GD 65
GD 65
baua: Bericht
Forschung
Projekt F 2265
I. Schweitzer-Karababa
A. Wilmes
T. Wolf
K. Wiechen
M. Berghaus
EMKG-Leitfaden
Modul Brand und Explosion
Titelfoto: michaelz86/[Link]
[Link]/dok/8657296
Inhaltsverzeichnis
Seite
1 Einleitung ..................................................................................................... 5
2 Zusammenfassung ....................................................................................... 6
1 Einleitung
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) unterstützt seit 2005
Personen, die im Arbeitsschutz tätig sind, mit dem Einfachen Maßnahmenkonzept Ge-
fahrstoffe (EMKG). Ziel ist es, EMKG-Anwendern beim Umgang mit Gefahrstoffen ge-
eignetes Werkzeug zum Einschätzen von Gefährdungen und Auswählen angemesse-
ner Schutzmaßnahmen an die Hand zu geben. Hierzu werden leicht zugängliche In-
formationen aus Sicherheitsdatenblättern und Betriebsbegehungen genutzt und mit
den systematischen Maßnahmenempfehlungen des EMKG verknüpft. Ein konkretes
Hilfsmittel bieten die Schutzleitfäden. Als zweiseitige Checklisten helfen sie, Basis-
maßnahmen für den Arbeitsplatz umzusetzen. Für Tätigkeiten mit höheren Gefährdun-
gen gibt es spezifische Schutzleitfäden, die auf diese Basis aufbauend weitere Maß-
nahmen beschreiben. Zum Ableiten von adäquaten Schutzmaßnahmen für Gefähr-
dungen durch Einatmen und Hautkontakt kann der EMKG-Anwender bereits auf ein
breites Spektrum von EMKG-Produkten zugreifen.
Das aktuelle Modul Brand und Explosion wird hier vorgestellt. Grundlage für Modul
und Schutzleitfäden sind die Technischen Regeln aus dem Gefahrstoff-, Betriebssi-
cherheits- und Arbeitsstättenrecht.
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2 Zusammenfassung
Das EMKG-Modul Brand und Explosion verknüpft zur Einschätzung der Gefährdung
die gefährliche Eigenschaft des Gefahrstoffes mit der Wahrscheinlichkeit, dass ein
Brand oder eine Explosion entstehen kann. Geeignete Parameter zur Einschätzung
sind die Einstufung, Angaben zur Staubexplosionsfähigkeit, das Freisetzungsverhal-
ten und die eingesetzte Menge. Dabei sind die Parameter für das Freisetzungsverhal-
ten und für die verwendete Gefahrstoffmenge die gleichen, die zur Gefährdungsein-
schätzung beim Einatmen von Gefahrstoffen genutzt werden.
Die Maßnahmenempfehlungen sind in Abhängigkeit von der Höhe der Gefährdung ei-
ner von drei Maßnahmenstufen zugeordnet. In besonderen Fällen ist „Beratung“ erfor-
derlich. Die erste Stufe enthält Mindestanforderungen an Lüftung, Organisations- und
Hygienemaßnahmen, Brandschutzmaßnahmen sowie an das Lagern und Bereitstellen
von Gefahrstoffen. Als guter Organisations- und Hygienestandard sind diese immer
umzusetzen. Alle weiteren zusätzlichen Maßnahmen sind nur wirksam, wenn sie auf
diesen Mindestanforderungen aufbauen können.
In der zweiten Stufe empfiehlt das Modul erweiterte Brandschutzmaßnahmen. Für den
Explosionsschutz ist die Bildung von explosionsfähiger Atmosphäre durch emissions-
mindernde Maßnahmen zu reduzieren. Die restliche Gefährdung wird durch Schutz-
maßnahmen zur Zündquellenvermeidung weiter minimiert. Bisher wurden spezifische
Schutzleitfäden für Tätigkeiten mit brennbaren Flüssigkeiten entwickelt. Für staubende
Tätigkeiten sind grundsätzliche Maßnahmenempfehlungen im Schutzleitfaden „Staub-
arbeitsplätze“ beschrieben.
Bei hohen Brand- und Explosionsgefährdungen verweist das Modul auf die Maßnah-
menstufe 3 oder direkt auf Expertenberatung. Gefahrstoffe, die ohne Luft explosions-
fähig sind, wie z. B. selbstzersetzliche Stoffe, organische Peroxide und Sprengstoffe
führen direkt in die Expertenberatung.
Interessierte EMKG-Anwender sind eingeladen, ihre Erfahrungen mit dem neuen Mo-
dul dem Projektteam mitzuteilen.
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3.1 Regelkonformität
Bereits seit 1996 fordert das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) das Beurteilen aller Ge-
fährdungen am Arbeitsplatz. Seit 2005 wird dies für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen in
der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) für Gesundheits-, Brand- und Explosionsge-
fährdungen umgesetzt.
Weiter konkretisiert werden diese Anforderungen in den Technischen Regeln für Ge-
fahrstoffe (TRGS) und in den Technischen Regeln der Betriebssicherheit (TRBS). Die
grundsätzliche Vorgehensweise der Gefährdungsbeurteilung bei Gefahrstoffen wird in
der TRGS 400 „Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“ beschrie-
ben. Seit 2010 beurteilt die TRGS 800 „Brandschutzmaßnahmen“ Brandschutzgefähr-
dungen und führt zu notwendigen Brandschutzmaßnahmen. Weitere technische Re-
geln enthalten eine Anleitung zur Beurteilung von Explosionsgefährdungen (TRGS
721/TRBS 2152 Teil 1) und zum Vermeiden bzw. Einschränken der Bildung gefährli-
cher, explosionsfähiger Atmosphären (TRGS 722/TRBS 2512 Teil 2).
Den Stand der Technik zur Zündquellenvermeidung bieten die TGRS 723 sowie TGRS
727. Für Arbeiten mit besonders kritischen Gefahrstoffen müssen die Forderungen der
TGRS 724 berücksichtigt werden. Anforderungen an die befähigte Person zur Prüfung
von Explosionsschutzeinrichtungen und den Prüfungen überwachungsbedürftiger An-
lagen werden in der TRBS 1203 und TRBS 1201 Teil 1 bis Teil 4 beschrieben. Weitere
Anforderungen bei Instandhaltungsarbeiten beschreibt die TRBS 1201 Teil 3.
Bei Tätigkeiten mit Stoffen, die auch ohne Luft explosionsfähig sind, sind Anforderun-
gen unter anderem aus dem Sprengstoffgesetz (SprengG), der Gefahrstoffverordnung
(GefStoffV) sowie den Technischen Regeln und den Vorschriften und Regeln der Deut-
schen Gesetzlichen Unfallversicherungen zu berücksichtigen.
Zur einfacheren Umsetzung dieser Forderungen bietet das EMKG Unterstützung bei
der Ermittlung des Maßnahmenbedarfs. Das neue EMKG-Modul Brand und Explosion
hilft bei der Ermittlung und erfüllt die Kriterien der rechtlichen Vorgaben.
Für die Einschätzung von Brand- und Explosionsgefährdungen muss die fachkundige
Person mit den Tätigkeiten im Betrieb vertraut sein. Sie sollte über genügend Erfah-
rung und Kenntnisse in der Brand- und Löschlehre sowie im Gefahrstoff-, Arbeitsstät-
ten- und Betriebssicherheitsrecht haben. Grundsätzlich geht das Gefahrstoffrecht da-
von aus, dass Sicherheitsfachkräfte oder Brandschutzbeauftragte fachkundig sind.
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Durch ihre Ausbildung können sie Gefährdungen beurteilen und gleichzeitig abschät-
zen, an welcher Stelle zusätzliche Beratung erforderlich ist. In Abhängigkeit von der
Höhe der Gefährdung und den daraus resultierenden Maßnahmen können die Anfor-
derungen an die Fachkenntnisse unterschiedlich sein. Der Gesetzgeber verlangt, dass
fachkundige Personen ihre Kenntnisse durch Fachzeitschriften und spezifischen Fort-
bildungen regelmäßig auffrischen und vertiefen.
