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Bodenparameter

Das Dokument beschreibt die Bedeutung von Bodenparametern wie Leitfähigkeit und Permeabilität für die Antennencharakteristik, insbesondere bei niedrig hängenden Antennen. Es wird eine Methode zur Messung dieser Parameter mittels einer selbstgebauten Sonde vorgestellt, die einfach mit 3D-gedruckten Teilen hergestellt werden kann. Zwei Berechnungsmethoden zur Umwandlung der gemessenen Impedanz in Bodenparameter werden diskutiert, wobei eine Methode als stabiler unter bestimmten Bedingungen gilt.

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Bodenparameter

Das Dokument beschreibt die Bedeutung von Bodenparametern wie Leitfähigkeit und Permeabilität für die Antennencharakteristik, insbesondere bei niedrig hängenden Antennen. Es wird eine Methode zur Messung dieser Parameter mittels einer selbstgebauten Sonde vorgestellt, die einfach mit 3D-gedruckten Teilen hergestellt werden kann. Zwei Berechnungsmethoden zur Umwandlung der gemessenen Impedanz in Bodenparameter werden diskutiert, wobei eine Methode als stabiler unter bestimmten Bedingungen gilt.

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Messung von

Bodenparametern

Bau einer Sonde und praktische


Erfahrungen bei der Messung von
Leitfähigkeit und Permeabilität

Christoph Schwärzler, OE1CGS


Jänner 2021
Abstract Kartenmaterial mit diesen Werten ist selten und oft
zu ungenau. So bleibt meistens nur übrig, den Wert
Soil parameters near an antenna can show a für „average ground“ einzustellen und zu hoffen,
pronounced effect on the antenna characteristics, dass der Fehler nicht zu groß ist. Jedoch kann dieser
especially for HF. Usually, soil is characterized by its bei niedrig hängenden Antennen und insbesondere
conductivity  in S/m and the relative permeability Vertikalstrahlern eine deutliche Auswirkung auf die
 versus vacuum (also known as dielectric constant). Simulationsergebnisse haben und anderwärtige
Antenna software like EZNEC and MMANA also Bemühungen um eine möglichst gute Abschätzung
needs these parameters for simulation. der Antenneneigenschaften konterkarieren.
Unfortunately, most hams don’t know those Das muss aber nicht so sein, denn mit kleinem
parameters for their antenna position and scarcely Aufwand und mit Amateurmitteln ist es durchaus
available maps don’t offer enough detail. Frequently, möglich, die Bodeneigenschaften am konkreten QTH
the ground type “Average” is chosen for simulations zu messen. Auch wenn man sich von diesen
and users trust that errors are kept at bay. But the Messungen keine hohe Präzision erwarten darf,
characteristics of low hanging and vertical antennas geben sie mehr als einen Anhaltspunkt für die
highly depend on the soil under them and so do eigenen Simulationen.
simulation results for these types of antennas. Many
efforts to come up with precise simulations are Das vorliegende Dokument gibt eine Einführung in
foiled by choosing the wrong ground type. die Problematik und beschreibt den Aufbau einer
Messsonde. Deren Herstellung gelingt insbesondere
This needs not be the case since there are amateur dann sehr einfach, wenn Zugriff auf einen 3D-
methods available to measure these soil Drucker besteht. Zur Messwerterfassung ist ein
parameters. Understandably, these DIY methods do vektorieller Antennenanalysator (bzw.
not offer outstanding precision, but are sufficient to Netzwerkanalysator) erforderlich. Zwei Verfahren
choose a suitable ground type for modelling zur Umrechnung der gemessenen Impedanz auf 
purposes. und  werden beschrieben und evaluiert. Obwohl
This document deals with measuring the soil beide meist zu ähnlichen Ergebnissen führen, hat
characteristics and describes building a soil probe, sich die Methode nach DL1GLH unter gewissen
which comes especially easy if 3D printed parts are Bedingungen als verlässlicher erwiesen.
accessible. Measuring requires a vector antenna Abschließend werden praktisch durchgeführte
analyzer (or VNA). Two methods for calculating the Bodenmessungen diskutiert. Dabei hat sich eine
soil parameters are presented, tested and Länge der Bodensonde zwischen 25 und 35 cm als
discussed. Although both methods agree most of the optimal erwiesen.
time, the method according to DL1GLH offers
superior stability under certain conditions. Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Frequenz-
bereich von 1 bis 30 MHz. Die prinzipielle
Finally, this document shows and discusses results Verwendbarkeit der benutzten Methoden ist jedoch
derived from real measurements. It became clear, nicht auf diese Frequenzen eingeschränkt.
that a probe length between 25 and 35 cm is best.
This work deals with the frequency span from 1 to 1.) Motivation
30 MHz, but the methods themselves are not
confined to this range. Im Nahfeld einer Antenne bis zu rund 4  Abstand
vom Strahler haben die Bodeneigenschaften einen
Zusammenfassung erheblichen Einfluss auf deren Abstrahl-
charakteristik. Diesem Umstand tragen auch
Die Eigenschaften des Erdbodens am Antennen- Antennensimulationsprogramme Rechnung, indem
aufstellungsort können einen wesentlichen Einfluss Bodenparameter festgelegt werden können. Bild 1
auf die Abstrahlungseigenschaften der Antenne zeigt exemplarisch diese Auswahl in EZNEC 1. Hier
haben. Deren Beschreibung erfolgt zumeist durch sind die elektrische Leitfähigkeit  in S/m und die
die Leitfähigkeit  in S/m und die relative relative Permeabilität (bzw. Dielektrizitätskonstante)
Permeabilität (i.e. Dielektrizitätskonstante)  der  für einige typische Bodenbeschaffenheiten bis hin
Erde als dimensionslose Zahl. Auch Antennen- zu Salzwasser, angegeben.
simulationsprogramme wie EZNEC oder MMANA
benötigen diese Parameter für eine Berechnung.
Leider kennen die wenigsten Funkamateure diese
Werte an ihrem konkreten Antennenaufstellungsort.

