderheiten des betrachteten Stützentyps werden Anpassungen angege-
ben, sodass diese Stützen ebenfalls auf der Grundlage dieser vereinfachten Nachweisverfahren
bemessen werden können.
III

Abstract
In this paper it is reported about experimental and theoretical investigations dealing with composite
columns made of high strength steel and high strength concrete. Especially columns with
additional massive round steel cores are considered. These cross sections are often used to
increase the ultimate load capacities of composite columns. Steel grades S355 to S460 in
combination with concrete grades C60/75 to C100/115 are considered in numerical investigations.
Massive round steel cores usually have significant residual stresses which arise while the steel is
cooling off during production. Because of actually missing knowledge relating to this topic,
numerical investigations are made to calculate the residual stresses. Based on these results
proposals are made to prove the applicability of the design-rules given by Eurocode 4-1-1 and the
German standard DIN 18800-5. Various cross sections and columns with different load
excentricities are analysed with regard to ultimate loads and horizontal deflections.
Furthermore the load bearing capaciy of various cross sections is examined. Of special interest is
the relation between the ultimate strength of the cross sections determined by limitation of strains
and a fully plastic stress distribution. Contrary to the specification in the standards this relations are
supposed to vary strongly when using different round steel bars and different material strengths.
For a sufficient prediction of the load bearing capacity during lifetime creep and shrinkage of the
concrete has to be considered. With an exact calculation which considers the time dependent
developement of creep and shrinkage the reduction of the bearing capacity is determined. With
these results the applicability of the implified method with a reduced elastic modulus given in
Eurocode 4 and DIN 18800-5 is proved.
A simplified design method for composite columns is given in EN 1994-1-1 and DIN 18800-5 to
avoid extensive FE-calculations. The resistance of members in axial compression can be
determinded according to the European buckling curves. Otherwise the internal forces must be
calculated based on second order theory with an effective flexural stiffness and taking into account
equivalent geometrical bow imperfections.
For the examined type of composite columns recommendations are given for the use of the
simplified design methods in the national and European standards.
IV Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

Inhalt
1 Stand der Technik, Zielsetzung ....................................................................................... 1
2 Bisherige Forschungen auf diesem Gebiet...................................................................... 2
3 Versuche mit runden Hohlprofil-Verbundstützen aus hochfesten Materialien .................. 4
3.1 Versuchsaufbau, Probekörper......................................................................................... 4
3.2 Versuchsdurchführung .................................................................................................... 5
3.3 Versuchsauswertungen................................................................................................... 5
3.3.1 Allgemeines .................................................................................................................... 5
3.3.2 Teilschnittgrößen im Kernprofil........................................................................................ 6
3.3.3 Teilschnittgrößen im Mantelrohr ...................................................................................... 8
3.3.4 Teilschnittgrößen im Beton.............................................................................................10
3.3.5 Auflagerexzentrizitäten...................................................................................................14
3.4 Versuchsergebnisse, statistische Auswertung................................................................15
4 Nichtlineare Berechnung von Stützen mit der Finite – Element – Methode ................... 20
4.1 Allgemeines ...................................................................................................................20
4.2 Systemidealisierung und Randbedingungen ..................................................................20
4.2.1 Werkstoffgesetze, Materialmodelle ................................................................................22
4.2.2 Auswertungen, Versuchsnachrechnungen .....................................................................24
5 Eigenspannungen in Rundvollprofilen ........................................................................... 27
5.1 Einleitung .......................................................................................................................27
5.2 Thermische Eigenschaften von Baustahl .......................................................................27
5.3 Temperaturabhängige mechanische Eigenschaften von Baustahl .................................28
5.4 Zyklische Spannungs-Dehnungsbeziehung ...................................................................29
5.5 Wärmeabgabe an der Oberfläche ..................................................................................29
5.5.1 Konvektion .....................................................................................................................30
5.5.2 Strahlung .......................................................................................................................32
5.6 Annahmen für die Berechnung.......................................................................................32
5.7 FE – Modell....................................................................................................................33
5.7.1 Diskretisierung ...............................................................................................................33
5.7.2 Berechnung des Temperaturverlaufs .............................................................................34
5.7.3 Berechnung der Eigenspannungsverteilung ...................................................................36
5.7.4 Zusammenfassung.........................................................................................................40
5.8 Vereinfachte Ansatzfunktion für die berechneten Eigenspannungen..............................40
5.9 Ansatz der berechneten Eigenspannungen auf ein räumliches System .........................42
5.10 Querschnittsverhalten ....................................................................................................42
5.11 Systemberechnungen ....................................................................................................47
5.12 Zusammenfassung.........................................................................................................48
6 Eigenspannungen in runden Hohlprofilen...................................................................... 49
7 Kriechen und Schwinden .............................................................................................. 50
8 Zur Bemessung von Hohlprofil-Verbundstützen ............................................................ 56
8.1 Beanspruchbarkeiten der Querschnitte ..........................................................................56
8.2 Allgemeines Nachweisverfahren ....................................................................................62
8.3 Vereinfachte Nachweisverfahren....................................................................................64
8.3.1 Tragfähigkeitsnachweis bei planmäßig zentrischen Druck .............................................64
8.3.2 Zur Frage der Einstufung in die Europäischen Knickspannungskurven -
geometrische Ersatzimperfektionen ...............................................................................64
8.3.3 Tragfähigkeitsnachweis bei Druck und Biegung .............................................................69
8.3.4 Zum Ansatz von Ersatzimperfektionen und effektiven Biegesteifigkeiten nach DIN
18800-5 und Eurocode 4 für Berechnungen nach Theorie II. Ordnung...........................70
Inhalt V

8.4 Beulen des Mantelrohres ...............................................................................................79


8.5 Vorschlag für ein vereinfachtes Bemessungsverfahren..................................................81
9 Anwendungsbeispiel ..................................................................................................... 84
9.1 System, Belastung, Umweltbedingungen .......................................................................84
9.2 Querschnittswerte der Teilquerschnitte ..........................................................................84
9.3 Effektiver E-Modul zur Berücksichtigung des Kriechens und Schwindens......................84
9.4 Bezogene Schlankheit ...................................................................................................85
9.5 Bemessungsschnittgrößen.............................................................................................85
9.6 Querschnittstragfähigkeiten............................................................................................86
9.6.1 Plastische Nulllinie in Querschnittsmitte.........................................................................87
9.6.2 Plastische Nulllinie am Kernprofilrand (Kernprofil überdrückt) ........................................88
9.6.3 Tragfähigkeit bei der gegebenen Belastung ...................................................................89
9.7 Nachweis .......................................................................................................................91
10 Schlussbemerkung ....................................................................................................... 92
11 Literatur ........................................................................................................................ 93
Stand der Technik, Zielsetzung 1

1 Stand der Technik, Zielsetzung


Im Geschoss- und Hochhausbau werden heute zur Optimierung der Nutzflächen immer restrikti-
vere Anforderungen an die Abmessungen der Stützen gestellt. Gleichzeitig sollen die Stützen je-
doch eine hohe Tragfähigkeit aufweisen. Bei diesen Randbedingungen sind Verbundstützen mit
ausbetonierten Stahlhohlprofilen besonders vorteilhaft, wenn hochfeste Werkstoffe verwendet
werden. Die Tragfähigkeit der Stützen lässt sich noch erhöhen, wenn zusätzlich Stahlprofile in die
Stahlhohlprofile eingestellt werden. Neben der hohen Tragfähigkeit zeichnen sich diese Stützen
im Vergleich zu Stahlbetonstützen aus hochfestem Beton zudem durch eine signifikant höhere
Duktilität aus.
Das aktuelle Nachweisverfahren für Verbundstützen enthält die EN-Fassung des Eurocode 4-1-1
[1] und die aktuelle deutsche Verbundbaunorm DIN 18800-5 [2]. Bei den in diesen Regelwerken
angegebenen Bemessungsverfahren wird der Imperfektionseinfluss in Abhängigkeit vom
Querschnittstyp und der Versagensachse durch geometrische Ersatzimperfektionen bei der
Berechnung der Schnittgrößen nach Theorie II. Ordnung berücksichtigt.
Für Verbundstützen mit Profilen der Stahlgüten S235 und S355 wurden die geometrischen Ersatz-
imperfektionen, die den Einfluss der geometrischen und strukturellen Imperfektionen abdecken, in
[3] ermittelt. Für die Verwendung von hochfesten Stählen S460 bei Verbundstützen wurde in [4]
ein vereinfachtes Bemessungsverfahren entwickelt, das zwischenzeitlich auch in EIN 1994-1-1
eingeflossen ist. Die vereinfachten Nachweisverfahren und insbesondere die geometrischen
Ersatzimperfektionen resultieren aus der Rückrechnung von Versuchsergebnissen und genauen
Traglastberechnungen. Die effektive Biegesteifigkeit zur Bestimmung der Schnittgrößen nach
Theorie II. Ordnung wurde ebenfalls durch Rückrechnung bestimmt.
Der Nachweis erfolgt durch eine Abgrenzung gegen eine abgeminderte vollplastische
Querschnittsinteraktionskurve. Die Abminderung berücksichtigt dabei den Unterschied zwischen
der dehnungsbeschränkten und vollplastischen Querschnittstragfähigkeit. Bei den in [2]
angegebenen Abminderungen wird zwischen den Materialgüten unterschieden. So wird bei
Baustählen bis zu einer Festigkeit von S355 ein Verhältniswert αM = 0,8 angesetzt, für hochfeste
Stähle S460 ein Wert von αM = 0,9. Eine Unterscheidung hinsichtlich des Querschnittes erfolgt
nicht. Aufgrund der Stahlvollkerne in den hier betrachteten Stützenquerschnitten ist davon
auszugehen, dass der Verhältniswert αM nicht nur abhängig ist von der Stahlgüte, sondern
vielmehr in Abhängigkeit der Querschnittsausbildung und der verwendeten Stahl- und Betongüten
angegeben werden muss.
Durch die Eigenspannungen in den Vollkernprofilen wird erwartet, dass eine Abhängigkeit der an-
zusetzenden Knickspannungslinie vom Kernprofildurchmesser besteht. Diese Differenzierung wird
für den Ansatz einer Ersatzausmitte zur Berechnung einer Stütze nach Theorie II. Ordnung
ebenfalls als sinnvoll erachtet.
Mittels theoretischer Untersuchungen soll das Tragverhalten von Hohlprofilverbundstützen aus
hochfesten Stählen und Betonen mit Rundvollkernen erarbeitet und experimentell abgesichert
werden. Auf dieser Grundlage wird die Anwendung der vereinfachten Verfahren nach DIN 18800-5
auf diesen Stützentyp überprüft. Zielsetzung ist, den Nachweis dieser Stützen mit einem
gegebenenfalls angepassten vereinfachten Verfahren zu ermöglichen.
2 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

2 Bisherige Forschungen auf diesem Gebiet


Zur Bestimmung der Tragfähigkeit von Verbundstützen aus hochfesten sind bereits in der
Vergangenheit verschiedentlich Forschungen durchgeführt worden. So untersuchte Grauers [5]
sowohl gedrungene als auch schlanke Hohlprofil-Verbundstützen aus ausbetonierten Rechteck-
Hohlprofilen. Die Betonfestigkeiten variierten dabei zwischen 23 N/mm² und 103 N/mm². Ziel
dieser Forschungen war es, mögliche Vorteile der Verwendung von hochfestem Beton zu
begründen sowie die Interaktion zwischen Stahlprofil und Beton zu untersuchen. Die
Umschnürungswirkung wurde als gering beziffert. Die Stützen versagten global, nicht lokal. Bei der
Einleitung der Last nur über den Stahlmantel verhielten sich die Stützen wie ungefüllte Stahl-
stützen. Anhand vergleichender Tests konnte nicht festgestellt werden, dass bei dem Erreichen
der Traglast eine Umschnürung des Betons vorhanden bzw. von Einfluss war.

Neben dem Systemtragverhalten, welches auch in der vorliegenden Arbeit vorrangig betrachtet
wird, befassten sich weitere Forschungen mit lokalen Mechanismen, die bei der Lasteinleitung in
eine Stütze von Bedeutung sind. Für das Zusammenwirken von Bauteilen eines Bauwerkes ist
eine zuverlässige Weiterleitung der auftretenden Lasten zwischen den Bauteilen erforderlich.
Hierbei sind für die Wirtschaftlichkeit einer Bauweise insbesondere die Möglichkeiten der
Ausführung von Anschlüssen von Bedeutung. So kann der Anschluss von Bauteilen an Hohlprofil-
Verbundstützen ohne großen konstruktiven Aufwand z.B. mit durch das Hohlprofil durchgesteckten
Knotenblechen realisiert werden. Die Tragwirkung dieser Schneidenlagerung wurde von Roik und
Schwalbenhofer [6] untersucht, wobei ebenfalls von Versuchen zur Haftreibung des Betons am
Mantelrohr berichtet wird. Hanswille und Porsch berichteten 2003 über Versuche zur Lasteinleitung
in Hohlprofilverbundstützen [7]. Ausschlaggebend für diese Versuche waren fehlende detaillierte
Regelungen aufgrund der bis dahin unzureichend untersuchten Lasteinleitung an den
Stützenenden von Verbundstützen. Mit den Untersuchungen wurde das lokale Tragverhalten von
Lasteinleitungsbereichen sowohl der Hohlprofil-Verbundstützen als auch des teilflächen-
beanspruchten Deckenbetons untersucht. Die Lasteinleitung ausschließlich über den
Betonquerschnitt erfolgt demnach über Haftreibung am Mantelrohr infolge radialer Pressungen aus
der seitlichen Ausdehnung des Betons. Die stark vergrößerte Querdehnung stellt sich mit einer
Schädigung des Betongefüges im grenzspannungsnahen Bereich ein.
Das Zusammenwirken von Stahlmantel und Füllbeton vor dem Hintergrund der maximal übertrag-
baren Normalkraft war Gegenstand experimenteller Untersuchungen, über die von O’Shea und
Bridge in [8] berichtet wird. Die Laststeigerung infolge der Umschnürung ist demnach am größten,
wenn die Last nur über den Beton eingeleitet wird. Bei hochfesten Betonen ist der Effekt der
Umschnürung jedoch gering, weil durch die nahezu bis zur Bruchdehnung linear-elastische
Spannungs-Dehnungslinie des Betons und wegen des nur geringen Querdehnungszuwachses
keine Umschnürung des Stahlmantels aktiviert werden kann.
Johansson [9] prüfte und rechnete runde Hohlprofil-Verbundstützen ohne Einstellprofil nach. Er
untersuchte die Tragfähigkeit in Abhängigkeit der Lasteinleitung über den Beton, den Stahlmantel
oder den ganzen Querschnitt und stellte fest, dass mit der Einleitung der Lasten nur über den
Beton die gleiche Tragfähigkeit erzielt wurde wie bei der Lasteinleitung über den ganzen
Querschnitt.

Zusätzlich zu einer zutreffend ausgebildeten Lasteinleitung ist für die Tragfähigkeit von Hohlprofil-
Verbundstützen entscheidend, dass kein lokales Versagen im Querschnitt auftritt. Wenn von
unplanmäßigen Fehlstellen abgesehen wird, ist als lokales Versagen nur das Ausbeulen des
Mantelrohres vor dem Erreichen der Traglast von Bedeutung. Hierzu wird in [12] über experi-
Bisherige Forschungen auf diesem Gebiet 3

mentelle und theoretische Untersuchungen, die das Beulen von betongefüllten Rohren betreffen,
berichtet. Basierend auf umfangreichen Auswertungen und theoretischen Untersuchungen wird ein
Grenzwert für das Verhältnis von Rohrdurchmesser zu Wandstärke angegeben werden, der den in
der DIN 18800-5 angegebenen Grenzwert konservativ erscheinen lässt (s. Kap. 8.4).
Für die Verwendbarkeit von Hohlprofilverbundstützen ist neben der erzielbaren Traglast auch das
Verformungsverhalten von Bedeutung. So ist es in statisch unbestimmten Systemen sinnvoll, wenn
ein einmal erreichtes Lastniveau auch über große Rotationen gehalten werden kann. Diese
Eigenschaft von Verbundstützen wurde in [13] untersucht. Das duktile Verhalten, welches bei
Verbundstützen bei dem Erreichen der Traglast zu beobachten ist, ist eine unter
Sicherheitsaspekten durchaus gewünschte Eigenschaft.
Weitere für den hier betrachteten Stützentyp wesentliche Arbeiten sind die Forschungen, die die
Eigenspannungen in Rundvollprofilen zum Gegenstand haben. So stellte Matting 1970 ein Verfah-
ren vor, welches mit gewissen Vereinfachungen die Berechnung von Eigenspannungen aus dem
Abkühlen durch Abschrecken mit einfachen Mitteln erlaubte [14]. Roik und Schaumann nahmen
Eigenspannungsmessungen an runden und quadratischen Vollkernprofilen vor [15]. Der aktuell
verwendete Eigenspannungsansatz beruht auf diesen Messungen. Sennah und Wahba [16]
berichteten von Versuchen mit Stützen aus Rundvollprofilen Ø 110mm und einer Schlankheit von
λ k ≅ 0,4, wobei sie bei einem nicht spannungsfreiem Querschnitt eine Verringerung der Traglast
von etwa 10% gegenüber einem spannungsarm geglühten Querschnitt feststellten. Dieses führten
sie auf das Vorhandensein bzw. nicht Vorhandensein von Eigenspannungen zurück.
Neben den bereits genannten Einflüssen wurde das für Verbundstützen ebenfalls bedeutende
Langzeitverhalten des Betons betrachtet. So wurden in [17] und [18] das Kriechen und Schwinden
bei Verbundstützen untersucht und festgestellt, dass ein Einfluss auf die Tragfähigkeit erst bei
größeren Schlankheiten berücksichtigt werden muss. Bei Langzeitversuchen, über die in [19]
berichtet wird, konnte anhand von Vergleichen mit Referenzstützen eine Verringerung des Kriech-
einflusses bei Hohlprofilverbundstützen beobachtet werden.
Ergänzend zur experimentellen Bestimmung der Tragfähigkeit von Verbundstützen war es erfor-
derlich, für die Entwicklung von Bemessungskonzepten parametrische Berechnungen durchführen
zu können. Bergmann [20] entwickelte dazu ein inkrementelles Berechnungsverfahren, um die
Schnittgrößen nach Theorie II. Ordnung unter Berücksichtigung der Rissbildung im Beton und von
Eigenspannungen und Plastizierungen im Stahlquerschnitt berechnen zu können.
4 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

3 Versuche mit runden Hohlprofil-Verbundstützen aus hochfesten Materialien


Im Rahmen des AiF – Forschungsprojektes „Einsatz von hochfesten Stählen und Betonen bei
Hohlprofil-Verbundstützen“ [21] wurden entsprechende Versuche an Hohlprofil-Verbundstützen
durchgeführt. Nachfolgend werden die Versuche einschließlich der Auswertungen und Ergebnisse
zusammenfassend beschrieben. Einzelne Details der Versuchsauswertungen werden erläutert.

3.1 Versuchsaufbau, Probekörper


Die Versuche wurden durchgeführt, um experimentell abgesicherte Erkenntnisse zum Tragverhal-
ten dieser Stützen zu erhalten. Es wurden Stützen mit und ohne Kernprofile geprüft. Mittels
spezieller Lasteinleitungskonstruktionen wurden die Stützen mit verschieden großen
Randexzentrizitäten untersucht (Abb. 1).

Querschnitte
System RV 70
e0 S355 MK

RR323,9x4,0 Beton
S235 C 80/95

OK
3792

Lasteinleitung

e0

e0= {5, 20, 60} mm

Abb. 1 Versuche: System und Querschnitte, Stütze in der Prüfmaschine

Die Lasteinleitungskonstruktionen bestanden aus 80 mm dicken Blechen, unter die exzentrisch zur
Prüfkörperachse Zentrierleisten geschweißt waren. Bezüglich der Ausbildung der Lasteinleitungs-
konstruktionen wurde der Zusammenhang zwischen Lasteinleitungen über Teilquerschnitte und
den aufnehmbaren Lasten einer Stütze bereits in [7] untersucht. Unter Berücksichtigung der Er-
kenntnisse aus diesen Forschungen wurde die Lasteinleitung bei den geprüften Stützen vollflächig
ausgebildet, da ausschließlich das globale Tragverhalten Gegenstand der Versuche war. Die ge-
nauen Versuchskörperdaten und Versuchsergebnisse jedes einzelnen Versuches sind bei den
Auswertungen in Kap. 3.4 angegeben.
Versuche mit runden Hohlprofil-Verbundstützen aus hochfesten Materialien 5

3.2 Versuchsdurchführung
Zielsetzung jedes Versuches war es, die bei den eingestellten Randbedingungen maximal auf-
nehmbare Last zu bestimmen. Um Einflüsse aus einem anfänglich nicht vollständigen Kontakt von
Versuchskörper, Lasteinleitungskonstruktion und Aufstandsfläche auf die Versuchsergebnisse be-
ziffern bzw. ausschließen zu können und den Versuch damit reproduzierbar zu machen, wurden
vor der eigentlichen Traglastbestimmung Vorbelastungen aufgebracht. Grundlage der Vorbelas-
tungen waren Vorgaben aus dem Anhang B des EC 4-1-1 [1], die für die Belastungszyklen bei der
Prüfung von Verbundmitteln und Verbunddecken gemacht werden. Mit den Belastungszyklen
sollten auch die zeitlichen Einflüsse aus der realen Belastungsgeschichte näherungsweise erfasst
werden. Nach ersten Phasen mit mittlerer Belastung wurde dazu eine zyklische Vorbelastung
aufgebracht, bevor im Anschluss daran die Last bis zum Versagen stetig gesteigert wurde (Abb.
2). Langzeiteinflüsse aus dem Kriechen und Schwinden, die ebenfalls zu einer „realen“ Belastung
gehören, konnten in dem kurzen Zeitraum der Versuchsdurchführung jedoch nicht gemessen
werden.

Stauchung uz
Kraft F

A B C D E

F4
F2
A, B, D, E: Wegregelung
F1 C: Kraftregelung
t

Abb. 2 Belastungsphasen bei der Versuchsdurchführung

Für eine Beurteilung der Nachrechnungen der Versuche wurden neben der aus der aufgebrachten
Stauchung resultierenden Belastung auch die Verformungen und Dehnungen an den wesentlichen
Stellen des Versuchskörpers gemessen.

3.3 Versuchsauswertungen

3.3.1 Allgemeines
Anhand der aufgezeichneten Versuchsdaten wurden zahlreiche Detailauswertungen durchgeführt.
Diese beinhalteten zunächst einige Plausibilitätskontrollen. So wurde unter der Voraussetzung,
dass der Stützenquerschnitt in Stützenmitte aus Symmetriegründen eben bleiben muss, der ebene
Querschnitt als Referenzwert verwendet, um Abweichungen der Messwerte davon bewerten zu
können. Die sich in den Haltephasen ergebende Kurzzeitrelaxation wurde ebenfalls untersucht
(Kap. [Link]).
Die sich mit der FE-Berechnung maximal ergebende Last sollte mit der maximal im Versuch er-
reichten Last übereinstimmen. Bedingt dadurch müssen dann auch die horizontalen Verformungen
in Stützenmitte, die die Momentenbeanspruchung des Querschnittes an dieser Stelle bestimmen,
übereinstimmen.
Eine wesentliche Aufgabe bei der Auswertung war die Bestimmung der exakten Lastausmitte. Eine
ideal gelenkige Lagerung mit definierter Drehachse und entsprechender Ablesbarkeit der Last-
ausmitte setzt eine äußerst kleine, in ihrer Lage unveränderliche Auflagerfläche oder eine gelenkig
6 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

ausgebildete Konstruktion voraus. Letzteres wäre nur mit großem Aufwand zu realisieren
gewesen. Stattdessen wurde eine Zentrierleiste mit einer endlichen Aufstandsfläche und einer de-
finierten Abrollkante verwendet. Die Lage der Lastresultierenden wurde schließlich durch Rück-
rechnung aus den in Stützenmitte bestimmten Teilschnittgrößen berechnet (Kap. 3.3.5). Durch
Materialprüfungen des Betons und von Zugversuchen mit Proben aus den Stahlquerschnitten
lagen gesicherte Angaben über die Werkstoffeigenschaften für die Nachrechnung vor. Aus Deh-
nungsmessungen an Mantelrohr und Kernprofil in Stützenmitte konnten so die von den Stahlteil-
querschnitten aufgenommenen Teilschnittgrößen an dieser Stelle ermittelt werden (Kap. 3.3.2,
3.3.3). Auch die Teilschnittgrößen des Betons konnten damit unter Ansatz sinnvoller Annahmen
bestimmt werden (Kap. 3.3.4). Die Plausibilität der getroffenen Annahmen ergibt sich aus der
Übereinstimmung von Versuch und Nachrechnung (Kap. 3.4). Folgende Bezeichnungen werden
bei den Auswertungen verwendet:

M
N, F
MR
NR Nc NK MK Mx, Mq
Mc
x
y
My
N, F auf den Gesamtquerschnitt Nu, Fu Traglast der Stütze
einwirkende Normalkraft Mu zur Traglast Fu zugehöriges Moment
M auf den Gesamtquerschnitt NK, MK Teilschnittgrößen des Kernprofils
einwirkendes Moment Nc, Mc Teilschnittgrößen des Betonquerschnitts
Mq Biegemoment um die x-Achse NR, MR Teilschnittgrößen des Mantelrohres

Abb. 3 Bezeichnung der Teilschnittgrößen und Traglasten

3.3.2 Teilschnittgrößen im Kernprofil

ei NK, MK,y NK, MK,x = MK,q


Ni
σ(ε) Ausbiege-
richtung

Ai ε+y y y Ausbiege-
richtung
x x

ε-y
DMS ε+x
Ni = A i σm,i ⇒ NK = ∑ Ni
ε-x
Mi = Ni ei ⇒ MK = ∑ Mi

Abb. 4 Ermittlung der Teilschnittgrößen am Kernprofil

Die Dehnungen am Kernprofil wurden in den Viertelspunkten der Systemlänge L in Stützenlängs-


richtung gemessen. Dazu wurden jeweils vier DMS, wie aus Abb. 4 ersichtlich, in Umfangsrichtung
Versuche mit runden Hohlprofil-Verbundstützen aus hochfesten Materialien 7

angeordnet. Zur Bestimmung der Teilschnittgrößen wird der Querschnitt, wie in Abb. 4 dargestellt,
in Segmente eingeteilt. Für diese wird dann aus den am Profilrand in der betrachteten Ausweich-
richtung gemessenen Dehnungen der Dehnungs- und Spannungszustand bestimmt. Ein
Aufsummieren über die Fläche und Multiplizieren mit dem inneren Hebelarm zur Stützenachse
führt zu den Teilschnittgrößen MK und NK.
Für die Berechnungen wird eine mittlere biaxiale Spannungs-Dehnungslinie für den Baustahl in
Anlehnung an die experimentell bestimmte Spannungs-Dehnungslinie angesetzt (Abb. 5). Da
aufgrund der gedrungenen Querschnittsform relativ geringe Dehnungsunterschiede zwischen den
Rändern auftraten und auch wegen der zentrischen Lage im Querschnitt überwiegend
Normalkräfte übertragen wurden, erübrigte sich eine Differenzierung der anzusetzenden
Spannungs-Dehnungslinie nach dem Innen- und Außenbereich.

