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GD 65

Der EMKG-Leitfaden Modul Brand und Explosion bietet eine strukturierte Vorgehensweise zur Einschätzung von Brand- und Explosionsgefährdungen am Arbeitsplatz, indem er die gefährlichen Eigenschaften von Gefahrstoffen mit der Wahrscheinlichkeit eines Vorfalls verknüpft. Er umfasst drei Maßnahmenstufen, die von grundlegenden Mindestanforderungen bis hin zu Expertenberatung reichen, und unterstützt Anwender bei der Ableitung geeigneter Schutzmaßnahmen. Das Modul ist Teil des Einfachen Maßnahmenkonzepts Gefahrstoffe (EMKG) der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).

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Andreas Müller
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Der EMKG-Leitfaden Modul Brand und Explosion bietet eine strukturierte Vorgehensweise zur Einschätzung von Brand- und Explosionsgefährdungen am Arbeitsplatz, indem er die gefährlichen Eigenschaften von Gefahrstoffen mit der Wahrscheinlichkeit eines Vorfalls verknüpft. Er umfasst drei Maßnahmenstufen, die von grundlegenden Mindestanforderungen bis hin zu Expertenberatung reichen, und unterstützt Anwender bei der Ableitung geeigneter Schutzmaßnahmen. Das Modul ist Teil des Einfachen Maßnahmenkonzepts Gefahrstoffe (EMKG) der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).

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EMKG - Leitfaden

Modul Brand und Explosion

baua: Bericht
Forschung
Projekt F 2265

I. Schweitzer-Karababa
A. Wilmes
T. Wolf
K. Wiechen
M. Berghaus

EMKG-Leitfaden
Modul Brand und Explosion

3., überarbeitete Auflage 2020


Dortmund/Berlin/Dresden
Diese Veröffentlichung ist der Abschlussbericht zum Projekt „Feldstudie zu einem zu-
künftigen Modul Brand- und Explosionsgefährdung für das Einfache
Maßnahmenkonzept Gefahrstoffe (EMKG)“ − Projekt F 2265 – der Bundesanstalt für
Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Autoren: Dipl.-Ing. Iris Schweitzer-Karababa


Dipl.-Ing. Annette Wilmes
Dr.-Ing. Torsten Wolf
Katharina Wiechen, M. Sc.
Dr. rer. nat. Melanie Berghaus
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Titelfoto: michaelz86/[Link]

Umschlaggestaltung: Susanne Graul


Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Herstellung: Düssel-Druck & Verlag GmbH, Düsseldorf

Herausgeber: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)


Friedrich-Henkel-Weg 1 – 25, 44149 Dortmund
Postanschrift: Postfach 17 02 02, 44061 Dortmund
Telefon 0231 9071-2071
Telefax 0231 9071-2070
E-Mail info-zentrum@[Link]
Internet [Link]

Berlin: Nöldnerstraße 40 – 42, 10317 Berlin


Telefon 030 51548-0
Telefax 030 51548-4170

Dresden: Fabricestraße 8, 01099 Dresden


Telefon 0351 5639-50
Telefax 0351 5639-5210

Die Inhalte der Publikation wurden mit größter Sorgfalt


erstellt und entsprechen dem aktuellen Stand der Wissen-
schaft. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der
Inhalte übernimmt die BAuA jedoch keine Gewähr.

Nachdruck und sonstige Wiedergabe sowie Veröffentlichung,


auch auszugsweise, nur mit vorheriger Zustimmung der Bun-
desanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

ISBN 978-3-88261-265-3 (Print)


doi:10.21934/baua:bericht20200402.3 (online)

[Link]/dok/8657296
Inhaltsverzeichnis

Seite

1 Einleitung ..................................................................................................... 5

2 Zusammenfassung ....................................................................................... 6

3 Hintergrundinformationen zum EMKG-Modul Brand und Explosion............. 7


3.1 Regelkonformität 7
3.2 Vorausgesetzte Kenntnisse von Anwendern 7
3.3 Tätigkeiten mit besonderer Brand- oder Explosionsgefährdung 8
3.4 Branchen mit besonderer Brand- oder Explosionsgefährdung 9
3.5 Wann können keine oder nur bedingt Maßnahmen abgeleitet werden? 9
3.6 Wie entstehen Brände und Explosionen? 10
3.7 Entwicklung des EMKG-Modul Brand und Explosion 11
3.7.1 Verlässliche Informationen ........................................................................ 11
3.7.2 Allgemeine Vorgehensweise ..................................................................... 11
3.7.3 Beurteilen von brennbaren Flüssigkeiten und Stäuben ............................. 13
3.7.4 Beurteilen von selbstzersetzlichen Stoffen und organischen Peroxiden .. 15
3.7.5 Beurteilen von starken Oxidationsmitteln .................................................. 17
3.7.6 Beurteilen von chemischen Reaktionen als Zündquelle ............................ 17

4 Das EMKG-Modul Brand und Explosion .................................................... 20


Schritt 1: Gefährlichkeitsgruppe Brand und Explosion 23
Schritt 2: Mengengruppe 26
Schritt 3: Freisetzungsgruppe 27
Schritt 4: Maßnahmenfestlegung 29
4.1 Beispiel zur Maßnahmenfestlegung 32
4.2 Reihe 100 = Maßnahmenstufe 1 = Schutzleitfäden 1xx 33
4.3 Reihe 200 = Maßnahmenstufe 2 = Schutzleitfäden 2xx 34
4.4 Reihe 300 = Maßnahmenstufe 3 = Schutzleitfäden 3xx 38
4.5 Beratung 39
Schritt 5: Wirksamkeitsprüfung Brand und Explosion 41

Anhang 1 Hilfestellung zur Zündquellenidentifizierung und -vermeidung ............... 44

Anhang 2 Dokumentation der Explosionsgefährdungen nach


§ 6 Absatz 9 GefStoffV .......................................................................... 50
5

1 Einleitung

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) unterstützt seit 2005
Personen, die im Arbeitsschutz tätig sind, mit dem Einfachen Maßnahmenkonzept Ge-
fahrstoffe (EMKG). Ziel ist es, EMKG-Anwendern beim Umgang mit Gefahrstoffen ge-
eignetes Werkzeug zum Einschätzen von Gefährdungen und Auswählen angemesse-
ner Schutzmaßnahmen an die Hand zu geben. Hierzu werden leicht zugängliche In-
formationen aus Sicherheitsdatenblättern und Betriebsbegehungen genutzt und mit
den systematischen Maßnahmenempfehlungen des EMKG verknüpft. Ein konkretes
Hilfsmittel bieten die Schutzleitfäden. Als zweiseitige Checklisten helfen sie, Basis-
maßnahmen für den Arbeitsplatz umzusetzen. Für Tätigkeiten mit höheren Gefährdun-
gen gibt es spezifische Schutzleitfäden, die auf diese Basis aufbauend weitere Maß-
nahmen beschreiben. Zum Ableiten von adäquaten Schutzmaßnahmen für Gefähr-
dungen durch Einatmen und Hautkontakt kann der EMKG-Anwender bereits auf ein
breites Spektrum von EMKG-Produkten zugreifen.

Das aktuelle Modul Brand und Explosion wird hier vorgestellt. Grundlage für Modul
und Schutzleitfäden sind die Technischen Regeln aus dem Gefahrstoff-, Betriebssi-
cherheits- und Arbeitsstättenrecht.
6

2 Zusammenfassung

Das EMKG-Modul Brand und Explosion verknüpft zur Einschätzung der Gefährdung
die gefährliche Eigenschaft des Gefahrstoffes mit der Wahrscheinlichkeit, dass ein
Brand oder eine Explosion entstehen kann. Geeignete Parameter zur Einschätzung
sind die Einstufung, Angaben zur Staubexplosionsfähigkeit, das Freisetzungsverhal-
ten und die eingesetzte Menge. Dabei sind die Parameter für das Freisetzungsverhal-
ten und für die verwendete Gefahrstoffmenge die gleichen, die zur Gefährdungsein-
schätzung beim Einatmen von Gefahrstoffen genutzt werden.

Die Maßnahmenempfehlungen sind in Abhängigkeit von der Höhe der Gefährdung ei-
ner von drei Maßnahmenstufen zugeordnet. In besonderen Fällen ist „Beratung“ erfor-
derlich. Die erste Stufe enthält Mindestanforderungen an Lüftung, Organisations- und
Hygienemaßnahmen, Brandschutzmaßnahmen sowie an das Lagern und Bereitstellen
von Gefahrstoffen. Als guter Organisations- und Hygienestandard sind diese immer
umzusetzen. Alle weiteren zusätzlichen Maßnahmen sind nur wirksam, wenn sie auf
diesen Mindestanforderungen aufbauen können.

In der zweiten Stufe empfiehlt das Modul erweiterte Brandschutzmaßnahmen. Für den
Explosionsschutz ist die Bildung von explosionsfähiger Atmosphäre durch emissions-
mindernde Maßnahmen zu reduzieren. Die restliche Gefährdung wird durch Schutz-
maßnahmen zur Zündquellenvermeidung weiter minimiert. Bisher wurden spezifische
Schutzleitfäden für Tätigkeiten mit brennbaren Flüssigkeiten entwickelt. Für staubende
Tätigkeiten sind grundsätzliche Maßnahmenempfehlungen im Schutzleitfaden „Staub-
arbeitsplätze“ beschrieben.

Bei hohen Brand- und Explosionsgefährdungen verweist das Modul auf die Maßnah-
menstufe 3 oder direkt auf Expertenberatung. Gefahrstoffe, die ohne Luft explosions-
fähig sind, wie z. B. selbstzersetzliche Stoffe, organische Peroxide und Sprengstoffe
führen direkt in die Expertenberatung.

Sind die beschriebenen Schutzmaßnahmen nicht umsetzbar oder existiert kein


Schutzleitfaden, können die Technischen Regeln und andere Handlungs-empfehlun-
gen, insbesondere der Unfallversicherungsträger und Länder, ergänzend herangezo-
gen werden.

Interessierte EMKG-Anwender sind eingeladen, ihre Erfahrungen mit dem neuen Mo-
dul dem Projektteam mitzuteilen.
7

3 Hintergrundinformationen zum EMKG-Modul


Brand und Explosion

3.1 Regelkonformität
Bereits seit 1996 fordert das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) das Beurteilen aller Ge-
fährdungen am Arbeitsplatz. Seit 2005 wird dies für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen in
der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) für Gesundheits-, Brand- und Explosionsge-
fährdungen umgesetzt.

Weiter konkretisiert werden diese Anforderungen in den Technischen Regeln für Ge-
fahrstoffe (TRGS) und in den Technischen Regeln der Betriebssicherheit (TRBS). Die
grundsätzliche Vorgehensweise der Gefährdungsbeurteilung bei Gefahrstoffen wird in
der TRGS 400 „Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“ beschrie-
ben. Seit 2010 beurteilt die TRGS 800 „Brandschutzmaßnahmen“ Brandschutzgefähr-
dungen und führt zu notwendigen Brandschutzmaßnahmen. Weitere technische Re-
geln enthalten eine Anleitung zur Beurteilung von Explosionsgefährdungen (TRGS
721/TRBS 2152 Teil 1) und zum Vermeiden bzw. Einschränken der Bildung gefährli-
cher, explosionsfähiger Atmosphären (TRGS 722/TRBS 2512 Teil 2).

Den Stand der Technik zur Zündquellenvermeidung bieten die TGRS 723 sowie TGRS
727. Für Arbeiten mit besonders kritischen Gefahrstoffen müssen die Forderungen der
TGRS 724 berücksichtigt werden. Anforderungen an die befähigte Person zur Prüfung
von Explosionsschutzeinrichtungen und den Prüfungen überwachungsbedürftiger An-
lagen werden in der TRBS 1203 und TRBS 1201 Teil 1 bis Teil 4 beschrieben. Weitere
Anforderungen bei Instandhaltungsarbeiten beschreibt die TRBS 1201 Teil 3.

Bei Tätigkeiten mit Stoffen, die auch ohne Luft explosionsfähig sind, sind Anforderun-
gen unter anderem aus dem Sprengstoffgesetz (SprengG), der Gefahrstoffverordnung
(GefStoffV) sowie den Technischen Regeln und den Vorschriften und Regeln der Deut-
schen Gesetzlichen Unfallversicherungen zu berücksichtigen.
Zur einfacheren Umsetzung dieser Forderungen bietet das EMKG Unterstützung bei
der Ermittlung des Maßnahmenbedarfs. Das neue EMKG-Modul Brand und Explosion
hilft bei der Ermittlung und erfüllt die Kriterien der rechtlichen Vorgaben.

3.2 Vorausgesetzte Kenntnisse von Anwendern


Grundsätzlich ist der Arbeitgeber verpflichtet alle Gefährdungen, die während einer
Tätigkeit entstehen, zu beurteilen, zu bewerten und in einer Gefährdungsbeurteilung
zu dokumentieren. Er kann diese Aufgabe an Mitarbeiter übergeben, solange er si-
cherstellt, dass die Beurteilung fachkundig durchgeführt wird.

Für die Einschätzung von Brand- und Explosionsgefährdungen muss die fachkundige
Person mit den Tätigkeiten im Betrieb vertraut sein. Sie sollte über genügend Erfah-
rung und Kenntnisse in der Brand- und Löschlehre sowie im Gefahrstoff-, Arbeitsstät-
ten- und Betriebssicherheitsrecht haben. Grundsätzlich geht das Gefahrstoffrecht da-
von aus, dass Sicherheitsfachkräfte oder Brandschutzbeauftragte fachkundig sind.
8

Durch ihre Ausbildung können sie Gefährdungen beurteilen und gleichzeitig abschät-
zen, an welcher Stelle zusätzliche Beratung erforderlich ist. In Abhängigkeit von der
Höhe der Gefährdung und den daraus resultierenden Maßnahmen können die Anfor-
derungen an die Fachkenntnisse unterschiedlich sein. Der Gesetzgeber verlangt, dass
fachkundige Personen ihre Kenntnisse durch Fachzeitschriften und spezifischen Fort-
bildungen regelmäßig auffrischen und vertiefen.

HINWEIS:
• Um einen Einblick über die Gefährdungssituation zu bekommen, ist es empfeh-
lenswert, interne Berater, wie z. B. Meister, Sicherheitsbeauftragte und Fach-
kräfte mit einzubeziehen. Aber auch externe Berater, wie z. B. die Unfallversi-
cherungsträger, Bundesländer und andere Akteure im Arbeitsschutz unterstüt-
zen besonders bei hohen Gefährdungen durch Handlungsempfehlungen, Da-
tenbanken und Beratung. Eine besonders hohe Expertise ist bei Schutzmaß-
nahmen des konstruktiven Explosionsschutzes erforderlich.
Das EMKG-Modul Brand und Explosion klassifiziert die Gefährdungen. Dadurch kön-
nen hohe Gefährdungen direkt identifiziert und die zu treffenden Maßnahmen abgelei-
tet und umgesetzt werden. Zudem kann eingeschätzt werden, ob zusätzliches Exper-
tenwissen benötigt wird.