HINWEIS:
• Um einen Einblick über die Gefährdungssituation zu bekommen, ist es empfeh-
lenswert, interne Berater, wie z. B. Meister, Sicherheitsbeauftragte und Fach-
kräfte mit einzubeziehen. Aber auch externe Berater, wie z. B. die Unfallversi-
cherungsträger, Bundesländer und andere Akteure im Arbeitsschutz unterstüt-
zen besonders bei hohen Gefährdungen durch Handlungsempfehlungen, Da-
tenbanken und Beratung. Eine besonders hohe Expertise ist bei Schutzmaß-
nahmen des konstruktiven Explosionsschutzes erforderlich.
Das EMKG-Modul Brand und Explosion klassifiziert die Gefährdungen. Dadurch kön-
nen hohe Gefährdungen direkt identifiziert und die zu treffenden Maßnahmen abgelei-
tet und umgesetzt werden. Zudem kann eingeschätzt werden, ob zusätzliches Exper-
tenwissen benötigt wird.
Beispiele sind hier Tätigkeiten mit offenem Feuer, Schweiß-, Schneide-, Schleifgerä-
ten oder energiereichem Licht.
• Instandhaltungsarbeiten
Hier ändern sich meist die Betriebszustände und ggf. die vorhandenen Zündquellen.
Damit diese nicht ungeachtet bleiben, sind Instandhaltungsarbeiten separat zu beur-
teilen.
Für die Handhabung von Gasen wurde das EMKG-Modul Brand und Explosion noch
nicht explizit auf Praxistauglichkeit erprobt. Die Ableitung von Schutzmaßnahmen wird
in der TRGS 407 „Tätigkeiten mit Gasen“ beschrieben. Eine große Auswahl an Merk-
blättern und Handlungsanleitungen stellt der Industriegaseverband e. V. auf seiner In-
ternet Seite [Link] zur Verfügung.
Gefährdungen die durch eine exotherme chemische Reaktion entstehen, werden nur
Ansatzweise vom EMKG-Modul Brand und Explosion erfasst.
Entstehen brennbare Gefahrstoffe bei Tätigkeiten oder werden sie aus Erzeugnissen
freigesetzt, können sie nur bewertet werden, wenn Angaben zu den EMKG-Parame-
tern vorliegen.
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Das Modul Brand und Explosion liefert bisher keine Schutzleitfäden für den konstruk-
tiven Explosionsschutz in der Maßnahmenstufe 3.
Wie auch für die Beurteilung von Gesundheitsgefährdungen müssen die Informationen
der Tätigkeitsbeschreibung und der Sicherheitsdatenblätter richtig sein. Die Qualität
der einfließenden Informationen ist maßgeblich für die Güte der Gefährdungsbeurtei-
lung. Wie der EMKG Anwender die Angaben eines Sicherheitsdatenblatts auf Vollstän-
digkeit überprüfen kann, ist im Leitfaden des Einfachen Maßnahmenkonzeptes Ge-
fahrstoffe 2.2 beschrieben. Bei fehlenden oder unvollständigen Angaben sollte er sich
grundsätzlich an den Ersteller des Sicherheitsdatenblatts wenden. Alternativ kann er
fehlende Informationen selbst ermitteln und ergänzen.
Das Modul verknüpft zur Einschätzung der Gefährdung die gefährliche Eigenschaft
des Gefahrstoffes mit der Wahrscheinlichkeit, dass ein Brand oder eine Explosion ent-
stehen kann. Hierzu werden leicht zugängliche Informationen aus den Sicherheitsda-
tenblättern, Betriebsbegehungen und Stoffdatenbanken genutzt.
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Einstiegsparameter Beurteilung
Stoffeigenschaft/ Bewertung auf Grund der gefährlichen Stoffeigen-
Einstufung: schaften und der damit verbundenen Reaktionsfä-
H-Satz oder, falls nicht vor- higkeit.
handen, R-Satz
Freisetzungsverhalten: Bewertung, wie schnell sich brennbare und explosi-
Staubungsverhalten, Dampf- onsfähige Dämpfe/Stäube ausbreiten und zur Bil-
druck oder Siedepunkt dung einer gefährlichen explosionsfähigen Atmo-
sphäre führen.
Menge während der Bewertung der Gefährdung auf Grund der Menge
Tätigkeit und dem damit verbundenen Schadensausmaß.
HINWEIS:
• Das Freisetzungsverhalten und die Mengenabschätzung wird über dieselben
Parameter wie im EMKG-Modul Einatmen von Gefahrstoffen bestimmt.
Insgesamt führt das Modul zu einer von drei Maßnahmenstufen. Diese werden in der
ersten und zweiten Stufe durch Schutzleitfäden konkretisiert. In der ersten Stufe wer-
den Mindestanforderungen an Lüftung, Organisation- und Hygienemaßnahmen,
Brandschutzmaßnahmen sowie an das Lagern und Bereitstellen von Gefahrstoffen
beschrieben. Als guter Organisations- und Hygienestandard sind diese im gesamten
Arbeitsbereich umzusetzen. Alle weiteren zusätzlichen Maßnahmen sind nur wirksam,
wenn Sie auf diesen Mindestanforderungen aufbauen können.
Ab der zweiten Stufe werden Maßnahmen zur Zündquellenvermeidung empfohlen.
Dabei setzt das Modul voraus, dass es wahrscheinlich ist, dass Zündquellen auftreten.
Bisher wurden spezifische Schutzleitfäden für Tätigkeiten mit brennbaren Flüssigkei-
ten entwickelt. Für staubende Tätigkeiten sind grundsätzliche Maßnahmenempfehlun-
gen im Schutzleitfaden 240 „Staubarbeitsplätze“ beschrieben.
Für das Festlegen von Schutzmaßnahmen ist es weiterhin wichtig die Lüftungssitua-
tion am Arbeitsplatz zu berücksichtigen. Durch einen ausreichenden Luftwechsel und
emissionsmindernde Maßnahmen, wie z. B. eine Absaugung, wird die Wahrschein-
lichkeit einer explosionsfähigen Atmosphäre minimiert. Damit die Lüftungssituation
ausreichend berücksichtigt wird, verweist das Modul auf die Schutzleitfäden der Reihe
200, die auch zum Schutz für das Einatmen von Gefahrstoffen empfohlen werden.
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In der dritten Stufe verweist das Modul auf das geschlossene System, hohe Brand-
schutzmaßnahmen und konstruktiven Explosionsschutz. Zur Umsetzung des ge-
schlossenen Systems greift das Modul auf Schutzleitfäden der Reihe 300 aus dem
Gesundheitsschutz zurück. Ein weiterer Schutzleitfaden beschreibt Schutzmaßnah-
men für den hohen Brandschutz. Schutzleitfäden für den konstruktiven Explosions-
schutz wurden bisher noch nicht entwickelt.
Existiert kein Schutzleitfaden, können die Technischen Regeln oder andere Hand-
lungsempfehlungen, insbesondere der Unfallversicherungsträger und Länder, zum
Festlegen von Maßnahmen eine wertvolle Ergänzung sein.
Einstufung Einstufungskriterien
Flam. Liq. 1
Flam. Liq. 3
Achtung
Flammpunkt 23 °C - 60 °C
H226: Flüssigkeit und
Dampf entzündbar
Wie schnell sich eine explosionsfähige Atmosphäre bildet ist abhängig von dem Frei-
setzungspotenzial des Gefahrstoffes. Hierzu nutzt das Modul den Siedepunkt oder
Dampfdruck. Je höher der Siedepunkt bzw. je kleiner der Dampfdruck ist, desto weni-
ger besteht die Gefahr, dass sich innerhalb kurzer Zeit eine explosionsfähige Atmo-
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HINWEISE:
• Sehr gefährlich sind Tätigkeiten mit einem sehr geringen bis gar keinen Luft-
wechsel. Hier kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Durchmischung mit
dem verbleibenden Luftsauerstoff für einen Brand oder eine Explosion aus-
reicht. Das Modul verweist bei diesen Tätigkeiten auf eine höhere Maßnahmen-
stufe. Zu Bereichen mit ungenügendem Luftwechsel zählen Tanks, Apparate,
Silos, Inneres von Rohrleitungen und Abwasserbehandlungsanlagen, Auf-
fangräume (Tanktassen), Schächte, Gruben, Kanäle, Hohlräume/Hohlkörper in
Bauwerken und Maschinen (z. B. Schwimmergefäße), nicht ausreichend belüf-
tete Räume, Räume unter Erdgleiche.