Abb. 5 Spannungs-Dehnungslinien aus Zugversuchen an Kernprofilproben

In Abb. 6 ist exemplarisch für eine Versuchsstütze die Entwicklung der Normalkraft in Kernprofil-
mitte NK,Mitte in Relation zu der bei maximaler Stützenlast auftretenden Normalkraft im Kern an
dieser Stelle NK,Mitte,max aufgetragen. Zusätzlich wird die Entwicklung der Normalkräfte im oberen
und unteren Viertelspunkt der Knicklänge (NK,Ovp und NK,UVp) mit der Normalkraft in Stützenmitte
dargestellt.

NK,OVp
NK,Mitte

NK,UVp
NK,Mitte

Abb. 6 Versuch MK1: Entwicklung der Normalkraft in Kernmitte, Relation der Normalkräfte in
den Viertelspunkten zu der Normalkraft in Stützenmitte (aufgetragen jeweils über der
Normalkraft des gesamten Querschnitts)
8 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

[kN, kNm] MK1 MK2 MK3 MK4 MK5 MK6


Auswertung bei maximal erreichter Last Nu
Nu 5560 5322 3392 3277 6150 7359
NK 1136 1134 450 477 1087 1393
MK,y 3,63 3,98 4,78 4,40 1,54 2,1
My 224,3 248,7 282,5 306,5 169,1 195,2
MK,x -0,24 0,26 0,11 0,33 0,44 0,3
NK,OVp/NK,Mitte 0,99 0,91 1,17 1,08 0,98 0,97
NK,UVp/NK,Mitte 0,98 0,98 1,20 1,20 1,43 1,02
Auswertung bei 0,5 Nu
Nu /2 2780 2666 1696 1639 3075 3680
NK 482 486 239 256 509 703
MK,y 1,00 1,16 1,22 1,20 0,52 0,98
My 116,5 137,0 123,9 138,2 91,5 71,0
MK,x 0,05 0,16 0,55 0,54 -0,22 0,20
NK,OVp/NK,Mitte 1,02 0,95 1,06 1,04 1,00 0,99
NK,UVp/NK,Mitte 1,01 0,96 1,08 1,05 1,00 1,02
Tab. 1 Auswertung der DMS-Messungen am Kern

Aus der tabellarischen Zusammenstellung der Ergebnisse in Tab. 1 ist zu erkennen, dass die Mit-
wirkung des Kernprofils an der Aufnahme der Biegemomente der Stütze von untergeordneter Be-
deutung ist. Bei einer großen planmäßigen Ausmitte (Stützen MK3, MK4) an den Stützenenden
verringert sich jedoch die Normalkraft im Kern in Stützenmitte gegenüber der Normalkraft in den
Viertelspunkten signifikant beim Erreichen der Traglast.

3.3.3 Teilschnittgrößen im Mantelrohr


Aus den gemessenen Dehnungen werden unter der Voraussetzung des Ebenbleibens des Quer-
schnittes die Teilschnittgrößen M und N des Mantelrohres in Stützenmitte bestimmt. Der nachfol-
gend vorgestellte und angewendete Algorithmus setzt dabei eine ideale bilineare Spannungs-Deh-
nungslinie des Stahles voraus. Er wird hier näherungsweise verwendet, da das Mantelrohr eher
das typische Verhalten eines kaltverformten Stahles aufweist, wie aus Abb. 7 ersichtlich ist.

Abb. 7 Spannungs-Dehnungslinie des Mantelrohres aus Zugversuchen


Versuche mit runden Hohlprofil-Verbundstützen aus hochfesten Materialien 9

Es wird angenommen, dass die Dehnungen zwischen den Messpunkten jeweils linear veränderlich
sind. Der betrachtete Querschnitt wird in kleine Segmente unterteilt. Für diese Segmente werden
die vorhandenen Spannungen bestimmt. Aus diesen können dann mit Kenntnis der Teilflächen
und zugehörigen Hebelarme die Normalkraftanteile und die Momentenanteile ermittelt werden. Die
Teilschnittgrößen erhält man durch Addition der einzelnen Anteile. Die gemessenen Dehnungen
werden unter Berücksichtigung von Längs- und Querdehnung für den zweiaxialen Spannungszu-
stand nach dem folgenden Algorithmus ausgewertet [22].
Die elastischen Spannungen bei einem zweiaxialen Spannungszustand berechnen sich zu
E
σ1 = (ε1 + νε 2 )
1 − ν2
(3-1)
E
σ2 = 2
(ε 2 + νε1 )
1− ν
Erreichen die Spannungen die Fließgrenze, so gilt:

σ12 + σ 2 2 − σ1σ 2 = f y 2 (3-2)

Unter der Annahme ideal elastisch – ideal plastischen Materialverhaltens ändert jeder weitere
Dehnungszuwachs nur das Verhältnis der Spannungen; die Bedingung (3-2) bleibt dabei immer
erfüllt. Um die Spannungsänderungen berechnen zu können, wird angenommen, dass bei kleinen
Schritten die Resultierende der geänderten Spannungen sowohl parallel zur Ausgangsresultieren-
den als auch senkrecht zur Fließfläche verläuft, also die partiellen Ableitungen von Gleichung (3-2)
nach den Spannungen linear sind. Da die Fließfläche gekrümmt ist, ist der darauf gründende Re-
chenansatz nur bei kleinen Spannungsänderungen gültig. Die zulässige Größe der inkrementellen
Änderungen der Spannungen wurde daher in den Auswertungsalgorithmen begrenzt und durch
vergleichende Rechnungen abgesichert.

σ1
σ12 + σ22 − σ1σ2 = fy 2
σ2
Vektoren
als parallel
σ2+δσ2
verlaufend
σ1+δσ1
angenommen

Abb. 8 Änderung der Spannungen auf der Fließfläche

Mit Bedingung (3-2) und


δfy 2 δfy 2
= 2σ1 − σ2 = 0 und = 2σ2 − σ1 = 0 (3-3)
δσ1 δσ2
ergibt sich folgende Bedingung für die Spannungsänderung:
2σ1δσ1 − σ 2 δσ1 + 2σ 2 δσ 2 − σ1δσ 2 = 0 (3-4)
Diese Addition der partiellen Steigungen multipliziert mit den Spannungsänderungen für jede Rich-
tung stellt eine Näherung zur exakten Lösung dar. Die ergänzende Bestimmungsgleichung zu
Bedingung (3-2) für die exakte Lösung lautet:

( σ1 + δσ1 )2 + ( σ2 + δσ2 )2 − ( σ1 + δσ1 )( σ2 + δσ2 ) = fy2 (3-5)


10 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

Nach Gleichsetzen mit Bedingung (3-2) erhält man

2σ1δσ1 − σ2 δσ1 + 2σ2 δσ2 − σ1δσ2 + δσ12 + δσ22 − δσ1δσ2 = 0 (3-6)

Durch Vergleich mit Gleichung (3-4) ist zu erkennen, welcher Teil der Gleichung (3-6) bei der
Näherungslösung vernachlässigt wird. Dies führt jedoch zu einem verwendbaren Algorithmus zur
Berechnung der Spannungsänderungen auf der Fließfläche. Mit den Gleichungen (3-7) bis (3-12)
können dann auf der Grundlage von Gleichung (3-4) die Spannungen bei dem Auftreten von
Plastizierungen berechnet werden.
2σ 2 − σ1
γ= (3-7)
2σ1 − σ 2

1
α= (3-8)
γ
E a (δε 2 − γδε1 )
δσ1 = (3-9)
α − 2ν a − γ

δσ 2 = α δσ1 (3-10)
σ1 = σ1 + δσ1 (3-11)
σ 2 = σ 2 + δσ 2 (3-12)
Die hier getroffene Annahme, dass es sich um einen ebenen, zweiaxialen Spannungszustand
handelt, wird bei der Auswertung der auftretenden Ringzugspannungen und dem dabei möglichen
Innendruck auf das Mantelrohr bestätigt (Kap. [Link]).

3.3.4 Teilschnittgrößen im Beton

[Link] Mechanische Eigenschaften


Zur Bestimmung der zugrunde zu legenden Werkstoffeigenschaften wurden beim Betonieren der
Versuchskörper Probezylinder gefertigt, die nach 28 tägiger Wasserlagerung teils an der Luft und
teils luftdicht verpackt gelagert wurden. Die Zylinder wurden zu Anfang, etwa in der Mitte und am
Ende der Versuchsreihe geprüft, um Aufschluss über die Festigkeitsentwicklung zu erhalten
(Tab. 2)’. Der gemessene E-Modul korrespondierte dabei gut mit den in DIN 1045-1 für die erzielte
Druckfestigkeit angegebenen Wert, sodass die maßgeblichen Grenzdehnungen entsprechend den
normativ festgelegten Werten angenommen wurden (s.a. Abb. 9).

fc
fcm

0,4 fcm
Ecm
εc

εc = εcu

Abb. 9 Spannungs-Dehnungslinie des Betons für nichtlineare Berechnungen


Versuche mit runden Hohlprofil-Verbundstützen aus hochfesten Materialien 11

Probenalter Normlagerung Lagerung in Plastiktüten


[Tage] fcm min. fci fck Ecm fcm min. fci fck Ecm
57 94,9 93,9 89,9 43155 88,8 86,9 83,8 42787
169 101,2 100,9 96,2 45464 85,4 80,8 80,4 45210
307 98,3 97,9 94,3 42262 73,7 70,1 68,7 42763
fck nach DIN 1045-2, [Link] [39]
Tab. 2 Ergebnisse der Betonzylinderprüfungen [N/mm²]

[Link] Einflüsse aus der Kurzzeitrelaxation


Während der Haltephasen der Stauchung im Versuchsverlauf trat ein Abfall der gemessenen
Normalkraft auf. Diese Kurzzeitrelaxation war zu Beginn einer Haltephase am stärksten und nahm
mit der Zeit ab.
Bei einer darauf folgenden Erhöhung der Stauchung wurde der vorherige Last-Verformungspfad in
der Regel wieder erreicht, so dass die Haltephasen auf die Maximallast und die zugehörige Ver-
formung nur einen untergeordneten Einfluss hatten. Die bei der Versuchsdurchführung angesetz-
ten Haltephasen riefen nur einen geringen temporären Lastabfall hervor.
Für die numerische Erfassung dieser Kurzzeitrelaxation werden für die Phasen mit gehaltener
Stauchung jeweils zu Beginn und am Ende die Lasten und Verformungen ausgewertet. Dabei ist
zu erkennen, dass der Lastabfall bei einer höheren Haltelast zunimmt (Abb. 10). Die Streuung der
Werte ist dabei bei den Stützen ohne Kernprofil größer als bei den Stützen mit Kernprofil. Bei Hal-
tezeiten von drei oder mehr Stunden stieg die Last bei konstanter Stauchung wahrscheinlich in-
folge von Temperaturschwankungen wieder an, sodass sich am Ende der Haltephase ein geringe-
rer Lastabfall ergibt.

F
F(tA)
F(tE)

∆t
Zeit t
tA tE

Abb. 10 Lastabfall durch Kurzzeitrelaxation


12 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

[Link] Ringzugspannungen im Mantelrohr


Die Umschnürungswirkung des Rohres führt bei einbetonierten Rohren zu einer Vergrößerung der
Normalkrafttragfähigkeit. Für gedrungene Stützen mit einem Schlankheitsgrad λ K nicht größer als
0,5 kann bei einer Lastausmitte e = MEd NEd kleiner als 0,1 nach [2] die Umschnürungswirkung
des Mantelrohres berücksichtigt werden.

σc,r fck,c
α1=1,125
f ck α1=1,00 α2= 2,5
α2= 5,0
1,75
σc fck,c
1,25
1,00 σc,r
σz σc,r fck,c = α1fck + α 2 σ c,r
σ c,r
fck

0,05 0,25
t σy σy
d d - 2t
Abb. 11 Klemmwirkung bei dreiaxialer Beanspruchung des Betons [28]

Nachfolgend wird überprüft, ob bei den hier untersuchten schlanken Stützen mit hochfesten Beto-
nen ein nennenswerter Einfluss der Umschnürungswirkung noch vorhanden ist. In Tab. 3 sind die
im Rohr auftretenden Mittelwerte der Ringzugspannungen für zwei Laststufen zusammengestellt.

Unterstellt man, dass die Spannung σ y vollständig mit den radialen Betondruckspannungen im
Gleichgewicht steht, so kann folgende Beziehung zwischen den stets senkrecht auf den Mantel
wirkenden Betondruckspannungen σcr und der Ringzugspannung σy im Mantelrohr angenommen
werden.
d
σ y ⋅ t = c ⋅ σcr (3-13)
2
MK1 MK2 MK3 MK4 MK5 MK6 OK1 OK2 OK3 OK4 OK5 OK6
0,8 Nu
σy 3,23 3,86 -0,38 8,16 -3,52 4,21 -15,5 13,8 5,86 8,86 5,53 3,23
Nu
σy 16,4 29,1 15,6 10,8 2,01 4,70 -48,6 32,6 8,21 25,8 17,0 29,5
σcr 0,42 0,74 0,40 0,27 0,05 0,12 0 0,83 0,21 0,65 0,43 0,75

Tab. 3 Gemittelte Ringzugspannungen σ y und zugehörige rechnerische Radialspannungen σcr


im Beton und im Mantelrohr in Stützenmitte [N/mm²]

Die Druckspannungen σcr (Tab. 3) verdeutlichen, dass der Einfluss der Umschnürungswirkung auf
die Tragfähigkeit des Betonquerschnitts und die Verteilung der Teilschnittgrößen im Querschnitt
von untergeordneter Bedeutung ist.
Versuche mit runden Hohlprofil-Verbundstützen aus hochfesten Materialien 13

[Link] Auswertung
Die Teilschnittgrößen des Betons werden indirekt aus den Dehnungs- und Verformungsmessun-
gen am Stahlmantel und Kernprofil berechnet. Die Summe der Teilschnittgrößen aus Mantelrohr,
Kernprofil und Beton entspricht dabei der Normalkraft und dem zugehörigen Biegemoment, wel-
ches aus der Lastausmitte und der Verformung ux resultiert. Die Teilschnittgrößen und die zugehö-
rige Lastausmitte sind abhängig von dem angenommenen Spannungszustand und möglichen Ein-
flüssen aus der dreiaxialen Beanspruchung des Betons. Daher werden vorab die Kurzzeitrelaxa-
tion des Betons und die Umschnürungswirkung des Mantelrohres hinsichtlich einer Beeinflussung
des Betontragverhaltens untersucht.
Zur Bestimmung der Teilschnittgrößen im Beton wurde von folgenden Annahmen ausgegangen:
• Aufgrund der monolithischen Struktur der Stütze und der vollflächigen Lasteinleitung wurde
davon ausgegangen, dass die Randdehnungen im Beton den am Stahlmantel gemessenen
Dehnungen entsprach.
• Die maximale Betonfestigkeit wurde bei einer Dehnung erreicht, die dem dieser Festigkeit
entsprechenden, in DIN 1045-1 [23] angegebenen Wert entsprach.
• Die Lastgeschichte bis zum Erreichen der Traglast beeinflusste die anzusetzenden
Betonkennwerte nicht.
Anhand der Auswertungen war deutlich zu erkennen, dass die Betondehnungen, bei der die Stüt-
zen ihre Maximallast erreichten, etwa dem in DIN 1045-1 [23] für diese Betonfestigkeit tabellierten
Wert entsprachen.
Bei der Rückrechnung der Lastausmitte aus den bei einer Last auftretenden Dehnungen zeigte
sich eine deutliche Konvergenz hin zu dem sich bei Maximallast einstellenden Wert. Insofern
konnte erkannt werden, ab wann die Dehnung im Stahlmantel infolge der Volumenzunahme des
Betons nicht mehr der Dehnung im Beton entsprach. Bezeichnenderweise stellte sich dieser Effekt
mit dem Erreichen der Traglast ein, als sich aufgrund der Zerstörung eine Volumenzunahme im
Beton ergab.
Zur Bestimmung der Teilschnittgrößen im Beton wird die Spannungs-Dehnungslinie für nichtlineare
Berechnungen nach [23] angesetzt. Die Zugtragfähigkeit wird vernachlässigt. Dabei wird
angenommen, dass die Randdehnungen des Betons im Allgemeinen gleich den am Mantelrohr
gemessenen Dehnungen sind. Die Dehnungsänderungen über die Dicke des Mantelrohres werden
vernachlässigt. Das Versagen des Betons beim Erreichen der Traglast äußert sich in über-
proportionalen Dehnungszuwächsen im Mantelrohr. Verdeutlicht wird dies, wenn die Dehnungen
beim Erreichen der Traglast mit den Dehnungen verglichen werden, die bei einem Lastniveau von
80% der erreichten Last am Stahlmantel auftreten (Tab. 4).

MK1 MK2 MK3 MK4 MK5 MK6 OK1 OK2 OK3 OK4 OK5 OK6
0,8 Nu
εL,+x 0,2 0,3 0,9 1,1 -0,5 -0,4 -0,1 -0,1 0,9 0,9 -0,2 0,2
εL,+x -2,3 -2,3 -2,1 -2,2 -1,7 -2,3 -2,2 -2,1 -2,1 -2,0 -1,9 -2,3
Nu
εL,+x 0,6 0,9 2,4 2,1 -0,3 -0,3 0,2 -0,1 1,6 1,7 0 -0,3
εL,+x -3,5 -3,4 -3,7 -3,4 -2,5 -3,2 -5,1 -3,0 -3,4 -3,0 -2,9 -3,9
Tab. 4 Randdehnungen in Stützenlängsrichtung im Beton in Stützenmitte in [‰]
14 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

Der Dehnungsanstieg erfolgt unmittelbar vor dem Erreichen der Traglast, wobei die erreichten
Dehnungen teilweise über der kritischen Dehnung des Betons liegen. Die Teilschnittgrößen des
Betons werden deshalb für die auftretenden Dehnungen und vergleichsweise auch für eine mit
3 ‰ angenommene kritische Dehnung ausgewertet (Kap. 3.3.5). Eine Umschnürungswirkung des
Mantelrohres ist nicht vorhanden (Kap. [Link]).
Die Teilschnittgrößen werden segmentweise für die auftretenden Randdehnungen berechnet. Mit
den Teilschnittgrößen des Betons können die tatsächlich vorhandenen Lastausmitten bestimmt
werden (Kap. 3.3.5).

3.3.5 Auflagerexzentrizitäten
Für die Planung und Durchführung der Versuche wurde das lichte Maß e0 zwischen der Abroll-
kante des Auflagerblockes und der Stützenachse als Auflagerexzentrizität zugrunde gelegt. Die
Auswertung der Versuche zeigt, dass es sich bei der Drehachse nicht um eine ideale Schneiden-
lagerung an der Abrollkante handelt. Die tatsächlich planmäßige Lastexzentrizität ist größer als der
theoretische Wert e0. Die Exzentrizität muss daher aus der tatsächlichen Lastaufstandsfläche zu-
rückgerechnet werden. Die Ausdehnung dieser Fläche in Ausweichrichtung ist abhängig von der
Belastung und der Verdrehung der Stütze und von der Ebenheit der Aufstandsfläche. Für die Be-
rechnung der zusätzlichen Randexzentrizität aus der Verdrehung der Stützenendkonstruktion wird
wie folgt vorgegangen:
• Die Teilschnittgrößen aus dem Mantelrohr und dem Kernprofil sind bekannt. Unter Ansatz
der Spannungs-Dehnungslinie für nichtlineare Berechnungen für den Beton werden unter
Zugrundelegung des gegebenen Dehnungszustands am Mantelrohr die Teilschnittgrößen
des Betons bestimmt.
• Aus der Summe der Teilschnittgrößen (Normalkräfte, Biegemomente) kann die tatsächliche
Lastausmitte in Stützenmitte bestimmt werden zu ex = M/N. Mit Kenntnis der lichten Ausmitte
und der horizontalen Verformung ux in Stützenmitte kann dann auf die Aufstandsfläche und
den Abstand der Drehachse vom Auflagerrand ∆ex geschlossen werden.
• Aus Kap. [Link] ist bekannt, dass keine signifikanten Ringzugspannungen im Mantelrohr
auftreten, die einen (lasterhöhenden) mehraxialen Spannungszustand im Beton hervorrufen.
• Das zu einer Druckkraft gehörige Moment korrespondiert mit der Ausmitte der betrachteten
Stelle und dem (gemessenen) Dehnungszustand an dieser Stelle. Die Übereinstimmung von
Normalkraft und Biegemoment aus Versuchsauswertung und Nachrechnung bestätigt die
Annahmen.

∆ex [mm] N
lichte Ausmitte:
e0 = 5 mm

ux

∆ex e0
N ex
Nu
ex = e0+∆ex

Abb. 12 Stütze MK6: Lastabhängige, zusätzliche Randexzentrizität


Versuche mit runden Hohlprofil-Verbundstützen aus hochfesten Materialien 15

Die Stütze folgt bei einer Wiederbelastung nach einem Entlasten einem anderen Last-
Verformungspfad als bei Erstbelastung. Dadurch können gerade bei niedrigen Lastniveaus rech-
nerisch unterschiedliche Lastausmitten auftreten. Mit zunehmender Last werden die Streuungen
jedoch geringer, sodass bei dem Erreichen der Traglast eine eindeutige Ausmitte angegeben wer-
den kann. Abb. 12 zeigt die so ermittelten Exzentrizitäten ex für die Stütze MK6. In Tab. 5 sind die
Lastexzentrizitäten bei Erreichen der Traglast, die den bei der Nachrechnung angesetzten
Ausmitten ex,FEM der Versuche entsprechen, zusammengestellt.

MK1 MK2 MK3 MK4 MK5 MK6 OK1 OK2 OK3 OK4 OK5 OK6
e0 20 20 60 60 5 5 20 20 60 60 5 5
∆ex 10 17 10 11 7 7 10 0 14 15 13 15
ex 30 37 70 71 12 12 30 20 74 75 18 20
Tab. 5 Rechnerisch ermittelte Lastausmitten beim Erreichen der Traglast [mm]

3.4 Versuchsergebnisse, statistische Auswertung


Aus der Zusammenstellung der wesentlichen Versuchsergebnisse in Tab. 6 ist ersichtlich, dass
bei den Versuchen MK5 und OK2 die erwartete Traglast nicht erreicht wurde. Bei der Stütze MK5
mit Kernprofil und kleiner Lastausmitte trat ein vorzeitiges Versagen des Auflagerbereichs ein, weil
sich ein Hohlraum zwischen den Distanzblechen des Kernprofils gebildet hatte.

F Versuch: MK1 MK2 MK3 MK4 MK5 MK6


φo Nu [kN] 5560 5322 3392 3277 6150 7359
ex [mm] 30 37 70 71 12 12
ex uxII [mm] 16,0 16,1 23,8 23,2 15,0 16,0
∆h/h [-] 0,0 -0,04 0,0 -0,05 - -0,06
uz [mm] k.A. 6,9 8,0 12,0 k.A. 9,0
∆h(emax)

φo [ ‰] 15,1 19,2 24,1 24,4 11,8 16,5


φu [ ‰] 15,1 17,7 25,9 33,4 14,4 14,1
uxII
h -uz

εmin [ ‰] -3,46 -3,43 -3,68 -3,44 -2,51 -3,15


εmax [ ‰] 0,56 0,86 2,40 2,06 -0,34 -0,29
εmax
εmin Versuch: OK1 OK2 OK3 OK4 OK5 OK6
Nu [kN] 5439 4275 3192 2986 5980 5903
eR [mm] 30 20 74 75 20 20
ex uxII [mm] 12,4 20,2 19,6 15,1 11,6 12,4
∆h/h [-] 0,03 0,05 0,03 -0,11 0,0 -0,08
φu uz [mm] 8,7 7,3 8,0 8,1 10,4 8,5
φo [ ‰] 13,5 17,2 23,3 21,5 27,7 14,5
F
φu [ ‰] 24,8 14,6 20,9 23,5 10,8 9,7
εmin [ ‰] -5,09 -2,98 -3,36 -2,99 -2,85 -3,91
εmax [ ‰] 0,21 -0,11 1,58 1,70 -0,30 -0,33
Tab. 6 Verformungen unter
Maximallast
16 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

Dies äußerte sich in einem lokalen Ausbeulen des Mantelrohres. Bei der Stütze OK2 zeigte sich
nach dem Entfernen des Mantelrohres und dem Aufschneiden des Betons, dass der Beton im
mittleren Drittel der Stütze unzureichend verdichtet war (Abb. 13). Diese Stützen bleiben bei der
Nachrechnung und der folgenden statistischen Auswertung unberücksichtigt, da diese
unplanmäßigen Ausführungsfehler durch das Sicherheitskonzept nicht erfasst werden.