3.3 Tätigkeiten mit besonderer Brand- oder Explosionsgefähr-


dung
• Großflächige Stoffverteilungen, wie z. B. Versprühen, Streichen, Be-
schichten oder Tränken
Aufgrund großer Verdunstungsoberfläche oder fein verteilte Aerosolteilchen bildet sich
sehr leicht eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre.
• Öffnen von dicht verschlossenen Behältern, Fässern und Anlagenteilen
mit entzündbar, leicht entzündbar und extrem entzündbaren Gefahrstof-
fen
Bereits nach kurzer Lagerung können sich in geschlossenen Behältern gefährliche ex-
plosionsfähige Atmosphären bilden. Dies gilt vor Allem bei geringen Restmengen.
• Ab- und Umfüllvorgänge von brennbaren Flüssigkeiten und brennbaren
Schüttgütern
Ohne besondere Maßnahmen besteht hier die Zündgefahr durch elektrostatische Ent-
ladungen.
• Tätigkeiten, bei denen Stäube mit einer hohen Freisetzungsgruppe (feine
Stäube) entstehen
Hier bilden sehr kleine Partikel eine große Oberfläche, die leicht zu einer gefährlichen
explosionsfähigen Atmosphäre führt.
• Tätigkeiten mit Zündquellen
9

Beispiele sind hier Tätigkeiten mit offenem Feuer, Schweiß-, Schneide-, Schleifgerä-
ten oder energiereichem Licht.
• Instandhaltungsarbeiten
Hier ändern sich meist die Betriebszustände und ggf. die vorhandenen Zündquellen.
Damit diese nicht ungeachtet bleiben, sind Instandhaltungsarbeiten separat zu beur-
teilen.

3.4 Branchen mit besonderer Brand- oder Explosionsgefähr-


dung
• Chemische, holzverarbeitende, Pharma-, Nahrungsmittel-, Textil- und Futter-
mittelindustrie sowie Raffinerien
• Entsorgungs-, Gasversorgungs- und Energie erzeugende Unternehmen
• Lackier-, Recycling-, und metallverarbeitende Betriebe
• Landwirtschaft (z. B. Biogasanlagen oder Getreidesilos), Deponien, Klärwerke,
Gießereien und Tiefbauarbeiten

3.5 Wann können keine oder nur bedingt Maßnahmen


abgeleitet werden?
Das EMKG ermöglicht keine Maßnahmenermittlung für stoffbedingte Umwelt-gefähr-
dungen und zur Lagerung von Gefahrstoffen. Diese Maßnahmen sind zusätzlich zu
ermitteln. Eine Hilfestellung zur Umsetzung der Mindeststandards für das Bereitstellen
und Lagern bietet der Schutzleitfaden La-101. Darauf aufbauende zusätzliche Schutz-
maßnahmen können den Technischen Regeln zur Lagerung (TRGS 509 und 510) ent-
nommen werden.

Gefahrstoffbedingte Gefährdungen bei Maschinen, Anlagen und Anlagenteilen werden


nicht vom EMKG-Modul Brand und Explosion abgedeckt und sind gemäß Betriebssi-
cherheitsverordnung (BetrSichV) zusätzlich zu beurteilen. Das gleiche gilt für bauliche
Anforderungen. Diese sind über die Landesbauordnungen geregelt und parallel zu be-
rücksichtigen. Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, die auch ohne Luft explosionsfähig sind,
führen direkt zu einer Beratung durch Experten.

Für die Handhabung von Gasen wurde das EMKG-Modul Brand und Explosion noch
nicht explizit auf Praxistauglichkeit erprobt. Die Ableitung von Schutzmaßnahmen wird
in der TRGS 407 „Tätigkeiten mit Gasen“ beschrieben. Eine große Auswahl an Merk-
blättern und Handlungsanleitungen stellt der Industriegaseverband e. V. auf seiner In-
ternet Seite [Link] zur Verfügung.

Gefährdungen die durch eine exotherme chemische Reaktion entstehen, werden nur
Ansatzweise vom EMKG-Modul Brand und Explosion erfasst.

Entstehen brennbare Gefahrstoffe bei Tätigkeiten oder werden sie aus Erzeugnissen
freigesetzt, können sie nur bewertet werden, wenn Angaben zu den EMKG-Parame-
tern vorliegen.
10

Das Modul Brand und Explosion liefert bisher keine Schutzleitfäden für den konstruk-
tiven Explosionsschutz in der Maßnahmenstufe 3.

3.6 Wie entstehen Brände und Explosionen?


Für einen Brand bzw. eine Explosion sind drei Komponenten erforderlich, ein Brenn-
stoff, ein Oxidationsmittel und eine wirksame Zündquelle. Damit es tatsächlich zu ei-
nem Brand kommt, müssen Brennstoff und Oxidationsmittel in einem zündfähigen Ge-
misch vorliegen; die Zündquelle benötigt dann nur die notwendige Zündenergie. In den
meisten Fällen reicht der Sauerstoff aus der Umgebungsluft als Oxidationsmittel aus.
Bei einer Explosion muss ein ausreichend hoher Dispersionsgrad vorhanden sein; das
bedeutet, dass der Brennstoff gleichmäßig mit dem Oxidationsmittel durchmischt ist.
Im Vergleich zu einem Brand ist das Ausmaß der Gefährdung bei einer Explosion
durch den hohen Temperatur- und Druckanstieg deutlich größer.

Dieser Zusammenhang wird im Branddreieck frei nach Emmons veranschaulicht


(siehe Abb. 3.1).

Abb. 3.1 Branddreieck frei nach Emmons (1973)

Im betrieblichen Alltag werden vorwiegend brennbare Flüssigkeiten und Feststoffe ge-


handhabt, deren Dämpfe bzw. Stäube im Gemisch mit Luft eine explosionsfähige At-
mosphäre bilden. Staubexplosionsgefahr besteht nur dann, wenn aus brennbarem
Staub eine Staubwolke gebildet wird und gleichzeitig eine wirksame Zündquelle vor-
handen ist.
Besondere Vorsicht ist bei selbstzersetzenden und oxidierenden Gefahrstoffen gebo-
ten. Sie bilden selbstständig Gase und Dämpfe, welche sich durch die dabei entste-
hende Reaktionswärme oder durch eine andere Zündquelle entzünden können. Neben
11

Temperaturerhöhung können auch Erschütterungen, Reibung oder Schlag zu einer


Aktivierung der Selbstzersetzung führen. Zu den selbstzersetzenden Stoffen gehören
u. a. organische Peroxide.

Die Festlegung von Brand- und Explosionsschutzmaßnahmen erfolgt auf Grund-


lage des Branddreiecks. Dabei ist nach Gefahrstoffverordnung folgende Rangfolge zu
beachten.
1. Das Auftreten explosionsfähiger Atmosphäre ist zu vermeiden. Dies kann
unter anderem durch Austausch von brennbaren Gefahrenstoffen mit nicht
brennbaren, Mengen- oder Konzentrationsbegrenzung von brennbaren
Stoffen unter die untere Explosionsgrenze, Absaugung von brennbaren
Stoffen an der Entstehungsstelle oder Inertisierung erreicht werden.

2. Zündquellen oder Bedingungen, die Brände oder Explosionen auslösen,


sind grundsätzlich zu vermeiden. Wirksame Zündquellen sind:
 Flammen (offenes Feuer, Zigaretten, Glutnester, Schweißfunken, Brenner)
 Heiße Oberflächen (Motoren, Heizungen, Heizstrahler, Fön)
 Elektrische Energie (Licht, Lichtschalter, Klingel, elektrische Geräte)
 Lichtbögen (Schweißen)
 Mechanisch erzeugte Funken (durch funkenreißendes Werkzeug)
 Elektrostatische Aufladung (Schuhe)
 Strahlung: ionisierende, elektromagnetische (Handy, Funkgerät)
 Ultraschall
 Chemische Reaktionen

3. Schädliche Auswirkungen von Bränden oder Explosionen auf die Gesund-


heit und Sicherheit der Beschäftigten und anderer Personen sind so weit wie
möglich zu verringern.

3.7 Entwicklung des EMKG-Modul Brand und Explosion


3.7.1 Verlässliche Informationen

Wie auch für die Beurteilung von Gesundheitsgefährdungen müssen die Informationen
der Tätigkeitsbeschreibung und der Sicherheitsdatenblätter richtig sein. Die Qualität
der einfließenden Informationen ist maßgeblich für die Güte der Gefährdungsbeurtei-
lung. Wie der EMKG Anwender die Angaben eines Sicherheitsdatenblatts auf Vollstän-
digkeit überprüfen kann, ist im Leitfaden des Einfachen Maßnahmenkonzeptes Ge-
fahrstoffe 2.2 beschrieben. Bei fehlenden oder unvollständigen Angaben sollte er sich
grundsätzlich an den Ersteller des Sicherheitsdatenblatts wenden. Alternativ kann er
fehlende Informationen selbst ermitteln und ergänzen.

3.7.2 Allgemeine Vorgehensweise

Das Modul verknüpft zur Einschätzung der Gefährdung die gefährliche Eigenschaft
des Gefahrstoffes mit der Wahrscheinlichkeit, dass ein Brand oder eine Explosion ent-
stehen kann. Hierzu werden leicht zugängliche Informationen aus den Sicherheitsda-
tenblättern, Betriebsbegehungen und Stoffdatenbanken genutzt.
12

Zu den am meisten verwendeten brennbaren Gefahrstoffen zählen die entzündbaren


Flüssigkeiten und entzündbare Feststoffe, deren Dämpfe bzw. Stäube mit Luft eine
explosionsfähige Atmosphäre bilden können. Das Entstehen einer gefährlichen explo-
sionsfähigen Atmosphäre ist zum einen von der ureigenen Gefahrstoffeigenschaft und
zum anderen von der Menge des freiwerdenden Gefahrstoffes abhängig.

Die Beurteilung erfolgt über die Einstiegsparameter:

Tab. 3.1 Einstiegsparameter zur Beurteilung von Gefahrstoffen

Einstiegsparameter Beurteilung
Stoffeigenschaft/ Bewertung auf Grund der gefährlichen Stoffeigen-
Einstufung: schaften und der damit verbundenen Reaktionsfä-
H-Satz oder, falls nicht vor- higkeit.
handen, R-Satz
Freisetzungsverhalten: Bewertung, wie schnell sich brennbare und explosi-
Staubungsverhalten, Dampf- onsfähige Dämpfe/Stäube ausbreiten und zur Bil-
druck oder Siedepunkt dung einer gefährlichen explosionsfähigen Atmo-
sphäre führen.
Menge während der Bewertung der Gefährdung auf Grund der Menge
Tätigkeit und dem damit verbundenen Schadensausmaß.

HINWEIS:
• Das Freisetzungsverhalten und die Mengenabschätzung wird über dieselben
Parameter wie im EMKG-Modul Einatmen von Gefahrstoffen bestimmt.
Insgesamt führt das Modul zu einer von drei Maßnahmenstufen. Diese werden in der
ersten und zweiten Stufe durch Schutzleitfäden konkretisiert. In der ersten Stufe wer-
den Mindestanforderungen an Lüftung, Organisation- und Hygienemaßnahmen,
Brandschutzmaßnahmen sowie an das Lagern und Bereitstellen von Gefahrstoffen
beschrieben. Als guter Organisations- und Hygienestandard sind diese im gesamten
Arbeitsbereich umzusetzen. Alle weiteren zusätzlichen Maßnahmen sind nur wirksam,
wenn Sie auf diesen Mindestanforderungen aufbauen können.
Ab der zweiten Stufe werden Maßnahmen zur Zündquellenvermeidung empfohlen.
Dabei setzt das Modul voraus, dass es wahrscheinlich ist, dass Zündquellen auftreten.
Bisher wurden spezifische Schutzleitfäden für Tätigkeiten mit brennbaren Flüssigkei-
ten entwickelt. Für staubende Tätigkeiten sind grundsätzliche Maßnahmenempfehlun-
gen im Schutzleitfaden 240 „Staubarbeitsplätze“ beschrieben.

Für das Festlegen von Schutzmaßnahmen ist es weiterhin wichtig die Lüftungssitua-
tion am Arbeitsplatz zu berücksichtigen. Durch einen ausreichenden Luftwechsel und
emissionsmindernde Maßnahmen, wie z. B. eine Absaugung, wird die Wahrschein-
lichkeit einer explosionsfähigen Atmosphäre minimiert. Damit die Lüftungssituation
ausreichend berücksichtigt wird, verweist das Modul auf die Schutzleitfäden der Reihe
200, die auch zum Schutz für das Einatmen von Gefahrstoffen empfohlen werden.
13

In der dritten Stufe verweist das Modul auf das geschlossene System, hohe Brand-
schutzmaßnahmen und konstruktiven Explosionsschutz. Zur Umsetzung des ge-
schlossenen Systems greift das Modul auf Schutzleitfäden der Reihe 300 aus dem
Gesundheitsschutz zurück. Ein weiterer Schutzleitfaden beschreibt Schutzmaßnah-
men für den hohen Brandschutz. Schutzleitfäden für den konstruktiven Explosions-
schutz wurden bisher noch nicht entwickelt.

Existiert kein Schutzleitfaden, können die Technischen Regeln oder andere Hand-
lungsempfehlungen, insbesondere der Unfallversicherungsträger und Länder, zum
Festlegen von Maßnahmen eine wertvolle Ergänzung sein.

3.7.3 Beurteilen von brennbaren Flüssigkeiten und Stäuben

Bei brennbaren Flüssigkeiten hängt die Gefährlichkeit des Stoffes im Wesentlichen


vom Flammpunkt ab (siehe Tab. 3.2). Der Flammpunkt ist die niedrigste Temperatur,
bei der sich über einem Gefahrstoff ein zündfähiges Dampf-Luft-Gemisch bilden kann.
Je niedriger der Flammpunkt ist, desto eher bilden sich brennbare Dämpfe. Aus
Flammpunkt und dem Siedebeginn erfolgt die Einstufung als entzündbar, die das Mo-
dul über den H-Satz als Einstiegsparameter nutzt.

Tab. 3.2 Einstufung entzündbarer Flüssigkeiten

Einstufung Einstufungskriterien

Flam. Liq. 1

Flammpunkt < 23 °C und


Gefahr Siedebeginn ≤ 35 °C
H224: Flüssigkeit und Dampf extrem
entzündbar
Flam. Liq. 2

Gefahr Flammpunkt < 23 °C und


H225: Flüssigkeit und Dampf leicht Siedebeginn > 35 °C
entzündbar

Flam. Liq. 3
Achtung
Flammpunkt 23 °C - 60 °C
H226: Flüssigkeit und
Dampf entzündbar

Wie schnell sich eine explosionsfähige Atmosphäre bildet ist abhängig von dem Frei-
setzungspotenzial des Gefahrstoffes. Hierzu nutzt das Modul den Siedepunkt oder
Dampfdruck. Je höher der Siedepunkt bzw. je kleiner der Dampfdruck ist, desto weni-
ger besteht die Gefahr, dass sich innerhalb kurzer Zeit eine explosionsfähige Atmo-
14

sphäre bildet. Bei erhöhter Anwendungstemperatur ändert sich das Freisetzungsver-


halten. Das wird im Modul berücksichtigt, sodass auch nicht eingestufte Gefahrstoffe
über das Freisetzungspotenzial erfasst werden. Ein weiterer Parameter ist die verwen-
dete Menge des Gefahrstoffs während der Tätigkeit.