2
Nicht nur, dass die abgestrahlte Leistung bei idealer
Erhöhung um 6,85dB abweicht, sinkt auch der ideale
Abstrahlwinkel von 32° bei schlechtem Boden auf
23° bei sehr gutem Boden. Die insgesamt
abgestrahlte Leistung variiert sogar um 7,1dB.
Wohlgemerkt, alles bei gleicher eingespeister
Leistung!
Derartige Unterschiede sind natürlich bei
Antennenformen, die stark mit dem Erdboden
interagieren, wie Vertikalantennen oder niedrig
hängenden Dipolen, am größten. Hoch hängende
Antennen (bezogen auf die Wellenlänge) sind
weniger empfindlich gegenüber unterschiedlichen
Bodenbeschaffenheiten.
Selbstverständlich können die Bodeneigenschaften
rund um die Antenne in verschiedenen Richtungen
und Entfernungen vom Strahler unterschiedlich sein.
Dabei spielen Distanzen bis rund 4 , also der
Bereich im Nahfeld der Antenne eine Rolle. Die
Bild 1: Vordefinierte Bodenparameter in EZNEC meisten Simulationsprogramme erlauben hier nur
eine eingeschränkte Granularität in der
Ein Blick in Bild 1 zeigt, dass sich die Leitfähigkeit
Bodenbeschreibung, so dass man sich im Extremfall
der vorgegebenen Werte für diverse Boden-
mit einem gemittelten Wert zufriedengeben muss.
qualitäten bis zu einem Faktor von 30 und die
Manche erlauben eine gewisse Flexibilität, wie z.B.
Permeabilität immerhin bis zum 7-fachen
EZNEC, wo ein zweiter Boden mit anderen
unterscheiden.
Eigenschaften zumindest für die
In EZNEC besteht auch die Möglichkeit, eigene Fernfeldberechnung berücksichtigt werden kann.
Werte direkt einzutragen. Damit können die selbst Leider sieht EZNEC keine frequenzabhängigen
ermittelten Bodenparameter des eigenen Bodenparameter vor, während in der Praxis eine
Antennenaufstellortes in Simulationsrechnungen derartige Abhängigkeit deutlich vorhanden ist, wie
berücksichtigt werden. Ohne weitere Kenntnis, wir auch weiter unten sehen werden.
bleibt dem Funkamateur bei der Modellierung oft
Problematisch bleibt zudem die Tatsache, dass die
nur, den (wohl nicht umsonst durch Fettdruck
Eindringtiefe elektromagnetischer Wellen in den
hervorgehobenen) Wert „Average: pastoral, heavy
Boden, abhängig von Frequenz und
clay“ zu benutzen. Dass diese Auswahl aber einen
Bodenbeschaffenheit durchaus relativ groß sein
erheblichen Einfluss auf das Simulationsergebnis
kann. Bild 3 zeigt, dass die Eindringtiefe mit
haben kann, zeigt Bild 2. Darin sind simulierte
zunehmender Frequenz und zunehmender
Erhebungsdiagramme einer Vertikalantenne (5,5m
Bodenleitfähigkeit abnimmt.
Fishpole mit Verlängerungsspule für das 40m Band)
aus EZNEC über verschiedenen Erdqualitäten
dargestellt.