Abb. 13 Stütze OK2: Lufteinschlüsse in der Betonfüllung

Versuch MK1 MK2 MK3 MK4 MK5 MK6


Nu [kN] 5560 5322 3392 3277 6150 7359
Auswertung NR,ε [kN] 742 628 170 368 960 967
der Nc,ε [kN] 3721 3405 2286 2500 4293 4734
gemessenen NK,ε [kN] 1135 1134 443 451 1087 1393
Dehnungen Σ Nε [kN] 5598 5167 2899 3319 6340 7094
MR,ε [kNm] 116 98 144 115 53 55
Mc,ε [kNm] 134 147 144 178 169 138
MK,ε [kNm] 4 4 5 3 2 2
Σ Mε [kNm] 224 249 293 296 224 195
Vergleich Σ Ni,ε /Nu [-] 1,01 0,97 0,85 1,01 1,03 0,96
Tab. 7 Stützen mit Kernprofil: Teilschnittgrößen aus Dehnungsauswertung bei Nu

Versuch OK1 OK2 OK3 OK4 OK5 OK6


Nu [kN] 5439 4275 3192 2986 5980 5903
Auswertung NR,ε [kN] 1014 948 381 262 849 1046
der Nc,ε [kN] 4284 4802 2851 2528 5059 5047
gemessenen Σ Nε [kN] 5298 5750 3232 2790 5908 6093
Dehnungen MR,ε [kNm] 67 62 124 129 67 53
Mc,ε [kNm] 171 151 203 168 123 137
Σ Mε [kNm] 238 213 327 297 190 190
Vergleich Σ Ni,ε /Nu [-] 0,97 1,35 1,01 0,93 0,99 1,03
Tab. 8 Stützen ohne Kernprofil: Teilschnittgrößen aus Dehnungsauswertung bei Fu

In Tab. 9 sind die beim Versuch gemessenen maximalen Lasten mit den horizontalen Auslenkun-
gen in Stützenmitte den zugehörigen, aus der Nachrechnung ermittelten Werten gegenübergestellt
(s.a. Abb. 14). Dabei ist eine gute Übereinstimmung der Lasten Fu und der zugehörigen Gesamt-
ausmitten uges(Fu) zu erkennen.
Versuche mit runden Hohlprofil-Verbundstützen aus hochfesten Materialien 17

OK1 OK3 OK4 OK5 OK6 MK1 MK2 MK3 MK4 MK6
Versuch
Fu 5439 3192 2986 5980 5903 5560 5322 3392 3277 7359
e0 20 60 60 5 5 20 20 60 60 5
∆ex(Fu) 10 14 15 13 15 10 17 10 11 7
ux(Fu) 12,4 20,2 19,6 15,1 11,6 16,0 16,1 23,8 23,2 15,0
ex + ux(Fu) 42,4 94,2 94,6 33,1 30,6 46,0 53,1 93,8 94,2 27,0
FEM - Nachrechnung
e0,FEM 30 74 75 18 20 30 37 70 71 12
Fu 4981 3247 3188 6182 5938 5493 5094 3401 3409 6969
ux(Fu) 17,5 26,5 25,4 17,4 17,9 20,5 22,2 28,4 29,6 14,3
ex + uz(Fu) 47,5 100,5 100,4 35,4 37,9 50,5 59,2 98,4 100,6 26,3
Tab. 9 Gegenüberstellung von Versuchen und Nachrechnungen

max. FFEM
[kN]

Stützen mit
Kernprofil

Stützen ohne
Kernprofil

max. FVersuch
[kN]

Abb. 14 Gegenüberstellung der experimentellen und theoretischen Stützentraglasten

Zur Ermittlung der charakteristischen Werte der Tragfähigkeit und zur Bestimmung der Teilsicher-
heitsbeiwerte wird das in EN 1990 [25] angegebene Auswerteverfahren verwendet. Berücksichtigt
werden in der Auswertung neben den Versuchsergebnissen und den Ergebnissen der Traglastbe-
rechnungen auch mögliche Streuungen in den Materialeigenschaften oder der Versuchskonfigura-
tion. Die Streuungen in den Materialeigenschaften werden durch den Variationskoeffizienten aus-
gedrückt. Diese Werte werden wie nachfolgend angegeben bestimmt.
Nach [26] und [27] ist fck der charakteristische Wert (5%-Fraktile) der Betondruckfestigkeit. Die
mittlere Betondruckfestigkeit ergibt sich zu fcm = fck + 8. Daraus lässt sich der Variationskoeffizient
für den Beton ableiten.

fck = fcm − 8 = fcm − 1,645 σfc [N / mm2 ] (3-14)

σ fc 8
Vfc = = (3-15)
fcm 1,645 fcm
18 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

Für fcm wird der aus den Zylinderprüfungen gemessene Wert von etwa 100 N/mm² angesetzt. Da-
mit ergibt sich Vfc zu 5%. Dieser Wert ist geringer als bei Betonen von geringerer Festigkeit. So
vergrößert sich dieser Wert bei einer Druckfestigkeit von 60 N/mm² z.B. auf Vfc = 8,1 %. Der Ein-
fluss der Streuungen des E-Moduls von Beton wird in der gleichen Größenordnung angesetzt. Für
den Baustahl wird ein Variationskoeffizient von 6% angenommen [38]. Diesem Wert liegen
Auswertungen von Baustählen der Güten S235 und S355 sowie S460 zugrunde.
Abweichungen bei der Querschnittsgeometrie, die sich aus der Fertigung ergeben können, wenn
in ein Mantelrohr zusätzlich ein Kernprofil eingestellt wird, werden ebenfalls berücksichtigt. Die
Größe des Spielraums zwischen den an das Kernprofil angeschweißten Distanzblechen und dem
Mantelrohr wird zu maximal 10 mm angenommen. Für die statistische Auswertung wird eine mög-
liche Kernausmitte von 5 mm in jede Richtung als Variationskoeffizient für die 95%-Fraktile ange-
nommen und die Querschnittsausbildung dahingehend variiert.
Der Variationskoeffizient Vrt der Widerstandsfunktion grt(Xi) berechnet sich mit
2
2 1 j  δg 
Vrt = 2 ⋅ ∑  rt ⋅ σ i  (3-16)
grt (X m ) i = 1 δX i 
Die Ableitung der Widerstandsfunktion grt nach den Basisvariablen Xi wird dabei reduziert auf eine
einfache Differenzbildung, indem für eine diskrete Abminderung von Xi der zugehörige Wert von grt
bestimmt wird. Der Bezug auf die angenommene Streubreite geschieht durch Multiplikation mit der
jeweiligen Standardabweichung der variierten Basisvariablen. Vrt wird dabei für die maximal und
minimal auftretenden Auflagerexzentrizitäten beider Stützenquerschnitte ausgewertet. Die Ergeb-
nisse der Berechnung sind in Tab. 10 zusammengestellt.
Versuch MK4 MK6 OK6 OK3
Exzentrizität [mm] 71 12 20 74
grt(Xm) [kN] 3407 6968 5786 3247
Variationen grt(Xi)
⇒ 0,9 x fc [kN] 3189 6442 5370 3012
⇒ 0,9 x fy,Kern [kN] 3346 6941 — —
⇒ Kernausmitte 5 mm [kN] 3372 6908 — —
⇒ 0,9 x fy,Mantel [kN] 3310 6829 5738 3082
⇒ Vrt 0,0371 0,0387 0,0353 0,0419

Tab. 10 Ermittlung von Vrt

Für die weiteren Auswertungen wird Vrt konstant mit 0,05 angenommen.
Mit der Auswertung ergibt sich der charakteristische Wert der Widerstandsfunktion schließlich zu:
rk = 0,900 ⋅ gR (X m ) (3-17)
Dabei ist gR(Xm) die mit der Nachrechnung ermittelte Traglast einer Stütze. Der Bemessungswert
der Widerstandsfunktion bestimmt sich mit

rd = 0,789 ⋅ gR (Xm ) (3-18)

Somit berechnet sich der Teilsicherheitsbeiwert zu

r 0,900
γR = k = = 1,14 (3-19)
rd 0,789
Versuche mit runden Hohlprofil-Verbundstützen aus hochfesten Materialien 19

Nach dem allgemeinen Nachweisverfahren gemäß [2] bestimmt sich der Bemessungswert des
Tragwiderstands einer Stütze, indem für die gegebene äußere Belastung aus der Normalkraft und
dem zugehörigen Moment das Verhältnis aus den Tragfähigkeiten der Interaktionskurven mit Be-
messungs- und Mittelwerten gebildet wird (Kap. 8.2). Der sich aus der statistischen Auswertung
ergebende Sicherheitsbeiwert gegenüber dem auf die Mittelwerte der Festigkeit bezogenen
Sicherheitsbeiwert γr der nichtlinearen Berechnung ergibt sich zu

Fu (Versuch ) g (X )
= R m = 1,27 (3-20)
Fud (Bemessungs wert ) rd

In Tab. 11 sind die Bemessungswerte und Teilsicherheitsbeiwerte auf der Grundlage des allgemei-
nen Nachweisverfahrens in [2] gegenübergestellt, siehe hierzu auch Kap. 8.2.

OK1 OK3 OK4 OK5 OK6 MK1 MK2 MK3 MK4 MK6
Fu ( Versuch )
1,27 1,27
Fud (Bemessungswert )
Fu (FEM)
1,52 1,46 1,46 1,54 1,53 1,42 1,43 1,41 1,42 1,44
Fud (FEM)

Tab. 11 Teilsicherheitsbeiwerte aus nichtlinearem Nachweis und statistischer Auswertung


20 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

4 Nichtlineare Berechnung von Stützen mit der Finite – Element – Methode

4.1 Allgemeines
Stützen sind stabförmige Bauteile, die hauptsächlich durch eine Druckkraft in Längsrichtung bean-
sprucht werden. Aufgrund von Imperfektionen und planmäßiger Querbelastung krümmt sich die
Stütze, wodurch ein zusätzliches Biegemoment aus der sich vergrößernden Ausmitte der Normal-
kraft entsteht.
Unter der Annahme linearer Spannungs-Dehnungsbeziehungen sowie über die Stützenlänge kon-
stanter Biegesteifigkeiten können die Schnittgrößen nach Theorie II. Ordnung direkt berechnet
werden. Bei Verbundstützen sind die Voraussetzungen für eine direkte Berechnung der Schnitt-
größen im Allgemeinen nicht gegeben:
• Mit zunehmender Druckbeanspruchung nimmt die Steifigkeit des Betons ab.
• Auftretende Zugbeanspruchungen können vom Beton nur in geringem Maße aufgenommen
werden.
• Die verwendeten Stahlquerschnitte sind üblicherweise nicht frei von Eigenspannungen. Da-
her kann das Verhalten eines Stahlprofils bei einer Belastung nicht alleine über eine Span-
nungs-Dehnungslinie bzw. über eine konstante Biegesteifigkeit erfasst werden.
• Steifigkeitsabminderungen infolge von Plastizierungen können ebenfalls nicht bei dem An-
satz einer konstanten Biegesteifigkeit zur direkten Schnittgrößenermittlung berücksichtigt
werden.
Um einen praktikablen Lösungsansatz zu finden, muss die für eine geschlossene Lösung anzuset-
zende Biegesteifigkeit anhand von genauen FE-Berechnungen bestimmt werden. Nachfolgend
wird das verwendete FE-Modell beschrieben und die wesentlichen Eingangsgrößen für die Schnitt-
größenberechnung nach Theorie II. Ordnung werden erläutert.

4.2 Systemidealisierung und Randbedingungen


Die Versuchsnachrechnung sowie die Parameterstudien wurden mit einem dreidimensionalen FE-
Modell durchgeführt, welches mit Ansys erstellt wurde und die Berücksichtigung der folgenden
Eingangsgrößen erlaubt:
• Querschnittsgeometrie, Systemlänge, Lagerungsbedingungen und Belastung
• Geometrische Imperfektionen und unplanmäßige Fertigungstoleranzen
• Werkstoffeigenschaften von Stahl und Beton, darin eingeschlossen Steifigkeitsabminderun-
gen im Bereich von plastischen Zonen und das Reißen von Beton in der Zugzone
• Herstellungsbedingte Eigenspannungen in den Einstellprofilen
Der Nachrechnung wird unter Ausnutzung der Querschnittssymmetrie eine „halbe“ Stütze
zugrunde gelegt, die in der geschnittenen Symmetrieachse in der Ebene verschieblich gelagert ist.
Zu einer festgelegten Höhe HSt der Stütze können fünf Abschnitte definiert werden, wodurch die
Elementeinteilung und ggf. Materialeigenschaften über die Höhe variiert werden können. Der Stich
w0 der Vorkrümmung und seine Ausrichtung in oder entgegen der Ausweichrichtung kann für das
Kernprofil und das Mantelrohr separat eingestellt werden. Unter Ansatz einer quadratischen Para-
bel mit dem Radius rM bzw. rK wird die vorverformte Stütze generiert. Die Kernprofilenden können
gegenüber dem Mantelrohr aus der ideal zentrischen Lage um KVo bzw. KVu verschoben sein.
Nichtlineare Berechnung von Stützen mit der Finite – Element – Methode 21

Abb. 15 FE-System, Geometrie und Randbedingungen

Die Kopfseiten der Stütze sind über Auflagerflächen (Rigid Constraint Surface) mit den
Auflagerknoten verbunden. Dadurch ist die Abbildung von starren Auflagerbereichen mit den
Höhen ez,o und ez,u und die Eingabe von Exzentrizitäten ex,o und ex,u möglich. Die Auflagerknoten
und damit die Auflagerflächen können somit auch biegesteif ausgebildet werden.
Die Vernetzung des Geometriemodells erfolgte mit 8 Knoten – Volumenelementen. Dies war we-
gen der Anwendung der Materialgesetze für den Beton sowie aus Konvergenzgründen erforder-
lich. Da ausschließlich das globale Tragverhalten Gegenstand der Berechnungen war, wurde von
der Verwendung von Schalenelementen für den Stahlmantel abgesehen und dieser stattdessen
ebenfalls mit Volumenelementen abgebildet.

Auflagerknoten

Rundvollprofil

Füllbeton

Mantelrohr

Auflagerknoten
(starr mit Kopffläche des Modells ver-
bunden, der Abstand entspricht der
Höhe der Lasteinleitungskonstruktion)

Abb. 16 Vernetzung einer Stütze mit Kernprofil


22 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

4.2.1 Werkstoffgesetze, Materialmodelle

[Link] Baustahl
Im Rahmen der nachfolgend beschriebenen Untersuchungen werden Baustähle bis zu einer Güte
S460 berücksichtigt. Diese Begrenzung begründet sich mit den bisher fehlenden experimentellen
Untersuchungen an Hohlprofil-Verbundstützen aus höherfesten Stählen. Dies betrifft insbesondere
das Beulverhalten der Rohre. In Kap. 8.4 sind diesbezüglich aus Forschungen veröffentlichte Er-
kenntnisse aufgeführt. Angelehnt daran wird der Bereich der betrachteten Materialfestigkeiten ein-
gegrenzt.
Sowohl für die FE-Berechnungen als auch für die Berechnung der Querschnittsinteraktionskurven
wird eine linearelastisch-idealplastische Spannungs-Dehnungslinie angenommen. Die maximal bei
dem Erreichen der Traglast auftretende Dehnung ist durch die maximale Betondehnung begrenzt.
Eine Verfestigung des Stahles tritt erst bei größeren Dehnungen auf, die Angabe eines entspre-
chenden Bereiches erübrigt sich somit.
Der bei den Rohren der Versuchsstützen beobachtete Verlauf der Spannungs-Dehnungslinie für
einen kaltverformten Stahl (Abb. 7) wird bei der Nachrechnung der Versuche berücksichtigt, für die
weiteren Berechnungen zu den Parameterstudien wird eine bilineare Spannungs-Dehnungslinie
zugrunde gelegt.

[Link] Beton
Die für den Beton maßgeblichen Spannungs-Dehnungsbeziehungen sind in DIN 1045-1 [23] fest-
gelegt. Aufgrund des starken Abfalls der aufnehmbaren Spannung nach dem Erreichen der
maximalen Spannung wird die Grenzdehnung für hochfeste Betone ab C55/67 reduziert, welches
sich in unterschiedlichen Spannungs-Dehnungslinien zeigt.

Bruchbedingung
CONCRETE

Fließbedingung
nach von Mises

Abb. 17 Fließbedingung nach von Mises kombiniert mit der Versagensbedingung „Concrete“ im
Hauptspannungsraum (Schema, [24])

Für die Berechnung wird wie eine multilinear elastisch-plastische Spannungs-Dehnungsbeziehung


verwendet. Dabei wird für den räumlichen Spannungszustand die Fließbedingung nach von Mises
ausgewertet. Zur Begrenzung der Zugtragfähigkeit des Betons wird dieses Materialmodell mit einer
Bruchbedingung kombiniert (Abb. 17). Diese Bruchbedingung wertet die mit dem elasto-
Nichtlineare Berechnung von Stützen mit der Finite – Element – Methode 23

plastischen Materialgesetz nach von Mises berechneten Spannungen aus und grenzt die auf-
nehmbaren Zugspannungen abhängig von der Kombination der auftretenden Hauptspannungen
ab. Wird dabei die aufnehmbare Zugspannung überschritten, so wird die übertragbare Zugkraft auf
einen kleinen Wert gesetzt. Dieser angenommene Wert ist unabhängig von der Lage der zuvor
vorhandenen Spannungen im Hauptspannungsraum. Eine Berechnung mit diesem Modell ist für
Beton besser geeignet, als ein Materialmodell mit einer im Zugbereich abgerundeten Fließfläche,
da bei dieser der Spannungspunkt auf der Fließfläche verbleibt und die bis dahin erreichte
Spannung beibehalten wird. Für die Bruchbedingung zur Abbildung des Zugtragverhaltens von
Beton wird das Versagensmodell „Concrete“ des FE-Programmes verwendet. Der Teil der die
Bruchbedingung „Concrete“ beschreibenden Fläche, der die Fließbedingung nach von Mises
gegen Zugspannungen abgrenzt, ist in Abb. 17 zu erkennen. Dabei ist diese Grenzbedingung
abhängig vom Vorzeichen der drei Hauptspannungskomponenten aus verschieden definierten
Versagensflächen, sogenannten „Oktanten“ zusammengesetzt. Die in dem Programm Ansys
implementierten Beschreibungen dieser Flächen führen jedoch zu unstetigen Übergängen. Hinzu
kommt, dass diese Flächen derart definiert sind, dass schon bei geringen Querdruckspannungen
die aufnehmbare Zugspannung sehr stark abfällt. Ohne damit diese Implementierung zu bewerten,
wurde festgestellt, dass die Berechnung bereits bei einem sehr geringen aufgebrachten
Beanspruchungsniveau nicht mehr konvergierte. Mit der Korrektur des Materialmodells [24] wurde
eine ausreichende Konvergenz erreicht, die eine Berechnung und Abbildung des
Traglastzustandes erlaubte.

mit “Crushing” ohne “Crushing”


Stauchung der Stütze: Stauchung der Stütze:
εz = 1,52 ‰ εz = 1,78 ‰

Ausweich- Ausweich-
richtung richtung

Abb. 18 Rissbildung in der Aufsicht einer Stütze Materialmodellkombination: Concrete / von


Mises
Mit einer weiteren zur Verfügung stehenden Option konnte erreicht werden, dass ein Versagen bei
einer Druckbeanspruchung nicht auftreten konnte und die Zugbeanspruchung unabhängig von den
auftretenden Querdruckspannungen bei einem als konstant angegebenen Wert auftrat. Vergleiche
Berechnungen ergaben, dass aufgrund dieser Vereinfachung ein nicht zutreffender Versagenszu-
stand auftrat, wie der Vergleich der Rissbilder von vergleichenden Rechnungen belegte (Abb. 18).
24 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

4.2.2 Auswertungen, Versuchsnachrechnungen


Die Nachrechnungen erfolgten unter Berücksichtigung der Einflüsse nach Theorie II. Ordnung.
Dazu wurde auf das Modell eine Stauchung aufgebracht, bis bei einem Absinken der dabei
aufgenommenen Normalkraft der Maximalwert der erreichten Last eindeutig festgestellt werden
konnte. Die wesentlichen Ergebnisse der Nachrechnung sind die Entwicklung der Traglast, die
zugehörige Stauchung und die dabei auftretende horizontale Auslenkung. Zur Bewertung des
Rechenergebnisses wurden zusätzlich Spannungsverläufe und Plastizierungen sowie das berech-
nete Rissbild betrachtet. Bei den Nachrechnungen waren die folgenden Aspekte von Bedeutung:
• Risse, die die Zugtragfähigkeit in eine Richtung vermindern, können in den Integrationspunk-
ten der Betonelemente auftreten. Bei den durchgeführten Berechnungen wurde festgestellt,
dass der Einfluss der Diskretisierung auf das Ergebnis der Berechnung von untergeordneter
Bedeutung ist.
• Die Zugtragfähigkeit senkrecht zu einem Riss fällt auf einen geringen Anteil der Zugfestigkeit
des Betons ab und verringert sich mit zunehmender Rissöffnung. Dieser experimentell fest-
gestellte und z.B. in [28] erwähnte Effekt ist im FE-Programm implementiert. Dabei kann die
Größe der Restzugtragfähigkeit nach einem Riss angegeben werden. Die Einstellungen
hierzu dienen der Verbesserung der Konvergenz des Modells, haben auf das Endergebnis
jedoch nur einen vernachlässigbaren Einfluss.
• Der Beton versagt beim Erreichen der Druckfestigkeit. Durch den Bruch des Betons kommt
es zu einer (scheinbaren) lokalen Volumenvergrößerung. Das Versagen des Betons kenn-
zeichnet die Stelle der maximalen Belastung und betrifft den abfallenden Ast der Last-Ver-
formungskurve. Ausschlaggebend für die erreichbare Tragfähigkeit ist die mögliche auf-
nehmbare Spannung des Betons. Die beim Brechen entstehende Volumenvergrößerung
kann mit dem verwendeten Materialmodell nicht abgebildet werden. Bei der Eingabe der
Werkstoffkennlinie ist lediglich die Angabe geringerer Spannungen nach dem Überschreiten
der maximalen Dehnung möglich. Zur Bestimmung des Lastmaximums ist dies ausreichend.
Abb. 19 zeigt die Nachrechnung eines in [29] veröffentlichten Versuches.
10 Fz
98

1230
75
775

Versuche

VM + CONCRETE
800

max. F = 1258 kN
2500
2696

zug. ux = 14,0 mm

Querschnitt
Mantelrohr: Quelle: Structural Behavior of Circular
775

RR 159 x 4,5 Steel-Concrete Composite Columns,


Johansson, Sweden 2000 ux
fy = 433 N/mm²
75

Betonfüllung:
fc,cyl. = 64,5 N/mm²
10
98

Abb. 19 Nachrechnung eines in [29] veröffentlichten Versuches


Nichtlineare Berechnung von Stützen mit der Finite – Element – Methode 25

Nachfolgend sind exemplarisch die Last-Verformungskurven zweier Versuche den Nachrechnun-


gen gegenübergestellt. Die Abb. 20 bis Abb. 22 verdeutlichen, dass mit dem Programmsystem und
den gewählten Materialgesetzen eine realistische Nachrechnung der Stützen ermöglicht wird. Es
ist zu berücksichtigen, dass die mit steigender Last abnehmende Auflagerexzentrizität wurde bei
der Nachrechnung als konstant mit dem bei Nu auftretenden Wert angenommen wurde. Insofern
nähern sich die Kurven aus Versuchen und Nachrechnungen erst mit dem Erreichen der Traglast
an.

N Nu = 3192 kN
ex(Nu) = 93,6 mm

Nachrechnung
Nu = 3247 kN
ex(Nu) = 100,5 mm

ex

Abb. 20 Versuch OK3: Last-Verformungskurve

N
Nu = 7359 kN
ex(Nu) = 27,0 mm

Nachrechnung
Nu = 6968 kN
ex(Nu) = 26,3

ex

Abb. 21 Versuch MK6: Last-Verformungskurve


26 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

Mantelrohr Kernprofil Beton


[N/mm²] [N/mm²] [N/mm²]

-338,1 -346,5 -105,6

-67,3 -273,1 -13,9

Abb. 22 Versuch MK6: Spannungen in Stützenlängsrichtung bei Maximallast


Eigenspannungen in Rundvollprofilen 27

5 Eigenspannungen in Rundvollprofilen

5.1 Einleitung
Bei der Bemessung von druckkraftbeanspruchten (Stahl-) Bauteilen müssen im Allgemeinen geo-
metrische und strukturelle Imperfektionen berücksichtigt werden. Den strukturellen Imperfektionen
sind auch die Eigenspannungszustände zuzuordnen, die in Stahlprofilen aus dem Herstel-
lungsprozess eingeprägt sind. Diese stellen für das betrachtete Profil Vorbelastungen dar und
werden bei der Zuordnung eines Stahlprofils zu einer Knickspannungslinie berücksichtigt.
Verbundstützen werden abhängig von ihrer Querschnittsausbildung ebenfalls Knickspannungsli-
nien zugeordnet [2]. Diese Zuordnung konnte jedoch bei Verbundstützen, die aus einem ausbe-
tonierten Hohlprofil mit einem Rundvollkern als Einstellprofil bestehen, bislang nicht vorgenommen
werden, da abgesicherte Erkenntnisse zum Einfluss der Eigenspannungen fehlten.
Bisher liegen nur wenige Untersuchungen bezüglich der Eigenspannungen in den Rundvollprofilen
vor. Zur Berücksichtigung von Eigenspannungen bei einer Berechnung nach Theorie II. Ordnung
wird bislang ein Ansatz verwendet, der auf Eigenspannungsmessungen basiert [15]. Dabei wird mit
den angegebenen Randeigenspannungen eine Spannungsverteilung mit quadratischem Verlauf
postuliert, bei der die Summe der inneren Kräfte sich zu Null ergibt. Die Größe der Randeigen-
spannungen ist dabei am Durchmesser skaliert, der Grundwert σED = 125 N/mm² gilt für einen
Durchmesser von D= 200 mm.

 2r 2 
σED σ E (r ) = σ ED  2 − 1 ≤ f yk
R 
σEZ  
σ ED,200
σ ED = − σ EZ = D
200
D=2R
σ ED,200 = 125 N 2
mm

Abb. 23 Ansatz der Eigenspannungen nach [15]

Die Größe und der Verlauf der Eigenspannungen im Querschnitt sind für eine Zuordnung dieses
Stützentyps zu einer Knickspannungslinie ausschlaggebend. Um Kenntnisse auch über die Ab-
hängigkeit der Eigenspannungen von der Materialgüte und dem Durchmesser des Vollprofils zu
erhalten, werden daher nachfolgend rechnerische Untersuchungen unter grenzwertigen Annah-
men durchgeführt.

5.2 Thermische Eigenschaften von Baustahl


In DIN EN 1993-1-2 [30] sind Werkstoffkennwerte für Baustahl unter erhöhten Temperaturen bis
1200 °C angegeben. Diese Angaben dienen der Bestimmung der Tragfähigkeit im Brandfall und
der Bestimmung des Zeitraums, über den ein Tragwerk einem Brand widerstehen kann. Die
Prozesse im Stahl bei einer bestimmten Temperatur werden als weitgehend unabhängig davon
erachtet, ob es sich um einen Abkühlungsprozess oder ein Erhitzen handelt. Daher werden hier
die in [30] angegebenen Werkstoffgesetze auch für die Simulation des Abkühlens nach dem
Gießen und Walzen verwendet.
Die Abbildungen Abb. 24 und Abb. 25 zeigen die spezifische Wärmekapazität, die thermische Deh-
nung und die Wärmeleitfähigkeit von Baustahl, wie sie in [30] ausgewiesen werden.
28 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

ca
[J/kg K]

θ
[°C]

Abb. 24 Wärmekapazität von Baustahl

λa ∆L
[W/mK] ⋅ 10 3
L

θ θ
[°C] [°C]

Abb. 25 Wärmeleitfähigkeit und thermische Dehnung von Baustahl

5.3 Temperaturabhängige mechanische Eigenschaften von Baustahl


In [30] sind die mechanischen Eigenschaften von Baustahl unter erhöhten Temperaturen angege-
ben. Dies wird bei der Berechnung durch unterschiedliche Spannungs-Dehnungs-Linien für ent-
sprechende Temperaturen berücksichtigt. Die Temperaturen sind derart bestimmt, dass neben
einer gleichmäßigen Abstufung auch jede Unstetigkeitsstelle bei den temperaturabhängigen Ei-
genschaften von Stahl und Beton als Temperaturpunkt herangezogen wird. Es ergeben sich acht-
zehn temperaturspezifische Spannungs-Dehnungs-Linien, wie auszugsweise in Abb. 26 darge-
stellt.