HINWEISE:
• Sehr gefährlich sind Tätigkeiten mit einem sehr geringen bis gar keinen Luft-
wechsel. Hier kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Durchmischung mit
dem verbleibenden Luftsauerstoff für einen Brand oder eine Explosion aus-
reicht. Das Modul verweist bei diesen Tätigkeiten auf eine höhere Maßnahmen-
stufe. Zu Bereichen mit ungenügendem Luftwechsel zählen Tanks, Apparate,
Silos, Inneres von Rohrleitungen und Abwasserbehandlungsanlagen, Auf-
fangräume (Tanktassen), Schächte, Gruben, Kanäle, Hohlräume/Hohlkörper in
Bauwerken und Maschinen (z. B. Schwimmergefäße), nicht ausreichend belüf-
tete Räume, Räume unter Erdgleiche.
• Eine häufige Unfallursache ist das Öffnen von Fässern, die noch geringe Men-
gen an brennbaren Restflüssigkeiten enthalten. Schon wenige Milliliter reichen
aus, um eine explosionsfähige Atmosphäre zu bilden, die durch gewaltsames
Öffnen z. B. mit einem Schneidbrenner gezündet wird.
• Bei Arbeitsverfahren bei denen es zur Aerosolbildung kommt, z. B. beim Ver-
sprühen von Flüssigkeiten, geht das Modul immer von einer hohen Freisetzung
aus.
Das Modul leitet auch Maßnahmen für brennbare und explosionsfähige Stäube ab
(siehe Tab. 3.3). Stäube können freigesetzt werden (z. B. beim Absacken, Mischen,
Fördern, Abwerfen) oder auch bei der mechanischen Be- und Verarbeitung von kom-
pakten Materialien entstehen (z. B. beim Schneiden, Sägen, Fräsen, Schleifen, Zer-
kleinern, Mahlen, Schweißen, Brennschneiden, Abrieb beim Fördern und Abladen).
Eine Staubexplosionsgefahr besteht nur dann, wenn aus einem brennbaren Staub
eine Staubwolke entstehen kann. Das ist von der zur Verfügung stehenden Menge und
davon wie leicht der Staub freigesetzt wird abhängig.

Bei explosionsfähigen Stäuben erfolgt der Einstieg in das Modul, falls vorhanden,
über die Einstufung. 1
Tab. 3.3 Einstufung entzündbarer Feststoffe

Gefahrenklasse
Piktogramm Signalwort Gefahrenhinweis
und -kategorie

Flam. Sol. 1 H228:


/ Gefahr/Achtung Entzündbarer
Flam. Sol. 2 Feststoff

1Es werden zwei Kategorien unterschieden. Kategorie I unterscheidet sich durch den Gefahrenhinweis
„Gefahr“ statt „Achtung“ von der Kategorie II. Das Modul Brand und Explosion unterscheidet nicht zwi-
schen den Kategorien sondern nutzt nur den H-Satz als Parameter.
15

Ist kein H-Satz vorhanden, kann der Staub oder Mischstaub trotzdem explosionsfähig
sein. Deshalb bewertet das Modul grundsätzlich bei staubenden Gefahrstoffen und bei
Angabe einer Staubexplosionsklasse den Feststoff wie einen als entzündbar einge-
stuften Feststoff.

Nicht alle brennbaren Feststoffe sind explosionsfähig. Dabei gilt der Grundsatz je klei-
ner der Feststoff ist desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Staubwolke
bildet. Besonders kritisch sind feine Stäube mit einer Partikelgröße kleiner 0,5 mm. Ab
einer Partikelgröße von 1 mm ist nicht mehr mit einer Staubexplosion zu rechnen. Im
Modul wird die Freisetzungsgruppe von Stäuben über das Staubungsverhalten be-
stimmt. Die Abschätzung kann über die Korngrößenverteilung erfolgen. Liegt diese
nicht vor, beschreibt das Modul anhand von Beispielen, in welche Kategorie das Stau-
bungsverhalten einzuordnen ist. Bei der Maßnahmenfestlegung sind neben Brand-
schutzmaßnahmen auch Schutzmaßnahmen des Explosionsschutzes zu treffen.
Wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung von Staubexplosionen ist regelmäßiges Reini-
gen der Arbeitsplätze und das Vermeiden von Staubablagerungen.

Bei nachweislich nicht explosionsfähigen aber brennbaren Stäuben sind nur


Brandschutzmaßnahmen notwendig. Dies kann z. B. durch eine Prüfung der Staub-
probe in einem Prüfinstitut abgeklärt werden. Ist der Staub nicht explosionsfähig, aber
brennbar, nutzt das Modul die Brennzahl (Tab. 3.4) zur Ableitung von Brandschutz-
maßnahmen. Diese ist nicht immer im Sicherheitsdatenblatt angegeben, kann aber
über Stoffdatenbanken wie GESTIS und GSBL recherchiert werden. Nicht brennbare
Stäube sind z. B. Sand, Gestein, Glas oder gelöschter Kalk. Ob die Mindestschutz-
maßnahmen für den Brandschutz ausreichen wird über die Freisetzungs- und Men-
gengruppe bestimmt.

Tab. 3.4 Brennzahlen

BZ Entzündung und Brennverhalten


BZ 1 kein Anbrennen, kein Entzünden
BZ 2 kurzes Anbrennen, rasches Auslöschen
BZ 3 örtliches Brennen oder Glimmen (keine oder sehr geringe Ausbreitung)
BZ 4 Ausbreiten eines Glimmbrandes oder langsames flammenloses Zersetzen
BZ 5 Ausbreiten eines offenen Brandes (Brennen unter Flammenerscheinung)
BZ 6 sehr rasches Durchbrennen unter Flammenerscheinung

3.7.4 Beurteilen von selbstzersetzlichen Stoffen und organischen


Peroxiden

Organische Peroxide unterscheiden sich von anderen selbstzersetzlichen Gefahrstof-


fen nur in ihrer funktionellen Gruppe OO (z. B. Persäuren, Percarbonate, Di-
acylperoxide, Ketonperoxide, Perketale und andere). Beispiele für andere selbstzer-
setzliche Stoffe sind aliphatische Azoverbindungen, organische Azide, Diazoni-
umsalze, N-Nitrosoverbindungen und aromatische Sulfohydrazide. Die Gefahrenei-
genschaften und die daraus resultierende Einstufung sind bis auf die Bezeichnung der
Gefahrenklasse gleich. Es können flüssige, feste oder pastöse Substanzen sein.
16

Bei der Zersetzung entstehen entzündliche Gase und Dämpfe. Auslöser können
Wärme, Kontakt mit Verunreinigungen (z. B. Säuren, Schwermetallverbindungen, A-
mine), Reibung oder Stoß sein. Durch die dabei entstehende Reaktionswärme kann
durch eine Selbstentzündung ein Brand oder eine Explosion entstehen. Eine für die
Maßnahmenfestlegung entscheidende Kenngröße ist die SADT; dies ist Abkürzung für
den englischen Begriff „Self Accelerating Decomposition Temperature“ (Temperatur
der selbstbeschleunigenden Zersetzung). Die SADT stammt aus dem Transportrecht
und ist auch von Art und Größe der Verpackung abhängig.

Das EMKG-Modul Brand und Explosion führt bei diesen Gefahrstoffen immer zur Ex-
pertenberatung, ordnet diese aber anhand ihrer Einstufung in explosionsfähige bzw.
explosionsgefährliche Gefahrstoffe ein.

Explosionsgefährliche Stoffe unterliegen dem Sprengstoffgesetz und führen im Mo-


dul direkt zur Beratung. Neben den explosionsgefährlichen, selbstzersetzenden Ge-
fahrstoffen und den Peroxiden der Typen A und B gehören zu dieser Gruppe auch
andere als explosiv eingestufte Gefahrstoffe (siehe Tab. 3.5).

Tab. 3.5 Einstufung von explosionsgefährlichen Gefahrstoffen

Gefahrenklasse und
Piktogramm Signalwort Gefahrenhinweis
-kategorie

H240: Erwärmung
Self-react/Org. Perox A Gefahr kann Explosion
verursachen

H241: Erwärmung
kann Brand oder
Self-react/Org. Perox B Gefahr
Explosion verursa-
chen

Explosionsfähige selbstzersetzliche Stoffe und Peroxide sind so stabil, dass sie


zwar explosionsfähig sind, aber noch nicht dem Sprengstoffgesetz unterliegen. Sie
sind alle mit dem gleichen H-Satz gekennzeichnet und werden deshalb aufgrund ihrer
Stoffeigenschaft einer Gruppe zugeordnet (siehe Tab. 3.6). Da in diesem Fall Sauer-
stoff (Luft) nicht als Oxidationsmittel benötigt wird, entfällt die Freisetzungsgruppe als
Parameter. Die erforderlichen Maßnahmen hängen nur von der eingesetzten Menge
ab. Das wird momentan im Modul noch nicht berücksichtigt. Auch für diese Stoffe führt
das Modul direkt zur Beratung.
17

Tab. 3.6 Einstufung von selbstzersetzlichen Stoffen

Gefahrenklasse und
Piktogramm Signalwort Gefahrenhinweis
-kategorie

Gefahr H242: Erwärmung


Self-react/Org. Perox C-F / kann Brand verur-
sachen
Achtung

3.7.5 Beurteilen von starken Oxidationsmitteln

Oxidierende Stoffe sind zwar nicht unbedingt selbst brennbar, können aber durch die
Abgabe von Sauerstoff andere Stoffe oder Gemische in Brand setzen. Hierzu gehören
u. a. anorganische Peroxide (z. B. Sauerstoff in Reinform, Wasserstoffperoxid, Natri-
umperoxid, Bariumchlorat, Kaliumbromat, Salpetersäure, Ammoniumdichromat, Kali-
umpermanganat, Silbernitrat) und Halogene (siehe Tab. 3.7). Die Durchmischung mit
dem Oxidationsmittel erfolgt aufgrund einer chemischen Reaktion und nicht durch eine
Durchmischung mit Luftsauerstoff. Deshalb berücksichtigt das Modul bei der Ableitung
der Gefährdung nur die Menge während der Tätigkeit. Das Modul führt zurzeit auch
bei den oxidierenden Gefahrstoffen immer in die Expertenberatung.

Tab. 3.7 Einstufung von oxidierenden Gefahrstoffen

Gefahrenklasse und Piktogramm Signalwort Gefahrenhinweis


-kategorie
H270: Kann Brand
Ox. Gas 1 Gefahr verursachen oder
verstärken
H271: Kann Brand
Ox. Liq. 1 oder Explosion ver-
Gefahr ursachen;
Ox. Sol. 1 starkes
Oxidationsmittel
Ox. Liq. 2
Ox. Sol. 2 H272: Kann Brand
Achtung verstärken;
Ox. Liq. 3 Oxidationsmittel
Ox. Sol. 3

3.7.6 Beurteilen von chemischen Reaktionen als Zündquelle

Gefährdungen können auch dadurch entstehen, dass Gefahrstoffe miteinander rea-


gieren und durch die daraus entstehende Wärmeentwicklung zu einer Zündquelle wer-
den. Diese exotherme Reaktion kann beabsichtigt und unbeabsichtigt erfolgen. Hin-
weise zu Reaktivität und Stabilität liefert das Sicherheitsdatenblatt unter Abschnitt 10.
18

Da die Reaktivität nicht immer aus der Einstufung ersichtlich ist, werden diese Gefahr-
stoffe nicht mit dem Modul erfasst.

Zündquelle ist in diesen Fällen die Selbsterhitzung durch die entstehende Wärmeent-
wicklung bei der exothermen Reaktion. Zur Vermeidung sind Informationen im Ab-
schnitt 7 Handhabung und Lagerung und Abschnitt 10 Stabilität und Reaktivität des
Sicherheitsdatenblatts zu beachten.

Bei der Maßnahmenfestlegung ist darauf zu achten, dass die Gefahr einer Selbsterhit-
zung in Abhängigkeit von der Menge steigt. Bei der Wahl von größeren Apparaturen
ist stets in kleinen Schritten vorzugehen; unter ständigem Beobachten von möglichen
exothermen Effekten. Es müssen mindestens die Schutzmaßnahmen zur Zündquel-
lenvermeidung getroffen werden. Die wichtigste Maßnahme ist dabei ein kontrollierter
Abfluss von Wärme durch Kühlung.

ACHTUNG:
Bei Gefahrstoffen, die mit Wasser reagieren, ist Wasser als Kühlflüssigkeit nicht ge-
eignet (siehe Tab. 3.8). Das EMKG-Modul Brand und Explosion führt bei diesen Ge-
fahrstoffen immer zur Expertenberatung.

Tab. 3.8 Einstufung von Gefahrstoffen, die mit Wasser reagieren

Gefahrenklasse
Piktogramm Signalwort Gefahrenhinweis
und -kategorie
H260: In Berührung mit
Wasser entstehen ent-
Water-react. 1 Gefahr zündbare Gase, die
sich spontan entzün-
den können.
Water-react. 2 Gefahr H261: In Berührung mit
Wasser entstehen ent-
zündbare Gase.
Water-react. 3 Achtung

Ein Beispiel für Gefahrstoffe mit erhöhter Reaktionsfähigkeit sind starke Säuren mit
einem pH-Wert < 2 (z. B. Perchlorsäure, Iodwasserstoffsäure, Chlorsäure, Salpeter-
säure, Salzsäure, Schwefelsäure oder Bromwasserstoffsäure) oder starke Basen mit
einem pH- Wert > 11 (z. B. Ammoniaklösung, Kalilauge, Natronlauge und Silbernitrat).
Der pH-Wert ist im Sicherheitsdatenblatt und Abschnitt 9 angegeben und führt in die-
sen Fällen direkt zu einer Einstufung als stark ätzender Gefahrstoff (siehe Tab. 3.9).
Tätigkeiten mit ätzenden Gefahrstoffen werden im Modul nicht berücksichtigt, sind je-
doch als potentielle Zündquelle zu berücksichtigen.
19

Tab. 3.9 Einstufung von ätzenden Gefahrstoffen

Gefahrenklasse
Piktogramm Signalwort Gefahrenhinweis
und -kategorie
H314 Verursacht
schwere Verätzun-
Skin Corr. 1, 1A,
Gefahr gen der Haut und
1B, 1C
schwere Augen-
schäden
20

4 Das EMKG-Modul Brand und Explosion

Mit diesem EMKG-Modul können Sie die Gefährdung einschätzen, mit dem es wäh-
rend einer Tätigkeiten zu einem Brand oder eine Explosion kommen kann. Ausgewie-
sen wird die Gefährdung durch eine von drei Maßnahmenstufen, bei hohen Risiken
führt das Modul in die Beratung. Je höher die Maßnahmenstufe ist desto höher ist die
Gefährdung.

Bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen sind ein Mindestmaß an Organisations- und Hygie-
nemaßnahmen sicher zu stellen. Diese beziehen sich auf den gesamten Arbeitsbe-
reich und sind Vorrausetzung für alle weiteren Maßnahmen.

Das EMKG setzt diese Anforderung in den Schutzleitfäden der Reihe 100 um. Sie
beschreiben Mindestanforderungen an Lüftung, Organisations- und Hygienemaßnah-
men, Brandschutzmaßnahmen sowie an das Lagern und Bereitstellen von Gefahrstof-
fen. Empfehlenswert ist es, diese für den gesamten Arbeitsbereich umzusetzen und
zu dokumentieren. Darauf aufbauend kann der Anwender systematisch abschätzen,
bei welchen Tätigkeiten weitere Maßnahmen erforderlich sind.

Nicht immer sind Schutzmaßnahmen, die über die Mindeststandards hinausgehen,


notwendig. Mit den folgenden Fragen können Sie prüfen, ob ein tieferer Einstieg in die
Schritte des Moduls Brand und Explosion notwendig ist.

1. Sind Gefahrstoffe, die mit Gefahrenpiktogramme oder H-Sätzen der Tab.


4.1 eingestuft sind, in Ihrem Betrieb vorhanden?
Tab. 4.1 Für das EMKG-Modul Brand und Explosion relevante Einstufung nach
CLP

Gefahrenpiktogramme H-Sätze

H200 bis H290


EUH001 2, EUH006 3,
EUH014, EUH018,
EUH019, EUH044

2 Der EUH001 wurde mit Einführung der neuen H-Sätzen H206, H207 und H208 durch die 12. Ände-
rungsverordnung der CLP-Verordnung gestrichen. Er ist hier nur für Restbestände aufgeführt.
3 Der EUH006 wurde durch die 4. Änderungsverordnung der CLP-Verordnung ersatzlos gestrichen und

ist hier nur für Restbestände aufgeführt.


21

Sind Gefahrstoffe mit einem der Gefahrensymbolen oder R-Sätzen der Tab. 4.2
nach altem Recht im Betrieb vorhanden?

