Was ist Kultur?
Was ist Kultur?
Bereits 1952 sammelten die Anthropologen Alfred Kroeber
und Clyde K. M. Kluckhorn 164 Erklärungsversuche:
Kultur als Pflege und Selbstkultivierung des menschlichen
Geistes im Gegensatz zu Natur und Barbarei
(Abgrenzung zu als „primitiv“ bezeichneten Kollektiven)
Kultur als neutrale oder (vermeintlich) objektive
Beschreibung sozialer Gruppen (Betonung der
Gleichwertigkeit)
Kultur als prägende Lebensweise eines als homogen
angenommenen „Volkes“ (Begriff „Volkskultur“ von
Johann Gottfried Herder).
Vgl. Eagleton, Terry (2001): Was ist Kultur? Eine Einführung (2. Aufl.). München: C.H. Beck. 4
Was ist Kultur?
„Culture is the way we
view things and do
things around here.“
Barry Tomalin, Experte für internationale Kommunikation 5
Kultur als Eisberg (Ed Schein)
Schmidke, Birgit: Kulturmodelle 2015 6
Was ist eigentlich Kultur?
Kultur ist ein Orientierungssystem, das
Fühlen, Denken, Handeln und Bewerten
bestimmt
Es definiert, was wir als richtig und falsch,
gut und böse, hässlich und schön, normal
und abnormal empfinden.
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Der Kulturbegriff im 18. Jahrhundert
Gottfried Herder beschreibt Kulturen als
Kugeln, die sich der der inneren Logik
folgend abstoßen, so wie gleichpolige
Magneten
Diese – heute gottseidank überholte –
Konstruktion von Eigen- und Fremdbild führte
in der Vergangenheit (und Gegenwart) häufig
zu Konflikten, zwischen den Vertretern
einzelner Kulturen (z.B. Glaubenskriege etc.).
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Der Kulturbegriff heute
Das Verständnis von Kultur als ein geschlossenes
System, welches sich nach außen hin abschottet,
produziert nicht nur Konflikte, sondern ist auch nicht
mehr haltbar
Wo gibt es heutzutage wirklich homogene Kulturen?
Gab es diese früher wirklich?
Die Realität ist eine permanente Vermischung. Wir
migrieren aus verschiedensten Gründen geistig und
physisch zu den unterschiedlichsten Punkten der
Welt und begegnen dabei vielen Kulturen, aus
denen wir uns bedienen und die uns prägen.
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Das interkulturelle Frühstück I
Lehrer:
„Es war schon lange mein Wunsch, den Kindern die
Vielfalt der Kulturen näher zu bringen und in meiner
Klasse ein interkulturelles Projekt zu machen. Zu diesem
Zweck habe ich alle Kinder darum gebeten, ein Frühstück
mitzubringen, dass für ihr Herkunftsland typisch ist.
Dieses Frühstück wurde dann gemeinsam gegessen und
es wurde über die Essensgewohnheiten in den in der
Klasse vertretenen Ländern gesprochen. Alle haben sich
sehr bemüht, die Kinder fühlten sich und ihre Kultur
akzeptiert und jeder konnte ein bisschen was dazulernen.“
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Das interkulturelle Frühstück II
Schülerin:
„In der Schule sollten wir ein Frühstück aus unserem
Heimatland mitbringen. Ich bin in Wien geboren und fliege
nur einmal im Jahr in die Türkei. Ich habe aber keine
Ahnung was dort gefrühstückt wird. Ich esse zu Hause
immer eine Honigsemmel, aber ich hatte das Gefühl, dass
die in der Schule etwas anderes von mir erwarten.
Deshalb habe ich Schafkäse und Oliven mitgebracht,
habe aber selber davon nichts gegessen, weil es mir gar
nicht schmeckt. Ich hoffe, dass das niemandem
aufgefallen ist und dass ich alles richtig gemacht habe.“
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Multikulturalität
Das in den 1980er Jahren verbreitete Konzept der
Multikulturalität geht von klar voneinander
trennbaren Kulturen aus. Wenn man multikulturell
denkt, dann geht man davon aus, dass es bei Co-
Existenz soziokulturell unterschiedlicher Menschen
nicht zur Verschmelzung der verschiedenen Kulturen
kommt, sondern, dass sie nebeneinander bestehen.
Die Vision der Multikulturalität versucht, das
Abstoßen der Herderschen Kugeln zu verhindern,
indem die fremden „Kulturen“ friedlich
nebeneinander existieren.
IKUD(2013) Glossar. [Link]
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Interkulturalität
Das Konzept der Interkulturalität baut auf dem der
Multikulturalität auf und ist seit den 1990er Jahren das
in der breiten Öffentlichkeit verbreitete Konzept.
Unter Interkulturalität versteht man das
Aufeinandertreffen von zwei oder mehr „Kulturen“, bei
dem es trotz kultureller Unterschiede zur gegenseitigen
Beeinflussung kommt.
„Kulturen“ und die ihnen zugehörigen Personen sind im
interkulturellen Denken klar definiert, Unterschiede und
Eigenschaften werden jeweils zugeschrieben.
[Link] 13
Transkulturalität I
Der Begriff der Transkulturalität geht im Gegensatz zur
Interkulturalität und Multikulturalität davon aus, dass
Kulturen nicht homogene, klar voneinander abgrenzbare
Einheiten sind, sondern, besonders infolge der
Globalisierung, zunehmend vernetzt und vermischt
werden. Die Transkulturalität umschreibt genau diesen
Aspekt der Entwicklung von klar abgrenzbaren
Einzelkulturen zu einer Globalkultur
Nicht nur das Zusammenwohnen verschiedener Kulturen
wird alltäglicher, auch das permanente geistige und
physische Eintauchen eines jeden Individuums in andere
Kulturen.
IKUD(2013) Glossar. [Link]
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[Link]
Transkulturalität II
Wolfgang Welsch, ein bekannter Vertreter
der Postmoderne und Vordenker zur
transkulturellen Gesellschaft negiert den
Kulturbegriff, der auf Separierung beruht.
Er geht davon aus, dass es permanente
Durchdringung und Vernetzung gibt.
Moderne Kulturen sind komplex,
differenziert und durch eine Vielzahl von
unterschiedlichen Lebensformen geprägt.
Vgl. Wolfgang Welsch, Wolfgang (1995): „Transkulturalität. Zu veränderten Verfasstheit heutiger Kulturen“. In: Zeitschrift
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für Kulturaustausch. Heft 1, S 39-44
Transkulturalität III
Es gibt Menschen, die von der
Komplexität der Welt und dem
Zusammenwachsen der Kulturen
überfordert sind und die aus Angst vor
diesen Herausforderungen Schutz in
Region, Heimat und Tradition suchen.
Sie wünschen sich monokulturelle
Rückzugsgebiete, in denen Vielfalt
bekämpft wird.
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