σ(ε,θ
ε,θ)
ε,θ θ < 300°
20°, 100°
fy

500°
200° 600°
300° 700°
400° 800°
1100°
ε

Abb. 26 Temperaturabhängige Spannungs-Dehnungs-Linien für einen Kohlenstoffstahl


Eigenspannungen in Rundvollprofilen 29

Diese Festigkeits- und Verformungseigenschaften gelten für (Aufheiz-) Geschwindigkeiten zwi-


schen 2 und 50 K/min. Die Abkühlgeschwindigkeiten bleiben bei den hier betrachteten Vorgängen
in diesem Bereich. Aus Abb. 32 ist zu erkennen, dass nur bei Beginn des Abkühlvorgangs die Ab-
kühlgeschwindigkeit diese Werte überschreitet.

5.4 Zyklische Spannungs-Dehnungsbeziehung


Der Stahlkörper kühlt zuerst an der Oberfläche ab und die Festigkeit und Steifigkeit nimmt im ober-
flächennahen Bereich zu. Das spätere Abkühlen der innenliegenden Bereiche führt dazu, dass
dem oberflächennahen Stahl Druckspannungen eingeprägt werden, während der Stahl im Inneren
aufgrund der Dehnungsbehinderung Zugbeanspruchungen erfährt. Nach dem Abkühlen ist dieser
Zustand eingeprägt und verbleibt, sofern keine Nachbehandlung erfolgt. Den Berechnungen wird
die in Abb. 27 dargestellte zyklische Spannungs-Dehnungsbeziehung zugrunde gelegt (s.a. [31]).

Abb. 27 Zyklische Spannungs-Dehnungsbeziehung

5.5 Wärmeabgabe an der Oberfläche


Hat ein Körper eine höhere oder geringere Temperatur als seine Umgebung, so erfolgt ein Wär-
meausgleich. Die Wärmeübertragung an der Begrenzungsfläche erfolgt mittels Konvektion und

Strahlung. Der Netto-Wärmestrom hnet , der die Wärmeübertragung durch Konvektion und Strahl-
ung beinhaltet, ist durch die folgenden Gleichungen definiert [32]:
• • •
hnet = hnet,c + hnet,r (5-1)


(
hnet,c = α c θ g − θm ) (5-2)


[
hnet,r = φ ε m ε f σ (θ r + 273 ) − (θ m + 273 )
4 4
] (5-3)

mit αc konvektiver Wärmeübergangskoeffizient


θg Gastemperatur in der Umgebung des beanspruchten Bauteils in °C
θm Oberflächentemperatur des Bauteils in °C
φ Konfigurationsfaktor
εm, εf Emissivität der Bauteiloberfläche; Emissivität des Feuers
σ Stephan-Boltzmann-Konstante (5,67.10-8 W/m²K4)
θr Wirksame Strahlungstemperatur des Brandes, hier: Θr = Θg
30 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

Die Bildung von Eigenspannungen wird durch das Temperaturgefälle innerhalb des Stahlkörpers
hervorgerufen, welches durch die Wärmeabgabe an der Oberfläche beeinflusst wird. Im Folgenden
wird der Einfluss der maßgebenden Parameter für Konvektion und Strahlung untersucht.

5.5.1 Konvektion
In Bezug auf die hier vorliegende Fragestellung werden die konvektiven Wärmeübergangskoeffi-
zienten für die freie und erzwungene Konvektion rechnerisch ermittelt. Die Berechnungen werden
gemäß VDI-Wärmeatlas [33] mit den nachfolgend angegebenen Randbedingungen durchgeführt.

[Link] Freie Konvektion


Freie Konvektion entsteht infolge von Dichteunterschieden, die meist aus Temperaturunterschie-
den resultieren. Für den hier vorliegenden Fall des horizontalen Zylinders berechnet sich der kon-
vektive Wärmeübergangskoeffizient wie angegeben.
Die Nußelt-Zahl Nu, ein dimensionsloser Wärmeübergangskoeffizient, ergibt sich zu

Nu =
αl
λ
[
= 0,752 + 0,387 ⋅ (Ra ⋅ f3 (Pr )) 6
1
] 2
(5-4)

Dabei ist α (gesuchter) konvektiver Wärmeübergangskoeffizient


l = π ⋅dl die Anströmlänge
2
d Durchmesser des Zylinders
Pr Prandtl – Zahl (Stoffwert-Verhältnis)
Ra Raleigh-Zahl
f3(Pr) Funktion zur Berücksichtigung der Prandtl-Zahl

So ergibt sich für einen liegenden Zylinder Ø 200 mit einer Oberflächentemperatur von T = 500 °C
und einer Umgebungstemperatur von 20 °C ein Wert von α = 9,2 W/m²K. Die Entwicklung des
Wärmeübergangskoeffizienten mit der Temperatur des Zylinders zeigt für verschiedene Durch-
messer Abb. 28.

Ø 70 mm
Ø 200 mm
Ø 600 mm

Abb. 28 Freie Konvektion an einem liegenden Zylinder


Eigenspannungen in Rundvollprofilen 31

[Link] Erzwungene Konvektion


Für die Ermittlung der maßgeblich anzusetzenden Eigenspannungen wird in Betracht gezogen,
dass der Abkühlvorgang nach dem Gießen und der Formgebung beschleunigt wird, so dass von
einer erzwungenen Konvektion auszugehen ist. Die auftretende Wärmeabgabe ist dann abhängig
von der Geschwindigkeit der umströmenden Luft.
Der Wärmeübergangskoeffizient infolge Queranströmung eines Zylinders berechnet sich nach [33]
wie im Folgenden dargestellt. Als dimensionsloser Wärmeübergangskoeffizient wird zunächst die
Nußelt-Zahl Nu bestimmt. Die mittlere Nußelt-Zahl, d.h. ein Mittelwert bei teilweise laminarer und
teilweise turbulenter Umströmung, bestimmt sich zu:

Nul,0 = 0,3 + Nul2,lam + Nul2, turb (5-5)

Nul,lam = 0,664 Re l 3 Pr (5-6)


0,8
0,037 Re l Pr
Nul, turb = (5-7)
( )
1 + 2,443 Re l − 0,1 Pr 2 / 3 − 1

dabei ist: Re = w l / n Reynolds-Zahl mit w Umströmungsgeschwindigkeit [m/s]


l Überströmlänge, π/2 ⋅ d [m]
d Durchmesser des RV-Profils
n kinematische Viskosität der Luft [m/s²]

Pr Prandtl – Zahl, für Luft: 0,715 bei 0 °C und 0,746 bei 1000 °C
Bei temperaturabhängigen Stoffwerten (hier z.B. die Wärmeleitfähigkeit) wird der Wärmeübergang
durch die auftretenden Temperaturen beeinflusst. Für Gase gilt:

mit K = (Tm Tw )
0,12
Nul = Nul,0 ⋅K (5-8)

Dabei ist Tm die Temperatur des Gases in [K] und Tw die Temperatur des Zylinders.

Aus dem dimensionslosen Wärmeübergangskoeffizienten kann über folgenden Zusammenhang


der Wärmeübergangskoeffizient bestimmt werden:

αl  W 
Nul = mit α konvektive r Wärmeüberg angskoeffi zient  2 
λ  m K  (5-9)
W 
λ Wärmeleitf ähigkeit der umgebenden Luft  
mK 
Mit diesen Gleichungen kann für die angenommenen Umgebungsbedingungen der Wärmeüber-
gangskoeffizient bestimmt werden. Die für eine konstante Umgebungstemperatur bestimmten
Werte sind für die betrachteten Umströmgeschwindigkeiten in Abb. 29 angegeben. Es ist zu erken-
nen, dass der Wärmeübergangskoeffizient (pro Kelvin) mit zunehmender Temperaturdifferenz
sinkt. Für ein Rundvollprofil Ø600 ist dabei der konvektive Wärmeübergangskoeffizient nur etwa
halb so groß wie der Wert für ein Rundvollprofil Ø70.
Zum Vergleich: Beim Ansatz der Einheitstemperaturkurve nach [32] wird für beflammte Bauteile
ein konvektiver Wärmeübergangskoeffizient von 25 W/m²K angenommen.
32 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

5.5.2 Strahlung
Beim Abkühlen aus hohen Temperaturen reagiert der Stahl an seiner Oberfläche mit der Luft in
seiner Umgebung. Die sich daraus ergebende Beschaffenheit, Temperatur und Farbe der Oberflä-
che beeinflusst die Abstrahlung von Wärme an die Umgebung. Um diese Abstrahlung zu quantifi-
zieren, muss für jede Oberfläche der Emissionskoeffizient bestimmt werden.
Das Emissionsvermögen eines Körpers bzw. einer Oberfläche wird im Verhältnis zu einem
schwarzen Strahler angegeben. Für den schwarzen Strahler gilt: εm = 1. In EN 1991-1-2 [32] ist der
Emissionskoeffizient mit εm= 0,8 angegeben. Dieser Wert stellt eine obere Grenze der bei Bau-
stählen vorkommenden Emissionskoeffizienten dar. In [34] konnte für die dort untersuchten
Walzprofile ein von der Oberflächentemperatur To des Bauteiles abhängiger Emissionskoeffizient
angegeben werden, (Gl.(5-10)). Die angegebene Beziehung wurde durch den Abgleich einer
Berechnung mit Messergebnissen erzielt und sei hier nur beispielhaft erwähnt; eine Allgemeingül-
tigkeit kann daraus jedoch nicht abgeleitet werden.

0,5
ε r = 0,3 + (1000 − To ) < 0,8 (5-10)
900

5.6 Annahmen für die Berechnung


Die nachfolgenden Berechnungen bilden die Grundlage für einen vereinfachten Ansatz der Eigen-
spannungen für die Verwendung in statischen Berechnungen von Stützen. Zunächst werden dazu
die Temperaturentwicklungen beim Abkühlen berechnet. Die Randbedingungen werden dabei mit
den in Kap. 5.5 erläuterten Ansätzen beschrieben.
Für die Randbedingungen sind verschiedene Eingangsgrößen anzunehmen. Zunächst sind dies
die Temperaturen des Stahls zu Beginn der Abkühlung und die Temperaturen der umgebenden
Luft. Wird in der Umgebung, in der die Stahlprofile lagern, ein Luftstrom aufrechterhalten, der eine
schnellere Abkühlung herbeiführt, so geht die freie Konvektion über in eine erzwungene Konvek-
tion, welches über die anzusetzenden Wärmeübergangskoeffizienten ausgedrückt wird. Die Lage
der Stahlprofile zueinander kann zu einer gegenseitigen Beeinflussung und damit zu einer verzö-
gerten Abkühlung führen.
Nachfolgend werden zwei verschiedene Randbedingungen untersucht. Dabei wird jeweils davon
ausgegangen, dass das Abkühlen nicht ausschließlich durch freie Konvektion stattfindet. Es wird
zum einen ein Luftstrom angesetzt, mit dem sich Wärmeübergangskoeffizienten etwa in der
Größenordnung derjenigen Werte unter Ansatz der freien Konvektion ergeben. Wesentlicher
Unterschied sind die nicht gegen Null gehenden Werte bei niedrigen Temperaturunterschieden.
Zum anderen wird als grenzwertige Annahme ein Luftstrom angesetzt, der zwei- bis dreimal
höhere Wärmeübergangskoeffizienten liefert. Der Emissionskoeffizient wird, auch mangels
genauerer Informationen, konstant mit 0,8 angesetzt, die gegenseitige Beeinflussung von
Konvektion und Strahlung bleibt unberücksichtigt. Die Temperatur der umgebenden Luft wird
konstant mit 20 °C angenommen.
Für die Betrachtung moderater Randbedingungen wird eine gleichmäßige Ausgangstemperatur
von 1000 °C, wie sie in etwa beim Walzen des Stahles vorherrscht, für ein ungestörtes Abkühlen
angenommen. Bei den ungünstigen Randbedingungen wird eine Ausgangstemperatur von
1200 °C angesetzt, die die Temperatur kurz nach dem Gießen rechnerisch abbilden soll.
Mit den getroffenen Annahmen werden Randbedingungen angesetzt, die weit auf der sicheren
Seite liegen dürften. So sollte Stahl eher geregelt und langsam abkühlen, um die Bildung von Ei-
genspannungen und eine Krümmung infolge ungleichmäßigen Abkühlens zu vermeiden. Ent-
sprechende Standardisierungen des Produktionsprozesses, auf die Bezug genommen werden
könnte, sind nicht bekannt. Die gewählten Randbedingungen sollen gewährleisten, dass
Eigenspannungen in Rundvollprofilen 33

insbesondere die am Rand auftretenden Druckeigenspannungen nicht unterschätzt werden. Für


die rechnerische Berücksichtigung der Einflüsse aus Nachbehandlungen oder dem Walzen liegen
keine gesicherten Angaben vor. Die Ergebnisse der nachfolgenden Berechnungen werden
aufgrund der Annahmen als auf der sicheren Seite liegend erachtet.
Randbedingung 1 Randbedingung 2
(moderates (schnelleres
Abkühlen) Abkühlen)
(gleichmäßige) Ausgangstemperatur Ti [°C] 1000 1200
angenommene Umgebungstemperatur Ta [°C] 20
konvektiver Wärmeübergangskoeffizient αc [W/m² K] (für w = 1 m/s) (für w = 5 m/s)
radiativer Wärmeübergangskoeffizient εM 0,8 0,8
Tab. 12 Randbedingungen für die Abkühlsimulationen

Es werden für jede betrachtete Kerngröße und Materialfestigkeit zwei Eigenspannungsberechnun-


gen mit jeweils den gewählten oberen und unteren Grenzwerten der Parameter für den konvekti-
ven und den radiativen Wärmeübergang durchgeführt. Der zu bestimmende vereinfachte Ansatz
wird auf der Grundlage dieser Berechnungen angegeben.

w= 5 m/s
Ø 70 mm
Ø 200 mm
Ø 600 mm

w= 1 m/s
Ø 70 mm
Ø 200 mm
Ø 600 mm

Abb. 29 Konvektive Wärmeübergangskoeffizienten

5.7 FE – Modell

5.7.1 Diskretisierung
Die zeitabhängigen Temperaturverteilungen und die sich daraus ergebenden Spannungen werden
mit dem FE-Programm Ansys berechnet. Unter Ausnutzung der Symmetrien wird der Rundvoll-
stahl dabei als Kreissegment mit einer Elementreihe idealisiert (Abb. 30). Um die ideal unendliche
Länge des Stahlstranges für die statischen Berechnungen (Spannungen aus Temperaturentwick-
lung bzw. Spannungen aus aufgebrachten Dehnungen) abbilden zu können, ist der Sektor an der
Unterseite an allen Knoten zwängungsfrei gelagert. Die (zwängungsfreie) Lagerung der Oberseite
wird durch eine ebene Auflagerfläche abgebildet, deren Drehpunkt („Führungsknoten“) als in der
Mittelachse des Querschnitts liegend definiert wird. An diesem Knoten werden dann die zu einer
Stauchung gehörigen Schnittgrößen abgelesen. Um für ein Rundvollprofil eine Krümmung aus-
werten zu können, wird ein Halbkreis generiert, der einer Vielzahl dieser Kreisausschnitte
entspricht (kleines Bild).
34 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

Bei den hier betrachteten, massiven Stahlkörpern sind beim Abkühlen größere Temperaturgra-
dienten in Oberflächennähe als in der Mitte vorhanden. Daher werden am Außenrand kleinere
Elemente angeordnet als in der Mitte.

Führungs-
knoten 5°

Modell zur Auswertung


0,05 r
von Krümmungen

0,05 r 0,7 r 0,15 r 0,05 r


2 20 10 10 Elemente
r= ½ Ø

Abb. 30 Systeme zur Bestimmung der Eigenspannungen

5.7.2 Berechnung des Temperaturverlaufs

[Link] Temperaturverläufe
In Abb. 31 sind Temperaturverläufe sowie die daraus resultierenden Temperaturunterschiede
angegeben, die sich bei dem Ansatz der Randbedingungen 1 und 2 aus der Berechnung ergeben.
Die Berechnung erfolgt dabei bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Temperatur an jeder Stelle im
Querschnitt unter 100°C gesunken ist. Da sich die anzusetzenden thermischen und mechanischen
Eigenschaften von Stahl erst oberhalb von 100 °C verändern, ist der weitere Abkühlungsverlauf
von 100 °C auf Raumtemperatur für die Verteilung der Eigenspannungen nicht relevant. Bei der
Berechnung der Eigenspannungen wird nach dem Erreichen des Abkühlniveaus von 100 °C die
noch verbleibende Abkühlung linear auf den Querschnitt aufgetragen.

T RV Ø 200mm ∆T T RV Ø 600mm ∆T
[°C] [K] [°C] [K]

TOFl. TMitte

TMitte ∆T TMitte
∆T= TMitte-TOfl

RB1
RB1 RB2
RB2 t t
∆T
∆T [h] [h]

Abb. 31 Temperaturverläufe und Temperaturunterschiede beim Abkühlen von Rundvollprofilen


Ø 200 mm und Ø 600 mm
Eigenspannungen in Rundvollprofilen 35

[Link] Abkühlgeschwindigkeiten
Die in [30] angegebenen mechanischen Eigenschaften des Baustahls sind angegeben für Auf-
wärmvorgänge, wobei als Obergrenze für die Geschwindigkeit der Temperaturänderung 50 K/min
angegeben sind.
Die zeitlichen Temperaturgradienten in den ersten Minuten des unter der Randbedingung 2 be-
rechneten Abkühlprozesses sind in Abb. 32 ausgewertet. Hohe Abkühlgeschwindigkeiten treten
nur zu Beginn der Abkühlung an der Oberfläche der Profile auf; auch aufgrund der getroffenen
Annahmen sicherlich ein theoretischer Wert. Wie in den nachfolgenden Kapiteln gezeigt wird, bil-
den sich ausgehend von den mit Beginn des Abkühlprozesses entstehenden Temperaturgradien-
ten nennenswerte Eigenspannungen erst bei niedrigeren Temperaturen und geringeren zeitlichen
Temperaturänderungen. Die Stahlfestigkeit bei hohen Temperaturen ist vernachlässigbar gering.
∆T/t
[K/min]

RV Ø 70 mm
Mitte
Oberfläche

RV Ø 600 mm
Mitte
Oberfläche

t
[min]

Abb. 32 Abkühlgeschwindigkeiten in Profilmitte und an der Oberfläche bei Vollprofilen Ø 70 mm


und Ø 600 mm in Abhängigkeit von der Abkühlzeit t, ausgewertet für RB 2

[Link] Abkühldauer
Die Simulation des Abkühlvorganges erfolgt bis zu dem Zeitpunkt, ab dem an jeder Stelle im Quer-
schnitt kein temperaturbedingter Unterschied einer Materialeigenschaft, verglichen mit Raumtem-
peratur, vorhanden ist. Diese Bedingung ist erfüllt, wenn die Materialtemperatur an keiner Stelle
höher als 100 °C ist. Abb. 33 gibt die berechneten Zeiten bis zum Abkühlen auf 100 °C in der
Querschnittsmitte und an der Oberfläche an.
36 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

Abb. 33 Abkühldauer von RV-Profilen unter den Randbedingungen RB1 und RB2 in der Profil-
mitte und an der Oberfläche

5.7.3 Berechnung der Eigenspannungsverteilung


Mit den Berechnungen wird der Zuwachs an Eigenspannungen während des Abkühlens ermittelt.
Die Eigenspannungen entstehen durch Verzerrungen infolge sich ändernder gegenseitiger Deh-
nungen und Festigkeiten. Durch das Abkühlen und Aushärten an der Oberfläche bilden sich beim
anschließenden Abkühlen und den damit verbundenen Schrumpfungen Zugspannungen im Quer-
schnittsinneren, die mit Druckbeanspruchungen in den äußeren zuvor abgekühlten Bereichen des
Rundvollprofils im Gleichgewicht stehen.
Grundlage der Spannungsberechnungen sind die Zeitschritte und Temperaturabstufungen der
vorausgegangenen Abkühlungsberechnungen. Nachfolgende Abbildungen zeigen typische Span-
nungsentwicklungen für Rundvollprofile.
Die Eigenspannungsverteilungen werden für Rundvollprofile mit verschiedenen Durchmessern
berechnet und für unterschiedliche Streckgrenzen in den in Kapitel [Link] beschriebenen Grenzen
ausgewertet. Eine Übersicht zeigt Tab. 13. Die auszugsweise dargestellten Auswertungen in Dia-
grammform für die verschiedenen Durchmesser verdeutlichen die Abhängigkeit der auftretenden
Eigenspannungen von der Stahlgüte. In Kap. 5.9 wird mit Hilfe dieser Ergebnisse eine Regel für
das Aufbringen von Eigenspannungen auf ein räumliches System aufgestellt.

Durchmesser [mm] 70, 200, 400, 600


Kaltstreckgrenzen [N/mm²] 235, 355, 460
Randbedingungen für die Wärmeabgabe an der Oberfläche RB1, RB2 (nach Kap. 5.6)

Tab. 13 Variierte Eingangsgrößen bei der Berechnung der Eigenspannungsverteilungen


Eigenspannungen in Rundvollprofilen 37

Rundvollprofil Ø200mm, S235: Spannungsentwicklung beim Abkühlen unter RB2

σL σT
[N/mm²] [N/mm²]
σT,Mitte
fy(TMitte)
t
σL,Mitte σT,Ofl.
t

σL,Ofl.
σT
fy(TOFl.) σR
σL

σV σR
[N/mm²] [N/mm²]
σR,Mitte
σV,Ofl.
t

σV,Mitte t

Abb. 34 Eigenspannungsentwicklung während des Abkühlens

Rundvollprofil Ø600mm, S460: Spannungsentwicklung beim Abkühlen unter RB2

σL σT σT,Mitte
[N/mm²] fy(TMitte) [N/mm²]
t
σL,Mitte

σT,Ofl.
t
σT
σR
σL,Ofl. σL

fy(TOFl.)
σR
[N/mm²]

σR,Mitte
σV
[N/mm²] σV,Ofl.
t
σV,Mitte

Abb. 35 Eigenspannungsentwicklung während des Abkühlens


38 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

σL
[N/mm²] Kurven-
(g) S235 parameter: fy (Stahlgüte)
S355
(g): generierter ES-
Ansatz nach [15],[35]
S460

σV
[N/mm²] (g)

S355 S235
S460 ri
r
Abb. 36 RV 200: Längs- und Vergleichseigenspannungen bei Ansatz von RB1 für verschiedene
Stahlgüten

σL
[N/mm²]
(g) Kurven-
S235 parameter: fy (Stahlgüte)
S355
(g): generierter ES-Ansatz
S460 nach [15],[35]

σV
[N/mm²] (g)
S235

S460 S355
ri
r
Abb. 37 RV 200: Längs- und Vergleichseigenspannungen bei Ansatz von RB2 für verschiedene
Stahlgüten
Eigenspannungen in Rundvollprofilen 39

σL
[N/mm²]
(g) Kurven-
parameter: fy (Stahlgüte)
S235
(g): generierter ES-Ansatz
nach [15],[35]
S355 S460

σV
[N/mm²]

(g)
ri
S235 S460
S355 r

Abb. 38 RV 600: Längs- und Vergleichseigenspannungen bei Ansatz von RB1 für verschiedene
Stahlgüten

σL
[N/mm²]
(g) Kurven-
parameter: fy (Stahlgüte)
S460
S355 (g): generierter ES-Ansatz
S235 nach [15],[35]

σV
[N/mm²] (g)

S235

S460
ri
S355
r

Abb. 39 RV 600: Längs- und Vergleichseigenspannungen bei Ansatz von RB2 für verschiedene
Stahlgüten
40 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

5.7.4 Zusammenfassung
Mit den durchgeführten Berechnungen konnte ein Überblick in die Eigenspannungsentwicklung
und Verteilung gewonnen werden. Die grenzwertig angesetzten Randbedingungen dienten dazu,
eine Obergrenze für die zu erwartenden Eigenspannungen zu bestimmen. Es zeigte sich, dass
eine höhere Materialfestigkeit zu geringeren Eigenspannungen führt, wobei der für den ober-
flächennahen Bereich berechnete Wert relativ unbeeinflusst bleibt. Bei moderater Abkühlgeschwin-
digkeit und größeren Durchmessern bildet sich in Querschnittsmitte ein Bereich niedriger und
relativ konstanter Zugeigenspannungen aus, der mit verhältnismäßig hohen Druckeigenspan-
nungen am Querschnittsrand im Gleichgewicht steht. Ein schnelles Abkühlen bedingt dagegen
eher einen Eigenspannungszustand mit einem sich einer quadratischen Parabel annähernden
Spannungsverlauf. Verglichen mit dem z. Z. üblichen Ansatz [15] wird in Querschnittsmitte ein
geringeres und am Querschnittsrand ein höheres Vergleichsspannungsniveau erreicht.
Die Spannungen in Querschnittslängsrichtung können dabei Werte oberhalb der Streckgrenze an-
nehmen. Für einen entsprechenden Ansatz der Eigenspannungen in zweidimensionalen Systemen
kann dann anhand der auftretenden Vergleichsspannung festgestellt werden, ob eine weitere Auf-
nahme von Lasten in Querschnittslängsrichtung möglich ist.
Der Ausgangswert des bisher verwendeten Ansatzes nach [15] für die oberflächennahen Längs-
eigenspannungen von 125 N/mm² bei einem Rundvollprofil Ø 200 mm stimmt gut mit den Rechen-
ergebnissen überein. Die davon ausgehend aus Gleichgewichtsbetrachtungen gefolgerte Eigen-
spannungsverteilung stellt sich bei schnellem Abkühlen ein.
Im Rahmen des Forschungsprojektes [21] wurden von Rundvollprofilen Ø 70 mm und Ø 200 mm
Zugproben genommen und geprüft. Dabei wurde festgestellt, dass bei dem Profil mit Ø 200 mm
die Zugproben aus dem Randbereich des Profils keine ausgeprägte Streckgrenze aufwiesen. Bei
dem Profil Ø 70 mm wurde dies an allen gefertigten Zugproben beobachtet, was auf eine
Nachbearbeitung hindeutet. Die auftretenden Eigenspannungen insbesondere bei kleinen
Querschnitten sind somit nicht ausschließlich auf das Abkühlen zurückzuführen.