Tab. 4.2 Für das EMKG-Modul Brand und Explosion relevante Einstufung nach
Stoffrichtlinie

Gefahrensymbole R-Sätze

R 1 bis R 19
R 30
R 44

2. Werden nicht eingestufte brennbare Flüssigkeiten bei erhöhter Anwen-


dungstemperatur oberhalb ihres Flammpunktes verwendet?

3. Sind Feststoffe, die erfahrungsgemäß brennbar sind, wie z. B. Papier, Holz,


Polyethylen, Polystyrol sowie deren aufgewirbelte Stäube, vorhanden?

4. Geht von den vorhandenen Arbeitsstoffen im Betrieb eine Staubbelastung


aus?

5. Werden Arbeitsstoffe im Betrieb mechanisch bearbeitet, zerkleinert oder auf


Förderbändern transportiert (z. B. feiner Abrieb durch Förderbänder)?

6. Gibt es Arbeitsverfahren bei denen Flüssigkeiten fein versprüht werden und


es zur Aerosolbildung kommt? (z. B. Öle, Wasserlacke, brennbare Flüssig-
keiten)

7. Werden Gefahrstoffe verwendet, von denen bekannt ist, dass sie bei der
vorhandenen Anwendungstemperatur zum Brennen neigen oder deren
Stoff/Luft-Gemische explosionsfähig sind? (z. B. Ammoniak, Chlor oder
Sprühnebel von Heizöl)

8. Werden Arbeitsverfahren angewendet, bei denen es zu gefährlichen chemi-


schen Reaktionen kommen kann? (z. B. beim Verdünnen von Salpeter- oder
Flusssäure mit Wasser; bei der Ladung von Batterien (gefährliche Wasser-
stoffbildung) oder Tätigkeiten mit Ammoniumnitrat und ammoniumnitrathal-
tigen Düngemitteln)

9. Kann bei Tätigkeiten mit reinen Kohlenwasserstoffen nicht sichergestellt


werden, dass der Unterschied der Verarbeitungstemperatur zu jedem Zeit-
punkt 5 °C niedriger ist, als der Flammpunkt. 4?

4 Nicht anwendbar bei halogenierten Kohlenwasserstoffen


22

HINWEIS:
• Kohlenwasserstoffe bestehen nur aus Kohlenstoff und Wasserstoff. Es gibt
mehrere Untergruppen wie Alkane, Alkene, Alkine und Aromaten (z. B.: Me-
than, Butan, Hepten, Benzol, Toluol, Xylol).
10. Kann bei Tätigkeiten mit Kohlenwasserstoffgemischen nicht sichergestellt
werden, dass der Unterschied der Verarbeitungstemperatur zu jedem Zeit-
punkt 15 °C niedriger ist, als der Flammpunkt 5?

HINWEIS:
• Mineralölprodukte sind immer Kohlenwasserstoffgemische (z. B. Petroleum,
Testbenzin, Solvent Naphtha, Benzin, Dieselkraftstoff oder Kerosin).

Falls Sie eine dieser Frage mit „JA“ beantwortet haben, können Sie mit den folgenden
Schritten des Moduls prüfen, ob zusätzlich zu den Mindestanforderungen weitere
Brand- und Explosionsschutzmaßnahmen notwendig sind.

5 Nicht anwendbar, wenn halogenierte Kohlenwasserstoffe enthalten sind.


23

Schritt 1: Gefährlichkeitsgruppe Brand und Explosion


Im ersten Schritt beurteilen Sie die Gefährlichkeit ausgehend von der Stoffeigenschaft.
Das erfolgt mit den Gefahrenhinweisen für physikalische Gefahren (H200-Reihe) aus
der Einstufung. Die relevanten H-Sätze sind in Tab. 4.3 den Gefährlichkeitsgruppen
zugeordnet. Es gibt einige ergänzende Gefahrenhinweise der Europäischen Union
(EU), die für die Zuordnung auch berücksichtigt wurden. Grundsätzlich ist für einen
Gefahrstoff die höchste resultierende Gefährlichkeitsgruppe maßgeblich.

Liegt noch keine Einstufung nach CLP-Verordnung vor, können Sie über die Einstu-
fung nach altem Recht (R-Satz) die Gefährlichkeitsgruppe bestimmen.

Ist keine Einstufung vorhanden, wird für Flüssigkeiten und Dämpfe die Gefährlichkeits-
gruppe pc-A gewählt. Bei Feststoffen ohne Einstufungen wird die Vorgehensweise im
nachfolgenden Text beschrieben.

Tab. 4.3 Gefährlichkeitsgruppe für eingestufte Gefahrstoffe und Flüssigkeiten

Gefährlich- CLP-Verordnung (EG)


Richtlinie 67/548/EWG
keitsgruppe Nr. 1272/2008 6

Flüssigkeiten und Dämpfe ohne Flüssigkeiten und Dämpfe


pc-A
H-Satz ohne R-Satz
H226, H252, H280, H281, H290,
pc-B R10
EUH206, EUH209A
H222, H223, H224, H225, H228,
pc-C R11, R12, R18, R30
H229, H251, EUH018, EUH209

H242, H261, H270, H271, H272, R5, R6, R7, R8, R9, R14,
pc-D
EUH006 7, EUH014, EUH044 R15, R16, R44

H200, H201, H202, H203, H204,


H205, H206, H207, H208, H220,
pc-E H221, H230, H231, H232, H240, R1, R2, R3, R4, R17, R19
H241, H250, H260, EUH001 8,
EUH019

6 Die Zuordnung der Gefährlichkeitsgruppe basiert auf der Umwandlungstabelle des Anhangs VII der
CLP-Verordnung (Umwandlung der Einstufungen gemäß der Richtlinie 67/548/EWG in Einstufungen
gemäß dieser Verordnung), der sich geänderten Einstufungskriterien (z. B. Flammpunkt bei brennbaren
Flüssigkeiten), einer Tabelle des VCI (Im Vergleich: Gefahrensymbolik alt (EU) und neu (GHS)) sowie
auf einem Abgleich mit dem GHS-Spaltenmodell, welches vom IFA – Institut für Arbeitsschutz der Deut-
schen Gesetzlichen Unfallversicherung (Stand August 2015) herausgegeben wurde
7 Der EUH006 wurde durch die 4. Änderungsverordnung der CLP-Verordnung ersatzlos gestrichen und

ist hier nur für Restbestände aufgeführt.


8 Der EUH001 wurde mit Einführung der neuen H-Sätzen H206, H207 und H208 durch die 12. Ände-

rungsverordnung der CLP-Verordnung gestrichen. Er ist hier nur für Restbestände aufgeführt.
24

HINWEIS:
• In den Gefährlichkeitsgruppen pc-D und pc-E sind die Gefahrstoffe enthalten,
die auch ohne Luftsauerstoff zum Brand oder Explosion führen können. Auf-
grund der Komplexität im Einzelfall werden Sie in Schritt 4 direkt auf Beratung
verwiesen. Tätigkeiten mit diesen Gefahrstoffen können Sie aber über die
Schritte erfassen und dokumentieren. Weitere Hilfestellung erhalten Sie in
Schritt 4 unter Beratung.

Bitte notieren Sie unter Schritt 1 für den Stoff oder das Ge-
misch die höchste aus der Einstufung resultierende Gefährlich-
keitsgruppe.

Stäube und Mischstäube ohne Einstufung

Für alle Feststoffe, insbesondere Stäube und Mischstäube, für die keine Einstufung
vorliegt, ist grundsätzlich die Gefährlichkeitsgruppe pc-C zu wählen. Können Sie nach-
weisen, dass der Feststoff nicht brennbar und explosionsfähig ist, reicht die Gefähr-
lichkeitsgruppe pc-A aus. Nicht brennbare Feststoffe, sind z. B.: Sand, Gestein, Glas
oder gelöschter Kalk.

Hinweise, ob ein Gefahrstoff brennbar oder explosionsfähig ist, können im Sicherheits-


datenblatt enthalten sein unter:

• Abschnitt 2: Mögliche Gefahren, 2.3 Sonstige Gefahren


• Abschnitt 5: Maßnahmen zur Brandbekämpfung
• Abschnitt 7: Handhabung und Lagerung
• Abschnitt 9: Physikalische und chemische Gefahren
Diese Angaben sind jedoch mit Vorsicht zu betrachten, da bisher keine eindeutigen
Kriterien im Sicherheitsdatenblatt vorgegeben sind. Bei Angabe einer Staubexplosi-
onsklasse ist immer die Gefährlichkeitsgruppe pc-C zu wählen.

HINWEIS:
• Sind Sie sich nicht sicher, ob Ihr Staub explosionsfähig ist oder nicht, können
Sie durch ein anerkanntes Prüfinstitut seine sicherheitstechnischen Kenngrö-
ßen bestimmen lassen. Das kann besonders bei Mischstäuben mit unbekannter
Zusammensetzung hilfreich sein.

Ist der Gefahrstoff nicht explosionsfähig, aber brennbar, ist die Gefährlichkeitsgruppe
pc-A oder pc-B ausreichend. Bestimmen können Sie dies über die Brennzahl (BZ),
sie beschreibt das Entzündungs- und Brennverhalten (s. Tab. 3.4). Finden Sie keine
Angabe zur Brennzahl ist die höhere Gefährlichkeitsgruppe pc-B zu wählen. Sicher-
heitstechnische Kenngrößen wie die Brennzahl sind keine Konstanten, sondern hän-
gen von den Messbedingungen ab. Sie gelten in der Regel für atmosphärische Be-
dingungen (zwischen -20 °C und 60 °C sowie ein Druckbereich zwischen 0,8 bar und
1,1 bar).
25

Eine Übersicht über die Zuordnung der Gefährlichkeitsgruppe bei nicht eingestuften
Gefahrstoffen liefert die Tab. 4.4.

Tab. 4.4 Gefährlichkeitsgruppe für nicht eingestufte Feststoffe

Gefährlichkeitsgruppe Information aus Sicherheitsdatenblätter und Daten-


(GG) banken
pc-A BZ 1, 2, 3
pc-B BZ 4, 5, 6
pc-C explosionsfähige Stäube

Die Brennzahl und anderen Informationen zur Staubexplosionsfähigkeit sind nur selten
im Sicherheitsdatenblatt aufgeführt. Eine Hilfestellung bieten die folgenden Datenban-
ken:

• GESTIS-Staub-Ex Datenbank: [Link]


• Gemeinsamer Stoffdatenpool Bund/Länder (GSBL, inkl. Staubgruppen der
BAM): [Link]. Weitere Informationen zur Datenbank finden Sie unter:
[Link]/_SharedDocs/DE/Downloads/[Link]
• BIA-Report 12/97: [Link]
dien/ifa/de/pub/rep/pdf/rep02/biar1297/[Link]
HINWEIS:
• Ein paar Aluminiumstäube sind trotz geringer Korngröße aufgrund einer Oxid-
schicht nicht explosionsfähig. Ein Verzicht auf Explosionsschutzmaßnahmen
bei Tätigkeiten mit Aluminiumstäuben ist jedoch nur durch betriebsspezifische
Staubprobenuntersuchungen zu identifizieren. Im Zweifel ist bei Aluminium-
stäuben immer die Gefährlichkeitsgruppe pc-C zu wählen.

Bitte notieren Sie unter Schritt 1 für Stäube ohne Einstufung die
resultierende Gefährlichkeitsgruppe.
26

Schritt 2: Mengengruppe
Brand- und Explosionsgefährdungen werden durch die Menge des verwendeten Ge-
der gehandhabten Menge während der Tätigkeit anhand der Tab. 4.5.

Tab. 4.5 Zuordnung der Mengengruppe

Feststoffe Flüssigkeiten

klein g - Bereich mL - Bereich

Foto: studiocasper/[Link]

mittel kg - Bereich L - Bereich

Foto: adventtr/[Link]

groß t - Bereich m³ - Bereich

Foto: Nerthuz/[Link]

Beachten Sie, dass nicht immer die gesamte vorhandene Menge des Gefahrstoffes
am Arbeitsplatz über die Mengengruppe entscheidet. Die Gruppe bezieht sich auf die
eingesetzte Stoffmenge pro Tätigkeit und Schicht. So ist das Abfüllen von 0,5 L einer
Flüssigkeit aus einem 30 L Kanister der Mengengruppe „klein“ zuzuordnen. Im Zwei-
felsfall sollten Sie jedoch eine höhere Mengengruppe verwenden.

Bei großflächiger Anwendung von flüssigen Gefahrstoffen, z. B. beim Streichen oder


Reinigen von Oberflächen, wird die eingesetzte Menge pro Arbeitstag zugrunde ge-
legt.
HINWEIS:
• Schon eine sehr kleine Menge brennbarer Gefahrstoffe kann zu einer gefährli-
chen explosionsfähigen Atmosphäre führen. Je größer die Gefahrstoffmenge
ist, desto höher ist das Schadensausmaß bei einer Zündung.

Bitte notieren Sie unter Schritt 2 die Mengengruppe.


27

Schritt 3: Freisetzungsgruppe
Zur Bestimmung der Freisetzungsgruppe benötigen Sie folgende Angaben:
1. Siedepunkt oder Dampfdruck
2. Staubungsverhalten des Gefahrstoffes
Bei flüssigen Gefahrstoffen, die bei Raumtemperatur (20 °C) verwendet werden,
ergibt sich die Freisetzungsgruppe aus dem Siedepunkt oder Dampfdruck des Gefahr-
stoffes (siehe Tab. 4.6). Mit sinkendem Siedepunkt bzw. steigendem Dampfdruck
steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine explosionsfähige Atmosphäre entsteht. Ist ein
Bereich angegeben, so wählen Sie den niedrigsten Siedepunkt oder höchsten Dampf-
druck aus.

Tab. 4.6 Zuordnung der Freisetzungsgruppe für Flüssigkeiten

Flüssigkeiten
Freisetzungs-
Raumtemperatur T ~ 20°C
gruppe (FG)
Siedepunkt Dampfdruck

NIEDRIG mehr als 150°C weniger als 5 hPa

MITTEL 50 bis 150°C 5 bis 250 hPa

HOCH weniger als 50°C mehr als 250 hPa

Wenn die Tätigkeit mit einem Gefahrstoff bei einer anderen Anwendungs-
temperatur erfolgt, wird die Freisetzungsgruppe mit Hilfe des Diagramms (siehe Abb.
4.1) ermittelt. Alternativ können zur Einschätzung die Beziehungen der folgenden Ta-
belle 4.7 genutzt werden.

Tab. 4.7 Alternative Zuordnung der Freisetzungsgruppe für Flüssigkeiten

Beliebige Anwendungstemperatur (AT)


Prüfe, ob: Freisetzungs- Beispiel:
gruppe (FG), Siedepunkt = 250°C
wenn zutreffend: AT = 100°C
5 x AT + 50°C ≤ Siedepunkt Niedrig 5 x 100°C +50°C ≤ 250°C
(nicht zutreffend)
2 x AT + 10°C ≥ Siedepunkt Hoch 2 x 100°C + 10°C ≥ 250°C
(nicht zutreffend)
Sonstige Fälle Mittel Ergebnis: FG = Mittel
28

Abb. 4.1 Diagramm zur Ermittlung der Freisetzungsgruppe

HINWEISE:
• Wässrige Lösungen, zum Beispiel haushaltsübliche Reinigungsmittel, weisen
eine geringe Flüchtigkeit auf. Damit sind alle Tätigkeiten mit diesen Lösungen
der Freisetzungsgruppe „niedrig“ zugeordnet, solange sie nicht versprüht wer-
den.

• Tätigkeiten, bei denen Aerosole entstehen, z. B. beim Versprühen von Lösun-


gen, führen immer zu einer „hohen“ Freisetzungsgruppe.