• Eine häufige Unfallursache ist das Öffnen von Fässern, die noch geringe Men-
gen an brennbaren Restflüssigkeiten enthalten. Schon wenige Milliliter reichen
aus, um eine explosionsfähige Atmosphäre zu bilden, die durch gewaltsames
Öffnen z. B. mit einem Schneidbrenner gezündet wird.
• Bei Arbeitsverfahren bei denen es zur Aerosolbildung kommt, z. B. beim Ver-
sprühen von Flüssigkeiten, geht das Modul immer von einer hohen Freisetzung
aus.
Das Modul leitet auch Maßnahmen für brennbare und explosionsfähige Stäube ab
(siehe Tab. 3.3). Stäube können freigesetzt werden (z. B. beim Absacken, Mischen,
Fördern, Abwerfen) oder auch bei der mechanischen Be- und Verarbeitung von kom-
pakten Materialien entstehen (z. B. beim Schneiden, Sägen, Fräsen, Schleifen, Zer-
kleinern, Mahlen, Schweißen, Brennschneiden, Abrieb beim Fördern und Abladen).
Eine Staubexplosionsgefahr besteht nur dann, wenn aus einem brennbaren Staub
eine Staubwolke entstehen kann. Das ist von der zur Verfügung stehenden Menge und
davon wie leicht der Staub freigesetzt wird abhängig.
Bei explosionsfähigen Stäuben erfolgt der Einstieg in das Modul, falls vorhanden,
über die Einstufung. 1
Tab. 3.3 Einstufung entzündbarer Feststoffe
Gefahrenklasse
Piktogramm Signalwort Gefahrenhinweis
und -kategorie
1Es werden zwei Kategorien unterschieden. Kategorie I unterscheidet sich durch den Gefahrenhinweis
„Gefahr“ statt „Achtung“ von der Kategorie II. Das Modul Brand und Explosion unterscheidet nicht zwi-
schen den Kategorien sondern nutzt nur den H-Satz als Parameter.
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Ist kein H-Satz vorhanden, kann der Staub oder Mischstaub trotzdem explosionsfähig
sein. Deshalb bewertet das Modul grundsätzlich bei staubenden Gefahrstoffen und bei
Angabe einer Staubexplosionsklasse den Feststoff wie einen als entzündbar einge-
stuften Feststoff.
Nicht alle brennbaren Feststoffe sind explosionsfähig. Dabei gilt der Grundsatz je klei-
ner der Feststoff ist desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Staubwolke
bildet. Besonders kritisch sind feine Stäube mit einer Partikelgröße kleiner 0,5 mm. Ab
einer Partikelgröße von 1 mm ist nicht mehr mit einer Staubexplosion zu rechnen. Im
Modul wird die Freisetzungsgruppe von Stäuben über das Staubungsverhalten be-
stimmt. Die Abschätzung kann über die Korngrößenverteilung erfolgen. Liegt diese
nicht vor, beschreibt das Modul anhand von Beispielen, in welche Kategorie das Stau-
bungsverhalten einzuordnen ist. Bei der Maßnahmenfestlegung sind neben Brand-
schutzmaßnahmen auch Schutzmaßnahmen des Explosionsschutzes zu treffen.
Wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung von Staubexplosionen ist regelmäßiges Reini-
gen der Arbeitsplätze und das Vermeiden von Staubablagerungen.
Bei der Zersetzung entstehen entzündliche Gase und Dämpfe. Auslöser können
Wärme, Kontakt mit Verunreinigungen (z. B. Säuren, Schwermetallverbindungen, A-
mine), Reibung oder Stoß sein. Durch die dabei entstehende Reaktionswärme kann
durch eine Selbstentzündung ein Brand oder eine Explosion entstehen. Eine für die
Maßnahmenfestlegung entscheidende Kenngröße ist die SADT; dies ist Abkürzung für
den englischen Begriff „Self Accelerating Decomposition Temperature“ (Temperatur
der selbstbeschleunigenden Zersetzung). Die SADT stammt aus dem Transportrecht
und ist auch von Art und Größe der Verpackung abhängig.
Das EMKG-Modul Brand und Explosion führt bei diesen Gefahrstoffen immer zur Ex-
pertenberatung, ordnet diese aber anhand ihrer Einstufung in explosionsfähige bzw.
explosionsgefährliche Gefahrstoffe ein.
Gefahrenklasse und
Piktogramm Signalwort Gefahrenhinweis
-kategorie
H240: Erwärmung
Self-react/Org. Perox A Gefahr kann Explosion
verursachen
H241: Erwärmung
kann Brand oder
Self-react/Org. Perox B Gefahr
Explosion verursa-
chen
Gefahrenklasse und
Piktogramm Signalwort Gefahrenhinweis
-kategorie
Oxidierende Stoffe sind zwar nicht unbedingt selbst brennbar, können aber durch die
Abgabe von Sauerstoff andere Stoffe oder Gemische in Brand setzen. Hierzu gehören
u. a. anorganische Peroxide (z. B. Sauerstoff in Reinform, Wasserstoffperoxid, Natri-
umperoxid, Bariumchlorat, Kaliumbromat, Salpetersäure, Ammoniumdichromat, Kali-
umpermanganat, Silbernitrat) und Halogene (siehe Tab. 3.7). Die Durchmischung mit
dem Oxidationsmittel erfolgt aufgrund einer chemischen Reaktion und nicht durch eine
Durchmischung mit Luftsauerstoff. Deshalb berücksichtigt das Modul bei der Ableitung
der Gefährdung nur die Menge während der Tätigkeit. Das Modul führt zurzeit auch
bei den oxidierenden Gefahrstoffen immer in die Expertenberatung.
Da die Reaktivität nicht immer aus der Einstufung ersichtlich ist, werden diese Gefahr-
stoffe nicht mit dem Modul erfasst.
Zündquelle ist in diesen Fällen die Selbsterhitzung durch die entstehende Wärmeent-
wicklung bei der exothermen Reaktion. Zur Vermeidung sind Informationen im Ab-
schnitt 7 Handhabung und Lagerung und Abschnitt 10 Stabilität und Reaktivität des
Sicherheitsdatenblatts zu beachten.
Bei der Maßnahmenfestlegung ist darauf zu achten, dass die Gefahr einer Selbsterhit-
zung in Abhängigkeit von der Menge steigt. Bei der Wahl von größeren Apparaturen
ist stets in kleinen Schritten vorzugehen; unter ständigem Beobachten von möglichen
exothermen Effekten. Es müssen mindestens die Schutzmaßnahmen zur Zündquel-
lenvermeidung getroffen werden. Die wichtigste Maßnahme ist dabei ein kontrollierter
Abfluss von Wärme durch Kühlung.
ACHTUNG:
Bei Gefahrstoffen, die mit Wasser reagieren, ist Wasser als Kühlflüssigkeit nicht ge-
eignet (siehe Tab. 3.8). Das EMKG-Modul Brand und Explosion führt bei diesen Ge-
fahrstoffen immer zur Expertenberatung.
Gefahrenklasse
Piktogramm Signalwort Gefahrenhinweis
und -kategorie
H260: In Berührung mit
Wasser entstehen ent-
Water-react. 1 Gefahr zündbare Gase, die
sich spontan entzün-
den können.
Water-react. 2 Gefahr H261: In Berührung mit
Wasser entstehen ent-
zündbare Gase.
Water-react. 3 Achtung
Ein Beispiel für Gefahrstoffe mit erhöhter Reaktionsfähigkeit sind starke Säuren mit
einem pH-Wert < 2 (z. B. Perchlorsäure, Iodwasserstoffsäure, Chlorsäure, Salpeter-
säure, Salzsäure, Schwefelsäure oder Bromwasserstoffsäure) oder starke Basen mit
einem pH- Wert > 11 (z. B. Ammoniaklösung, Kalilauge, Natronlauge und Silbernitrat).
Der pH-Wert ist im Sicherheitsdatenblatt und Abschnitt 9 angegeben und führt in die-
sen Fällen direkt zu einer Einstufung als stark ätzender Gefahrstoff (siehe Tab. 3.9).
Tätigkeiten mit ätzenden Gefahrstoffen werden im Modul nicht berücksichtigt, sind je-
doch als potentielle Zündquelle zu berücksichtigen.