Bild 3: Eindringtiefe elektromagnetischer Wellen in den Erdboden2

Insbesondere für schlechte Bodenqualitäten können


die Wellen mehrere Meter in den Boden eindringen
Bild 2: Abstrahlcharakteristik einer 40m Vertikalantenne über und daher auch von den Eigenschaften tiefer
verschiedenen Bodenqualitäten, simuliert mit EZNEC liegender Schichten beeinflusst werden. Einfache
Sonden aus Amateurmitteln, wie die hier
beschriebene messen die Parameter einer

3
bestenfalls wenige Dezimeter tief reichenden angeordnet sind. Dazu sind sie in einem 3D-
Oberflächenschicht der Erde. Prinzipiell wäre es Druckteil5 verschraubt, an welchem auch gleich eine
zwar möglich, durch Abgrabung und sukzessive BNC-Buchse montiert ist. Die Verschraubung erfolgt
Messungen ein vollständiges Bild bis in größere über M4 Innengewinde, die in die Messingstangen
Tiefen zu erlangen, hier stellt sich aber die Frage, ob geschnitten werden und die Verbindung zur BNC-
der Aufwand den Erkenntnisgewinn rechtfertigt. Buchse mit Messingblech. Der kreisförmige Teil in
Vielfach wird man sich daher mit der Bild 4 dient als Führung beim Einstechen der Sonde
Oberflächenmessung und einer Abschätzung für in den Boden und verbleibt während der Messung
tiefere Schichten begnügen müssen. Für guten unmittelbar unter dem Griffstück.
Boden und ab dem 40m Band decken diese Sonden
jedoch bereits einen guten Teil des maßgeblichen
Erdbodens ab.