Bei festen Gefahrstoffen können Sie die Freisetzungsgruppe qualitativ abschätzen.


Hilfestellung bieten die in der enthaltenen Beschreibungen zum Staubungsverhalten.
Grundsätzlich gilt, je feiner und trockener der Staub ist, desto eher bildet sich eine
explosionsfähige Atmosphäre. Daher ist die Brand- und Explosionsgefährdung in Lüf-
tungsanlagen sehr hoch.
29

Tab. 4.8 Zuordnung der Freisetzungsgruppe für Feststoffe

Freisetzungs-
gruppe Information zum Staubungsverhalten

Liegt der Gefahrstoff als Pellet, Wachs oder


Granulat vor oder entsteht bei der Tätigkeit nur
NIEDRIG sehr wenig Staub, so ist das Staubungsverhal-
ten niedrig.
(Anhaltspunkt: Korngröße größer 1 mm)

Ist der Gefahrstoff körnig oder entsteht bei der


Tätigkeit Staub, der sich nach kurzer Zeit
MITTEL wieder setzt, so ist das Staubungsverhalten
mittel, z. B. Waschmittelpulver, Zucker.
(Anhaltspunkt: Korngröße 1 bis 0,5 mm)

Ist der Gefahrstoff feinpulvrig oder entstehen


bei der Tätigkeit Staubwolken, die einige Mi-
nuten in der Luft bleiben können, so ist das
HOCH Staubungsverhalten hoch, z. B. Mehl, Toner,
Aerosole.
(Anhaltspunkt: Korngröße kleiner 0,5 mm)

HINWEISE:
• Bei einigen Tätigkeiten kann es zu feinem Staubabrieb kommen, zum Beispiel
durch das Fördern, Abwerfen oder Abkippen von Materialien. Da die hierbei
freigesetzten Stäube sehr fein sind, ist die Freisetzungsgruppe „hoch“ zu wäh-
len. Dies gilt besonders bei Arbeiten mit Granulat oder körnigen Substanzen.

• Staubablagerungen können die Brand und Explosionsgefahr verstärken. Des-


halb wird die Vermeidung und Reinigung von Staubablagerungen vorausge-
setzt.

Bitte notieren Sie unter Schritt 3 die Freisetzungsgruppe unter


Berücksichtigung der Anwendungstemperatur.
30

Schritt 4: Maßnahmenfestlegung
Hierzu benötigen Sie die von Ihnen erhobenen Angaben aus den Schritten 1-3.
▪ Schritt 1: Gefährlichkeitsgruppe Brand und Explosion
▪ Schritt 2: Freisetzungsgruppe
▪ Schritt 3: Mengengruppe

Mit diesen Parametern schätzen Sie mit der Tab. 4.9 eine von drei Maßnahmenstufen
ab.

Tab. 4.9 Entscheidungstabelle – EMKG-Modul Brand und Explosion

Freisetzungsgruppe
Gefährlich- Mengen-
keitsgruppe gruppe
NIEDRIG MITTEL HOCH

klein Reihe 100 Reihe 100 Reihe 100

pc-A mittel Reihe 100 Reihe 100 Reihe 200*

groß Reihe 100 Reihe 200* Reihe 200*

klein Reihe 100 Reihe 100 Reihe 100

pc-B mittel Reihe 100 Reihe 200* Reihe 200*

groß Reihe 200* Reihe 200* Reihe 300*

Reihe 100 (Flüssig)


klein Reihe 100 Reihe 100
Reihe 200 (Fest)

pc-C Reihe 200 (Flüssig)


mittel Reihe 200* Reihe 200
Reihe 300 (Fest)

groß Reihe 200* Reihe 300 Reihe 300

pc-D unabhängig Beratung Beratung Beratung

pc-E unabhängig Beratung Beratung Beratung


31

Anmerkungen zur Tabelle:

Reihe 100 = Maßnahmenstufe 1 = Schutzleitfäden 1xx


Reihe 200 = Maßnahmenstufe 2 = Schutzleitfäden 2xx
Reihe 300 = Maßnahmenstufe 3 = Schutzleitfäden 3xx

Bei Tätigkeiten mit geringem oder gar keinem Luftwechsel können schon ge-
ringe Mengen von brennbaren Flüssigkeiten eine explosionsfähige Atmosphäre bil-
den. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der verbleibende Luftsauerstoff
einen Brand oder eine Explosion auslösen kann. Aufgrund der hohen Gefährdung
ist hier die nächsthöhere Maßnahmenstufe umzusetzen. Zu Bereichen mit un-
genügendem Luftwechsel zählen u. a. Tanks, Apparate, Silos, das Innere von Rohr-
leitungen und von Abwasserbehandlungsanlagen, Auffangräume (Tanktassen),
Schächte, Gruben, Kanäle, Hohlräume/Hohlkörper in Bauwerken und Maschinen
(z. B. Schwimmergefäße), nicht ausreichend belüftete Räume, Räume unter Erdglei-
che, Container, Behälter oder Gruben.

* Bei Feststoffen reichen die Brandschutzmaßnahmen ab Maßnahmenstufe 2 aus.

Instandsetzungs-, [Link] Reparaturarbeiten sind bei Brand- und Explo-


sionsgefährdung grundsätzlich durch ein Freigabeverfahren zu regeln.

Bitte notieren Sie unter Schritt 4 die Maßnahmenstufe für den


Gefahrstoff.
32

4.1 Beispiel zur Maßnahmenfestlegung


In einer Druckerei reinigt ein Beschäftigter täglich die Druckwalzen. Das Reinigungs-
mittel ist aufgrund seiner physikalisch-chemischen Eigenschaften eingestuft, als „Ent-
zündbare Flüssigkeiten Kategorie 3, H225: Flüssigkeit und Dampf leicht entzündbar“.
Die eingesetzte Reinigungslösung beträgt 1,5 Liter und der Siedepunkt (Sdp.) beträgt
57 °C. Die Tätigkeitsdauer beträgt 45 Minuten.

Schritt 1, Gefährlichkeitsgruppe: H225  pc-C.


Schritt 2, Mengengruppe: 1,5 Liter  mittel
Schritt 3, Freisetzungsgruppe: Sdp.57 °C  mittel
Schritt 4, Maßnahmenfestlegung: Maßnahmenstufe 2 = Schutzleitfäden Reihe 200

Aus der Entscheidungstabelle können Sie mit diesen Informationen die Maßnahmen-
stufe leicht ablesen (siehe Tab. 4.10).

Tab. 4.10 Ausschnitt Entscheidungstabelle (siehe Tab. 4.9) zur Verdeutlichung


des Praxisbeispiels

Freisetzungsgruppe
Gefährlich- Mengen-
keitsgruppe gruppe
NIEDRIG MITTEL HOCH

Reihe 100 Reihe 100 (Flüssig)


klein Reihe 100
Reihe 200 (Fest)

pc-C Reihe 200 (Flüssig)


Reihe 200* Reihe 200
mittel
Reihe 300 (Fest)

groß Reihe 200* Reihe 300 Reihe 300

Reihe 100 = Maßnahmenstufe 1 = Schutzleitfäden 1xx


Reihe 200 = Maßnahmenstufe 2 = Schutzleitfäden 2xx
Reihe 300 = Maßnahmenstufe 3 = Schutzleitfäden 3xx
33

4.2 Reihe 100 = Maßnahmenstufe 1 = Schutzleitfäden 1xx


Hier ist die konsequente Anwendung der Schutzleitfäden Reihe 100
für den Brand- und Explosionsschutz ausreichend (Tab. 4.11). Sie
beschreiben Mindestanforderungen an Lüftung, Organisations- und
Hygienemaßnahmen, Brandschutzmaßnahmen sowie an das La-
gern und Bereitstellen von Gefahrstoffen. Durch grundlegende orga-
nisatorische Maßnahmen wird die Gefährdung schon begrenzt. Dies
kann z. B. durch Begrenzung der bereitgestellten Menge an Gefahr-
stoff auf den Tages- oder Schichtbedarf oder dadurch, dass Behälter
immer geschlossen sind, erfolgen.

Liegt ein fester Gefahrstoff mit der Freisetzungsgruppe „mittel“ oder


„hoch“ vor, sollte ab „kg-Bereich“ auch der Schutzleitfaden 240
„Staubarbeitsplätze“ beachtet werden.

HINWEIS
• Achten Sie auf sichtbare Hand- oder Fußabdrücke. Eine gleichmäßige Staub-
schicht von weniger als 1 mm Schichtdicke reicht aus, um beim Aufwirbeln ei-
nen Raum vollständig mit einem explosionsfähigen Staub-Luft-Gemisch auszu-
füllen.

Tab. 4.11 Schutzleitfäden für die Maßnahmenstufe 1

Schutzleit-
Titel
faden

100 Freie Lüftung - Mindeststandards

101 Bereitstellen und Lagern – Mindeststandards

102 Lagerung von Schüttgütern

Organisations- und Hygienemaßnahmen „Einatmen“ – Mindest-


110
standards

Staubarbeitsplätze (ab mittlerer Menge und mittlerer Freiset-


240
zungsgruppe)

pc 170 Brandschutzmaßnahmen - Mindeststandards

HINWEIS:
• Empfehlenswert ist es, die Schutzleitfäden der Reihe 100 arbeitsbereichsbezo-
gen für den gesamten Betrieb umzusetzen und zu dokumentieren. Alle weiter-
führenden Maßnahmen sind nur wirksam, wenn ein guter Organisations- und
Hygienestandard im Betrieb etabliert ist.
34

4.3 Reihe 200 = Maßnahmenstufe 2 = Schutzleitfäden 2xx


Ab der Maßnahmenstufe 2 liegt eine erhöhte Brand- und Explo-
sionsgefährdung vor. Deshalb ist ab dieser Maßnahmenstufe zu
prüfen, ob die Gefährdung durch Substitution vermieden oder
minimiert werden kann. Bei brennbaren Flüssigkeiten ist dies
z. B. durch Verwendung von nicht bzw. weniger brennbaren
Flüssigkeiten mit einem möglichst hohen Flammpunkt zu erzie-
len. Ein Beispiel hierfür wäre die Verwendung von Lacken auf
Wasserbasis anstelle lösemittelhaltiger Lacke. Stark staubende
Gefahrstoffe können durch staubarme Produkte ersetzt werden
(z. B. staubreduzierende Granulate wie Fliesenklebemörtel oder
bereits angemachte Produkte wie Spachtelmassen).

Ist dies nicht oder nur begrenzt möglich, ist die Freisetzung der
Gefahrstoffe bzw. die Bildung explosionsfähiger Atmosphäre auf ein unbedenkliches
Maß zu reduzieren.

Hierzu sieht das Modul in der Maßnahmenstufe 2 eine Kombination von Schutzleitfä-
den vor:

• Erweiterte Brandschutzmaßnahmen (Schutzleifäden pc-27x)


• Emissionsmindernde Maßnahmen (Schutzleitfäden 2xx)
• Vorbeugender Explosionsschutz (Schutzleitfaden pc-280)
• Zündquellenvermeidung (Schutzleitfäden pc-28x)

HINWEIS:
• Maßnahmen des vorbeugenden Explosionsschutzes und erweiterten Brand-
schutzes sind immer notwendig, auch wenn keine wirksamen Zündquellen vor-
handen sind (Ausnahme: nicht explosionsfähige aber brennbare Stäube der
Gefährlichkeitsgruppen pc-A und pc-B, hier reichen erweiterte Brandschutz-
maßnahmen).

Die Schutzleitfäden der Reihe 27x beschreiben erweiterte Brandschutzmaßnahmen.


Dabei sind im Schutzleitfaden pc-270 die Grundanforderungen an den erweiterten
Brandschutz beschrieben (siehe Tab. 4.12).

Für den Explosionsschutz sind in der Maßnahmenstufe 2 emissionsmindernde Schutz-


maßnahmen zu treffen. Diese sind zweifach wirksam. Sie reduzieren die Belastung
des Beschäftigten durch die Atemluft, als auch das Entstehen einer explosionsfähigen
Atmosphäre. Das EMKG-Modul Einatmen verweist mit den Schutzleitfäden der Reihe
200 auf emissionsarme Arbeitsverfahren. Diese können Sie auch für die Vermeidung
einer explosionsfähigen Atmosphäre anwenden.
35

Tab. 4.12 Schutzleitfäden für die Maßnahmenstufe 2

Schutzleit-
Titel
faden

2XX Emissionsmindernde Maßnahmen

pc-270 Erweiterte Brandschutzmaßnahmen - Grundanforderungen

pc-271 Erweiterte Brandschutzmaßnahmen – Lackierarbeiten

pc-280 Erweiterter Explosionsschutz

pc-281 Brennbare Flüssigkeiten um- und abfüllen - Zündquellenvermeidung

pc-282 Lackierarbeiten – Zündquellenvermeidung

HINWEIS:
• Wenn Sie sicherstellen können, dass durch das emissionsarme Arbeitsverfah-
ren
1. keine explosionsfähige Atmosphäre entsteht,
2. bei Ausfall der Lüftungseinrichtung die Tätigkeit eingestellt und
3. die Stofffreisetzung verhindert wird,
dann sind keine weiteren Explosionsschutzmaßnahmen erforderlich.

Nur in wenigen Fällen kann eine Absaugeinrichtung den Gefahrstoff vollständig erfas-
sen und somit eine explosionsfähige Atmosphäre verhindern. Deshalb enthält das Mo-
dul zusätzliche Vorgaben zum vorbeugenden Explosionsschutz und zur Zündquellen-
vermeidung. Die Schutzmaßnahmen zum vorbeugenden Explosionsschutz sind im
Schutzleitfaden pc-280 für alle Tätigkeiten zusammengefasst. Spezifische Schutzleit-
fäden zur Zündquellenvermeidung enthält die Reihe pc-28x, in denen in Abhängigkeit
von der Tätigkeit und der Gefahrstoffeigenschaft die Schutzmaßnahmen beschrieben
sind. Dabei nutzen sie die Zoneneinteilung als Hilfsmittel, um zum Beispiel die zu ver-
wendende Gerätekategorie nach der Richtlinie 2014/34/EU auszuwählen (Tab. 4.13).
In Abhängigkeit von der Bildung explosionsfähiger Atmosphäre und deren Häufigkeit
wird dabei im Zonenkonzept zwischen drei Zonen unterschieden, der je eine Geräte-
kategorie zugeordnet ist.

Die Zoneneinteilung ist jedoch kein verpflichtendes Kriterium um die verwendeten Ar-
beitsgeräte einer Gerätekategorie zuzuordnen. Dies kann auch ohne sie geschehen.
36

Tab. 4.13 Tabelle zur Geräteauswahl (ATEX-Geräte, RL 2014/34/EU) in Abhän-


gigkeit von der Zoneneinteilung

Gase, Geräte-ka- Geräte-ka-


Zone Stäube Zündquellenfreiheit
Dämpfe tegorie tegorie

Gerät stellt auch bei un-


vorhersehbaren, seltenen
und vorhersehbaren Be-
Häufig 0 1G 20 1D triebsstörungen und be-
stimmungsmäßigen Be-
trieb keine Zündquelle
dar.
Gerät stellt bei vorherseh-
baren Betriebsstörungen
Gelegentlich 1 2G 21 2D und bestimmungsmäßi-
gen Betrieb keine Zünd-
quelle dar.
Gerät stellt bei bestim-
Kurz 2 3G 22 3D mungsmäßigen Betrieb
keine Zündquelle dar.