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Gefahrenklasse
Piktogramm Signalwort Gefahrenhinweis
und -kategorie
H314 Verursacht
schwere Verätzun-
Skin Corr. 1, 1A,
Gefahr gen der Haut und
1B, 1C
schwere Augen-
schäden
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Mit diesem EMKG-Modul können Sie die Gefährdung einschätzen, mit dem es wäh-
rend einer Tätigkeiten zu einem Brand oder eine Explosion kommen kann. Ausgewie-
sen wird die Gefährdung durch eine von drei Maßnahmenstufen, bei hohen Risiken
führt das Modul in die Beratung. Je höher die Maßnahmenstufe ist desto höher ist die
Gefährdung.
Bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen sind ein Mindestmaß an Organisations- und Hygie-
nemaßnahmen sicher zu stellen. Diese beziehen sich auf den gesamten Arbeitsbe-
reich und sind Vorrausetzung für alle weiteren Maßnahmen.
Das EMKG setzt diese Anforderung in den Schutzleitfäden der Reihe 100 um. Sie
beschreiben Mindestanforderungen an Lüftung, Organisations- und Hygienemaßnah-
men, Brandschutzmaßnahmen sowie an das Lagern und Bereitstellen von Gefahrstof-
fen. Empfehlenswert ist es, diese für den gesamten Arbeitsbereich umzusetzen und
zu dokumentieren. Darauf aufbauend kann der Anwender systematisch abschätzen,
bei welchen Tätigkeiten weitere Maßnahmen erforderlich sind.
Gefahrenpiktogramme H-Sätze
2 Der EUH001 wurde mit Einführung der neuen H-Sätzen H206, H207 und H208 durch die 12. Ände-
rungsverordnung der CLP-Verordnung gestrichen. Er ist hier nur für Restbestände aufgeführt.
3 Der EUH006 wurde durch die 4. Änderungsverordnung der CLP-Verordnung ersatzlos gestrichen und
Sind Gefahrstoffe mit einem der Gefahrensymbolen oder R-Sätzen der Tab. 4.2
nach altem Recht im Betrieb vorhanden?
Tab. 4.2 Für das EMKG-Modul Brand und Explosion relevante Einstufung nach
Stoffrichtlinie
Gefahrensymbole R-Sätze
R 1 bis R 19
R 30
R 44
7. Werden Gefahrstoffe verwendet, von denen bekannt ist, dass sie bei der
vorhandenen Anwendungstemperatur zum Brennen neigen oder deren
Stoff/Luft-Gemische explosionsfähig sind? (z. B. Ammoniak, Chlor oder
Sprühnebel von Heizöl)
HINWEIS:
• Kohlenwasserstoffe bestehen nur aus Kohlenstoff und Wasserstoff. Es gibt
mehrere Untergruppen wie Alkane, Alkene, Alkine und Aromaten (z. B.: Me-
than, Butan, Hepten, Benzol, Toluol, Xylol).
10. Kann bei Tätigkeiten mit Kohlenwasserstoffgemischen nicht sichergestellt
werden, dass der Unterschied der Verarbeitungstemperatur zu jedem Zeit-
punkt 15 °C niedriger ist, als der Flammpunkt 5?
HINWEIS:
• Mineralölprodukte sind immer Kohlenwasserstoffgemische (z. B. Petroleum,
Testbenzin, Solvent Naphtha, Benzin, Dieselkraftstoff oder Kerosin).
Falls Sie eine dieser Frage mit „JA“ beantwortet haben, können Sie mit den folgenden
Schritten des Moduls prüfen, ob zusätzlich zu den Mindestanforderungen weitere
Brand- und Explosionsschutzmaßnahmen notwendig sind.
Liegt noch keine Einstufung nach CLP-Verordnung vor, können Sie über die Einstu-
fung nach altem Recht (R-Satz) die Gefährlichkeitsgruppe bestimmen.
Ist keine Einstufung vorhanden, wird für Flüssigkeiten und Dämpfe die Gefährlichkeits-
gruppe pc-A gewählt. Bei Feststoffen ohne Einstufungen wird die Vorgehensweise im
nachfolgenden Text beschrieben.
H242, H261, H270, H271, H272, R5, R6, R7, R8, R9, R14,
pc-D
EUH006 7, EUH014, EUH044 R15, R16, R44
6 Die Zuordnung der Gefährlichkeitsgruppe basiert auf der Umwandlungstabelle des Anhangs VII der
CLP-Verordnung (Umwandlung der Einstufungen gemäß der Richtlinie 67/548/EWG in Einstufungen
gemäß dieser Verordnung), der sich geänderten Einstufungskriterien (z. B. Flammpunkt bei brennbaren
Flüssigkeiten), einer Tabelle des VCI (Im Vergleich: Gefahrensymbolik alt (EU) und neu (GHS)) sowie
auf einem Abgleich mit dem GHS-Spaltenmodell, welches vom IFA – Institut für Arbeitsschutz der Deut-
schen Gesetzlichen Unfallversicherung (Stand August 2015) herausgegeben wurde
7 Der EUH006 wurde durch die 4. Änderungsverordnung der CLP-Verordnung ersatzlos gestrichen und
rungsverordnung der CLP-Verordnung gestrichen. Er ist hier nur für Restbestände aufgeführt.
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HINWEIS:
• In den Gefährlichkeitsgruppen pc-D und pc-E sind die Gefahrstoffe enthalten,
die auch ohne Luftsauerstoff zum Brand oder Explosion führen können. Auf-
grund der Komplexität im Einzelfall werden Sie in Schritt 4 direkt auf Beratung
verwiesen. Tätigkeiten mit diesen Gefahrstoffen können Sie aber über die
Schritte erfassen und dokumentieren. Weitere Hilfestellung erhalten Sie in
Schritt 4 unter Beratung.
Bitte notieren Sie unter Schritt 1 für den Stoff oder das Ge-
misch die höchste aus der Einstufung resultierende Gefährlich-
keitsgruppe.
Für alle Feststoffe, insbesondere Stäube und Mischstäube, für die keine Einstufung
vorliegt, ist grundsätzlich die Gefährlichkeitsgruppe pc-C zu wählen. Können Sie nach-
weisen, dass der Feststoff nicht brennbar und explosionsfähig ist, reicht die Gefähr-
lichkeitsgruppe pc-A aus. Nicht brennbare Feststoffe, sind z. B.: Sand, Gestein, Glas
oder gelöschter Kalk.
HINWEIS:
• Sind Sie sich nicht sicher, ob Ihr Staub explosionsfähig ist oder nicht, können
Sie durch ein anerkanntes Prüfinstitut seine sicherheitstechnischen Kenngrö-
ßen bestimmen lassen. Das kann besonders bei Mischstäuben mit unbekannter
Zusammensetzung hilfreich sein.
Ist der Gefahrstoff nicht explosionsfähig, aber brennbar, ist die Gefährlichkeitsgruppe
pc-A oder pc-B ausreichend. Bestimmen können Sie dies über die Brennzahl (BZ),
sie beschreibt das Entzündungs- und Brennverhalten (s. Tab. 3.4). Finden Sie keine
Angabe zur Brennzahl ist die höhere Gefährlichkeitsgruppe pc-B zu wählen. Sicher-
heitstechnische Kenngrößen wie die Brennzahl sind keine Konstanten, sondern hän-
gen von den Messbedingungen ab. Sie gelten in der Regel für atmosphärische Be-
dingungen (zwischen -20 °C und 60 °C sowie ein Druckbereich zwischen 0,8 bar und
1,1 bar).
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Eine Übersicht über die Zuordnung der Gefährlichkeitsgruppe bei nicht eingestuften
Gefahrstoffen liefert die Tab. 4.4.
Die Brennzahl und anderen Informationen zur Staubexplosionsfähigkeit sind nur selten
im Sicherheitsdatenblatt aufgeführt. Eine Hilfestellung bieten die folgenden Datenban-
ken:
Bitte notieren Sie unter Schritt 1 für Stäube ohne Einstufung die
resultierende Gefährlichkeitsgruppe.
26
Schritt 2: Mengengruppe
Brand- und Explosionsgefährdungen werden durch die Menge des verwendeten Ge-
der gehandhabten Menge während der Tätigkeit anhand der Tab. 4.5.
