Einführung in die Linguistik des Deutschen [Link]/linguistik.
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Wortbildung
Möglichkeiten zur Erweiterung des Wortschatzes:
Entlehnung: Übernahme eines Wortes aus einer anderen Sprache
Wortschöpfung: Neuprägung eines Wortes ohne Anlehnung an vorhandenes Morphemmaterial
Wortbildung: Bildung eines komplexen Wortes aus vorhandenem Morphemmaterial
Okkasionelle vs. usuelle Wortbildungen:
okkasionell: spontan entstandene, kontextabhängige Gelegenheitsbildungen; Bedeutung aus
den Bestandteilen erschließbar (z.B. Mauermord, Kernvorstellung)
usuell: in den festen Wortschatz (Lexikon) eingegangene Bildungen; oft demotiviert/idio-
matisiert (z.B. Augenblick, Faustregel)
Wortbildungstypen im Deutschen:
Komposition: Zusammensetzung von mindestens zwei Kernmorphemen (z.B. Haustür, himmel-
blau)
Derivation: Ableitung eines Wortes aus einem anderen Wort durch Hinzufügung eines
Affixes (z.B. Lenkung, unschön)
Konversion: Überführung eines Wortes in eine andere Wortart ohne Verwendung von Affi-
xen (z.B. das Essen, das Grün)
Kürzung: ausdrucksseitige Verkürzung eines Wortes ohne Wortartwechsel oder Bedeu-
tungsveränderung (z.B. Uni, Bus)
Kontamination: Vermischung zweier Wörter zu einem neuen Wort (Wortmischung, Wortkreu-
zung, z.B. tragikomisch, Kurlaub)
Produktive vs. unproduktive Wortbildungsmuster:
produktiv: in der Gegenwartssprache noch zur Bildung neuer Wörter verwendbar (z.B. -ung,
-er, -bar)
unproduktiv: in der Gegenwartssprache nicht mehr zur Bildung neuer Wörter verwendbar (z.B.
-t wie in Fahrt, -de wie in Freude)
Typen von Komposita:
Klassifiziert nach der Wortart des rechten Gliedes:
Nominalkomposita: z.B. Bücherregal, Hochhaus, Schreibpapier
Verbalkomposita: z.B. schlafwandeln, krankfeiern, schwingschleifen
Adjektivkomposita: z.B. grasgrün, hellblau, denkfaul
Klassifiziert nach der Beziehung zwischen linkem und rechtem Glied:
Determinativkomposita: rechtes Glied (Grundwort) wird vom linken Glied (Bestimmungswort)
semantisch näher bestimmt (z.B. Schreibtisch, hellgrün)
Kopulativkomposita: rechtes und linkes Glied sind gleichgeordnet und theoretisch ver-
tauschbar (z.B. Strichpunkt, nasskalt)
Possessivkomposita: wie Determinativkomposita, jedoch wird das rechte Glied im über-
tragenen Sinn gebraucht (oft als pars pro toto, z.B. Hasenfuß, Kahl-
kopf)
Klassifiziert nach der Bildungsstruktur (nur bei drei- und mehrgliedrigen Komposita):
linksverzweigend: z.B. Eislaufhalle (aus Eislauf + Halle)
rechtsverzweigend: z.B. Eiskunstlauf (aus Eis + Kunstlauf)
gleichrangig-additiv: z.B. Herz-Lungen-Maschine (aus Herz + Lunge + Maschine)
Typen von Derivata:
Klassifiziert nach der Wortart des Kernmorphems:
Desubstantiva: z.B. Unglück, freundlich, hämmern
Deadjektiva: z.B. Klugheit, unklar, glätten
Deverbativa: z.B. Senkung, lesbar, verstehen
Typen von Kürzungen:
Kopfwörter: z.B. Auto (aus Automobil), Uni (aus Universität)
Schwanzwörter: z.B. Bus (aus Omnibus), Cello (aus Violoncello)
Silbenwörter: z.B. Kripo (aus Kriminalpolizei), Stasi (aus Staatssicherheitsdienst)
Buchstabenwörter: z.B. EKG, RAF (mit Buchstabenaussprache); TÜV, UFO (mit silbischer Aus-
sprache)