HINWEISE:
• Die höchste Oberflächentemperatur des Betriebsmittels muss stets kleiner sein,
als die Zündtemperatur des Gefahrstoffes. Das können Sie bei Gasen und
Dämpfen mit Hilfe von Temperaturklassen (T1-T6) ermitteln. Bei Stäuben wird
eine Oberflächen-Grenztemperatur angegeben. Die Temperaturklasse ist in der
Kennzeichnung des Betriebsmittels angegeben. Weitere Hinweise finden Sie
im Anhang 1 zur Zündquellenvermeidung.

• Eine weitere Gerätekennzeichnung ist der IP-Code. Die Abkürzung IP steht für
International Protection. Die IP-Schutzarten beschreiben den Schutzgrad des
Gehäuses gegen Berührung, Fremdkörper und Wasser. So steht z. B. der Code
IP 6 für vollständigen Schutz gegen Berührungen mit Staub.
Liegt kein spezifischer Schutzleitfaden vor, finden Sie im Anhang 1 eine weitere Hilfe-
stellung zum Identifizieren und Vermeiden von potentiellen Zündquellen und ihrer
Wirksamkeit. Eine Zoneneinteilung können Sie mit Hilfe der Beispielsammlung der
„DGUV Regel 113-001 Explosionsschutzregeln“ oder anderen spezifischen Regeln
der Unfallversicherungsträger vornehmen.
37

HINWEISE:
• Die Zoneneinteilung ist ein Hilfsmittel, das bei stationären Arbeitsmitteln, wie
z. B. einem Rührkessel, sehr gut geeignet ist. Bei nicht stationären Arbeiten,
wie z. B. Teppichklebearbeiten mit einer Dauer von 30 Minuten, die einmal im
Jahr durchgeführt werden, ist eine Zoneneinteilung aufgrund von unterschiedli-
chen Auslegungsmöglichkeiten nicht immer hilfreich.
• Wählen Sie beispielsweise eine Dauer von 30 Minuten als Einstieg, fallen Sie
in die Zone 0 und erhalten die Gerätekategorie 1G. Wählen Sie eine 30minütige
Dauer und berücksichtigen dabei die Häufigkeit von einmal jährlich fallen Sie in
die Zone 2 und gelangen in die Gerätekategorie 3G. Empfohlen werden aber
für diese Tätigkeiten explosionsgeschützte Geräte der Kategorie 2G.
• Bei Verwendung von Gasen müssen die explosionsgeschützten Geräte die An-
forderungen für die Explosionsgruppen IIA, IIB oder IIC erfüllen. Wobei die Eig-
nung für IIC dem höchsten Sicherheitsgrad entspricht.
Feuerarbeiten

Können Sie Zündquellen nicht ausschließen bzw. sind Feuerarbeiten wie Schweiß-,
Schneid-, Löt-, Abtrennarbeiten mit offener Flamme notwendig, muss die Bildung ex-
plosionsfähiger Atmosphäre sicher verhindert werden. Hier kann es erforderlich wer-
den, dass Behälter und Rohrleitungen frei gespült werden müssen und angrenzende
Tätigkeitsbereiche durch nicht brennbare Stellwände abgetrennt werden. Dies sollte
mittels eines Freigabeverfahrens geregelt und sichergestellt werden. Bei Unsicherheit
können Sie mit Hilfe einer Konzentrationsmessung das Vorhandensein einer explosi-
onsfähigen Atmosphäre messen und ermitteln, ob die untere Explosionsgrenze sicher
unterschritten ist. Besteht keine Gefahr einer explosionsfähigen Atmosphäre, dürfen
die Tätigkeiten mit Zündquellen ausgeführt werden. Die Konzentrationsmessgeräte
müssen auf die Stoffe der möglichen explosionsfähigen Atmosphäre abgestimmt sein
und sind stoffspezifisch zu beschaffen.

HINWEIS:
• Die handelsüblichen Konzentrationsmessgeräte sind vorwiegend für Methan,
Propan und Nonan vorkalibriert erhältlich. Es gibt aber auch Kalibrierungen für
viele andere Gefahrstoffe. Die Anschaffungskosten solch eines Gerätes stehen
in keinem Verhältnis zum möglichen Schutz der Beschäftigten und der Sachgü-
ter und sollten bei Unsicherheit genutzt werden.
Liegen im Betrieb ständige Schweißarbeitsplätze vor oder werden nicht nur bei War-
tung Feuerarbeiten durchgeführt, sind die Brandschutzmaßnahmen auf Dauer adä-
quat zu erhöhen, mindestens entsprechend der Maßnahmenstufe 2 – Schutzleitfaden-
reihe 200.

Weitere Informationen zu adäquaten Maßnahmen bei Feuerarbeiten entnehmen Sie


bitte den einschlägigen technischen Regeln und Handlungshilfen wie z. B.
• DGUV Information 205-002 - bisher: BGI 563 Brandschutz bei feuergefährlichen
Arbeiten (BGHW-Kompakt M 19),
• DGUV Information 209-005 - bisher: BGI 547 Handwerker,
• DGUV Information 209-015 - bisher: BGI 577 Instandhalter.
38

4.4 Reihe 300 = Maßnahmenstufe 3 = Schutzleitfäden 3xx


In der Maßnahmenstufe 3 liegt ein hoher Maßnahmenbedarf
zum Schutz vor Brand oder Explosionen vor. Sofern eine Ersatz-
lösung nicht möglich ist, empfiehlt das Modul aufbauend auf den
Mindeststandards folgende Maßnahmenkombination:

• Hohe Brandschutzmaßnahmen
• Geschlossenes System
• Konstruktiver Explosionsschutz
• Anlagenbezogen oder tätigkeitsspezifische Zündquellen-
vermeidung mit erhöhter Sicherheit
Die Schutzleitfäden für den Brand- und Explosionsschutz sind
hier noch in der Entwicklung. Der Schutzleitfaden pc-370 be-
schreibt die Grundanforderungen an hohe Brandschutzmaßnahmen. Zum Schutz vor
hohen Brandgefährdungen sind in Maßnahmenstufe 3 besondere Maßnahmen des
baulichen, technischen und abwehrenden Brandschutzes wie z. B. feuerfeste Bau-
weise oder selbsttätige Lösch- und Brandmeldeanlagen umzusetzen

Das Modul Brand und Explosion empfiehlt in dieser Maßnahmenstufe das geschlos-
sene System zu etablieren. Entsprechend der emissionsmindernden Maßnahmen
schützt das geschlossene System auch vor Gefährdungen durch das Einatmen von
Gefahrstoffen und es ist dort in der Maßnahmenstufe 3 bereits durch Schutzleitfäden
etabliert. Sie können diese hier ebenfalls nutzen.

In geschlossenen Systemen sollten Sie nach Möglichkeit gefährliche explosionsfähige


Atmosphäre vermeiden, indem Sie zum Beispiel auf Verfahren wie die Inertisierung
oder der Druckabsenkung zurückgreifen. Mögliche Maßnahmen werden in der
TRGS 722 / TRBS 2152 Teil 2 „Vermeidung oder Einschränkung gefährlicher explosi-
onsfähiger Atmosphäre“ beschrieben. Die Inertisierung und Druckabsenkung ist in der
Regel mit einer kontinuierlichen Konzentrationsüberwachung verbunden.

HINWEIS:
• Die Maßnahme Inertisierung führt zur sicheren Vermeidung einer brennbaren
und explosionsfähigen Atmosphäre in geschlossenen Systemen, jedoch ist der
damit verbundene Aufwand nicht zu unterschätzen.
Für den Fall, dass die Inertisierung nicht wirksam ist oder bei Wartungsarbeiten nicht
umgesetzt werden kann, werden Brand- und Explosionsschutzmaßnahmen notwen-
dig. Sie beginnen dann mit einer anlagenbezogenen Zündquellenvermeidung. Bei-
spiele hierfür sind die Vermeidung elektrostatischer Entladungen in Rohrleitungen und
die Zündquellenfreiheit in Abhängigkeit der sich bildenden explosionsfähigen Atmo-
sphäre um Behälter- und Rohrleitungsöffnungen herum. Maßgeblich für die festzule-
genden Schutzmaßnahmen ist die gefährlichste Tätigkeit.

HINWEIS:
• Legen Sie Gefährdungen, die die gleichen Schutzmaßnahmen erfordern, in ei-
nem Arbeitsbereich zusammen. Das gilt besonders für bauliche und technische
39

Brandschutzmaßnahmen und für explosionsgeschützte Einrichtungen und Ge-


räte. Dadurch können Sie Kosten sparen.
Wenn Sie die Zündquellenfreiheit nicht sicher gewährleisten können, müssen Sie das
Schadensausmaß einer Explosion durch Einrichtungen des konstruktiven Explosions-
schutzes begrenzen. Diese umfassen Explosionsdruckentlastungseinrichtungen, Ent-
kopplungseinrichtungen und eine explosionsfeste Bauweise. Beispiele hierfür sind
Wartungsarbeiten oder das Arbeiten mit sehr zündwilligen Gefahrstoffen wie Stäuben
mit einer Mindestzündenergie < 3 mJ. Konstruktiven Explosionsschutz müssen Sie
auch dann anwenden, wenn damit zu rechnen ist, dass die Auswirkungen das übliche
Maß überschreiten, wie z. B. in der Nähe von Versammlungsstätten oder dicht besie-
delten Gebieten.

Ergibt sich bei der Bewertung einer Tätigkeit die Maßnahmenstufe 3, die nicht in einem
geschlossenen System durchgeführt werden kann, ist die Vermeidung von Explosi-
onsgefährdungen durch tätigkeitsspezifische Zündquellenvermeidung mit erhöhter Si-
cherheit umzusetzen.

Zur Umsetzung dieser Schutzstufe ist eine hohe Expertise notwendig und kann in der
Regel nicht ohne externe Beratung durchgeführt werden. Anhaltspunkte zur Maßnah-
menfindung erhalten Sie im Technischen Regelwerk und in den Handlungsempfehlun-
gen der Berufsgenossenschaften und Länder.

4.5 Beratung
Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, die auch ohne Luft explosionsfähig oder -gefährlich sind,
führen zu sehr hohen Brand- und Explosionsgefährdungen. Hier müssen Sie zusätz-
lich die Anforderungen aus dem Sprengstoffgesetz und der Gefahrstoffverordnung be-
achten. Die Gefahrstoffverordnung enthält im Anhang III, Nr. 2 spezielle Anforderun-
gen zu Tätigkeiten mit Organischen Peroxiden und im Anhang I, Nr. 5 zu Ammonium-
nitrat.

Die explosionsgefährlichen Gefahrstoffe ordnet das EMKG-Modul der Gefährlichkeits-


gruppe pc-E und die explosionsfähigen der Gefährlichkeitsgruppe pc-D zu. Beide Ge-
fährlichkeitsgruppen führen direkt in die Beratung. Die Gefährlichkeitsgruppe pc-D ent-
hält Gefahrstoffe, die ohne Luft explosionsfähig, aber nicht dem Sprengstoffgesetz un-
terstellt sind. Gefahrstoffe der Gefährlichkeitsgruppe pc-E sind explosionsgefährlich
und unterliegen dem Sprengstoffgesetz. Die Maßnahmenzuordnung ist nur von der
Menge abhängig und orientiert sich an das Vermeiden von wirksamen Zündquellen.

HINWEIS:
• Lagerung und Verkauf von pyrotechnischen Gegenständen sind Tätigkeiten mit
Explosivstoffen und unterliegen dem Sprengstoffgesetz und der Gefahrstoffver-
ordnung.

Bei diesen Gefährdungen ist ein spezielles Fachwissen zu den Schutzmaßnahmen


erforderlich, das nicht durch Schutzleitfäden abgedeckt werden kann. Als Hilfestellung
40

können neben den Technischen Regeln, Handlungsempfehlungen und Fortbildungs-


veranstaltungen der Unfallversicherungsträger und der Länder bei der Gefährdungs-
beurteilung unterstützen. Empfehlenswert ist die Beratung durch Brand- und Explosi-
onsschutz- und ggf. Sprengstoffexperten.

Weitere Informationen zu organischen Peroxiden, die nicht explosionsgefährlich sind,


finden Sie unter:

• GefStoffV Anhang III, Spezielle Anforderungen an Tätigkeiten mit organischen


Peroxiden (2017)
• DGUV Vorschrift 13 bisher: BGV B 4 Organische Peroxide (1997)
• DGUV Information 213-069 bisher: BGI 752 Organische Peroxide (Merkblatt M
001 der Reihe "Gefahrstoffe") (2013)
• DGUV Information 213-096 bisher: BGI/GUV-I 8619 Organische Peroxide -
Antworten auf häufig gestellte Fragen (Merkblatt M 058 der Reihe "Gefahr-
stoffe") (2013)
Weitere Informationen zu Ammoniumnitrat und ammoniumnitrathaltige Düngemittel
finden Sie unter:
• GefStoffV Anhang I, Nr. 5: Ammoniumnitrat (2017)
• TRGS 511 Ammoniumnitrat (2008)
Weitere Informationen zu Explosivstoffe und Pyrotechnik finden Sie unter:
• DGUV Regel 113-017 bisher: BGR/GUV-R 242 Tätigkeiten mit Explosivstoffen
(2017) ersetzt u. a. BGV B5 und BGV D35, D 37, D38-42, D44
• DGUV Regel 113-006 bisher: BGR 123 Einsatz von Fahrzeugen in Explosiv-
stoffbetrieben (2005)
• DGUV Regel 113-008 bisher: BGR 211 Pyrotechnik (2001)
Amtliche Mitteilungen zum Sprengstoffgesetz (SprengG) der BAM Bundesanstalt für
Materialforschung und -prüfung
[Link]
recht/[Link]
41

Schritt 5: Wirksamkeitsprüfung Brand und Explosion


Die Schutzleitfäden sind wie Checklisten aufgebaut und bis auf wenige Ausnahmen
nicht länger als zwei Seiten. Der Gesetzgeber verpflichtet Sie dazu, innerhalb Ihrer
Gefährdungsbeurteilung die umgesetzten Schutzmaßnahmen auf ihre Wirksamkeit zu
prüfen und zu dokumentieren. Die Schutzleitfäden sind hierfür ein geeignetes Hilfsmit-
tel.

HINWEIS:
• Alle Schutzleitfäden finden Sie unter: [Link]/DE/Themen/Arbeits
gestaltung-im-Betrieb/Gefahrstoffe/EMKG/[Link]
Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Schutzmaßnahmen wirksam sind, ist das
Einhalten der grundsätzlichen Anforderungen an die Organisations- und Hygienestan-
dards im Betrieb. Deshalb sollten Sie diese regelmäßig prüfen.

HINWEIS:
• Lagert sich Staub auf elektrischen Betriebsmitteln ab, kann diese Staubschicht
durch ihre wärmedämmende Wirkung zu einem Anstieg der Oberflächentem-
peratur und bei Erreichen der Glimmtemperatur zur Zündung führen. Bei den
Reinigungsarbeiten ist zu beachten, dass die eingesetzten Reinigungsgeräte
selber keine Explosion verursachen dürfen. Diese Gefahr besteht beispiels-
weise bei nicht explosionsgeschützten Staubsaugern. Selbst auf den ersten
Blick harmlose Stoffe wie Mehl oder Holzstaub, können unerwartet beim Reini-
gen explodieren.

Verwenden Sie explosionsgeschützte Arbeitsmittel. Achten Sie darauf, dass sie diese
entsprechend Ihrer Zündquellenfreiheit und der Zoneneinteilung einsetzen.

Darüber hinaus sollten regelmäßige, möglichst tägliche Sicht- und Funktionskontrollen


festgelegt werden, z. B. die Überprüfung der Funktion einer Absauganlage nach dem
Einschalten. Zu achten ist auch auf sicht- oder hörbare Veränderungen sowie auftre-
tende Mängel an persönlicher Schutzausrüstung und Arbeitsmitteln. Die Angaben des
Herstellers in der Betriebsanleitung von technischen Arbeitsmitteln sind zu beachten.