2.) Messverfahren

Für die Messung von Bodeneigenschaften werden


prinzipiell zwei Arten von Verfahren benutzt.
Einerseits die direkte Messung durch Bodensonden
und anderseits die indirekte Messung durch
Signalstärkemessung in unterschiedlichen Bild 4: OWL-Sonde zur Messung von Bodeneigenschaften
Entfernungen eines Senders und Vergleich mit
Simulationsergebnissen. Die zweite Methode wird Die Messingstangen werden vorne angespitzt, damit
oftmals von kommerziellen Radiosendern benutzt, die Sonde leichter in den Boden getrieben werden
ist jedoch arbeitsintensiv. Für den Hobbybereich kann. Das Herausziehen nach der Messung ist durch
wird daher meist die direkte Messung bevorzugt, die Griffe im 3D-Druckteil leicht möglich.
obwohl eine Variation der indirekten Messung in
Weder Durchmesser noch Abstand oder Länge der
Form der Impedanzmessung an einem niedrig
Leiter sind besonders kritisch, definieren aber u.a.
hängenden Dipol3 und Vergleich mit NEC4
den Bereich des Bodens, der in die Messung
Simulationen bereits erfolgreich von Amateuren
einfließt. Dies ist im Wesentlichen ein Zylinder um
benutzt wurde.
die beiden Stäbe, der unten etwas tiefer als die
Direkte Messungen werden in der Literatur mit zwei Spitzen beginnt und bis zur Oberfläche reicht. In der
Formen von Messsonden beschrieben. Die Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass eine
ursprüngliche Variante eines Bodenspießes der Sondenlänge über 30 bis 40 cm bereits Probleme
gegen eine größere, auf dem Erdboden aufgelegte beim Einstechen bereiten kann. Dies ist der Grund
Massefläche gemessen wird („Monoprobe“), hat dafür, dass der Autor zu einer ersten, knapp 50 cm
sich als problematisch hinsichtlich der Mobilität der langen Version auch eine verkürzte zweite mit rund
Sonde und insbesondere als empfindlich gegenüber 25 cm Länge gebaut hat.
der Art und Weise wie die Massefläche Kontakt zum
Bild 5 zeigt ein Detail des Griffstücks der Probe mit
Boden hat, erwiesen. Neuere Arbeiten zu diesem
den 0,2 mm starken Kupferblechen zur Verbindung
Thema beziehen sich daher meist auf eine
von Sondenstäben und BNC-Buchse. Deren Mantel
Messsonde in der Form zweier paralleler
ist mit dem rechten Blech verschraubt, der
Bodenspieße zwischen denen die Impedanz
Innenleiter an das linke Kupferblech gelötet.
vektoriell gemessen wird. Diese Bodenspieße stellen
HF-technisch eine einseitig offene Zweidrahtleitung
dar, weshalb diese Methode auch unter dem Namen
OWL (Open Wire Line) bekannt ist. Auch bei der
vorliegenden Arbeit wurde eine OWL-Sonde benutzt.
In seinem ausführlichen Dokument4 „Measurement
Of Soil Electrical Parameters At HF” beschreibt Rudy
Severns, N6LF beide Verfahren.

3.) Bau einer OWL-Sonde


Bild 5: Detail des montierten Griffstücks der OWL-Sonde
Bild 4 zeigt eine OWL-Sonde. Sie besteht aus zwei
Messingstäben mit 6 mm Durchmesser, die im
Abstand (Mitte-Mitte) von 50 mm parallel zueinander