5.8 Vereinfachte Ansatzfunktion für die berechneten Eigenspannungen


Für eine Ersatzfunktion zum Ansatz der Eigenspannungen auf ein Rundvollprofil ist folgendes zu
berücksichtigen:
• Die Eigenspannungen müssen eine rotationssymmetrische Verteilung aufweisen.
• Die an den Spannungsverlauf angelegte Tangente im Mittelpunkt des Querschnitts sollte
horizontal verlaufen.
• Das Gleichgewicht der inneren Kräfte muss erfüllt sein.

M(σE) σE(ri)
+
Nulldurchgang
-
ri

Abb. 40 Berechnung eines fiktiven Momentes unter Berücksichtigung der Einflussflächen der
Spannungen zur Bewertung der Spannungsverteilung

Um die Spannungsverteilung zu bewerten, wurden für die berechneten Eigenspannungsverteilun-


gen zunächst die Rand- und Mittelpunktseigenspannungen sowie die Stelle des Spannungsnull-
durchganges bestimmt. Ein den berechneten Eigenspannungen gleichwertiger Ansatz sollte da-
Eigenspannungen in Rundvollprofilen 41

durch bestimmt werden, dass das Biegemoment aus den angesetzten Spannungen eines halben
Querschnitts gleich dem Biegemoment der berechneten Spannungen ist (Abb. 40).
Die gestellten Bedingungen können bei der Betrachtung der Längseigenspannungen gut durch ein
Polynom 4. Grades berücksichtigt werden. Bei der Verwendung des Spannungsnulldurchgangs
aus der FE-Berechnung ergeben sich jedoch teilweise Spannungsverläufe, die zwar mathematisch
richtig jedoch physikalisch nicht mehr plausibel sind. Des Weiteren werden durch die idealisierte
Berechnung der Eigenspannungen nicht die Einflüsse aus der „Kaltbearbeitung“ berücksichtigt,
sodass ein zu detaillierter Ansatz eine Genauigkeit suggeriert, die durch die Berechnung nicht aus-
reichend abgesichert werden kann. Eine Ansatzfunktion sollte daher folgenden Ansprüchen
genügen:
• Es muss eine Abhängigkeit vom Durchmesser bestehen.
• Der Einfluss der Materialgüte muss erfasst werden können.
• Es muss ein Mindestwert definiert werden, um die Tragfähigkeit von kleinen Profilen, bei de-
nen der Einfluss des Walzens bezogen auf die Bauteildicke am größten ist, nicht zu unter-
schätzen.
• Die Eigenspannungen sollten als Längseigenspannungen bzw. Dehnungen aufgebracht wer-
den können (idealisierbar als Temperaturlastfall)
Bei einem zweidimensionalen System werden Eigenspannungen als Längsspannungen aufgetra-
gen. Hingegen ist bei einem räumlichen System die aufnehmbare Spannung durch die auftretende
Vergleichsspannung begrenzt. Der Einfachheit halber und aufgrund der erreichbaren Genauigkeit
wird ein von der Dimension des Modells unabhängiger Ansatz gewählt. Ein Einstellprofil einer
Stütze wird durch Druck und Biegung belastet, wobei der Querschnitt im Regelfall überdrückt ist.
Die Traglastabminderung ergibt sich durch eine verringerte Druckspannungsaufnahme am Quer-
schnittsrand. Daher ist eine zutreffende Abbildung der Druckeigenspannungen wichtiger als die
Abbildung der zugehörigen Zugspannung. Abb. 41 zeigt die rechnerischen Randspannungen in
Abhängigkeit vom Durchmesser. Es ist zu erkennen, dass der bisher verwendete Randspannungs-
ansatz mit den berechneten Randeigenspannungen bei kleinen Durchmessern in guter Überein-
stimmung steht. Für größere Durchmesser wird ein Ansatz mit einem abgeminderten Randwert
vergleichend berechnet.

Abb. 41 Randeigenspannungen in Abhängigkeit von der Stahlgüte und vom Durchmesser


42 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

5.9 Ansatz der berechneten Eigenspannungen auf ein räumliches System


Der direkte Ansatz der Temperaturen, welche die zu den Eigenspannungen gehörigen Längsdeh-
nungen hervorrufen, ist nicht zutreffend. Vielmehr muss berücksichtigt werden, dass das Aufbrin-
gen von Temperaturen Dehnungen hervorruft, die sich dann einem räumlichen Gleichgewicht an-
passen. Die Größe der Längseigenspannung ist abhängig vom Abstand eines Knotens zum Mittel-
punkt. Für einen Knoten an der Stelle ri berechnet sich die aufzubringende Temperatur nach Gl.
(5-11). Dabei ist die Temperaturdehnung in der Querschnittsebene zu Null zu setzen.
σL (ri )
T(ri ) =
(
E α T,L 1 + µ 2 ) (5-11)

5.10 Querschnittsverhalten
Die Berechnung der Temperaturgradienten erforderte eine sehr feine Elementeinteilung im Modell.
Dabei wurde ein dreidimensionales Modell verwendet, um den räumlichen Spannungszustand
abbilden zu können.
Die Verwendung eines dreidimensionalen Ansatzes ist jedoch in vielen Fällen nicht zweckmäßig.
Des Weiteren ist eine Vereinfachung nötig, um die idealisierte Eigenspannungsverteilung auch mit
wenigen Elementen in Dickenrichtung abbilden zu können. Um einen in der praktischen Anwen-
dung nutzbaren Ansatz anzugeben, wird auf die bisher schon verwendete quadratische Längsei-
genspannungsverteilung über den Querschnitt zurückgegriffen. Dieser Ansatz soll gleichermaßen
bei der zweidimensionalen Abbildung einer Stütze, bei der nur Spannungen in Längsrichtung be-
rücksichtigt werden, wie auch bei räumlicher Modellierung verwendet werden können.
Ausschlaggebend für den traglastmindernden Einfluss sind die Druckeigenspannungen am Quer-
schnittsrand. Dabei ist eine in etwa lineare Abhängigkeit der auftretenden Randlängseigenspan-
nung vom Durchmesser festzustellen, die in dem vereinfachten Ansatz berücksichtigt werden
kann. Durch die verwendete quadratische Verteilung der Spannungen ist eine weitere Anpassung
an den Spannungsverlauf nicht möglich, so dass vergleichende Berechnungen notwendig sind, um
den auf die Randeigenspannungen bezogenen Ansatz mit den rechnerisch ermittelten Eigen-
spannungen vergleichen zu können.
Der direkte Vergleich mit den ermittelten Eigenspannungen ist aufgrund der sehr großen Anzahl
benötigter Elemente im FE-Modell nicht durchführbar. Daher erfolgt der Vergleich an einem kleinen
Modell geführt. Dazu werden die bei einer aufgebrachten Stauchung bzw. Krümmung entstehen-
den Kräfte bzw. Momente ausgewertet. Für die Auswertung von gleichmäßigen Stauchungen wird
dabei das in Abb. 30 abgebildete System verwendet. Die durch die durchgeführte Simulation ge-
rechtfertigte Abminderung der Eigenspannungen wird erst bei Querschnitten mit einem Durchmes-
ser größer als 200 mm maßgebend. Daher wird ein Traglastvergleich an einem RV-Profil
Ø 400 mm durchgeführt.
In den nachfolgenden Abbildungen sind die zu einer wachsenden Stauchung gemäß den
Darstellungen die sich ergebenden Normalkräfte und Biegemomente aufgetragen. Neben der
Auswertung zentrischer Stauchungen wurde in einer weiteren Berechnung für Stauchungen eine
Relation der Randdehnungen festgelegt, wie diese sich aus den im Traglastzustand bei dem
Versuch MK6 bei maximaler Last gemessenen Dehnungen ergibt (Stütze mit Kernprofil, nahezu
zentrisch belastet). Zur Berücksichtigung von mit großen Ausmitten belasteten Stützen wurde der
grenzwertige Fall der reinen Biegung untersucht.
Für die Bewertung des traglastmindernden Einflusses bei stabilitätsgefährdeten Bauteilen ist es
ausschlaggebend, bei welchen Stauchungen bzw. Krümmungen Traglastminderungen auftreten.
Eigenspannungen in Rundvollprofilen 43

Daher wurde im Folgenden auf die übliche Zuordnung auftretender Biegemomente zu ihren
Normalkräften abgesehen. Statt dessen wurden die inneren Schnittgrößen den zugehörigen
Stauchungen zugeordnet.

F RV400
F
[kN] S235

Eigenspannungszustand
ohne ES
ε berechnete ES
[‰] ES-Ansatz nach [15],[35]
vermindert angesetzte ES

Abb. 42 Normalkraftentwicklung bei gleichmäßiger Stauchung

F RV400
F
M S235
[kN]

Eigenspannungszustand
ohne ES
ε berechnete ES
[‰] ES-Ansatz nach [15],[35]
vermindert angesetzte ES

M
[kNm]

ε
[‰]

Abb. 43 Normalkraft- und Momentenentwicklung bei ungleichmäßiger Stauchung


44 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

F RV400
[kN] S355
F

Eigenspannungszustand
ohne ES
ε berechnete ES
[‰] ES-Ansatz nach [15],[35]
vermindert angesetzte ES

Abb. 44 Normalkraftentwicklung bei gleichmäßiger Stauchung

F RV400
F
[kN] S355
M

Eigenspannungszustand
ohne ES
ε berechnete ES
[‰]
ES-Ansatz nach [15],[35]
vermindert angesetzte ES

M
[kNm]

ε
[‰]

Abb. 45 Normalkraft- und Momentenentwicklung bei ungleichmäßiger Stauchung


Eigenspannungen in Rundvollprofilen 45

RV400
F
F S460
[kN]

Eigenspannungszustand
ohne ES
ε berechnete ES
[‰] ES-Ansatz nach [15],[35]
vermindert angesetzte ES

Abb. 46 Normalkraftentwicklung bei gleichmäßiger Stauchung

F RV400
F
[kN] S460
M

Eigenspannungszustand
ohne ES
ε berechnete ES
[‰] ES-Ansatz nach [15],[35]
vermindert angesetzte ES

M
[kNm]

ε
[‰]

Abb. 47 Normalkraft- und Momentenentwicklung bei ungleichmäßiger Stauchung


46 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

M M RV400
[kNm]

εr

S235
Eigenspannungszustand
ohne ES
εr berechnete ES
[‰] ES-Ansatz nach [15],[35]
vermindert angesetzte ES

M
[kNm]

S355

εr
[‰]

M
[kNm]

S460

εr
[‰]

Abb. 48 Momentenentwicklung bei reiner Biegung


Eigenspannungen in Rundvollprofilen 47

5.11 Systemberechnungen
Nachfolgend werden für unterschiedliche Knicklängen die Traglasten von Vollkernstützen ermittelt,
wobei unterschiedliche Annahmen für Eigenspannungszustände für Stahlstützen untersucht wer-
den (Tab. 14). Durch die unterschiedlichen Knicklängen treten bei diesen zentrisch beanspruchten
Stäben bereits verschiedene Kombinationen von Normalkraft und Moment in Stützenmitte auf, so
dass von weiteren Berechnungen mit Randexzentrizitäten abgesehen wird. Die Berechnungen
bestätigen die in DIN 18800-1 und Eurocode 3-1-1 angegebene Einstufung von Vollkernprofilen in
die Knickspannungslinie c.

λk a) b) c) d)
S235 N
0,2 1,00 1,00 0,98 0,98
0,5 0,96 0,84 0,79 0,82
1,0 0,68 0,54 0,47 0,51 RV Ø 400
1,5 0,38 0,31 0,28 0,31
2,0 0,22 0,20 0,18 0,19
S355

sk
w0
0,2 1,00 1,00 0,98 0,98 sk = sk( λK )
0,5 0,97 0,84 0,84 0,86
1,0 0,72 0,54 0,55 0,59 λK = {0,2; 0,5;1,0;
1,5 0,39 0,31 0,33 0,35 1,5; 2,0}
2,0 0,23 0,20 0,21 0,21
S460
0,2 1,00 1,00 0,98 0,98
0,5 0,97 0,84 0,84 0,86 a) ohne Eigenspannungen (ES)
1,0 0,72 0,54 0,55 0,59 b) nach Knickspannungslinie c
1,5 0,39 0,31 0,33 0,35 c) mit ES nach dem etablierten
2,0 0,23 0,20 0,21 0,21 Ansatz nach [35]
d) mit abgeminderten ES
Tab. 14 Traglastberechnung für ein Rundvollprofil

N KSL b
N pl

KSL c

Querschnitt:
RV Ø 400, S355
λk

Abb. 49 Vergleich der Berechnungsergebnisse (Tab. 14) mit den Knickspannungslinien b und c
48 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

Den Berechnungen liegt eine geometrische Imperfektion (quadratische Vorkrümmung) mit einem
Stich von w0= L/1000 zugrunde. In Abb. 49 werden die Berechnungsergebnisse mit der Einstufung
in die Knickspannungskurven b und c nach DIN 18800-2 [36] verglichen.

5.12 Zusammenfassung
Es wurden für verschiedene Durchmesser und Materialgüten und unter Ansatz von rechnerischen
Grenzbedingungen die Eigenspannungen für Rundvollprofile berechnet. Die berechneten Eigen-
spannungen lassen sich für die in Kap. 5.8 genannten Bedingungen gut mit einem Polynom
4. Grades abbilden. Vereinfachungen, die erforderlich sind, um nicht eine zu hohe Genauigkeit zu
suggerieren, führen zu dem bisher schon verwendeten, quadratischen Ansatz.
Der Vergleich der Berechnungsergebnisse mit den bisherigen Berechnungsansätzen [35] zeigt,
dass der bisher verwendete Ansatz für die Verteilung der Eigenspannungen auf der sicheren Seite
liegt. Der Einfluss der Eigenspannungen ist insbesondere bei Verbundstützen mit großen Kern-
durchmessern von Bedeutung. Daher wurde der Einfluss von geringer angesetzten Eigen-
spannungen untersucht.
Für große Durchmesser wurde die Größe der Randspannung angepasst. Anhand der Abbildungen
in Kap. 5.10 ist zu erkennen, dass die Modifikation zu geringfügig kleineren Traglastabminder-
ungen führt als die rechnerische Eigenspannungsverteilung. Die Ansätze, hier verglichen mit den
als ungünstig gewählten Randbedingungen nach Kap. 5.6, rufen in etwa die Tragfähigkeits-
abminderungen hervor, wie sie mit den berechneten Eigenspannungen ermittelt wurden.
Es kann festgestellt werden, dass die Abminderung der aufnehmbaren Normalkraft von den Nähe-
rungsansätzen gut abgebildet wird. Die bei der angewandten Kombination aus Stauchung und
Krümmung berechneten Normalkräfte und Biegemomente sind bei Ansatz der bisher verwendeten
Näherung [35] (Abb. 41) geringer als bei Verwendung der berechneten Eigenspannungen. Der
Ansatz der vergleichsweise geprüften Näherung führt bei niedrigen Festigkeiten zu geringfügig
kleineren Abminderungen der Tragfähigkeit, als diese sich mit den unter grenzwertigen
Randbedingungen berechneten Eigenspannungsverteilungen ergeben.
Die Berechnungen in Kap. 5.11 zeigen, dass eine Abminderung der Randeigenspannungen beim
Näherungsansatz nur zu geringfügig höheren aufnehmbaren Lasten führt. Mit den gewonnenen
Erkenntnissen kann somit der schon bestehende Ansatz [35] als ausreichend genaue Näherung
bestätigt werden.
Eigenspannungen in Rundvollprofilen 49

6 Eigenspannungen in runden Hohlprofilen


Gegenüber den Eigenspannungen in Rundvollprofilen ist der Einfluss der Eigenspannungen in den
Mantelrohren weniger bedeutend. Daher wird hier nur kurz auf eine experimentelle und rechneri-
sche Untersuchung von warmgewalzten Hohlprofilen eingegangen.
In [37] wird von Eigenspannungsmessungen und vergleichenden Berechnungen an warmgefertig-
ten Hohlprofilen berichtet. Demnach wurden an der Außenseite der Rohre Zugeigenspannungen
gemessen, während an der Innenseite entsprechende Druckeigenspannungen auftraten. Aus
Gleichgewichtsbetrachtungen müssen die Eigenspannungen über die Mantelrohrdicke in etwa
ausgeglichen sein, was durch die Messungen bestätigt wurde. Ein Einfluss der Fließgrenze auf die
Höhe der Eigenspannungen wurde nicht festgestellt. Die gemessenen Eigenspannungen (in
Längsrichtung des Rohres) erreichten Werte von -80 N/mm² an der Rohrinnenseite und bis zu
100 N/mm² an der Rohraußenseite.

σ
[N/mm²] Zugspannungen an
50 der Aussenseite

0
Druckspannungen an
der Innenseite

0
Skalierung [N/mm²]
50
0 100

Abb. 50 Über den Umfang aufgetragene Eigenspannungsverteilung eines runden Hohlprofils


219,1 x 9,5 [37]

Der Traglastzustand der hier betrachteten Hohlprofil-Verbundstützen stellt sich mit dem Erreichen
der kritischen Betondehnungen ein, die weit oberhalb der Elastizitätsgrenze des Baustahles liegen.
Da die Eigenspannungen über die Rohrwandungen ausgeglichen sind, ist bei dem hier betrachte-
ten Fall davon auszugehen, dass diese nur einen untergeordneten Einfluss auf die Traglast der
Verbundstütze haben.
50 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

7 Kriechen und Schwinden


Bei der Bemessung von Bauteilen in Verbundbauweise sind die Einflüsse aus dem Kriechen und
Schwinden im Allgemeinen zu berücksichtigen. Durch das Kriechen und Schwinden entzieht sich
der Beton der Beanspruchung, woraus eine erhöhte Beanspruchung der Stahlteilquerschnitte re-
sultiert.
Die Auswirkungen des Kriechens und Schwindens können mit dem in [41] vorgestellten
Näherungsverfahren anschaulich dargestellt werden. So führt die Erstbelastung der Stütze zu hori-
zontalen Verformungen nach Theorie II. Ordnung, die sich schrittweise auch mit Hilfe des
Dischinger - Faktors berechnen lassen.

NEd

1 ∆M
w IIe = w 0 ;q=
1− q M0
 
w0  
 ϕ 
w (t ) = w (t 0 ) ⋅ EXP
II II
w IIe (t 0 ) 1 
sk

 − 1
w II (t ) q 

Abb. 51 Berechnung der Schnittgrößen nach Theorie II. Ordnung nach [41]

Die Einflüsse aus dem Kriechen und Schwinden lassen sich ebenfalls auf diese Weise berücksich-
tigen. So ruft ein zunächst aus der äußeren Belastung gegebener Spannungszustand im Quer-
schnitt Umlagerungen infolge des Kriechens und Schwindens des Betons hervor. Der Beton ent-
zieht sich der Last und es ergeben sich höhere Beanspruchungen der Stahlteilquerschnitte und
größere Verformungen. Aus diesen Verformungen resultiert ein Biegemomentenzuwachs, der sei-
nerseits eine Zusatzbeanspruchung des Betons und somit ein weiteres Kriechen bewirkt. Die dar-
aus abzuleitende Entwicklung der Verformung entspricht dem Verfahren zur Berechnung der
Schnittgrößen nach Theorie II. Ordnung. Dementsprechend wird in [41] vorgeschlagen, zur
Berücksichtigung des Kriechens einen modifizierten Dischinger-Faktor zu verwenden, in dem auch
die Kriechzahl ϕ eingeht (Abb. 51).
Die Stauchung des Betons infolge einer Druckbeanspruchung setzt sich aus einem elastischen
Anteil und einem Kriechanteil zusammen. Das Schwinden des Betons erzeugt zusätzliche zeitab-
hängige Dehnungen εcs(t).

εc ( t ) = εcs ( t ) + εc0 ( t 0 ) + εcr ( t, t0 )


1  Ecm ( t0 )  (7-1)
= εcs ( t ) + σc ( t0 ) 1 + ϕ ( t, t0 ) 
Ecm ( t0 )  Ec0,28 ( t0 ) 

Das Kriechen des Betons kann bis zu einer Spannung von σc = 0,45 fck als linear abhängig von der
Spannung angenommen werden, darüber hinaus ist bei Betonspannungen in der Größe von
0,45 fck < σc ≤ 0,6 fck nach [11] die Berücksichtigung des nichtlinearen Kriechens erforderlich.
Kriechen und Schwinden 51

σc
σc(εc0)

σc (ε0 + εcR)
εc
Abb. 52 Berücksichtigung des Betonkriechens in der Spannungs-Dehnungs-Linie

Die Größe der zu erwartenden Kriechverformungen ist neben der Größe der Belastung unter ande-
rem abhängig von dem Zeitpunkt der Erstbelastung und den Umweltbedingungen. Mit der gleich-
zeitigen Berücksichtigung des Kriechens in der Spannungs-Dehnungslinie wird die zeitliche Ent-
wicklung der Umlagerungen infolge Kriechen vernachlässigt, ebenso verhält es sich mit der Be-
rücksichtigung des Schwindens in einem Berechnungsschritt. Die direkte Berücksichtigung des
Kriechens in der Spannungs-Dehnungslinie des Betons (Abb. 52) ist wegen der Vernachlässigung
der zeitlichen Entwicklung der Umlagerungen somit eigentlich unzutreffend. Es sei aber erwähnt,
dass dieser Ansatz in [42] zur Anwendung auf Stahlbetonstützen beschrieben und mit Versuchs-
nachrechnungen bestätigt wurde.
Die in der DIN 1045 [23] angegebenen Spannungs-Dehnungs-Beziehungen und Werte für den E-
Modul gelten für kurzzeitige Belastungen. Die aktuellen Verbundbaunormen [1], [2] berücksichtigen
den Einfluss aus dem Kriechen durch eine Abminderung des E-Moduls des Betons zur Be-
rechnung der Schnittgrößen nach Theorie II. Ordnung.
1
E c, eff = E cm
 N G,Ed  (7-2)
1+  ϕ
 NEd  t
 
Bleibt dabei eine genaue Ermittlung der Kriechzahl aus, so darf sie für Hohlprofil-Verbundstützen
zu 25% desjenigen Wertes angenommen werden, der sich ohne Berücksichtigung der Austrock-
nungsbehinderung durch das Hohlprofil ergibt. Die wirksame Biegesteifigkeit wird damit für Ver-
bundstützen nach Gleichung (7-2) bestimmt.

(EI)eff = 0,9 ( EaIa +EsIs + 0,5 Ec,eff Ic ) (7-3)


Eine rechnerisch genauere Berücksichtigung ist möglich, wenn eine Stütze nach der Finite-Ele-
ment-Methode berechnet wird. Damit kann an jeder Stelle im Modell die zu der auftretenden
Spannung zugehörige Kriechverformung zugewiesen werden. Auch hierbei erfordert die zeitliche
Entwicklung der Umlagerung der Beanspruchungen aus dem Kriechen und Schwinden eine
schrittweise Berechnung, bei der in jedem Zeitintervall die aktuelle Kriechzahl und Umlagerungs-
größe zugrunde gelegt wird.
Bei der schrittweisen Berechnung wird im ersten Schritt zunächst die Traglast der Stütze bei Erst-
belastung unter Ansatz der Steifigkeiten für die kurzzeitige Beanspruchung bestimmt. Für die sich
daraus ergebenden Betonspannungen des kriecherzeugenden Anteils NG,k werden die Kriechdeh-
nungen bestimmt, die Schwinddehnungen werden additiv berücksichtigt. Zur Erfassung der zeitli-
chen Entwicklung werden die Kriechzahlen für jede der Umlagerungsschnittgrößen sowie das zeit-
lich zugehörige Schwindmaß in mehreren Zeitschritten berechnet. Als kriecherzeugender Anteil
wird das Gebrauchslastniveau der ständigen Beanspruchungen zugrunde gelegt.
52 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

NP,k 0,3
NEd = 1,35 NG,k + 1,50 NP,k ≅
NG,k 0,7
(7-4)
NED − 1,50 NP,k 1 − 1,50 ⋅ 0,3
NG,k = = NEd ≅ 0,41 NEd
1,35 1,35
Nachfolgend wird für mittelschlanke und schlanke Hohlprofilverbundstützen ohne Einstellprofil
nach Tab. 15 der Einfluss des Kriechens und Schwindens ermittelt. Die Zeitschritte sind dabei so
gewählt, dass der Zuwachs der Kriechzahl φ(t∞,t0) zwischen den Iterationen etwa einem Viertel der
Endkriechzahl entspricht. Die Schwinddehnung wird zugehörig berücksichtigt. Vorab wird zur
Bestimmung des kriecherzeugenden Lastniveaus eine Traglastberechnung ohne die Berück-
sichtung des Kriechens und Schwindens durchgeführt.

System Mantelrohr Beton: fc [N/mm²] L [mm] λk w0


V1-1 7930 1
RR 406,4x8,8 60 L
V1-2 15850 2
fy= 360 1000
V2-1 N/mm² 6890 1
100
V2-2 13770 2
Tab. 15 Zentrisch belastete Stützen zur Auswertung des Kriech- und Schwindeinflusses

Für den vom Stahlmantel eingeschlossenen Beton wird die Kriechzahl gemäß [2] mit 25% desjeni-
gen Wertes angesetzt, der sich für einen Querschnitt mit einer der Luft ausgesetzten Oberfläche
ergibt. Dieser Einfluss der Stahlummantelung auf die Kriechzahl wird auch durch die Unter-
suchungen von Ichinose, Watanabe und Nakai [19] bestätigt.
Für das System V1-1 sind die Entwicklung der horizontalen Ausbiegung in Stützenmitte sowie die
vertikale Verkürzung der Stütze bei wachsender Normalkraft in Abb. 54 und Abb. 55 dargestellt.
Die sich vergrößernden Verformungen infolge des Kriechens und Schwindens bei gehaltener Last
NG,k sind deutlich zu erkennen. Die zusätzliche horizontale Auslenkung wird dabei im Wesentlichen
durch das Kriechen hervorgerufen, während die zusätzliche Stauchung der Stütze dem Schwinden
zuzuordnen ist. Die Nicht-Affinität von Kriechen und Schwinden ist beim Vergleich der schrittwei-
sen Zuwächse der horizontalen und vertikalen Verformungen zu erkennen.
Kriechen und Schwinden 53

N ohne K+S Nichtlineare Berechnung ohne die Berück-


Nu sichtigung von Kriechen und Schwinden

N Bestimmung der
maximalen Bemessungslast NEd
NG,k
und der kriecherzeugenden Last NG,Ed

Berechnung ux
mit K+S Berechnung der Kriechdehnung infolge
NG,Ed und zugehörige Schwinddehnung
zum Zeitpunkt ti:
ux
εK + S (ti ) = εK + S (t i −1 ) + ∆εK (t i ) + ∆ε cs (t i )

ϕ(ti,tk) Die Umlagerungen aus Lastzuwächsen


ϕ(t∞,t0) vorhergehender Zeitpunkte sind dabei mit
den zum Zeitpunkt ihrer Entstehung maß-
geblichen Kriechzahlen zu bestimmen.