Wichtige Prüfungen ab Maßnahmenstufe 2

Damit der notwendige Schutz sichergestellt werden kann, sind technische Schutzein-
richtungen, z. B. raumlufttechnische Anlagen (RLT) oder Absauganlagen, regelmäßig
auf Funktion und Wirksamkeit zu prüfen. Hierzu gehört das Überwachen von Sollwer-
ten (z. B. von Volumenströmen, Luftgeschwindigkeit) unter Beachtung von Hersteller-
angaben oder technisch erfassbarer Störeinflüsse wie z. B. Querströmungen. Die
Überprüfung muss nach Gefahrstoffverordnung regelmäßig, mindestens jedoch im 3-
Jahres-Abstand erfolgen; bei Einrichtungen zum Abscheiden, Erfassen und Nieder-
schlagen von Stäuben mindestens jährlich. Das Ergebnis der Prüfungen müssen Sie
dokumentieren.

Hinsichtlich getroffener Maßnahmen zum Explosionsschutz stellt die Betriebssicher-


heitsverordnung (BetrSichV) weitere Anforderungen an die Wirksamkeitsprüfung. Ge-
mäß BetrSichV Anhang 2, Abschnitt 3 ist durch eine befähigte Person zu prüfen, ob
42

alle im explosionsgefährdeten Bereich vorgesehenen Arbeitsmittel und die Arbeitsum-


gebung sowie die Maßnahmen zum Schutz Dritter die Explosionssicherheit gewähr-
leisten. Die Prüfungen sind mit dem Ziel durchzuführen, den Schutz vor Gefährdungen
durch Explosionen und Brände mindestens bis zur nächsten Prüfung sicherzustellen.
Die befähigte Person hat:

• eine einschlägige technische Berufsausbildung oder eine andere für die vorge-
sehenen Prüfungsaufgaben ausreichende technische Qualifikation
• mindestens eine einjährige Erfahrung mit der Herstellung, dem Zusammenbau,
dem Betrieb oder der Instandhaltung der zu prüfenden Anlagen oder Anlagen-
komponenten in Bezug auf Explosionsschutz
• hat Kenntnisse über Explosionsgefährdungen durch Teilnahme an Schulungen
oder Unterweisungen und hält diese auf aktuellem Stand.
Wenn Geräte, Schutzsysteme oder Sicherheits-, Kontroll- oder Regelvorrichtungen ei-
ner Gerätekategorie der Richtlinie 2014/34/EU unterliegen (siehe Tab. 4.13), sind
diese vor Inbetriebnahme, nach prüfpflichtigen Änderungen und nach Instandsetzung
und durch wiederkehrende Prüfung durch eine befähigte Person zu prüfen. Diese be-
nötigt eine behördliche Anerkennung und einer der Prüfaufgabe entsprechenden Qua-
lifikation. Außerdem verfügt sie über die für die Prüfung erforderlichen Prüfeinrichtun-
gen. Diese Prüfung kann nach der Instandsetzung durch den Hersteller durchgeführt
werden. Der Hersteller muss bestätigen, dass das Gerät, das Schutzsystem oder die
Sicherheits-, Kontroll- oder Regelvorrichtung in den für den Explosionsschutz wesent-
lichen Merkmalen den Anforderungen dieser Verordnung entspricht.

Weitere Anforderungen an „Prüfungen von Arbeitsmitteln und überwachungsbedürfti-


gen Anlagen“ sind in den Teilen 1 bis 4 der TRBS 1201 aufgeführt. Diese sind mit
bestimmten Ausnahmen von zugelassenen Überwachungsstellen durchzuführen. Be-
nannte zugelassene Überwachungsstellen finden Sie auf der Homepage der BAuA
unter
[Link]/de/Produktsicherheit/Produktinformationen/Zugelassene-Ueberwa-
[Link].

Tragbare Feuerlöscher die als funktionsfertige Baugruppe in Verkehr gebracht werden,


unterliegen nur der wiederkehrenden Prüfung gemäß § 16 und Anhang 2, Abschnitt 4,
6.13 der Betriebssicherheitsverordnung. Diese ist von einer befähigten Person durch-
zuführen. Die befähigte Person muss aufgrund ihrer Fachkenntnisse aus einer Berufs-
ausbildung, beruflichen Erfahrungen und zeitnaher Tätigkeit im Bereich „Prüfung von
Feuerlöschern“, in der Lage sein den sicherheits- und brandschutztechnischen Zu-
stand von Feuerlöschgeräten beurteilen zu können. Die Feuerlöscher sind alle zwei
Jahre zu prüfen.

Darüber hinaus können weitere Prüfungen innerhalb der einzelnen Bundesländer be-
nötigt werden. In Nordrhein Westfalen sind Prüfungen gemäß der Verordnung über die
Prüfung technischer Anlagen und wiederkehrende Prüfungen von Sonderbauten –
Prüfverordnung (PrüfVO NRW) von einem Prüfsachverständigen durchzuführen. Ent-
sprechend des § 1 der PrüfVO NRW müssen Sie hier u. a. lüftungstechnische Anlagen,
CO-Warnanlagen, elektrische Anlagen in Sonderbauten und Brandschutzeinrichtun-
gen wie z. B. ortsfeste Feuerlöschanlagen oder Rauchabzugsanlage von Prüfsachver-
ständigen prüfen lassen. Die Prüfung der Anlagen muss vor erster Inbetriebnahme,
43

nach wesentlicher Änderung und in wiederkehrenden Prüfungen in Abhängigkeit der


Anlagenart in Zeiträumen von nicht mehr als 3 oder 6 Jahren durchgeführt werden.

Die verschiedenen Prüfarten und -fristen sowie die Anforderungen an die verantwort-
lichen Prüfer sind vom Arbeitgeber festzulegen. Am besten ist dies in einem Plan zu
dokumentieren und in die Gefährdungsbeurteilung oder dem Explosionsschutzdoku-
ment zu integrieren.
44

Anhang 1 Hilfestellung zur Zündquellen-identifizie-


rung und -vermeidung
Ist eine Bildung explosionsfähiger Atmosphäre unvermeidlich, ist die Vermeidung von
wirksamen Zündquellen essenziell für einen effektiven Brand- und Explosionsschutz.
Informationen hierzu geben die TRGS 723 „Gefährliche explosionsfähige Gemische -
Vermeidung der Entzündung gefährlicher explosionsfähiger Gemische“ und die
TRGS 727 „Vermeidung von Zündgefahren infolge elektrostatischer Aufladungen“.

Das Modul Brand und Explosion hat die Anforderungen zur Zündquellenvermeidung
für die Tätigkeiten „Umfüllen von Flüssigkeiten“ und „Lackierarbeiten“ bereits in ent-
sprechenden Schutzleitfäden der 200er Reihe aufbereitet. Für andere Tätigkeiten gibt
es zurzeit keine Schutzleitfäden. Um dem Anwender dennoch eine Hilfestellung zum
Identifizieren und Ausschließen von effektiven Zündquellen an die Hand zu geben,
sind folgend die häufigsten Zündquellen aufgeführt.

Ein nützliches Instrument zur Verhinderung der Zündung explosionsfähiger Atmo-


sphäre ist die Zoneneinteilung nach Häufigkeit des Auftretens explosionsfähiger Atmo-
sphäre und die Verwendung von Geräten, die für diese Zonen nach EU-Richtlinie
2014/34/EU ausgelegt sind.

Anh. 1, Tab. 1 Zoneneinteilung und Einteilung der in ihnen zu verwendenden Ge-


räte nach EU-Richtlinie 2014/34/EU
Zone Kategorie der Gruppe II* Zündquellenfreiheit
Gerät ist keine Zündquelle, weder bei bestim-
mungsgemäßen Betrieb noch bei vorhersehbaren,
0/20 1G/1D
seltenen oder unvorhersehbaren Betriebsstörun-
gen.
Gerät stellt bei vorhersehbaren Betriebsstörungen
1/21 2G/2D und bestimmungsgemäßen Betrieb keine Zünd-
quelle dar.
Gerät stellt bei bestimmungsgemäßem Betrieb
2/22 3G/3D
keine Zündquelle dar
*Zur Gruppe II gehören alle Geräte und Schutzsysteme, außer denen, die im Bergbau
verwendet werden.
G = Für Bereiche mit explosionsfähiger D = Für Bereiche mit explosionsfähiger
Atmosphäre aus Gas/Luft-Gemisch, Amosphäre aus Staub/Luft-Gemisch
Dampf/Luft-Gemisch o. Nebel

Jedoch ist die Zoneneinteilung nur ein Hilfsmittel für den Brand- und Explosionschutz.
Explosionsfähige Atmosphäre kann auch auftreten, wenn keine Zoneneinteilung ge-
macht wurde. Daher ist es wichtig, durch die richtige Kombination von Maßnahmen die
Zündung explosionsfähiger Atmosphäre zu vermeiden.

HINWEIS
Es müssen keine Zündquellen betrachtet werden, deren Zündenergie zur Zündung zu
klein ist.
45

Zündquellenvermeidung bei Stäuben - Allgemeines

Die Zündfähigkeit von Staub-Luft-Gemischen kann durch wenige Maßnahmen bereits


minimiert werden. Eine explosionsfähige Atmosphäre liegt vor, wenn eine blickdichte
Staubwolke vorhanden ist. Dies ist typischerweise bei Erreichen der unteren Explosi-
onsgrenze (meist 15 – 2000 g/m3) der Fall. Hierbei ist zu beachten, dass bereits flä-
chendeckende Staubablagerungen durch Luftstöße aufgewirbelt werden und zu ex-
plosionsfähigen Staub-Luft-Gemischen führen.

Bei Stäuben ist zu beachten, dass die Zündfähigkeit abhängig von der Korngrößen-
verteilung und dem Wassergehalt ist. Die Korngrößenverteilung gibt die durchschnitt-
liche Größe der Staubkörner an. Prinzipiell gilt, je größer diese sind, desto geringer ist
die Wahrscheinlichkeit der Bildung eines explosionsfähigen Staub-Luft-Gemisches.
Besonders kritisch sind Stäube mit einer Korngröße < 0,5 mm. Hingegen bilden Stäube
mit einer Korngröße > 1 mm keine explosionsfähigen Staub-Luft-Gemische.

Des Weiteren gilt: je feuchter ein Staub ist, desto weniger staubexplosionsfähig ist er.
Die sicherheitstechnischen Kenngrößen sind daher auch abhängig von den Feuchte-
gehalten. Deshalb ist das Befeuchten von Stäuben eine wirksame emissionsmin-
dernde Schutzmaßnahme. Diese Maßnahme eignet sich für den Transport und für be-
stimmte Arbeitsverfahren.

Heiße Oberflächen

Kommt eine explosionsfähige Atmosphäre mit einer heißen Oberfläche in Berührung,


kann diese entzündet werden. Dabei kann entweder die Oberfläche direkt als Zünd-
quelle wirken oder einen brennbaren Feststoff oder eine Staubschicht bei Kontakt ent-
zünden, welcher daraufhin die explosionsfähige Atmosphäre zündet. Beispiele für
heiße Oberflächen sind
Heizplatten Gehäuse von bewegten Teilen
Heizungen Reibungskupplungen
Lampen Motorengehäuse

Die Zündfähigkeit einer heißen Oberfläche kann über die Mindestzündenergie und –
temperatur der Gefahrstoffe, die die explosionsfähige Atmosphäre bilden, beurteilt
werden.

Heiße Oberflächen und Stäube

Besonders gefährlich sind heiße Oberflächen in der Gegenwart von brennbaren Stäu-
ben, die nach EMKG mindestens eine mittlere Freisetzung aufweisen und eine Min-
destzündtemperatur < 600 °C oder eine Mindestzündladung < 10 kJ haben. Kommt
ein solches Staubgemisch in Kontakt mit einer heißen Oberfläche, kann es zur Staub-
explosion kommen. Abgelagerter Staub kann sich entzünden und so als Zündquelle
für eine explosionsfähige Atmosphäre fungieren.
46

Um die Zündung eines Staub-Luft-Gemisches zu verhindern, sollte die Oberflächen-


temperatur einer heißen Oberfläche begrenzt werden. In explosionsgefährdeten Be-
reichen, z.B. bei einer Zoneneinteilung, sollte die Oberflächentemperatur immer klei-
ner als 2/3 der Mindestzündtemperatur sein, wenn eine Staubwolke vorliegt; bei einer
Staubschicht von 5 mm sollte der Abstand zur Mindestzündtemperatur mindestens
75 °C betragen.

Heiße Oberflächen und Gase/Dämpfe

Bei Gasen und Dämpfen gilt allgemein, dass die Oberflächentemperatur der einge-
setzten Betriebsmittel kleiner sein muss als die Zündtemperatur der explosionsfähigen
Atmosphäre, die mit ihr in Kontakt steht. Zur Vereinfachung werden Betriebsmittel in
Temperaturklassen eingeteilt.

Anh. 1, Tab. 2 Übersicht über die Temperaturklassen und die maximal anzuwen-
dende Oberflächentemperatur

Temperatur- Maximale Oberflä- Zündtemperaturbereich der ex-


klasse chentemperatur plosionsfähigen Atmosphäre
T1 450 °C > 450 °C
T2 300 °C > 300 °C – 450 °C
T3 200 °C > 200 °C – 300 °C
T4 135 °C > 135 °C – 200 °C
T5 100 °C >100 °C 135 °C
T6 85 °C > 85 °C – 100 °C

Zudem müssen bei Gefährdungen durch heiße Oberflächen folgende Anforderungen


an Betriebsmittel und Arbeitstemperaturen für Tätigkeiten, bei denen explosionsfähige
Atmosphäre nicht ausgeschlossen werden kann, erfüllt sein. Auch Gasexplosionen
können verhindert werden, wenn die Oberflächentemperaturen in den Zonen unterhalb
der Mindestzündtemperatur bleiben. Für die Zonen 0 und 1 darf die Oberflächentem-
peratur nicht mehr als 80 % der Mindestzündtemperatur des Gefahrstoffes betragen.
Für die Zone 2 genügt es, wenn die Oberflächentemperatur unterhalb der Mindest-
zündtemperatur bleibt.

Flammen und heiße Gase

Flammen zählen zu den wirksamsten Zündquellen, da sie immer sehr hohe Tempera-
turen von mindestens 400 °C aufweisen. Daher sind sie ohne andere Schutzmaßnah-
men in allen Zonen verboten. Dies muss vor allem bei Instandhaltungs- oder Feuer-
arbeiten mit Bunsenbrennern, Feuerzeugen oder Schweiß- und Schneidgeräten be-
rücksichtigt werden.

Mechanisch erzeugte Funken

Eine nicht zu unterschätzende Zündquelle sind mechanisch erzeugte Funken, welche


beim kurzzeitigen Berühren von funkenerzeugenden Werkzeugen oder Schlagvorgän-
47

gen unter Beteiligung von Rost und Leichtmetallen entstehen. Typische Beispiele hier-
für sind das Öffnen von Behältern, mechanische Trennarbeiten und Schleifvorgänge.
Durch die Verwendung von ATEX-Geräten (nach EU-Richtlinie 2014/34/EG) und dem
Verbot von Werkzeug, deren Tätigkeit das Auftreten einzelner Funken bedingt, in den
Zonen 0/20 kann das Risiko einer Zündung der explosionsfähige Atmosphäre mini-
miert werden. Hierzu zählen Schraubendreher, -schlüssel und Schlagschrauber.
Werkzeuge wie Trenn- oder Winkelschleifer, die einen konstanten Funkenregen abge-
ben, sollten in keiner Zone verwendet werden.

Für Stäube sind mechanisch erzeugte Funken erst ab einer Mindestzündtemperatur


< 600 °C, bzw. einer Mindestzündenergie < 0,01 J relevant.