4
Direkt an die BNC-Buchse wird für eine Messung ein 𝜎=
8,859
∙ (𝑅2
𝑅
(1)
𝐶0 +𝑋 2 )
vektorielles Impedanzmessgerät (Antennenana-
lysator oder Netzwerkanalysator) angeschlossen.
Bei den hier beschriebenen Messungen war dies ein 106 ∙𝑋 𝐶𝑃
NanoVNA6, der zuvor so kalibriert wurde, dass die 𝜀= − (2)
2𝜋𝑓∙𝐶0 ∙(𝑅 2 +𝑋 2 ) 𝐶0
Referenzebene mit der Lage der BNC-Buchse der
Sonde übereinstimmt. Die Messungen selbst
wurden mit der Software „NanoVNA Saver“ auf mit:
einem Notebook durchgeführt und als S- 𝜎: Leitfähigkeit der Erde [S/m]
Parameterdateien abgespeichert. 𝜖: Relative Permeabilität der Erde, dimensionslos
𝐶0 : Kapazität des Sondenteils in der Erde [pF]
𝐶𝑃 : Kapazität des Sondenteils oberhalb der Erde [pF]
4.) Auswertung der Messdaten
𝑓: Frequenz der Messung [MHz]
Aus der gemessenen, komplexen Impedanz müssen 𝑅: Wirkwiderstand, gemessen []
anschließend die Bodenparameter  und  𝑋: Blindwiderstand, gemessen []
berechnet werden. Dazu sind dem Autor zwei
Sobald also die Kapazitäten der eigenen Sonde
verschiedene Verfahren bekannt, die im Folgenden
ermittelt sind, können die gemessenen
beschrieben und verglichen werden.
Impedanzwerte in der Erde mit einer Tabellenkalku-
Rudy Severns, N6LF beschreibt eine Methode, die lation leicht in die Bodenparameter umgerechnet
auf der Kapazität der Messsonde an Luft aufbaut. werden. Ich bezeichne diese Methode in weiterer
Diese muss daher anfänglich möglichst genau Folge etwas salopp als die Kapazitätsmethode.
gemessen werden, wozu aber auch ein vernünftig
Eine andere Berechnungsart beschreibt Hardy Lau,
genaues DMM (0,1pF Auflösung) oder anderes
DL1GLH auf seiner Website8. Er betrachtet die Probe
Kapazitätsmessgerät genügt. Wichtig: Es muss die
als Zweidrahtleitung, deren offenes, unteres Ende in
Kapazität derjenigen Teile der Sonde gemessen
Abhängigkeit von der Bodenbeschaffenheit auf das
werden, die sich später im Erdboden befinden! Dies
obere Ende transformiert und dort gemessen wird.
geschieht am besten dadurch, dass die Kapazität
Auf seiner Website gibt Hardy Lau die
des oberen Teils der Sonde von der Gesamtkapazität
Transformationsgleichung sowie eine Näherung für
der Sonde abgezogen wird.
die Berücksichtigung des Endeffekts der offenen
Es wird also zuerst die Kapazität der kompletten Zweidrahtleitung an. Die bestimmenden Parameter
Sonde gemessen, in meinem Fall waren dies 7,1 pF sind Länge, Abstand und Durchmesser sowie das
für die lange Sonde und 5,2 pF für die kurze Version. Material der Erdstäbe. Daraus und aus der
Danach werden die Messingstäbe durch gekürzte gemessenen Impedanz ermittelt er mit einem nicht
Stäbe ersetzt, die nur bis zur Unterseite des runden näher beschriebenen iterativen Verfahren die
Bodenteils gehen. Dieser Rest CP repräsentiert somit Bodenparameter und stellt auch ein entsprechendes
genau den Teil der Sonde, der sich später außerhalb Programm zum Herunterladen zur Verfügung. Dieses
des Erdbodens befindet und wurde in meinem Fall steht auch in einer Online-Version auf seiner
mit einer Kapazität von 2,3 pF gemessen. Damit Website bereit, welche ich für die vorliegende Arbeit
berechnet sich die wirksame Kapazität C0 der langen benutzt habe. Bild 5 zeigt die Eingabemaske dieses
Sonde zu 4,8 pF (= 7,1 - 2,3) und diejenige der Werkzeugs. Die Bedienung ist selbsterklärend,
kurzen Sonde zu 2,9 pF. Bei diesen Messungen ist einzig auf die Notwendigkeit einen Punkt statt des
darauf zu achten, dass die Kapazität nicht durch Kommas als Dezimaltrennzeichen zu verwenden,
umgebende Materialien verfälscht werden. sowie die Frequenz in MHz (megacycles, Mc)
anzugeben, sei verwiesen.
Rudy Severns gibt in seiner Arbeit zwar Formeln zur
Berechnung der Bodenparameter an, an anderer
Stelle7 finden sich diese jedoch in leicht
modifizierter Form. Diese unterscheiden sich
insbesondere durch einen subtraktiven Term bei der
Berechnung des  von der Dokumentation bei N6LF.
Eigene Messungen haben eindeutig gezeigt, dass
der modifizierten Form der Vorzug zu geben ist, Bild 5: Eingabefenster für den Online-Rechner von DL1GLH
weshalb auch diese hier angeführt wird:
Nach Betätigung des Knopfes für die Berechnung
gibt das Programm die berechnete Eingangs-
impedanz (aufgrund von Endeffekten nicht unendlich