Feststoffe Flüssigkeiten
Foto: studiocasper/[Link]
Foto: adventtr/[Link]
Foto: Nerthuz/[Link]
Beachten Sie, dass nicht immer die gesamte vorhandene Menge des Gefahrstoffes
am Arbeitsplatz über die Mengengruppe entscheidet. Die Gruppe bezieht sich auf die
eingesetzte Stoffmenge pro Tätigkeit und Schicht. So ist das Abfüllen von 0,5 L einer
Flüssigkeit aus einem 30 L Kanister der Mengengruppe „klein“ zuzuordnen. Im Zwei-
felsfall sollten Sie jedoch eine höhere Mengengruppe verwenden.
Schritt 3: Freisetzungsgruppe
Zur Bestimmung der Freisetzungsgruppe benötigen Sie folgende Angaben:
1. Siedepunkt oder Dampfdruck
2. Staubungsverhalten des Gefahrstoffes
Bei flüssigen Gefahrstoffen, die bei Raumtemperatur (20 °C) verwendet werden,
ergibt sich die Freisetzungsgruppe aus dem Siedepunkt oder Dampfdruck des Gefahr-
stoffes (siehe Tab. 4.6). Mit sinkendem Siedepunkt bzw. steigendem Dampfdruck
steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine explosionsfähige Atmosphäre entsteht. Ist ein
Bereich angegeben, so wählen Sie den niedrigsten Siedepunkt oder höchsten Dampf-
druck aus.
Flüssigkeiten
Freisetzungs-
Raumtemperatur T ~ 20°C
gruppe (FG)
Siedepunkt Dampfdruck
Wenn die Tätigkeit mit einem Gefahrstoff bei einer anderen Anwendungs-
temperatur erfolgt, wird die Freisetzungsgruppe mit Hilfe des Diagramms (siehe Abb.
4.1) ermittelt. Alternativ können zur Einschätzung die Beziehungen der folgenden Ta-
belle 4.7 genutzt werden.
HINWEISE:
• Wässrige Lösungen, zum Beispiel haushaltsübliche Reinigungsmittel, weisen
eine geringe Flüchtigkeit auf. Damit sind alle Tätigkeiten mit diesen Lösungen
der Freisetzungsgruppe „niedrig“ zugeordnet, solange sie nicht versprüht wer-
den.
Freisetzungs-
gruppe Information zum Staubungsverhalten
HINWEISE:
• Bei einigen Tätigkeiten kann es zu feinem Staubabrieb kommen, zum Beispiel
durch das Fördern, Abwerfen oder Abkippen von Materialien. Da die hierbei
freigesetzten Stäube sehr fein sind, ist die Freisetzungsgruppe „hoch“ zu wäh-
len. Dies gilt besonders bei Arbeiten mit Granulat oder körnigen Substanzen.
Schritt 4: Maßnahmenfestlegung
Hierzu benötigen Sie die von Ihnen erhobenen Angaben aus den Schritten 1-3.
▪ Schritt 1: Gefährlichkeitsgruppe Brand und Explosion
▪ Schritt 2: Freisetzungsgruppe
▪ Schritt 3: Mengengruppe
Mit diesen Parametern schätzen Sie mit der Tab. 4.9 eine von drei Maßnahmenstufen
ab.
Freisetzungsgruppe
Gefährlich- Mengen-
keitsgruppe gruppe
NIEDRIG MITTEL HOCH
Bei Tätigkeiten mit geringem oder gar keinem Luftwechsel können schon ge-
ringe Mengen von brennbaren Flüssigkeiten eine explosionsfähige Atmosphäre bil-
den. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der verbleibende Luftsauerstoff
einen Brand oder eine Explosion auslösen kann. Aufgrund der hohen Gefährdung
ist hier die nächsthöhere Maßnahmenstufe umzusetzen. Zu Bereichen mit un-
genügendem Luftwechsel zählen u. a. Tanks, Apparate, Silos, das Innere von Rohr-
leitungen und von Abwasserbehandlungsanlagen, Auffangräume (Tanktassen),
Schächte, Gruben, Kanäle, Hohlräume/Hohlkörper in Bauwerken und Maschinen
(z. B. Schwimmergefäße), nicht ausreichend belüftete Räume, Räume unter Erdglei-
che, Container, Behälter oder Gruben.
Aus der Entscheidungstabelle können Sie mit diesen Informationen die Maßnahmen-
stufe leicht ablesen (siehe Tab. 4.10).
Freisetzungsgruppe
Gefährlich- Mengen-
keitsgruppe gruppe
NIEDRIG MITTEL HOCH
HINWEIS
• Achten Sie auf sichtbare Hand- oder Fußabdrücke. Eine gleichmäßige Staub-
schicht von weniger als 1 mm Schichtdicke reicht aus, um beim Aufwirbeln ei-
nen Raum vollständig mit einem explosionsfähigen Staub-Luft-Gemisch auszu-
füllen.
Schutzleit-
Titel
faden
HINWEIS:
• Empfehlenswert ist es, die Schutzleitfäden der Reihe 100 arbeitsbereichsbezo-
gen für den gesamten Betrieb umzusetzen und zu dokumentieren. Alle weiter-
führenden Maßnahmen sind nur wirksam, wenn ein guter Organisations- und
Hygienestandard im Betrieb etabliert ist.
34
Ist dies nicht oder nur begrenzt möglich, ist die Freisetzung der
Gefahrstoffe bzw. die Bildung explosionsfähiger Atmosphäre auf ein unbedenkliches
Maß zu reduzieren.
Hierzu sieht das Modul in der Maßnahmenstufe 2 eine Kombination von Schutzleitfä-
den vor:
HINWEIS:
• Maßnahmen des vorbeugenden Explosionsschutzes und erweiterten Brand-
schutzes sind immer notwendig, auch wenn keine wirksamen Zündquellen vor-
handen sind (Ausnahme: nicht explosionsfähige aber brennbare Stäube der
Gefährlichkeitsgruppen pc-A und pc-B, hier reichen erweiterte Brandschutz-
maßnahmen).
Schutzleit-
Titel
faden
HINWEIS:
• Wenn Sie sicherstellen können, dass durch das emissionsarme Arbeitsverfah-
ren
1. keine explosionsfähige Atmosphäre entsteht,
2. bei Ausfall der Lüftungseinrichtung die Tätigkeit eingestellt und
3. die Stofffreisetzung verhindert wird,
dann sind keine weiteren Explosionsschutzmaßnahmen erforderlich.
Nur in wenigen Fällen kann eine Absaugeinrichtung den Gefahrstoff vollständig erfas-
sen und somit eine explosionsfähige Atmosphäre verhindern. Deshalb enthält das Mo-
dul zusätzliche Vorgaben zum vorbeugenden Explosionsschutz und zur Zündquellen-
vermeidung. Die Schutzmaßnahmen zum vorbeugenden Explosionsschutz sind im
Schutzleitfaden pc-280 für alle Tätigkeiten zusammengefasst. Spezifische Schutzleit-
fäden zur Zündquellenvermeidung enthält die Reihe pc-28x, in denen in Abhängigkeit
von der Tätigkeit und der Gefahrstoffeigenschaft die Schutzmaßnahmen beschrieben
sind. Dabei nutzen sie die Zoneneinteilung als Hilfsmittel, um zum Beispiel die zu ver-
wendende Gerätekategorie nach der Richtlinie 2014/34/EU auszuwählen (Tab. 4.13).
In Abhängigkeit von der Bildung explosionsfähiger Atmosphäre und deren Häufigkeit
wird dabei im Zonenkonzept zwischen drei Zonen unterschieden, der je eine Geräte-
kategorie zugeordnet ist.
Die Zoneneinteilung ist jedoch kein verpflichtendes Kriterium um die verwendeten Ar-
beitsgeräte einer Gerätekategorie zuzuordnen. Dies kann auch ohne sie geschehen.
36
HINWEISE:
• Die höchste Oberflächentemperatur des Betriebsmittels muss stets kleiner sein,
als die Zündtemperatur des Gefahrstoffes. Das können Sie bei Gasen und
Dämpfen mit Hilfe von Temperaturklassen (T1-T6) ermitteln. Bei Stäuben wird
eine Oberflächen-Grenztemperatur angegeben. Die Temperaturklasse ist in der
Kennzeichnung des Betriebsmittels angegeben. Weitere Hinweise finden Sie
im Anhang 1 zur Zündquellenvermeidung.