Statische Elektrizität

Die Entladung statischer Elektrizität kann zur Entzündung einer explosionsfähigen At-
mosphäre führen. Prominentestes Beispiel hierfür ist die Entladung aufgeladener oder
isoliert angeordneter leitfähiger Teile oder Personen. Diese Entladung tritt insbeson-
dere bei Um- oder Abfüllvorgängen, Schüttgüterentladungen oder schnellen Trennvor-
gängen, wie dem Abziehen von Folie auf. Allerdings kann auch das Mischen von Stof-
fen zu einer elektrischen Entladung führen.

Entscheidend für die Wirksamkeit dieser Zündquelle sind die Mindestzündenergien der
Gefahrstoffe sowie die Zündempfindlichkeit bei Stäuben.

In den Zonen ist darauf zu achten, dass keine isolierten Materialien verwendet
werden und ableitfähige Materialen immer geerdet sind.

Folgend sind typische Mindestzündenergien von Gefahrstoffen, sowie die Energien


von Zündquellen aufgeführt.

Anh. 1, Tab. 3 Mindestzündenergien von Gefahrstoffen im Vergleich zu Energien


typischer Zündquellen und der Zündempfindlichkeit von Stäuben

Mindestzündenergien Zündempfindlichkeit Energien von Zündquellen


Stäube
Gase/Dämpfe: Normal: Person:
0,01 – 2 mJ MZE > 10 mJ 7 – 15 mJ
flüssige Stoffe: Besonders: Flansch/Eimer:
0,01 – 10 mJ 3 mJ < MZE < 10 mJ 0,5 mJ
feiner Staub: Extrem: Kleinbehälter (≤ 50 L):
0,2 – 100 mJ < 3 mJ 2 mJ
für Granulat höher Vermeidung elektro- Metallbehälter (200 –
statischer Entladung nicht 500 L):
ausreichend! 10 – 60 mJ

HINWEIS
Bei Stäuben sind Büschelentladungen unkritisch.
48

Elektrische Anlagen

Bei der Verwendung ungeschützter elektrischer Geräte und Anlagen können heiße
Oberflächen durch induktive Erwärmung auftreten oder Funken abgegeben werden,
welche eine explosionsfähige Atmosphäre zünden können. Auslöser dieser Zündquel-
len können auch Kurzschlüsse oder Wackelkontakte sein. Daher sollten in den Zonen
nur solche Geräte Verwendung finden, die nach der Richtlinie 2014/34/EU vorgegeben
sind (Anh. 1, Tab. 1).

Dabei sind die angegebenen Geräteklassen nur Mindestanforderungen für die Zonen.
Geräte mit höheren Anforderungen können auch in weniger kritischen Zonen einge-
setzt werden. Beispielsweise können Geräte der Kategorie 1G/1D auch in den Zonen
1/21 oder 2/22 verwendet werden. Liegen hybride explosionsfähige Gemische aus
brennbaren Gasen, Nebeln und Stäuben vor, ist zu überprüfen, ob der Schutzgrad von
Geräten der Kategorie D ausreichend ist oder spezielle Geräte genutzt werden müs-
sen.

Chemische Reaktionen

Bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen müssen zur Zündquellenvermeidung immer die mög-
lichen Reaktionen mit anderen verwendeten Stoffen oder sogar sich selbst berücksich-
tigt werden. Typische Beispiele hierfür sind exotherme Reaktionen von Gefahrstoffen
untereinander, wenn sie vermischt werden oder die Selbstentzündung oder –erhitzung
eines Stoffes. Auch die Verdünnung von Säuren kann problematisch sein, wie die Ver-
dünnung von Salpeter- oder Flusssäure in Metallgefäßen.

Bei wie folgt eingestuften Gefahrstoffen sollten sie die Möglichkeit von chemischen
Reaktionen in Betracht ziehen: H242; H260; H261; H271; H272; bzw. ehemals R6; R7;
R8; R9; R14; R14/15; R15; R15/29; R16.

Folgende Stoffkombinationen führen zu chemischen Reaktionen:


 Alkalimetalle mit Wasser
 Kupfer mit Acetylen
 Schwermetalle mit Wasserstoffperoxid
 feiner Aluminiumstaub und Rost reagieren auf Schlag
 Stoffe eingestuft mit H260 und H261: heftige Reaktion mit Wasser und hoher
Luftfeuchtigkeit
 Chlor reagiert heftig mit Wasserstoff, Kohlenwasserstoffen, Ammoniak, Ami-
nen, Diethylether und anderen organischen Stoffen

Dabei ist diese Liste nicht abschließend.


49

Weitere Zündquellen

Weniger häufig auftretende Zündquellen sind hier zusammengefasst.

In elektrischen Anlagen kann es zeitweise oder dauernd vorkommen, dass Aus-


gleichsströme fließen. Diese treten vor allem als Rückströme zu Stromerzeugungs-
anlagen in der Nähe von elektrischen Anlagen mit großer Stromstärke wie Schweiß-
anlagen oder Anlagen mit kathodischen Korrosionsschutz oder bei fehlerhaften
elektrischen Anlagen auf. Auch ein Blitzschlag kann zu diesen Ausgleichsströmen
führen.
Weiterhin als mögliche Zündquellen zu berücksichtigen sind

 Elektromagnetische Felder im Bereich der Frequenz von 9 kHz – 300 GHz


z. B. elektromagnetische Wellen von Anlagen, Funksendestellen, Hoch-
frezquenzgeneratoren zum Erwärmen, Trocknen, Schweißen oder Schnei-
den

 Elektromagnetische Strahlungen im Bereich der Frequenzen von 300 GHz –


3 * 106 GHz oder einem Wellenlängenbereich von 1000 µm – 0,1 µm (opti-
scher Spektralbereich
z. B. Sonnenlicht, Bündelung von Licht durch Linsen oder Hohlspiegel, Strah-
lung von starken Lichtquellen, Laserstrahlung

 Ionisierende Strahlung
z. B. Röntgenröhren, radioaktive Stoffe

 Ultraschall
z. B. Ultraschallmess- und Prüfgeräte, Ultraschallbohrer, Schneidgeräte

 Adiabatische Kompression, Stoßwellen, strömende Gase


z. B. Entspannung von Hochdruckgasen in Rohleitungen, Hammerschlag

HINWEIS:
Weitere nützliche Informationen zu Zündschutzarten, der International Protection (IP)
Schutzartkennzeichnung und der Explosionsschutzkennzeichnung kann auf der Inter-
netseite der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) nachgelesen werden:
[Link]
50

Anhang 2 Dokumentation der Explosionsgefähr-


dungen nach § 6 Absatz 9 GefStoffV

Hinsichtlich der Dokumentation der Explosionsgefährdungen durch explosionsfähige


Gemische wird häufig nach der separaten Erstellung eines Explosionsschutzdoku-
ments gefragt. Dies wird jedoch nicht explizit in der Gefahrstoffverordnung gefordert.
Entscheidend ist, dass die Beurteilung der Explosionsgefährdungen und die dar-
aus resultierenden Maßnahmen und Prüfpflichten zusammenhängend dokumen-
tiert werden. So ist es auch möglich, die Beurteilung der Explosionsgefährdungen
in die vorhandene Gefährdungsbeurteilung zu integrieren und darin besonders
auszuweisen. Dies macht vor allem Sinn, wenn Sie nur einzelne Tätigkeiten mit Ex-
plosionsgefährdungen im Betrieb durchführen. Hier ist ein Explosionsschutzdokument
nicht zwingend erforderlich.

Sind die Explosionsgefährdungen komplexer und nutzen Sie Anlagen, in denen die
Explosionsgefährdungen auftreten, kann es sinnvoll sein, ein Explosionsschutzdoku-
ment zu erstellen. Hierfür können Sie z. B. die Gliederung des Leitfadens zur Explosi-
onsschutzrichtlinie 1999/92/EG nutzen.

Für die Dokumentation der Beurteilung Ihrer Explosionsgefährdungen müssen Sie


mindestens folgende Punkte nach Gefahrstoffverordnung ermitteln, bewerten, umset-
zen und dokumentieren:
▪ Vorliegende Explosionsgefährdungen
▪ Angemessene Vorkehrungen zum Schutz vor Explosionsgefährdungen
▪ Zoneneinteilung, soweit erforderlich (Anhang I Nummer 1.7)
▪ Bereiche mit Explosionsschutzmaßnahmen (§ 11 und Anhang I Nummer 1)
▪ Vorgaben für Zusammenarbeit verschiedener Firmen (§ 15)
▪ Notwendige Überprüfungen zur Wirksamkeitskontrolle (§ 7 Absatz 7) sowie Prü-
fungen zum Explosionsschutz nach Anhang 2 Abschnitt 3 der Betriebssicherheits-
verordnung

Zusätzlich sind die prüfpflichtigen Geräte und Sicherheitseinrichtungen und deren re-
gelmäßige Prüfungen zu dokumentieren.

Im Folgenden finden Sie eine Mustergliederung der Dokumentation und eine Doku-
mentationsvorlage für Ihre Beurteilung. In den eckigen Klammern finden Sie Hinweise
darauf, wo Sie im Modul die benötigten Informationen einbringen bzw. dokumentieren
können.
51

Mustergliederung der Dokumentation


▪ Beschreibung der Arbeitsstätte und der Arbeitsbereiche [siehe Dokumentationsvor-
lage]

▪ Beschreibung der Verfahrensschritte und/oder Tätigkeiten [siehe Dokumentations-


vorlage]

▪ Beschreibung der eingesetzten Stoffe / Sicherheitstechnische Kenngrößen [siehe


Schritt 1 und Dokumentationsvorlage]

▪ Darstellung der Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung [siehe Schritt 4 und Doku-


mentationsvorlage]

▪ Getroffene Explosionsschutzmaßnahmen [siehe Schutzleitfäden]

▪ Technische Maßnahmen (vorbeugend, konstruktiv, Prozessleittechnik) [siehe


Schutzleitfäden]

▪ Organisatorische Maßnahmen (Betriebsanweisung, Unterweisung, Qualifikation


der Mitarbeiter, Benutzungsregelung der ortveränderlichen Geräten in Ex-Berei-
chen, Sicherstellung der Tragepflicht von PSA, Organisation des Freigabeverfah-
rens und Instandhaltungs-, Prüfungs- und Kontrollarbeiten, Kennzeichnung der Zo-
nen) [siehe Schutzleitfäden]

▪ Realisierung der Explosionsschutzmaßnahmen (Benennung der Verantwortlichen,


Maßnahmenanwendung, Wirksamkeitskontrolle) [siehe Schritt 5 und Dokumenta-
tionsvorlage]

▪ Koordinierung der Explosionsschutzmaßnahmen [siehe Dokumentationsvorlage,


parallel erfolgende Tätigkeiten, die zu möglichen Zündquellen führen, sind zu ko-
ordinieren.]

▪ Anhang (z. B. EG-Baumusterprüfbescheinigung, EG-Konformitätserklärung, Si-


cherheitsdatenblätter, Betriebsanleitungen von Apparaten und Geräten, Wartungs-
pläne)
52

Dokumentationsvorlage
Beispiel: Erstellen einer Farbmischung mit Goldbronzepulver (Dokumentation von Feststoffen zusätzlich zu den Schutzleitfäden)

Betrieb: Bearbeiter: Erstelldatum:

Schritt 1: Gefährlichkeits- Schritt 2: Freisetzungs- Schritt 3: Men- Schritt 4: Maß-


Gefahrstoff
ermittlung gruppe gengruppe nahmenstufe
Verweis auf
Tätigkeit/ Tätigkeitsbe-
# Sicherheitsda-

Staubungsverhalten; Siede-
Betriebsbereich schreibung
tenblatt mög-

Gefährlichkeitsgruppe

punkt; Dampfdruck
Feststoffangaben
lich

Flammpunkt

NIEDRIG

MITTEL
H-Satz

Menge
HOCH

mittel
klein

groß
1
Farbmischung Zugabe der

explosionsfähiges Staub/ Luft-


Goldbronze-
1 erstellen/ Farbe im Rühr-

grobkörniger Feststoff
pulver gemisch möglich
Lackiererei werk

500 mg
pc-C
228

X
53

Notizen zur Zündquellenvermeidung Schritt 5: Wirksamkeitsüberprüfung

Prüfmittel
Prüfung

Verantwortlicher
z. B. Schutzleitfä- Prüfintervall Prüfergebnis

Erledigt am
# mögliche Zündquellen, Wechselwirkungen von Maßnahmen
den, Checklisten, /
sicherheitstechnische (z. B. aus SDB Ab- inklusive
Geräteprüfung (be- Nächste Prü- Verweis auf Doku-
Kenngrößen schnitt 10) aller Geräte und Schutzsys-
fähigte Person/ fung ment möglich
teme
ZÜS)

Elektrostatik Keine gefährlichen


- Grundmaßnahmen Schutzleitfäden:
Elektrische Funken:

Max Muster-
Reaktionen und Freisetzung minimiert

20.11. 2013
- Pulverlöscher mit Metall-
• 100 Jährlich

mann
1 • Rührwerkmotor Zersetzungspro- brandpulver durch anderen
- Minimierung der Staub- • 101 20.11.2014
• Fehlhandlung
dukte bekannt. bildung durch Flakes • 110 Aggregatzustand
• Funkenschlag
ohne Feinabrieb • pc-170
54

Beispiel: Fassbefüllung mit Fasspumpe (Dokumentation von Flüssigkeiten zusätzlich zu den Schutzleitfäden)

Betrieb: Bearbeiter: Erstelldatum:

Schritt 1: Gefährlichkeitser- Schritt 2: Freisetzungs- Schritt 3: Men- Schritt 4: Maß-


Gefahrstoff
mittlung gruppe gengruppe nahmenstufe
Verweis auf
Tätigkeit/ Tätigkeitsbe-
# Sicherheitsda-

Staubungsverhalten; Siede-
Betriebsbereich schreibung
tenblatt mög-

Gefährlichkeitsgruppe

punkt; Dampfdruck
Feststoffangaben
lich

Flammpunkt

NIEDRIG

MITTEL
H-Satz

Menge
HOCH

mittel
klein

groß
2
Fassbefüllung
Fassbefüllung/ Druck-chemi-
1 mittels Fass-
Abfüllbereich kalie

Siedepunkt: 80 °C
pumpe
225, 319, 336

15 °C

pc-C

50 L
X

X
55

# Notizen zur Zündquellenvermeidung Schritt 5: Wirksamkeitsüberprüfung

Prüfung Prüfmittel

Verantwortlicher
Prüfintervall Prüfergebnis

Erledigt am
mögliche Zündquellen, Wechselwirkungen von Maßnahmen z. B. Schutzleitfäden,
/
sicherheitstechnische (z. B. aus SDB Ab- inklusive Checklisten,
Nächste Prü- Verweis auf Doku-
Kenngrößen schnitt 10) aller Geräte und Schutzsys- Geräteprüfung (befä-
fung ment möglich
teme higte Person/ZÜS)

Schutzleitfaden:
Ungeschützte elektri- Grundmaßnahmen • 100
Keine gefährlichen • 101
Schaumlöscher Brand-

Max Mustermann
sche Geräte, •
Reaktionen und klasse B • 110

20.11.2013
• statische Elekt- • Lösungsmittel geeignete • pc-170 Prüfprotokoll der
1 rizität Zersetzungspro- • pc-270 20.11.2016
Fasspumpe ZÜS
• heiße Oberflä- dukte bekannt. • Explosionsgeschützte • pc-280
chen (> 300 °C) elektrische Einrichtun- • pc-281 (Zonen-
• Temperatur- gen im Umkreis von einteilung mit
klasse T2 1,5m um Fasspumpe Absaugung)

Prüfung durch ZÜS

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