5
groß), die notwendige Impedanz der Dielektrizitätskonstante aus, für die ein Wert von 1
Transformationsleitung um die gemessene erwartet wurde. Während die Kapazitätsmethode bei
Impedanz zu erklären und die daraus berechneten der langen Probe einen Wert von rund 1,4 lieferte,
Bodenparameter aus. lag dieser bei der kurzen Probe bei ca. 0,7. Die
Transformationsmethode indizierte in allen Fällen
Dem Nachteil dieses, im Folgenden von mir
einen hohen Wert von etwas über 2.
Transformationsmethode genannten Verfahrens, auf
den Rechner (Online/Onsite) angewiesen zu sein, Die Messungen in Leitungswasser zeigten sofort
steht im Vergleich mit der Kapazitätsmethode der einen Anstieg der errechneten Leitfähigkeit und
Vorteil gegenüber, keine Messung der insbesondere der Permeabilität. Beide Methoden
Probenkapazität durchführen zu müssen. Allerdings zeigten bei beiden Sonden Werte von 0,015 bis 0,04
müssen die Probendimensionen millimetergenau S/m (steigend mit zunehmender Frequenz). Für die
bekannt sein. Dielektrizitätskonstante wurden nach der
Transformationsmethode Werte zwischen 70 und 90
ermittelt, die Kapazitätsmethode lieferte Werte
5.) Evaluierung der Verfahren
zwischen 40 und 70. Bei diesen Messungen zeigte
Eingangs möchte ich klarstellen, dass keine sich erstmalig eine Schwäche der Kapazitäts-
überzogenen Erwartungen an die Genauigkeit dieser methode: In der Nähe von Eigenresonanzen, also
Messungen der Bodenparameter gestellt werden wenn der Betrag des gemessenen Blindwider-
sollten. Eine hohe Präzision ist aber auch nicht standes klein wird, kommt es teilweise zu extremen
erforderlich und eine Abweichung von z.B. 25% stellt Werten sowohl für  als auch . Hier erweist sich die
bei der Modellierung kein Problem dar, wie auch Transformationsmethode als deutlich robuster.
Rudy Severns einleitend zu einer Publikation Die Tests in Salzwasser brachten schlussendlich
festhält. Zudem sorgen andere Effekte, wie einige Überraschungen. Die berechneten
vorhergehende Regenfälle jedenfalls für größere Leitfähigkeiten stiegen gegenüber den
Schwankungen der Parameter. Dennoch sind diese vorhergehenden Messungen zwar stark an und
Messungen mit Amateurmitteln ausreichend, um bei kamen mit Maximalwerten von 4 S/m bei der
Antennensimulationen nicht mehr im „Blindflug“ Transformationsmethode auch in die Nähe der
Annahmen über die Bodenbeschaffenheit publizierten Werte (5 S/m). Allerdings sanken diese
vornehmen zu müssen. Werte mit zunehmender Frequenz rasch ab und
Um Vertrauen in die Messungen, insbesondere für lagen bei 30 MHz teilweise unter 0,05 S/m. Die
den Einsatz im Kurzwellenbereich zu erlangen und Ergebnisse der Messungen nach der
auch um die beiden Berechnungsmethoden Kapazitätsmethode blieben teilweise noch darunter.
vergleichen zu können, wurden Testmessungen Noch schlimmer die berechneten Dielektrizitäts-
durchgeführt. Diese erfolgten in Materialien mit konstanten: Sie lieferten bei niedrigen Frequenzen
bekannten Eigenschaften: Luft, Süß- und völlig unplausible Werte von mehreren Hundert
Salzwasser, wobei für letzteres eine 0,61-molare Einheiten, nur ab 25 MHz kamen beide Methoden
NaCl Lösung als Ersatz für Meerwasser diente. Bild auf Werte zwischen 70 und 90. Hier blieben Zweifel
6 zeigt dazu den Messaufbau. an der Zulässigkeit des Messaufbaus, insbesondere
dessen begrenztem Volumen. Mangels eines
Zugangs zu Meerwasser und in Anbetracht der
kalten Jahreszeit ließ ich es jedoch dabei bewenden.
Dennoch konnten die Probemessungen mein
Vertrauen in die Messungen, insbesondere für den
geplanten Einsatzbereich in Erdboden erhöhen. Das
Verhalten der berechneten Leitfähigkeit ist für beide
Methoden plausibel und (außerhalb der
Resonanzbereiche, s.o.) in etwa übereinstimmend.
Auch die Permeabilität liegt bei Luft und Süßwasser
Bild 6: Aufbau für Probemessungen
zumindest in den erwarteten Größenordnungen. Da
reale Bodeneigenschaften zumeist zwischen diesen
Erwartungsgemäß lieferten beide Methoden für beiden Medien liegen, wohl sogar näher bei
beide Sonden eine extrem geringe Leitfähigkeit an Süßwasser, ließen sich plausible Werte beim Einsatz
Luft (< 0,1 mS/m) über den gesamten Frequenz- der Sonden erwarten.
bereich von 1 bis 30 MHz. Differenzierter und etwas
überraschend fielen die Ergebnisse für die