• Eine weitere Gerätekennzeichnung ist der IP-Code. Die Abkürzung IP steht für
International Protection. Die IP-Schutzarten beschreiben den Schutzgrad des
Gehäuses gegen Berührung, Fremdkörper und Wasser. So steht z. B. der Code
IP 6 für vollständigen Schutz gegen Berührungen mit Staub.
Liegt kein spezifischer Schutzleitfaden vor, finden Sie im Anhang 1 eine weitere Hilfe-
stellung zum Identifizieren und Vermeiden von potentiellen Zündquellen und ihrer
Wirksamkeit. Eine Zoneneinteilung können Sie mit Hilfe der Beispielsammlung der
„DGUV Regel 113-001 Explosionsschutzregeln“ oder anderen spezifischen Regeln
der Unfallversicherungsträger vornehmen.
37
HINWEISE:
• Die Zoneneinteilung ist ein Hilfsmittel, das bei stationären Arbeitsmitteln, wie
z. B. einem Rührkessel, sehr gut geeignet ist. Bei nicht stationären Arbeiten,
wie z. B. Teppichklebearbeiten mit einer Dauer von 30 Minuten, die einmal im
Jahr durchgeführt werden, ist eine Zoneneinteilung aufgrund von unterschiedli-
chen Auslegungsmöglichkeiten nicht immer hilfreich.
• Wählen Sie beispielsweise eine Dauer von 30 Minuten als Einstieg, fallen Sie
in die Zone 0 und erhalten die Gerätekategorie 1G. Wählen Sie eine 30minütige
Dauer und berücksichtigen dabei die Häufigkeit von einmal jährlich fallen Sie in
die Zone 2 und gelangen in die Gerätekategorie 3G. Empfohlen werden aber
für diese Tätigkeiten explosionsgeschützte Geräte der Kategorie 2G.
• Bei Verwendung von Gasen müssen die explosionsgeschützten Geräte die An-
forderungen für die Explosionsgruppen IIA, IIB oder IIC erfüllen. Wobei die Eig-
nung für IIC dem höchsten Sicherheitsgrad entspricht.
Feuerarbeiten
Können Sie Zündquellen nicht ausschließen bzw. sind Feuerarbeiten wie Schweiß-,
Schneid-, Löt-, Abtrennarbeiten mit offener Flamme notwendig, muss die Bildung ex-
plosionsfähiger Atmosphäre sicher verhindert werden. Hier kann es erforderlich wer-
den, dass Behälter und Rohrleitungen frei gespült werden müssen und angrenzende
Tätigkeitsbereiche durch nicht brennbare Stellwände abgetrennt werden. Dies sollte
mittels eines Freigabeverfahrens geregelt und sichergestellt werden. Bei Unsicherheit
können Sie mit Hilfe einer Konzentrationsmessung das Vorhandensein einer explosi-
onsfähigen Atmosphäre messen und ermitteln, ob die untere Explosionsgrenze sicher
unterschritten ist. Besteht keine Gefahr einer explosionsfähigen Atmosphäre, dürfen
die Tätigkeiten mit Zündquellen ausgeführt werden. Die Konzentrationsmessgeräte
müssen auf die Stoffe der möglichen explosionsfähigen Atmosphäre abgestimmt sein
und sind stoffspezifisch zu beschaffen.
HINWEIS:
• Die handelsüblichen Konzentrationsmessgeräte sind vorwiegend für Methan,
Propan und Nonan vorkalibriert erhältlich. Es gibt aber auch Kalibrierungen für
viele andere Gefahrstoffe. Die Anschaffungskosten solch eines Gerätes stehen
in keinem Verhältnis zum möglichen Schutz der Beschäftigten und der Sachgü-
ter und sollten bei Unsicherheit genutzt werden.
Liegen im Betrieb ständige Schweißarbeitsplätze vor oder werden nicht nur bei War-
tung Feuerarbeiten durchgeführt, sind die Brandschutzmaßnahmen auf Dauer adä-
quat zu erhöhen, mindestens entsprechend der Maßnahmenstufe 2 – Schutzleitfaden-
reihe 200.
• Hohe Brandschutzmaßnahmen
• Geschlossenes System
• Konstruktiver Explosionsschutz
• Anlagenbezogen oder tätigkeitsspezifische Zündquellen-
vermeidung mit erhöhter Sicherheit
Die Schutzleitfäden für den Brand- und Explosionsschutz sind
hier noch in der Entwicklung. Der Schutzleitfaden pc-370 be-
schreibt die Grundanforderungen an hohe Brandschutzmaßnahmen. Zum Schutz vor
hohen Brandgefährdungen sind in Maßnahmenstufe 3 besondere Maßnahmen des
baulichen, technischen und abwehrenden Brandschutzes wie z. B. feuerfeste Bau-
weise oder selbsttätige Lösch- und Brandmeldeanlagen umzusetzen
Das Modul Brand und Explosion empfiehlt in dieser Maßnahmenstufe das geschlos-
sene System zu etablieren. Entsprechend der emissionsmindernden Maßnahmen
schützt das geschlossene System auch vor Gefährdungen durch das Einatmen von
Gefahrstoffen und es ist dort in der Maßnahmenstufe 3 bereits durch Schutzleitfäden
etabliert. Sie können diese hier ebenfalls nutzen.
HINWEIS:
• Die Maßnahme Inertisierung führt zur sicheren Vermeidung einer brennbaren
und explosionsfähigen Atmosphäre in geschlossenen Systemen, jedoch ist der
damit verbundene Aufwand nicht zu unterschätzen.
Für den Fall, dass die Inertisierung nicht wirksam ist oder bei Wartungsarbeiten nicht
umgesetzt werden kann, werden Brand- und Explosionsschutzmaßnahmen notwen-
dig. Sie beginnen dann mit einer anlagenbezogenen Zündquellenvermeidung. Bei-
spiele hierfür sind die Vermeidung elektrostatischer Entladungen in Rohrleitungen und
die Zündquellenfreiheit in Abhängigkeit der sich bildenden explosionsfähigen Atmo-
sphäre um Behälter- und Rohrleitungsöffnungen herum. Maßgeblich für die festzule-
genden Schutzmaßnahmen ist die gefährlichste Tätigkeit.
HINWEIS:
• Legen Sie Gefährdungen, die die gleichen Schutzmaßnahmen erfordern, in ei-
nem Arbeitsbereich zusammen. Das gilt besonders für bauliche und technische
39
Ergibt sich bei der Bewertung einer Tätigkeit die Maßnahmenstufe 3, die nicht in einem
geschlossenen System durchgeführt werden kann, ist die Vermeidung von Explosi-
onsgefährdungen durch tätigkeitsspezifische Zündquellenvermeidung mit erhöhter Si-
cherheit umzusetzen.
Zur Umsetzung dieser Schutzstufe ist eine hohe Expertise notwendig und kann in der
Regel nicht ohne externe Beratung durchgeführt werden. Anhaltspunkte zur Maßnah-
menfindung erhalten Sie im Technischen Regelwerk und in den Handlungsempfehlun-
gen der Berufsgenossenschaften und Länder.
4.5 Beratung
Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, die auch ohne Luft explosionsfähig oder -gefährlich sind,
führen zu sehr hohen Brand- und Explosionsgefährdungen. Hier müssen Sie zusätz-
lich die Anforderungen aus dem Sprengstoffgesetz und der Gefahrstoffverordnung be-
achten. Die Gefahrstoffverordnung enthält im Anhang III, Nr. 2 spezielle Anforderun-
gen zu Tätigkeiten mit Organischen Peroxiden und im Anhang I, Nr. 5 zu Ammonium-
nitrat.
HINWEIS:
• Lagerung und Verkauf von pyrotechnischen Gegenständen sind Tätigkeiten mit
Explosivstoffen und unterliegen dem Sprengstoffgesetz und der Gefahrstoffver-
ordnung.
HINWEIS:
• Alle Schutzleitfäden finden Sie unter: [Link]/DE/Themen/Arbeits
gestaltung-im-Betrieb/Gefahrstoffe/EMKG/[Link]
Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Schutzmaßnahmen wirksam sind, ist das
Einhalten der grundsätzlichen Anforderungen an die Organisations- und Hygienestan-
dards im Betrieb. Deshalb sollten Sie diese regelmäßig prüfen.