ϕ(ti,t2) n-fach

t Ermittlung der Querschnittsumlagerungen


infolge ∆εK und ∆εcs
t0 t2 ti t∞,tn
11
εcs(t∞)

Bei Hohlprofil-Verbundstützen werden Kriech- und


εcs,i Schwindmaß zu 25% der Werte des gleichen Quer-
εcs,2 t schnittes angenommen, dessen Oberfläche voll-
εcs,1 ständig der Austrockung ausgesetzt ist.
t0 t2 ti t∞,tn

Abb. 53 Schrittweise Berechnung des Kriech- und Schwindeinflusses

Der Vergleich der mit dem allgemeinen Verfahren bestimmten Bemessungslasten zeigt nur eine
geringe Abminderung der Traglast, wenn das Kriechen und Schwinden berücksichtigt wird
(Tab. 16). Vergleichend wurden die Kriechzahlen bei dem System V1-1 auch ohne die Abminde-
rung der Kriechzahl auf 25% der Werte ohne Mantelrohr ermittelt. Die damit berechnete Traglast
ist wesentlich geringer als die ohne den Einfluss des Kriechens ermittelte Traglast.
54 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

ux

Abb. 54 Horizontale Verformung ohne und mit der Berücksichtigung von Kriechen und Schwin-
den

uz

Abb. 55 Vertikale Verformung ohne und mit der Berücksichtigung von Kriechen und Schwinden

Vergleichbar große Abminderungen wurden bei experimentellen Untersuchungen an Stützen aus


einbetonierten I-Profilen [17] beobachtet. Des Weiteren wird in [17] ausgeführt, dass das Kriechen
erst bei schlanken Stützen ab einem bezogenen Schlankheitsgrad von λ K = 0,5 (verschieblich)
bzw. λ K = 0,8 (unverschieblich) einen nennenswerten Einfluss auf die Traglast hat. Der Einfluss
des Kriechens nimmt mit zunehmender Ausmitte ab und braucht ab einer Lastexzentrizität, die der
zweifachen Außenabmessung entspricht, nicht mehr berücksichtigt zu werden.
Kriechen und Schwinden 55

Fu ux(Fu) Fd ux(Fd) NG,K Fd,K + S


System λk
[kN] [mm] [kN] [mm] [kN]
Fd

φt = 0 7935 23,3 5912 7,38 1,00


V1-1 1 φt = 0,25 φ(t∞) 7680 24,3 5722 7,05 2406 0,97
φt = φ(t∞) 6677 35,58 4974 5,81 0,84
φt = 0 2823 101,9 2112 26,29
V1-2 2 860 0,98
φt = 0,25 φ(t∞) 2776 89,6 2077 26,07
φt = 0 10956 27,1 7425 4,45
V2-1 1 3022 0,97
φt = 0,25 φ(t∞) 10660 30,9 7224 4,39
φt = 0 4212 92,7 2869 19,17
V2-2 2 1167 0,98
φt = 0,25 φ(t∞) 4176 89,4 2844 19,37
Tab. 16 Vergleich der Traglasten ohne und mit der Berücksichtigung von Kriechen und Schwin-
den

Nachweis für
Nachweis für
planmäßig zentri-
Druck und Biegung
schen Druck
N G,Ed Ecm, Ec,eff Fd Fd,K + S Fd,K + S
System λk φ(t∞,t0) L/w0 Fd
NEd kN/cm² [kN] Fd Fd

0 3700 4930 5679


0,96
V1-1 1 0,25 ⋅ 1,34 0,69 3014 4750 360 5555 0,98
1,34 0,69 1925 4440 0,90 5315 0,94
0 3700 1730 2037
V1-2 2 0,95 440 0,95
0,25 ⋅ 1,34 0,69 3014 1635 1941
0 4520 6400 7437
V2-1 1 0,97 360 0,98
0,25 ⋅ 0,873 0,69 3930 6220 7324
0 4520 2250 2842
V2-2 2 0,95 440 0,96
0,25 ⋅ 0,873 0,69 3930 2143 2724

Tab. 17 Traglasten nach den vereinfachten Verfahren der DIN 18800-5 [2] ohne und mit der
Berücksichtigung des Kriechens

So ergibt sich nach dem vereinfachten Verfahren (Nachweis für Druck und Biegung) für das Sys-
tem V1-2 mit λ K = 2 für eine Lastausmitte von e/D = 2 eine Abminderung der maximalen Traglast
von 2% gegenüber einer Berechnung ohne die Berücksichtigung des Kriechens. Aufgrund der gu-
ten Übereinstimmung der mit FE-Rechnungen ermittelten Ergebnisse mit denen nach dem verein-
fachten Verfahren können die Regeln der DIN 18800-5 [2] auch bei Stützen aus hochfesten Stäh-
len und Betonen verwendet werden. Die Auswertung der Systeme mit den vereinfachten Verfahren
nach DIN 18800-5 (Tab. 17) führt zu etwa den gleichen Abminderungen wie mit dem genauen
Verfahren ermittelt.
56 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

8 Zur Bemessung von Hohlprofil-Verbundstützen

8.1 Beanspruchbarkeiten der Querschnitte


Wie es im Abschnitt 8.3 noch näher erläutert wird, wird in den aktuellen Regelwerken beim
Tragfähigkeitsnachweis die Querschnittstragfähigkeit mit einer Abminderung der vollplastischen
Querschnittstragfähigkeit ermittelt. Mit dieser Abminderung wird insbesondere berücksichtigt, dass
bei dem Erreichen der Traglast die für eine vollplastische Ausnutzung des Querschnitts erforderli-
chen Randdehnungen wegen der Dehnungsbeschränkung beim Beton nicht erreicht werden. So
gilt ein Abminderungsfaktor αM = 0,9 für Baustähle bis zu einer Stahlgüte S355, darüber hinaus
wird ein Abminderungsfaktor αM = 0,8 für Baustähle bis zu einer Stahlgüte S460 verwendet. Da
eine Verbundstütze ihre maximale Traglast mit dem Auftreten der kritischen Betondehnung er-
reicht, stellt der Abminderungsfaktor einen Verhältniswert zwischen der vollplastischen und der auf
die kritische Betondehnung begrenzten Querschnittstragfähigkeit dar (s.a. Abb. 56). Aufgrund der
insbesondere durch die unterschiedlich großen Kernprofile variierenden Stahlanteile in Quer-
schnittsmitte bei dem hier betrachteten Querschnittstyp ist zu erwarten, dass der Unterschied zwi-
schen einer dehnungsbegrenzten und einer theoretisch vollplastischen Querschnittsausnutzung
nicht wie für andere Stützen gültig mit den pauschal zu verwendenden Abminderungsfaktoren er-
fasst werden kann. Dies gilt insbesondere dann, wenn hochfeste Betone verwendet werden.
N/Npl
vollplastische
MRd,N
Interaktionskurve αM =
Mpl,N
Mpl,N
N
dehnungsbeschränkte
Interaktionskurve

M/Mpl
0
MRd,N

Abb. 56 Querschnittstragfähigkeit bei vollplastischer und bei dehnungsbeschränkter Ausnutzung

Nachfolgend werden die Abminderungsbeiwerte αM für typische Querschnitte nach Tab. 18 für die
bei den Querschnittsinteraktionskurven auftretenden Verhältnisse M/N ermittelt. Die Ergebnisse
sind in Form von Interaktionskurven in den Abb. 57 bis Abb. 68 exemplarisch für Stützen ohne
Kernprofil und mit einem Kern Ø 200 mm dargestellt. Die dort aufgeführten Interaktionsdiagramme
beziehen sich auf die Bemessungswerte der Querschnittstragfähigkeiten, bei denen für Beton der
Teilsicherheitsbeiwert γc = 1,5 für Festigkeitsklassen bis C50/60 und der Teilsicherheitsbeiwert
γc = 1,67 für die Festigkeitsklasse C100/115 berücksichtigt ist. Für den Kernquerschnitt und das
Mantelrohr wird der Teilsicherheitsbeiwert γa = 1,1 der Berechnung zugrunde gelegt. Aufgrund der
unterschiedlich anzusetzenden Teilsicherheitsbeiwerte müssen diese von vornherein mit berück-
sichtigt werden, ein nachträgliches Verrechnen ist nicht möglich. Der Ansatz der Teilsicherheitsbei-
werte folgt den zur Zeit gültigen Normen. Es sei angemerkt, dass Tue, Schenk und Schwarz [40]
bei einer Überprüfung des zusätzlichen Sicherheitsbeiwertes γc’ für hochfesten Beton durch sta-
tistische Auswertungen und Analyse der Unsicherheitsquellen feststellten, dass es keine Not-
wendigkeit für diesen Faktor gibt.
Zur Bemessung von Hohlprofil-Verbundstützen 57

Quer- Mantelrohr Rundvollprofil Beton


schnitt fy,M Ø fy,K fc
N/mm² mm N/mm² N/mm²
QS1a RR406,4 x 8,8 S235 - - C30/37
1)
QS1b RR406,4 x 8,8 S235 S235 C30/37
1)
QS1c RR406,4 x 8,8 S235 S460 C30/37
QS2a RR406,4 x 8,8 S235 - - C60/75
1)
QS2b RR406,4 x 8,8 S235 S235 C60/75
1)
QS2c RR406,4 x 8,8 S235 S460 C60/75
QS3a RR406,4 x 8,8 S235 - - C100/115
1)
QS3b RR406,4 x 8,8 S235 S235 C100/115
1)
QS3c RR406,4 x 8,8 S235 S460 C100/115
QS4a RR406,4 x 8,8 S460 - - C30/37
1)
QS4b RR406,4 x 8,8 S460 S235 C30/37
1)
QS4c RR406,4 x 8,8 S460 S460 C30/37
QS5a RR406,4 x 8,8 S460 - - C60/75
1)
QS5b RR406,4 x 8,8 S460 S235 C60/75
1)
QS5c RR406,4 x 8,8 S460 S460 C60/75
QS6a RR406,4 x 8,8 S460 - - C100/115
1)
QS6b RR406,4 x 8,8 S460 S235 C100/115
1)
QS6c RR406,4 x 8,8 S460 S460 C100/115
1) Kernprofil – Durchmesser: 50, 100, 150, 200, 250, 300 [mm]

Tab. 18 Auflistung der zu den ausgewerteten Interaktionskurven gehörigen Querschnitte

N
Npl,d

M Mdb,d (N)
Mpl,d
Mpl,d (N)

Abb. 57 QS1a: Vollplastische und dehnungsbeschränkte Querschnittstragfähigkeit


58 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

N
Npl,d

M
Mdb,d (N)
Mpl,d
Mpl,d (N)

Abb. 58 QS1b: Vollplastische und dehnungsbeschränkte Querschnittstragfähigkeit

N
Npl,d

M
Mdb,d (N)
Mpl,d
Mpl,d (N)

Abb. 59 QS1c: Vollplastische und dehnungsbeschränkte Querschnittstragfähigkeit

N
Npl,d

M
Mpl,d Mdb,d (N)
Mpl,d (N)

Abb. 60 QS3a: Vollplastische und dehnungsbeschränkte Querschnittstragfähigkeit


Zur Bemessung von Hohlprofil-Verbundstützen 59

N
Npl,d

M
Mpl,d Mdb,d (N)
Mpl,d (N)

Abb. 61 QS3b: Vollplastische und dehnungsbeschränkte Querschnittstragfähigkeit

N
Npl,d

M
Mpl,d Mdb,d (N)
Mpl,d (N)

Abb. 62 QS3c: Vollplastische und dehnungsbeschränkte Querschnittstragfähigkeit

N
Npl,d

M Mdb,d (N)
Mpl,d Mpl,d (N)

Abb. 63 QS4a: Vollplastische und dehnungsbeschränkte Querschnittstragfähigkeit


60 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

N
Npl,d

M Mdb,d (N)
Mpl,d Mpl,d (N)

Abb. 64 QS4b: Vollplastische und dehnungsbeschränkte Querschnittstragfähigkeit

N
Npl,d

M
Mdb,d (N)
Mpl,d
Mpl,d (N)

Abb. 65 QS4c: Vollplastische und dehnungsbeschränkte Querschnittstragfähigkeit

N
Npl,d

M
Mpl,d Mdb,d (N)
Mpl,d (N)

Abb. 66 QS6a: Vollplastische und dehnungsbeschränkte Querschnittstragfähigkeit


Zur Bemessung von Hohlprofil-Verbundstützen 61

N
Npl,d

M
Mpl,d Mdb,d (N)
Mpl,d (N)

Abb. 67 QS6b: Vollplastische und dehnungsbeschränkte Querschnittstragfähigkeit

N
Npl,d

M
Mpl,d Mdb,d (N)
Mpl,d (N)

Abb. 68 QS6c: Vollplastische und dehnungsbeschränkte Querschnittstragfähigkeit

Die Auswertungen zeigen, dass der Abminderungsbeiwert αM zur Berücksichtigung der Deh-
nungsbeschränkung stark von der Betonfestigkeitsklasse und den Querschnittsabmessungen so-
wie von dem Verhältnis N/Npl,d abhängig ist. Mit guter Näherung kann der Beiwert αM wie folgt an-
genähert werden:
N
αM = αM0 − αN (8-1)
Npl

Die Beiwerte αM0 und αN sind für verschiedene Betonfestigkeitsklassen in Tab. 19 zusammenge-
stellt.
Die Ergebnisse der Tabelle verdeutlichen, dass für Stützen mit Kernprofilen und insbesondere bei
hochfesten Betonen und großen Kerndurchmessern deutlich kleinere Verhältniswerte αM zugrunde
gelegt werden müssen als bei Stützen aus normalfesten Betonen ohne Einstellprofil.
62 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

Stahlgüte fyd,Kern Betongüte fcd DK/D = 0 DK/D = 0,75


Kernprofil [N/mm²] [N/mm²] αM0 αN αM0 αN
S235 218 C30/37 20 0,90 0,10 0,85 0,15
C 60/75 40 0,90 0,25 0,80 0,15
C100/115 60 0,90 0,40 0,75 0,15
S460 418 C30/37 20 0,85 0,25 0,70 0,20
C 60/75 40 0,85 0,35 0,60 0,20
C100/115 60 0,85 0,45 0,50 0,20
0,10 ≤ DK/D ≤ 0,75

Tab. 19 Faktoren αM0 und αN zur Bestimmung von αM

8.2 Allgemeines Nachweisverfahren


Bei der Berechnung und Bemessung von Stützen sind in der Regel die Einflüsse aus der Verfor-
mung der Stütze auf die Schnittgrößen zu berücksichtigen. Aufgrund des nichtlinearen Material-
verhaltens sowie Eigenspannungen und sonstigen Imperfektionen ist eine Berechnung unter Be-
rücksichtigung dieser Einflüsse in der Regel nur mit FE-Programmen möglich. Die Rahmenbedin-
gungen für die nichtlinearen Berechnungen sind dabei durch die DIN 18800-5 [2] gegeben. Der
Tragwiderstand für eine Verbundstütze bestimmt sich danach zu

Rd =
1
γR
Rm mit (
R m = R m f y,R ; fc,R ; f s,R ; fp,R ; PRm ) (8-2)

Die rechnerischen Mittelwerte der Baustofffestigkeiten fc,R, fs,R und fp,R sind DIN 1045-1 [23] zu ent-
nehmen. Der rechnerische Mittelwert der Streckgrenze des Baustahls fy,R darf mit fck angenommen
werden. Für die Tragfähigkeit von Verbundmitteln PRm darf PRk angesetzt werden. Wird der Teilsi-
cherheitsbeiwert des Systemwiderstandes wie nachfolgend beschrieben bestimmt, so darf anstelle
von fc,R für die Betonfestigkeit fck angesetzt werden.
Der Bemessungswert der aufnehmbaren Einwirkungen berechnet sich dadurch, dass der System-
widerstand Rm noch um den Teilsicherheitsbeiwert γR abgemindert wird. Aufgrund des großen An-
teils des Baustahls bei einem Verbundquerschnitt ist eine pauschale Abminderung der Tragfähig-
keit, wie diese nach DIN 1045-1 [23] für Betonstützen angesetzt wird, jedoch nicht sinnvoll.
Anstelle des in DIN 1045-1 angegebenen Teilsicherheitsbeiwertes γR von 1,3 können mit der in Gl.
(8-3) angegebenen Beziehung die geringeren Streuungen der Materialeigenschaften des
Baustahles berücksichtigt werden. Der Teilsicherheitsbeiwert wird dann wie folgt ermittelt:
R pl,m
γR = (8-3)
R pl, d

Dabei ist Rpl,d die mit den Bemessungswerten der Werkstofffestigkeiten berechnete, vollplastische
Querschnittstragfähigkeit und Rpl,m die mit den rechnerischen Mittelwerten der Werkstofffestigkei-
ten berechnete, vollplastische Querschnittstragfähigkeit. Der Nachweis nach Gleichung (8-3) ist
dabei abhängig von der auftretenden Beanspruchungskombination.
Für eine Normalkraft und das zugehörige Moment wird Rpl,d und Rpl,m und daraus γR berechnet. Die
Normalkraft wird dann bei einer Berechnung unter Ansatz der Mittelwerte der Baustofffestigkeiten
gesteigert, bis die maximale Tragfähigkeit des Systems erreicht ist. Die ausreichende Tragfähigkeit
der Stütze ist nachgewiesen, wenn das Verhältnis von möglicher zu vorhandener Belastung λu
größer ist als γR (Abb. 69).
Zur Bemessung von Hohlprofil-Verbundstützen 63

Abb. 69 Nachweis der Tragsicherheit mittels einer nichtlinearen Berechnung^

Eine Bestimmung der maximal möglichen Last nach diesem Sicherheitskonzept ist nur iterativ
möglich, da das aus einer Exzentrizität vorhandene Moment bei einer Laststeigerung nicht
proportional zur Normalkraft anwächst. Dadurch kann die maßgebende Belastung aus M und N für
die Bestimmung von γR, nicht vorab bestimmt werden. In Abb. 70 ist exemplarisch der Einfluss der
Querschnittsausbildung und des Verhältnisses M/N auf den Sicherheitsbeiwert γR für zwei
Querschnittstypen dargestellt.

Querschnitt: Querschnitt:
RR 406,4x8,8 RR 406,4x8,8
γR γR RV 300

D D

Baustoffe
C100/115, S235
C100/115, S460
C 30/37, S235
C 30/37, S460 Baustoffe
C30/37, S235
C100/115, S235
C30/37, S460
e=M/N C100/115, S460

e/D e/D

Abb. 70 Verlauf von γR in Abhängigkeit vom Querschnitt, den Baustofffestigkeiten und der
Lastausmitte e/d
64 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

8.3 Vereinfachte Nachweisverfahren

8.3.1 Tragfähigkeitsnachweis bei planmäßig zentrischen Druck


Nach DIN 18800-5 [2] und Eurocode 4-1-1 [1] kann bei planmäßig zentrischem Druck ein Tragsi-
cherheitsnachweis auf der Grundlage der europäischen Knickspannungslinien geführt werden. Der
Einfluss von geometrischen und strukturellen Imperfektionen (Vorkrümmungen) wird dabei in Ab-
hängigkeit von der jeweiligen Einstufung in die Knickspannungslinie berücksichtigt. Dieser
Nachweis wird nach Gl. (8-4) geführt.
NEd
≤ 1,0 (8-4)
κ Npl,Rd

Der Abminderungsfaktor κ wird dabei nach DIN 18800-2 bestimmt. Die zugrunde zu legende be-
zogene Schlankheit berechnet sich zu

Npl
λk = (8-5)
Nki

wobei Npl mit den charakteristischen Festigkeiten der Werkstoffe bestimmt wird, und die Normal-
kraft unter der kleinsten Verzweigungslast Nki mit der effektiven Steifigkeit EIeff,l nach Gl. (8-6)
berechnet wird.

π 2 EI eff
Nki = ; EI eff = E aIa + E sI s + 0,6 E c Ic (8-6)
sk 2
Die Zuordnung der Querschnitte zu den Knickspannungslinien erfolgt nach Tabelle 11 der
DIN 18800-5. Für Hohlprofil-Verbundstützen mit runden Vollkernprofilen ist diese Zuordnung bis-
lang ausgeblieben. Nachfolgend werden daher für diesen Stützentyp im folgenden Kapitel Berech-
nungen durchgeführt und eine Einstufung vorgeschlagen.

8.3.2 Zur Frage der Einstufung in die Europäischen Knickspannungskurven - geo-


metrische Ersatzimperfektionen
In Abb. 71 und Abb. 72 sind die Ergebnisse der durchgeführten nichtlinearen Berechnungen in
Abhängigkeit von der bezogenen Schlankheit λK nach DIN 18800-5 und Eurocode 4 für Beton-
festigkeitsklassen C60 bis C100 dargestellt. Dabei wurden nur Kernprofile mit einem Verhältnis
DK/D ≤ 0,3 berücksichtigt. Das Mantelrohr und das Kernprofil besitzen eine Streckgrenze von 360
bzw. 460 N/mm². Den Berechnungen liegt eine geometrische Imperfektion (Vorkrümmung) von
L/1000 und der in Abschnitt 5 hergeleitete vereinfachte Eigenspannungszustand zugrunde.
Zur Bemessung von Hohlprofil-Verbundstützen 65

κ
KSL a0
KSL a

KSL b

λK

Abb. 71 Vergleich der rechnerisch ermittelten bezogenen Traglasten mit den Knickspannungs-
linien a und b - Mantelrohr in der Stahlgüte S355 und DK / D ≤ 0,3

κ
KSL a0

KSL a

KSL b

λK

Abb. 72 Vergleich der rechnerisch ermittelten bezogenen Traglasten mit den Knickspannungs-
linien a und b - Mantelrohr in der Stahlgüte S460 und DK / D ≤ 0,3

Zum Vergleich wurden die Systeme, die den in Abb. 73 dargestellten Auswertungen zugrunde lie-
gen, auch ohne die Berücksichtigung von Eigenspannungen berechnet. Die angegebenen bezo-
genen Traglasten lassen erkennen, dass der Eigenspannungseinfluss bei den Querschnitten mit
DK / D ≤ 0,3 von untergeordneter Bedeutung ist.
Den Einfluss großer Kernprofile mit verschiedenen Werkstofffestigkeiten auf die Zuordnung zu
einer Knickspannungslinie zeigen Abb. 74 und Abb. 75.
66 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

KSL a0

KSL c KSL a

λK

Abb. 73 Rechnerische, bezogene Traglasten mit und ohne den Ansatz von Eigenspannungen

KSL a0
a
b

λK

Abb. 74 Querschnittsabhängige Traglastabminderungen Rohr Ø 406,4 x 8,8 mit


unterschiedlichen Kerndurchmessern, Stahl S355
Zur Bemessung von Hohlprofil-Verbundstützen 67

KSL a0
a
b

λK

Abb. 75 Querschnittsabhängige Traglastabminderungen für ein Rohr Ø 660 x 7,1 mit


unterschiedlichen Kerndurchmessern, Stahl S460

Die Auswertung sämtlicher zentrisch belasteter Stützen ergab, dass Stützen mit kleinen Kernpro-
filen im Rahmen der in Tab. 20 angegebenen Werkstofffestigkeiten in die Knickspannungslinie a
einzuordnen sind. Bei großen Kernprofilen sind die Stützen in die Knickspannungslinie b einzu-
ordnen (Abb. 76).
κ

1 NKi
=
2 Npl
λK

KSL a0
a
b
c

EIeff , λ = E aIa + 0,6 E c, eff Ic


λK

Abb. 76 Tragfähigkeiten von runden Hohlprofilverbundstützen mit und ohne Vollkernprofil


68 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

Die Einstufung eines Querschnitts in eine Knickspannungslinie ist vom Ansatz der effektiven Bie-
gesteifigkeit EIeff,λ abhängig. In DIN 18800-5 [2] und in Eurocode 4 [1] wird der Einfluss der Rissbil-
dung durch eine Abminderung der Steifigkeit des Betons von Ec,effIc auf den 0,6-fachen Wert
erfasst. Diese pauschale Abminderung ist jedoch nicht für alle Schlankheitsbereiche zutreffend.
κ

1 NKi
=
λK 2 Npl

KSL a0
a
b
c

EIeff , λ = E aIa + E c, eff Ic


λK

Abb. 77 Tragfähigkeiten von runden Hohlprofilverbundstützen mit und ohne Vollkernprofil

In Abb. 77 wurde zum Vergleich keine Abminderung zur Erfassung der Rissbildung berücksichtigt.
Man erkennt, dass man dann zu einer anderen Einstufung gelangt. Zu diesem Problem sind noch
weitere Untersuchungen erforderlich, da die effektive Biegesteifigkeit auch von der Schlankheit
abhängt. Unter Ansatz der effektiven Biegesteifigkeit nach DIN 18800-5 (s. Abb. 76) können die
untersuchten Querschnitte im angegebenen Anwendungsbereich wie folgt den Knickspannungs-
linien zugeordnet werden:
Spalte 1 2 3

Zeile Ausweichen Knickspan-


Anwendungs-
Querschnitt rechtwinklig nungs-
grenzen
zur Achse linie

Kreisförmige Hohlprofile mit oder


ohne rundes Vollkern-Einstellprofil DK
Stahlgüte ab S355 < 0,5 oder
1 D y-y und z-z a
Betongüte ab C60/75 DK < 100 mm

DK D
alle übrigen
2 y-y und z-z b
Querschnitte

Tab. 20 Planmäßig zentrischer Druck: Zuordnung zu Knickspannungslinien


Zur Bemessung von Hohlprofil-Verbundstützen 69

κ Npl,k
[kN]

NU,FEM
[kN]

Abb. 78 Maximale Traglasten nach den europäischen Knickspannungslinien NR,k, verglichen mit
den in der FE-Berechnung maximal erreichten Lasten

In Abb. 78 sind die mit der Einstufung nach Tab. 20 ermittelten Traglasten den mit dem FE-Modell
ermittelten Traglasten gegenübergestellt. Die mit den Knickspannungslinien ermittelten maximalen
Traglasten zentrisch gedrückter Stützen zeigen eine gute Übereinstimmung mit den nach dem
allgemeinen Verfahren berechneten maximalen Bemessungslasten, wobei der Nachweis auf der
Grundlage der europäischen Knickspannungslinien stets zu auf der sicheren Seite liegenden Er-
gebnissen führt.