6
6.) Messungen an Erdboden

Die ersten Bodenmessungen fanden im eigenen


Garten an verschiedenen Positionen in gepflegten
und gedüngten Rasenflächen statt. Vor diesen
Messungen hat es ausgiebig geregnet und durch das
Winterwetter war der Boden insgesamt vollständig
durchnässt. Insbesondere eine Position am Fuße
einer leichten Böschung und in der Nähe der
Sickerung für Regenwasser ließ erwarten, hier
hervorragende Leitfähigkeiten vorzufinden.
Obwohl der Boden insgesamt gut gepflegt war,
zeigte sich rasch, dass die längere Sonde mit einer Bild 8: Relative Permeabilität, feuchter Boden, kurze Sonde
Eindringtiefe von knapp einem halben Meter an
mehreren Stellen wegen Steinen nicht komplett in Über weite Strecken stimmen die beiden Methoden
den Boden gebracht werden konnte, die kürzere gut überein, nur bei hohen Frequenzen wird mit der
Sonde hingegen immer. Auch ohne Steine, war das Kapazitätsmethode eine deutlich höhere
Hineinstoßen und Herausziehen der langen Sonde Leitfähigkeit berechnet als mit der Transformations-
im untersten Teil aufgrund der Reibungskräfte sehr methode. Mit Blick auf die Daten in EZNEC in Bild 1
mühsam und die dabei auftretenden Belastungen kann dieser Boden sicherlich als „Very Good“
kamen an die Grenzen des Materials. Aus diesen bezeichnet werden, dass die Permeabilität sogar
Erfahrungen heraus würde ich beim Neubau einer über dem EZNEC-Wert liegt, ist durch den extrem
Sonde für gute Böden eine Länge von 35 bis 40 cm hohen Feuchtegrad gut erklärbar. Klar wird aber
empfehlen, bei mittlerer Bodenqualität sollte sich auch, dass ein durchschnittlicher Wert dem
die Sondenlänge von 25 cm bewähren. frequenzabhängigen Verlauf nicht wirklich gerecht
Bereits die ersten Messungen am Fuß der Böschung werden kann. So liegt die gemessene Leitfähigkeit
erfüllten die Erwartungen und deuteten auf eine bei 30 MHz bei mehr als dem Doppelten des Wertes
hohe Bodenleitfähigkeit hin. Beide Messmethoden bei 1 MHz.
waren in vernünftiger Übereinstimmung und der Die gemessene relative Permeabilität liegt nach der
Frequenzverlauf so wie in der Literatur beschrieben. Transformationsmethode konstant etwas höher als
Während die Leitfähigkeit  von 1 bis 30 MHz mit bei der Kapazitätsmethode. Ein Verhalten, das sich
zunehmender Frequenz anstieg (Bild 7), sank die auch schon bei der Evaluierung der Verfahren an Luft
Permeabilität  (Bild 8). und Leitungswasser zeigte. Der Unterschied bleibt
allerdings überschaubar und so kann mit gutem
Gewissen ein mittlerer Wert in die
Simulationsprogramme eingetragen werden.
Im nächsten Schritt wiederholte ich die Messungen
an derselben Stelle, aber mit der langen Sonde. Die
daraus berechneten Werte für die Leitfähigkeit sind
in Bild 9 zusätzlich zu denjenigen der kurzen Sonde
eingetragen.

Bild 7: Bodenleitfähigkeit an einer sehr feuchten Stelle, gemessen mit


der kurzen Sonde

In den Bildlegenden steht „T-Methode“ für die


Transformationsmethode und „K-Methode“ für die
Kapazitätsmethode.