HINWEIS:
• Lagert sich Staub auf elektrischen Betriebsmitteln ab, kann diese Staubschicht
durch ihre wärmedämmende Wirkung zu einem Anstieg der Oberflächentem-
peratur und bei Erreichen der Glimmtemperatur zur Zündung führen. Bei den
Reinigungsarbeiten ist zu beachten, dass die eingesetzten Reinigungsgeräte
selber keine Explosion verursachen dürfen. Diese Gefahr besteht beispiels-
weise bei nicht explosionsgeschützten Staubsaugern. Selbst auf den ersten
Blick harmlose Stoffe wie Mehl oder Holzstaub, können unerwartet beim Reini-
gen explodieren.
Verwenden Sie explosionsgeschützte Arbeitsmittel. Achten Sie darauf, dass sie diese
entsprechend Ihrer Zündquellenfreiheit und der Zoneneinteilung einsetzen.
Damit der notwendige Schutz sichergestellt werden kann, sind technische Schutzein-
richtungen, z. B. raumlufttechnische Anlagen (RLT) oder Absauganlagen, regelmäßig
auf Funktion und Wirksamkeit zu prüfen. Hierzu gehört das Überwachen von Sollwer-
ten (z. B. von Volumenströmen, Luftgeschwindigkeit) unter Beachtung von Hersteller-
angaben oder technisch erfassbarer Störeinflüsse wie z. B. Querströmungen. Die
Überprüfung muss nach Gefahrstoffverordnung regelmäßig, mindestens jedoch im 3-
Jahres-Abstand erfolgen; bei Einrichtungen zum Abscheiden, Erfassen und Nieder-
schlagen von Stäuben mindestens jährlich. Das Ergebnis der Prüfungen müssen Sie
dokumentieren.
• eine einschlägige technische Berufsausbildung oder eine andere für die vorge-
sehenen Prüfungsaufgaben ausreichende technische Qualifikation
• mindestens eine einjährige Erfahrung mit der Herstellung, dem Zusammenbau,
dem Betrieb oder der Instandhaltung der zu prüfenden Anlagen oder Anlagen-
komponenten in Bezug auf Explosionsschutz
• hat Kenntnisse über Explosionsgefährdungen durch Teilnahme an Schulungen
oder Unterweisungen und hält diese auf aktuellem Stand.
Wenn Geräte, Schutzsysteme oder Sicherheits-, Kontroll- oder Regelvorrichtungen ei-
ner Gerätekategorie der Richtlinie 2014/34/EU unterliegen (siehe Tab. 4.13), sind
diese vor Inbetriebnahme, nach prüfpflichtigen Änderungen und nach Instandsetzung
und durch wiederkehrende Prüfung durch eine befähigte Person zu prüfen. Diese be-
nötigt eine behördliche Anerkennung und einer der Prüfaufgabe entsprechenden Qua-
lifikation. Außerdem verfügt sie über die für die Prüfung erforderlichen Prüfeinrichtun-
gen. Diese Prüfung kann nach der Instandsetzung durch den Hersteller durchgeführt
werden. Der Hersteller muss bestätigen, dass das Gerät, das Schutzsystem oder die
Sicherheits-, Kontroll- oder Regelvorrichtung in den für den Explosionsschutz wesent-
lichen Merkmalen den Anforderungen dieser Verordnung entspricht.
Darüber hinaus können weitere Prüfungen innerhalb der einzelnen Bundesländer be-
nötigt werden. In Nordrhein Westfalen sind Prüfungen gemäß der Verordnung über die
Prüfung technischer Anlagen und wiederkehrende Prüfungen von Sonderbauten –
Prüfverordnung (PrüfVO NRW) von einem Prüfsachverständigen durchzuführen. Ent-
sprechend des § 1 der PrüfVO NRW müssen Sie hier u. a. lüftungstechnische Anlagen,
CO-Warnanlagen, elektrische Anlagen in Sonderbauten und Brandschutzeinrichtun-
gen wie z. B. ortsfeste Feuerlöschanlagen oder Rauchabzugsanlage von Prüfsachver-
ständigen prüfen lassen. Die Prüfung der Anlagen muss vor erster Inbetriebnahme,
43
Die verschiedenen Prüfarten und -fristen sowie die Anforderungen an die verantwort-
lichen Prüfer sind vom Arbeitgeber festzulegen. Am besten ist dies in einem Plan zu
dokumentieren und in die Gefährdungsbeurteilung oder dem Explosionsschutzdoku-
ment zu integrieren.
44
Das Modul Brand und Explosion hat die Anforderungen zur Zündquellenvermeidung
für die Tätigkeiten „Umfüllen von Flüssigkeiten“ und „Lackierarbeiten“ bereits in ent-
sprechenden Schutzleitfäden der 200er Reihe aufbereitet. Für andere Tätigkeiten gibt
es zurzeit keine Schutzleitfäden. Um dem Anwender dennoch eine Hilfestellung zum
Identifizieren und Ausschließen von effektiven Zündquellen an die Hand zu geben,
sind folgend die häufigsten Zündquellen aufgeführt.
Jedoch ist die Zoneneinteilung nur ein Hilfsmittel für den Brand- und Explosionschutz.
Explosionsfähige Atmosphäre kann auch auftreten, wenn keine Zoneneinteilung ge-
macht wurde. Daher ist es wichtig, durch die richtige Kombination von Maßnahmen die
Zündung explosionsfähiger Atmosphäre zu vermeiden.
HINWEIS
Es müssen keine Zündquellen betrachtet werden, deren Zündenergie zur Zündung zu
klein ist.
45
Bei Stäuben ist zu beachten, dass die Zündfähigkeit abhängig von der Korngrößen-
verteilung und dem Wassergehalt ist. Die Korngrößenverteilung gibt die durchschnitt-
liche Größe der Staubkörner an. Prinzipiell gilt, je größer diese sind, desto geringer ist
die Wahrscheinlichkeit der Bildung eines explosionsfähigen Staub-Luft-Gemisches.
Besonders kritisch sind Stäube mit einer Korngröße < 0,5 mm. Hingegen bilden Stäube
mit einer Korngröße > 1 mm keine explosionsfähigen Staub-Luft-Gemische.
Des Weiteren gilt: je feuchter ein Staub ist, desto weniger staubexplosionsfähig ist er.
Die sicherheitstechnischen Kenngrößen sind daher auch abhängig von den Feuchte-
gehalten. Deshalb ist das Befeuchten von Stäuben eine wirksame emissionsmin-
dernde Schutzmaßnahme. Diese Maßnahme eignet sich für den Transport und für be-
stimmte Arbeitsverfahren.
Heiße Oberflächen
Die Zündfähigkeit einer heißen Oberfläche kann über die Mindestzündenergie und –
temperatur der Gefahrstoffe, die die explosionsfähige Atmosphäre bilden, beurteilt
werden.
Besonders gefährlich sind heiße Oberflächen in der Gegenwart von brennbaren Stäu-
ben, die nach EMKG mindestens eine mittlere Freisetzung aufweisen und eine Min-
destzündtemperatur < 600 °C oder eine Mindestzündladung < 10 kJ haben. Kommt
ein solches Staubgemisch in Kontakt mit einer heißen Oberfläche, kann es zur Staub-
explosion kommen. Abgelagerter Staub kann sich entzünden und so als Zündquelle
für eine explosionsfähige Atmosphäre fungieren.
46
Bei Gasen und Dämpfen gilt allgemein, dass die Oberflächentemperatur der einge-
setzten Betriebsmittel kleiner sein muss als die Zündtemperatur der explosionsfähigen
Atmosphäre, die mit ihr in Kontakt steht. Zur Vereinfachung werden Betriebsmittel in
Temperaturklassen eingeteilt.
Anh. 1, Tab. 2 Übersicht über die Temperaturklassen und die maximal anzuwen-
dende Oberflächentemperatur
Flammen zählen zu den wirksamsten Zündquellen, da sie immer sehr hohe Tempera-
turen von mindestens 400 °C aufweisen. Daher sind sie ohne andere Schutzmaßnah-
men in allen Zonen verboten. Dies muss vor allem bei Instandhaltungs- oder Feuer-
arbeiten mit Bunsenbrennern, Feuerzeugen oder Schweiß- und Schneidgeräten be-
rücksichtigt werden.
gen unter Beteiligung von Rost und Leichtmetallen entstehen. Typische Beispiele hier-
für sind das Öffnen von Behältern, mechanische Trennarbeiten und Schleifvorgänge.