8.3.3 Tragfähigkeitsnachweis bei Druck und Biegung


Treten an einer Stütze neben den Normalkräften in Stützenlängsrichtung zusätzliche Biegemo-
mente infolge exzentrischer Lasteinleitungen oder Querlasten auf, so kann DIN 18800-5 und Euro-
code 4-1-1 ein vereinfachter Nachweis auf der Grundlage einer Schnittgrößenermittlung nach The-
orie II. Ordnung unter Ansatz einer konstanten effektiven Biegesteifigkeit nach Gl. (8-7) geführt
werden. Dadurch erübrigt sich eine aufwändige Berechnung mittels eines FE-Programmes. Die
effektive Biegesteifigkeit wird aus der Addition der Steifigkeiten der Teilquerschnitte berechnet und
ist unabhängig vom betrachteten System und dem Momentenverlauf.
EIeff = 0,9 ( E aIa + 0,5 E c,eff Ic ) (8-7)
Das aufnehmbare Moment des Querschnitts für eine gegebene Normalkraft NEd bestimmt sich da-
bei aus der zugehörigen vollplastischen Momententragfähigkeit, wobei deren Ausnutzung nach [2]
abhängig von der im Querschnitt verwendeten Stahlgüte begrenzt wird.
70 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

N
Npl MEd
Mpl,N ≤ 1,0
α M Mpl,N
αM Mpl,N
Ned vollplastische Inter-
aktionskurve
dehnungsbeschränkte
Interaktionskurve
M
0
MEd Mpl,d

Abb. 79 Nachweis mit einer Berechnung nach Theorie [Link] nach dem vereinfachten
Verfahren [2]

Die angegebene Vorkrümmung der Stütze ist abgestimmt auf die konstante effektive Biegesteifig-
keit und die ansetzbare Tragfähigkeit der Stütze. Die Beanspruchbarkeit der Querschnitte wurden
bereits in Kap. 8.1 betrachtet. Mit den in den nachfolgenden Kapiteln ausgewerteten Berechnun-
gen werden nun Imperfektionsansätze und anzusetzende effektive Biegesteifigkeiten angegeben,
mit denen ein Nachweis nach Theorie II. Ordnung nach dem vereinfachten Verfahren für Hohlpro-
filverbundstützen mit runden Vollkernen ermöglicht werden soll.

8.3.4 Zum Ansatz von Ersatzimperfektionen und effektiven Biegesteifigkeiten nach


DIN 18800-5 und Eurocode 4 für Berechnungen nach Theorie II. Ordnung

[Link] Zentrisch gedrückte Stützen


Bei dem Tragsicherheitsnachweis nach dem vereinfachten Verfahren wird das im maßgebenden
Querschnitt rechnerisch auftretende Biegemoment der zur aufgebrachten Normalkraft zugehörigen
dehnungsbeschränkten Momententragfähigkeit gegenübergestellt. In Abb. 80 ist die sich aus einer
nichtlinearen Berechnung ergebende Normalkraft-Momenten-Beziehung dargestellt. Es ist zu er-
kennen, dass bei maximaler Bemessungslast die dehnungsbeschränkte Querschnittstragfähigkeit,
die sich mit den Festigkeiten und Steifigkeiten der verwendeten Materialien ohne die Berücksichti-
gung struktureller Imperfektionen ergibt, nicht ausgenutzt wird.
Zur Bemessung von Hohlprofil-Verbundstützen 71

N Querschnitt
[kN] RR 660x7.1, RV 400: S355
C100/115
Vollplastische und dehnungs-
beschränkte Interaktionskurven
- mit Mittelwerten
- mit Bemessungswerten
der Baustofffestigkeiten

λ K = 1.0 λ K = 1.0 M
e/D = 0 e/D = 1
[kNm]

N N
[kN] [kN]

System: λ K = 1.0
e/D = 0
Nu = 46774 kN ux EI
NRd = 38378 kN EIeff
[mm]

N N
[kN] [kN]

System: λ K = 1.0
e/D = 1
Nu = 6299 kN EI
ux
NRd = 5232 kN
[mm] EIeff

Abb. 80 Normalkraft und Biegemoment aus Traglastberechnungen, Entwicklung der effektiven


Steifigkeit: Stütze mit Randexzentrizität
72 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

Durch die Anpassung der effektiven Steifigkeit bzw. der anzusetzenden Imperfektion wird erreicht,
dass bei der maximal aufnehmbaren Bemessungslast auch das zugehörige maximal zulässige
Biegemoment auftritt. Bei den nachfolgenden Herleitungen werden auf der Grundlage der über die
Stützenlänge konstanten effektiven Biegesteifigkeit nach Gl. (8-7) die anzusetzenden Imper-
fektionen für zentrisch belastete Stützen bestimmt. Die nach DIN 18800-5 [2] anzusetzende
Biegesteifigkeit berechnet sich nach Gl. (8-7).
Die Auswertung der FE-Berechnungen zeigte eine Abhängigkeit der rückgerechneten Imperfektion
von einzelnen Merkmalen eines Querschnittes (Stahlgüte, Betongüte, Kerndurchmesser, Schlank-
heit). Zum Beispiel kann anhand des Vergleiches von Systemen, die sich nur durch die verwen-
dete Stahlgüte unterscheiden, die Abhängigkeit der Anfangsausmitte von der verwendeten Stahl-
güte ermittelt werden (Abb. 81).

w 0 (S460 )
w 0 (S355 )

λK

Abb. 81 Vergleich rückgerechneter Ausmitten von Querschnitten unterschiedlicher Stahlgüten

Wird dieser Vergleich für einzelne Querschnitte mit unterschiedlich großen Kernprofilen geführt, so
ist zu erkennen, dass Kernprofile bis zu einem Durchmesser von etwa 200 mm einen günstigen
(verringernden) Einfluss auf die Anfangsausmitte haben. Bei größeren Kernprofilen vergrößert sich
die rückgerechnete Ausmitte. Ursache dafür ist der ungünstige Einfluss der Eigenspannungen. Der
„Umkehrpunkt“ ergibt sich etwa für einen Kerndurchmesser von 200 mm. Die Abhängigkeit der
Vorkrümmung vom Kerndurchmesser zeigt beispielhaft Tab. 21.
Kern- Stahl- Kern- Stahl-
Mantelrohr L/w0 Mantelrohr L/w0
profil güte profil güte
- 434 - 416
90 454 RR 660x7,1 200 360 576
406,4 x 8,8 110 360 499 400 396
250 466
300 385
- 533 - 515
90 584 RR 660x7,1 200 460 756
406,4 x 8,8 460
110 654 400 544
300 520

Tab. 21 Vergleiche rückgerechneter Ausmitten von Querschnitten mit unterschiedlichen Kern-


durchmessern (Betongüte C60/75, Mantelrohrgüte = Kernprofilstahlgüte, λ K = 1,0)
Zur Bemessung von Hohlprofil-Verbundstützen 73

Die Vorkrümmungen werden für die maximalen Bemessungslasten, die nach dem allgemeinen
Verfahren bestimmt wurden, berechnet. Bei diesen Lasten ist der Einfluss nach Theorie
II. Ordnung für einige der betrachteten Systeme mit der effektiven Steifigkeit nach Gl. (8-7) sehr
groß, wodurch sich teilweise sehr kleine Imperfektionen ergeben. Sowohl die in Abb. 81 und Tab.
21 dargestellten Zusammenhänge als auch die Gegenüberstellungen der Betongüten oder der
Knicklängen weisen bei der Betrachtung aller Querschnitte größere Streuungen auf, durch die eine
rein analytische Bestimmung der anzusetzenden Imperfektionen nicht möglich ist. Die großen
Streuungen sind dabei unter anderem auf die numerische Empfindlichkeit infolge der Nichtlinearität
zurückzuführen.
Vergleichsrechnungen ergaben, dass bei dem Ansatz einer konstanten Vorkrümmung ein Wert
von w0 = L/400 am ehesten zutreffende Ergebnisse liefert. Dieser Ansatz wird nachfolgend mit
einem Ansatz verglichen, der die Querschnitts- und Systemmerkmale berücksichtigt. Verglichen
werden in Tab. 22 und Tab. 23 dabei die Maximallasten PRd,db bzw. PRd,αM, die sich nach dem
vereinfachten Verfahren ergeben, mit den maximalen Bemessungslasten nach dem allgemeinen
Verfahren PRd,allg.

L n (Anzahl PRd, db PRd, αM


w0 = der unter-
400 PRd,al lg PRd,al lg
suchten
Systeme)
Gruppe MW Max Min s MW Max Min s
Gesamt 119 0,93 1,03 0,79 0,09 0,93 1,11 0,77 0,10
Mantelrohr- 219,1 24 0,95 1,01 0,86 0,07 0,96 1,09 0,84 0,07
durchmesser 406,4 57 0,95 1,03 0,86 0,07 0,93 1,11 0,84 0,08
[mm]
660 38 0,90 1,02 0,79 0,12 0,90 1,06 0,77 0,13
Kern- 0 24 0,96 1,03 0,88 0,05 0,99 1,11 0,88 0,06
durchmesser 50 6 0,95 0,99 0,86 0,08 0,93 0,97 0,84 0,10
[mm]
100 39 0,94 1,00 0,86 0,07 0,92 0,98 0,84 0,09
200 16 0,87 0,97 0,79 0,15 0,86 0,96 0,77 0,16
250 2 0,95 0,96 0,94 0,07 0,92 0,94 0,91 0,11
300 16 0,95 1,02 0,86 0,07 0,92 0,99 0,84 0,09
400 16 0,91 1,02 0,79 0,12 0,90 1,00 0,79 0,12
Streckgrenze 360 66 0,94 1,03 0,79 0,08 0,94 1,11 0,79 0,09
[N/mm²] 460 53 0,92 1,01 0,79 0,10 0,91 1,01 0,77 0,11
Betonfestigkeit 60 67 0,94 1,02 0,79 0,08 0,93 1,03 0,79 0,09
[N/mm²] 100 52 0,92 1,03 0,79 0,10 0,92 1,11 0,77 0,11
bezogene 0,2 7 0,98 0,99 0,98 0,02 0,98 0,99 0,97 0,03
Schlankheit 0,5 28 0,97 1,02 0,90 0,04 0,96 1,02 0,92 0,05
λK
1,0 37 0,94 1,03 1,70 0,07 0,95 1,11 1,67 0,08
1,5 19 0,87 0,94 0,79 0,14 0,86 0,92 0,77 0,15
2,0 28 0,91 0,98 0,79 0,11 0,90 0,99 0,79 0,12

Tab. 22 Auswertung des Ansatzes mit querschnitts- und systemunabhängiger Vorkrümmung


74 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

Um den Einfluss unterschiedlicher Querschnitte zu erfassen, sind die Querschnitte nach Gruppen
sortiert. Für die Bewertung des Gesamtansatzes sowie der einzelnen Gruppen werden Mittelwerte,
Maximal- und Minimalwerte sowie eine Standardabweichung als Maß für die Streuung berechnet.
Unter Berücksichtigung von Querschnitts- und Systemmerkmalen kann der Stich w0 der anzuset-
zenden Vorkrümmung nach Tab. 23 ermittelt werden. Die maximal anzusetzende Vorkrümmung
ergibt sich danach zu w0 = L/320 für gedrungene bis mittelschlanke Stützen ohne Kernprofil und
aus noch normalfesten Werkstoffen und entspricht etwa dem in der DIN 18800-5 angegebenen
Wert von w0 = L/300. Die Auswertungen der Stützen zeigen den Zusammenhang, dass Stützen
aus hochfesten Materialien günstiger bezüglich der Annahme von geometrischen Ersatzimperfek-
tionen einzustufen sind. Ebenfalls ist erkennbar, dass Kernprofile erst ab einem Durchmesser von
etwa 200 mm aufgrund der Eigenspannungen einen ungünstigen Einfluss auf die anzusetzende
Imperfektion haben.
S355 k1 = 1
Stahlgüte
S460 k1 = 1,25
∅ [mm]
L ≤ 200 mm k2 = 1 + K
= 400 ⋅ k 1 ⋅ k 2 ⋅ k 3 Durchmesser des 400
w0 Kernprofils ∅ [mm]
> 200 mm k2 = 2 − K
400
λ K ≤ 0,5 k3 = 0,8
Schlankheit der Stütze
λ K > 0,5 k3 = 0,7 + 0,2 λ K

Tab. 23 Ersatzimperfektion in Abhängigkeit von Kerndurchmesser und Stützenschlankheit

Der Minimalwert der Anfangsausmitte ergibt sich für einen Querschnitt mit einem Kernprofil
Ø200 mm aus S460 und eine bezogene Schlankheit von λ K = 2 zu w0 = L/825. Die Auswertung
des Ansatzes zeigt Tab. 24. Eine Abhängigkeit der rückgerechneten Imperfektion von der Beton-
güte konnte ebenfalls beobachten werden, jedoch können aufgrund der großen Streuungen keine
detaillierteren Angaben zur genaueren Berücksichtigung dieses Einflusses angegeben werden.

L PRd,db PRd,α M
= 400 ⋅ k1 ⋅ k 2 ⋅ k 3 n (Anzahl
w0 der unter PRd,al lg PRd,al lg
suchten
Gruppe Systeme) MW Max Min s MW Max Min s
Gesamt 119 0,96 1,04 0,80 0,06 0,96 1,09 0,80 0,06
Mantelrohr- 219,1 24 0,96 1,02 0,89 0,05 0,96 1,07 0,87 0,06
durchmesser 406,4 57 0,98 1,04 0,93 0,03 0,97 1,09 0,91 0,04
[mm] 660 38 0,93 1,00 0,80 0,08 0,93 1,04 0,80 0,09
Kern- 0 24 0,96 1,00 0,89 0,05 0,99 1,09 0,89 0,05
durchmesser 50 6 0,95 0,98 0,89 0,07 0,94 0,97 0,87 0,08
[mm] 100 39 0,97 1,02 0,93 0,04 0,96 1,01 0,91 0,05
200 16 0,93 0,99 0,89 0,08 0,93 0,99 0,87 0,08
250 2 1,00 1,01 0,99 0,02 0,97 0,99 0,96 0,04
300 16 0,99 1,04 0,93 0,03 0,97 1,00 0,92 0,04
400 16 0,92 1,00 0,80 0,10 0,91 0,99 0,80 0,10
Tab. 24 Auswertung des Ansatzes mit an den Querschnitt und das System angepasster
Vorkrümmung
Zur Bemessung von Hohlprofil-Verbundstützen 75

L n (Anzahl PRd, db PRd, αM


= 400 ⋅ k 1 ⋅ k 2 ⋅ k 3
w0 der unter PRd,al lg PRd,al lg
suchten
Systeme)
Gruppe MW Max Min s MW Max Min s
Streckgrenze 360 66 0,96 1,04 0,80 0,06 0,96 1,09 0,80 0,07
[N/mm²] 460 53 0,94 1,02 0,84 0,06 0,94 1,04 0,85 0,06
Betonfestigkeit 60 67 0,97 1,04 0,80 0,05 0,96 1,01 0,80 0,06
[N/mm²] 100 52 0,95 1,01 0,84 0,06 0,95 1,09 0,85 0,07
bezogene Schlankheit λ K 0,2 7 0,98 0,99 0,98 0,02 0,98 0,99 0,97 0,02
0,5 28 0,98 1,02 0,92 0,03 0,97 1,01 0,92 0,04
1,0 37 0,94 1,04 1,79 0,04 0,95 1,09 1,79 0,05
1,5 19 0,92 0,98 0,84 0,09 0,91 0,96 0,85 0,10
2,0 28 0,95 1,02 0,80 0,07 0,94 1,01 0,80 0,08
Tab. 24 Auswertung des Ansatzes mit an den Querschnitt und das System angepasster
Vorkrümmung (Fortsetzung)

Die Berechnung der Stützensysteme nach dem vereinfachten Verfahren mit den in Tab. 23 ange-
gebenen Ersatzimperfektionen zeigt eine gute Übereinstimmung der maximal möglichen Bemes-
sungslasten mit den nach dem Allgemeinen Verfahren ermittelten Werten (Abb. 82 bis Abb. 84).
Die geringeren Streuungen des angepassten Ansatzes sind ebenfalls deutlich zu erkennen. Die
Überschreitungen gegenüber der mit dem allgemeinen Verfahren ermittelten Lasten von bis zu 4%
bzw. 9% bei der vereinfachten Lösung sind vertretbar.

NRd NRd
[kN] [kN]
L L
w0 = = 400 ⋅ k 1 ⋅ k 2 ⋅ k 3
400 w0

NRd
NRd = 0,9
= 0,9 NRd,FEM
NRd,FEM

NRd,FEM NRd,FEM
[kN] [kN]

Abb. 82 Vergleich der mit dem Allgemeinen Verfahren und dem vereinfachten Verfahren
ermittelten Traglasten für einen Mantelrohrdurchmesser von 219 mm
76 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

NRd NRd
[kN] [kN]

L L
w0 = = 400 ⋅ k 1 ⋅ k 2 ⋅ k 3
400 w0

NRd NRd
= 0,9 = 0,9
NRd,FEM NRd,FEM

NRd,FEM NRd,FEM
[kN] [kN]

Abb. 83 Vergleich der mit dem Allgemeinen Verfahren und dem vereinfachten Verfahren
ermittelten Traglasten für einen Mantelrohrdurchmesser von 406 mm

NRd NRd
[kN] [kN]
L L
w0 = = 400 ⋅ k 1 ⋅ k 2 ⋅ k 3
400 w0

NRd NRd
= 0,9 = 0,9
NRd,FEM NRd,FEM

NRd,FEM NRd,FEM
[kN] [kN]

Abb. 84 Vergleich der mit dem Allgemeinen Verfahren und dem vereinfachten Verfahren
ermittelten Traglasten für einen Mantelrohrdurchmesser von 660 mm

Der Nachweis nach Theorie II. Ordnung sollte zu gleichen Ergebnissen führen wie die Nachweis-
führung auf der Grundlage der europäischen Knickspannungslinien. Die Ergebnisse sind in
Abb. 85 und Abb. 86 dargestellt.
Zur Bemessung von Hohlprofil-Verbundstützen 77

κ Npl,d
[kN]

Ndb
[kN]

Abb. 85 Vergleich der maximalen Traglasten nach den Europäischen Knickspannungslinien und
nach Theorie II. Ordnung unter Berücksichtigung der dehnungsbeschränkten Quer-
schnittstragfähigkeiten

κ Npl,d
[kN]

Ndb
[kN]

Abb. 86 Vergleich der maximalen Traglasten nach den Europäischen Knickspannungslinien mit
denen nach Theorie II. Ordnung unter Berücksichtigung der Näherungsansätze für die
dehnungsbeschränkte Querschnittstragfähigkeit nach Tab. 19
78 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

[Link] Stützen mit Randmomenten


Bei den üblichen im Hochbau ausgeführten Anschlüssen von Decken bzw. Deckenträgern an Stüt-
zen kann eine ideal zentrische Lasteinleitung in die Stütze oft nicht realisiert werden. Dies ist zum
einen durch die Lasteinleitungskonstruktion selbst und zum anderen durch z.B. unterschiedliche
Abmessungen und Belastungen der angrenzenden Deckenfelder bedingt. Um für den hier unter-
suchten Stützentyp einen sinnvollen Anwendungsbereich angeben zu können, muss dessen Ver-
halten bei der Einleitung von Randmomenten berücksichtigt werden.
Die Bestimmung der Schnittgrößen nach Theorie II. Ordnung erfolgt mittels einer direkten Berech-
nung unter Verwendung einer in den Regelwerken angegebenen konstanten Biegesteifigkeit
(Gl. (8-7)). Damit ist, wie bereits in Kap. [Link] beschrieben, nachzuweisen, dass das zur Normal-
kraft zugehörige dehnungsbeschränkt aufnehmbare Biegemoment größer ist, als das berechnete
Biegemoment nach Theorie II. Ordnung.
Die von den Querschnitten und den Knicklängen der Stützen abhängigen Imperfektionen wurden
für zentrisch gedrückte Stützen ausgewertet. Dabei wurde die effektive Biegesteifigkeit nach
Gl. (8-7) zugrunde gelegt. Wird auf Grundlage einer FE-Berechnung die zu einer Normalkraft und
dem auftretenden Biegemoment zugehörige Ersatzsteifigkeit durch Rückrechnung bestimmt, so ist
ein Unterschied zwischen einer ideal zentrischen Belastung der Stütze und einer Belastung mit
Randmomenten zu beobachten (Abb. 80). Unter der Annahme, dass die für zentrisch gedrückte
Stützen angesetzten Imperfektionen auch für Stützen mit Randmomenten ihre Gültigkeit behalten,
wird daher im Folgenden die anzusetzende effektive Biegesteifigkeit in Abhängigkeit auftretender
Randmomente so angepasst, so dass ein Nachweis wie zuvor beschrieben geführt werden kann.
Einige Berechnungen unterschiedlicher Systeme mit Randmomenten, sowohl beidseitig gleich als
auch einseitig und gegenläufig, haben den folgenden, in Tab. 25 dargestellten Zusammenhang
ergeben. Das beobachtete, unterschiedliche Verhalten von Stahl und Beton zeigt sich dabei in
dem Ansatz des Korrekturfaktors kE.
Die der Tab. 25 zugrundeliegenden Systeme sind hinsichtlich der Querschnitte, der Schlankheiten
und der Ausmitten grenzwertige Stichproben, aufgrund derer die Eingrenzung des Korrekturfaktors
erfolgt.

e/D 1)
kE
0 0,5 1
λ K ≤ 0,5 1 1 1
λK = 1 1 0,8 0,7 (0,8 2) )
λK = 2 1 0,7 (0,8 2) ) 0,7 (0,8 2) )
1) Gültig für ein Randmomentenverhältnis von -1 ≤ ψ ≤ 1
2) Für DK/D ≥ 0,5 kann kE = 0,8 angenommen werden.
EIeff = k E ⋅ 0,9 ( E aIa + 0,5 E c,eff Ic )
Tab. 25 Korrekturfaktor kE für die effektive Biegesteifigkeit von Stützen mit Randmomenten für
die Anwendung des vereinfachten Nachweisverfahrens

Die Anwendung der Tab. 25 auf die der Auswertung zugrundeliegenden Querschnitte und Sys-
teme verglichen mit den nach dem allgemeinen Verfahren ermittelten Traglasten zeigt Abb. 87.
Zur Bemessung von Hohlprofil-Verbundstützen 79

NRd,V [kN]
(Vereinfachtes
Verfahren)

NRd,V
= 0,8
NRd

allgemeines Verfahren: NRd [kN]

Abb. 87 Aufnehmbare Lasten nach der Näherungslösung verglichen mit den nach dem allgemei-
nen Verfahren bestimmten aufnehmbaren Lasten

8.4 Beulen des Mantelrohres


Bei den durchgeführten Berechnungen wurde vorausgesetzt, dass das Mantelrohr eine ausrei-
chende Sicherheit gegen lokales Beulen aufweist. Nach [2] wird dies durch die Einhaltung des in
Gl. (8-8) angegebenen Grenzwertes festgelegt.

 d 240
max   = 90 (8-8)
t fyk
Eine Auswertung dieser Bedingung für handelsübliche Rundrohre mit Stahlgüten S235, S355 und
S460 zeigt, dass die Verwendung von Rundrohren mit großen Durchmessern bei gleichzeitig ho-
hen Stahlgüten nach dieser Bedingung nur eingeschränkt möglich ist (Tab. 27).
Bradford u.a. berichten in [12] von experimentellen und theoretischen Untersuchungen zum Beu-
len von betongefüllten Rohren. Als Ergebnis stellten sie folgenden Zusammenhang fest:

NR λey  d   fy 
= mit λe =     (8-9)
Npl λe  t   250 

Nach der Auswertung zahlreicher Versuche wird dabei ein Grenzwert von λey = 140 angegeben.
Dieser Grenzwert wurde durch Ergebnisse von Versuchen an betongefüllten Rohren mit einem
Verhältnis von L/D bis 20 abgeglichen und als zutreffend bewertet. Mit der Vorgabe, dass es sich
bei den in (8-9) angegebenen Normalkräften um Bemessungslasten handelt, ergeben sich die
folgenden Grenzwerte für den (d/t)-Wert von ausbetonierten Rundrohren.
80 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

S235 S355 S460


a) [12] 146 97 76
b) DIN 18800-5 80 53,3 41,7
a) / b) 1,67

Tab. 26 Grenz (d/t) Werte für ausbetonierte Rundrohre für L/D ≤ 20

max ( d t ) nach DIN 18800-5


S235: S355: S460:
(d t ) 80 53,3 41,7
RR 273,0x5,0 54,6 
RR 273,0x6,3 43,3  
RR 323,9x4,0 81,0
RR 323,9x5,6 57,8 
RR 323,9x7,1 45,6  
RR 355,6x5,6 63,5 
RR 355,6x8,0 44,5  
RR 406,4x6,3 64,5 
RR 406,4x8,8 46,2  
RR 457,0x6,3 72,5 
RR 457,0x10,0 45,7  
RR 508,0x6,3 80,6
RR 508,0x11,0 46,2  
RR 559,0x6,3 88,7
RR 559,0x12,5 44,7  
RR 610,0x6,3 96,8
RR 610,0x12,5 48,8  
RR 660,0x7,1 93,0
RR 660,0x14,2 46,5  
Tab. 27 Nachweis ausreichender Beulsicherheit

Die Zusammenstellung in Tab. 27 zeigt, dass der zulässige (d/t)-Wert nach DIN 18800-5 bei Roh-
ren aus höherfesten Stählen oft überschritten ist. Den in [12] angegebenen Grenzwerten nach sind
jedoch wesentlich mehr Querschnitte als unbedenklich hinsichtlich des lokalen Beulens
einzustufen.
Die diesen Auswertungen zugrundeliegenden Versuche wurden an Probekörpern aus
normalfesten Betonen durchgeführt, die bei dem Erreichen ihrer maximalen Tragfähigkeit größere
Stauchungen aufweisen als hochfester Beton. Diesem als günstig zu bewertenden Unterschied
steht entgegen, dass durch die geringere Mikrorissbildung des hochfesten Betons sich bei
gedrungenen, zentrisch belasteten Stützen kein bzw. ein geringerer Innendruck auf das Mantelrohr
ausbildet, der eher einen stabilisierende Einfluss auf das Beulen hätte.
Bei den in [20] und [21] durchgeführten Versuchen wurden Mantelrohre Ø 323,9 x 4,0 verwendet,
die ein großes (d/t) - Verhältnis aufweisen. Die Stützen mit einer bezogenen Schlankheit von
λ k ≅ 0,8 wurden mit Randexzentrizitäten von (e/d) = 0,05 bis (e/d) = 0,25 geprüft. Ein Beulen der
Mantelrohre noch vor dem Erreichen der Traglast war dabei nicht zu beobachten.
Zur Bemessung von Hohlprofil-Verbundstützen 81

8.5 Vorschlag für ein vereinfachtes Bemessungsverfahren


Unter Berücksichtigung der in den vorangegangen Kapitel beschriebenen Zusammenhänge kann
ein vereinfachtes Bemessungsverfahren für Hohlprofilverbundstützen innerhalb des Anwendungs-
bereichs nach Abb. 88 angegeben werden.