Bild 9: Vergleich zwischen Messungen mit unterschiedlichen


Probenlängen

7
Es fällt auf, dass beide Berechnungsmethoden für Offensichtlich ist, dass die Leitfähigkeit deutlich
die längere Sonde typischerweise eine höhere unter derjenigen liegt, die unterhalb der Böschung
Bodenleitfähigkeit ergeben. Dies kann auf eine gemessen wurde (vgl. Bild 7). Auffällig ist der Knick
Zunahme in tieferen Schichten (höherer bei 15 MHz, der nicht auf die oben beschriebene
Feuchtigkeitsgehalt?) hindeuten. Im Großen und Problematik bei Resonanz zurückzuführen ist. Er tritt
Ganzen werden die Werte aber auch durch diese auch nicht nur bei der Kapazitätsmethode, sondern
Messungen bestätigt. Eine Ausnahme bilden die auch bei der Transformationsmethode auf.
Berechnungen nach der Kapazitätsperiode für die Zusammen mit dem deutlich stabileren Verlauf der
langen Probe (gelb gestrichelte Linie in Bild 9) bei Permeabilität (Bild 12) ist dies daher möglicherweise
Frequenzen über 20 MHz. Ein Blick auf die kein Artefakt, sondern eine tatsächliche Eigenschaft
gemessenen Impedanzwerte (siehe entsprechendes der Leitfähigkeit dieses Bodens bei höheren
Smith Chart in Bild 10) klärt aber rasch auf: Genau Frequenzen.
bei dieser Frequenz kommt es zur Resonanz und
darüber zu positiven Blindwiderständen. Es hat sich
immer wieder gezeigt, dass die Kapazitätsmethode
in diesen Bereichen Probleme hat.

Bild 12: Relative Permeabilität des weniger feuchten Bodens

Beim Vergleich der rel. Permeabilitäten aus den


Bildern 8 und 12 fällt auf, dass diese für den sehr
Bild 10: Ist der Blindwiderstand klein oder positiv, wie hier ab ca. 20
MHz, führt die Kapazitätsmethode meist zu unplausiblen Ergebnissen feuchten und moderat feuchten Boden in etwa gleich
sind. Hier wäre ein Vergleich mit Messungen an
Ich habe es mir daher zur Angewohnheit gemacht, trockenen Böden interessant.
die Berechnungen immer nach beiden Methoden
Zusammenfassend hat sich gezeigt, dass die
durchzuführen und bei der Auswertung auch einen
Messung der Bodeneigenschaften mit einer OWL-
Blick auf die gemessenen Impedanzen zu werfen.
Probe auch mit Amateurmitteln möglich ist und
Müsste ich mich für eine Methode entscheiden,
plausible Resultate liefert. Die Methode ist absolut
würden ich vermutlich der Transformationsmethode
feldtauglich, sofern ein portables, vektoriell
den Vorzug geben, da sie sich immer wieder als
arbeitendes Messgerät zur Verfügung steht. Als
stabiler erweisen hat.
Probenlänge wird für gute Böden ca. 35 bis 40 cm
An einer anderen, etwas weniger feuchten Stelle praktikabel sein, bei schlechteren Bodenqualitäten
wurden mit der kurzen Probe die Werte gemessen, eher nur 25 cm. Beide Berechnungsmethoden
die in den Bildern 11 und 12 zu sehen sind. (Kapazitäts- und Transformationsmethode) führen
über weite Bereiche zu ähnlichen Ergebnissen, in der
Nähe von Resonanzen und bei positiven
Blindwiderständen kann die Kapazitätsmethode
jedoch problematisch sein.

Bild 11: Bodenleitfähigkeit an einer etwas weniger feuchten Stelle

8
1
[Link]
2
Quelle: „Skin Depth And Wavelength In Soil”, Rudy Severns, N6LF
3
“Determination of Soil Electrical Characteristics Using a Low Dipole”, Rudy Severns, N6LF, erschienen in QEX
Nov/Dec 2016
4
[Link]
5
Die Teilebeschreibung steht hier: [Link]
6
[Link]
7
Siehe z.B.: Jürgen A. Weigl, OE5CWL, „Einfache Meßsonde zur Bestimmung der Bodeneigenschaften“,
Zeitschrift Funkamateur 6/09
8
[Link]

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