Durch die Verwendung von ATEX-Geräten (nach EU-Richtlinie 2014/34/EG) und dem
Verbot von Werkzeug, deren Tätigkeit das Auftreten einzelner Funken bedingt, in den
Zonen 0/20 kann das Risiko einer Zündung der explosionsfähige Atmosphäre mini-
miert werden. Hierzu zählen Schraubendreher, -schlüssel und Schlagschrauber.
Werkzeuge wie Trenn- oder Winkelschleifer, die einen konstanten Funkenregen abge-
ben, sollten in keiner Zone verwendet werden.
Statische Elektrizität
Die Entladung statischer Elektrizität kann zur Entzündung einer explosionsfähigen At-
mosphäre führen. Prominentestes Beispiel hierfür ist die Entladung aufgeladener oder
isoliert angeordneter leitfähiger Teile oder Personen. Diese Entladung tritt insbeson-
dere bei Um- oder Abfüllvorgängen, Schüttgüterentladungen oder schnellen Trennvor-
gängen, wie dem Abziehen von Folie auf. Allerdings kann auch das Mischen von Stof-
fen zu einer elektrischen Entladung führen.
Entscheidend für die Wirksamkeit dieser Zündquelle sind die Mindestzündenergien der
Gefahrstoffe sowie die Zündempfindlichkeit bei Stäuben.
In den Zonen ist darauf zu achten, dass keine isolierten Materialien verwendet
werden und ableitfähige Materialen immer geerdet sind.
HINWEIS
Bei Stäuben sind Büschelentladungen unkritisch.
48
Elektrische Anlagen
Bei der Verwendung ungeschützter elektrischer Geräte und Anlagen können heiße
Oberflächen durch induktive Erwärmung auftreten oder Funken abgegeben werden,
welche eine explosionsfähige Atmosphäre zünden können. Auslöser dieser Zündquel-
len können auch Kurzschlüsse oder Wackelkontakte sein. Daher sollten in den Zonen
nur solche Geräte Verwendung finden, die nach der Richtlinie 2014/34/EU vorgegeben
sind (Anh. 1, Tab. 1).
Dabei sind die angegebenen Geräteklassen nur Mindestanforderungen für die Zonen.
Geräte mit höheren Anforderungen können auch in weniger kritischen Zonen einge-
setzt werden. Beispielsweise können Geräte der Kategorie 1G/1D auch in den Zonen
1/21 oder 2/22 verwendet werden. Liegen hybride explosionsfähige Gemische aus
brennbaren Gasen, Nebeln und Stäuben vor, ist zu überprüfen, ob der Schutzgrad von
Geräten der Kategorie D ausreichend ist oder spezielle Geräte genutzt werden müs-
sen.
Chemische Reaktionen
Bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen müssen zur Zündquellenvermeidung immer die mög-
lichen Reaktionen mit anderen verwendeten Stoffen oder sogar sich selbst berücksich-
tigt werden. Typische Beispiele hierfür sind exotherme Reaktionen von Gefahrstoffen
untereinander, wenn sie vermischt werden oder die Selbstentzündung oder –erhitzung
eines Stoffes. Auch die Verdünnung von Säuren kann problematisch sein, wie die Ver-
dünnung von Salpeter- oder Flusssäure in Metallgefäßen.
Bei wie folgt eingestuften Gefahrstoffen sollten sie die Möglichkeit von chemischen
Reaktionen in Betracht ziehen: H242; H260; H261; H271; H272; bzw. ehemals R6; R7;
R8; R9; R14; R14/15; R15; R15/29; R16.
Weitere Zündquellen
Ionisierende Strahlung
z. B. Röntgenröhren, radioaktive Stoffe
Ultraschall
z. B. Ultraschallmess- und Prüfgeräte, Ultraschallbohrer, Schneidgeräte
HINWEIS:
Weitere nützliche Informationen zu Zündschutzarten, der International Protection (IP)
Schutzartkennzeichnung und der Explosionsschutzkennzeichnung kann auf der Inter-
netseite der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) nachgelesen werden:
[Link]
50
Sind die Explosionsgefährdungen komplexer und nutzen Sie Anlagen, in denen die
Explosionsgefährdungen auftreten, kann es sinnvoll sein, ein Explosionsschutzdoku-
ment zu erstellen. Hierfür können Sie z. B. die Gliederung des Leitfadens zur Explosi-
onsschutzrichtlinie 1999/92/EG nutzen.
Zusätzlich sind die prüfpflichtigen Geräte und Sicherheitseinrichtungen und deren re-
gelmäßige Prüfungen zu dokumentieren.
Im Folgenden finden Sie eine Mustergliederung der Dokumentation und eine Doku-
mentationsvorlage für Ihre Beurteilung. In den eckigen Klammern finden Sie Hinweise
darauf, wo Sie im Modul die benötigten Informationen einbringen bzw. dokumentieren
können.
51
Dokumentationsvorlage
Beispiel: Erstellen einer Farbmischung mit Goldbronzepulver (Dokumentation von Feststoffen zusätzlich zu den Schutzleitfäden)
Staubungsverhalten; Siede-
Betriebsbereich schreibung
tenblatt mög-
Gefährlichkeitsgruppe
punkt; Dampfdruck
Feststoffangaben
lich
Flammpunkt
NIEDRIG
MITTEL
H-Satz
Menge
HOCH
mittel
klein
groß
1
Farbmischung Zugabe der
grobkörniger Feststoff
pulver gemisch möglich
Lackiererei werk
500 mg
pc-C
228
X
53
Prüfmittel
Prüfung
Verantwortlicher
z. B. Schutzleitfä- Prüfintervall Prüfergebnis
Erledigt am
# mögliche Zündquellen, Wechselwirkungen von Maßnahmen
den, Checklisten, /
sicherheitstechnische (z. B. aus SDB Ab- inklusive
Geräteprüfung (be- Nächste Prü- Verweis auf Doku-
Kenngrößen schnitt 10) aller Geräte und Schutzsys-
fähigte Person/ fung ment möglich
teme
ZÜS)
Max Muster-
Reaktionen und Freisetzung minimiert
20.11. 2013
- Pulverlöscher mit Metall-
• 100 Jährlich
mann
1 • Rührwerkmotor Zersetzungspro- brandpulver durch anderen
- Minimierung der Staub- • 101 20.11.2014
• Fehlhandlung
dukte bekannt. bildung durch Flakes • 110 Aggregatzustand
• Funkenschlag
ohne Feinabrieb • pc-170
54
Beispiel: Fassbefüllung mit Fasspumpe (Dokumentation von Flüssigkeiten zusätzlich zu den Schutzleitfäden)
Staubungsverhalten; Siede-
Betriebsbereich schreibung
tenblatt mög-
Gefährlichkeitsgruppe
punkt; Dampfdruck
Feststoffangaben
lich
Flammpunkt
NIEDRIG
MITTEL
H-Satz
Menge
HOCH
mittel
klein
groß
2
Fassbefüllung
Fassbefüllung/ Druck-chemi-
1 mittels Fass-
Abfüllbereich kalie
Siedepunkt: 80 °C
pumpe
225, 319, 336
15 °C
pc-C
50 L
X
X
55
Prüfung Prüfmittel
Verantwortlicher
Prüfintervall Prüfergebnis
Erledigt am
mögliche Zündquellen, Wechselwirkungen von Maßnahmen z. B. Schutzleitfäden,
/
sicherheitstechnische (z. B. aus SDB Ab- inklusive Checklisten,
Nächste Prü- Verweis auf Doku-
Kenngrößen schnitt 10) aller Geräte und Schutzsys- Geräteprüfung (befä-
fung ment möglich
teme higte Person/ZÜS)
Schutzleitfaden:
Ungeschützte elektri- Grundmaßnahmen • 100
Keine gefährlichen • 101
Schaumlöscher Brand-
Max Mustermann
sche Geräte, •
Reaktionen und klasse B • 110
20.11.2013
• statische Elekt- • Lösungsmittel geeignete • pc-170 Prüfprotokoll der
1 rizität Zersetzungspro- • pc-270 20.11.2016
Fasspumpe ZÜS
• heiße Oberflä- dukte bekannt. • Explosionsgeschützte • pc-280
chen (> 300 °C) elektrische Einrichtun- • pc-281 (Zonen-
• Temperatur- gen im Umkreis von einteilung mit
klasse T2 1,5m um Fasspumpe Absaugung)