Vereinfachtes Bemessungsverfahren für Hohlprofilverbundstützen mit runden


Einstellprofilen
NEd
Querschnitt System
MEd Randmomente:
MEd
≤ D
NEd
DK

-1 ≤ ψ ≤ 1

L
D DK
≤ 0,75
D Länge L:
λ K ≤ 2,0
Beton: C60/75 – C100/115
Stahl: S355 – S460
ψ MEd

Abb. 88 Anwendungsbereich des vereinfachten Bemessungsverfahrens für Hohlprofil-Verbund-


stützen mit runden Einstellprofilen

Grundlage für die Bemessung ist die Bestimmung der Schnittgrößen nach Theorie II. Ordnung
unter Verwendung einer konstanten effektiven Biegesteifigkeit (Abb. 89). Die Berücksichtigung des
Einflusses aus dem Kriechen (und Schwinden) erfolgt gemäß DIN 18800-5, s.a. Kap. 7. Die
anzusetzende Vorkrümmung wird nach Tab. 23 bestimmt.
Bei auftretenden Randmomenten kann die für die Bestimmung der Schnittgrößen nach Theorie
II. Ordnung anzusetzende Biegesteifigkeit unabhängig vom Randmomentenverhältnis ψ nach
Tab. 25 bestimmt werden.

e/D
kE
0 0,5 1
λ K ≤ 0,5 1 1 1
λK = 1 1 0,8 0,7 (0,8 1) )
λK = 2 1 0,7 (0,8 1) ) 0,7 (0,8 1) )
1) Für DK/D ≥ 0,5 kann kE = 0,8 angenommen werden.
EIeff = k E ⋅ 0,9 (E aIa + 0,5 E c,eff Ic )

Tab. 25 Korrekturfaktor kE für die effektive Biegesteifigkeit von Stützen mit Randmomenten zur
Anwendung mit dem vereinfachten Nachweisverfahren
82 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

Schnittgrößen nach Theorie II. Ordnung


 ψ sin ε (1 − ξ ) + sin ε ξ 
N ψMR M(ξ) = MR  
 sin ε  N
ε=L
 cos ε (0,5 − ξ)  EIeff
ψMR + Mo  − 1
 cos ( ε / 2)  1
M0 = 8 N w 0
ε2
Extremales Moment an der Stelle ξM

wo L 1+ c 2
Mmax Mmax = 0,5MR (1 + ψ ) + Mo  − M0
EJeff

cos(0,5 ε)
ζM MR (ψ − 1) 1
c=
MR (1 + ψ ) + 2Mo tan(0,5ε)
ζ arctan c
ξM = 0,5 +
MR ε
Effektive Biegesteifigkeit
MR
EIeff = k E 0,9 (E aIa + 0,5 E c,eff Ic )

Abb. 89 Schnittgrößen nach Theorie II. Ordnung für einen Stab mit konstanter Biegesteifigkeit
unter Drucknormalkraft und Randmomenten

S355 k1 = 1
Stahlgüte
S460 k1 = 1,25
∅ [mm]
L ≤ 200 mm k2 = 1 + K
= 400 ⋅ k 1 ⋅ k 2 ⋅ k 3 400
w0 Größe des Kernprofils
∅ [mm]
> 200 mm k2 = 2 − K
400
λ K ≤ 0,5 k3 = 0,8
Schlankheit der Stütze
λ K > 0,5 k3 = 0,7 + 0,2 λ K
Tab. 23 Anzusetzende Vorkrümmung

Das nach der Theorie II. Ordnung bestimmte maximale Biegemoment in der Stütze unter der
nachzuweisenden Normalkraft NEd wird der zu dieser Normalkraft zugehörigen dehnungsbe-
schränkten Momententragfähigkeit gegenübergestellt (Abb. 90). Die dehnungsbeschränkte
Momententragfähigkeit bestimmt sich aus der vollplastischen Momententragfähigkeit bei einer
gleichzeitig wirkenden Normalkraft NEd, indem diese mit dem Faktor αM nach Tab. 19 abgemindert
wird.
Zur Bemessung von Hohlprofil-Verbundstützen 83

N
αM = αM0 − αN (0,10 ≤ DK/D ≤ 0,75)
Npl
Stahlgüte fyd,Kern Betongüte fcd DK/D = 0 DK/D = 0,75
Kernprofil [N/mm²] [N/mm²] αM0 αN αM0 αN
S235 218 C30/37 20 0,90 0,10 0,85 0,15
C 60/75 40 0,90 0,25 0,80 0,15
C100/115 60 0,90 0,40 0,75 0,15
S460 418 C30/37 20 0,85 0,25 0,70 0,20
C 60/75 40 0,85 0,35 0,60 0,20
C100/115 60 0,85 0,45 0,50 0,20
Tab. 19 Abminderungsfaktor αM für die vollplastische Momententragfähigkeit zur näherungswei-
sen Bestimmung der dehnungsbeschränkten Querschnittstragfähigkeit

N Nachweis:
Dehnungsbeschränkte
Npl,d MEd < Mdb(NEd)
Interaktionskurve
Vollplastische
Interaktionskurve mit
αM • Mpl,N,Rd
NEd Mdb(NEd) ≅ αM • Mpl,N,Rd

ME,d Mdb(Ned) Mpl,d

Abb. 90 Nachweisführung nach dem vereinfachten Verfahren


84 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

9 Anwendungsbeispiel
Zur Veranschaulichung wird nachfolgend eine Stütze für eine Normalkraft und ein einseitiges
Biegemoment unter den vorgegebenen Randbedingungen nachgewiesen. Die für die Anpassung
dieses Stützentyps benötigten Parameter werden so angewendet, wie sie in dieser Arbeit bestimmt
wurden, s.a. Kap. 8.5.

9.1 System, Belastung, Umweltbedingungen


NEd
NEd = 9500 kN
MEd MEd = 1200 kNm

RR 508 x 11,0
L= 9 m

S355

C 70/85

RV 300
S355

9.2 Querschnittswerte der Teilquerschnitte


Mantelrohr RR 508 x 11,0 AR = 172 cm²
IR = 53060 cm4 fyk = 36 kN/cm²
fyd = 36/1,1 = 32,7 kN/cm²
Rundvollprofil Ø 300 AK = 707 cm²
Ea = 21000 kN/cm²
IK = 39761 cm4
Beton Ac = 1148 cm² fck = 7 kN/cm²
Ic = 234091 cm4 1
γc' = = 1,042
70
1,1 −
500
fcd = 7/1,5/1,042 = 4,48 kN/cm²
Ecm = 3970 kN/cm²

9.3 Effektiver E-Modul zur Berücksichtigung des Kriechens und Schwindens


Bei Hohlprofil-Verbundstützen darf die Kriechzahl zur Bestimmung von EIeff zu 25% desjenigen
Wertes angesetzt werden, der sich für den gleichen Querschnitt ergibt, wenn seine Oberfläche der
Austrocknung ausgesetzt ist.
Relative Luftfeuchtigkeit RH = 50%
Belastungsbeginn t0 = 28 d
Betonalter zum betrachteten Zeitpunkt t = 30000 d
ϕ(t,t0)= 1,212
Umfang des der Austrocknung ausgesetzten
Querschnittes, hier: ummantelte Fläche u = 2 π d = 152,7 cm
wirksame Bauteildicke h0 = 2Ac / u= 15,0 cm
Anwendungsbeispiel 85

1 1 kN
Ec,eff = E cm = 3970 = 3275
N  1 + 0,7 ⋅ 0,25 ⋅ 1,212 cm 2
1 +  G,Ed ϕ (t, t 0 )
 NEd 
 

9.4 Bezogene Schlankheit


Die bezogene Schlankheit wird mit den charakteristischen Werkstofffestigkeiten der Teilquer-
schnitte bestimmt. Die effektive Biegesteifigkeit wird unter Berücksichtigung von EIeff berechnet.

Npl,k 39676
λk = = = 1,16 mit
Nki,k 29421
EIeff ,λ = EaIa + 0,6 Ec,eff Ic
= 21000 (53060 + 39761) + 0,6 ⋅ 3275 ⋅ 234091 ⇒ 240,9 MNm²
π2 EIeff ,λ 3,1422 ⋅ 240,9 ⋅ 1000
Nki,k = = = 29361 kN
L2 92
Npl,k = AR fyk + AK fyk + A c fc
= 172 ⋅ 36 + 707 ⋅ 36 + 1148 ⋅ 7 = 39676 kN

9.5 Bemessungsschnittgrößen
Bei der Berechnung der Bemessungsschnittgrößen muss der Einfluss nach Theorie II. Ordnung
auf die Schnittgrößen berücksichtigt werden. Die dazu über die Stützenlänge konstant anzusetz-
ende effektive Biegesteifigkeit ist dabei abhängig von der Stützenschlankheit und dem
auftretenden Randmoment.
EIeff = k E 0,9 (EaIa + 0,5 E c,eff Ic )

λ k = 1,16
e MEd 1200 kE = 0,9
= = = 0,25
D NEd ⋅ D 9500 ⋅ 0,508

EIeff = 0,9 ⋅ 0,9 (21000 (53060 + 39761) + 0,5 ⋅ 3275 ⋅ 234091) ⇒ 188,9 MNm²

Die anzusetzende Ersatzimperfektion berechnet sich in Abhängigkeit der Stützenschlankheit, des


Kernprofildurchmessers und der Baustahlgüte des Kernprofils.
L
= 400 ⋅ k 1 ⋅ k 2 ⋅ k 3 = 400 ⋅ 1⋅ 1,25 ⋅ 0,936 = 468
w0

mit Baustahl: S355 ⇒ k1 = 1


Kernprofil: Ø 300 ⇒ k2 = 2-300/400 =1,25
λ k = 1,16 ⇒ k3 = 0,7 + 0,2 • 1,16 = 0,932
86 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

Das maßgebende, maximal über die Stützenlänge auftretende Biegemoment bestimmt sich zu

1+ c 2 1 + 0,393 2
Mmax = [ 0,5 MR (1 + ψ ) + M0 ] − M0 = [0,5 ⋅ 1200 + 358,2] − 358,2 = 1577 kNm
cos(0,5 ε ) cos(0,5 ⋅ 2,02 )

mit

N 9500
ε =L = 9 = 2,02
EI eff 189,2 ⋅ 1000
1 9 1
M0 = 8 N w 0 2
= 8 ⋅ 9500 ⋅ = 358,2
ε 468 2,02 2
MR (ψ − 1) 1 1200 ⋅ (− 1) 1
c= = = − 0,393
MR (1 + ψ ) + 2 M0 tan (0,5 ε ) 1200 ⋅ (1 + ψ ) + 2 ⋅ 358,2 tan (0,5 ⋅ 2,02)

9.6 Querschnittstragfähigkeiten
Zur Berechnung der vollplastischen Querschnittstragfähigkeit werden die benötigten Teilflächen
und die zugehörigen Schwerpunktsabstände zur Querschnittsmittelachse mit Hilfe von Kreis-
abschnitten berechnet. Die benötigten Grundformen sind in Tab. 28 angegeben.

r2
A=π
2
A
r

4r
em =
em

r2  π ϕ° 
A A=  − sin ϕ 
2  180 
ϕ
r
em

ϕ r 3 sin3  
h

em =
2 2
3 A
h
ϕ = 2 arccos 
r 

Tab. 28 Flächen und Hebelarme von Kreisabschnitten

Die Lage der plastischen Nulllinie wird iterativ bestimmt. Zur Eingrenzung werden zunächst unter
der Annahme, dass die plastische Nulllinie in der Querschnittsmittelachse bzw. am Rand des Kern-
profils verläuft, die sich ergebenden Normalkräfte und zugehörigen Biegemomente berechnet. Für
die weiteren Berechnungen werden folgende Bezeichnungen verwendet:
Ag Gesamtfläche des Querschnitts
AR, rR Fläche, Außenradius des Mantelrohres
Ac, rc Fläche, Außenradius der Betonfüllung
AK, rK Fläche und halber Durchmesser des Kernprofils
e Abstand des Schwerpunktes einer Teilfläche von der Querschnittsmittelachse
gemäß des angegebenen Indizes (R,c oder K)
D,Z Indizes: Druck- bzw. Zugbereich
Anwendungsbeispiel 87

ϕ Öffnungswinkel eines Kreisabschnitts von einem Teilquerschnitt, beim Mantelrohr ®


wird unterschieden zwischen einem auf die Mantelaußenseite (a) und einem auf die
Mantelinnenseite (i) bezogenen Öffnungswinkel

9.6.1 Plastische Nulllinie in Querschnittsmitte


fyd

+
zpl fcd

- -

fyd

Abb. 91 Vollplastische Spannungsverteilung für eine plastische Nulllinie in Querschnittsmitte

Mantelrohr

Ag 50,8 2
=π = 1013,4 cm 2
2 4⋅2
4 rg 4(50,8 / 2)
eg = = = 10,8 cm
3π 3 π
A R 172
= = 86 cm²
2 2
A g AR
A R,i = − = 1013,4 − 86 = 927,4 cm 2
2 2
4 rg 4 (50,8 / 2 − 1,1)
eR,i = = = 10,2 cm
3π 3 π
1013,4 ⋅ 10,8 − 927,5 ⋅ 10,2
eR = = 17,3 cm
1013,4 − 927,5
Kernprofil

Ak

(30 )2 = 353,4 cm 2
2 4⋅2
4 rk 4 ⋅ 30 / 2
ek = = = 6,34 cm
3π 3π
Betonfüllung
A c 1148
= = 574 cm²
2 2
927,5 ⋅ 10,2 − 353,4 ⋅ 6,34
ec = = 12,58 cm
927,5 − 353,4
88 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

Zugehörige Schnittgrößen des Gesamtquerschnittes


Ac
N= fcd = 574,1 ⋅ 4,48 = 2572 kN
2
A A A
M = R eR f yd,R ⋅ 2 + K eK fyd,K ⋅ 2 + c e c
2 2 2
= (86 ⋅ 17,3 ⋅ 2 + 353,4 ⋅ 6,34 ⋅ 2 + 574,1 ⋅ 12,58 ) 100 = 2764 kNm

9.6.2 Plastische Nulllinie am Kernprofilrand (Kernprofil überdrückt)


fyd

zpl + fcd

- -

fyd

Abb. 92 Vollplastische Spannungsverteilung für eine plastische Nulllinie am Rand eines


überdrückten Kernprofils

Zur Bestimmung der Flächen und Hebelarme für diesen Beanspruchungszustand werden die
folgenden Segmente verwendet.

AR,i AR,a

25,4 cm
24,3 cm

ϕR,i
rR,a =
ϕR,a
e

eR,a
eR,i

rR,i =

Abb. 93 Berechnete Segmentflächen und Schwerpunkte für die Teilschnittgrößenberechnung

rK 15
ϕR,a = 2 ⋅ arccos = 2 ⋅ arccos = 107,6°
rR 25,4
2
r  π ϕR,a  25,4 2  π ⋅ 107,6 
A R,a = R  − sin ϕR,a  =  − sin 107,6  = 298,3 cm 2
2  180  2  180 
3 ϕ   107,6 
rR sin3  R,a  25,4 3 sin3  
2  2  2  2 
eR,a = = = 19,24 cm
3 A R,a 3 298,3

rK 15
ϕR,i = 2 ⋅ arccos = 2 ⋅ arccos = 103,8° ⇒ A R,i = 248,2 cm 2
rc 24,3
eR,i = 18,79 cm
Anwendungsbeispiel 89

Mantelrohr

A R,Z = A R,a − A R,i = 298,3 − 248,2 = 50,1cm 2


A R,a eR,a − A R,i eR,i 298,3 ⋅ 19,24 − 248,2 ⋅ 18,79
eR,Z = = = 21,47 cm
A R,a − A R,i 298,3 − 248,2
A R,D = A R − A R,Z = 172 − (298,3 − 248,2) = 121,9 cm 2
− A R, Z eR,Z − 50,1⋅ 21,47
eR,D = = = −8,82 cm
A R,D 121,9

Kernprofil
Das Kernprofil ist vollständig überdrückt. Dadurch entsteht aus dem Beanspruchungszustand des
Kernprofils nur eine Normalkraft und kein Biegemoment.

Betonfüllung

A c,D = A c − A R,i = 1148 − 248,2 = 899,8 cm 2


− A R,i ⋅ eR,i − 248,2 ⋅ 18,79
e c,D = = = −5,18 cm
A c,D 899,8

Zugehörige Schnittgrößen des Gesamtquerschnittes


N = (A R,D − A R, Z ) ⋅ f yd,R + A K ⋅ f yd,K + A c,D fcd
= (121,9 − 50,1)32,7 + 707 ⋅ 32,7 + 899,8 ⋅ 4,48 = 29498 kN
( )
M = A R,D eR,D + A R, Z eR, Z f yd,R + A c,D e c,D fcd
= ((121,9 ⋅ 8,82 + 50,1 ⋅ 21,47 )32,7 + 899,8 ⋅ 5,18 ⋅ 4,48 ) 100 = 912,1kNm

9.6.3 Tragfähigkeit bei der gegebenen Belastung


Die Lage der sich bei der gegebenen Last einstellende plastische Nulllinie wird mit einer
Überschlagsrechnung bestimmt. Dazu wird anhand der benötigten Stahlfläche die Verschiebung
der plastischen Nulllinie zur Querschnittsmittelachse bestimmt.
9500 − 2572
A erf = (NEd − 2572 ) / 2 ⋅ f y,d = = 106 cm 2
2 ⋅ 32,7
Die Breite des in der Mittelachse des Querschnittes vorhandenen Stahlquerschnittes beträgt
32,2 cm. Daraus ergibt sich eine Verschiebung der plastischen Nulllinie zur Mittelachse von
106
z pl = = 3,3 cm
32,2
Bei dieser Betrachtung wird vernachlässigt, dass die Stahlbreite zum Querschnittsrand hin kleiner
wird. Dafür wurde der zusätzliche Normalkraftanteil des Betons vernachlässigt. Die Auswertung
erfolgt nach dem bereits gezeigten Schema.
90 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

fyd
+
zpl fcd

- -

fyd

Abb. 94 Vollplastische Spannungsverteilung für die für die gegebene Belastung angenommene
Lage der plastischen Nulllinie

z pl 3,3
ϕR,a = 2 ⋅ arccos = 2 ⋅ arccos = 165,1° ⇒ A R,a = 846,2 cm 2
rR 25,4
eR,a = 12,59 cm

z pl 3,3
ϕR,i = 2 ⋅ arccos = 2 ⋅ arccos = 164,4° ⇒ A R,i = 767,7 cm 2
rc 24,3
eR,i = 12,15 cm

Mantelrohr

A R,Z = A R,a − A R,i = 846,2 − 767,7 = 78,5 cm 2


A R,a eR,a − A R,i eR,i 846,2 ⋅ 12,59 − 767,7 ⋅ 12,15
eR,Z = = = 16,89 cm
A R,a − A R,i 846,2 − 767,7
A R,D = A R − A R,Z = 172 − 78,5 = 93,5 cm 2
− A R, Z eR,Z − 78,9 ⋅ 16,9
eR,D = = = −14,26 cm
A R,D 93,5

Kernprofil
Für das zugbeanspruchte Segment des Profites wird der Öffnungswinkel ϕK berechnet. Die Fläche
und der Schwerpunktsabstand zur Querschnittsmittellinie wird analog bereits verwendeten
Gleichungen berechnet.
z pl 3,3
ϕK = 2 ⋅ arccos = 2 ⋅ arccos = 154,6° ⇒ A K, Z = 55,2 cm 2
rK 15
eK, Z = 8,19 cm
A K,D = A K − A K, Z = 707 − 255,2 = 451,8 cm 2
− A K , Z ⋅ eK , Z − 255,2 ⋅ 8,19
eK,D = = = −4,63 cm
A K,D 451,8
Anwendungsbeispiel 91

Betonfüllung

A c,D = A c − (A R,i − A K, Z ) = 1148 − (767,7 − 255,2) = 635,5 cm 2


− (A R,i ⋅ eR,i − A K,Z ⋅ eK,Z ) − (767,7 ⋅ 12,15 − 255,2 ⋅ 8,19 )
e c,D = = = −11,39 cm
A c,D 635,5

Zugehörige Schnittgrößen des Gesamtquerschnittes


N = (A R,D − A R, Z ) ⋅ f yd,R + A K ⋅ f yd,K + A c,D fcd
= (93,5 − 78,5 )32,7 + (451,8 − 255,2) ⋅ 32,7 + 635,5 ⋅ 4,48 = 9766kN
( ) ( )
M = A R,D eR,D + A R, Z eR, Z f yd,R + A K,D eK,D + A K, Z eK, Z f yd,R + A c,D e c,D fcd
= ((93,5 ⋅ 14,26 + 78,5 ⋅ 16,89 )32,7 + (451,8 ⋅ 4,63 + 255,2 ⋅ 8,19 )32,7 + 635,5 ⋅ 11,39 ⋅ 4,48 ) 100
= 2561,3 kNm

Die sich mit der angenommenen plastischen Nulllinie ergebende Normalkraft ist etwas höher als
die Belastung NEd der Stütze. Das zugehörige plastische Moment ist somit auf der sicheren Seite
liegend berechnet.

9.7 Nachweis
Die dehnungsbeschränkte Querschnittstragfähigkeit bestimmt sich nach Tab. 19 aus Interpolation.

Npl,d = ( A R + A K ) f yd + A c fc
= (172 + 707) ⋅ 32,7 + 1148 ⋅ 4,48 = 33886 kN
NEd 9500
= = 0,28
Npl,d 33886

Stahlgüte Kernprofil: S355 (fyd = 32,7 kN/cm²) α M = 0,65

Betongüte C70/85: fcd = 4,48 kN/cm²


DK/D = 300/508 = 0,59

Der Tragsicherheitsnachweis führt sich damit zu


MEd 1577
= = 0,95 ≤ 1,0
α M ⋅ Mpl (NEd ) 0,65 ⋅ 2561

Eine ausreichende Beulsicherheit gemäß DIN 18800-5 [2] ist für das hier verwendete Mantelrohr
nachgewiesen (Tab. 27).
92 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

10 Schlussbemerkung
Im Rahmen dieser Ausarbeitung wurden die theoretischen Grundlagen zum Tragverhalten von
Verbundstützen aus hochfesten Werkstoffen erarbeitet.
Für Hohlprofil-Verbundstützen aus hochfesten Betonen mit und ohne Rundvollprofilen als Einstell-
profil wurden dazu experimentelle Untersuchungen zur Bestimmung der Traglast unter verschie-
denen Ausmitten durchgeführt. Ein auf der Basis des Finite-Element-Programmes Ansys
entwickeltes System, welches eine zutreffende Nachrechnung der Versuche ermöglichte, diente
als Grundlage für weitere Stützenberechnungen.
Mit Simulationen zum Abkühlverhalten in Rundvollprofilen wurde die Bildung von Eigenspannun-
gen untersucht. Dadurch und auf der Grundlage von ungünstig angenommenen Randbedingungen
konnte ein numerisch abgesicherter Eigenspannungsansatz für die Durchführung von Traglastbe-
rechnungen angegeben werden.
Mit umfangreichen theoretischen Untersuchungen wurde ein Konzept erarbeitet, das die
Anwendung der vereinfachten Nachweisverfahren nach DIN 18800-5 und Eurocode 4 auf
Hohlprofil-Verbundstützen mit Rundvollkernen ermöglicht. Dafür wurden die Grundlagen des
Nachweiskonzeptes nach DIN 18800-5 und Eurocode 4 erläutert.
Es wurden Parameterstudien zur Anpassung der Eingangswerte für die Anwendung des verein-
fachten Verfahrens auf den betrachteten Querschnittstyp durchgeführt. Auf dieser Grundlage er-
folgte eine Einordnung von Querschnitten und Systemen zu Knickspannungslinien. Des Weiteren
ermöglichten sie die Angabe von Imperfektionen zur Führung der Nachweise nach Theorie II. Ord-
nung.
Durch die durchgeführten Untersuchungen wird eine Anwendung der vereinfachten Verfahren
nach DIN 18800-5 und EC4-1-1 für Hohlprofil-Verbundstützen mit einem Rundvollkern aus hoch-
festen Stählen und Betonen und ermöglicht.

Für die Weiterentwicklung des Nachweiskonzeptes besteht weiterer Forschungsbedarf.


Die in dieser Arbeit angesetzte Eigenspannungsverteilung beruht weitgehend auf theoretischen
Untersuchungen mit ungünstigen Randbedingungen. Dieser rechnerische Eigenspannungsansatz
sollte anhand von Eigenspannungsmessungen überprüft werden. Damit könnte gezeigt werden,
dass der Ansatz geringerer Eigenspannungen möglich ist, wodurch höhere Stützentraglasten er-
zielt werden können.
Die Festigkeit des Stahles wurde in dieser Arbeit auf einen S460 begrenzt. Die Berechnung und
Auswertung von Querschnitten mit höheren Stahlfestigkeiten ist prinzipiell möglich. Es liegen je-
doch keine Erkenntnisse zum Beulverhalten ausbetonierter Rohre aus Stählen S690 oder höher
vor. Die Risiken lokalen Versagens der hochfesten Stähle sind daher nicht zu beurteilen. Entspre-
chende Untersuchungen hierzu sind erforderlich, bevor der Anwendungsbereich auf hochfeste
Stähle erweitert werden kann.
Eine detailliertere Berücksichtigung des Querschnittsaufbaus kann durch die Angabe von
angepassten Verhältniswerten zwischen dehnungsbeschränkter und vollplastischer Querschnitts-
tragfähigkeit ermöglicht werden. Da es sich bei den Imperfektionen und Querschnittssteifigkeiten
sowie der zu verwendenden Querschnittstragfähigkeit um aufeinander abgestimmte Größen
handelt, ist dies nur mit einem gleichzeitigen rechnerischen Abgleich der genannten
Eingangswerte möglich.
Literatur 93

11 Literatur

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94 Zur Bemessung von Hohlprofil – Verbundstützen aus hochfesten Stählen und Betonen

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Heft 11 Hanswille, G., Porsch, M.: Metallurgische Untersuchungen an Schweißnaht-


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